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99 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

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Loyalitäten

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 180 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.09.2018
ISBN 9783832183592
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:

Titel: Loyalitäten
Autorin: Delphine de Vigan
Übersetzung: Doris Heinemann
Verlag: Dumont
Buch: Gebundene Ausgabe / Vorsatzpapier /Lesebändchen
Seiten: 176
Erschienen: 13.09.2018
ISBN: 978-3-8321-8359-2
Preis: 20,00 €


Inhalt:
Da ist Théo, gut in der Schule, 12 Jahre alt, Trennungskind.. mal lebt er beim Vater, mal bei der Mutter. Beide interessieren sich nicht für die Probleme und das Leben ihres Sohnes, sprechen auch nicht miteinander. Nur seine Lehrerin Hélène merkt etwas, ....etwas was ihr Sorgen bereitet, denn Théo torkelt in die Schule. Und da ist sein Freund Mathis, der manchmal mitmacht und manchmal verzweifelt Ausflüchte sucht.

Meine Meinung:
Ich glaube, über dieses Buch ist hier in den letzten Wochen so viel geschrieben worden. Doch ich möchte eines hinzufügen: MICH MACHT DIESE GESCHICHTE WÜTEND! Wütend, weil alle hinsehen, aber nicht eingreifen, weil Viele vermuten, aber keiner den Schritt wagt, und vor allem weil keiner Probleme möchte... ab der Norm geht nicht! Es kann ja auch nicht sein, dass ein Kind in dem Alter trinkt. Nein..... DOCH! Es kann sein, das gibt es und ich vermute, mehr als wir uns das vorstellen können. Sie verrennen sich in den Alk, der sie glücklich macht, vergessen macht, der warm macht, Hilfe bietet, zumindest für den Moment.
Für mich war dieses Buch schlimm, das Lesen eine Qual, denn ich habe mein Leben lang mit Alkoholikern zu tun. Freunde, Familie, ja, ich bin jetzt sehr offen, der Alkohol hat viele Menschen in meinem Umfeld in den Abgrund gezogen. Aber man kann nichts machen, man kann nicht helfen, denn nur, wenn diese Menschen Hilfe annehmen, kann man noch eine Hand reichen.
ABER: Macht den Mund auf. Schreit, helft, und wann immer euch etwas merkwürdig vorkommt: sprecht es an, immer wieder....

In dem Buch ist es fast zu spät.... aber nur fast... denn da ist Hélène.

Fazit:
Wenn man sich dem Thema öffnet, wenn man die schwarzen Seiten dieses Lebens sehen möchte, und vor allem, wenn man sich nicht verstecken will.... dann ist dieses Buch ein ganz Großes, denn es geht um Menschen, die für einen da sind, die loyal zu einem stehen. 

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21 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Hysteria

Eckhart Nickel
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.09.2018
ISBN 9783492059244
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:

Titel: Hysteria
Autor: Eckhart Nickel
Verlag: Piper
Buch: Gebundene Ausgabe / Vorsatzpapier / Lesebändchen
Seiten: 240
Erschienen: 04.09.2018
ISBN: 978-3-492-05984-4
Preis: 22,00 €

Inhalt:
Bergheim, der sensibelst Veränderungen an Pflanzen und Lebewesen erkennt, fallen auf einem Biomarkt veränderte Himbeeren auf. Er geht diesem Fall nach, will wissen, woher sie kommen, was passiert ist und fällt immer tiefer in eine Dystopie von Kulinarik, die aus künstlich erzeugten Lebensmitteln besteht, die aber nur er erkennt, in einem wahnsinnigen Unternehmen, welches von seiner alten Freundin geführt wird.

Meine Meinung:
„Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.“ – So beginnt das Buch und hatte mich damit sofort gefesselt. Der Protagonist Bergheim entdeckt auf einem Markt Himbeeren, die wie blutende Tiere sind, er hat ein Gespür für die veränderten Lebewesen, Pflanzen und gerät auf der Suche nach dem Grund für die merkwürdig farbigen Beeren in einen Strudel künstlicher Naturerschaffung, denn nichts ist mehr natürlicher Herkunft sondern alles im Labor gezüchtet und hergestellt. In Rückblenden lernen wir seine Freunde Ansgar und Charlotte kennen, mit denen er studierte und die gemeinsam die Veränderungen der modernen Welt durchleben, in denen man Bachblütenbonbons lutscht, in Aromabars merkwürdig lautende Cocktails – natürlich ohne Alkohol, denn der ist wie Kaffee verboten – schlürft und in der das Salz des Tages angeboten wird, hier sehr schön „Handminded Crushed Tibetan Pink Sundried High Mineral Sngle Rock“ (Seite 110). Ein böser Hieb in Richtung moderner Küchenkultur. Diese Freunde trifft er wieder, als er und ich möchte nicht zu viel verraten, in das Unternehmen eindringt, wo die Himbeeren angeblich herkommen.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an fasziniert, ein Sog, der mich in eine furchtbare Welt der Künstlichkeit, Verbote und moralischen Doppeldeutigkeiten mitgerissen hat und ich habe immer wieder an die genmanipulierten, künstlich erzeugte Fleischpflanzerl und durch Dünger, Hilfsmittel und Medikamente erzeugten Lebensmittel der heutigen Zeit denken müssen. Das ist erst der Anfang.

Fazit:
Dass das überzogene Milieu des Buches sicher nicht in naher Zukunft unser Leben bestimmen wird, ist wahrscheinlich, doch sollten wir uns Gedanken machen, über das, was wir jeden Tag auf dem Teller haben, zu uns nehmen und nicht nur das teuerste Öl ins Auto kippen sondern auch achtsam mit unseren Nahrungsmitteln und der Umgebung umgehen.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Warten auf Schnee

Karoline Menge
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 31.08.2018
ISBN 9783627002589
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Warten auf Schnee
Autorin: Karoline Menge
Verlag: Dumont
Buch: Gebundene Ausgabe / farbiges Vorsatzpapier
Seiten: 222
Erschienen: 31.08.2018
ISBN: 9783627002589
Preis: 20,00 €

Cover:
Blau, weiße Punkte, die Schneeflocken darstellen... glänzender Einband. Wunderschön!

Inhalt:
Pauli, 16 und Karine 14 Jahre, sind allein, seit ihre Mutter sie verlassen hat, einfach fortging.... in den Wald, über den Hügel.
Sie versuchen sich durchzuschlagen, in ihrem Haus, mit den eingemachten Lebensmitteln, die im Keller auf sie warten... und das Dorf lehrt sich immer mehr. Bis nur noch einige wenige Einwohner da sind. 


Meine Meinung:
WOW, was für ein Debüt! Ich bin komplett geflasht von der Geschichte, die ein modernes Hänsel und Gretel ist, obwohl der Leser nicht weiß, in welchem Jahr es spielt, wo es spielt und vor allem ist Ausgangspunkt und auch das Ende offen. Das ist auch kein Spoiler, denn während des Lesens über jede Seite überlegt man, was die Gründe sind, warum das Dorf sich lehrt, warum nicht darüber gesprochen wird und man hat Bilder im Kopf, die einen bis zum Schluss nicht mehr loslassen und dann kommt doch alles anders.
Karoline Menge fesselt den Leser mit einer unglaublich schnellen und doch so bildhaften Sprache, die teilweise nicht nur einen märchenhaften sondern auch gruseligen Ton in die Geschichte bringt.
Die Ich-Erzählerin Pauli blickt immer wieder auf ihr kurzes Leben zurück, erzählt über Zusammenhänge der Familie und der Personen im Dorf, in denen sich Merkwürdiges ereignet, denn immer mehr Menschen verschwinden, auch Tiere und das Leben stirbt quasi dort aus. Wie magisch muss man weiter lesen, kann nicht aufhören, hat Bilder und Vorstellungen der Geschichte im Kopf und fragt sich, wie die beiden Mädchen es schaffen könnten... so allein in ihrem Haus und der Frage, wo ihre Mutter ist, und was hinter dem Hügel eigentlich ist, wohin ihre Mutter gegangen ist.
„Wir sitzen vor dem Ofen. Karine senkt ihren Blick und kritzelt weiter Bleistiftzeichnungen in ein altes Buch. Sie drück so fest auf, dass die feinen Seiten reißen. Ich sehe, wie sie sich die Lippen blutig beißt. Nach einer Weile sieht sie mich wieder an.
Willst du es denn nicht wissen, fragt sie.
Was?
Was sich hinter den Hügeln befindet? “ (Seite 181)

Fazit:
Ich konnte das Buch nicht weglegen, habe es in einem Rutsch gelesen und freue mich über mehr einer neuen Autorin, zu deren Fans ich mich ab sofort zähle.

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Tags: karoline menge, warten auf schnee   (2)
 

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77 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Das wunderbare Wollparadies

Manuela Inusa
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.09.2018
ISBN 9783734106279
Genre: Romane

Rezension:  
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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Happy End

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.09.2018
ISBN 9783257070422
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Happy End
Autorin: Amélie Nothomb
Übersetzung: Brigitte Große
Verlag: Diogenes
Buch: Gebundene Ausgabe
Seiten: 192
Erschienen: 26. September 2018
ISBN: 978-3-257-07042-2
Preis: 20,00 €

Cover:
Wie immer, klassisch Diogenes, doch diesmal ist die Autorin selbst rausgeputzt und lächelnd auf dem Cover. Große Coverliebe!

Inhalt:
Déodat, spätes Wunschkind seiner Eltern Énide und Honorat, ist hochintelligent, doch wird er in der Schule gemobbt und vor allem von seiner Umwelt verachtet, da er hässlich im Sinne der allgemeinen Vorstellung ist.
Trémière, Tochter des jungen und erfolgreichen Paares Lierre und Rose, wird schnell nach ihrer Geburt in das abgelegene Landhaus der Großmutter gegeben und wächst dort behütet aber isoliert auf. Ihre Schönheit wächst mit ihr, doch sie ist still und in sich gekehrt.

Meine Meinung:
Amélie Nothomb übertrifft sich wieder mal selbst in ihrem neuen Buch. Wir lesen ein modernes Märchen, in dem sie sich mit der Schönheit, den Vorgaben der Gesellschaft und vor allem den Vorurteilen der Menschen befasst.
Die beiden Geschichten von Déodat und Trémière laufen parallel und der Leser taucht in die Zerrissenheit, die emotionalen Achterbahnfahrten, Mobbing, Erfolg und Mißerfolg der beiden Protagonisten ein, ohne immer im Hinterkopf zu haben, dass sie sich sicherlich noch begegnen werden. Oder doch? Déodat wird erfolgreicher Ornithologe und plötzlich geliebt und geschätzt, denn Intelligenz scheint anziehender als Schönheit. Trémière findet den Weg, ihr außergewöhnliches Aussehen zum beruflichen Erfolg zu machen, lernt von ihrer Großmutter mit „Schätzen“ umzugehen und setzt dieses Kunst erfolgreich für sich ein. Ein geplantes Aufeinandertreffen der beiden, auch, wenn das vorhersehbar ist, soll der Gesellschaft große Unterhaltung bieten, doch es kommt anders, als man erwartet.
Als großer Fan der Autorin habe ich diesem Buch entgegen gefiebert und bin wahrlich nicht enttäuscht worden. Sämtliche Werkzeuge ihres enorm einzigartigen Stils setzt Amélie Nothomb in HAPPY END ein. Maliziös beschreibt sie den Spießroutenlauf von Déodat durch die vorbelastete Gesellschaft. Klischeehaft wird das Mädchen Trémièr in ihrem Leben begleitet. Bissig sind die Dialoge, man möchte eingreifen und Hilfestellung den beiden geben. Und skuril ist die gesamte Geschichte, weil wie so oft überzogen und manchmal nicht ganz ernst zu nehmen ist. Und genau das macht Amélie Nothomb und ihre Bücher aus.

Fazit:
Und am Ende wird alles gut? Ja, man kann es vorwegnehmen, denn es gibt ein Happy End, mit dem man nicht rechnet, aber der Titel hat es bereits verraten. Ein modernes Märchen, was uns zeigt, dass der Schein oft trügt und „never choose a book by it’s cover“.
Große Amélie Nothomb Liebe!!!

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207 Bibliotheken, 10 Leser, 3 Gruppen, 135 Rezensionen

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Die Schönheit der Nacht

Nina George
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2018
ISBN 9783426654064
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: die schönheit der nacht, frauen, nina george   (3)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Im Frühling

Karl Ove Knausgård , Paul Berf
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 26.03.2018
ISBN 9783630875125
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Im Frühling
Autor: Karl Ove Knausgård
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Buch: Hardcover, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
weißes Vorsatzpapier, Lesebändchen;
Mit Bildern von Anna Bjerger
Übersetzer: Paul Berf
Seiten: 250
Erscheinungstag: 26.03.2018
ISBN: 978-3-630-87512-5
Preis: 22,00 €

Cover:
Ein Mensch, der an einem Strand in kurzen Hosen und „Hoodie“ liegt.... vielleicht soll es der Autor selbst sein, der einfach durchatmen will, in seinem Leben, denn das, was passiert, ist viel, heftig und manchmal auch too much für einen Mann... aber vielleicht interpretiere ich zu viel in das Cover?

Inhalt:
Das Buch ist diesmal nicht in die Monate eingeteilt, wie es die beiden Vorgänger Herbst und Winter war, sondern wie ein Roman, in drei Teilen geschrieben. Keine kurzen Essays, über die banalen Dinge des Lebens, sondern wir steigen direkt ein, als die dritte Tochter und viertes Kind des Autors drei Monate alt ist und er sich mit ihr auf den Weg macht, seine Frau, die wegen ihrer Depression wieder in einer Klinik ist, zu besuchen. Das Buch spielt an diesem einen Tag, dem ersten April und lebt von den erzählenden Rückblicken, die uns in die Knausgård -Welt tragen und den Leser intensiv an seinem Leben, Gefühlen und Denken teilhaben lassen.

Meine Meinung:
Ich bin süchtig.... nach Knausgård ... nach seinem Leben, was in diesem Buch leider nicht die heile Familienwelt ist, sondern einen quasi allein erziehenden Vater betrachtet, der alles versucht, jedem gerecht zu werden, vor allem seinen Kindern, denn seine Frau leidet an Depressionen und ist in einer Klinik, kann sich nicht um das Neugeborene, dem Knausgård auch dieses Buch geschrieben hat, kümmern. Heute wissen wir, dass diese Ehe geschieden ist, sie es nicht geschafft haben, aber im Frühling versucht Knausgård alles, das Bild der Familie aufrecht zu halten, zwischen Wäsche, Brötchen, Strand, Toilette, Zigarette, Windel, Flasche, Schulbuch, Handy und vielem mehr.
Ich bin begeistert und doch gleichzeitig fast geschockt, über die ehrlich, intime Beschreibung, ja fast Beichte, die Knausgård hier ablegt und uns in sein Haus führt. Noch mehr geht fast nicht und ich möchte ihn in den Arm nehmen und sagen, du machst alles richtig, ein guter Vater, ein besonderer Ehemann und vor allem ein grandioser Autor.

Fazit:
Würde gerne weiter lesen, den Sommer, der hoffentlich ruhig und erlösend die Familie begleitet, doch ich muss warten.... ein wenig... sacken lassen....
Ich bin ein großer Fan von Karl Ove Knausgård.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Karlchen

Thomas Matiszik
Flexibler Einband: 242 Seiten
Erschienen bei OCM, 22.08.2016
ISBN 9783942672474
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Karlchen – Modrichs erster Fall
Autor: Thomas Matiszik
Verlag: OCM GmbH Dortmund
Buch: Taschenbuch
Seiten: 241
Erschienen: September 2016
ISBN: 978-3-942 672474
Preis: 11,90 €

Inhalt:
Kommissar Peer Modrich muss sich auf die Jagd nach „Karlchen“ machen, der anscheinend wieder zugeschlagen hat, denn als ein Mädchen vermisst wird, deutet alles auf den bekannten Täter hin. Nur mit Hilfe seiner Kollegin Guddi schafft Peer Schlimmstes zu verhindern, doch es geschehen furchtbare Taten und sie müssen sich sputen um Karl Ressler endlich auszuschalten.

Meine Meinung:
Thomas Matiszik hat mit Karlchen einen spannenden und gelungenen Auftakt einer Krimireihe geschrieben, der mir gut gefallen hat. Karl Ressler „Karlchen“ ist ein kranker Kopf, der irgendwann lieber wieder morden möchte, anstatt seine Tabletten zu schlucken und er sammelt Haare, ist ein großer Bee-Gees Fan und seine Schwester die erste, die er informiert, nachdem er wieder zugeschlagen hat.
Die Story eilt nur so durch die kurzen Kapitel und spielt mit verschiedenen Figuren, die miteinander verwoben sind. Man muss aufpassen, dass man nicht durcheinander kommt, doch löst sich nachher alles irgendwie auf.
Kommissar Peer Modrich ist für mich nicht wirklich der Sympathieträger, mal davon abgesehen, dass er sich gerne nachts mit Mädels austobt und den „tollen Hecht“ raushängen lässt, hat er die sehr seltene Krankheit Morbus Meulengracht , die dazu führt, dass Alkohol im Körper nicht richtig abgebaut werden kann und dieser nach wenig Konsum selbigem sich mit einem starken Kater bedankt. Trotzdem trinkt er immer mal gerne wieder einen und nur seine Kollegin Guddi gibt im den notwendigen „Tritt in den Hintern“, damit er sich aufrafft und sich auf die Spur von Karlchen macht. Weiterhin wird er immer wieder mit der Vergangenheit und seinem erfolgreichen Vater verglichen, was ihn nicht gerade zum fröhlichen Kollegen und vor allem nicht zum Lieblingsmitarbeiter seines Vorgesetzten macht.
Täter Karlchen wird sehr deutlich beschrieben, seine Kindheit und sein bisheriger Lebensweg in Rückblenden sehr detailliert ausgeführt, man kann ihn sich genau vorstellen und ist umso angespannter, wenn er wieder zuschlägt. Es ist nicht ganz ohne, denn immer, wenn Kinder in solchen Büchern eine Rolle, bzw. ein Opfer sind, muss ich mich sehr zusammenreißen...
Es spitzt sich alles sehr schnell zu und der Leser hofft nur noch, dass es irgendwie ein Ende findet, denn zu viel Blut fließt und Karlchen muss irgendwie aufgehalten werden... was zum Schluß für mich ein klitzekleines bisschen konstruiert und ein wenig unrealistisch wirkt. Aber wie dem auch sei, die Geschichte ist rund und nach 240 Seiten ist man erst mal froh, dass Modrich den Fall mit Hilfe einiger Leute um sich herum lösen kann.

Fazit:
Ein guter Auftakt einer Krimireihe, die sicherlich noch steigerungsfähig ist. Sprachlich flüssig und gut lesbar freue ich mich auf den zweiten Teil von Kommissar Modrich und hoffe, dass auch Guddi wieder dabei ist.

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Sechs Koffer

Maxim Biller
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.08.2018
ISBN 9783462050868
Genre: Romane

Rezension:

Zu diesem Buch ist sicherlich schon genug geschrieben und geredet worden. Mir hat es gefallen, eine Familiengeschichte oder besser -tragödie, die leicht und unspektakulär daher kommt. Es war mein erster Biller, denn ich war bis dato nicht wirklich überzeugt von einem Autor, der mir nie positiv aufgefallen war, eher unsympathisch auf mich wirkte, was mich dann davor abgeschreckt hat, eines seiner Bücher zu lesen. Nun war die Neugier durch die Longlist des Buchpreises groß und wurde größer, als dass das Buch nun auch auf der Shortlist steht. Es gefällt, ist aber nicht mein Favorit für den Preis, aber wer mich nun ein wenig kennt, weiß, wem ich den Buchpreis sicherlich von Herzen wünsche.
Zurück zum Buch: Es geht um mehr als hundert Jahre Familiengeschichte, es geht um die Hinrichtung des Großvaters des Erzählers und um all die Verwandten, die glauben, dass einer aus ihrer Familie den Großvater verraten hat und damit sein Lebensende besiegelt hat. Der Facettenreichtum der einzelnen Personen wird in einer leichten Sprache dem Leser nahe gebracht und die Personen sind verdächtig und dann auch wieder nicht, leben überall und verwirren mit ihren Lebensgeschichten, die sich dann auflösen. Bis zum Ende ist der Erzähler auf der Suche und wir erfahren vielseitige geschichtliche Verstrickungen der Familie... und warum wer was getan hat.
Ein gutes Buch, und vielleicht auch nicht mein letzter Biller. 

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Tags: maxim biller, sechs koffer   (2)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Noch war es Nacht

Antonella Lattanzi , Margit Knapp
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.08.2018
ISBN 9783463406992
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Noch war es Nacht
Autorin: Antonella Lattanzi
Verlag: Rowohlt
Buch: Gebundene Ausgabe / Lesebändchen
Seiten: 285
Erschienen: 21.08.2018
ISBN: 978-3-463 406992
Preis: 20,00 €

Cover:
Ein sehr ansprechendes Cover, die Schulter einer Frau, die ihr Gesicht wegdreht. Ein rotes, ausgeschnittenes Kleid....das auf schwarzem Hintergrund.... man denkt an Verführung...

Inhalt:
Mara möchte zu ihrem dritten Geburtstag ihren Vater Vito dabei haben, den Vater, der nicht mehr bei ihr, und ihren beiden älteren Geschwistern Rosa und Nicola wohnt... der Vater, der die Mutter Carla schlägt und sich nicht unter Kontrolle hat. Carla macht alles möglich, damit der Geburtstag ein schöner Tag wird, in der Wohnung ihres Bruders, ein neutraleres Umfeld. Doch am nächsten Tag ist Vito spurlos verschwunden.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich sehr tief berührt. Wie würde ich reagieren, was würde ich machen, wenn ich jemanden lieben würde, der sich nicht unter Kontrolle hat und mich schlägt, mich erniedrigt? Niemals hat er Hand an die Kinder gelegt, niemals würde er diesen etwas antun, doch ein falsches Wort, und ich spüre seine Hand. Ich würde durchdrehen, aber ich würde vor allem reden, mit anderen Menschen und Anzeige erstatten. Aber in dieser Geschichte ist es anders, in der römischen Vorstadt, in der Carla abhängig von Vito ist, von seinem Geld und seinen Launen, und: sie liebt ihn. Ja, diese Abhängigkeit und Liebe wird ihr zum Verhängnis.
Das Buch behandelt das Thema häusliche Gewalt auf eine sehr subtile Art, dass man es fast ausklammern kann, denn auf der anderen Seite ist es auch ein Krimi, bei dem es um die Suche des verschwundenen Vito geht. Die Geschichte ist unglaublich emotional und fesselt den Leser immer wieder an die Frage: was hätte ich gemacht? Wir würde ich handeln? Und was empfinden die Kinder, die ihre Mutter leiden sehen, immer wenn der Vater sie schlug, die aber einen Vater vermissen, der ein Guter für sie war und der nun verschwunden ist.
„Rosa war unentschlossen, ob sie weiterhin auf die Geräusche der beiden hören oder sich auch Kopfhörer aufsetzen sollte. Jener Vater, der alles kurz und klein schlug und der auch die Mutter schlug, schien ihr nicht der gleiche Vater zu sein, der seit nunmehr fünf Tagen vermisst wurde. Der Vater, um den sie sich so sehr sorgte, ein wehrloser, herzensguter, verschwundener Vater.“ (Seiter 72)

Und man findet Vito, das kann man hier vorwegnehmen, es ist absehbar, auf einer Müllhalde tot und schnell wird Carla als Mörderin ins Gefängnis verbannt. Die Qual, die sie ertragen muss, ihre Kinder nicht sehen zu können, die bei ihrer Schwiegermutter sind und dort beeinflusst werden... ich habe so mitgelitten. Ich konnte den Schmerz von Carla spüren....
Und dann wird der Fall groß aufgezogen, im TV, gerichtlich verhandelt und man ist baff über die Ruhe und gelebte Ausweglosigkeit, die Carla rüber bringt... und doch passieren Dinge, mit denen man nicht rechnet.

Fazit:
Ein Buch, was den Leser fragen lässt, ob die Protagonistin Opfer oder Täter ist.... diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Und die Debatte bleibt: häusliche Gewalt ist ein Thema, was viel zu wenig diskutiert und vor allem die Beweggründe geklärt werden und was Abhängigkeit, Liebe und der Wunsch nach der perfekten Familie mit Menschen machen kann. 

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Cosi fan tutte

Alan Bennett , Brigitte Heinrich
Fester Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 25.02.2003
ISBN 9783803112132
Genre: Romane

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Einatmen, Ausatmen

Natasa Dragnic
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 08.08.2017
ISBN 9783869137193
Genre: Romane

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Den Vater töten

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.07.2013
ISBN 9783257242492
Genre: Romane

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Winterreise

Amélie Nothomb
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.01.2011
ISBN 9783257067781
Genre: Romane

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85 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Der Professor

Amélie Nothomb , Wolfgang Krege
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.07.1997
ISBN 9783257229684
Genre: Romane

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65 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

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Die Hochhausspringerin

Julia von Lucadou
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260399
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Die Hochhausspringerin
Autorin: Julia von Lucadou
Verlag: Hanser Berlin
Buch: Gebundene Ausgabe / farbiges Vorsatzpapier
Seiten: 284
Erschienen: 23.07.2018
ISBN: 978-3-446-26039-9
Preis: 19,00 €

Cover:
Passender geht es nicht! Ansprechend, mutig, thematisch treffend und von den Farben ganz großes Kino!

Inhalt:
Die Welt in der sie leben ist sauber, alles muss messbar und erklärbar sein, denn sie werden 24 Stunden überall beobachtet und gecheckt: Riva, der Star, den alle lieben und die sich von Häusern in ihrem FlysuitTM stürzt und die dann ausbricht, weil sie sich dem System nicht mehr beugen möchte, ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben führen möchte, und Hitomi, die Psychologin, die ihr aus der Krise helfen soll und die alles tut... und auf einmal Gefühle in dieser effizienten Welt zeigt.

Meine Meinung:
Der Duden sagt: Dystopie = Gegenbildung zu: utopia (Utopie) (Literaturwissenschaft) fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung o. Ä. mit negativem Ausgang.
Ich habe schon ein paar Dystopien gelesen, weniger gute, mehr schlechte, doch das Buch von Julia von Lucadou hat mich schnell eines Besseren belehrt, dass Dystopien auch wachrütteln können und wirklich richtig gut sein können, so gut, dass ich mir dieses Buch als Film vorstellen kann. Das arbeitete sich schnell beim Lesen raus, die Bilder liefen vor meinen Augen und als ich am Montag bei der Lesung der Autorin in der Buchhandlung Müller und Böhm im Heinrich Heine Haus in Düsseldorf war, kam der Moderator Philip Holstein auch auf das Thema, was zeigt, dass sich die Geschichte wirklich filmisch umsetzen lässt und beim Leser unglaublich ernsthafte und direkte Bilder projiziert.
Julia von Lucadou spricht offen über die immer mehr in unser Leben greifende Digitalisierung, die zur Abhörung und Lenkung führt. Die uns machtlos macht, was unsere Daten angeht und wir uns schützen müssen...aber das WIE können wir momentan auch nicht beantworten. So kam es auch zu dem Buch, als sie sich immer mehr dem Thema Datenverfügbarkeit, - klau und – Verwertung und soziale Medien befasste.
Es war ein aufregender Abend, denn das Buch sucht momentan seinesgleichen in diesem Genre und die Autorin kann nicht nur brilliant schreiben, denn ihre Sprache ist so glatt und eben, scheinend, der Story angemessen, sie liest auch so unglaublich gut.

Fazit:
Ein sagenhaft gutes Debüt und ich hätte gerne noch länger mit Julia von Lucadou und ihrer gewinnenden Art geplaudert. 

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Tags: die hochhausspringerin, julia von lucadou   (2)
 

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91 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Die Wahrheit über das Lügen

Benedict Wells
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070309
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: die wahrheit über das lügen   (1)
 

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141 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

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Königskinder

Alex Capus
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 20.08.2018
ISBN 9783446260092
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: alex capus, königskinder   (2)
 

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46 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Die Katze und der General

Nino Haratischwili
Fester Einband: 750 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 31.08.2018
ISBN 9783627002541
Genre: Romane

Rezension:


Rund ums Buch:
Titel: Die Katze und der General
Autorin: Nino Haratischwili
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Buch: Fester Einband / Bunte Vorsatzseite / Lesebändchen
Seiten: 765
Erschienen: 31.08.2018
ISBN: 978-3-627-00254-1
Preis: 30,00 €

Inhalt:
In einem Tal 1995 in Tschetschenien macht eine Heerschar von Soldaten quasi Kriegsurlaub; angeführt vom Oberst, der irgendwann im Suff und völlig ab vom realen Leben die siebzehnjährige Nura, die sich eine Zukunft irgendwo in der Welt mit Studium und Lehre wünscht, mit mehreren Gefolgsleuten schändet und tötet. Mit dabei ist Alexander Orlow, von seiner Mutter in den Krieg gedrängt, und seine Liebe daheim gelassen, der wie in Trance mitmacht... mitmachen muss...
2016 ist er erfolgreicher Oligarch, der nun in Berlin lebt und die Vergangenheit nicht ablegen kann: auf Rache sinnt.

Meine Meinung:
Lange ist mir eine Rezension nicht mehr so schwer gefallen, wie diese. Weil ich es nicht in Worte fassen kann, weil es immernoch nachhallt, weil es weh tut. Man kann den Schmerz spüren, der sich durch das Buch quält, der einen an das Buch fesselt.
Ich muss gestehen, ich hatte im ersten Drittel wirklich Schwierigkeiten, es war für mich ein wenig verworren, aber ich habe mir ein Personenverzeichnis gemacht, Stichworte notiert und immer wieder auch nochmal zurückgeblättert. DIE KATZE UND DER GENERAL ist kein Buch für zwischendurch, auf der Couch oder abends im Bett, es ist ein Buch, welches dem Leser volle Aufmerksamkeit abverlangt und auf keiner Seite den Spannungsbogen verliert oder auch schwerfällig durch die uns (oder mir) so doch unbekannte Geschichte der Tschetschenienkriege führt. Nein, ich musste immer wieder nachlesen, das Internet befragen und mal durchtatmen.
Es ist für mich wieder diese großartige Schreibweise, die mich so an die Autorin fesselt, die Geschichte zur Sucht macht und ich froh war, dass ich Zeit hatte, tagsüber zu lesen. Nino Haratischwili schafft es, Sätze über eine halbe Seite zu schreiben, sie schafft es aber auch, den Leser in einem kurzen Satz so zu beeindrucken und in die Figur zu versetzen... und sie schreibt in Bildern, die den Leser an den Ort des Geschehens versetzen, es ist genial.
„Würde der Fluss das Gemetzel an seinen Ufern dulden? Und würden die großen, fremdartigen Vögel alle gleichzeitig vom Himmel fallen, wenn sie den Tod unter sich stolzieren sähen? Würden die Berge zusammenbrechen, einer nach dem anderen, mit ohrenbetäubendem Lärm, laut und verzweifelt? Was würde diese Nacht hinterlassen? Einen Erdrutsch, der sich wie einer schwarzer Fleck in die Landkarte einzeichnen würde?“ (Seite 484)
Aber kurz auch nochmal zum Titel und den Figuren:
Da ist die Krähe, der Übermittler von Nachrichten und Vermittler in einem perfiden Abrechnungsspiel. Da ist die Katze, nur Mittel für Orlow, er benutzt sie für seinen Rachefeldzug, doch sie hat mehrere Leben, Gesichter. Der General, in Tschetschenien ein quasi Mitläufer, nun aufgestiegen zum Oligarchen und mit der Vergangenheit im gedanklichen Krieg, will nur noch Vergeltung. Und um diese Personen tänzeln viele weitere Gestalten, ihnen allen werden kapitelweise Geschichten aus der Vergangenheit und Erinnerungen gewidmet, dass man sich zu Anfang denkt, was passiert hier eigentlich? Aber genau das ist das Große und die Genialität dieses Buches. All diese Personen, Geschichten, Erinnerungen, Erzählungen, finden zusammen, wie beim Zauberwürfel, der nur durch die richtigen Drehungen zur Lösung führt und die Farben zusammenbringt.
Für mich war es wie ein Thriller,...ein Ost-West-Drama, die Spannung und auch Erwartung stieg stetig an und das Ende musste ich mehrfach lesen, ob ich auch nichts falsch verstanden habe oder verpasst hatte.
Und neben all der Brutalität und dem Horror des Krieges, der Rache und der Unruhe, die dieses Buch auf jeder Seite mit sich bringt, schafft es Nino Haratischwili mit Sätzen wie
„Wie schmeckte das Glück andernorts? Wie schmeckte das westliche Glück?“ (Seite270)
den Leser in eine Welt zu versetzen, in der man alles um sich herum vergisst.

Fazit:
Für mich zählt dieses Buch mehr als berechtigt zu den Nominierten des deutschen Buchpreises 2018. Es ist ein großes Werk und wenn man es frei und nicht „Das Achte Leben“ im Hinterkopf hat, liest, ist es ein Buch, was bleibt, lange, tief und ein Buch, was ich sicher bald nochmal lesen werde.

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Tags: die katze und der general   (1)
 

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

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Kampfsterne

Alexa Hennig von Lange
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 09.10.2018
ISBN 9783832197742
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Kampfsterne
Autorin: Alexa Hennig von Lange
Verlag: Dumont
Buch: Gebundene Ausgabe / farbiges Vorsatzpapier / Lesebändchen
Seiten: 224
Erschienen: 20.08.2018
ISBN: 978-3-8321-9774-2
Preis: 20,00 €

Cover:
Ich finde das Cover brilliant.... die Wohnsiedlung quasi von Oben! Man kann es nur schwer beschreiben, es ist statisch, es ist farblich, es ist klar.

Inhalt:
Drei Familien in einer Bungalowsiedlung in den 80er Jahren. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, jeder erzählt dem Leser seinen Blick der Geschichte. 


Meine Meinung:
Alexa Hennig von Lange nimmt uns mit in die Zeit, in der man mit den Nachbarn regelmäßig gegrillt, Kaffee getrunken und die neuen Schnittmuster ausgetauscht hat. Als die Kinder abends nach dem Spiel gemeinsam in die Dusche gesteckt wurden und es keine Handys, keine DVDs und vor allem kein Smart Home gab. Sie geht tief, in die Abgründe der ach so wunderbar glücklichen Siedlungsfamilien, ein Eigenheim mit kleinem Garten, die Männer gehen arbeiten, versorgen die Familien, die Frauen kümmern sich um den Haushalt die Kindern und schleppen die Einkäufe ins Haus.
Was in diesem Buch passiert, ist die Umkehrung dieser schönen heilen Welt, die man sich aus den Beschreibungen vorstellt. Hier geht es um zerrissene Familien, die nur den Schein wahren und nach Außen ein Bild der glücklichen 80er Corbusier Sessel-Besitzer darstellen. Die Frauen, die die örtliche Putzfrau beneiden, denn sie bekommt Geld für ihre Arbeit und fährt BMW.
Und dann sind da die Kinder, die auf Hochbegabung getestet werden, untereinander „vergeben“ werden und die wirkliche Freundschaften gar nicht ausleben können, da ihre Eltern etwas anderes mit ihnen vorhaben.
Das Buch zeichnet sich durch kurze, teilweise sehr – nur zeilenweise – kurze Kapitel aus, welches immer von einem anderen Protagonisten, ein Mitglied einer der drei Familien, quasi dem Leser im direkten Dialog erzählt wird. Das macht es unglaublich schnell, denn teilweise werden die Geschehnisse im nachfolgenden Kapitel aus einer anderen Protagonistensicht erzählt. Für mich eine sehr kluge Schreibweise eines gesellschaftskritischen Romans, der aufrütteln soll, der zeigen soll, dass nicht immer alles so gut ist/war, dass vieles unter dem Deckmäntelchen der „glücklichen“ jungen Familie versteckt wurde.
Ich habe das Buch in einem Tag gelesen, mich manchmal in meine Kindheit in der Reihenhaussiedlung der 70er und 80er zurückversetzt gefühlt, aber immer mit einem anderen und positiven Blick. Ich hatte anscheinend riesengroßes Glück und die Autorin wohl auch, denn sie widmet das Buch ihren Eltern, die „uns Kindern gezeigt haben, was Liebe ist“.

Fazit:
Ein kluger Roman, ein schneller Roman, ein offener Roman und vor allem ein Buch, welches den Leser hoffentlich darüber nachdenken lässt, dass hinter den schönen Fassaden oftmals nicht nur heile Welt steckt. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen. 

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Tags: 80er, alexa hennig von lange, kampfsterne   (3)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

"sagte sie":w=1

Sagte sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht

Lina Muzur
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260740
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: sagte sie   (1)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Kraut und Rübchen

Elke Pistor
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 25.01.2018
ISBN 9783740802677
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: elke pistor, kraut und rübchen   (2)
 

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Im Kern eine Liebesgeschichte

Elizabeth McKenzie , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 20.08.2018
ISBN 9783832198770
Genre: Romane

Rezension:

Rund ums Buch:
Titel: Im Kern eine Liebesgeschichte
Autorin: Elizabeth McKenzie
Originaltitel: The Portable Veblen
Übersetzung: Stefanie Jacobs 
Verlag: DUMONT
Buch: Fester Einband / Bunte Vorsatzseite / Lesebändchen
Seiten: 480
Erschienen: 20.08.2018
ISBN: 978-3-8321-9877-0 
Preis: 24,00 €

Cover:
Ein wunderschön künstlerisches Cover in leichten Farben und ein kleine Eichhörnchen ist auch abgebildet. Ich würde allein wegen des Covers das Buch in die Hand nehmen. (Auch, wenn es heißt: never choose a book by its cover ! )

Inhalt:
Die dreißigjährige Veblen lebt in einem kleinen Haus in Palo Alto, hat Gelegenheitsjobs, arbeitet als Übersetzerin für Norwegisch und liebt und ist fasziniert von Eichhörnchen. Ihr Verlobter Paul, ist ein Neurologe, forscht erfolgreich für ein großes Pharmaunternehmen und mag überhaupt keine Eichhörnchen. Beide haben – sagen wir mal – sehr spezielle Familien, die sie so lange wie möglich vom anderen fernhalten möchten. Als es immer näher auf die geplante Hochzeit zugeht, müssen die Bekanntschaften mit den Mitgliedern der Familien gemacht und durchlebt werden.

Meine Meinung:
Der Amerikaner würde wahrscheinlich „romantic comedy“ dazu sagen, es ist schwer, die richtige Beschreibung für das Buch zu finden. Aber ich finde dieses Buch ist ein Garant für ein Lächeln auf jeder gelesenen Seite. Es macht einfach happy!
Veblen, Kind einer hypochondrischen Mutter, die mit neuem Lebensgefährten ihrer Tochter immer sagt, was sie zu tun hat und eines Vaters, der durch den Vietmankrieg nun mit PTBS in einem Heim lebt und Paul, das Kind von Hippieltern, die in einer quasi Kommune lebten und ihren Sohn immer vernachlässigten, da sie all ihre Aufmerksamkeit dem behinderten Bruder schenkten, haben vor zu heiraten.
Und neben dem oben gesagten, die Familien, die sich noch nicht kennen, kommt Paul in das Dilemma, zwar ein erfolgversprechendes Gerät für hirngeschädigte Veteranen entwickelt zu haben, es aber noch nicht genügend getestet zu haben als die Firma es bereits vermarktet. Daneben Veblen, die ihren Namensgeber (der übrigens wirklich existiert hat) so verehrt und ihrer Leidenschaft zu Eichhörnchen nicht nachgeben möchte, lässt die Hochzeit irgendwann auf der Kippe stehen.
Aufgrund der cleveren und scharfen Zeichnung der Charaktere, der ernsthaften und doch witzigen Beschreibung der beiden dysfunktionalen Familien und der Frage danach, wie man mit seiner Vergangenheit zu leben hat und damit umgehen muss, mit der „nicht umzutauschenden“ Familie und wie man darauf gesunde, gute und ehrliche Freundschaften bzw. Liebe bauen kann, ist es für mich mehr als ein guter Roman, es ist ein Buch, welches zum Nachdenken veranlasst darüber, dass nichts im Leben perfekt ist und es aber wichtig ist, wie wir in manchen Situationen reagieren und was daraus resultieren kann.
Das Buch ist ein wenig verrückt, denn zwischendurch tauchen Bilder/Fotos auf, die einen laut auflachen lassen, ich musste zumindest mehrfach lachen, beispielsweise über ein Bild von einem Käse mit eingeknabbertem Gesicht. (Wie es dazu kommt, wird beschrieben, aber dann ein Foto davon abzubilden, köstlich...). Die Kapitelüberschriften sind schöne Teaser und es gibt einen sensationell guten Anhang.

Veblens Liebe zu den Eichhörnchen nimmt wirklich lustige Formen an und mündet immer wieder in herrlichsten Gesprächen über sie.Hier eine Auszug, als sie mit Paul über das Thema spricht, der voller Schreck festgestellt hat, dass im Dach ein Eichhörnchen haust und ihm seine nächtliche Ruhe raubt:
„Hab ich dir eigentlich schon von den größten Eichhörnchenwanderungen der Geschichte erzählt?“ Sie hielt den Stuhl fest.
„Das musst du dir für diesen Moment aufgehoben haben.“
„Ja. Eichhörnchen gehören nämlich zu den ältesten Säugetieren der Welt,“ sagte sie eigenartig stolz. „In Nordamerika gibt es sie seit mindestens fünfzig Millionen Jahren. Echt lange, findest du nicht auch? Ich meine, wenn Leute damit prahlen, dass ihre Vorfahren 1620 mit der Mayflower gekommen sind, dann verdienen die Eichhörnchen auch ein wenig Respekt, findest du nicht?“ (Seite 40)

Fazit:
Im Kern eine Liebesgeschichte ist ein so liebevolles, humoriges und doch tiefgehendes Buch, welches den Leser darüber nachdenken lässt, wo hört Familie auf und wo beginnt unser eigenes Leben? Wie bleibt man sich selbst treu und was sind die eigenen Ziele und Ideale? Und was tut man für die Liebe, ohne sich selbst und sein Leben aufgeben zu müssen? Und: mögen Eichhörnchen Sauerkraut mit Muskat?
Dieses Buch gehört mit großer Sicherheit zu meinen Jahreshighlights! 

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Tags: eichhörnchen, elizabeth mckenzie, im kern eine liebesgeschichte   (3)
 

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Der Duft des Waldes

Hélène Gestern , Brigitte Große , Patricia Klobusiczky
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.07.2018
ISBN 9783103973433
Genre: Romane

Rezension:



Inhalt:
Elisabeth, Historikerin und in einem neuen Lebensabschnitt stehend, denn ihr Partner verstarb erst kürzlich an einer schweren Krankheit, erbt von ihrer letzten und 89-jährigen Auftraggeberin, die ihr Briefe ihres Bruders Alban zur Sichtung anvertraut, die er aus dem ersten Weltkrieg an seinen Freund schrieb, ein Landhaus nicht weit von Paris. Elisabeth macht sich auf den Weg, der Geschichte der Briefe auf den Grund zu gehen und lenkt sich so auch von ihrer ganz persönlichen Trauer ab. Nichtsahnend welche Geheimnisse in den Briefen stecken, wird es für sie immer spannender und sie reist nach Lissabon, Bern, Brüssel, um die Menschen aufzusuchen, die Schreiber und Adressat der Briefe gekannt haben oder verwandt waren, um ihr bei der Erstellung der Lebensgeschichten der beiden Freunde behilflich zu sein.
Meine Meinung:
Das Buch ist ein geschichtsträchtiger Roman, der den Leser an die Front des ersten Weltkriegs führt. Hier liegt Alban Willecot im Schützengraben und schreibt an seinem Freund Anatole Massis Briefe über die Geschehnisse und später fängt er an, diese zu fotografieren. Diese Briefe gehen Elisabeth nah und sie möchte mehr erfahren, kennt aber nur die eine Seite, denn die Antwortbriefe von Anatole liegen ihr nicht vor – sie macht sich auf die Suche, denn Anatole Massis ist auch ein sehr berühmter Schriftsteller gewesen, was noch mehr ihr Interesse an den Briefen weckt.
Immer wieder spricht die mir sehr sympathische und einfühlsame Protagonistin mit ihrem verstorbenen Partner, sehnt sich nach ihm, ihren Gesprächen. Fällt in Trauer und Lethargie zurück, aber die Briefe und vor allem das Landhaus, mit seinen verborgenen Geschichten lässt sie weiter machen.
„Nach dem glutheißen Sommer und einigen unangenehm kühlen Tagen, als ich aus Portugal zurückkehrte, war der Herbst wieder mild geworden. Ich liebe diese Zwischenzeit, diese Abende mitten im Oktober, wenn der Tag noch golden nachglüht und es dann jäh Nacht wird, ich mag diese späten Stunden, wenn man sich wieder gern ein Plaid um die Schultern legt, während man liest. Das sind die Vorboten des Windes, deiner und meiner Jahreszeit, wegen ihrer Weiße, ihres trägen Tempos, das die Kontemplation begünstigt...... “(Seite 160)
Im Buch können wir die Briefe – kursiv dargestellt – lesen und erleben mit, was im Schützengraben und in diesen Zeiten den Menschen passiert und vor allem wie sie gedacht habe. Die Sehnsucht nach der Heimat, dort sind Menschen, nach denen sie sich sehnen... der Wunsch nach einem Stück Schokolade und nachher immer wieder die „Aufträge“ von Willecot an seinen Freud, Filmrollen zu senden, damit er die Wahrheit im Bild festhalten kann.
„Plötzlich merkte er, dass dem Geruch von Wasserkristallen und Frost nun etwas anderes beigemengt war. Ein ferner, feiner Geruch, durch die Kälte gedämpft, so dass er, der fast ganz vergessen hatte, was Leben ausmacht, ein paar Sekunden brauchte, um ihn einzuordnen: der Duft des Waldes.“ (Seite 47)
Und Elisabeth lernt auf ihrer Reise Menschen und sich selbst kennen und erfährt die Liebe und das Loslassen in neuen Perspektiven.

Das Buch ist gewaltig, nicht nur in ihrer bildhaften Sprache, sondern mit Themen voll, der Krieg, die Erinnerung, die Fotografie, das Landhaus und die Umgebung, Elisabeth und ihre Trauer, neue Menschen, die ihr Lebensmut geben und sie weiter machen lassen und natürlich die Liebe. Diesem gezollt lesen wir in über 700 Seiten die Geschichte um das Erbe von der alten Dame, die das Leben von Elisabeth komplett auf den Kopf stellt, ihre Geschichte aber durch all die anderen Themen in den Hintergrund rückt.
Mir hätten 150 Seiten weniger gut getan, denn für mich hatte das Buch teilweise Längen. Und aufgrund der vielen Personen hätte ich mir ein Register gewünscht, wo ich ab und an auch mal nachschauen kann, wer nochmal genau von wo jetzt in dieser Situation dargestellt wird.
Trotzdem ist die Geschichte eine ganz große, die wir über 100 Jahre bis zu ihrer Aufklärung begleiten dürfen und die mich immer wieder mit dem Gedanken zurückgelassen hat, wie gut es mir hier geht, ohne Krieg, ohne diese Erbärmlichkeit. Und doch immer wieder auch mit der Hoffnung, dass die Liebe – fast – alles besiegt.
Fazit:
Ein Buch, was man nicht eben nebenbei lesen kann, denn hier werden wir mit allem, was Krieg, Liebe, Hass, Verzweiflung, Verlust, Krankheit, Leiden, Hoffnung .... und vieles mehr konfrontiert, mit einer Menge an Menschen und Plots, die diese 700 Seiten zu einem Buch machen, dass man sicherlich auch ein zweites Mal lesen sollte, um nichts zu verpassen. 

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Tags: der duft des waldes, helene gestern   (2)
 

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Drei Generationen auf dem Jakobsweg

Pia Stein
Flexibler Einband: 198 Seiten
Erschienen bei edition fischer, 01.07.2012
ISBN 9783899507485
Genre: Biografien

Rezension:

Cover:
Auf einem Weg sieht man etwas entfernt jemanden -einen Kinderwagen schiebend- laufen. Eine typische Szene des Buches und sicherlich ein privates Foto der Autorin. Gefällt...

Inhalt:
Pia Stein hört von ihrer Tochter, dass sie mit ihrem Enkelkind den Jakobsweg laufen möchte. Die ganze Strecke und dies allein, ohne ihren Mann. Schnell entschlossen, entscheiden Pia und ihr Gatte sich den beiden anzuschließen, besser gesagt das Abenteuer Jakobsweg gemeinsam in 3 Generationen zu erleben. 6 Wochen laufen sie gemeinsam mit Kinderwagen und Gepäck die über 700 km und lassen uns in diesem Buch daran teilhaben.

Meine Meinung:
Als ich das Buch angefangen habe, dachte ich ja ehrlich, dass mich der Stil des Tagebuchs sicherlich schnell langweilen würde. Jedes Kapitel ein „Wanderabschnitt“, das kann doch nicht wirklich ein Buch sein, was mich anspricht? Und es gibt ja auch ein paar richtig gute Titel, die den Jakobsweg beschreiben. ABER: ich wurde so schnell eines Besseren belehrt. Das Buch ist wirklich ein fesselndes Erlebnis, an dem die Autorin uns teilhaben lässt und auf keiner Seite langweilig oder wiederholend. Ganz im Gegenteil. Ich bin irgendwie mitgelaufen, habe die dreieinhalb Pilger (so steht es auf dem Buchrücken, da die Enkeltochter erst 3 Jahre ist, was mir so imponiert hat) völlig ins Herz geschlossen, jede Blase mit gefühlt und die schmerzenden Knochen irgendwie nachvollziehen können. Ich habe den größten Respekt vor der Tatsache mit Kinderwagen diesen Weg zu gehen, nicht aufzugeben und sich untereinander auch nicht die Augen auszukratzen, mal hart gesprochen. Auch hier ist das Gegenteil der Fall, denn diese intensiven gemeinsamen sechs Wochen sind unwiderruflich ein Kleber, der diese Familie zusammenschweißt, durch die einmaligen Erinnerungen dieses Weges.
Auch, wenn Pia Stein ab und an ihre Gebete und Wünsche an Gott erhört sieht, sich Dinge danach ändern und ihnen helfen (was ich ehrlich gesagt immer dem Zufall zuschreibe), so hat es mich doch ein paar Mal wirklich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir die Frage gestellt, wie ich in einer solchen Situation agieren würde. Manchmal hilft einfach auch beten!

Fazit:
Für mich ich dieses Buch eine echte Bereicherung gewesen und ich kann es nur vollsten jedem empfehlen, der sich dem Thema pilgern, aber auf die charmante und vor allem familiäre Art, öffnet. 

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