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parodie, goethe, klassiker, klassiker-parodie, mühle

Wir müssen die Mühle unseres Vaters verkaufen

Ben Everding
Flexibler Einband: 84 Seiten
Erschienen bei Periplaneta, 06.03.2014
ISBN 9783943876666
Genre: Humor

Rezension:

Bei „Wir müssen die Mühle unseres Vaters verkaufen“ handelt es sich um einen literarischen Kanon, der von Ben Everding höchstpersönlich zusammengetragen wurde. Das verbindende Element der gesammelten Texte ist die Mühle, welche scheinbar immer und immer wieder ihren Weg in die Werke großer Schriftsteller fand. Zu lesen sind Texte von Berühmtheiten wie Kafka, Brecht, Goethe oder sogar Hemingway und die Mühle wird abwechselnd als Metapher, Symbol oder als Existenzberechtigung benutzt.

Steigt man ahnungslos in die Lektüre ein, so ist die Verwunderung nach ein paar Geschichten aus dem Buch groß, dass es doch tatsächlich so viele Texte zum Thema Mühle gibt. Achtet man allerdings irgendwann auf die kompletten Namen der Autoren, so verwandelt sich die Verwunderung schnell in Belustigung. Zugegeben, der aufmerksame Leser stutzt vielleicht schon nach der ersten Geschichte von einem gewissen „Frank“ Kafka, doch ändert diese Erkenntnis nichts am Vergnügen, welches man beim Lesen der Geschichten hat.

Everding imitiert nach Lust und Laune mal die Charaktere, mal die Handlung, mal den Schreibstil der literarischen Klassiker. Eine Grenze zwischen Parodie und Hommage kann dabei nicht gezogen werden, da meistens genau die übertriebenen Stellen und Stile das Markenzeichen für die entsprechenden Autoren waren und diese in den Texten die größten Lacher bringen. Everding trifft punktgenau jede Eigenheit der Autoren, was zum einen zeigt, wie banal und wiederkehrend manche Stilmittel sind und zum andern, was für ein Multitalent Ben Everding selbst ist.

Besonders empfehlenswert ist außerdem die beiliegende CD mit dem kompletten Bühnenprogramm von „Wir müssen die Mühle unseres Vaters verkaufen“. Everding beherrscht nicht nur die verschiedenen Schreibstile, seine teilweise live eingespielten Interpretationen der Texte übertreffen die Komik der Geschichten sogar noch. Sehr hoher Unterhaltungsfaktor!

Literarisch betrachtet ist das Buch ein Pastiche; ein Werk also, das ganz offenkundig einen oder auch mehrere Autoren nachahmt. In der trockenen Theorie hat das viel mit Intertextualität, Parodie oder Hommage zu tun. In der Praxis, und im Fall von „Wir müssen die Mühle unseres Vaters verkaufen“, hat das vor allem mit grandioser Unterhaltung und einem Geniestreich zu tun.

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Tags: brecht, buch mit cd, goethe, hemingway, hommage, humor, kabarett, kafka, klassiker, klassiker-parodie, mühle, parodie, pastiche   (13)
 

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gesellschaftssatire, arschloch, roman, sex, bret easton ellis

Es geht immer nur um Sex

Lucas Fassnacht
Flexibler Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Periplaneta, 01.09.2013
ISBN 9783943876543
Genre: Romane

Rezension:

Bei einem Titel wie »Es geht immer nur um Sex«, ist die unwillkürliche Assoziation, dass es sich um eine Plattitüdensammlung in Romanform handeln muss. Dass es sich aber keinesfalls um leichte Kost handelt, macht das Buch nicht weniger unterhaltsam. Man hat am Ende ein unbehagliches, aber auch höchst befriedigendes Gefühl. Befriedigend, weil man ein großartig geschriebenes Buch beendet hat, und unbehaglich, weil es einen noch lange zum Nachdenken über das eigene Leben bringt.

Die Geschichte dreht sich um Marius, einen Enddreißiger, der den Leser mit seinen zynischen Monologen und seinem egoistischen Verhalten wechselweise unterhält, und so dafür sorgt, dass man sich absolut nicht mit ihm identifizieren möchte - und es am Ende doch tut. Die anderen Charaktere im Buch werden von Marius entweder verachtet, belächelt oder benutzt. Bis er Sophie kennenlernt, bei der er sich die Frage stellen muss, ob wirklich immer alles nur um Sex geht...

Der Roman wird aus Marius‘ Perspektive erzählt, und alle Dialoge sind in indirekter Rede verfasst. Tatsächlich kommt auch der im Titel versprochene Sex im Buch nicht zu kurz. Marius Monologe wirken dazwischen wie Gedankenströme, in denen er Sachen auf den Punkt bringt, die sich die meisten Menschen nur heimlich eingestehen würden. Genau das macht die Geschichte so ansprechend. Marius heuchelt keinen Moralvorstellungen nach, die stehen einem nur im Weg. So benimmt er sich zwar wie ein richtiges Arschloch, aber wenigstens ist er ehrlich, zu sich selbst und auch allen anderen gegenüber.

Würde Marius ein bisschen brutaler agieren, könnte es sich um einen Roman von Bret Easton Ellis handeln. Lucas Fassnacht schafft es, sehr schlicht und sachlich den Werteverfall unserer Konsumgesellschaft zu kritisieren. Eine Gesellschaft, die immer auf der Suche nach Spaß, Sex und Liebe ist, dabei keine Rücksicht auf andere nimmt, aber sich dennoch konstant Moral vorheuchelt. Außerdem schafft es Fassnacht durch intelligent eingesetzte Stilmittel, viele der Geschehnisse im Buch vorausahnen zu lassen, was eine Freude für jeden aufmerksamen Leser bedeutet.

Lucas Fassnacht war bisher durch Poetry Slam Auftritte bekannt, der Sprung vom Kurztext zum Roman ist ihm aber definitiv gelungen. Das Buch ist absolut empfehlenswert, besonders für Menschen, die keine Angst davor haben, die eigenen Entscheidungen im Leben einmal in Frage zu stellen und beim Lesen nachzudenken.

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Tags: arschloch, bret easton ellis, erotik, gesellschaftssatire, lucas fassnacht, roman, sarkasmus, sex   (8)
 

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Letzte Fahrt mit Marilyn: Roman

Philip Nußbaum
E-Buch Text
Erschienen bei edition subkultur, 08.05.2013
ISBN B00CPROOBM
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Leser begleitet den Mittzwanziger Chris, der chronisch pleite ist und die meisten Tage damit verbringt, durch die Stadt zu schlendern und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Durch einen eher unglücklichen Umstand finden er und sein chaotischer Bruder Pi wieder zueinander, und die beiden verbindet von nun an etwas mehr als die Verwandtschaft...

Nußbaum gelingt es sehr gut, das Lebensgefühl der 90er wiederzubeleben, ohne dabei irgendwie zu behaupten, dass es ohne digitales Zubehör besser sei. Das Gefühl beschleicht einen trotzdem und grade deshalb ist es einfacher, sich auf Chris' und Pis scheinbar schwierige Beziehung zu konzentrieren. Blut ist nicht immer dicker als Wasser, in dem Fall ist es aber beständiger. Man hat Mitleid mit beiden Brüdern, wenn sie ihrem selbstgebastelten Dilemma nachgeben, anstatt dem Sonnenuntergang entgegenfahren. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die den Leser auch nach der Lektüre noch beschäftigen. Außerdem sind Chris' innere Monologe, in denen er sich selbst für seine cleveren Pointen gratuliert, sehr unterhaltsam. Am Ende werden zwar Herzen verloren und gebrochen, aber Geschwisterliebe wiederentdeckt. Dass das auch einen neuen Anfang bedeuten kann, hinterlässt beim Leser ein wehmütiges, aber hoffnungsvolles Gefühl. Nostalgie-Momente kommen dann nur noch auf, wenn Chris stundenlang ziellos durch die Gegend fährt, weil Benzin damals noch keine 2 € gekostet hat... Insgesamt ein sehr angenehmes Buch für den Sommer, nicht nur für lange Autofahrten mit oder ohne Marilyn.

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Das schwere Ende von Gustav Mahlers Sarg

Clint Lukas , Clint Lukas
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Periplaneta, 01.04.2013
ISBN 9783943876550
Genre: Romane

Rezension:

Liest man ein wenig in der Biografie des Autors, wird schnell klar, dass dieser Debüt-Roman mehr als ein paar autobiographische Züge trägt. Lukas orientiert und bedient sich am eigenen Werdegang, was die abenteuerliche Geschichte jedoch umso überzeugender macht.

Unzufriedenheit, Lustlosigkeit und der Wunsch nach Abenteuer bestimmen den Alltag des Protagonisten Daniel. Der Mittzwanziger versucht sein Leben in Berlin, trotz deprimierender Umstände, als Schriftsteller und Currywurstverkäufer zu bestehen, bis ihm eines Tages, durch eine besondere Nacht in einem Puff, die Idee für einen Film kommt. Durch Zufall verschlägt es Daniel nach Wien und später nach Jerusalem, wo er als Stage-Manager einer großen Theaterproduktion seinem Alltag entkommen kann. Was die Handlung fortan wie ein roter Faden vorantreibt, ist Daniels Vision, den Film zu drehen. Um was es in diesem Film gehen soll, wird dem Leser jedoch erst später verraten, weshalb man Daniel gespannt auf der Reise, die etliche Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Liebe aufwirft, begleitet.

Was Gustav Mahlers Sarg mit dem Ganzen zu tun hat, verwandelt das Buch in eine tiefgründige, spannende Erzählung. Das Theaterstück, an dem Daniel arbeitet, dreht sich um Alma Mahler, die sich, unzufrieden mit ihrer Ehe mit Gustav Mahler, in zahlreiche Affären mit anderen Künstlern stürzte. Während seiner Arbeit an diesem Stück macht Daniel Bekanntschaft mit der hübschen Adi, die ihm den Kopf zwar verdreht, aber deswegen noch lange nicht bereit ist, etwas für ihn aufzugeben. Parallelen zwischen Alma und Adi sind unvermeidbar. Daniel versucht seine Frauenprobleme einfach mit mehr Frauen zu lösen. Ähnlich wie Mahler mit seiner 8. Sinfonie, steckt Daniel dann all seine Energie in sein Film-Projekt. Mit einer waghalsigen Finanzierungsidee und viel Gelassenheit, verwirklicht er den Film, und anders als Mahler oder dessen Sarg, findet Daniels Odyssee dann kein schweres, sondern ein optimistisches Ende.

Daniels Reise macht Mut zur Selbstfindung. Die Stärke des Romans liegt eindeutig in der Erzählweise von Clint Lukas. Egal ob Mitte zwanzig oder darüber, es ist leicht, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Bestechend sind die mit viel Humor geschriebenen Dialoge, in denen gezeigt wird, wie Daniel seinen Alltag meistert. Der Übergang zwischen Leichtem und Tiefsinnigem gelingt Lukas hervorragend.

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