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alexander kröger, utopie, ddr, alexander-kröger-werkausgabe, akw

Antarktis 2020

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 21.07.2017
ISBN 9783945713341
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Ein gewonnener Mensch ist ein Motor, ein gezwungener eine Bremse.“ (S.187)

Zum Inhalt:

Selbstverliebt, unreif und verwöhnt. So könnte man Thomas Monig kurz und prägnant beschreiben. Als junger Absolvent mit solider Ausbildung in Vermessungstechnik glaubt er die Weisheit mit dem legendären Löffel gefressen zu haben. Evelyn, seine Gefährtin, hatte ihm dies schon mehrfach verdeutlicht und sieht sein ausgedehntes Praktikum in einem global agierenden Konzern zum einen als Entwicklungschance – v.a. für seinen Charakter –, aber auch als eine Art Test für ihre Beziehung.

Eben dieses dreiteilige Langzeitpraktikum welches in der Antarkis in Titangora, auf einer künstlichen Insel genannt New Maori in wärmeren Gefilden und anschließend in der segenden Hitze der Sahara zu absolvieren ist, führt Thomas in eine andere Welt, deren herbe Schönheit, aber auch unnachgiebige Härte ihn zu einem Anderen macht. Die Art seiner Arbeit, sein Blick auf soziale Gegebenheiten, der Vergleich seines recht wohl behüteten Lebens mit anderen Kulturen, anderen Lebensentwürfen –auch gescheiterten – lassen ihn erfahren, dass es mehr als das Konzept ICH-MEINER-MIR-MICH gibt. Und es zeigt ihm auf, wie weit er seine persönlichen Grenzen zu erweitern vermag, was Freundschaft, Kollegialität und Zuneigung zu bewegen vermögen, welche Klüfte sich jedoch auch durch eine globale Abrüstung im gesellschaftlichen Gefüge der Erde aufgetan hatten.

Keine der drei Stationen seines Praktikums sollte er jemals wieder vergessen, keinen seiner Gefährten leichten Herzens verabschieden und mit jeder gewonnenen sozialen wie fachlichen Kompetenz mehr und mehr zu einem reiferen Mann und wertvollen Partner werden.

Fazit:

Den Text und mit ihm die Einstellung Krögers zu Wertigkeiten in einer potentiell global friedlichen resp. befriedeten Gesellschaft kann man durchaus kontroversiell diskutieren. Wie im Klappentext bereits erwähnt kann er „…auch heute noch zum Nachdenken anregen, obwohl der gesellschaftliche Hintergrund von der Entwicklung überholt wurde.“ Die Abrüstung ist als Faktum realisiert. Dies mit nicht nur positiven Folgen: Überangebot an Arbeitskräften durch ehemalige Soldaten deren Ausbildung nicht am Arbeitsmarkt orientiert war; das Herauskristallisieren von Gesellschaftsschichten minderer und höherer Bezahlung und Aussichten auf Realisierung eines erstrebenswerten Lebenszieles; Kriegsmaterial, welches nur noch Dienst tun sollte, bis es „vom moralischen zum physischen Zerfall geworden war.“(S.118).

Kröger zeichnet ein durchwachsenes, jedoch nicht allzu kritisches Bild einer stark hierarchischen orientierten Gesellschaft, deren Individuen sich primär darüber zu definieren scheinen, wie sie sich in ihr durch Arbeit für ein größeres Ganzes – man könnte es auch Kollektiv nennen – definieren können. Die Menschheit prescht vor, versucht aus der Erde eine Art Garten Eden unter Einsatz enormer technischer Mittel zu schaffen. Ja man greift sogar in den kühnsten Ideen  – wenn auch nur in Nebensätzen erwähnt – bereits nach den Sternen.

Letzten Endes jedoch ist es noch immer der einzelne Mensch, dessen soziale Qualitäten über Wohl oder Weh entscheiden – sein eigenes, wie das seiner unmittelbaren Umgebung oder in letzter Konsequenz der globalen Gesellschaft.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 4 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: abrüstunng, akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, ddr, deutsche literatur, entwicklungsroman, eutopie, gesellschaft, klaus brandt, science fiction, utopie, wilko müller jr., wissenschaftliche phantastik   (14)
 

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akw, alexander kröger, gentechnik, utopie, kalter krieg

Expedition Mikro

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 306 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 18.08.2017
ISBN 9783945713358
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Mir jedenfalls flößt alles Respekt ein, was lebt, selbst wenn es uns Menschen im Augenblick nicht sosehr nützlich erscheint.“ (S.115)

Zum Inhalt:

Die Welt der Mikros , wie die genetisch verkleinerten Menschen auch genannt werden, stößt nach Generationen der abgeschotteten Entwicklung  an ihre Grenzen. Grenzen des zusehends mehr zerfallenden Schutzraumes, Grenzen der gesellschaftlich sozialen Belastbarkeit und Grenzen der Gesundheit.

Nachdem von der ersten großen Expedition auch nach langer Zeit des Hoffens und Wartens keine Rückmeldung erfolgte, wird ein zweiter ambitionierter Versuch mit der Ozean II gestartet. Die Mannschaft aus hochmotivierten und -qualifizierten Männern und Frauen startet in’s Ungewisse, getrieben von der Hoffnung Kontakt aufzunehmen. Kontakt zu den Makros. Jenen Wesen, um die sich Geschichte und Geschichten ranken.

Als es schlussendlich gelingt die großen Menschen ausfindig zu machen stellen sich Fragen, deren Tragweite erst peu à peu überschaubar wird: Wissen sie überhaupt von der Existenz der Kleinen? Kann es wirklich sein, dass sie die großen Brüder und Schwestern sind? Wie können Gesellschaften die sich über viele Jahrzehnte getrennt entwickelten zusammenfinden, Gemeinsames erarbeiten? Und sind sie wirklich bereit zu helfen, v.a. nachdem sie das gut gehütete Geheimnis des Ursprungs der Mikros erfahren haben?

Fazit:

Mit „Expedition Mikro“ nimmt Alexander Kröger seine Leser mit in eine Welt, in der die miniaturisierten Menschen mit gänzlich anderen physikalischen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben, als dies bei den Großen der Fall ist. Sei es die Oberflächenspannung des lebensnotwendigen Wassers, die Aggregatzustände der Treibstoffe ihrer Fortbewegungsmittel oder die simple Aufgabe – aus Sicht der Mikros – enorme Strecken zurückzulegen, um das keinesfalls gesicherte Ziel der Kontaktausnahme mit den Makros zu erreichen.

Vordergründig geht es um teils halsbrecherische Bewährungsproben in denen schon mal Fische zu Seemonstern und Ameisen zu Fressfeinden werden. Ein wenig dahinter klingt jedoch stets die Auseinandersetzung Krögers mit aktuellen Themen wie Überbevölkerung, Abrüstung, Gentechnik und der generellen Entwicklung der Menschen als soziales Wesen an. Wie solche Themen auch heute präsent sind zeigt u.a. der aktuelle Film „Downsizing“ von Alexander Payne (Trailer), freilich mit einem gänzlich anderen sozialphilosophischen Hintergrund.

Krögers grundsätzlich gesellschaftsutopische Einstellung der (moralischen) Entwicklung des Menschen zum Besseren ist auch in diesem Text unübersehbar. (Pointiert zusammengefasst, hat diesen Grundtenor Alexander Baumbach in einem Artikel zu Krögers „Sieben fielen vom Himmel“ , einem Buch das auch hier im Rahmen der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) rezensiert wurde.) Die Welt der großen Menschen, Makros genannt, wie auch jene der kleinen Menschen wird bevölkert von größtenteils integren, der Gemeinschaft verpflichteten Individuen, die zwar nicht gänzlich altruistisch agieren, deren zentrale Lebensprämisse jedoch das Vorantreiben der menschlichen Vervollkommnung in einer politisch wirtschaftlichen Gemeinschaft ist, in der der Einzelne sowohl nach bestem Wissen gefördert wird, als auch diese Gemeinschaft mit seinen Gaben, seinem Wissen zu vervollkommnen trachtet.

Auch wenn es manchem als augenscheinliche Selbstverständlichkeit erscheint, schließlich wird das Buch nicht selten als genrebegründend geführt, so fielen mir die vielen Parallelen zu Thomas Morus‘ „Utopia“ des Gesellschaftsentwurfes in Krögers Weltbild besonders auf. Insbesondere in den Passagen über die Bedeutung resp. Bedeutungslosigkeit von Geld als Macht- und Zahlungsmittel wird dies z.B. auf S.203f plastisch hervorgehoben.


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Tags: abrüstunng, akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, dd, deutsche literatur, eutopie, gentechnik, kalter krieg, klaus brandt, lieb, mikrokosmos, miniaturisierung, moral, scinece fiction, sociological science fiction, überbevölkerung, utopie, wilko müller jr.   (19)
 

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erzählungen, kurzgeschichten, ulrike stephan, roswitha grüttner, wolfgang freitag

Lichtjahr 5. Ein Phantastik-Almanach.

Autorenkollektiv.
Fester Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Berlin, Verlag Das Neue Berlin,, 01.01.1986
ISBN B002KJ98P2
Genre: Sonstiges

Rezension:

„»Alles was wir von der Welt wissen, sind Umschreibungen unserer Unwissenheit.« Wilhelm Raabe“ (S.69)

Zum Inhalt:

Der Band 5 der Lichtjahr-Serie steht in der Tradition seiner Vorgänger und bietet neben Geschichten von bekannten Kapazundern aus dem Genre wie z.B. den Strugatzkis, Le Guin oder den Steinmüllers auch wieder Beiträge, die sich mit der Positionierung der SF innerhalb des weiten Feldes der Literatur, sowie mit deren Erzähltheorie(en) beschäftigt. So nimmt Werner Förster mit auf eine spannende Achterbahnfahrt durch die SF-Welten verschiedenster Autoren, stets mit einem verschmitzten, beinahe schelmischen Unterton, den Leser auffordernd auf dem Feld der Phantastik die Spreu vom Weizen zu trennen, stets darauf achtend, die Unruhe nach einer „guten“ Geschichte zu wahren.

Erik Simon, Herausgeber auch dieses Bandes, versucht in seinem Beitrag eine Abgrenzung von SF und Fantasy und auch Karsten Kruschel, den mancher als Verfasser der Vilm-Romane kennt, ist mit einem kritischen Text „Zur Problematik von Partnerbeziehungen, Liebe, Sexualität und Erotik in der Science-fiction der DDR“ (S.210) vertreten. (Einige seiner Veröffentlichungen finden sich auch hier auf dem BLOG)

Wie im einführenden Text schon erwähnt wird, setzte sich Erik Simon diesmal das Ziel auch „andere Gebiete der Phantastik vorzustellen, vor allem die in der DDR bisher kaum als eigenständiges Gebiet hervorgetretene Fantasy.“ (S. 1)

Ein weiteres Highlight ist die Fortsetzung der Bibliographie aus den vorigen Büchern für die Jahre 1980 bis 1983 durch Olaf R. Spittel.

Enthaltene Erzählungen:

Dinge – Ursula K. Le Guin Ein Kasten voll Dunkelheit – Ursula K. Le Guin Die Schwester des Märchens – Erik Simon Aus den Legenden von Cotrahviné – Tais Tseng Noah – Detleff Budde Die Strahlung – Jörg Mosch Der Traum – Klaus D. Krüger Die Legende vom einbeinigen Besucher – Arkadi und Boris Strugatzki Sterntaler – Angela und Karlheinz Steinmüller Baba und die zweiundvierzig Stiere – Alfred Leman Durch Zeiten und Räume – Werner Förster Höher als Wolken, Berge und Himmel – Pawel Amnuel Klick! – Ljubow und Jewgeni Lukin Erwachen – Ljubow und Jewgeni Lukin Die letzte Chance – Miloš Ščepka Vier Aspekte der Science-Fiction-Literatur – Ognjan Saparew Das große Annäherungsmanöver – Karsten Kruschel Am Rande zur Ewigkeit – Jörg Gernreich Lotsendienst, ganz alltägllich – Andreas Melzer Fluchtweg achteraus – Andreas Melzer

Fazit:

Neben den textkritischen Artikeln, der Bibliografiefortsetzung und den grafischen Leckerbissen, gelang es Erik Simon in diesem Band erneut einen äußerst interessanten Bogen zu spannen, der den Leser von SciFy zur Fantasy und zurück geleitet. Aus meiner persönlichen Sicht sticht dabei die Erzählung Pawel Amnuels „Höher als Wolken, Berge und Himmel“ besonders hervor, einer Metapher auf die Fähigkeit des menschlichen Entdeckergeistes, auch den dichtesten Nebel der Unwissenheit und des Widerstandes überwinden zu können.

Unter dem berühmten Strich  ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich im Bereich der Phantastik im weiteren Sinne wiederfinden.


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Tags: alfred leman, andreas melzer, angela steinmüller, arkadi strugatzki, bernd a. chmura, boris strugatzki, burckhard labowski, christine unzer-fischer, dd, detleff budde, detlef ringer, dieter heidenreich, dieter thärigen, dystopie ...., eduard albrecht, erik simon, erzählungen, gerd frey, gerhard bunke, gerhard medoch, houdelet gerd, kurzgeschichten, peter sylvester, ralf alex fichtner, roboter, roswitha grüttner, science fiction, stanislaw lem, tais teng, ulrike stephan, ursula rautenberg, werner förster, wolfgang freitag, wolfgang theiler   (34)
 

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fantasy, das rad der zeit, high fantasy, magie, robert jordan

Die Rückkehr des Drachen

Robert Jordan ,
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.10.2005
ISBN 9783492700832
Genre: Fantasy

Rezension:

„Wir sind alle verwundbar im Schlaf, und der Schatten ist in der Nacht besonders stark.“ (S.99)

Zum Inhalt:

Die Fäden welche das Rad zum Gewebe der Zeit verspinnt, jenem, welches man Geschichte nennt, scheinen lockerer zu sein. Doch nur von außen betrachtet, reisen doch die ehemals aufs Engste zusammengeschweißten Gefährten oft allein. Allen voran Rand al´Thor, um seine Freunde nicht zu gefährden, sollte er dem Wahnsinn verfallen, wie die Männer vor ihm, denen der Zugang zur Einen Macht möglich war. Ein Getriebener stets am Rand eines Alptraums, den er mittlerweile sein Leben nennt oder jenem Bruchstück, welches davon noch intakt scheint.

Die Frauen Nynaeve, Egwene und Elayne, die sich verpflichteten, sich um Mat’s Genesung zu kümmern, indem sie ihn ins Zentrum der Macht der Aes Sedai bringen. Perrin, einerseits seine Gabe mit den Wölfen zu denken, zu kommunizieren verfluchend, andererseits nicht mehr davon loskommend in einer Art Hassliebe.

Und wie bereits zuvor Moraine, Fäden beobachtend, Fäden ziehend – so glaubt sie zumindest –, die zusammen mit ihrem Beschützer Lan versucht den finsteren Bestrebungen all ihr Wissen und ihre Macht entgegenzustellen. Im Glauben die Pläne des Dunklen Königs vereiteln zu können, ist es nicht selten sie, die erleben muss, wie machtlos sie eigentlich dem Rad ausgeliefert ist, wie sehr Ta´veren seinen eigenen Spielregeln folgt, jenseits äonenalten Wissens gehortet von diversen Ajas innerhalb der Aes Sedai. Um so tiefer trifft auch die Erkenntnis, das viele der Mythen – und darunter fallen auch die rund um die Schwarzen Aes Sedai – nicht nur Schauermärchen für unfolgsame Kinder sind.

Dreh- und Angelpunkt, zumindest in der als real angesehenen Welt, ist Tear. Dort findet sich die Festung genannt der „Stein von Tear“ in dem die Hochlords das unberührbare Schwert Callandor verwahren. Die Reise dorthin gestaltet sich für jeden der Ta´veren und ihre mehr oder weniger freiwilligen Begleiter zu einer Herausforderung, die oft nicht weniger als ihr Leben einfordert… und dies nicht nur in einer als wirklich, greifbar empfundenen Welt. Es sind vor allem die Abgründe der Träume, Visionen und Ahnungen, die Kompass, Karte und Sextant in einer Zeit in der alles aus den Fugen gerät bilden.

Fazit:

Den Namen Fantasy-Zyklus verdient Robert Jordans allemal. Die Geschichte rund um Rand al´Thor und der mit seinem Schicksal verwobenen Begleiter gewinnt mit „Die Rückkehr des Drachen“ weiter an Tiefgang. Die Balance zwischen der Ausformung einer detailiert, beinahe minutiös ziselierten Welt und temporeichen Szenen wechselt gekonnt ab. Langatmigkeit kann dem Text beileibe nicht nachgesagt werden, ebensowenig Oberflächlichkeit. Jordan lässt sich Zeit damit die Handlung ebenso wie die Akteure stimmig herauszuarbeiten. Ergebnis ist eine wunderschöne, akribisch gestaltete, stilistisch und erzähltechnisch harmonische Weltengeschichte, die an Vielschichtigkeit und irisierender Brillianz ihresgleichen sucht. Zum Glück geht die Saga noch einige Bände weiter, denn auf die Entführung in die Welt Gefährten aus der Gegend der zwei Flüsse freut man sich stets erneut.

Zum Buch:

Auch der dritte Band setzt die sehr wertige Gestaltung und Verarbeitung der Serie fort. Eine ausführlichere Beschreibung dazu findet sich bei Band 2 „Die Jagd beginnt“.

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Tags: aes sedai, andor, blasser, buchreihe, callandor, das rad der zeit, der dunkle könig, ellisa mitchel, fantasy, high fantasy, karaethon-zyklus, klassiker, robert jordan, rückgrat der welt, stein von tear, trolloc, uwe luserke   (17)
 

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krieg, geschichte, afghanistan, amputation, künstliche gelenke

Anatomie eines Soldaten

Harry Parker , Johannes Sabinski
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Benevento, 09.11.2016
ISBN 9783710900020
Genre: Romane

Rezension:

„Das bin nicht ich, dieser kaputte Körper, das bin ich einfach nicht.“ (S.166)

Zum Inhalt:

Soldat BA5799 trägt Verantwortung. Verantwortung für sich und eine Gruppe ihm unterstellter Soldaten. Und er ist sich dessen bewusst, macht sich Gedanken, nimmt seinen Auftrag und seine kameradschaftliche Pflicht nicht auf die leichte Schulter. Er will aber auch verstehen, was er hier fernab von zu Hause verteidigt, wofür er einsteht – immerhin mit nichts weniger als seinem Leben.

Dieses Leben ist es, das eine Landmine beinahe einfordert. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Wimpernschlag und er wird vom wertvollen Menschen / Soldaten zum belastenden Kriegsversehrten. Den Weg dorthin beschreiben schlaglichtartig Gegenstände. Banale,alltägliche Gegenstände wie Düngersäcke, Tuben welche der Beatmung dienen, Feldstiefel, ein Rucksack…

Das Leben, die Geschichte des Protagonisten gleicht einem Dreiklang, dessen Widerhall den Leser nicht selten atonal aus dem Konzept bringt. Zum einen das Leben als Soldat, beinahe selbstverständlich, „normal“, einer gewöhnlichen Arbeit nachgehend. Zum anderen das Leben als Rekonvaleszenter auf der Schneide der Sense von Gevatter Tod, nicht wissend ob man(n) auf die eine oder andere Seite derselben kippt, ob es noch einen Tag danach geben wird. Und als dritter im Bunde ein Lebensstrang, den es sich zu erarbeiten gilt: das Leben als Versehrter, Behinderter, Stigmatisierter, als Ausschussware der Kriegsmaschinerie… oder als anderer, aber vollwertiger Mensch.

Dabei geht es nie explizit um ein moralisierendes Anklagen wessen auch immer. Es geht um das ganz persönliche Schicksal von BA5799 geschildert von den unpersönlichsten Dingen, eine Distanz schaffend, die den Abgrund des Vorher und Nachher noch um ein vielfaches tiefer und schwärzer erscheinen lässt. Einen Abgrund der das Potential in sich trägt jeden zu verschlucken, der nicht um seinen Wert kämpft, der keinen Rückhalt in sich selbst und keinen Ankerpunkt in einem neuen, einem zweiten Leben zu finden vermag.

Fazit:

Harry Parker weiß, wovon er spricht. Und das tut er ohne Filter, ohne unnötiges Pathos, ohne Beschönigungen. Er changiert glaubwürdig zwischen dem pflichtbewussten Soldaten und dem Menschen, der zum einen die Bewohner eines fremden Landes zu verstehen sucht, zum anderen sich zurückkämpft in ein „normales“ Leben  in der ihm vertrauten Kultur. Einer Kultur, die ihm zu einem nicht unerheblichen Teil fremd geworden ist, deren Wertigkeiten er für sich neu einstuft, einstufen muss, will er nicht nur ein Versehrter an Physis und Geist bleiben.

Zum Buch:

Als gebundenes Buch liegt das Exemplar mit Schutzumschlag für diese Rezension vor. Der stabile Buchblock setzt sich aus etwas mehr als 350 Seiten zusammen deren Bedruckstoff von angenehmer Haptik ist und dessen Einarbeitung in die festen, imprägnierten und künstlerisch dezent gearbeiteten Buchdeckel keine Wünsche offen lässt. Typografisch ist der angenehm lesbare, aus der Minion Pro gesetzte Text bis auf die Kapitelziffern sehr schlicht gehalten. Die bildnerische Gestaltung des Umschlages versucht eine Visualisierung der physischen wie psychischen Zerrissenheit des Menschen hinter dem Soldaten BA5799, was aus meiner Sicht in bestechender Einfachheit des Motives gut gelingt.

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Tags: geschichte, harry parker, hilary mantel, islam, johannes sbinski, krieg, kriegsroman, militär, naher osten, psychologie, rehabilitation, soziologie, zeitgeschichte   (13)
 

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wolfgang freitag, erzählunge, lothar schroth, kurzgeschichten, hannelore teutsch

Lichtjahr 4. Ein Phantastik-Almanach

Arkadi Strugazki , Boris Strugazki , Wl. Gakow
Fester Einband: 230 Seiten
Erschienen bei Verlag Das Neue Berlin
ISBN B002KCRAKY
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Seit Mythen aufgezeichnet werden hat sich der Mensch kaum verändert. Zwar wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse seit der Urgesellschaft mehrfach revolutioniert, zwar findet sich in Weltanschauungen und Lebensweisen kaum noch vergleichbares zu früheren Jahrtausenden, aber die Biologie des Menschen, einschließlich seiner biologischen Physiologie ist weitgehend unverändert geblieben. Heute findet die Wissenschaft heraus, was in Mythen – außerwissenschaftlich – schon seit Vorzeiten verankert ist.“ (S.107)

Zum Inhalt:

Bereits im Absatz zur Einführung des vierten Bandes der Lichtjahrserie wird ein neuer Schwerpunkt dieses Almanachs herausgestrichen: der SF-Film. Anhand beispielhafter SF-Filmklassiker – „Krieg der Sterne“, „Fahrenheit 451“, „2001- Odyssee im Weltraum“, um nur einige wenige zu nennen –  setzt sich Wl. Gakov mit dem Phänomen des SF-Booms des 70er-Jahre-Kinos auseinander. „Schwerpunkt sind dabei die spezifischen Probleme, die sich bei der Umsetzung von Science-fiction-Stoffen ergeben.“ (S.40)

Neben SF-Schwergewichten wie den Strugatzkis mit ihrer Erzählung „Die Wunschmaschine“, finden sich Erzählungen von Autoren aus der Sowjetunion (Wl. Gakow, Michail Puchow), Bulgarien (Agop Melkonjan) und Polen (Adam Hollanek) ebenso wie solche aus der DDR (Thomas Fröhlich, Andreas Melzer, Hartmut Mechtel, Rolf Krohn, Wolfgang Kellner, Angela und Karlheinz Steinmüller). Dabei changieren die Inhalte – mehr als in den früheren Ausgaben – stark zwischen SF und märchenhafter Phantastik. Olaf R. Spittel steuert wieder einen Beitrag zur Bibliografie der SF in der DDR 1949–1979 bei.

Ausnehmend lesenswert ist aus meiner Sicht der Artikel „Die phantastische Methode“ (Hartmut Mechtel), der auf Abgrenzungsmöglichkeiten und Gemeinsamkeiten der Phantastik und der SF ein Auge wirft.

Zum Inhalt:

Die Wunschmaschine – Arkadi und Boris Strugatzki Die Sternstunde des Science-fiction-Films – Wl. Gakow Die Bestie – Thomas Fröhlich Weit voraus die Sonne – Andreas Melzer Das Weinen nach dem Schmerz – Agop Melkojan Die phantastische Methode – Hartmut Mechtel Der Terminator – Michail Puchow Am Ufer der Unendlichkeit – Rolf Krohn Tödlicher Irrtum – Wolfgang Kellner Die Geliebte vom Mond – Adam Hollanek Das Wunderelexier – Angela Steinmüller Der Held im Gläsernen Berg – Angela und Karlheinz Steinmüller

Fazit:

Erik Simon ist es ein weiteres Mal gelungen eine Zusammenstellung zu kreieren, die gediegene Science-Fiction mit Phantasik in anregende Verbindung bringt. Profundes Wissen wirkt dabei eingebettet in die Erzählungen noch lange über deren Lektüre hinaus ebenso nach, wie die Eindrücke der künstlerisch ansprechenden Bildinhalte. Einen weitreichenden Fundus an literarischen Hinweisen stellt zudem noch Olaf Spittels akribisch zusammengetragene Bibliografie dar. Rundum lesens-, sehens- und empfehlenswert.

Zum Buch:

Wie bereits seine Vorgänger ist auch dieser Band aus der Reihe „Lichtjahr“ mit sehr viel Liebe zum Detail, einer Prise Avantgard und Mut zu künstlerischer Gestaltung entstanden. Das Format allein sticht schon aus der übrigen Buchwelt hervor und die Qualität des Druckes tut das ihre dazu. Entgegen dem farbenfrohen Schutzumschlag, mit Grafiken von Wolfgang Spuler, fällt in diesem vierten Band auf, dass Hochglanzfarbdrucke im Buchblock die Ausnahmen Bilden und mehr auf sparsamen Umgang mit Kontrasten gesetzt wurde. Auch in dieser Zusammenstellung finden sich wieder Texte die typografisch durch den Satz in Großschrift hervortreten, so z.B. Thomas Fröhlichs „Die Bestie“ oder Rolf Krohns „Am Ufer der Unendlichkeit“.

Der Buchblock überzeugt selbst in zur Gänze aufgeschlagenem Zustand durch eine stabile Fadenheftung, griffigen Bedruckstoff und stabilen flachen Buchrücken, sowie Buchdeckel. Als Gesamtkunstwerk für jeden Buchliebhaber eine Augenweide, für jeden Enthusiasten in Sachen wissenschaftlicher Phantastik eine wunderschöne Bereicherung der Bibliothek.

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Tags: agop melkonjan, andreas melzer, andrej arsenjewitsch tarkowski, angela steinmüller, arkadi strugatzki, bildende kunst, boris strugatzki, bulgarien, carola ludwi, dagmar laub, ddr, detusche literatu, dieter gilfert, eduard albrecht, erzählunge, film, gerhard bunke, gunter böttger, hannelore teutsch, hans-eberhard ernst, hartmut mechtel, hilmar prof, irmhild proft, karla woisnitza, karlheinz steinmüller, karl-heinz wieland, klaus ensikat, konrad schönfeld, kunst, kurzgeschichten, lothar schroth, ludwig winkler, malerei, marianne schäfer, maria-sibylla ponizil, michael de maiziere, olaf r. spittel, penka hildebrand, peter sylvester, powest, rolf krohn, science fiction, sowjetunion, stephan köhler, thomas fröhlich, winfried turnhofer, wissenschaftliche phantastik, wolfgang freitag, wolfgang kellner, wolfgang spuler, wolfgang theiler   (51)
 

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schwarzer humor, lustig, stilmittel alliteration tautogramm, martina lukits-wally, höllische himmelfahrten

Höllische Himmelfahrten

Martina Lukits-Wally
Buch
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 20.02.2017
ISBN 9783850287920
Genre: Comics

Rezension:

„Gütiger Gott, gib Grünbergs Geistern gesegnete Grabesruhe!“ (S.30)

Zum Inhalt:

Rasant, spritzig und stets mit einer gehörigen Prise Ironie versehen bringt Martina Lukits-Wally 25 Kurzkrimis zu Papier, die für sich gesehen schon eine heitere Lektüre darstellen, zusätzlich jedoch noch mit einem Schmankerl schreibtechnischer Natur aufwarten: im ersten Teil des Buches bis zur Seite 92 sind die Texte so gestaltet, dass jedes(!) darin enthaltene Wort mit jeweils demselben Anfangsbuchstaben beginnt. Klingt komisch, ist aber so :-) . Nicht von ungefähr findet sich auf dem Buchdeckel folgende Beschreibung: „Gehörtes, Gesehenes, Gelesenes gründlich gemischt, geduldig geschrieben, gekünstelt gestaltet, gab glaubhafte, gefährliche, geheimnisvolle Geschichten – groteske Gaunerkomödien!“

Im zweiten Teil des Bandes werden ebendiese Geschichten dann im „normalen“ Erzählstil präsentiert und allein schon der Vergleich zwischen den Versionen zaubert dem Leser häufig ein Schmunzeln ins Gesicht, hat sich doch die Autorin zu teils verbalakrobatischen Konstrukten durchgerungen, die im wahrsten Sinne des Wortes – in Anlehnung an den Untertitel – kurios sind.

Fazit:

Wer sich keine Krimis á la Leon, Mankell oder dergleichen erwartet, jedoch kurzweilige Unterhaltung abseits aller schreibtechnischen Stereotype wünscht, der wird in diesen Texten fündig. Martina Lukits-Wally gelingt ein netter Entwurf, ein Spiel mit Sprachformen und ein erfrischend witziger Erzählstreich.

Zum Buch:

Das Buch aus dem Verlag Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H. präsentiert sich in einer etwas gewagten Farb- und bildkompositorischen Aufmachung die sich aber mit den teils skurrilen Texten gut verträgt. Die Verleimung des Buchblockes ist für ein Paperback akzeptabel, der Bedruckstoff von angenehmer Haptik und der Druck sauber ausgeführt. Typografisch grenzwertig ist die übermäßig häufige Trennung von Worten. Nicht selten findet man mehrzeilige Absätze bei denen nur eine einzige Zeile ohne Trennungstrich am Ende auskommt. Hier sollte man beim Austreiben des Textes etwas gewissenhafter auf Ästhetik achten.

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Tags: erzählung, krimi, kurzgeschichte, martina lukits-wally, österreichische autorin, sprachexperiment, typografie   (7)
 

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usa, klassiker, kurzgeschichten, annemarie seidel, friedrich podszus

Die Grasharfe

Truman Capote , Annemarie Seidel , Friedrich Podszus
Fester Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.10.2003
ISBN 9783518010624
Genre: Romane

Rezension:

„Über was man spricht, darauf kommt es kaum an, nur auf das Vertrauen, mit dem es gesagt wird, und auf das Wohlwollen, mit dem es aufgenommen wird.“ (S.319)

Zum Inhalt:

Collin Fenwick ist mittlerweile erwachsen. Und an einigen der Erlebnisse, die ihn trotz seines Handicaps als Waise aufzuwachsen, zu dem machten was er heute ist, lässt er den Leser in einer Art Retrospektive teilhaben. Zusammen mit seiner Tante Dolly sowie einer alten Schwarzen namens Cathrine Creek setzt er einen „Ausbruch“ aus dem Korsett an Bevormundungen seiner zweiten Tante Verena – Dollys Schwester – in die Tat um: sie ziehen in ein Baumhaus in einem riesigen Paternosterbaum im Wald Nahe des Friedhofes. Zu den drei Ausgegrenzten gesellen sich noch der ältere Richter Cool, sowie der Nachbarsjunge Riley Henderson, den Collin wie einen Helden bewundert.
In der kurzen Zeit in der die kleine Gruppe sich in ihrem selbstgewählten luftigen Exil näher kommt, gelingt es ihnen nicht nur kostbare Momente des Einklangs miteinander, der Natur und ihrer Herkunft zu finden. Sie ziehen daraus auch die Stärke als eine Enklave von Nonkonformisten erfolgreich dem Pulk an linientreuen Bürgern ihres kleinen Städtchens entgegenzutreten, als diese sie mit Hilfe des Sheriffs zur Räson bringen wollen – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Beweggründen und verletztem Stolz.

Fazit:

Truman Capote galt spätestens seit dem erscheinen seines Romanes „Andere Stimmen, andere Räume“ als literarisches Ausnahmetalent. Mit „Die Grasharfe“, deren Handlung er in einer südlichen Kleinstadt der USA ansiedelt, spielt er in den Charakteren von Collin und Riley unübersehbar auf Huckleberry Finn und Tom Sawyer an, wobei dies nur ein Nebenstrang einer Handlung ist, die nicht die Symbolik des vorigen Romans bemüht. Vielmehr ist „Die Grasharfe“ bei aller offensichtlichen Schicksalsschläge der Akteure in ihrer Grundstimmung „hell und heiter. Hier bedeutet denen die sie [die Traumwelt] aufnimmt, Befreiung von einer materialistisch gesinnten Umwelt, in der Poesie, Naturverbundenheit und liebevolles Verständnis von Mensch zu Mensch verkümmert sind.“ 1)

Ein Sich-Einfinden in eine Welt der Erwachsenen mit ihren gesellschaftlichen Regeln und Fallstricken, den wirtschaftlichen Zwängen und der oft schicksalshaften Bestimmtheit des Lebensweges prägt Collin, der aus seiner jugendhaften Sicht versucht eben dieses Regelwerk zu verinnerlichen. Trotz der Gewichtigkeit der Grundaussagen der Erzählung gelingt es Capote einen feinsinnigen, teils melancholischen Text zu weben, der Mit-Erleben, Mit-Leiden und Mit-Hoffen lässt. So schreibt der New York Herald Tribune: »Durchsetzt mit zartem Lachen, einnehmender menschlicher Wärme und einem Gespür für das Gute im Leben.«

Zum Buch:

Das hier besprochene Buch ist Teil der „Bibliothek Suhrkamp“ und bereits die äußere Gestaltung mit stabilen dunkelgrünen Buchdeckeln, umschlossen von einer schlicht gestalteten Schutzhülle, einem solide gebunden Buchblock, dem im selben Grün gehaltenen Lesebändchen und der angenehmen Größe und Haptik, versprechen – und halten – ein bibliophiles Lesevergnügen. Typografisch treten nur die Initialen am Kapitelbeginn hervor. Ansonsten hält sich der ausgezeichnete Druck zurück und lässt den Inhalt wirken. Dieser gestalterische Minimalismus unterstreicht auf seine Weise angenehm den schlichten Tiefgang der Erzählung.

Buchdaten:

Titel: „Die Grasharfe“ Autor: Truman Capote Umfang: 214 Seiten Verlag: Suhrkamp Verlag Sprache: Deutsch ISBN-10: 3-518-01062-X Größe: 11,7 x 18 x 2,3 cm

Quelle:

1.) „Kindlers Neues Literaturlexikon“, Bd. 3, 1988/1998, S.614).

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Tags: annemarie seidel, birgit krückels, erzählung, friedrich podszus, geschichte, gesellschaftsgeschichte, gesellschaftsroman, huckleberry finn, klassiker, kurzgeschichten, poetik, südstaaten, tom sawyer, truman capote, usa   (15)
 

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angola, revolution, afrika, portugal, angolanische revolution

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

„Mir wird bewußt, dass ich meine Wohnung zu einem riesigen Buch gemacht habe. Wenn die Bibliothek verbrannt sein wird, wenn ich gestorben sein werde, wird nur noch meine Stimme da sein.“ (S.319)

Zum Inhalt:

Ludovica Fernandes Mano lebt in einem selbstgewählten, vielmehr selbst gebauten Exil. In einer Wohnung hoch über den Straßen Luandas, fernab von den Menschen, die sie im Laufe der Zeit vergessen haben. In der Welt außerhalb ihrer eigenen Wände geht das verworrene Leben weiter; man ist versucht zu glauben ein Leben das mit Ludo und mit dem sie nichts mehr gemein hat. Die Vorzeichen der Geschichte stehen auf Krieg, Gewalt, Zerrissenheit, Entfremdung, naht doch die angolanische Revolution mit Sieben-Meilen-Stiefeln.

Und obwohl Ludo wie es scheint kein Teil dieser Entwicklungen mehr ist, entspinnt sich um sie herum ein Geflecht aus Schicksalen, die weder geografische noch historische Schranken zu zügeln vermögen. Das Leben – oder vielmehr die Leben von weit entfernt Bekannten, dereinst Geliebten, schicksalshaft Verketteten werden in einem Strang verwoben, dessen vorläufiges Ende nach drei Jahrzenten in losen Fasern wieder vor der Tür zu Ludos Wohnung zu liegen kommt.

Fazit:

José Eduardo Agualusa schreibt, seiner Protagonisten Ludo nicht unähnlich, ebenso an Wände – so man ihn lässt. An die Wände des Geistes des aufmerksamen Lesers. Und während man dabei Zeuge der Entstehung einer ebenso verzweigten wie auch geradlinigen Geschichte wird, beginnen die Worte an den Wänden zu leben. Sie gebären nicht lediglich Figuren einer guten Erzählung. Es sind wahrhaft Menschen denen Agualusa durch seine narrative Kunst Leben, Kontur, Freude, Tragik, eben eine dem Fluss einer gleichgültigen Geschichtsschreibung entrissenen Einmaligkeit verleiht.

Beschönigende Kosmetik ist dem Autor fremd, ebenso wie marktschreierische Effekthascherei. Die 42 grobtextuellen Unterteilungen des Romans in so etwas wie Kapitel nimmt sich fast grenzwertig aus und doch gelingt ein Text aus einem Guss, ähnlich einem Mosaik, das mit dem Überblick, dem Abstand während der Lektüre an Klarheit, Farbenpracht und Stimmigkeit gewinnt. Eine klare Trennung findet sich hierbei auch zwischen Elementen der Erzählung und Additiva wie erklärenden Kapiteln zu z.B. „Ortsnamen“, „Begriffe und Personen“.

Zum Buch:

Der Schutzumschlag, primär in Rottönen gehalten, sticht als erstes ins Auge, wenn man den sehr gut verarbeiteten 198seitigen Band in die Hand nimmt. Die festen Buchdeckel umschließen stabil verbundene Seiten des Buchblockes, der oben und unten von einem rosafarbenen Kapitalband abgeschlossen wird – man mag zu Rosa stehen wie man will, aber hier passt es :-)  . Typografisch muss man sich damit abfinden, dass auf Anführungszeichen verzichtet und dafür viel mit Schriftschnitten gearbeitet wird. Sehr hilfreich sind die auf Vorsatz und Innenseite der Deckel gedruckten vereinfachten Landkarten zu den Schauplätzen der Handlung.

  (1)
Tags: afrika, angola, angolakrieg, geschichte, gesellschaft, haiku, jose eduardo agualusa, lissabon, michael kegler, nelkenrevolution, portugal, revolution   (12)
 

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raumfahrt, akw, alexander kröger, ddr, centauren-trilogie

Energie für Centaur

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 311 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 01.06.2017
ISBN 9783945713334
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Im Kontakt mit einer anderen Zivilisation ist nichts ungeschehen zu machen. Jeder Schritt ist nicht lange genug zu überdenken…“ (S.178)

Zum Inhalt:

Eine bahnbrechende Idee der Ingenieure auf der Erde und dem Mars birgt das Potential auf Centaur der bereits Äonen anhaltenden Energieknappheit wirksam entgegenzuwirken. Das Magnetfeld des Heimatplaneten der außerirdischen Besucher, die mit der Marskolonie zu Nachbarn wurden, bietet sich förmlich an diese Idee in die Tat umzusetzen. Die Erde beschließt, der Bitte der Führung auf Centaur nachzukommen und einen Stab an Technikern, Ingenieuren und Wissenschaftlern auf die lange Reise zu schicken, das Vorhaben auf Centaur in die Tat umzusetzen.

Anfangs noch als Pioniervorhaben mit Enthusiasmus, Mut und freundschatlicher Zusammenarbeit beginnend, gerät das ambitionierte Projekt zusehens ins Stocken. Dabei läge es nicht am Tatendrang der Menschen oder der offiziellen centaurischen Auftraggeber. Das Problem liegt weitaus tiefer in der undurchsichtigen Geschichte des centaurischen Volkes, wie auch in der ungeahnten Inhomogenität der Gesellschaft auf dem Centaur. Präsentierte sich letztere bis dato stets als fast unheimlich einheitliches Gebilde –  einem Bienenstock nicht unähnlich  – so entpuppt sich diese Annahme der Terraner immer mehr als Trugschluss. Einem Trugschluss mit fatalen Folgen, dessen Konsequenz ein unrühmlicher Rückzug seitens der Menschen oder ein Weg beharrlicher Konsensfindung mit ungewissem Ausgang zu stehen scheint…

Fazit:

„In der DDR-SF werden die Fähigkeiten der Menschheit, ihre Probleme zu lösen, vorwiegend überaus optimistisch dargestellt.“, so schreibt es Hartmut Mechtel in seinem Essay „Die phantastische Methode“ („Lichtjahr 4 -Ein Phantastik-Almanach“, S.111 ). Alexander Kröger bleibt diesem Credo in seiner Centaure-Trilogie bis zum Schluss treu und unabhängig davon, wie man dazu stehen mag, entwirft er basierend darauf ein durchwachsenes, interessantes Stück SF-Literatur, welches immer wieder die nie enden wollende Problematik von Verständigung, Toleranz, Kulturunterschied und einer divergierenden Welt(all)-Sicht zum Thema macht. Und dabei bleibt die Verständigungsproblematik beileibe nicht nur bei den intergalaktischen Kommunikationsproblemen bestehen, sind es doch auch die Menschen, die trotz Lichtjahre währender Reisen stets sich und ihre Handicaps im Gepäck mitnehmen – kulturelle Evolution hin oder her.

Das Problem solcher Verständigungsunwägbarkeiten und die resultierende Einstellung der Menschen bringt Wolfgang Kellner in seiner SF-Kurzgeschichte „Tödlicher Irrtum“ auf den Punkt: „Entweder ist unsere Arbeit Quatsch oder das bestechendste Beispiel für den unendlichen Optimismus der Menschheit.“ („Lichtjahr 4 -Ein Phantastik-Almanach“, S.137). Die Trilogie rund um den Erstkontakt mit den Centauren („Sieben fielen vom Himmel“), deren Kolonisationspläne für den Mars („Das Kosmodrom im Krater Bond“) und dem Versuch einer intergalaktischen Zuasmmenarbeit, ist Kröger aus meiner Sicht durchgängig und in sich stimmig gelungen.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 3 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, aliens, centauren-trilogie, ddr, deutsche literatur, first contact, proxima centauri, raumfahrt, roma, sammlung, science fiction, werkausgabe, wilko müller jr., wissenschaftliche phantastik   (16)
 

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geschichte, kurzgeschichten, martina lukits-wally, österreichische autorin, lebensabend

Das Tor zur Vergangenheit

Martina Lukits-Wally
Buch: 124 Seiten
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 19.12.2014
ISBN 9783850287036
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

„Das Spiel mit der Sprache faszinierte sie. Wie sich aus Buchstaben Worte bildeten, dann aus Wörtern Sätze entstanden und daraus wiederum literarische Figuren, die daraufhin mit ihren Schicksalen gleichsam zum Leben erwachten,…“ (S.38)

Zum Inhalt:

Neun, vom Umfang her kurze, Geschichten sind es, die Martina Lukits-Wally in „Das Tor zur Vergangenheit“ zu Papier gebracht hat. Und doch umfassen sie nicht selten ganze Leben mit Hochs, Tiefs und den ebenmäßigen Tälern dazwischen. Der Bogen spannt sich von schicksalshaften, beinahe esoterisch anmutenden Wendungen („Das Wunschglöcklein“), über schalkhafte Anekdoten („Gut „behütet”“) bis hin zu generationenübergreifenden Ereignisketten ( „Steinige Wege“). Ungeachtet der Akteure, der Zeitspannen, der lebensplanerischen Implikationen oder des kulturellen Hintergrundes sind es stets die Streiflichter auf Entscheidungen, welche dem Leser einen Blick durch das „Tor zur Vergangenheit“ der Protagonisten der Geschichten erlauben – nicht selten mit einem Ausblick auf deren vergangene Zukunft.

Fazit:

Martina Lukits-Wally stellt mit den Texten in ihrem Band ein solides Gespür für geschriebene Sprache als Ausdrucksform unterschiedlichster Nuancen alltäglichen Menschseins unter Beweis. Das „nach wahren Begebenheiten“ im Untertitel ist nie auch nur durch einen Hauch des Übertreibens in seiner Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Ein angenehmes Changieren zwischen dem Wissen um die Unwiderruflichkeit des Vergangenen auf der einen Seite und dem wohlwollenden Schickal auf der anderen Seite macht das Salz in der Buchstabensuppe der Texte aus. Die Autorin schafft es ausgezeichnet dem Stereotyp „früher war alles besser“ zu widerstehen, ohne dabei dem bereits entstandenen Lebensbild seine reizvolle Patina zu nehmen.

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Tags: aberglaube, deutsche literatur, ehe, geschichte, gesellschaft, kurzgeschichten, lebensabend, lesen, martina lukits-wally, österreichische autorin   (10)
 

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liebe, kristina moninger, liebesroman, rom, wenn gestern unser morgen wäre

Wenn gestern unser morgen wäre

Kristina Moninger
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 28.06.2017
ISBN 9783945362297
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Ich habe Entscheidungen getroffen, und es ist gar nicht so wichtig, ob sie richtig oder falsch waren. Weil das immer Ermessenssache ist. Aber entscheidend an Entscheidungen ist die Frage, ob wir mit ihnen leben können.“ (S.54)1)

Zum Inhalt:

Rund. So läuft es im Leben von Sara. Bestes Elternhaus, beruflicher Erfolg, eine standesgemäße Beziehung, alles auf Kurs. Dieses Idyll kommt nicht von Ungefähr. Es ist Ergebnis eines konsequent geplanten Lebensweges, rigoros zielorientiert und -führend mit zementierter Glücksgarantie. Da bleibt schon mal die ein oder andere Kleinigkeit auf der Strecke, ob nun zwischenmenschlich oder zutiefst persönlich. Erfolg und die Aufnahme in gewisse gesellschaftliche Kreise machen eben auch eine „Zwangsjacke aus Pastelltönen und Kaschmir“ (S.153) erträglich – nicht unbedingt aber die Entscheidungen, die den Weg dorthin ebnen. Und dann diese eine fatale Entscheidung…

Mitten in die verzweifelten Überlegungen, wie sie den größten Fehler ihres Lebens rückgängig machen kann, wird der Reset-Knopf gedrückt: Sara erhält die Chance, Tage ihres Lebens neu zu leben, mit dem Wissen um die Folgen ihrer Entscheidungen, sollte sie diese in gleicher Weise wieder treffen. Es liegt nun an ihr das vielbeschworene Beste daraus zu machen, was auch immer das sei…

Fazit:

Vorab muss ich zugeben, dass ich bei den ersten Seiten etwas irritiert war. Es drängte sich der Verdacht auf, dass es sich um ein Buch von Frau, über Frau, für Frau handle. Im Nachhinein muss ich eingestehen: zum Glück war mein (Vor-)Urteil weit gefehlt ;-) ! Die bildhafte Sprache, der authentische Stil und die pointierten Schilderungen sind ausgesprochen gut inszeniert, wodurch bereits im ersten Drittel ein glaubhaft plastisches Bild von Sara und ihrer Innen- sowie Außenwelt gezeichnet wird, das manches Mal gekünstelt wirkt, aber bei näherer Betrachtung immer wieder Déjà-vus heraufbeschwört, wenn man sich im sogenannten realen Leben mit offenen Augen umsieht. So wird es dem Leser ein Leichtes sein Pendants der Charaktere im Text in seinem Umfeld in der ein oder anderen Ausprägung zu finden. Und wiederum genau das macht den Roman der Autorin (be-)greifbar, nachvollziehbar und – sofern man das über einen Text sagen kann – liebenswert.

Nichts geringeres als das Leben selbst, in seiner perfekten Imperfektion mit all jenem, dass es ausmacht, nämlich den Beziehungen zu unseren Nächsten ist der zentrale Kern einer Erzählung, deren Quintessenz aus meiner Sicht das bedingungslose Ja zum Leben ist – zum Leben als Mensch und mit Menschen. „Es sind immer die Menschen, die uns nahe sind, die uns glücklich machen, nichts Materielles, nichts was durch Erfolg, Ansehen oder Status entsteht.“ (S.296). Ein Plädoyer für Diversität, Verantwortung für und Mut zu Entscheidungen, wissend dass „das Gegenteil einer falschen Entscheidung… nicht unbedingt eine richtige“ ist. (S.160)

Denn: „»Leben ist gefährlich oder langweilig. Entweder lebst du mit allem Drum und Dran oder du existierst eben einfach nur. Die Entscheidung triffst du selbst.«“ (S.130)


(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die PDF-Ausgabe des Rezensionsexemplares

(2) Ein weiteres sehr empfehlenswertes Buch von Kristina Moninger ist: „Nur eine Ewigkeit mit Dir.“

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Tags: alzheimer, demenz, deutsche literatur, down-syndrom, ehe, gesellschaft, karriere, kristina moninger, liebe, liebesroman, rom, trisomie 21, zeitreisen   (13)
 

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geschichte, helen macdonald, falke, pestizide, kalter krieg

Falke

Helen Macdonald , Frank Sievers
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 31.03.2017
ISBN 9783406705748
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Zu behaupten, die Lebenswelt eines anderen Menschen zu verstehen, ist philosophisch fragwürdig; bei einem anderen Tier erscheint der Versuch gar absurd – ist aber zweifelsohne sehr reizvoll.“ (S.34)

Zum Inhalt:

Helen Macdonald entwirft in ihrem Text über sechs Kapitel hinweg eine kompakte „Biographie eines Räubers“ – so der Untertitel. Von der geschichtlichen Bedeutung des Gespanns Falke-Mensch über die mythologischen Einflüsse und deren soziale Komponenten findet sie zielsicher den Weg hin zur Vorstellung der klassischen und modernen Falknerei. Dabei kommen Anatomie, Verhalten, Lebensweise und auch die Affinität des Greifs zu urbanen Siedlungsräumen ebenso in den Fokus, wie jene dunklen Seiten in denen die Autorin ausführlich auf die Verwendung von Falken im militärischen Umfeld eingeht.
Sie berichtet von Falken als Statussymbolen, als Krafttieren, als vom Aussterben bedrohte und gerettete Zeichen eines potentiell gelungenen Artenschutzes. Schwierigkeiten in der Aufzucht, dem Umgang mit einem Falken als Persönlichkeit wie als Spezies werden verwoben mit einer Unzahl an Anekdoten, denen ein solides Bild dieses ästhetischen Raubvogels zu verdanken ist. Immer wieder profitiert der Leser vom Wissen der Historikerin in Kombination mit der Expertise einer Falknerin deren Feuer für ihre Tiere spürbar brennt. Mit einem leichten Schmunzeln – so scheint es – schreibt sie: „Ich habe schon Falkner jammern hören, die Falknerei habe ihre Karriere ruiniert, ihre Beziehung zerstört und ihnen unvorstellbaren Kummer, Unkosten und Strapazen bereitet – wobei ihnen ein glückseliges Lächeln im Gesicht stand.“ (S.89)
Ganz Wissenschaftlerin wie sie es ist, gab die Autorin dem Band einen fundierten Abschluss mit einer Zeittafel, Literaturhinweisen und Bildnachweisen zu den 71 sehr schönen und überaus anschaulichen Bildern und Grafiken, die dem Geschriebenen nicht nur künstlerisch im wahrsten sinne des Wortes zur Seite stehen, sondern eigenständig erklärend und auch per se wunderschön anzusehen sind.

Fazit:

In Meinungsäußerungen und Rezensionen rund um das Buch „H wie Habicht“ war die enttäuschte Aussage seinerzeit nicht selten, dass es sich ja gar nicht um ein (klassisches) Sachbuch handle, obwohl die Autorin dafür den „Samuel Johnson Prize“ für Sachbücher in Großbritannien erhielt. Pointiert formuliert es die Autorin im Vorwort: „Im Grunde aber handelt dieses Buch genau wie H wie Habeicht davon, dass wir Menschen die Natur als Spiegel benutzen. Dass jede Begegnung mit einem Tier immer auch eine Begegnung mit uns selbst ist zund mit der Art , wie wir uns wahrnehmen.“ (S.7)
Allen (potentiellen) Lesern sei versichert, mit „Falke“ halten sie garantiert ein astreines Sachbuch in Händen 🙂 . Helen Macdonald hat als professionelle Falknerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für Geschichte und Philosophie in Cambrige zum einen die fachliche und zum anderen die literarische Expertise einen fundierten Text zu liefern, der ihr sowohl kühles wie auch beherztes Timbre angenehm mitschwingen lässt, mit jedem Satz, der die 240 Seiten erfüllt. Sie spart nicht mit Kritik an absurde Blüten treibender Naturschutzphilosophie, ebenso wenig wie sie sträfliche Versäumnisse in Sachen Artenschutz aufzeigt. Dennoch bleibt stets der Falke als Wesen, mit dem sich der Mensch Ökosysteme, Geschichtsepochen, soziale Räume und auch den Raum der Mythen teilt, Dreh- und Angelpunkt zum dem der Text immer wieder zurückkehrt. Das Buch stellt eine Hommage an eine Ikone der Lüfte dar, mit lebendigem Enthusiamus dargebracht, stilistisch wunderschön eingekleidet und dem Anspruch zwei Wesenheiten einander näher zu bringen: den Menschen und den Falken.

Zum Buch:

War schon „H wie Habicht“ ein bibliophiles Prachtstück, so setzt „Falke“ noch einmal wunderschöne Akzente im Bereich der Buchbindung, der künstlerischen Gestaltung und v.a. auch der Typografie. Der Schutzumschlag, will man ganz Außen beginnen, wartet in einer vertrauten Optik auf, ist er doch frappierend ähnlich seinem Vorgängerbuch gehalten. Typografisch kann man den aus der Bembo MT gesetzten Text als vorbildlich in Übersicht, Ästhetik und Lesbarkeit ansehen. Die speziell gestalteten Initialen am Kapitelbeginn fügen sich hierbei sehr hübsch in den Textfluss ein, ebenso wie das Bildmaterial im Satzlayout nie störend wirkt, sondern auflockernd und erkläuternd – eben eines schönen Sachbuches würdig. Die Bindung des Buchblockes sowie dessen Einhängung in die Buchdecke sind vorbildlich realisiert. Dass der feste Bedruckstoff nicht reinweiß ist, sondern sehr hell eierschalenfarben, trägt zum ermüdungsarmen Lesen das seine bei.
Ein rundum ausgezeichnet gelungenes Buch das jeden Euro wert ist und höchsten Ansprüchen genügt.

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Tags: artenschutz, beizjagd, ddt, falke, falknerei, frank sievers, franz boas, geschichte, helen macdonald, jagd, kalter krieg, krieg, kunst, malerei, militär, mythen, naturschutz, naturwissenschaften, ornithologie, pestizide, politik, umweltverschmutzung   (22)
 

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raumfahrt, akw, alexander kröger, ddr, centauren-trilogie

Das Kosmodrom im Krater Bond

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 28.04.2017
ISBN 9783945713327
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zum Inhalt:

Die unfreiwillige Landung der ersten Centauren auf der Erde und die Etablierung einer Kommunikationsbrücke zwischen deren und unserer Welt liegt schon einige Jahrzehnte zurück. Nicht zuletzt mit dem Wissen welches die Besucher den Menschen hinterließen, war es möglich das Umgestalten des Mars in Angriff zu nehmen. Und nun steht die Menschheit kurz davor die Früchte dieser entbehrungsreichen jahrzehntelangen Arbeit zu ernten: die Raumbrücke zum Mars würde mit dem Kosmodrom im Krater Bond eine neue Qualität bekommen und den Mars noch näher an die Erde bringen – im übertragenen Sinne.
Doch es kommt anders: mitten in die Fertigstellung des gigangtischen Raumhafens schlägt die Nachricht über das Auftauchen einer Raumschiffarmada ein, über deren Ursprung schnell alle Zweifel ausgeräumt sind. Sie stammt von dem im Sterben liegenden Heimatplaneten der Centauren. Ist nicht allein der Zeitpunkt schon pikant gewählt, so ist es die Forderung der interstellaren Nachbarn aus Sicht der Menschen noch erheblich mehr: sie beanspruchen nichts weniger, als das Recht, den Mars als ihre neue Heimat zu kolonisieren! Nicht aus Machthunger oder Verschlagenheit, sondern aus schlichtem Überlebenswillen heraus, denn ihr Planet und somit ihre Spezies, scheint dem Untergang geweiht zu sein.
Obwohl die Menschheit in den zurückliegenden Jahrzehnten auch eine ethisch moralische Entwicklung durchmachte, mehren sich dennoch die Stimmen, die einen Affront dieser Art in keinster Weise dulden wollen. Sogar der Ruf nach Gewalt als letztem Mittel die Interessen der Menschen durchzusetzen wird lauter – und es bleibt nicht bei Worten. So stellt der Mars den Scheideweg zweier Spezies dar, deren Ursprung und Lebensauffassung in ihrer Unterschiedlichkeit beides bergen: das Potential zu kriegerischer Auseinandersetzung und das eines langen anspruchsvollen Weges der Annäherung und des Herausstreichens der Gemeinsamkeiten…

Fazit:

Alexander Kröger führt im zweiten Band der Centauren-Trilogie die Geschichte, die mit „Sieben fielen vom Himmel“ begonnen hatte, konsequent und logisch stimmig fort. Der moderate Spannungsbogen bleibt bis zu den letzten Seiten hin aufrecht, wobei die Handlungsweisen der Protagonisten nie sprunghaft oder im Gesamtkontext unverständlich wirken. Gerade das Herausarbeiten der Verschiedenartigkeit einer Gesellschaft die geprägt ist von einer Art Schwarmverhalten im Gegensatz zu der hochindividuellen derer der Menschen gelingt Kröger ausgezeichnet. Er geht dabei von einer seiner zentralen Weltanschauungsprämissen aus, dass Evolution zu einer (moralisch und technisch) höheren Stufe stets einhergeht mit der parallelen Entwicklung hin zu einem Mehr an „Humanismus“. Sehr wohl ist Kröger sich dabei der gewagten Verwendung eben dieses Begriffes im Zusammenhang mit außeriridschen Spezies bewusst und lässt den Konflikt nicht unbeleuchtet. Sowohl der Handlungsstrang rund um Jul – den unfreiwilligen Leiter der Aktionen auf dem Mars – , wie auch die Entscheidungsfindungen auf der Erde, den Annäherungen und Rückschlägen von Menschen und Centauren im alltäglichen Leben, verweben sich in dem Text zu einer eutopischen Vision eines möglichen Kontaktes zwischen grundverschiedenen Spezies. Es bleibt spannend und der Ausblick auf den dritten Teil der Geschichte ist ein durchweg positiver.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 1 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen. Als Besonderheit kann angeführt werden, das auf Seite 279 mit detailierten Farbdrucken erläutert wird, wo sich der Marskrater „Bond“, benannt nach dem Astronomen George Phillips Bond befindet.

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Tags: akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, aliens, centauren-trilogie, ddr, deutsche literatur, george philips bond, gesellschaft, kommunikatio, mars, prospektion, psychologie, raumfahrt, sammlung, schwarmdenken, science fiction, soziologie   (18)
 

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jessica koch, liebe, dreiecksbeziehung, depression, behinderung

Die Endlichkeit des Augenblicks

Jessica Koch
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 02.06.2017
ISBN 9783945362273
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Jeder Augenblick ist wie im Brennglas
gebündelte Zeit“ (Pos. 4718)1)

Zum Inhalt:

Eine klassische Dreiecksbeziehung ist es, die sich zwischen Samantha, Joshua und Sebastian entwickelt. Doch klassisch nur oberflächlich betrachtet, handelt es sich doch um drei Seelen, die jede auf ihre individuelle Art nach Nähe, Geborgenheit und Verlässlichkeit suchen und von denen jede mit Handicaps, seien sie nun körperlicher und / oder psychischer Natur, zu kämpfen hat(te). Ihre Entscheidungen, ihre Gestaltung der Augenblicke sind es, die sie zueinander führt und die Wellen im ihrem mittel- und unmittelbaren Beziehungsgewebe weit über sie drei hinaus schlagen. Liegen die Epizentren dieser Wellen auch weit in der Vergangenheit, so gestalten sie die Gegenwart – den Augenblick – und eine gar nicht so ferne Zukunft, die sich alle drei so nicht erwartet hatten…

Fazit:

Wer seichte Oberflächenunterhaltung sucht, liegt – wie eigentlich stets bei Jessica Koch – hier falsch. Die Geschichte rund um die – wenn auch teils grenzwertig emotionalen, so doch stets in sich stimmigen Charaktere – entwirft ein Szenario, von dem man als Leser vereinnahmt oder abgeschreckt sein kann. Keinesfalls aber lässt es unberührt. Bereits in ihrer Danny-Trilogie ist es der Autorin gelungen in menschliche Historien blicken zu lassen, die das Handeln im Jetzt, in eben diesem Augenblick, wenn auch nicht immer nicht zur Gänze erklärbar, so doch nachempfindbar machen. Die Bandbreite der Hochs und Tiefs verlangt dem Leser einiges an Resilienz ab, vor allem, wenn er in seinem eigenen Umfeld ähnliches miterlebt hatte. Einiges im Text mag durchaus überzeichnet erscheinen und evtl. sogar störend konstruiert wirken. Betrachtet man jedoch das sogenannte „richtige“ Leben, wird es ein Leichtes sein vieles dieser Geschichte in der ein oder anderen Ausprägung im eigenen Umfeld wiederzufinden. Sei es nun die Auseinandersetzung mit physischem „Leid“ wie dies u.a. bei Sebastian der Fall ist, mit emotionaler Deprivation bei Bea und Joshua oder auch mit den einfach nur ganz alltäglichen Problemen, die sich für ein körperlich eingeschränktes Wesen ergeben – und wie wenig „Normale“ einem solchen Leben a priori Erfüllung zugestehen können.
Es ist die authentische Art Jessica Kochs, ihr direkter, den Kern treffender Erzähl- und Schreibstil, der dem Text Leben verleiht, dem Leser alternative Blickwinkel aufzeigt, ihn teilweise forsch anstößt, seine eingefahrene Denklethargie abzulegen und den Augenblicken des Lebens – denn aus nichts anderem besteht unsere Zeit – jenen Tiefgang zu geben, der ihnen gebührt.


(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemp

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Tags: behinderung, depression, deutsche literatur, dreiecksbeziehung, eifersucht, inklusion, jessica koch, liebe, medizi, psychologie   (10)
 

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gentechnik, klaus frühauf, ddr, genetik, psi

Genion : wissenschaftl.-phantast. Roman - Spannend erzählt ; 166

Klaus Frühauf
Flexibler Einband
Erschienen bei Berlin : Verlag Neues Leben, 01.01.1981
ISBN B005SGL0AK
Genre: Sonstiges

Rezension:

»Es sind immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse sind Werkzeug, nichts anderes.«“ (S.177)

Zum Inhalt:

Horst Kandler und Günther Bachmann ist grundsätzlich ihre Einsatzfreude im Rahmen der Genetik als Wissenschaftszweig Erkenntnisse und Erfolge zu erarbeiten gemeinsam. Ansonsten könnten sie ihn ihrer Methodik dies zu bewerkstelligen nicht unterschiedlicher sein. Dem forschen, überheblichen, man kann sagen alles und jeden dem Ziel unterordnenden Kandler geht der Fortschritt nie schnell genug. Normen und Schutzvorschriften sind für ihn stets hinderliches, lästiges Beiwerk einer ängstlichen, vor Veränderungen zurückscheuenden bourgeoisen Altakademikerriege, die ihn stets nur behindert. So empfindet er den überlegten, teils überkorrekten „Kollegen“ Bachmann auch stets als Bremsklotz, als persönlichen Affront, als all das was er an der rückschrittlichen, ideen- und mutlosen Wissenschaftlergeneretion um sich herum hasst. So wird schnell aus dem akademischen Konkurrenzdenken auch eine handfeste Fehde zwischen den beiden, die sich bis in die persönlichsten Beziehungen des Privatlebens auswirkt und beider Leben auf Jahrzehnte prägt.
Was anfangs in Forscherkreisen als Durchbruch, als Erfolg, als Revolution gefeiert wird erweist sich in letzter Konsequenz denn doch als ein evolutionärer Vorgriff, dem die Menschheit so noch nicht gewachsen ist… und an dem auch das Ergebnis der Forschung letzten Endes zerbrechen muss.

Fazit:

Frühauf stellt in seinem Roman eine jener Fragen auf die bis heute keine letztgültige Antwort gefunden wurde: Wie weit darf der Mensch in die Evolution der eigenen Spezies eingreifen, um den Fortgang der Entwicklung nach seinem Gutdünken zu steuern? Es ist nicht nur die Frage nach Machbarkeiten, nach Werkzeugen und Erkenntnissen, sondern vielmehr eine der Verantwortung, der Moral, der Ethik. Diese Ethik wirft z.B. im Bereich der Tierversuche bereits Fragen auf, die sich bis zum Menschen als Gegenstand von Versuchen durchziehen.  So findet sich eine mögliche Auffassung im folgendem Satz: „Schmälert aber ein Forschungsergebnis den Lebensinhalt des betroffenen Wesens, so ist es inhuman und unmoralisch.“ (S.143)
In „Genion“ klingt eines jener Themen aus Frühaufs Texten wieder durch, dem er sich aus den unterschiedlichsten Richtung immer wieder zu nähern versucht: die Andersartigkeit jener Entwicklungsergebnisse, die oft verklärt angestrebt werden und derer man – gerichtet oder stochastisch – versucht habhaft zu werden, nicht beachtend, dass es nicht nur körperliche Fähigkeiten sind, welche die (menschliche) Evolution auszeichnet. (In Zeiten in denen Inklusion noch immer ein unbewältigtes Thema ist, kann „Genion“ auch aus dieser Sicht gelesen werden!). Als Beispiel sei hier „Das fremde Hirn“ genannt.
Ebenso geht der Text mit politischen und menschlichen Gepflogenheiten im wissenschaftlich akademischen Umfeld ins Gericht. Hatte man die Möglichkeit die Interna akademischer Institutionen einmal etwas intensiver zu erleben, so wird man durchaus bei manchen Passagen eine Déjà-vu erleben, das die hehre Patina akademischer Bildungseinrichtungen arg in Mitleidenschaft zieht.


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Tags: biologie, christel ruppin, ddr, deutsche literatur, ethik, evolution, frankreich, genetik, gentechnik, klaus frühauf, liebe, moral, naturwissenschaft, psi, science fiction, thomas franke, tierversuche, wissenschaftliche phantastik   (18)
 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

anorexie, magersucht, anorexia nervosa, psychologie, gesellschaft

Dürre Jahre

Helene Flöss , Helene Flöss-Unger
Flexibler Einband: 86 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 05.07.2017
ISBN 9783852188034
Genre: Romane

Rezension:

„Schlank ist in. Dünn ist besser. Dürr ist ideal.“ (S.17)

Zum Inhalt:

Dali, ein junges Mädchen, hat das Gespür für ihren Körper, sein gesundes Bedürfnis nach Nahrung verloren. Sie leidet – und dies im wahrsten Sinne des Wortes – an Magersucht. Ein Lebensleidensweg, dessen Fix- und Angelpunkte aus der versch(r)obenen Beschäftigung mit Essen bestehen. Aus Traumata einer Seele, die danach dürstet sich mitteilen zu können, der jedoch das Instrumentarium fehlt, begreiflich zu machen, wie es im aufgewühlten Inneren aussieht. Die Erzählung begleitet Dali durch die Auf und Abs dieser perfiden Krankheit, beleuchtet ihre Gedankengänge, ihre Ängste, ihre Freuden und Hoffnungen, ihren Kampf zurück in ein vielleicht gesünderes Über-Leben…

Fazit:

Helene Flöss trifft mit einem Satz in der Erzählung jenen Nerv, den v.a. Freunde, Angehörige und v.a. Partner jener Menschen die an Anorexie leiden vorbehaltlos unterschreiben könnten: „Dein Selbstmord in Stücken und wir, die dir dabei zuschauen.“ (S.59) In keinem Part des Textes geht es der Autorin um Effekthascherei. Beinahe schmerzhaft nüchtern schildert sie ein Leben auf der Schneide eines Messers, welches Nahrung nach völlig anderen Gesichtspunkten einteilt, als dies bei „gesunden“ Menschen der Fall wäre. Aus der eigenen Erfahrung mit Betroffenen kann ich dem Text ein hohes Maß an Authentizität, an klarer Ehrlichkeit und einen Grundtenor der Hoffnung attestieren, wie man ihn selten findet. Er macht Mut ohne das Blaue vom Himmel zu versprechen, legt Finger auf Wunden, die unsere Gesellschaft mit dem Mäntelchen der Abschiebung und Ausgrenzung nur allzu gerne zudeckt. Und es ist auch diese Hoffnung, die es gilt aufrechtzuerhalten, wenn Trauer als Schwarzer Sumpf vor jenen liegt, denen man Gutes will und sie das Gefühl haben, „sie findet da nicht mehr heraus. Nicht aus dem Grabbett und nicht aus dem Hungern.“ (S.56)
Keine leichte, aber eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die v.a. eines fördert: das Verstehen.

Zum Buch:

Der kleine Band aus dem Haymon-Verlag zeichnet sich durch eine mit dem Text stimmige künstlerische Umschlaggestaltung für die Kurt Höretzeder aus Scheffau/Tirol zeichnet aus, ebenso wie durch eine sehr klare Typografie mit relativ großen Schrifttypen. Die Seiten wurden in haptisch angenehm starkem Papier gehalten, dem der feste Paperbackumschlag mit seinen abgerundeten Ecken ein solides Aussehen verleiht, ohne dabei die Schwere der dunklen Titelfotografie noch zu unterstreichen. Einziges handwerkliches Manko stellt eine nicht sonderlich gute Verleimung von Buchblock und Umschlag dar.

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Tags: anorexia nervosa, anorexie, deutsche literatur, essstörung, gesellschaft, helene flöss, liebe, magersucht, medizin, psychiatrie, psychologie, psychotherapie   (12)
 

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akw, alexander kröger, ddr, alexander-kröger-werkausgabe, raumfahrt

Sieben fielen vom Himmel

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 294 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 17.03.2017
ISBN 9783945713310
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Gegen zwanzig Uhr fünfzig Ortszeit Richtung Ost, nicht ganz gewöhnlicher Meteorfall.“ (S.278)

Zum Inhalt:

Sie sind zu siebt, die Reisenden deren Mutterschiff, die Galax 2, verschollen ist. Anfangs karge Aussicht auf Rettung bietet ein „bläulich leuchtender Planet“ (S.14), der dritte, der um ein Zentralgestirn kreist. So gut es geht bereiten sie sich auf die Notlandung vor, die ihnen auch erstaunlich unbeschadet gelingt, mit der einen Ausnahme, dass ein Mitglied ihrer Gruppe in der Atmosphäre abtreibt.
Fasziniert von dem Überfluss an Wasser und Leben, den sie feststellen – zumal sie in einem Dschungelgebiet niedergehen – versuchen sich die Kosmonauten zu orientieren, ihren Kameraden zu finden und einen Erstkontakt mit der einheimischen intelligenzbegabten Spezies vorerst zu vermeiden, um Mißverständnissen entgegenzusteueren.
Diese Spezies ist jedoch ihrerseits nicht untätig. Der „nicht ganz gewöhnliche Meteorfall.“ (S.278) erregt ursprünglich wenig, jedoch in Folge immer mehr Aufsehen. Die Situation eskaliert, als ruchbar wird, dass unlautere Kräfte sich der Besucher und somit auch deren Wissens bemächtigt haben könnten, um v.a. wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen.
Um eben diesem ersten falschen Eindruck auf die Kosmonauten entgegenzuwirken, ihnen einen würdigen Empfang zu bereiten, sowie eine solide Basis des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung zwischen entwickelten Spezies aufzubauen, setzt sich eine Schar integrer Persönlichkeiten ein, deren Ziel das Gelingen einer wertschätzenden Verständigung ist, ebenso wie der Hilfestellung für die Gestrandeten, ihre Heimatwelt wieder zu sehen.

Fazit:

Alexander Kröger entwirft in diesem Text eine Vision ganz entgegengesetzt zu den oft bemühten Invasionsszenarien aus z.B. dem Filmgenre á la „Independence-Day“„Falling Skies“ oder „World Invasion: Battle Los Angeles“. Die Aliens sind dem krögerschen Idealbild des Menschen entsprechend primär wohlüberlegte, ausgewogen Handelnde Forscher, deren oberste Prämisse das Wohlergehen der Gruppe ist. Dies wird keineswegs als Schwarmkollektiv auf Kosten des Einzelnen erreicht, sondern vielmehr durch einen Einbringen der Stärken des Einzelnen, über deren Wichtigkeit sich jeder bewusst ist. Demgegenüber steht nun aber auch wieder nicht eine durch und durch perfide menschliche Gesellschaft, die in ihrer Gier nur nach Ausbeutung trachtet. Es gibt auch hier einen differenzierteren Ansatz des sowohl als auch. Genau dieses changieren zwischen den Polen zeichnet den Roman aus, wobei die Sympathie des Autors für eine wissenschaftlich-technische, humanistisch fundierte Weltsicht mehr als nur am Rande ersichtlich ist. Wer Alexander Kröger und seinen schriftstellerischen Werdegang  etwas kennt, den wird dies keinesfalls überraschen und schon gar nicht stören.
Etwas irritierend wirken inhaltlich nur die teils etwas inkohärente Verwendungen der Zeiteinheiten („Viertelstunde“ S.36 – Chalo, „Noch zehn Sekunden…“ (S.37) – Chalo, „…dass, sie erst 15 Zeiteinheiten unterwegs waren“ ), die gut angedacht, aber zu wenig konsequent durchgezogen wurden. Im Rahmen der AKW ist auch dieser Band ein feines Stück wissenschaftlicher Phantastik die Lust auf mehr macht.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 1 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, ddr, deutsche literatur, first contact, gesellschaft, klaus brandt, proxima centauri, raumfahrt, science fiction, werkausgabe, wilko müller jr.   (13)
 

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fantasy, das rad der zeit, robert jordan, abenteuer, rand al'thor

Die Jagd beginnt

Robert Jordan , Uwe Luserke
Fester Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2004
ISBN 9783492700825
Genre: Fantasy

Rezension:

„Der Tod ist leichter als eine Feder, aber die Pflicht ist schwerer als ein Berg.“ (S.734)

Zum Inhalt:

Egwene sieht den lang gehegten Wunsch einer Ausbildung zur Aes Sedai in der Burg in greifbarer Nähe und lernt dabei neue Freunde kennen. Von Rand getrennt, versucht sie so viele Informationen über seinen Verbleib zu erlangen, wie sie kann. Unterdessen ist Rand auf der Jagd nach dem Horn von Valere, welches er im Gegensatz zu den vielen Glücksrittern, die ein ähnliches Ansinnen verfolgen, bereits in Händen hielt und um seine Macht in Grundzügen Bescheid weiß. Verlass ist dabei auf seine Begleiter, sei es nun Loial der Ogier, Hurin der Fährtensucher, seine Jugendfreunde Perrin und Mat oder den Ingtar Shinowa dessen überraschende Geschichte eine entscheidende Wende in der Handlung bringt. Das Horn zu finden, es dem Einflussbereich des Dunklen Königs zu entziehen, es in die vermeintliche Sicherheit der Shienarer zurückzubringen und damit die Ganze Verantwortung einer nie gewollten Heldenrolle abzulegen treiben Rand an. So sehr, dass er auch bereit ist für dieses Ziel auf die verhasste Fähigkeit zurückzugreifen, die Macht zu nutzen. Spürend, dass ihn deren Anwendung zunehmend verändert, zu einem ihm und den Gefährten Fremden macht, meidet er Kontakt zu dieser Kraft wo immer es auch kann.
Keineswegs geradlinig führt dabei das Rad der Zeit die Fäden der unterschiedlichsten Wesen im Gewebe rund um Ta’veren zusammen. Auch Rand beginnt zu ahnen, dass hinter seiner Herkunft ein Geheimnis versteckt liegt, dessen Tragweite und drückende Last ihn zu zerbrechend droht… und mit ihm alle die ihm etwas bedeuten.

Fazit:

Zu recht gilt die Saga „Das Rad der Zeit“ als einer der Meilensteine der modernen Fantasy, schafft es Robert Jordan doch ein Universum zu kreieren, in dem der Leser unzählige Stunden abtauchen kann in eine Welt ohne grobe logische Brüche, mit stimmigen Charakteren, deren Entwicklung genügend Zeit erhält um nachvollziehbar und kohärent zu sein. Gut durchdachter Aufbau, eine plastische Sprache und ein reger Wechsel zwischen informativen Sequenzen und spannungsgeladenen Abschnitten treiben die Handlung zügig voran. Es bleibt das angenehme Lesegefühl der Vorfreude auf den nächsten Band, das weitere Begleiten der ans Herz gewachsenen Protagonisten.

Zum Buch:

Der zweite Band der Reihe „Das Rad der Zeit“ die sich dem Original am engsten verschrieben hat, ist in der Aufmachung dem ersten gefolgt und glänzt durch ausgezeichnete Verarbeitung in Verleimung, Umschlaggestaltung, Druck und Bedruckstoffe. Sehr positiv ist zu vermerken, dass die Original-Cover-Motive benutzt wurden, keine Selbstverständlichkeit betrachtet man die gesplittete Auflage der Saga, deren Bilder i.d.R. mit dem Text nichts zu tun haben. Ausgesprochen hilfreich ist auch in diesem Buch die wunderschöne Landkarte und das Glossar am Ende des Bandes. Eine ausführlichere Beschreibung, sowie entsprechende Links findet sich in der Buchbeschreibung zum ersten Band der Serie, ebenso findet sich dort ein Link zur Äquivalenzliste der englischen und deutschen Bücher des Originals.

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Tags: aes sedai, andorra, blasser, buchreihe, darrel sweet, das rad der zeit, der dunkle könig, drachen, ellisa mitchel, fantasy, große fäule, karaethon-zyklus, robert jordan, rückgrad der wel, uwe leserke   (15)
 

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raumfahrt, alexander kröger, gentechnik, ddr, faunella

Die Marsfrau

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 273 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 13.01.2017
ISBN 9783945713297
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„»Das Leben ist im Letzten unerforschlich.«“ (S.51)

Zum Inhalt:

Mac O’Man und Alexej Bolscha sind ein eingespieltes Team. Als Terraformer auf dem Mars leisten sie zusammen mit ihren zahlreichen Kollegen Pionierarbeit in der Begrünung des Planeten und damit der Schaffung einer dem Menschen zuträglichen Atmosphäre. Ein Tag vergeht wie jeder andere. Routine par excellence sozusagen bis zu dem Tag an dem Mac jenes verstörende und verstörte Wesen in den von ihm und Alexej betreuten Anpflanzungen ausmacht, das alles auf den Kopf stellen soll.
Zur selben Zeit auf der Erde bemühen sich Wissenschaftler eine Synthese von tierischen und pflanzlichen Eigenschaften auf Zellniveau zu erreichen, um somit in kargen Umgebungen – also nicht zuletzt auch auf dem roten Planeten – die solide Grundlage einer Nahrungsversorgung für die menschliche Zukunft zu erarbeiten. Allan Nagy ist dabei einer der zentralen Motoren, den jedoch die Geister seiner Vergangenheit ebenso verfolgen, wie ethische und moralische Grundfragen zur Richtigkeit der Eingriffe, die mit Hilfe der Gentechnik zur bewerkstelligen sind. Es bleibt nicht aus, dass der nächste Schritt nach den Test mit „niederen“ Organismen gewagt wird und Nutztiere für den Mars mit assilimilatorischen Fähigkeiten kreiert werden. Allan wird, als in sein Kollege Sylvester immer wieder durch sein Interesse an den vergangenen Forschungen damit konfrontiert, mehr und mehr bewusst, dass seine früheren wissenschaftlichen Beiträge, ebenso wie die fatalen Fehlentscheidungen, auf der Erde ihren Schatten bis auf den Mars werfen. Und dabei hält dieser Planet eine Überraschung für ihn bereit, die – wenn auch erahnt – so doch von ungeheurlicher wissenschaftlicher, moralischer, ethischer und nicht zuletzt menschlicher Tragweite ist…

Fazit:

Die Erzählung, welche Alexander Kröger vor dem Leser ausbreitet könnte angesichts der stets wieder aktuellen Patentrechtstreitigkeiten großer Pharma- und Landwirtschaftsriesen um Genmanipulationen nicht brisanter sein. Er wirft Fragen auf, ohne dabei für eine bestimmte Seite polemisch zu vereinnahmen. Es sind die unterschiedlichen Charaktere, welche Kröger geschickt verschiedene Aspekte des Themas artikulieren lässt. Wo die Grenzen, aber auch die Möglichkeiten genetischer Manipulation liegen (können), darum drehen sich als eine der zentralen Fragen die erzählerischen Wendungen. Zum einen spürt man dabei eine gewisse Hin-und-Her-Gerissenheit zwischen Pessimismus („Gesetze wurden schon immer den Erfordernissen angepasst, erst recht ethisch-moralische.“ (S.234))  und Fortschittsglauben („Sobald man vom Nutzen, nein vom Funktionieren überzeugt war, hat man die Gentechnik angewendet. Krebs ist Geschichte, fast alle Erbkrankheiten sind ausgerottet, der verbleibende kleine Rest wird in den nächsten Jahren auch verschwinden. Wir werden bald den intakten Menschen haben, den Menschen ohne körperlichen Defekt, ohne geistigen, zumindest was die Anlagen betrifft…“ (S.189)).
Kröger will mit dem Text keinesfalls endgültige Antworten oder gar simplifizierende Richtlinien geben, sondern vielmehr Denkanstöße für ein komplexes Thema liefern, dem mit monokausalistischen Stammtischargumentationen nie und nimmer genüge getan werden könnte. Er überlässt es dem Leser (s)einen Standpunkt zu suchen und vielleicht zu finden. Die Protagonisten seiner Geschichte sind allesamt stimmig, von solidem Entwurf und durchgehend nachvollziehbar in Handlung, sowie Entwicklung, gekennzeichnet durch eine – wie mir scheint – positive Haltung Krögers zur Grundfähigkeit des Menschen aus Fehlern zu lernen.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 19 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: alexander kröger, ddr, deutsche literatur, faunella, gentechnik, helmut routschek, klaus brandt, raumfahrt, sammlungen, science fiction, terraforming, werkausgabe, wilko müller jr., wissenschaftliche phantastik   (14)
 

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petraczer, aliens, yaanztroner, torytrae, poynkorer

Perry Rhodan / Das Erbe der Yulocs

William Voltz
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Pabel-Moewig, 01.01.2000
ISBN 9783811820951
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„»Rechnen sie auf alle Fälle mit einer Enttäuschung, dann trifft die Wahrheit sie nicht so hart«.“ (S.265)

Zum Inhalt:

Dem Tschatro von Yaanztar ist das Ceynach-Gehirn, als welches das von Rhodan gilt, ein Dorn im Auge. So greift er zu einer beinahe sagenumwobenen Rückversicherung für solche Fälle: dem Dem Ceynachkommando, bestehend aus den Gehirnen zweier Yulocs, von denen er einen für diese heikle Aufgabe auswählt. Dieser Yuloc mit Namen Torytrae setzt sich auf die Fährte Rhodans, dessen Karten damit denkbar schlecht aussehen, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurde noch jedes Ceynach-Gehirn von den Yulocs zur Strecke gebracht, will heißen getötet.
Die Freundschaft Rhodans mit Heltamosch macht sich einmal mehr bezahlt. Heltamoschs Kontakte ermöglichen es nicht nur, Rhodans Gehirn in einen neuen Körper zu transferieren und ihn so kurzfristig aus der Schusslinie zu nehmen, sie ermöglichen auch das Aufsuchen einer der 3 an sich verbotenen Heimatwelten der Yulocs. Auf dieser Welt, Traecther genannt, versucht der Terraner verzweifelt in den Archiven des sagenumwobenen Yulocvolkes, einen Hinweis auf die kosmischen Koordinaten seiner Heimatwelt Terra zu finden.
Was Rhodan und seinen treuen Begleiter Gayt-Coor auf Traecther erwartet, übertrifft dann jedoch auch die kühnsten Ideen, derer Rhodan fähig war. Nicht zuletzt deswegen, weil er durch die Entdeckung der stofflichen Gegebenheiten, in denen er sich in Naupaum befindet einen herben Tiefschlag erhält.
Ganz der Diplomat, als der Rhodan sich bis dato stets bewiesen hat, versucht er einen Kontakt zu eben jenem Wesen herzustellen, dessen primäres Ziel seine Auslöschung ist: dem Yuloc Torytrae. Vom Gelingen oder Scheitern dieser Verbindung hängt in letzter Konsequenz nicht nur das Wohl oder Weh des Terraners ab. Auch jenes des Sternenreiches, dem er vorsteht und jenes seiner neu gewonnenen Freunde hängt an diesem seidenen Faden…

Fazit:

Waren die letzten Bände – v.a. die ersten beiden des Zyklus – eher serienuntypisch  flau, so bekommt die Geschichte um „Das Kosmische Schachspiel“ mit dem 71. Silberband wieder jenen Charme zurück, der Geschichten aus dem Perryversum auszeichnet. Nicht nur Freunde klassischer Abenteuer- und Actionstorys kommen auf ihre Kosten. Es gelingt den Autoren auch ein facettenreiches Bild der Völker, Charaktere und Kulturen jenes Universums zu zeichnen in das Rhodan verschlagen wurde.
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 71 .

Zum Buch:

Der Tradition der Silberbände folgend, ist auch dieser Band gut verarbeitet, weist einen solide verarbeiteten Buchblock aus griffigem Bedruckstoff auf und gibt sich drucktechnisch keine Blöße. Die künstlerische Gestaltung hält sich ebenfalls an die liebgewonnenen Eigenheiten der Serie, vom Kippbild auf dem Umschlag, bis hin zu den Risszeichnungen auf den Klappeninnenseiten. Ein diesbezüglich rundum gelungenes Buch.

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Tags: accalauries, aliens, anti-es, bordin, perry rodan, petraczer, poynkorer, science fiction, torytrae, tuuhrt, yaanztroner   (11)
 

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geschichte, japan, durs grünbein, sei shonagon, china

Lob des Taifuns

Durs Grünbein , Yuji Nawata , Yuji Nawata
Leder / Künstlerischer Einband: 131 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 13.10.2008
ISBN 9783458174202
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

„Verbring ihn allein
Diesen Tag – du wirst sehen,
Wieviel länger er dauert.“(S.37)

Zum Inhalt:

Mit dem Band Nr. 1308 aus der Inselbücherei stellt Durs Grünbein alle vier in Haikus verfassten Tagebücher seiner Japan-Reisen zusammen: ein großer Schritt in der Geschichte der deutschsprachigen Haiku-Dichtung.“(S.115) Die in Deutsch und Japanisch dargebotenen Kurzgedichte, in enger Anlehnung an die und in der Tradition der japanischen Haikus verfasst, nehmen den Leser in stenografischer Dichtheit mit auf eine Reise, welche Durs Grünbein zu (s)einem Japan-Erlebnis macht. Im Nachwort, dessen inhaltliche, historische und literaturkritische Fingerzeige ein lyrisches Universum öffnen, das dem klassischen Gedichtrezipienten ansonsten verschlossen bleibt, breiten Grünbein und Yûji Nawata einen irisierenden Teppich an Informationen rund um diese „poetische Kurz- und Kürzestform“ (S.102) aus.

Fazit:

Anfangs irritiert die Präsentation des lyrischen Textes stark, zumal, wenn man wie ich, des Japanischen nicht mächtig ist. Man kann jedoch getrost den Worten Yûji Nawatas im Nachwort vertrauen, wenn er schreibt: „Wenn daher Leserinnen und Leser dieses Buches der Insel-Bücherei unlesbare Schriftzeichen vor sich sehen, darunter viele chinesische, erleben sie das gleiche, was auch Grünbein erlebt und in seinen Haikus thematisiert hat. Diese Erfahrung schadet bei der Lektüre nicht, ist hoffentlich vielmehr hilfreich. Auch so kann die Zweisprachigkeit des vorliegenden Büchleins verstanden werden.“ (S.127)
Geerdet, ja beinahe geeicht von der Lyrik Heines, Brechts oder Hesses, fand ich in diesem Exkurs einen vollkommen neuen stilistischen Kosmos, den ich als Leseerlebnis nicht mehr missen möchte. Auch zeigt die auf diese Weise schreibende Erarbeitung einer Reise eine spannende und durchweg zur Nachahmung animierende Form der Reisedokumentation auf, die noch erheblich persönlicher, intimer als jene des Fotografierens oder Filmens ist. Am ehesten Vergleichbar dem Malen, jedoch sowohl zeitlich, wie auch raumtechnisch um Welten kompakter.

Zum Buch:

Ausgezeichnet in jedweder Hinsicht präsentiert sich der Band der Insel-Bücherei, sei es nun handwerklich buchbinderisch, wie auch drucktechnisch. Stets findet der Leser Buchkunst auf sehr hohem Niveau. Gesetzt wurde der Text aus den Schriften Adobe Garamond Pro und Kozuka Mincho Std., das Motiv des Einbandes wurde dem Einwickelpapier eines Tokyoter Sojawarenhändlers entlehnt und rundet das Buch ästhetisch stimmig ab.

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Tags: anette von droste - hülshoff, basho, china, ddr, durs grünbein, geschichte, gesellschaft, haiku, insel verlag, insle bibliohtek, iss, japan, japanologie, kanji, lyrik, sammlung, sei shonagon   (17)
 

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natur, pflanzen, bäume, umwelt, biologie

Green net

Wilfried von Manstein , Sascha Morawetz
Fester Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Moritz Boerner Verlag, 01.12.2016
ISBN 9783942498203
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Als Lebewesen sind wir alle gleich. Nichts ist schlecht in der Natur.“ (S.41)

Zum Inhalt:

Wilfried von Manstein entwirft in seinem Buch ein Szenario, in welchem Pflanzen, verbunden über ein globales Netzwerk – genannt „grünes Internet“ (S.39) – aus Wurzeln, Botenstoffen, sowie auch tierischen Helfern versuchen, das Joch der menschlichen Unterdrückung abzuschütteln. Mittels eines Apparates, genannt Zeiter, gelingt es zum einen Menschen zu verlangsamen und Pflanzen zu beschleunigen, womit auch erst die potentielle Möglichkeit für die floralen Marodeure entsteht, sich ernsthaft gegen die als Krankheit empfundene Menschheit zur Wehr zu setzen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei v.a. die beiden Charaktere Mario und Rado, deren Eltern dem Pflanzenaufstand bzw. dessen Vorläufern als eine der ersten zum Opfer fallen und für deren Rettung die beiden Jugendlichen Himmel und Hölle – teils im wahrsten Sinne des Wortes – in Bewegung setzen. In einer aus den Angeln gehobenen Welt, mit mystischen Wesen, von Zeitreisen, KIs und Robotern, sprechender Vegetation und durchaus menschlich agierender Fauna kämpfen sie sich mit nur einer Hand voll Verbündeter ihrem Ziel entgegen: der Genesung ihrer Eltern und des Planeten…

Fazit:

Die Idee hinter dem Text von Wilfried von Manstein, sowie die Aufmachung des Buches und der Teaser hatten mein Interesse an der Geschichte geweckt. Anfangs durchaus spannend geschrieben, wenn auch teils arg konstruiert, driftete die Story allerdings rasch in eine „böse Menscheit vs. gute Natur“-Platitüde ab, die mit fortschreitender Seitenanzahl immer abstruser wird. Abgesehen von flachen Charakteren – sowohl auf Seiten der Menschen, wie auch der der Pflanzen und Tiere – stören logische Brüche und völlig irrationale Zahlenspiele. So z.B. heißt es „In Schulen, Turnhallen und Gemeindezentren sterben die Menschen, Hunderttausende in jeder Sekunde.“ (S.150)  Das geht sich auch mit viel Fantasie nicht lange ohne eine komplette Entvölkerung der gesamten Welt aus, v.a. nicht so lange wie die Geschichte daneben weiterspielt.
Mit Zeitangaben wird ohnehin recht salopp umgegangen, da können schon mal Wochen oder Monate vergehen, was weder die Geschichte sonderlich weiter bringt, noch dramaturgisch zieht und auch das Verhalten der Akteure kann man dabei nicht wirklich als in sich stimmig bezeichnen. Da helfen auch Epizykeltheorien zu Zeitreisen wenig weiter!
Insgesamt erweckt die Geschichte für mich den unstimmigen Eindruck als hätte man nordische Mythologie, SciFi- und Fantasy-Versatzstücke, garniert mit einem arrg antropomorphen Naturbild in einen Mixer geworfen und erwartet, es käme dabei eine in sich stimmige homogene Storyline heraus. Die durchaus vorhandenen guten Ansätze wurden aus meiner Sicht zu wenig genutzt.
Einen grobtextuell sehr störenden Fauxpas stellen für mich die 75(!) Kapitel auf 406 Seiten dar. Hier gilt definitiv: weniger ist mehr.


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Tags: biologie, biologische kampfstoffe, botanik, dendrologie, deutsche literatur, drachen, dystopie, fantasy, gesellschaft, nordische mythologie, roboter, sascha morawetz, science fiction, wilfried von manstein, yggdrasil   (15)
 

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alexander kröger, gentechnik, dd, biologie, akw

Chimären

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 11.02.2017
ISBN 9783945713303
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Genau wie ich wissen Sie, dass ethische und moralische Erwägungen in der Menschheitsgeschichte niemals eine entscheidende Rolle gespielt haben, wenn Wissen, Profitstreben und Kapital zusammentrafen.“ (S.11)

Zum Inhalt:

Dem Forscherteam rund um Dr. Lehmann und Master Shirley Lindsey gelingt ein medizinisch-biologischer Durchbruch. Nachdem man die Probleme mit Immunabwehr, dem Transfer von Genen- und Gengruppen innerartlich in den Griff bekommen hatte, wurde der logische nächste Schritt gewagt: das Sprengen von Artgrenzen. Zuerst an Tieren zur Perfektion getrieben, setzt sich Lehmann mit seinen Mitarbeitern über die zaghaften ethischen Bedenken hinweg und beginnt mit Hund-Mensch-Hybriden zu experimentieren. Die Tests verlaufen mehr als nur erfolgreich! So erfolgreich, dass sich die Mitglieder des Forscherteams unversehens mit zentralen Fragen eines regen Verstandes konfrontiert sehen, der weit über seinen ursprünglichen „Zweck“ hinaus, (s)einen Platz im Leben sucht – abseits bloßer Existenz. Gelingt es dem Schöpfer seinem Geschöpf die Frage nach dessen Platz in einer Welt zu beantworten, die mit der bloßen Existenz eben dieser Schöpfung in jedweder Hinsicht überfordert zu sein scheint?

Fazit:

Dr. Helmut Routschek, alias Alexander Kröger, kreiert mit „Chimären“ einen inhaltlich wie erzählerisch sehr dichten Text, dessen zentrale Thematik aktueller nicht sein könnte. Speziesübergreifende Genexperimente werfen nicht nur Fragen der reinen technisch-naturwissenschaftlichen Machbarkeit auf. Sie changieren auch nicht nur zwischen den Polen von rein edler medizinscher Hilfestellung und kalter betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzenrechnung. Vielmehr kommen Fragen der Ethik, der moralischen Verantwortlichkeiten und der Grenzziehungen zwischen dem Dürfen/Sollen und der Machbarkeit auf. Einen denkmöglichen Ansatz zeigt „Chimären“ auf, gespickt mit der zusätzlichen Implikation des „Selbst-Verständnisses“ der Geschöpfe des Homo faber. Wie viel des Schöpfers widerspiegelt sein Geschöpf? Und wenn das Geschöpf nach dem Sinn seiner Existenz, seiner Daseins-Berechtigung, seiner Zukunft fragt, welche Antworten hat eine Gesellschaft, die (kreiertes) Leben als Ding, als primär-wirtschaftliche Ressource sieht?
Die einfühlsame, beinahe liebvoll-empathische Schilderungen des heranwachsenden Ichs der Chimären im Roman stellt aus meiner Sicht einen der Höhepunkte des Textes dar, die den Autor weit abseits jedweder monokausalistischer Polemik einordnet.

Zum Buch:

Mit dem Band 20 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) liefert der Solar-X Verlag ein solides Paperback-Buch. Sowohl der feste, abwischbare Einband, als auch der griffige Seitenbedruckstoff hinterlassen, ebenso wie die stabile Verleimung, einen angenehmen haptischen Eindruck. Typografisch ist der Text schlicht gehalten, mit hoher Wertlegung auf gute Lesbarkeit. Drucktechnisch gibt man sich keine Blöße, sowohl was den Text als auch den Umschlag betrifft. Für die bildnerische Gestaltung firmiert Klaus Brandt, welcher auch eine entsprechende Webpräsenz für die AKW eingerichtet hat . „Der langjährige Lektor und Partner des Autors, Wilko Müller jr., plant als Herausgaber in der Edition Solar X eine komplett neue Alexander Kröger Werkausgabe mit 20 ausgewählten Werken.“ 1) D.h. man kann sich als Liebhaber klassisch hochwertiger SF auf weitere Texte aus der Feder Krögers im Rahmen dieser Werkausgaben freuen.

Quellen:
1.) Internetpräsenz Alexander Kröger

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Tags: akw, alexander kröger, biologie, dd, deutsche literatur, ethik, gentechnik, helmut routschek, klaus brandt, moral, naturwissenschaft, sammluing, science fiction, werkausgab, wilko müller jr.   (15)
 

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jürgen partheimer, pädagogik, judentu, robert pfaller, geschichte
Rezension:

„Das Lügen ist nicht grundsätzlich schlecht, sondern eine moralisch neutrale Fähigkeit, die schlechten Absichten dienen, die aber auch im Dienste guter und gerechtfertigter Absichten stehen kann.“ (S.36)

Zum Inhalt:

Nicht nur die Philosophie, vielmehr der Mensch als kulturelles Wesen per se changiert in dem emotional, moralisch geladenen Mienenfeld zwischen der Wahrheit und der Lüge. Nur allzuoft machen wir es uns dabei einfach, bemühen (Vor-)Urteile, gehen ausgetretene Denk-Wege, übernehmen vorbehaltlos Traditionen, scheinbar bewährte Meinungen, allgemein akzeptierte Ansichten, ohne hie und da stehen zu bleiben, einen Gang herunterzuschalten, uns bewusst die Zeit nehmend, über eine Dialektik zu reflektieren, die so selbstverständlich nicht ist.
Ist Wahrheit stets gut und Lüge durchgehend schlecht? Wie verhält sich das Wertesystem von Religion, Philosophie und Moral in Hinblick auf das Leben in realiter? Kann es lohnend sein, Lüge wider unseren ersten moralisch geeichten Impuls als ein Positivum anzusehen, welches an sich wertneutral ist und erst als Werkzeug in einer spezifischen Situation seinen Wert unter Beweis stellen kann / muss?
Diesen ebenso vertrackten wie spannenden Fragen gehen die 11 unterschiedlichen Beiträge des 8. Philosophicums Lech nach. Der Leser findet viele in sich schlüssige Denkgebäude, die jeweils einen sehr spezifischen Blickpunkt im Kontext des Autors ausbreiten. Dabei werden Gebiete wie Politik, Pädagogik, Theologie und Erkenntnistheorie ebenso erfasst, wie jenes heikle Thema des Journalismus, respektive der Berichterstattung und der wissenschaftlichen Wissensfindung. In Zeiten in denen Georges Orwells Buch „1984“ die Verkaufsränge erneut stürmt und die offiziellen Vertreter von Supermächten von „alternativen Fakten“ sprechen, stellt das Thema dieses Bandes an Aktualität vieles andere in den Schatten.

Enthaltene Texte:

Der Wille zum Schein (Konrad Paul Liessmann)
Über Wahrheit und Lüge

Über Wahrheit und Lüge im moralischen Sinn (Simone Dietz)

Die Beliebigkeit von Wahrheit und Irrtum. (Josef Mitterer)
Mit einem Exkurs zu Wahr- & Falschnehmung

Gemeinheit und Gemeinsinn (Georg Kohler)
Warum Machiavelli manchmal Recht hat. Über Lüge und Wahrheit in der Politik

Warum lügen und was wissen die Dichter? (Jochen Hörisch)

Die Lüge als ursprüngliche Endlichkeit von Norm und Autorität oder der Beginn der Poetik (Jürgen Partenheimer)
Ein Fragment

Nichts als die Wahrheit… ?! (Ulrike Felt)
Betrug und Fälschung in der Wissenschaft

Bildungslügen (Alfred Schirlbauer)
Über pädagogische Illusionen

Das Unglaubliche (Robert Pfaller)
Über Illusionen, Lust und Kultur

Wahrheit und Lüge – Eine Bewertung aus jüdischer Sicht (Walter Homolka)

Fazit:

Provokant im überaus positiven Sinne; so könnte man pointiert den Text für den Konrad Paul Liessmann als Herausgeber firmiert bezeichnen. Die Referenten des Philosophicums Lech stellen einmal mehr unter Beweis, das Philosophie keineswegs eine Beschäftigung für weltfremd vergeistigte Akademikerrandgruppen sein muss. Sie kann – und muss – sich ihrer gesellschaftlichen Aufgabe stellen, alternative, bereichernde Denkformen aufzeigen, Wege abseits der „Das-tut-Mann-so-oder-so“-Lösungen anbieten, durchaus nicht ungefährliche Denkmuster durchbrechen und aufrütteln. Das sind auch die Herausforderungen denen sich die Beitragenden stellen, Denkschemata aufzeigend, welche ein hohes Maß an Reflexion und Flexibilität vom Leser einfordern. Der Lohn ist eine wesentlich freiere, erweiterte Sicht auf die Vielfalt an Denkmöglichem, das uns intellektuelle Werkzeuge für den Alltag zur Verfügung stellt.

Zum Buch:

Optisch und haptisch ist dieser 8. Band des „Philosophicum Lech“ bis auf das Titelbild ident mit dem Vorgängerband „Ruhm, Tod und Unsterblichkeit“. Positiv kann man jedoch anmerken, dass die Verleimung dieses Mal wesentlich besser ausgefallen ist, was der Stabilität des Buchblockes zu gute kommt. Die typografische Gestaltung überzeugt durch strukturierte Klarheit, die künstlerische Umschlagsgestaltung durch Offenheit in Form und Farbwahl. Ein sehr schöner und ansprechend gestalteter Band.

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