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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

lügnerin, roman, lüge, ch: niveau 2017

Lügnerin

Ayelet Gundar-Goshen , Helene Seidler
Fester Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 27.09.2017
ISBN 9783036957661
Genre: Romane

Rezension:  
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141 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

essex, london, liebe, die schlange von essex, wissenschaft

Die Schlange von Essex

Sarah Perry , Eva Bonné
Fester Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783847900306
Genre: Romane

Rezension:

ATMOSPHÄRISCHER BLICK AUF LONDON UND ESSEX IM JAHR 1893. AUF MEDIZIN UND KIRCHE, GESELLSCHAFTLICHE KONVENTIONEN UND DIE WIRRUNGEN DER LIEBE.

„Die Schlange von Essex“ von Sarah Perry ist auf die vielfältigste Weise ein faszinierendes Buch, das den britischen Buchpreis 2017 für den besten Roman vollkommen zu Recht gewonnen hat. Die Autorin spielt darin die unterschiedlichsten Themen gegeneinander aus: Medizin und Wissenschaft gegen Religion und den Glauben, Armut gegen Wohlstand, das Leben in der Stadt gegen das Leben auf dem Land, Wahn gegen Realität, Liebe gegen Vernunft. Alles zusammen ergibt ein äußerst eingehendes und nuanciertes Bild von London und Essex im Jahre 1893, mitten im sogenannten Viktorianischen Zeitalter.

Dass solch eine Vielzahl an Themen miteinander in Einklang gebracht werden kann, liegt vor allem an den Charakteren, die jeder einen oder mehrere der Standpunkte, Werte oder Weltanschauungen vertreten. Durch die ständigen Reibungspunkte der Charaktere entfaltet sich so vor dem Leser ein großes Spektrum an Informationen zur damaligen Zeit. Nichtsdestotrotz gehen die Charaktere immer wieder aufeinander zu, versuchen einander zu verstehen, einander zu helfen.

Doch worum geht es eigentlich in „Die Schlange von Essex“? Nun, hauptsächlich verfolgen wir Cora Seaborne auf ihrem Weg von einer wenig selbstbestimmten, verheirateten Londonerin hin zu einer im Denken und Handeln freien Witwe. Sie schließt Freundschaft mit dem Dorfpfarrer William Ransome und seiner Familie und fortan diskutieren sie über Wissenschaft, Darwin, Religion und die Kraft des Glaubens. Sie sind selten einer Meinung, können aber eine gegenseitige Anziehungskraft nicht leugnen. Zusätzlich versetzt die ominöse Schlange von Essex die Bewohner des Ortes in Angst und Schrecken. Unglücksfälle häufen sich, Menschen verschwinden und Tiere sterben. Während Cora an ein lebendes Fossil glaubt, das wissenschaftlich erforscht werden sollte, glaubt Will gar nicht an die Erscheinung, muss sich aber gegen den zunehmenden Aberglauben der Dorfgemeinschaft einsetzen und versuchen, seine Gemeinde wieder auf den rechten Weg zu bringen.

CORA SCHÜTTELTE DEN KOPF. „ICH HABE IMMER GESAGT, ES GÄBE KEINE MYSTERIEN, NUR UNENTDECKTES WISSEN; ABER IN LETZTER ZEIT DENKE ICH OFT, DASS NICHT EINMAL DIE WISSENSCHAFT DIE WELT ENTZAUBERN KANN.“ (SEITE 261)

Als wäre das nicht schon genug, kommt die Liebe ins Spiel. Unerwiderte Liebe, hoffnungslose Liebe, verbotene Liebe und geheime Liebe. In dieser Hinsicht steht Sarah Perry Jane Austen in kaum etwas nach, finde ich. Sie schreibt ebenso feinfühlig und dabei treffend von den Irrungen und Wirrungen des Herzens. Dabei gefiel mir besonders die sanfte Behäbigkeit, mit der die Annäherung vonstatten geht, da sich der Austausch zwischen Will und Cora beispielsweise häufig auf das Schreiben von Briefen beschränkt. Es steckt eine Ruhe in den Zeilen und in der gesamten Entwicklung der Geschichte, die einfach nur gut tut. Das bedeutet aber nicht, dass die Geschichte langatmig ist. Im Gegenteil, es gab so vieles „unterwegs“ zu entdecken, während sich die Spannung langsam und unterschwellig aufbaute – immer drückender wird es, wie vor einem Gewitter.

WILLIAM RANSOME UND CORA SEABORNE STANDEN NEBENEINANDER, JEDER ETIKETTE UND KONVENTIONEN UND SOGAR DER SPRACHE BERAUBT, UND SIE SCHOB IHRE STARKE HAND IN SEINE: KINDER DER ERDE, INS STAUNEN VERSUNKEN. (SEITE 204)

Für diese zunehmend bedrohliche Stimmung hat Sarah Perry sehr passende Bilder gefunden. Momentaufnahmen gleich stehen beispielsweise Veränderungen in Natur und Wetter für die Aufruhr der Menschen. Es wird Winter, die Kälte beißt und die Dunkelheit umfängt alles. Dadurch wird man sehr in das Grundgefühl des Buches mit hineingezogen.

Besonders gelingt der Autorin dies außerdem durch einzelne, den Kapiteln vorangestellten Einschüben, in denen sie in der Gegenwart statt in der Vergangenheit erzählt. In kurzen Sätzen beschreibt sie darin, was die Charaktere tun. Das sind jedoch meistenteils keine großen Taten, sondern eher die kleinen, unwichtigen Handlungen, die der Alltag mit sich bringt. Durch die veränderte Zeitform nimmt man als Leser jedoch viel schärfer und unmittelbarer wahr, was die Menschen beschäftigt und bewegt. Gleichzeitig wirken der Wechsel ins Präsens und der ungewohnte Schreibstils seltsam distanzierend und befremdlich – eine Mischung, die mir sehr gefiel.

Fazit

„Die Schlange von Essex“ von Sarah Perry ist ein sehr vielseitiges Buch, das einen Blick in das Viktorianische Zeitalter erlaubt und gleichzeitig Themen wie Liebe, Glaube und Wissenschaft anspricht. Wer eine reine Liebesgeschichte erwartet, sollte eventuell lieber zu einem anderen Buch greifen, denn es wird eher weniger offenkundig darüber gesprochen. „Die Schlange von Essex“ erinnert in dieser Hinsicht an Werke von Jane Austen. Doch letztendlich sollte man bei „Die Schlange von Essex“ auch nicht auf einzelne Aspekte Wert legen, man muss sie in ihrer Gesamtheit erleben und sich darauf einlassen. Eine absolute Empfehlung für Leser, die Geduld mitbringen und sich gerne durch eine faszinierende Zeit treiben lassen möchten.

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

selbstmord, trauer, depressionen, freitod

Einmal im Jahr für immer

Sarah Ricchizzi
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei epubli, 29.08.2017
ISBN 9783745015140
Genre: Romane

Rezension:

Sarah konnte mich mit ihrer Geschichte sehr überzeugen. Ihr Schreibstil allem voran. Ich stieß immer wieder auf wunderschöne Vergleiche, die unglaublich präzise den Gefühlszustand der Protagonistin beschreiben. Denn darum geht es maßgeblich in „Einmal im Jahr für immer“: Um die Gefühle von Amelie Red, die um ihren verstorbenen Mann Math trauert. Und es geht um die Frage, wie sie damit umgeht, wie und ob sie es überhaupt verkraften kann, ihn verloren zu haben.

IHR HERZ SCHLOTTERTE, ALS WOLLE ES AUS IHRER BRUST RAUS, JETZT SOFORT UND AM BESTEN FÜR IMMER. SIE HATTE DAS GEFÜHL DIE SCHWERE IHRES LEIDS NICHT LÄNGER TRAGEN ZU KÖNNEN, WOLLTE ES FORTSCHAFFEN, BEISEITELEGEN, VERGRABEN. (SEITE 27)

Sarah Ricchizzi hat damit ein Thema aufgegriffen, das sie persönlich bereits seit langem sehr nachdenklich macht. Hier gibt es dazu einen spannenden Einblick in den Entstehungsprozess des Romans. Allzu viele Details möchte ich hier jedoch nicht preisgeben, um nicht versehentlich zu spoilern. Wer aber Interesse hat, mehr zu erfahren, dem möchte ich diesen Beitrag dringend ans Herz legen.

Das Herz, ja – was passiert mit dem eigentlich, wenn ein geliebter Mensch stirbt und man selbst zurückbleibt. Was macht das mit einem? Mit dem Leben, das man führte? Kann man einfach so weitermachen? Kann man vergessen? Darf man überhaupt vergessen? Wird dieses lähmende Gefühl der Trauer jemals nachlassen? Wie kann man den Verlust akzeptieren, ohne selbst völlig daran zu zerbrechen? Sarah macht in ihrem Roman etwas, das ich in der Form noch nicht gelesen habe: Sie konzentriert sich einzig und allein darauf, wie es sich für Amelie anfühlt, ihren Math zu verlieren. Es ist eine äußerst konzentrierte Beobachtung eines Trauerprozesses.

ICH FÜHLE MICH BESSER, WENN ES MIR SCHLECHT GEHT. DAS MAG IM ERSTEN MOMENT EIGENARTIG KLINGEN, DOCH ICH KANN ES GAR NICHT ANDERS AUSDRÜCKEN. DENN, WENN ICH MICH GUT FÜHLE, JA, DAS KOMMT TATSÄCHLICH ZWISCHENDURCH VOR, DANN IST DAS SCHLECHTE GEWISSEN DERART ERDRÜCKEND, DASS ES MEINE GESAMTE GEDANKENWELT ERSCHÜTTERT. (SEITE 121)

Dabei geht sie aber auch anderen Fragen nach. Schuldgefühlen zum Beispiel. „Einmal im Jahr für immer“ widmet sich dem gesamten Gefühlschaos von Amelie Red und hat mir dabei des Öfteren die Tränen in die Augen getrieben – vor allem auf den letzten Seiten. Im Kontrast dazu steht der Clown, der sie in dieser Phase ihres Lebens herausfordert und sie zurück ins Leben drängt. Doch der Clown ist viel mehr als nur ein Mittel zum Zweck, denn auch er hat seine eigene Geschichte.

Sarah Ricchizzi hat ihre Charaktere sehr vielschichtig angelegt. Ich konnte mich in jeden von ihnen einfühlen, am meisten aber tatsächlich in den Clown. Anfangs weiß man nichts über ihn, doch Stück für Stück kommt mehr über seine eigene Vergangenheit und seine Verbindung zu Math ans Licht. Amelie war mir bisweilen etwas zu passiv. Das ist jedoch nur mein persönliches Empfinden. Sicherlich ist das auch der Tatsache zu schulden, dass Amelie nach dem Tod ihres Mannes nicht arbeiten muss. Sie hatte auch vor seinem Tod nicht mehr gearbeitet, da sie über ein ansehnliches Vermögen verfügen. Dieser Umstand war für mich sehr ungewohnt, da Amelie nicht gezwungen ist, sich mit dem Alltag auseinanderzusetzen. Sie MUSS nicht weitermachen und ihre Trauer verdrängen. Sie kann sich gehen lassen.

Bisweilen war es mir daher etwas zu viel des „sich gehen lassens“. Dies äußert sich auch darin, dass Amelie häufig sehr ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen, dass sie immer wieder in dieselbe Gedankenspirale gerät. Ich hätte Amelie manchmal am liebsten kräftig geschüttelt, um sie aus ihrer Lethargie zu reißen. Doch abgesehen davon war ich von „Einmal im Jahr für immer“ vollkommen gefesselt. Und es gab ja immerhin noch den Clown, der diesen Part des „Schüttelns“ des Öfteren übernahm. Der Aufbau der Geschichte ist perfekt, die Entwicklung der Charaktere absolut realistisch und einfühlsam beschrieben. Am meisten beeindruckt hat mich aber das Ende, mit dem sich der Roman noch einmal deutlich von anderen seiner Art abgrenzt.

Fazit

Sarah Ricchizzi hat mit „Einmal im Jahr für immer“ eine sehr emotionale und tiefgründige Geschichte über das Sterben, Verlust, Trauer und Depression geschrieben. Voller Intensität und wundersamen und bisweilen kuriosen Begegnungen, Erlebnissen und Wendungen, doch immer mit starkem Bezug zur Realität. Für mich fehlten lediglich ein wenig die alltäglichen Herausforderungen, wie Beruf und Familie, doch dies hat die Autorin mit voller Absicht so eingerichtet. Die Charaktere sind lebensnah und insbesondere der Clown ganz stark in seiner Entwicklung. Mich hat Sarah Ricchizzi sehr berührt und ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der gefühlvolle Geschichten mag. Danke, Sarah, dass ich dein Buch lesen durfte!

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44 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Die Hexenholzkrone 1 - Der letzte König von Osten Ard

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann , Wolfram Ströle
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608949537
Genre: Fantasy

Rezension:

BÜCHER VON TAD WILLIAMS SIND EIN WAHRER SCHATZ. PUNKT. ICH KÖNNTE ES HIERBEI BELASSEN…

…mache ich aber natürlich nicht. Denn das wäre dem Werk von Tad Williams natürlich nicht angemessen. Mit seiner Osten Ard-Reihe, in die er seine Leser erstmals bereits vor 30 Jahren entführte, hat Williams ein episches Meisterwerk geschaffen. Wo heute vielleicht gesagt wird, Sarah J. Maas sei die Königin der fantastischen Erzählkunst, der möge bitte „Die Hexenholzkrone 1“ lesen – oder besser noch die vollständige Reihe, angefangen mit „Der Drachenbeinthron“. Dieses Buch war für mich als Teenager als absolute Entdeckung, ohne die ich dem Genre High Fantasy jetzt sicherlich kaum Beachtung schenken würde. Also, danke, Herr Williams!

Die Geschichte vom Reich Osten Ard ist unglaublich facettenreich. Sie ist humorvoll, rau, spannend, magisch und gleichzeitig sehr realistisch – sie ist einfach ein Feuerwerk von allem. Tad Williams hat mit einer unglaublichen Hingabe an dieser Reihe gearbeitet, damals wie auch heute, er lebt seine Welt, ebenso wie seine vielen Freunde und Kollegen, die ihn in seiner Arbeit unterstützen. Es gibt eigene Sprachen für jedes Volk, Landkarten, Brauchtum und Historie sind perfekt konstruiert – einfach alles ist bis in das kleinste Details ausgearbeitet und durchdacht. Das muss man sich erst einmal vorstellen: Jedes Werk umfasst um die 700 Seiten – was für ein Wissen darin steckt! Ich bin jedesmal fasziniert, wenn ich darüber nachdenke. Daher ist es nicht verwunderlich, dass seine Leser diese Bücher mit einer, wenn überhaupt möglich, noch größeren Hingabe lesen.

Doch nun zum Buch selbst. Wer Osten Ard nicht kennt, kann in diese neue Reihe absolut problemlos einsteigen. Es gibt zwar hier und da Momente, in denen Charaktere in Erinnerungen schwelgen, diese versteht man jedoch auch ohne Hintergrundwissen. Ich selbst hatte die erste Reihe vor 20 Jahren gelesen und konnte mich auch nicht mehr an alles erinnern. Alle, die mit Osten Ard vertraut sind, erwartet ein Wiedersehen mit einigen lieb gewonnenen Charakteren. Allen voran Königin Miriamel und König Simon, die seit 30 Jahren über das Land regieren, außerdem begegnen wir Eolair, Tiamak, Isgrimnur und Binabik.

DA SASSEN SIE ALLE, DER KÖNIG UND DIE KÖNIGIN, DIE TROLLE AUS DEM FERNEN YIQANUC, TIAMAK, DER IM SUMPFIGEN WRAN GEBOREN WAR, UND DER JUNGE MORGAN, VERWIRRT UND FRUSTRIERT VON ALL DEN DINGEN, DIE ER NICHT VERSTAND. UND JETZT SIND WIR DIEJENIGEN, DIE DAS REICH SCHÜTZEN MÜSSEN, DACHTE ER [EOLAIR]. (SEITE 348)

In Osten Ard herrscht Frieden seit einem letzten, erbitterten Kampf gegen die Nornen (hierüber wird in „Das Herz der verlorenen Dinge„, einer Art Zwischenband, erzählt). Allerdings brodelt es im Untergrund, denn die Nornen, die sich in einem Berg vor den Menschen verschanzt haben, sinnen auf Rache. Viyeki und seine Tochter Nezeru sind zwei von ihnen, die, verwickelt in persönliche Schwierigkeiten, den Willen der Nornenkönigin ausführen. Im Gegensatz zur ersten Reihe, spielen die Nornen in dieser Fortsetzung eine größere Rolle, was ich persönlich sehr spannend finde, da man so auch die Gegenseite kennen- und in Teilen verstehen lernt. So bewegen sich zwei Pole aufeinander und der Konflikt spitzt sich unaufhaltsam zu. Für Spannung ist also mehr als genug gesorgt.

Frischen Wind in die Geschichte bringt Morgan, der Enkelsohn von Simon und Miriamel, dessen Vater Johan Josua bei einem Fieber verstarb. Er ist aufmüpfig und gelangweilt von den steifen Veranstaltungen, langen Reden und ganz allgemein von sämtlicher Politik. Lieber verbringt er seine Zeit mit seinen Freunden in Schenken und trinkt bis zum Umfallen. Doch in ihm steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermutet, denn der Tod seines Vaters hat ihn verletzt. In welche Richtung er sich entwickelt, bleibt abzuwarten, doch ich bin mir sicher, dass ihn einige Abenteuer erwarten.

DER WIND SCHARRTE AM ZELTTUCH, UND IN DIESEM MOMENT SCHIEN JEDER VON IHNEN DASSELBE ZU DENKEN: WAS DRAUSSEN IM DUNKELN LAUERN MOCHTE, JENSEITS DIESER HAUCHDÜNNEN WÄNDE. (SEITE 463)

Abseits der inhaltlichen Dramatik zeigt Tad Williams in „Die Hexenholzkrone 1“ wieder seine ganz große Stärke, nämlich die, plastische und sehr lebensnahe Charaktere zu erschaffen. Jeder steht für sich, trägt seine eigene Last aus vergangener Zeit mit sich, die ihn prägt, hart oder wahlweise auch empfindsam macht. Eolair, Tiamak, Morgan und alle anderen sind nicht nur einfach DA, für mich fühlt es sich beim Lesen fast so an, als würden sie mir gegenüber sitzen. Das schaffen nur wenige Autoren in diesem Ausmaß.

Fazit

Tad Williams hat mit „Die Hexenholzkrone 1“ eine fulminante, großartige, überragende High Fantasy Geschichte geschrieben, die an seine erste Osten Ard-Reihe anknüpft. Es ist aber auch für Leser ohne Vorkenntnisse geeignet. Ich bin begeistert und verliebt in diesen neuen Reihen-Auftakt, der alles hat, was richtig gute High Fantasy braucht – und mehr. Tad Williams ist und bleibt hiermit für mich ein absoluter Ausnahmeautor, der es bewerkstelligt, über mehr als 700 Seiten und mehrere Bände hinweg an seine Geschichte zu fesseln. Ich kann es nicht erwarten, „Die Hexenholzkrone 2“ zu lesen, die am 11. November 2017 erscheint.

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240 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 129 Rezensionen

fantasy, horror, palast, expedition, roman

Palast der Finsternis

Stefan Bachmann , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257300550
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf „Palast der Finsternis“ von Stefan Bachmann wurde ich schon beim Anblick der Leseprobe neugierig. Das Cover sieht so herrlich düster-unheimlich aus und sowohl Titel als auch Klappentext klangen mindestens ebenso verheißungsvoll. Ich liebe gute Gruselgeschichten – auch wenn ich sie nicht abends vor dem Einschlafen lesen kann. Doch tagsüber sorgen sie für genau die richtige Dosis Gruselfaktor. Am liebsten sind mir klassische und gradlinige Storys, mit Spukhäusern und seltsamen Erscheinungen. Barbara Erskine ist eine Autorin, deren Romane teils diese Richtung einschlagen. In „Palast der Finsternis“ schreibt Bachmann nun über einen unterirdischen Palast und Räume, in denen sich Abgründe auftun – ich fühlte mich extrem angesprochen.


Tatsächlich nimmt die Geschichte auch einen entsprechend von mir erwarteten Verlauf. Fünf Jugendliche gelangen in besagtes Schloss und erleben so einige finstere Dinge, die ich mir nicht zu sehr im Detail vorstellen mochte. Der Autor beschränkt sich jedoch nicht nur auf sonderbare Begegnungen und unerklärliche Vorkommnisse, sondern baut zusätzlich noch eine Art Abenteuer-Parcours mit ein, so dass für ausreichend Action gesorgt ist. Schlussendlich ist „Palast der Finsternis“ meinem Empfinden nach eine Mischung aus „Indiana Jones“ und „Die Fünf Freunde“ oder wahlweise „TKKG“. Einige Elemente erinnerten mich auch sehr stark an den Film „Cube“ aus dem Jahr 1997, in dem eine Gruppe Menschen in einem aus Würfeln bestehenden Gebäude erwachen und einen Weg nach draußen suchen. Dabei begegnen sie in jedem Raum neuen tödlichen Fallen und Gefahren.
WIR SIND IRGENDWIE LÄCHERLICH. WIE EINE GRUPPE ÜBEREIFRIGER SÖLDNER IN EINEM BILLIGEN SCIENCE-FICTION-FILM, DIE SICH MIT HAUSHALTSGEGENSTÄNDEN BEWAFFNEN. (SEITE 131)

Diese Assoziationen entzogen dem Roman leider ein wenig seine Wirkkraft. Nichtsdestotrotz gibt es vieles, was diese Geschichte einzigartig macht. Zum einen wären das die Rückblenden in die Vergangenheit, durch die der Leser mehr über den Ursprung des Palastes erfährt. Hier erzählt Aurélie, die Tochter des Adligen, der den Bau des Palastes beauftragt. Sie ist ein sehr sympathischer Charakter, ein liebenswerter und mutiger Sturkopf. Zudem ist diese zweite Zeitebene unerlässlich, um die gesamte Tragweite des Geschehens zu verstehen.

Aufgelöst werden die Zusammenhänge erst ganz am Ende der Geschichte. Bis dahin wird der Leser getrieben von Ahnungen, doch letztendlich war ich doch sehr überrascht. Stefan Bachmann hat sich etwas einfallen lassen! Einziger kleiner Wermutstropfen: Gegen Ende wurde mir alles doch ein wenig zu verrückt und wirr und blutig. Die Geschichte beginnt wunderbar subtil mysteriös, das verliert sich etwas im weiteren Verlauf.

„ANGENOMMEN, WIR LASSEN UNS NICHT MEHR EINSCHÜCHTERN UND UNTERNEHMEN ETWAS, ANSTATT NUR SCHREIEND DURCH DIE GEGEND ZU RENNEN?“
„ICH GLAUBE, SCHREIEND HERUMZURENNEN WAR EIN ZIEMLICH AKZEPTABLES BENEHMEN UNTER DEN GEGEBENEN UMSTÄNDEN“, ERWIDERT JULES. (SEITE 275/276)

Gut gefiel mir wiederum, dass zwischen Mystery und Horror noch Raum für Emotionen bleibt. Diese gefühlvollen Momente hat Stefan Bachmann sehr harmonisch in das große Ganze eingebunden. So hat mich beispielsweise Aurélie’s Schicksal sehr berührt und beinahe zu Tränen gerührt. Angenehm entwickelte sich auch Anouk, die mir anfangs durch die Bank weg unsympathisch war. Sie zeigt sich im Palast von einer anderen Seite, so dass ich Verständnis für sie entwickeln konnte. Am besten war aber die Dynamik der Jugendlichen untereinander, die sich in dieser Extremsituation wiederfinden und irgendwie damit zurechtkommen müssen.

Fazit

Stefan Bachmann bietet dem Leser in „Palast der Finsternis“ eine spannende Geschichte voller Mystery und Horror. Die Charaktere sind anfangs etwas sperrig, bringen letztendlich jedoch sehr viel Emotionalität mit rein. Leider waren mir einige Ideen nicht ganz neu, dennoch funktioniert der Roman gut, unterhält und bietet eine kurzweilige Zerstreuung. Eine lange nachwirkende Geschichte ist es für mich nicht – doch muss es das immer sein? 

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23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

drogen, sucht, alkohol, sex, vergewaltigung

Alle Farben der Nacht

Jonas Zauels
Flexibler Einband: 150 Seiten
Erschienen bei Ulrike Helmer Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783897413955
Genre: Romane

Rezension:

Für manche Rezensionen fühle ich mich zu klein. Ich fühle mich ihnen nicht gewachsen, vor allem, wenn mich der Roman sprachlich und inhaltlich so sehr gefangennimmt und beeindruckt, wie dieses Debüt: „Alle Farben der Nacht“ von Jonas Zauels. Der Autor, gerade einmal Mitte zwanzig, schreibt so gut. Metaphorisch, philosophisch, nüchtern, poetisch, gleichzeitig jugendlich und reif – seine Worte fühlen sich schlicht energiegeladen an. Herrje, manchmal kann man einfach nur dankbar sein, auf ein Buch aufmerksam gemacht worden zu sein.


Voller Energie sein – das passt zum Mitte zwanzig sein. Ein Alter, in dem übrigens auch die Protagonistin Emilia ist. Das ist die Zeit der intensiven Gefühle: Die ungestüme und nicht immer glückliche Liebe, Nachdenklichkeit und Schwermut, die einen ab und an befällt, die Verrücktheit und Freiheit der durchwachten Nächte, die Schmerzhaftigkeit des Erwachsenenlebens und die Grenzenlosigkeit der Möglichkeiten. In „Alle Farben der Nacht“ geht es um all das, das Erwachsenwerden, mit seinen Hürden und Schwierigkeiten – und um so vieles mehr.

Emilia ist eine verlorene junge Frau. Sie irrt ohne Familie und Freunde durch Tage und Nächte, betäubt sich mit Drogen und Alkohol. Schwierigkeiten, Sorgen und traumatische Erlebnisse lassen sich so verdrängen. Sie muss sie verdrängen, da sie sonst zerbricht. Der Leser erfährt nach und nach die ganze Bandbreite des Unglücks. In unscheinbaren Nebensätzen, unterkühlt und dabei kristallklar, spielen sich die Tragödien der Protagonistin ab. Die Tragweite wird einem dadurch nur umso bewusster.

DAS LEBEN ZIEHT SICH WIE DICKFLÜSSIGER KLEBSTOFF DURCH DIE DUNKLEN STRASSEN UND NIMMT HIER UND DA EIN STÜCK DRECK MIT, DER LANGE FÄDEN HINTER SICH HERZERRT, GLEICHZEITIG SO NAH UND SO VERSCHWOMMEN WEIT WEG, BEDROHLICH UND UNBARMHERZIG DIE VERFOLGUNG AUFNIMMT UND SICH UNLÖSBAR IN DER ERINNERUNG FESTSETZT. (SEITE 60

Ich tauchte in den Kopf von Emilia ein und kam nicht mehr raus. Das war faszinierend und schmerzhaft und jetzt, wo ich am Ende angelangt bin, möchte ich von vorne beginnen. Denn ich bin mir ganz sicher, ich kratze gerade nur an der Oberfläche all dessen, was in diesem Roman drin steckt. Ich möchte den Text markieren, Gedanken und Zusammenhänge notieren, analysieren und jede Zeile sezieren – und das macht nur ein richtig gutes Buch mit mir. Davon gibt es nicht viele, eines wäre zum Beispiel „Der Fänger im Roggen“ von J.D. Salinger.

AN DIESEM ABEND WAR ES EMILIA, ALS BREITE SICH IN IHR EINE KLIRRENDE KÄLTE AUS, DIE SIE IN TAUSENDE UND ABERTAUSENDE TEILE ZERBERSTEN LIESSE. SPLITTER FÜR SPLITTER SPRANG VON IHR AB, VERLIESS SIE, BRACHTE SICH IN SICHERHEIT, BIS NUR NOCH EIN SCHANDFLECK AUS KNOCHEN UND HAUT ÜBRIG WAR, IN EINER SALZIGEN PFÜTZE AUF DEM BODEN. (SEITE 15

Doch zurück zu „Alle Farben der Nacht“. Das obere Zitat ist nur ein Beispiel von zig Metaphern, die mich nicht mehr loslassen. Sie machen es dem Leser teilweise schwer, dem Geschehen zu folgen. Überhaupt ist es nicht immer leicht, zu unterscheiden, was nun Wirklichkeit und was Einbildung ist. Was findet nur in Emilia’s Kopf statt, was geschieht tatsächlich? Doch das entfachte bei mir nur den Wunsch, noch tiefer einzusteigen und mich noch mehr auf die Geschichte einzulassen.

Ich schwärme zu sehr? Ach, ich habe nicht mal richtig angefangen! Doch jedes weitere Wort würde zu viel vom Inhalt vorwegnehmen.  Jonas Zauels – Hut ab. Ich benutze dieses Wort nicht gerne, aber ich bin ein Fan geworden. Schreibe bitte noch ganz, ganz viele Bücher, ich möchte sie alle lesen.

Fazit

„Alle Farben der Nacht“ von Jonas Zauels ist ein absolut bemerkenswertes und anspruchsvolles Debüt, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich war sprachlos und bin es – um ehrlich zu sein – auch jetzt noch. Diese Coming-of-Age Geschichte ist hart, ungewöhnlich und geht an die Substanz. Doch sie ist gleichzeitig so reich an intensiven Gefühlen, dass man sie nicht hoffnungslos verlässt. Von mir eine ganz klare und dringende Empfehlung.

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1.353 Bibliotheken, 44 Leser, 3 Gruppen, 221 Rezensionen

fantasy, fae, das reich der sieben höfe, liebe, sarah j. maas

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.02.2017
ISBN 9783423761635
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich bin kein Fangirl geworden, obgleich sowohl die Sprache als auch die Story grundsätzlich zu überzeugen wissen. Warum also nicht? Sarah J. Maas beschreibt ihre Welt mit viel Ausdruck, sei es nun die karge Winterwelt von Feyre’s Heimatdorf, das verwunschene Reich der Fae, in dem Tamlin und Lucien leben, oder die gefährlich düsteren Gefilde von Amarantha – alles erscheint sehr plastisch und eindrucksvoll. Opulent geradezu. So braucht es nicht viel Vorstellungsvermögen, um in diese Welt einzutauchen und den Geschehnissen zu folgen.
Die Story entwickelt sich eher langsam und zögerlich. Wir verweilen lange bei Feyre und ihrer Familie, erfahren viel über die ärmlichen Verhältnisse, in denen sie lebt und die ihren Charakter geformt haben. Zäh ist Feyre, und unnahbar. Das machte sie mir nicht sehr sympathisch und im gesamten Verlauf des Buches wurde ich nicht recht mit ihr warm. Ab der Mitte gewinnt die Handlung an Fahrt und Spannung. Denn Feyre findet heraus, dass Tamlin und die Bewohner seines Reiches von einer großen Gefahr bedroht werden.
EVEN THE GARDEN, USUALLY BUZZING WITH THE ORCHESTRA OF ITS DENIZENS, HAD QUIETED TO HEAR THE DRUMS. THERE WAS A STRING – A STRING TIED TO MY GUTS THAT PULLED ME TOWARD THOSE HILLS, COMMANDING ME TO GO, TO HEAR THE FAERIE DRUMS… (SEITE 183)
Als Leser tappt man ebenso lange im Dunkeln wie Feyre und versucht sich einen Reim auf einzelne Vorkommnisse zu machen. Die Stimmung des Buches bleibt dabei konsequent unheilschwanger, was mir sehr gut gefiel. Dennoch flechten sich auch positive Entwicklungen dazwischen, eine zarte Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Dies war jedoch neben dem Charakter von Feyre ein weiterer Knackpunkt, weshalb mir „A Court of Thorns and Roses“ nicht so ohne Einschränkung zusagt. Ich sage nur: Klischee. Vorhersehbar. Und wenig nachvollziehbar. Irgendwie funktionierte es einfach nicht für mich.
Das mag auch daran liegen, dass mir Tamlin wenig an die Hand gab, um ihn wirklich einschätzen und „fühlen“ zu können. Er ist ein High Fae, der sich widerwillig um die Belange des Reiches kümmern muss und der Bedrohung kaum etwas entgegenzusetzen hat. Zwar erfährt man viele Hintergründe zu seinem Charakter, doch dies genügte mir nicht, um eine emotionale Verbindung haben zu können. Lucien hingegen bot mir mehr Anhaltspunkte und war um einiges präsenter und lebendiger als Tamlin. Ebenso Rhysand (warum in aller Welt schwärmen alle so von ihm? :)).
„ONE WRONG MOVE TOMORROW, FEYRE, AND WE’RE ALL DOOMED.“ THE THOUGHT STRUCK A CHORD OF SUCH HORROR THAT I COULD HARDLY BREATHE. (SEITE 382)
Prythian, das Reich der Fae, ist faszinierend. Schrecklich schön. Zauberhaft gefährlich. Voller Gegensätze. Es war spannend, dieses Land und die darin lebenden Wesen kennenzulernen, ihnen zu begegnen und ebenso die Luft anzuhalten vor Angst wie Feyre. Sie sind es, die diese Geschichte abwechslungsreicher machen und sie ein wenig von allzu eingefahrenen Strukturen befreien. Gerne mehr hiervon.
Fazit
„A Court of Thorns and Roses“ (Das Reich der sieben Höfe) von Sarah J. Maas ist ein Fantasyroman, der vor allem ab der Mitte mitreißt. Einige Elemente der Geschichte sind voller Klischees, andere wissen zu überzeugen. Insgesamt habe ich es sehr gerne gelesen und freue mich auf Band 2, in dem die Geschichte vermutlich eine ganz neue Ausrichtung bekommen wird.

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294 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

mona kasten, coldworth city, fantasy, mutanten, knaur

Coldworth City

Mona Kasten
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426520413
Genre: Fantasy

Rezension:

Mona Kasten ist seit Erscheinen ihres New Adult Romans „Begin Again“ im vergangenen Jahr in aller Munde. Im Mai 2017 erschien die Fortsetzung „Feel Again“, die ebenfalls die Leser begeisterte. Ich habe mich diesem „Hype“ bewusst entzogen, war aber umso neugieriger, als ich auf diesen neuen Roman von ihr aufmerksam wurde. Mit „Coldworth City“ wendet sie sich dem Genre Fantasy zu und erzählt von Mutanten sowie einer unbarmherzigen Organisation, die Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten für ihre Forschungszwecke missbraucht. Das Thema ist sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades, doch angesichts der recht großen Begeisterung für ihre Werke, erwartete ich eine Überraschung.


Die Geschichte ist sehr klassisch aufgebaut und bietet neben Action und Spannung auch hinreichend andere Motive wie Liebe und Freundschaft. In dieser Hinsicht kann ich wirklich nichts gegen den Roman sagen. Er ist grundsolide und hat alles, was eine gute Geschichte braucht. Aber wo sind die Überraschungen? Die unerwarteten Wendungen? Die facettenreichen und nicht stereotypen Charaktere? Wo ein unverwechselbarer Schreibstil? Für mich fühlte sich das Lesen von „Coldworth City“ an wie ein ständiges Déjà-vu. Stets begleitete mich die Ahnung, Ähnliches woanders schon einmal gelesen zu haben.

DAS HATTE SIE NUN DAVON, DASS SIE HIER WAR. GENAU DAS, WAS SIE STETS ERWARTET HATTE, SOBALD DIE LEUTE ÜBER IHRE WAHRE GABE IM BILDE WAREN: DASS SIE SIE WIE EINE AUSSÄTZIGE BEHANDELTEN. ODER SCHLIMMER NOCH – WIE EIN MONSTER. (SEITE 134)

Der Roman wird auf der Webseite des Verlags mit Serien wie Jessica Jones, Agents of S.H.I.E.L.D. oder X-Men verglichen – und damit trifft es auch schon den Punkt. Kennt man die Serien, kennt man die Geschichte von Raven. Jede Entwicklung der Handlung konnte ich daher meist im Voraus erahnen. Alles in allem fehlte es mir an Originalität. Es gibt Autoren, denen dies besser gelingt: Mika M. Krüger in „Totenläufer“ zum Beispiel. Inhaltlich gibt es einige Überschneidungen, doch in ihrem Roman habe ich all das gefunden, was mir in „Coldworth City“ fehlte.

Raven als Charakter ist in ihrer Persönlichkeit gut angelegt, auch ihre Entwicklung ist plausibel. Sie hat Schlimmes erlebt, verdrängt, schlägt sich durch und kümmert sich um ihren kleinen Bruder Knox. Allerdings blieb sie vollkommen unnahbar für mich. Ich konnte mich nicht in sie hineinfühlen. Wade gefiel mir da schon etwas besser, er ist verschlossen, etwas eigen, aber leidenschaftlich. Aber: Mit diesen Charakterzügen reiht er sich in eine ganze Reihe von männlichen Protagonisten ein. Mir persönlich waren beide zu schablonenhaft, mir fehlte das Neue und Unbekannte.

Gleiches gilt für den Konflikt. Hier möchte ich jedoch keine Details verraten, um Spoiler zu vermeiden. Doch warum nicht einmal etwas Neues erschaffen? Oder dies zumindest um neue Aspekte anreichern? Hach, ich wurde einfach nicht warm mit diesem Buch – leider.

Fazit

Mona Kasten hat sich in ihrem Fantasy-Roman an einen bewährten Plan gehalten und so eine gut durchdachte und im Grunde interessante Geschichte zu Papier gebracht. Allerdings fehlte mir deutlich die Abgrenzung zu ähnlichen Büchern dieses Genres, die Autorin spult lediglich ein Standard-Repertoire an Szenen ab. So sorgten stereotype Charaktere und eine wenig überraschende Geschichte dafür, dass ich mich leider nur mäßig unterhalten fühlte. Mona Kasten hat nichts falsch gemacht in ihrer Geschichte und ich bin mir sicher, dass es viele begeisterte Leser geben wird – für meinen Geschmack war sie aber nicht mutig genug, über den Tellerrand des Standards zu schauen.

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15 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

kampf, fantasy, könig, abenteuerreich, kinder

Sturm auf Amber - Die alte Welt zerbricht

Thea Perleth
Flexibler Einband: 410 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 02.11.2016
ISBN 9781539692492
Genre: Sonstiges

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93 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

musik, gitarre, blues, rock, gitarren

Vintage

Grégoire Hervier , Alexandra Baisch , Stefanie Jacobs
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257070026
Genre: Romane

Rezension:

Ich höre weder Blues, noch spiele ich Gitarre. Auch für Musikgeschichte interessiere ich mich nicht sonderlich. Doch es gibt Bücher, die das Interesse für Themen wecken, die einen im Alltag nicht berühren. Bücher, die nicht nur das Interesse wecken, sondern eine wahre Leidenschaft während des Lesens entfachen! Bisher ist mir das passiert bei „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult(Elefantenliebe), „Nordnordwest“ von Sylvain Coher (Segelleidenschaft und Meerliebe) und bei „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ von Hannah Rothschild (Kunstleidenschaft). Alles großartige Bücher, die man gelesen haben sollte, finde ich. In diese Riege reiht sich nun „Vintage“ von Grégoire Hervier ein. Ein Roman, der mich die Liebe zum Blues lehrte und die Leidenschaft für Gitarren weckte.


Die Geschichte nimmt ihren Lauf mit Thomas, der im Auftrag eines reichen Lords eine Gitarre ausfindig machen soll, über deren Existenz keine Beweise existieren. Da ihm eine großzügige Belohnung winkt, stürzt er sich in Recherchen zu dieser legendären Gibson Moderne, die vielleicht gebaut wurde – vielleicht aber auch nicht. Er taucht tief in die Musikgeschichte ein und lässt den Leser daran teilhaben. Und das ist alles andere als trocken und langweilig! Das geballte Wissen ist faszinierend, der Blues facettenreich und nicht nur in musikalischer Hinsicht von Bedeutung. Die Musik ist ein Sinnbild für die damalige Zeit in den USA. Es geht um Sklaverei und Unterdrückung, Freiheit und den Ausdruck von Emotionen. Und mit allem steht die Gibson Moderne in Verbindung.

Thomas geht auf Reisen, immer auf den Spuren dieser Gitarre, begegnet Menschen, Sammlern, Musikern und Gleichgesinnten. „Vintage“ ist ein Roadtrip der Extraklasse. Dabei ist Hervier’s Werk vor allem im letzten Drittel etwas roher und brachialer als erwartet. Es ist tatsächlich in vielerlei Hinsicht ein musikalischer Krimi, in dem es durchaus blutig wird. Also nicht unbedingt etwas für zarte Gemüter.

ICH GRÜBELTE ÜBER DIE GANZE GESCHICHTE NACH UND FÜHLTE MICH IMMER SCHLECHTER. ABER DANN KAM IM RADIO EIN WUNDERBARER BLUES,  IT HURTS ME TOO VON ELMORE JAMES, UND MEINER BEGANN SICH ZU VERFLÜCHTIGEN. (SEITE 158)

Doch es steckt noch viel mehr darin. Humor, spannende Nebencharaktere und ein liebenswerter Protagonist, der sich in einer recht klassischen Phase der Selbstfindung befindet. Seine kurzfristigen Ziele, das Finden der Gitarre, formen sich nachvollziehbar zu langfristigen Zielen und Wünschen. Die Entwicklung von Thomas ist dabei sehr angenehm und plausibel in das Grundgerüst der Geschichte eingebunden.

Hinsichtlich der Story habe ich lediglich einen kleinen Kritikpunkt. Besonders ab der Hälfte häufen sich die Zufälle. Praktischerweise reist er zum Beispiel genau dorthin, wo sich die nächste Spur befindet. Oder er begegnet zufällig dem einen Menschen, der noch etwas zu der Gitarre sagen kann. Dies wurde mit der Zeit etwas überstrapaziert, so dass ich die Spurensuche nicht mehr zu hundert Prozent ernst nehmen konnte. Auf das große Ganzen wirkte sich das aber nicht allzu negativ aus.

MIR WURDE IN VOLLEM AUSMASS KLAR, DASS MAN SEINE KREATIVITÄT NACH MÖGLICHKEIT, VOR ALLEM ABER KÜNSTLERISCHEN BEREICH, AUSLEBEN MUSS, STATT ERWARTUNGEN ZU ERFÜLLEN. (SEITE 269

Ich könnte noch auf so viele Aspekte des Romans eingehen, doch das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Ich möchte aber noch erzählen, was das Buch mit mir gemacht hat. Nämlich das: Noch während des Lesens klebte ich Post-its auf jede Seite mit musikalischem Bezug. Und „Vintage“ ist vollgepackt damit! Lieder werden erwähnt, Musiker, die mit Gitarre A oder Gitarre B zur Legende wurden, Song A erinnert an Song B, die Produktion von Lied C war wegweisend für Bands X und Y – musikalische Referenzen ohne Ende. Nach Beenden des Buches wünschte ich mir nichts sehnlicher, als mich für Tage in ein Tonstudio zu verkrümeln und Musik zu hören. Eine Seite des Buches nach der anderen unter die Lupe nehmend.

Fazit

„Vintage“ von Grégoire Hervier ist so vielseitig, dass ich die Essenz nur schwer in Worte fassen kann. Dieser Roman hat mich begeistert für Musikgeschichte, den Blues, die USA in den 50er Jahren, Musiker dieser Generation, Musikproduktion, Gitarren und Gitarrenbau. „Vintage“ ist ein Roadtrip und ein Krimi in einem, noch dazu mit starken Charakteren, Spannung und Humor. Was will man mehr? Ich sage nur: Lesen!

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307 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

fantasy, sarah j. maas, liebe, magie, feen

A Court of Thorns and Roses

Sarah J. Maas
Flexibler Einband: 419 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury UK, 05.05.2015
ISBN 9781408857861
Genre: Jugendbuch

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172 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

fantasy, magie, zauberer, rainbow rowell, jugendbuch

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow

Rainbow Rowell , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423640329
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Im Grunde genommen ist „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ von Rainbow Rowell nichts weiter als Fanfiction. Doch von „nichts weiter als“ kann hier eigentlich nicht die Rede sein. Zumal Fanfiction an sich auch eine sehr legitime Daseinsberechtigung hat. Rainbow Rowell hat in „Fangirl“ den Grundstein für dieses Buch gelegt, denn darin schreibt Cath Fanfiction zu „Simon Snow“. Die Geschichte existiert also bereits in einem gewissen Rahmen, allerdings nur in Bruchstücken und Andeutungen. Mit diesem Buch hat die Autorin dieses Universum aber zum Leben erweckt – zum Glück! Denn ich bin in dieses Buch mindestens ebenso verliebt wie in „Fangirl“.


Von einem Vergleich mit Harry Potter möchte ich in meiner Rezension bewusst Abstand nehmen. Zwar haben beide Geschichten vieles gemeinsam – und beide begeistern mich sehr – doch die Art, in der Rowell von Simon Snow erzählt, unterscheidet sich immens von Joanne K. Rowling’s Werken. Was ich bei „Auftieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ in erster Linie mag, ist das Konzept. Es ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Während des Lesen war ich also nicht nur bei Simon und Baz, sondern auch irgendwie wieder bei Cath aus „Fangirl“ in ihrem Collegezimmer. Alle Ebenen verschmolzen so einzigartig miteinander, dass ich noch immer ziemlich hingerissen bin. Meiner Meinung nach könnten das ruhig mehr Autoren so handhaben: Eine Buchwelt entsteht aus einer Buchwelt – das ist klasse.

Weiterhin hätten wir da Simon und Baz sowie Penelope. Was für Charaktere! Ich liebe Simon und Baz, diese beiden Streithähne. Ihr Umgang miteinander ist schlicht umwerfend komisch. Nimmt man dann noch Penelope hinzu, ergibt das ein köstliches humoristisches Dreiergespann. Dabei greift Rainbow Rowell aber zu keiner Zeit zu platten Witzen, sondern setzt auf feinsinnigen Wortwitz sowie Sarkasmus. Sie kabbeln sich und streiten miteinander, als gäbe es kein Morgen.

„ICH DACHTE, DEINE ELTERN HASSEN DIE PITCHES“, SAGE ICH.
SIE SEHEN MICH AN, ALS HÄTTE ICH EBEN MIT DER HAND IN DIE SUPPENSCHÜSSEL GEFASST.
„DAS IST POLITIK“, SAGT PENELOPE. „WIR REDEN ÜBER MAGIE.“
„OFFENSICHTLICH“, SAGE ICH. „WAS DACHTE ICH NUR?“
„OFFENSICHTLICH“, SAGT BAZ. „NICHTS, WIE IMMER.“ (SEITE 247)

Doch auch der Ernst kommt nicht zu kurz. Denn in der Welt der Zauberei passieren mysteriöse Dinge, es droht ein Krieg und nur Simon Snow soll die Lösung dafür sein beziehungsweise diese kennen. Die Welt, die Rainbow Rowell auf die Seiten bringt, ist komplex und voller spannender Details. Der Leser erfährt vor allem über zahlreiche Rückblicke mehr über die Zauberwelt, so dass sich die Fakten harmonisch in die Erzählung einfügen und sie bereichern. Zu Beginn und in der gesamten ersten Hälfte des Buches hält sich die Autorin mit dem Tempo zurück, stattdessen widmet sie sich sehr bewusst der Darstellung der Charaktere – und die ist ihr wirklich gelungen.

Allen voran Simon und Baz, sie sind einfach traumhaft. Simon auf seine leicht tollpatschige und dickköpfige Weise, der Freunde niemals im Stich lässt und trotz aller Vorurteile und Ängste immer offen ist für Neues. Baz, der auf seine grummelige Art äußerst liebenswert ist. Die kluge Penelope, die sagt was sie denkt, und sehr patent versucht, für alle Probleme eine Lösung zu finden. Ich mochte sie alle sehr gerne und empfand sie als sehr eigenständig. Dazu trägt maßgeblich bei, dass sie alle als Erzähler zu Wort kommen. So erhält man als Leser Einblick in ihre jeweilige Gedanken- und Gefühlswelt.

ICH BLEIBE AM EINGANGSBOGEN ZUM FOYER STEHEN, STECKE MEINEN ZAUBERSTAB IN DEN ÄRMEL UND DIE HÄNDE IN DIE TASCHEN. „SNOW.“
SEIN KOPF FÄHRT HOCH. „BAZ.“
„ICH VERSUCHE MIR VORZUSTELLEN, WAS DU HIER WILLST. BIST DU EINEN STEILEN HÜGEL RUNTERGEROLLT UND HIER GELANDET?“ (SEITE 291)

Apropos Gefühlswelt. (Achtung, Spoiler!) Wer „Fangirl“ gelesen hat, weiß auch, dass Simon und Baz sich in der Fanfiction-Geschichte von Cath ineinander verlieben. Diese Liebesgeschichte hat die Autorin wunderbar sensibel und authentisch in Worte gefasst. Es wirkt weder zu steif, noch zu gewollt, sondern einfach nur liebevoll und echt und unglaublich süß. (Spoiler Ende)

Ob sich Simon Snow als eigenständige Geschichte lesen lässt? Unbedingt! Da ich „Fangirl“ jedoch schon zuvor gelesen hatte, würde ich diese Reihenfolge auch empfehlen.

Fazit

„Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ ist sowohl als eigenständiges Werk als auch in Kombination mit „Fangirl“ eine süße und spannende Geschichte. Es fehlte mir an nichts, im Gegenteil. Ich sprudelte beim Lesen förmlich über vor Lachen und Freude und Glücksgefühlen. Hinzu kommt eine faszinierende Welt der Zauberei. Eine absolute Empfehlung für jüngere, aber auch ältere Leser, die sich gerne verzaubern lassen möchten.

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190 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

jane austen, liebe, football, familie, emma mills

Jane & Miss Tennyson

Emma Mills , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 18.03.2016
ISBN 9783551560254
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Jane & Miss Tennyson“ von Emma Mills ist einfach schön. Und mit „einfach“ meine ich nicht simpel und einfallslos, sondern diese ganz besondere Weise einfach, die auf vollkommene Weise glücklich macht. Dieses Buch ist ein Seelentröster und eine warme Schokolade in einem, es fühlt sich an, wie den Lieblingsfilm zum 1.000 Mal anschauen. Auch ein wenig wie nach Hause kommen. Das Lesen dieser Geschichte schenkte mir das Gefühl, allen Druck und Ballast des Alltags abstreifen zu können und mich in der schlichten Schönheit zu verlieren. Als ich den letzten Satz gelesen hatte, trug ich das breiteste Lächeln im Gesicht, das man sich nur vorstellen kann. Wie frisch verliebt. Wenn ihr erfahren möchtet, wie das passieren konnte, dann findet ihr in meiner Rezension die Antwort.


Ich liebe Jane Austen – mindestens so sehr wie Devon in dieser Geschichte. Austens Art, große Gefühle auszudrücken und gleichzeitig ein genaues Bild der Gesellschaft zu zeichnen, ist beeindruckend. „Jane & Miss Tennyson“ greift verschiedenste kleine Motive aus den Büchern der berühmten Autorin auf – so ist Ezra ein moderner Mr. Darcy und Devon weist Ähnlichkeit mit Elinor aus „Sinn und Sinnlichkeit“. Auch sie ist verliebt, kann ihre Liebe aber nicht öffentlich zeigen, da sie nun einmal in ihren besten Freund verliebt ist. Ist sie doch, oder? Nur weshalb denkt sie dann immer häufiger an Ezra?

Emma Mills bringt in ihrem Jugendbuch klassische Highschool-Themen zur Sprache. Football, der Schulball, Partys in den Elternhäusern, Familie und die Liebe. Die Geschichte könnte nun leicht ein einziges triefendes Klischee sein, doch das ist sie nicht. Den Leser erwarten weder Kitsch noch zu viel Drama, sondern eine einfühlsam und mit Bedacht erzählte Geschichte über das Erwachsen werden und die erste Liebe. Das gelingt ihr unglaublich rührend.

WAS ICH BESONDERS AN JANES BÜCHERN MOCHTE, WAREN DIE  GEFÜHLE – SIE VERSTAND DIESE GANZE SACHE MIT DER UNERWIDERTEN LIEBE – WIE ES WAR, SICH ZU VERZEHREN, WIE ES WAR, ZU HOFFEN. (SEITE 80)

Doch nicht nur das, auch die Familie spielt eine große Rolle, denn Devon muss sich mit ihrem seltsamen Cousin Foster arrangieren, der bei ihnen leben soll, da seine Mutter sich nicht um ihn kümmern kann. Foster schweigt sich darüber aus, doch man ahnt, dass mehr in ihm steckt. So ist es auch insbesondere diese Beziehung, die „Jane & Miss Tennyson“ von der Masse abhebt. Man spürt, dass in die Entwicklung beider Charaktere sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit investiert wurde. So schafft Mills es, dem Leser die tiefsten Gefühle beider ohne viele Worte nahezubringen.

„WENN MAN ETWAS LIEBT, KANN MAN SCHLIESSLICH NICHT ANDAUERND GLÜCKLICH SEIN, ODER? DESHALB LIEBT MAN ES DOCH GERADE. WEIL MAN ALLE MÖGLICHEN GEFÜHLE DABEI HAT, NICHT NUR GLÜCKSGEFÜHLE. ES KANN WEHTUN, ES KANN DICH SAUMÄSSIG WÜTEND MACHEN, ABER … ES BRINGT DICH DAZU, ÜBERHAUPT ETWAS ZU FÜHLEN.“ (SEITE 25

Ezra gefiel mir auch ausgesprochen gut. Erst ist er zurückhaltend, wirkt arrogant und zeigt vielmehr durch Gesten, dass ihm etwas an seinen Mitmenschen liegt. Stück für Stück öffnet er sich jedoch und zeigt überraschende Seiten von sich. Im Grunde ist wahrhaftig keiner der Charaktere am Ende noch der, der er zu Beginn war. Alle verändern sich, teils sehr subtil, teils offenkundiger, nicht nur Devon, Foster und Ezra. Auch Cas,  Lindsay und Jordan sind hervorragend angelegt.

Was neben den ganzen Emotionen und der Entwicklung der Charaktere ebenfalls nicht zu kurz kommt, ist der Humor. Emma Mills schwelgt nicht in gefühlsduseligen Sätzen, sondern verleiht ihrer Geschichte mit einer ordentlichen Portion Witz einen spritzigen, frischen Charme. Es ist eine reine Freude, Seite für Seite zu lesen.

Fazit

„Jane & Miss Tennyson“ ist ein sensibles und einfühlsames Jugendbuch. Ohne in Klischees zu denken, sondern authentisch und unaufdringlich wird darin erzählt, wie eine Gruppe Jugendlicher Erwachsen wird. Wie sich Freundschaften verändern, wie neue Freundschaften entstehen. Was der Unterschied ist zwischen Verliebtheit und Liebe. Familiäre Probleme. Das mehr oder weniger ganz normale Highschool-Leben also, herzzerreißend schön in Worte gefasst. Lies es, und dir wird ganz warm ums Herz – versprochen.

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187 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

fantasy, kathrin lange, paris, schreiben, arena verlag

Die Fabelmacht-Chroniken - Flammende Zeichen

Kathrin Lange
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Arena, 19.06.2017
ISBN 9783401603391
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kathrin Lange wusste mich mit ihrer Herz-Trilogie zu begeistern. Ich liebe die darin eingefangene düstere Atmosphäre, das niemals nachlassende unterschwellige Empfinden von Gefahr und den Einschlag ins Übersinnliche. Ein ähnlich intensives Leseerlebnis erhoffte ich mir von ihrer neuen Reihe, „Die Fabelmacht Chroniken“. Eine Erzählung über ein Mädchen, das mit ihren Geschichten die Wirklichkeit schreibt und diese mit ihren Worten verändern kann. Die über einen Jungen schrieb, der ihr in Paris wahrhaftig begegnet: Ist er ihren Geschichten entsprungen? Und warum schreibt er auch über sie? Ich war begeistert von der Grundidee, allerdings konnte Kathrin Lange dieses Mal nicht ganz meine Erwartungen erfüllen.

Einerseits liegt es sicherlich daran, dass sich „Flammende Zeichen“ hauptsächlich an ein jüngeres Publikum richtet. Es ist alles da, was eine gute Geschichte braucht, doch mir war es zu wenig. Ich möchte interessante Charaktere kennenlernen und die Welt, in der sie Leben, erfahren können. In dieser Hinsicht hat die Autorin für meinen Geschmack nicht tief genug gegraben.

Mila lernen wir im Zug nach Paris kennen, wo sie nach einem Streit mit ihrer Mutter eine Freundin besuchen möchte. Sie gibt wenig von sich preis und so bleibt ihre Vergangenheit, ihr Alltag und das, was sie letztendlich ausmacht, etwas im Schatten. Stattdessen wird die Handlung vorangetrieben und Mila stolpert von einer seltsamen Situation in die nächste.

Sie trifft auf Nicholas, den sie als den Jungen aus ihren Geschichten wiedererkennt. In ihn hat sie sich schon tausendfach verliebt – allerdings nur Schwarz auf Weiß auf einem Blatt Papier. Nicholas bleibt ähnlich blass als Charakter, obwohl sich schon früh andeutet, dass er etwas getan hat, wodurch sein ganzes Umfeld in Aufruhr geriet und seine Familie leiden muss. Im Laufe des Buches erfährt man immer mehr darüber, allerdings nicht genug, finde ich, um wirkliche Nähe entstehen lassen zu können.

Überhaupt werden entscheidende Details nicht verraten. Eine Tatsache, die mich über weite Strecken der Handlung ziemlich gereizt hat. Mila stellt Fragen, doch die Antworten sind entweder ausweichend oder bleiben ganz aus. Setzt doch jemand an, einen Umstand zu erklären, kommt es zu einer Unterbrechung. Ab einem gewissen Punkt wirkte das auf mich zu künstlich. Der Spannungsbogen kann nicht allein dadurch aufrecht gehalten werden, dass ein Detail nicht verraten wird, obwohl es gefühlte 1.000 Gelegenheiten dazu gab.

IN DEN LETZTEN STUNDEN WAR MEHR PASSIERT, ALS GEWÖHNLICH IN EIN GANZES LEBEN PASSTE. UND OFFENBAR AUCH SEHR VIEL MEHR, ALS IHRER BISHERIGEN MEINUNG NACH ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE GEPASST HÄTTE . (SEITE 141)

Mila gibt sich viel zu leicht mit unvollständigen Informationen zufrieden, obwohl sie in ein Abenteuer stürzt, das sie sich nicht auch nur ansatzweise erklären kann. Ich würde Antworten einfordern! Insgesamt macht das Mila zu einem sehr passiven Charakter, zu einem Spielball dieser geheimnisvollen Fabelmacht, zu jemandem, der niemals nachhakt und kaum die Initiative ergreift.

Ein weitaus interessanterer Charakter als Nicholas und Mila ist Eric, ein Dieb, auf den sie am Bahnhof trifft. Er fühlt sich von ihr angezogen und hilft ihr in einer Notlage. Fortan weicht er ihr nicht mehr von der Seite und setzt sogar sein Leben für sie aufs Spiel. Das fand ich zwar absolut nicht plausibel, schließlich kennt er Mila kaum länger als einen Tag, dennoch mochte ich ihn. Er hält sich zwar ebenfalls bedeckt, was seine Vergangenheit betrifft, doch er wirkt insgesamt als Charakter runder, vollständiger. Auf seine Entwicklung im zweiten Band bin ich unendlich gespannt. Wer hier eine Dreiecksgeschichte vermutet, den kann ich übrigens beruhigen. Mila ist sich von Anfang an im Klaren über ihre Gefühle.

„JEDES BUCH, DAS JEMAND SCHREIBT, ERSCHAFFT NACH IHRER VORSTELLUNG EIN NEUES UNIVERSUM. […] UND JEDER LESER, DER DAS BUCH LIEST, ERSCHAFFT MIT SEINER VORSTELLUNG EIN WEITERES.“ (SEITE 272)

Die Idee der Fabelmacht hat Kathrin Lange allerdings hervorragend umgesetzt. Sowohl an Ideenreichtum, Komplexität und Spannung ist in Band 1 alles drin, was man von einem Fantasy-Jugendbuch erwarten kann. Und auch die Entwicklung des Plots am Ende hat mich sehr überzeugt, denn „Die Fabelmacht Chroniken“ entwickelt sich ganz anders als erwartet. Das lässt mich über die genannten Schwächen hinwegblicken und Band 2 ist ein Muss.

Fazit

„Die Fabelmacht Chroniken. Flammende Zeichen“ ist ein Reihenauftakt, der mich nicht vollständig überzeugen konnte. Die Charaktere waren mir bis auf wenige Ausnahmen zu blass und unnahbar, die Spannung wurde bisweilen zu künstlich aufrechterhalten. DOCH im letzten Drittel gewinnt der erste Band an Fahrt und eine unerwartete Entwicklung lässt auf einen weit, weit besseren zweiten Band hoffen.

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295 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 107 Rezensionen

fangirl, jugendbuch, fanfiction, college, rainbow rowell

Fangirl

Rainbow Rowell , Brigitte Jakobeit
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446257009
Genre: Jugendbuch

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29 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

fantasy, wikinger, wundervoll, high fantasy, historischer roman

Sturm auf Amber - Väter und Söhne

Thea Perleth
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 03.07.2016
ISBN 9781534783911
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zu „Sturm auf Amber“ hatte ich sehr gemischte Stimmen gehört. Manche bemängelten, dass die Charaktere zu blass seien, der Schreibstil zu ausschweifend und es sei schwer, den Überblick zu behalten. Viel häufiger gab es jedoch überschwängliche und positive Stimmen, denen ich mich absolut anschließen muss. Für mich ist „Sturm auf Amber – Väter und Söhne“ ein sehr gelungener Auftakt einer High Fantasy Reihe.

Die Charaktere sind alles andere als blass, im Gegenteil. Ich habe jeden Charakter als enorm gut ausgestaltet wahrgenommen. Angefangen bei Ilari, dem Nordländer, der nach Amber geschickt wird, um sich dort einen Überblick über die Gepflogenheiten zu verschaffen. Vom ersten Moment an konnte ich mich in ihn einfühlen und sah ihn regelrecht vor mir. Ebenso erging es mir mit allen anderen, sogar mit den „Bösewichten“ der Geschichte. Sie sind nicht nur schlicht die Antagonisten, sondern sie bringen ihre ganz eigene Gedankenwelt mit, in die Thea Perleth dem Leser Einblick gewährt.

Das Neue ist ungewohnt, aber nicht immer falsch. So wie das Alte auf Dauer nur Rechthaberei und Ablehnung zulässt. Und manchmal steckt in einer fremden Hülle ein bekannter Geist. Begreift es, ihr seid die neue Welt und ihr habt es in den Händen, die Veränderungen sinnvoll zu gestalten. (Seite 371)

Der Schreibstil ist ausschweifend, ja, da kann ich den kritischen Stimmen nur beipflichten. Doch wir bewegen uns im Genre High Fantasy und da gehört dieser Schreibstil ebenso dazu wie Landkarten und Personenregister, finde ich. Wäre die Sprache weniger ausschweifend gewesen, ich wäre enttäuscht gewesen. Doch so werden die Konflikte weit ausholend erläutert, sowohl die der Völker untereinander, als auch die inneren Konflikte, die die Charaktere mit sich austragen. Vor allem aber gibt es nicht nur die eine Seite der Medaille. Während im ersten Teil noch die Sicht Ilaris, der sich auf die Seite Ambers geschlagen hat, die Geschichte beherrscht und die Nordmänner als kaltblütige Barbaren geschildert werden, nimmt der zweite Teil einen anderen Blickwinkel ein. Ilaris Onkel, der Raubzügen in Amber nicht abgeneigt ist, erzählt – und seine Sicht der Welt hat auch, zumindest subjektiv gesehen, seine Berechtigung.

So ist es nicht nur Schwarz und Weiß, was in Amber geschieht, sondern geprägt durch viele Grauzonen. Alle Charaktere und Völker haben ihre eigene Motivation, die manchmal ehrbar und richtig ist und manchmal nicht, und diese werden im ersten Band ausgiebig beleuchtet. Diese Ausführlichkeit macht die Konflikte der Länder sehr nachvollziehbar und vor allem spannend. Insbesondere im letzten Drittel spitzen sich die Ereignisse enorm zu, magische Elemente kommen hinzu, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Was mir besonders gut gefiel, waren die zwar sehr nüchtern geschilderten, dafür aber bis ins kleinste Detail durchdachten Emotionen, Gedankengänge und Handlungsmotive. Dadurch wurden die Charaktere sehr plastisch und lebendig. Auch wirkt die Geschichte nie langatmig, teils geschieht sogar sehr viel innerhalb weniger Zeilen. Man sollte also nicht über die Zeilen zu fliegen, da einem sonst grundlegende Entwicklungen entgehen.

Fazit

„Sturm auf Amber – Väter und Söhne“ ist ein Auftakt einer High Fantasy Romanreihe, die alles bietet, was ich mir von dem Genre erhoffe. Fremde Länder und Völker, Konflikte und Intrigen, Bösewichte und Helden, ein Hauch Magie und eine Ahnung von Liebe. Ich kann das Werk von Thea Perleth nur jedem ans Herz legen, der dieses Genre mag.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

kinderbuch, glück, bilderbuch, krabbe, perlen

Linas Reise ins Land Glück

Martin Widmark , Maike Dörries , Emilia Dziubak
Fester Einband: 40 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 16.06.2017
ISBN 9783845822051
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Linas Reise ins Land Glück“ ist eine überraschend emotionale Geschichte und anfangs auch traurig, da Linas Bruder verschwindet. Sie versteht nicht, wie das geschehen konnte und vermisst ihn sehr. Autor Martin Widmark spricht also Verlust und Trauer an, aber auch Mut, Hoffnung und Glück. Das hatte ich in einem Bilderbuch für fünfjährige nicht unbedingt erwartet und es hat mich positiv überrascht.

Die Erzählung wirkt stets etwas entrückt von der Realität, es wirkt alles sehr verträumt und verwunschen, ganz ähnlich des Klassikers „Alice im Wunderland“. So gelangt auch Lina in ein geheimnisvolles Land, in dem sie winzig klein ist und sie sprechenden Insekten begegnet. Ein Käfer nimmt sich ihrer an, allerdings nur, um sie einer gierigen Krabbe auszuliefern.

Nun erhält „Linas Reise ins Land Glück“ eine recht bedrohliche Note, denn die Krabbe hält Kinder gefangen, damit sie für ihn Perlen aus einem Wasserbecken tauchen. Doch was wäre es für eine Kindergeschichte, wenn die Kinder nicht zusammenhalten würden! Gemeinsam sind sie stark – stark genug, um alle, die ihnen Unrecht tun wollen, zu überlisten. Hier spürt man ein wenig die Tradition von Astrid Lindgren und anderen tollen Kinderbuchautoren/innen: Kinder sind klug und ganz schön furchtlos.

Mir persönlich war lediglich die Auflösung etwas zu einfach. Ich hätte mir mehr Einfallsreichtum erhofft, vor allem angesichts der starken Entwicklung bis dahin. Allerdings ist das für mich absolut zu verschmerzen, da der Rest des Kinderbuches mich sehr anspricht. (Beim Tochterherz sorgte der Moment der Auflösung übrigens für einen erleichterten und erheiterten Lacher – ihr gefiel es also.)

„Das ist eines dieser Projekte, für die ich brenne. Ich liebe es, wenn Texte und Illustrationen unterschiedlicher Kulturen und Traditionen sich zu einer Geschichte vereinen.“ Martin Widmark, schwedischer Bestsellerautor

Die Bilder sind meiner Meinung nach die besondere Stärke dieses Buches. Illustrationen dieser Qualität sind selten in Kinderbüchern zu finden. Sie entführen nicht nur die Kinder in eine andere Welt, auch ich war hingerissen und nehme „Linas Reise ins Land Glück“ immer wieder gerne zur Hand, einfach um mir die Bilder anzuschauen. Sie reichen meist über die gesamte Seite und bieten dem Auge viele Details, um daran hängen zu bleiben und sich wahrhaftig in der Geschichte zu verlieren. Dabei greifen die Bilder die Stimmungen hervorragend auf und wirken geradezu märchenhaft.

Fazit

„Linas Reise ins Land Glück“ ist eine emotionale und poetische Geschichte über ein Mädchen, das einen Verlust erlebt und während einer seltsamen Reise nicht nur den Mut aufbringt, gegen Unrecht anzukämpfen, sondern am Ende auch das wiederfindet, was sie verloren hat. Die wunderbaren Illustrationen unterstreichen die Stimmungen der Geschichte perfekt. Für mich eine kleine Kinderbuch-Entdeckung.

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49 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

schattenjäger, werwölfe, dämonen, vampire, liebe

Lord of Shadows (The Dark Artifices)

Cassandra Clare
Flexibler Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster Childrens Books, 23.05.2017
ISBN 9781471116650
Genre: Sonstiges

Rezension:

Lady Midnight war ein sehr gelungener Auftakt von Cassandra Clare. Die Geschichte beinhaltete alles, was ich von der Welt der Schattenjäger erwarte: böse Dämonen, Hexenmeister oder dunkle Mächte, Konflikte und natürlich Liebe. Denn die ist immer wieder eine enorm große Triebkraft in allen Romanen der Autorin, sei es die verbotene, unmögliche oder die verhinderte Liebe. So ist es kein Wunder, dass auch in „Die dunklen Mächte“ die Liebe alles durchdringt und einen Großteil aller Handlungen motiviert.

Julian liebt seine Familie über alles und er liebt seinen Parabatai Emma, was jedoch vom Rat der Schattenjäger streng verboten ist. In „Lady Midnight“ gestehen sie sich ihre Liebe, in „Lord of Shadows“ versucht Emma dieses Gefühl im Keim zu ersticken, indem sie Julian vorspielt, sie sei in seinen Bruder Mark verliebt. Mark ist aus dem Feenreich zurückgekehrt und ist hin und hergerissen zwischen beiden Welten – in der einen kommt er Christina näher, in der anderen fühlt er nach wie vor für den Feenprinzen Kieran.

Why lie? he’d asked. She’d stood before him, aching all the way down to the floor of her soul, in all the places where she’d ripped Julian away from her as if she’d torn off a limb. (Seite 52)

Aber auch die dunklen Mächte, die die Schattenjäger vernichten möchten, werden teils von blinder Liebe getrieben. Davon, und von Machtgier und Hass. Im zweiten Band kochen die Emotionen auf allen Seiten hoch, es brodelt mächtig. Wo Band 1 noch der Vorstellung aller Charaktere diente und die Geschichte ins Rollen brachte, steigert sich in Band 2 alles zu einem hochspannenden und nervenzehrenden Durcheinander. Als Leser wurde ich extrem mitgerissen.

Dabei hielt Clare wie immer gekonnt die Balance zwischen Emotionen und Konflikt. Gerade noch näherten sich Charaktere an, schon müssen sie in den nächsten Kampf oder die nächste Auseinandersetzung überstehen. Dadurch wird das Buch zum Pageturner.

„There is truth in stories,“ said Arthur. „There is truth in one of your paintings, boy, or in a sunset or a couplet from Homer. Fiction is truth, even if it is not fact. If you believe only in facts and forget stories, your brain will live, but your heart will die.“ (Seite 117)

Was mir besonders gefällt sind die Botschaften, die diese Reihe bisher mit sich trägt: Liebe ist stärker als Hass, als Familie hält man zusammen und Freunde gehen miteinander durch dick und dünn. Und so sehr andere Charaktere auch versuchen, diese Werte zu sabotieren, Emma, Julian, Mark, Christina und Co. halten daran fest. Durchaus eine Herausforderung in diesem zweiten Band, denn es wird richtig düster. Ein Krieg steht bevor, eine fanatische Gruppe Schattenjäger will alle Schattenwesen unterdrücken und beherrschen, Ignoranz, Machtgier und Lügen stehen an der Tagesordnung. In dieser Atmosphäre versuchen Emma und Julian sowie ihre Familie und Freunde das Schlimmste zu verhindern.

Kurz gesagt setzt Cassandra Clare auf Gut gegen Böse und David gegen Goliath – und auch ein bisschen auf Romeo und Julia. Da kann man nicht viel falsch machen und mir gefiel diese Fortsetzung sogar noch besser als „Lady Midnight“.

Besonders hervorheben möchte ich noch eine neue Freundschaft, die mir sehr zu Herzen ging, und zwar zwischen Kit und Ty. Es ist eine so unerwartete Verbindung und doch so logisch, vor allem aber ist sie sehr feinfühlig erzählt.

Fazit

„Lord of Shadows“ ist Emotionen pur! Krieg und Liebe in einer faszinierenden Welt. Cassandra Clare lässt die Charaktere und ihre Gefühle so lebendig vor Augen entstehen, als sei man mit dabei. Wie bisher alle ihre Bücher, ist auch diese neue Schattenjäger-Reihe eine Reihe mit Suchtpotenzial. Der zweite Band schafft es sogar, Band 1 um Längen zu übertrumpfen. Ich kann es kaum erwarten, Band 3 zu lesen – vor allem nicht nach diesem unglaublichen Cliffhanger (wie kann Clare das den Lesern antun?!).

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(82)

161 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

fantasy, gaben, chosen, erinnerung, liebe

Chosen - Das Erwachen

Rena Fischer
Fester Einband
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 20.06.2017
ISBN 9783522505567
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Komplexität. Tempo. Undurchschaubare Charaktere. Liebe. Gewalt. Außergewöhnliche Fähigkeiten. Das ist der Stoff, aus dem Chosen gestrickt ist. Band 1, „Chosen – Die Bestimmte“, schlug anfangs noch die lockere und humorvolle Jugendbuch-Schiene ein, entwickelte sich dann jedoch immer mehr zu einem rasanten Fantasy-Thriller. Band 2, „Chosen – Das Erwachen“, knüpft unmittelbar dort an und statt Romantik erwarteten mich Action und Spannung. Denn die Beziehung von Aidan und Emma ist zerstört, seitdem Calahan und Farran ihre Erinnerungen manipuliert haben. Getrennt voneinander versuchen sie sich von den Ereignissen zu erholen und sie zu verarbeiten.

Emma befindet sich wieder bei den Raben und glaubt, Aidan habe ihren Vater Jakob getötet. Sie vertraut Farran blind und lässt sich wie zu Beginn von Band 1 von ihm ausbilden. Aidan jedoch verschwindet und entzieht sich so den Fängen der Raben und der Falken. Doch der Versuch, ein ganz neues Leben zu beginnen scheitert, denn die Erinnerung an einen Kuss im Regen lässt ihn nicht los. Werden sich die beiden wiedersehen? Wird Emma die Manipulationen durchschauen? Werden sie Farran das Handwerk legen? Diese Fragen treiben die Geschichte voran.

Stille kann einen mit Ehrfurcht erfüllen oder einen beruhigen, auffangen in einem Netz von Glück, Sehnsucht oder Hoffnung. Aber das sind nicht die Fäden, aus denen mein Leben in den letzten Monaten gesponnen wurde. (Seite 294)

Dabei bedient sich Rena Fischer wieder der gleichen Komplexität wie in Band 1, ach was, sie übertrifft sich! Ich habe absolute Hochachtung vor der Autorin, die während des Schreibens einen Überblick über alle zeitlichen Verläufe und alle Zusammenhänge behalten hat. Dieser Plot hat es wirklich in sich und hat mich bisweilen auch etwas hilflos zurückgelassen, so schnell überschlugen sich die Ereignisse. Das spiegelt sich auch im Schreibstil wieder, der Sequenzen eines Actionfilmes sehr ähnlich ist: harte Schnitte, kurze Szenen, spannungsgeladene Cliffhanger am Ende jeder Szene.

Meist spricht man von der Ruhe vor dem Sturm. Doch den habe ich bereits hinter mir gelassen. Jetzt wandere ich über das gespenstisch stumme Schlachtfeld meiner Vergangenheit, eine einsame Gestalt auf der Suche nach dem, was von ihrem Leben übrig blieb. (Seite 294)

Hinzu kommt eine konsequent düstere Stimmung. Jegliche Leichtigkeit, die ich in Band 1 noch erlebt hatte, suchte ich hier vergebens. Die Situation eskaliert zusehends und die Gegner werden immer rücksichtsloser. Da kann das Cover noch so verträumt und hübsch daherkommen – Band 2 ist eher nichts für schwache Nerven. Und das ist gut so, denn dadurch hebt sich „Chosen“ von anderen Büchern dieses Genres ab. Es wirkt erwachsener, reifer und ist in vielerlei Hinsicht überraschend.

Das Einzige, was mir ein wenig fehlte, war die Chemie zwischen Aidan und Emma, die mich im ersten Teil begeisterte. Natürlich verbringen sie kaum Zeit miteinander und wenn, dann machen ihnen die Erinnerungslücken zu schaffen oder sie sind in Gefahr. Doch ich hatte dennoch auf ein bisschen mehr Zweisamkeit gehofft. Dafür tritt eine andere Beziehung stärker in der Vordergrund: die von Farran und Emma. Farran vertraut sich Emma an, erzählt ihr von seiner Vergangenheit und von seinen Träumen für die Zukunft, in der Emma eine signifikante Rolle spielen soll. Diese neue Dynamik gefiel mir sehr gut.

Fazit

„Chosen – Das Erwachen“ bietet action-geladenes und spannendes Popcorn-Kino zwischen Buchseiten. Mit seiner düsteren Atmosphäre und den komplexen Handlungssträngen übertrifft dieser Abschluss der Dilogie sogar Band 1. Hinzu kommen eine wundervolle, lebendige Sprache, die das Lesen zum Vergnügen macht.

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257 Bibliotheken, 34 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

schattenjäger, fantasy, liebe, lord of shadows, magie

Lord of Shadows

Cassandra Clare , Franca Fritz , Heinrich Koop
Fester Einband: 831 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 09.10.2017
ISBN 9783442314256
Genre: Fantasy

Rezension:  
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197 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

oxford, mystery, rezension, die schule der nacht, studium

Die Schule der Nacht

Ann A. McDonald , Christoph Göhler
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 22.05.2017
ISBN 9783764531775
Genre: Romane

Rezension:

Zugegeben, mit dem Einstieg macht es einem die Autorin nicht unbedingt leicht. Dabei beginnt es äußerst vielversprechend: die junge Cassandra Blackwell erhält mysteriöse Post mit der Aufforderung, an die Oxford Universität zurückzukehren. Sie kann sich darauf keinen Reim machen, ist aber dennoch neugierig, denn dort eröffnet sich ihr die Möglichkeit, mehr über ihre verstorbene Mutter zu erfahren, die dort wohl einst selbst studierte. So reist sie also als Studentin für ein Auslandssemester von Amerika nach England und beginnt mit der Spurensuche.

Cassandra forscht in alten Unterlagen, stöbert in Kellern und Bibliotheken, stößt auf erste Ergebnisse, doch statt sie weiterzubringen, werfen diese nur neue Fragen auf. Im Laufe ihrer Ermittlungen bleibt sie stets für sich, einzig zu ihrer Mitbewohnerin hat sie sporadisch Kontakt. Allen anderen, denen sie begegnet, zeigt sie jedoch die kalte Schulter. Im Grunde ist das angesichts Cassandras schwieriger Vergangenheit verständlich, dennoch drohte Ann A. McDonald mich hier zu verlieren.

Zu zäh gehen die Nachforschungen vonstatten, zu unnahbar blieb die Protagonistin. Es fehlte an Abwechslung und Tempo. Oft legte ich das Buch zur Seite, da wenig meine Aufmerksamkeit langfristig zu fesseln vermochte. Dennoch war da der Drang zu wissen, wie die Geschichte weitergeht. Irgendwie lässt einen die Geschichte dann doch nicht los. Bis zur Hälfte musste ich mich gedulden, doch dann kam für mich der große Umschwung, der sogar den behäbigen Anfang wieder etwas wettmachen konnte.

„All die Jahre hatte sie sich damit getröstet, dass ihre Mitstudenten keine Ahnung hatten, wie die Welt wirklich war, so als wären ihre eigenen Entbehrungen ein Orden, eine Auszeichnung dafür, dass sie mehr wusste.“ (Seite 244)

Ich fühlte Cassandras Ungeduld, denn sie war auch meine eigene geworden, ich stürzte mich ebenso versessen auf jeden Schnipsel an Informationen, die das Geheimnis um „Die Schule der Nacht“ würden lüften können. Hier spielt die Autorin ganz geschickt ihre Hinweise aus, bringt Charaktere ins Spiel, die zuvor eher Randfiguren waren, und nun maßgeblich zum Verlauf der Geschichte beisteuerten. Ich war fasziniert von dem Aufbau des Plots, so dass die anfänglichen Beschwerlichkeiten schnell vergessen waren.

„‚Ich komme mir vor wie einer dieser Philosophen, die ich zurzeit studiere. Eines Tages kommt jemand vorbei und erklärt dir: >Übrigens stimmt nichts von dem, was du über die Welt zu wissen glaubst.<‚“ (Seite 349)

Ich überließ mich der düsteren Atmosphäre, die ganz unterschwellig entsteht und bis zum Ende immer mehr zunimmt. Sie zieht sich durch festliche Dinnerabende, sickert in die Studentenwohnung von Cassandra und kriecht durch die nächtlichen Straßen Oxfords.  „Die Schule der Nacht“ ist dabei nicht zaghaft, sondern mutet teilweise regelrecht wie ein Thriller und ein Kriminalroman an, um schlussendlich ein fantastischer Mystery-Roman zu werden.

Cassandra bleibt bis zum Ende etwas distanziert, dafür gibt es andere Charaktere, die umso emotionaler und nahbarer sind. Allen voran Charlie, über den ich im Grunde nichts verraten möchte, außer, dass er der ideale Konterpart für Cassandra ist. Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle, dass die Geschichte ganz ohne „Insta-Love“ zurechtkommt. Ich hatte angesichts des Themas beinahe damit gerechnet, doch dieses Klischee wird glücklicherweise nicht bedient.

Fazit

„Die Schule der Nacht“ erfordert etwas Geduld, denn der Einstieg ist etwas langatmig und daher mühselig. Ich war kurz davor abzubrechen, doch nach etwa der Hälfte wendet sich das Blatt und die Geschichte gewinnt an Tempo. Im Nachhinein betrachtet war der zögerliche Start dann auch genau richtig, denn nur dadurch konnte diese tolle, subtile Spannung aufgebaut werden, diese dichte und düstere Atmosphäre wachsen. Die zweite Hälfte des Buches liest sich dann auch fast wie in einem Atemzug und das Ende wusste zu überzeugen. Dranbleiben lohnt sich.

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facebook, zukunft, asher, carolyn mackler, jay

Wir beide, irgendwann

Jay Asher , Carolyn Mackler , Knut Krüger
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 17.11.2014
ISBN 9783570309384
Genre: Jugendbuch

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cambridge, boxen, pitt club, gesellschaftskritik, der club

Der Club

Takis Würger
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 22.02.2017
ISBN 9783036957531
Genre: Romane

Rezension:


Viele Universitäten haben sie - die elitären Clubs, offen nur für männliche Studenten, ein Sprungbrett für die ganz große Karriere und ein nützliches Netzwerk für das gesamte Leben. Wie zum Beispiel "The Yvy Club" in Princeton oder "Skull and Bones" in Yale. In Cambridge gibt es seit 1835 den legendären "Pitt Club", der sich in seinen ersten Jahren noch der Politik verschrieben hatte, später jedoch mehr und mehr den sozialen Freuden frönte. Heißt im Klartext: Alkohol und Frauen. Die Söhne reicher, bisweilen am Leben ihrer Kinder uninteressierter Eltern, feiern dort sich selbst und ihre Freundschaft. Diese wird sehr hoch gehalten, denn wer Mitglied ist, erfährt die bedingungslose Unterstützung der anderen.


In dieses Milieu gerät Hans, ein Deutscher, der nach dem tragischen Tod seiner Eltern erst bei Mönchen aufwächst und anschließend von seiner Tante nach Cambridge geholt wird. Seine gesamte Kindheit hindurch war Hans ein Einzelgänger, ein Sonderling in den Augen der anderen Kinder. Der Verlust seiner Eltern traf ihn schwer und vergeblich versuchte er von seiner Tante Wärme und Liebe zu finden, die ihn jedoch nicht zu sich nahm, da sie eigenen seelischen Ballast mit sich trug. Diese Erfahrungen und Zurückweisungen verinnerlicht Hans, so dass er zu einem wortkargen, in sich selbst zurückgezogenen jungen Mann heranwächst.


Dieser Teil des Romans von Takis Würger hat mich sehr berührt und mitgenommen. Sprachlich hat Würger außerordentlich gut auf den Punkt gebracht, wie Hans sich fühlt. Nüchtern, aber ausdrucksstark. Mit seinem Umzug nach Cambridge verändert sich die Stimmung. Der Schwerpunkt liegt nun nicht mehr auf dem Heranwachsen Hans', sondern nimmt die versnobbte Welt des Pitt Clubs ins Visier. Hier dreht sich alles um das Boxen, Drinks, Frauen, Reichtum und vor allem um Macht. Macht im Boxring und Macht über andere. Eine freudlose und anstrengende Welt.


"An manchen Abenden in diesem Club hatte ich mich gefühlt, als löste sich mein Ich langsam auf, und irgendwann bliebe nur noch Hans Stichler übrig."


Hans soll seine Tante beim Lösen eines Geheimnisses helfen, Genaueres erfährt er nicht. Fortan ist er hin und hergerissen zwischen dem berauschenden Gefühl, endlich dazuzugehören, und seinem Gewissen, das ihn mahnt, es nicht zu toll zu treiben und die Handlungen seiner neuen Freunde kritisch zu hinterfragen. Stück für Stück kommt er dem Geheimnis auf die Spur und deckt üble Machenschaften des Clubs auf.


Takis Würger hat seine Geschichte wie ein Puzzle aufgebaut. In kurzen Abschnitten kommen mehrere Charaktere zu Wort und schildern ihre Erfahrungen und ihre Sicht der Dinge. So wie Hans erfährt der Leser also nur bruchstückhaft, was wirklich vorgefallen ist und wie die Zusammenhänge aussehen. Das ist an sich geschickt gemacht, nur mir persönlich waren die Kapitel viel zu kurz. Teilweise bemerkte ich erst spät, dass ein neuer Charakter zu Wort kam. Es war mir zu abgehackt, als dass ich der Geschichte gut hätte folgen können. Die Sprecher des Hörbuchs waren allerdings gut gewählt, markante Stimmen, die hervorragend zu dem jeweiligen Charakter passten.


"Ein Netzwerk würde es immer geben, solange die Universität von Cambridge existierte, und solange Menschen nach Macht strebten."


Ich bin unsicher, ob es mit einer übersteigerten Erwartung zu tun hat, doch die Auflösung des Geheimnisses um den Pitt Club konnte mich überhaupt nicht mitreißen. Takis Würger bedient sich meiner Meinung nach sehr gängigen Klischees, so dass das Ende kaum überraschend war. Auch verlor ich immer mehr den Zugang zu Hans. Wo dieser anfangs noch stark gewesen war, ich seine Not und seine Selbstzweifel nachempfinden konnte, war er ab der Mitte wie ein Fremder, ein reiner Statist. Auch die anderen Charaktere blieben mir fremd, was maßgeblich auf den kurzen, knappen Schreibstil zurückzuführen ist, der mich nicht in die Geschichte hineinziehen konnte.


Fazit


Takis Würger hat mit "Der Club" einen sprachlich und stilistisch anspruchsvollen Roman geschrieben, der mich allerdings nicht vollständig überzeugen konnte. Der Protagonist verlor im Laufe der Geschichte an Kraft und an Präsenz, während andere Charaktere diesen Verlust nicht auffangen konnten. Auch die Auflösung war mir zu geläufig, als dass der Autor mich damit hätte überraschen können.

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die unvergesslichen, val emmic, val emmich, roman, vergessen

Die Unvergesslichen

Val Emmich , Eva Bonné
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.05.2017
ISBN 9783426281659
Genre: Romane

Rezension:

Während ich „Die Unvergesslichen“ las, habe ich mich ein wenig in meinen eigenen Erinnerungen verloren. Dieser Roman macht das mit einem. Er schickt einen auf die Reise in die Vergangenheit, lässt einen das eigene Gedächtnis durchforsten und einen zum Beispiel darüber nachdenken, welchen Menschen man als zweites geküsst hat. Denn an den ersten Kuss erinnert man sich, klar, doch an den danach? Das Vergessen und Erinnern nimmt einen großen Stellenwert in der Geschichte von der jungen Joan und dem Songwriter Gavin ein.

Gavin, der anfangs nicht von Erinnerungen an seinen verstorbenen Freund Sydney gequält werden möchte, der später aber jeder Erinnerung von Joan an seinen Freund lauscht. Ihm gegenüber Joan mit dem Hyperthymestisches Syndrom, das sie nicht vergessen lässt, keinen einzigen Tag in ihrem Leben, und deren größte Angst die ist, vergessen zu werden. Beide finden über die Musik zueinander, denn Joan setzt all ihre Hoffnung darauf, diesen einen Song zu schreiben, der sie unvergessen machen soll.

„Gewiss gibt es noch unzählige Erinnerungen, die ich aber leider vergessen habe. Ich habe einfach nicht genug aufgepasst, als sie entstanden. Ich war zu beschäftigt damit, zu leben, die gemeinsame Zeit zu genießen. Mir war kein einziges Mal in den Sinn gekommen, sie könnte plötzlich enden.“ (Seite 145/146)

Die Charaktere sind extrem gut angelegt und schlichen sich schnell in mein Herz: Der etwas orientierungslose Songwriter und Schauspieler Gavin, der Probleme lieber aussitzt anstatt sie anzupacken, und Joan, der aktive Konterpart, der Gavin aus seiner Lethargie und Trauer zerrt, und ihn dazu bringt, sich mit Sydney und seinem Leben auseinanderzusetzen. Gleichzeitig schenkt Gavin der kleinen Joan Mut und zeigt ihr, welche Wege ihr als angehende Künstlerin offen stehen. Er nimmt sie ernst und betrachtet das Hyperthymestische Syndrom nicht als lästiges Übel. Die beiden zusammen geben dem Roman eine charmante Dynamik.

„Um den Wettbewerb zu gewinnen, brauche ich ein Lied, das die Leute entweder zum Tanzen animiert oder zum Weinen bringt. Das sind die beiden stärksten Impulse, die die Musik in uns wecken kann. Beim Tanzen vergessen die Menschen, beim Weinen erinnern sie sich.“ (Seite 25)

„Die Unvergesslichen“ ist eine durch und durch emotionale Geschichte, die ohne spannungsgeladene Höhen und Tiefen auskommt. Es geht nicht in erster Linie darum, einen Musikwettbewerb zu gewinnen, sondern es geht um die Verbindung der einzelnen Charaktere untereinander und um ihre jeweiligen Lebenssituationen und Lebensträume. Es geht um die Beziehung zwischen den Eltern und ihrer Tochter Joan, die Beziehung der Eltern untereinander, die Freundschaft zwischen Gavin und Joan. Es geht um das Erwachsenwerden im weitesten Sinne – denn manchmal dauert dieser Prozess, bis man 30 oder 40 ist. Oder ist es gar ein schleichender Prozess, der niemals so richtig endet?

Mir gefiel es sehr, dass die Musik als treibender Faktor immer präsent war. Hier hat Val Emmich, selbst Singer/Songwriter seine eigenen Erfahrungen geschickt in die Geschichte eingeflochten, es wirkt zutiefst authentisch. Einziger kleiner Kritikpunkt ist ein Dreh am Ende, der zwar den Kreis schließt, meinem Empfinden nach aber etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt.

Fazit

„Die Unvergesslichen“ von Val Emmich ist ein sensibles Porträt eines ungewöhnlichen jungen Mädchens und einem von Verlust gezeichneten Mann, die über die Musik zueinander finden und eine neue Sicht auf das Leben gewinnen. Ich war begeistert von der Sprache, den Charakteren und der gesamten Umsetzung. Ein Roman, der sich sanft und ohne Hast den großen und wichtigen Fragen des Lebens zuwendet und gleichzeitig zum Nachdenken und zum Erinnern einlädt.

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251 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 91 Rezensionen

zeitreise, zukunft, liebe, jugendbuch, dystopie

Wer weiß, was morgen mit uns ist

Ann Brashares , Sylvia Spatz
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.09.2014
ISBN 9783570159477
Genre: Jugendbuch

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