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alexander kröger, ddr, alexander-kröger-werkausgabe, dystopie, raumfahrt

Der erste Versuch

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 198 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 13.11.2017
ISBN 9783945713389
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Wieder einmal hatte sich gezeigt, dass der Geist Mammon regierte und dass nicht davor zurückgeschreckt wurde, ihn mit allen Mitteln auf dem Sockel zu halten.“ (S.48)

Zum Inhalt:


Die Menschheit giert nach mehr und mehr Rohstoffen. Solchen, die noch unentdeckt unter der Erdoberfläche schlummern, ebenso wie jene deren Ressource der menschliche Geist zu sein verspricht. Ein Projekt welches auf beide Zugriff zu gewähren scheint wird mit Hochdruck in die Realität umgesetzt: das HAARP.

Wo es Aussichten auf Ressourcen gibt, sind skrupellose Konzerne und ebensolche Glücksritter nicht weit. Ohne Rücksicht auf Menschen, Material oder gar die Implikationen des Projektes auf die Umwelt, bekriegen sich global agierende Gruppen – und dies nicht nur finanziell. In diesen Mahlstrom werden auch Milan Nowatschek, ein Anhänger der Zweitlebensgemeinschaft und Álina verstrickt. Milan lässt sich, um dem Wahnsinn der gegenwärtigen Gesellschaftsentwicklungen zu entgehen, für viele Jahre in eine Art Stasis versetzen, darauf hoffend – wie so viele „Kunden“ der Zweitlebensgemeinschaft –, dass mit ihrem Wiedererwachen sich die Dinge zum Besseren gekehrt haben würden.

Álina wird als Spezialistin auf den Mars beordert um dort eine aufsehenerregende Entdeckung in Augenschein zu nehmen. Das dort aufgefundene Artefakt tritt jedoch in den Hintergrund, als sie unter der Marsoberfläche auf Spuren von extraterrestrischem Leben stößt, welches das Potential birgt, das Terraforming auf dem roten Planeten und Jahrzehnte nach vorne zu katapultieren. Um dies zu bewerkstelligen sind jedoch noch umfassende Tests auf der Erde notwendig. Während ihres Aufenthaltes eben dort versucht Álina ihren Milan wieder zu sehen, ist jedoch außerordentlich irritiert, als sie bei dem Mann der sich als Milan ausgibt auf immer neue Ungereimtheiten stößt, welche sie letzten Endes zu dem Schluss führen, dass dies nicht jener Milan sei, der lange Zeit ihr Lebensgefährte war.

Das Glück jedoch ist ihr auf verzwickte Art und Weise hold, wird sie doch recht bald wieder auf den Mars gerufen, um dort ihre wissenschaftliche Arbeit weiterzuführen. Auch lernt sie auf dem Roten ihren zukünftigen Lebenspartner kennen und lieben. Die Rückreise zur Erde wird jedoch für beide zu einem Erwachen in einer Dystopie, deren Ursprung in der Gigantomanie und verantwortungslosen Fortschrittsgläubigkeit der HAARP-Projektierer ihren Ursprung hatte. Die weltumspannende Rechnung zahlt dabei die gesamte Menschheit, die ohne ihre Marskolonie, sowie die belächelten Anhängern der Zweitlebensgemeinschaft ihrem biologischen Untergang ins Auge sehen müsste…

Fazit:


Eine ausgesprochen düstere Perspektive ist es, die Alexander Kröger in diesem Text ausarbeitet. Wo sonst in seinen Geschichten eher eine Menschheit agiert, die aus Fehlern gelernt hat, ja beinahe geläutert an einer großen Gemeinschaft der Völker – nicht nur terrestrischer – arbeitet, springt den Leser dieses Bandes eine finstere, triste Dystopie auf beinahe allen Seiten förmlich entgegen. Dies mag anfänglich etwas irritierend sein, v.a. wenn man die vorigen Bände der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) gelesen hat, die einen durchweg positiv optimistischen Grundton verströmen, zeigt jedoch eine interessante andere Facette aus dem narrativen Repertoir des Autors.

Auch in dieser Geschichte werden wieder rege Verweise auf andere Erzählungen des Autors angestellt, wie z.B. auf „Die Marsfrau“ (vgl. S.35). Der Mars und dessen Kolonisierung stellen in Krögers Erzähluniversum ohnehin ein zentrales Thema dar. Sei es als Überlebenschance wie als als logische nächste Etappe in der Exploration des Raums außerhalb unseres blauem Heimatplaneten.

Zum Buch:


Nachdem es sich bei Band 8 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, ddr, deutsche literatur, dystopie, haarp, mars, raumfahrt, roman, science fiction, sociological science fiction, terraforming   (12)
 

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christian kuenne, olas kemmler, erzählungen, julia annina jorges, olaf lahayne

Meuterei auf Titan

Sven Svenson , Matthias Falke , Gerd Frey , Peggy Weber-Gehrke
Flexibler Einband
Erschienen bei Verlag für Moderne Phantastik, 10.08.2017
ISBN 9783981875201
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Geschichte ist nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft.“ (S.215)

Zum Inhalt:


Die 29 Texte unterschiedlichster AutorInnen aus der SciFi resp. Phantastik streifen einen Großteil der klassischen Kernthemen des Genres. Seien es nun Zeitreisen (z.B. „Omega4“ – Frank Lauenroth, „Das letzte Mammut“ – Norbert Fiks) und deren Implikationen, die Auswirkungen von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz (z.B. „Fast ein Paradies“ – Irene Maschke, „21st Century Factoid Man“ – Tobias Reckesmann), ebenso wie das schier unerschöpfliche Feld des Umgangs mit außerirdischen Technologien und Intelligenzen (z.B. „Terra Barbarica – Julia Annina Jorges, „Paul Hanneder“ – Rico Gehrke).

Wie verflochten Menschen trotz ihres Fernwehs zu den Sternen mit ihrem Heimatplaneten sein können / werden klingt in lyrischer Metapher in der „Ballade von König Cofalbulme“ als Intro an. Wie sich potentielle extraterrestirsche Lebensbereich dem Menschen erschließen oder aber auch verweigern können damit beschäfitgen sich z.B. Erzählungen wie Paul Hanneders „Anpassungsfähigkeit“ und „Eifersucht“ oder Peggy Weber-Gehrkes „Berg,Sumpf und Dschungel“). Und dass trotz allen Fortschrittes der Mensch doch stets sich und seine Unzulänglichkeiten mitnimmt arbeitet Sven Svensons „Neue Welten“ gezielt heraus.

Fazit:


Bestechend an diesem Band mit dem Untertitel „2016´ COLLECTION OF SCIENCE FICTION STORIES“ ist der breite Bogen an Autoren und Themen den die Herausgeberin hier in einem Kaleidoskop der Phantastik zusammengestellt hat. Zwangsläufig gibt es dabei Kurzgeschichten, die den einen oder anderen Leser mehr und andere die ihn weniger ansprechen werden. Zweifelsohne jedoch versucht jeder Erzähler, jede Erzählerin sich auch profunde und eloquente Art und Weise mit dem gestellten Thema auseinanderzusetzen. Es entstehen dadurch gewagte Denkansätze, teils schräge Gesichtspunkte, die eine neue Optik erlauben, ebenso klassisch solide SF-Geschichten mit hohem Unterhaltungswert.

Zum Buch:


Für die ansehnliche Stärke von 618 Seiten ist das Buch ausgesprochen stabil verleimt, auch tragen die imprägnierten Buchdeckel, sowie der ebenso ausgeführte Rücken zu einem wertigen Eindruck bei. Typografische Gestaltung wird sparsam eingesetzt und stört in keinster Weise den Lesefluss. Die Haptik des Bedruckstoffes ist angenehm und der Druck schön ausgeführt, was sich auch in der wenigen schwarz-weiß Drucken am Ende des Bandes positiv niederschlägt. Die Wahl des Coverbildes ist Geschmackssache, meinen hat es nicht getroffen – zu stereotyp sexistisch aus meiner Sicht –, aber dies tut der Qualität der Erzählungen zum Glück keinen Abbruch 😉 .

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Tags: adriana wimperling, amanda wimperling, b.c. bolt, christian kuenne, dieter bohn, erzählungen, frank lauenroth, galax acheronian, gerd frey, irene maschke, jacqueline montemurri, janos teleki, julia annina jorges, kurzgeschichten, lara möller, matthias falke, modernphantastik, norbert fiks, olaf lahayne, olas kemmler, oliver koch, peggy weber-gehrke, raumfahrt, regina bott, science fiction, sven svenson, tobias reckermann, zeitreisen   (28)
 

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advent, adolf hölzl

Es kommt ein Schiff

Gottfried Natalis
Fester Einband: 75 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 16.09.2013
ISBN 9783458193890
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun“ (Die gute Nacht – Bertold Brecht, S.45)

Zum Inhalt:

Gottfried Natalis hat auf 52 Seiten ein kaleidoskopartiges Kondensat weihnachtlicher Stimmungen arrangiert, welches geschriebenes Wort auf filigrane Art und Weise kombiniert mit bildlicher Expression. Einer farbigen Ausdrucksweise in der sich durch die Epochen hinweg Künstler an der Aufgabe der tiefgründigen Darstellung spiritueller Botschaften abgearbeitet hatten. Sei es nun die Kälte atmenden Winterlandschaften eines Pieter Brueghel, die warmen Farben Adolf Hölzels, die gediegene Klassik eines Tizian oder die archaischen Formen Emil Noldes.

In ähnlich bogenspannender Manier sind die Texte gewählt, mit Schwerpunkt auf lyrischen Eindrücken. Neben Klassikern der adventlichen Literatur, ausgesuchten Bibelstellen und bekannten Liedtexten finden sich auch durchweg etwas schwerer fassbare Stimmen, wie beispielsweise Bertold Brechts „Gute Nacht“.

Der Inhalt in chronologischer Reihenfolge:

Wachet auf, ruft und die Stimme – Philipp Nicolai Ein Winterabend – Georg Trakl O Heiland, reiß die Himmel auf – Friedrich von Spee Wo bleibst du Trost der ganzen Welt – Novalis Advent – Rainer Maria Rilke Ich steh an der Krippe hier – Paul Gerhardt Geburt Christi – Rainer Maria Rilke Zu Betlehem geboren – Friedrich von Spee Dezembernacht – Marie Luise Kaschnitz Friede auf Erden – Conrad Ferdinand Meyer Heilige Nacht – Ludwig Thoma Maria – Bertold Brecht Die Hirtenstrophe – Peter Huchel Epiphanias – Johann Wolfgang Goethe Die heil’gen drei Könige aus dem Morgenland – Heinrich Heine Es kommt ein Schiff geladen Am Weihnachtstage – Anette von Droste-Hülshoff Die gute Nacht – Bertold Brecht Knecht Ruprecht – Theodor Storm Weihnachtslied – Theodor Storm Tannennadeln – Wladimir Majakowski Weihnachten – Joseph von Eichendorf

Fazit:

Neben einem ungemein attraktiven Äußeren, liegt der Reiz dieses Bandes v.a. in der durchwegs auch ambivalent zu nennenden Auswahl an bildnerisch Künstlerischem und literarisch Eingängigem bis Forderndem. Fordernd in einer durchweg positiven Art des Sich-Auseinandersetzens mit der Zeit des Erwartens, des Advents, fokusiert auf jenes Ereignis, das für Christen jeder Couleur zu einem Eckpfeiler ihres geistlichen Weltbildes gehört.

Zum Buch:


Die Buchdeckel der einzelnen Bände der Insel-Bücherei werden seit jeher individuell auf das einzelne Buch zugeschnitten und ebenso verhält es sich auf sehr dezent stimmige Weise mit dem Band Nr. 1041. Die unaufdringlich weihnachtliche Gestaltung macht ihn zu einem Blickfang, führt den Leser, den Betrachter über zu den wunderschön gestalteten Textpassagen, ebenso wie den ausgezeichnet realisierten Farbdrucken. Dem Texterleben steht keine aufdringliche Typografie im Weg. Einzig das Wort soll wirken. Eine solide Bindung, sowie der in seiner Haptik ausgesprochen angenehme Bedruckstoff runden das Gesamtbild eines handwerklich überaus gelungenen Bandes ab.



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Tags: adolf hölzl, advent   (2)
 

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christoph zachariae, ödlands, abenteuer, collin m. winkler, postapokalyptisch

ÖDLAND - Der Keller

Christoph Zachariae
Buch: 240 Seiten
Erschienen bei LUCID DREAMS, 17.07.2015
ISBN 9783000501104
Genre: Fantasy

Rezension:

„…Narben, die Landkarte der Schmerzen…“ (S.220)

Zum Inhalt:

An Tristesse ist die Welt wenige Jahrzehnte nach dem großen Crash wohl nicht zu überbieten. Die wenigen Überlebenden vegetieren in Kleingruppen dahin, das Gesetz des Stärkeren, aber vor allem jenes des Skrupelloseren regiert. Nur an wenigen Tagen schafft es eine fahle Sonne durch den asche- und staubverhangenen Himmel ein oder zwei Bündel ihrer Strahlen auf ein ausgedörrtes, karges und beinahe lebloses Land zu werfen.

In dieser Welt findet eine Gruppe, deren Versteck die Kellerbauten einer verfallenden Universität sind, eine Kind vor ihren Toren: Mega. Man überwindet die anfänglichen Bedenken, holt es herein und gibt ihm ein zu Hause. Mega wächst auf, die Bande zu ihren Mitbewohnern werden enger, doch stets bleibt dieser Stachel im Denken, dass es ein Leben vor dem Keller gab. Ein Leben in dem Mega eine Geschichte hatte. Nicht zuletzt erinnert sie ein Tattoo unter dem Auge stets an eine Zeit an die sie keine fassbaren Erinnerungen hat.

In all diese Grübeleien kommt die kalte Erkenntnis, dass es den wenigen Menschen im Keller an essentiellen Ersatzteilen fehlt, um ihre überlebensnotwendige Wasseraufbreitungsanlage in Funktion zu halten. Viele wurden schon ausgeschickt, an die Oberfläche ins Ödland geschickt, um eben diese Teile zu suchen. Alle hatte das Glück nicht auf ihrer Seite. Mega erreicht ein Alter in dem sie zum einen ihren Rettern etwas schuldig zu sein glaubt, zum anderen mehr über die Welt da draußen erfahren will. So ist sie die logische, vielmehr einzige noch zur Verfügung stehende Chance, der Gemeinschaft Hoffnung zu geben. Ausgestattet mit einem soliden Training und allem an bescheidener Technik, aber einer Unmenge an guten Wünschen und Hoffnung beginnt sie ihre ungewisse Odyssee in eine Welt in der Grausamkeit die einzig gültige Währung scheint…

Parallel zur Geschichte Megas tritt Hagen auf die Erzählbühne. Als Anführer eines Haufens marodierender Männer, wird er von diesen respektiert, nicht zuletzt aufgrund seiner kalten, berechnenden Führungsqualitäten, die er stets auf’s Neue unter Beweis stellen muss. Denn nichts ist hier draußen tödlicher als Schwäche. Härte, intrigante Berechnung, Gräueltaten und Gewalttätigkeit prägen die Tage des barbarischen Haufens unter Hagens Führung. Zwischen Hagen und Mega scheint es einen Konnex zu geben, der jedoch mehr als vage bleibt….

Fazit:

Christoph Zachariaes Auftakt der „Ödland“-Story ist in sich stimmig, bildgewaltig, ernüchternd und von spröder Schönheit, sofern man dies von einer Dystopie behaupten kann. Der Text ist aufgrund seiner expliziten Schilderung von Gewalt in einer postapokalyptischen Welt nichts für zart besaitete Gemüter. Doch eben diese Schonungslosigkeit wird nicht um ihrer selbst willen heraufbeschworen, sondern legt sich über eine Welt deren Credo einzig und allein das Überleben ist – und zwar um jeden Preis.

Die eingängige Sprache Zachariaes verleiht dem Erzählfaden Spannung, ebenso wie Leichtigkeit, dies in einer Intensität, die man in vielen Dystopien teils vergeblich sucht. Dass der Band mit einem Cliffhanger endet liegt in der Natur der Sache – die Geschichte ist schließlich als Pentalogie angelegt – und macht definitiv Lust auf mehr.


Zum Buch:


Schon der erste Eindruck, welchen der Band vermittelt, schraubt die Erwartungen an die handwerkliche Kunst der Umsetzung in die Höhe. Und vorab kann schon festgehalten werden: der bibliophile Leser wird nicht enttäuscht! Vielmehr hält er ein Buch in Händen, welches mit Fug und Recht als Gesamtkunstwerk durchgeht. Neben solider buchbinderischer Verarbeitung in puncto Verleimung, Haptik und solider Buchdeckelausführung, fällt sofort ins Auge, dass hier typografisch, zeichnerisch und konzeptionell Profis am Werk waren.

Die künstlerische Gestaltung der Typografie ist gewagt, unterstreicht den Grundton der Erzählung, dies ohne sich unangemessen in den optischen Vordergrund zu drängen, jedoch immer unterstreichend präsent zu sein. Das Ensemble des Coverbildes drückt Stimmung, Timbre der Sprachmelodie und handwerkliche Raffinesse zu gleichen Teilen aus. In Sachen Gedrucktes ist der erste Band der als Pentalogie angelegten Reihe für mich definitiv ein Highlight dieses Lesejahres!

Was nicht grundsätzlich mit dem Buch zu tun hat, jedoch nicht unerwähnt bleiben sollte – und mithin der Grund meiner Titulierung als Gesamtkunstwerk ist – ist die Verfolgbarkeit der Entstehung / Weiterentwicklung der bewegenden Geschichte als hochwertig gestalteter Webinhalt unter folgendem Link „Ödland – Lucid Dreams“.




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Tags: abenteuer, action, christoph zachariae, collin m. winkler, deutsche literatur, dystopie, karin ostertag, kunst, ödlands, pentalogie, postapokalyptisch, robert hoffmann, terry winkler   (13)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

liebe, tod, geburtstag, sam bennet, erotik

Aufs Leben, die Liebe...und meinen Tod

Sam Bennet
E-Buch Text: 343 Seiten
Erschienen bei null, 03.04.2014
ISBN B00JGPDLPG
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Manchmal ist es gut, Dinge über den Menschen, den man liebt, nicht zu wissen.“ (S.309)

Zum Inhalt:

Penny Lane sieht sich von ihrer langjährigen Liebe Melot verlassen und rasant auf die gefühlte Mitte ihres Lebens zugehend vor einem persönlichen Abgrund desaströsen Ausmaßes. Dieser Ausblick des Verlassenseins – sei es nun von ihrem Partner, wie letzten Endes auch von ihrer Familie, ausgenommen ihrem Bruder – stürzt sie in eine derart tiefe Existenzkrise, dass ihr der Freitod als einziger gangbarer Ausweg erscheint.

Selbst Hand an sich zu legen entspricht jedoch nicht ihrem Naturell und so trifft es sich nicht schlecht, dass sie in einer Bar eine etwas undurchsichtige Schönheit mit dem bezeichnenden Namen Pearl trifft. Pearl erbietet der vom Schicksal so Gebeutelten ihre Dienste, bei deren Ableben hilfreich zur Seite zu stehen und zwar gegen den Obolus von 100.000$. Penny müsse sich dann um nichts mehr kümmern, könne noch den in Bälde anstehenden 30. Geburtstag mit großem Pomp und Gloria und v.a. der Abrechnung mit alle jenen, die ihre übel mitgespielt hatten in ihrem Leben, inszeniern. Gesagt getan! Penny macht den Deal… Sie rechnet jedoch nicht damit, dass das Leben eventuell doch noch die ein oder andere positive Seite verbirgt, die es zu entdecken gilt…

Eine dieser Seiten taucht ausgerechnet in der Person des ehemaligen Soldaten Martin auf. Sein Geheimnis entzieht sich lange Zeit der Erkenntnis Penny’s und sorgt für erhebliche Spannung zwischen den beiden. Dennoch entspinnt sich zwischen ihnen eine innige Bezeihung, deren Kulminationspunkt in einem furiosen Finale der Story ihre Auflösung in mehrerlei Hinsicht findet…

In dieser Printversion der Geschichte ist zusätzlich eine exklusive Kurzgeschichte enthalten, welche die Geschichte rund um Pearl nach dem diesbezüglichen Cliffhanger der Hauptgeschichte weiterführt.

Fazit:

Die Story ist auf jeden Fall spannend und geht definitiv als erotischer Thriller durch. Die Personen sind teilweise etwas stereotyp gehalten, aber in sich stimmig. In Zusammenspiel mit der beigegebenen Kurzgeschichte ergibt sich das runde Bild eines moderat nachvollziehbaren Handlungsgewebes in dem die Charaktere passend eingeflochten sind. Wer gerne Texte aus diesem Genre liest, sich an explizit verbalisierter Erotik nicht stört und vor rasanten Wendungen nicht zurückschreckt wird sich in diesem Text als Leser durchaus wiederfinden können.

Zum Buch:

Zuerst die guten Seiten: Der Buchblock mit immerhin stattlichen 504 Seiten ist stabil verleimt und ebenso stabil sind Buchrücken und Buchdeckel ausgeführt. Der Seitenbedruckstoff weist eine solide Haptik auf, der Druck wurde sauber ausgeführt und liefert ein scharfes Schriftbild auch bei den grafischen Elementen, die als grobtextuelle Trenner in den Text einfließen. Das künstlerisch treffend gestaltete Titelbild wertet den Einband des Buches definitiv auf.


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Tags: deutsche literatur, dissoziative identitätsstörung, ehe, erotik, krieg, liebesroman, rache, roman, sam bennet, soldat, suizid, thriller, traume   (13)
 

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319 Bibliotheken, 34 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

zamonien, fantasy, walter moers, gehirn, märchen

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Walter Moers , Lydia Rode
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 28.08.2017
ISBN 9783813507850
Genre: Fantasy

Rezension:

„Aber so ähnlich stelle ich mir den Schlaf vor: eine vorübergehende Erholung vom Sein.“ (S.250)

Zum Inhalt:

Dylia, von Geburt und Beruf Prinzessin, leidet an einer Krankheit: sie vermag so gut wie gar nicht zu Schlafen. Schlafen in der Selbstverständlichkeit, die jedem „normalen“ Wesen regelmäßig die Lider schwer werden lässt und es in das Land der Träume entführt.

Nicht nur, dass Dylia damit einen ganzen Stab an unterschiedlich begabten Medizinern, überschätzten Quacksalbern, höfischen Angestellten und nicht zuletzt sich selbst ständig auf Trab hält, sie beginnt mit ihrer so „gewonnenen“ Zeit eine Vielzahl teils grenzwertig schräger Beschäftigungen nachzugehen, um nicht aus Langeweile völlig durchzudrehen. Besonders ihre leidenschaftliche Vorliebe – und ausgeprägte Begabung – für Sprache(n) in Kombination mit einer schier endlosen Fantasie leisten ihr dabei unschätzbare Dienste.

So ist Dylia wenig überrascht, als sich ein Wesen von schillernder Faszination und ebensolcher Exotik in ihrem Bett – unpassenderweise atemraubend auf ihrer Brust – niederlässt und sich schlicht als Vertreter der Zunft der Nachtmahre vorstellt. Opal, so der Name dieses Geschöpfs macht gleich gar keinen Hehl aus seinem Auftrag, die Prinzessin nach allen Regeln der nachtmahrschen Kunst in den Wahnsinn treiben zu wollen – dies sei schließlich seine Aufgabe, sein Lebenszweck –, da es ja scheins mit der geistigen Gesundheit Dylias ohnehin nicht weit her sein könne. Schließlich müsse man dem Schlafentzug doch seinen Tribut zollen, Aristokrat hin oder her. Denn: „»Die Nachtmahre verwalten das Alptraumgeschäft. Wir, nun ja: organisieren alles«“ (S.77), so seine lapidare Rechtfertigung.

Es wäre jedoch nicht die selbstbewußte, lebenshungrige Dylia, würde sie die sprichwörtliche Flinte so schnell ins Korn oder den Verstand nebst Körper so schnell aus dem Fenster über die hohen Burgmauern werfen. Vielmehr trifft sie eine Vereinbarung mit Opal, ihn auf dem Weg zu den dunkelsten Ecken ihres Gehirns zu begleiten, nur um zu beweisen, dass sie sich ihren Dämonen zu stellen vermag ohne die Segel zu streichen – lies dem Wahnsinn anheim zu fallen.

Abenteuer beginnen im Kopf! Dieser Aphorismus bewahrheitet sich daraufhin auf alle nur erdenklichen Weisen auf der Reise Dylias und Opals durch die düsteren Abgründe, verwinkelten Untiefen, aber auch atemberaubenden Wunder des außergewöhnlichsten Gehirns, das Opal, nach eigenen Angaben, in seiner langen Karriere als Nachtmahr je gesehen hatte. Alles mit dem Ziel ins dunkle Herz der Nacht zu gelangen.

Opal und Dylia wohnen Ideengeburten bei, müssen sich vor Zergessern in Sicherheit bringen, begegnen Hirnschnecken und der Dylia so vertrauten Gehirnspinne in deren Schatzkammer, machen Bekanntschaft mit der Bürokratie der Egozetten, lernen das Flimmen und treiben sich auf dem Friedhof des Humors herum.

Auf eine fast morbide Art und Weise kommen die beiden sich näher, stets eine Schar Zwielichtzwerge im Schlepptau. Keinesfalls jedoch verliert Opal seinen Auftrag aus den Augen, seine Klientin in den Wahn zu treiben. Schließlich steht ja auch seine Berufsehre auf dem Spiel…


Fazit:

In der ihm eigenen liebevollen, frechen, teil etwas düster sarkastischen, aber stets mit einem Augenzwinkern zamonisch lebensbejahenden Art legt Moers seine Reise in einem der mysteriösesten Gebiete des Universums an: dem menschlichen Geist. Das durch diese Zeilen ein etwas anderer Geist weht, als durch jene des Schrecksenmeisters, Rumo, die Stadt der träumenden Bücher und einige mehr, gibt dem Text ein besonderes Flair. Es befremdet vielleicht Anfangs sogar ein wenig. Sich auf den Stil sowohl in Erzählweise, wie auch künstlerischer Expression der Bilder einzulassen wird mit einem irisierenden Leseerlebnis belohnt, welches man noch weit über die letzte Zeile hinaus weiterempfinden möchte.

Die Auseinandersetzung mit einer in Realiter existierenden Krankheit (ME/CFS)1) auf diese Art und Weise nötigt mir den denkbar größten Respekt sowohl für Autor als auch Künstlerin ab. In seiner Nachbemerkung zum Buch nimmt Walter Moers darauf auch bezug, mit klaren, unmißverständlichen Worten auf den Punkt bringend, dass der Planet Conatio aus der Geschichte seine sehr reale Entsprechung in unserer Wirklichkeit hat. Und wer könnte dies besser festhalten, als eine Betroffene wie Lydia Rode, deren gestalterische Handschrift den Text in mannigfach schöner Art im wahrsten Sinne des Wortes ergänzt, zu einem stimmigen, ausdrucksstarken Ganzen macht.


Zum Buch:

Mit Fug und Recht darf man den Band aus der Druckerei CPI books GmbH als rundherum gelungen und schön bezeichnen. Typografie und Farbgebung harmonieren, Bindung, Druckbild und Haptik sind vorbildlich, selbst die Farbe des Lesebändchens wurde mit Bedacht auf das Gesamtbild gewählt. Der im Text stets wiederkehrende Wechsel zwischen Opals und Dylias Sicht der Geschichte findet sein stimmiges Pendant in dem Unterschied zwischen dunkel gehaltener Schutzhülle und den hellen, farbenfrohen Buchdeckeln. Die feinen, stets themenbezogenen Illustrationen Lydia Rodes geben dem zamonischen Universum eine Facette, die so noch nicht existierte: fein ziseliert, farbig, frech, lebendiger denn je. Ein buchbinderisch, künstlerisch und gestalterisch markantes Kleinod für jedes Bücherregal.


1.) ME = Myalgische Enzephalomyelitis, CFS = Chronisches Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom; weitere Informationen dazu auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS

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Tags: chronisches fatigue syndrom, deutsche literatur, egozetten, fantasy, gehirn, kunst, lydia rhode, myalgische enzephalomyelitis, nachtmahr, psychologie, walter moers, zamonien, zergesser, zwielichtzwerge   (14)
 

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geschichte, ebook, kommunismus, ddr, italien

Eine Reise

Sigrid Kleinsorge
E-Buch Text: 241 Seiten
Erschienen bei null, 03.11.2017
ISBN 9781979195362
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Es braucht eine gewisse Standfestigkeit im Leben, um nicht von der Brutalität unfassbarer Tatsachen weggeschwemmt zu werden.“ (Pos.334)1)

Zum Inhalt:

Bahnhöfe, Orte die par excellence für Zufallsbegegnungen jene Bühne bieten, auf der sich in Sigrid Kleinsorges neuem Roman ein Journalist und eine weitere Reisende flüchtig treffen. Sie verlässt einige Stationen weiter das Zugabteil, lässt jedoch versehentlich Aufzeichnungen einer/ihrer Reisen zurück. Eine Gelegenheit für den Mitreisenden, dessen Aufmerksamkeit die Frau schon während des gemeinsamen Wartens am Bahnsteig erregt hatte, mehr zu erfahren über einen Lebensweg der nun einen Schnittpunkt mit dem seinen hat.

Der in kleinen und großen Historien wie Schmuckperlen aneinandergereihte Erzählfaden, beginnt durchaus in jenem geradlinigen Geschichtskonzept des Zeitstrahls in dem wir unsere scheinbar linearen Lebenswege gerne sehen (wollen). Schnell wird jedoch deutlich, dass dieses Leben in all seiner „Normalität“, seinem „nicht-exotisch-Sein“ hingegen eher einer Wäscheleine gleicht, an der die Ereignisse – den bunten Kleidungsstücken gleich – ihre Halt finden. Eine jener Leinen, die zwischen zwei Häusern endlos um zwei Rollen läuft, einem Universum immer neuer Geschichten in einem sich perpetuierenden Fluss menschlicher Schicksale in denen die Positiva keinesfalls selbstverständlich zur Tagesordnung gehören.

Gehalten von Gedächtnisbildern welche wiederum ihrer eigenen Dynamik folgend, eintauchen lassen in ein längst vergangenes, aber nicht minder farbiges Neu-Erleben. „Es genügt ein Blick, ein Geruch, eine Stimme, ein Geräusch, eine Atmosphäre und schon sind sie da, sind wachgekitzelt, kümmern sich keinen Deut darum, ob sie willkommen sind, ob sie zu den Lebensjahren gehören, in denen man sich herumtreibt oder über die man gerade nachdenkt.“ (Pos.641)

Es geht um eine Reise in mannigfacher Hinsicht. Eine Reise in klassisch geografischer Ausformung über Kontinente hinweg, einer Reise durch Geschichte en gros und im persönlichen Detail, durch politische Systeme, ihre schicksalshaften Weichenstellungen ungeachtet der Bruchgräben in Lebenslinien und Familienverbänden.

Fazit:

„Immer will ich zum Kern einer Geschichte vordringen, weil für mich die Welt aus Geschichten besteht, die zusammen das Universum ergeben.“ (Pos. 96). Mit diesem Satz könnte ich für mich die Texte Sigrid Kleinsorges in einer umfassenden Klammer subsummieren: er ist Programm, Credo, verinnerlichte Expression einer an der Realität erprobten Humanistin, weit jenseits jeglicher Schönrederei oder verklärter Weltsicht. Auch in „Eine Reise“ beweist die Autorin auf’s Neue ihr virtuos genutztes Gefühl für Details, unterschwellig menschliche Wahrnehmung der subjektiven Realitäten, der Geschichten, Lebens- und teils Leidenswege, die stets zwischen Scheitern und Reifen changieren lassen.

1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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Tags: alter, anette kannenberg, ddr, deutsche literatur, ebook, flüchtlinge, geschichte, gesellschaft, gesellschaftsroman, italien, kommunismus, kunst, liebe, mauerfall, politik, psychologie, reisen, reiseroman, roman, sigrid kleinsorge, sozialismus, südamerika, wende   (23)
 

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spionage, zeitreisen, kreisgrabenanlagen, fantasieroman, österreichische autoren

Im Bann der Kreisgräben

Rudolf Bulant
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 01.09.2016
ISBN 9783850287630
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„So denkt ihr Menschen immer, wenn etwas schiefläuft. Dass die Fehler bei euch selbst liegen könnten oder ganz andere Ursachen haben, auf diese Idee kommt ihr meist gar nicht“ (S.143)

Zum Inhalt:

Fritz Obersteiner, seines Zeichens Sprengmeister, hat in seiner langjährigen Karriere schon so manche knifflige Sprengung mit Bravour gemeistert. Eine ganz besondere Stelle im Steinbruch seines derzeitigen Chefs Stefan Krimmer, bereitet ihm jedoch gewaltiges Kopfzerbrechen. Nichts scheint hier nach Plan zu laufen und schon gar nichts glatt zu laufen, jedweder Physik zum trotz.

Just an dieser Stelle geschieht auch jene Reise in die Vergangenheit, welche ihn und eine kleine verschworene Gruppe in den Bann zieht: Ihre „Begegnungen“ mit den seit Äonen verstorbenen Menschen, deren Fleiß und Akribie Kreisgräbenanlagen in der Region zu verdanken sind, gestaltet sich zunehmend gefährlich, wenn auch ungemein interessant, wie v.a. Archäologe Dr. Martin Böhm seine Assistentin Nicole Brenner finden.

Nicht nur, dass jenes überaus plastische Erleben der Geschichte rund im die Heiler Skylar und Melvin Spannung genug bereithält, auch in der ganz realen Welt Obersteiners im Hier und Jetzt erfährt die Gruppe, dass es bei Weitem nicht allen Zeitgenossen gelegen kommt, was entdeckt wurde. Werfen doch eben diese Entdeckungen vieles als geschichtlich und gesellschaftlich selbstverständlich Empfundenes gründlich über den Haufen. So gilt auch hier: wer die Informationen kontrolliert sitzt an den Hebeln der Macht!

Der Werdegang und v.a. auch der Abgang von Melvin und Skylar, sowie der ihnen schutzbefohlenen Dorfgemeinschaften in einer fernen Vergangenheit, werfen ein volkommen neues Licht auf das Verständnis der Gegenwart. Dieses Vermächtnis bleibt nicht nur Historie, es umreist den Standort der Menschen in Zeit und kosmischem Raum…

Fazit:

Rudolf Bulant schreibt auch in seinem aktuellen Roman rund um die historischen Kreisgrabenanlagen in der ihm eigenen authentischen, durchaus spannenden und mit Lokalkolorit gewürzten Art. Verfolgt man seine bisherigen Werke so zieht sich stets ein Changieren zwischen solider, realer Bodenständigkeit und einer Welt dahinter, hinter dem als gegeben Hingenommenen, durch. Dieses irisierende Durchspielen von Denkmöglichkeiten resp. -welten macht seine Texte spannend, flüssig lesbar, leichttönig aber nicht seicht.

Ein Exkurs am Schluss des Textes wie es um die Kreisgräbenanlagen in Realiter dzt. steht, bezugnehmend auf historischen Hintergrund rundet ab Seite 285 die Geschichte ab, ja macht sogar neugierig, mehr über dieses archäologische Phänomen zu erfahren.

Zum Buch:

Der 288 Seiten starke Band fällt schon wegen seiner gelungenen Farbgebung resp. Motivwahl auf den Buchdeckeln auf. Eben diese Wahl zeigt sich als ein treffendes, den Text unterstützendes bildnerisches Plus, wobei die starke Verleimung des Buchblockes, ein sauberer Druck und eine dezent gehaltene Typografie das ihrige dazu beitragen ein schönes, ansprechendes Buch beim Leser abzuliefern.

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Tags: abenteuer, deutsche literatur, fantasy, kreisgrabenanlagen, liebe, neolithikium, niederösterreich, österreichische autoren, roman, rudolf bulant, science fiction, spionage, teleportatio, zeitreisen   (14)
 

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raimund fellinger, matthias reiner, günter grass, gesellschaft, insel bücherei

Lebenslang

Günter Grass
Fester Einband: 61 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 12.03.2012
ISBN 9783458193432
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

„nur Vorwand sind meine Fundsachen,
denn was ich suche,
bleibt unbestimmt.“ (S.7, Lebenslang)

Zum Inhalt:

Miniaturen hält Günter Grass in den verbalakrobatischen Wortkondensaten fest, Alltägliches lyrisch bannend wie ein Standbild, welches der Leser sich alle Zeit nehmend betrachten kann. Blickwinkel verändernd, Schlagschatten nachwandernd kann man sich in den Wortbildern verlieren die sowohl abschreckend simpel, als auch metaphorisch bis kryptisch Themen in den Lichtkegel der Aufmerksamkeit bugsieren.

Der Leser sollte die Tuchfühlung mit Allegorien nicht scheuen, denn „im Ofenrohr krümmt sich der Tod, weil ihm der Erstickungstod droht.“ ;-) (S.18, Inventar oder die Ballade von der zerbrochenen Vase). Mit feiner Klinge werden Befindlichkeiten, Menschliches (z.B. Ehe), Banales (z.B. Meine alte Tasche) oder gar Introspektives (z.B. Worüber ich schreibe) thematisiert.

Fazit:

Grass war / ist nie einfach, aber auf jeden Fall die Anstrengung oder vielmehr den Einsatz wert. Die aus 6 Gedichtebänden von Raimund Fellinger und Matthias Reiner freigestellten lyrischen Handarbeiten Grass‘ bieten trotz der vergleichbar geringen Zahl einen schönen einführenden Querschnitt seines dichterischen Werkes.

Zum Buch:

Stets bürgt die Insel-Bücherei mit ihren Druckwerken für Qualität und versucht höchsten bibliophilen Ansprüchen gerecht zu werden. So auch bei dem kleinen Gedichtband der durch einwandfreien Druck sowohl im Text, als auch bei den Abbildungen beeindruckt. Die Fadenheftung der einzelnen Bünde gibt dem stabilen Buchblock halt zwischen den festen Buchdeckeln, für deren grafische Gestaltung ein Motiv von Kleisterpapier der Künstlerin Gisela Reschke vervendet wurde.

Als Bedruckstoff wurde griffiges, holzfreies und alterungsbeständiges Werkdruckpapier verwendet. Gesetzt ist der Text aus der Schrift Sabon, mit einer schlicht gehaltenen Typografie, die einzig die Wirkung der Gedichte im Auge hat. Alles in allem ein sehr schön gestaltetes und bibliophil ansprechendes Lyrikbändchen.

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Tags: ätzradierung, bildende kunst, deutsche literatur, gedichte, gesellschaft, gisela reschke, günter grass, insel bücherei, insel verlag, kunst, lyrik, matthias reiner, raimund fellinger, sabon   (14)
 

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naher osten, ddr, sammlung, alexander-kröger-werkausgabe, alexander kröger

Der Geist des Nasreddin

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 230 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 14.09.2017
ISBN 9783945713365
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Prinzipien übertünchen Schwächen und Nöte, sind ein anderes Wort für Hader mit der Umwelt.“ (S.122)

Zum Inhalt:

Eben noch sah Nasreddin seinen Kopf auf dem Block des Scharfrichters. Der Grund: seine Liebe zu einer Frau, die gesellschaftlich weit über seinem Stand als Chodscha, als Lehrer rangierte und – was noch wesentlich mehr wog – von einem Herrschenden für sich beansprucht wurde.

Und plötzlich sieht er sich auf einem Markt wieder, umgeben von Wundern, die Tag für Tag mehr werden und scheinbar kein Ende nehmen wollen. Er schwankt zwischen der Überzeugung Allah hätte ihn ins Leben nach dem Tod berufen oder gar der Scheitan spiele ihm perfide mit. Nasreddin wäre jedoch nicht jener legendär gewiefte Schelm, als der er in die Geschichte einging, besäße er nicht den Geist, die Phantasie und v.a. den Willen sich diese neue Welt zu erschließen, in ihr einen Platz zu finden. Stets nach der Methode, „Sehen, hören,begreifen.“ (S.134)

Das Wie seiner „Zeitreise“ über 500 Jahre hinweg in die Jetztzeit vermag ihm nur jene Wissenschaftlerin näherzubringen, die das gewagte Experiment in Eigenregie inszenierte, welches (s)einen brillianten Geist für die Nachwelt erneut zum Leben erweckte. Doch immer mehr tut sich für sie ein Abgrund auf zwischen wissenschaftlicher Anerkennung und moralischer Verpflichtung gegenüber einem wachen Geist, der nicht darum gebeten hatte eine zweite Chance zu bekommen.

Fazit:

Nach der Lektüre der ersten Bände aus der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW)  ist man als Leser schon beinahe etwas fixiert auf die klassischen Science-Fiction Themen. Mit dieser Erwartungshaltung bricht der aktuelle Band „Der Geist des Nasreddin“ auf irritierend angenehme Art und Weise. In seiner liebenswerten Auseinandersetzung geht Kröger auf die Frage ein, wie ein Geist / Mensch mit dem Hineinkatapultiertwerden in eine völlig andere Zeit zurande käme. Wie würde die Kollision von religiösen, politischen und moralischen Ansichten einen regen Verstand beanspruchen? Wäre das Resultat Verzweiflung oder das Erkennen und Wahrnehmen von Chancen? Das Anlegen der Geschichte in einem islamischen Umfeld macht die Findung einer Quintessenz zum einen spannender, tendenziell aktueller, zum anderen durchaus aus lehrreich, ist man bereit auch abstrahierend statt religiösem Glauben auch jenen an Wissenschaft, Technik etc. mitzudenken.

Spannend ist auch hier wieder – wie in den allermeisten Texten Krögers – sein Optimismus, dass sich die Gesellschaft zum Bessern, d.h. zu einem bunten Miteinander entwickeln kann. So schreibt er bezüglich der Arbeit im Ort Chiwa den Eindruck der Wissenschaftlerin Anora: „Die Atmosphäre beeindruckte sie immer wieder. Trotz allen Ehrgeizes jedes Einzelnen arbeiteten die Leute nicht gegeneinander.“ (S.155) Auf der anderen Seite gibt es auch durchaus kritischere Sichtweisen, v.a. den politisch sozialen Idealismus von Anoras Vater betreffend: „Wenn schon Vaters Menschenfreundlichkeit nicht im Großen Früchte getragen hatte, so doch für dieses benachteiligte Wesen.“ (S.185)

Aus meiner Sicht ein interessanter, lesenswerter Entwurf zu einem Aspekt des Zeitreisethemas, wenn auch nicht der Weisheit letzter Schluss :-) .




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utopie, kommunismus, geschichte, philosophie, religionsfreiheit

Utopia

Thomas Morus , Alfred Hartmann
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 25.01.2002
ISBN 9783257204209
Genre: Klassiker

Rezension:

„Zu den Göttern ist es von überallher gleich weit…“ (S.16)

Zum Inhalt:

Grobtextuell setzt sich Morus‘ staatsphilosophische Schrift aus 2 Teilen zusammen, wobei ersterer in einer Art Streitgespräch verpackt die Kritik an den Willkührlichkeiten europäischen Rechts-, Staats- und Gesellschaftssystemen übt, mit besonderem Augenmerk auf jene Englands, deren Zusammenhänge Sir Thomas More nur allzu gut bekannt waren.

Im zweiten Teil entwirft er das sozialutopische Bild einer nach seiner Auffassung idealen Gesellschaft, die er auf der Insel Utopia ansiedelt. Im Plauderton, jedoch mit viel Esprit und Eifer schildert er reiseberichthaft seine Erlebnisse mit den in hohem Grad selbstbestimmten Einwohner einer sozialen Ordnung deren Grundfesten auf Werten wie Religionsfreiheit, Einheit der Familie, einem von der Allgemeinheit getragenen hochgeachteten Bildungsideal, dem Respekt und Ansehen des Individuums, sowie eines als Republik ausgeprägten Staatswesens getragen wird. Die Produktion der Güter ist auf jene konzentriert, deren Bedarf vorrangig ist, wodurch es dem Einzelnen möglich ist, mit einem Minimum an Arbeitszeit ein Maximum an Wertschöpfung für sich und die Gemeinschaft zu erwirtschaften, was wiederum Zeit für die individuelle Entwicklung in Sachen Wissen sowie sozialen und handwerklichen Fertigkeiten freispielt. Dabei besteht sehr wohl Arbeitspflicht für jeden Einwohner Utopias – ungeachtet seines Geschlechts –, jedoch für nur 6 Stunden täglich. Die Arbeitsaufträge werden auch in einem zeitlichen Rad immer wieder gewechselt, so dass Städter auf dem Land arbeiten und umgekehrt, was eine gegenseitige Wertschätzung der Arbeit, sowie eine breite Kompetenzenbildung fördert.

Wissenschaften, Philosophie und Staatswesen werden ebenso wie Religion hoch geschätzt, darauf achtend, dass Fanatismus und Exklusivitätsallüren kein Raum gegeben wird. In der Interaktion mit den Nachbarstaaten und der Erläuterung des eigenen Strafrechtssystems wird schnell klar, das die Utopier nicht davon ausgehen, dass alle Welt stets jedem wohlgesonnen ist. Auch hier entspinnt Morus ein komplexes Gewebe an diplomatischen Regeln, rechtstaatlichen Sanktionen und Überlegungen u.a. zur Staatsräson, wie es z.B. möglich wäre Rechtsbrechern entweder eine Chance auf Rehabilitation oder eine Abschreckung zu geben, die der Schwere des Vergehens angemessen wäre. (Ein Thema, welches er im ersten Teil des Werkes anhand der Todesstrafe sowohl für Diebe, als auch für Mörder ausführt, davon ausgehend, dass dies der falsche Weg sei.) In ähnlicher Form thematisiert er auch das heiße Eisen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten.

Fazit:

Über Thomas Morus (um den 7. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535Werk ebenfalls in Londong) „Utopia“ wurde bereits viel geschrieben, geforscht und veröffentlicht, was also hier noch dazu schreiben?

Was mich bewegte den Text zu lesen war… der Titel, und der Nimbus, der dieses Werk umgibt, das immerhin nicht selten als genrebegründend angeführt wird. „Utopia ist der Titel eines um 1516 veröffentlichten Romans des Humanisten Thomas Morus (Thomas More), der namensgebend für die utopische Literatur war (Originaltitel: De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia, „Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia“)1) 2). In der Übersetzung von Alfred Hartmann gelingt es zum einen das Timbre Morus‘ Zeit zu erhalten, zum anderen aber auch eine Portierung der humanistischen Grundideen in die Jetztzeit zu erreichen. Und auch wenn es – wie schon der Titel besagt – eine Utopie ist, so wären Politiker, kirchliche Würdenträger und soziale Entscheidungsträger jeden Couleurs gut beraten dieses Werk als Pflichtlektüre anzusehen.

Die Probleme, Zielsetzungen und einige überlegenswerte Ansätze in „Utopia“ sind keineswegs überholt, nur weil sie vor einigen hundert Jahren bereits jemand verschriftlicht hatte. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es ist und bleibt ein beeindruckender Entwurf einer Gesellschaft deren Ideale durchaus erstrebenswert genannt werden dürfen. Ernst Bloch titulierte es einen „der edelsten Vorläufer des Kommunismus“ (Bloch 1985, S. 601)3).

Hilfreich für das Textverständnis in diesem Band sind die beiden Schlusskapitel „Anmerkungen“ und „Erasmus von Rotterdam über Thomas More“.  Ersteres versucht u.a. Licht auf die von Autor verwendeten „in spielerischen Willkür aus griechischen Bestandteilen zusammengestückelten Eigennamen“ (S.185) zu werfen. Zweiteres charakterisiert die Person Morus‘ aus Sicht seines treuen Freundes Erasmus von Rotterdam.

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Tags: alfred hartmann, bildung, diplomatie, erasmus von rotterdam, ernst bloch, eutopie, fantastisch-utopische literatur, geschichte, gesellschaft, glaubensfreiheit, kirche, klassiker, kommunismus, meinungsfreiheit, philosophie, politik, rechtssprechung, religionsfreiheit, romane, science fiction, sociological science fiction, sozialismus, soziologie, staatswesen, thomas morus, utopie, wehrdienst   (27)
 

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rumination, neurobiologie, sachbuch pädagogik & psychologie, biologie, metakognitive therapie

Grübeln

Tobias Teismann
Geheftet: 136 Seiten
Erschienen bei BALANCE Buch + Medien Verlag, 26.03.2014
ISBN 9783867390811
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Grübeln Sie nicht, denken Sie nach“ (Klappentext)

Zum Inhalt:

Tobias Teismann geht in seinem Text auf Auslöser, Inhalte und Konsequenzen des Grübelns ein, wobei er versucht eine möglichst klare Abgrenzung zwischen belastendem, stetig wiederkehrendem Grübeln (=Rumination) und dem intensivem, zumeist produktiven Nachdenken zu finden versucht.

Dabei bleibt er nicht bei den Erklärungen stehen, sondern bietet dem Leser zahlreiche „Werkzeuge“, mittels derer Denkschleifen unterbrochen und über entsprechend längere Zeiträume sogar abtrainiert werden können, nach dem Motto: „Um das Grübeln zu überwinden, muss man also mehr Kontrolle über die Ausrichtung der eigenen Aufmerksamkeit gewinnen.“ (S.55)

Die Handschrift des Wissenschaftlers ersieht man aus der systematischen Annäherung an das Phänomen: Ausgehend von der Frage, was Grübeln ist und wie es sich auswirkt, spannt Teismann den Bogen über die Abklärung wer denn primär dazu neigt hin zur Ursachensuche und letztendlich zu Herangehensweisen für die Überwindung depressiven Grübelns. Teismann beleuchtet hier u.a. Achtsamkeitsmeditation und Aufmerksamkeit, hinterfragt die Versprechungen des Grübelns1) und legt in einem kurzen Exkurs einen Fokus auf die Technik des expressiven Schreibens2).

Fazit:

Ein durchaus interessantes – wenn auch grenzwertig kurzes – Buch zu dem Thema Rumination. Die Kapitel lesen sich flüssig, der Inhalt ist gut nachvollzieh- und v.a. umsetzbar. Die klare Trennung der Textteile in rein informative und solche die der Selbsthilfe dienen erleichtert den Einstieg v.a. für Betroffene, ohne dabei Hintergrundwissen sträflich links liegen zu lassen. Dieser Fokus auf die Hilfestellung klingt in folgendem Zitat nach: „Grundsätzlich geht es ja nur darum, dass Sie entscheiden können, in welchen Situationen Sie Grübeln bzw. nicht grübeln wollen. Es geht nicht darum, dass man nie und nimmer Grübeln darf! „ (S.103)

Als ausgesprochen positiv sei noch erwähnt, dass die Arbeitsblätter vom Verlag unter dem Link zum Buch als Download zur Verfügung gestellt werden, was das praktische Nachvollziehen der Übungen erheblich vereinfacht.

Zum Buch:

Mit dem Ratgeber aus dem BALANCE buch + medien Verlag hält man ein sehr solide gestaltetes Arbeitsbuch in Händen. Die stabile buchbinderische, wie auch geradlinige künstlerisch drucktechnische Gestaltung sind gut gelungen, die Typografie ansprechend und dem Thema zuarbeitend. Didaktisch fällt sowohl die optische Gliederung durch dezente farbliche Hervorhebungen auf, wie auch die klare optische Abgrenzung von Arbeitsblättern und Informationstext.

Der Buchblock ist stark genug verleimt, um für ein vielgenutztes Buch geeignet zu sein, zum anderen jedoch ausreichend Flexibilität zu bieten, es auch mal offen liegen zu lassen. Der Druck sowohl im reinen Textbereich, wie auch jener der Grafiken weist keinerlei Mängel auf, was zu einer angenehmen Leseerfahrung beiträgt.

1.) Ein weiterführender interessanter Onlineartikel findet sich hier

2.) Sieh hierzu auch das „Magazin für Psychologie aware“ hier

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Tags: achtsamkeit, angst, biologie, depression, gesellschaft, iga bielejec, kognitive verhaltenstherapie, marijus auruskevicius, meditatio, metakognition, metakognitive therapie, neurobiologie, neurose, psychologie, rumination, ruth von brachel, sorgen, sven hanning, tobias teismann, ulrike willutzki   (20)
 

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alexander kröger, utopie, ddr, alexander-kröger-werkausgabe, akw

Antarktis 2020

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 21.07.2017
ISBN 9783945713341
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Ein gewonnener Mensch ist ein Motor, ein gezwungener eine Bremse.“ (S.187)

Zum Inhalt:

Selbstverliebt, unreif und verwöhnt. So könnte man Thomas Monig kurz und prägnant beschreiben. Als junger Absolvent mit solider Ausbildung in Vermessungstechnik glaubt er die Weisheit mit dem legendären Löffel gefressen zu haben. Evelyn, seine Gefährtin, hatte ihm dies schon mehrfach verdeutlicht und sieht sein ausgedehntes Praktikum in einem global agierenden Konzern zum einen als Entwicklungschance – v.a. für seinen Charakter –, aber auch als eine Art Test für ihre Beziehung.

Eben dieses dreiteilige Langzeitpraktikum welches in der Antarkis in Titangora, auf einer künstlichen Insel genannt New Maori in wärmeren Gefilden und anschließend in der segenden Hitze der Sahara zu absolvieren ist, führt Thomas in eine andere Welt, deren herbe Schönheit, aber auch unnachgiebige Härte ihn zu einem Anderen macht. Die Art seiner Arbeit, sein Blick auf soziale Gegebenheiten, der Vergleich seines recht wohl behüteten Lebens mit anderen Kulturen, anderen Lebensentwürfen –auch gescheiterten – lassen ihn erfahren, dass es mehr als das Konzept ICH-MEINER-MIR-MICH gibt. Und es zeigt ihm auf, wie weit er seine persönlichen Grenzen zu erweitern vermag, was Freundschaft, Kollegialität und Zuneigung zu bewegen vermögen, welche Klüfte sich jedoch auch durch eine globale Abrüstung im gesellschaftlichen Gefüge der Erde aufgetan hatten.

Keine der drei Stationen seines Praktikums sollte er jemals wieder vergessen, keinen seiner Gefährten leichten Herzens verabschieden und mit jeder gewonnenen sozialen wie fachlichen Kompetenz mehr und mehr zu einem reiferen Mann und wertvollen Partner werden.

Fazit:

Den Text und mit ihm die Einstellung Krögers zu Wertigkeiten in einer potentiell global friedlichen resp. befriedeten Gesellschaft kann man durchaus kontroversiell diskutieren. Wie im Klappentext bereits erwähnt kann er „…auch heute noch zum Nachdenken anregen, obwohl der gesellschaftliche Hintergrund von der Entwicklung überholt wurde.“ Die Abrüstung ist als Faktum realisiert. Dies mit nicht nur positiven Folgen: Überangebot an Arbeitskräften durch ehemalige Soldaten deren Ausbildung nicht am Arbeitsmarkt orientiert war; das Herauskristallisieren von Gesellschaftsschichten minderer und höherer Bezahlung und Aussichten auf Realisierung eines erstrebenswerten Lebenszieles; Kriegsmaterial, welches nur noch Dienst tun sollte, bis es „vom moralischen zum physischen Zerfall geworden war.“(S.118).

Kröger zeichnet ein durchwachsenes, jedoch nicht allzu kritisches Bild einer stark hierarchischen orientierten Gesellschaft, deren Individuen sich primär darüber zu definieren scheinen, wie sie sich in ihr durch Arbeit für ein größeres Ganzes – man könnte es auch Kollektiv nennen – definieren können. Die Menschheit prescht vor, versucht aus der Erde eine Art Garten Eden unter Einsatz enormer technischer Mittel zu schaffen. Ja man greift sogar in den kühnsten Ideen  – wenn auch nur in Nebensätzen erwähnt – bereits nach den Sternen.

Letzten Endes jedoch ist es noch immer der einzelne Mensch, dessen soziale Qualitäten über Wohl oder Weh entscheiden – sein eigenes, wie das seiner unmittelbaren Umgebung oder in letzter Konsequenz der globalen Gesellschaft.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 4 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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akw, alexander kröger, gentechnik, utopie, kalter krieg

Expedition Mikro

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 306 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 18.08.2017
ISBN 9783945713358
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Mir jedenfalls flößt alles Respekt ein, was lebt, selbst wenn es uns Menschen im Augenblick nicht sosehr nützlich erscheint.“ (S.115)

Zum Inhalt:

Die Welt der Mikros , wie die genetisch verkleinerten Menschen auch genannt werden, stößt nach Generationen der abgeschotteten Entwicklung  an ihre Grenzen. Grenzen des zusehends mehr zerfallenden Schutzraumes, Grenzen der gesellschaftlich sozialen Belastbarkeit und Grenzen der Gesundheit.

Nachdem von der ersten großen Expedition auch nach langer Zeit des Hoffens und Wartens keine Rückmeldung erfolgte, wird ein zweiter ambitionierter Versuch mit der Ozean II gestartet. Die Mannschaft aus hochmotivierten und -qualifizierten Männern und Frauen startet in’s Ungewisse, getrieben von der Hoffnung Kontakt aufzunehmen. Kontakt zu den Makros. Jenen Wesen, um die sich Geschichte und Geschichten ranken.

Als es schlussendlich gelingt die großen Menschen ausfindig zu machen stellen sich Fragen, deren Tragweite erst peu à peu überschaubar wird: Wissen sie überhaupt von der Existenz der Kleinen? Kann es wirklich sein, dass sie die großen Brüder und Schwestern sind? Wie können Gesellschaften die sich über viele Jahrzehnte getrennt entwickelten zusammenfinden, Gemeinsames erarbeiten? Und sind sie wirklich bereit zu helfen, v.a. nachdem sie das gut gehütete Geheimnis des Ursprungs der Mikros erfahren haben?

Fazit:

Mit „Expedition Mikro“ nimmt Alexander Kröger seine Leser mit in eine Welt, in der die miniaturisierten Menschen mit gänzlich anderen physikalischen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben, als dies bei den Großen der Fall ist. Sei es die Oberflächenspannung des lebensnotwendigen Wassers, die Aggregatzustände der Treibstoffe ihrer Fortbewegungsmittel oder die simple Aufgabe – aus Sicht der Mikros – enorme Strecken zurückzulegen, um das keinesfalls gesicherte Ziel der Kontaktausnahme mit den Makros zu erreichen.

Vordergründig geht es um teils halsbrecherische Bewährungsproben in denen schon mal Fische zu Seemonstern und Ameisen zu Fressfeinden werden. Ein wenig dahinter klingt jedoch stets die Auseinandersetzung Krögers mit aktuellen Themen wie Überbevölkerung, Abrüstung, Gentechnik und der generellen Entwicklung der Menschen als soziales Wesen an. Wie solche Themen auch heute präsent sind zeigt u.a. der aktuelle Film „Downsizing“ von Alexander Payne (Trailer), freilich mit einem gänzlich anderen sozialphilosophischen Hintergrund.

Krögers grundsätzlich gesellschaftsutopische Einstellung der (moralischen) Entwicklung des Menschen zum Besseren ist auch in diesem Text unübersehbar. (Pointiert zusammengefasst, hat diesen Grundtenor Alexander Baumbach in einem Artikel zu Krögers „Sieben fielen vom Himmel“ , einem Buch das auch hier im Rahmen der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) rezensiert wurde.) Die Welt der großen Menschen, Makros genannt, wie auch jene der kleinen Menschen wird bevölkert von größtenteils integren, der Gemeinschaft verpflichteten Individuen, die zwar nicht gänzlich altruistisch agieren, deren zentrale Lebensprämisse jedoch das Vorantreiben der menschlichen Vervollkommnung in einer politisch wirtschaftlichen Gemeinschaft ist, in der der Einzelne sowohl nach bestem Wissen gefördert wird, als auch diese Gemeinschaft mit seinen Gaben, seinem Wissen zu vervollkommnen trachtet.

Auch wenn es manchem als augenscheinliche Selbstverständlichkeit erscheint, schließlich wird das Buch nicht selten als genrebegründend geführt, so fielen mir die vielen Parallelen zu Thomas Morus‘ „Utopia“ des Gesellschaftsentwurfes in Krögers Weltbild besonders auf. Insbesondere in den Passagen über die Bedeutung resp. Bedeutungslosigkeit von Geld als Macht- und Zahlungsmittel wird dies z.B. auf S.203f plastisch hervorgehoben.


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Tags: abrüstunng, akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, dd, deutsche literatur, eutopie, gentechnik, kalter krieg, klaus brandt, lieb, mikrokosmos, miniaturisierung, moral, scinece fiction, sociological science fiction, überbevölkerung, utopie, wilko müller jr.   (19)
 

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erzählungen, kurzgeschichten, ulrike stephan, roswitha grüttner, wolfgang freitag

Lichtjahr 5. Ein Phantastik-Almanach.

Autorenkollektiv.
Fester Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Berlin, Verlag Das Neue Berlin,, 01.01.1986
ISBN B002KJ98P2
Genre: Sonstiges

Rezension:

„»Alles was wir von der Welt wissen, sind Umschreibungen unserer Unwissenheit.« Wilhelm Raabe“ (S.69)

Zum Inhalt:

Der Band 5 der Lichtjahr-Serie steht in der Tradition seiner Vorgänger und bietet neben Geschichten von bekannten Kapazundern aus dem Genre wie z.B. den Strugatzkis, Le Guin oder den Steinmüllers auch wieder Beiträge, die sich mit der Positionierung der SF innerhalb des weiten Feldes der Literatur, sowie mit deren Erzähltheorie(en) beschäftigt. So nimmt Werner Förster mit auf eine spannende Achterbahnfahrt durch die SF-Welten verschiedenster Autoren, stets mit einem verschmitzten, beinahe schelmischen Unterton, den Leser auffordernd auf dem Feld der Phantastik die Spreu vom Weizen zu trennen, stets darauf achtend, die Unruhe nach einer „guten“ Geschichte zu wahren.

Erik Simon, Herausgeber auch dieses Bandes, versucht in seinem Beitrag eine Abgrenzung von SF und Fantasy und auch Karsten Kruschel, den mancher als Verfasser der Vilm-Romane kennt, ist mit einem kritischen Text „Zur Problematik von Partnerbeziehungen, Liebe, Sexualität und Erotik in der Science-fiction der DDR“ (S.210) vertreten. (Einige seiner Veröffentlichungen finden sich auch hier auf dem BLOG)

Wie im einführenden Text schon erwähnt wird, setzte sich Erik Simon diesmal das Ziel auch „andere Gebiete der Phantastik vorzustellen, vor allem die in der DDR bisher kaum als eigenständiges Gebiet hervorgetretene Fantasy.“ (S. 1)

Ein weiteres Highlight ist die Fortsetzung der Bibliographie aus den vorigen Büchern für die Jahre 1980 bis 1983 durch Olaf R. Spittel.

Enthaltene Erzählungen:

Dinge – Ursula K. Le Guin Ein Kasten voll Dunkelheit – Ursula K. Le Guin Die Schwester des Märchens – Erik Simon Aus den Legenden von Cotrahviné – Tais Tseng Noah – Detleff Budde Die Strahlung – Jörg Mosch Der Traum – Klaus D. Krüger Die Legende vom einbeinigen Besucher – Arkadi und Boris Strugatzki Sterntaler – Angela und Karlheinz Steinmüller Baba und die zweiundvierzig Stiere – Alfred Leman Durch Zeiten und Räume – Werner Förster Höher als Wolken, Berge und Himmel – Pawel Amnuel Klick! – Ljubow und Jewgeni Lukin Erwachen – Ljubow und Jewgeni Lukin Die letzte Chance – Miloš Ščepka Vier Aspekte der Science-Fiction-Literatur – Ognjan Saparew Das große Annäherungsmanöver – Karsten Kruschel Am Rande zur Ewigkeit – Jörg Gernreich Lotsendienst, ganz alltägllich – Andreas Melzer Fluchtweg achteraus – Andreas Melzer

Fazit:

Neben den textkritischen Artikeln, der Bibliografiefortsetzung und den grafischen Leckerbissen, gelang es Erik Simon in diesem Band erneut einen äußerst interessanten Bogen zu spannen, der den Leser von SciFy zur Fantasy und zurück geleitet. Aus meiner persönlichen Sicht sticht dabei die Erzählung Pawel Amnuels „Höher als Wolken, Berge und Himmel“ besonders hervor, einer Metapher auf die Fähigkeit des menschlichen Entdeckergeistes, auch den dichtesten Nebel der Unwissenheit und des Widerstandes überwinden zu können.

Unter dem berühmten Strich  ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich im Bereich der Phantastik im weiteren Sinne wiederfinden.


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fantasy, das rad der zeit, high fantasy, magie, robert jordan

Die Rückkehr des Drachen

Robert Jordan ,
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.10.2005
ISBN 9783492700832
Genre: Fantasy

Rezension:

„Wir sind alle verwundbar im Schlaf, und der Schatten ist in der Nacht besonders stark.“ (S.99)

Zum Inhalt:

Die Fäden welche das Rad zum Gewebe der Zeit verspinnt, jenem, welches man Geschichte nennt, scheinen lockerer zu sein. Doch nur von außen betrachtet, reisen doch die ehemals aufs Engste zusammengeschweißten Gefährten oft allein. Allen voran Rand al´Thor, um seine Freunde nicht zu gefährden, sollte er dem Wahnsinn verfallen, wie die Männer vor ihm, denen der Zugang zur Einen Macht möglich war. Ein Getriebener stets am Rand eines Alptraums, den er mittlerweile sein Leben nennt oder jenem Bruchstück, welches davon noch intakt scheint.

Die Frauen Nynaeve, Egwene und Elayne, die sich verpflichteten, sich um Mat’s Genesung zu kümmern, indem sie ihn ins Zentrum der Macht der Aes Sedai bringen. Perrin, einerseits seine Gabe mit den Wölfen zu denken, zu kommunizieren verfluchend, andererseits nicht mehr davon loskommend in einer Art Hassliebe.

Und wie bereits zuvor Moraine, Fäden beobachtend, Fäden ziehend – so glaubt sie zumindest –, die zusammen mit ihrem Beschützer Lan versucht den finsteren Bestrebungen all ihr Wissen und ihre Macht entgegenzustellen. Im Glauben die Pläne des Dunklen Königs vereiteln zu können, ist es nicht selten sie, die erleben muss, wie machtlos sie eigentlich dem Rad ausgeliefert ist, wie sehr Ta´veren seinen eigenen Spielregeln folgt, jenseits äonenalten Wissens gehortet von diversen Ajas innerhalb der Aes Sedai. Um so tiefer trifft auch die Erkenntnis, das viele der Mythen – und darunter fallen auch die rund um die Schwarzen Aes Sedai – nicht nur Schauermärchen für unfolgsame Kinder sind.

Dreh- und Angelpunkt, zumindest in der als real angesehenen Welt, ist Tear. Dort findet sich die Festung genannt der „Stein von Tear“ in dem die Hochlords das unberührbare Schwert Callandor verwahren. Die Reise dorthin gestaltet sich für jeden der Ta´veren und ihre mehr oder weniger freiwilligen Begleiter zu einer Herausforderung, die oft nicht weniger als ihr Leben einfordert… und dies nicht nur in einer als wirklich, greifbar empfundenen Welt. Es sind vor allem die Abgründe der Träume, Visionen und Ahnungen, die Kompass, Karte und Sextant in einer Zeit in der alles aus den Fugen gerät bilden.

Fazit:

Den Namen Fantasy-Zyklus verdient Robert Jordans allemal. Die Geschichte rund um Rand al´Thor und der mit seinem Schicksal verwobenen Begleiter gewinnt mit „Die Rückkehr des Drachen“ weiter an Tiefgang. Die Balance zwischen der Ausformung einer detailiert, beinahe minutiös ziselierten Welt und temporeichen Szenen wechselt gekonnt ab. Langatmigkeit kann dem Text beileibe nicht nachgesagt werden, ebensowenig Oberflächlichkeit. Jordan lässt sich Zeit damit die Handlung ebenso wie die Akteure stimmig herauszuarbeiten. Ergebnis ist eine wunderschöne, akribisch gestaltete, stilistisch und erzähltechnisch harmonische Weltengeschichte, die an Vielschichtigkeit und irisierender Brillianz ihresgleichen sucht. Zum Glück geht die Saga noch einige Bände weiter, denn auf die Entführung in die Welt Gefährten aus der Gegend der zwei Flüsse freut man sich stets erneut.

Zum Buch:

Auch der dritte Band setzt die sehr wertige Gestaltung und Verarbeitung der Serie fort. Eine ausführlichere Beschreibung dazu findet sich bei Band 2 „Die Jagd beginnt“.

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krieg, geschichte, afghanistan, amputation, künstliche gelenke

Anatomie eines Soldaten

Harry Parker , Johannes Sabinski
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Benevento, 09.11.2016
ISBN 9783710900020
Genre: Romane

Rezension:

„Das bin nicht ich, dieser kaputte Körper, das bin ich einfach nicht.“ (S.166)

Zum Inhalt:

Soldat BA5799 trägt Verantwortung. Verantwortung für sich und eine Gruppe ihm unterstellter Soldaten. Und er ist sich dessen bewusst, macht sich Gedanken, nimmt seinen Auftrag und seine kameradschaftliche Pflicht nicht auf die leichte Schulter. Er will aber auch verstehen, was er hier fernab von zu Hause verteidigt, wofür er einsteht – immerhin mit nichts weniger als seinem Leben.

Dieses Leben ist es, das eine Landmine beinahe einfordert. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Wimpernschlag und er wird vom wertvollen Menschen / Soldaten zum belastenden Kriegsversehrten. Den Weg dorthin beschreiben schlaglichtartig Gegenstände. Banale,alltägliche Gegenstände wie Düngersäcke, Tuben welche der Beatmung dienen, Feldstiefel, ein Rucksack…

Das Leben, die Geschichte des Protagonisten gleicht einem Dreiklang, dessen Widerhall den Leser nicht selten atonal aus dem Konzept bringt. Zum einen das Leben als Soldat, beinahe selbstverständlich, „normal“, einer gewöhnlichen Arbeit nachgehend. Zum anderen das Leben als Rekonvaleszenter auf der Schneide der Sense von Gevatter Tod, nicht wissend ob man(n) auf die eine oder andere Seite derselben kippt, ob es noch einen Tag danach geben wird. Und als dritter im Bunde ein Lebensstrang, den es sich zu erarbeiten gilt: das Leben als Versehrter, Behinderter, Stigmatisierter, als Ausschussware der Kriegsmaschinerie… oder als anderer, aber vollwertiger Mensch.

Dabei geht es nie explizit um ein moralisierendes Anklagen wessen auch immer. Es geht um das ganz persönliche Schicksal von BA5799 geschildert von den unpersönlichsten Dingen, eine Distanz schaffend, die den Abgrund des Vorher und Nachher noch um ein vielfaches tiefer und schwärzer erscheinen lässt. Einen Abgrund der das Potential in sich trägt jeden zu verschlucken, der nicht um seinen Wert kämpft, der keinen Rückhalt in sich selbst und keinen Ankerpunkt in einem neuen, einem zweiten Leben zu finden vermag.

Fazit:

Harry Parker weiß, wovon er spricht. Und das tut er ohne Filter, ohne unnötiges Pathos, ohne Beschönigungen. Er changiert glaubwürdig zwischen dem pflichtbewussten Soldaten und dem Menschen, der zum einen die Bewohner eines fremden Landes zu verstehen sucht, zum anderen sich zurückkämpft in ein „normales“ Leben  in der ihm vertrauten Kultur. Einer Kultur, die ihm zu einem nicht unerheblichen Teil fremd geworden ist, deren Wertigkeiten er für sich neu einstuft, einstufen muss, will er nicht nur ein Versehrter an Physis und Geist bleiben.

Zum Buch:

Als gebundenes Buch liegt das Exemplar mit Schutzumschlag für diese Rezension vor. Der stabile Buchblock setzt sich aus etwas mehr als 350 Seiten zusammen deren Bedruckstoff von angenehmer Haptik ist und dessen Einarbeitung in die festen, imprägnierten und künstlerisch dezent gearbeiteten Buchdeckel keine Wünsche offen lässt. Typografisch ist der angenehm lesbare, aus der Minion Pro gesetzte Text bis auf die Kapitelziffern sehr schlicht gehalten. Die bildnerische Gestaltung des Umschlages versucht eine Visualisierung der physischen wie psychischen Zerrissenheit des Menschen hinter dem Soldaten BA5799, was aus meiner Sicht in bestechender Einfachheit des Motives gut gelingt.

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Tags: geschichte, harry parker, hilary mantel, islam, johannes sbinski, krieg, kriegsroman, militär, naher osten, psychologie, rehabilitation, soziologie, zeitgeschichte   (13)
 

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wolfgang freitag, erzählunge, lothar schroth, kurzgeschichten, hannelore teutsch

Lichtjahr 4. Ein Phantastik-Almanach

Arkadi Strugazki , Boris Strugazki , Wl. Gakow
Fester Einband: 230 Seiten
Erschienen bei Verlag Das Neue Berlin
ISBN B002KCRAKY
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Seit Mythen aufgezeichnet werden hat sich der Mensch kaum verändert. Zwar wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse seit der Urgesellschaft mehrfach revolutioniert, zwar findet sich in Weltanschauungen und Lebensweisen kaum noch vergleichbares zu früheren Jahrtausenden, aber die Biologie des Menschen, einschließlich seiner biologischen Physiologie ist weitgehend unverändert geblieben. Heute findet die Wissenschaft heraus, was in Mythen – außerwissenschaftlich – schon seit Vorzeiten verankert ist.“ (S.107)

Zum Inhalt:

Bereits im Absatz zur Einführung des vierten Bandes der Lichtjahrserie wird ein neuer Schwerpunkt dieses Almanachs herausgestrichen: der SF-Film. Anhand beispielhafter SF-Filmklassiker – „Krieg der Sterne“, „Fahrenheit 451“, „2001- Odyssee im Weltraum“, um nur einige wenige zu nennen –  setzt sich Wl. Gakov mit dem Phänomen des SF-Booms des 70er-Jahre-Kinos auseinander. „Schwerpunkt sind dabei die spezifischen Probleme, die sich bei der Umsetzung von Science-fiction-Stoffen ergeben.“ (S.40)

Neben SF-Schwergewichten wie den Strugatzkis mit ihrer Erzählung „Die Wunschmaschine“, finden sich Erzählungen von Autoren aus der Sowjetunion (Wl. Gakow, Michail Puchow), Bulgarien (Agop Melkonjan) und Polen (Adam Hollanek) ebenso wie solche aus der DDR (Thomas Fröhlich, Andreas Melzer, Hartmut Mechtel, Rolf Krohn, Wolfgang Kellner, Angela und Karlheinz Steinmüller). Dabei changieren die Inhalte – mehr als in den früheren Ausgaben – stark zwischen SF und märchenhafter Phantastik. Olaf R. Spittel steuert wieder einen Beitrag zur Bibliografie der SF in der DDR 1949–1979 bei.

Ausnehmend lesenswert ist aus meiner Sicht der Artikel „Die phantastische Methode“ (Hartmut Mechtel), der auf Abgrenzungsmöglichkeiten und Gemeinsamkeiten der Phantastik und der SF ein Auge wirft.

Zum Inhalt:

Die Wunschmaschine – Arkadi und Boris Strugatzki Die Sternstunde des Science-fiction-Films – Wl. Gakow Die Bestie – Thomas Fröhlich Weit voraus die Sonne – Andreas Melzer Das Weinen nach dem Schmerz – Agop Melkojan Die phantastische Methode – Hartmut Mechtel Der Terminator – Michail Puchow Am Ufer der Unendlichkeit – Rolf Krohn Tödlicher Irrtum – Wolfgang Kellner Die Geliebte vom Mond – Adam Hollanek Das Wunderelexier – Angela Steinmüller Der Held im Gläsernen Berg – Angela und Karlheinz Steinmüller

Fazit:

Erik Simon ist es ein weiteres Mal gelungen eine Zusammenstellung zu kreieren, die gediegene Science-Fiction mit Phantasik in anregende Verbindung bringt. Profundes Wissen wirkt dabei eingebettet in die Erzählungen noch lange über deren Lektüre hinaus ebenso nach, wie die Eindrücke der künstlerisch ansprechenden Bildinhalte. Einen weitreichenden Fundus an literarischen Hinweisen stellt zudem noch Olaf Spittels akribisch zusammengetragene Bibliografie dar. Rundum lesens-, sehens- und empfehlenswert.

Zum Buch:

Wie bereits seine Vorgänger ist auch dieser Band aus der Reihe „Lichtjahr“ mit sehr viel Liebe zum Detail, einer Prise Avantgard und Mut zu künstlerischer Gestaltung entstanden. Das Format allein sticht schon aus der übrigen Buchwelt hervor und die Qualität des Druckes tut das ihre dazu. Entgegen dem farbenfrohen Schutzumschlag, mit Grafiken von Wolfgang Spuler, fällt in diesem vierten Band auf, dass Hochglanzfarbdrucke im Buchblock die Ausnahmen Bilden und mehr auf sparsamen Umgang mit Kontrasten gesetzt wurde. Auch in dieser Zusammenstellung finden sich wieder Texte die typografisch durch den Satz in Großschrift hervortreten, so z.B. Thomas Fröhlichs „Die Bestie“ oder Rolf Krohns „Am Ufer der Unendlichkeit“.

Der Buchblock überzeugt selbst in zur Gänze aufgeschlagenem Zustand durch eine stabile Fadenheftung, griffigen Bedruckstoff und stabilen flachen Buchrücken, sowie Buchdeckel. Als Gesamtkunstwerk für jeden Buchliebhaber eine Augenweide, für jeden Enthusiasten in Sachen wissenschaftlicher Phantastik eine wunderschöne Bereicherung der Bibliothek.

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Tags: agop melkonjan, andreas melzer, andrej arsenjewitsch tarkowski, angela steinmüller, arkadi strugatzki, bildende kunst, boris strugatzki, bulgarien, carola ludwi, dagmar laub, ddr, detusche literatu, dieter gilfert, eduard albrecht, erzählunge, film, gerhard bunke, gunter böttger, hannelore teutsch, hans-eberhard ernst, hartmut mechtel, hilmar prof, irmhild proft, karla woisnitza, karlheinz steinmüller, karl-heinz wieland, klaus ensikat, konrad schönfeld, kunst, kurzgeschichten, lothar schroth, ludwig winkler, malerei, marianne schäfer, maria-sibylla ponizil, michael de maiziere, olaf r. spittel, penka hildebrand, peter sylvester, powest, rolf krohn, science fiction, sowjetunion, stephan köhler, thomas fröhlich, winfried turnhofer, wissenschaftliche phantastik, wolfgang freitag, wolfgang kellner, wolfgang spuler, wolfgang theiler   (51)
 

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schwarzer humor, lustig, stilmittel alliteration tautogramm, martina lukits-wally, höllische himmelfahrten

Höllische Himmelfahrten

Martina Lukits-Wally
Buch
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 20.02.2017
ISBN 9783850287920
Genre: Comics

Rezension:

„Gütiger Gott, gib Grünbergs Geistern gesegnete Grabesruhe!“ (S.30)

Zum Inhalt:

Rasant, spritzig und stets mit einer gehörigen Prise Ironie versehen bringt Martina Lukits-Wally 25 Kurzkrimis zu Papier, die für sich gesehen schon eine heitere Lektüre darstellen, zusätzlich jedoch noch mit einem Schmankerl schreibtechnischer Natur aufwarten: im ersten Teil des Buches bis zur Seite 92 sind die Texte so gestaltet, dass jedes(!) darin enthaltene Wort mit jeweils demselben Anfangsbuchstaben beginnt. Klingt komisch, ist aber so :-) . Nicht von ungefähr findet sich auf dem Buchdeckel folgende Beschreibung: „Gehörtes, Gesehenes, Gelesenes gründlich gemischt, geduldig geschrieben, gekünstelt gestaltet, gab glaubhafte, gefährliche, geheimnisvolle Geschichten – groteske Gaunerkomödien!“

Im zweiten Teil des Bandes werden ebendiese Geschichten dann im „normalen“ Erzählstil präsentiert und allein schon der Vergleich zwischen den Versionen zaubert dem Leser häufig ein Schmunzeln ins Gesicht, hat sich doch die Autorin zu teils verbalakrobatischen Konstrukten durchgerungen, die im wahrsten Sinne des Wortes – in Anlehnung an den Untertitel – kurios sind.

Fazit:

Wer sich keine Krimis á la Leon, Mankell oder dergleichen erwartet, jedoch kurzweilige Unterhaltung abseits aller schreibtechnischen Stereotype wünscht, der wird in diesen Texten fündig. Martina Lukits-Wally gelingt ein netter Entwurf, ein Spiel mit Sprachformen und ein erfrischend witziger Erzählstreich.

Zum Buch:

Das Buch aus dem Verlag Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H. präsentiert sich in einer etwas gewagten Farb- und bildkompositorischen Aufmachung die sich aber mit den teils skurrilen Texten gut verträgt. Die Verleimung des Buchblockes ist für ein Paperback akzeptabel, der Bedruckstoff von angenehmer Haptik und der Druck sauber ausgeführt. Typografisch grenzwertig ist die übermäßig häufige Trennung von Worten. Nicht selten findet man mehrzeilige Absätze bei denen nur eine einzige Zeile ohne Trennungstrich am Ende auskommt. Hier sollte man beim Austreiben des Textes etwas gewissenhafter auf Ästhetik achten.

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Tags: erzählung, krimi, kurzgeschichte, martina lukits-wally, österreichische autorin, sprachexperiment, typografie   (7)
 

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usa, klassiker, kurzgeschichten, annemarie seidel, friedrich podszus

Die Grasharfe

Truman Capote , Annemarie Seidel , Friedrich Podszus
Fester Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.10.2003
ISBN 9783518010624
Genre: Romane

Rezension:

„Über was man spricht, darauf kommt es kaum an, nur auf das Vertrauen, mit dem es gesagt wird, und auf das Wohlwollen, mit dem es aufgenommen wird.“ (S.319)

Zum Inhalt:

Collin Fenwick ist mittlerweile erwachsen. Und an einigen der Erlebnisse, die ihn trotz seines Handicaps als Waise aufzuwachsen, zu dem machten was er heute ist, lässt er den Leser in einer Art Retrospektive teilhaben. Zusammen mit seiner Tante Dolly sowie einer alten Schwarzen namens Cathrine Creek setzt er einen „Ausbruch“ aus dem Korsett an Bevormundungen seiner zweiten Tante Verena – Dollys Schwester – in die Tat um: sie ziehen in ein Baumhaus in einem riesigen Paternosterbaum im Wald Nahe des Friedhofes. Zu den drei Ausgegrenzten gesellen sich noch der ältere Richter Cool, sowie der Nachbarsjunge Riley Henderson, den Collin wie einen Helden bewundert.
In der kurzen Zeit in der die kleine Gruppe sich in ihrem selbstgewählten luftigen Exil näher kommt, gelingt es ihnen nicht nur kostbare Momente des Einklangs miteinander, der Natur und ihrer Herkunft zu finden. Sie ziehen daraus auch die Stärke als eine Enklave von Nonkonformisten erfolgreich dem Pulk an linientreuen Bürgern ihres kleinen Städtchens entgegenzutreten, als diese sie mit Hilfe des Sheriffs zur Räson bringen wollen – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Beweggründen und verletztem Stolz.

Fazit:

Truman Capote galt spätestens seit dem erscheinen seines Romanes „Andere Stimmen, andere Räume“ als literarisches Ausnahmetalent. Mit „Die Grasharfe“, deren Handlung er in einer südlichen Kleinstadt der USA ansiedelt, spielt er in den Charakteren von Collin und Riley unübersehbar auf Huckleberry Finn und Tom Sawyer an, wobei dies nur ein Nebenstrang einer Handlung ist, die nicht die Symbolik des vorigen Romans bemüht. Vielmehr ist „Die Grasharfe“ bei aller offensichtlichen Schicksalsschläge der Akteure in ihrer Grundstimmung „hell und heiter. Hier bedeutet denen die sie [die Traumwelt] aufnimmt, Befreiung von einer materialistisch gesinnten Umwelt, in der Poesie, Naturverbundenheit und liebevolles Verständnis von Mensch zu Mensch verkümmert sind.“ 1)

Ein Sich-Einfinden in eine Welt der Erwachsenen mit ihren gesellschaftlichen Regeln und Fallstricken, den wirtschaftlichen Zwängen und der oft schicksalshaften Bestimmtheit des Lebensweges prägt Collin, der aus seiner jugendhaften Sicht versucht eben dieses Regelwerk zu verinnerlichen. Trotz der Gewichtigkeit der Grundaussagen der Erzählung gelingt es Capote einen feinsinnigen, teils melancholischen Text zu weben, der Mit-Erleben, Mit-Leiden und Mit-Hoffen lässt. So schreibt der New York Herald Tribune: »Durchsetzt mit zartem Lachen, einnehmender menschlicher Wärme und einem Gespür für das Gute im Leben.«

Zum Buch:

Das hier besprochene Buch ist Teil der „Bibliothek Suhrkamp“ und bereits die äußere Gestaltung mit stabilen dunkelgrünen Buchdeckeln, umschlossen von einer schlicht gestalteten Schutzhülle, einem solide gebunden Buchblock, dem im selben Grün gehaltenen Lesebändchen und der angenehmen Größe und Haptik, versprechen – und halten – ein bibliophiles Lesevergnügen. Typografisch treten nur die Initialen am Kapitelbeginn hervor. Ansonsten hält sich der ausgezeichnete Druck zurück und lässt den Inhalt wirken. Dieser gestalterische Minimalismus unterstreicht auf seine Weise angenehm den schlichten Tiefgang der Erzählung.

Buchdaten:

Titel: „Die Grasharfe“ Autor: Truman Capote Umfang: 214 Seiten Verlag: Suhrkamp Verlag Sprache: Deutsch ISBN-10: 3-518-01062-X Größe: 11,7 x 18 x 2,3 cm

Quelle:

1.) „Kindlers Neues Literaturlexikon“, Bd. 3, 1988/1998, S.614).

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Tags: annemarie seidel, birgit krückels, erzählung, friedrich podszus, geschichte, gesellschaftsgeschichte, gesellschaftsroman, huckleberry finn, klassiker, kurzgeschichten, poetik, südstaaten, tom sawyer, truman capote, usa   (15)
 

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angola, revolution, afrika, isolation, portugal

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

„Mir wird bewußt, dass ich meine Wohnung zu einem riesigen Buch gemacht habe. Wenn die Bibliothek verbrannt sein wird, wenn ich gestorben sein werde, wird nur noch meine Stimme da sein.“ (S.319)

Zum Inhalt:

Ludovica Fernandes Mano lebt in einem selbstgewählten, vielmehr selbst gebauten Exil. In einer Wohnung hoch über den Straßen Luandas, fernab von den Menschen, die sie im Laufe der Zeit vergessen haben. In der Welt außerhalb ihrer eigenen Wände geht das verworrene Leben weiter; man ist versucht zu glauben ein Leben das mit Ludo und mit dem sie nichts mehr gemein hat. Die Vorzeichen der Geschichte stehen auf Krieg, Gewalt, Zerrissenheit, Entfremdung, naht doch die angolanische Revolution mit Sieben-Meilen-Stiefeln.

Und obwohl Ludo wie es scheint kein Teil dieser Entwicklungen mehr ist, entspinnt sich um sie herum ein Geflecht aus Schicksalen, die weder geografische noch historische Schranken zu zügeln vermögen. Das Leben – oder vielmehr die Leben von weit entfernt Bekannten, dereinst Geliebten, schicksalshaft Verketteten werden in einem Strang verwoben, dessen vorläufiges Ende nach drei Jahrzenten in losen Fasern wieder vor der Tür zu Ludos Wohnung zu liegen kommt.

Fazit:

José Eduardo Agualusa schreibt, seiner Protagonisten Ludo nicht unähnlich, ebenso an Wände – so man ihn lässt. An die Wände des Geistes des aufmerksamen Lesers. Und während man dabei Zeuge der Entstehung einer ebenso verzweigten wie auch geradlinigen Geschichte wird, beginnen die Worte an den Wänden zu leben. Sie gebären nicht lediglich Figuren einer guten Erzählung. Es sind wahrhaft Menschen denen Agualusa durch seine narrative Kunst Leben, Kontur, Freude, Tragik, eben eine dem Fluss einer gleichgültigen Geschichtsschreibung entrissenen Einmaligkeit verleiht.

Beschönigende Kosmetik ist dem Autor fremd, ebenso wie marktschreierische Effekthascherei. Die 42 grobtextuellen Unterteilungen des Romans in so etwas wie Kapitel nimmt sich fast grenzwertig aus und doch gelingt ein Text aus einem Guss, ähnlich einem Mosaik, das mit dem Überblick, dem Abstand während der Lektüre an Klarheit, Farbenpracht und Stimmigkeit gewinnt. Eine klare Trennung findet sich hierbei auch zwischen Elementen der Erzählung und Additiva wie erklärenden Kapiteln zu z.B. „Ortsnamen“, „Begriffe und Personen“.

Zum Buch:

Der Schutzumschlag, primär in Rottönen gehalten, sticht als erstes ins Auge, wenn man den sehr gut verarbeiteten 198seitigen Band in die Hand nimmt. Die festen Buchdeckel umschließen stabil verbundene Seiten des Buchblockes, der oben und unten von einem rosafarbenen Kapitalband abgeschlossen wird – man mag zu Rosa stehen wie man will, aber hier passt es :-)  . Typografisch muss man sich damit abfinden, dass auf Anführungszeichen verzichtet und dafür viel mit Schriftschnitten gearbeitet wird. Sehr hilfreich sind die auf Vorsatz und Innenseite der Deckel gedruckten vereinfachten Landkarten zu den Schauplätzen der Handlung.

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Tags: afrika, angola, angolakrieg, geschichte, gesellschaft, haiku, jose eduardo agualusa, lissabon, michael kegler, nelkenrevolution, portugal, revolution   (12)
 

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raumfahrt, akw, alexander kröger, ddr, centauren-trilogie

Energie für Centaur

Alexander Kröger
Flexibler Einband: 311 Seiten
Erschienen bei Edition SOLAR-X, 01.06.2017
ISBN 9783945713334
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Im Kontakt mit einer anderen Zivilisation ist nichts ungeschehen zu machen. Jeder Schritt ist nicht lange genug zu überdenken…“ (S.178)

Zum Inhalt:

Eine bahnbrechende Idee der Ingenieure auf der Erde und dem Mars birgt das Potential auf Centaur der bereits Äonen anhaltenden Energieknappheit wirksam entgegenzuwirken. Das Magnetfeld des Heimatplaneten der außerirdischen Besucher, die mit der Marskolonie zu Nachbarn wurden, bietet sich förmlich an diese Idee in die Tat umzusetzen. Die Erde beschließt, der Bitte der Führung auf Centaur nachzukommen und einen Stab an Technikern, Ingenieuren und Wissenschaftlern auf die lange Reise zu schicken, das Vorhaben auf Centaur in die Tat umzusetzen.

Anfangs noch als Pioniervorhaben mit Enthusiasmus, Mut und freundschatlicher Zusammenarbeit beginnend, gerät das ambitionierte Projekt zusehens ins Stocken. Dabei läge es nicht am Tatendrang der Menschen oder der offiziellen centaurischen Auftraggeber. Das Problem liegt weitaus tiefer in der undurchsichtigen Geschichte des centaurischen Volkes, wie auch in der ungeahnten Inhomogenität der Gesellschaft auf dem Centaur. Präsentierte sich letztere bis dato stets als fast unheimlich einheitliches Gebilde –  einem Bienenstock nicht unähnlich  – so entpuppt sich diese Annahme der Terraner immer mehr als Trugschluss. Einem Trugschluss mit fatalen Folgen, dessen Konsequenz ein unrühmlicher Rückzug seitens der Menschen oder ein Weg beharrlicher Konsensfindung mit ungewissem Ausgang zu stehen scheint…

Fazit:

„In der DDR-SF werden die Fähigkeiten der Menschheit, ihre Probleme zu lösen, vorwiegend überaus optimistisch dargestellt.“, so schreibt es Hartmut Mechtel in seinem Essay „Die phantastische Methode“ („Lichtjahr 4 -Ein Phantastik-Almanach“, S.111 ). Alexander Kröger bleibt diesem Credo in seiner Centaure-Trilogie bis zum Schluss treu und unabhängig davon, wie man dazu stehen mag, entwirft er basierend darauf ein durchwachsenes, interessantes Stück SF-Literatur, welches immer wieder die nie enden wollende Problematik von Verständigung, Toleranz, Kulturunterschied und einer divergierenden Welt(all)-Sicht zum Thema macht. Und dabei bleibt die Verständigungsproblematik beileibe nicht nur bei den intergalaktischen Kommunikationsproblemen bestehen, sind es doch auch die Menschen, die trotz Lichtjahre währender Reisen stets sich und ihre Handicaps im Gepäck mitnehmen – kulturelle Evolution hin oder her.

Das Problem solcher Verständigungsunwägbarkeiten und die resultierende Einstellung der Menschen bringt Wolfgang Kellner in seiner SF-Kurzgeschichte „Tödlicher Irrtum“ auf den Punkt: „Entweder ist unsere Arbeit Quatsch oder das bestechendste Beispiel für den unendlichen Optimismus der Menschheit.“ („Lichtjahr 4 -Ein Phantastik-Almanach“, S.137). Die Trilogie rund um den Erstkontakt mit den Centauren („Sieben fielen vom Himmel“), deren Kolonisationspläne für den Mars („Das Kosmodrom im Krater Bond“) und dem Versuch einer intergalaktischen Zuasmmenarbeit, ist Kröger aus meiner Sicht durchgängig und in sich stimmig gelungen.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 3 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

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Tags: akw, alexander kröger, alexander-kröger-werkausgabe, aliens, centauren-trilogie, ddr, deutsche literatur, first contact, proxima centauri, raumfahrt, roma, sammlung, science fiction, werkausgabe, wilko müller jr., wissenschaftliche phantastik   (16)
 

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geschichte, kurzgeschichten, martina lukits-wally, österreichische autorin, lebensabend

Das Tor zur Vergangenheit

Martina Lukits-Wally
Buch: 124 Seiten
Erschienen bei Berger & Söhne, Ferdinand, 19.12.2014
ISBN 9783850287036
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

„Das Spiel mit der Sprache faszinierte sie. Wie sich aus Buchstaben Worte bildeten, dann aus Wörtern Sätze entstanden und daraus wiederum literarische Figuren, die daraufhin mit ihren Schicksalen gleichsam zum Leben erwachten,…“ (S.38)

Zum Inhalt:

Neun, vom Umfang her kurze, Geschichten sind es, die Martina Lukits-Wally in „Das Tor zur Vergangenheit“ zu Papier gebracht hat. Und doch umfassen sie nicht selten ganze Leben mit Hochs, Tiefs und den ebenmäßigen Tälern dazwischen. Der Bogen spannt sich von schicksalshaften, beinahe esoterisch anmutenden Wendungen („Das Wunschglöcklein“), über schalkhafte Anekdoten („Gut „behütet”“) bis hin zu generationenübergreifenden Ereignisketten ( „Steinige Wege“). Ungeachtet der Akteure, der Zeitspannen, der lebensplanerischen Implikationen oder des kulturellen Hintergrundes sind es stets die Streiflichter auf Entscheidungen, welche dem Leser einen Blick durch das „Tor zur Vergangenheit“ der Protagonisten der Geschichten erlauben – nicht selten mit einem Ausblick auf deren vergangene Zukunft.

Fazit:

Martina Lukits-Wally stellt mit den Texten in ihrem Band ein solides Gespür für geschriebene Sprache als Ausdrucksform unterschiedlichster Nuancen alltäglichen Menschseins unter Beweis. Das „nach wahren Begebenheiten“ im Untertitel ist nie auch nur durch einen Hauch des Übertreibens in seiner Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Ein angenehmes Changieren zwischen dem Wissen um die Unwiderruflichkeit des Vergangenen auf der einen Seite und dem wohlwollenden Schickal auf der anderen Seite macht das Salz in der Buchstabensuppe der Texte aus. Die Autorin schafft es ausgezeichnet dem Stereotyp „früher war alles besser“ zu widerstehen, ohne dabei dem bereits entstandenen Lebensbild seine reizvolle Patina zu nehmen.

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Tags: aberglaube, deutsche literatur, ehe, geschichte, gesellschaft, kurzgeschichten, lebensabend, lesen, martina lukits-wally, österreichische autorin   (10)
 

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liebe, kristina moninger, liebesroman, rom, wenn gestern unser morgen wäre

Wenn gestern unser morgen wäre

Kristina Moninger
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 28.06.2017
ISBN 9783945362297
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Ich habe Entscheidungen getroffen, und es ist gar nicht so wichtig, ob sie richtig oder falsch waren. Weil das immer Ermessenssache ist. Aber entscheidend an Entscheidungen ist die Frage, ob wir mit ihnen leben können.“ (S.54)1)

Zum Inhalt:

Rund. So läuft es im Leben von Sara. Bestes Elternhaus, beruflicher Erfolg, eine standesgemäße Beziehung, alles auf Kurs. Dieses Idyll kommt nicht von Ungefähr. Es ist Ergebnis eines konsequent geplanten Lebensweges, rigoros zielorientiert und -führend mit zementierter Glücksgarantie. Da bleibt schon mal die ein oder andere Kleinigkeit auf der Strecke, ob nun zwischenmenschlich oder zutiefst persönlich. Erfolg und die Aufnahme in gewisse gesellschaftliche Kreise machen eben auch eine „Zwangsjacke aus Pastelltönen und Kaschmir“ (S.153) erträglich – nicht unbedingt aber die Entscheidungen, die den Weg dorthin ebnen. Und dann diese eine fatale Entscheidung…

Mitten in die verzweifelten Überlegungen, wie sie den größten Fehler ihres Lebens rückgängig machen kann, wird der Reset-Knopf gedrückt: Sara erhält die Chance, Tage ihres Lebens neu zu leben, mit dem Wissen um die Folgen ihrer Entscheidungen, sollte sie diese in gleicher Weise wieder treffen. Es liegt nun an ihr das vielbeschworene Beste daraus zu machen, was auch immer das sei…

Fazit:

Vorab muss ich zugeben, dass ich bei den ersten Seiten etwas irritiert war. Es drängte sich der Verdacht auf, dass es sich um ein Buch von Frau, über Frau, für Frau handle. Im Nachhinein muss ich eingestehen: zum Glück war mein (Vor-)Urteil weit gefehlt ;-) ! Die bildhafte Sprache, der authentische Stil und die pointierten Schilderungen sind ausgesprochen gut inszeniert, wodurch bereits im ersten Drittel ein glaubhaft plastisches Bild von Sara und ihrer Innen- sowie Außenwelt gezeichnet wird, das manches Mal gekünstelt wirkt, aber bei näherer Betrachtung immer wieder Déjà-vus heraufbeschwört, wenn man sich im sogenannten realen Leben mit offenen Augen umsieht. So wird es dem Leser ein Leichtes sein Pendants der Charaktere im Text in seinem Umfeld in der ein oder anderen Ausprägung zu finden. Und wiederum genau das macht den Roman der Autorin (be-)greifbar, nachvollziehbar und – sofern man das über einen Text sagen kann – liebenswert.

Nichts geringeres als das Leben selbst, in seiner perfekten Imperfektion mit all jenem, dass es ausmacht, nämlich den Beziehungen zu unseren Nächsten ist der zentrale Kern einer Erzählung, deren Quintessenz aus meiner Sicht das bedingungslose Ja zum Leben ist – zum Leben als Mensch und mit Menschen. „Es sind immer die Menschen, die uns nahe sind, die uns glücklich machen, nichts Materielles, nichts was durch Erfolg, Ansehen oder Status entsteht.“ (S.296). Ein Plädoyer für Diversität, Verantwortung für und Mut zu Entscheidungen, wissend dass „das Gegenteil einer falschen Entscheidung… nicht unbedingt eine richtige“ ist. (S.160)

Denn: „»Leben ist gefährlich oder langweilig. Entweder lebst du mit allem Drum und Dran oder du existierst eben einfach nur. Die Entscheidung triffst du selbst.«“ (S.130)


(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die PDF-Ausgabe des Rezensionsexemplares

(2) Ein weiteres sehr empfehlenswertes Buch von Kristina Moninger ist: „Nur eine Ewigkeit mit Dir.“

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Tags: alzheimer, demenz, deutsche literatur, down-syndrom, ehe, gesellschaft, karriere, kristina moninger, liebe, liebesroman, rom, trisomie 21, zeitreisen   (13)
 

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geschichte, helen macdonald, falke, pestizide, kalter krieg

Falke

Helen Macdonald , Frank Sievers
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 31.03.2017
ISBN 9783406705748
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Zu behaupten, die Lebenswelt eines anderen Menschen zu verstehen, ist philosophisch fragwürdig; bei einem anderen Tier erscheint der Versuch gar absurd – ist aber zweifelsohne sehr reizvoll.“ (S.34)

Zum Inhalt:

Helen Macdonald entwirft in ihrem Text über sechs Kapitel hinweg eine kompakte „Biographie eines Räubers“ – so der Untertitel. Von der geschichtlichen Bedeutung des Gespanns Falke-Mensch über die mythologischen Einflüsse und deren soziale Komponenten findet sie zielsicher den Weg hin zur Vorstellung der klassischen und modernen Falknerei. Dabei kommen Anatomie, Verhalten, Lebensweise und auch die Affinität des Greifs zu urbanen Siedlungsräumen ebenso in den Fokus, wie jene dunklen Seiten in denen die Autorin ausführlich auf die Verwendung von Falken im militärischen Umfeld eingeht.
Sie berichtet von Falken als Statussymbolen, als Krafttieren, als vom Aussterben bedrohte und gerettete Zeichen eines potentiell gelungenen Artenschutzes. Schwierigkeiten in der Aufzucht, dem Umgang mit einem Falken als Persönlichkeit wie als Spezies werden verwoben mit einer Unzahl an Anekdoten, denen ein solides Bild dieses ästhetischen Raubvogels zu verdanken ist. Immer wieder profitiert der Leser vom Wissen der Historikerin in Kombination mit der Expertise einer Falknerin deren Feuer für ihre Tiere spürbar brennt. Mit einem leichten Schmunzeln – so scheint es – schreibt sie: „Ich habe schon Falkner jammern hören, die Falknerei habe ihre Karriere ruiniert, ihre Beziehung zerstört und ihnen unvorstellbaren Kummer, Unkosten und Strapazen bereitet – wobei ihnen ein glückseliges Lächeln im Gesicht stand.“ (S.89)
Ganz Wissenschaftlerin wie sie es ist, gab die Autorin dem Band einen fundierten Abschluss mit einer Zeittafel, Literaturhinweisen und Bildnachweisen zu den 71 sehr schönen und überaus anschaulichen Bildern und Grafiken, die dem Geschriebenen nicht nur künstlerisch im wahrsten sinne des Wortes zur Seite stehen, sondern eigenständig erklärend und auch per se wunderschön anzusehen sind.

Fazit:

In Meinungsäußerungen und Rezensionen rund um das Buch „H wie Habicht“ war die enttäuschte Aussage seinerzeit nicht selten, dass es sich ja gar nicht um ein (klassisches) Sachbuch handle, obwohl die Autorin dafür den „Samuel Johnson Prize“ für Sachbücher in Großbritannien erhielt. Pointiert formuliert es die Autorin im Vorwort: „Im Grunde aber handelt dieses Buch genau wie H wie Habeicht davon, dass wir Menschen die Natur als Spiegel benutzen. Dass jede Begegnung mit einem Tier immer auch eine Begegnung mit uns selbst ist zund mit der Art , wie wir uns wahrnehmen.“ (S.7)
Allen (potentiellen) Lesern sei versichert, mit „Falke“ halten sie garantiert ein astreines Sachbuch in Händen 🙂 . Helen Macdonald hat als professionelle Falknerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für Geschichte und Philosophie in Cambrige zum einen die fachliche und zum anderen die literarische Expertise einen fundierten Text zu liefern, der ihr sowohl kühles wie auch beherztes Timbre angenehm mitschwingen lässt, mit jedem Satz, der die 240 Seiten erfüllt. Sie spart nicht mit Kritik an absurde Blüten treibender Naturschutzphilosophie, ebenso wenig wie sie sträfliche Versäumnisse in Sachen Artenschutz aufzeigt. Dennoch bleibt stets der Falke als Wesen, mit dem sich der Mensch Ökosysteme, Geschichtsepochen, soziale Räume und auch den Raum der Mythen teilt, Dreh- und Angelpunkt zum dem der Text immer wieder zurückkehrt. Das Buch stellt eine Hommage an eine Ikone der Lüfte dar, mit lebendigem Enthusiamus dargebracht, stilistisch wunderschön eingekleidet und dem Anspruch zwei Wesenheiten einander näher zu bringen: den Menschen und den Falken.

Zum Buch:

War schon „H wie Habicht“ ein bibliophiles Prachtstück, so setzt „Falke“ noch einmal wunderschöne Akzente im Bereich der Buchbindung, der künstlerischen Gestaltung und v.a. auch der Typografie. Der Schutzumschlag, will man ganz Außen beginnen, wartet in einer vertrauten Optik auf, ist er doch frappierend ähnlich seinem Vorgängerbuch gehalten. Typografisch kann man den aus der Bembo MT gesetzten Text als vorbildlich in Übersicht, Ästhetik und Lesbarkeit ansehen. Die speziell gestalteten Initialen am Kapitelbeginn fügen sich hierbei sehr hübsch in den Textfluss ein, ebenso wie das Bildmaterial im Satzlayout nie störend wirkt, sondern auflockernd und erkläuternd – eben eines schönen Sachbuches würdig. Die Bindung des Buchblockes sowie dessen Einhängung in die Buchdecke sind vorbildlich realisiert. Dass der feste Bedruckstoff nicht reinweiß ist, sondern sehr hell eierschalenfarben, trägt zum ermüdungsarmen Lesen das seine bei.
Ein rundum ausgezeichnet gelungenes Buch das jeden Euro wert ist und höchsten Ansprüchen genügt.

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Tags: artenschutz, beizjagd, ddt, falke, falknerei, frank sievers, franz boas, geschichte, helen macdonald, jagd, kalter krieg, krieg, kunst, malerei, militär, mythen, naturschutz, naturwissenschaften, ornithologie, pestizide, politik, umweltverschmutzung   (22)
 
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