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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

luther, bibelübersetzung, reformator, reformation, deutscher

Aus einem traurigen Arsch fährt nie ein fröhlicher Furz

Mario Süßenguth
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Eulenspiegel Verlag, 12.09.2016
ISBN 9783359017271
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein unterhaltsames Anekdotenbändlein um Martin Luther, gesammelt von Mario Süßenguth und aufgeteilt in acht Kapitel, allerdings leider ohne Inhaltsverzeichnis. Unter Überschriften wie "Luther legendär", "Luther laut und leise" oder "Luther liebend" wird das ganze Spektrum seines Schaffens und Wirkens in allerlei Episoden aufgezeigt. Von seinem Aufwachsen als Sohn eines Bauern und Berghäuers in Mansfeld über seine Studien- und Lehrzeit bis hin zu seiner Schaffenszeit als Prediger und Bibelübersetzer erfährt man einiges Unbekanntes über den Reformator, beispielsweise, dass er seine Vorlesungen am liebsten zwischen 6 und 7 Uhr morgens abhielt und einst zu Fuß bis nach Rom wanderte. Bei seiner geplanten, aber hektischen Entführung auf die Wartburg, wo er nach dem Anschlag seiner Wittenberger Thesen und dem Reichstag zu Worms erst einmal in Sicherheit gebracht wurde, konnte er gerade noch in letzter Sekunde seine Bibeln mitnehmen. Er war einerseits selbstkritisch, beichtet als junger Mönch auch harmlose Dinge, andererseits wird er später aufgrund seiner Sprachgewalt auch als "gewaltiger Dolmetscher" bezeichnet. Man erfährt einiges über seine Spracharbeit und -besessenheit, ebenso wie ein paar Details über das Verhältnis zu seiner Frau Katharina von Bora, die er wegen ihrer Durchsetzungskraft auch "mein Herr Käthe" nannte. Seine problematischen Ansichten zu Hexen, Juden, Menschen mit Behinderungen und anderen Gruppen kommen in dem Büchlein allerdings nicht vor; es liest sich eher wie ein flotter anekdotischer Begleiter zum Luther-Jahr.

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Tags: bibelübersetzung, junker jörg, martin luther, reformation   (4)
 

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265 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

liebe, ruth hogan, freundschaft, verlorene dinge, down-syndrom

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge ist eine moderne Erzählung der Geschichte des heiligen Antonius von Padua, des Schutzheiligen für verlorene Gegenstände. Ruth Hogan verlegt die Geschichte ins England der Jetztzeit und erzählt sie in zwei großen Erzählsträngen, von denen einer bis ins Jahr 1974 zurückreicht.

Der von Marion Balkenhol übersetzte Roman spielt einerseits in einem Landhaus im ländlichen England, andererseits in einem Verlegerbüro in London. Dort fängt Eunice 1974 als Assistentin bei dem Verleger Bomber an, in den sie sich prompt verliebt, nachdem sie zuvor ein kleines Medaillon auf der Straße gefunden und als Talisman an sich genommen hat. Ihre Liebe bleibt zwar unerwidert – es stellt sich heraus, dass Bomber schwul ist -, jedoch arbeiten sie beide lange Jahre zusammen und entwickeln ein enges freundschaftlich-platonisches Verhältnis sowie eine große Liebe zu Hunden. Selbst Bombers schreckschraubige Schwester, die selbst jahrelang einen Roman nach dem anderen schreibt, in denen sie englische Klassiker plagiiert, kann sie nicht abschrecken, obwohl sie sich wirklich alle Mühe gibt.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Landhaus Padua irgendwo im ländlichen England. Dort arbeitet Laura als Haushälterin und persönliche Assistentin bei dem in die Jahre gekommenen Schriftsteller Anthony Peardew. Sowohl sein als auch der Name des Hauses spielen dabei fast schon wie ein Wink mit dem Zaunpfahl auf die Legende des heiligen Antonius an, der unter anderem der Schutzheilige für verlorene Gegenstände und Singles ist. Mr. Peardew hat sich nach einem persönlichen Schicksalsschlag – er verlor gleichzeitig ein Medaillon seiner Geliebten und diese selbst – sein Leben lang Vorwürfe gemacht, durch den Verlust des Medaillons den Tod seiner Geliebten herbeigeführt zu haben, und wurde daraufhin zum Sammler verlorener Dinge. Sein einziger Lebenszweck war es, diese ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Zugleich schrieb er Kurzgeschichten, die sich um die gefundenen Gegenstände rankten und von denen einige im Buch abgedruckt sind – dabei handelt es sich um teilweise hochemotionale Miniaturen, in denen einem noch einmal zahlreiche neue Charaktere begegnen. Nach Anthonys Tod vermacht er Laura sein Haus, zusammen mit der Aufgabe, die rechtmäßigen Eigentümer der Dinge ausfindig zu machen, um so sein Lebenswerk zu vollenden.

Die Perspektive wechselt zwischen den Zeit- und Handlungsebenen Bomber/Eunice und Laura/Anthony hin und her, wobei häufig der nächste Text an ein passendes Stichwort des vorangegangenen Abschnitts anknüpft. Zunächst fragt man sich, wie die zwei Geschichten wohl zusammengehören, aber am Ende fügt sich doch alles zu einem homogenen Ganzen und es kommt auch zur persönlichen Begegnung von Eunice und Laura. Das Buch enthält zahlreiche sehr britische Elemente – neben den Anspielungen auf die englischen Klassiker (von Jane Eyre bis Harry Potter) kommen auch eine Geistergeschichte und eine Liebesgeschichte mit einem Gärtner darin vor. Das Britische darin hat mir sehr gut gefallen, zugleich haben mich die vielen teilweise nur kurz angedeuteten Einzelschicksale jedoch  etwas überfordert. Leider wird der wundervoll nostalgische Landsitz Padua am Ende mit einem Breitbandanschluss und einer eigenen Website für die verlorenen Gegenstände ausgestattet und die Bewohner sind nur noch mit dem Katalogisieren der Dinge beschäftigt, wodurch er deutlich an Charme verliert. Der leuchtendste Charakter ist die wundervolle Sunshine, die sich keinen Deut um ihr Down-Syndrom schert, sondern es vermag, mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihren übersinnlichen Fähigkeiten eine sehr liebevolle Atmosphäre um sich herum zu schaffen. Auch der fortschreitende Alzheimer von Bomber und seinem Vater werden anschaulich geschildert.

Lesens- und empfehlenswert für Hundeliebhaber, Freunde von Geistergeschichten und der englischen Lebensart, Sammlerinnen und Sammler und Fans des heiligen Antonius!

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Tags: alzheimer, down-syndrom, england, glückliche und unglückliche liebe, heiliger antonius von padua, sammelleidenschaft   (6)
 

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

berlin, renitente mieter, krimi, gentrifizierung, action & liebe

Mitternachtsnotar

Bettina Kerwien
Flexibler Einband
Erschienen bei Jaron, 31.03.2017
ISBN 9783897738157
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bettina Kerwien hat einen temporeichen Krimi um die Escortlady Liberty Vale und den traumatisierten Privatdetektiv Martin Sanders geschrieben. Im Norden Berlins sollen eine Kleinhaussiedlung luxussaniert und die alteingesessenen Mieter hinausgeekelt werden. Doch plötzlich wird der Hausmeister tot am Dachbalken aufgefunden ...

Abwechselnd aus Sicht der sehr unterschiedlichen Charaktere Liberty Vale, der energischen Escortlady, die sich jobmäßig zwar den Männern an den Hals wirft, privat aber eher auf Abwehr gebürstet ist, und des vom Leben ziemlich gezeichneten Privatermittlers Martin Sanders werden die Ermittlungen beschrieben, an denen beide auf ihre Weise beteiligt sind. In kurzen Kapiteln mit knackigen Überschriften und zahlreichen Songtiteln geht die Geschichte flott voran und bringt allerlei Verwicklungen mit sich. Während Sanders mich ziemlich an den schön gestörten Kommissar Faber aus dem Dortmunder Tatort erinnert hat – er hat eine fast noch dramatischere Familiengeschichte hinter sich und lebt in einer halben Traumwelt -, hat Libby mit ihrer Leidenschaft für Eierlikör und Erdbeeren bei mir gepunktet. Das Geschehen ist sehr genau in Berlin verortet; neben der Reinickendorfer Siedlung kommen auch ziemlich treffende Schilderungen von Moabit, dem Ku'damm und der Domkuppel vor. Zudem besticht der Text durch einige gelungene berlinerische Einsprengsel!

Das Ende mit einem wirklich dramatischen Showdown war für mich absolut nicht vorhersehbar, aber spannend erzählt! Die Atmosphäre ist ziemlich trashig und die erzählten Wahrheiten sind reichlich desillusionierend - einzig der Funke Hoffnung, der zwischen den beiden Hauptcharakteren aufglimmt, lässt einen noch an das Gute im Menschen glauben. Ein melancholischer Berlin-Krimi um ein leider sehr aktuelles Thema mit zwei ungewöhnlichen Hauptdarstellern – empfehlenswert!

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Tags: action & liebe, berlin, ermittelnde escortlady, gentrifizierung, krimi, luxussanierung, problembeladener privatdetektiv, renitente mieter   (8)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

natur, begegnung, joggen, im wald verirrt, atmosphäre

Wenn Du magst

Helle Helle , Flora Fink
Buch: 180 Seiten
Erschienen bei Dörlemann, 05.09.2016
ISBN 9783038200345
Genre: Romane

Rezension:

Ein Mann und eine Frau, die sich nicht kennen, gehen unabhängig voneinander im selben Wald irgendwo in Jütland joggen. Beide kennen sich dort nicht aus, beide verlieren die Orientierung und treffen sich schließlich. Zusammen versuchen sie, aus dem Wald herauszufinden, verirren sich aber nur immer weiter in dem ihnen unbekannten Gebiet. Die Perspektive wechselt und ist mal bei der namenlosen Erzählerin, mal bei dem zehn Jahre älteren Roar, der unterschiedlich große Schuhe trägt und sich daher eine schmerzende Blase gelaufen hat. Während sie gegen die Unwegsamkeiten ihrer Umgebung ankämpfen – keine Orientierung, nicht genug zu trinken, kein Handyempfang, Kälte und Regen, zunehmende körperliche Schwäche – erinnert sich die Frau an verschiedene Stationen ihres Lebens: vom ersten Job über das Leben in ihrer ersten WG bis hin zum Kennenlernen ihres Lebensgefährten, dem gemeinsamen Leben mit dessen Sohn und der Arbeit im Möbelgeschäft. Die existentielle Bedrohung bringt die beiden zuvor Fremden schließlich auf engstem Raum zusammen: aneinandergelehnt in einer Hütte und schließlich in einem Gästehäuschen nebeneinander im selben Bett. Die sinnlichen Beschreibungen der Natur, der Oktoberluft und der beklemmenden Situation, überzeugend übersetzt von Flora Fink, lassen einen das Geschehen unmittelbar miterleben. Werden sie gemeinsam einen Ausweg finden?

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Tags: atmosphäre, begegnung, dänemark, im wald verirrt, joggen, lebensgefahr, natur, spannung   (8)
 

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österreich, found footage, perchten, dialekt, fantasy

Perchtenlauf

Andreas Brugger
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei CCQ Verlag, 01.11.2015
ISBN 9783950384901
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Buch "Perchtenlauf" wird die österreichische Perchtensage in die Gegenwart transportiert. Hierzu bedient sich der Autor Andreas Brugger der Found Footage-Technik, indem er einzelne Szenen in einer Kameraeinstellung nach der anderen vor dem inneren Auge der Leser ablaufen lässt. Eine Gruppe Wiener Studenten reist ins ländliche Österreich, um dort dem Brauch der Perchtenläufe nachzuspüren. Was folkloristisch anfängt, wird nach und nach immer gruseliger, bis es schließlich in einem grausligen Finale endet.

Mein Fall war das Buch nicht ganz, ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so stark in die Horrorrichtung geht und blieb am Ende doch ziemlich verschreckt und mit einigen offenen Fragen zurück (wenn ich gewusst hätte, dass Found Footage hauptsächlich im Horrorgenre verbreitet ist, hätte ich mir natürlich vorher so meine Gedanken gemacht...). Sehr gut gefallen haben mir hingegen die Schilderung der lokalen Bräuche und die Verwendung des österreichischen Dialekts, was dem Text ein echt authentisches Lokalkolorit verleiht.

Leider werden nicht alle Fragen, die der Fall aufwirft, im Buch beantwortet, sondern in Band 3 der Reihe geht es wohl noch weiter. Auch geht die Schilderung der Charaktere aufgrund des Erzählstils nicht allzu sehr in die Tiefe und der Text ist an und für sich recht kurz, allerdings ist er komplett doppelt - auf Hochdeutsch und Österreichisch - abgedruckt. Insgesamt gebe ich dem Buch 3,5 Sterne, aufgerundet auf 4.

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Tags: bräuche, dialekt, found footage, österreichisch, perchten   (5)
 

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

italien, mailand, kinderemigration, familie, gefängnis

Das Leben wartet nicht

Marco Balzano , Maja Pflug
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.02.2017
ISBN 9783257069839
Genre: Romane

Rezension:

Marco Balzano hat zahlreiche Interviews mit Süditalienern geführt, die in den 50er und 60er Jahren nach Norditalien gegangen sind, teilweise noch als Kinder und ohne ihre Familien, um der wirtschaftlichen Misere des Mezzogiorno zu entgehen. Die Erkenntnisse daraus hat er, selbst ein Kind von Süditalienern im Norden, in diesem Buch verdichtet und zu einem Romangeschehen verarbeitet. Das ist ihm überzeugend gelungen.


Ninetto verlässt mit 9 Jahren sein sizilianisches Dorf, nachdem seine Mutter einen Schlaganfall erleidet und sein Vater, ein Tagelöhner, sich mehr und mehr emotional zurückzieht. Schon zuvor, als er täglich von einer Sardine und etwas Brot leben musste und keine Perspektive für sich sah, hatte er diese Pläne geschmiedet. Zusammen mit einem Bekannten fährt er mit der Bahn nach Mailand. Dort schlägt er sich tapfer durch, findet sofort einen Job als Fahrradbote einer Wäscherei und arbeitet später auf dem Bau, bevor er mit 15 endlich in der Fabrik anfangen kann. Er lernt ein Mädchen kennen und fühlt sich mit 15 schon so erwachsen, dass er sie heiratet. Von da an arbeitet er 38 Jahre lang in einer Autofabrik und wird Vater einer Tochter. Er hat mit übermäßiger Eifersucht zu kämpfen und trägt immer ein Messer bei sich, was dazu führt, dass er den Freund seiner Tochter niedersticht und 10 Jahre im Gefängnis verbringen muss. Als er wieder rauskommt, hat er Schwierigkeiten, sich in der Welt ohne feste Strukturen zurechtzufinden, schaut auf sein Leben zurück und kämpft darum, seine Enkelin sehen zu dürfen.

Das Buch wird überwiegend in Rückblenden aus Sicht des 57-jährigen Ninetto erzählt, der sich an die verschiedenen Etappen seines früheren Lebens erinnert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kindheit am Fuße des Ätna, die einzige Zeit, in der er sich richtig lebendig gefühlt hat und an die er wehmütig zurückdenkt. Ein Lehrer hat es vermocht, in ihm eine Liebe zur Poesie zu wecken, die ihn sein Leben lang begleitet. Aber auch die Erfahrungen der Fremdheit im Norden, des eintönigen Fabrikarbeiteralltags und des Versuchs der Wiedereingliederung nach seiner Gefängniszeit werden überzeugend geschildert. Die Zeitebenen springen durcheinander, so dass wir langsam und kaleidoskopartig einen Eindruck von Ninettos Leben gewinnen, als würde er uns persönlich davon erzählen. Die Sprache ist meist schlicht gehalten, mit schönen Betrachtungen des Lebens, allerdings kommen durchaus Referenzen zu Dichtern und Büchern vor, die ihn beeindruckt und geprägt haben. Erst gegen Ende wird klar, was Ninettos Verbrechen war und weshalb er so lange im Gefängnis saß, so dass das die Sicht auf ihn sich noch einmal verändert. - Das Buch stellt einen wichtigen Beitrag zu einem Phänomen - die Kindermigration innerhalb Italiens - dar, das mir vorher völlig unbekannt war und das psychologisch feinfühlig ausgeleuchtet wird.

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Tags: arbeit am fließband, italien, kinderflüchtling, mezzogiorno, migration   (5)
 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

frühjahrsputz, fliege, kinderbuch, tiere, kai pannen

Mach die Biege, Fliege!

Kai Pannen
Fester Einband: 104 Seiten
Erschienen bei TULIPAN VERLAG , 17.02.2017
ISBN 9783864293399
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das zweite Buch um Spinne Karl-Heinz und Fliege Bisy von Kai Pannen spielt im Frühling und handelt vom Thema Frühjahrsputz. Allerdings erleben wir Leser den diesmal aus einer neuen Perspektive mit, nämlich der der Insekten, die normalerweise bei der Gelegenheit weggefegt oder ins Freie vertrieben werden. Weder Karl-Heinz noch Bisy haben bislang jemals so einen Hausputz mitgemacht, daher müssen sie sich mit einem Handbuch über das Leben in Menschenwohnungen behelfen. Um ihre Haut zu retten, beschließen sie, selbst zu fliehen und den Weg in die unbekannte Natur zu wagen – für Karl-Heinz, den Pantoffelhelden mit einer Leidenschaft fürs Rumliegen auf dem Sofa, eine besondere Herausforderung. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe im Freien begegnen ihnen allerlei fremde Insekten – disziplinierte Ameisensoldaten, joggende Tausendfüßler und eine unternehmungslustige Nashornkäfer-Dame – und auch so unbekannte Lebewesen wie Vögel! Schließlich finden sie ein lauschiges Heckchen für ihr gemeinsames Netz und erkunden nach und nach ihre neue aufregende Umgebung. Ein von Blattläusen betriebener Naschmarkt, auf dem es leckere Süßigkeiten wie Ahorndrops oder Ligusterheckenkamellen gibt, wird besucht, verloren geglaubte Weihnachtsgeschenke tauchen wieder auf und neue Hobbys – Skateboardfahren und Wespenkunstflug – werden entdeckt. Eine amouröse Verwicklung von Karl-Heinz mit einer rosa Raupe stellt die Freundschaft der beiden auf eine arge Probe, doch zum Glück gibt er der launischen Lady bald den Laufpass, die daraufhin beschließt, sich zu verpuppen. Nach einer fröhlichen Überraschungsparty zu Karl-Heinz' Geburtstag und einer kleinen Identitätskrise bei Bisy merken die Freunde erst, was sie aneinander haben, und erfreuen sich an ihrem neuen Heim. 

Erfrischende Frühlingslektüre mit vielen bunten und phantasievollen Illustrationen von Insekten auf Wohnungssuche, beim Stricken oder Feiern … - ein tolles (Vor-)Lesevergnügen für Groß und Klein!

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Tags: flucht, freundschaft, frühjahrsputz, illustration, insekten, kinderbuch   (6)
 

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73 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

nasa, rassentrennung, emanzipation, usa, gleichberechtigung

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

Margot Lee Shetterly , Michael Windgassen
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.01.2017
ISBN 9783959670845
Genre: Biografien

Rezension:

Margot Lee Shetterly erzählt in Hidden Figures die Geschichte der ersten schwarzen Mathematikerinnen des NASA-Vorläufers NACA bis hin zur Mondlandung und den Apollo-Missionen. 

Wir lernen Dorothy Vaughan kennen, die erste schwarze Abteilungsleiterin von Langley, die einige Jahre lang dem Rechenzentrum West vorstand, in dem zu Zeiten der Rassentrennung nur schwarze Frauen arbeiteten, und dort zahlreiche Karrieren schwarzer Frauen anschob und beförderte, bevor ihre Abteilung im Zuge der Desegration schließen musste.

Das Leben und die Arbeit von Mary Jackson werden geschildert, die besser rechnete als ihr Vorgesetzter und sich unermüdlich sowohl im Job als auch privat für ihre schwarze Pfadfinderinnentruppe einsetzte und schließlich ihre Karriere als Gleichstellungsbeauftragte bei Langley beschloss, wo es ihr gelang, die „hidden figures“ sichtbar zu machen und die Beförderung anderer Forscherinnen voranzutreiben ...

... wie die von Christine Darden, einer hartnäckigen und sehr begabten Mathematikerin, die als promovierte Ingenieurin in Langley so weit aufstieg wie noch keine schwarze Frau vor ihr.

Und natürlich werden das Leben und die Verdienste von Katherine Johnson geschildert, der Frau, der der erste amerikanische Erdumrundungspilot John Glenn 1962 mehr vertraute als den Rechenmaschinen und die alle Computerdaten zur Umlaufbahn seines Flugs nachprüfte. Ihr außergewöhnlicher Weg vom schulischen Mathegenie mit einem Talent zum Glücklichsein zu einer Zeit, als Schulen und Arbeitsplätze noch getrennt waren, zur NASA-Datenanalystin, die wesentliche Berechnungen für mehrere Apollo-Missionen anstellte, wird wunderbar erzählt, inklusive ihres unermüdlichen Engagements außerhalb ihres Arbeitsplatzes bis hin zu ihrer Auszeichnung mit der Presidential Medal of Freedom im Jahr 2015.

Die Autorin schreibt fundiert und stützt sich auf ausgiebige Recherchen, zugleich ist ihr Stil jedoch sehr persönlich und man merkt, dass ihr als Tochter eines NASA-Forschers und einer Englischprofessorin die Geschichten wirklich am Herzen liegen. Ich habe beim Lesen viel über das Gefühl, im Amerika zur Zeit der Rassentrennung zu leben, gelernt sowie über die Zeit vor und während der Bürgerrechtsbewegung. Wer hätte gedacht, dass Martin Luther King Jr. Star-Trek-Fan war? Und dass Mathejobs bei der NASA früher nur an Frauen vergeben wurden? Toll, dass diesen beeindruckenden Ladys mit dem Buch so ein schönes Denkmal gesetzt wird!

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Tags: afroamerikanische geschichte, computers in skirts, frauenpower, mathematikerin, nasa   (5)
 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

emma der kaktus und ich, kaktus, leserunde, wunschvorstellung, lustig

Emma, der Kaktus und ich

Christopher Lück
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.01.2017
ISBN 9783442484997
Genre: Liebesromane

Rezension:

Student, Tollpatsch und Möchtegern-Dichter Gerd Gerthner hat noch nie mit einer Frau geschlafen und möchte dies unbedingt ändern. Der Weg zum ersten Mal wächst sich für ihn zu einer wahren Pleiten-Pech-und-Pannen-Odyssee aus, bei der ihm alle Mittel recht sind (teilweise würfelt er die richtige Kandidatin und die richtige Gelegenheit aus), aber natürlich alles schief geht, was nur schiefgehen kann: von einer Latexallergie der per Würfel ermittelten Kandidatin über ein Missverständnis wegen einer Nachbarin unter seiner Couch bis hin zur spionierenden kleinen Schwester vor dem Schlüsselloch im entscheidenden Moment... Als er dank einer zufälligen Kakteenleidenschaft dann aber doch die Richtige trifft, Gärtnerin Emma nämlich, scheint er gerettet und seine Welt endlich wieder in Ordnung. Doch dann sieht Emma ein missverständliches Foto von Gerd und einer anderen Frau und Gerd muss lernen, dass das Leben nach dem ersten Mal und vor dem ersten Kind nicht unbedingt einfacher wird...

Ein unterhaltsamer Roman in recht mündlicher Schreibe mit Einschüben von Liedtexten, Wikipedia-Artikeln und einigen Gedichten bzw. Gedichtversuchen, der sich locker wegliest. Man fühlt mit Gerd mit, wenn er sich in immer ausweglosere Situationen verstrickt, und muss regelmäßig schmunzeln. Manche Schilderungen und Witze haben allerdings nicht ganz meinen Geschmack getroffen und gelegentlich fand ich die häufigen Schriftwechsel und Rückblenden etwas anstrengend. Dafür gewinnt man immerhin interessante Einblicke in die männliche Psyche!

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Tags: kaktus, liebe, männlicher hera lind   (3)
 

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64 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

föhr, köln, wohnungstausch, roman, janne mommsen

Seeluft macht glücklich

Janne Mommsen
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.03.2017
ISBN 9783499290183
Genre: Liebesromane

Rezension:

Thore, relativ frisch, aber unglücklich getrennter Föhrer Junggeselle, muss unfreiwillig die Verlobungsparty seiner Ex ausrichten und beschließt daraufhin Hals über Kopf, für eine Weile aufs Festland zu flüchten. Jasmin wiederum, Dauersingle aus dem Rheinland, hat sich in ihrem Krankenhausjob in Köln zum Workaholic entwickelt und rettet sich, als sie vor Überarbeitung zusammenklappt und von ihrem Chef kurzerhand für acht Wochen beurlaubt wird, mit letzten Kräften auf die Insel. Bei einem Fahrradplatten lernen sich die beiden kurz vor Thores Aufbruch kennen und vereinbaren spontan einen Wohnungstausch (wobei auch ein Autoquartett eine gewisse Rolle spielt...).

Während Thore sich am Rhein trotz kleinerer kultureller Hindernisse schnell einlebt und bald einen Job als Krankenhausclown findet, der ihn fordert, aber auch belohnt, schläft sich Jasmin in seinem umgebauten Kuhstall auf Föhr erstmal richtig aus. Dank Anstößen von Thore und der passionierten Oldsumer Kupplerin Inge Hansen bleibt sie jedoch nicht lange allein, sondern kommt bei einer Scheunenparty und einem Aushilfsjob als Strandkorbkönigin auch bald unter die Leute. Dass sie sich bei einer Wattwanderung schließlich den Knöchel verknackst, führt nicht nur zum endgültigen Abschied von einem romantischen, aber verjährten Jugendtraum, sondern auch zu einem interessanten Jobangebot in der Inselklinik. Auch Thore, der mittlerweile mit roter Nase zum halben Rheinländer geworden ist, stellt nach einer Weile fest, dass er über seine Verflossene hinweg ist. Nach vielen Telefonaten, Nachrichten und dem Kennenlernen ihrer gegenseitigen Eltern treffen sich die beiden schließlich auf Föhr wieder, wo sie sich erstmals richtig kennenlernen und anfangen können, einen neuen, gemeinsamen Traum zu träumen.

Eine kurzweilige Lektüre für Föhr- und Köln-Fans und solche, die es noch werden wollen. Da ich selbst Föhr wesentlich besser kenne als Köln, kann ich nur sagen, dass die Insel sehr anschaulich mit vielen lebendigen Details, Läden und Ecken geschildert ist, wie man es von Janne Mommsen kennt und liebt. Dank einiger friesischer Einsprengsel und Kölner Karnevalslieder kommt auch das Lokalkolorit nicht zu kurz und es kommen allerlei bunte Charaktere vor. Da beide Orte sehr charmant abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten geschildert werden, ist es am Ende fast schade, dass sich die beiden für ein Leben auf der Insel entscheiden – aber Köln werden sie sicherlich trotzdem weiterhin die Treue halten!

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Tags: autoquartett, burnout, einsamkeit, föhr, köln, krankenhausclown, liebe, wohnungstausch   (8)
 

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37 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

tanz, identitätssuche, rhythmus, rassismus, schwarz

Swing Time

Zadie Smith
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Hamish Hamilton, 15.11.2016
ISBN 9780241247310
Genre: Romane

Rezension:

Zadie Smith nimmt uns in Swing Time mit auf eine Reise zurück ins London der 80er und 90er Jahre, die Zeit vor E-Mail und mit Videokassetten und von London aus nach Gambia und New York. Sie erzählt die Geschichte einer Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher halbjamaikanischer Mädchen in Nordwestlondon, die jedoch ihre Liebe zum Tanzen eng verbindet. Beide nehmen Tanzstunden und sind fasziniert von Stepptanz- und anderen Musikvideos, von Fred Astaire über Jeni LeGon bis hin zu Michael Jackson. Beide wollen Tänzerinnen werden, aber nur eine hat das Zeug dazu. Die andere wird persönliche Assistentin eines weiblichen Überpopstars, einer weltweiten Berühmtheit, die bald ihr Leben einnimmt und überschattet, bis es beinahe zu verschwinden droht.

Diese unterschiedlichen Lebensentwürfe - obwohl es weniger Entwürfe als teilweise zufällige Entwicklungen zu sein scheinen - werden kunstvoll durch verschiedene Orts- und Zeitebenen miteinander verwoben. Aimee, der Megastar, will sich in Gambia wohltätig engagieren, und so reist die Erzählerin mit einem ganzen Tross von Leuten regelmäßig nach Westafrika, um die dortigen Bedingungen kennenzulernen. Dort werden eindrucksvolle lokale Tanztraditionen geschildert und die Situation des armen Landes in wirkungsvollen Kontrast gesetzt zum überreichen Leben eines westlichen Popstars. Auch die sich verändernden Beziehungen der beiden Mädchen zu ihren Müttern und Vätern werden detailliert und facettenreich beschrieben, ebenso wie das damalige Zeitgefühl und die Welt des Musikbusiness.

Ein Buch voller Rhythmus, Schwung und Musik - toll geschrieben und sehr lesenswert!

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Tags: entwicklungshilfe, freundschaft, gambia, jamaica, london, musik, rhythmus, tanz   (8)
 

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

shakespeare, theater, shakespear, rache, englisch

Hag-Seed

Margaret Atwood
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hogarth, 06.10.2016
ISBN 9781781090237
Genre: Romane

Rezension:

Margaret Atwood schafft es, die Figuren Shakespeares zum Leben zu erwecken, indem sie sie nach Kanada, in die Umgebung des Makeshiweg Festivals (was mich stark an das Stratford Festival in Ontario erinnert hat) und eines Gefängnisses versetzt. Felix, der frühere Leiter des Theaterfestivals, wird von einem Kollegen ausgebootet und zieht sich in eine Hütte auf dem Lande zurück, einzig begleitet vom Geist seiner verstorbenen Tochter Miranda. Erst nach zwölf langen Jahren, die er dort verbringt und in denen er auf Rache sinnt, fängt er wieder an zu arbeiten, in einem Literacy through Literature-Programm im Fletcher County Correctional Institute. Dort erarbeitet er mit den Insassen Shakespeare-Stücke auf eine sehr moderne und interaktive Weise: mit originalen Flüchen, Teams für jeden Charakter und Videoaufnahmen. Als sich ihm die Möglichkeit bietet, sich an seinen früheren Widersachern zu rächen, greift er das Stück auf, zu dessen Aufführung es damals nicht mehr kam: den Sturm. Zusammen mit seiner damaligen Miranda, einer toughen Tänzerin, und den abgebrühten Gefängnisinsassen erarbeiten sie eine umwerfende Tempest-Inszenierung, mit Raps, Disney-Puppen als Göttinnen und einem spacig-futuristischen Ariel. Beim Besuch seines früheren Konkurrenten im Knast kommt es zu einer interaktiven Aufführung, in der nicht nur ein Blizzard vor den Gefängnistoren tobt, sondern auch im Inneren der Haftanstalt ein emotionales Unwetter losbricht. Am Ende bekommt Felix seine Rache, die Figur des Caliban wird neu erzählt (daher auch der Buchtitel Hag-Seed) und Miranda bekommt einen modernen feministischen Anstrich verpasst.

Ein sehr lesenswertes Buch mit einer fetzigen, wundervollen, temporeichen Sprache, in dem nicht nur Shakespeares Charaktere zum Leben erweckt werden, sondern man auch viel über die Arbeit mit Gefängnisinsassen und die Verarbeitung des Tods geliebter Menschen erfährt!

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Tags: shakespeare, theater im gefängnis, the tempest   (3)
 

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

liebe, verlieben, reisen, dates, reise

Ein Jahr für die Liebe

Yvonne Eisenring
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Orell Füssli, 01.09.2016
ISBN 9783280056080
Genre: Sachbücher

Rezension:

Yvonne Eisenring ist eigentlich glücklich als Single... aber irgendwie hat sie auch Angst, sich nicht mehr richtig verlieben zu können. Sie nimmt sich daher eine einjährige Auszeit, um sich auf die Suche nach der Liebe zu machen. Ihre romantische Odyssee führt sie in 12 Länder von Italien über Israel bis nach Kolumbien. Dabei hat sie 50 Dates, vom Ginger-Speeddating in Dublin bis hin zur zufälligen Begegnung beim Junggesellenabschied in Budapest. Dank ihrer sehr persönlichen Schreibe sind wir als Leser immer mit dabei und nah dran, lernen sprachbegeisterte Römer, New Yorker Nerds und tanzwütige Kubaner kennen. Die Liebessuche gestaltet sich nicht immer einfach, dafür aber sehr abwechslungsreich, mitunter überraschend und ziemlich unterhaltsam. Eine erfrischende romantische Odyssee aus weiblicher Sicht mit Schweizer Einsprengseln - weckt die Reise- und Datinglust! :-)

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Tags: love love love   (1)
 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

braunschweig, wolfenbüttel, 16. jahrhundert, historischer roman, wolfenbüttel;

Der Mädchenreigen

Susanne Gantert
Flexibler Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.08.2016
ISBN 9783839219072
Genre: Historische Romane

Rezension:

In seinem zweiten Ermittlungsfall begleiten wir Konrad von Velten erneut ins Braunschweiger Land. Dort kämpft er nicht nur gegen Drachen (oder den Aberglauben daran), sondern bekommt es auch mit einem eiskalten Geschäftsmann zu tun, der nicht einmal vor Menschenraub und Zwangsprostitution zurückschreckt, um seine politischen Ziele zu erreichen. Mehrere junge Mädchen aus der Umgebung sind verschwunden, scheinbar ohne Zusammenhang, doch Konrad, dem neu ernannten Ermittler in herzoglicher Mission, gelingt es, ein Muster zwischen den Entführungen zu erkennen. Als später auch seine Tante spurlos verschwindet und sein Onkel k.o. geschlagen wird, ein früheres Entführungsopfer jedoch plötzlich wieder auftaucht, zieht sich das Netz der Ermittlungen zusammen. Er deckt einen teuflischen Plan auf, wonach die Mädchen als Maibräute zwei einflussreichen Männern zugeführt werden sollen, um einen Neubau von Wasserwegen in der Region durchzusetzen. In einem dramatischen Showdown gelingt es Konrad und seinen Verbündeten, das „Bunga-Bunga im Braunschweiger Land“ gerade noch so zu verhindern... wobei auch die Mädchen selbst Köpfchen beweisen und zu ihrer Rettung beitragen.

Ein fesselnder historischer Krimi mit einer passenden altertümlich gefärbten Sprache, dessen Thema bis heute leider nichts an seiner Aktualität verloren hat. Neben den zeittypisch männlichen Amtsinhabern kommen auch einige kluge Frauen darin vor, darunter ein als Junge verkleidetes Mädchen, das besonderen Mut beweist und Konrad bei der Aufklärung des Falles hilft. Zum Schmökern für lange Herbst- oder Winterabende empfohlen - allerdings nichts für sehr zartbesaitete Gemüter!

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Tags: krimi, regionalkrimi, wolfenbüttel   (3)
 

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108 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

italien, insel, familiengeschichte, sizilien, roman

Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner , Marion Balkenhol
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351307
Genre: Romane

Rezension:

... befindet sich auf Castellamare, und das lernt man in diesem Buch sehr schön kennen. Die englische Autorin führt uns zunächst mit den Augen eines Findelkindes auf die fiktive Insel vor Sizilien - eine wunderbare Annäherung an einen magischen Ort! Später durchleben wir das Leben von 3 1/2 Generationen auf der Insel und auf dem Festland, im Krieg und im Ausland (zumeist in England, denn irgendwie verschlägt es immer wieder den einen oder anderen Briten dort in den italienischen Süden), erleben hautnah die Auswirkungen von Weltkrieg, Wirtschaftskrise und technischem Fortschritt auf das Leben der Insulaner mit und lernen allerlei unterschiedliche Charaktere kennen. Mit märchenhaften Kapiteleinleitungen und lebensechten Beschreibungen versprüht die Autorin viel italienisches Flair und zieht den Leser in ihren Bann. Auch die Übersetzung von Marion Balkenhol hat mich vollauf überzeugt. Ein Wälzer mit viel süditalienischer Sonne, einigen starken Frauen und dem Duft von Bougainvillea!

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Tags: familiengeschichte, generationenroman, insel, italien, sizilien   (5)
 

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146 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

mord, erotik, thriller, kunst, london

Maestra

L.S. Hilton , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2016
ISBN 9783492060516
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Lisa S. Hilton hat sich beim Schreiben ihres Romans augenscheinlich stark von einigen Bildern aus der Kunstgeschichte beeinflussen lassen, allen voran von Artemisia Gentileschi. Die Brutalität ihres Bildes "Judith enthauptet Holofernes" findet sich auch in der Geschichte wieder, in deren Verlauf mehrere Leute auf teilweise äußerst brutale Weise durch die Hand der Protagonistin Judith Rashleigh den Tod finden. Außer diesem Splatteraspekt kommen in dem Buch noch jede Menge Markennamen vor, was beim Lesen einigermaßen anstrengend ist, und allerlei zum Teil recht eklige Sexszenen. Teilweise war ich von dem Buch fasziniert, besonders die internationale Anmutung hat mir gefallen, oft aber auch ziemlich abgestoßen. Einen Stern gibt's für die tollen kunsthistorischen Erläuterungen, die ich sehr spannend fand, aber sonst kann ich das Buch leider nicht wirklich weiterempfehlen. Man kann noch nicht einmal raten, wer denn wohl die Mörderin sein könnte! :-(

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Tags: kunstgeschichte   (1)
 

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177 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

schlaganfall, liebe, die liebe ist ein schlechter verlierer, neuanfang, träume

Die Liebe ist ein schlechter Verlierer

Katie Marsh , Angelika Naujokat
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Diana, 28.03.2016
ISBN 9783453285224
Genre: Liebesromane

Rezension:

Katie Marsh verknüpft auf kunstvolle Weise die Geschichte einer verfahrenen Ehe mit der Krankengeschichte eines Schlaganfallpatienten - so unglaubwürdig-glaubwürdig und schön, wie sonst eigentlich nur das Leben seine Geschichten schreibt! Man merkt dem Roman an, dass sie selbst mit Schlaganfallpatienten gearbeitet hat und weiß, wovon sie erzählt. Mich hat das Buch gefangen genommen; besonders fasziniert war ich von Julie, Toms kleiner Schwester, die schon als Minderjährige ihre Mutter pflegt und immer hinter ihrem Bruder zurückstecken muss, aber im Grunde ein echter Schatz ist (wenn auch nicht ohne Ecken und Kanten). Auch die Übersetzung von Angelika Naujokat liest sich gut und flüssig. Gefühlig!

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Tags: liebesgeschichte, schlaganfall   (2)
 

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

mofa, jugend, 80er, 80 er jahre, 80iger jahre

Mofaheld

Lars Niedereichholz ,
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.02.2016
ISBN 9783499271014
Genre: Romane

Rezension:

Auf amüsante Weise nehmen uns Lars Niedereichholz und sein Protagonist Marc in "Mofaheld" mit in die 80er Jahre. Zwischen Urzeitkrebsen, Wasserschildkröten und Zahnspangenküssen sowie vor dem Hintergrund der Tschernobyl-Katastrophe taucht man mit dem Buch in das typische 80er-Teenie-Feeling ein. Natürlich ist alles superpeinlich (besonders die Eltern), es wird viel Musik gehört und die Verwendung des Wortes "geil" ist eine Revolution. Ich habe mich beim Lesen mehr als einmal vor Lachen gekringelt und kann das Buch allen Kindern der 80er nur empfehlen!  Es enthält viele tolle Musikinspirationen und der Inhalt wird dem grellen Cover insofern gerecht, als die damalige Zeit einem wirklich wieder in knallbunten Farben vor Augen steht. Eine höchst unterhaltsame Zeitreise mit hessischer Färbung! :-)

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Tags: 80er, mofa, musik, ohne ende peinlich   (4)
 

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304 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 76 Rezensionen

murmeln, familie, cecelia ahern, der glasmurmelsammler, roman

Der Glasmurmelsammler

Cecelia Ahern , Christine Strüh
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 18.11.2015
ISBN 9783810501523
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buch für Fans von verzwickten Familiengeschichten, Murmeln und Cecelia Ahern! :-)

Sabrina steckt in einer Sackgasse fest: In ihrem Job als Rettungsschwimmerin im Altenheim ist sie unterfordert, ihr Eheleben lässt die Leidenschaft vermissen und ihr Vater ist seit einiger Zeit im Altenheim und hat nach einem Schlaganfall große Gedächtnisprobleme. Da tauchen ein paar alte Kisten von ihrem Vater mit einer Murmelsammlung auf... von deren Existenz sie bislang keine Ahnung hatte! Innerhalb von einem einzigen Tag macht sie sich auf die Suche nach der Geschichte hinter den Murmeln, einigen fehlenden Stücken aus der Sammlung und den weißen Flecken im Leben ihres Vaters. Dabei stößt sie auf angenehme, aber auch auf unangenehme Wahrheiten, lernt ihre Eltern und ihre Familie aus einer neuen Perspektive kennen und gewinnt am Ende ihren Lebensmut zurück.

Es ist ein sehr irischer Roman, in dem Jungs Murmeln spielen und sammeln, arme kinderreiche Familien gerade so über die Runde kommen und Männer in den Pub gehen. Einer Frau wird der Boden unter den Füßen weggezogen, und ein Mann fängt nach einem Erinnerungsverlust wieder an, sich zu erinnern. Ein paar Wortspiele ("he's lost his marbles") kommen im Deutschen nicht so gut rüber, aber ansonsten ist die Übersetzung gut gelungen. Für Freunde irischer Familiengeschichten und für alle Fans von Cecelia Ahern auf alle Fälle empfehlenswert!!!

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Tags: familiengeschichte, identität, irland, murmeln, schlaganfall   (5)
 

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krimi, historischer krimi, historischer roman, hexenverbrennung, rennaisance

Das Fürstenlied

Susanne Gantert
Flexibler Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.08.2015
ISBN 9783839217306
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein rasantes Buch, das gleich mit einer heftigen Hexenverbrennungsszene anfängt... und schon ist man mittendrin in der Atmosphäre auf dem niedersächsischen Lande im 16. Jahrhundert! Eine der "Hexen" äußert noch einen Fluch kurz vor ihrem Tod, eine andere eine Verwünschung noch vom Scheiterhaufen aus... 14 Jahre später geht es weiter, und wir erleben eine grausame Mordserie in der Gegend um Wolfenbüttel. Die Leichen werden als meineidig gekennzeichnet, einer ihrer Körperteile wird abgetrennt und neben jedem findet sich eine einzelne Zeile eines mörderischen Gedichts. Der junge Assessor Konrad von Velten begibt sich zusammen mit seinem Vorgesetzten auf die Suche nach dem Täter - oder der Täterin? - und durchlebt hierbei alle möglichen Seelenzustände von himmelhochjauchzend und frisch verliebt ist bis zu Tode betrübt, als er in einer dunklen Höhle eingesperrt wird. Der Krimi ist ein echter Page-Turner, gut recherchiert und fesselnd geschrieben. Auch wenn die meisten Figuren fiktiv sind, ist das Geschehen sehr realistisch geschildert, die Wortwahl der Zeit angemessen und die Handlung entwickelt einen unwiderstehlichen Sog. Ein spannendes Lesevergnügen für den Herbst!

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Tags: hexenverbrennung, historischer krimi, krimi   (3)
 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kinderbuch, illustration, pfannkuchen

Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt - Mein kaputtes Königreich

Finn-Ole Heinrich , Rán Flygenring
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.07.2013
ISBN 9783446243040
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags: illustration, kinderbuch, pfannkuchen   (3)
 

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familie, glück, autismus, kinderbuch, freundschaft

Das Blubbern von Glück

Barry Jonsberg , Ursula Höfker
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.09.2014
ISBN 9783570162866
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Wir lernen Candice Phee kennen, ein recht einsames Mädchen, deren Schwester am plötzlichen Kindstod verstarb, als Candice gerade fünf war. Seitdem, und seit ihr Vater von ihrem Onkel wegen eines Softwarepatents über den Tisch gezogen wurde, funktioniert ihre Familie nicht mehr. Ihre Eltern leben zurückgezogen vor sich hin und überlassen Candice weitgehend sich selbst. Candice' Lieblingshobby ist es, das Wörterbuch von vorn bis hinten durchzulesen, und wenn sie durch ist, fängt sie wieder von vorn an. Dadurch ist sie einerseits ziemlich altklug und verfügt über einen ungewöhnlich großen Wortschatz für ihr Alter. Andererseits hat sie kaum Ansprechpartner in ihrem direkten Umfeld und ist so schüchtern, dass sie meist aufschreibt, was sie sagen will, wenn sie Leute noch nicht so gut kennt. Im Laufe des Buchs, das wie eine alphabetische Autobiographie aufgebaut ist und eine Hausaufgabe für die Schule darstellte, erfahren wir, wie Candice mit zwölf Jahren ihr Leben selbst in die Hand nimmt, um das blubbernde Glück ihrer Kindertage wiederherzustellen. Sie unternimmst die skurrilsten Versuche, um ihre Eltern aus ihrer Lethargie zu reißen und um ihren Vater und dessen Bruder wieder zu versöhnen. Außerdem lernt sie Douglas Benson kennen, einen neuen Mitschüler, der selbst nach einem Sturz vom Baum eine leichte Macke hat und glaubt, aus einer anderen Dimension zu kommen. Zusammen mit ihm, ihrer mysteriösen Brieffreundin Denille, dem atheistischen Erdferkel-Fisch, zwei recht schrägen Lehrerinnen und einer Mitschülerin mit einer ziemlich rauen Schale schafft Candice es, ihre persönliche Misere zu beenden und ihre Mitmenschen und sich selbst wieder glücklich zu machen!

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Tags: anders, blub blub, erdferkel fisch, glücklich   (4)
 

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humor, kinderbuch, wohnwagen, c, familie

Familie Grunz hat Ärger

Philip Ardagh , Axel Scheffler , Harry Rowohlt , Axel Scheffler
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 03.02.2014
ISBN 9783407820327
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags: grunz!, kinderbuch, the one and only harry rowohlt   (3)
 

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robben, meer, märchen, insel, magie

Seeherzen

Margo Lanagan , Mayela Gerhardt , ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2014
ISBN 9783499211607
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Buch war für mich eine großartige Einführung in die Selkie-Sage um Robben, die an Land kommen und sich in wunderschöne Frauen verwandeln. Wie es dazu kommen könnte, zeigt uns Margo Lanagan in ihrem modernen Märchen. Aus einem Mädchen, das auf Rollrock Island aufwächst und während ihrer Kindheit und Jugend dauernd gemobbt wird, wird eine Hexe mit der Fähigkeit, Robben in Menschen, hauptsächlich Frauen, zu verwandeln. Die Erkenntnis ihrer eigenen Fähigkeiten bringt das Gleichgewicht auf der Insel zum Kippen: Bald leben alle Männer mit Robbenfrauen zusammen und die "normalen" Frauen haben Rollrock verlassen. In einer Abfolge unterschiedlicher Perspektiven erfahren wir, wie sich diese ungeheuerlichen Vorgänge auf ganz verschiedene Personen und letztlich auf die ganze Insel auswirken.

In dem märchenhaften, fantastischen Roman verstecken sich zahlreiche (gesellschafts-)kritische Punkte: So geht es um die Frage, ob es einen "perfekten" Frauenkörper gibt, um Ausgestoßenwerden und Anderssein, den Gegensatz zwischen Stadt- und Landleben und nicht zuletzt um Robben, die getötet werden. Und es gibt sogar einen radikalen Perspektivwechsel, bei dem man buchstäblich "in die Haut" einer Robbe schlüpft. Ein großartiger Beitrag zum Robbenschutz!

Ein paar kleinere logische Brüche sind mir aufgefallen, aber die haben das Lesevergnügen kaum beeinträchtigt. Die Wortwahl fand ich bezaubernd und sehr sinnlich; man konnte das Meer quasi riechen, die Wellen förmlich hören und meinte, die salzige Luft direkt aus dem Buch einatmen zu können. Hier ist auch die tolle Leistung der Übersetzerin Mayela Gerhardt zu würdigen, die das Original mit viel Feingefühl ins Deutsche übertragen hat. Seit langem habe ich schon kein Fantasy-Buch mehr gelesen, war dafür aber umso begeisterter von diesem! Für Freunde von Märchen und Sagen, dem Meer und Robben ein absolutes Muss!!!

Auch Tori Amos singt übrigens in ihrem neuesten Album von Selkies:
https://www.youtube.com/watch?v=7fBtXVhRjK8
- ebenfalls sehr gelungen!

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Tags: jugendbuch, liebe, meer, robben, selkies   (5)
 

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Der Schmerz, die Zukunft, meine Irrtümer und ich

Jenny Jägerfeld , Birgitta Kicherer
E-Buch Text
Erschienen bei Carl Hanser Verlag GmbH&Co. KG, 03.02.2014
ISBN 9783446245624
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein ausgesägter Flamingo, ein kirschroter Volvo, ein künstlich aufgeklebter Einschusskrater auf der Stirn, eine Party mit Justin Timberlake-Songs, ein leeres Haus in Norrköping, ein lachsrosa Kalender, eine Reihe skurriler Kontaktanzeigen und ein Haiku über eine vollbusige Schwedischlehrerin, deren Bluse platzt… das sind nur einige der Zutaten, aus denen Jenny Jägerfeld ihren rasanten Jugendroman „Der Schmerz, die Zukunft, meine Irrtümer und ich“ komponiert hat.

Maja ist 17, eigensinnig & cool, und hat keine Lust, im Kunstunterricht eine Skulptur zu bauen. Also sägt sie ein Bücherregal für ihre Mutter aus, das sie mit einem ausgesägten Flamingo dekorieren will. Dabei sägt sie sich jedoch versehentlich mit der Motorsäge ein Stück vom Daumen ab… und so kommt es, dass das Buch fast wie ein Splatterfilm beginnt, mit spritzendem Blut, Sägeblättern auf Knochen und einer Protagonistin, die kurzzeitig ohnmächtig wird.

Als LeserInnen erleben wir diesen und die darauffolgenden sieben Tage in ihrem Leben hautnah mit, dank einer herzerfrischend schnoddrigen und lakonischen Sprache. Das Wochenende verbringt sie in Norrköping im Haus ihrer Mutter, die jedoch nicht da ist, weil sie in einer psychiatrischen Klinik untersucht wird. Das wusste Maja jedoch nicht, und so kommt es, dass sie einige Tage ganz allein verbringt, aber durch ein paar Verwicklungen erst auf einer Party im Nachbarhaus landet und sich dann schließlich in ihren Nachbarn verliebt, einen Typen, von dem sie die ersten Tage nicht einmal weiß, wie er heißt.

Die Story wechselt grandios zwischen der Erinnerung an den körperlichen Schmerz, der immer wieder aufblitzt, der Liebesgeschichte und dem Loch, das ihre abwesende Mutter hinterlässt. Bei dieser, die wohl schon in Majas Kindheit einige besondere Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat, wird letztlich das Asperger-Syndrom festgestellt, was nicht nur sie selbst, sondern auch Maja in eine ziemliche Krise stürzt… Und obwohl Maja durchaus aus ein ziemliches Ekelpaket sein kann (zum Beispiel gegenüber einer möglichen neuen Freundin ihres Vaters), ist sie ein absolut starker und beeindruckender Charakter, mit der man sich dank Sätzen wie „Ich wurde nicht gerade mit Einladungen zu Festen zugeschmissen“ sofort identifiziert.

Das Buch ist liebevoll in rosa mit Flamingos an jedem Kapitelbeginn gestaltet, und die Übersetzung von Birgitta Kicherer liest sich hervorragend. Für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen empfehlenswert!!!

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Tags: asperger-syndrom, identität, jugendbuch   (3)
 
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