buchwanderers Bibliothek

172 Bücher, 164 Rezensionen

Zu buchwanderers Profil
Filtern nach
172 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, asteroid, ddr, deutsche literatur, dystopie, endzeit, gentechnik, gesellschaft, impact, politik, raumfahrt, science fiction, sociological science fiction

Nimmerwiederkehr

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 274 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 05.02.2018
ISBN 9783945713402
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Ich halte absolute Vernunft der Menschheit für eine Utopie.“ (S.7)

Zum Inhalt:

Die Erde ist nach dem von Menschenhand verursachten Super-GAU durch das HAARP-Experiment ( siehe „Der erste Versuch“) auf einem guten Weg sich zu erholen – zumindest soweit es die Natur anbelangt. Ähnliches könnte auch der empfindlich geschrumpften menschlichen Gesellschaft beschieden sein, deren Mangel v.a. jener an technischen Fachkräften zu sein scheint.

Doch erneut bewahrheitet sich jenes eherne Gesetzt, das der Mensch aus seiner Geschichte nur eines lernt, nämlich, dass er nichts aus ihr lernt. „»Die Leute sind eingebettet in Harmonie, Selbstzufriedenheit und staatlich stimulierter Aufbaueuphorie.«“ (S.74) So kann man einen nicht unerheblichen Teil der neuen Zivilisation beschreiben. Ressourcen sind noch aus den Altbeständen der Untergegangenen „Alten“ vorhanden. Materielles stellt keinen wirklichen Engpass dar. Und doch sind es schon wieder ideologisch motivierte Zwistigkeiten, die entzweien.

Überschattet wird all dies zudem noch durch eine zufällige Entdeckung, deren Endgültigkeit ernüchtert: ein Asteroid befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Erde und könnte – einem schlechten kosmischen Scherz gleichend – der Menschheit nun endgültig den Garaus machen. Selbst Angesichts dieser Herausforderung, gelingt es nicht Unzufriedene, ewige Nörgler, ja sogar gewaltbereite Demagogen an einen Tisch zu bringen.

So ist der Ausgang dieses Wettlaufs gegen die Zeit trotz hohem Einsatz einiger Weniger und den durchaus fundierten Ideen welche von unterschiedlichsten Akteuren zusammengetragen werden mehr als fraglich…

Fazit:

Alexander Kröger zeichnet in seinem Roman „Nimmerwiederkehr“ eine recht nüchterne, man könnte sogar versucht sein zu behaupten desillusionierende Sicht einer Menschheit, die – knapp dem ersten selbsverschuldeten Untergang entronnen – nicht wirklich essentiell dazugelernt hat. Vor allen was persönliche Animositäten, politisches Machtdenken und Manipulation von Massen anbelangt beschleicht den Leser immer wieder ein Déjà-vu mit bitterem Beigeschmack.

Im Gegensatz zur Natur, die sich, vom Menschen nicht mehr kontrolliert, in weiten Teilen erholt hat, gelingt es der menschlichen Rumpfgesellschaft scheinbar nur marginal wirklich neue zukunftsträchtige und tragbare Ideen zu entwickeln und auch umzusetzen. Selbst angesichts einer erneuten Bedrohung – diesmal durch ein kosmisches Ereignis – gelingt es nicht, individualistische Tendenzen, subversive Machtfantasien oder schlicht bürokratische Hürden hintanzustellen resp. zu überwinden.

Der Mensch als soziales Wesen kann scheinbar nicht aus seiner Haut. Zu sehr hat man scheinbar überwundenes verinnerlicht und nimmt es jeden Tag, jeden Weltuntergang, erneut mit, sozusagen als Basisprogramm menschlich-gesellschaftlichen Scheiterns. Auch wenn immer wieder von globalem Zusammenhalt und Aufbaustimmung geredet wird, so lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass die Spezies Mensch wohl nicht unbedingt jenes Skillset aufweist, welches ihr das Überleben vereinfachen oder gar erst ermöglichen würde.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

  (0)
Tags: alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, asteroid, ddr, deutsche literatur, dystopie, endzeit, gentechnik, gesellschaft, impact, politik, raumfahrt, science fiction, sociological science fiction   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

aliens, deutsche literatur, dystopie, erzählung, fantasy / science fiction, kunst, kurzgeschichten, perry rhodan, perryversum, raumfahrt, william voltz

Zeitsplitter - Perry Rhodan

null null , William Voltz
Fester Einband: 91 Seiten
Erschienen bei Moewig, 01.01.1985
ISBN 9783811820197
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Wenn du einen Schritt machen könntest, den Raum so weit durchmessend wie Du Dir das nur vorstellen kannst, würdest du an der Größe des Universums gemessen doch nur eine lächerliche Entfernung zurücklegen.“ (S.6)

Zum Inhalt:

Auf den 94 Seiten entführen die atmosphärischen Geschichten, die der Autor William Voltz in seinem Vorwort zum Band als „Gedankensplitter“ bezeichnet in Kombination mit klassischer SciFi-Kunst von Alfred Kelsner in ein schillerndes Universum der denkbaren Möglichkeiten.

Die Short-Stories werden durch die Worte Voltz‘ treffend inhaltlich positioniert: „Meine Helden so sagt man mir nach, sind melancholische Einzelgänger, und vielleicht beruht meine Begeisterung für die Bilder von Alfred Kelsner darin, daß diese Helden in ihnen eine grafische Entsprechung gefunden haben.“ (Vorwort zu „Zeitsplitter“)

Es sind 21 Texte die Voltz zu den jeweils raumgreifenden Grafiken verfasst hat und die sich dem Leser als organisches Ganzes präsentieren, sowie als eben solches im Gedächtnis verankern. Die farbgewaltigen Bilder Kelsners ziehen in den Bann, laden ein, eigene Abenteuer, eigene Historien dazu zu entwerfen, sich in ihnen zu verlieren und jenen Träumen nachzuhängen, für die SciFi in klassischer Manier auch stehen mag.

Fazit:

Zwar wurden die Beiträge – wie im Untertitel ersichtlich – von der Perry Rhodan-Redaktion ausgewählt, jedoch findet jeder SciFi-Liebhaber hier nicht nur ansprechende, sowie zeitlose Texte und Thematiken aus diesem Genre, sondern auch aufgrund der wunderschönen Bilder einen möglichen Ausgangspunkt für Reisen der eigenen Fantasie in Universen, die sein Kopf zur Gänze für ihn selbst generiert. So entführen v.a. die Bildvorlagen in selbst entwickelbare Stories und werden somit nie fade oder gar abgegriffen.

Ein wunderschönes Buch – man ist versucht es einen Bildband zu nennen – den ich vorbehaltlos jedem SciFi-Begeisterten mit dem Hang zum Tagträumen 😉 empfehlen kann.

Zum Buch:

Der Band ist in seiner Aufmachung in Anlehnung an die Optik der Silberbände aus der Perry-Rhodan-Serie gehalten. Als Bildband angelegt wurde viel Wert auf einen ausgewogenen Druck und eine klare Farbgebung gelegt. Typografisch ging man keine Experimente ein, was zu einer attraktiven Symbiose zwischen Text und Bild führte, bei der sich kein Part unangenehm in den Vordergrund drängt. Die Verleimung der Seiten ist etwas schwach ausgefallen, was leider dazu führt, dass man durchaus Bände mit teils losen Blättern in antiquarischen Beständen finden kann.

  (0)
Tags: alfred kelsner, aliens, deutsche literatur, dystopie, erzählung, fantasy / science fiction, kunst, kurzgeschichten, perry rhodan, perryversum, raumfahrt, william voltz   (12)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

42 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

bildung, deutsche literatur, friedrich torberg, gesellschaft, gesellschaftsroman, jugendroman, klassiker, lehrer, literatur, pädagogik, psychologie, roman, schule, selbstmord, verfilmung

Der Schüler Gerber

Friedrich Torberg
Fester Einband: 343 Seiten
Erschienen bei dtv, 23.09.2011
ISBN 9783423195225
Genre: Klassiker

Rezension:

„…: es gibt ein großes, gräßliches Nie, gegen das wir nicht anrennen sollen, sonst senkt es sich, eine riesenhafte Wand, auf uns herab und zwingt uns zu Boden, und wenn wir gar zu nahe waren, zermalmt es uns…“ (S.115)

Zum Inhalt:


Kurt Gerber steht in seinem letzten gymnasialen Jahr, dem lange ersehnten und ebenso gefürchteten Abschlussjahr, dessen Krönung für die Würdigen das Zeugnis ihrer Reife bereithält. Vorausgesetzt – und daran scheint der Wert eines Schullebens gemessen zu werden – man wird in den Augen der Lehrerkollegiums für reif befunden.

Prof. Artur Kupfer ist Teil dieses Kollegiums und „er wußte, daß er, sowie er aus dem Machtbereich der Schule draußen war niemandem und mit nichts imponieren konnte.“ (S.31) Umso mehr lebt er diese schulische Macht über die ihm ausgelieferten Schüler aus, verteilt nicht nachvollziehbar Erfolg und Misserfolg, und genießt jedes (Schul-)Jahr aufs Neue die Leiden deren Ursache er in nicht unerheblichem Maße darstellt.

Gerber, der mit Abstand Begabteste der Klasse, wird in diesem achten Schuljahr noch von anderen schicksalshaften Zugkräften zerrissen: Sein Vater, dem er stets ein guter Sohn zu sein versucht, wird von einem Herzleiden getroffen, die große Liebe in seinem jungen Leben, Lisa Berwald, zerrinnt zwischen seinen Fingern, einen schalen Geschmack des Nicht-ernst-genommen-werdens hinterlassend und zu guter Letzt stellt sich die bohrende Frage ein: Wofür das Ganze? Wo lag letzten Endes der Sinn? „Man bangte sein tägliches Pensum herunter“ (S.61), aber wozu?

Dieses Wozu, diese Sinnfrage, deren inhaltlich schlüssige Beantwortung ihm letztendlich alle schuldig blieben, setzt sich in Gerbers Kopf, in seiner Seele fest. Solange bis in Stein gemeißelt fest stand: „Kupfer war Kismet.“ (S.21) und „Ich, Kurt Gerber, bin maßlos nebensächlich.“ (S.253) Dass diese lebensphilosophische Einstellung gepaart mit jugendlichem Sturm und Drang kein gutes Ende finden konnte, dessen wurden sich die Akteure, die Einfluss darauf gehabt hätten, erst zu spät bewusst.

So kulminiert und endet Kurt Gerbers Leben in den wenigen Zeilen einer Zeitungsmeldung: „Wieder ein Schülerselbstmord…“

Fazit:


Friedrich Torbergs Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert“ erschien erstmals 1930, den literarischen Durchbruch des Autors markierend. Über weite Strecken mit unschwer erkennbaren autobiografischen Reminiszenzen stellt Torberg eine Maschinerie in die Anklagebank, die nach außen den getünchten Anschein pädagogischen Handelns zur Schau trägt, innerlich jedoch in mannigfaltiger Weise marode ist. Nicht die Vorbereitung junger Menschen auf ein Leben nach der Schule ist hier Ziel und Programm, sondern „neben der Vermittlung von Wissen auch die Brechung der Persönlichkeit der Schüler“1). „Die Maschinerie der Pein funktionierte selbständig und mit unentrinnbarer Präzision, ließ den zu Verarbeitenden nicht zur Besinnung kommen…“ (S.192)

Nicht selten erinnert der Grundtenor des Textes an Hesses „Unterm Rad“. Die stets aufs Neue aufkommende Hoffnung doch noch durch Leistung oder zumindest durch Ducken vor der Obrigkeit, durch Anpassung an ein längst als sinnentleert entlarvtes System persönlicher Pfründe, Animositäten und mehr als fragwürdiger Machtspiele, sein schulische soziales Überleben bis nach der Reifeprüfung zu sichern, wird ebenso schnell wie sie keimte erstickt.

Nicht wenige Leser dürften sich in den Zeilen Friedrich Torbergs wiederfinden – auf die eine oder andere Art. Und solange es „Pädagogen“ wie „Gott Kupfer“ gibt, solange ein Schulsystem sie duldet, wird es auch die Enden für junge Menschen geben, wie sie im „Schüler Gerber“ verstörend und leider keinesfalls unrealistisch elaboriert werden.

Zum Buch:


Die Beurteilung des Buches als Rahmen für Torbergs bewegenden Text muss für den vorliegenden Band ambivalent ausfallen: Zum einen ist die grafische Gestaltung der Buchdeckel – für die der schweizer Künstler Celestino Piatti firmiert –, sowie deren Stabilität, berücksichtigt man, dass es sich um ein Paperback handelt, durchweg gut gelungen resp. von angemessener Qualität.

Was jedoch die Verleimung der Seiten anbelangt und die saubere Ausführung des Drucks müssen doch erhebliche Abstriche gemacht werden, was schade ist und auch nicht nur auf das Alter des Buches zurückzuführen sind (Beispiele siehe hier). Typografisch bleibt der Text in einer klaren Linie, was das Lesen angenehm gestaltet. Auch der Bedruckstoff ist seitens der Haptik durchweg gut gewählt, mit dem Manko, dass er leicht zum Vergilben neigt.

Quelle:

1.) „Kindlers Neues Literaturlexikon“, Bd. 16, 1988/1998, S.707)

  (0)
Tags: bildung, deutsche literatur, friedrich torberg, gesellschaft, gesellschaftsroman, jugendroman, klassiker, lehrer, pädagogik, psychologie, roman, schule, willkür   (13)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

bücher, deutsche literatur, fantasie, fantasy, freundschaft, johann wolfgang von goethe, j.r.r.tolkien, liebe, liebe zu büchern, literatur, magie, markus walther, sterben, sucht, tod

Buchland

Markus Walther
Fester Einband
Erschienen bei Acabus Verlag, 02.09.2016
ISBN 9783862824441
Genre: Fantasy

Rezension:

„Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind nirgendwo dünner als in der Nähe von Büchern. Manchmal verwischen diese Grenzen ganz.“ (S.39)

Zum Inhalt:


Herr Plana, seineszeichens Auktoral, besitzt einen Buchladen – vielmehr ein Antiquariat, oder doch beides? Oder evtl. viel mehr? Und ebenso wie Herr Plana, hat auch dieser Laden schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Das muss sich auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice eingestehen, wobei sie nichts desto trotz den Sprung ins kalte Wasser wagt und das Jobangebot des Buchhändlers annimmt, nicht nur um wieder einer Arbeit die sie liebt nachgehen zu können, sondern auch um ihrem persönlichen Fegefeuer zu Hause zu entgehen.

Dieses zu Hause besteht nach dem Tod der gemeinsamen Tochter nur noch aus ihr und ihrem alkoholsüchtigen Mann, der den diesen Verlust nie verwunden hat. Die mehr als nur merkwürdigen Herausforderungen im Laden von Herrn Plana vereinnahmen Beatrice zusehends. Ehe sie sich versieht, erlebt sie sich als Bestandteil einer weitaus größeren Geschichte, deren Kreise auch ihren Mann erreichen. Die Ausläufer der Entscheidungen, welche Beatrice im Buchland trifft, fordern einen Preis ein, dessen sie sich erst allmählich bewusst wird und aus dem anfangs prickelnden Spiel im Reich des gedruckten Wortes wird harte Realität.

Kein Geringerer als Schnitter Tod, der Buchalter des Lebens, stellt Beatrice – und nicht nur sie – an Scheidewege, an denen sich nicht nur das eigene Schicksal entscheiden, sondern die Last weit größerer Weichenstellungen die „Spielern“ über die Maßen fordern…

Fazit:


Markus Walther gelingt mit dem ersten Band der Buchland-Erzählung ein in sich stimmiger Auftakt, sowie eine durchaus interessante Storyline. Versierte Leser werden die ein oder andere Reminiszenz erkennen, so z.B. an Walter Moers „Labyrinth der träumenden Bücher“, was dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch tut. Der Erzählfaden ist leider streckenweise wenig überraschend und teils wünscht man sich etwas mehr Tiefe der Akteure, da wäre evtl. mehr drinnen; bleibt abzuwarten, wie sich die Folgebände lesen…

Neben den vielen Querverweisen auf Literatur aus allen möglichen Genres, Wissenswertem aus Schriftstellerei, Buchdruck und Bibliophilie, beieindruckt der teils philosophische Tiefgang wenn es um existenzielle Fragen wie den Umgang mit der (scheinbaren) Endgültigkeit des Todes, dem Konzept des eigenen Lebens im Hier und Jetzt, sowie der Frage nach „guter“ resp. „wertvoller“ Literatur geht, denn: „Jede Geschichte ist es wert erzählt zu werden. Doch man sollte sich dafür Zeit nehmen. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel in die Welt zu rufen. Es kommt darauf an die Welt mit dem Gesagten zu bereichern. Schreiben ist Handwerk. Man kann es erlernen. Kreativität hingegen ist Kunst. Sie kommt aus dem Geist. Je mehr ein Autor von sich in ein Buch investiert, desto geistreicher wird sein Werk. Mit Geist und Seele erwachen Bücher zum Leben. Verstand und Gefühl Hand in Hand ermöglichen erst die wahre Kunst.“ (S.124)

Zum Buch:


Aus handwerklicher Sicht liefert der Acabus-Verlag mit dem über 230 Seiten starken Band ein sehr hübsch gestaltetes Buch, das sich in Punkto Verleimung, sauberem Satz und runder Typografie keine Blöße gibt. Es ist gelungen ein schönes Erscheinungsbild mit angenehmer Haptik zu verbinden. Für die Umschlaggestaltung firmiert Petra Rudolf. Die gewählte Schriftform des letzten Kapitels „Die Notizen des Auktorals“ ist ebenso wie die Kapitelüberschriften gewagt, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtbild des Werkes ein.

  (0)
Tags: buchdruck, buchkunst, deutsche literatur, fantasy, johann wolfgang von goethe, j.r.r.tolkien, liebe, magie, mark twain, markus walther, petra rudolf, roman, sterben, sucht, tod   (15)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

bildung, christentum, ethik, existentialismus, hegel georg friedrich wilhelm, immanuel kant, karl jaspers, max bense, peter schäfer, philosophie, sören kierkegaard

Kierkegaard-Brevier.

-
Sonstige Formate
Erschienen bei Leipzig, Insel Verlag,, 01.01.1937
ISBN B00241WZ8I
Genre: Sonstiges

Rezension:

„…; es gilt eine Wahrheit zu finden, die meine Wahrheit ist, für die ich leben und sterben will…“ (S.17)

Zum Inhalt:


Die Form des Breviers, ursprünglich als Sammlung der als Vorschrift geltenden Stundengebete für katholische Geistliche konzipiert, ist für das vorliegende Bändchen aus dem Insel-Verlag treffend gewählt, zumal es sich mit dem 19. Jahrhundert eingebürgert hatte, auch Sammlungen zentraler Auszüge aus dem Werk bedeutender Literaten oder zu Themen gruppierte Anthologien als Breviere zu titulieren.

Peter Schäfer und Max Bense gelingt es mit Bedacht, Gespür für das Wesentliche und Mut zur Auswahl eine Quintessenz Søren Kierkegaards Kernthematiken zusammenzutragen. Gegliedert – auch grobtextuell – wurde dabei, nach einer kurzen Einführung wie folgt: „Selbstbetrachtung und Lebensanschauung“, „Das ästhetische und das ethische Stadium“, „Das Religiöse“, „Der abstrakte und der konkrete Denker“, „Kritik der Zeit und des Christentums“, dann Abschluss mit den „Nachweisen“ findend.

In der Einführung gehen die beiden Herausgeber auf die Grundprämissen Kierkegards philosophischen Konzeptes ein, was dem Leser einen durchwegs moderaten Einstieg in die Welt eines der prägenden Denker der abendländischen Philosophie ermöglicht. Ein zentraler Leitfaden, jener des Entweder-Oder, wird dabei auf konzise Art und Weise herausgearbeitet. „Nicht umsonst trägt das Hauptwerk den Titel Entweder-Oder. Es könnte der Titel seines Gesamtwerks sein, denn das Entweder-Oder war das Thema seines Denkens, die geheime Unruhe seines Lebens.“ (S.10)

Fazit:


Die hier zusammengestellten Texte eignen sich primär dazu, eine erste Ahnung des Gedankengebäudes Søren Kierkegaards, resp. seiner philosophischen Landkarte zu erhalten. Es empfiehlt sich vorab etwas Recherche über die Rahmenbedingungen sowohl im biografischen, wie auch kulturell-denkerischen Zeitgefüge des Philosophen zu betreiben, zumal sich einiges in den Texten aus diesem Kontext erheblich leichter erschließt. Die Wertlegung auf Primärliteratur ist dabei sicher nicht jedermanns Sache, bringt aus meiner Sicht jedoch Philosophie in die Sphäre des persönlich Erlebbaren, im Idealfall gar in jene des Nachvollziehbaren.

Zum Buch:


Für Bibliophile und solche die Frakturschrift zu schätzen wissen, dürfte der schön gedruckte Text ein Kleinod der Lesefreude sein. Die Bindung, Typografie sowie künstlerische Gestaltung – primär im Bereich der Buchdeckel, wie in dieser Reihe aus dem Insel-Verlag als Credo realisiert – sind vorbildlich. Somit ein weiterer ausgesprochen hübsch gehaltener Band aus den Insel-Bücherei.

  (0)
Tags: bildung, christentum, ethik, existentialismus, hegel georg friedrich wilhelm, immanuel kant, karl jaspers, max bense, peter schäfer, philosophie, sören kierkegaard   (11)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, aliens, ddr, deutsche literatur, ethik, first contact, gentechnik, klaus brandt, krimi, roman, science fiction, sociological science fiction, wilko müller jr.

Begegnung im Schatten

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 09.03.2018
ISBN 9783945713419
Genre: Science-Fiction

Rezension:

»Den Teufel werden sie [spätere Generationen] fragen, was wir heute darüber gedacht haben mögen. Moral, Ethik? Wann hätten sie in der Geschichte jemals eine Rolle gespielt, wenn es um Macht, Profit und Ruhm ging. Und man muss auch stets Fragen, um wessen Moral es geht und welcher Epoche sie verhaftet ist.«

Zum Inhalt:

Die Schichten im Kohletagbau sind für Fritz Hegemeister alles andere als abwechslungsreich. Der Trott ist für alle noch verbliebenen Arbeiter im Revier derselbe – und nicht wenigen gefällt diese Kontinuität, sichert sie doch einen bei weitem nicht mehr so sicheren Arbeitsplatz. Hegemeister ahnt nicht, welchen Wirbel das Stück Blech, das der Zahnkranz der Schaufel am Ausleger seines Baggers zutage fördert, lostreten wird.

Schon bald stellt sich das Artefakt, eingebettet in das Millionen Jahre alte Kohleflöz, als ein Flugobjekt außerirdischen Ursprungs heraus. Die Ereignisse beginnen sich – zuerst im Verborgenen, dann, als es nicht mehr zu verheimlichen ist, unter Einbezug der Öffentlichkeit – zu Überschlagen. Und dies keinesfalls in rein positiver Sicht. Zu allem Überfluss wird aus dem silbernen Raumer der Leichnam eines der beiden aufgefundenen Extraterraner entwendet, um mit dessen Hilfe den Versuch zu wagen, die Besucher erneut zum Leben zu erwecken.

So machen sich offizielle, sowie wesentlich dunklere Quellen, versucht aus teils egoistischen, teils durchwegs heeren wissenschaftlichen Beweggründen – oder einer Kombination aus beiden – daran, den Wissensstand rund um den nunmehr erbrachten Beweis intelligenten außerirdischen Lebens zu Ruhm und/oder zu Geld zu machen. Nicht selten ist es das träge Procedere der offiziellen Stellen, welches dabei helle Köpfe in dunkle, illegale und höchst fragwürdige Entscheidungsszenarien drängt. Und selbst wenn es gelänge Leben aus den Überresten der seit Äonen verschütteten raumfahrenden Besucher zu erschaffen, wie würde es mit den Menschen interagieren? Wie wären seine Anschauungen? Wer würde prägender sein: Umwelt oder Genetik? Würde eine gelingende Integration, ein fruchtbares Miteinander überhaupt möglich sein? Oder wären es Dankbarkeit, Aggression oder gar Resignation über die Einsamkeit, welche die Fremden in ihrem Handeln prägen würde…?

Fazit:

Alexander Kröger versucht sich in diesem Text u.a. an einer Auseinandersetzung mit der Frage nach der ethischen Aufgabe und Verantwortung von Wissenschaft angesichts einer einmaligen Gelegenheit. Einer Gelegenheit zum einen das Wissen der Menschheit sprunghaft zu erweitern, zum anderen jene der persönlichen Profilierung und nicht zuletzt schlicht materiellen Bereicherung seiner Schlüsselfiguren. Angesichts dieser moralisch ethischen Implikationen, für die auch Kröger keine finalen Antworten beanspruchen will, gerät das Szenario des ersten Kontaktes mit einer Außerirdischen Lebensform beinahe zu einer Nebenhandlung. Es liest sich die Geschichte streckenweise einem Krimi nicht unähnlich.

Auch im vorliegenden Buch erkennt der Leser die zentralen Themenstränge und „Steckenpferde“ des Autors wieder. Seien es nun die Bedenken gegenüber Gentechnik, bzw. des unverantwortlichen Einsatzes derselben, das Potential welches er in assimilierenden Nutztieren sieht (so zu finden u.a. auch in „Die Marsfrau“ ), sowie eine durchwegs pragmatisch nüchterne Sicht auf den Menschen als nicht zwingend stets sozial denkendes und handelndes Wesen.

Lässt man sich auf teils etwas gewagten – v.a. in biologischen Belangen – Prämissen der Handlung ein, entsteht ein durchwegs runder Erzählverlauf. Aus meiner Sicht nicht der beste der bisherigen Ausgaben aus der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW), aber jedenfalls lesenswert.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 11 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

  (0)
Tags: alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, aliens, ddr, deutsche literatur, ethik, first contact, gentechnik, klaus brandt, krimi, roman, science fiction, sociological science fiction, wilko müller jr.   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

aliens, ddr, deutsche literatur, first contact, klaus frühauf, kommunismus, manfred schütz, raumfahrt, roman, science fiction, sozialismus, soziologie, sven svenson

Mutanten auf Andromeda

Klaus Frühauf
Fester Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Verlag Neues Leben, 01.01.1987
ISBN 9783702652302
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Es steckte noch eine Menge Altes in den Menschen, auch wenn sie unterdessen in andere Galaxien flogen.“ (S.127)
Zum Inhalt:

Mit der vierzehnten außergalaktischen Expedition der Terraner gelingt in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein in der Geschichte der Weltraumfahrt: der Sprung zu einer anderen Galaxis, Andromeda, und das Auffinden des Ursprungs vorab empfangener Signale, die auf eine höher entwickelte Zivilisation schließen lassen.

Die Quelle der Signale ist recht bald ausgemacht, doch den Empfang der Erdbewohner als frostig zu bezeichnen wäre als sträflich idealistisch zu bezeichnen. Bereits die erste zu dem Planeten, welcher seine Oberfläche unter einer soliden grauen Wolkendecke zu verstecken weiß, geschickte Sonde wird schlichtweg ohne Vorwarnung vernichtet. Obwohl die hochentwickelte (Waffen-)Technik durchaus Hoffnung auf eine ebenso oder annähernd so hochentwickelte Gesellschaft schließen ließe, gelangen die Entdecker aus dem terranischen Raumer im Laufe ihrer, von Widrigkeiten geprägten, Erkundung des Planeten immer mehr zu der Überzeugen, hier nur mehr die Reste einer ehemaligen Hochkultur vorgefunden zu haben.

Zwar weist der Planet eine vielgestaltige und faszinierende Fauna und Flora auf, die beinahe allgegenwärtige hohe Radioaktivität verrichtet jedoch unaufhaltsam ihr tödliches Werk. Dass der Ursprung der letalen Strahlung keineswegs ein rein natürlicher sein kann und dass die degenerierten Bewohner des Planeten in keinster Weise die noch immer zum großen Teil funktionierende Technik ihrer Vorfahren beherrschen, irritiert die irdische Crew. So setzt sich diese zum Ziel dem Phänomen auf den Grund zu gehen, nicht ahnend, dass der wissenschaftliche Enthusiasmus einen hohen Blutzoll fordern könnte…

Fazit:


Klaus Frühauf entwirft ein First-Contact-Szenario welches beileibe nicht neu ist oder vor innovativen erzählerischen und inhaltlichen Ideen strotzt. Trotzdem nimmt die in sich stimmige Geschichte den Leser gefangen, so er sich auf den Handlungsstrang und die Prämissen des Autors einlässt. (Eine davon, in diesem Zusammenhang beinahe klassisch zu nennen, ist jene einer geeinten Menschheit mit dem heeren Ziel der uneigennützigen Exploration unter dem Stern eines gesellschaftlich höheren Zwecks: „Aake Lundgreen war gegen Ende des zwanzigsten , des sagenhaften Jahrhunderts, in dem die Menschheit die Schwelle vom theoretischen zum praktischen Kommunismus überschritt, in dem kleinen Zentrum der schwedischen Raumfahrt in den Saab-Werken beschäftigt.“ (S.41) )

Immer wieder weist er in seinem Text auf jene Schwierigkeiten hin, die Menschen bei einem noch so minutiös geplanten ersten Kontakt mit einer anderen vernunftbegabte Spezies hätten, zumal sie nur sekundär in jener der Verständigung liegen würde. Eher läge es daran, dass der Raumfahrer als Mensch sich stets als soziales Wesen mit allen Vorurteilen, (philosophischen) Ansichern, emotionalen Problemen mitnimmt, wie weit er auch immer reisen möge. „… aber es kann eben keiner aus seiner Haut. Wir alle hängen doch noch sehr am Irdischen.“ (S.124)

Zum Buch:


Das Buch aus dem Verlag Neues Berlin wartet mit künstlerisch sehr ansprechend gestalteten, stabilen Buchdeckeln auf, für deren Design Werner Ruhner in seinem unverkennbaren Stil firmiert. Ruhner hat ebenfalls die atmosphärisch gut getroffenen Illustrationen im Text dazu liefert. Der Buchblock fügt sich solide zwischen die Buchdeckel, wobei der Bedruckstoff aufgrund eines recht hohen, faserigen Holzanteils ( siehe hier) leicht zum Vergilben neigt. Generell ist das Seitenmaterial von keine hohen Qualität, wie man es bei gebundenen Bänden ansonsten erwarten würde. Ebenso lässt der Druck und die Typografie teils etwas zu wünschen übrig ( siehe hier). Gesetzt wurde der Text aus der angenehm lesbaren 11p Garamond. Die Austreibung des Textes in einigen Passagen ist handwerklich nicht erste Sahne ( siehe Beispiel hier).

  (0)
Tags: aliens, ddr, deutsche literatur, first contact, klaus frühauf, kommunismus, manfred schütz, raumfahrt, roman, science fiction, sozialismus, soziologie, sven svenson   (13)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

aliens, androiden, dystopie, first contact, gnu, hlutur, inklusion, integration, kirche, raumfahrt, religion, rhys, rico gehrke, roboter, roman

Die 13te Sonne

Rico Gehrke
Flexibler Einband: 370 Seiten
Erschienen bei Verlag für Moderne Phantastik, 01.08.2016
ISBN 9783981692976
Genre: Science-Fiction

Rezension:

»Um aus dem Netz zu entkommen, muss der Fisch drei Voraussetzungen erfüllen. Erstens, er muss springen können. Zweitens, er muss springen wollen und drittens, vor allem muss er im Netz sein.«“ (Pos.276)

Zum Inhalt:


Eine weitere ebenso normale wie – bei Licht betrachtet – absurde Schlacht in einem der schon zur Normalität gewordenen Kriege verfeindeter terranischer Interessensgemeinschaften sollte es werden; bis zu dem Punkt auf der Zeitlinie, an dem die Verkettung unwahrscheinlichster Kausalitäten das Gefüge von Raum, Zeit, Realität und dem ganzen Rest in eine Mixtur verwandeln sollte, in der sich keiner der Akteure auf mehr als das – scheinbar reale – Hier und Jetzt zu fokussieren vermag.

Denn darüber hinausgehend öffnet sich ein Raum von Möglichkeiten Gegenwarten zu erleben, Vergangenheiten zu denken und Zukünfte zu extrapolieren, die weit außerhalb – oder wo auch sonst immer – des Begreifbaren, des Ertragbaren und des Übers(t)ehbaren ein wie auch immer geartetes Dasein einfordern. Fokus der Geschichte ist dabei ein an sich nicht sonderlich „aufregender“ Planet dessen Namen wechselt, je nachdem welche Rasse man nach demselben fragt. Doch Unuto, so der gebräuchlichste der Namen, entpuppt sich als Brennpunkt einer Linse von der niemand mit Sicherheit sagen kann, in welchem Raum, welcher Zeit oder gar welcher Realität in einem schier endlos erscheinenden Multiversum sie sich manifestiert.

Die Crew der Mercury Pirate wird durch dieses Kaleidoskop an inkohärenten Möglichkeiten gezogen, getrieben, geschleift. Und was sie entdecken kostet nicht nur Leben – wie auch immer man die zu definieren gewillt ist –, es kostet auch den zentralen Fels jeder menschlichen Existenz: den Sicherheit verheißenden Glauben an eine kontinuierliche Verlässlichkeit der umgebenden Gegenwart. Dabei beschränkt sich die Auswirkung der Wellen, welche die Ereignisse auf Unuto und im Rest der Galaxie schlagen nicht etwa nur auf die stets selbstverliebten Terraner, die in ihrer Nabelschau die Möglichkeit einer Koexistenz mit außerirdischem Leben nur selten in Betracht ziehen. Es sind eben diese extraterrestrischen Intelligenzen, Kulturen, Rassen, für die die Erdenabkömmlinge bestenfalls eine vorübergehende Erkältung des Planeten darstellen, jedoch mit den Nachwehen derselben man leben muss.

Fazit:


Der Begriff Saga kommt mir nicht allzu häufig über die Lippen resp. die Tastatur, aber in diesem Fall wird er dem über 1000 Seiten starken Wälzer – und v.a. der inhaltlichen Komplexität – am ehesten gerecht. Rico Gehrke hat eine hochkomplexe Geschichte entworfen, die einen erfrischenden Kontrapunkt zu oft drögen Zeitschleifenspielereien darstellt. Man sei gewarnt: einfach zu lesen ist der teils verworren erscheinende Text keinesfalls und nicht selten stellt sich ein Zustand ein, in dem sich einem der eigene Geist darstellt, als hätte man ihn mal eben so durch einen Fleischwolf oder eine Singularität gedreht.

Lässt man sich auf Erzählstil und Gedankengänge Gehrkes ein, steht nicht erst am Ende ein aufrüttelndes, in Frage stellendes, v.a. aber nachhallendes Leseerlebnis an, welches nicht einfach einzuordnen ist auf der Standardskala zwischen „geht so“ und „bin begeistert“. Ebenso wie die Realität den „Helden“ der Geschichte, entzieht der Text sich im positivsten Sinne einer platten Schubladisierung in Standard-Zeit-Raum-Reise-SF. Neben gesellschaftspolitisch anklingenden Kritikpunkten, bekommt auch wenig versteckt resp. subtil ein in realiter durchwegs präsenter religiöser Wahn „sein Fett weg“.

Bei alle dem sei noch erwähnt, dass Rico Gehrke dies alles auf einem sprachlich sehr hohen Niveau, mit einer erzählerischen Fertigkeit bewerkstelligt, die ihresgleichen im deutschsprachigen Bereich dieses Genres sucht. Es kann durchwegs als meisterhaft, einfühlsam, bildgewaltig und virtuos bezeichnet werden, wie die Szenarien der Welt rund um und auf Unuto und jene der Charaktere sprachlich gebannt werden. In jedem Fall ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung wert.


(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die eBook-Ausgabe des Rezensionsexemplares

  (0)
Tags: aliens, androiden, dystopie, first contact, gnu, hlutur, inklusion, integration, kirche, raumfahrt, religion, rhys, rico gehrke, roboter, roman, science fiction, soziologie, space opera   (18)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

buddhismus, christentum, empathie, ethische intelligenz, fairness, gesellschaft, philosophie, psychologie, ratgeber, religion, soziologie, taoismus, verantwortungsgefühl, verlässlichkeit, wahrhaftigkeit

Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein

Stefan Einhorn , Susanne Dahmann
Buch: 236 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.05.2007
ISBN 9783455500226
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Für mich ist ein freundlicher Mensch jemand, der ethisches Handeln verinnerlicht hat.“ (S.15)

Zum Inhalt:


In Stefan Einhorns Buch geht es, wie der deutsche Titel suggerieren mag nicht um den Begriff „Freundlichkeit“, wie man ihn im Deutschen i.d.R. versteht, sondern vielmehr um den jenen der Ethik im Handeln, resp. der Interaktion mit seinen Mitmenschen.

Dabei entwirft der Autor durchaus gute Ansätze, die leider durch eine all zu oft polemisierende Sprache und brüchige Argumentationsketten torpediert werden. Man wird während der gesamten Lektüre den unterschwelligen Verdacht nicht los, dass es letzten Endes, schält man all die doch recht durchsichtigen „Argumente“ ab, darum geht, selbst Erfolgt zu haben – wie auch immer man diesen zu definieren gewillt ist – („Was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“ (S.16), kulminierend in teilweise vollkommen deplazierten und abstrusen Analogien, wie z.B.: „Gute Taten sind wie Drogen nur ohne Nebenwirkungen.“ (S.134)

Wendungen wie „Man hat Versuche durchgeführt…“ (S.136) und die exzessive Verwendung von Zitaten von Kapazitäten wie Sigmund Freud, Christopher Dawson oder Yehuda Bauer sollen dem Text den Anstrich (natur-)wissenschaftlicher Seriosität geben, die sich bereits in folgendem Satz wieder ad Absurdum führt: „Unser ethischer IQ beziffert unsere Fähigkeit, Gutes zu tun.“ (S.18)

Nichts desto trotz lohnt sich ein Blick in den Text, wissend, dass man sich in der Art des Eklektikers verfahrend das Positive – und dessen gibt es durchaus einiges – herausnehmen sollte. So kann man der Aussage, „Die Fähigkeit, seine Mitmenschen gut zu behandeln, ist eine Form von Intelligenz.“ (S.58), nur voll inhaltlich anschließen, hoffend, dass daraus von vielen die entsprechenden Schlüsse in die alltäglichen Handlungen einfließen mögen.

Fazit:


Des Eindrucks, einen amerikanischen Ratgeber à la „Die Kraft des positiven Denkens“ in Händen zu halten konnte ich mich spätestens ab des ersten Viertel des Buches nicht mehr erwehren. Karl-Heinz Heidtmann schreibt es in seiner Rezension sehr treffend: „Schon nach wenigen Seiten fühlte man sich denn auch eher an einen US-amerikanischen Autor erinnert als an einen schwedischen: Die vielen berichteten Beispiele eigenen Erlebens („Als ich einmal einen Vortrag über Ethik hielt, kam nach der Veranstaltung eine Frau zu mir nach vorn und …“), das Markenzeichen US-amerikanischer Erfolgsliteratur à la „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst beliebt und einflussreich zu werden“ (Dale Carnegie) sind mein Ding zugegeben nicht.“ Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Interessant im Zusammenhang mit Integrität, Wahrheit, Lüge und dem Anspruch als wahrhaftige Entität in der Gesellschaft zu agieren wäre noch der Verweis auf ein Buch, welches sich ebenfalls mit genau diesem Dilemma beschäftigt: „Der Wille zum Schein“ – Philosophicum Lech (Hrsg. Konrad Paul Liesmann).


Zum Buch:


Der Band aus dem Verlag Hoffmann und Campe zeichnet sich durch eine solide Verarbeitung sowohl im Buchblock, wie auch in den Buchdeckeln, bis hin zum Schutzumschlag aus. Die etwas sehr grellen Farben, welche für letzteren gewählt wurden, sind Geschmackssache. In Puncto Textgestaltung und Typografie wurde aus der Janson und der Meta gesetzt und Wert auf Klarheit und zügigen Lesefluss gelegt, was durchwegs gelungen ist. Die Wertigkeit unterstreicht auch die Haptik des Bedruckstoffes, der für die 240 Seiten gewählt wurde.

  (0)
Tags: buddhismus, christentum, gesellschaft, philosophie, psychologie, ratgeber, religion, soziologie, stefan einhorn, susanne dahmann, taoismus   (11)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

bildung, bildungskanon, denken, eva kaltenbrunner-dorfinger, friedrich nietzsche, geschichte, gesellschaft, konrad paul liessmann, kunst, literatur, österreichische autoren, philosophie, politik, provikation, psychologie

Bildung als Provokation

Konrad Paul Liessmann
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.09.2017
ISBN 9783552058248
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Wie immer man es aber dreht und wendet: Ob Bildung ein Selbstveränderungspotential in Hinblick auf Individuen oder Gesellschaften zugesprochen werden kann, hängt letztendlich vom Mut ab, Bildung inhaltlich und normativ zu bestimmen. Solange Bildung formal als Durchlaufen von Zertifizierungsstellen oder Sammeln von Leistungspunkten definiert und auf den Erwerb von Kompetenzen und zeitgemäßen Kulturtechniken reduziert wird, erwächst aus diesen Bestimmungen weder eine notwendige noch eine mögliche Kraft zur Veränderung.“ (S.79)

Zum Inhalt:


Provokation, ethymologisch ‘herausfordern, reizen, zu einer […] Handlung veranlassen’1), wohnt dem Text in allen Abschnitten, resp. Thematiken, mit denen sich Konrad Paul Liessmann auseinandersetzt inne. Ob es nun die wechselhafte Historie bzw. Begrifflichkeit und Deutung des Begriffes, oder der immer wieder neu gefassten Idee eines Ideals ist, der Versuch, wachzurütteln, spitz zu argumentieren, dort zu treffen, wo der Nerv einer humanistischen Lebensweise vom Einschlafen bedroht ist, gelingt mit jedem Argumentationsstrang in sich kohärent.

Aus verschiedensten Blickwinkeln wird Bildung in einem, zum einen beinahe in sich selbst verständlichen / geläufigen Sinne beleuchtet, wobei nicht in die zwar sich anbietende, aber nicht minder unnütze Kerbe des sermonartigen Bejammerns der mangelnden (Allgemein-)Bildung geschlagen wird. Eben diese Allgemeinposten findet man bei Liessmann nicht. Zu profund und von irisierender Vielfältigkeit sind die Herangehensweisen, nicht verleugnend, dass es sehr wohl einen roten Faden in der anzustrebenden holistischen Bildung des Individuums gibt.

Es sind dabei Themen wie Kunst, Religion und Literatur, als essentielle Bestandteile der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Geschichte, seiner Gegenwart und daraus extrapolierend seiner potentiellen Zukunft, ebenso wie Themen der Wirtschaft und Politik, die ein zoon politikon prägen, von Belang und Liessmann bringt diese in ein kontextuelles Geflecht rund um den schillernden Begriff »Bildung«.

Dass Bildung dabei ein sicherlich zum einen in höchstem Maße individueller Begriff, zum anderen aber auch eine gesamtgesellschaftliche Idee ist – reps. sein kann / sollte –, verdeutlicht der Autor an unterschiedlichsten Beispielen. Ebenso, dass es sich dabei um keinen dereinst erreichbaren, monolithisch festmachbaren Zustand handelt, denn „Bildung ist untrennbar mit der Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit verbunden, mit dem Wissen des Nichtwissens.“ (S.9) Und stets geht es um eine wichtige Grenzziehung, sähe man sich versucht den Bildungsbegriff jenem der (wirtschaftlichen) Effizienz unterzuordnen. „Der Gebildete verkörpert all das, was der aktuelle Bildungsdiskurs gerade nicht mehr unter Bildung verstehen will. Dazu gehört ein fundiertes Wissen, das es erlaubt, auch ohne Zensurbehörde die Fakten von den Fiktionen zu trennen, ästhetische und literarische Kenntnisse und Erfahrungen, ein differenziertes historisches und sprachliches Bewusstsein, ein kritisches Verhältnis zu sich selbst, eine auf all dem gründende abwägende Urteilskraft und eine gesteigerte Sensibilität gegenüber Lügen, Übertreibungen, Hypes, Phrasen, Moralisierungen und Platitüden der Gegenwart. Allerdings ließe sich nichts von dem vorschnell der Forderung nach Nützlichkeit, Anwendbarkeit und schneller Verwertbarkeit unterordnen.“ (S.8)

Fazit:


Konrad Paul Liessmann liefert einen Text – oder vielmehr eine Auswahl an Texten / Gedanken –, der im wahrsten und besten Sinne philosophischen Diskurses herausfordert. Auf hohem gedanklichen und sprachlichem Niveau bringt er pointiert einen teils zerfransten und unscharfen Begriff, wie ihn der der Bildung teils im öffentlichen Sprachgebrauch darstellt, zu einem Schnittpunkt, einer konzisen inhaltlichen Schnittfläche, eine Auseinandersetzung auch mit dem eigenen Bildungs- und Werteziel im Leben anregend. Ein ausgesprochen lesens- / empfehlenswertes Buch.2)

Zum Buch:


Schlicht! Das wäre das erste Adjektiv, welches mir zur äußeren Gestaltung des Bandes einfiele. In dieser Schlichtheit liegt dabei eine beinahe ebensolche Eleganz, welche sich in Bindung, Typografie, sowie drucktechnischer Realisierung fortsetzt. Den vorbildlich übersichtlichen Satz des Textes gestaltete Eva Kaltenbrunner-Dorfinger. Der Text wird heruntergebrochen auf 4 große Themenkomplexe, die wiederum in angenehm überschaubare Unterkapitel, das Kernthema als inhaltliche Klammer umschließen. Dies ist v.a. hilfreich, da die Kapitel „auf Texte zurückgehen, die aus unterschiedlichen Motiven in den letzten Jahren entstanden“ (S.236) und so eine „Auswahl dieser Vorträge und Arbeiten“ (S.236) darstellen. Die typografische Wertlegung auf Klarheit in Struktur und Schriftbild macht die Lektüre des Textes, unterstützend zu dem inhaltlich gehobenen Anspruch an Konzentration und Reflexion, zu einem angenehmen, fluiden Leseerlebnis.


  (0)
Tags: allgemeinbildung, bildung, bildungskanon, eva kaltenbrunner-dorfinger, friedrich nietzsche, geschichte, gesellschaft, konrad paul liessmann, kunst, literatur, österreichische autoren, philosophie, politik, psychologie, religion, sören kierkegaard, soziologie   (17)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

christoph zachariae, collin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, endzeit, karin ostertag, kunst, ödland, pentalogie, robert hoffmann, roman, terry winkler

ÖDLAND - Die Fabrik am Fluss

Christoph Zachariae
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 17.12.2015
ISBN 9781522803010
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Belastetes Wasser macht Menschen krank, Hoffnungslosigkeit kann sie zerstören.“ (S.313)

Zum Inhalt:


Der Spruch „Es ist nicht alles Gold was glänzt“ dürfte Mega nicht zwingend geläufig sein, doch die Erfahrung, dass jenes Paradies, das viele hinter den Verschlägen der Enklave der Händler im Salzbergwerk vermuten, mehr auf Schein als Sein basiert, muss sie auf die sprichwörtlich harte Tour lernen. Vormals helfende werden zu fixierenden Händen. Lange gehütete Geheimnisse der verschworenen Gemeinschaft entpuppen sich als wahres Sprengpotential – in mehrfacher Hinsicht. Und Mega steht dazwischen. Zwischen den Stühlen, zwischen Jan und Mark, zwischen der moralischen Verpflichtung gegenüber den Bewohnern des Kellers, in deren Auftrag sie unterwegs ist, und einer nebulösen Vision ihrer Herkunft, deren Klärung ihr unter den Fingernägeln brennt.

Hagen, den sie erneut trifft, scheint schicksalshafter mit ihrem Lebensweg verbunden zu sein, als sie es ursprünglich vermutete. Hat seine nervtötende Wortkargheit, sein neurotisches Ränkeschmieden, seine paranoide Absicherung nach allen Seiten – auch innerhalb der alles andere als homogenen Söldnertruppe – doch einen weit tieferen Grund, als nur den des blanken Überlebens? Die Dämonen, welche Hagen durch das Ödland auf ein scheinbar nur ihm bekanntes Ziel zutreiben, werden wider Willen mehr und mehr auch jene Megas?

Und da wäre noch Nathan. Wie passt er in das Mosaik bzw. ist er überhaupt noch an der Verfolgung / Begleitung Megas interessiert, sofern ihm das Ödland nicht ohnehin bereits das Leben gekostet hatte. Immer wieder fällt letzthin der Name einer Stadt – sofern das lebensverachtende Ödland einen derartigen Anachronismus menschlicher Anhäufung noch zulassen würde – : Viktoriastadt! Für Mega ein Ort aus bruchstückhaften Errinerungsfetzen, aus Träumen, ein Ort der Antworten. Für andere ein Ort der beinahe sagenumwobenen Furcht, im historischen Nebel des (lebens-)notwendigen, allgegenwärtigen Ödlandvergessens…

Fazit:


Weit weniger als in den Vorgängerbänden spielt diesmal der klassische Weg im Sinne einer geografischen Strecke eine zentrale Rolle. Zwar liegt das Ziel – über das sich keiner der Agierenden so wirklich zur Gänze im Klaren ist – nach wie vor in weiter Ferne, wobei jede noch so minimale Entfernung in Ödlandmaßstäben gemessen werden muss: einer Norm aus Hunger, Angst, Einsamkeit, Kälte und der hohen Wahrscheinlichkeit des Todes. Diese Währung in ausreichender zu Menge zahlen zu können stellt auch eine mit allen Wassern gewaschene Söldnertruppe wie jene Hagens stets vor entmutigende Herausforderungen, bei denen auch eine Bankrotterklärung stets, einem Damoklesschwert gleich, über jedem einzelnen der Männer schwebt.

In sich kohärent und trotz der zentralen Umbrüche aus einem Guss, gelingt es Christoph Zachariae in seinem dritten Band der Ödland-Pentalogie den Charakteren erneut die ein oder andere noch unbeachtete Facette zu verleihen, Tiefgang in Handlung wie Personen zu bringen, Platitüden zu vermeiden und einen durchgängigen Spannungsbogen zu übernehmen, zu halten, sowie in Details auszubauen. Dem aufmerksamen Leser mag die Tristesse des Ödland nun eventuell bekannt sein und so verlegt sich der erzählerische Fokus auf die Ausarbeitung, das Ziselieren der soziologischen Komponenten, einer Zutat, die ebenso wie einen einst lebenswerte Welt, einer radikalen Wandlung in ein konterkariertes Zusammenleben ihre menschenverachtende Umwertung schuldet.

Der Autor liefert mit dem Roman erneut eine bravouröse Darstellung seines Gespürs für spannende Erzählkunst, (be)greifbare Handlung und denkbare Personen. Einiges wird geklärt, lose Enden vorläufig zueinander geführt ohne den Blick vorab auf das ganze Gewebe der Grundgeschichte zu enthüllen. Aus meiner Sicht: eindeutig und vorbehaltlos empfehlenswert!

Zum Buch:


Das 3. Buch der als Pentalogie angelegten Geschichte ist ebenso ästhetisch und hochwertig gestaltet, wie das erste. Es sei hier auf die ausführliche Beschreibung in der entsprechenden Rezension zu „Ödland – Der Keller“ verwiesen.

  (0)
Tags: christoph zachariae, collin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, endzeit, karin ostertag, kunst, ödland, pentalogie, robert hoffmann, roman, terry winkler   (12)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, bergbau, ddr, detusche literatur, dystopie, endzeit, eutopie, robinsoniade, roman, science fiction, sociological science fiction, soziologie, zeitreisen

Das zweite Leben

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 243 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 20.12.2017
ISBN 9783945713396
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„»Das zweite Leben«, sagte Helen gedankenvoll. »Es beginnt, wie ein Leben beginnen muss: Von vorn! An uns wird es wohl liegen, etwas darauf zu machen.«“ (S.243)

Zum Inhalt:
Die Erde ist jene, die nach dem HAARP-Experiment zurückblieb: eine ohne Menschen – oder fast ohne. Solche nämlich, die sich unter schützenden Gesteins- oder Wassersäulen befanden blieben zu ihrem eigenen Erstaunen verschont, will heißen am Leben.

Den Anhängern einer Vereinigung, welche sich darauf spezialisiert hatte, Menschen in Stase über lange Zeit schlafend am Leben zu erhalten, um sie in einer von den Schlafenden selbst gewählten fernen Zukunft wiederzubeleben, hatten genau dieses zweifelhafte Glück: sie überlebten und werden nun sukzessive von der Automatik, die ihre Stasiskammern überwacht geweckt.

So entsteht ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Männern und Frauen, in dem jeder seine Historie vor dem „Schlafexperiment“ mitbringt. Nachdem sich keiner an der Oberfläche entweder an die Menschen zu erinnern scheint oder sie der Gesellschaft schlicht und einfach egal zu sein scheinen, beginnt ein Suchen der Erwachten nach Möglichkeiten aus dem stillgelegten Bergbau, der ihre Schlafmaschinerie beherbergte, einen Weg nach Oben, in eine unbekannte Freiheit zu finden.

Im Wesentlichen entspinnt sich die Handlung aus ebendieser Motivation: dem Erreichen der Oberfläche. Auf dem Weg kommen die durchwegs realistisch gehaltenen Szenarien – hier glänzt der Autor mit seiner Erfahrung in Sachen Bergbau, war er in seinem Brotberuf doch ausgebildet auf diesem Gebiet – den Protagonisten stets als physische wie auch psychische Hindernisse in den Weg. Gekennzeichnet ist die von Kröger entworfene Gemeinschaft dabei, bis auf wenige Ausnahmen, von Zusammenhalt, der nicht nur – aber auch – auf Druck der äußeren Umstände entsteht resp. aufrecht erhalten wird.

Würde man es überspitzt formulieren wollen, könnte man sagen: der Weg ist das eigentliche Ziel der Erzählung. V.a. dann, wenn der Leser – Vorsicht Spoiler-Alarm ! – das Ende nach der Lektüre des Vorgängerbandes mehr als nur erahnen kann. Dieses Ziel kulminiert in der Passage: „›Das zweite Leben – jetzt ist es‹, dachte sie [Helen], und ihr war, als sei sie neu geboren – gereift, emporgestiegen aus dem dunklen Schoß, als habe sie in größter Bedrängnis und Qual, den Weg nach außen bewältigt – zu Licht und Wärme.“ (S.216)

Fazit:
Die Geschichte ist kein Ausbund an Spannung, die Handlung relativ überschau- und vorhersehbar, was jedoch ihren Charme ausmacht, ist die Ausarbeitung des Miteinanders von unterschiedlichsten Charakteren, wie sie Alexander Kröger entworfen hatte und wie er eine solche Konvergenz anhand der Umstände für möglich erachtete.

Bei manchen ebendieser Charaktere fehlt – aus meiner Sicht – trotz der 244 Seiten und erheblicher narrativer Möglichkeiten das Quäntchen Tiefe, Dimensionalität, die sie glaubwürdig(er) und nicht so flach erscheinen hätte lassen. In Kombination mit dem Band „Der erste Versuch“ zweifelsohne eine unterhaltsame Lektüre, aber ebenso zweifelsfrei nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier hatte Kröger schon besser Erzählungen verfasst.

Zum Buch:
Nachdem es sich bei Band 9 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

  (0)
Tags: akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, bergbau, ddr, der erste versuch, detusche literatur, dystopie, endzeit, eutopie, robinsoniade, roman, science fiction, sociological science fiction, soziologie, zeitreisen   (16)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

aliens, anti-es, naupaum, pehrtus, perry rhodan, pgt-verfahren, raumfahrt, raytscha, roboter, science fiction, space opera

Perry Rhodan / Kontakte mit der Ewigkeit

William Voltz
Fester Einband: 414 Seiten
Erschienen bei Pabel-Moewig, 01.01.2000
ISBN 9783811840508
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Nichts in diesem Universum war unvergänglich.“ (S.18)

Zum Inhalt:

Die Suche nach den verbliebenen Pehrtus-Gehirnen treibt Rhodan voran. Sowohl für ihn, als auch Zeno stellen sie – oder vielmehr ihr Wissen zur Astronavigation – den berühmten Strohhalm dar, den beide zu ergreifen versuchen, um jene Raumkoordinaten zu erfahren, mit deren Hilfe sie sich eine potentielle Rückkehr ihn ihre Heimatgalaxien erhoffen.

Beide sind dazu aber stets auf die Hilfe und das Wohlwollen Heltamoschs, des Nachfolgers in der Herrschaftsriege Naupaums angewiesen. Die Nachforschungen Rhodans wirbeln immer mehr und mehr historischen Staub auf, den die scheinbar abstrusesten Regeln der Napaumschen Völker zu verdecken, zu verdrängen versuchen. Nur das Warum bleibt vorerst unklar.

Erst eine Expedition in die benachbarte Galaxis Catron, eine großangelegte Charade und der Einsatz Rhodans und seiner engsten Verbündeten ermöglichen es, den Untergang Naupaums und all seiner Völker für’s Erste abzuwenden. Zusehends mehr lichtet sich der wohlgehütete Schleier einer lebensverachtenden, perfiden Strategie ganze Galaxien zu entvölkern, einer Geschichte, der die Naupaumer ins Gesicht sehen müssen, um das Ruder ihres Schicksals selbst in die Hand nehmen zu können.

Ob Rhodans List dazu der richtige Weg ist, wird sich noch herausstellen müssen, obgleich sie die Möglichkeit dazu überhaupt erst geschaffen hat…

Fazit:

Rhodans Geschick, sich auch in der entferntesten Fremde Freunde / Verbündete zu erwerben, in einer Umgebung, die ihm in jedweder Weise fremd ist, erweist sich einmal mehr als eine jener überlebenswichtigen Eigenschaften, die ihn zur Galionsfigur des Solaren Imperiums werden ließ. Diese Fremdartigkeit, welche sein Denken als Ceynach-Gehirn an den Tag legt, verblüft immer wieder auch seine engsten Alliierten.

Der in Sachen Rhodan Beschlagene wird in diesem Band immer wieder mal ein Déjà-vu erleben, spätestens wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Robot-Gehirn geht, welches das Volk der Pehrtus zurücklies. Es mag hier durchaus manchmal beim Leser die Idee aufkommen: „Echt jetzt! Schon wieder!“ Aber unter dem berühmten Strich 🙂 findet sich auch in diesem Band eine in sich recht stimmige Handlung á la Rhodan, was die Fans freuen wird, zumal auch mit Humor nicht gespart wird. Die kurzweilige Entwicklung macht Lust auf den letzten Band aus dem 10 Zyklus „Schach der Finsternis“.

Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 72 .

Zum Buch:

In der Tradition der Silberbände gibt sich auch der 72. keine Blöße in Sachen Buchhandwerk. Der Einband folgt dem Layout der Serie und wahrt den Bezug zur Geschichte. Die Buchdeckel sind sehr stabil ausgelegt, die Verleimung der Buchblockes gut und der Bedruckstoff von angenehmer Haptik. Typografisch werden keine Experimente gemacht, was dem Lesefluss in diesem Part zugute kommt, dem tut auch der ein oder andere drucktechnische Ausrutscher (siehe hier) keinen Abbruch. In Summe ein sehr wertiges Buch in bester Silberband-Tradition.

  (0)
Tags: aliens, anti-es, naupaum, pehrtus, perry rhodan, pgt-verfahren, raumfahrt, raytscha, roboter, science fiction, space opera   (11)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alternativmedizin, bandscheibenvorfall, computertomographie, ernährung, gymnastik, h.-h. fuchs, johannes langemann, magnetresonanztomografie, marian cebulla, martin marianowicz, medikamente, medizin, mrt, multimodale schmerztherapie, operation

Den Rücken selbst heilen

Martin Marianowicz
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 07.02.2015
ISBN 9783833841309
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Sie sind nicht weniger krank, wenn Ihre Rückenschmerzen unspezifisch sind. Denn auch sie leiden unter Schmerzen. Und das einzige Maß der Krankheit ist das Leid." (S.22)

Zum Inhalt:

Eine Zusammenschau, welche hier "multimodale Behandlung" genannt wird, breitet Dr. Martin Marianowicz mit Experten aus Orthopädie (Dr. Willibald Walter), Psychotherapie (Dr. Marian Cebulla), Neurologie (Dr. Hans-Hermann Fuchs), sowie Heilpraxis (Johannes Langemann), Ernährungsberatung (Thomas Jäger) und Sport (Alexander Scheurer) vor dem Leser aus. Diese vielschichtige Herangehensweise an das Thema Rückenschmerzen und hier vor allem jener der immer wiederkehrenden Art zeichnet das stimmige Gesamtkonzept der hier dargestellten Methodik aus.

Um die Ursachen der oft jahrelangen "Schmerzkarriere" auf den Grund zu gehen, wird ausführlich auf die Selbstheilungskompetenz des Rückens, das Krankheitsbild chronischer Schmerzen, das Thema Schmerzgedächtnis, den resultierenden ganzheitlichen Ansatz und das zentrale Credo der Heilung durch Selbsthilfe eingegangen. Dieser erste etwas theoretische, deswegen aber nicht minder wichtige und interessante Block von ca. 70 Seiten stellt sozusagen die Basisüberlegungen und wissenschaftlichen Grundlagen dar, kann jedoch getrost parallel zum 2. Teil gelesen werden, der gleich in medias res geht.

In diesem sehr praktisch orientierten Part geht es um die Umsetzung, den Beginn und die Weiterführung einer Denk- und Lebensweise in der der Patient nicht (mehr) als Spielball der medizinischen Institutionen sieht, sondern aktiv selbst das Ruder in die Hand nimmt um einer dauerhaften Schmerzlinderung bzw. -freiheit entgegenzusteuern. Nicht nur rein gymnastisch körperliche Übungen sind dabei von Bedeutung. Einen ebenso pflegenden Teil nimmt die Psyche und die innere Einstellung sich selbst und seinem Körper gegenüber ein. "Negative Gedanken und Formulierungen können eine Art Eigenleben entwickeln, weil sie sich mit der Zeit zu Glaubenssätzen auswachsen, mit denen Sie sich selbst immer wieder ein passives Verhalten, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Resignation und ein geringes Maß an Selbstwirksamkeit bestätigen." (S.146)

Neben den äußerst ausführlichen theoretischen Ausführungen kommen die Rückenübungen nicht zu kurz. Es finden sich detailierte Blöcke die in sich sinnvoll zusammengefasst helfen, eine Strategie für sich selbst zu entwickeln, mit der ein positives Erlernen an Beweglichkeit, Körper- und Seelenachtsamkeit, sowie der bereits oben angesprochenen Konsequenz machbar wird. Besonders viel Wert wird dabei darauf gelegt, dass stets der Betroffene entscheidet, was letzten Endes gut für ihn ist, und er somit auch nie aus der Verantwortung genommen wird, ebenso wie er auch jeden Erfolg als den seinen verbuchen kann. "Was hilft, ist richtig. Und was nicht hilft, ist nicht richtig. Den Unterschied zwischen beidem können nur sie feststellen, weil der Schmerz endlich aufhört – und vor allem, weil er nicht mehr wiederkommt." (S.60)

Fazit:

Martin Marianowicz macht in seinem Buch Mut, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, wenn die sogenannte Schulmedizin mit ihrem sprichwörtlichen Latein am Ende ist und man als Patient nicht selten im Regen stehen gelassen wird. Er fasst den Betroffenen jedoch auch keineswegs mit Samthandschuhen an, nimmt ihn in die Pflicht, sich mit seinem Schmerz, dessen Ursachen – völlig wertfrei welcher Art und Herkunft sie sein mögen – auseinanderzusetzen und ins Handeln zu kommen.

Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, sie nicht einfach einer OP-Maschinerie zu überlassen, zu akzeptieren, dass man selbst die beste und kompetenteste Autorität in Sachen persönlicher Gesundheit ist. Die Möglichkeit, die in diesem Buch angesprochen werden sind mit etwas gutem Willen, sehr viel Konsequenz und dem Versprechen an sich selbst an der Genesung dranzubleiben, gut in den Alltag integrierbar. So ist es für mich mittlerweile zu einer Routine, einem Ritual geworden die Übungssequenzen abends vor dem Fernseher zu absolvieren, da hier zum einen die Zeit sinnvoll genutzt werden kann und diese nicht irgendwo am Tag abgezwackt werden muss. Damit nimmt man auch den Ausreden von wegen "keine Zeit zu haben", jedwede Grundlage.

Was von vorne herein klar sein sollte: hier findet man(n)/frau keine schnellen Lösungen. Es bedarf Geduld, Geduld und nochmals Geduld und einer großen Portion Konsequenz. Hat man jedoch erst mal die ersten 4 Wochen seinen Weg in die Übungen gefunden bestätigt nicht nur der Erfolg und die Schmerzlinderung, sondern auch die positivere Einstellung zum eigenen Körper – und so schräg das auch klingen mag – zum Schmerz, die Grundaussagen des Buches.

Zum Buch:

Als Erstes fällt der wertige Bedrucktstoff mit seiner angenehmen Haptik auf, neben einer stabilen, wenn auch etwas rigiden Verleimung des Buchblockes. Ebendiese Verarbeitung macht es leider unmöglich, das Buch aufgeklappt – z.B. während der Übungen – am Boden liegen zu lassen. Damit sind aber auch schon alle "negativen" Seiten aufgezählt :-) .

Typografisch, und auch was die textuelle Einteilung anbelangt, ist der Band schön gestaltet, durchgängig realisiert und bleibt dem einmal eingeführten Konzept treu, was einer Orientierung innerhalb der Kapitel, aber auch übergreifend zugute kommt. Ein sehr schön gestaltetes und verarbeitetes Arbeitsbuch, das sein Geld auf jeden Fall wert ist.

  (0)
Tags: alexander scheurer, alternativmedizin, bandscheibenvorfall, computertomographie, ernährung, gymnastik, h.-h. fuchs, johannes langemann, magnetresonanztomografie, marian cebulla, martin marianowicz, medikamente, medizin, mrt, multimodale schmerztherapie, operation, physiotherapie, schmerzen, schulmedizin, stephanie ehrenschwender, therapie, thomas jäger, willibald walter   (23)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

bewaffnet, christoph zachariae, colin m. winkler, deutsche literatur, dunkles geheimnis, dystopie, endzeit, enklaven, erkunden, essbar, existenz, hagen, ödland, postapokalypse, postapokalyptisch

ÖDLAND - Das Versteck im Moor

Christoph Zachariae
E-Buch Text: 318 Seiten
Erschienen bei Lucid Dreams, 17.12.2013
ISBN B00HDP6QT4
Genre: Fantasy

Rezension:

„Die Hecke bedeutete Sicherheit. Hinter ihr lauerte der Tod. Offenbar traf das auf beide Richtungen zu.“ (S.142)

Zum Inhalt:


Anfangs war es nur ein Name: Ödland. Je länger Mega auf ihrer Suche nach den Ersatzteilen für den Ionentauscher ihrer „Familie“ aus dem Keller ist, desto mehr füllt sich diese Worthülse mit dem Unrat einer untergangenen Zivilisation, einer Menschheit deren soziales Strandgut als beinahe einziges die Eigenschaften aufwies in einer derart feindlichen Welt zu leben, zu überleben… oder vielleicht doch nur zu vegetieren.

Philosophische Spitzfindigkeiten für die Mega keine Zeit bleiben. Ihre Odyssee, die sie zu der eingeschworenen Enklave im Moor führt, die nach ihren eigenen Regeln lebt und versucht eine kastrierte Form von menschlichem Zusammenleben zu erhalten, lehrt sie Respekt vor der Grausamkeit der Soldatenkinder, Respekt vor jedem der es auf seine Art schafft im Ödland immer wieder einen neuen Tag zu sehen – und zu überstehen.

Sie begegnet Nathan, einem wortkargen Schrottsammler, dessen Stehaufqualitäten ihr in weiterer Folge noch oft das Leben verlängern sollen, obwohl sie sich nicht wirklich über seine Motivation im klaren sein kann. Dass sich schicksalshaft der Wege des verschlagenen Hagen und der ihre nur kurz kreuzen kann sie nicht wirklich bereuen, jedoch anspornen sich erneut dem Ödland zu stellen und ihre ursprüngliche Aufgabe zu fokussieren. Einer Aufgabe der nicht nur der Unbill der verbrannten, ausgebluteten Ödlandweite entgegensteht. Degenerierte Wesen, dereinst Menschen, Hagens Trupp soziopatischer Söldner, streunende Wölfe und nicht zuletzt einfache Wanderer auf der Suche nach Essbarem, alle stellen Hindernisse dar, denen sie sich stellen muss.

Auch Hagen hat seine liebe Not die um ihn versammelte Truppe aus dem Bodensatz der übriggebliebenen Söldner zumal auch hier ein Wechsel in der „Besetzung“ stattfinden. Die Machtverhältnisse verschieben sich zusehends… und dies ganz offensichtlich nicht zu seinen Gunsten. Der Bestand der Bruderschaft – wenn man sie denn so nennen möchte – steht auf Messers Schneide, das Ränkespiel um die Anführerschaft eröffnet…

Fazit:


Christoph Zachariae hat mit dem ersten Band „ Ödland – Der Keller“ die Latte für die Weiterführung der Pentalogie schon recht hoch gelegt. Um so gespannter war ich auf die Forstsetzung. Und, soviel sei schon vorab gesagt, die Geschichte hält was sie verspricht. Spannend, gut durchdacht, stimmig und von teils beängstigender Konsistenz entspinnt sich vor dem Leser eine Handlung, deren bedrückende Aura nicht s so schnell wieder loslässt. Keinesfalls für zart besaitete sind die Schilderungen der Überlebensstrategien in einer Welt, deren einziges Credo das Überleben ist.

Sprachlich bleibt Zachariae stets angenehm lesbar, klar in der Ausdrucksweise und treffend in Formulierungen. Die Charaktere erweisen sich als stimmig, keineswegs flach und der Handlung verpflichtet, ohne ins allzu Klischeehafte abzudriften. Viele unerwartete Entwicklungen machen den Handlungsstrang flüssig verfolgbar, nie langweilig und Lust darauf, mehr über Mega und das Ödland zu erfahren. Eine eindeutige Leseempfehlung für alle die gut ausgearbeitete Dystopien mögen.

Zum Buch:

Das 2. Buch der als Pentalogie angelegten Geschichte ist ebenso ästhetisch und hochwertig gestaltet, wie das erste. Es sei hier auf die ausführliche Beschreibung in der entsprechenden Rezension zu „Ödland – Der Keller“ verwiesen.


  (0)
Tags: christoph zachariae, colin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, karin ostertag, kunst, ödland, pentalogie, postapokalyptisch, psychologie, robert hoffmann, roman, terry winkler   (13)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Wendekreis des Steinbocks. Roman.

Henry Miller
Fester Einband
Erschienen bei Bertelsmann, 01.01.1980
ISBN B002AFKE0Y
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Du lebst von den Früchten deines Handelns, und dein Handeln ist die Ernte deines Denkens.“ (S.298)

Zum Inhalt:


Mit „Wendekreis des Steinbocks“ schuf Henry Miller zusammen mit „Wendekreis des Krebses“ ein autobiografisches Werk, dem in den Kreisen seiner Verehrer beinahe religiöser Inhalt nachgesagt wird bzw. wurde. Dabei kamen auch Größen wie George Orwell oder Ernst Jünger an einer Auseinandersetzung mit Millers Schaffen nicht vorbei.

Beschränkt man sich auf eine oberflächliche Lektüre könnte man leicht dem Fehlurteil anheimfallen, es handle sich bei dem Text nur um eine teils recht wahllose Aneinanderreihung sehr freizügiger Schilderungen sexueller Eskapaden, sowie einem langgezogenen Lamento über die Schlechtigkeit der Welt und Amerikas im Speziellen. Es bedarf etwas eingehenderer Auseinandersetzung nicht nur mit dem Text, sondern auch mit der Person des Autors, sowie dessen geschichtlichem Kontext, um ein Verständnis für den verbalen, deshalb jedoch nicht minder brachialen künstlerischen Befreiungsschlag Millers zu entwickeln und die überaus metaphernreiche Sprache dechiffrieren zu können. War in „Wendekreis des Krebses“ Paris noch im geografischen Fokus, so legen sich die Strahlen des schriftstellerischen Brennglases in diesem Band auf Amerika, genauer New York.

„Das Fragmentarische, Zerrissene von Millers erstem großen Buch weicht in Tropic of Capricorn einer einheitlichen, von der wachsenden Erkenntnis des Irrsinns dieser Welt und besonders der großen Städte bestimmten Perspektive.“1) Der Archetyp hierfür stellt für den Autor New York mit seinen Häuserschluchten, seiner verblendenden Psychopathologie, seiner menschen- und lebensverachtenden Perversion eines Zerrbildes des amerikanischen Traums dar. In drastischen Analogien, teils rüden verbalen Eskapaden und einer sicher nicht im üblichen Sinne salonfähigen Sprachwahl beschreibt Miller die Stadt als einen Moloch dem gescheiterte Existenzen als willfährige Nahrung dienen, welche nach durchlaufen der voranschreitend mechanisierten Eingeweide einer auf Entmenschlichung getrimmten Maschinerie als gesellschaftliches Strandgut einem sinnfreien Tod entgegenvegetiert.

Der Fokus wird immer wieder auf die teils leicht zu durchschauenden, teils gefinktelten Regeln einer zutiefst abstoßenden und pervertierten Gesellschaft gelenkt, deren sich Miller als Künstler, jedoch noch vielmehr als Mensch verweigern will. Dabei klingt auch (s)eine Sympathie für die ihm seelenverwandte Bewegung der europäischen Surrealisten und Dadaisten an. Bemüht man sich nicht auch etwas zwischen den Zeilen zu lesen, entginge einem der Humor bzw. die ehrliche Suche nach Menschlichkeit die Miller immer wieder nach jedem Fall, jedem Tiefschlag aufstehen lässt, die Hoffnung nicht aufgebend, jenen Lichtschein der Humanität am Horizont menschlicher Geschichte und sozialen Zusammenlebens zu finden, die ein sich täglich Gegen-den-Tod-Stemmen rechtfertigt.

Fazit:

Es ist wahrlich keine leichte Lektüre, die man als Leser mit diesem Text in Händen hält. Zartbesaitete oder jene, die vor expliziten Schilderungen sexueller Handlungen zurückschrecken, sollten die Finger davon lassen. Ebenso ist es kein Roman für mal eben zwischendurch. Es bedarf Geduld, etwas Recherche und eines offenen Herangehens, um dem Text den nötigen Widerhall im eigenen Kopf zu ermöglichen. Nicht umsonst zählt Millers Werk zu dem, was als Weltliteratur tituliert wird.

Zum Buch:


Der Band vermittelt äußerlich einen wertigen Eindruck, die festen leinenbespannten Buchdeckel werden von einem mit seinem Grün zum Rot des Leinens kontrastierenden Schutzumschlag umgeben und der Bedruckstoff ist von akzeptabler Qualität. Woran gespart wurde ist die Druckqualität (Beispiele siehe hier) und die typografische Gestaltung. Ersteres spiegelt sich in teils fehlenden Lettern oder Teilen derselben wider, Zweiteres lässt den Text als eine Art Bleiwüste und entsprechend ermüdend in der Lektüre wirken. An der Verleimung des Buchblockes gibt es nichts auszusetzen, so dass der Leser in Summe ein handwerklich passabel realisiertes gebundenes Werk der Weltliteratur in Händen hält.

mehr dazu wie immer auf meinem BLOG http://kuchers-blog.at

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

anja bagus, anne neuschwander, anthologie, bernhard kempen, chris schlicht, christian schmidt, dystopie, endzeit, erzählungen, eutopie, fantasy / science fiction, friedhelm schneidewind, jasmin aurel, jens berke, johann seidl

Der Schnee von morgen: 2017 Collection of Climate Fiction Stories

Anja Bagus , Ulf Fildebrandt , Bernhard Kempen , Regine Bott
E-Buch Text: 380 Seiten
Erschienen bei Verlag für Moderne Phantastik Gehrke, 19.01.2018
ISBN B077TR63HC
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Wenn man nichts zu essen hat, dann ist Nahrung die Welt. Erst wenn man satt ist, kann man arrogant werden.“ (Pos. 269)

Zum Inhalt:


Der Untertitel – „2017 Collection of Climate Fiction Stories“ – zur neuesten Anthologie aus dem Verlag für Moderne Phantastik Gehrke umreißt bereits thematisch jenes Gebiet, aus dem sich die Geschichten der unterschiedlichsten AutorInnen ihrer Storyline bedienen. Hierbei entstand die Zusammenstellung aus den besten Kurzgeschichten zum Thema Klimawandel des Wettbewerbs von TOR ONLINE.

Die Bühnen, auf denen gespielt wird reichen von Wasserwelten á la „Waterworld“ über wüstenhafte Szernarien, die frappant an das schon legendäre „Arakis“ erinnern, bis zu einer beinahe normalen in die ZukunftFazit: extrapolierten Jetztzeit, deren für uns selbstverständliche Lebensräume sich mehr und mehr dem Menschen verweigern. Die große thematische Klammer, welche die Erzählungen umspannt, ist jene eines – nicht des – Klimawandels. „Eines“ deswegen, weil die ErzählerInnen derart unterschiedliche, deswegen aber nicht weniger wahrscheinliche oder denkbare, geografische, soziale, wirtschaftliche und ideologische Facetten einer „neuen“ Welt entwerfen, dass beim Leser nie jener unterschwellige Widerwillen aufzukommen vermag, den die ewig gleichen, sermonartigen, reißerischen Beschwörungen dröger Medienberichterstattung zum Thema das Wandels unseres Klimas beinahe schon reflexartig auslösen.

Bei 23 Texten liegt es in der Natur der Sache, dass es eingängigere, ins sich stimmigere und auch jene gibt, die sich besonders im Gedächtnis festsetzen und im positiven Sinne weiter irritieren, zum Schlussfolgern, Diskutieren und Abwägen einladen – ja beinahe zwingen. Der Faktor „Mensch“ ist es, der letzten Endes stets das Zünglein an der Waage schicksalshafter Entwicklungen darstellt. Wie eben dieser Mensch als soziales Wesen mit neuen Lebensräumen und Gesellschaftsformen umzugehen lernt, darauf gehen Erzählungen wie z.B. „Kälte voraus“, „Vegetativ“ oder „Noahs Bienen“ ein. Selbst die Entwicklung von Sprache über die Zeit und die soziologische Evolution hinweg wird als Stilmittel nicht außen vor gelassen, wie „Kohlenklauber und Tiertöter“ bravourös unter Beweis stellt.

Enthaltene Texte:


    Tod einer Göttin – Lisa-Marie Reuter
    Die Rückkehr der Giganten – Chris Schlicht
    Noahs Bienen – Sabine Frambach
    Wassergrab – Jasmin Aurel
    Die Photosynthetikerin – Andrea Bannert
    Die Schiffsleute – Ulf Fildebrandt
    Der Notnagel – Regine Bott
    Vegetativ Anja – Bagus
    Exodus terram – Lars Hannig
    Der Kälte voraus – Anne Neuschwander
    Schlangenwürmer – Wolf Welling
    Wüstensonne – Susanne Richter
    Es war kein Schmetterling – Bernhard Kempen
    Tränen im Staub – Johann Seidl
    Tipping Point – Tristan Mahlow
    Der menschliche Defekt – Sandra Florean
    Kohlenklauber und Tiertöter – Friedhelm Schneidewind
    Der Hafen meines Vaters – R.West
    Solange die Computer noch am Rechnen sind – Maike Braun
    Düstere Aussichten – Sven Draht
    Schwarze Mauer – Christian Schmid
    Lange Tage, lange Nächte – Jens Berke
    Rain und Shine – Stefan Lammers

Fazit:


Für all jene, die sich mit Denkszenarien einer sich klimatisch – und auch sozial – wandelnden Erde als Heimat des Menschen auseinandersetzen möchten, die keine geistigen Berührungsängste mit (nicht nur) dystopischen Szenarien haben und die den Mut aufbringen mehrere Entwicklungsvarianten als mögliche, sowie durchaus nicht unwahrscheinliche Wege, nebeneinander stehen zu lassen ist die Anthologie mehr als nur empfehlenswert.

mehr dazu wie immer auf meinem BLOG

  (0)
Tags: andrea bannert, anja bagus, anne neuschwander, anthologie, bernhard kempen, chris schlicht, christian schmidt, dystopie, endzeit, erzählungen, eutopie, friedhelm schneidewind, jasmin aurel, jens berke, johann seidl, klima, klimawandel, kurzgeschichten, lars hannig, lisa-marie reuter, maike braun, peggy weber-gehrke, regine bott, r. west, sabine frambach, sandra florean, soziologie, stefan lammers, susanne richter, sven draht, tristan mahlow, ulf fildebrandt, wolf welling   (33)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, ddr, deutsche literatur, dystopie, haarp, mars, raumfahrt, roman, science fiction, sociological science fiction, terraforming

Der erste Versuch

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 198 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 13.11.2017
ISBN 9783945713389
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Wieder einmal hatte sich gezeigt, dass der Geist Mammon regierte und dass nicht davor zurückgeschreckt wurde, ihn mit allen Mitteln auf dem Sockel zu halten.“ (S.48)

Zum Inhalt:


Die Menschheit giert nach mehr und mehr Rohstoffen. Solchen, die noch unentdeckt unter der Erdoberfläche schlummern, ebenso wie jene deren Ressource der menschliche Geist zu sein verspricht. Ein Projekt welches auf beide Zugriff zu gewähren scheint wird mit Hochdruck in die Realität umgesetzt: das HAARP.

Wo es Aussichten auf Ressourcen gibt, sind skrupellose Konzerne und ebensolche Glücksritter nicht weit. Ohne Rücksicht auf Menschen, Material oder gar die Implikationen des Projektes auf die Umwelt, bekriegen sich global agierende Gruppen – und dies nicht nur finanziell. In diesen Mahlstrom werden auch Milan Nowatschek, ein Anhänger der Zweitlebensgemeinschaft und Álina verstrickt. Milan lässt sich, um dem Wahnsinn der gegenwärtigen Gesellschaftsentwicklungen zu entgehen, für viele Jahre in eine Art Stasis versetzen, darauf hoffend – wie so viele „Kunden“ der Zweitlebensgemeinschaft –, dass mit ihrem Wiedererwachen sich die Dinge zum Besseren gekehrt haben würden.

Álina wird als Spezialistin auf den Mars beordert um dort eine aufsehenerregende Entdeckung in Augenschein zu nehmen. Das dort aufgefundene Artefakt tritt jedoch in den Hintergrund, als sie unter der Marsoberfläche auf Spuren von extraterrestrischem Leben stößt, welches das Potential birgt, das Terraforming auf dem roten Planeten und Jahrzehnte nach vorne zu katapultieren. Um dies zu bewerkstelligen sind jedoch noch umfassende Tests auf der Erde notwendig. Während ihres Aufenthaltes eben dort versucht Álina ihren Milan wieder zu sehen, ist jedoch außerordentlich irritiert, als sie bei dem Mann der sich als Milan ausgibt auf immer neue Ungereimtheiten stößt, welche sie letzten Endes zu dem Schluss führen, dass dies nicht jener Milan sei, der lange Zeit ihr Lebensgefährte war.

Das Glück jedoch ist ihr auf verzwickte Art und Weise hold, wird sie doch recht bald wieder auf den Mars gerufen, um dort ihre wissenschaftliche Arbeit weiterzuführen. Auch lernt sie auf dem Roten ihren zukünftigen Lebenspartner kennen und lieben. Die Rückreise zur Erde wird jedoch für beide zu einem Erwachen in einer Dystopie, deren Ursprung in der Gigantomanie und verantwortungslosen Fortschrittsgläubigkeit der HAARP-Projektierer ihren Ursprung hatte. Die weltumspannende Rechnung zahlt dabei die gesamte Menschheit, die ohne ihre Marskolonie, sowie die belächelten Anhängern der Zweitlebensgemeinschaft ihrem biologischen Untergang ins Auge sehen müsste…

Fazit:


Eine ausgesprochen düstere Perspektive ist es, die Alexander Kröger in diesem Text ausarbeitet. Wo sonst in seinen Geschichten eher eine Menschheit agiert, die aus Fehlern gelernt hat, ja beinahe geläutert an einer großen Gemeinschaft der Völker – nicht nur terrestrischer – arbeitet, springt den Leser dieses Bandes eine finstere, triste Dystopie auf beinahe allen Seiten förmlich entgegen. Dies mag anfänglich etwas irritierend sein, v.a. wenn man die vorigen Bände der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) gelesen hat, die einen durchweg positiv optimistischen Grundton verströmen, zeigt jedoch eine interessante andere Facette aus dem narrativen Repertoir des Autors.

Auch in dieser Geschichte werden wieder rege Verweise auf andere Erzählungen des Autors angestellt, wie z.B. auf „Die Marsfrau“ (vgl. S.35). Der Mars und dessen Kolonisierung stellen in Krögers Erzähluniversum ohnehin ein zentrales Thema dar. Sei es als Überlebenschance wie als als logische nächste Etappe in der Exploration des Raums außerhalb unseres blauem Heimatplaneten.

Zum Buch:


Nachdem es sich bei Band 8 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

  (0)
Tags: alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, ddr, deutsche literatur, dystopie, haarp, mars, raumfahrt, roman, science fiction, sociological science fiction, terraforming   (12)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

b.c. bolt, christian kuenne, erzählungen, frank lauenroth, galax acheronian, gerd frey, irene maschke, jacqueline montemurri, janos teleki, julia annina jorges, kurzgeschichten, lara möller, matthias falke, modernphantastik, norbert fiks

Meuterei auf Titan

Sven Svenson , Matthias Falke , Gerd Frey , Peggy Weber-Gehrke
Flexibler Einband
Erschienen bei Verlag für Moderne Phantastik, 10.08.2017
ISBN 9783981875201
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Geschichte ist nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft.“ (S.215)

Zum Inhalt:


Die 29 Texte unterschiedlichster AutorInnen aus der SciFi resp. Phantastik streifen einen Großteil der klassischen Kernthemen des Genres. Seien es nun Zeitreisen (z.B. „Omega4“ – Frank Lauenroth, „Das letzte Mammut“ – Norbert Fiks) und deren Implikationen, die Auswirkungen von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz (z.B. „Fast ein Paradies“ – Irene Maschke, „21st Century Factoid Man“ – Tobias Reckesmann), ebenso wie das schier unerschöpfliche Feld des Umgangs mit außerirdischen Technologien und Intelligenzen (z.B. „Terra Barbarica – Julia Annina Jorges, „Paul Hanneder“ – Rico Gehrke).

Wie verflochten Menschen trotz ihres Fernwehs zu den Sternen mit ihrem Heimatplaneten sein können / werden klingt in lyrischer Metapher in der „Ballade von König Cofalbulme“ als Intro an. Wie sich potentielle extraterrestirsche Lebensbereich dem Menschen erschließen oder aber auch verweigern können damit beschäfitgen sich z.B. Erzählungen wie Paul Hanneders „Anpassungsfähigkeit“ und „Eifersucht“ oder Peggy Weber-Gehrkes „Berg,Sumpf und Dschungel“). Und dass trotz allen Fortschrittes der Mensch doch stets sich und seine Unzulänglichkeiten mitnimmt arbeitet Sven Svensons „Neue Welten“ gezielt heraus.

Fazit:


Bestechend an diesem Band mit dem Untertitel „2016´ COLLECTION OF SCIENCE FICTION STORIES“ ist der breite Bogen an Autoren und Themen den die Herausgeberin hier in einem Kaleidoskop der Phantastik zusammengestellt hat. Zwangsläufig gibt es dabei Kurzgeschichten, die den einen oder anderen Leser mehr und andere die ihn weniger ansprechen werden. Zweifelsohne jedoch versucht jeder Erzähler, jede Erzählerin sich auch profunde und eloquente Art und Weise mit dem gestellten Thema auseinanderzusetzen. Es entstehen dadurch gewagte Denkansätze, teils schräge Gesichtspunkte, die eine neue Optik erlauben, ebenso klassisch solide SF-Geschichten mit hohem Unterhaltungswert.

Zum Buch:


Für die ansehnliche Stärke von 618 Seiten ist das Buch ausgesprochen stabil verleimt, auch tragen die imprägnierten Buchdeckel, sowie der ebenso ausgeführte Rücken zu einem wertigen Eindruck bei. Typografische Gestaltung wird sparsam eingesetzt und stört in keinster Weise den Lesefluss. Die Haptik des Bedruckstoffes ist angenehm und der Druck schön ausgeführt, was sich auch in der wenigen schwarz-weiß Drucken am Ende des Bandes positiv niederschlägt. Die Wahl des Coverbildes ist Geschmackssache, meinen hat es nicht getroffen – zu stereotyp sexistisch aus meiner Sicht –, aber dies tut der Qualität der Erzählungen zum Glück keinen Abbruch 😉 .

  (1)
Tags: adriana wimperling, amanda wimperling, b.c. bolt, christian kuenne, dieter bohn, erzählungen, frank lauenroth, galax acheronian, gerd frey, irene maschke, jacqueline montemurri, janos teleki, julia annina jorges, kurzgeschichten, lara möller, matthias falke, modernphantastik, norbert fiks, olaf lahayne, olas kemmler, oliver koch, peggy weber-gehrke, raumfahrt, regina bott, science fiction, sven svenson, tobias reckermann, zeitreisen   (28)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

advent

Es kommt ein Schiff

Gottfried Natalis
Fester Einband: 75 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 16.09.2013
ISBN 9783458193890
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun“ (Die gute Nacht – Bertold Brecht, S.45)

Zum Inhalt:

Gottfried Natalis hat auf 52 Seiten ein kaleidoskopartiges Kondensat weihnachtlicher Stimmungen arrangiert, welches geschriebenes Wort auf filigrane Art und Weise kombiniert mit bildlicher Expression. Einer farbigen Ausdrucksweise in der sich durch die Epochen hinweg Künstler an der Aufgabe der tiefgründigen Darstellung spiritueller Botschaften abgearbeitet hatten. Sei es nun die Kälte atmenden Winterlandschaften eines Pieter Brueghel, die warmen Farben Adolf Hölzels, die gediegene Klassik eines Tizian oder die archaischen Formen Emil Noldes.

In ähnlich bogenspannender Manier sind die Texte gewählt, mit Schwerpunkt auf lyrischen Eindrücken. Neben Klassikern der adventlichen Literatur, ausgesuchten Bibelstellen und bekannten Liedtexten finden sich auch durchweg etwas schwerer fassbare Stimmen, wie beispielsweise Bertold Brechts „Gute Nacht“.

Der Inhalt in chronologischer Reihenfolge:

Wachet auf, ruft und die Stimme – Philipp Nicolai Ein Winterabend – Georg Trakl O Heiland, reiß die Himmel auf – Friedrich von Spee Wo bleibst du Trost der ganzen Welt – Novalis Advent – Rainer Maria Rilke Ich steh an der Krippe hier – Paul Gerhardt Geburt Christi – Rainer Maria Rilke Zu Betlehem geboren – Friedrich von Spee Dezembernacht – Marie Luise Kaschnitz Friede auf Erden – Conrad Ferdinand Meyer Heilige Nacht – Ludwig Thoma Maria – Bertold Brecht Die Hirtenstrophe – Peter Huchel Epiphanias – Johann Wolfgang Goethe Die heil’gen drei Könige aus dem Morgenland – Heinrich Heine Es kommt ein Schiff geladen Am Weihnachtstage – Anette von Droste-Hülshoff Die gute Nacht – Bertold Brecht Knecht Ruprecht – Theodor Storm Weihnachtslied – Theodor Storm Tannennadeln – Wladimir Majakowski Weihnachten – Joseph von Eichendorf

Fazit:

Neben einem ungemein attraktiven Äußeren, liegt der Reiz dieses Bandes v.a. in der durchwegs auch ambivalent zu nennenden Auswahl an bildnerisch Künstlerischem und literarisch Eingängigem bis Forderndem. Fordernd in einer durchweg positiven Art des Sich-Auseinandersetzens mit der Zeit des Erwartens, des Advents, fokusiert auf jenes Ereignis, das für Christen jeder Couleur zu einem Eckpfeiler ihres geistlichen Weltbildes gehört.

Zum Buch:


Die Buchdeckel der einzelnen Bände der Insel-Bücherei werden seit jeher individuell auf das einzelne Buch zugeschnitten und ebenso verhält es sich auf sehr dezent stimmige Weise mit dem Band Nr. 1041. Die unaufdringlich weihnachtliche Gestaltung macht ihn zu einem Blickfang, führt den Leser, den Betrachter über zu den wunderschön gestalteten Textpassagen, ebenso wie den ausgezeichnet realisierten Farbdrucken. Dem Texterleben steht keine aufdringliche Typografie im Weg. Einzig das Wort soll wirken. Eine solide Bindung, sowie der in seiner Haptik ausgesprochen angenehme Bedruckstoff runden das Gesamtbild eines handwerklich überaus gelungenen Bandes ab.



  (1)
Tags: adolf hölzl, advent   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

29 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

abenteuer, action, christoph zachariae, collin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, karin ostertag, kunst, ödlands, pentalogie, postapokalyptisch, reihen-bände, robert hoffmann, terry winkler

ÖDLAND - Der Keller

Christoph Zachariae
Buch: 240 Seiten
Erschienen bei LUCID DREAMS, 17.07.2015
ISBN 9783000501104
Genre: Fantasy

Rezension:

„…Narben, die Landkarte der Schmerzen…“ (S.220)

Zum Inhalt:

An Tristesse ist die Welt wenige Jahrzehnte nach dem großen Crash wohl nicht zu überbieten. Die wenigen Überlebenden vegetieren in Kleingruppen dahin, das Gesetz des Stärkeren, aber vor allem jenes des Skrupelloseren regiert. Nur an wenigen Tagen schafft es eine fahle Sonne durch den asche- und staubverhangenen Himmel ein oder zwei Bündel ihrer Strahlen auf ein ausgedörrtes, karges und beinahe lebloses Land zu werfen.

In dieser Welt findet eine Gruppe, deren Versteck die Kellerbauten einer verfallenden Universität sind, eine Kind vor ihren Toren: Mega. Man überwindet die anfänglichen Bedenken, holt es herein und gibt ihm ein zu Hause. Mega wächst auf, die Bande zu ihren Mitbewohnern werden enger, doch stets bleibt dieser Stachel im Denken, dass es ein Leben vor dem Keller gab. Ein Leben in dem Mega eine Geschichte hatte. Nicht zuletzt erinnert sie ein Tattoo unter dem Auge stets an eine Zeit an die sie keine fassbaren Erinnerungen hat.

In all diese Grübeleien kommt die kalte Erkenntnis, dass es den wenigen Menschen im Keller an essentiellen Ersatzteilen fehlt, um ihre überlebensnotwendige Wasseraufbreitungsanlage in Funktion zu halten. Viele wurden schon ausgeschickt, an die Oberfläche ins Ödland geschickt, um eben diese Teile zu suchen. Alle hatte das Glück nicht auf ihrer Seite. Mega erreicht ein Alter in dem sie zum einen ihren Rettern etwas schuldig zu sein glaubt, zum anderen mehr über die Welt da draußen erfahren will. So ist sie die logische, vielmehr einzige noch zur Verfügung stehende Chance, der Gemeinschaft Hoffnung zu geben. Ausgestattet mit einem soliden Training und allem an bescheidener Technik, aber einer Unmenge an guten Wünschen und Hoffnung beginnt sie ihre ungewisse Odyssee in eine Welt in der Grausamkeit die einzig gültige Währung scheint…

Parallel zur Geschichte Megas tritt Hagen auf die Erzählbühne. Als Anführer eines Haufens marodierender Männer, wird er von diesen respektiert, nicht zuletzt aufgrund seiner kalten, berechnenden Führungsqualitäten, die er stets auf’s Neue unter Beweis stellen muss. Denn nichts ist hier draußen tödlicher als Schwäche. Härte, intrigante Berechnung, Gräueltaten und Gewalttätigkeit prägen die Tage des barbarischen Haufens unter Hagens Führung. Zwischen Hagen und Mega scheint es einen Konnex zu geben, der jedoch mehr als vage bleibt….

Fazit:

Christoph Zachariaes Auftakt der „Ödland“-Story ist in sich stimmig, bildgewaltig, ernüchternd und von spröder Schönheit, sofern man dies von einer Dystopie behaupten kann. Der Text ist aufgrund seiner expliziten Schilderung von Gewalt in einer postapokalyptischen Welt nichts für zart besaitete Gemüter. Doch eben diese Schonungslosigkeit wird nicht um ihrer selbst willen heraufbeschworen, sondern legt sich über eine Welt deren Credo einzig und allein das Überleben ist – und zwar um jeden Preis.

Die eingängige Sprache Zachariaes verleiht dem Erzählfaden Spannung, ebenso wie Leichtigkeit, dies in einer Intensität, die man in vielen Dystopien teils vergeblich sucht. Dass der Band mit einem Cliffhanger endet liegt in der Natur der Sache – die Geschichte ist schließlich als Pentalogie angelegt – und macht definitiv Lust auf mehr.


Zum Buch:


Schon der erste Eindruck, welchen der Band vermittelt, schraubt die Erwartungen an die handwerkliche Kunst der Umsetzung in die Höhe. Und vorab kann schon festgehalten werden: der bibliophile Leser wird nicht enttäuscht! Vielmehr hält er ein Buch in Händen, welches mit Fug und Recht als Gesamtkunstwerk durchgeht. Neben solider buchbinderischer Verarbeitung in puncto Verleimung, Haptik und solider Buchdeckelausführung, fällt sofort ins Auge, dass hier typografisch, zeichnerisch und konzeptionell Profis am Werk waren.

Die künstlerische Gestaltung der Typografie ist gewagt, unterstreicht den Grundton der Erzählung, dies ohne sich unangemessen in den optischen Vordergrund zu drängen, jedoch immer unterstreichend präsent zu sein. Das Ensemble des Coverbildes drückt Stimmung, Timbre der Sprachmelodie und handwerkliche Raffinesse zu gleichen Teilen aus. In Sachen Gedrucktes ist der erste Band der als Pentalogie angelegten Reihe für mich definitiv ein Highlight dieses Lesejahres!

Was nicht grundsätzlich mit dem Buch zu tun hat, jedoch nicht unerwähnt bleiben sollte – und mithin der Grund meiner Titulierung als Gesamtkunstwerk ist – ist die Verfolgbarkeit der Entstehung / Weiterentwicklung der bewegenden Geschichte als hochwertig gestalteter Webinhalt unter folgendem Link „Ödland – Lucid Dreams“.




  (2)
Tags: abenteuer, action, christoph zachariae, collin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, karin ostertag, kunst, ödlands, pentalogie, postapokalyptisch, robert hoffmann, terry winkler   (13)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

alkohol, auftragskiller, bruder, celine, erotik, geburtstag, krieg, kriegsveteran, liebe, mord, sam bennet, sebastian, spannung, tod, verlust

Aufs Leben, die Liebe...und meinen Tod

Sam Bennet
E-Buch Text: 343 Seiten
Erschienen bei null, 03.04.2014
ISBN B00JGPDLPG
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Manchmal ist es gut, Dinge über den Menschen, den man liebt, nicht zu wissen.“ (S.309)

Zum Inhalt:

Penny Lane sieht sich von ihrer langjährigen Liebe Melot verlassen und rasant auf die gefühlte Mitte ihres Lebens zugehend vor einem persönlichen Abgrund desaströsen Ausmaßes. Dieser Ausblick des Verlassenseins – sei es nun von ihrem Partner, wie letzten Endes auch von ihrer Familie, ausgenommen ihrem Bruder – stürzt sie in eine derart tiefe Existenzkrise, dass ihr der Freitod als einziger gangbarer Ausweg erscheint.

Selbst Hand an sich zu legen entspricht jedoch nicht ihrem Naturell und so trifft es sich nicht schlecht, dass sie in einer Bar eine etwas undurchsichtige Schönheit mit dem bezeichnenden Namen Pearl trifft. Pearl erbietet der vom Schicksal so Gebeutelten ihre Dienste, bei deren Ableben hilfreich zur Seite zu stehen und zwar gegen den Obolus von 100.000$. Penny müsse sich dann um nichts mehr kümmern, könne noch den in Bälde anstehenden 30. Geburtstag mit großem Pomp und Gloria und v.a. der Abrechnung mit alle jenen, die ihre übel mitgespielt hatten in ihrem Leben, inszeniern. Gesagt getan! Penny macht den Deal… Sie rechnet jedoch nicht damit, dass das Leben eventuell doch noch die ein oder andere positive Seite verbirgt, die es zu entdecken gilt…

Eine dieser Seiten taucht ausgerechnet in der Person des ehemaligen Soldaten Martin auf. Sein Geheimnis entzieht sich lange Zeit der Erkenntnis Penny’s und sorgt für erhebliche Spannung zwischen den beiden. Dennoch entspinnt sich zwischen ihnen eine innige Bezeihung, deren Kulminationspunkt in einem furiosen Finale der Story ihre Auflösung in mehrerlei Hinsicht findet…

In dieser Printversion der Geschichte ist zusätzlich eine exklusive Kurzgeschichte enthalten, welche die Geschichte rund um Pearl nach dem diesbezüglichen Cliffhanger der Hauptgeschichte weiterführt.

Fazit:

Die Story ist auf jeden Fall spannend und geht definitiv als erotischer Thriller durch. Die Personen sind teilweise etwas stereotyp gehalten, aber in sich stimmig. In Zusammenspiel mit der beigegebenen Kurzgeschichte ergibt sich das runde Bild eines moderat nachvollziehbaren Handlungsgewebes in dem die Charaktere passend eingeflochten sind. Wer gerne Texte aus diesem Genre liest, sich an explizit verbalisierter Erotik nicht stört und vor rasanten Wendungen nicht zurückschreckt wird sich in diesem Text als Leser durchaus wiederfinden können.

Zum Buch:

Zuerst die guten Seiten: Der Buchblock mit immerhin stattlichen 504 Seiten ist stabil verleimt und ebenso stabil sind Buchrücken und Buchdeckel ausgeführt. Der Seitenbedruckstoff weist eine solide Haptik auf, der Druck wurde sauber ausgeführt und liefert ein scharfes Schriftbild auch bei den grafischen Elementen, die als grobtextuelle Trenner in den Text einfließen. Das künstlerisch treffend gestaltete Titelbild wertet den Einband des Buches definitiv auf.


  (0)
Tags: deutsche literatur, dissoziative identitätsstörung, ehe, erotik, krieg, liebesroman, rache, roman, sam bennet, soldat, suizid, thriller, traume   (13)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(168)

384 Bibliotheken, 33 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

abenteuer, alptraum, bunt, fantasie, fantasy, gehirn, illustriert, märchen, moers, nachtmahr, reise, schlaflosigkeit, träume, walter moers, zamonien

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Walter Moers , Lydia Rode
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 28.08.2017
ISBN 9783813507850
Genre: Fantasy

Rezension:

„Aber so ähnlich stelle ich mir den Schlaf vor: eine vorübergehende Erholung vom Sein.“ (S.250)

Zum Inhalt:

Dylia, von Geburt und Beruf Prinzessin, leidet an einer Krankheit: sie vermag so gut wie gar nicht zu Schlafen. Schlafen in der Selbstverständlichkeit, die jedem „normalen“ Wesen regelmäßig die Lider schwer werden lässt und es in das Land der Träume entführt.

Nicht nur, dass Dylia damit einen ganzen Stab an unterschiedlich begabten Medizinern, überschätzten Quacksalbern, höfischen Angestellten und nicht zuletzt sich selbst ständig auf Trab hält, sie beginnt mit ihrer so „gewonnenen“ Zeit eine Vielzahl teils grenzwertig schräger Beschäftigungen nachzugehen, um nicht aus Langeweile völlig durchzudrehen. Besonders ihre leidenschaftliche Vorliebe – und ausgeprägte Begabung – für Sprache(n) in Kombination mit einer schier endlosen Fantasie leisten ihr dabei unschätzbare Dienste.

So ist Dylia wenig überrascht, als sich ein Wesen von schillernder Faszination und ebensolcher Exotik in ihrem Bett – unpassenderweise atemraubend auf ihrer Brust – niederlässt und sich schlicht als Vertreter der Zunft der Nachtmahre vorstellt. Opal, so der Name dieses Geschöpfs macht gleich gar keinen Hehl aus seinem Auftrag, die Prinzessin nach allen Regeln der nachtmahrschen Kunst in den Wahnsinn treiben zu wollen – dies sei schließlich seine Aufgabe, sein Lebenszweck –, da es ja scheins mit der geistigen Gesundheit Dylias ohnehin nicht weit her sein könne. Schließlich müsse man dem Schlafentzug doch seinen Tribut zollen, Aristokrat hin oder her. Denn: „»Die Nachtmahre verwalten das Alptraumgeschäft. Wir, nun ja: organisieren alles«“ (S.77), so seine lapidare Rechtfertigung.

Es wäre jedoch nicht die selbstbewußte, lebenshungrige Dylia, würde sie die sprichwörtliche Flinte so schnell ins Korn oder den Verstand nebst Körper so schnell aus dem Fenster über die hohen Burgmauern werfen. Vielmehr trifft sie eine Vereinbarung mit Opal, ihn auf dem Weg zu den dunkelsten Ecken ihres Gehirns zu begleiten, nur um zu beweisen, dass sie sich ihren Dämonen zu stellen vermag ohne die Segel zu streichen – lies dem Wahnsinn anheim zu fallen.

Abenteuer beginnen im Kopf! Dieser Aphorismus bewahrheitet sich daraufhin auf alle nur erdenklichen Weisen auf der Reise Dylias und Opals durch die düsteren Abgründe, verwinkelten Untiefen, aber auch atemberaubenden Wunder des außergewöhnlichsten Gehirns, das Opal, nach eigenen Angaben, in seiner langen Karriere als Nachtmahr je gesehen hatte. Alles mit dem Ziel ins dunkle Herz der Nacht zu gelangen.

Opal und Dylia wohnen Ideengeburten bei, müssen sich vor Zergessern in Sicherheit bringen, begegnen Hirnschnecken und der Dylia so vertrauten Gehirnspinne in deren Schatzkammer, machen Bekanntschaft mit der Bürokratie der Egozetten, lernen das Flimmen und treiben sich auf dem Friedhof des Humors herum.

Auf eine fast morbide Art und Weise kommen die beiden sich näher, stets eine Schar Zwielichtzwerge im Schlepptau. Keinesfalls jedoch verliert Opal seinen Auftrag aus den Augen, seine Klientin in den Wahn zu treiben. Schließlich steht ja auch seine Berufsehre auf dem Spiel…


Fazit:

In der ihm eigenen liebevollen, frechen, teil etwas düster sarkastischen, aber stets mit einem Augenzwinkern zamonisch lebensbejahenden Art legt Moers seine Reise in einem der mysteriösesten Gebiete des Universums an: dem menschlichen Geist. Das durch diese Zeilen ein etwas anderer Geist weht, als durch jene des Schrecksenmeisters, Rumo, die Stadt der träumenden Bücher und einige mehr, gibt dem Text ein besonderes Flair. Es befremdet vielleicht Anfangs sogar ein wenig. Sich auf den Stil sowohl in Erzählweise, wie auch künstlerischer Expression der Bilder einzulassen wird mit einem irisierenden Leseerlebnis belohnt, welches man noch weit über die letzte Zeile hinaus weiterempfinden möchte.

Die Auseinandersetzung mit einer in Realiter existierenden Krankheit (ME/CFS)1) auf diese Art und Weise nötigt mir den denkbar größten Respekt sowohl für Autor als auch Künstlerin ab. In seiner Nachbemerkung zum Buch nimmt Walter Moers darauf auch bezug, mit klaren, unmißverständlichen Worten auf den Punkt bringend, dass der Planet Conatio aus der Geschichte seine sehr reale Entsprechung in unserer Wirklichkeit hat. Und wer könnte dies besser festhalten, als eine Betroffene wie Lydia Rode, deren gestalterische Handschrift den Text in mannigfach schöner Art im wahrsten Sinne des Wortes ergänzt, zu einem stimmigen, ausdrucksstarken Ganzen macht.


Zum Buch:

Mit Fug und Recht darf man den Band aus der Druckerei CPI books GmbH als rundherum gelungen und schön bezeichnen. Typografie und Farbgebung harmonieren, Bindung, Druckbild und Haptik sind vorbildlich, selbst die Farbe des Lesebändchens wurde mit Bedacht auf das Gesamtbild gewählt. Der im Text stets wiederkehrende Wechsel zwischen Opals und Dylias Sicht der Geschichte findet sein stimmiges Pendant in dem Unterschied zwischen dunkel gehaltener Schutzhülle und den hellen, farbenfrohen Buchdeckeln. Die feinen, stets themenbezogenen Illustrationen Lydia Rodes geben dem zamonischen Universum eine Facette, die so noch nicht existierte: fein ziseliert, farbig, frech, lebendiger denn je. Ein buchbinderisch, künstlerisch und gestalterisch markantes Kleinod für jedes Bücherregal.


1.) ME = Myalgische Enzephalomyelitis, CFS = Chronisches Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom; weitere Informationen dazu auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS

  (0)
Tags: chronisches fatigue syndrom, deutsche literatur, egozetten, fantasy, gehirn, kunst, lydia rhode, myalgische enzephalomyelitis, nachtmahr, psychologie, walter moers, zamonien, zergesser, zwielichtzwerge   (14)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alter, anette kannenberg, ddr, deutsche literatur, ebook, flüchtlinge, geschichte, gesellschaft, gesellschaftsroman, italien, kommunismus, kunst, liebe, mauerfall, politik

Eine Reise

Sigrid Kleinsorge
E-Buch Text: 241 Seiten
Erschienen bei null, 03.11.2017
ISBN 9781979195362
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Es braucht eine gewisse Standfestigkeit im Leben, um nicht von der Brutalität unfassbarer Tatsachen weggeschwemmt zu werden.“ (Pos.334)1)

Zum Inhalt:

Bahnhöfe, Orte die par excellence für Zufallsbegegnungen jene Bühne bieten, auf der sich in Sigrid Kleinsorges neuem Roman ein Journalist und eine weitere Reisende flüchtig treffen. Sie verlässt einige Stationen weiter das Zugabteil, lässt jedoch versehentlich Aufzeichnungen einer/ihrer Reisen zurück. Eine Gelegenheit für den Mitreisenden, dessen Aufmerksamkeit die Frau schon während des gemeinsamen Wartens am Bahnsteig erregt hatte, mehr zu erfahren über einen Lebensweg der nun einen Schnittpunkt mit dem seinen hat.

Der in kleinen und großen Historien wie Schmuckperlen aneinandergereihte Erzählfaden, beginnt durchaus in jenem geradlinigen Geschichtskonzept des Zeitstrahls in dem wir unsere scheinbar linearen Lebenswege gerne sehen (wollen). Schnell wird jedoch deutlich, dass dieses Leben in all seiner „Normalität“, seinem „nicht-exotisch-Sein“ hingegen eher einer Wäscheleine gleicht, an der die Ereignisse – den bunten Kleidungsstücken gleich – ihre Halt finden. Eine jener Leinen, die zwischen zwei Häusern endlos um zwei Rollen läuft, einem Universum immer neuer Geschichten in einem sich perpetuierenden Fluss menschlicher Schicksale in denen die Positiva keinesfalls selbstverständlich zur Tagesordnung gehören.

Gehalten von Gedächtnisbildern welche wiederum ihrer eigenen Dynamik folgend, eintauchen lassen in ein längst vergangenes, aber nicht minder farbiges Neu-Erleben. „Es genügt ein Blick, ein Geruch, eine Stimme, ein Geräusch, eine Atmosphäre und schon sind sie da, sind wachgekitzelt, kümmern sich keinen Deut darum, ob sie willkommen sind, ob sie zu den Lebensjahren gehören, in denen man sich herumtreibt oder über die man gerade nachdenkt.“ (Pos.641)

Es geht um eine Reise in mannigfacher Hinsicht. Eine Reise in klassisch geografischer Ausformung über Kontinente hinweg, einer Reise durch Geschichte en gros und im persönlichen Detail, durch politische Systeme, ihre schicksalshaften Weichenstellungen ungeachtet der Bruchgräben in Lebenslinien und Familienverbänden.

Fazit:

„Immer will ich zum Kern einer Geschichte vordringen, weil für mich die Welt aus Geschichten besteht, die zusammen das Universum ergeben.“ (Pos. 96). Mit diesem Satz könnte ich für mich die Texte Sigrid Kleinsorges in einer umfassenden Klammer subsummieren: er ist Programm, Credo, verinnerlichte Expression einer an der Realität erprobten Humanistin, weit jenseits jeglicher Schönrederei oder verklärter Weltsicht. Auch in „Eine Reise“ beweist die Autorin auf’s Neue ihr virtuos genutztes Gefühl für Details, unterschwellig menschliche Wahrnehmung der subjektiven Realitäten, der Geschichten, Lebens- und teils Leidenswege, die stets zwischen Scheitern und Reifen changieren lassen.

1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

  (0)
Tags: alter, anette kannenberg, ddr, deutsche literatur, ebook, flüchtlinge, geschichte, gesellschaft, gesellschaftsroman, italien, kommunismus, kunst, liebe, mauerfall, politik, psychologie, reisen, reiseroman, roman, sigrid kleinsorge, sozialismus, südamerika, wende   (23)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

abenteuer, deutsche literatur, fantasieroman, fantasy, kreisgräben, kreisgrabenanlagen, liebe, neolithikium, niederösterreich, österreichische autoren, roman, rudolf bulant, science fiction, spionage, teleportatio

Im Bann der Kreisgräben

Rudolf Bulant
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 01.09.2016
ISBN 9783850287630
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„So denkt ihr Menschen immer, wenn etwas schiefläuft. Dass die Fehler bei euch selbst liegen könnten oder ganz andere Ursachen haben, auf diese Idee kommt ihr meist gar nicht“ (S.143)

Zum Inhalt:

Fritz Obersteiner, seines Zeichens Sprengmeister, hat in seiner langjährigen Karriere schon so manche knifflige Sprengung mit Bravour gemeistert. Eine ganz besondere Stelle im Steinbruch seines derzeitigen Chefs Stefan Krimmer, bereitet ihm jedoch gewaltiges Kopfzerbrechen. Nichts scheint hier nach Plan zu laufen und schon gar nichts glatt zu laufen, jedweder Physik zum trotz.

Just an dieser Stelle geschieht auch jene Reise in die Vergangenheit, welche ihn und eine kleine verschworene Gruppe in den Bann zieht: Ihre „Begegnungen“ mit den seit Äonen verstorbenen Menschen, deren Fleiß und Akribie Kreisgräbenanlagen in der Region zu verdanken sind, gestaltet sich zunehmend gefährlich, wenn auch ungemein interessant, wie v.a. Archäologe Dr. Martin Böhm seine Assistentin Nicole Brenner finden.

Nicht nur, dass jenes überaus plastische Erleben der Geschichte rund im die Heiler Skylar und Melvin Spannung genug bereithält, auch in der ganz realen Welt Obersteiners im Hier und Jetzt erfährt die Gruppe, dass es bei Weitem nicht allen Zeitgenossen gelegen kommt, was entdeckt wurde. Werfen doch eben diese Entdeckungen vieles als geschichtlich und gesellschaftlich selbstverständlich Empfundenes gründlich über den Haufen. So gilt auch hier: wer die Informationen kontrolliert sitzt an den Hebeln der Macht!

Der Werdegang und v.a. auch der Abgang von Melvin und Skylar, sowie der ihnen schutzbefohlenen Dorfgemeinschaften in einer fernen Vergangenheit, werfen ein volkommen neues Licht auf das Verständnis der Gegenwart. Dieses Vermächtnis bleibt nicht nur Historie, es umreist den Standort der Menschen in Zeit und kosmischem Raum…

Fazit:

Rudolf Bulant schreibt auch in seinem aktuellen Roman rund um die historischen Kreisgrabenanlagen in der ihm eigenen authentischen, durchaus spannenden und mit Lokalkolorit gewürzten Art. Verfolgt man seine bisherigen Werke so zieht sich stets ein Changieren zwischen solider, realer Bodenständigkeit und einer Welt dahinter, hinter dem als gegeben Hingenommenen, durch. Dieses irisierende Durchspielen von Denkmöglichkeiten resp. -welten macht seine Texte spannend, flüssig lesbar, leichttönig aber nicht seicht.

Ein Exkurs am Schluss des Textes wie es um die Kreisgräbenanlagen in Realiter dzt. steht, bezugnehmend auf historischen Hintergrund rundet ab Seite 285 die Geschichte ab, ja macht sogar neugierig, mehr über dieses archäologische Phänomen zu erfahren.

Zum Buch:

Der 288 Seiten starke Band fällt schon wegen seiner gelungenen Farbgebung resp. Motivwahl auf den Buchdeckeln auf. Eben diese Wahl zeigt sich als ein treffendes, den Text unterstützendes bildnerisches Plus, wobei die starke Verleimung des Buchblockes, ein sauberer Druck und eine dezent gehaltene Typografie das ihrige dazu beitragen ein schönes, ansprechendes Buch beim Leser abzuliefern.

  (0)
Tags: abenteuer, deutsche literatur, fantasy, kreisgrabenanlagen, liebe, neolithikium, niederösterreich, österreichische autoren, roman, rudolf bulant, science fiction, spionage, teleportatio, zeitreisen   (14)
 
172 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.