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südamerika, mädchen, indianer, kindheit, amazonas

Das Mädchen vom Amazonas

Catherina Rust
Fester Einband: 348 Seiten
Erschienen bei Knaus, A, 28.09.2011
ISBN 9783813504460
Genre: Biografien

Rezension:

Catharina Rust erzählt von ihrer Kindheit. Einer Kindheit, die sehr glücklich war und die augenscheinlich ganz verschieden war von dem, was ein europäisches Kind kennt. Leichtfüßig erzählt, mit dem naiv staunenden Blick eines Kindes.

Und auch wenn diese Kindheitserinnerungen bisweilen anachronistisch anmuten, weil sie eine Kindheit darstellen, die in der westlichen Welt schwer realisierbar ist, so ist es doch ein Buch, das nachdenklich stimmt. Schlagworte unserer Gesellschaft wie Wachstumsstreben, Individualismus und Selbstverwirklichung werden kritisch hinterfragt und damit die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoll ist, Gesellschaftsstrukturen wie die bei den Aparai-Wajana zu erhalten, die auf Gleichberechtigung, Kommunikation und Gemeinschaftswesen basieren.

„Das Mädchen vom Amazonas“ ist aus meiner Sicht anders als die anderen Bücher über Erfahrungen bei Naturvölkern. Im Gegensatz zur „Weißen Massai“ wird die naive Begeisterung für das Leben bei den Indianern überwunden und macht einem reflektierten Blick auf die Probleme der Indianer Platz. Der Einfluss der westlichen Welt, Umweltverschmutzung und Vertreibung werden von Catharina Rust nicht ausgeklammert, sondern bilden den Rahmen ihrer Erzählungen. Sie möchte aufmerksam machen auf die Zustände, unter denen die Vertrauten ihrer Kindheit nun leben müssen.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen diesem und anderen Büchern dieses Genres ist, dass Catharina Rust nicht als Tochter eines Missionars in das Dorf Mashipurimo kam. Ihre Eltern hatten keine Ambitionen, der Dorfbevölkerung eine christliche Lebensweise beizubringen und sie zu „zivilisieren“. So entsteht niemals das Gefühl, dass Catharina Rust von „den Wilden“ erzählt. Sie berichtet von dem, was sie erlebt hat, von einer Dorfgemeinschaft, von Freundschaften, vom Umgang mit der Natur, ohne dabei das Erlebte zu verurteilen.

Ich sehe das Buch als einen Anstoß, sich aktiv mit irrsinnigen Projekten wie dem Staudamm Belo Monte auseinanderzusetzen oder sich zu fragen, ob nicht jeder durch bewussten und nachhaltigen Konsum etwas dazu beitragen kann, diese Kulturen zu schützen.

Ein Buch für Menschen, die spannende Geschichten über eine aufregende Kindheit lesen möchten und für Menschen, die etwas lernen möchten, ohne belehrt zu werden.

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