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1.367 Bibliotheken, 5 Leser, 18 Gruppen, 221 Rezensionen

liebe, e-mail, internet, email, leo

Alle sieben Wellen

Daniel Glattauer
Fester Einband: 219 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 04.02.2009
ISBN 9783552060937
Genre: Liebesromane

Rezension:

“Alle sieben Wellen” von Daniel Glattauer ist die Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“ (man sollte es zuvor gelesen haben) und erzählt, wie es mit Emmi Rothner und Leo Leike weiter geht, nachdem die intensive Email-Beziehung im ersten Teil scheinbar beendet war.

Und ich nehme es gleich vorweg: es geht fulminant weiter und es steht dem ersten Teil in nichts nach. Wieder kommt man nicht von los und liest das Buch an einem Stück durch. Und am Ende ist man glücklich. Nicht weil die Geschichte so ausgeht, wie sie ausgeht und auch nicht weil das Buch zu Ende ist (natürlich nicht!), sondern weil es ein großartiges Lesevergnügen war, wie man es ganz, ganz selten findet. Es ist nicht die Spannung, nicht die fantastische Story und auch nicht der Voyeurismus (den Verdacht hatte ich zunächst), es ist für mich die Authenzität, die Nachvollziehbarkeit, die unbedingte Nähe zu den beiden. Man schließt sie sofort ins Herz, man identifziert sich und erkennt sich selbst und lacht und weint (fast) und ist wütend und glücklich. Am Ende eben glücklich.

Der Email-Roman ist von Glattauer dabei in einer so großartigen Sprache geschrieben, die frei von Kitsch, intelligent, aber trotzdem so natürlich und ungekünstelt daherkommt, so das das Lesen zur reinsten Freude wird.

Es ist eine moderne Liebesgeschichte, die einen berührt. Sie wirft aber auch Fragen auf, die dem Leser auch nach dem Buch im Kopf bleiben: Wird man am Ende nur glücklich, wenn man an sich zuerst denkt? Wann beginnt der Betrug und Vertrauensbruch in einer Partnerschaft? Kann man mehrere Menschen zugleich lieben? Und hat man, wenn ja, einen Anspruch darauf? Darf man funktionierende (schönes Wort in diesem Zusammenhang) Partnerschaften zerstören?

Und dann muß ich unwillkürlich an den Film „Harry und Sally“ denken und den Satz: „Männer und Frauen können einfach keine Freunde sein. Es kommt ihnen immer irgendwann der Sex dazwischen.“ Da ist eben viel Wahres dran.

Ich empfehle dieses Buch (eigentlich beide Teile) ausdrücklich auch allen Männern, auch wenn es in den meisten Buchläden, die ich kenne auf diesen furchtbaren „Frauenbuchtischen“ liegt. Da gehört es einfach nicht hin.

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441 Bibliotheken, 6 Leser, 6 Gruppen, 102 Rezensionen

ratte, bücher, boston, buchhandlung, leseratte

Firmin - Ein Rattenleben

Sam Savage , Susanne Aeckerle
Fester Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 01.08.2008
ISBN 9783550087424
Genre: Fantasy

Rezension:

Dies ist tatsächlich der Kaufgrund. Schönes Cover und ungewöhnlicher Schnitt. Aber es ist nur die äußere Form für eine wirklich gut geschriebene Geschichte. Die "Leseratte" Firmin verschlingt Bücher und dies in jeder Beziehung. Bücher sind ihr Leben, sie kennt das Leben auch nur aus Büchern. Ein sehr interessanter Bummel durch die großen Werke der amerikanischen (nicht nur) Literatur. Firmin lebt in ihren Geschichten während die wahre Welt um sie herum versinkt. Sie ist weder in der Lage mit Ihresgleichen noch mit den "intelligenten" Menschen zu kommunizieren. Trotz großartiger Sprache entsteht keine echte Spannung und auch die Charaktere bleiben, bis auf Firmin, blass und schemenhaft. Das wirkliche Leben fehlt in diesem Buch. Aber vielleicht ist genau dies die wichtigste Botschaft: Bücher allein sind nicht das Leben.

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81 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 34 Rezensionen

tobago, tauchen, karibik, reisebericht, surfen

Die Bucht am Ende der Welt

Sergio Bambaren , Gaby Wurster
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2008
ISBN 9783492262866
Genre: Romane

Rezension:

Sergio Bambaren ist mir mit "Die Bucht am Ende der Welt" zum ersten Mal begegnet. Der in Peru geborene Autor scheint durch die ganze Welt zu reisen, um endlich den Sinn des Lebens zu finden. Diesmal landet er in Tobago, einer traumhaft schönen Karibikinsel um sich dort beim Surfen zu entspannen. Wegen fehlender Wellen entscheidet er sich eher notgedrungen für das Tauchen in den vorgelagerten Korallenriffe. Wer selbst schon einmal getaucht ist, kann seine Begeisterung über die sich hier darbietenden Unterwasserwelt sofort nachvollziehen. Bambaren schreibt leicht und flüssig. Seine bildhafte Sprache läßt den Leser in die paradiesische Inselwelt eintauchen und seine Unterwassertouren hautnah mit erleben. Wenn doch nur die allzu schlichten Lebensweisheiten nicht wären. Man begegnet ihnen an jeder Ecke. Das an vielen Taxifahrern kleine Philosophen verloren gegangen sind, überrascht nicht mehr. Aber dass hier auch die Frühstückskellnerinnen und Tauchlehrer nur in druckreifen Weisheitsfloskeln sprechen, macht die kurze Geschichte unglaublich gekünstelt und hat mich sehr gestört. Der Höhepunkt der Geschichte, eine Begegnung mit den ¿Engeln des Meeres¿, war mir dann auch wirklich viel zu esoterisch. Eher lustig sind seine Momente der Selbstüberwindung und Mutproben. Er taucht an küstenfernen Stellen (hat einen "open water"-Tauchschein) und stürzt sich todesmutig in den Linksverkehr (hat jahrelang in Australien gelebt). Bambaren kommt am Ende zu einer wirklich "großen" Lebensweisheit: Das Wichtigste ist die individuelle Freiheit des Einzelnen. Sagt es und geht endlich surfen. Das Buch verleitet aber ganz nebenbei zum eigenen Nachdenken über Ziele im Leben und echtes Glück. Auch wenn meine Ergebnisse deutlich von den Erkenntnissen des Autors abweichen, habe ich das Buch durchaus mit einem Gefühl der Zufriedenheit beendet. ... Und das ist nicht das Schlechteste.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

ideen, teufel, sophia, glück, heiner

Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

Jakob Hein
Audio CD
Erschienen bei Jumbo Neue Medien, 29.09.2008
ISBN 9783833722448
Genre: Romane

Rezension:

Der Inhalt des Buches "Vor mir der Tag und hinter mir die Nacht" von Jakob Hein ist mit zwei Sätzen gar nicht so einfach zu beschreiben. Es sind eigentlich drei (fast vier) kurze Geschichten über Sinnsuchende, Liebe und Enttäuschung, und ein bisschen über fast alles. Dabei haben alle leicht die Kraft einen ganzen Roman zu ergeben. Am Ende verlangt es einem nach mehr und man beklagt, dass der Text nur gut 170 Seiten umfaßt. Denn dieser Jakob Hein kann schreiben. Es ist ein durchgängiges Vergnügen seinen Ideen, Beschreibungen und philosphischen Betrachtungen zu folgen. Es steckt voller anregender machmal auch skuriler Gedanken, die es alle Wert sind gedacht, aufgeschrieben, gelesen und weitergedacht zu werde. Dieses kleine Buch läßt seinen Leser reicher und auch klüger zurück ohne dabei im geringsten zu langweilen. Einfach großartig und sehr zu empfehlen.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

krimi, frankreich, paris, leipzig, mord

Der nützliche Freund

Ulrich Wickert
Fester Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Piper, 07.08.2008
ISBN 9783492050203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Der nützliche Freund" von Ulrich Wickert ist wohl schon der dritte Teil einer Reihe um den Pariser Richter Jacques Ricou, aber der erste, den ich gelesen habe. Es ist ein auf Tatsachen beruhender politischer Krimi. Und der ist zweifellos spannend und rassant geschrieben. Der ehemalige Geheimagent Marc Leroc wird ermordet, nachdem er angekündigt hatte in seiner Biografie, die wahren Hintergründe beim Skandal um den Verkauf der Leuna-Raffinerie offenzulegen. Es entwickelt sich eine spannende Geschichte mit Raum für Zwischenmenschliches, Liebe, Freundschaft und Verrat. Was mich jedoch an dieser Story wirklich begeistert hat, ist die Verknüpfung der bekannten Parteispendenaffäre um Helmut Kohl und die CDU, welche nie aufgeklärt wurde und dem in Sachsen sehr umstrittenen Korruptionsvorwurf im Politik- und Justizumfeld, welcher dem Innenminister Buttolo fast den Stuhl gekostet hätte. Nach einem spektakulären Auftakt verliefen die Ermittlungen nach und nach im Sande und verschwanden wieder aus den Medien. Richter Ricou hat ganz sicher recht, wenn er sagt: "Es gibt eine zweite Welt, von der ein normaler Mensch nie etwas erfährt. Die Verteilung der Macht und Ihrer Pfründe findet dort satt." Ullrich Wickert macht seinem Leser deutlich, wie wenig wir über diese andere Seite wissen und wieviel Geld hier für wahre Macht zur Verfügung steht. Beim Lesen fallen einem alle hier zusammengeführten Zeitungsmeldungen und Schlagzeilen wieder ein, die man in der heutigen Informationgesellschaft sofort zugunsten neuer Nachrichten wieder "vergessen" hatte. Es macht einen riesigen Spass immer weiter zu lesen und man bleibt am Ende mit einem Gefühl der Verstörung und Machtlosigkeit zurück. "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche. Das Bemerkenswerte an dem größten Korruptionsskandal der deutsch-französischen Geschichte ist die Unauffälligkeit, mit der er zu den Akten gelegt wurde." Dieses Buch ist unglaublich, und leider keine Fiktion.

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79 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

hamburg, terrorismus, geheimdienst, terror, 9/11

Marionetten

John Le Carré
Fester Einband
Erschienen bei Ullstein Buchverlage
ISBN 9783550087561
Genre: Sonstiges

Rezension:

John le Carré zeigt auch in seinem neuen Roman "Marionetten", dass er der unumstrittene Meister des Spionageromans ist. Im Mittelpunkt steht Issa, ein junger Mann mit russisch-tschetschenischer Abstammung, der als Flüchtling in Deutschland landet und hofft hier die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen und auch Medizin studieren zu können. Seine Hoffnungen scheinen nicht unbegründet, da er Anspruch auf eine größere Summe Geld hat, welches bei einer englischen Bank hinterlegt ist. Der erste Reflex macht Issa zu einem verdächtigen Islamisten, aber bald wird dem Leser klar: bei Issa handelt sich es um einen herzensguten Jungen, der schon früher Opfer von ethnischen Vorurteilen, Polizeiverfolgung und auch Folter war. Und auch in Deutschland wird er zum Spielball der Geheimdienste. Le Carré baut eine atmosphärisch dichte und bis zum Schluß spannende Geschichte, in der fast Niemand Herr seines Handelns bleibt. Die sprachlichen Mittel des Autors sind gewaltig und die psychologische Entwicklung der wichtigsten Protagonisten wird eindringlich und plausibel gezeichnet. Die Handlungsverläufe scheinen zwingend und unabwendbar. Während die verschiedenen Sparten der Spionage-und Nachrichtendienste Europas sich gegenseitig austricksen, behindern und sich dabei auf die Schulter klopfen, läßt der amerikanische Geheimdienst den Rechtsstaat beiseite und setzt sich zur Wahrung amerikanischer Interessen über alle Vereinbarungen hinweg. "Amerikanische Gerechtigkeit,...Gerechtigkeit, die nicht lange fackelt." Ob dies nun wieder nur die Bedienung eines Klischees ist, kann ich nicht sagen, aber ich empfehle dieses Buch jedem, der Lust hat über seine eigenen Vorurteile nachzudenken.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

fantasy, jugendbuch, pierre bottero, liebe, herz

Meister der Stürme

Pierre Bottero
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.01.2009
ISBN 9783548267753
Genre: Fantasy

Rezension:

Der zweite Teil des Kampfes von Shaé und Nathan gegen das Böse war für mich der erste. Und gleich vorweg: es ist nicht sinnvoll beim Lesen so vorzugehen. Es handelt sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte und deshalb die Empfehlung zunächst "Das achte Tor" zu lesen. Aber trotzdem es hat Spaß gemacht. Die Geschichte ist vielschichtig, für mich voller Überraschungen, sehr schnell und dicht erzählt. Die beiden Hauptakteure hetzen um die ganze Welt von einem Abenteuer zum nächsten, bewähren sich mal mehr, mal weniger und schlittern von einer Vertrauenskrise in die nächste. Das hört sich vielleicht ein wenig zu gewollt an, ist aber sehr gut geschrieben und wirkt deswegen nie langweilig oder trivial. Und Liebe und Vertrauen sind auch das Hauptmotiv in diesem Roman. Dieses Tasten, Zurückschrecken, Lernen und letztlich Lieben zweier junger Leute ist schon schön zu verfolgen, auch wenn ich eigentlich nicht mehr zur klassischen Jugendliteraturklientel gehöre. Es ist ein Fantasieroman mit einigen Anleihen bei den Klassikern dieses Genres, aber mit noch mehr eigenen Kreationen und Situationen. Es war wohltuend endlich mal keinen Elben, Zwergen und Trollen zu begegnen. Ich bin kein Fan und auch keiner geworden, aber dieses Buch kann ich empfehlen und sicher werde ich auch den letzten Teil lesen.

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548 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 106 Rezensionen

thriller, mord, familie, vergangenheit, kleinstadt

Dem Tode nah

Linwood Barclay ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.09.2008
ISBN 9783548267449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um es vorwegzunehmen: "Dem Tode nah" von Linwood Barclay ist kein literarisches Meisterwerk. Die Nachbarn der Cutters werden ermordet. Ihr Sohn Derek gerät unschuldig unter Verdacht und sein Vater beginnt selbst zu recherchieren. Er stößt dabei auf jede Menge Abgründiges bei den honorigen Bewohnern des kleinen Ortes aber auch in der eigenen Familie. Klar führt dies zu vielen Handlungssträngen, die den Leser immer wieder auf eine andere Fährte führen sollen. Hier beginnt aber auch schon die große Schwäche des Thrillers. Er ist einfach zu offensichtlich konstruiert. Man schüttelt mehr als einmal beim Lesen den Kopf über nicht plausible Handlungen der Akteure, die vorhersehbar zu Komplikationen führen. Auch der Täter und sein Motiv sind selbst für einen unerfahrenen Krimileser, wie mich, schnell nach dem ersten Auftauchen klar. Spannend bleibt es trotzdem, zumindest in Bezug auf das Schicksal der Familie Cutter. Eine Sache hat mich jedoch beim Lesen sehr gestört. Man wird stellenweise vom Autor behandelt, wie ein Idiot, als könnte man sich einen Vorgang nicht über 20 Seiten merken. Ein zuvor beschriebener Sachverhalt wird, wenn er dann für die Geschichte relevant wird gleich noch einmal (für die Schlafmützen unter den Lesern) erläutert. Die Personen sind eigentlich sehr schablonenhaft, aber irgendwie entwickelt man doch Sympathien für die beiden Männer der Familie, wogegen die Mutter bis zuletzt fremd und befremdlich bleibt. Eine Story, die man flüssig an zwei Abenden gelesen hat und mit einem zufriedenem "nun gut" weglegt. Kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muß, aber auch keine Zeitverschwendung.

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

zwerge, fantasy, halblinge, krimi, menschen

Die Zwerge von Amboss

Thomas Plischke
Flexibler Einband: 491 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.10.2008
ISBN 9783492266635
Genre: Fantasy

Rezension:

Zwerge, Menschen und Hobbits - ach nein Halblinge - auch Elben - nein Elfen. Thomas Plischke hat sich nun wirklich keine völlig neue, bisher unbekannte Welt ausgedacht. Wir sind auch nicht in Mittelerde sondern in Zwergenbund (Manchmal auch in den Zerrissenen Reichen). Die Menschen haben sich durch ständige kriegerische Auseinandersetzungen schon fast selbst zugrunde gerichtet, das Volk der Halblinge ist beim "Hammerschlag" beinahe ausgerottet worden und die Zwerge haben sich zur moralisch und technologisch führenden Rasse entwickelt. Das ganze spielt in fast modernen Zeiten, wobei diese eher an eine Diktatur als an eine Demokratie erinnern. Zunächst verlaufen drei Erzählstränge parallel: Garep Schmied ein Zwerg und Kriminalinspektor (Sucher) muß brutale und sehr prominente Morde klären, Siris ein Mensch und Großwildjäger macht sich auf die Suche nach seiner Schwester und der Zwerg Himek Steinbrecher ein Chirurg (Leiböffner) ist in einer Heilanstalt mit fragwürdigen und unzwergischen medizinischen Forschungsexperimenten konfrontiert. Die Wege der Protagonisten kreuzen sich und bilden fortan eine Zweckgemeinschaft um mysteriöse Machenschaften aufzudecken. Wer, wie ich eine Parabel auf den Zustand unserer heutigen Zeit erhofft hat, wird entäuscht. Man wird zwar den Verdacht nicht los, als hätte der Autor dies durchaus im Sinn gehabt. Aber das Ergebnis ist einfach zu flach und die Figurenkonstellationen zu schlicht und vorhersehbar. Die Schwarz-Weiß-Charaktere waren auch schon beim "Herrn der Ringe" ärgerlich, aber hier bleibt Plischke leider konsequent beim großen Vorbild. Ich habe mich beim Lesen etwas gelangweilt, obwohl das Buch flüssig geschrieben ist und eigentlich auch Themen streift, wie Grenzen für wissenschaftliche Forschung oder Manipulation in der Demokratie, die mich sonst interessieren. Vielleicht bin ich ja zu alt für solche "Jugendbücher", denn mein Sohn (15) hat es sehr gern gelesen.

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68 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

schiff, island, meer, thriller, meuterei

Das Schiff

Stefán Máni , Tina Flecken (Übers.)
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein HC, 01.01.2009
ISBN 9783550087400
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Schiff von Máni ist ein sehr spannender Krimi. Der Leser hat immer das Gefühl genau Bescheid zu wissen und wird doch Stück für Stück tiefer in die Geschichte reingezogen. Neun Männer sind auf dem Frachter ¿Per se¿ unterwegs von Island nach Surinam in Südamerika. Alle haben ihre Vorgeschichte oder Geheimnis mit an Bord gebracht. Es geht um Liebeskummer, Spielschulden, Drogen, Meutereipläne und auch Mord. Menschen, die auf engstem Raum auf einander angewiesen sind, hintergehen und belügen sich aus den unterschiedlichsten Gründen. Vertrauen, Respekt und Autorität gehen verloren und verändern sich. Der Anfang vom Ende. Schon der Prolog deutet einen unromantischen Ausgang der Geschichte an. Aber das Buch ist so viel mehr als das zwangsläufige Zusteuern auf ein verhängnisvolles Ereignis. Es zeigt eindrucksvoll, wie Menschen mit unterschiedlichen Charakteren und Fähigkeiten in extremen Situationen reagieren. Aber das beschreibt nicht annähernd was man als Leser in diesem Buch vorfindet. Die Geschichte gerät in einen Strudel von Ereignissen. Die Realität verschwimmt immer mehr mit Wahnvorstellungen und wenn man glaubt einen Hoffnungsschimmer zu erkennen, wird es noch dramatischer. Bei Gefahr fürs eigene Leben scheinen sich die niedrigsten Instinkte des Menschen zu bewähren. Die Erzähltechnik mit ständigem Perspektivwechsel und Sprüngen auf der Zeitachse hält einen in atemloser Spannung. Beim Weglegen des Buchs, und man schließt es erst mit der letzen Seite, bleibt man sprachlos, begeistert aber auch etwas ratlos zurück. Das Buch ist eine echte Entdeckung und eine klare Leseempfehlung.

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

japan, liebe, eifersucht, sex, obsession

Obsession

Hitomi Kanehara , Sabine Mangold
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 01.01.2009
ISBN 9783550087172
Genre: Romane

Rezension:

Obsession von der Japanerin Hitomi Kanehara ist die Geschichte einer jungen Frau aus deren Leben vier Abschnitte erzählt werden und zwar mit 22, mit 18, mit 16 und zuletzt mit 15 Jahren. Die Protagonistin Rin ist selbst Autorin (ungefähr im Alter von Kanehara) und wird durch ihren Verleger gebeten eine Autofiktion zu schreiben. Rin hat gerade eine Kurzgeschichte über eine Eifersuchtsszene im Flugzeug vorgelegt, die beim Verlag wohl auf allgemeine Zustimmung gestoßen ist. Diese Kurzgeschichte ist auch gleichzeitig der Beginn des vorliegenden Buches. Und sie ist wirklich gut. Sie zeigt eine gerade frisch verheiratete Frau, die es vor Eifersucht fast zerreißt. Taumelnd zwischen überschäumender Liebe zu ihrem Mann und maßloser Eifersucht entsteht eine Story von Loriotschen Qualitäten, die, ob freiwillig oder nicht, sehr komisch ist und sich auch flüssig liest. Dann folgt aber oben genannte Autofiktion und das Buch wird schlagartig schwer lesbar, sehr gewollt und einfach langweilig. Eine offensichtlich gestörte junge Frau, die hier aber als moderne Vertreterin ihres Geschlechts präsentiert wird erzählt ihr nicht nachvollziehbares und eben leider auch uninteressantes Leben. Auch durch eine ordinäre Wortwahl bekommt der Roman keinen rebellischen Anstrich. Diese ¿schlimmen Tabus¿ wurden scheinbar schon vor über 20 Jahren gebrochen. Mag sein, daß in Japan diese sexuelle Revolution noch Literaturpreise aufs Tapet hebt, aber bei mir hinterläßt es nur ein ausgiebiges Gähnen (und mit jeder Seite leider auch mehr Unmut). Ich persönlich glaube, daß die Autorin (die richtige) dem Leser leider rein gar nichts zu sagen hat und nur kommerzielle Literatur produziert, die sie für POP hält. Leider kann ich diese belanglose, verschwitzte Altherrenliteratur nicht wirklich empfehlen. Obwohl, die anfängliche Flugzeugkurzgeschichte ist in gewisser Weise geeignet, über die Mühsal des Lesens hinwegzutrösten.

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(227)

373 Bibliotheken, 6 Leser, 9 Gruppen, 64 Rezensionen

krimi, norwegen, harry hole, serienmörder, schneemann

Schneemann

Jo Nesbø , Günther Frauenlob (Übers.)
Fester Einband: 488 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 01.09.2008
ISBN 9783550087578
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der "Schneemann" von Jo Nesbo ist ein moderner nordischer Krimi. Das sagt leider schon eine ganze Menge. Ein Serienmörder treibt in Norwegen sein Unwesen und tötet mit Vorliebe Frauen. Der Kommissar ist ein beziehungsgestörter Einzelgänger mit persönlichen Problemen (natürlich auch Alkoholproblemen), diesmal ist die Frau nicht tot sondern nur bei einem anderen Mann, aber sonst ist er ein genialer Ermittler unter lauter Bürokraten. Und der Fall wird immer mehr zu einer ganz persönlichen Angelegenheit. Eigenartiger Weise hat mich das aber gar nicht gestört. Ich habe das knapp 500seitige Buch in zwei Tagen gelesen. Es war einfach interessant, manchmal anrührend und letztlich auch nicht langweilig. Diese Spannung gründete jedoch nicht auf einen unbekannten Täter. Diesen ahnte man leider schon nach wenigen Seiten. Es waren vielmehr die kleinen Geschichten, die sich als ermittlungstechnische Sackgassen herausstellen, welche den Roman tragen und lesenswert machen. Diese handeln von Lüge, Täuschung und Vertrauen. Ich glaube aber auch, aus dem Thema ¿Lebenslüge¿ wäre noch mehr zu machen gewesen. Die Charaktere von Verdächtigen, Opfern, Angehörigen und Kollegen sind häufig nur schemen- und klischeehaft gezeichnet. Das ist sehr schade, denn an den schriftstellerischen Möglichkeiten Nesbos liegt es sicher nicht. Vielleicht liegt es am Thema Serienmord, dass kaum Zeit für lebendige Figuren bleibt. Ein paar Opfer sind so schnell tot, dass nicht einmal der Name in Erinnerung bleibt und darüber hinaus sind sie für die Geschichte auch unwichtig. Dem Hauptkommissar Harry Hole wird an einer Stelle vorgeworfen, dass er überall Serienmorde sieht, weil er auf Grund einer diesbezüglichen Sonderausbildung überall welche sehen will. Vielleicht hat ja auch Nesbo an einem ähnlichen Kursus für Schriftsteller teilgenommen. Insgesamt ein Buch für lange Winterabende, an denen man kein anders Buch zur Hand hat. Ich kann mir auch gut vorstellen es noch mit einem anderen Buch von Nesbo zu versuchen.

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(76)

113 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

norwegen, krimi, zugunglück, mord, schneesturm

Der norwegische Gast

Anne Holt , Gabriele Haefs
Fester Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Piper
ISBN 9783492046930
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch "Der norwegische Gast" von Anne Holt handelt von einem Zugunglück bei dem der Lockführer stirbt. Alle übrigen Reisenden werden gerettet und in einem nahegelegenen Hotel untergebracht. Und während draußen ein Schneesturm noch nie dagewesenen Ausmaßes tobt und die Reisenden das Hotel nicht mehr verlassen können, geschieht ein Mord. Was will man mehr: eine spannende und interessante Ausgangssituation mit vielen verschiedenen zwangsweise zusammengewürfelten Menschen. Da dies mein erstes Buch von Anne Holt ist, war mir ihre Kommissarin zuvor unbekannt. Ich empfand es jedoch als Vorteil den bisherigen Weg der Hauptfigur nicht zu kennen. Die jetzige Lebenssituation der ehemaligen Polizistin ist bedrückend und faszinierend zu gleich und ist ideal für die sich entwickelnde Geschichte. Einerseits versucht sie zu Beginn sich der Gemeinschaft zu entziehen, andererseits weiß sie, dass sie zur Lösung des Falles gebraucht wird. Mehrmals droht die Lage zu eskalieren, was auch durch das aufkommende Gerücht eines besonders bewachten Zugwaggons (man vermutet königliche Reisende) nicht vereinfacht wird. Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig und interessant gezeichnet. In dieser Extremsituation entwickeln sich einige der Protagonisten zu Egoisten, zu ¿kleinen¿ Helden oder auch zu gefährlichen Wortführern. Man kann mit einigen Figuren mitleiden, sich über andere wundern und man ist immer dabei mitzurätseln, wer warum wen ermordet hat. Die Lesefreude wird jedoch maßgeblich durch sich ständig wiederholenden Schreibfehler getrübt. Mal heißt eine Hauptfiguren "Magnus Streng" dann wieder "Magnus Berg". Eigentlich wird jeder von jedem geduzt, doch ab und zu verfallen manche Protagonisten in ein unerklärliches "Sie". Schade, hier muß der Verlag sich Kritik gefallen lassen. Insgesamt hat mir das Buch jedoch sehr gut gefallen und ich empfehle es allen, die alte klassische Krimis a la Agatha Christie lieben.

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(1.250)

2.465 Bibliotheken, 52 Leser, 20 Gruppen, 289 Rezensionen

liebe, seelen, fantasy, zukunft, freundschaft

Seelen

Stephenie Meyer , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 14.08.2008
ISBN 9783551581907
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mal ehrlich: Ohne "wärmste Empfehlung" hätte ich dieses Buch nicht in die Hand genommen. Romantische Liebesgeschichten sind nicht meine Sache (und romantische Vampir- Liebesgeschichten schon gar nicht). Aber wenn schon einem Buch von Stephenie Meyer eine Chance geben, dann einem wo Sci-Fi-Aspekte vorkommen und in dem es anscheinend eine Spur unromantischer zugeht. Die Grundkonstellation des Buches "Intelligente Außerirdische nutzen die Menschen als Wirtskörper" bietet auch eine faszinierende Ausgangsbasis für eine spannende Geschichte. Aber: Es ist durch und durch ein Buch über Frauen und für Frauen. Als Mann muss man sich durch dieses Buch durchkämpfen. Dabei ist der Roman manchmal durchaus spannend und auch leicht lesbar, aber eben auch hochgradig romantisch und extrem gefühlsbetont. Die Geschichte der Seele Wanda und ihrem Wirtskörper Melanie entwickelt sich vorwiegend von einer Emotion zur nächsten. Die detailreiche Beschreibung des Seelen-Zustandes wird abgelöst durch die Beschreibung von Melanies Gefühlen, diese abgelöst durch Wandas Gefühle für Jamie, diese durch Wandas Gefühle für Jared; diese durch Melanies Gefühle für Jared etc.. Interessant wird es, wenn Wanda von ihrer Herkunft und ihrem Leben als Seele berichtet. Die Seelen sind nicht bösartig oder alles vernichtend. Ihr Überleben hängt von einem Wirtskörper ab und da ihnen die Menschen als rückständig und gewalttätig erscheinen, sind sie aus deren Sicht die perfekten Wirte. Technische Details des medizinischen oder Raumfahrtwissens der außerirdischen Spezies sind dabei unwichtig und habe ich auch nicht vermisst. Man kann den Konflikt der zwei ¿Geister¿ in einem Körper sicher auf philosophische Themen projizieren, auf das Mit- und Gegeneinander unterschiedlicher Spezies und natürlich auch das menschliche Miteinander der Gegenwart. Nur durch eine Ausnahmesituation werden beide gezwungen, das andere Wesen wahrzunehmen, kennenzulernen, zu verstehen und ihm Verständnis entgegenzubringen. Aber ein wenig mehr Story und etwas weniger Gefühl (Wanda mit ihrem permanenten Uneigennutz nervt gelegentlich) hätten dem 800 Seiten starken Roman aus meiner Sicht durchaus gut getan. Ich empfehle dieses Buch allen Frauen und Mädchen und wünsche ein schmachtendes Lesevergnügen.

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(39)

56 Bibliotheken, 1 Leser, 5 Gruppen, 34 Rezensionen

entführung, jugendbuch, tod, thriller, krimi

Licht am Ende des Tunnels

Klaus-Peter Wolf
Fester Einband: 182 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 14.01.2009
ISBN 9783760728216
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Thriller "Licht am Ende des Tunnels" von Klaus-Peter Wolf kommt in einer aufwendigen Verpackung inklusive einer kleinen Überraschung daher und macht so schon einmal Eindruck. Das Buch selber erscheint dann aber trotz Hardcover doch eher preiswert (dickes Papier, große Schrift, kein Schutzumschlag). Geschildert wird die Entführung des 16jährigen Millionärserben Robert Sonntag und ist auch vollständig aus seiner Perspektive erzählt. Ob diese Sprache tatsächlich, der eines heutigen Teenagers entspricht kann ich nicht wirklich sagen, hat mich aber nicht überzeugt. Der Eindruck, dass hier ein Erwachsener so klingen möchte als ob, ließ sich bei mir nicht abschütteln. Die Story ist sonst recht spannend und schnell gelesen (180 Seiten in Großschrift). Neben der eigentlichen Entführung, des Versuches zu fliehen und der aufkeimenden Todesangst geht es um fast philosophische Betrachtungen über den Sinn des Lebens und Wiedergeburt sowie Nah-Tod-Erfahrungen. Aber es geht auch um die immer mehr um sich greifende ¿moderne Unternehmensführung¿, die Gewinnmaximierung über alles stellt und klassische Unternehmertugenden vergißt. Und genau das sind für mich auch die interessantesten Passagen des Buches. Der eigentliche rote Faden: die emotionale oder seelische Verbundenheit Roberts mit seinem verstorbenen Großvater, der regelmäßig mit ihm spricht und ihn in Gefahrensituationen wie ein Schutzengel leitet, ist mir allerdings völlig suspekt. Ich glaube hier schießt der Autor über das Ziel hinaus und verleiht dem Buch einen stark esoterischen Beigeschmack, der leider ernstgemeint ist. Meiner Meinung nach kann sich das Buch nicht richtig entscheiden. Letztlich ist es kein Lebensratgeber, kein Jugendbuch und kein Thriller und es ist dem Autor auch nicht gelungen alles harmonisch zu verbinden. Wirklich schade ist aber, dass am Ende des Buches mehr Fragen offen bleiben als für einen Krimi gut sein kann. Die Geschichte bricht ab, wo andere erst anfangen und hier wäre ich nun wirklich gern "erleuchtet" worden.

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(41)

81 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

wissenschaft, thriller, hirnforschung, berlin, philosophie

Kritik der mörderischen Vernunft

Jens Johler
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.01.2009
ISBN 9783548269542
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Thriller "Kritik der mörderischen Vernunft" von Jens Johler werden Wisenschaftler ermordet. Neurologen bzw. insbesondere Hirnforscher werden Opfer eines äußerst geschickt und planvoll vorgehenden Mörders, der sich selbst "Kant" in Anlehnung an den großen Philosophen aus Königsberg nennt. Der Journalist Troller und seine eng befreundete Kollegin Jane Anderson wittern eine große Story und versuchen den Fall aufzuklären und exklusiv darüber zu berichten. Dabei ist Troller von Anfang an selbst Teil des Verbrechens. Der Täter zitiert aus einer vor Jahren von Troller veröffentlichten Schrift und beruft sich auf diese, um seine Taten zu legitimieren. Denn auch wenn Troller die Morde selbst verurteilt, so ist die Motivation für ihn doch nachvollziehbar: Der Terror der Wissenschaft. Die Forschung hat längst menschliche Moral und Ethik beiseite geschoben und mehr noch; der Mensch ist nicht mehr Herr der Wissenschaft sondern Ziel und Opfer der Forschung. Das Buch ist spannend bis zur letzten Seite und es ist ganz gewiss einer der besten Thriller der letzten Zeit. Perfekt, schnell, stimmig und wirklich gut geschrieben. Aber mit der letzten Seite, der Auflösung und Klärung ist das Buch noch nicht zu Ende. Es läßt seine Leser nachdenklich und mich auch ein wenig wütend zurück. Man erfährt nebenbei eine Menge über den aktuellen Stand der Hirnforschung und ergänzt dies zwangsläufig um Fakten und Hypothesen aus dem Internet. Darf Wissenschaft so weit gehen? Sind sich Forscher ihrer enormen Verantwortung bezüglich der Verwendung ihrer Ergebnisse wirklich bewusst? Jens Johler und sein Held im Buch tendieren wohl zu einem klaren "Nein". Die Menschheit steuert in eine Katastrophe, weil sie die neu entwickelten Möglichkeiten nicht mehr beherrscht, sondern von diesen beherscht wird. Besonders gefährlich zeigt sich im Buch eine Gruppe von Forschern, "Der Club", die den freien Willen beseitigen wollen und deswegen schon heute seine Existenz leugnen. Scheinbar fehlt diesen Leuten jegliche moralische und ethische Instanz, die als Maßstab für ihr Handeln dienen könnte. Denn diese Wissenschaftler sind gottlos und betrachten Religion als besondere Form der Geisteskrankheit bzw. Wahnvorstellung. Puh...ja, und hier muss ich gestehen habe ich sehr geärgert. Ich bin immer empfindlich, wenn Religion und moralisches Handeln gleichgesetzt werden. Aber mehr noch, ich neige dazu den menschlichen Drang nach Erkenntis für grundsätzlich gut und unterstützenswert zu halten. Wissenschaft darf sich nicht mit Tabus und Schranken umgeben. Selbstverständlich und auch leider wird es immer auch die andere Seite geben; den Versuch neue Erkenntnisse zur Sicherung und Ausweitung von Macht zu nutzen oder Andersdenkende und Andersgläubige zu vernichten. Hier muss Moral und Ethik meiner Meinung nach ansetzen. Und vielleicht wäre man ohne religiösen und sonstigen weltanschaulichen Fanatismus schon in einer viel besseren Welt.

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412 Bibliotheken, 8 Leser, 8 Gruppen, 70 Rezensionen

thriller, berlin, mord, entschuldigung, schuld

Sorry

Zoran Drvenkar
Fester Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.02.2009
ISBN 9783550087721
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Man hatte dich gewarnt. "Sorry" von Zoran Drvenkar ist ein dämonisches Buch. Du schlägst die erste Seite auf, liest und liest und liest ... und kannst nicht mehr aufhören. Dabei möchtest du, dass es endlich aufhört. Die Story verlangt dir einiges ab. Die brutale Hinrichtung einer unbekannten Frau ist nur der Beginn. Der Anfang einer atemberaubenden Geschichte - sehr schnell, kompromislos, direkt und präzise. Vier jungen Leute haben eine Agentur gegründet. Sie bieten als Dienstleistung an, sich für dich bei anderen zu entschuldigen. Und das Geschäft läuft sehr gut, überraschend gut. So viel Schuld ist in unserer Zeit abzutragen. Viel Arbeit für vier Einzelne. Doch dann wird es schwierig. Lars Meybach beauftragt die Agentur sich bei einer Toten zu entschuldigen und zwar für den Mord an dieser. Und auch die Leiche muss beseitigt werden. Die Situation eskaliert. Es gibt noch mehr Tote. Und es gibt Panik, Verrat, enttäuschte Freundschaft und Angst, Liebe, Freundschaft und noch mehr Angst. Und du bist immer mitten drin, ob du willst oder nicht. Es liegt an der Sprache. Kurz, unglaublich direkt und klar. Sicher, auch indem er dich direkt anspricht ist die Geschichte dir nah, ja gegenwärtig im Wortsinn. Alles im nervenaufreibenden Präsens. Du bist immer dabei - trotz der ständigen Perspektivwechsel oder gerade deswegen. Es ist dir aber auch egal warum, du blätterst einfach immer weiter und liest und liest und ... liest. Es geht um Schuld. Alles scheint zu verschwimmen. Wer trägt Schuld: Opfer und Täter sind klar, nur war das Opfer auch Täter? Warum fühlen sich Opfer schuldig. Wer ist schon frei von Schuld? Und dann die alte Frage: Ist Rache gerecht? Ist sie legitim? Oder macht sich der Rächer schuldig - unentschuldbar schuldig. Und auch eine für dich neue Frage: Gibt es zwischen Opfer und Täter auch sowas wie Liebe oder nur perverse Neigung. Ein schwieriges Thema. Alles geht so unglaublich schnell. Du versuchst zu verstehen. Warum und wann ist der Fehler passiert? Wann wurde eine falsche Entscheidung getroffen? Du weißt es nicht. Es passiert einfach und es passiert zwangsläfig und nachvollziehbar. Erschreckend plausibel und ohne erkennbares Versagen. Alles Zufall? Nein, nicht nur, aber eben auch. Ohne Schuld und doch unentschuldbar. Der beste Thriller den ich bislang gelesen habe und dabei nicht platt und trivial. Nicht einfach nur höllisch spannend, sondern auch unglaublich vielschichtig und sobald der Puls sich wieder beruhigt hat sehr nachdenklich.

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