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4 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Im Kopf von Bruno Schulz

Maxim Biller
Fester Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.11.2013
ISBN 9783462046052
Genre: Romane

Rezension:

Mein erster Text von Maxim Biller.
Es handelt sich um ein sehr schmales Büchlein, das als Biller-ungewohnter Leser zwar vollste Konzentration erfordert, mit diesem Einsatz jedoch in maximal 90 Minuten durchgelesen ist.
Der Autor beschreibt in einer Art Kammerspiel das Wohl und Wehe des Kunstlehrers und Hobbyliteraten Bruno Schulz in seiner Kellerbehausung in einer polnischen Stadt im Angesicht der Nazi-Besatzung und des aufziehenden zweiten Weltkrieges.
Schulz versucht einen Brief an sein, vermutlich, literarisches Vorbild Thomas Mann zu schreiben. Er berichtet darin von einem Mann-Doppelgänger, der in Schulzens polnischer Stadt sein Unwesen treibt. Je mehr er über ihn berichtet, desto klarer wird ihm, dass es sich nicht um den echten Thomas Mann handeln kann.
Je weiter die Beschreibung gedeiht, desto mehr entpuppt er sich als eine Art Nazi-Agent.
Das eigentliche Anliegen des Briefes von Schulz scheint aber die Bitte zu sein,
Mann möge ihm doch nach Durchsicht eines Manuskriptes einen Verlag im Westen vermitteln, der ihm als Schriftsteller zum Durchbruch verhilft.
      Ein einfacher, leicht lesbarer Schreibstil scheint Maxim Biller nicht gerade zueigen zu sein. Man muss sich ihm schon voll und ganz widmen und selbst dann bleiben Zweifel. Er verfügt aber in jedem Fall über eine herausragend phantasievolle Erzählkunst. Diese ist im vorliegenden Werk zudem gespickt mit einem Feuerwerk an Skurilitäten (Schulzens Zwiegespräch mit zwei Tauben
oder die teils urkomischen Personenbeschreibungen seien hier stellvertretend erwähnt).
Ein sehr kleines Kunstwerk, das es sich in jedem Falle zu lesen lohnt.

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103 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

bibliothek, traum, bücher, haruki murakami, bestrafung

Die unheimliche Bibliothek

Haruki Murakami , Ursula Gräfe , Kat Menschik
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 29.11.2013
ISBN 9783832197179
Genre: Romane

Rezension:

Das also mein erster Murakami. Insofern vermag ich aus eigener Erfahrung nicht zu sagen, ob ein typischer oder ein guter Murakami.
Ein sehr schmales Bändchen, das eine faszinierende, bewegende, fast schon mystische Geschichte beschreibt.
Ein Heranwachsender gerät bei der Rückgabe und eher spontanen Neuausleihe in einer Bibliothek in völlig überraschende Gefangenschaft in den Kellern der Bibliothek. 
Dort wird er "betreut" von einem etwas skurilen, fast märchenhaften Schafsmann. Dieser zeigt sich sehr warmherzig und gutmütig aber auch schonungslos offen und erklärt dem Gefangenen die Ausweglosigkeit seiner Lage, die zwingenderweise in den Tod führt, denn der "Kerkermeister", der vordergründig der Vorsteher der Ausleihe der Bibliothek ist, erweist sich als widerwärtig, brutal und gnadenlos.
So taucht denn aber unvermutet ein fast feenhaftes Mädchen auf und verhilft letztlich dem Gefangenen und dem Schafsmann zur Freiheit.
Ich war angenehm überrascht von dem Buch.
Murakami erweist sich in mehrfacher Hinsicht als grosser Künstler.
Er schafft es hier, der Erzählung entsprechend, eine recht einfache, ja fast schlichte Sprache zu finden. Ihm gelingt es andererseits während des ganzen, zugegebenen sehr dünnen Buches die Neugier hochzuhalten. Zusätzlich erzeugt Murakami eine permanente Mystik. Man ist sich an vielen Stellen nicht wirklich sicher ob es sich um eine reale Geschichte oder eher eine Art Gleichnis handelt.
Mir hat es rundweg sehr gut gefallen. Das Tüpfelchen auf dem i war schlussendlich die wunderbare Aufmachung des Buches, unter anderem mit den grossartigen Illustrationen passend zur Geschichte.
Ich werde mir jedenfalls, sorgfältig auswählend, einen weiteren Murakami zu Gemüte führen.

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1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Rot-Grün an der Macht: Deutschland 1998 - 2005

Edgar Wolfrum
E-Buch Text: 848 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 16.07.2013
ISBN 9783406654381
Genre: Sachbücher

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1.572 Bibliotheken, 8 Leser, 9 Gruppen, 104 Rezensionen

experiment, schule, faschismus, nationalsozialismus, jugendbuch

Die Welle

Morton Rhue , Hans-Georg Noack
Flexibler Einband: 185 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.01.2016
ISBN 9783473580088
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Jugendliteratur, die gewiss auch für Erwachsene lesenswert ist.
Der Autor schreibt gut lesbar, spannend und atmosphärisch dicht. Ausladende Girlanden werden konsequent vermieden.
Die Geschichte, die sich in den 80er Jahren so in den USA tatsächlich zugetragen hat, beschreibt einen durchaus waghalsigen Versuch an einer Schule.
Ein Lehrer, der in seinem Unterricht gerade den Nationalsozialismus bespricht und mit seiner Ansicht, dass sich vergleichbares heutzutage durchaus wiederholen könnte, und damit auf grosse Skepsis seiner Schüler stösst, wagt  ein Experiment in eben diese Richtung. Dieses läuft dann tatsächlich aus dem Ruder und kann nur mit Mühe gestoppt werden.
Das Buch hat mit zum ausgiebigen Nachdenken animiert.
Einerseits glaube ich nicht, dass die gesellschaftliche Situation und der intellektuelle Überriss in den USA mit Mitteleuropa und vielleicht speziell Deutschland vergleichbar ist. Andererseits gibt es auch hierzulande Erscheinungen, die mich gewaltig zweifeln lassen. Genannt seien z. B. die nahezu völlige Kritiklosigkeit, die über lange Zeit einem Karl Theodor zu Guttenberg entgegengebracht wurde. Genauso die weiteren Entwicklungen in den südeuropäischen Ländern bei der Eurokrise. Ganz aktuell bringt mich das österreichische Wahlergebnis mit den sehr starken rechtsextremen, verharmlosend bezeichnet man sie teils als rechtspopulistisch, Parteien in arge Zweifel. Die erhebliche Zahl von Wahlverweigerern in praktisch allen Ländern Europas birgt meiner Ansicht nach ebenso ein gefährliches (noch) schlummerndes Risiko.
Ich finde die immer wieder zu hörenden Stimmen nach einem Schlussstrich hinsichtlich des Gedenkens der nationalsozialistischen Verbrechen als gröbste Fahrlässigkeit wenn nicht gar Vorsatz.
Mein Fazit:
Ein Buch, das in prädestinierter Art und Weise dazu geeignet ist sehr intensiv über unser Gemeinwesen, hinsichtlich der humanistischen, demokratischen und freiheitlichen Ausrichtung nachzudenken.
Unbedingt lesen!!!

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Bitterfelder Bogen

Monika Maron
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.05.2012
ISBN 9783596178049
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die renomierte Schriftstellerin Monika Maron hat ein Folgebuch zu "Flugasche", das ich leider nicht gelesen habe, vorgelegt.
Sie beschäftigt sich in einer Art Reportage mit der, vor allem, wirtschaftlichen Entwicklung der ostdeutschen Region Bitterfeld in der Nachwendezeit.
Hier begleitet sie Personen, die sie teils persönlich kennt, welche für die damalige Erfolgsgeschichte des wirtschaftlichen Aufstieges stehen.
Sie betrachtet die verschiedenen Unternehmen, in erster
Linie der Solarindustie, bei ihrem fast schon sagenhaften Wachstum.
Letztlich bezieht sie auch die Region und die Menschen in ihre Reportage mit ein.
Zur Abrundung und Vervollkommnung hat Frau Maron auch einige signifikante Fotos beigefügt.
Die Autorin erweit sich meines Erachtens auch in diesem Buch, das für sie vom Stil her sicher eher untypisch ist, als erstklassige Schriftstellerin.
Sie formuliert atmosphärisch dicht, sie lässt emphatische Teilnahme anklingen, sie hat eine jederzeit flüssige, excellent lesbare Schreibe.
Ich habe das Buch mit grosser Neugier und zunehmender Begeisterung gelesen. Monika Maron hat es bei mir geschafft, Interesse für die Region und die damalige Situation zu wecken.
Ich kann das Buch insbesondere für die politisch und gesellschaftlich Interessierten absolut empfehlen.

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Das erste Leben der Angela M.

Ralf Georg Reuth , Günther Lachmann
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.05.2013
ISBN 9783492055819
Genre: Biografien

Rezension:

Ein Skandalbuch, das keines ist. Angekündigt mit einigem Bohei, erweist es sich bei Lektüre denn doch als reichlich heisse Luft.
Die beiden Autoren haben in einiger Fleissarbeit das Leben der Kanzlerin in der DDR recherchiert und aufbereitet. Das Problem ist leider, dass so ziemlich Alles mehr oder weniger bekannt ist.
Das sie Tochter eines Pfarrers war, der dem System nicht sonderlich kritisch gegenüberstand, welch Überraschung. Siedelte die Familie doch in den 50er Jahren aus Hamburg in die DDR über.
Das sie Mitglied in der FDJ war, ist wohl ziemlich Jedem bekannt (strittig allenfalls noch ob als "Kulturbeauftragte" oder zuständig für Agitation und Propaganda). Das sie als Mitglied der Akademie der Wissenschaften keine Widerstandskämpferin sein konnte, verblüfft nicht wirklich. Das sie zu Wendezeiten entdeckt bzw. gefördert wurde von hochrangigen IM's bzw solcher die diesen sehr starken Verdacht nie wirklich ausräumen konnten (Schnur und de Maiziere) ist hinlänglich bekannt. Das sie überhaupt eher zufällig in der CDU gelandet ist, hat sie selbst schon kund getan.
Dennoch gibt es einige interessante Aspekte, die man, teilweise zwischen den Zeilen, dem Buch entnehmen kann.
Ihr ganzer Politikansatz (den viel zitierten Mehltau über das Land legen), die Entpolitisierung des Politischen, einlullen des Regierten, bis zu dessen entstehendem Desinteresse.
Dies erinnert doch sehr stark an die Vorendphase der DDR.
Die Personen ihres Vertrauens, ihr Verhalten bestimmten Zeitgenossen gegenüber, haben teils ihren Ursprung in der DDR.
Ich finde es schon auffällig, dass von Seiten der Kanzlerin noch nie ein Wort zu Gregor Gysi zu vernehmen war, obwohl dieser der CDU allgemein doch fast schon als Inkarnation des Bösen gilt. Wenig erstaunlich, wenn man weiss, dass Gysi zumindest zu DDR Zeiten ziemlich eng bekannt mit Merkel war.
So erfüllt das Buch zwar bei Weitem nicht den Anspruch Enthüllungsbuch zu sein, es bringt einem aber doch einige Wesenszüge der Angela M. näher.
Geschrieben ist es in einem Jederzeit gut lesbaren Stil, was aber für arrivierte Journalisten auch nicht unbedingt erwähnenswert erscheint.
Spekulieren kann man allenfalls noch über die Motivation von zwei "Springer"-Leuten ein solches Buch zu schreiben.
Die Enthüllung des ach so unbekannten Lebens von Frau Merkel kann es bei dem Ergebnis ja wohl eher nicht sein.

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Bruno Kreisky

Wolfgang Petritsch , Petritsch Wolfgang
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Residenz, 01.03.2011
ISBN 9783701731893
Genre: Biografien

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Der gefesselte Riese

Martin Schulz , Frank Ortmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 08.03.2013
ISBN 9783871344930
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Präsident des EU-Parlaments und mutmassliche Spitzenkandidat für die Europawahl 2014 der europäischen Sozialdemokraten legt seine Sicht der Dinge der Verfasstheit der EU und der Eurozone dar.
Man merkt an jeder Stelle des Buches, dass es sich bei Schulz um einen in jeder Hinsicht überzeugten EU-Anhänger handelt. Auch darüber hinaus ist dies anhand der Tatsache leicht feststellbar, dass er im Rahmen des EU-Parlamentes schon so ziemlich alle Funktionen innehatte, die es zu besetzen gibt, im nationalen deutschen Rahmen bei wirklich exponierten Positionen aber nie eine Rolle gespielt hat.
Er benennt die EU als einen der wichtigsten Friedens-, Freiheits- und Wohlstandsfaktoren der Geschichte. Er zählt aber auch einige Schwächen und verbesserungswürdigen Sachverhalte auf.
Als politisch Interessierten und überzeugten Europäer hat mich die Darlegung eines wirklich Sachkundigen neugierig gemacht.
Nach der Lektüre ist mein Fazit etwas ernüchtert.
Schulz' Analyse ist sicher stimmig, jedoch eine Aneinanderreihung der nun wirklich sattsam bekannten Betrachtungen, Thesen und Ausblicke aller wohlfeilen Sonntagsreden.
Ich hatte mir auch einen etwas visionäreren Ausblick erhofft.
Z. B. eine ausführliche Betrachtung der Möglichkeit von Vereinigten Staaten von Europa, was mittelfristig unausweichlich erscheint oder als Vorstufe eines Europaparlamentes mit den in jeder Hinsicht ausgestatteten Rechte eines demokratischen Parlamentes.
Kurzum, das Buch bleibt für mich zu sehr an der Oberfläche hängen. Umso unverständlicher, da Schulz durchaus einen Schreibstil hat, der es schaffen würde, den geneigten Leser für mehr Europa zu begeistern.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

autorin, lesereise, lesbisch, familie

Tochter und viel mehr

Mirjam Müntefering
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Piper, 19.05.2008
ISBN 9783492251280
Genre: Biografien

Rezension:

Die Tochter der SPD-Legende Franz Müntefering ist eine mittlerweile arivierte Schriftstellerin und Hundetrainerin. Dieser Hintergrund bildet die Basis dieses autobiographischen Roadmovies. Das biographische findet allerdings eher am Rande statt. Den Hauptteil bildet ein Bericht einer Lesereise der Autorin. Sie beschreibt die teils recht skurilen Umstände der Reise (das Aufeinandertreffen mit drei etwas pupertierenden Mädchen die zufällig in Unkenntnis der Autorin auf diese treffen, wegen der die Drei eigentlich unterwegs sind, bildet den Beginn).
Das Buch ist ausgesprochen gut lesbar. Den Plot finde ich für den mutmasslichen Zweck des Buches (eine Art Autobiographie eben) geradezu genial gewählt. Die Neugier wird durchgängig hochgehalten. Das Buch macht einfach nur Spass zu lesen.
Wer ein Buch einer bemerkenswerten Frau mit einem symphatischen Leben sucht ist mit "Tochter und viel mehr" absolut perfekt bedient.
Ach ja, warum dann nicht 5 Sterne? Sicher kein Buch mit ultrahohem literarischem Anspruch, aber das wäre für den Plot auch nicht unbedingt angemessen. 4 1/2  Sterne würde ich jederzeit auch vergeben.

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„Du kommst hier nicht rein!“

Klaus Gunschmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 08.06.2012
ISBN 9783453602427
Genre: Biografien

Rezension:

Der Autor ist Türsteher der Münchner Nobeldisko P1. Über diese Arbeit hat er ein Buch vorgelegt. Es ist liest sich einfach und man kann es auch gut so nebenbei mal durchlesen. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt allerdings beileibe nicht. Alles aber wirklich alles an Klischees wird dabei bestätigt. Die Schickimicki Szene geht ein und aus, Pop- und Rockstars geben sich die Klinke in die Hand. Immer wieder oder wohl fast meistens wird auch die Sau rausgelassen. Einige Szenen kann man halbweltähnliche Hintergründe unterstellen.
Ebensogut und schneller kann man sich einen einschlägigen Bericht in Boulevardmagazinen im Fernsehen anschauen oder eine "Reportage" eines Yellow-Press Blättchens lesen. Das Ergebnis ist letztlich identisch.
Unterirdisch öde. Ganz gewiss keine Empfehlung.

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Wie man eine Wahl gewinnt

Quintus T. Cicero
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Haffmans & Tolkemitt, 31.03.2013
ISBN 9783942989299
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein kleines, dünnes Büchlein, das beschreibt wie der Autor seinem Bruder Hinweise gibt wie man eine politische Wahl gewinnen kann. Sozusagen ein erster (vermutlich) Kampagnenführer. Marcus Cicero trat als krasser Aussenseiter zur Wahl des römischen Konsuls an. Und siehe da, diese Wahl gewann er dann auch glasklar.

Das verblüffende ist, dass praktisch alles auf heutige Wahlen 1:1 übertragbar ist, was vor über 2000 Jahren beschrieben wurde ( Versprich allen alles/Verlass nicht die Stadt/Es kommt vor allem auf gute Kommunikation an/umgib dich mit den richtigen Leuten/...).
Vorangestellt sind die zehn prägendsten Hinweise, anschliessend ist eine Art
Brief beschrieben, in dem der Autor seinem Bruder eine Vielzahl Hinweise gibt .

Das Büchlein ist excellent lesbar, ist interessant und macht einfach Spass. Und vielleicht kann man es  ja auch gerade in diesem Jahr als eine Art Blaupause sehen wer wann was richtig oder falsch gemacht hat für die bevorstehende Bundestagswahl. 

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Deckname »Schwabe«. Der Spion, der aus dem Schwarzwald kam

Walter Wangler
Fester Einband
Erschienen bei Pahl-Rugenstein, 04.03.2010
ISBN 9783891444252
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Soziologieprofessor aus Düsseldorf legt seine Biographie vor. Das klingt zunächst staubtrocken. Mit diesem Urteil würde man dem Buch von Walter Wangler aber ganz gewiss nicht gerecht werden.
Zwei Umstände sprechen vor Allem dagegen.
Wangler ist geboren und aufgewachsen in der südwürttembergischen Klein- und Arbeiterstadt Schwenningen. Hier würde man zu Wanglers Zeit (er ist 78) nun gewiss keinen angehenden Soziologieprofessor vermuten. Das dürfte in vergleichbarem Umfeld auch Heute noch eher die Ausnahme sein. Sicher auch aufgrund seines Hintergrundes und der damaligen Zeitumstände studierte Wangler, dessen Eltern überzeugte Kommunisten eitweise in Leipzig. Hier entstand nun ein eher unbedeutend wirkender Kontakt zur Stasi. Wangler wurde angeworben und er unterschrieb auch eine entsprechende Erklärung. Eine echte Spionagetätigkeit entstand daraus jedoch nie. Einerseits mangels wirklich bedeutsamer Kontakte, andererseits, da in Wangler wohl nie ein Agentengen schlummerte. So verging die Zeit und Wanglers Studium. Dies hatte sich mittlerweile nach Wilhelmshaven verlagert. Der ostdeutsche Geheimdienst liess zwar immer wieder von sich hören, zu einem Spitzelbericht Wanglers kam es aber nie.
Der Autor beendete schliesslich sein Studium erfolgreich und nahm seine Lehrtätigkeit an der Universität Düsseldorf auf. Hier holte Wangler dann seine Leipziger Zeit nun doch wieder ein. Er kam diesmal in die Fänge des BND. Dieser vermutete geheimdienstliche Agententätigkeit und verhörte Wangler zunächst ausgiebig. Da er dies bestritt, der BND ihm jedoch nicht glaubte, kam der Autor für einige Wochen in Untersuchungshaft. Dies war naturgemäss eine harte Zeit, zumal als Unbescholtener. Da der BND Wangler jedoch nichts nachweisen konnte, kam er schlussendlich auch wieder frei.
Dies in aller Kürze  zum Inhalt des Buches. Man erfährt noch einige biographische Spezialitäten wie z. B. zu Wanglers sportlichen Aktivitäten oder einige Besonderheiten zu seinen Studiums- und Lehrorten, wo er Kontakte zu einigen durchaus exponierten Persönlichkeiten hatte. Dies allerdings in recht unterschiedlicher Intensität.
Ich habe das Buch mit einiger Begeisterung gelesen.
Wanglers Biographie weist eine Vielzahl Besonderheiten auf, die sie eindeutig von einem angenommenen Durchschnitt abheben. Das Buch ist ausgesprochen eingängig geschrieben. Dies ist zu einem nicht unerheblichen Teil Wanglers Herkunft geschuldet, die ihn bodenständig bleiben liess, zudem gewürzt mit einem immer angenehmen Schuss Humorigkeit, selbst in für ihn nicht immer angenehmen Situationen.
Deckname Schwabe sei Jedem wärmstens empfohlen, der sich für besondere Biographien interessiert. 
Eine kleine Kuriosität stellt die Art und Weise dar, wie ich auf dieses ja nun nicht die ganz breite publizistische Öffentlichkeit erlangte Buch, aufmerksam geworden bin.
Mein Vater hat es mir nahegelegt. Er ist ein Freund des Autors aus Jugendzeiten. Unser aller Herkunft ist dieses kleine und auch recht unbeutende Städtchen Schwenningen am Neckar.

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biografie, hoffnung, unfall, glaube, samuel koch

Samuel Koch - Zwei Leben

Christoph Fasel , Samuel Koch , Thomas Gottschalk
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei adeo, 23.04.2012
ISBN 9783942208536
Genre: Biografien

Rezension:

Der Mann, der Wetten Dass und das ZDF auf den Kopf gestellt hat (man verzeihe mir dieses gewagte Bild).

Ich habe mir das Buch relativ spät gekauft. Das ich mich doch dazu entschieden habe, hängt mit der meiner Ansicht nach ungewöhnlichen Persönlichkeit Samuel Koch zusammen.

Er berichtet in seinem Buch über sein Leben vor Wetten Dass, die Idee und Vorbereitung der verhängnisvollen Wette und sein Leben nach Wetten Dass.

In seinem ersten Leben war er ein, im Grossen und Ganzen normaler junger Mann mit allem was dazu gehört, vielleicht mit einem gewissen Übergewicht zu Sport und Theologie. Dies sollte entscheidend werden für sein zweites Leben.

Die Wette und die Vorbereitung dazu dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

Wie Koch mit seinem tragischen Schicksal nach der Wette umgegangen ist und wohl weiter umgeht hat mich dann allerdings ausserordentlich berührt. Er verdient ohne Frage Bewunderung. Nun könnte man fragen wie er das geschafft hat. Ein Stück weit spielt körperlich sicher seine sehr gute Konstitution vor dem Unfall eine Rolle und psychisch hat ihm vermutlich seine Religiösität oder schlicht sein Glaube geholfen.

Ich finde das Buch ist ausserordentlich eingängig geschrieben. Es kommt ohne jede Larmoyanz und Wehleidigkeit aus. Der Schreibstil ist ihm sehr angemessen, obwohl die eigentliche Schreibe ja von Christoph Fasel stammt.

Empfehlungseinschränkungen würde ich keine aussprechen. Besonders geeignet möglicherweise für diejenigen Zeitgenossen die an letztlich albernem und unbegründetem Weltschmerz leiden.

Vielfach wurden Vergleiche gezogen zu "Ziemlich beste Freunde". Zu beurteilen vermag ich dies nicht, aber ich denke jede Geschichte ist letztlich anders, weil einfach die handelnden Personen andere sind. Die Lastigkeit des Buches zugunsten von Bild oder irgendwelchen Fernsehsendern konnte ich so nicht erkennen.

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roman

Hungerkralle

Jürgen Ebertowski
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 09.01.2010
ISBN 9783833306310
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Roman (eine Art Krimi) des eher wenig bekannten Autors Ebertowski spielt in Berlin der unmittelbaren Nachriegszeit.
Der Plot handelt im Wesentlichen von einer Art Falschgeldmafia der vom ehemaligen Hausdetektiv des Hotels Adlon das Handwerk gelegt werden soll. Dies beschreibt das Buch aber eher unzureichend. Es wird versucht die Atmosphäre der Zeit in der damals noch nicht geteilten Stadt zu transportieren. Es geht um die Lebensumstände der damaligen Zeit. Hier zeigt sich, dass noch ein gerüttelt Mass an Gesetzlosigkeit vorherrscht. Ein Stück weit trägt die Klassifizierung Sex and Crime. Beziehungsgeflechte spielen also auch eine gewisse Rolle.
Ich fand das Buch ausgesprochen langweilig. Alles aber wirklich alles ist erwartbar. Sprachlich zwar in Ordnung aber ohne jedes Highlight. Schlimmer noch, der Autor arbeitet mit unendlich vielen Plattitüden und Klischees. Abgebrochen hab ich das Buch nur ob seines schmalen Umfanges nicht. Böswillig ist man versucht zu sagen, der Schreiber war in seinem gelernten Beruf nicht ausgelastet und hat sich die Schriftstellerei ausgeguckt.
Fazit: eine absolute Enttäuschung

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tagebücher, literatur, biographie, deutschland, kulturszene

Tagebücher 1982 - 2001

Fritz J. Raddatz , any.way
Flexibler Einband: 944 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2012
ISBN 9783499258992
Genre: Biografien

Rezension:

Der Grossmeister des Feuilleton, Fritz J. Raddatz veröffentlicht hier seine Tagebücher 1982-2001. Dies geschah natürlich nicht zufällig, vielmehr, da in diesen beiden Dekaden viel politisch, gesellschaftlich und damit auch kulturell Bedeutsames geschah.
Es werden die sogenannte Wende in Deutschland 1982, das Reaktorunglück in Tschernobyl, natürlich die deutsche Vereinigung, die Abwahl Kohls mit Installierung der rot-grünen Regierung gestreift. Dies erkennt man vielfach nur zwischen den Zeilen.
Es finden naturgemäss hauptsächlich viele persönliche Beziehungen und Begebenheiten Eingang. So nimmt man teil an dem hinreissenden Umgang von Raddatz mit namhaften Künstlern, Schriftstellern und Journalisten. Hier bleiben auch Lästereien nicht aus. Als Zielscheibe seien Grass, Hochhuth, Augstein, Helmut Schmidt und fast die ganze Zeit-Redaktion erwähnt.
Immer wieder vertraut der Schreiber seinem Tagebuch auch Situationen mit seinem Lebensgefährten an.
Ich habe das Buch mit dem aller grössten Vergnügen gelesen.
Raddatz erweist sich als humorvoll, sehr feinfühlig, durchaus aber auch als äusserst bissig.
Nebenbei entsteht soeben auch eine Art Roman der 20 Jahre in Deutschland.
Vielfach entsteht gar auch ein klossiges Gefühl im Hals, wenn man hinter den häufigen Sylt-Aufenthalten des Autors auch ein Stück grosse Einsamkeit vermutet.
Für mich alles in Allem ein rundum gelungenes Buch.
Allen mit Interesse am kulturellen Leben in Deutschland und dem geschichtlichen Hintergrund sei die Veröffentlichung wärmstens empfohlen.

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Der Himmel ist kein Ort

Dieter Wellershoff
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei btb, 10.09.2012
ISBN 9783442741168
Genre: Romane

Rezension:

Dieter Wellershoff war mir natürlich ein Begriff. Zur Lektüre hat es aus unerfindlichen Gründen bislang nicht geführt. Zu diesem Roman kam ich wie die Mutter zum Kinde.
Und ich muss sagen er hat mich von Beginn an gefangen genommen.
Die Erzählung beginnt als eine Art Krimi. Ein Pfarrer, der neu in einen Ort kommt, wird völlig unerwartet als Notfallseelsorger zu einem Unfall gerufen. Dieser ist ob seiner Unerklärbarkeit reichlich mysteriös (Vater überlebt einen Autounfall unverletzt, während Mutter und Kind sterben bzw. unheilbar verletzt werden). Hier setzt eine Art zweiter Erzählstrang ein.
Dem Pfarrer kommen Zweifel zur Wirksamkeit seiner Arbeit. Dies führt bis zu Sinnierungen über die Bedeutung des Lebens, Leben und Leben lassen. Dabei spielt natürlich auch ein Stück weit eine Rolle das der Pfarrer nie wirklich in seiner Gemeinde angekommen ist und akzeptiert wird.
Ein weiterer Erzählbereich handelt von einer Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Pfarrer und einer Unbekannten abspielt, beginnend auf einer Hochzeit, bei der beide Gäste sind.
Wie der Autor Wellershoff von Beginn an Spannung und Neugier aufbaut, mit welcher Leichtigkeit er die an sich schweren Themen angeht, wie intensiv und detailliert er die inneren Zerissenheiten der verschiedenen Protagonisten zu beschreiben vermag, hat mich geradezu fasziniert.
Insgesamt ein Kleinod, das mich voll und ganz zu überzeugen vermochte und das ich absolut empfehlen kann.

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biographie, hannelore kohl, politik, nachkriegszeit, kohl

Die Frau an seiner Seite

Heribert Schwan
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 07.06.2011
ISBN 9783453181755
Genre: Biografien

Rezension:

Zum Faszinosum Helmut Kohl gehörte immer auch seine Frau Hannelore. Maskenhaft, eher unnahbar, sozial engagiert, im direkten Kontakt wohl durchaus herzlich und humorvoll. So die wohl gängigsten Beschreibungen, teils sicher auch Klischees.
Dieser, zur Amtszeit ihres Mannes, wohl bekanntesten Unbekannten des Landes, versuchte sich Heribert Schwan in seinem Buch anzunähern.
Er beschreibt dies zunächst anhand ihrer Biographie in jungen Jahren. Hier wird ihr Lebensweg im Osten des Landes nachgezeichnet. Als sehr bedrückender Höhepunkt muss hier wohl die Vergewaltigung durch einen russischen Soldaten zu Zeiten des Kriegsendes gelten.
Anschliessend liest man vom Kennenlernen zwischen Hannelore und Helmut, der Heirat und der Zeit Kohls als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.
Grosses Unbehagen in ihrer Rolle als Frau an seiner Seite setzt vor allem mit dem Wechsel des Pfälzers in die Bundespolitik bei Hannelore Kohl ein.
Hier konzentriert sich die Darstellung von Schwan sehr stark auf die Zeit nach dem Machtverlust 1998 und der danach bekanntgewordenen CDU Spendenaffäre.
Während die Vorwürfe am Exkanzler abzuperlen scheinen (er ist ganz damit beschäftigt seine geschichtliche Grösse und sein Parteipatriarchentum zu verteidigen), setzen sie seiner Frau gerade auch als Person und Familienoberhaupt Kohl extrem zu. Hier geht der Autor davon aus, dass hierin auch der Ursprung von Hannelores schwerer und letztlich zum Tode führenden Lichtallergie zu sehen ist.
Im dramatischen Finale erlebt man die unerträgliche Zeit von Frau Kohl, der völligen Abgekapseltheit in komplett verdunkelter Wohnung, der einzig in tiefster Nacht stattfindenden Freiluftaufenthalte und letztlich der Todessehnsucht, die mit dem Selbstmord der ehemaligen First Lady endet.
Schwans Buch ist sehr gut lesbar. Er hat es mit vielen, teils weniger oder gar nicht bekannten Details angereichert. Er versteht es recht bewegend die Zerissenheit der Kanzlergattin darzustellen.
Mir persönlich hat ein Umstand zu denken gegeben, dass sich der Autor in seinen zahlreichen Fernsehauftritten in unangenehmer, ja fast fanatischer Art und Weise als der ultimativ wahre Kohl-Kenner geriert hat. Dies erscheint mir in letzter Konsequenz ein wenig vermessen. Zumal Kohl, unter welchen Umständen auch immer, mit dem Autor bereits seit einiger Zeit gebrochen hat. Unter dieser Prämisse scheint mir die Deutungshoheit von Schwan doch eher zweifelhaft.
Nichtsdestotrotz ein Buch, das für alle politisch und geschichtlich Interessierten, meines Erachtens, eine Empfehlung darstellt.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ss, prag, reinhard heydrich, anschlag, vergeltung

HHhH

Laurent Binet , Mayela Gerhardt
Fester Einband: 444 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 16.09.2011
ISBN 9783498006686
Genre: Romane

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Ein Staat braucht einen Mörder

Helmut Schödel
Fester Einband: 197 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.12.1999
ISBN 9783462027112
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein hochinteressantes Psychogramm über die Zentralfigur der Lucona-Affäre, dem ehemaligen Chef des Wiener Zuckerbäckers und Hoflieferanten Demel, Udo Proksch.
Falls der Ein oder Andere nichts oder nichts mehr damit anfangen kann, immerhin handelte es sich um den grössten Politskandal der österreichischen Nachkriegsgeschichte, hierzu einige Anmerkungen.
Die Lucona war ein Frachtschiff, das 1977 im indischen Ozean, vermutlich bewusst zum Zwecke des Versicherungsbetruges, unter Inkaufnahme von 6 toten Seeleuten, gesprengt wurde. An Bord soll sich wahlweise eine Uranaufbereitungsanlage oder einfach nur Schrott befunden haben. Drahtzieher soll mutmasslich eben dieser Udo Proksch gewesen sein. Nebenbei, und dies machte das Ganze zum Politskandal, auch Zentralfigur der Wiener Society mit besten Kontakten bis in die allerhöchsten Regierungskreise. Problem des Ganzen, bis zum heutigen Tage ist diese Affäre nicht bis ins letzte Detail aufgeklärt.
Proksch war bis zu seinem Lebensende inhaftiert, fand sich damit auch irgendwie ab und trug wohl nicht übermässig zur Aufhellung bei.
Im Buch des Journalisten Helmut Schödel ergibt sich das Bild eines sich äusserst wichtignehmenden, zeitweise ja auch tatsächlich extrem schillernden Impressarios der Wiener Gesellschaft. Ein gutes Stück auch wehleidig , irgendwo aber auch herzensgut.
Also kurzum, schwer durchschaubar.
Aufklärende Aspekte zur Person Proksch bringen diverse Interviews, unter anderem mit einer seiner Lebensgefährtinnen, der bekannten Entertainerin Erika Pluhar.
Amüsant auch der Einblick in die zahllosen Briefe, die Proksch während seiner Haftzeit an alle möglichen Vertrauten gerichtet hat.
Für alle, die einen weiteren Blick, nur aus anderem Winkel, auf die Vorgänge des damaligen Österreich werfen wollen, meiner Ansicht nach ein empfehlenswertes, auch weil sehr gut, sehr flüssig und sehr kurzweilig zu lesendes, Buch.

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1.521 Bibliotheken, 81 Leser, 3 Gruppen, 156 Rezensionen

satire, hitler, berlin, humor, adolf hitler

Er ist wieder da

Timur Vermes
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.09.2012
ISBN 9783847905172
Genre: Romane

Rezension:

Hitler geht immer. Das scheint sich beim Blick auf die Bestsellerlisten bezüglich dieses Buches ja voll zu bestätigen.
Das war aber gewiss nicht der vordringlichste Auslöser für mich das Buch, zumindest als ebook zu kaufen.
Ich fand das Cover (Hitlertolle und -bärtchen sonst nichts), den Preis (€ 19,33) und letztlich natürlich den Plot boten Anlass, aufgrund nicht zu leugnender Skurilität, zur Lektüre.
Nach Abschluss habe ich den Eindruck, Hitler hätte es für die Story nur bedingt gebraucht. Man wird Zeuge eines Rittes durch die bundesrepublikanische Gesellschaft im Jahre 2011. Die Darstellung enthält allerdings, um das Gesamtbild stimmig zu halten, einige Überzeichnungen. Hitler übernimmt dabei den Part des Kommentators. Um das Ganze aufzupeppen wurde drumherum die Handlung, des eher unfreiwillig als Comedian entdeckten Führers gestrickt.
Hier wird naturgemäss mit jeder Menge Situationskomik gearbeitet. Eine grandiose Geschichte entsteht dadurch, meiner Meinung nach, bei Weitem nicht.
Insgesamt ist das Buch zwar durchaus eingängig geschrieben, man liest sich nicht fest, an der einen oder anderen Stelle entlockte es mir sogar ein schmunzeln.
Mir kam die Handlung aber Alles in Allem viel zu platt daher.
Ausgelöst durch viel zu durchschaubare komische Komponenten und einen Plot, der im Nachhinein schon fast als blöd bezeichnet werden muss (Hitler als unfreiwilliger Comedian, wie einfallsreich...)
Mein Fazit: Als leichte Nebenherlektüre gerade noch erträglich.

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erzählungen, amerika, kurzgeschichten, eugenides, familie

Air Mail

Jeffrey Eugenides , Cornelia C. Walter , Eike Schönfeld
Flexibler Einband: 118 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB.
ISBN 9783499236051
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein kleines aber sehr feines Buch, das einem, so meine ich, den Autor Jeffrey Eugenides in wunderbarer Weise näherbringt.
Drei kurze Erzählungen, die die grandiose Erzählkunst des Autors demonstrieren.
In der ersten Geschichte, die dem Buch den Titel gibt, weilt der Protagonist auf einer asiatischen Insel zur quasi Selbstfindung. Er hat die Angewohnheit allen möglichen Personen, auch seinen Eltern alles Mögliche, auch seine Befindlichkeit ständig brieflich mitzuteilen. Der Aufenthalt in den fremden Gefilden bringt es für Ihn und den anderen nicht Einheimischen mit sich, dass sich schwere Darmstörungen einstellen. Der Protagonist lehnt eine medizinische Massnahme zur Eindämmung der Unannehmlichkeit im Gegensatz zu den anderen Personen aber konsequent ab. Letztlich begeht er, man hat den Eindruck infolge von Wahnvorstellungen Selbstmord im Meer.
In der folgenden Erzählung wird der, auch hier hat man den Eindruck wahnhafte, Wunsch nach einem Baby einer Frau in den bereits mittleren Jahren geschildert. Dies gipfelt in einer Party, bei der unter zuhilfenahme skurilster Mittel, die Schwangerschaft erzwungen werden soll. Die Auflösung des Ganzen ergibt, so hab ich es verstanden, eine Wiedervereinigung der Protagonisten mit einem früheren Liebhaber und anhaltenden Freund mit anschliessender Schwangerschaft.
In der Abschlussstory geht es um eine Vater-Sohn Beziehung. Der Vater ergab sich jahrelang in exhorbitanten Immobilieninvestitionen die immer wieder in der Pleite endeten. Mittlerweile ist er im Besitz eines Hotels, das sich für Ihn als fast schon Erfüllung darstellt. Der Sohn sieht die ganze Entwicklung des Vaters irgendwie melancholisch und die Abschlussinvestition als völligen Fehlkauf in eine Bruchbude.
Ich fand die erste Geschichte die Stärkste, mit der Abschlusserzählung konnte ich nicht ganz so viel anfangen.
Insgesamt war ich über die Wucht des Geschriebenen überrascht und begeistert. Sie zeugen von phantastischen literarischen Fähigkeiten. Ich hatte den Eindruck das Eugenides gerade auch durch intensive Detailsverliebtheit so zu überzeugen vermag.
Für mich eine absolute Empfehlung und Anlass garantiert wieder zu Eugenides zu greifen.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kurzgeschichten, manager, ferien, satire, business

Abschalten

Martin Suter
Flexibler Einband: 182 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.07.2012
ISBN 9783257300093
Genre: Romane

Rezension:

Es war mir ein Bedürfnis einen Martin Suter zu lesen. Möglicherweise war es der Falsche, vermutlich nichtsdestotrotz aber auch schon mein Letzter.
Suter beschreibt in Abschalten eine Vielzahl kurzer Episoden, man kann teilweise fast schon von Dramoletten sprechen, den Versuch von in erster Linie Top-Managern oder Entscheidungsträgern die Unbillen oder Stresssituationen ihres Berufslebens hinter sich zu lassen.
Dies geschieht in skuriler, komischer oder durchaus auch mal nachdenklicher Form.
Für mich allerdings waren es ausnahmslos belanglose Geschichten. Man hat das alles irgendwie schon mal gehört. Neues, Unerwartbares oder auch nur dem Schreibstil nach Besonderes konnte ich nicht entdecken.
Das Buch ist zwar gut und flüssig lesbar und doch schlich sich bei mir der Verdacht ein, Suter wollte oder musste?? unbedingt etwas schreiben.
Bei mir hat Abschalten jedenfalls keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, ja ich würde fast schon von einer Enttäuschung sprechen.
Aufgrund dieses Buches ist mir der Erfolg von Martin Suter mit seinen letzten Veröffentlichungen schleierhaft.
Aber, wie gesagt, vielleicht habe ich mich zielsicher für das Falsche entschieden.

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102 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

schweiz, vojvodina, serbien, krieg, familie

Tauben fliegen auf

Melinda Nadj Abonji
Fester Einband: 315 Seiten
Erschienen bei Jung u. Jung, 28.07.2010
ISBN 9783902497789
Genre: Romane

Rezension:

In diesem Falle hab ich mich wieder mal von einer Preiskrönung leiten lassen. Dies hat sich gelohnt, wenngleich ich persönlich nicht von einem ganz grossen Werk sprechen würde.
Die Autorin Abonji schildert in wohl weitgehend autobiographischer Manier, die Umsiedlung Ihrer ganzen Familie (ungarisch stämmige Jugoslawen) in die Schweiz.
Sie eröffnen dort ein Cafe.
Sämtliche Schwierigkeiten und Unbillen Ihres Daseins in Serbien und Ihrer neuen Heimat, der Schweiz, werden gestreift. Dabei spielen die durchaus allgemein auftretenden Probleme mehrfacher Migranten, d. h. die nirgends wirklich feste Verwurzelung eine Rolle.
Die Autorin versteht es in teils recht bewegender Art und Weise den Lebensweg Ihrer Familie und von sich selbst zu beschreiben. Hier spielt vor allem immer auch wieder Fremdenfeindlichkeit und die Verfeindungen verschiedener Ethnien eine Rolle.
Wenn es um Details des Alltages in der Gastronomie geht, gelingt es Abonji zum Beispiel auch recht gekonnt humorige Einsprengsel zu streuen.
Insgesamt ein Buch, das sich wunderbar lesen lässt, auch trotz der von mir persönlich nicht übermässig geschätzten (oder gerade wegen?) poetischen Textstellen.
Die Länge des Werkes ist absolut passend, Überdehnungen wären mir nicht aufgefallen.
Das ich mich nicht zur Höchstbewertung durchringen konnte, hängt einzig mit der Thematik zusammen, die ich für, man verzeihe mir, ein wenig ausgelutscht halte, sofern nicht unerwartbare Highlights eingebaut werden, und das war hier, meiner Einschätzung nach, nicht der Fall.

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Nachrichtenzeit

Wibke Bruhns
Fester Einband: 417 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.03.2012
ISBN 9783426275627
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wibke Bruhns, eine der besten Journalistinnen des Landes hat hier ihre Biographie, insbesondere aus beruflicher Sicht vorgelegt.
Sie gewährt einen Einblick in Ihre wohl wichtigste Schaffensperiode während der sozial-liberalen Koalition. Sie stellt einige Mutmassungen hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Willy Brandt klar. Sie beschreibt ihre Eindrücke auf diversen Nahost Reisen mit dem Zusammentreffen massgeblicher politischer Führer. Darüberhinaus gibt sie pointierte Eindrücke zu diversen politischen Ereignissen, wie zum Beispiel der Stern-Affäre um die gefälschten Hitler-Tagebücher.
Über ihre persönliche Abstammung gibt sie nicht allzuviel Preis.
Insgesamt ein Buch, das sich wunderbar liest. Es ist im Wibke Bruhns zueigenen leicht rotzigen Stil gehalten und wirkt auch dadurch extrem authentisch.
Für politisch, gesellschaftlich und journalistisch Interessierte eine absolute Empfehlung, fast schon ein Muss.

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Vergesst Auschwitz!

Henryk M. Broder
Fester Einband: 175 Seiten
Erschienen bei Knaus, A, 08.03.2012
ISBN 9783813504521
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Agent Provokateur wieder voll in seinem Element. Für mich ist Henryk M. Broder ungeheuer schwer einzuschätzen. Mit Vielem hat er ja absolut recht, oftmals übertreibt er aber gnadenlos. Sobald er auch nur ein Mü Kritik an Israel wittert (ich rede bewusst nicht von Juden) kläfft er "Antisemitismus" heraus. Mir scheint, eine konstruktive Diskussion ist somit oftmals extrem schwierig.
In dem vorliegenden neusten Buch beschäftigt er sich in mehreren Kapiteln mit diversen, teils etwas schrägen Ausformungen, oder zumindest schräg dargestellten Variationen von Antisemitismus bzw. Auschwitz.
Beispielsweise beschreibt er seinen Eindruck und wohl letztlich sein Mitwirken bei einer Affäre um einen ostdeutschen Radiomoderator, was im Endeffekt zu dessen Entlassung geführt hat. Über dessen Hipness kann man wohl eher nicht geteilter Meinung sein, ob es sich bei ihm aber um einen bewussten Antisemiten handelt scheint mir zweifelhaft. Vielmehr dürfte es sich um einen doch recht schlichten, nicht mit einem besonderen Geschichtsbewusstsein ausgestatteten Möchtegernjournalisten handeln.
Dies ist in Verbindung zu einem weiteren Kapitel in dem sich Broder, soweit ich ihn verstanden habe, mit der für ihn fragwürdigen Erinnerungskultur zu Auschwitz beschäftigt, ein Bereich, bei dem mir eine nachvollziehbare Linie vom Autor fehlt. Immerhin tangiert die Affäre um den Journalisten in letzter Konsequenz dessen nicht vorhandenen Respekt des jüdischen Lebens oder zumindest von Israel. Dies gründet in Deutschland doch eindeutig in Relation zum Holocaust bzw. Auschwitz. Ansonsten wäre es im Grunde kein Unterschied wenn sich der Journalist, Ken Jebsen heisst er glaub ich, respektlos gegenüber Burkina Faso geäussert hätte. Da wäre die Reaktion von Broder aber vermutlich anders ausgefallen, wenn überhaubt.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit einer Art Palästina-Missionar, der wohl schon fast institutionalisiert zum Kölner Strassenbild gehört. Diesr löst bei Broder naturgemäss heftigen Unwillen aus.
Insgesamt ein Buch, das sich sehr gut liest, dank des bekannten Broder-Duktus zu intensivem Nachdenken bzw. Diskussion anregt. Ich höre Broder immer wieder gerne zu und lese ihn ebenso gerne, gerade weil er immer für sehr pointierte Ansichten ohne Konsensgequake steht.

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