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201 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

rache, mord, thriller, bestatter, vergewaltigung

Totenfrau

Bernhard Aichner
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 11.05.2015
ISBN 9783442749263
Genre: Krimi und Thriller

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The Good Luck of Right Now

Matthew Quick
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Picador, 10.04.2014
ISBN 9781447247470
Genre: Sonstiges

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(44)

74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

mount everest, sinnsuche, liebe, österreichische autoren, everest-besteigung

Das größere Wunder

Thomas Glavinic
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2015
ISBN 9783423143899
Genre: Romane

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187 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

studenten, mord, thriller, college, geheimnis

Die geheime Geschichte

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.11.2003
ISBN 9783442456918
Genre: Krimi und Thriller

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26 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alter, helfen, reise, versprechen, gefühl

The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry

Rachel Joyce
Flexibler Einband
Erschienen bei Transworld, 07.03.2012
ISBN 9780857520654
Genre: Romane

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(22)

57 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

buchhandlung, belletristik, britischer humor, penelope fitzgerald, dorf

Die Buchhandlung

Penelope Fitzgerald , Christa Krüger , David Nicholls
Flexibler Einband: 164 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 08.12.2014
ISBN 9783458360469
Genre: Romane

Rezension:

Nach dem Tod ihres Mannes beschließt die unscheinbare Florence Green, ihren Mut zusammenzunehmen und mit einer Buchhandlung im verschlafenen Hardborough neu durchzustarten. Das Darlehen der Bank in der Tasche, macht sie sich mit Feuereifer und großen Hoffnungen an die Renovierung des bis auf die Grundmauern feuchten und großteils baufälligen Old House.

In ihrer Vorstellung hat der Dorfschaft zu ihrem Glück nur eine Buchhandlung gefehlt – doch die unfreundliche Realität holt sie bald ein. Nicht nur wird sie von einem Poltergeist heimgesucht, auch würde Hardboroughs "First Lady" Mrs. Gamart im Old House lieber ein Arts Center für Touristen sehen und ist mehr denn verstimmt, dass Florence sich ihren Plänen nicht fügt.

Als der phlegmatische BBC-Günstling Milo North Florence noch die Aufnahme eines aufstrebenden Werks eines Russen namens Vladimir Nabokov ins Sortiment ans Herz legt, um die schleppenden Umsätze anzukurbeln, spitzen sich die Ereignisse zu.

1978 erstmals veröffentlicht, wurde "Die Buchhandlung" 2000 auf deutsch übersetzt. Penelope Fitzgerald charakterisiert ein unprätentiöser Schreibstil, sicherlich ist sie keine Frau vieler Worte, ausufernde Elogen sucht man bei ihr vergeblich. Nichtsdestotrotz vermag sie stets genau die richtigen Worte zu wählen, sie trifft den Nagel zielsicher auf den Kopf.

Im Zuge der Lektüre fühlt man sich zunächst in die sprichwörtliche "gute, alte Zeit" der 1950er zurückversetzt, bis man realisiert, dass sich – bis auf kleine Details wie mangelnde Digitalisierung – wenig Weltbewegendes geändert hat. Die Dorfgemeinschaft ist, damals wie heute, geprägt von wechselnden Allianzen, Intrigen und geschickt getarnten Machtspielchen.

Ein stilles, aber umso stärkeres Buch über eine stille, aber umso stärkere Protagonistin.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

mafia, münchen, austauschschüler, alleinerziehend, kinder

Schwarze Katzen

Felicitas Mayall , , ,
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 29.08.2014
ISBN 9783463406473
Genre: Krimi und Thriller

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Das Recruiting-Dilemma


Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Haufe-Lexware, 25.09.2014
ISBN 9783648057483
Genre: Sachbücher

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

dunkle geheimnisse, stalker, hobbydetektivin, verlust, kate

Was mit Kate geschah

Catherine O'Flynn , Cornelia Holfelder-von der Tann
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei btb, 08.03.2011
ISBN 9783442741212
Genre: Romane

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180 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

indien, liebe, reise, schweden, fahrrad

Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden

Per J. Andersson ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 02.04.2015
ISBN 9783462047479
Genre: Biografien

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(28)

34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

ehe, london, zeugen jehovas, gericht, richterin

The Children Act

Ian McEwan
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Jonathan Cape, 02.09.2014
ISBN 9780224101998
Genre: Romane

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Treideln

Juli Zeh
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei btb, 14.04.2015
ISBN 9783442748143
Genre: Romane

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

La solitudine dei numeri primi. Con cofanetto

Paolo Giordano
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Mondadori, 01.11.2010
ISBN 9788804607748
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mattia und Alice sind anders. Beide werden in ihrer frühen Jugend mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert, das ihr Leben fortan überschattet. Während Alice seit einem schweren Schiunfall im Nebel hinkt, "verliert" Mattia seine geistig zurückgebliebene Zwillingsschwester Michela: Um unbelastet durch ihre Anwesenheit das Geburtstagsfest eines Schulkollegen besuchen zu können, lässt er das Mädchen in einem Park zurück – als er wiederkommt, um sie abzuholen, ist Michela verschwunden.

Im verzweifelten Versuch, die aufgeladene Schuld zu tilgen, verletzt Mattia sich selbst, zuhause wie auch im Unterricht. Alice hingegen flüchtet in die Anorexie, gibt sich einer Illusion der Kontrolle über ihre Umwelt durch Kontrolle über ihren Körper hin. 

In der Schule nähern sich die beiden Außenseiter schüchtern an, werden zu Gefährten, später zu Freunden, unfreiwillig angestoßen durch grausame Machtspielchen der "beliebten Mädchen".

Ungeachtet ihrer Gefühle und Ähnlichkeiten ist jede Annäherung jedoch gefolgt von einer umso heftigeren Abstoßung. Eine unverständliche Kraft, die beide überfordert, zieht sie zueinander, bindet sie aneinander, hindert sie allerdings daran, sich vollends aufeinander einzulassen - ähnlich eines Primzahlzwillingspaares, das unmittelbar nebeneinander steht, bloß stets  getrennt durch eine Differenz von 2.

Als Alice und Mattia sich Jahre später wieder treffen – jeder ist seinen
Weg gegangen – stellt sich die Frage, was sie aus der Vergangenheit
gelernt haben. Werden sie nun in der Lage sein, ihre Hemmungen zu
überwinden, um ihrer Einsamkeit Herr zu werden?

Paolo Giordano, ein junger italienischer Autor, hat ein psychologisches Meisterwerk geschaffen, ein besonderes Buch, das von intensiver Sprache und sehr speziellen Charakteren lebt, die abwechselnd Einblick in ihr Innerstes geben. Gleich einem mathematischen Gesetz stehen sie sich, wo immer möglich, selbst im Weg, stolpern linkisch und verfehlen das Ziel, obgleich es doch zum Greifen nahe wäre.

"Die Einsamkeit der Primzahlen" ist Lesevergnügen auf höchstem Niveau, hochspannend bis zur letzten Seite. Prädikat: wertvoll!

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

japan, trauer, neuanfang, tokyo, verlust

Moshi Moshi

Banana Yoshimoto ,
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.02.2015
ISBN 9783257069310
Genre: Romane

Rezension:

Gerade erst hat die zwanzigjährige Yotchan Imoto ihren Vater durch ein dramatisches Ereignis verloren: Gemeinsam mit einer unbekannten Schönen hat der melancholische Leader einer Rockband in einem verlassenen Waldstück Selbstmord begangen, ohne sich von seiner Familie zu verabschieden oder ihr einen Abschiedsbrief zu hinterlassen. Nachdem die traumatisierenden polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind, versuchen Yoshie und ihre Mutter mit der Tragödie fertigzuwerden und wieder zurück ins Leben zu finden, jede auf ihre Weise.

Yoshie zieht aus ihrem teuren Heimatbezirk in eine kleine Wohnung im Szeneviertel Shimokitazawa, genau gegenüber des urigen Bistros "Les Liens", wo sie bald zu arbeiten beginnt. Eines Tages, Yoshie hat sich gerade eingelebt, steht ihre Mutter mit Sack und Pack vor der Türe, bereit einzuziehen, um nicht länger alleine mit dem Geist ihres verstorbenen Ehemannes zusammenleben zu müssen. Als der anfängliche Schock überwunden ist, funktionert die ungewöhnliche Mutter-Tochter-WG erstaunlich harmonisch und nach Yoshie erwacht auch ihre Mutter langsam zu neuem Tatendrang und Lebensfreude.

Eine bedeutende Rolle spielen dabei für beide die Menschen Shimokitazawas: Sei es nun Yoshies fröhliche und bodenständige Chefin Michiyo, der stille und deswegen nicht minder reizvolle Aratani, der jeden Abend ins Bistro zum Essen kommt, oder Yamazaki, der engste Freund ihres Vaters, bei dem Yoshie sich nach langem erstmals wieder sicher fühlt – sie alle tragen ihr Schärflein dazu bei, dass die Sonne über Shimokitazawa wieder strahlt.

"Moshi Moshi" – was übersetzt "Hallo, hallo" bedeutet – ist in bekannter Yoshimoto-Manier verfasst: unaufgeregt, nachdenklich, lebensbejahend und sehr japanisch.

Yoshimotos Charaktere sind sympathisch und vielschichtig, sie agieren zeitweise widersprüchlich und unvernünftig, sodass man sich als Leser schnell einfindet und identifizieren kann.

Die Autorin versteht es, den Charme und die fremde Kultur Tokyos so einzufangen, dass man am liebsten ins nächste Flugzeug steigen würde, um alles mit eigenen Augen zu sehen und zu "erspüren". 

Japanische Besonderheiten, wie typische Speisen oder Bräuche, werden in Fußnoten erklärt, für alljene, die noch nicht die Gelegenheit hatten, das Land zu bereisen.

Fazit: Vier Sterne für eine reizende Hommage an das Leben und den Genuss, eine feine Lesereise im Kopf, die Lust auf mehr Japan macht.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Three Junes

Julia Glass
Flexibler Einband: 538 Seiten
Erschienen bei Cornerstone, 02.10.2003
ISBN 9780099460299
Genre: Sonstiges

Rezension:

Durch Zufall bin ich auf Julia Glass' wundervolle Familiengeschichte "Three Junes" gestoßen, eigentlich weil ich auf der Suche nach einem passenden Titel für die Themen-Callenge war. Belohnt wurde ich mit viel mehr als nur einem Häkchen auf der Liste :)

Das Buch erzählt die Geschichte der McLeods, deren Oberhaupt Paul – Eigentümer und Herausgeber des schottischen Tagesblatts "Yeoman" – nach dem Tod seiner Frau Maureen Griechenland mit einer Reisegruppe erkundet, um sich auf andere Gedanken zu bringen. Dabei freundet er sich nicht nur mit seinem Tourguide Jack an, sondern trifft überdies auf die charmante junge Künstlerin Fern.

Der zweite Teil des Buches ist aus der Sicht Fennos, Paul und Maureens ältestem Sohn, geschildert, der sich vor einigen Jahren in New York niedergelassen hat. Nach seinem Studium eröffnet er anstelle einer Karriere in der Academia eine Special-Interest-Buchhandlung für Ornithologie, "Plume", im Haus eines befreundeten Professors. Bald darauf macht der unaufgeregte Fenno die Bekanntschaft des exzentrischen Opernkritikers Malachy, der im Haus gegenüber wohnt und ihm aufgrund seiner AIDS-Erkrankung die Obhut seines geliebten Papageis überträgt. Aus anfänglichem beiderseitigen Unbehagen erwächst alsbald eine nicht alltägliche, dafür aber umso tiefergreifende Freundschaft.

Auch Tony spielt eine wichtige Rolle, sowohl in Fennos, als auch in Ferns Leben, wie sich im dritten Part herausstellt. Fenno, der sich im Gedenken an zahlreiche an AIDS verstorbene Bekannte und Freunde in sexueller Abstinenz übt, lernt den charismatischen Fotografen und Housesitter bei einem seiner allmorgendlichen Spaziergänge durch New York City kennen und gerät schnell in seinen Bann.

Auch Fern blickt auf eine wildromantische Zeit mit Tony in Paris zurück, bevor ihr bewusst wurde, dass er sich neben ihr mit manch einem jugendlichen Adonis unter der Bettdecke vergnügte. Zurück in den Vereinigten Staaten, einige Jahre sind ins Land gezogen, verbringt Fern – schwanger von ihrem unwissenden griechischen Freund – ein Wochenende bei ihrem nunmehr platonischen Bekannten Tony, der ein Haus in den Hamptons sittet. Als wenig später Fenno eintrifft, dessen Vater Paul Fern auf ihrer Jahre zurückliegenden Griechenlandreise kennengelernt hat, schließt sich der Kreis...

Nicht zu Unrecht hat Julia Glass im Jahr 2002 den National Book Award for Fiction erhalten. "Three Junes" ist ein fesselndes Triptychon, das von lebenslangen Familienbanden ebenso wie von starken Gegensätzen lebt.

Von der anmutig-ruhigen Oberfläche, erinnernd an einen geheimnisvollen "Loch" in den schottischen Highlands, entführt Julia Glass den Leser immer weiter in die Tiefe, seziert mit feiner Klinge das Seelenleben ihrer Protagonisten, legt ihre intimsten Sorgen und Hoffnungen offen.

Eine Katastrophe für den einen ist für den anderen nichts als ein leiser Hauch und doch betrifft es ihn, beeinflusst es seinen Lebensweg. Was der eine sich weigert zu sehen, belastet den anderen, nimmt ihm die Unbeschwertheit seiner Jugend.

Auf knapp 400 Seiten bringt Glass eine Bandbreite kontroverser Themen – von AIDS über Euthanasie und Leihelternschaft bis hin zur Lockerbie-Tragödie – aufs Tapet, der Plot wirkt dennoch an keiner Stelle gewollt oder konstruiert. Vielmehr regt die Lektüre zum Nachdenken, gelegentlich auch zum Nach-Recherchieren an.

In Anbetracht der hinzu kommenden anspruchsvollen Sprache und dem virtuosen Einsatz von Flashbacks eine unbedingte Leseempfehlung. Ein tolles Buch!


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(66)

132 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 17 Rezensionen

usa, paranoia, familie, amerika, gesellschaft

Hart auf hart

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 02.02.2015
ISBN 9783446247376
Genre: Romane

Rezension:

Prinzipiell schätze ich T.C. Boyle als kontroversen Autor sehr, bis dato ausschließlich im Original: Seine unverblümte Art und die skurrilen Charaktere ohne einen Funken political correctness im Leib haben mir schon des Öfteren großes Lesevergnügen bereitet.

"Hart auf hart" war nun meine erste Boyle-Übersetzung und vielleicht ist es auch dieser Tatsache geschuldet, dass ich streckenweise immer wieder ins Scannen, ins Querlesen verfiel.

Nachdem sie so vielversprechend begonnen hatte, plätscherte die Geschichte bald nur noch vor sich hin, Plot und Charaktere blieben großteils repetitiv und zeigten keine wirkliche Entwicklung, allein die Perspektive wechselte von Sten zu Sara zu Adam alias Colter.

Alle drei Hauptakteure lehnen sich auf ihre Art gegen das System auf: Sten, ein pensionierter Schuldirektor und Vietnam-Veteran der Marines, tötet auf einer Kreuzfahrt in Costa Rica instinktiv mit bloßen Händen einen Banditen, der seine Reisegruppe bedroht, und wird damit unfreiwillig zum Helden.

Sein Sohn Adam, der seit seiner Kindheit Schwierigkeiten macht und mehr Zeit bei Psychotherapeuten als in der Schule verbracht hat, eifert indessen seinem Idol Colter, einem Waldläufer im Kampf gegen die Indianer, nach und verteidigt seine geheime Schlafmohnplantage in den kalifornischen Wäldern mit Waffengewalt gegen imaginäre Feinde, sogenannte Aliens.

Sara, eine freiberufliche Hufschmiedin und Aushilfslehrerin, hält nicht enden wollende Brandreden gegen die Zwänge des seine Bürger ausbeutenden Staates und gerät wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Bei einer ihrer Protest-Aktionen – sie entführt ihren Hund Kutya aus der staatlichen Quarantäne, nachdem er eine Polizistin gebissen hat – wird sie von Adam unterstützt und beginnt daraufhin eine für beide Seiten destruktive Affäre mit ihm.

"Hart auf hart" handelt von Einzelgängern, die Mitmenschen instrumentalisieren und über sprichwörtliche und reelle Leichen gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Die Protagonisten entstammen allesamt nicht dem klassischen "White-Trash"-Milieu, dafür agieren sie zu bildungsnahe und das wäre auch zu platt.

Ich vermute, dass Boyle mit seinem Buch aufrütteln will, darauf hinweisen, dass wie auch immer gearteter Rassismus – gegen Mexikaner, gegen die Exekutive, gegen Bürgerwehren – in den USA an die Tagesordnung gekommen ist und vor keiner Schicht Halt macht.

Nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, mit "Hart auf hart" an der Oberfläche eines Eisbergs zu kratzen, mehr Tiefe hätte mir hier gut gefallen.  

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

hurrikan, verrat, schmuggel, marihuana, vertrauen

Der leichteste Fehler

Lisa Moore , Kathrin Razum
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 23.02.2015
ISBN 9783446247239
Genre: Romane

Rezension:

Wenn unsere Freiheit eine Freiheit auf Zeit ist, wie frei sind wir dann? Wenn wir, im Vertrauen auf unsere Freiheit, in Wahrheit längst enttarnt sind und andere im Dunklen verborgen nur darauf warten, die von langer Hand geplante Falle zuschnappen zu lassen? Wann kommt der Moment, in dem wir realisieren, dass wir beobachtet, observiert und analysiert werden – und wie reagieren wir dann? Kämpfen wir weiter, angesichts der Ausweglosigkeit, bleiben wir dran, halten wir stand, bis zum bitteren Ende, immer auf der Suche nach dem einen Schlupfloch, das uns erlöst?

David Slaney, ein junger Häftling, verurteilt zu vier Jahren aufgrund eines missglückten Drogenschmuggels, schenkt sich selbst kurz vor seinem Geburtstag die ersehnte Freiheit: Er bricht aus dem Gefängnis aus, unterstützt von Helfern innerhalb und außerhalb der massiven Mauern. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund und ehemaligen Partner Hearn, der damals straffrei ging, will er den Deal erneut über die Bühne bringen, diesmal allerdings mit erfolgreicherem Ausgang. Nicht zuletzt plant Slaney, so das Herz seiner Ex-Freundin zurückzuerobern.

Dazwischen liegen ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, ein Flug nach Mexiko und ein stürmischer Segeltörn von Kolumbien zurück nach Neufundland, verknüpft mit großen Hoffnungen auf ein besseres Leben und dem unstillbaren Wunsch nach Freiheit.

Ähnlich geht es Patterson, dem Polizisten, der auf Slaney angesetzt ist und ihn um jeden Preis dingfest machen muss – für seine Beförderung, sein besseres Leben und seine Freiheit.

Wer ist nun im Recht? Wer hat mehr Anrecht auf Glück, wer hat es mehr verdient? Denn gewinnen kann nur einer...

Lisa Moore hat einen starken Roman zu einem nicht minder starken Thema geschrieben. Mit wenigen Worten schafft sie eine dichte Atmosphäre, kreiert sie schonungslos ehrliche Charaktere, mit denen es das Leben nie gut gemeint hat, die aber dennoch nie aufgeben und unermüdlich um ihr Quäntchen Glück kämpfen. Wie soll man da nur entscheiden, zu welchem der beiden Antagonisten man hält?

"Der leichteste Fehler" ist zweifellos keine unkomplizierte, seichte Lektüre, sie fordert, sie zieht einen in ihren Bann und lässt einen so schnell nicht mehr los, selbst wenn man das Buch aus der Hand gelegt hat – trotzdem und gerade deshalb: lesen! Ihr werdet es nicht bereuen ;-)

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54 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

afrika, nigeria, brüder, prophezeiung, angst

Der dunkle Fluss

Chigozie Obioma , Nicolai von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 313 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 13.02.2015
ISBN 9783351035921
Genre: Romane

Rezension:

Warum Afrika auch der "Schwarze Kontinent" genannt wird, habe ich nach diesem Buch besser verstanden.

In seinem Erstling erzählt Obioma die Geschichte vierer Brüder – Ikenna, Boja, Obembe und Benjamin – die im Nigeria der späten 90er Jahre unter die Räder des Umbruchs kommen. Während sich das Land mehr und mehr dem Westen zuwendet – auch der Vater der Buben träumt davon, seiner reichen Kinderschar mit westlicher Bildung und christlichem Glauben zu einem besseren Leben zu verhelfen – sitzt der Stachel der Tradition, des Aberglaubens und der Ibo-Stammesweisheiten nach wie vor tief.

Als die Brüder eines Tages verbotenerweise am Omi-Ala, dem dunklen Fluss, der angeblich Unheil bringt, fischen, treffen sie auf den verrückten Seher Abulu. Er prophezeit Ikenna, dem Ältesten, ein unheilvolles Ende, in einem "roten Fluss" werde er qualvoll sterben, grausam dahingemetzelt von einem seiner Nächsten, seinem Bruder.

Obwohl niemand so recht an die Vorsehung glauben möchte, verändert sich Ikenna zusehends, der nagende Zweifel richtet ihn schleichend zugrunde. Zusätzlich geschwächt und gereizt durch eine Typhus-Erkrankung kommt es zu einem Streit mit Boja, der dramatisch eskaliert.

Verwoben mit zahlreichen Riten, mystischen Geschichten und Traditionen Nigerias nimmt das Unheil von da an unaufhaltsam seinen Lauf - Ikennas tragischer Tod soll nicht der letzte sein, der fortan die Familie überschattet.

Obioma beschreibt eine fremde Welt so farbenprächtig und kraftvoll, dass man sich jedes einzelne Detail bildlich vorstellen kann. Er entführt uns in ein mystisches Reich, in dem Menschen zu Tieren werden und Götter über ihr Schicksal richten. Spannend bleibt es bis zur letzten Seite.

Unbedingte Leseempfehlung!

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(24)

54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

alles wird hell, julia jesse, familiengeschichte, lebensgeschichte

Alles wird hell

Julia Jessen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 11.02.2015
ISBN 9783956140242
Genre: Romane

Rezension:

Grenzen spielen eine zentrale Rolle in Julia Jessens einprägsamem Debüt. Sie zu erkennen, zu spüren und schließlich zu überschreiten, entgegen aller Vorschriften oder gängigen Moralvorstellungen. Weil man selbst im Dunklen steht und auf der anderen Seite das Licht wartet. Damit am Ende alles hell wird.

Am Beginn der Geschichte steht das Verbot der Großmutter, Nachbars Garten zu betreten oder die angrenzende Straße zu überqueren. Oda ist noch keine zehn Jahre alt, als sie sich dieser Regel widersetzt. Angsterfüllt, mit pochendem Herzen und doch wild entschlossen rennt sie wie der Wind durch den Garten und erreicht von der anderen Seite, über die untersagte Straße, die sichere Linie der Bordsteinkante. Das im Höllenritt zerrissene Kleid schiebt sie einem rasch erfundenen Hund in die Schuhe, ihr erstes von vielen wohlgehüteten, dunklen Geheimnissen, die ihr Sicherheit geben.

Je älter sie wird, umso besser lernt Oda, mit ihren Geheimnissen umzugehen, ihre Grenzen Stückchen für Stückchen weiter nach außen zu verschieben, im Gleichschritt mit ihrer wachsenden Begierde nach dem Licht. Alles, nur nicht feig sein. Wo kämen wir schließlich hin, wenn wir nicht mutig wären?

Mut braucht Oda auch, als sie als Pubertierende vor der gesamten Klasse tanzen soll, sich ganz öffnen, ihre innerste Gefühslwelt preisgeben. Oder als sie sich plötzlich zu Nils. dem Verlobten ihrer Tante, hingezogen fühlt, erste Gefühle aufkeimen, die Oda nicht einordnen kann und die noch weniger ausgelebt werden dürfen, im Kreis der heilen, liebenden Familie.

Der Leser begleitet Oda auf ihrer facettenreichen Lebensreise, sieht sie in Momenten des Lichts ebenso wie des Schattens, an den Meilensteinen ihrer Existenz. Lange Strecken dazwischen bleiben gänzlich im Dunklen, erschließen sich nicht, wie ein Kaleidoskop, das sich weiterdreht und kurz darauf ein anderes Bild präsentiert, zusammengesetzt aus den gleichen Steinchen und doch ganz neu.

Nichtsdestotrotz hatte ich schon bald das Gefühl, Oda zu kennen, ihre Zerrissenheit, ihre Motivation, ihre sperrige, aber liebenswerte Art. Sie, die sich nie in eine Form hat pressen lassen, die immer versucht, ihren Weg zu gehen, möglichst ohne jemandem wehzutun, aber auch ohne sich selbst zu verleugnen – das Dilemma des Lebens, und zugleich seine wunderbare Schönheit. Wo kämen wir hin, wenn wir nicht mutig wären.

Fein geschrieben, klug, anmutig, witzig – und mit der skurrilsten Hochzeit, von der ich je gelesen habe. "Alles wird hell" sollte man sich nicht entgehen lassen.

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127 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

familie, arbeitslosigkeit, beruf und familie, roman, glück

Die Glücklichen

Kristine Bilkau
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 16.03.2015
ISBN 9783630874531
Genre: Romane

Rezension:

Ein mollig warmer, nach Bio-Honig duftender und von sanfter Cello-Musik begleiteter Mikro-Kosmos – das sind Musikerin Isabell, Redakteur Georg und ihr zweijähriger Sohn Matti. Tout bourgeois-bohémien.

Die Postkartenidylle bekommt zarte Risse, als Isabells Hände während ihres allabendlichen Auftritts im Rahmen eines populären Musicals immer wieder zittern, ihr Spiel an Leichtigkeit verliert und sich Hand in Hand, mit zunächst unmerklichen Trippelschrittchen leise Selbstzweifel einschleichen.

Zeitgleich verliert Georg seine lukrative Anstellung bei einem renommierten Tagesblatt: aus wirtschaftlichen Gründen – die Medienbranche strauchelt – damit wäre doch längst zu rechnen gewesen.

Beide ziehen sich in Folge in sich selbst zurück, die Atmosphäre ist geprägt von stillen Vorwürfen, von Verkrampfung, es schwebt gar ein Hauch von Trennung in der Luft. Georg versucht der unbefriedigenden Situation mit Fluchtgedanken beizukommen, er sucht heimlich im Internet nach beschaulichen Selbstversorger-Häuschen, fernab der Großstadt. Für Isabell, selbst in einer spießigen Kleinstadt aufgewachsen, ein Albtraum – sie bemüht sich vielmehr, die Fassade aufrechtzuerhalten, vor den anderen Müttern in der Kita, vor ehemaligen Kollegen, selbst vor Georg, dem sie ihr Zittern verschweigt. Denn: Würde sie es aussprechen, wäre es real.

Richtig, es passiert nicht viel Bahnbrechendes in Kristine Bilkaus Roman, keine großen Umstürze, nichts Lebensbedrohliches. Zwei Menschen verlieren ihren Job, wie Millionen andere heutzutage auch. Das soziale Netz fängt sie auf, ihr Jammern ist auf höchstem Niveau.

Gerade diese Tatsache, diese Ambiguität und augenscheinliche Widersprüchlichkeit ist es jedoch, die mich letztlich in ihren Bann zog, während sie mich anfangs noch so vor den Kopf gestoßen hatte.

Es muss uns Menschen nicht immer Dramatisches passieren, damit wir straucheln, manchmal reicht schon ein kleines Steinchen auf der Straße des Lebens, um uns aus der Bahn zu werfen. Dann ist niemand da, der uns auffängt - denn eigentlich ist ja gar nichts passiert, richtig?

Man muss sich einlassen auf Isabell und Georg, auf zwei unperfekte Menschen, die nicht immer stark sind und alles richtig machen.

Ja, sie haben es eigentlich leicht. Und gerade deswegen auch wieder nicht.

Ja, es geht in "Die Glücklichen" nicht um postpartale Depression, um Krebs oder einen Bürgerkrieg. Genau das macht diese Studie des individuellen, kleinen Glücks aber auch so reizvoll, so fein und kontrovers.

Leseempfehlung – trotz etwaigem Stolperns entlang des Weges ;-)

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(4)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

klinik, amour fou, verrückte verliebtheit, bandscheibenvorfall, lesung

Der Liebesidiot

Hajo Steinert
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaus, 02.03.2015
ISBN 9783813504293
Genre: Romane

Rezension:

Handlung ist in "Der Liebesidiot" so gut wie absent, die Geschehnisse lassen sich recht lapidar in wenigen Sätzen zusammenfassen: Sigmund Seiler, Sprecher von Beruf und Spanner aus Leidenschaft, verliebt sich in der Kantine seine Arbeitsplatzes aus der Ferne in eine junge Frau und verfolgt sie bis nach Hause. Während sie sich dort mit einem anderen Mann vergnügt, zieht Seiler sich eine Verletzung zu und wird in ein Sanatorium eingeliefert, wo er seine "Liebesgeschichte" anderen Patienten vorliest.

Teile des Buches sind enorm repetitiv, vermutlich um Seilers voyeuristische Besessenheit zu unterstreichen. Gefühlte hundert Mal wird der Satz zitiert, mit dem die "Muse" Seilers Aufmerksamkeit erregt, wobei jede Silbe, jede Betonung, jedes Heben und Senken der Stimme bis ins kleinste Detail analysiert wird: "Gyros mit Pommes frites und Krautsalat, bitte, ohne Zaziki." Uff.

Keine Frage, Steinert versteht es, sich auszudrücken, seine komplexen Schachtelsätze strotzen vor Termini technici, vorwiegend aus dem medizinischen Bereich – wenn Seiler seitenlang seine Bandscheibenproblematiken erläutert.

Nichtsdestotrotz fühlten sich die knapp 200 Seiten für mich manieriert und gekünstelt an, streckenweise gewollt offen sexualisiert, ich nehme an, um den Kontrast zu den schwülstigen Beschreibungen der aus der Ferne Angebeteten und ihres roten Tangas zu schärfen.

Mein Fazit: Geschmäcker sind verschieden – hoffentlich, denn ich konnte persönlich zu "Der Liebesidiot" so gar keinen Zugang finden. Wohl wissend, wie viel Herzblut, wie viel Schweiß, Liebe und Hoffnung in die Entstehung eines Buchen fließen, wünsche ich dem Autor viele, viele Leserinnen und Leser mit einem gänzlich anderen Geschmack als ich. Solche, die mit Sigmund Seiler und seinem sehr speziellen Stil warm werden.

Für mich ist es dennoch ein "leider nein". Ich gestehe, ich war mehr als einmal kurz davor, das Buch aus der Hand zu legen und habe es rein aus Respekt vor dem Verfasser nicht getan.

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

vergänglichkeit, dystopie, garten, suhrkamp, poesie

Winters Garten

Valerie Fritsch
Fester Einband: 154 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2015
ISBN 9783518424711
Genre: Romane

Rezension:

"Winters Garten" hat mich zwiegespalten zurückgelassen: Auf der einen Seite ist das Buch wunderschön geschrieben, zart österreichisch gefärbt und sehr melancholisch, mit einem scharfen Auge für die kleinen Wunder der Natur und einem aufmerksamen Ohr für die feinen Zwischentöne menschlicher Beziehungen. In krassem Gegensatz dazu steht die Endzeitstimmung der Geschichte, die nagende Angst ausgehungerter und verzweifelter Menschen vor dem bevorstehenden Weltuntergang, die Frage, ob Liebe und Wärme so kurz vor dem sicheren Tod überhaupt noch Platz haben.

Anton Winter, aufgewachsen in einer naturverbundenen Gartenkolonie fernab der Stadt, verlässt den Ort seiner Kindheit nach dem Tod seines Vaters, um in der Stadt Vögel zu züchten. Bei einem seiner seltenen Spaziergänge an den Hafen – meist verlässt er seine Wohnung erst gar nicht, sondern beobachtet die Menschen mit dem Feldstecher, so ihn die Sehnsucht nach Gesellschaft packt – trifft er die zerbrechliche Frederike, die ihn ohne große Worte nach Hause begleitet.

So erfährt Anton, zum unmöglichsten aller Zeitpunkte, wenige Wochen vor dem angekündigten Weltuntergang, zum ersten Mal in seinem Leben schüchterne Liebe, mit der er zunächst kaum umzugehen weiß.

Frederike, eine ehemalige Marineoffizierin, die im Gegensatz zu zahllosen ihrer Kollegen nicht den Freitod gewählt hat, arbeitet als Freiwillige in einem Gebärhaus, sie unterstützt Frauen in ihrer Hoffnung auf einen Irrtum, auf ein besseres Leben für die neugeborenen und so schutzlosen Wesen.

Als Anton in eben diesem Gebärhaus durch Zufall seinen Bruder Leander wiedertrifft, machen sie sich gemeinsam auf, ein letztes Mal den wundersamen Garten ihrer Kindheit zu besuchen, zurück zu den Erinnerungen, den Freuden und den Lieben, die sie dort begraben mussten.

"Winters Garten" ist keine Geschichte der großen Handlungen, so wird beispielsweise nicht erläutert, warum und wie die Welt untergehen soll. Der Fokus liegt vielmehr zwischen den Zeilen, auf den kleinen Details, den Reminiszenzen und Stimmungen.

In der Bewertung schwanke ich zwischen drei und vier Sternen, da das Buch objektiv gesehen sehr berührend, direkt und fein geschrieben ist, ich jedoch persönlich mit dem Endzeitthema meine Schwierigkeiten hatte. Fazit: "Winters Garten" ist sicher nicht für jedermann und jederfrau, wem das Sujet aber liegt, der wird seine Freude haben :)

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Middlesteins

Jami Attenberg , Barbara Christ
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 20.01.2015
ISBN 9783895612022
Genre: Romane

Rezension:  
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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

sex, midlife-crisis, mann, erotik, innere zerrissenheit

Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

Sibylle Berg
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 02.02.2015
ISBN 9783446247604
Genre: Romane

Rezension:

Seit gut zwanzig Jahren sind Chloe und Rasmus verheiratet. Sie kennen einander, sind vetraut in ihrem Handeln, Denken, Atmen, die Beziehung gibt ihnen Sicherheit, ist ihr Hafen. Sie lieben einander. Was macht es da schon, dass ihnen entlang des Weges das Begehren, der sexuelle Trieb, der ehrlicherweise nie alldominierend war, schrittweise abhanden gekommen sind?

Chloe unterstützt Rasmus in seinem verzweifelten Streben nach Erfolg als Regisseur und Intendant, reist mit ihm sogar in ein Dritte-Welt-Land, wo er sich alsbald schmerzlich eingestehen muss, dass die pubertierend-lustlose Dorfjugend westlichem Alkohol wesentlich mehr zugetan ist als westlicher Lyrik.

Kurz bevor das vom Leben gezeichnete Paar desillusioniert die Heimreise antritt, lernt Chloe in einem zwielichtigen Massagestudio Benny kennen. Jung, kräftig, mit wilden roten Locken und einer unbändigen sexuellen Gier, wie sie sie bei Rasmus nie kennengelernt hat, bedient Benny sämtliche gängigen Klischees.

Chloe verbringt einige Tage mit Benny, ein verzweifelter Versuch, ihre verlorene Jugend zurückzuholen, einmal noch begehrt zu werden, unersättlich, schamlos und ohne Skrupel. Die Rückkehr in die Heimat, zusammen mit Rasmus, stürzt Chloe in eine zerstörerische Depression, sie macht ihren Mann für den Verlust verantwortlich, hasst ihn, träumt, ihn zu zerstören.

Doch da, mitten in der schwärzesten Stunde, steht Benny plötzlich vor der Türe, selbstvergessen, unbekümmert und in voller Blüte seiner Jugend und Manneskraft...

"Der Tag, als meine Frau einen Mann fand" ist vollkommen anders als ich es erwartet hatte. Eine Geschichte, die nahezu alltäglich beginnt, mit jeder umgeblätterten Seite jedoch immer verrückter wird.

Unzählige Bücher habe ich gelesen über verheiratete Frauen, die sich zwischen ihrem Gatten und einem Lover entscheiden müssen, doch noch keines über eine, die fortan den jugendlichen Geliebten in ihrem bildungsbürgerlichen Luxus-Apartment auf dem skandinavischen Designersofa vergenusszwergelt, während sich der Angetraute nebenan schlaflos im Ehebett wälzt.

Und es kommt noch besser, soviel sei verraten. Den ein oder anderen Twist hält Sibylle Berg in Petto, während Chloe und Rasmus abwechselnd, in kurzen Kapiteln, mit flapsigen Überschriften und provokanter Diktion ihr Innerstes mehr und mehr offenlegen.

Streckenweise hat mich die Geschichte richtiggehend angewidert, das gebe ich zu. Vermutlich hätte ich das Buch auch noch vor einigen Jahren, in meinen Zwanzigern, entrüstet beiseite gelegt und mich ereifert über lebenslange Treue und exklusive, unbefleckte Liebe. Heute bin ich erwachsener, um einige Erfahrungen reicher und um so manche Illusion ärmer, ich weiß, dass ein Leben lang sein und im Laufe einer Beziehung viel passieren kann. Wer ist schließlich perfekt?

Natürlich, Sibylle Berg provoziert, sie treibt das Spiel auf die Spitze, testet, wie weit sie gehen kann, was ihre Charaktere aushalten, bevor sie erschöpft auf den Theaterbrettern zusammensinken. Das wäre aus meiner Sicht in der Intensität gar nicht nötig gewesen, der Plot, die Psychologie der Charaktere sind auch ohne übermäßige Provokation stark genug.

Nichtsdestotrotz regt Berg damit zum Nachdenken an, stößt den Leser mit der Nase auf die schmerzhafteste aller Fragen: Wie würde ich handeln, wäre ich sie – oder er? Wie sehr möchte ich gefallen, bin ich abhängig von der Bestätigung anderer? Wie weit würde ich gehen für den Kick, für das Adrenalin, für das Sich-Spüren?

In Anbetracht all dessen: 3,5 Sterne.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The Blazing World

Siri Hustvedt
Flexibler Einband
Erschienen bei Simon & Schuster US, 01.03.2014
ISBN 9781476769981
Genre: Romane

Rezension:

Mit "The Blazing World" ist Siri Hustvedt ein weiterer ganz großer Wurf gelungen. Gewohnt virtuos verwebt die Autorin Fakt mit Fiktion und erfreut sich daran, ihre LeserInnen intellektuell herauszufordern und immer wieder charmant in die Irre zu führen. 

"The Blazing World" ist aufgebaut wie ein realer Nekrolog, ein Nachruf auf die kürzlich verstorbene New Yorker Künstlerin Harriet Burden, die erst nach dem Tod ihres Mannes, des bekannten Kunstsammlers Felix Lord, aus dessen übermächtigem Schatten treten konnte. Wie alle Protagonistinnen Hustvedts ist Harriet außerordentlich belesen und eigenwillig, sie beschäftigt sich nachhaltig mit Philosophie, Neurowissenschaften und Wahrnehmungstheorien, wobei sie gängige Strömungen mit Genuss in Frage stellt und sich auch nicht scheut, ihre kontroversielle Meinung zu äußern. 

Besonders fest hält Harriet an ihrer Hypothese, dass Oeuvres männlicher Künstler anders rezipiert werden als jene ihrer weiblichen Pendants. Aus diesen Überlegungen entsteht ein trotziges und zugleich mutiges Spiel, eine gewagte Kunst-Trilogie genannt "Maskings". 

Harriet – die stets mit ihrer Weiblichkeit zu hadern scheint, sie als Bürde ("burden" im Englischen) empfindet, was sich in ihrem Spitznamen "Harry" einerseits, in ihrem amazonenhaften Habitus andererseits widerspiegelt – beschließt, eine Auswahl ihrer Kunstobjekte und Installationen über mehrere Jahre hinweg im Namen dreier männlicher Künstlerkollegen auszustellen: Anton Tish, Phineas Q. Eldridge und zuletzt Rune. 

Nach der letzten Ausstellung will sie ihre Identität als wahre Schöpferin enthüllen und somit die gesamte hypokritische, ihr nie sonderlich wohl gesonnene Kunstszene vorführen. Während der zuvor unbekannte Anton Tish seine Rolle als Maske nur schwer verkraftet, verbindet Harry und Phinny, einen Homosexuellen gemischter Abstammung, bald eine tiefe Freundschaft. Erst der exzentrische und narzisstische Rune bringt das Projekt ernsthaft ins Wanken, nicht zuletzt durch seine grausamen Andeutungen, ihn hätte mehr als nur eine lose Bekanntschaft mit Felix Lord verbunden. 

Entstehung, Verlauf und dramatisches Ende der "Maskings"-Trilogie sowie die schöpferische, intellektuelle und persönliche Entwicklung Burdens werden auf multiple Art und Weise beleuchtet: Als Quelle dienen zum einen Burdens umfangreiche Tagebücher, zum anderen Aufzeichnungen ihrer Freunde und Bekannten - Bruno Kleinmann, Harriets Lebensgefährte in den Jahren nach Felix' Tod, Harriets engste Freundin Rachel Briefmann, die Kinder Maisie und Ethan – aber auch Reviews der drei maskierten Ausstellungen sowie Interviews mit unabhängigen Kunstsachverständigen. 

Neben der kunstvollen Sprache, die Siri Hustvedt so auszeichnet, ist "The Blazing World" ein intellektuelles Vergnügen, besonders wenn man sich die Zeit nimmt, den zahlreichen Verweisen und philosophischen Verästelungen gedanklich zu folgen und Raum zu geben. Besondere Spannung wird dem Text durch den gekonnten Mix aus Realität und Fiktion verliehen, der mich mehr als einmal zu Recherchen verleitet hat, ob dieser oder jener Künstler nun wirklich existiert hat oder rein Hustvedts brillanter Fantasie entsprungen ist. 

Kurz: "The Blazing World" ist ein Lesevergnügen auf höchster Ebene, das dazu anregt, hinter den Spiegel zu schauen und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. 

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