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54 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

anekdotensammlung, helikoptereltern, ullstein verlag, spiegel online, unterhaltung

Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Lena Greiner , Carola Padtberg-Kruse
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783548377490
Genre: Humor

Rezension:

Der Helicopter U.S. Navy 66 rettete seinerzeit die von ihrer Rückkehr ins All heimgekehrten amerikanischen Astronauten aus dem Pazifik. Hubschrauber sind bei uns täglich im Einsatz, um Menschenleben zu retten. Wer aber rettet Jaden-San Diego und Emily-Sidney vor den lebensgefährlichen Unbilden ihres Alltags im Deutschland des 21. Jahrhunderts? Richtig, die eigenen Helikopter-Eltern! Höre ich da jemanden „Klischee“ rufen? Derjenige sollte bitte zuerst dieses Buch über die real existierenden Erziehungs- und Ernährungs-Taliban lesen. Zum Glück ist die Zahl der so genannten Helikopter-Eltern (noch) relativ gering. Sie aber kreisen mit enormer Intensität über ihrem gehelikopterten Premiumkind. Vom prenatalen Zustand, über Kita, Schule, Uni bis hin zum Vorstellungsgespräch gilt: Mama und Papa sind immer dabei, halten ihren Hasis und Schatzis geflissentlich das zitternde Händchen und nerven penetrant Mit-Eltern, Erzieher, Lehrer, Professoren, Ausbilder. Sie schreiben ihnen Unterricht und Verhaltensweisen vor, wollen ihre Teilnahme an Klassenfahrten einklagen und drohen auch ansonsten liebend gerne mit der Justiz. Die Reaktionen beim Lesen der Anekdotensammlung über den bedauernswerten Nachwuchs an veganen Weißmehl-Zucker-Gluten-Verweigerern reicht vom haltlosen Lachen bis zum fassungslosen Kopfschütteln.

Eines ist es auf jeden Fall: ein großes Lesevergnügen! Erklärungsversuche für das Verhalten dieser Spezies von Eltern seitens des Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff dürfen wohl in einem solchen Buch nicht fehlen. Sie bleiben aber eher obligatorisches Anhängsel. Die Beispiele sprechen für sich und erlauben das Fazit:  Jeder blamiert sein Kind, so gut er kann. Leidtragende sind die zur Lebensuntauglichkeit verzogenen Kinder, die ihren vermeintlich wohlmeinenden Über-Eltern ebenso ausgeliefert sind wie das gesamte bedauernswerte Umfeld. Neben allen Absurditäten („Nach dem Schwimmunterricht ging eine Mutter mit ihrem 14-jährigen Sohn in die Umkleidekabine, um ihm beim Anziehen zu helfen“) kann der Leser auch noch etwas lernen. Oder haben Sie gewusst, was „Kiss-and-Go-Zonen“ sind? Ich weiß es jetzt …

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

österreich, berge, berg, bergwelt, liebe

Durch alle Zeiten

Helga Hammer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 13.10.2017
ISBN 9783961010080
Genre: Romane

Rezension:

Liebe und Leiden, Untreue und Verschweigen, Tragödien und Schmerz, Leben und Tod – der Stoff, aus dem Romane sind. Das gilt auch für Helga Hammers „Durch alle Zeiten“. Im Mittelpunkt: Elisabeth. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, vor äußerlich idyllischer Bergweltkulisse, hinter der sich Abgründe auftun. Ihre Ausbildung zur Hausbesorgerin scheint dem Rollenverständnis der Zeit zu entsprechen, dem sittsamen Frauenbild der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entspricht Elisabeth aber keineswegs. Drei Kinder von drei verschiedenen Männern; sie nimmt sich, was sie an Liebe bekommen kann und bleibt dennoch ständig auf der Suche. Die Geliebten sind nicht ehekompatibel. Ihr erster Mann Martin, kriegsversehrt, treusorgend, schweigsam, liebt Elisabeth von Herzen und die beiden Kinder Franz und Marta abgöttisch, ohne zu wissen, dass es nicht seine leiblichen sind. An die Stelle des zutiefst enttäuschten Martin tritt der reiche Josef, versoffen und gewalttätig. Mit dem debilen Alfons wird schließlich das dritte Kind in das Leben auf dem Hof geboren. Von Niklas, Elisabeths erster großer Liebe, kommt sie zeit ihres Lebens nicht los. In ihrem wechselvollen, heftigen Leben geht sie immer wieder Wege, die ihr ein anderes Leben eröffnen als das, welches ihr das Schicksal vorgezeichnet hat. Sie leidet unter „ihrer Unentschlossenheit, ihrem Überdruss, ihrem Zweifel, unter der Angst vor den toten Träumen und der Angst vor einem Leben ohne Träume“ und der Leser leidet durchaus mit. Neben fiktiven Elementen verbirgt sich hinter der Protagonisten lt. Nachwort eine reale Person. Der Autorin gelingt es durch geschickten Spannungsaufbau, überzeugende Sprache und Erzähltalent Empathien zu wecken. Dabei ist der Roman durch die Handlungsstränge in verschiedenen Zeitepochen raffiniert komponiert. Zugleich ist das aber auch ein Manko. Oftmals erkennt der Leser erst recht spät, in welcher Zeit und in welchem Lebensabschnitt Elisabeths er sich gerade befindet. Hier wären vorangestellte Jahreszahlen, klein und kursiv gedruckt, zu Beginn der Kapitel eine gute Orientierungshilfe. Fazit: ein lesenswerter Roman über das einfache und harte Leben einer Frau auf der immerwährenden Suche nach der erfüllenden Liebe.

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89 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

frankreich, mord, schuld, beklemmend, roman

Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608981063
Genre: Romane

Rezension:

Drei Tage dauert die Unwetterkatastrophe, die über das französische Dorf Beauval niedergeht und ein Leben, nämlich das von Antoine Courtin, entscheidend beeinflussen könnte. Eine furchtbare Tat lastet auf dem Zwölfjährigen: Er hat tags zuvor den sechsjährigen Rémi Desmedt erschlagen. Nein, es war kein Mord, vielmehr eine Affekthandlung. In ihr entlud sich die Wut gegen Rémis Vater, der seinen eigenen Hund Odysseus erschossen und wie Müll entsorgt hatte. Die Naturkatastrophe könnte dafür sorgen, dass die Leiche des Kleinen unentdeckt bleibt. Fortan muss Antoine mit dieser schier unerträglichen Schuld leben und der ständigen Angst, als Kindsmörder mit allen Konsequenzen entlarvt zu werden. Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Tragik und Schuld, die das junge Leben des Protagonisten von einem Moment zum nächsten auf den Kopf stellt. Das geht schon mächtig unter die Haut, die Tat ebenso wie der verzweifelte Versuch, trotz ständiger Albträume ein unauffälliges, normales Leben zu führen.  Sehr einfühlsam beschreibt Pierre Lemaitre die Ereignisse im Dorf, charakterisiert die Bewohner treffsicher, lässt den Leser unmittelbar teilhaben an aufwühlenden Momenten und eben auch der Frage nach Schuld und Verantwortung. Dabei gelingt es ihm gekonnt, die eigenartige Spannung, die über den erzählten Zeiten (1999, 2011 und 2015) liegt, bis zum unerwarteten Ende aufrecht zu halten. Ausgesprochen ansprechend und sehr gut gewählt ist das Motiv des Covers, drückt es doch die Niedergeschlagenheit und Verlassenheit des jungen Antoine auf sehr subtile Weise aus. Trotz alledem muss ich noch einen negativen Aspekt erwähnen. So gut mir der Roman insgesamt gefallen hat, so sehr hat mich beim Lesen der inflationäre Gebrauch von Auslassungspunkten gestört. Dieses Mittel hat sinnvoll angewendet durchaus seine Berechtigung. Aber in nicht nur gefühlt hundertfacher Häufung wirkt es enorm störend und ist einfach nur ärgerlich. Ist es leichter, etwas auszulassen, als etwas auszudrücken? Warum schreitet ein Lektor da nicht ein?

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276 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 99 Rezensionen

okapi, tod, liebe, westerwald, dorf

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2017
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Ja, schön ist er, der Westerwald. Als Nachbarbewohner kenne ich die Landschaft sehr gut. Ob die Menschen dort allerdings glauben, dass tote Mäuse gegen Augenleiden helfen und ein Dieb gestohlenes Gut zurückbringt, wenn man Friedhofserde in der Pfanne brät, weiß ich nicht. Ist aber eh nicht wichtig. Schließlich ist „Was man von hier aus sehen kann“ ein Roman und damit in seiner Fiktion völlig frei. Und so bewegen sich Figuren und Handlung im Mikrokosmos eines überschaubaren Ortes. Da bringt die nicht richtig schließende Tür eines Regionalzugs einen jungen Mann zu Tode, der Vater der Ich-Erzählerin Luise ist zwecks Lebensverwirklichung nahezu permanent auf Reisen, ihre Mutter betreibt einen Blumenladen und ein Verhältnis mit dem Eiscafébesitzer, der Optiker will den Jäger umbringen und liebt Luises Oma Selma, die das Orakel in Person ist. Träumt sie von einem Okapi (!), stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Und Luise selbst? Arbeitet bei einem Buchhändler und ist verliebt in einen buddhistischen Mönch aus Japan, der eines Tages unvermittelt durch das westerwäldische Unterholz in ihr Leben einbricht. Stoff genug für einen intensiven Blick auf die dörfliche Struktur, in der nun einmal jeder mit jedem in irgendeiner Verbindung steht. An und für sich liebe ich Literatur, die ihr Augenmerk auf einen solchen regional begrenzen Kosmos und seine Bewohner richtet. Entsprechend euphorisch habe ich mit dem Lesen begonnen, freute ich mich doch darauf, in dieses Beziehungsgeflecht einzutauchen, alle denkbaren Typen mit ihren guten, schlechten, skurillen Charakterzügen kennen zu lernen. Letztlich war der Roman für mich wie eine Achterbahnfahrt mit einigen Höhen, vielen Tiefen und dem mehrmaligen Drang, das Buch einfach beiseite zu legen. Aber wie das so ist: Bei Achterbahnfahrten steigt man auch nicht einfach während der Fahrt aus, und so habe ich tapfer durchgehalten. Leider wurden meine anfänglichen Erwartungen nicht erfüllt, es entwickelte sich keinerlei Empathie für die Personen, die Handlung blieb mir seltsam fremd, mitunter absurd, banal, spannungsarm und blutleer. Auch der Sprache konnte ich wenig abgewinnen. Mir erscheint der Roman wie eine Zettelkastensammlung von Ideen, die zusammengefügt kein Ganzes ergibt. Vielleicht fehlt mir auch einfach das Verständnis dafür, dass es sich lt. Klappentext um ein „Buch über die Liebe unter besonderen Vorzeichen“ handeln soll, eine Liebe, „die scheinbar immer die ungünstigen Bedingungen wählt“.  Dass die Autorin „zu den kraftvollsten, den unverwechselbaren Stimmen der deutschen Literatur“ gehören soll, kann ich nur schwerlich nachvollziehen. 

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(102)

148 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

irland, geister, mord, tote, roman

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.09.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

„Sieh dich vor. Es gibt in diesem Dorf keine vertrauenswürdige Seele. Jeder von ihnen hat mindestens zwei Gesichter.“ Mrs Cauley weiß, wovon sie redet. Diese eigenwilligen, mitunter schrulligen und verschrobenen irischen Sturköpfe und Eigenbrötler mögen keine Fremden. Die alte Mrs Cauley residiert als ehemalige Schauspielerin schon seit Jahrzehnten divenhaft und unerschrocken im Dorf Mulderrig. Mahony, der eigentlich Francis Sweeney heißt, ist mit Mitte zwanzig eher noch ein Jungspund und in die irische Provinz gekommen, um seine Herkunft und vor allem das ungeklärte Schicksal seiner verschwundenen Mutter  zu klären. Er weiß nicht, was der Leser bereits im Prolog erfährt: Sie ist tot, wurde ermordet und auf der kleinen Insel im Fluss verscharrt. Für Mahony, als Baby auf wundersame Weise vor dem Mörder der Mutter gerettet, wird ein Dubliner Waisenhaus zur Heimat und später zum Ausgangspunkt seiner Suche, hat er doch nach dem Tod einer Nonne einen versiegelten Umschlag erhalten, der Rätsel aufgibt. Mrs Cauley ist sofort Feuer und Flamme für sein Schicksal und will das alljährlich von ihr inszenierte Theaterstück im Gemeindehaus zur Aufklärung des ominösen Falles nutzen.

Auf fast 400 Seiten gelingt der Autorin Jess Kidd ein wunderbar lesbarer, sprachlich ausgefeilter, spannender, unterhaltsamer, mit geradezu fantasievollem Sprachschatz und messerscharfen Beobachtungen gesegneter Roman. Für manchen Leser mag die übernatürliche Fähigkeit Mahonys, als „Freund der Toten“ die Verstorbenen zwischen all den lebenden Zeitgenossen agieren zu sehen, etwas befremdlich und gewöhnungsbedürftig zu sein. Immerhin erscheint ihm seine eigene Mutter nicht. „Er hat gesucht, aber sie hat nie geantwortet.“ So bleibt ein Rest Hoffnung, dass sie vor Zeiten den Ort einfach nur verlassen hat.

Man taucht als Leser tief ein in dieses besondere dörfliche Biotop, von dem man meint, es derart originär nur in der irischen Provinz finden zu können. Was sich hier auf engstem Raum an eigenwilligen Charaktertypen tummelt, macht das Lesen zum Vergnügen. Da gibt es nicht eine einzige aalglatte Figur, jede hat ihre Ecken und Kanten, Schrullen, Macken und Geheimnisse. Und einen verwegen aussehenden jungen Mann, der in diesen Geheimnissen herumstochert, ist das Letzte, was man in Mulderrig braucht.

Für mich ist der Roman ein überaus gelungenes Debut der Autorin, zugleich  ein spannendes Lesevergnügen zu jeder Tages- und Nachtzeit!

 

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(105)

153 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

liebe, alter, roman, einsamkeit, kent haruf

Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf , Pociao
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.03.2017
ISBN 9783257069860
Genre: Romane

Rezension:

„Es geht nicht um Sex. Es geht darum, die Nacht zu überstehen. Zu reden, zusammen im Bett zu liegen. Die ganze Nacht.“

Mit diesem Ansinnen klingelt die 70jährige Witwe Addie Moore bei ihrem Nachbarn Louis Waters, seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein. Man kennt sich seit vielen Jahren, aber besonders eng war die Beziehung nicht. Beide blicken auf ein Leben zurück, das nicht immer nur von Glück und Gradlinigkeit geprägt war. Da gab es manche wechselvollen, auch tragischen Momenten. Und über all das möchte Addie gerne reden, jeden Abend, und dabei die ganze Nacht neben Louis verbringen. Louis willigt ein, und so erzählen sie sich fortan gegenseitig ihr Leben.

Es gibt Bücher, an die man sich noch jahrelang erinnert, die einem fest im Gedächtnis bleiben werden, weil sie zutiefst berührend sind. Ich neige nicht zu Überschwänglichkeiten, aber dieses Buch ist zweifellos eines der besten, die ich je gelesen habe! Eine wunderbare Geschichte, ein absolutes Meisterwerk! Addie und Louis bieten mit ihren keineswegs heimlichen gegenseitigen Besuchen der Kleinkariertheit, der Spießigkeit und dem Argwohn der Bewohner des fiktiven Ortes Holt ein gefundenes Fressen. Die Beziehung wird mitunter auf eine harte Probe gestellt. Dennoch bleiben beide, die nur ein wenig Glück und Zweisamkeit gegen die Einsamkeit des Alters suchen, stark und einander in besonderer Weise verbunden. Dabei lassen sie den Leser auf eine wunderbar zärtliche Art an ihrem Leben teilhaben, nicht voyeuristisch, sondern immer empathisch, liebevoll, vertraut. Ich habe den (kurzen) Roman förmlich verschlungen, konnte ihn einfach nicht aus der Hand legen. Es ist Kent Harufs fünfter und letzter Roman, der Autor starb 2014. Ein absoluter Verlust für die Literatur! Seine Sprache, sein Erzählstil sind unaufgeregt, dabei so treffend und präzise, so ehrlich, anrührend  und ungekünstelt, dass es einen nicht mehr loslässt. Danke für ein wunderbares, liebevolles literarisches Vermächtnis!

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(71)

104 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

schweden, mord, thriller, stockholm, rache

Der Mörder und das Mädchen

Sofie Sarenbrant , Hanna Granz
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.02.2017
ISBN 9783352008931
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Unheimliche kommt nachts, schleicht durchs Haus, berührt die kleine Astrid und verschwindet wieder. Dumm nur, dass der Familienvater Hans am nächsten Morgen tot in seinem Bett aufgefunden wird. Alkohol und Gewalt spielten in seiner Beziehung zu Cornelia eine entscheidende Rolle. So hält sich die Trauer der Ehefrau eher in Grenzen, lässt sie aber zugleich in den Kreis der Verdächtigen geraten. Und so beginnt der Thriller „Der Mörder und das Mädchen“ gleich mit einer gehörigen Portion Spannung. Hinzu gesellen sich zahlreiche Figuren, deren Beziehungsgeflecht und Verhalten samt diverser Geheimnisse, Fremdgehen, Stalking und Intrigen der Leser erst einmal verinnerlichen muss. Es bleibt nicht bei dem einen Mord, und geschickt versteht es die Autorin Sofie Sarenbrant, Verdächtigungen zu streuen, Fährten zu legen und vermeintliche Beweise deuten zu lassen, um den Leser über 366 Seiten bei der Stange zu halten. Das fällt zugegebenermaßen überhaupt nicht schwer.  Da werden nächtliche Ur-Ängste geweckt! Sprachlich ist das Ganze nicht der große Wurf. Der Erzählstil wirkt oft seltsam distanziert, vermittelt eher den Eindruck der Aufzählung von Ereignissen als den eines  empathischen Mitnehmens des Lesers. Aber mit dem Tempo der Handlung und der Vielzahl der Kapitel (105!) treibt die Autorin den Leser förmlich vor sich her. Man kann das Buch in der Tat nur schwer aus der Hand legen - ein Kapitel geht doch noch, und dann noch eins, und noch eins und … Nicht alles ist logisch nachvollziehbar, ändert aber nichts daran, dass man es mit einem durchaus gelungenen Thriller zu tun hat. Natürlich erfährt man, wer der Täter ist, dennoch bleibt das Ende raffinierterweise offen und lässt für die (in Schweden wohl bereits erschienene) Fortsetzung einiges erwarten. Vor allem für die schwangere Ermittlerin Emma Skjöld dürfte es äußerst prekär werden. Wer gerne wieder einmal etwas atemlos herunterlesen möchte, ist mit diesem Thriller bestens bedient.

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(78)

113 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

sterbebegleitung, sterben, tod, krebs, hospiz

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Susann Pásztor
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048704
Genre: Romane

Rezension:

Fred Wiener, der Langweiler, von seinen Kollegen Wienerwürstchen genannt, trifft nach seiner Ausbildung zum Sterbebegleiter auf die todkranke Karla - und gleich prallen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist der übergewichtige alleinerziehende Vierzigjährige, der seinem Leben durch ein Ehrenamt einen tieferen Sinn geben will, und Karla, die um ihre äußerst begrenzte Lebenszeit weiß, alle bisherigen Elisabeth-Kübler-Ross-Phasen des Sterbens durchlitten hat und sich in der letzten Phase, die der Zustimmung, befindet. Auf den ersten Blick wirkt sie allzu tough, zynisch, fast schon aggressiv gegenüber Fred, der sich ihr als erste „Klientin“ aus besten Motiven heraus und mit viel Empathie, wenn auch zunächst sehr unsicher, nähert. Sie redet mit ihm Tacheles und zeigt ihm ganz klar seine Grenzen auf – und diese Grenzen bestimmt ausschließlich sie selbst. Die nicht spannungsfreie erste Begegnung der beiden erzählt Suzann Pásztor mit viel Liebe zum Detail und einem Einfühlungsvermögen, das sie auch im weiteren Verlauf des Romans konsequent unter Beweis stellt. Die Authentizität beziehen Personen und Handlung wohl nicht zuletzt aus der Tatsache, dass die Autorin selbst eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin absolviert hat und in diesem sensiblen Bereich seit Jahren tätig ist. Erzählerisch dicht, immer nah an ihren Personen (Warum habe ich mir Supervisionen immer genau so vorgestellt?), der Umgang mit Sterben und Leben bis zuletzt, das sind die Pluspunkte dieses Romans. Dem Konflikt zwischen Klara und ihrer Schwester Gudrun, die seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr haben, steht die Entwicklung der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Fred und Phil gegenüber. Der Dreizehnjährige wird phasenweise zur einzigen Kontakt- und Vertrauensperson der Todkranken. Die zweifellos berührendsten Passagen des Buches sind Phils „Rap für Oma“ (als Synonym für Karla und ihr Sterben aus der offenen und ehrlichen Sicht eines Jugendlichen) und die zärtliche Begegnung zwischen Fred und Karla („Ich bitte Sie darum, mich zu berühren.“), als sie ihm anvertraut, den Prozess des Sterbens beschleunigen zu wollen. Einfach wunderbare, unvergessliche Lesemomente! Der Roman ist eine gelungene Mischung zwischen der Ernsthaftigkeit von Tod und Sterbebegleitung, der trotz allem greifbaren Heiterkeit und Bejahung des Lebens, getragen von Empathie und leisen Zwischentönen, glaubwürdigen Charakteren und vielen anrührenden Momenten. 

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87 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

berlin, gefühlschaos, traurigkeit, planlos, erwachsenwerden

Realitätsgewitter

Julia Zange
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783351036584
Genre: Romane

Rezension:

Marla kommt aus der Provinz und lebt jetzt in Berlin. Sie zählt zur Generation derjenigen, die pausenlos miteinander vernetzt und dennoch im Grunde ihres Herzens einsam und alleingelassen sind. Der monatliche Scheck des Vaters bleibt alsbald aus und Marla muss notgedrungen für ihren eigenen Unterhalt sorgen. Dazu verhilft ihr ein Job bei einem hippen Modemagazin. Ansonsten ist ihr Leben gefüllt mit Sich-Treiben-Lassen und Getrieben-Werden durch die Anonymität der Großstadt. Banales, Alltägliches begleitet sie, oberflächliche Beziehungen, flüchtiger, leerer, schneller, aber seltener Sex. Ihr Bekanntenkreis besteht gleichfalls aus Gestrandeten, die auf der Suche sind nach Gefühlen und Bedürfnisbefriedigung. All das bleibt seltsam oberflächlich, beziehungslos. Man ist ständig online, kommuniziert per Messages, Posts und Likes und versinkt in grenzenloser Verlorenheit, wenn das Netz schweigt.

 „Ich trete aus dem Büro in den anbrechenden Abend. Ich habe nichts geplant. Mein Handy gibt keine Nachrichten von sich. Offensichtlich bin ich ganz allein.“ (S. 72)

 

Ein Besuch zu Hause reißt alte Wunden wieder auf und endet im Desaster. Auch eine Bekanntschaft auf Sylt bringt nicht die erhoffte Vertrautheit und Seelenbeziehung mit einem anderen Menschen. So bleibt letztlich nur die Rückkehr nach Berlin, die Rückkehr in die alten Lebensgewohnheiten.

Tauschen möchte man mit Marla nicht. An keiner Stelle dieses leicht lesbaren und durchaus lesenswerten Romans habe ich die junge Frau beneidet. Eher empfinde ich Mitleid mit ihr und ihrem letztlich eintönigen und beziehungslosen Leben. Vielleicht zu Unrecht; aber weil ich dieser Generation längst entwachsen bin, ist mir ihr Leben seltsam fremd, dieses vermeintlich aufregende Großstadtleben voller Inhaltslosigkeit und Kälte.

„Für den Rest des Abends schweigt mein Telefon. Obwohl ich 1675 Facebook-Freunde habe.“ (S. 94)

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(82)

163 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, glück, waldfee

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Anton, seines Zeichens professioneller Zauberer ohne durchschlagenden Erfolg, landet nach einem Autounfall in der mysteriösen Welt von Tiveden und trifft auf diverse eigenartige Typen und Fabelwesen. Ich muss es gleich vorab sagen: Ich hatte etwas völlig anderes erwartet, und zu meinem Leidwesen driftete die Handlung nahezu vollständig in den Fantasybereich ab. Als Teilnehmer der Leserunde habe ich den Roman natürlich bis zum Ende gelesen, obwohl es für mich eher Quälerei als Lesevergnügen war. Das Buch ist eindeutig etwas für die Leser, die es unterhaltsam und spannend finden, wenn die Hauptperson Anton von der Königin des Waldes (genannt „Miststück“!) mit einem Todesfluch belegt wird, weil er einem kleinen Mädchen (der Waldfee) nicht die geforderten Blumen pflückt. Um diesen Fluch zu besiegen, muss er drei Prüfungen bestehen: Trauerschmuck basteln, einen „Wiedergänger“ vertreiben und den Verlauf eines Plastikbandes verändern. Skurril und originell? Nein danke, ebenso langweilig und banal wie alles, was in diesem ominösen Tiveden lebt und diverse Dinge treibt. Man muss schon ein enormes Faible haben für Fantasy, magischen Realismus oder wie immer man das Genre nennen mag, um Empathie für Tränentriefer und Garnschweine zu entwickeln, für Grenzziehungen mittels Salzstreifen und Besteckteilen, für das Besprühen mit Flüssigkeit gegen Fabelwesen, für Hexen, die einen Ausflug machen und dabei einen Ameisenhaufen bauen, für einen Lauschenden und einen Tratschenden Wald und unendlich viele weitere abstruse Zutaten. Die Rückblenden auf Antons Leben sind für mich das einzig Lesenswerte und böten Stoff genug für einen guten Roman.

Vielleicht würde die Geschichte als Film funktionieren, schließlich kann der Verfasser nicht leugnen, dass er Drehbuchautor ist. Banale Dialoge über staubige Erdnüsse in der Minibar eines Hotels, über Schnitzel-Kartoffel-Kombinationen auf einer Speisekarte, über klemmende Türen auf Tankstellen-Herrentoiletten und permanentes Backen von Biskuitrollen eignen sich eventuell als Film- und Running Gags, im Buch sind sie dagegen deplaziert, überflüssig und völlig sinnfrei.

Bei allem Wohlwollen: Mir fehlt einfach jegliche Affinität zu diesem Genre. Weitaus gravierender ist allerdings, dass der Roman inhaltlich und sprachlich nicht überzeugen kann, er ist weder in Ansätzen gelungen, noch skurril, humorvoll, spannend oder unterhaltsam. Fazit: „Anton hat kein Glück“ ist wirklich nur etwas für hartgesottene Fans von Fantasyromanen. Alle anderen sollten getrost die Finger davon lassen. Ich habe schon seit vielen Jahren nicht mehr derart Belang- und Einfallsloses zwischen zwei Buchdeckeln gelesen. So, und jetzt freue ich mich darauf, wieder ein gutes Buch zu lesen.

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(180)

405 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

frankreich, schwestern, zweiter weltkrieg, resistance, widerstand

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Zugegeben, hätte ich nicht ein Exemplar des Romans gewonnen, um an der Leserunde teilzunehmen, wäre ich über die Seite 100 wohl kaum hinausgekommen. Die Thematik interessierte mich brennend, aber sprachlich fand ich keinen Zugang zu dem Roman. Der Erzählstil gefiel mir nicht so recht, Sprache, Wortwahl und bildhafte Vergleiche erschienen mir nicht selten allzu trivial. Gott sei dank habe ich weiter gelesen, denn inhaltlich entwickelte sich die Geschichte um die so unterschiedlichen Protagonistinnen, die beiden Schwestern Vianne und Isabelle,  zunehmend spannender und fesselnder.

 

Kriegsjahre in Frankreich. Die Bevölkerung hat unter der Nazibesatzung zu leiden. Viannes Mann ist an der Front, sie ist voller Sorge um ihre Tochter Sophie und deren Schutz. Ihre impulsive Schwester Isabelle (die „Nachtigall“), tritt dem verhassten Naziregime vehement entgegen, schließt sich dem französischen Widerstand an und bringt sich oftmals selbstlos in Gefahr. Während Vianne eher zu Anpassung und Unterordnung unter die bestehenden Verhältnisse neigt, gibt sich Isabelle kämpferisch und kompromisslos. Im weiteren Verlauf habe ich beim Lesen ein Wechselbad der Gefühle durchlitten, getragen von großer Empathie für die beiden Schwestern und die Menschen ihres persönlichen Umfelds bis hin zu tiefstem Hass und Verachtung für die Vertreter des barbarischen nationalsozialistischen Regimes. Man weiß ja um die entsetzlichen Ereignisse dieser Zeit, meint, auf alles gefasst zu sein. Dennoch erschlägt einen die Konfrontation mit den unerträglichen Schicksalen völlig unschuldiger Menschen immer wieder aufs Neue, und Kristin Hannah mutet uns Lesern einiges zu. Fassungslos taucht man ein in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele, begleitet aber auch Charaktere wie Vianne, die über sich selbst hinauswachsen und einem den Glauben an einen Rest von Humanität zurückgeben. Je weiter ich die Geschichte gelesen habe, umso schwerer fiel es mir, das Buch aus der Hand zu legen. Temporeich und ohne Längen wird die Handlung vorangetrieben. Wie ein roter Faden durchziehen die zentralen Fragen die Ereignisse: Was bedeuten Liebe und Freundschaft in diesen Zeiten des Krieges? Wie weit können meine Verantwortung und mein Einsatz für Fremde gehen, wenn ich dadurch mein eigenes und das Leben meiner Liebsten riskiere? Mit ihren Figuren deckt die Autorin ein breites charakterliches Spektrum ab, wobei Vianne die erstaunlichste Entwicklung vollzieht. Sie wird zu einer unglaublich starken Frau, die bedingungslos jüdischen Kindern durch riskantes Handeln das Leben rettet und für ihre Ziele auch die abscheulichsten Demütigungen durch Nazi-Schergen über sich ergehen lässt.

Fazit: Meine Kritik an der Sprache bleibt. Wer darüber hinwegsehen kann, den erwartet ein Roman, der ihm mehr als einmal das Blut in den Adern stocken und ihn nicht selten verzweifeln lässt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

  

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(61)

110 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 56 Rezensionen

hotel, leipzig, familie, schatten, familiengeschichte

Die unsterbliche Familie Salz

Christopher Kloeble
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 26.08.2016
ISBN 9783423280921
Genre: Romane

Rezension:

          „Meine Großmutter starb zwei Mal. Nur war sie nach dem ersten Mal nicht tot.“ So beginnt Emma Salz aus der dritten Generation der unsterblichen Familie Salz 2015 ihre Erzählung auf die Sicht der Dinge und eröffnet damit die Familienchronik, die sich über 100 Jahre spannt. Dreh- und Angelpunkt ist das Leipziger Prachthotel Fürstenhof, das „Herr“ Salz 1914 kauft. Der Autor Christoph Kloeble hat mit dem Roman „Die unsterbliche Familie Salz“ ein außergewöhnliches Portät einer weiß Gott nicht heterogenen Familie geschaffen, das zu lesen sich unbedingt lohnt. Neben Emma Salz lässt er die einzelnen Kapitel aus der Perspektive weiterer Familienmitglieder schildern, um letztlich den Erzählbogen wieder mit Emma Salz und ihrem erneuten „Meine Großmutter starb zwei Mal …“ abzurunden. Alle Protagonisten erhalten die Möglichkeit, die Entwicklung und Ereignisse um diese zerrüttete Familie in der Ich-Perspektive darzustellen. Lediglich die labile Aveline Salz berichtet aus ihrer Sicht konsequent in der zweiten Person – wie ich finde, ein genialer Schachzug des Autors. Dazwischen macht der Leser Bekanntschaft mit der äußerst wechselvollen Geschichte der Familie vor dem Hintergrund der epochalen deutschen und europäischen Historie des vorigen Jahrhunderts. Das ist im weiteren Verlauf zugegebenermaßen nicht immer einfache Kost und stellt gewisse Anforderungen an den Leser. Aber gerade das macht die Qualität von Inhalt und Sprache des Romans aus. Ich habe es selten erlebt, dass es einem Schriftsteller so hervorragend gelingt, Charaktere und Geschichten prägnant in einen Raum zu stellen. Das Umschlagbild greift eine zentrale Frage des Romans auch bildlich auf: Welche Schatten werfen wir auf die Generationen nach uns? Dazu kommt im Roman der Schatten selbst zu Wort als „Das Gebiet hinter einem beleuchteten Körper, in das kaum Licht eindringt“. Auch das eine ausgezeichnete Idee innerhalb der Romankomposition. Ich habe unterhaltsame, kurzweilige Lesestunden hinter mir, dank Christoph Kloebles unsterblicher Familie Salz mit all ihren Widersprüchen, Eigenheiten und Eigenwilligkeiten. Für mich einer der besten Romane des Jahres!
       

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(115)

159 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 89 Rezensionen

schwarzwald, adenauer, israel, bühlerhöhe, konrad adenauer

Bühlerhöhe

Brigitte Glaser
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351260
Genre: Romane

Rezension:

Bundeskanzler Adenauer verbringt mit seiner Tochter Libeth Anfang der 1950er Jahre die Sommerferien auf der Bühlerhöhe im Schwarzwald, einem Hotel, das die reiche jüdische Breslauerin Herta Isenbart als Genesungsheim für Offiziere hat bauen lassen. Es ist die Zeit der angestrebten Aussöhnung mit Israel und der Debatte um die (finanzielle) „Wiedergutmachung“ des unsäglichen Leids, das die Juden während der braunen Diktatur erlitten haben. Soweit der historisch belegte Hintergrund des Romans. Alle weiteren Personen sind fiktiver Natur: Rosa Silbermann, aus Köln stammend, jetzt im israelischen Kibbuz lebend und für den Geheimdienst Mossad tätig, wird mit dem ihr bis dato unbekannten Agenten Ari als Ehepaar auf Zeit auf die Bühlerhöhe geschickt, um ein geplantes Attentat auf Adenauer zu verhindern. Zu ihr gesellen sich Sophie Reisacher, Französin aus Straßburg, Hausdame des Hotels, die sowohl bei ihrem der SS angehörenden Ex-Ehemann als auch bei der Nazi-Ideologie aufs falsche Pferd gesetzt hat, weitere Agenten, Waffenhändler, von Besatzungssoldaten misshandelte Schwarzwälder Bauernmädchen, ein traumatisierter Staatsanwalt, unvermeintlich Ewiggestrige – also ein durchaus explosiver Personenmix und somit die Grundlage für eine eigentlich spannende Handlung. Eigentlich. Von den letzten der 433 Seiten abgesehen, habe ich „Bühlerhöhe“ aber nicht als spannend, abwechslungsreich, fesselnd und unterhaltsam empfunden. Trotz des durchaus gelungenen Plots bleibt der Roman seltsam blass, blutleer und betulich erzählt. Selbst brenzlig-brisante Situationen haben mich nicht wirklich am Geschehen teilnehmen lassen, haben keine Empathie oder andere Gefühle bei mir ausgelöst. Die Handlung dümpelt auf den Schwarzwaldhöhen zwischen den Hotels Bühlerhöhe und Hundseck hin und her. Auf mich wirken Ereignisse und Konstellationen oftmals zufällig, konstruiert und unglaubwürdig. Ganz sicher hat Brigitte Glaser für ihren Roman umfangreich recherchiert und sich bei der Kombination von Realität und Fiktion denkbar Mühe gegeben. Trotzdem wurden meine Erwartungen nicht erfüllt; die Geschichte hat mich leider enttäuscht.  

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151 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 79 Rezensionen

eis, italien, familie, dolomiten, familientradition

Die Eismacher

Ernest van der Kwast , Andreas Ecke
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei btb, 09.05.2016
ISBN 9783442756803
Genre: Romane

Rezension:

Um es gleich vorweg zu sagen: Die folgenden Zeilen werden eine Liebeserklärung an Ernest van der Kwasts Roman „Die Eismacher“. Er zergeht wie Eis auf der Zunge, ist ein sprachlicher, literarischer, erotischer, sinnenfroher, tragikomischer Genuss. Im Mittelpunkt steht die Familie Talamini, die in der fünften Generation die Kunst des Eismachens beherrscht, und eine Kunst ist es in der Tat. Während der Urgroßvater noch das Eis mühsam vom Gletscher der Berge holte, experimentiert die junge Generation mit allen nur denkbaren Zutaten (Wobei das Eis mit Blauschimmelkäse, Apfel und Birne noch zu probieren wäre!). Im Sommer betreibt man die Gelateria in Rotterdam, im Winter geht es in die heimatlichen Dolomiten. Luca, der jüngste Familienspross, übernimmt die Eisdiele von seinem Vater, während der zwei Jahre ältere Giovanni mit der Familientradition bricht und seine Passion für die Poesie lebt. Seine Welt ist nicht das Eismachen, ist nicht der chinesische Gast, der behauptet, ein Landsmann habe das Eis erfunden. Seine Welt ist die Literatur, sind die Kneipen seines Studienortes Amsterdam mit ihren Dichtern. Beide Brüder haben ein inniges Geschwisterverhältnis, gehen bis zur ersten Verliebtheit meist Hand in Hand durch die Straßen. Sie verlieben sich beide in Sophia, und van der Kwast erzählt diese erwachende Leidenschaft mit unglaublicher Behutsamkeit, Feingefühl und Empathie. Der Leser wird getragen zwischen kreativen Eisideen, traditionellen und modernen Familienbanden, zwischen leidenschaftlichen Momenten und inniger Liebe zur Poesie. Die Hinweise auf die zitierten Gedichte finden sich im Anhang, sodass man sich auf die Suche nach den lyrischen Texten begeben und sie parallel zum Roman genießen kann. Skurriles, Anekdotisches, feinste Beobachtungen und eine beneidenswerte Sprache machen „Die Eismacher“ zu einem besonderen Roman. Ich kann nur jedem empfehlen, sich in seiner Gelateria seinen Lieblingseisbecher zu bestellen, dazu das Buch zu lesen – das ist purer Genuss im eher trostlosen Sommer 2016. Für mich ist es bisher der Roman des Jahres!

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230 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 92 Rezensionen

thriller, san francisco, misshandlung, roman, doppelmord

Boy in the Park – Wem kannst du trauen?

A. J. Grayson , Karl-Heinz Ebnet
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.08.2016
ISBN 9783426305713
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Handlung des Romans kommt anfangs ausgesprochen ruhig daher. Doch man spürt beim Lesen zunehmend, dass sich Unheil anbahnt. Und in der Tat erweist sich diese Ruhe als trügerisch. Dylan, Ich-Erzähler, Kassierer in einem Laden für Naturkost und Nahrungsergänzungsmittel und selbst ernannter, jedoch bisher verkannter Dichter, kommt wie jemand vor, den ich schon lange kenne. Fast beschaulich und unaufgeregt erzählt er über sein recht monoton verlaufendes Arbeitsleben in San Francisco. Die seit eineinhalb Jahren währende Beobachtung eines blonden Jungen im Botanischen Garten - für Dylan gehört sie in seiner Mittagspause einfach dazu. Heute aber macht ihn eine Verletzung des Kindes aufmerksam. Als er sich deshalb dem Kind nähert, verschwindet es plötzlich spurlos und Dylan nimmt die Suche nach ihm auf. Ich liebe dieses langsame Eintauchen in Personen und Handlungen, diese sich einschleichende Spannung, den unaufgeregten Sprachstil und die sich geschickt hinziehende Ungewissheit. Erst ganz am Ende des Buches erfährt der Leser die psychologisch-raffinierte Auflösung des Falles. Dazwischen aber liegen leider über 300 Seiten, die es zu überbrücken gilt. Dabei gelingt es dem Autor nicht, die aufgebaute Spannung zu halten und die Erwartungen zu erfüllen. Die Handlungsfolge erscheint mitunter ausgesprochen willkürlich, unlogisch, zäh, langatmig und kaum nachvollziehbar. Nachdem man dann letztendlich die Konstellation durchschaut, ist es für den Leser müßig, sich alle diese Details im Nachgang nochmals zu vergegenwärtigen, um sie entsprechend interpretieren zu können. Der Verlag wird für das im November erscheinende Buch bundesweit fleißig die Werbetrommel rühren und sicher eine entsprechend hohe Leserzahl requirieren. Meine anfänglichen hohen Erwartungen hat der Roman leider nicht erfüllt.

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91 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

sport, kanada, laufen, olympische spiele, familie

Die Frau, die allen davonrannte

Carrie Snyder , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2016
ISBN 9783442754649
Genre: Romane

Rezension:

          … soll er sicher nach Hause lotsen, der Leuchtturm, den Robert Smart im Garten seines Hauses errichtet hat. In „Die Frau, die allen davonrannte“ kommen und gehen die Romanfiguren, sie bleiben, gehen wieder, kehren zurück, gehen für immer.  Carrie Snyder wählt einen äußerst gelungenen Einstieg, um den Leser mit der Familienbiografie der Smarts vertraut werden zu lassen. Roberts Tochter, die kleine Aganetha, geht wie so oft mit ihrer zehn Jahre älteren Halbschwester Fannie auf den Friedhof. Auf diesem „Friedhof der toten Kinder“ liegen Fannies Mutter und vier ihrer viel zu jung verstorbenen Brüder, die sie immer liebevoll mit „Hallo, Mutter! Hallo, Jungs!“ begrüßt. Der Stammbaum am Beginn des Romans erleichtert dem Leser zudem das Verständnis der verwandtschaftlichen Beziehungen.
Heute ist Aganetha Smart 104 Jahre alt und lebt in einem Altenheim, von Fremden umgeben, im Rollstuhl sitzend in einem Zimmer, das nach „Hühnerfett und Windeln riecht“. Sie war einmal berühmt. Als junge Läuferin gewann sie für Kanada bei den Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 eine Goldmedaille, nachdem erstmals Frauen in dieser Kategorie antreten durften. Auf 340 Seiten entfaltet die Autorin ein breit gefächertes Spektrum von Aganethas Leben, und die sollte der Leser aufmerksam lesen. Unvermittelt, von einem Satz zum anderen, ausgelöst durch Gesten, Worte und Bilder, wechseln die unterschiedlichen Zeitebenen der weiß Gott nicht immer einfachen und behüteten Kindheit mit dem Erfolg ihrer Jugend und ihres heutigen Abenteuers. Im Altenheim sind nämlich zwei junge Geschwister aufgetaucht, die die alte Dame angeblich kennen und sie „entführen“, um einen Film über sie zu drehen. Was sich hinter den beiden Personen und ihrer Mutter verbirgt, sei hier nicht verraten und wird erst am Ende des Buches aufgelöst.
Aganetha Smart ist eine fiktive Romanfigur, die zwar auf den historischen Tatsachen der Olympischen Spiele von 1928 basiert, aber hier stellvertretend die Pionierin verkörpert. Aber es geht um weitaus mehr als um Emanzipation. Ihr Leben ist angefüllt mit Momenten voller Wehmut, Enttäuschungen, Selbstzweifeln, Schicksalsschlägen, ein wenig Glück und sehr persönlichem Leid. Das hört sich zunächst wie triefender Schmerz an, ist es aber nicht. Carrie Snyder lässt den Leser intensiv und sprachlich gekonnt teilhaben an den Höhen und Tiefen von Aganethas Biografie. Keine Allerweltsliteratur, keine leicht zu genießende Kost, aber gerade deshalb lesenswert!

       

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

usbekistan, reise, china, iran, reisebericht

Uebel unterwegs

Tina Uebel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 07.03.2016
ISBN 9783667104724
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich gebe zu, mir fehlt alles das, was Tanja Uebel an ihren Reisen schätzt: die Adrenalinstöße, die freigesetzten Endorphine, Serotonine, Noradrenaline, geilen Neurotransmitter. Mangels Abenteuerlust und Fernweh-Gen versinke ich deshalb lieber im Sessel und bin dennoch mit (Tanja) „Uebel unterwegs“, nach deren persönlicher Einschätzung die individualreisende Spezies „stumm und dumm über Kontinente“ irrt und “Hunger und keine Ahnung“ hat.

Ich folge ihr also in Hausschuhen und bequem, dafür ohne obligatorische „Schwachmatensandalen“ auf ihrer Tour von Hamburg nach Shanghai und nehme Anteil an ihren spannenden, heiteren, nachdenklichen, erschreckenden, selbstironischen (s.o.) Erlebnissen. Und jetzt bin ich klüger. Ich weiß, dass Ali Normalteheraner nicht den ganzen Tag mit Beten, Steinigen und Urananreichern beschäftigt ist. Nein, er faulenzt auch, der Gute.

Äußerst kurzweilig erzählt die Autorin, ich mag ihren lässig-trockenen Humor, ihre pointierten Vergleiche. Dabei ist längst nicht alles des Schmunzelns wert. Die Kleidervorschriften für Frauen im durchwegs 40 Grad heißen iranischen Maschhad lassen einem das Blut in den Adern gefrieren ob der menschenunwürdigen, erniedrigenden Lebensbedingungen. Entsetzlich!

Dafür entschädigen Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Charaktere, „Typen“ eben – und davon bietet das Buch reichlich. Wenn Kulturen, Traditionen und Sprachbarrieren aufeinander treffen, ist Kurzweiligkeit beim Lesen vorprogrammiert. Spektakuläres trifft auf Banales, Kurioses auf Alltägliches und ich bin dabei, Gott sei dank nicht mittendrin, denn vieles möchte ich gar nicht selbst erlebt haben. Mit 80 in einem klapprigen Bus steile Serpentinen hinab zu brettern, ist wohl nur etwas für diejenigen, für die es „spießig ist, am Leben zu hängen“. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) habe ich das Buch verschlungen. Tanje Uebel hat mich von einem Ort zum anderen vorangetrieben, und ich habe ihre Erlebnisse willenlos und dankbar aufgesogen. Nicht überall durfte sie fotografieren, aber die Bilder werden vor meinem inneren Auge lebendig: dem „Schah sein klein Häuschen“ (leicht untertrieben), Ashgabat, dessen Stadtzentrum aus weißem Marmor besteht (unglaublich!), der turkmenische Paketversand (köstlich!), der afghanisch-pakistanische Hitler-Fan (schauderhaft!), die T-Shirts mit der Aufschrift „I love KZ“

(wie bitte???). Da bleibt selbst dann noch ein beklemmendes Gefühl zurück, wenn man kurz darauf erfährt, dass Kasachstan das etwas unglückliche Länderkennzeichen KZ sein eigen nennt.

Alles in allem: Von der ersten bis zur letzten Seite ein mit Leben prall gefüllter Reisebericht, unterhaltsam, lehrreich, lesenswert!

Tanja Uebel hat ja recht, wenn sie sagt, das eigentlich Schlimme am Reisen seien all die Abschiede. Das gilt uneingeschränkt auch für den Lese-Abschied von „Uebel unterwegs“.    

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

fälscher, mord, irland, roman, büchersammler

Die tödlichen Talente des Mr. Diehl

Bradford Morrow , Hans-Christian Oeser
Flexibler Einband: 286 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458361336
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Wenn ich etwas in meinem Leben ungeschehen machen könnte, würde ich aus dem Bühnenmanuskript des Teufels die Seite herausreißen, auf der festgelegt wurde, dass ich mich für Bücher, Autographen, Manuskripte, Fälscherei interessieren muss“.

Nun, das Leben hat es aber anders mit ihm gemeint. Von den Eltern an die Liebe zu Büchern, zum Sammeln von Erstausgaben herangeführt, entdeckt William seine Leidenschaft für das gedruckte Wort, aber eben auch für das Fälschen von Manuskripten, Briefen, Widmungen. Sein Talent, die Handschrift von berühmten Autoren perfekt nachahmen zu können, ist wohl zu verlänglich, um es ungenutzt brachliegen zu lassen. Er bewegt sich in Kreisen, deren eine Seite die Leidenschaft fürs Büchersammeln teilt, während eine dunklere Seite sich in der zwielichtig-gefährlichen Halbwelt betrügerischer Taten bewegt und ihren finanziellen Reibach macht. Die Einblicke, die der Leser in die Welt der Fälscher gewinnt, machen schnell deutlich: Hier geht man notfalls über Leichen, wenn es die eigene Obsession erfordert. So trifft es Adam Diehl, eigentlich Wills zukünftiger Schwager und Bruder seiner Freundin Meghan, in Form eines Schlages auf den Kopf und des brutalen Verlustes beider Hände. Wer jetzt allerdings eine rasante Handlung in Richtung Krimi oder „literarischer Thriller“ (wie der Verlag den Roman postuliert) erwartet, sieht sich mindestens bis zur Hälfte des Buches getäuscht. Das dümpelt alles erst einmal vor sich hin, und Adam Diehl geht zugunsten einer anderen Klientel völlig verlustig. Erst im zweiten Teil nimmt die Handlung Fahrt auf. Die „fesselnde Lektüre, bei der es einem den Atem verschlägt“ (Joyce Carol Oates lt. Klappentext) wird es aber nicht. Bei allem Verständnis für aggressive Werbung: Geht es nicht eine Nummer bescheidener? Es ist keineswegs ein schlechter Roman, die Sprache ist literarisch vom Feinsten, wohlgesetzte Diktion, jeder Satz fein ziseliert, die Einblicke in die Welt der Fälscher werden zunehmend spannender und interessanter, aber der Plot trägt einfach keinen kompletten Roman.

Der Leser erfährt am Ende, was es mit dem Mord an Adam Diehl, den verschwundenen Händen, dem Mörder und seinem Motiv auf sich hat (Keine Angst, wird hier natürlich nicht verraten!). Logisch nachvollziehbar ist das nicht ohne weiteres. Trotz allem bleibt Diehl eine Randfigur. Der deutsche Titel „Die tödlichen Talente des Mr. Diehl“ soll wohl reißerisch klingen. Hier hätte der Verlag gut daran getan, den englischen Originaltitel The Forgers (Die Fälscher) einfach zu übernehmen, weil er den Kern punktgenau trifft.

Fazit: Letztlich ein mit den genannten Einschränkungen solides Buch mit eher dürftiger Handlung, aber wunderbarer Sprache. Dafür muss man aber die ersten hundert Seiten durchhalten! Keine Sorge: Atemberaubend ist es nicht, und schlaflose Nächte wird es nicht geben.

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

rassismus, schweden, krimi, mord, tom stilton

Die Strömung

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 08.03.2016
ISBN 9783442753956
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da treffen sie sich 2005 in der Bar des Sheraton-Hotels, vier vermeintliche Biedermänner, und faseln in dumpfbackiger Manier von der "nationalsozialistischen Revolution in Schweden, vom Aussterben der eigenen Rasse, vom Untergang des eigenen Volkes" und haben die Verursacher selbstredend ausgemacht: "Neger, Juden, Zigeuner, Asylanten, Schwule". Das kommt einem doch hinlänglich bekannt vor. Mit diesem hochaktuellen Einstieg beginnt der neue Roman des Autoren-Duos Börjlind, der wie erwartet Hochspannung verspricht.
Hat das braune Quartett, diese „elende kleine Rassistenzelle“ (wie einer der Ermittler sie treffend nennt) mit der Ermordung der beiden kleinen Kinder Emilie Andersson und Aram Mellberg zu tun? Vielleicht auch mit dem gewaltsamen Tod der Prostituierten Jill Engberg? Auffallende Parallelen: Alle Mordopfer sind dunkelhäutig.
Verbindungen in diesen Mordfällen scheint es ebenfalls zu geben zu einer obskuren Sekten-Kommune, die vor über 40 Jahren unter der Leitung von Stellan Eklind und seiner willfährigen Ehefrau Barbro auf der Insel Möja existierte.
Die aus den ersten beiden Romanen schon bekannten Ermittler Olivia Rönning und der in Ungnade gefallene Tom Stilton arbeiten an diesen Fällen, unterstützt von weiteren Beamten. Und sie arbeiten fieberhaft an der Aufklärung, zumal die Entführung einer Hochschwangeren, deren Mann Jamaikaner ist, schlimmste Befürchtungen aufkommen lässt.
Von wenigen Ausnahmen und Längen abgesehen, gelingt es dem Autorenduo Cilla und Rolf Börjlind, die aufgebaute Spannung über den gesamten Roman zu erhalten. Der Erzählstil ist prägnant, kurzweilig und treibt dadurch die Handlung vorwärts. Was ich bei Krimis und Thrillern besonders gern mag, findet sich auch hier: kurze Kapitel und Abschnitte, an deren Ende ein spannungsaufladendes Moment angedeutet wird.
Da fällt es schwer, das Buch beiseite zu legen.
Die Auflösung der Fälle wirkt ein wenig konstruiert, allzu viele Personen sind mit einem komplizierten Beziehungsgeflecht in die Taten verwickelt. Das ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Dennoch sind für den Fan schwedischer Krimis Spannung und schlaflose Abende/Nächte garantiert.
Ein letztes Wort noch zum Titel: Ich finde, dass sowohl „Die Strömung“ als auch das schwedische Original „Svart Gryning“ („Schwarze Dämmerung“) nichts sagende Allerweltstitel sind. Bitte davon nicht irritieren lassen!

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210 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

zauberei, zauberer, magie, scheidung, prag

Der Trick

Emanuel Bergmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069556
Genre: Romane

Rezension:

Prag, unmittelbar vor Ausbruch des 1. Weltkriegs: Das jüdische Ehepaar Laibl und Rifka Goldenhirsch lebt in ärmlichen Verhältnissen, als der Mann zum Militär einberufen wird. Wunderbar, wie Bergmann die Beziehung der beiden beschreibt, wenn es etwa heißt, dass Rifka mit Verwunderung zur Kenntnis nahm, dass ihr Ehemann „im Sinne der Haushaltsführung vollkommen nutzlos gewesen war. Dennoch fehlte er ihr. Noch nie hatte sie etwas so Unnützes mit solcher Leidenschaft vermisst“.
Ja, sie lieben einander, er erfüllt seine ehelichen Pflichten, die erhoffte Schwangerschaft mit einem Sohn bleibt dennoch aus. Während seiner Abwesenheit scheint ein Nachbar dafür gesorgt zu haben. Nach Laibls Heimkehr von der Front versucht Rifka ihm ihren Zustand als Folge einer unbefleckten Empfängnis plausibel zu machen, für die es ja ein sattsam bekanntes Vorbild gibt. Herrlich!

Und um eben diesen Sohn Mosche (passenderweise auch der Name des besagten Nachbarn) dreht sich alles in Emanuel Bergmanns Erstlingsroman „Der Trick“. Als Fünfzehnjähriger schließt sich Mosche Goldenhirsch 1934 einem Zauberzirkus an und folgt ihm nach Deutschland. Auch wenn der Zirkus selbst ein katastrophales Ende nimmt, macht Mosche als „Der Große Zabbatini“ Karriere auf den Varietébühnen der Welt.

Doch seine Magie reicht nicht aus, um dem Schicksal der Juden in der unsäglichen Naziherrschaft zu entgehen. Die SA-Männer, die seine Auftritte im Wintergarten frenetisch bejubeln, verhaften und foltern ihn und bitten ihn – welch zynische Perversion – vor dem Abtransport nach Theresienstadt um ein Autogramm.

 

Parallel dazu entwickelt der Autor einen zweiten Erzählstrang. Der zehnjährige Max Cohn macht sich 2007 in Los Angeles auf die Suche nach diesem legendären Zauberer, von dessen Liebes-Zauberspruch er sich erhofft, dass die Ehe seiner Eltern nicht vor dem Scheidungsrichter endet. Er findet ihn tatsächlich – als alten, grantigen, abgehalfterten, lebensmüden, Kinder hassenden Altenheimbewohner, der schließlich sogar notgedrungen Quartier bei Max und seiner Mutter bezieht.

 

Bergmann lässt auf diesen beiden Erzählebenen das Leben Zabbatinis mit all seinen Höhen und Tiefen, seinem Glück und seiner Tragik lebendig werden. Schon von den ersten Zeilen an hat mich die Geschichte fasziniert. Welch eine Sprache, einfach und doch so eindrücklich, bildhaft, humorvoll, ernst und heiter zugleich, lakonisch und überaus treffend, zärtlich, hart, unverblümt. Als Liebhaber der Zauberkunst kommt man voll auf seine Kosten, gewährt Bergmann doch auch Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Magie. Was sich hinter dem „Trick“ verbirgt, erfährt der Leser im Verlauf der Lektüre. Seine ungemein überraschende Rolle bleibt bis zum Schluss verborgen (die hier natürlich nicht verraten wird!).

Auch wenn mir die einheitliche Covergestaltung der Diogenes-Bücher nicht unbedingt zusagt, ist der Ausschnitt aus einem Plakat von 1915 als Umschlagillustration mit sicherem Gespür für den Inhalt ausgewählt wordenFazit: Unbedingt lesenswert!

 

 

 

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158 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

spanien, geburtstag, familie, spanischer bürgerkrieg, enkel

Albertos verlorener Geburtstag

Diana Rosie , Gabriela Schönberger
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.02.2016
ISBN 9783426653937
Genre: Romane

Rezension:

Die Covergestaltung trifft nicht meinen Geschmack, sie erscheint mir zu kindlich-naiv und dem Inhalt nicht angemessen. So, das war's aber auch schon vorab mit der einzigen negativen Kritik.
Tinos Großvater Alberto ist als Kind in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs der 1930er-Jahre aufgewachsen. Die Ereignisse der damaligen Zeit, seine persönlichen Erlebnisse und Schicksale haben ihn traumatisiert. Vieles fehlt in seiner Erinnerung, und eben auch sein Geburtsdatum. Das will Tino ändern und überredet seinen Großvater zu einer Reise an die Orte seiner Kindheit, damit er endlich einmal seinen Geburtstag feiern kann.
Der Autorin Diana Rosie ist ein wunderbarer Roman gelungen über eine besonders innige Beziehung zwischen Enkel und Großvater, über Freundschaft und Liebe, über Hass, Versagen und Verblendung von Menschen, die sich für ideologische Ziele missbrauchen lassen. Dabei hat sie einen idealen Aufbau für die Geschichte gefunden. Wie zwei Zahnräder greifen zwei Handlungsstränge und -zeitebenen ineinander und lassen so nach und nach ein großes Ganzes entstehen, das der Leser Schritt für Schritt erleben und nachvollziehen kann. Während die Kapitel mit ungerader Nummerierung die Reise von Tino und Alberto im Jahre 2006 nachzeichnen, führen die Kapitel gerader Nummerierung von 1937 bis 1931 als Rückblenden in die Vergangenheit des alten Mannes und erhellen zunehmend seine Kindheit.
Alles das erzählt Diana Rosie in einem treffenden Stil, mit dem sie Empathie, aber notwendigerweise auch Antipathie erzeugt. Letzteres gilt vor allem für diejenigen, die sich durch ihr Handeln mitschuldig gemacht haben an den Gräueltaten dieses Bürgerkriegs und damit zum Trauma des Jungen beigetragen haben.
Ich kann den Roman vorbehaltlos empfehlen und wünsche ihm möglichst viele Leser/innen.

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60 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

russland, literatur, kunstmärchen, roman, familie

Das gläserne Meer

Josh Weil ,
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.08.2015
ISBN 9783832197971
Genre: Romane

Rezension:

Sie sind unzertrennlich, die Zwillinge Dima und Jarik. Nach dem Tod des Vaters wachsen sie auf dem Hof des Onkels auf, erleben gemeinsam die erwachende Abenteuerlust und tauchen ein in die fantastische Welt der russischen Märchen und Mythen. Auch als Erwachsene bleiben sie eng miteinander verbunden, arbeiten sie doch beide in der Oranzeria, Gewächshäuser gigantischen Ausmaßes, die selbst des Nachts mit Hilfe von Spiegeln im Weltall sonnenbeschienen sind und so ihre Produktivität erhöhen. Die Lebensentwürfe der Brüder differieren aber: Während der Realist Jarik in einer Familie mit Frau und zwei Kindern lebt, teilt der Träumer Dima Leben und Wohnung mit seiner Mutter. Er kann nicht verstehen, dass Kind, Frau, Geliebte „einen am Ende glücklicher machen sollte, als man am Anfang gewesen ist.“ Er träumt davon, eines Tages mit seinem Bruder gemeinsam den Hof ihrer Kindheit zu bewohnen. Jarik macht unterdessen Karriere, passt sich den Gegebenheiten an, denen Dima nichts abgewinnen kann. Die enge innere Verbundenheit und die äußere Entfremdung begleitet Josh Weil mit großer Empathie und seinen profunden Kenntnissen russischer Lebensweise, Mentalität und Kultur.
Doch darin liegt zugleich die Crux: Trotz des ausgezeichneten Erzählstils gibt es einfach zu viele Längen im Roman. Man gewinnt den Eindruck, als wolle der Autor all sein detailliertes Wissen unbedingt in der Handlung unterbringen. Das aber hemmt den Handlungsfortgang und lässt den Leser nicht selten in Langeweile und Langatmigkeit verharren. Ich mag durchaus anspruchsvolle Romane, durch die man sich „beißen“ muss. Hier aber stellte sich allzu oft die Versuchung ein, nicht mehr weiterlesen zu wollen. Dass ich dennoch bis zum Ende durchgehalten habe, ist einfach dem wunderbaren Sprachstil geschuldet. Kurz: Eine deutliche Straffung hätte der Geschichte gut getan, ebenso ein Glossar, das Auskunft gibt über die Bedeutung russischer Begriffe, die sich nicht unbedingt aus dem Zusammenhang erschließen lassen.

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(78)

157 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 55 Rezensionen

historischer roman, liebe, rené descartes, amsterdam, magd

Worte in meiner Hand

Guinevere Glasfurd ,
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.08.2015
ISBN 9783471351239
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auf den ersten Blick scheint es die unmögliche Liebe eines ungleichen Paares im Amsterdam des 17. Jahrhunderts zu sein: René Descartes, Philosoph, Mathematiker, Naturforscher, und Helena Jans, halb so alt wie er, Dienstmagd im Hause des englischen Buchhändlers Sergeant. Diese historische Tatsache bildet die Grundlage von Guinevere Glasfurds Roman „Worte in meiner Hand“. Helena kann – ungewöhnlich vor allem für Mädchen der damaligen Zeit – schreiben, mangels Papier schreibt sie die Worte oft in ihre Hand (Buchtitel!). 1655 bringt sie ein Mädchen zur Welt. Descartes setzt alles daran, seine Vaterschaft zu verheimlichen, heiratet sie nicht („Du weißt, es geht nicht...), unterstützt Mutter und Tochter aber nach Kräften. Der frühe Tod der kleinen Tochter bedeutet für ihn den denkbar größten Schmerz. Helena heiratet später Jan van Wel – und damit endet die nachweisbare Historie. Ob ihr später geborener Sohn Justinus tatsächlich Descartes Sohn war, ist nicht bekannt und wird im Roman auch nur vage angedeutet. Die Briefe zwischen Helena und Descartes sind nicht überliefert, im Roman verbrennt Helena sie im Kamin, sodass hier die Zeugnisse der gesuchten Nähe und der gelebten Distanz nicht mehr verfügbar und daher der Fantasie der Autorin überlassen sind. Umso mehr gelingt es G. Glasfurd hervorragend, dieser Beziehung und der Zeit der beginnenden neuzeitlichen Philosophie literarisches Leben und Atmosphäre einzuhauchen. Bei ihr findet Descartes in Helena ein selbstbewusstes Pendant. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und geht ihren Weg trotz Enttäuschungen und des Verdachts, dass er sich ihrer und der gemeinsamen Tochter schämt.

Ich habe das Buch von Anfang bis Ende genossen, nicht zuletzt wegen des wohltuend ausgefeilten Erzählstils. Ein Zitat im Zusammenhang mit den einsetzenden Wehen der jungen Helena: „In der Nacht kam es über mich. Es näherte sich mit Fingern, dann mit Zähnen. Es kniff mich und biss mich, dann lauerte es eine Weile im Schatten.“ Großartige Literatur und absolut lesenswert!

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(74)

170 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 50 Rezensionen

tod, verlust, trauer, alter, roman

Noch so eine Tatsache über die Welt

Brooke Davis ,
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 01.07.2015
ISBN 9783956140532
Genre: Romane

Rezension:

Das einfache, vielleicht gerade deshalb so ansprechende Cover des Buches und die Leseprobe haben mich neugierig gemacht. Und um es gleich vorweg zu sagen: Ich hätte es sehr bedauert, diesen Roman nicht gelesen zu haben.
Ja, es geht in „Noch so eine Tatsache über die Welt“ (wieder einmal) um Trauer und Verlust. Brooke Davis gelingt es aber dank der ungewöhnlichen Personenkonstellation, über diese Themen sehr subtil, originell und in einem wunderbaren Sprachstil zu erzählen. Da ist die siebenjährige Millie, die in ihr Buch der toten Dinge nicht nur ihren Hund, sondern unerwartet auch ihren Vater eintragen muss und von ihrer Mutter im Kaufhaus zurückgelassen wird. Dort trifft sie Karl, 87 Jahre alt, ausgebüxt aus dem Altersheim, in das sein Sohn ihn abgeschoben hat. Millies Nachbarin Agatha Pantha (82) hat seit dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren das Haus nicht mehr verlassen und versteckt sich hinter von Efeu fast zugewachsenen Fenstern. Das Zusammentreffen des Trios und ihre gemeinsamen Erlebnisse sind so entwaffnend herrlich beschrieben, dass es eine Lust ist, ihnen lesend auf ihrem Weg zu folgen. Wie die Autorin Agathas Zusammenleben mit ihrem Mann schildert (Sie hatte „während ihrer gesamten Ehe versucht, den nackten Körper ihres Mannes zu meiden ...“), ist hinreißend, sensibel und zugleich zum Brüllen komisch. Karls zu Ende gehende gemeinsame Zeit mit seiner todkranken Frau Evie ist unglaublich anrührend, emotional und äußerst feinsinnig beobachtet. Aus dem natürlich nicht immer konfliktfreien Zusammenspiel dieser drei Protagonisten bezieht der Roman auf jeder Seite wieder neu seine Spannung, seinen Unterhaltungswert und vor allem auch seine anregende Nachdenklichkeit.
Ein wunderbares Buch!

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(72)

105 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

schweden, homosexualität, siri bergman, stockholm, krimi

Mann ohne Herz

Camilla Grebe , Åsa Träff , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei btb, 15.06.2015
ISBN 9783442749133
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei seiner Rückkehr nach Stockholm findet Miguel seinen Lebenspartner Jussi ermordet auf. Sein Herz wurde herausgeschnitten und auf einer Silberschale drapiert. Damit hat Siri Bergman ihren ersten Fall als Profilerin bei der Polizei. Ihre therapeutische Praxis hat sie kurz zuvor aufgelöst, sich von ihrer Mitinhaberin und besten Freundin Aina getrennt, weil die mit ihrem Mann Stefan geschlafen hat. Zu einem zweiten Mord scheint es keine Verbindung zu geben, zumal der Anschlag gar nicht dem Opfer galt. Aber die Tatwaffe ist dieselbe. Und auch Mord Nummer drei lässt nicht lange auf sich warten. Was verbindet die Personen miteinander? Ein idealer Plot für einen „Psychothriller“ - sollte man meinen, aber ein zartes Pflänzchen wirklicher Spannung keimt erst in der Hälfte des Buches auf und will nicht so recht wachsen. Zu langatmig geraten die Nebenstränge und das Aufdröseln der Beziehungskisten, einschließlich Siris Seitensprung. Schnell wird der Leser auf die Fährte eines jungen Homosexuellen geführt, dessen Lebensgeschichte und Liebhaber ihm in Form von Rückblenden begegnen. Aber eine derart simple Lösung sollte man nun nicht erwarten. Das Tableau der möglichen Täter ist recht überschaubar und der Mörder letztlich keine Überraschung, sondern die einzig denkbare Möglichkeit.
Der Schreibstil des Autoren-Geschwisterpaares Grebe/Träff ist recht einfach, mitunter banal, nur an wenigen Stellen fühlte ich mich als Leser „getrieben“, jetzt und hier unbedingt weiterlesen zu müssen. So ist denn auch zum Schluss die Welt wieder im Lot: Das Böse (der Täter) ist tot, das Gute (Polizisten/Profiler) überlebt den eher theatralischen Showdown trotz Schuss- und sonstiger Verletzungen, Siris Seitensprung ist vergessen und natürlich wird der Kontakt zur krebskranken Freundin wieder aktiviert.
Für Grebe/Träff ist es bereits der vierte Roman um Siri Bergman, für mich war es der erste. Die Möglichkeit, Fan dieser Reihe zu werden, ist allerdings nicht sehr groß. „Psychothriller aus Schweden“ bedeutet nicht automatisch Qualität, Spannung, Lesevergnügen.

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