buchstabentraeumerins Bibliothek

167 Bücher, 128 Rezensionen

Zu buchstabentraeumerins Profil
Filtern nach
167 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Zwischen zwei Fenstern

Dianne Touchell , Birgit Schmitz
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.11.2014
ISBN 9783551560049
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(37)

146 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

zeit, matt haig, london, matt, #mehrerwartet

Wie man die Zeit anhält

Matt Haig , Sophie Zeitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281676
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

20 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

dtv, jugendbuch

Schildkrötenwege

Matthew Quick , Knut Krüger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 29.03.2018
ISBN 9783423762045
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

108 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

rebecca ross, die fünf gaben, fantasy, könig, carlsen verlag

Die fünf Gaben

Rebecca Ross , Anne Brauner , Susann Friedrich
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.02.2018
ISBN 9783551583635
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Schattengesicht

Wagner Antje
Sonstige Buchform: 190 Seiten
Erschienen bei Ulrike Helmer Verlag, 01.02.2018
ISBN 9783897414136
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

BLEIB BEI MIR, DACHTE ICH. BLEIB BEI MIR, UND NICHTS WIRD JEMALS SCHIEF GEHEN. (SEITE 104)

Wer auf der Suche nach einem Geheimtipp ist, der sollte unbedingt einen Blick in „Schattengesicht“ von Antje Wagner werfen, denn ich war der Geschichte von der ersten Seite an verfallen. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich übte sie eine enorm starke Sogkraft aus. Auf dem Cover steht „Thriller“, doch es steckt so viel mehr darin.

In „Schattengesicht“ geht es um Mila und Polly, zwei enge Freundinnen, die in einer heruntergekommenen Wohnung zusammen leben. Mila arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel, Polly hingegen verlässt die Wohnung fast nie. Sie scheinen auf der Flucht zu sein, sie verstecken sich. Doch wovor? Das erfährt der Leser nicht. Überhaupt bleibt vieles von der Handlung über weite Strecken hinweg unklar.

Nur eine Sache lässt sich früh erahnen. Doch das macht nichts, denn es geht Antje Wagner, so meine Annahme, nicht darum, ihre Leser möglichst lange im Dunkeln tappen zu lassen. Vielmehr geht es darum, Klarheit über das „Warum?“ zu erlangen, denn hinter jedem Tun von Mila und Polly steht diese Frage, der Antje Wagner sprachlich virtuos nachgeht. Sie nimmt die Empfindungen ihrer Protagonistin auseinander und verpackt sie gleichzeitig wieder in beinahe schmerzhaft schöne Bilder. Schmerzhaft ist ein gutes Stichwort, denn würde ich die Geschichte von Mila und Polly in einem Wort zusammenfassen müssen, wäre es das: schmerzhaft.

ICH DACHTE NIE, DASS MIR ETWAS PASSIEREN KÖNNTE. CARSTEN UND INA VERWECHSELTEN MICH MIT JEMAND ANDEREM. MIR KONNTE NICHTS GESCHEHEN, NUR DIESER TOCHTER, DIE ES NICHT GAB. (SEITE 137)

Anfangs ist es ein nicht wirklich greifbarer Schmerz, der sich durch die Gedanken und Erinnerungen von Mila zieht. Doch er ist vorhanden, er zeigt sich in kurzen Momenten, in Situationen, in denen Mila unsicher und zögerlich ist, in denen sie sich verletzlich fühlt. Später wird der Schmerz sehr real und nimmt dadurch eine neue Dimension ein. Man ahnt, dass man dem Ursprung des Schmerzes auf der Spur ist, dass man ihm mit jeder gelesenen Seite näherkommt und damit auch der Erklärung für all die Ungereimtheiten.

Antje Wagner geht hier brillant subtil vor. Sie streut Andeutungen und reichert ihre Geschichte Stück für Stück weiter an. Dazu trägt in großem Maße bei, dass „Schattengesicht“ rückwärts erzählt wird. So ist es ein logischer Prozess, dass die Hintergründe erst im Verlauf des Lesens aufgedeckt werden, denn sie liegen in der Kindheit von Mila vergraben.

ICH SANK IN DIE ERINNERUNG, IN DAS GEFÜHL EINER FREMDEN EINSAMKEIT, DAS ICH AN JENEM NACHMITTAG IN HALBREICH VERSPÜRT HATTE, UND MEHR ALS ALLES FÜHLTE SICH DIESE ERINNERUNG WIE EIN ZUHAUSE AN. (SEITE 154)

In gleichem Maße, wie Seite für Seite das Verstehen zunimmt, wächst auch das Verständnis für Mila. Zu Beginn wurde ich nämlich nicht recht schlau aus ihr. Sie ist ein eigenwilliger Charakter. Weder Gespräche noch die Handlung trugen dazu bei, sie besser verstehen zu können. Mila ist ein einziges großes Rätsel und es ist ein faszinierender Prozess, sie kennenzulernen. Ebenso Polly. Wer ist sie? Ohne Frage ist sie ein mutiger Dickkopf, der sich für andere einsetzt. Schon früh erlebt man sie in Aktion. Doch was macht sie darüber hinaus aus? Was hat sie alles erlebt? Welche Rolle spielt sie in Milas Kindheit? Fragen über Fragen.

Eines ist klar: „Schattengesicht“ ist eine Geschichte, in der dem Leser Raum geschenkt wird, seinen eigenen Ideen und Vermutungen nachzugehen. Könnte hier nicht ein Zusammenhang bestehen? Was, wenn sich dies oder jenes zugetragen hätte…? Sehr anregend! Noch dazu spielt Antje Wagner teils herrlich bewusst mit den Erwartungen. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Fazit

„Schattengesicht“ von Antje Wagner ist ein Thriller, der mich mit seiner Sprache, seiner Bildgewalt, seiner Charakterentwicklung und seinem Aufbau begeisterte, wie lange kein Buch zuvor. Die Stimmung ist düster, geheimnisvoll, drückend und spannungsgeladen und man wird mit einem Verdacht durch die Geschichte getragen, bis dieser sich erhärtet und alles sich zu einem großen Ganzen fügt. Für mich eine der großartigsten Entdeckungen in diesem Jahr.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

bettina belitz, gut, junge leser, mein date mit den sternen

Mein Date mit den Sternen - Blaues Funkeln

Bettina Belitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 19.03.2018
ISBN 9783570165096
Genre: Jugendbuch

Rezension:

NIRGENDWO FÜHLTE ICH MICH WOHLER UND GEBORGENER ALS IN MEINER KLEINEN, FEINEN STERNWARTE AUF DEM DACHBODEN UND NICHTS WAS SPANNENDER UND ZUGLEICH BERUHIGENDER ALS DER NACHTHIMMEL IM WINTER. (SEITE 10)

Bettina Belitz ist eine meiner liebsten deutschen Autorinnen. Daher habe ich mich umso mehr gefreut, dass mit „Mein Date mit den Sternen – Blaues Funkeln“ der Auftakt für eine neue Reihe erschienen ist. Es geht um die Sterne, das Weltall, eine geheimnisvolle Botschaft, einen besonderen Auftrag und mysteriöse Männer in Schwarz – und ja, diese Bezeichnung sorgt auch innerhalb der Geschichte für einen herzlichen Lacher. Ob mich „Mein Date mit den Sternen“ ebenso begeistern konnte, wie die anderen Bücher von Bettina Belitz, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Die Jugendbücher von Bettina Belitz umgibt immer etwas magisches, die Geschichten wirken auf mich, als seien sie nicht ganz von dieser Welt. Entrückt und fantasievoll sind sie. Weniger entrückt, dafür aber natürlich voller Fantasie und vor allem mit einer geballten Ladung Humor, kommt „Mein Date mit den Sternen“ daher. Es ist für eine jüngere Zielgruppe geschrieben (die Empfehlung lautet ab 12 Jahre, es ist aber meines Erachtens auch schon für 8 bis 11 Jahre alte Kinder geeignet), doch ich fühlte mich auch als Erwachsene gut unterhalten. Als Jugendliche hätte ich dieses Abenteuer geliebt.

EINE NÄCHTLICHE VISION OHNE KLAR BEWIESENEN ERDNUSSSCHOCK, EIN MUTIERTER VERTRAGSPARTNER MIT DER SCHNEEKÖNIGIN ALS MUTTER UND EIN BROKKOLISTEIN, VON DEM NIEMAND WUSSTE, WOHER ER KAM – MEIN LEBEN BEGANN KOMPLIZIERT ZU WERDEN. (SEITE 45)

Und ein Abenteuer ist es wirklich! Denn Joss und Maks haben nicht nur mit Mobbing in der Schule zu kämpfen, sie erhalten außerdem einen kosmischen Auftrag. Was genau es damit auf sich hat, möchte ich nicht verraten, doch so viel sei gesagt: Sie erfahren Unglaubliches über sich selbst.

Der Reiz der Geschichte liegt besonders darin, dass wir es mit zwei jungen Menschen zu tun haben, die absolute Außenseiter sind. Sie fühlen sich fehl am Platz zwischen ihren Mitschülern, sie finden keinen Anschluss und zu allem Überfluss machen ihnen auch noch zahlreiche Allergien und Unverträglichkeiten zu schaffen. Joss und Maks sind schlicht seltsam. Doch das schweißt sie zusammen und diese besondere Energie hat Bettina Belitz sehr gut eingefangen. Sie sind nicht ganz Freunde, aber auch keine Fremden. Sie vertrauen einander, wissen aber nicht, inwieweit dieses Vertrauen auch die Grenzen ihres bisherigen Zusammenseins überstehen kann. Sie wissen sehr viel über einander, kennen sich aber trotzdem nicht richtig. Eine wirklich spannende Dynamik.

DIE GANZE WELT, JA, MEIN GANZES LEBEN FÜHLTE SICH ANDERS AN ALS SONST. ALS WÜRDE SICH ETWAS UM MICH HERUM VERDICHTEN UND MICH EINKESSELN, WEIL ES MICH ZU ETWAS LEBENSWICHTIGEM AUFFORDERTE. (SEITE 55)

Die Geschichte entwickelt sich durchweg sehr schnell, was mir gut gefallen hat. Nur ab der Mitte wäre es schön gewesen, etwas länger in einer Situation bleiben zu können, um mehr Details zu erfahren. Der Leser sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert, für die es erst einmal keine Antworten gibt. Zwar hat man durch einen Prolog ein bisschen mehr Ahnung vom großen Ganzen, doch alle Informationen hat man natürlich längst nicht. „Mein Date mit den Sternen“ liest sich also ziemlich rasch weg, denn als Leser ist man genauso erpicht darauf, hinter das Geheimnis zu kommen, wie Joss und Maks.

Joss ist eine absolut liebenswerte Protagonistin, mit einem herrlich unverkrampften und humorvollen Blick auf die Welt. Sie wird zwar gemobbt, ist aber ziemlich tough und steckt alle Missetaten ihrer Mitschüler erstaunlich gut weg. Außerdem ist sie äußerst klug und eine wahre Astronomie-Expertin. Maks hingegen ist eher der ruhige Skeptiker, der Joss aufs Feinste ergänzt. Ich liebe die beiden zusammen, vor allem, wenn erzählt wird, welche Erste Hilfe Maßnahmen sie beherrschen und ausüben, um einander bei allergischen Reaktionen oder sonstigen Notfällen zu helfen. Und ich liebe die beiden, wenn sie später auch ab und an mal aneinandergeraten. Eine Liebesgeschichte ist dieses Jugendbuch aber nicht. Zumindest nicht in Band 1. Doch wer weiß, was noch alles kommt.

Fazit

„Mein Date mit den Sternen“ von Bettina Belitz ist ein herzerwärmendes, humorvolles, spannendes und süßes Jugendbuch. Ich habe es sehr gerne gelesen, würde es aber eher den jüngeren Lesern ans Herz legen. Erwartungen älterer Leser würden unter Umständen nicht vollkommen erfüllt werden. Doch das Gesamtpaket stimmt, die Geschichte ist wunderbar fantasievoll, mit einer tollen Protagonistin und sprachlich natürlich ganz im für Bettina Belitz typischen, ausdrucksstarken Stil.


  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

dressler verlag, fantasy, fuchs und feuer, heather fawcett, jugendbuch

Fuchs und Feuer

Heather Fawcett , Simone Wiemken
Fester Einband
Erschienen bei Dressler, 19.03.2018
ISBN 9783791500720
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„WILLST DU BEHAUPTEN, ICH KANN DAS NICHT?“
„ICH GLAUBE, DU KANNST ALLES“, ERWIDERTE ER LEISE. „DAS IST ES, WAS MIR ANGST MACHT.“ (SEITE 28)

„Fuchs und Feuer“ von Heather Fawcett hat vor allem eines geschafft: Es hat mich überrascht! Ich erwartete eine klassische Fantasy-Geschichte für Jugendliche, die eher den ausgetretenen Pfaden dieses Genres folgt. Dennoch reizte mich etwas an diesem Buch. Sicherlich das Cover und ebenso das Thema Bergsteigen. Doch darüber hinaus? Ich kann es nicht benennen. Umso glücklicher bin ich, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, denn auch wenn anfangs noch vieles darauf hindeutete, dass dieses Debüt von Autorin Heather Fawcett nichts bahnbrechend Neues liefern würde, wurde ich eines Besseren belehrt: In dieser fantastischen Geschichte um Bergsteigerin Kamzin stecken Fantasie und viele neue Ideen drin.

Die junge Kamzin wird auserwählt, eine gefährliche Reise auf den Gipfel des Berges Raksha zu machen. Sie soll dem bekannten und sagenumwobenen Entdecker River Shara den Weg weisen. Damit erfüllt sich ihr großer Traum, auf den sie schon ihr ganzes Leben hingearbeitet hat und von dem sie niemals zu hoffen gewagt hatte, dass er jemals Wirklichkeit werden würde. Es begleitet sie unter anderem ihr bester Freund Tem. Er sorgt sich um sie, denn bisher sind alle Expeditionen zum Berg gescheitert. Bis hierhin bietet „Fuchs und Feuer“ kaum Überraschungen. River Shara ist gutaussehend und ziemlich arrogant, dennoch fühlt sich Kamzin zu ihm hingezogen. Tem ist in Kamzin verliebt, sie aber nicht in ihn. Doch Stopp, ehe sich die beinahe schon übliche Dreiecksgeschichte entfalten kann und auch sonst gängige Klischees erfüllt werden, beginnt der Roman neue Seiten zu zeigen.

DAS LEBEN IM DORF WAR KLEIN, STILL UND WOHLGEORDNET, ICH WOLLTE LÄRM, ABENTEUER UND WEITE LANDSTRICHE, DIE SICH VOR MIR ERSTRECKTEN WIE WEISSES PERGAMENT, AUF DAS ICH MIT MEINEN EIGENEN GESCHICHTEN SCHREIBEN KONNTE. (SEITE 186

Die Ideen von Heather Fawcett sind wunderbar einfallsreich. Sie hat eine einzigartige Welt erschaffen, die fantastisch und dennoch realistisch ist. Ein Abenteuerroman für Bergsteiger trifft auf fantastische Gefahren und Geheimnisse. Kamzin’s Welt ist friedlich, sieht sich aber einer großen Bedrohung ausgesetzt. Diese zu verhindern, ist die Aufgabe von River Shara. Magische Kräfte, unheimliche Wesen und Dämonen kommen ins Spiel. Und selbst dem Berg wohnt eine seltsame Kraft inne. Zudem ist die Geschichte reich an Details über das Bergsteigen. Blutende Finger, abgebrochene Nägel, erfrorene Zehen und zahlreiche andere Verletzungen stehen an der Tagesordnung. Dies trägt stark dazu bei, dass man sich mittendrin wähnt. Ich bestieg mit Kamzin und River und Tem diesen Berg und kämpfte mich mit ihnen die Bergmassive hinauf.

Vor allem aber ist es der Verlauf der Geschichte, der mich vor allem ab der Mitte in Atem hielt. Vieles konnte ich erahnen, doch das meiste waren Überraschungen und der Showdown auf den letzten Seiten kann sich wirklich blicken lassen. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie diese Geschichte weitergeht.

ES WAR NICHTS EINLADENDES AN DIESEM BERG – GANZ IM GEGENTEIL. JE LÄNGER ICH HINAUSSTARRTE, DESTO MEHR WAR ICH DAVON ÜBERZEUGT, DASS DER RAKSHA UNS DORT NICHT HABEN WOLLTE. (SEITE 234)

Hinzu kommen Charaktere, die rundum glaubwürdig sind und es einem einfach machen, sie auf dem Weg durch ihre Geschichte zu begleiten. Kamzin ist eine starke Protagonistin, die allein schon in Band 1 eine große Entwicklung macht. Treiben sie anfangs noch Ehrgeiz und Eifer an, wird sie bald schon von den Ereignissen überrollt. Es bleiben Verzweiflung und ein eiserner Wille. River Shara ist über weite Teile des Buches hinweg der typische Bad Boy, in den sich die Protagonistin verliebt. Doch am Ende zeigt er sich von einer ganz neuen Seite, die mich richtig berührte und die vor allem der Beziehung zwischen Kamzin und ihm eine ganz neue Dynamik verleiht. Tem nimmt die undankbare Rolle des vor Liebe blinden Freundes ein. Er folgt Kamzin und kümmert sich wenig um sein eigenes Wohlergehen oder seine persönlichen Ziele im Leben. Aber auch er bleibt nicht in dieser Rolle gefangen, sondern zeigt unerwartete Stärken.

Fazit

„Fuchs und Feuer“ von Heather Fawcett ist ein starker Auftakt einer Fantasy-Reihe. Die Autorin weicht von gängigen Klischees ab, so dass ich immer wieder von neuen Ideen und Entwicklungen überrascht wurde. Ein großer Pluspunkt dafür! Vor allem aber die Charaktere und die Schilderung der Bergbesteigung haben mich durchweg überzeugt. Die Charaktere sind vielschichtig und ihre Gefühle und Gedanken zu jeder Zeit nachvollziehbar. Das Bergsteigen wird mit einer solchen Detailgenauigkeit beschrieben, dass es unwillkürlich die gleiche Faszination auf mich ausübte, wie die Protagonistin es selbst empfindet. Sehr empfehlenswert.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

entführung, biografie, autobiographie, familie, angst

Wir sind dann wohl die Angehörigen

Johann Scheerer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492059091
Genre: Biografien

Rezension:

WIR WAREN AUS UNSEREM UNIVERSUM HINAUSKATAPULTIERT WORDEN. DIE ZEIT, WIE WIR SIE KANNTEN, EXISTIERTE NICHT MEHR. (SEITE 19)

„Und ich schau wieder auf die Uhr: du bist immer noch nicht da
Keine Ahnung wo du bleibst, es ist wahr:
Mir ist langweilig […]“*

Nachdem ich „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Johann Scheerer in der vergangenen Woche gelesen hatte, hat sich der Sinngehalt des Liedes *“Langweilig“ von den Ärzten für mich grundlegend geändert. In dem autobiografischen Bericht des Hamburger Musikproduzenten ist Langeweile ein zentrales Motiv, denn vor 22 Jahren konnte Johann Scheerer 33 Tage lang nichts anderes tun, als im Nichtstun zu verharren und zu warten: Am 25. März 1996 wurde sein Vater, Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, entführt und erst 33 Tage später wieder freigelassen.

Was tut man, wenn der normale Alltag, bestehend aus Schule, Tests und Treffen mit Freunden in den Hintergrund rückt und wochenlang von Sorgen, Unsicherheit und eben Langeweile ersetzt wird? Wenn die Welt, wie man sie kennt, auf ein einziges, erschreckendes und unbegreifliches Ereignis zusammenschrumpft? Johann Scheerer findet sich plötzlich in einer anderen Welt, in einer anderen Galaxie, wieder. Alles verschiebt sich, alles von dem er glaubte, es sei normal, bleibt ihm plötzlich verschlossen. Stattdessen öffnet sich ein großes schwarzes Loch, das alles Normale verschluckt und seine Welt aus den Angeln hebt. Er glaubt nicht, dass er seinen Vater lebend wiedersehen wird.

In einem Lebensabschnitt, in dem Johann Scheerer damit beginnt, sich von seinen Eltern zu distanzieren, durchdringen und beengen auf einmal Verwandte, Freunde, Polizei und Helfer sein Zuhause und sein Leben. Sie arbeiten und wohnen auf engstem Raum zusammen, und dennoch steht jeder für sich, mit seinen individuellen Sorgen und Nöten. Denn teilen lässt sich die Wahrnehmung dieser Entführung nicht, jeder empfindet sie anders, geht anders damit um.

Johann Scheerer empfindet vor allem Langeweile. Er schaut Fernsehen, Videos, hört Musik. Geht ins Kino, kauft sich eine Gitarre. Einzig die Neuigkeiten der Entführer durchbrechen diese neuen Abläufe. Nicht alles erfährt Johann Scheerer unmittelbar, er hält sich heraus und wird herausgehalten, erfährt viele, teils erschreckende Details erst später. Seiner Mutter möchte er keine zusätzliche Last sein, er zieht sich zurück. Das Gefühl von Machtlosigkeit und eine zunehmende Isolation machen ihm zu schaffen, doch mit wem kann er reden? Wem kann er sich anvertrauen? Zu mächtig und unwirklich erscheint die Situation, als dass er sie (mit-)teilen könnte, und so schlagen einzelne Versuche, in den gewohnten Alltag zurückzufinden, fehl.

MEIN KÖRPER SCHIEN SEIT TAGEN TAUB UND GAR NICHT MEHR IN DER LAGE, GEFÜHLE ZU ZEIGEN. DAS GEFÜHL, WIE MIT WACHS ÜBERZOGEN ZU SEIN, VON DER AUSSENWELT ABGESCHNITTEN, ALLEIN UND UMGEBEN VON EINEM VAKUUM, DAS NICHTS AN MICH HERANLIESS, DAS ICH SCHON AM ERSTEN MORGEN GESPÜRT HATTE, WAR MEIN NORMALZUSTAND, DEN ICH NICHT MEHR HERSTELLEN MUSSTE, DAFÜR ABER AUCH NICHT ÄNDERN KONNTE. (SEITE 215)

Sensibel und persönlich, aber stets mit einer gewissen Nüchternheit erzählt Johann Scheerer von diesen 33 Tagen, in denen er sich des Todes seines Vaters gewiss wähnte. Dabei überlässt er seinem jüngeren Ich das Wort, blickt nicht mit heutigem Wissen und Erfahrungsschatz auf diese Zeit zurück, sondert erinnert sich an kleine Details, an Ausflüge, Gespräche der Erwachsenen, Momentaufnahmen und seine Gedanken und Empfindungen als Dreizehnjähriger. Umso zerbrechlicher und verletzlicher wirkt der Bericht insgesamt. Man spürt, wie wenig Johann Scheerer teils vielleicht auch heute noch die Zeit der Entführung mit seinem „normalen“ Leben in Einklang oder gar in Verbindung bringen kann. Sie steht für sich, kann beschrieben, aber nicht emotional erfasst werden. Ein schwarzes Loch eben.

KEINE WORTE. KAUM WEINEN. KEIN LAUT.
NUR SCHWERE ATMEN IN DER UNFASSBARKEIT.
UNAUSSPRECHLICHES WAR GESCHEHEN. NICHT IN WORTE ZU FASSEN.
NICHT IN UNSERER GALAXIE. NICHT IN MEINER. NICHT IN SEINER.ES FÜHLT SICH AN, ALS SCHWIEGEN WIR IMMER NOCH. (SEITE 222)

Niemand, der nicht in einer ähnlichen Lage war, kann sich vorstellen oder nachempfinden, was ein Entführungsfall innerhalb der Familie mit einem jungen Menschen und den Eltern macht. Wie weitreichend und tiefgreifend verändernd dies nachwirkt. Bis heute fällt es allen Beteiligten schwer, über die 33 Tage zu reden. Wie soll man auch Worte finden für etwas, das so aus dem Rahmen der gängigen Erfahrungen fällt?

Lediglich Jan Philipp Reemtsma hatte bereits unmittelbar nach seiner Entführung damit begonnen, seine Erinnerungen und Gedanken niederzuschreiben. „Im Keller“ heißt sein Bericht, mit dem er die Absicht verfolgt, die in der Öffentlichkeit kursierende Geschichte wieder zu seiner Geschichte zu machen. Nun schildert der Sohn seine Seite des Erlebten, die unterschiedlicher nicht sein könnte, jedoch gleichermaßen einen Versuch darstellt, das Schweigen zu brechen und die einzelnen Galaxien, die sich im Frühjahr 1996 gebildet haben, wieder zusammenzuführen.

Fazit

„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Johann Scheerer ist eine berührend persönliche und präzise Beschreibung der Entführung Jan Philipp Reemtsma’s aus Sicht des damals dreizehnjährigen Sohnes. Es geht nicht um bahnbrechende Erkenntnisse und nicht darum, am Erlebten zu wachsen, sondern um 33 Tage voller Langeweile und Warten, Unsicherheit und Ängste und darum, wie es ist, wenn ein Ausnahmezustand zum Normalzustand wird.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Buch der seltsamen neuen Dinge

Michel Faber , Malte Krutzsch
Fester Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 12.03.2018
ISBN 9783036957791
Genre: Romane

Rezension:

PETER, ICH LIEBE DICH, SCHRIEB SIE. ER LAS IHRE GRÜSSE MEHRMALS, NICHT, UM SIE ZU GENIESSEN, SONDERN UM ZU WARTEN, BIS DIE WORTE MEHR ALS NUR AUF EINEM PLASTIKSCHIRM ANGEORDNETE PIXEL WAREN, BIS ER IHRE STIMME HÖRTE. (SEITE 39

„Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ lässt sich kaum in eine Form pressen, denn Michel Faber behandelt darin eine Vielzahl an Themen: Liebe, Christentum, Missionarisierung, Umwelt, Naturkatastrophen, Weltraumforschung. Auf über 600 Seiten geht Faber den Dingen auf den Grund, nichts streift er flüchtig, jeder Gedanke erhält die Menge an Zeilen, die er benötigt, um vollständig und umfassend zu Ende gedacht zu werden. Dadurch kann ich nur empfehlen: Nehmt euch Zeit für dieses Buch, denn darin gibt es vieles zu entdecken. Achtung, meine Rezension ist nicht frei von Spoilern, da ich auf einige spezielle Aspekte der Geschichte näher eingehen möchte. Es wird jedoch nicht zu viel verraten.

„Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ beginnt mit einer Reise. Pastor Peter Leigh erhält das einmalige Angebot, eine Reise zum fernen Planeten Oasis zu machen, um dort die Bewohner das Christentum zu lehren. Das kann er nicht ausschlagen, obwohl es bedeutet, seine Frau Bea lange Zeit nicht sehen zu können. Doch Peter und Bea lieben sich innig und sind sich sicher, diese Zeit ohne den anderen verkraften zu können. So macht sich Peter also auf den Weg. Auf Oasis begegnet er nicht nur den Bewohnern den Oasiern, sondern natürlich auch anderen Forschern der Station. Beide bilden in ihrem Verhalten einen spannenden Kontrast: die Oasier, so fremd und doch menschlich mitfühlend, die Menschen, so vertraut und doch so seltsam distanziert und kühl. Die Charaktere und die feinsinnige Darstellung zeichnet dieses Buch sehr aus.

AUF SEINEN BEFEHL SUCHTE EIN NETZ AUS RAFFINIERTER TECHNIK DEN KOSMOS NACH IHREN GEDANKEN AB UND FAND NICHTS. NUR DEN EINEN VERZWEIFLUNGSSCHREI, DER NOCH AUF DEM SCHIRM LEUCHTETE, DIE VIER SCHRECKLICHEN WORTE IN KONTEXTLOSER GRAUER LEERE. (SEITE 535)

Der Roman lebt von weiteren Kontrasten und spielt mit den Erwartungen. So erwartet man vom Leben auf Oasis Abenteuer, Spannung und Gefahren, stattdessen stellt sich Oasis als friedlicher Ort heraus. Beinahe schon idyllisch, wäre es nicht so eine karge Landschaft. Auf der Erde hingegen ereignet sich eine Naturkatastrophe nach der anderen. Es wird zwar nie eindeutig gesagt, doch es liegt nahe, dass sie durch die Klimaerwärmung ausgelöst oder zumindest verstärkt werden. Bea durchleidet also Dramen, die für Peter in immer weitere Ferne rücken. Wie kann der jeweils andere nachvollziehen und nachempfinden, was dem Partner widerfährt? Der Leser spürt in der Kommunikation von Peter und Bea, wie sie voneinander wegdriften und die Lebensrealität des jeweils anderen nicht nachvollziehen können. Ein faszinierender Prozess von Distanzierung und Annäherung, die Michel Faber sehr treffend in Worte fasst.

DENN DU KOMMST NICHT ZU MIR ZURÜCK, ODER? DIR GEFÄLLTS DA OBEN. DU BIST AUF DEM PLANETEN GOTT. SELBST WENN DU ZU MIR ZURÜCKKÄMST, WÄREN WIR NICHT ZUSAMMEN. (SEITE 555)

Natürlich spielt die christliche Religion auch eine wichtige Rolle in dem Roman. Dies aber niemals aufdringlich, wertend oder belehrend, sondern das Christentum stellt schlicht eine Möglichkeit dar, die Welt und das Leben wahrzunehmen. Allerdings haben sowohl Peter als auch Bea den absoluten Willen, andere Menschen zu bekehren. Faber geht jedoch vielmehr der Frage nach, was mit dem Glauben passiert, wenn die Welt sich von ihrer unbarmherzigsten und brutalsten Seite zeigt. Hat man dann noch die Kraft, an Gott zu glauben?

Fazit

Michel Faber zeigt in „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“, was Menschen und Lebewesen unterschiedlichster Herkunft dazu bewegt religiös zu sein oder religiös werden zu wollen, aber auch, was sie dazu bringen kann, sich vom Glauben abzuwenden. Dieses Grundthema ergänzt um eine Reise zu einem fremden Planeten sowie eine aufwühlend düstere Zukunftsvision der Erde, machen diesen Roman ungeheuer faszinierend. Besonders aber bleiben mir die hervorragend gezeichneten Charaktere in Erinnerung, die diesen Roman mit Leben füllen.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(157)

402 Bibliotheken, 27 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

new york, louisa clark, liebe, jojo moyes, roman

Mein Herz in zwei Welten

Jojo Moyes , Karolina Fell
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 23.01.2018
ISBN 9783805251068
Genre: Romane

Rezension:

Jojo Moyes hat mit „Mein Herz in zwei Welten“ bereits den dritten Roman rund um die quirlige Lou geschrieben, mit der wir zum ersten Man in "Ein ganzes halbes Jahr" Bekanntschaft geschlossen haben. Darin wird sie Pflegerin von Will, der seit einem Unfall Tetraplegiker ist, also seine Arme und Beine nicht bewegen kann. Zwischen beiden entspinnt sich eine innige Freundschaft und später eine zarte Liebe. Band 2, „Ein ganz neues Leben“, habe ich nicht gelesen, doch wer wissen möchte, worum es darin geht, kann auf rowohlt.de die Handlung nachlesen. Da es sich bei „Mein Herz in zwei Welten“ um Band 3 handelt, ist diese Rezension nicht frei von Spoilern.

Lou hat den schmerzhaften Verlust von Will mit Hilfe von Sam verkraftet und hat neuen Mut geschöpft. Daher bricht sie aus ihrem gewohnten Leben aus und begibt sich auf große Reise – nach New York. Ein Jahr lang möchte sie bei der Familie Gopnik als Assistentin arbeiten. Die Gopniks sind reich und wohnen unmittelbar am Central Park. Eine fremde, aber auch faszinierende Welt, tut sich vor Lou’s Augen auf. Doch wie kann sie sich an diesen neuen Alltag anpassen und gleichzeitig nicht die Verbindung zu ihrem Zuhause und zu Sam verlieren?

„Mein Herz in zwei Welten“ widmet sich hauptsächlich zwei großen Themen. Zum einen wird das Leben der Reichen in New York beschrieben. Zum anderen blickt die Autorin in das Innenleben von Lou, betrachtet ihre Entwicklung und ihre Beziehung zu Sam. Insgesamt bietet der Roman daher viel interessantes, das den Leser gut unterhält. Letztendlich griff die Autorin für meinen Geschmack jedoch auf zu viele Klischees zurück, wodurch die Geschichte allzu seicht geriet.

Schauen wir mal genauer hin: Hinter der glänzenden Fassade der High Society von New York wird gelogen, betrogen und gelästert. Der Fitnesswahn hat alle fest im Griff und das Geld wird für allerhand unnützes Zeug aus dem Fenster geschmissen. Essen wird geliefert, sofern nicht sowieso in einem schicken Restaurant gegessen wird, der Chauffeur fährt einen überall hin und Skandale werden am Dinnertisch genüsslich ausgekostet. Erinnert sehr an die Serie „Gossip Girl“ und eine Vielzahl anderer Romane, Filme und Serien über New Yorks reiche Elite und bietet daher wenig Neues.

ICH WURDE ZU EINEM SCHATTEN, UND ZWAR SO SEHR, DASS ICH MANCHMAL DAS GEFÜHL HATTE, MEINE PERSÖNLICHKEIT WÜRDE SICH AUFLÖSEN UND MEINE EXISTENZ HÄTTE NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEN BEDÜRFNISSEN ANDERER EINEN SINN. (SEITE 217/218)

Lou’s Weg hätte hier eine schöne Bereicherung sein können. Und ich fand es auch durchaus lesenswert, wie sie diese Welt der Schönen und Reichen wahrnimmt und wie sie versucht, ihren Platz darin zu finden. Doch auch hier ist die Entwicklung vorhersehbar, vor allem das Ende. Jojo Moyes findet wenig neue Aspekte, obwohl die Gefühle und Zweifel von Lou durchaus gut herausgearbeitet werden. Andere Autoren haben sich demselben Thema ebenfalls gewidmet – Colm Toíbín in „Brooklyn“ beispielsweise. Auch hier reist ein junges irisches Mädchen nach Amerika, um dort einen Neuanfang zu wagen. Auch sie ist hin und her gerissen zwischen zwei  Männern auf unterschiedlichen Kontinenten. Doch Toíbín schafft es, seine Geschichte einzigartig zu erzählen.

MEIN LEBEN VOR DEN GOPNIKS WAR IN EINE GEISTERHAFTE FERNE GERÜCKT, MIT DEM ICH, SOWEIT ES DER TERMINKALENDER ERLAUBTE, DURCH GELEGENTLICHE TELEFONATE UND E-MAILS VERBINDUNG AUFNAHM. (SEITE 218)

Das liegt sowohl am Schreibstil als auch an der mangelnden Ernsthaftigkeit. Lou konnte ich des Öfteren schlicht nicht für voll nehmen. Sie ist so naiv und möchte es jedem Recht machen, dass ich manchmal meinte, sie anschreien zu müssen. Erst gegen Ende entwickelt sie den Biss, der mir fehlte. Die Autorin tut ihr Übriges mit ihrer Art zu schreiben. Zu humorvoll, zu oberflächlich sind ihre Worte, um wirklich spürbar zu machen, was Lou erlebt. Vielleicht ist es auch eine Typfrage, doch ich persönlich wurde in „Mein Herz in zwei Welten“ nicht sonderlich warm mit der Protagonistin.

Fazit

„Mein Herz in zwei Welten“ von Jojo Moyes bietet gute Unterhaltung und ist für Leser, die die Geschichte von Lou und Will in „Ein ganzes halbes Jahr“ mochten, sicherlich eine schöne Lektüre. Allerdings vermisste ich Alleinstellungsmerkmale, die „Mein Herz in zwei Welten“ von anderen Büchern, Filmen oder Serien mit ähnlichem Thema abgrenzen. Zu sehr begegnet man gewohnten Klischees und Storylines. Hier hätte ich mir mehr Tiefe erhofft und einfach etwas Neues. Daher: unterhaltend, aber nicht anspruchsvoll.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

85 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

crooked kingdom, fantasy, six of crows, freundschaft, leigh bardugo

Crooked Kingdom

Leigh Bardugo
Flexibler Einband
Erschienen bei Henry Holt, 27.09.2016
ISBN 9781250119315
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem ich "Six of Crows" von Leigh Bardugo bereits sehr gerne gelesen hatte, war natürlich klar, dass ich den zweiten Band der Dilogie, „Crooked Kingdom“ (deutscher Titel: Das Gold der Krähen), auch lesen musste. Insbesondere der Cliffhanger lässt auch kaum etwas anderes zu. Also folgt mir erneut in die Welt der Grischa, auf nach Ketterdam! Liebe Leser, da diese Rezension an die Handlung von Band 1 anknüpft, ist sie unter Umständen nicht frei von Spoilern.


Leigh Bardugo liefert in „Crooked Kingdom“ reichlich Action und Kampfsituationen, aber auch eine gute Charakterentwicklung. Hinzu kommen abenteuerliche Verstrickungen, die es mir zwar stellenweise schwer machten, dem Plot zu folgen, die aber auch den Reiz der Geschichte ausmachen. Inej und Kaz, Jesper und Wylan, Matthias und Nina stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Nicht nur muss Inej befreit werden, auch Jan van Eck muss erledigt werden, denn er schuldet den Sechs weiterhin ihr Geld. Zudem müssen sie eine Lösung für das lebensgefährliche „Jurda Parem“ finden. In wessen Hände soll die Droge gelangen? Wo ist sie sicher vor Missbrauch? Aber Kaz wäre nicht Kaz, wenn er nicht für jede noch so verzwickte Lage eine Lösung parat hätte.

Das lässt „Crooked Kingdom“ wie eine James Bond-Verfilmung im High Fantasy-Stil anmuten. Irgendwie cool. Ein Problem gibt der nächsten Herausforderung die Klinke in die Hand und Kaz, Inej, Matthias, Nina, Jesper und Wylan begegnen ihnen allen mit Bravour und der ihnen eigenen Portion Humor. Es herrscht niemals Ruhe und niemals Zeit, um innezuhalten und zu reflektieren. Hier folgt Schlag auf Schlag, Hau-drauf-Kraftpaket von Buch. Mich hat es teilweise ein wenig zu sehr gefordert, ich musste es aus der Hand legen – eindeutig kein Buch, das ich Stunden am Stück hätte lesen können.

„ISN’T THAT HOW THINGS ARE DONE AROUND HERE?“ ASKED WYLAN. „WE ALL TELL KAZ WE’RE FINE AND THEN DO SOMETHING STUPID?“
„ARE WE THAT PREDICTABLE?“ SAID INEJ.
WYLAN AND MATTHIAS SAID IN UNISON, „YES.“ (SEITE 164)

Das Setting von Ketterdam ist dabei wie auch schon in Band 1 sehr zuträglich zur Geschichte. Atmosphärisch dicht, vollerer düsterer Gassen und anderer stimmungsvoller Unterschlupfe. Man wähnt sich mittendrin, riecht diese Stadt, hört ihre Geräusche und sieht die Gestalten durch die Straßen schreiten und in Spielhäusern ihr Glück versuchen. Die Stimmung ist rau und hart, und man spürt förmlich, wie sich der Druck innerhalb der Stadt zusehends aufbaut. Keine Frage also, die Autorin hat ein Händchen dafür, Handlungsorte plastisch und ausdrucksvoll zu beschreiben.

THE SILENCE BETWEEN THEM WAS DARK WATER. HE COULD NOT CROSS IT. HE COULDN’T WALK THE LINE BETWEEN THE DECENCY SHE DESERVED AND THE VIOLENCE THIS PATH DEMANDED. IF HE TRIED, IT MIGHT GET THEM BOTH KILLED. (SEITE 184)

Abseits der Spannung widmet Leigh Bardugo trotz allem den zwischenmenschlichen Gefühlen ihre Aufmerksamkeit. So erfährt man nicht nur einiges mehr über Jesper, Wylan, Kaz und Co., auch die Verbindungen von Jesper und Wylan, Nina und Matthias sowie Kaz und Inej entwickeln sich weiter. In welche Richtung sie dies tun, verrate ich natürlich nicht. Nur so viel sei gesagt, das Ende berührte mich auf vielfache Weise.

Hierbei störte mich lediglich, dass die eingestreuten Gedanken und Erinnerungen sehr vom aktuellen Geschehen ablenkten. Ich war gedanklich einfach nicht bereit, mich mit der Vergangenheit von Jesper oder Wylan oder Kaz zu befassen, wenn es doch gerade viel dringlichere Probleme gibt. Vielleicht hätten der Geschichte einige ruhigere Momente gutgetan. In diesem Umfeld hätte ich mich lieber und dann auch intensiv mit den Gefühlen und Gedanken der Charaktere auseinandergesetzt.

Fazit

„Crooked Kingdom“ von Leigh Bardugo ist ein durchweg spannender Abschluss der neuen Grischa-Dilogie. Ein vielschichtiger Plot und interessante Charakterentwicklungen tun ihr Übriges, um diese Geschichte sehr lesenswert zu machen. Ich liebe den Humor und ich liebe den Handlungsort Ketterdam mit all seinem rauen Charme. Stellenweise war mir allerdings die Taktung der Actionsequenzen zu schnell, ich hätte gerne ein paar Verschnaufpausen gehabt – auch, um mich intensiver mit den Gefühlen und Gedanken der Charaktere befassen zu können. Alles in allem aber eine großartige Reihe, die ich wärmstens empfehle.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(318)

1.086 Bibliotheken, 60 Leser, 1 Gruppe, 135 Rezensionen

leigh bardugo, fantasy, das lied der krähen, grischa, krähen

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

SPRITZIGES ABENTEUER VOLLER SPANNUNG UND COOLER ACTION.

Mit „Six of Crows“ (deutscher Titel „Das Lied der Krähen“), kehrt Leigh Bardugo in die Welt der Grischa zurück, die sie 2012 mit ihrer Grischa-Trilogie ins Leben rief. Band 1 dieser Trilogie hatte ich kürzlich gelesen, hier findet ihr meine Rezension zu „Grischa – Goldene Flammen“„Grischa – Goldene Flammen“. „Das Lied der Krähen“ ist der Auftakt einer neuen Dilogie, in der die Leser nach Ketterdam zurückkehren, und nach vielen begeisterten Stimmen kam ich nicht drumherum, mir diese Fortsetzung ebenfalls zu kaufen.

Die Begeisterung zu „Das Lied der Krähen“ war geradezu überschwänglich. Kaum ein Blogger, der die Geschichte um Kaz und Inej nicht über alle Maße lobte. Mir hat sie ebenfalls gut gefallen, allerdings bin ich vielleicht nicht ganz so euphorisch wie manch andere. Der Anfang zieht sich dazu etwas zu schleppend dahin – eine Tatsache, die mir bereits bei „Grischa – Goldene Flammen“ auffiel. Leigh Bardugo braucht einige Zeit, bis ihre Geschichte an Tempo und Spannung gewinnt. Viel Zeit wird zuvor darauf verwendet, in die Vergangenheit der Charaktere einzutauchen und deren derzeitiges Leben in Ketterdam zu schildern.

„WHAT’S THE JOB?“
„AN IMPOSSIBLE JOB, NEAR CERTAIN DEATH, TERRIBLE ODDS, BUT SHOULD BE SCRAPE IT…“ HE PAUSED, FINGERS ON THE BUTTONS OF HIS WAISTCOAT, HIS LOOK DISTANT, ALMOST DREAMY. (SEITE 66)

Ab der Hälfte jedoch wird „Das Lied der Krähen“ spannend und temporeich. Hinzu kommen ein sprühender Witz und eine Ahnung von Liebe. Die Charaktere üben sich in Schlagfertigkeit, dass ich oftmals laut auflachen musste. Das ist einfach cool. Beinahe schon zu cool, denn schließlich begeben sich die sechs jungen Erwachsenen in extrem brenzlige Situationen und riskieren in jeder Sekunde ihr Leben. Allerdings funktioniert die Coolness, denn die Krähen sind eine hartgesottene, knallharte, abgehärtete und äußerst realistische und risikofreudige Bande, die das Leben in der Gosse gewöhnt ist. Sie machen das Beste aus ihrer Situation, haben dennoch Hoffnungen und wagen es trotz allem, für ihre Freiheit und sogar für die Liebe zu kämpfen.

Diese Tatsache bereichert die Geschichte in meinen Augen sehr, denn ohne Hoffnung und Liebe wäre die Befreiungsaktion zwar unterhaltsam, aber auch nicht viel mehr als das. Reine Action ist mir nicht genug, das Zwischenmenschliche muss ebenfalls herausgearbeitet sein. Das hat Leigh Bardugo gut geschafft, denn die zarten Gefühle einiger Gefährten füreinander sind herzerwärmend und wunderschön.

SIX PEOPLE, BUT A THOUSAND WAYS THIS INSANE PLAN COULD GO WRONG. (SEITE 355)

Die Welt ist reich an fantasievollen Details, aber auch immer realistisch genug, als dass man sich sofort in sie hineinversetzt fühlen kann. Der Leser lernt die dunklen Gassen von Ketterdam kennen, die See, den eisigen Norden und natürlich das dort befindliche, bestgesicherte Gefängnis. Eine interessante Welt mit ihren eigenen Konflikten und ihrer eigenen Historie. Apropos Historie: Es ist nicht notwendig, die Grischa-Trilogie zuvor zu lesen, da zwar Bezug auf vergangene Ereignisse genommen wird, diese aber für das Verständnis nicht relevant sind beziehungsweise ausreichend erläutert werden.

Fazit

„Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo hat mich zwar nicht von Anfang an mitgerissen, insgesamt jedoch ziemlich überzeugt. Die ersten Seiten ziehen sich etwas zäh, danach nimmt die Geschichte aber Fahrt auf und das Abenteuer beginnt. Ich mochte insbesondere den Witz und Charme von Kaz, Inej, Matthias, Nina, Jesper und Wylan, der trotz Risiken und Lebensgefahr nicht abnimmt. So wird aus „Das Lied der Krähen“ eine turbulente Angelegenheit, die nicht an Herz und Freundschaft vermissen lässt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Ellas Schmetterlinge

Eva-Maria Obermann
Flexibler Einband
Erschienen bei bookshouse, 29.05.2017
ISBN 9789963537075
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(325)

722 Bibliotheken, 26 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

liebe, colleen hoover, nur noch ein einziges mal, häusliche gewalt, boston

Nur noch ein einziges Mal

Colleen Hoover , Katarina Ganslandt
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.11.2017
ISBN 9783423740302
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Liebe Colleen Hoover, was machst du bloß mit mir? Du bringst mich zum Weinen, zum Lachen, zum Hoffen und Bangen – und das in „It Ends With Us“ (deutscher Titel: Nur noch ein einziges Mal) so sehr wie nie. Das liegt maßgeblich am Thema, denn dass Frau Hoover schreiben kann und mir ihre Art Geschichten zu erzählen gefällt, ist nichts Neues. Doch das Thema und vor allem die Umsetzung ihrer neuesten Geschichte ist anders und ungewohnt ernst, dafür aber umso aufrüttelnder.

Der Klappentext lässt nicht vermuten, was in dieser Geschichte drinsteckt. Ich habe anfangs mit einer ihrer klassischen Young Adult Geschichten gerechnet, hörte jedoch schnell von anderen Bloggern, dass dieses Buch sie fix und fertig gemacht habe. Das ließ mich aufhorchen.

Colleen Hoover begleitet Lily von ihrer frühen Jugend an bis ins junge Erwachsenenleben. Als Erwachsene Frau liest sie alte Tagebucheinträge, über die der Leser mehr von ihrer innigen Liebe zu Atlas erfährt. Sie beide teilten ein Schicksal, das sie prägte und miteinander verband. Das Leben brachte sie jedoch auseinander und als Erwachsene lernt Lily Ryle kennen, ein Mann vom Typ „Traummann“. Er ist reich und klug und humorvoll – und er will keine Beziehung und schon gar nicht will er an Liebe denken.

I’LL KEEP PRETENDING TO SWIM, WHEN REALLY ALL I’M DOING IS FLOATING. BARELY KEEPING MY HEAD ABOVE WATER. (SEITE 217)

Doch statt die Geschichte im klassischen Young Adult-Stil weiter aufzubauen, entwickelt sich alles in eine völlig unerwartete Richtung. Rollenklischees sucht man hier fast vergeblich, denn zumindest die Protagonisten lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Lily, Ryle und Atlas treffen im Verlauf des Buches Entscheidungen, die nicht immer richtig sind, sie alle machen Fehler, Zweifeln oder Zögern. Oder wie Ryle gleich zu Beginn des Buches sagt: „There is no such thing as bad people. We’re all just people who sometimes do bad things.“ Eine schöne Aussage, die im Grunde auch die Essenz von „Nur noch dieses einzige Mal“ zusammenfasst. Denn Colleen Hoover betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern geht jeder Handlung und jeder Charakterschwäche auf den Grund.

MY HEART FEELS LIKE IT WANTS TO GIVE UP. I DON’T BLAME IT. IT’S SUFFERED THROUGH TWO SEPARATE HEARTACHES IN THE COURSE OF TWO DAYS. (SEITE 310)

Lily, Ryle und auch Atlas sind nicht perfekt. Das macht sie allerdings umso lebendiger und ließ mich als Leser sehr stark nachempfinden, was sie antreibt und was sie bewegt. Einzig die beste Freundin von Lily, Allysa, ist der typisch quirlige, unbeschwerte Typ Frau, der immer optimistisch in die Welt blickt. Sie war auch die einzige, die mich wenig berührte. Alle anderen überzeugten mich mit der Tiefe ihrer Gefühle und der Intensität ihrer Gedanken.

Fazit

„Nur noch ein einziges Mal“ von Colleen Hoover nimmt den Leser mit auf emotionale Hochs und Tiefs. Der Roman hat aufrüttelnde Momente, traurige Momente und glückliche Momente. Dabei schreibt Colleen Hoover so locker wie gewohnt, so dass sich das Buch trotz der Schwere, die bisweilen beinahe überhand nimmt, angenehm lesen. Insgesamt wirkt ihr neues Werk reifer und ernster, was sicherlich daran liegt, dass die Autorin darin eigene Erfahrungen verarbeitet. Für mich eines ihrer berührendsten Bücher.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(93)

199 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

liebe, colleen hoover, drama, contemporary, englisch

It Ends With Us

Colleen Hoover
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster UK, 02.08.2016
ISBN 9781471156267
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

122 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

fantasy, magie, leigh bardugo, englisch, six of crows

Six of Crows

Leigh Bardugo
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Orion Children's Books, 02.06.2016
ISBN 9781780622286
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

jugendbuch, jo cotterill, bücher, einsamkeit, bibliothek

Eine Geschichte der Zitrone

Jo Cotterill , Nadine Püschel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2016
ISBN 9783551560360
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Eine Geschichte der Zitrone“ ist der erste Roman von Jo Cotterill, der auch auf Deutsch erschien. In ihrer Heimat, der englischen Grafschaft Oxfordshire, hat sie bereits einige Bücher geschrieben, die ich nach diesem Leseerlebnis unbedingt alle lesen möchte. Denn Jo Cotterill hat mich mit ihrer bittersüßen, herzlichen und traurig-schönen Geschichte vollends überzeugt. „Eine Geschichte der Zitrone“ ist zum weinen und trotzdem voller Freude. Eine feine, zarte Erzählung über Freundschaft, Familie, Kindheit, Verlust, Depression und die Liebe zu Büchern.


Wie fühlt es sich an, den Großteil seines Lebens mit nur einem Elternteil zu verbringen, der sich noch dazu dem Kind entzieht? Der keine emotionale Nähe zulässt? Calypsos Vater schreibt seit dem Tod seiner Frau an seinem Lebenswerk über die Zitrone und vergisst darüber seine Tochter. Er überlässt sie sich selbst, sie muss die Wäsche waschen, sich alleine beschäftigen und sich aus den spärlichen Inhalten des Kühlschranks selbst etwas zu Essen zubereiten. Darüber hinaus kümmert sie sich darum, dass es ihm an nichts fehlt. Dieses Maß an Verantwortung erscheint Calypso normal. Sie solle ihre innere Stärke finden, sagt ihr Vater. Sie brauche niemanden, außer sich selbst.

Diese Worte hat Calypso verinnerlicht und so sind ihre Bücher alles, was sie augenscheinlich braucht. Sie distanziert sich von anderen Kindern in der Schule und empfindet ihr Leben als vollkommen normal. Sie spürt erst, wie falsch und ungesund diese Art zu denken ist, als sie sich mit ihrer Klassenkameradin Mae anfreundet. Sie und ihre Familie zeigen ihr eine ganz andere Art „Familie“ zu sein. Sie realisiert, dass ihr Vater vielleicht doch nicht so stark ist, wie er vorzugeben scheint.

TIEF IN MIR DRIN ZERBRICHT ETWAS UND MEINE KNIE GEBEN NACH, ABER MAES MUTTER FÄNGT MICH AUF.
JEMAND ANDERS FÄNGT MICH AUF. DIESMAL, NUR DIESES EINE MAL, MUSS ICH MICH NICHT SELBST AUFFANGEN. ICH MUSS NICHT SELBST INNERLICH STARK SEIN, WEIL JEMAND ANDERS FÜR MICH STARK IST. (SEITE 89)

Ich habe mehr als einmal beim Lesen geweint, denn die Erzählung aus Calypsos Perspektive ist so herzzerreißend traurig, voller Wut und Kraft, voller Mut und Hoffnung, dass sie mich ganz tief im Inneren erschütterte. Sie fühlt sich verlassen, allein gelassen von einem Vater, der ihr zu wenig Beachtung schenkt und der sich nicht bemüht, eine Bindung zum eigenen Kind aufzubauen. Die Last, die Calypso dadurch zu tragen hat, wird irgendwann zu viel und entlädt sich in einem Sturm.

Wie Jo Cotterill ihre Geschichte geschrieben hat, hat mich sehr beeindruckt. Sie ist nicht lang, doch sie wirkt lange nach, denn die Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, die Gefühle, die geweckt werden, lassen sich nicht so leicht ins Regal stellen, wie das Buch selbst. Die Autorin verwendet Worte, die ins Mark treffen und Vergleiche, die ungeheuer treffend sind. Ihre Sprache ist ein Gedicht. Sie lässt einen fallen, furchtsam und beunruhigt, wenn Calypso den Boden unter den Füßen verliert und sie lässt einen trauern, wenn Calypso das Leiden ihres Vaters zu verstehen beginnt. Sie lässt einen aber ebenso lachen, da trotz aller Probleme und Sorgen der Geschichte doch eine unbestreitbare Wärme und Herzlichkeit innewohnt, denn Calypso und ihr Vater werden in ihrer Not nicht alleine gelassen.

ICH SCHREIE IHN IMMER WEITER AN, WERFE IHM SACHEN AN DEN KOPF, DIE ICH NOCH NIE IN DEN MUND GENOMMEN HABEN, ICH SCHLAGE UND SCHLITZE UND STECHE MIT WORTEN. SIE SPRUDELN AUS MIR HERAUS, ALS HÄTTE JEMAND EINE FLASCHE GIFT ENTKORKT. (SEITE 125)

Mae und ihre Familie, die Schule, das Jugendamt und Psychologen – sie alle sind da für sie und unterstützen nach Kräften. Diese selbstverständliche Warmherzigkeit trieb mir mindestens ebenso die Tränen in die Augen wie der einsame Alltag von Calypso. Allem zum Trotz ist sie sehr stark und sie ist auch eine starke Protagonistin. Offen, fantasievoll und verständnisvoll. Aber eben auch kindlich bedürftig und es schmerzt umso mehr, wenn diese selbstverständlichen Bedürfnisse nicht befriedigt werden konnten. Es gab Szenen, die zerrissen mir das Herz.

Jo Cotterill lässt Calypso eine absolut plausible Entwicklung durchmachen. Gleiches gilt für ihren Vater, der sich in seiner Trauer verliert und in Depressionen versinkt. Das macht aus „Eine Geschichte der Zitrone“ eine sehr einfühlsame Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen ist.

Fazit

„Eine Geschichte der Zitrone“ von Jo Cotterill ist für mich eines der stärksten Bücher aus dem Königskinder Verlag. Eine Coming-of-Age Geschichte, intensiv und bittersüß, zart und tragisch-schön. Eine Geschichte darüber, wie Familie funktionieren kann, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, da Tod und Krankheit alles durcheinander wirbeln und verdrehen. Die Autorin berührt dabei mit klaren und starken Worten tief die Gefühle ihrer Leser.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(83)

185 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

drachen, fantasy, anthony ryan, das erwachen des feuers, krieg

Das Erwachen des Feuers

Anthony Ryan , Birgit Maria Pfaffinger , Sara Riffel
Fester Einband: 832 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608949742
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(320)

708 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 55 Rezensionen

grischa, fantasy, magie, liebe, leigh bardugo

Grischa - Goldene Flammen

Leigh Bardugo , Henning Ahrens
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.07.2014
ISBN 9783551313263
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

108 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

kalifornien, liebe, jenn bennett, ferienjob, museum

Annähernd Alex

Jenn Bennett , Claudia Max
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2016
ISBN 9783551560353
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Über „Annähernd Alex“ von Jenn Bennett hatte ich viel Gutes gehört und gelesen. Außerdem ist das Jugendbuch im Königskinder Verlag erschienen – eigentlich ein Garant für Geschichten, die das gewisse Etwas haben, die überraschen, berühren und zum Staunen bringen. Auch hier überzeugten mich Klappentext und Aufmachung sofort, so dass ich die Geschichte von Mink und Alex unbedingt lesen wollte. Schlussendlich hat sie mich jedoch leider enttäuscht und zwar aus diversen Gründen. Welche das sind, erfahrt ihr in meiner Rezension.


Mink und Alex sind Online-Freunde, die sich wirklich gut verstehen. Vor allem, was ihre Vorliebe für alte Filme angeht. Sie veranstalten gemeinsame Filmabende und diskutieren über Gott und die Welt. Doch als Mink unerwartet in die gleiche Stadt zieht, in der Alex lebt, wagt sie es nicht, ihm davon zu erzählen. Zu groß ist ihre Sorge, ein Treffen im realen Leben würde alles zwischen ihnen zerstören. Das passt zu Minks alias Bailey’s Einstellung, allen möglichen Konflikten, Schwierigkeiten oder Herausforderungen auszuweichen. Statt Alex also Bescheid zu sagen, nimmt sie einen Job in einem Museum an und beginnt heimlich Nachforschungen über ihn anzustellen. Womit sie nicht gerechnet hat: Porter, ein junger Mann, der als Wachdienst im Museum arbeitet und sie mit seiner Art zur Weißglut treibt. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, möchte gleichzeitig aber auch Alex nicht hintergehen.

Das klingt alles nach einer herrlich munteren und klassischen Young Adult-Geschichte und ich freute mich sehr darauf. Allerdings waren einige Dinge für mich nicht stimmig. So ruht für mich die ganze Spannung auf dieser besonderen Chemie zwischen Bailey und Alex, die zur Folge hat, dass Bailey nichts mit Porter anfangen darf, da sie Alex sonst womöglich verletzt. Allerdings hält sich der Austausch zwischen ihr und Alex im Verlauf des gesamten Buches so sehr in Grenzen, dass ich nicht mal ansatzweise die Verbindung zwischen ihnen nachvollziehen konnte. Zudem nimmt Porter im Verlauf der Geschichte so viel Raum ein, dass ich letztendlich gar nicht mehr an Alex dachte.

ER BEUGT SICH LEICHT VOR UND SAGT ETWAS LEISER ZU MIR: „ICH HABE MICH ÜBRIGENS GEFRAGT, WAS DU NACH DER ARBEIT VORHAST.“
HERZ. EXPLOSION. (SEITE 243)

Was dann folgt, ist ein derart klassischer Plot, dass wirklich nichts mich überraschen konnte – zumal schon der Klappentext alles verrät. Und ich meine: alles. Bis zum Schluss dachte ich, dass da noch eine unerwartete Wendung kommen muss, dass die Autorin noch etwas in der Hinterhand hat – doch Pustekuchen. Die Geschichte endete genauso, wie man es vermutet. Keine Überraschungen, keine Aha-Momente. Noch dazu ist es anstrengend mitzuerleben, wie Bailey ahnungslos bleibt, obwohl es immer offensichtlicher wird, dass Porter Alex ist.

Die Charaktere konnten mich ebenfalls leider nicht fesseln. Bailey leidet unter einem Trauma aus ihrer Vergangenheit, möchte dies aber nicht wahrhaben. Da ist es verständlich, dass sie des Öfteren Ausweichmanöver startet und bestimmten Situationen lieber aus dem Weg geht. Allerdings machte das aus ihr einen recht oberflächlichen Charakter und es dauerte nicht lange, bis sie mich stellenweise nervte. Porter ist zwar im Großen und Ganzen sympathischer, doch ich verstehe ihn nicht oder vielmehr, ich verstehe nicht, weshalb Jenn Bennett ihn so anlegte, wie sie es tat. Anfangs verhält er sich Bailey gegenüber extrem abweisend, er macht sie sogar vor allen neuen Mitarbeitern lächerlich. Etwa zwei Tage lang behält er diese Haltung bei, dann ändert sich dies schlagartig. Von jetzt auf gleich hat er großes Interesse an Bailey, umwirbt sie und lädt sie auf Dates ein, die so feinfühlig sind, dass es schon beinahe unglaubwürdig ist. Klar ist das schön, doch warum muss er erst der „Bad Boy“ sein?

„HÖR AUF ZU LACHEN, VERDAMMT, UND HÖR MIR ZU. WENN DU ES DIR GENAU ÜBERLEGST, MUSST DU ZUGEBEN, DASS WIR UNS RICHTIG, RICHTIG GUT VERSTEHEN, WENN WIR UNS GERADE MAL NICHT STREITEN.“ (SEITE 269)

Apropos Bad Boy. Den gibt es selbstverständlich auch. Ein alter Freund von Porter sorgt für vielerlei Probleme, die Bailey und Porter zusammenschweißen. Auf besagten Freund von Porter hat bereits eine Polizistin ein Auge geworfen, die wiederum zufällig die neue Freundin von Bailey’s Vater ist. Noch so eine Sache, die ich kritisch sehe. Die Eltern von Bailey leben seit einem Jahr getrennt und beinahe unmittelbar nach ihrer Ankunft bei ihrem Vater wird Bailey nebenbei mit der Freundin ihres Vaters konfrontiert. Ohne vorheriges Gespräch, ohne Vorwarnung. Auch nach dem ersten Treffen wird nicht darüber gesprochen. Und natürlich hat Bailey überhaupt kein Problem damit, dass ihr Vater neu vergeben ist, im Gegenteil, sie freut sich für ihn. Vielleicht sehe ich das auch zu eng, doch mir kommt so ein Verhalten eher unwahrscheinlich vor.

Alles in allem ist „Annähernd Alex“ aber durchaus eine gut lesbare Geschichte. Der Schreibstil von Jenn Bennett verführt zum Weiterlesen, bringt zum Lachen und lässt auch stellenweise die Zeit vergessen. Ich bin mir sicher, dass es reine Geschmackssache ist, was die vielen positiven Stimmen zum Buch bestätigen.

Fazit

„Annähernd Alex“ von Jenn Bennett ist eine süße, herrlich unkomplizierte und locker lesbare Geschichte, die wunderbar in den Sommer passt. Surfer, Strand, Liebe und ein wenig Abenteuer. Wer diese Kombination mag, wird hiermit durchaus zufrieden sein. Ich persönlich hatte mehr erwartet und störte mich an einigen Dingen zu sehr, als dass es für mich ein Lesehighlight werden konnte, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(56)

103 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

homosexualität, becky albertalli, comingout, contemporary, englisch

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Becky Albertalli
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Balzer & Bray/Harperteen, 07.06.2016
ISBN 9780062348685
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich warne vor: Wer „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ (dt. Titel: Nur drei Worte) von Becky Albertalli liest, begibt sich in die akute Gefahr, nach dem Lesen unter Herzklopfen und glückseligem Dauergrinsen zu leiden. Wobei „leiden“ eigentlich der gänzlich falsche Ausdruck ist, denn hier leidet wenn überhaupt der Protagonist. Er leidet unter der wundervollsten, sehnsüchtigsten und kribbeligsten ersten Verliebtheit, die man sich nur vorstellen kann. Davon steckt Simon den Leser gewaltig an – ich bin verliebt in diese Geschichte. Doch „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ ist mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte. Was noch im Buch drinsteckt, erfahrt ihr in meiner Rezension.


Albertalli thematisiert sehr lebensnah und gefühlvoll, wie es ist, jung und schwul zu sein. Und sie macht es so wunderschön, dass meine Worte dieser Geschichte im Grunde gar nicht Rechnung tragen können. Simon befindet sich mitten im aufregenden und mitunter auch beängstigenden Prozess zwischen Selbstfindung und seinem Coming-out. Wie das vonstatten gehen soll, kann er sich überhaupt nicht vorstellen. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie werden es seine Freunde und seine Familie aufnehmen? Ein Lichtblick ist der anonyme Austausch mit einem anderen schwulen Mitschüler. Er nennt sich Blue und wird Simon’s engster Vertrauter. Sie erzählen aus ihrem Leben, schreiben über das Coming-out und die Familie und kommen sich mit jeder E-Mail näher.

Diese E-Mails sind es, die mich am meisten berührt haben. Die Worte darin sind ein vorsichtiges Tasten und Fühlen, Simon und Blue wagen sich einen Schritt vor, warten bang auf die Antwort, und sehnen sich nach den nächsten Worten. Es ist einfach zauberhaft, diese Kommunikation mitzuerleben, in die Köpfe der beiden eintauchen zu können. Man erlebt mit, wie sich beide langsam aber unausweichlich ineinander verlieben, wie sie rätseln, wer der andere wohl sein mag, wie sie überlegen, ob sie einander treffen sollen. Es ist eine erste Liebe, die so intensiv und aufregend und romantisch ist, wie man es sich nur vorstellen kann.

SO, I KEEP THINKING ABOUT THE IDEA OF SECRET IDENTITIES. DO YOU EVER FEEL LOCKED INTO YOURSELF? I’M NOT SURE IF I’M MAKING SENSE HERE. I GUESS WHAT I MEAN IS THAT SOMETIMES IT SEEMS LIKE EVERYONE KNOWS WHO I AM EXCEPT ME. (SEITE 59)

Doch es gibt Komplikationen, die Simon im Verlauf des Buches beschäftigen. Denn ein Mitschüler, der zufällig eben jene E-Mails gelesen hat, setzt Simon unter Druck: Verkuppelt er ihn nicht mit seiner Freundin Abby, wird er der ganzen Schule verraten, dass Simon schwul ist. Nun heißt es für Simon sich zu entscheiden, ob er das Spiel mitspielt oder sein Coming-out jemand anderem in die Hände legt.

Simon gefiel mir als Protagonist sehr gut. Seine Art zu reden! „You sort of talk the way you write“ wird an einer Stelle über Simon gesagt. Und das stimmt. Becky Albertalli schreibt die Geschichte aus seiner Perspektive und hat genau den richtigen Ton gefunden. Humorvoll und ironisch, fluchend und zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her gerissen. Vor allen aber durch und durch liebenswert. Das liegt vor allem an den kleinen Details, die einem Simon unglaublich nahe bringen. Sein Musikgeschmack zum Beispiel, die kleinen, nebensächlichen Anekdoten, die er in E-Mails erzählt, das mehrfache Gegenlesen der E-Mails ehe er sie absendet, damit sie keine Rechtschreibfehler enthalten – ich könnte immer weitermachen und letztendlich jeden Satz des Buches wiedergeben.

AS A SIDE NOTE, DON’T YOU THINK EVERYONE SHOULD HAVE TO COME OUT? EVERYONE SHOULD HAVE TO DECLARE ONE WAY OR ANOTHER, AND IT SHOULD BE THIS BIG AWFUL THING WETHER YOU’RE STRAIGHT, GAY, BI OR WHATEVER. I’M JUST SAYING. (SEITE 146)

Umrahmt wird die Geschichte um Simon und Blue von einer Gruppe enger Freunde, die ihren eigenen Packen an Problemen mit sich herumtragen. Sie sind hoffnungslos oder hoffnungsvoll verliebt, streiten und versöhnen sich – die jugendlichen Dramen eben, ohne diese abwerten zu wollen. Denn was wäre Jugend ohne diese Dramen? Ohne diese Spannung und Unsicherheit? Becky Albertalli hat quasi die Essenz des Jungseins eingefangen und gibt es ungefiltert an ihre Leser weiter. Ich fühlte mich schlagartig, als sei ich wieder sechszehn Jahre als und würde erneut diese Intensität des Lebens und Erlebens spüren. Wie schade, dass dies manchmal mit zunehmendem Alter verloren geht und wie gut, dass es Bücher gibt, die einem ein kurzes Verweilen in dieser Zeit ermöglichen.

Fazit

„Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli ist eine Geschichte, die im Herzen ankommt. In jedem Wort schwingen Humor und echte Emotionen mit, die einem Simon, Blue und alle anderen Charaktere sehr nahe bringen. Albertalli verbindet eine klassische Coming-of-Age Geschichte mit den Themen Sexuelle Orientierung, Freundschaft und Familie, Toleranz und Liebe. Und das ist ihr wirklich sehr gut gelungen. Ich habe lange kein Buch mehr in der Hand gehalten, das mich so sehr berührt hat, das mich gefangen genommen hat, das mich lachen ließ und schlichtweg bezauberte.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

jugendbuch, internat, freunde, geheimnis, gefahr

Das Leben meines besten Freundes

Judith Gridl
Fester Einband
Erschienen bei Knesebeck, 21.09.2017
ISBN 9783957280633
Genre: Jugendbuch

Rezension:

ÜBERRASCHEND SPANNENDE COMING-OF-AGE GESCHICHTE. EINE FREUNDSCHAFT, DIE SICH ÜBER ALLE GRENZEN HINWEGSETZT.

Ich muss gestehen – ich hatte weniger erwartet, als ich den Klappentext des Buches las. Auch die Altersempfehlung ab 12 ließ mich eher auf eine angenehm unterhaltende Lektüre tippen. Doch ich habe mich getäuscht. „Das Leben meines besten Freundes“ von Judith Gridl fordert seine jungen (und älteren) Leser, denn neben der Geschichte einer tiefen Freundschaft, geht es um Armut und Reichtum, Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Kriminalität, Identität und Lebensziele. All dies fließt dabei so gekonnt in die Haupthandlung mit ein, dass ich am Ende sehr beeindruckt war. In meiner Rezension erfahrt ihr mehr.

Der Plot ist für mein Empfinden sehr klassisch aufgebaut. Doch das tut der Spannung und dem Reiz der Geschichte keinen Abbruch, denn die Charaktere sind lebensnah und interessant und auch der Spannungsbogen hat es in sich. Judith Gridl belässt es nicht bei einer schlichten Coming-of-Age Geschichte. Wir landen mitten in Berlin, wo Stadtteile und somit Welten aufeinander prallen. Samir wohnt mit seiner Familie im Wedding, wo Arafat und seine Leute die Straßen im Griff haben. Sie holen Schutzgelder von Geschäften ein und sind in illegale Machenschaften verwickelt. Samir hatte davon nicht allzu viel mitbekommen, doch als sein Vater eines Tages verschwindet, beginnt er nachzuforschen.

Immer an seiner Seite steht Jacob, sein bester Freund aus dem Stadtteil Zehlendorf, dessen Vater mit Geld und Angeberei nur so um sich wirft. Die beiden sehen sich zum verwechseln ähnlich, was ihnen gut zupass kommt, als Arafat auf Samir aufmerksam wird und dieser schnell verschwinden muss. Er geht anstelle von Jacob auf ein piekfeines Internat, während Jacob bei Samir’s Familie bleibt und dort im Alltag hilft, so gut er kann.

DER WEDDING WAR SEIN KIEZ, HIER WAR ER GEBOREN UND AUFGEWACHSEN. […] ER MOCHTE DIESEN TEIL VON BERLIN VIEL MEHR ALS DAS STEIFE ZEHLENDORF, IN DEM JACOB WOHNTE. JACOBS SCHULE, EIN ALTEHRWÜRDIGES GYMNASIUM WÄRE IHM VIEL ZU STRENG. DORT GAB ES TONNEN VON HAUSAUFGABEN. (SEITE 12)

Durch diesen Rollentausch erleben Jacob und Samir einen wahren Culture Clash, an dem sie wachsen und sich selbst neu entdecken. Sie tauchen in das Leben des jeweils anderen ein, übernehmen Verantwortung, scheitern, stehen wieder auf. Diesen Aspekt hat die Autorin ganz wunderbar herausgearbeitet, keine Entwicklung wirkt gekünstelt oder zu weit hergeholt. Es war schön zu sehen, was ungeahnte Herausforderungen aus den beiden Jungen machen.

Über allem hängt die drohende Gefahr, entdeckt zu werden. Und was geschah bloß mit Samir’s Vater? Lebt er noch oder wurde er von Arafat ermordet? Hier legt „Das Leben meines besten Freundes“ richtige Jugendkrimi-Quälitäten an den Tag, denn Arafat würde auch nicht zögern, einem Jugendlichen etwas anzutun.

JAKOB STARRTE AN DIE DECKE. SO GUT, DASS ER SAMIR HATTE. AUCH WENN ER ZUR ZEIT SOLCHE MACKEN HATTE, AUF IHN WAR VERLASS. (SEITE 34)

Neben all der Spannung kommt aber auch die Beziehung zu den Eltern nicht zu kurz. Jacob und seine Eltern verbindet nicht mehr viel, vor allem sein Vater übt zu viel Leistungsdruck auf ihn aus. Es soll etwas aus ihm werden, die schulischen Leistungen müssen besser werden und das Mädchen Fine, mit dem er sich trifft, sei als Tochter eines Gastronomen doch weit unter seinem Niveau. Jacob distanziert sich immer mehr von seinem Vater, bis der Konflikt sie einander wieder annähern lässt.

Samir hingegen liebt seine Familie, seinen Vater und seine Mutter sowie seine zwei jüngeren Geschwister. Er kümmert sich hingebungsvoll um sie, vernachlässigt dabei jedoch die Schule, bis er selbst fest daran glaubt, er könne ja sowieso nicht richtig lernen und es sei hoffnungslos. Was beiden Jungen nicht wissen: sie stecken viel zu sehr in ihrer eigenen Welt fest, um wirklich erkennen zu können, was sie leisten können. Es steckt so viel Potenzial zur Entwicklung in diesen Charakteren und Judith Gridl hat das voll ausgenutzt.

Fazit

„Das Leben meines besten Freundes“ von Judith Gridl ist für junge Leser ein hervorragendes Buch über Freundschaft. Denn Samir und Jacob gehen füreinander durch dick und dünn und sie erleben spannende Abenteuer. Mich hat das Buch mit seinem Facettenreichtum sehr positiv überrascht, denn die Autorin mischt geschickt Themen wie Verantwortung, Lebensziele, Religion, Kriminalität und Lebensumstände in einen Coming-of-Age Roman. Für ältere Leser vielleicht nicht mehr geeignet, für Leser ab 12 aber eine absolute Empfehlung.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(352)

671 Bibliotheken, 26 Leser, 3 Gruppen, 160 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, jugendbuch, johngreen

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

JUGENDBUCH VOLLER SCHMERZ, ZWEIFEL, VERZWEIFLUNG, LIEBE UND FREUNDSCHAFT.

Bisher hatte sich jedes Buch von John Green einen Weg in mein Herz gebahnt. Allen voran „Eine wie Alaska“ und „Will & Will“, das in Zusammenarbeit mit David Levithan entstand. Ich mag Greens frischen und authentischen Schreibstil, voller Sensibilität, Feingefühl und Humor. „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist sein neuestes Werk und wurde von mir sehnlichst erwartet. 

Auf dem Cover ist eine Gedankenspirale zu sehen. Denn darum geht es in „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ – um die 16-jährige Aza, die ihren eigenen Gedanken nicht entfliehen kann, die unter einer Angst- und Zwangsstörung leidet und davon immer wieder übermannt wird. John Green, der ebenfalls mit einer Angststörung lebt, hat mit seinem neuen Buch ein Werk geschrieben, das für mich geradezu schmerzhaft zu lesen war.

Denn der Autor schildert präzise das Leiden von Aza und ihren Zwang, sich selbst zu verletzten. Sie muss spüren, dass sie wirklich da ist. Ich war als Leser permanent in ihrem Kopf, war mit ihr gefangen, ich konnte ihre Zweifel, ihre Ängste und ihren Ekel sehr gut nachempfinden. Das liegt maßgeblich an den präzisen Beschreibungen, die nichts umschiffen, sondern knallhart auf das Wesentliche zusteuern. Trotzdem ist „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ nicht pures Leiden, sondern gleichermaßen eine Geschichte voller Humor, über das Leben, die Freundschaft und die Liebe.

UND SO FIEL ICH IMMER TIEFER IN DIE SICH UM SICH SELBST DREHENDE GEDANKENSPIRALE, BIS ICH GANZ AUS DER CAFETERIA DER WHITE RIVER HIGH VERSCHWAND UND AN EINEM ABSTRAKTEN ORT LANDETE, DEN NUR RICHTIG VERRÜCKTE LEUTE BESUCHEN DÜRFEN. (SEITE 11)

Es ist auch eine Detektivgeschichte, denn der Vater von Aza’s Freund Davis verschwindet spurlos. Doch was laut Klappentext eine wichtige Rahmenhandlung zu sein scheint, zerfällt zu wenig mehr als einer Randnotiz. Natürlich erklärt das Verschwinden vieles im Verhalten seines Sohnes Davis. Allerdings wird mir diese Nebenhandlung nicht stringent genug verfolgt. Stellenweise wird die Suche erwähnt, doch es geschieht kaum etwas, um Davis‘ Vater tatsächlich zu finden. Warum sie also überhaupt einbauen? Gestört hat es mich jedoch nicht wirklich, denn der Fokus liegt auf Aza und ihren Schwierigkeiten.

Ihr Charakter macht es dem Leser nicht einfach sie zu mögen. Sie ist sehr auf sich fokussiert, launisch und deprimierend. Allerdings passt das zu ihrer Störung, es ist ein Ausdruck ihres Unvermögens, in gewissen Momenten rational zu denken. Sehr gelungen fand ich ihre Entwicklung, denn hier folgt John Green nicht gängigen Klischees. In vielerlei anderer Hinsicht bietet „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ wenige Überraschungen – was es aber nicht unbedingt schlechter macht. In Daisy findet der Leser den aufgekratzten und frechen Sidekick der Protagonistin, die ihr zur Seite steht. In Davis findet man den Jungen, in den sich die Protagonistin verliebt, der aber auch seine eigenen Probleme hat.

BITTE LASS MICH HIER RAUS. WER IMMER MICH ERFUNDEN HAT, LASS MICH HIER RAUS. ALLES, UM HIER RAUSZUKOMMEN.

ABER ICH KAM NICHT RAUS. (SEITE 109)

Was das neue Buch von John Green für mich nichtsdestotrotz lesenswert macht, ist das Thema. Haben wir nicht alle manchmal irrationale Ängste? Wie ist es, wenn wir diese Gedanken nicht mehr abschalten können? Es war eine Herausforderung, die ganze Zeit in Aza’s Gedankenspirale gefangen zu sein, doch ihre tief verwurzelten Ängste zu verstehen war gleichermaßen faszinierend und das hat mich emotional mitgerissen.

Fazit

„Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green ist ein tiefsinniges Jugendbuch, das sich mit dem Thema Angststörung auseinandersetzt. Es beinhaltet viele klassische Elemente, die Lesern von Jugendbüchern vertraut sind, schafft es aber auch zu überraschen. Das Schicksal von Aza ist berührend, die Themen Freundschaft und Liebe werden wunderbar lebensnah geschildert. Von mir eine Leseempfehlung für alle, die Jugendbücher gerne lesen.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

jugendbuch, fantasy, fee, gerstenberg, berührend

Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle

Timothée de Fombelle , Sabine Grebing , Tobias Scheffel
Fester Einband
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 30.01.2017
ISBN 9783836958790
Genre: Jugendbuch

Rezension:

EINE MAGISCH-FASZINIERENDE REISE. UNGEWÖHNLICH, POETISCH UND VIELSCHICHTIG.

Auf dem Weg zur Arbeit las ich die letzten Seiten, arbeitete mich bis zu den letzten Sätzen vor und befand mich, als ich aus der Bahn ausstieg, in einem Taumel der Gefühle. Ich wollte weinen, ich musste lächeln, ich träumte und dachte nach. Mit „Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle“ hat Timothée de Fombelle eine Geschichte geschrieben, die viel mehr ist, als der Klappentext vermuten lässt. Es ist Märchen, Jugendbuch, Fantasy und historischer Roman in einem. Voller Zauber und Wunder, Drama und Abenteuer. Zusätzlich spielt der Autor mit verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen sowie Perspektivwechseln. Eine Herausforderung! Weshalb dieses wunderschöne Buch meiner Meinung nach dennoch in jedes gut sortierte Bücherregal gehört, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Im Grunde ist die Geschichte von Timothée de Fombelle eine Liebesgeschichte. Über eine Liebe, die so groß und stark ist, dass sie Welten und Jahrzehnte überwindet. Die bestehen bleibt, selbst wenn die Erinnerung an den geliebten Menschen getrübt ist. Selbst wenn einer sich dem anderen nicht zeigen darf. Als Leser wandelt man zwischen der Realität und der Welt der Märchen. In dieser lernen sich ein verstoßener Prinz und eine Fee kennen und lieben, doch der eifersüchtige Bruder des Prinzen, der König, zerstört diese Liebe und verbannt beide in die Welt der Menschen.

Der Prinz lebt dort fortan unter falschem Namen bei dem Schaumzucker-Hersteller Monsieur Perle und versucht zu verstehen, was ihm widerfahren ist. In Märchenbüchern begegnet er ihm bekannten Erzählungen, sie rütteln sanft Erinnerungen wach, doch einen Zugang zu seiner Welt kann er nicht finden. Was er nicht ahnt: Die Fee wacht über ihn, beeinflusst im Kleinen den Verlauf seines Lebens, immer in der Hoffnung, er möge sie beide von ihrer Verbannung befreien.

UND DOCH SIND GEWISSE MÄCHTE STÄRKER ALS ALLE ZAUBERKRAFT. EIN ANDERER GOLDENER FADEN BLIEB IN DER MITTE SEINER BRUST HAFTEN. EIN FADEN, VON DEM ER SICH NIE MEHR WÜRDE LÖSEN KÖNNEN. (SEITE 110)

Der Zauber von „Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle“ liegt aber nicht in der Grundgeschichte allein. Er verbirgt sich in der poetischen Sprache, zwischen den vielen Erzählebenen und in dem plötzlichen Erkennen von Zusammenhängen, die einem zuvor nicht klar gewesen waren. Der Einstieg ist nicht leicht, der Leser stolpert in die Geschichte hinein, wie auch der Prinz in sein neues Leben. Auch wenn anfangs vieles nicht verständlich war, tröstete mich eine ganz spezielle Stimmung, die dem Buch innewohnt, darüber hinweg. Timothée de Fombelle verliert nicht viele Worte, doch die, die er verwendet, sind so schön und vollkommen, dass ich es nur ungern beiseite legte. Zudem war es äußerst spannend, Stück für Stück zu entlarven, wer, wann, wo und wie lebt.

DIE GESCHICHTEN MACHEN TOTE NICHT WIEDER LEBENDIG, ABER SIE LASSEN IHRE LIEBE UNSTERBLICH WERDEN. (SEITE 307)

Vollends überzeugt war ich, als neben der märchenhaften Liebesgeschichte die historische Ebene an Bedeutung gewann. Wir streifen den zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung, den Widerstand – und dies alles auf vergleichsweise wenigen Seiten, ohne an Zauber einzubüßen. Die Kombination aus historischen Fakten und Märchengeschichte ist äußerst gelungen und ziemlich einzigartig.

Fazit

„Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle“ von Timothée de Fombelle hat eine Märchengeschichte geschrieben, die mich überraschte und faszinierte. Denn die Fäden der Geschichte laufen nach und nach zusammen und so offenbart sich die gesamte Tragweite der Geschichte im Grunde erst auf den letzten Seiten. Bis dahin trägt einen die wunderschöne, poetische Sprache durch das Geschehen. In meinen Augen eines der bemerkenswertesten Bücher des Jahres und absolut empfehlenswert!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(162)

584 Bibliotheken, 25 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

nevernight, jay kristoff, fantasy, assassinen, rache

Nevernight - Die Prüfung

Jay Kristoff , Kirsten Borchardt
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 24.08.2017
ISBN 9783596297573
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Geschichte ist klassisch aufgebaut. Mia erlebt Schreckliches in ihrer Kindheit, sie verliert Mutter und Vater und findet beim Antiquitätenhändler Mercurio ein neues Zuhause. Dieser bildet sie für eine Zukunft im Assassinenorden die „Rote Kirche“ aus, damit sie sich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen kann, nämlich ihre Familie zu rächen und die Schuldigen am Tod ihres Vaters zu töten. Sie begibt sich auf die Reise, begegnet Herausforderungen und Gefahren, knüpft Freundschaften und muss am Ende eine Aufnahmeprüfung ablegen. Ich liebe Heldengeschichten dieser Art, ich fiebere mit, ich leide mit und freue mich am Ende mit den Protagonisten über errungene Siege.

Erzählt wird „Nevernight“ von einem Erzähler, der nicht nur Situationen, Gespräche und Emotionen schildert, sondern der sich selbst häufig mit seiner Meinung einschaltet. Dies geschieht in Form von Fußnoten, was ich an sich sehr spannend finde, allerdings brachte mich dies hier immer wieder extrem aus dem Lesefluss. Nach einigen Seiten überflog ich sie nur noch, nach dem ersten Drittel las ich sie gar nicht mehr. Das ist ganz sicher Geschmackssache, mich störte es. Ebenfalls Geschmackssache sind der Schreibstil und der Humor. Letzterer gefiel mir grundsätzlich gut (der Wortwitz, der Sarkasmus!), doch er stellte sich mir zu sehr in den Vordergrund. Dadurch bekam ich das Gefühl, der Erzähler wolle sich und seine Charaktere darstellen und allzu oft lag mir ein genervtes „Ich habe es verstanden, ihr seid alle unglaublich witzig“ auf der Zunge.

IT’S QUITE A THING, TO WATCH A PERSON SLIP FROM THE POTENTIAL OF LIFE INTO THE FINALITY OF DEATH. IT’S ANOTHER THING ENTIRELY TO BE THE ONE WHO  PUSHED. (SEITE 21)

Einen Kontrast zu Wortspiel und Co. bilden die Kampfszenen, die es in „Nevernight“ zur Genüge gibt. Blutig, brutal, erbarmungslos, direkt und dreckig. Ich bin nicht die härteste im Nehmen und mir wurde es zu unangenehm. Ich bin folglich nicht bad ass genug, um Kämpfe dieser Art gut oder spannend zu finden. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Ausgleich fehlte. Zwar knüpft Mia Kontakte, Freundschaften entstehen, sogar an Liebe wird flüchtig gedacht, doch diese Entwicklungen werden wenig emotional beschrieben. Ähnlich dem Mangel an Emotionen bleiben die weiteren Charaktere eher Statisten, als Menschen mit einer Vergangenheit, mit Gefühlen und Gedanken. Insgesamt ist die Welt im Assassinenorden keine Welt, in der Freundschaft und Liebe unbeeinträchtigt existieren können. Logisch. Aber nichts für mich.

IRON OR GLASS? THEY’D ASKED. MIA CLENCHED HER JAW. SHOOK HER HEAD. SHE WAS NEITHER. SHE WAS STEEL. (SEITE 207)

Positiv ist aber die Welt, die sich Jay Kristoff erdacht hat. Angelehnt an das alte Rom, erlebt der Leser eine Gesellschaft, die beachtliche politische Probleme hat. Die Entstehung der Stadt Godsgrave, die Götter, die Sonnen und magische Kräfte machten „Nevernight“ trotz aller Kritik noch zu einer angenehmen und auch spannenden Lektüre. Es war faszinierend herauszufinden, woran die Menschen glauben, was sie erlebten, was ihre Ziele sind, und ich bin mir sicher, dass in den kommenden Bänden noch ganz viel ans Licht gebracht wird. Band 2 ist auf Englisch bereits erschienen, ich werde jedoch nicht weiterlesen.

Fazit

„Nevernight“ von Jay Kristoff trifft sicherlich den Nerv vieler Leser, vor allem der Leser, die Werke von Sarah J. Maas sowie „Illuminae“ mochten. Meinen Nerv hat Kristoff leider nicht getroffen, dazu fehlten mir unter anderem die Tiefe bei den Charakteren und ein Ausgleich zu den oft sehr brutalen Kampfszenen. Zwar sind Gefühle im Spiel, diese werden jedoch nur am Rande gestrichen. Der Weltentwurf gefiel mir nichtsdestotrotz sehr gut und ich fand es aufregend, in diese Welt einzutauschen. Für ein Weiterlesen reicht dies jedoch nicht.

  (0)
Tags:  
 
167 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks