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Game of this Summer

Anni Dares
Fester Einband: 332 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 01.08.2018
ISBN 9783752869255
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ICH LIEGE OBEN AUF MEINEM BETT, ARBEITE DIE SCHACHAUFGABEN VON HERRN WIBELL DURCH UND VERSUCHE MEINE GEDANKEN VOM HEUTIGEN TAG WEGZULENKEN. WAS IST DAS NUR MIT OLE? (SEITE 138)

Nicht schon wieder ein Young Adult Roman nach Schema F, könnte man bei Titel und Cover dieses Romans von Anni Dares denken. Doch „Game of this Summer“ überraschte mich mit einer authentischen Liebesgeschichte, die herzlich wenig mit „Mauerblümchen verliebt sich in Bad Boy“ zu tun hat. Stattdessen treffen hier zwei herrlich durchschnittliche Jugendliche aufeinander, die sich auf Augenhöhe begegnen und die versuchen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. In die Quere kommen ihnen dabei allerdings Reibereien mit der Familie und Liebessorgen sowie rücksichtslose Wilderer, die für allerlei Ärger sorgen. Zusammen ergibt das eine spannende, humorvolle und romantische Geschichte, die für junge Leser ideale Unterhaltung ist.

WAS SOLL MAN AUCH GEGEN SEINE GEFÜHLE TUN? WIE HABE ICH AM ANFANG VERSUCHT, DAGEGEN ANZUKÄMPFEN, UND WIE BESCHEUERT IST DAS? (SEITE 283)

Besonders gut gefiel mir, dass die Protagonisten sich von gängigen Klischees abheben. So spielt Leo beispielsweise leidenschaftlich gerne Schach und sie liebt Mathe, während sich Ole lieber für die Natur einsetzt, anstatt mit Freunden feiern zu gehen. Das war so herrlich anders! Auch die Tatsache, dass Ole jünger ist als Leo, trägt dazu bei, dass durch „Game of this Summer“ einfach ein frischer Wind weht. Klar gibt es einige Situationen, bei denen ich dachte: Ist klar, dass das nun passieren musste – inklusive dezentem Augenrollen. Doch nichtsdestotrotz steckt eine Wärme in den Zeilen, dank derer man als Leser spürt, dass hier alles echt ist. Keine aufgesetzten Dramen, keine übertrieben schwärmerischen Gedanken, kein theatralisches Hin und Her, sondern vielmehr eine zartfühlende Beschreibung der ersten richtigen Liebe.

Hinzu kommen viele weitere Themen, die mich allesamt sehr ansprachen. Sowohl Oles als auch Leos Familien haben ihre Sorgen und Probleme. Leos Eltern streiten viel und ihre Mutter übt einen enormen Leistungsdruck auf sie aus. Ole hingegen sorgt sich um die Fische in den umliegenden Seen und um seine Mutter, die Schwierigkeiten bei der Arbeit hat. Zudem gibt es da noch etwas, das ihm große Schuldgefühle macht. Und ganz nebenbei gilt es noch die Wilderer zu überführen, was übrigens auch ein sehr spannender Teil der Geschichte ist. Denn wer wirklich dahintersteckt, war mir bis zum Ende mehr oder weniger ein Rätsel.

An der Sprache hätte man hier und da noch ein bisschen mehr feilen können, stellenweise wirkte der Text etwas unausgegoren und steif. Mit einigen Ausdrücken konnte ich mich beispielsweise nicht anfreunden, sie kamen teils zu häufig vor oder passten meinem Empfinden nach nicht zum Rest des Schreibstils. Doch insgesamt konnte ich sehr entspannt über diese Punkte hinwegsehen.

Fazit

„Game of this Summer“ von Anni Dares ist ein erfrischend authentischer Young Adult Roman. Nicht jede Idee ist neu, sprachlich fehlt meinem Empfinden nach hier und da noch etwas der Feinschliff, doch unabhängig davon hat mich diese Geschichte wirklich beeindruckt. Den Leser erwarten Abenteuer und Spannung, denn Wilderer sorgen für Ärger. Und es geht um die erste Liebe, darum seinen eigenen Weg zu finden, Probleme zu lösen, mit Konflikten innerhalb der Familie umzugehen und um die Kraft der Freundschaft. Eine sehr schöne und warmherzige Erzählung, die ich besonders den jüngeren Lesern ab 12 Jahren ans Herz legen kann.

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Elian und Lira – Das wilde Herz der See

Alexandra Christo , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.07.2018
ISBN 9783423762205
Genre: Jugendbuch

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Game of this Summer

Anni Dares
E-Buch Text: 238 Seiten
Erschienen bei null, 12.07.2018
ISBN 9783947819003
Genre: Sonstiges

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Uns gehört die Nacht

Jardine Libaire , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.07.2018
ISBN 9783257300727
Genre: Liebesromane

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Hyde

Antje Wagner
Fester Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 10.07.2018
ISBN 9783407754356
Genre: Jugendbuch

Rezension:

MANCHMAL, DAS WUSSTE ICH JA, MANCHMAL WAR GERADE DAS UNGLAUBLICHE DAS ÜBERZEUGENDSTE DETAIL AN EINER GESCHICHTE. (SEITE 397)

Wer die Autorin Antje Wagner noch nicht kennt, sollte dies mit ihrem neuen Roman „Hyde“ unbedingt ändern, denn der ist eine Wucht! Er ist komplex und dramatisch, verwunschen und unheimlich, schlicht brillant. Ich geriet von der ersten Zeile an in die Fänge dieser Geschichte, begleitete die Protagonistin Katrina auf ihrem anstrengenden, aufreibenden und bisweilen schockierenden Weg. Dabei rüttelt die Autorin beständig an dem, was man zu glauben meint, bewirft einen mit neuen Erkenntnissen und noch nicht ganz greifbaren Zusammenhängen, die sich verdichten, bis man voller Atemlosigkeit durch die letzten Seiten rast. Ein tolles Erlebnis.

„Hyde“ lässt sich dabei in kein Genre zwängen, zu vielseitig ist die Geschichte. Es geht um Katrina, die auf der Suche nach Arbeit durch das Land zieht. Ein Geheimnis umgibt sie, das weiß man von Beginn an – immerhin versteckt sie einen Teil ihres Gesichtes nicht grundlos unter einem Tuch. Und sie ist voller Wut. Wut, da ihrem Vater und ihrer Schwester irgendetwas zugestoßen ist. Sie muss Geld zusammenbekommen, damit sie Rache üben kann. So weit die Fakten, alles weitere bleibt in der Schwebe.

PROBLEME HABEN DIE LEUTE DRAUSSEN. WIR NICHT, KATRINA.
ICH LAUSCHTE AUF DIE STIMME IN MEINEM KOPF UND WURDE RUHIGER.
FÜR UNS GIBT ES NUR HERAUSFORDERUNGEN. (SEITE 73)

Ihr Weg führt sie unverhofft zu einem alten, verlassenen Haus, in dem sie als Verwalterin wohnen bleibt, obgleich vieles an diesem Haus seltsam erscheint. Hier nimmt die Geschichte dann ihren faszinierenden Lauf. Besonders reizvoll fand ich, wie man als Leser Schritt für Schritt mehr über Katrinas Vergangenheit erfährt. Sie lebte mit ihrem Vater und ihrer Zwillingsschwester Zoe im Wald – versteckt vor der Welt, im Einklang mit der Natur. „Hyde“, nannten sie ihr Zuhause. Sie lebten dort nach strengen und sonderbar anmutenden Regeln: Sie durften nicht gesehen werden und das Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen, um durch den Wald zu stromern. Zweimal im Jahr verließen sie ihr Versteck, um nach Berlin zu fahren, Vorräte zu kaufen, zum Friseur und ins Kino zu gehen. Dann ziehen sie sich wieder zurück. Man versteht nicht, warum dies so ist, doch das macht nichts. Die drei sind glücklich und dieses Glück fliegt einem aus den Zeilen entgegen und setzt sich im Herzen fest. Verwunschen empfand ich die Rückblicke in Katrinas Zeit im Wald.

In der Gegenwart befindet sich Katrina in dem sonderbaren Haus und hier schlägt einem unmittelbar eine ganz andere Stimmung entgegen. Es ist unheimlich! Und zwar auf eine sehr subtile Art und Weise. Es beginnt mit einem zarten Geflecht von Sonderbarkeiten, unerklärlichen Ereignissen, seltsamen Geräuschen, einem verschlossenen Zimmer, Kälte. Klassische Elemente, die Antje Wagner mit so einem besonnenen Geschick einfließen lässt, dass sie ganz und gar überzeugend sind. Als Leser wird man regelrecht dazu eingeladen, Theorien zu entwickeln, nur um diese kurze Zeit später zu verwerfen.

WAS IST DIE URSACHE FÜR LIEBE?
ICH WEISS ES NICHT. ABER ICH WEISS, DASS DIE LIEBE NICHT VERSCHWINDET, WENN DER MENSCH, DEM SIE GEHÖRT, STIRBT. SIE IST IMMER NOCH DA. WIE DAS LICHT, WENN EINE KERZE ERLISCHT. SIE IST IN MEINEM INNERN, STREIFT SUCHEND UMHER, HEIMATLOS, MIT WUNDEN FÜSSEN, SEHNSÜCHTIGEN HÄNDEN. (SEITE 389)

Das liegt maßgeblich daran, dass der Roman äußerst komplex angelegt ist. Ein verschachtelter Aufbau, in dem Geheimnisse und Erinnerungen nach und nach enthüllt werden. Dadurch gerät man automatisch in diesen Sog, der ein richtig gutes Buch ausmacht. Durch alles trägt der Schreibstil von Antje Wagner. Sie schreibt kunstvoll, ohne künstlich zu wirken. Sie trifft mit ihren Worten nicht nur den Punkt, sondern auch ins Herz. Sie ist präzise und gleichzeitig lässt sie vieles bewusst offen. Ich liebe ihre Art zu schreiben!

Fazit

„Hyde“ von Antje Wagner ist ganz großes Kino. Hier passt einfach alles – Stimmung, Charaktere, Schreibstil und Story. Die Geschichte um Katrina fesselt, berührt und lässt einen mitdenken, da einzelne Erzählstränge äußerst geschickt miteinander verknüpft werden. Sowohl in der Vergangenheit von Katrina als auch in der Gegenwart ist Dramatisches geschehen, dem man als Leser Stück für Stück auf die Spur kommt. Ein aufwühlender und bisweilen unheimlicher Genuss!

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Anna Fink

Boris Zatko
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Oberstebrink, 01.07.2017
ISBN 9783934333802
Genre: Jugendbuch

Rezension:

ABER WIESO SAH SIE DINGE, DIE ANSCHEINEND NICHT EXISTIERTEN? BILDETE SIE SICH DAS ALLES NUR EIN? UNMÖGLICH! (SEITE 14)

„Mama, erzählst du mir die Geschichte noch einmal?“ Diesen Satz hörte ich jeden Tag mindestens ein Mal, nachdem ich damit begonnen hatte, „Anna Fink – Die Fanfare des Königs“ von Boris Zatko zu lesen. Meine Tochter konnte nicht genug von diesem fantastischen Abenteuer bekommen und ich erzählte ihr gerne davon, denn dieser Trilogie-Auftakt ist durchaus bereits für jüngere Leser geeignet. Ich selbst wurde auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr auf dieses hübsche Buch aufmerksam, als ich am Stand des mir bis dahin unbekannten Verlags Oberstebrink vorbeiging. Das Cover machte mich extrem neugierig und der Klappentext (siehe Beitragsende) versprach eine abenteuerlich-magische Geschichte. Eine Mutter und ihre Tochter, die in ein seltsames Haus einziehen? Ein verschwundener Vater? Ein großes Geheimnis? Ich war geködert.

Allem voran muss ich die tollen Illustrationen des Autors hervorheben. Boris Zatko arbeitet als freier Autor und Illustrator für Magazine und Verlage. Ich finde es spannend, wenn ein Autor die Illustrationen für seine Geschichte selbst anfertigt. Es ist, als schaute man als Leser durch ein kleines Fenster direkt in den Kopf des Autoren. So wurde die Welt, die Zatko erschuf, noch greifbarer. Und diese Welt ist aufregend! Sie ist ganz nah an der Realität und dennoch auf eine subtile Art und Weise davon entrückt. So wirken die Stadt und die Menschen, denen Protagonistin Anna und ihre Mutter begegnen stets etwas seltsam, sehr kühl und abweisend. Nichts fügt sich so recht zusammen und Anna und ihre Mutter wirken wie Fremdkörper in einem Puzzle, deren fertiges Bild sie – und auch der Leser – nicht kennen. Ich mag es sehr, wenn das Fantastische sich in den Details verbirgt.

DOCH PLÖTZLICH ÜBERKAM SIE EIN SELTSAMES GEFÜHL. IRGENDETWAS ZERRTE AN IHR. ES WAR DIESELBE KRAFT, DIE SIE SCHON IN DIESES ZIMMER GELOCKT HATTE. ES WAR, ALS OB DIESE KRAFT NICHT WOLLTE, DASS SIE DIESES HAUS WIEDER VERLIESS. (SEITE 57

Anna ist eine ziemlich patente kleine Person. Sie trägt die für ihr Alter typische Schüchternheit und Unsicherheit mit sich herum, schlägt sich aber vor allem angesichts des Verlusts ihres Vaters recht gut. Auch ihre Mutter macht das Beste aus den Gegebenheiten. Der Autor schafft es gut, die Lebensrealität eines Teenagers – Umzug, Schule, Verlust eines Elternteils – mit den fantastischen Elementen seiner Geschichte zu verbinden. Sowohl Mobbing als auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden thematisiert, während Anna immer weiter in die seltsamen Ereignisse hineingezogen wird, die mit dem Umzug in die fremde Stadt einhergehen.

PLÖTZLICH DURCHFUHR ANNA EIN ZUCKEN UND IHR ATEM STOCKTE. SIE SPÜRTE, DASS SICH ETWAS IN IHRER NÄHE BEFAND. UND ES TRIEB ANNA UNBESCHREIBLICHE ANGST IN DIE GLIEDER. (SEITE 227)

Besonders für jüngere Leser oder zum Vorlesen ist die Geschichte ideal, denn die Protagonistin ist zwar bisweilen verwirrt und ängstlich, findet aber letztendlich immer wieder den Mut, sich der Welt und sämtlichen Problemen entgegenzustellen. Dabei verlässt sie sich auf ihren Verstand, ihre Gefühle und eine gehörige Portion Neugier. Hinzu kommen einige Helfer, die teils ziemlich skurril, jedoch immer liebenswert sind. Sie stecken voller Ideen, ebenso wie die Geschichte. Sie folgt dem klassischen Schema einer Heldenreise, ist jedoch so reich an Einfällen, die einfach neu sind.

War also alles durchweg positiv? Nein, es gibt durchaus ein paar kleinere Dinge, die mich gestört haben. So empfand ich es als seltsam, dass Anna’s Mutter bei ihrem Vornamen genannt wird. Auch der Schreibstil wirkte manchmal etwas hölzern auf mich, so dass ich mich emotional nicht immer zu hundert Prozent abgeholt fühlte. Doch abgesehen davon freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung, die ganz neue Entwicklungen mit sich bringen wird.

Fazit

„Anna Fink – Die Fanfare des Königs“ von Boris Zatko ist ein Trilogie-Auftakt, der besonders für jüngere Leser ein kunterbuntes Leseabenteuer bietet: Ein Mädchen kommt einem Geheimnis auf die Spur und macht sich mutig daran, dies zu entschlüsseln. Die Illustrationen des Autors bereichern die Geschichte zusätzlich und machen zu Beginn jedes Kapitels Lust darauf, weiter in die fantastische Welt einzutauchen. Eignet sich ebenfalls gut zum Vorlesen!

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102 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

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Clean

Juno Dawson , Christel Kröning
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.06.2018
ISBN 9783551583826
Genre: Jugendbuch

Rezension:

BILDLICH STELLE ICH MIR EINEN TIEFEN ZUG AUS EINEM JOINT VOR, STELLE MIR DIE QUALMWOLKE VOR, DEN SCHLEIER, UND WIE VERWISCHT MEINE SCHARFEN KANTEN DANN WÄREN. ICH WILL WIEDER PASTELL SEIN.  SCHWEINCHENROSA. ICH FÜHLE MICH ZU DEUTLICH ZU AUSGEPRÄGT. (SEITE 188)

„Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig.“ So lautet der erste Satz auf dem Klappentext von „Clean“ von Juno Dawson. Und dieser Satz fasst die Handlung des Young Adult Romans auch ideal zusammen. Lexi stirbt beinahe an einer Überdosis, weshalb sie in die Clarity-Klinik gebracht wird, eine Einrichtung für reiche Jugendliche, in der sie mit dem Entzug beginnt. Der Roman ist in vielerlei Hinsicht ziemlich interessant. Lexi ist provokant, manchmal ein richtiger Snob und gleichzeitig aber auch sehr emotional und sensibel. Im Verlauf der Handlung und in der Therapie zeigt sie alle ihre Facetten. Auch die Rahmenbedingungen sind stimmig – von den anderen Charakteren bis hin zu Lexis Vergangenheit und Leben außerhalb der Klinik. Das macht „Clean“ zu einem runden Lesevergnügen.

MEINE KNOCHEN KLIMPERN HERUM WIE EIN WINDSPIEL.
MICH SCHÜTTELTS.
VIELLEICHT  BIN ICH HEROINABHÄNGIG.
WANN IST DAS PASSIERT? SEITE 44)

Allerdings empfand ich zwei Dinge doch als störend. Zum einen konnte ich mich in Lexis Leben nicht gut einfühlen. Sie empfindet ab einem gewissen Punkt in der Therapie – und unbewusst sicherlich bereits lange zuvor -, eine große Leere. Das Leben als reiches It-Girl ist nur oberflächlich erfüllend, mit all seinen Partys, Events und: Drogen. Abseits davon sieht es anders aus, ein Leben ohne Ziele, ohne Ambitionen. Sicherlich gibt es viele junge Jungen und Mädchen, die genau so ein Leben führen, dennoch kam ich nicht umhin, permanent innerlich aufzuschreien „dann tu halt was und arbeite oder studiere oder engagiere dich irgendwo!“.

Weiterhin konnte ich mich nicht ganz mit der Situation in der Klinik anfreunden. Als reiche Jugendliche genießen die Patienten dort gewisse Privilegien, doch einfach so das Gelände verlassen und ans Meer gehen – wie kann das möglich sein? Nachts unbemerkt durch die Klinik wandern? Für mich litt dadurch leider ein wenig die Glaubwürdigkeit des Ganzen. Zu allem Überfluss kommt auch noch eine Liebesgeschichte ins Spiel, die ich als denkbar unpassend empfand. Wieso kann der Fokus nicht einzig und allein auf dem Genesungsprozess von Lexi liegen? So kommt „Clean“ leider oft eher im Stil „abenteuerliches Jugendcamp“ daher, anstatt eine Geschichte zu sein, die sich mit ernsten Problemen junger Menschen auseinandersetzt.

Fazit

„Clean“ von Juno Dawson ist eine runde Geschichte, die von Drama bis Herz-Schmerz alles bedient, was man als Leser eines Young Adult Romans erwartet. Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und auch die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Allerdings störte ich mich sehr daran, dass sich die Geschichte beinahe ausschließlich um reiche Jugendliche dreht und hier leider auch nicht das eine oder andere Klischee ausgelassen wird. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die meiner Meinung nach vom Wesentlichen ablenkt. Alles in allem aber lesenswert.

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151 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 90 Rezensionen

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Frau Einstein

Marie Benedict , Marieke Heimburger
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462049817
Genre: Romane

Rezension:

WENN GOTT NUR ZULIESSE, DASS ICH DIE ZEIT ANHALTE ODER SIE ÄNDERE. ABER NEIN, ICH SASS FEST, GEFANGEN IN DEN STARREN NEWTONSCHEN GESETZEN DES UNIVERSUMS.
ODER? (SEITE 243)

Dies ist ein Roman für alle, die mehr über Albert Einstein erfahren möchten, und die Freude an einer tragisch-faszinierenden Lebensgeschichte einer starken Frau haben. Denn „Frau Einstein“ von Marie Benedict handelt von Mileva Maric, der ersten Ehefrau von Albert Einstein, die vielen vermutlich weitestgehend unbekannt ist. Maric lernte Einstein als jungen Studenten kennen, Jahre bevor er seine Theorien veröffentlichte und ehe er weltberühmt wurde. Der unmittelbare Reiz, diesen Roman zu lesen, liegt daher sicherlich darin, Privates über den bekannten Physiker zu erfahren. Doch das ist bei Weitem nicht alles, was „Frau Einstein“ bietet, denn Mileva Maric war eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

Also vergessen wir fürs Erste die Relativitätstheorie und den klugen Kopf Einsteins und widmen uns der Serbin Mileva Maric, die sich ganz und gar der Mathematik und Physik verschrieben hatte. Heiraten würde sie wegen einer Gehbehinderung sowieso niemand, glaubt sie. So begann sie als junges Mädchen ein Studium am Polytechnikum in Zürich. Eine Chance auf Bildung, die Ende des 19. Jahrhunderts nur wenigen Frauen vorbehalten war. Entsprechend exotisch war Maric und entsprechend wenig hielten die Kommilitonen und Professoren von ihr. Alle, bis auf eine Ausnahme: Albert Einstein. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, der jedoch schon früh eine gewisse Schwere und Unbeständigkeit anhaftet.

SOSEHR ICH MICH NACH AUSSEN AUCH IN MEINE ROLLE ALS HAUSMÄDCHEN FÜGTE – ES GING MIR AUF DIE NERVEN, STÄNDIG DAS HAUSMÄDCHEN FÜR IHN ZU SPIELEN. WIE HATTE ES NUR SO WEIT KOMMEN KÖNNEN? (SEITE 314)

Denn durch Mileva Maric erfährt man nicht nur pikante und haarsträubende Details aus dem Leben von Einstein, sondern auch, wie schwer es für Frauen in dieser Zeit war, eine Ausbildung zu beginnen, geschweige denn zu arbeiten oder zu forschen. Dabei war Maric ebenso klug wie ihr berühmter Ehemann, vor allem war sie eine begnadete Mathematikerin. Von Beginn an tauschten sich die beiden über physikalische Theorien aus und arbeiteten zusammen an neuen Thesen, was einige Briefwechsel zwischen den beiden belegen. Es wird sogar spekuliert, dass Mileva Maric eine tragende Rolle bei der Formulierung der Relativitätstheorie spielte. Auf diese Frage und diese Zeit in Albert Einsteins Leben spitzt sich „Frau Einstein“ immer weiter zu.

IZGUBIO SAM SE. ICH WAR VERLOREN. ABER DAS WAR EIN ZUSTAND, DEN ICH MIR NICHT MEHR LEISTEN KONNTE. (SEITE 318)

Und so wandelt sich „Frau Einstein“ unmerklich zu einer tragischen Geschichte, denn zerstörte Hoffnungen, missbrauchtes Vertrauen und Schicksalsschläge bleiben nicht aus. Trotz alledem ist „Frau Einstein“ kein durchweg beschwerliches und trauriges Buch. Mileva Maric hat zwar vieles ertragen, ich litt sehr mit ihr und brauchte bisweilen Pausen vom Buch, doch ungeachtet dessen blieb sie immer standhaft und fand letzten Ende ihren eigenen Weg. Diese enorme Kraft schwingt in jeder Zeile mit und macht die Lektüre zu einem lange nachwirkenden Erlebnis. Übrigens blieb Marie Benedict nah an den Fakten. Fiktive Teile wurden nur dann ergänzt, wenn keine Tatsachen bekannt waren.

Fazit

„Frau Einstein“ von Marie Benedict ist ein biografisch angehauchter Roman, in dem die Autorin vom Leben von Albert Einsteins erster Ehefrau Mileva Maric erzählt. Sie ist intelligent, sie hat berufliche Ambitionen und möchte arbeiten. Ziele, die sich Ende des 19. Jahrhunderts jedoch nicht selbstverständlich verfolgen lassen. Und so begleiten wir Maric auf ihrem mit vielen Schwierigkeiten verbundenen, abenteuerlichen Weg als Frau von Albert Einstein. Ein spannender und erhellender Einblick sowohl in die Welt der Physik, als auch in die Lebensbedingungen von Frauen der damaligen Zeit.

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224 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 22 Rezensionen

anthony mccarten, comic, england, familie, jugend, krankheit, krebs, leben, leukämie, liebe, psychologe, roman, sex, sterben, tod

Superhero

Anthony McCarten , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.04.2008
ISBN 9783257237337
Genre: Romane

Rezension:

JA, DER JUNGE AUF DER BRÜCKE VERGLEICHT SICH MIT VERGLÜHENDEN STERNEN, WÄHREND ER DARAUF WARTET, DASS DIE EINZELNEN ELEMENTE SEINES TODESWUNSCHES – EKEL, WUT, SCHMERZ, ÜBELKEIT, SCHWÄCHE, FRUSTRATION, UNGERECHTIGKEIT, NEID, EINSAMKEIT, REUE – SICH ZU EINER KRAFT VERBINDEN, DIE AUSREICHT, IHN IN DIE TIEFE ZU STOSSEN. (SEITE 38

Auf der diesjährigen LitBlog Convention hatte ich das Glück, der Lektorin Anna von Planta lauschen zu können, die von ihren Begegnungen mit Anthony McCarten und seinen Werken sprach. Sie erzählte auch von ihrem ersten Eindruck von „Superhero“ und ihrem Erstaunen über dieses ungewöhnliche Manuskript. Der Roman ist in Teilen wie ein Theaterstück, wie ein Comic, wie ein Drehbuch geschrieben – ein Sammelsurium der verschiedenen Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Doch nicht allein das macht „Superhero“ zu dem, was es ist: zu einem besonderen Werk.

Denn unabhängig vom Erzählstil hat Anthony McCarten eine äußerst feinfühlige Geschichte über einen todkranken Jungen geschrieben, die gleichzeitig traurig, überraschend witzig und vielschichtig ist. Der Autor nimmt das Schicksal von Donald Delpe ernst, zeichnet es aber nicht nur Grau in Grau. Vielmehr strotzt „Superhero“ förmlich vor Farbe und Leben, nicht zuletzt wegen der Comic-Szenen, die man als Leser auf Anhieb vor Augen hat. Sie bringen Abwechslung ins Lesen, ebenso wie in Donald’s tristen Alltag zwischen Behandlungen und Therapie und die Zeit mit seiner Familie. Die Comic-Geschichten sind wunderbar überspitzt und im Grunde dreht sich alles nur um Superhelden und Schurken und Sex. Vor allem Letzterer ist omnipräsent in Donald’s Gedanken und gleichzeitig ein wichtiges Plotelement.

DANN UM DIE MITTAGSZEIT EIN KLEINER AUSFLUG ZUR RADIOLOGIE, EINE ART MITTAGSPAUSE AUF DEM ATOMWAFFENTESTGELÄNDE; NACH GENAU DER RICHTIGEN DOSIS GAMMA- UND RÖNTGENSTRAHLEN, MIRKO- UND ÜBERHAUPT ALLEM AUSSER DER LA-OLA-WELLE, WIRD ER ZURÜCK ZUM VERGNÜGUNGSDAMPFER GEFAHREN, STATION EINS, STADTKRANKENHAUS WATFORD, UND DA LIEGT ER, MIT GIFT VOLLGEPUMPT, EIN ZUCKENDER ZOMBIE. (SEITE 173

Doch wer nun meint, dass es in „Superhero“ nur um einen hormongesteuerten Jugendlichen dreht, irrt sich. Klar geht es um Erfahrungen, doch anfangs kaum spürbar, später immer offenkundiger, gewinnt die Story an Tiefe und Emotionalität. Und auch Donald Delpe ist kein eindimensionaler Charakter. Mal fügt er sich desillusioniert in sein Schicksal, mal lehnt er sich geradezu heroisch dagegen auf. Aber ganz gleich, wie er sich gerade fühlt, er flieht regelmäßig in seine Comic-Welt. Sie ist sein Refugium, sein Safe-Space, sein alternatives Universum, in dem alles in Ordnung ist. Dort kann er alles sein und alles erleben, was ihm im echten Leben verwehrt bleibt.

OB GESUNDHEIT NICHT AUCH METASTASEN BILDEN KONNTE? […] WARUM SOLLTE MAN SICH NICHT MIT AKUTEM WOHLGEFÜHL ANSTECKEN KÖNNEN, EINER KRANKHEIT, ÜBER DIE DIE GESAMTE WELTGESUNDHEITSORGANISATION STAUNEN WÜRDE, EINE EPIDEMIE, DIE SICH GNADENLOS AUSBREITET, DIE JEDEN ERWISCHEN KANN, UND JEDER, BEI DEM SIE AUSBRICHT, FÜHLT SICH… EINFACH WUNDERBAR. (SEITE 238/239)

Rund um Donald Delpe gibt es noch weitere Charaktere, deren Schicksal von nicht weniger großer Intensität ist. Da wären die Eltern von Donald sowie sein Bruder und sein Psychologe und dessen Ehefrau. Alle rotieren sie um Donald, mit ihren eigenen Sorgen, Wünschen und Hoffnungen im Gepäck. Dank ihnen rückt das Schicksal von Donald – so schwer zu tragen es auch ist – nicht zu sehr in den Vordergrund. Der Autor drückt dadurch nicht unentwegt und schon gar nicht zwanghaft auf die Tränendrüse, sondern achtet sorgsam darauf, dem Leser einen Ausgleich zu bieten und ein rundes Bild zu zeigen.

Fazit

„Superhero“ von Anthony McCarten ist eine sehr berührende Geschichte über den schwerkranken Donald Delpe, der seinen eigenen Helden erfindet und am Ende ganz anderen und realen Helden begegnet, die ihn auf seinem Weg begleiten. Diese Geschichte ist stilistisch äußerst vielseitig: Comic trifft auf Theater trifft auf Drehbuch. Doch der Mix funktioniert! Als Leser ist man unmittelbar Teil dieser manchmal etwas verrückten, aber immer liebenswerten Welt von Donald Delpe. Man lacht, man weint, aber nie wird man in diese Emotionen gedrückt – was das Thema nahe legen könnte -, sie kommen unaufdringlich und echt. Ein tolles Buch!

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412 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

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Magisterium - Der Weg ins Labyrinth

Cassandra Clare , Holly Black , Anne Brauner
Flexibler Einband: 354 Seiten
Erschienen bei ONE, 12.08.2016
ISBN 9783846600344
Genre: Jugendbuch

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Unland

Antje Wagner
Flexibler Einband: 381 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 28.05.2018
ISBN 9783407745118
Genre: Jugendbuch

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44 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Cyril Avery

John Boyne , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2018
ISBN 9783492058537
Genre: Romane

Rezension:

„SIE SAGEN DOCH NIEMANDEM ETWAS?“, FRAGTE ICH.
„SAGE WAS NICHT?“
„WAS ICH IHNEN GERADE ERZÄHLT HABE. DAS ICH NICHT NORMAL BIN.“
„GROSSER GOTT“, SAGTE SIE, LACHTE UND STAND AUF. „SEIEN SIE NICHT ALBERN. KEINER VON UNS IST NORMAL. NICHT IN DIESEM VERDAMMTEN LAND.“ (SEITE 290)

John Boyne ist vielen sicherlich durch seinen Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bekannt. 2009 wurde die Geschichte verfilmt. Darüber hinaus hat Boyne viele weitere Romane geschrieben, „Cyril Avery“ ist nun sein neuestes Werk. Darin geht es um einen Jungen, der im engstirnigen und gottesfürchtigen Irland der Nachkriegszeit mit seiner Homosexualität zu kämpfen hat. Wir begleiten ihn auf seinem gesamten Lebensweg, von seiner Geburt bis hin ins hohe Alter, 70 Jahre lang. Dabei widmet sich John Boyne den wichtigen Themen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die diese vergangenen Jahrzehnte besonders prägten.

„Cyril Avery“ – im Original übrigens „The Heart’s Invisible Furies“ – hat mich nachhaltig beeindruckt. Es hat mich tief berührt, es hat mich schrecklich wütend gemacht, ich war sprachlos und fassungslos und doch habe ich regelmäßig herzhaft gelacht. All diese Emotionen stecken in den Zeilen, dicht an dicht nebeneinander. Oft so dicht, dass man bei einem Satz am liebsten vor lauter Ärger schreien möchte, nur um im nächsten in schallendes Gelächter auszubrechen. Was für ein atemberaubender Drahtseilakt für die Nerven und gleichzeitig: Was für ein informativer und hochinteressanter gesellschaftskritischer Roman.

ABER DAS WAR DUBLIN, DIE HAUPTSTADT DES LANDES. MEIN GEBURTSORT, DEN ICH LIEBTE, INMITTEN EINES LANDES, DAS ICH HASSTE. EINE STADT VOLLER GUTHERZIGER UNSCHULDIGER, ELENDER HEUCHLER, EHEBRECHERISCHER MÄNNER, HINTERHÄLTIGER PRIESTER, ARMER, DIE KEINE HILFE VOM STAAT BEKAMEN, UND MILLIONÄRE, DIE IHM DAS BLUT AUSSAUGTEN. (SEITE 389)

Die Geschichte beginnt mit der Geburt von Cyril, die bereits unter einem schlechten Stern steht. Eine uneheliche Geburt in Irland im Jahr 1945 ist eine undenkbare Schande – sagt die Kirche. Frauen werden von ihren Familien aus dem Haus geworfen, sollen sie zusehen, wie sie zurechtkommen. So auch Cyril’s Mutter, die ihn gezwungenermaßen zur Adoption freigibt. Cyril hat Glück im Unglück, es mangelt ihn bei seinen Adoptiveltern an nichts materiellem, allerdings sind sie etwas speziell, beachten ihn kaum und wenn, führen sie die absurdesten Gespräche mit ihm. Sein beschauliches, seltsames Leben nimmt eine Wende, als er Julian trifft. Und Cyril? Er verliebt sich.

Fortan begegnet der Leser Cyril in Intervallen von sieben Jahren. Man wird Zeuge, wie er als Teenager gegen die Kirche und ihre Zwänge und Restriktionen rebelliert, wie er seine Homosexualität entdeckt und in Angst lebt, entdeckt zu werden. Wie er sich selbst und seine Wünsche verleugnet, um in Sicherheit leben zu können. Als er endlich flieht, erlebt er Mitte/Ende der 80er Jahre in New York die Aids-Krise mit, die Ausbreitung der „Schwulenkrankheit“. Aber auch Feminismus spielt in dem Roman eine große Rolle, die Geringschätzung weiblicher Intelligenz wird zentral thematisiert sowie der respektlose Umgang mit der weiblichen Sexualität. Am Ende schließt sich der Kreis und Cyril kehrt 2015, nach dem Referendum über die Homo-Ehe, nach Irland zurück.

VIELLEICHT GAB ES DARIN [ANM. D. RED. IN UNSERER GESCHICHTE] AUCH ÜBERHAUPT KEINEN BÖSEWICHT. NUR MÄNNER UND FRAUEN, DIE VERSUCHTEN, DAS BESTE ZU TUN. UND DARAN SCHEITERTEN. (SEITE 708)

Letztendlich ist „Cyril Avery“ eine Geschichte über Heimat. Denn trotz aller Einschränkungen und Schrecken, die Cyril in Irland erlebt, bleibt es seine Heimat, sein Zuhause. Das kann er nicht loslassen. Und es geht um Cyril’s Herz, das einiges mitmacht und das nur, weil es sich nun einmal zu Männern hingezogen fühlt. Dieses Herz wird Anfeindungen und Vorurteilen ausgesetzt, es erlebt unerfüllte Liebe und die glückliche Liebe. Und immer ist man ganz nah am Protagonisten dran, der sein Leben mit einer Mischung aus „sich treiben lassen“ und „ich packe die Dinge an“ meistert. Er ist bei Weitem kein perfekter Protagonist, sondern fehlbar. Einer, der sich durch durchschlägt, und manchmal richtige, manchmal falsche Entscheidungen trifft.

Was „Cyril Avery“ besonders auszeichnet, ist Leichtigkeit. Ähnlich wie Jane Austen besitzt John Boyne diesen unglaublich klugen Humor, eine feine Antenne für Heiterkeit, dass er jeder noch so furchtbaren oder ernsten Situation ein Quentchen Witz abzuringen vermag. Allein die Dialoge sind zum niederknien komisch. Das ist ungemein charmant. Und gerade diese Leichtigkeit ermöglicht es einem, sich mit Cyril’s Schicksal auseinanderzusetzen. Sie macht es erträglich und erlaubte mir den bedingungslosen emotionalen Zugang.

Fazit

Geradezu monumental ist „Cyril Avery“: 70 Jahre gesellschaftskritische Lektüre, von Irland über Amsterdam bis hin nach New York, von der Nachkriegszeit 1945 bis 2015. John Boyne widmet sich in „Cyril Avery“ seinem Protagonisten und begleitet ihn durch sein herausforderndes Leben. Homosexualität, Homophobie, Emanzipation, Liebe, Freundschaft, Heimat, Familie, Aids und Tod – alle diese Themen finden in diesem großartigen Roman Platz. Und anstatt angesichts dieser Themen in Schwermut zu versinken, verleiht ihnen Boyne’s teils deftiger, aber immer herzlicher Humor eine äußerst angenehme Leichtigkeit. Was für eine Mischung! Wer auch nur ansatzweise interessiert ist: Dieses Buch will gelesen werden.

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Zwischen zwei Fenstern

Dianne Touchell , Birgit Schmitz
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.11.2014
ISBN 9783551560049
Genre: Jugendbuch

Rezension:

DIESE HEIMLICHKEIT IST SPANNEND. UND SIE IST NOTWENDIG. DAS IST SCHLIESSLICH NICHT UNSER ORT. WIR HABEN UNSEREN EIGENEN ORT, DEN RAUM ZWISCHEN ZWEI FENSTERN (SEITE 57)


Bedrückend, erschreckend, abstoßend, seltsam, wunderschön, still, tiefgründig, verstörend, hoffnungsvoll. Das sind Stimmungen und Empfindungen, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an „Zwischen zwei Fenstern“ denke. Es gibt noch mehr davon, denn Dianne Touchell kann mit Worten umgehen. Sie braucht nur wenige Seiten, 256 um genau zu sein, um in mir die komplexesten Emotionen hervorzurufen. Teils gingen mir die Worte so nah, dass ich eine Pause brauchte von Maud und Creepy. So heißen die Protagonisten, die sich in benachbarten Häusern befinden und einen ungewöhnlichen, zarten Kontakt zueinander zwischen ihren beiden Fenstern aufnehmen. Sie sprechen nicht miteinander, auch wenn sie sich in der Schule begegnen, sie kommunizieren lediglich über auf Zettel geschriebene Notizen, die sie an die Scheibe halten.

ICH ÜBERNEHME IMMER DIE GEDANKEN, ÜBERZEUGUNGEN UND EIGENSCHAFTEN VON DEM, DEM ICH AM MEISTEN GEFALLEN MÖCHTE. ICH HABE KEINE PERSÖNLICHKEIT. WIRF EIN, WAS DU WILLST, UND ES WIRD ZU MIR WERDEN, BIS JEMAND WICHTIGERES, PENETRANTERES KOMMT UND DICH VERDRÄNGT. (SEITE 48)

Was nach einem harmonisch-romantischem Jugendbuch klingt, in dem sich zwei junge Außenseiter kennenlernen und ineinander verlieben, täuscht. Dieser Roman ist ganz anders. Denn Maud ist psychisch krank, sie reißt sich ihre Haare aus, teilweise bis ihre Kopfhaut blutet. Sie erfährt keine wundersame Heilung durch Liebe, wie es oft in Jugendbüchern dargestellt wird. Und Creepy, so nennen ihn alle an der Schule, ist … nun ja, unheimlich. Er beobachtet Maud durch ein Fernglas, liest unendlich viele Bücher und hat eine wahnsinnig seltsame Vorstellung von Liebe. Beide sind also tatsächlich etwas schräg.

Mit Schuld daran sind sicherlich die Elternhäuser, denn die Mütter und Väter der beiden haben ziemlich handfeste Probleme. Creepy’s Eltern streiten unentwegt miteinander, so sehr, dass der Vater den Hund auf die Mutter hetzt. Maud wird von ihrem Vater geschlagen. Zu allem Überfluss liegen beide Elternpaare auch noch miteinander im Clinch. Angesichts dieses unangenehmen Alltags, versuchen Maud und Creepy irgendwie zurechtzukommen. Sie bauen sich ihre eigene kleine (Gedanken-)welt, was Touchell sprachlich außerordentlich gut aufbereitet. Ich könnte versinken in ihren Worten, die mal eine abstoßende, dann wieder eine extrem faszinierende Wirkung auf mich haben.

ALLE SEHEN MICH AN, ALLE ERWARTEN ETWAS VON MIR, ABER MEINE STIMME GEHÖRT MIR NICHT MEHR. SIE WIRD AUS MIR HERAUSGESOGEN UND VERSCHWINDET IM NU UND DAS EINZIG REALE IST DAS ECHO, DAS ZURÜCKKEHRT. (SEITE 83)

Besonders beleuchtet die Autorin die psychologische Verfassung von Maud und Creepy. Sie ließ mich so tief in die Köpfe von den beiden eintauchen, dass ich meinte, mich in ihnen zu verlieren. Zusätzlich reichert sie ihre Kapitelanfänge mit Gedanken von Maud sowie mit Buchzitaten von Creepy an, die sehr aufschlussreich und immer enorm passend sind. Sie zeigen, wie sehr Maud sich in ihre eigene Gedankenwelt zurückzieht, während Creepy versucht, in der Literatur eine Antwort zu finden.

Inwiefern ist dieses Buch nun positiv? Ich weiß es nicht. Kleiner Spoiler: Allerdings erlaube ich mir, aus der letzten Seite so etwas wie eine neue, hoffnungsvolle Ausrichtung herauslesen zu können. Doch letztendlich erwartet den Leser ein offenes Ende, das er zu interpretieren frei ist.

Fazit

„Zwischen zwei Fenstern“ von Dianne Touchell ist ein sehr faszinierendes Buch, das mich vor allem sprachlich begeistert hat. Es liest sich jedoch nicht leicht und es ist für empfindliche Leser sicherlich des Öfteren schwer verdaulich – ich musste oft schlucken. Die psychologische Tiefe, die sich darin jedoch auftut, entschädigte mich dafür mehr als genug. Es ist mit 256 Seiten nicht lang und dennoch wurden so viele Empfindungen in mir wachgerüttelt, dass ich noch immer einzelnen Momenten nachhänge. Klar ist: Es spaltet die Gemüter, aber ich finde, das Lesen lohnt sich!

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Wie man die Zeit anhält

Matt Haig , Sophie Zeitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281676
Genre: Romane

Rezension:

„DIE ERSTE REGEL LAUTET, DU DARFST NICHT LIEBEN“, SAGTE ER. „ES GIBT NOCH ANDERE REGELN, ABER DAS IST DIE WICHTIGSTE. DU DARFST DICH NIEMALS VERLIEBEN.“ (SEITE 7)

Die Grundidee gefällt mir sehr gut: Es geht um Tom Hazard, der viel langsamer altert als andere Menschen und bereits 400 Jahre zählt, obwohl er aussieht wie 40. Anhand seiner Erinnerungen wird die Vergangenheit lebendig: Er begegnete Persönlichkeiten wie Shakespeare und Captain Cook – und ist dennoch schrecklich einsam. Wie muss es sein, inmitten einer Vielzahl von Menschen zu sein und dennoch nicht so recht am Leben dieser Menschen teilhaben zu können, da man ständig seine Identität wechseln muss? Matt Haig widmet sich dieser Einsamkeit und diesem Gefühl der Isolation bis ins feinste Detail. Er kostet die Emotionen aus, die Tom Hazard empfindet. Die Erschöpfung, die Antriebslosigkeit, die fehlende Anteilnahme – alles Motive, die durchschimmern lassen, wie sich der Autor gefühlt haben muss, wenn die Depression ihn im Griff hatte. Diese Authentizität zog mich in ihren Bann.

UND SIE STARB UND ICH LEBTE, UND EIN ABGRUND TAT SICH VOR MIR AUF, DUNKEL UND BODENLOS, UND ICH FIEL HINEIN UND FIEL UND FIEL, JAHRHUNDERTELANG. (SEITE 37)

Zu Beginn war auch die Geschichte enorm aufregend und vielseitig. Die Rückblicke entführten in die Kindheit von Tom Hazard, in die Zeit der Hexenverfolgung, die Elisabethanische Ära in England und die 1920er Jahre. Man erlebt die Pest und lernt Shakespeare von einer erfrischend anderen Seite kennen. Doch je länger ich diese Geschichte las und so faszinierend die Rückblicke auch waren, sie nahmen für mich einen zu großen Teil der Erzählung ein. Mir fehlte der Fokus auf die Gegenwart, die so viel Interessantes bietet! Hier wollte ich tiefer eintauchen und mehr erfahren. Natürlich sind die Erinnerungen von Tom Hazard notwendig, um ihn als Charakter vollständig zu verstehen, seine Einsamkeit nachvollziehen zu können, doch dieses ständige Hin und Her überforderte mich und ärgerte mich schlussendlich.

DAS LEBEN, DAS SICH STETS WIEDERHOLTE, WURDE ÖDE. IRGENDWANN KAM KEIN LÄCHELN MEHR, KEINE GESTE, DIE MAN NOCH NICHT GESEHEN HATTE. KEINE VERÄNDERUNG IN DER WELTORDNUNG, DIE NICHT DAS ECHO EINER ANDEREN VERÄNDERUNG WAR. (SEITE 43)

Durch die Zeitsprünge hatte ich nicht das Gefühl, dem Protagonisten wirklich näherzukommen. Er wirkte wie zersplittert auf mich, zu distanziert, einfach nicht rund und vollständig. Natürlich kann dies unterstreichen, dass er durch die vielen Identitäten auch schlicht seine eigene Mitte nicht findet, doch meinen Geschmack traf dies leider nicht. Zusammengehalten wird „Wie man die Zeit anhält“ recht gut durch die Art, wie Matt Haig schreibt. Er findet sehr treffende Worte für Hazards Gedanken und Gefühle. Das machte sein neuestes Werk zumindest gut lesbar, trotz meiner Kritik.

Fazit

„Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig ist mehr als ein Roman – es sind mehrere Romane in einem, denn der Leser wandelt auf den Spuren von Protagonist Tom Hazard. Und die sind beachtlich! Über 400 Jahre Menschheitsgeschichte wurden in diesen Roman gepresst und in einzelnen Szenen genauer betrachtet. Äußerst spannend. Leider wurden mir die Zeitsprünge zu anstrengend, ich wäre lieber mehr beim Tom Hazard der Gegenwart geblieben. Stattdessen stolperte ich von einer Zeit in die andere und verlor so schlicht zu oft den Faden zur Geschichte und den Draht zum Charakter. Der Schreibstil ist allerdings entwaffnend und macht den Roman dennoch zu einem schönen Erlebnis.

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Schildkrötenwege

Matthew Quick , Knut Krüger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 29.03.2018
ISBN 9783423762045
Genre: Jugendbuch

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Die fünf Gaben

Rebecca Ross , Anne Brauner , Susann Friedrich
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.02.2018
ISBN 9783551583635
Genre: Jugendbuch

Rezension:

DAS HAUS MAGNALIA GALT ALS BILDUNGSANSTALT, IN DER WOHLHABENDE BEGABTE MÄDCHEN IHRE PASSION MEISTERTEN. (SEITE 17)

„Die fünf Gaben (Valenias Töchter 1)“ von Rebecca Ross ist ein Fantasyroman für Jugendliche ab 14 Jahren und erfüllt sämtliche Erwartungen an dieses Genre. Leider, muss ich ergänzen, denn ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin hier und da mit den Erwartungen bricht, überrascht und mich auf eine unbekannte Reise mitnimmt. So ist die Geschichte solide und durchaus spannend und schön zu lesen, bietet mir aber nichts Neues. Darüber hinaus gibt es weitere Aspekte, die mich etwas störten, auf die ich in meiner Rezension zu sprechen kommen werde.

Allem voran: Brauchen wir wirklich noch eine Geschichte, in der sich Frauen in fünf sogenannten Passionen ausbilden lassen, um anschließend einen Gönner zu finden? Gut, die Gönner können sowohl männlich als auch weiblich sein, doch die Passionen entsprechen sehr einem überholten Rollenbild von Frauen. So werden die jungen Mädchen je nach Gabe in diesen Passionen unterrichtet: Kunst, Musik, Schauspiel, Esprit oder Wissen. Wissen wäre noch die emanzipierteste Passion, da es hier darum geht, sich in verschiedensten Fachrichtungen weiterzubilden, wie zum Beispiel Medizin oder Geschichte.  Das Gesamtbild ist mir aber zu einseitig. Brienna wird im Wissen unterrichtet und lernt viel über die Geschichte ihres Landes, Valenia. Dabei stößt sie auf ein großes Unrecht, dass dem Nachbarkönigreich Maveana widerfahren ist.

ICH ACHTETE AUF MEINEN GANG, WÄHREND MEIN KLEID WIE EIN HAUCH ÜBER DEN RASEN WEHTE UND MEINE KINDHEIT MIT SICH NAHM. AUF DIESE NACHT HATTE ICH MICH JAHRELANG VORBEREITET, DACHTE ICH UND ATMETE DEN SOMMERDUFT EIN. (SEITE 122)

An dieser Stelle gibt es in „Die fünf Gaben“ einen positiveren Twist, denn in Maevana waren es ursprünglich stets die Frauen, die als Königinnen auf dem Thron saßen und das Land regierten. Bis es zu einem Krieg kam, in dessen Folge ein Mann zum König ernannt und mögliche Thronfolgerinnen getötet wurden. Dieses Unrecht gilt es wieder ungeschehen zu machen und Brienna findet sich mittendrin, da sie eine wichtige Schlüsselfunktion innehat. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen, da der Fokus von der Ausbildung weg, hin zu einer starken Protagonistin geht. Brienna steht im Rest des Buches mutig für das ein, woran sie glaubt und fürchtet keine der vielen Gefahren.

Allerdings konnte mich diese Entwicklung nicht immer vollständig überzeugen, da sie teils zu oberflächlich dargestellt wurde. Das möchte ich an einem Beispiel kurz erläutern: Brienna muss nicht nur in kürzester Zeit sehr viel Neues über Maevana und die Geschichte des Landes lernen, sie befindet sich zudem in völlig neuer Gesellschaft – und zwar in der ihres Gönners und seiner Familie. Diese Familie spielt eine zentrale Rolle und Brienna nimmt die Zielen der Familie sehr schnell und bedingungslos als ihre eigenen an. Sie vertraut ihrem Gönner, der sie als Tochter adoptiert, in kürzester Zeit, ohne ihn wirklich zu kennen und sie fühlt sich ihrem „Vater“ verbunden, als wäre er ihr leiblicher Vater. Für mich herrschte nicht genügend Raum, in dem diese starke Verbindung sich hätte entwickeln können.

„DAS IST EINE LANGE GESCHICHTE“, SAGTE ICH LÄCHELND.  EINES TAGES, DACHTE ICH,  WERDE ICH NIEDERSCHREIBEN, WIE SICH ALLES ZUGETRAGEN HAT. (SEITE 433)

Dieser Eindruck von Oberflächlichkeit zieht sich bis zum Ende des Buches weiter. Brienna war mir als Protagonistin zu farblos, ihre Ängste berührten mich kaum, gleiches gilt für ihre übrigen Gedanken. Teils kann ich das auf den Schreibstil zurückführen, der wenig auffällig ist und selten durch besondere Ausdrücke oder Bilder hervorsticht. Dadurch fehlt es der Gedanken- und Gefühlswelt von Brienna leider oft an Schärfe und Individualität. Der Vorteil des Schreibstils: Das Buch liest sich wahnsinnig schnell und flüssig.

Abseits der Kritikpunkte, die selbstverständlich sehr persönlicher Natur sind, gibt es natürlich auch einige positive Aspekte. Was mir extrem gut gefiel war, dass in „Die fünf Gaben“ keine Liebesgeschichte im Mittelpunkt steht. Sie wird in vielen Momenten angedeutet, doch sie nimmt niemals so viel Raum ein, als dass alle anderen Handlungen daneben verblassen. Auch war die Liebesgeschichte realistisch und nachvollziehbar. Das Abenteuer ist für sich genommen ebenfalls gut. Magie, Königreiche, Könige und Königinnen, Legenden, Kriege und Aufstände. Eine tolle Mischung, aus der Rebecca Ross meiner Meinung nach schlicht noch mehr hätte herausholen können.

Fazit

„Die fünf Gaben (Valenias Töchter 1)“ von Rebecca Ross ist ein Fantasyroman, der sich auf vertrautem Terrain bewegt. Er bot für meinen Geschmack zu wenig Überraschendes, durch das sich mir die Geschichte um Brienna ins Gedächtnis brennen könnte. Auch die Darstellung der Frauen, die eine von fünf Passionen lernen, um anschließend von einem Gönner auserwählt zu werden, hatte für mich leider einen faden Beigeschmack. Insgesamt aber ist es für junge Leser eine spannende Geschichte, ein Abenteuer, das sich gut lesen lässt und unterhaltsame Stunden bescheren kann.

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Schattengesicht

Wagner Antje
Sonstige Buchform: 190 Seiten
Erschienen bei Ulrike Helmer Verlag, 01.02.2018
ISBN 9783897414136
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

BLEIB BEI MIR, DACHTE ICH. BLEIB BEI MIR, UND NICHTS WIRD JEMALS SCHIEF GEHEN. (SEITE 104)

Wer auf der Suche nach einem Geheimtipp ist, der sollte unbedingt einen Blick in „Schattengesicht“ von Antje Wagner werfen, denn ich war der Geschichte von der ersten Seite an verfallen. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich übte sie eine enorm starke Sogkraft aus. Auf dem Cover steht „Thriller“, doch es steckt so viel mehr darin.

In „Schattengesicht“ geht es um Mila und Polly, zwei enge Freundinnen, die in einer heruntergekommenen Wohnung zusammen leben. Mila arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel, Polly hingegen verlässt die Wohnung fast nie. Sie scheinen auf der Flucht zu sein, sie verstecken sich. Doch wovor? Das erfährt der Leser nicht. Überhaupt bleibt vieles von der Handlung über weite Strecken hinweg unklar.

Nur eine Sache lässt sich früh erahnen. Doch das macht nichts, denn es geht Antje Wagner, so meine Annahme, nicht darum, ihre Leser möglichst lange im Dunkeln tappen zu lassen. Vielmehr geht es darum, Klarheit über das „Warum?“ zu erlangen, denn hinter jedem Tun von Mila und Polly steht diese Frage, der Antje Wagner sprachlich virtuos nachgeht. Sie nimmt die Empfindungen ihrer Protagonistin auseinander und verpackt sie gleichzeitig wieder in beinahe schmerzhaft schöne Bilder. Schmerzhaft ist ein gutes Stichwort, denn würde ich die Geschichte von Mila und Polly in einem Wort zusammenfassen müssen, wäre es das: schmerzhaft.

ICH DACHTE NIE, DASS MIR ETWAS PASSIEREN KÖNNTE. CARSTEN UND INA VERWECHSELTEN MICH MIT JEMAND ANDEREM. MIR KONNTE NICHTS GESCHEHEN, NUR DIESER TOCHTER, DIE ES NICHT GAB. (SEITE 137)

Anfangs ist es ein nicht wirklich greifbarer Schmerz, der sich durch die Gedanken und Erinnerungen von Mila zieht. Doch er ist vorhanden, er zeigt sich in kurzen Momenten, in Situationen, in denen Mila unsicher und zögerlich ist, in denen sie sich verletzlich fühlt. Später wird der Schmerz sehr real und nimmt dadurch eine neue Dimension ein. Man ahnt, dass man dem Ursprung des Schmerzes auf der Spur ist, dass man ihm mit jeder gelesenen Seite näherkommt und damit auch der Erklärung für all die Ungereimtheiten.

Antje Wagner geht hier brillant subtil vor. Sie streut Andeutungen und reichert ihre Geschichte Stück für Stück weiter an. Dazu trägt in großem Maße bei, dass „Schattengesicht“ rückwärts erzählt wird. So ist es ein logischer Prozess, dass die Hintergründe erst im Verlauf des Lesens aufgedeckt werden, denn sie liegen in der Kindheit von Mila vergraben.

ICH SANK IN DIE ERINNERUNG, IN DAS GEFÜHL EINER FREMDEN EINSAMKEIT, DAS ICH AN JENEM NACHMITTAG IN HALBREICH VERSPÜRT HATTE, UND MEHR ALS ALLES FÜHLTE SICH DIESE ERINNERUNG WIE EIN ZUHAUSE AN. (SEITE 154)

In gleichem Maße, wie Seite für Seite das Verstehen zunimmt, wächst auch das Verständnis für Mila. Zu Beginn wurde ich nämlich nicht recht schlau aus ihr. Sie ist ein eigenwilliger Charakter. Weder Gespräche noch die Handlung trugen dazu bei, sie besser verstehen zu können. Mila ist ein einziges großes Rätsel und es ist ein faszinierender Prozess, sie kennenzulernen. Ebenso Polly. Wer ist sie? Ohne Frage ist sie ein mutiger Dickkopf, der sich für andere einsetzt. Schon früh erlebt man sie in Aktion. Doch was macht sie darüber hinaus aus? Was hat sie alles erlebt? Welche Rolle spielt sie in Milas Kindheit? Fragen über Fragen.

Eines ist klar: „Schattengesicht“ ist eine Geschichte, in der dem Leser Raum geschenkt wird, seinen eigenen Ideen und Vermutungen nachzugehen. Könnte hier nicht ein Zusammenhang bestehen? Was, wenn sich dies oder jenes zugetragen hätte…? Sehr anregend! Noch dazu spielt Antje Wagner teils herrlich bewusst mit den Erwartungen. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Fazit

„Schattengesicht“ von Antje Wagner ist ein Thriller, der mich mit seiner Sprache, seiner Bildgewalt, seiner Charakterentwicklung und seinem Aufbau begeisterte, wie lange kein Buch zuvor. Die Stimmung ist düster, geheimnisvoll, drückend und spannungsgeladen und man wird mit einem Verdacht durch die Geschichte getragen, bis dieser sich erhärtet und alles sich zu einem großen Ganzen fügt. Für mich eine der großartigsten Entdeckungen in diesem Jahr.

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Mein Date mit den Sternen - Blaues Funkeln

Bettina Belitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 19.03.2018
ISBN 9783570165096
Genre: Jugendbuch

Rezension:

NIRGENDWO FÜHLTE ICH MICH WOHLER UND GEBORGENER ALS IN MEINER KLEINEN, FEINEN STERNWARTE AUF DEM DACHBODEN UND NICHTS WAS SPANNENDER UND ZUGLEICH BERUHIGENDER ALS DER NACHTHIMMEL IM WINTER. (SEITE 10)

Bettina Belitz ist eine meiner liebsten deutschen Autorinnen. Daher habe ich mich umso mehr gefreut, dass mit „Mein Date mit den Sternen – Blaues Funkeln“ der Auftakt für eine neue Reihe erschienen ist. Es geht um die Sterne, das Weltall, eine geheimnisvolle Botschaft, einen besonderen Auftrag und mysteriöse Männer in Schwarz – und ja, diese Bezeichnung sorgt auch innerhalb der Geschichte für einen herzlichen Lacher. Ob mich „Mein Date mit den Sternen“ ebenso begeistern konnte, wie die anderen Bücher von Bettina Belitz, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Die Jugendbücher von Bettina Belitz umgibt immer etwas magisches, die Geschichten wirken auf mich, als seien sie nicht ganz von dieser Welt. Entrückt und fantasievoll sind sie. Weniger entrückt, dafür aber natürlich voller Fantasie und vor allem mit einer geballten Ladung Humor, kommt „Mein Date mit den Sternen“ daher. Es ist für eine jüngere Zielgruppe geschrieben (die Empfehlung lautet ab 12 Jahre, es ist aber meines Erachtens auch schon für 8 bis 11 Jahre alte Kinder geeignet), doch ich fühlte mich auch als Erwachsene gut unterhalten. Als Jugendliche hätte ich dieses Abenteuer geliebt.

EINE NÄCHTLICHE VISION OHNE KLAR BEWIESENEN ERDNUSSSCHOCK, EIN MUTIERTER VERTRAGSPARTNER MIT DER SCHNEEKÖNIGIN ALS MUTTER UND EIN BROKKOLISTEIN, VON DEM NIEMAND WUSSTE, WOHER ER KAM – MEIN LEBEN BEGANN KOMPLIZIERT ZU WERDEN. (SEITE 45)

Und ein Abenteuer ist es wirklich! Denn Joss und Maks haben nicht nur mit Mobbing in der Schule zu kämpfen, sie erhalten außerdem einen kosmischen Auftrag. Was genau es damit auf sich hat, möchte ich nicht verraten, doch so viel sei gesagt: Sie erfahren Unglaubliches über sich selbst.

Der Reiz der Geschichte liegt besonders darin, dass wir es mit zwei jungen Menschen zu tun haben, die absolute Außenseiter sind. Sie fühlen sich fehl am Platz zwischen ihren Mitschülern, sie finden keinen Anschluss und zu allem Überfluss machen ihnen auch noch zahlreiche Allergien und Unverträglichkeiten zu schaffen. Joss und Maks sind schlicht seltsam. Doch das schweißt sie zusammen und diese besondere Energie hat Bettina Belitz sehr gut eingefangen. Sie sind nicht ganz Freunde, aber auch keine Fremden. Sie vertrauen einander, wissen aber nicht, inwieweit dieses Vertrauen auch die Grenzen ihres bisherigen Zusammenseins überstehen kann. Sie wissen sehr viel über einander, kennen sich aber trotzdem nicht richtig. Eine wirklich spannende Dynamik.

DIE GANZE WELT, JA, MEIN GANZES LEBEN FÜHLTE SICH ANDERS AN ALS SONST. ALS WÜRDE SICH ETWAS UM MICH HERUM VERDICHTEN UND MICH EINKESSELN, WEIL ES MICH ZU ETWAS LEBENSWICHTIGEM AUFFORDERTE. (SEITE 55)

Die Geschichte entwickelt sich durchweg sehr schnell, was mir gut gefallen hat. Nur ab der Mitte wäre es schön gewesen, etwas länger in einer Situation bleiben zu können, um mehr Details zu erfahren. Der Leser sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert, für die es erst einmal keine Antworten gibt. Zwar hat man durch einen Prolog ein bisschen mehr Ahnung vom großen Ganzen, doch alle Informationen hat man natürlich längst nicht. „Mein Date mit den Sternen“ liest sich also ziemlich rasch weg, denn als Leser ist man genauso erpicht darauf, hinter das Geheimnis zu kommen, wie Joss und Maks.

Joss ist eine absolut liebenswerte Protagonistin, mit einem herrlich unverkrampften und humorvollen Blick auf die Welt. Sie wird zwar gemobbt, ist aber ziemlich tough und steckt alle Missetaten ihrer Mitschüler erstaunlich gut weg. Außerdem ist sie äußerst klug und eine wahre Astronomie-Expertin. Maks hingegen ist eher der ruhige Skeptiker, der Joss aufs Feinste ergänzt. Ich liebe die beiden zusammen, vor allem, wenn erzählt wird, welche Erste Hilfe Maßnahmen sie beherrschen und ausüben, um einander bei allergischen Reaktionen oder sonstigen Notfällen zu helfen. Und ich liebe die beiden, wenn sie später auch ab und an mal aneinandergeraten. Eine Liebesgeschichte ist dieses Jugendbuch aber nicht. Zumindest nicht in Band 1. Doch wer weiß, was noch alles kommt.

Fazit

„Mein Date mit den Sternen“ von Bettina Belitz ist ein herzerwärmendes, humorvolles, spannendes und süßes Jugendbuch. Ich habe es sehr gerne gelesen, würde es aber eher den jüngeren Lesern ans Herz legen. Erwartungen älterer Leser würden unter Umständen nicht vollkommen erfüllt werden. Doch das Gesamtpaket stimmt, die Geschichte ist wunderbar fantasievoll, mit einer tollen Protagonistin und sprachlich natürlich ganz im für Bettina Belitz typischen, ausdrucksstarken Stil.


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31 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Fuchs und Feuer

Heather Fawcett , Simone Wiemken
Fester Einband
Erschienen bei Dressler, 19.03.2018
ISBN 9783791500720
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„WILLST DU BEHAUPTEN, ICH KANN DAS NICHT?“
„ICH GLAUBE, DU KANNST ALLES“, ERWIDERTE ER LEISE. „DAS IST ES, WAS MIR ANGST MACHT.“ (SEITE 28)

„Fuchs und Feuer“ von Heather Fawcett hat vor allem eines geschafft: Es hat mich überrascht! Ich erwartete eine klassische Fantasy-Geschichte für Jugendliche, die eher den ausgetretenen Pfaden dieses Genres folgt. Dennoch reizte mich etwas an diesem Buch. Sicherlich das Cover und ebenso das Thema Bergsteigen. Doch darüber hinaus? Ich kann es nicht benennen. Umso glücklicher bin ich, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, denn auch wenn anfangs noch vieles darauf hindeutete, dass dieses Debüt von Autorin Heather Fawcett nichts bahnbrechend Neues liefern würde, wurde ich eines Besseren belehrt: In dieser fantastischen Geschichte um Bergsteigerin Kamzin stecken Fantasie und viele neue Ideen drin.

Die junge Kamzin wird auserwählt, eine gefährliche Reise auf den Gipfel des Berges Raksha zu machen. Sie soll dem bekannten und sagenumwobenen Entdecker River Shara den Weg weisen. Damit erfüllt sich ihr großer Traum, auf den sie schon ihr ganzes Leben hingearbeitet hat und von dem sie niemals zu hoffen gewagt hatte, dass er jemals Wirklichkeit werden würde. Es begleitet sie unter anderem ihr bester Freund Tem. Er sorgt sich um sie, denn bisher sind alle Expeditionen zum Berg gescheitert. Bis hierhin bietet „Fuchs und Feuer“ kaum Überraschungen. River Shara ist gutaussehend und ziemlich arrogant, dennoch fühlt sich Kamzin zu ihm hingezogen. Tem ist in Kamzin verliebt, sie aber nicht in ihn. Doch Stopp, ehe sich die beinahe schon übliche Dreiecksgeschichte entfalten kann und auch sonst gängige Klischees erfüllt werden, beginnt der Roman neue Seiten zu zeigen.

DAS LEBEN IM DORF WAR KLEIN, STILL UND WOHLGEORDNET, ICH WOLLTE LÄRM, ABENTEUER UND WEITE LANDSTRICHE, DIE SICH VOR MIR ERSTRECKTEN WIE WEISSES PERGAMENT, AUF DAS ICH MIT MEINEN EIGENEN GESCHICHTEN SCHREIBEN KONNTE. (SEITE 186

Die Ideen von Heather Fawcett sind wunderbar einfallsreich. Sie hat eine einzigartige Welt erschaffen, die fantastisch und dennoch realistisch ist. Ein Abenteuerroman für Bergsteiger trifft auf fantastische Gefahren und Geheimnisse. Kamzin’s Welt ist friedlich, sieht sich aber einer großen Bedrohung ausgesetzt. Diese zu verhindern, ist die Aufgabe von River Shara. Magische Kräfte, unheimliche Wesen und Dämonen kommen ins Spiel. Und selbst dem Berg wohnt eine seltsame Kraft inne. Zudem ist die Geschichte reich an Details über das Bergsteigen. Blutende Finger, abgebrochene Nägel, erfrorene Zehen und zahlreiche andere Verletzungen stehen an der Tagesordnung. Dies trägt stark dazu bei, dass man sich mittendrin wähnt. Ich bestieg mit Kamzin und River und Tem diesen Berg und kämpfte mich mit ihnen die Bergmassive hinauf.

Vor allem aber ist es der Verlauf der Geschichte, der mich vor allem ab der Mitte in Atem hielt. Vieles konnte ich erahnen, doch das meiste waren Überraschungen und der Showdown auf den letzten Seiten kann sich wirklich blicken lassen. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie diese Geschichte weitergeht.

ES WAR NICHTS EINLADENDES AN DIESEM BERG – GANZ IM GEGENTEIL. JE LÄNGER ICH HINAUSSTARRTE, DESTO MEHR WAR ICH DAVON ÜBERZEUGT, DASS DER RAKSHA UNS DORT NICHT HABEN WOLLTE. (SEITE 234)

Hinzu kommen Charaktere, die rundum glaubwürdig sind und es einem einfach machen, sie auf dem Weg durch ihre Geschichte zu begleiten. Kamzin ist eine starke Protagonistin, die allein schon in Band 1 eine große Entwicklung macht. Treiben sie anfangs noch Ehrgeiz und Eifer an, wird sie bald schon von den Ereignissen überrollt. Es bleiben Verzweiflung und ein eiserner Wille. River Shara ist über weite Teile des Buches hinweg der typische Bad Boy, in den sich die Protagonistin verliebt. Doch am Ende zeigt er sich von einer ganz neuen Seite, die mich richtig berührte und die vor allem der Beziehung zwischen Kamzin und ihm eine ganz neue Dynamik verleiht. Tem nimmt die undankbare Rolle des vor Liebe blinden Freundes ein. Er folgt Kamzin und kümmert sich wenig um sein eigenes Wohlergehen oder seine persönlichen Ziele im Leben. Aber auch er bleibt nicht in dieser Rolle gefangen, sondern zeigt unerwartete Stärken.

Fazit

„Fuchs und Feuer“ von Heather Fawcett ist ein starker Auftakt einer Fantasy-Reihe. Die Autorin weicht von gängigen Klischees ab, so dass ich immer wieder von neuen Ideen und Entwicklungen überrascht wurde. Ein großer Pluspunkt dafür! Vor allem aber die Charaktere und die Schilderung der Bergbesteigung haben mich durchweg überzeugt. Die Charaktere sind vielschichtig und ihre Gefühle und Gedanken zu jeder Zeit nachvollziehbar. Das Bergsteigen wird mit einer solchen Detailgenauigkeit beschrieben, dass es unwillkürlich die gleiche Faszination auf mich ausübte, wie die Protagonistin es selbst empfindet. Sehr empfehlenswert.

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52 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

angst, biografie, entführung, extremsituation, familie, hoffnung, intensiver erfahrungsbericht, jan philipp reemtsma, johann scheerer, jugend, langeweile, lösegeld, lösegeldforderung, musik, reemtsma-entführung

Wir sind dann wohl die Angehörigen

Johann Scheerer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492059091
Genre: Biografien

Rezension:

WIR WAREN AUS UNSEREM UNIVERSUM HINAUSKATAPULTIERT WORDEN. DIE ZEIT, WIE WIR SIE KANNTEN, EXISTIERTE NICHT MEHR. (SEITE 19)

„Und ich schau wieder auf die Uhr: du bist immer noch nicht da
Keine Ahnung wo du bleibst, es ist wahr:
Mir ist langweilig […]“*

Nachdem ich „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Johann Scheerer in der vergangenen Woche gelesen hatte, hat sich der Sinngehalt des Liedes *“Langweilig“ von den Ärzten für mich grundlegend geändert. In dem autobiografischen Bericht des Hamburger Musikproduzenten ist Langeweile ein zentrales Motiv, denn vor 22 Jahren konnte Johann Scheerer 33 Tage lang nichts anderes tun, als im Nichtstun zu verharren und zu warten: Am 25. März 1996 wurde sein Vater, Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, entführt und erst 33 Tage später wieder freigelassen.

Was tut man, wenn der normale Alltag, bestehend aus Schule, Tests und Treffen mit Freunden in den Hintergrund rückt und wochenlang von Sorgen, Unsicherheit und eben Langeweile ersetzt wird? Wenn die Welt, wie man sie kennt, auf ein einziges, erschreckendes und unbegreifliches Ereignis zusammenschrumpft? Johann Scheerer findet sich plötzlich in einer anderen Welt, in einer anderen Galaxie, wieder. Alles verschiebt sich, alles von dem er glaubte, es sei normal, bleibt ihm plötzlich verschlossen. Stattdessen öffnet sich ein großes schwarzes Loch, das alles Normale verschluckt und seine Welt aus den Angeln hebt. Er glaubt nicht, dass er seinen Vater lebend wiedersehen wird.

In einem Lebensabschnitt, in dem Johann Scheerer damit beginnt, sich von seinen Eltern zu distanzieren, durchdringen und beengen auf einmal Verwandte, Freunde, Polizei und Helfer sein Zuhause und sein Leben. Sie arbeiten und wohnen auf engstem Raum zusammen, und dennoch steht jeder für sich, mit seinen individuellen Sorgen und Nöten. Denn teilen lässt sich die Wahrnehmung dieser Entführung nicht, jeder empfindet sie anders, geht anders damit um.

Johann Scheerer empfindet vor allem Langeweile. Er schaut Fernsehen, Videos, hört Musik. Geht ins Kino, kauft sich eine Gitarre. Einzig die Neuigkeiten der Entführer durchbrechen diese neuen Abläufe. Nicht alles erfährt Johann Scheerer unmittelbar, er hält sich heraus und wird herausgehalten, erfährt viele, teils erschreckende Details erst später. Seiner Mutter möchte er keine zusätzliche Last sein, er zieht sich zurück. Das Gefühl von Machtlosigkeit und eine zunehmende Isolation machen ihm zu schaffen, doch mit wem kann er reden? Wem kann er sich anvertrauen? Zu mächtig und unwirklich erscheint die Situation, als dass er sie (mit-)teilen könnte, und so schlagen einzelne Versuche, in den gewohnten Alltag zurückzufinden, fehl.

MEIN KÖRPER SCHIEN SEIT TAGEN TAUB UND GAR NICHT MEHR IN DER LAGE, GEFÜHLE ZU ZEIGEN. DAS GEFÜHL, WIE MIT WACHS ÜBERZOGEN ZU SEIN, VON DER AUSSENWELT ABGESCHNITTEN, ALLEIN UND UMGEBEN VON EINEM VAKUUM, DAS NICHTS AN MICH HERANLIESS, DAS ICH SCHON AM ERSTEN MORGEN GESPÜRT HATTE, WAR MEIN NORMALZUSTAND, DEN ICH NICHT MEHR HERSTELLEN MUSSTE, DAFÜR ABER AUCH NICHT ÄNDERN KONNTE. (SEITE 215)

Sensibel und persönlich, aber stets mit einer gewissen Nüchternheit erzählt Johann Scheerer von diesen 33 Tagen, in denen er sich des Todes seines Vaters gewiss wähnte. Dabei überlässt er seinem jüngeren Ich das Wort, blickt nicht mit heutigem Wissen und Erfahrungsschatz auf diese Zeit zurück, sondert erinnert sich an kleine Details, an Ausflüge, Gespräche der Erwachsenen, Momentaufnahmen und seine Gedanken und Empfindungen als Dreizehnjähriger. Umso zerbrechlicher und verletzlicher wirkt der Bericht insgesamt. Man spürt, wie wenig Johann Scheerer teils vielleicht auch heute noch die Zeit der Entführung mit seinem „normalen“ Leben in Einklang oder gar in Verbindung bringen kann. Sie steht für sich, kann beschrieben, aber nicht emotional erfasst werden. Ein schwarzes Loch eben.

KEINE WORTE. KAUM WEINEN. KEIN LAUT.
NUR SCHWERE ATMEN IN DER UNFASSBARKEIT.
UNAUSSPRECHLICHES WAR GESCHEHEN. NICHT IN WORTE ZU FASSEN.
NICHT IN UNSERER GALAXIE. NICHT IN MEINER. NICHT IN SEINER.ES FÜHLT SICH AN, ALS SCHWIEGEN WIR IMMER NOCH. (SEITE 222)

Niemand, der nicht in einer ähnlichen Lage war, kann sich vorstellen oder nachempfinden, was ein Entführungsfall innerhalb der Familie mit einem jungen Menschen und den Eltern macht. Wie weitreichend und tiefgreifend verändernd dies nachwirkt. Bis heute fällt es allen Beteiligten schwer, über die 33 Tage zu reden. Wie soll man auch Worte finden für etwas, das so aus dem Rahmen der gängigen Erfahrungen fällt?

Lediglich Jan Philipp Reemtsma hatte bereits unmittelbar nach seiner Entführung damit begonnen, seine Erinnerungen und Gedanken niederzuschreiben. „Im Keller“ heißt sein Bericht, mit dem er die Absicht verfolgt, die in der Öffentlichkeit kursierende Geschichte wieder zu seiner Geschichte zu machen. Nun schildert der Sohn seine Seite des Erlebten, die unterschiedlicher nicht sein könnte, jedoch gleichermaßen einen Versuch darstellt, das Schweigen zu brechen und die einzelnen Galaxien, die sich im Frühjahr 1996 gebildet haben, wieder zusammenzuführen.

Fazit

„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Johann Scheerer ist eine berührend persönliche und präzise Beschreibung der Entführung Jan Philipp Reemtsma’s aus Sicht des damals dreizehnjährigen Sohnes. Es geht nicht um bahnbrechende Erkenntnisse und nicht darum, am Erlebten zu wachsen, sondern um 33 Tage voller Langeweile und Warten, Unsicherheit und Ängste und darum, wie es ist, wenn ein Ausnahmezustand zum Normalzustand wird.

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24 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Das Buch der seltsamen neuen Dinge

Michel Faber , Malte Krutzsch
Fester Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 12.03.2018
ISBN 9783036957791
Genre: Romane

Rezension:

PETER, ICH LIEBE DICH, SCHRIEB SIE. ER LAS IHRE GRÜSSE MEHRMALS, NICHT, UM SIE ZU GENIESSEN, SONDERN UM ZU WARTEN, BIS DIE WORTE MEHR ALS NUR AUF EINEM PLASTIKSCHIRM ANGEORDNETE PIXEL WAREN, BIS ER IHRE STIMME HÖRTE. (SEITE 39

„Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ lässt sich kaum in eine Form pressen, denn Michel Faber behandelt darin eine Vielzahl an Themen: Liebe, Christentum, Missionarisierung, Umwelt, Naturkatastrophen, Weltraumforschung. Auf über 600 Seiten geht Faber den Dingen auf den Grund, nichts streift er flüchtig, jeder Gedanke erhält die Menge an Zeilen, die er benötigt, um vollständig und umfassend zu Ende gedacht zu werden. Dadurch kann ich nur empfehlen: Nehmt euch Zeit für dieses Buch, denn darin gibt es vieles zu entdecken. Achtung, meine Rezension ist nicht frei von Spoilern, da ich auf einige spezielle Aspekte der Geschichte näher eingehen möchte. Es wird jedoch nicht zu viel verraten.

„Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ beginnt mit einer Reise. Pastor Peter Leigh erhält das einmalige Angebot, eine Reise zum fernen Planeten Oasis zu machen, um dort die Bewohner das Christentum zu lehren. Das kann er nicht ausschlagen, obwohl es bedeutet, seine Frau Bea lange Zeit nicht sehen zu können. Doch Peter und Bea lieben sich innig und sind sich sicher, diese Zeit ohne den anderen verkraften zu können. So macht sich Peter also auf den Weg. Auf Oasis begegnet er nicht nur den Bewohnern den Oasiern, sondern natürlich auch anderen Forschern der Station. Beide bilden in ihrem Verhalten einen spannenden Kontrast: die Oasier, so fremd und doch menschlich mitfühlend, die Menschen, so vertraut und doch so seltsam distanziert und kühl. Die Charaktere und die feinsinnige Darstellung zeichnet dieses Buch sehr aus.

AUF SEINEN BEFEHL SUCHTE EIN NETZ AUS RAFFINIERTER TECHNIK DEN KOSMOS NACH IHREN GEDANKEN AB UND FAND NICHTS. NUR DEN EINEN VERZWEIFLUNGSSCHREI, DER NOCH AUF DEM SCHIRM LEUCHTETE, DIE VIER SCHRECKLICHEN WORTE IN KONTEXTLOSER GRAUER LEERE. (SEITE 535)

Der Roman lebt von weiteren Kontrasten und spielt mit den Erwartungen. So erwartet man vom Leben auf Oasis Abenteuer, Spannung und Gefahren, stattdessen stellt sich Oasis als friedlicher Ort heraus. Beinahe schon idyllisch, wäre es nicht so eine karge Landschaft. Auf der Erde hingegen ereignet sich eine Naturkatastrophe nach der anderen. Es wird zwar nie eindeutig gesagt, doch es liegt nahe, dass sie durch die Klimaerwärmung ausgelöst oder zumindest verstärkt werden. Bea durchleidet also Dramen, die für Peter in immer weitere Ferne rücken. Wie kann der jeweils andere nachvollziehen und nachempfinden, was dem Partner widerfährt? Der Leser spürt in der Kommunikation von Peter und Bea, wie sie voneinander wegdriften und die Lebensrealität des jeweils anderen nicht nachvollziehen können. Ein faszinierender Prozess von Distanzierung und Annäherung, die Michel Faber sehr treffend in Worte fasst.

DENN DU KOMMST NICHT ZU MIR ZURÜCK, ODER? DIR GEFÄLLTS DA OBEN. DU BIST AUF DEM PLANETEN GOTT. SELBST WENN DU ZU MIR ZURÜCKKÄMST, WÄREN WIR NICHT ZUSAMMEN. (SEITE 555)

Natürlich spielt die christliche Religion auch eine wichtige Rolle in dem Roman. Dies aber niemals aufdringlich, wertend oder belehrend, sondern das Christentum stellt schlicht eine Möglichkeit dar, die Welt und das Leben wahrzunehmen. Allerdings haben sowohl Peter als auch Bea den absoluten Willen, andere Menschen zu bekehren. Faber geht jedoch vielmehr der Frage nach, was mit dem Glauben passiert, wenn die Welt sich von ihrer unbarmherzigsten und brutalsten Seite zeigt. Hat man dann noch die Kraft, an Gott zu glauben?

Fazit

Michel Faber zeigt in „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“, was Menschen und Lebewesen unterschiedlichster Herkunft dazu bewegt religiös zu sein oder religiös werden zu wollen, aber auch, was sie dazu bringen kann, sich vom Glauben abzuwenden. Dieses Grundthema ergänzt um eine Reise zu einem fremden Planeten sowie eine aufwühlend düstere Zukunftsvision der Erde, machen diesen Roman ungeheuer faszinierend. Besonders aber bleiben mir die hervorragend gezeichneten Charaktere in Erinnerung, die diesen Roman mit Leben füllen.

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543 Bibliotheken, 32 Leser, 0 Gruppen, 72 Rezensionen

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Mein Herz in zwei Welten

Jojo Moyes , Karolina Fell
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 23.01.2018
ISBN 9783805251068
Genre: Romane

Rezension:

Jojo Moyes hat mit „Mein Herz in zwei Welten“ bereits den dritten Roman rund um die quirlige Lou geschrieben, mit der wir zum ersten Man in "Ein ganzes halbes Jahr" Bekanntschaft geschlossen haben. Darin wird sie Pflegerin von Will, der seit einem Unfall Tetraplegiker ist, also seine Arme und Beine nicht bewegen kann. Zwischen beiden entspinnt sich eine innige Freundschaft und später eine zarte Liebe. Band 2, „Ein ganz neues Leben“, habe ich nicht gelesen, doch wer wissen möchte, worum es darin geht, kann auf rowohlt.de die Handlung nachlesen. Da es sich bei „Mein Herz in zwei Welten“ um Band 3 handelt, ist diese Rezension nicht frei von Spoilern.

Lou hat den schmerzhaften Verlust von Will mit Hilfe von Sam verkraftet und hat neuen Mut geschöpft. Daher bricht sie aus ihrem gewohnten Leben aus und begibt sich auf große Reise – nach New York. Ein Jahr lang möchte sie bei der Familie Gopnik als Assistentin arbeiten. Die Gopniks sind reich und wohnen unmittelbar am Central Park. Eine fremde, aber auch faszinierende Welt, tut sich vor Lou’s Augen auf. Doch wie kann sie sich an diesen neuen Alltag anpassen und gleichzeitig nicht die Verbindung zu ihrem Zuhause und zu Sam verlieren?

„Mein Herz in zwei Welten“ widmet sich hauptsächlich zwei großen Themen. Zum einen wird das Leben der Reichen in New York beschrieben. Zum anderen blickt die Autorin in das Innenleben von Lou, betrachtet ihre Entwicklung und ihre Beziehung zu Sam. Insgesamt bietet der Roman daher viel interessantes, das den Leser gut unterhält. Letztendlich griff die Autorin für meinen Geschmack jedoch auf zu viele Klischees zurück, wodurch die Geschichte allzu seicht geriet.

Schauen wir mal genauer hin: Hinter der glänzenden Fassade der High Society von New York wird gelogen, betrogen und gelästert. Der Fitnesswahn hat alle fest im Griff und das Geld wird für allerhand unnützes Zeug aus dem Fenster geschmissen. Essen wird geliefert, sofern nicht sowieso in einem schicken Restaurant gegessen wird, der Chauffeur fährt einen überall hin und Skandale werden am Dinnertisch genüsslich ausgekostet. Erinnert sehr an die Serie „Gossip Girl“ und eine Vielzahl anderer Romane, Filme und Serien über New Yorks reiche Elite und bietet daher wenig Neues.

ICH WURDE ZU EINEM SCHATTEN, UND ZWAR SO SEHR, DASS ICH MANCHMAL DAS GEFÜHL HATTE, MEINE PERSÖNLICHKEIT WÜRDE SICH AUFLÖSEN UND MEINE EXISTENZ HÄTTE NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEN BEDÜRFNISSEN ANDERER EINEN SINN. (SEITE 217/218)

Lou’s Weg hätte hier eine schöne Bereicherung sein können. Und ich fand es auch durchaus lesenswert, wie sie diese Welt der Schönen und Reichen wahrnimmt und wie sie versucht, ihren Platz darin zu finden. Doch auch hier ist die Entwicklung vorhersehbar, vor allem das Ende. Jojo Moyes findet wenig neue Aspekte, obwohl die Gefühle und Zweifel von Lou durchaus gut herausgearbeitet werden. Andere Autoren haben sich demselben Thema ebenfalls gewidmet – Colm Toíbín in „Brooklyn“ beispielsweise. Auch hier reist ein junges irisches Mädchen nach Amerika, um dort einen Neuanfang zu wagen. Auch sie ist hin und her gerissen zwischen zwei  Männern auf unterschiedlichen Kontinenten. Doch Toíbín schafft es, seine Geschichte einzigartig zu erzählen.

MEIN LEBEN VOR DEN GOPNIKS WAR IN EINE GEISTERHAFTE FERNE GERÜCKT, MIT DEM ICH, SOWEIT ES DER TERMINKALENDER ERLAUBTE, DURCH GELEGENTLICHE TELEFONATE UND E-MAILS VERBINDUNG AUFNAHM. (SEITE 218)

Das liegt sowohl am Schreibstil als auch an der mangelnden Ernsthaftigkeit. Lou konnte ich des Öfteren schlicht nicht für voll nehmen. Sie ist so naiv und möchte es jedem Recht machen, dass ich manchmal meinte, sie anschreien zu müssen. Erst gegen Ende entwickelt sie den Biss, der mir fehlte. Die Autorin tut ihr Übriges mit ihrer Art zu schreiben. Zu humorvoll, zu oberflächlich sind ihre Worte, um wirklich spürbar zu machen, was Lou erlebt. Vielleicht ist es auch eine Typfrage, doch ich persönlich wurde in „Mein Herz in zwei Welten“ nicht sonderlich warm mit der Protagonistin.

Fazit

„Mein Herz in zwei Welten“ von Jojo Moyes bietet gute Unterhaltung und ist für Leser, die die Geschichte von Lou und Will in „Ein ganzes halbes Jahr“ mochten, sicherlich eine schöne Lektüre. Allerdings vermisste ich Alleinstellungsmerkmale, die „Mein Herz in zwei Welten“ von anderen Büchern, Filmen oder Serien mit ähnlichem Thema abgrenzen. Zu sehr begegnet man gewohnten Klischees und Storylines. Hier hätte ich mir mehr Tiefe erhofft und einfach etwas Neues. Daher: unterhaltend, aber nicht anspruchsvoll.

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91 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Crooked Kingdom

Leigh Bardugo
Flexibler Einband
Erschienen bei Henry Holt, 27.09.2016
ISBN 9781250119315
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem ich "Six of Crows" von Leigh Bardugo bereits sehr gerne gelesen hatte, war natürlich klar, dass ich den zweiten Band der Dilogie, „Crooked Kingdom“ (deutscher Titel: Das Gold der Krähen), auch lesen musste. Insbesondere der Cliffhanger lässt auch kaum etwas anderes zu. Also folgt mir erneut in die Welt der Grischa, auf nach Ketterdam! Liebe Leser, da diese Rezension an die Handlung von Band 1 anknüpft, ist sie unter Umständen nicht frei von Spoilern.


Leigh Bardugo liefert in „Crooked Kingdom“ reichlich Action und Kampfsituationen, aber auch eine gute Charakterentwicklung. Hinzu kommen abenteuerliche Verstrickungen, die es mir zwar stellenweise schwer machten, dem Plot zu folgen, die aber auch den Reiz der Geschichte ausmachen. Inej und Kaz, Jesper und Wylan, Matthias und Nina stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Nicht nur muss Inej befreit werden, auch Jan van Eck muss erledigt werden, denn er schuldet den Sechs weiterhin ihr Geld. Zudem müssen sie eine Lösung für das lebensgefährliche „Jurda Parem“ finden. In wessen Hände soll die Droge gelangen? Wo ist sie sicher vor Missbrauch? Aber Kaz wäre nicht Kaz, wenn er nicht für jede noch so verzwickte Lage eine Lösung parat hätte.

Das lässt „Crooked Kingdom“ wie eine James Bond-Verfilmung im High Fantasy-Stil anmuten. Irgendwie cool. Ein Problem gibt der nächsten Herausforderung die Klinke in die Hand und Kaz, Inej, Matthias, Nina, Jesper und Wylan begegnen ihnen allen mit Bravour und der ihnen eigenen Portion Humor. Es herrscht niemals Ruhe und niemals Zeit, um innezuhalten und zu reflektieren. Hier folgt Schlag auf Schlag, Hau-drauf-Kraftpaket von Buch. Mich hat es teilweise ein wenig zu sehr gefordert, ich musste es aus der Hand legen – eindeutig kein Buch, das ich Stunden am Stück hätte lesen können.

„ISN’T THAT HOW THINGS ARE DONE AROUND HERE?“ ASKED WYLAN. „WE ALL TELL KAZ WE’RE FINE AND THEN DO SOMETHING STUPID?“
„ARE WE THAT PREDICTABLE?“ SAID INEJ.
WYLAN AND MATTHIAS SAID IN UNISON, „YES.“ (SEITE 164)

Das Setting von Ketterdam ist dabei wie auch schon in Band 1 sehr zuträglich zur Geschichte. Atmosphärisch dicht, vollerer düsterer Gassen und anderer stimmungsvoller Unterschlupfe. Man wähnt sich mittendrin, riecht diese Stadt, hört ihre Geräusche und sieht die Gestalten durch die Straßen schreiten und in Spielhäusern ihr Glück versuchen. Die Stimmung ist rau und hart, und man spürt förmlich, wie sich der Druck innerhalb der Stadt zusehends aufbaut. Keine Frage also, die Autorin hat ein Händchen dafür, Handlungsorte plastisch und ausdrucksvoll zu beschreiben.

THE SILENCE BETWEEN THEM WAS DARK WATER. HE COULD NOT CROSS IT. HE COULDN’T WALK THE LINE BETWEEN THE DECENCY SHE DESERVED AND THE VIOLENCE THIS PATH DEMANDED. IF HE TRIED, IT MIGHT GET THEM BOTH KILLED. (SEITE 184)

Abseits der Spannung widmet Leigh Bardugo trotz allem den zwischenmenschlichen Gefühlen ihre Aufmerksamkeit. So erfährt man nicht nur einiges mehr über Jesper, Wylan, Kaz und Co., auch die Verbindungen von Jesper und Wylan, Nina und Matthias sowie Kaz und Inej entwickeln sich weiter. In welche Richtung sie dies tun, verrate ich natürlich nicht. Nur so viel sei gesagt, das Ende berührte mich auf vielfache Weise.

Hierbei störte mich lediglich, dass die eingestreuten Gedanken und Erinnerungen sehr vom aktuellen Geschehen ablenkten. Ich war gedanklich einfach nicht bereit, mich mit der Vergangenheit von Jesper oder Wylan oder Kaz zu befassen, wenn es doch gerade viel dringlichere Probleme gibt. Vielleicht hätten der Geschichte einige ruhigere Momente gutgetan. In diesem Umfeld hätte ich mich lieber und dann auch intensiv mit den Gefühlen und Gedanken der Charaktere auseinandergesetzt.

Fazit

„Crooked Kingdom“ von Leigh Bardugo ist ein durchweg spannender Abschluss der neuen Grischa-Dilogie. Ein vielschichtiger Plot und interessante Charakterentwicklungen tun ihr Übriges, um diese Geschichte sehr lesenswert zu machen. Ich liebe den Humor und ich liebe den Handlungsort Ketterdam mit all seinem rauen Charme. Stellenweise war mir allerdings die Taktung der Actionsequenzen zu schnell, ich hätte gerne ein paar Verschnaufpausen gehabt – auch, um mich intensiver mit den Gefühlen und Gedanken der Charaktere befassen zu können. Alles in allem aber eine großartige Reihe, die ich wärmstens empfehle.

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1.277 Bibliotheken, 60 Leser, 1 Gruppe, 165 Rezensionen

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Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

SPRITZIGES ABENTEUER VOLLER SPANNUNG UND COOLER ACTION.

Mit „Six of Crows“ (deutscher Titel „Das Lied der Krähen“), kehrt Leigh Bardugo in die Welt der Grischa zurück, die sie 2012 mit ihrer Grischa-Trilogie ins Leben rief. Band 1 dieser Trilogie hatte ich kürzlich gelesen, hier findet ihr meine Rezension zu „Grischa – Goldene Flammen“„Grischa – Goldene Flammen“. „Das Lied der Krähen“ ist der Auftakt einer neuen Dilogie, in der die Leser nach Ketterdam zurückkehren, und nach vielen begeisterten Stimmen kam ich nicht drumherum, mir diese Fortsetzung ebenfalls zu kaufen.

Die Begeisterung zu „Das Lied der Krähen“ war geradezu überschwänglich. Kaum ein Blogger, der die Geschichte um Kaz und Inej nicht über alle Maße lobte. Mir hat sie ebenfalls gut gefallen, allerdings bin ich vielleicht nicht ganz so euphorisch wie manch andere. Der Anfang zieht sich dazu etwas zu schleppend dahin – eine Tatsache, die mir bereits bei „Grischa – Goldene Flammen“ auffiel. Leigh Bardugo braucht einige Zeit, bis ihre Geschichte an Tempo und Spannung gewinnt. Viel Zeit wird zuvor darauf verwendet, in die Vergangenheit der Charaktere einzutauchen und deren derzeitiges Leben in Ketterdam zu schildern.

„WHAT’S THE JOB?“
„AN IMPOSSIBLE JOB, NEAR CERTAIN DEATH, TERRIBLE ODDS, BUT SHOULD BE SCRAPE IT…“ HE PAUSED, FINGERS ON THE BUTTONS OF HIS WAISTCOAT, HIS LOOK DISTANT, ALMOST DREAMY. (SEITE 66)

Ab der Hälfte jedoch wird „Das Lied der Krähen“ spannend und temporeich. Hinzu kommen ein sprühender Witz und eine Ahnung von Liebe. Die Charaktere üben sich in Schlagfertigkeit, dass ich oftmals laut auflachen musste. Das ist einfach cool. Beinahe schon zu cool, denn schließlich begeben sich die sechs jungen Erwachsenen in extrem brenzlige Situationen und riskieren in jeder Sekunde ihr Leben. Allerdings funktioniert die Coolness, denn die Krähen sind eine hartgesottene, knallharte, abgehärtete und äußerst realistische und risikofreudige Bande, die das Leben in der Gosse gewöhnt ist. Sie machen das Beste aus ihrer Situation, haben dennoch Hoffnungen und wagen es trotz allem, für ihre Freiheit und sogar für die Liebe zu kämpfen.

Diese Tatsache bereichert die Geschichte in meinen Augen sehr, denn ohne Hoffnung und Liebe wäre die Befreiungsaktion zwar unterhaltsam, aber auch nicht viel mehr als das. Reine Action ist mir nicht genug, das Zwischenmenschliche muss ebenfalls herausgearbeitet sein. Das hat Leigh Bardugo gut geschafft, denn die zarten Gefühle einiger Gefährten füreinander sind herzerwärmend und wunderschön.

SIX PEOPLE, BUT A THOUSAND WAYS THIS INSANE PLAN COULD GO WRONG. (SEITE 355)

Die Welt ist reich an fantasievollen Details, aber auch immer realistisch genug, als dass man sich sofort in sie hineinversetzt fühlen kann. Der Leser lernt die dunklen Gassen von Ketterdam kennen, die See, den eisigen Norden und natürlich das dort befindliche, bestgesicherte Gefängnis. Eine interessante Welt mit ihren eigenen Konflikten und ihrer eigenen Historie. Apropos Historie: Es ist nicht notwendig, die Grischa-Trilogie zuvor zu lesen, da zwar Bezug auf vergangene Ereignisse genommen wird, diese aber für das Verständnis nicht relevant sind beziehungsweise ausreichend erläutert werden.

Fazit

„Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo hat mich zwar nicht von Anfang an mitgerissen, insgesamt jedoch ziemlich überzeugt. Die ersten Seiten ziehen sich etwas zäh, danach nimmt die Geschichte aber Fahrt auf und das Abenteuer beginnt. Ich mochte insbesondere den Witz und Charme von Kaz, Inej, Matthias, Nina, Jesper und Wylan, der trotz Risiken und Lebensgefahr nicht abnimmt. So wird aus „Das Lied der Krähen“ eine turbulente Angelegenheit, die nicht an Herz und Freundschaft vermissen lässt.

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Ellas Schmetterlinge

Eva-Maria Obermann
Flexibler Einband
Erschienen bei bookshouse, 29.05.2017
ISBN 9789963537075
Genre: Romane

Rezension:  
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