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Andere Häfen

Christopher Ecker
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Mitteldeutscher Verlag, 01.09.2017
ISBN 9783954629152
Genre: Historische Romane

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Sunny Spyce, die ausgebuffte Allem-auf-die-Spur-Kommerin

Clémentine Beauvais , Anke Knefel , Sarah Horne
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Magellan, 19.09.2014
ISBN 9783734840036
Genre: Kinderbuch

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Sunny Spyce, die grandios-geniale Geheimnis-Aufdeckerin

Clémentine Beauvais , Anke Knefel , Sarah Horne
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Magellan, 21.07.2014
ISBN 9783734840029
Genre: Kinderbuch

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Mr Gum und der fettige Ingo

Andy Stanton , Harry Rowohlt , David Tazzyman
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Bibliographisches Institut, 27.06.2012
ISBN 9783411811571
Genre: Kinderbuch

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Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär

Andy Stanton , Harry Rowohlt , David Tazzyman
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2013
ISBN 9783423715225
Genre: Kinderbuch

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kinderbuch, humor, lustig, schräg, fee

Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum!

Andy Stanton , Harry Rowohlt , David Tazzyman
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.06.2012
ISBN 9783423715065
Genre: Kinderbuch

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star wars, freundschaft, schule, kinderbuch, jugendbuch

Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Tom Angleberger , Collin McMahon
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.08.2013
ISBN 9783843210546
Genre: Kinderbuch

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jugendbuch

Vorsicht vor Fako Mustacho

Tom Angleberger , Ute Mihr , Karlheinz Dürr
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Knesebeck, 19.02.2013
ISBN 9783868735840
Genre: Jugendbuch

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familie, klassiker, selbstbestimmung, ehe, drama

Nora oder Ein Puppenheim / Hedda Gabler

Henrik Ibsen , Marie von Borch , Emma Klingenfeld
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.04.2008
ISBN 9783596900473
Genre: Klassiker

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hamburg, fritz honka, kiez, 70er jahre, unterschicht

Der Goldene Handschuh

Heinz Strunk ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 26.02.2016
ISBN 9783498064365
Genre: Romane

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philosophie, alkohol, gott

Moskau - Petuski

Venedikt Erofeev , Peter Urban , Peter Urban , Peter Urban
Fester Einband: 269 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.10.2005
ISBN 9783036951416
Genre: Romane

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belgien, niederlande, soziale außenseiter

Die Beschissenheit der Dinge

Dimitri Verhulst , Rainer Kersten
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei btb, 08.08.2011
ISBN 9783442742523
Genre: Romane

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ungeliebt, heimkind, gesellschaftskritik, armut, heim

Die Unerwünschten

Dimitri Verhulst , Rainer Kersten
Fester Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 03.10.2016
ISBN 9783630874791
Genre: Romane

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südkorea, vegetarismus, korea, familie, roman

Die Vegetarierin

Han Kang , Ki-Hyang Lee
Fester Einband: 190 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783351036539
Genre: Romane

Rezension:

Der mit dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnete Roman Die Vegetarierin der südkoreanischen Autorin Han Kangbeschreibt die Metamorphose einer Frau zur Pflanze. Oder steckt dahinter noch etwas ganz anderes?

Chongs Frau verweigert sich

Der erste Teil des dreigliedrigen Romans ist aus der Ich-Perspektive des Ehemanns der Protagonistin geschrieben und berichtet über deren plötzliche heftige Ablehnung aller tierischen Lebensmittel. Yong-Hyes Ehemann ist ein bemerkenswert egoistischer Mensch. Er hat sich nicht aus Liebe für sie entschieden, sondern weil sie so unauffällig und durchschnittlich war, dass er sich nicht für sie anstrengen musste; weil sie eine gute Köchin war und sich ohne zu klagen um den Haushalt kümmerte; weil sie nicht von ihm erwartete, dass er etwas mit ihr unternahm oder sich auch nur für sie interessierte. Als sie nach einem blutigen Alptraum alle tierischen Lebensmittel aus dem Haus verbannt, zeigt er keinerlei Anteilnahme, sondern wirft ihr Egoismus vor:

Wie konnte sie nur so auf sich fixiert sein? Ich musterte sie eindringlich. Sie sah mich nicht an, wirkte aber ausgeglichen wie nie zuvor. Ich begriff nicht, dass die ganze Zeit ein solcher Egoismus und eine solche Rücksichtslosigkeit in ihr geschlummert haben sollten. Sie konnte doch nicht plötzlich so unvernünftig sein. [S. 16/189]

Yong-Hyes Eltern unterstützen ihn in diesem Vorwurf. Der cholerische Vater, der Yong-Hye als Kind oft geschlagen hat, versucht, sie zum Fleischessen zu zwingen, woraufhin sie sich vor aller Augen die Pulsadern aufschneidet. Der Schwager reagiert als einziger prompt, macht einen Druckverband und bringt sie ins Krankenhaus.

Yong-Hyes Schwager blüht auf

Nachdem Yong-Hye aus dem Krankenhaus entlassen wird, verlässt sie ihr Mann und sie kommt für einige Zeit bei ihrer Schwester In-Hye unter. Doch erst nachdem sie längst wieder ausgezogen ist, beginnt sich ihr Schwager für sie zu interessieren, als er zufällig erfährt, dass sie ihren Mongolenfleck noch hat. Im asiatischen Raum ist es weit verbreitet, dass Babys einen grünlichen Pigmentfleck am Gesäß haben, der im Laufe der frühen Kindheit verblasst und schließlich verschwindet. Nicht so bei Yong-Hye: Ihr Mongolenfleck wird für ihren Schwager zum Fetisch. Er steigert sich in eine Fantasie, die ihm auch als dringend benötigte Inspiration für seine seit Jahren stagnierende Videokunst dient. Er bemalt die nackte Yong-Hye mit Blumen, es erfüllt sie mit neuem Leben – sie teilt seinen Fetisch auf ihre Art. Selbstverständlich bleibt es nicht bei dieser einen Bemalung. Das Projekt entwickelt sich fort, hinein in einen Grenzbereich zwischen Kunst, Pornographie und Wahnsinn, bis alles auffliegt.

Während Yong-Hye vertrockt, keimt in In-Hye ein Verdacht 

Yong-Hye vegetiert in einer Psychiatrischen Klinik; alle haben sich von ihr abgewandt. Alle außer ihrer Schwester In-Hye, aus deren Perspektive dieser letzte Teil geschrieben ist.

Zunächst war ich über den dritten Teil des Romans irritiert. Yong Hyes Schwester In-Hye blieb für mich merkwürdig blass, wohingegen die Charaktere der Männer in den ersten beiden Teilen deutlich zutage getreten waren. Erst gegen Ende erhärtete sich mein Verdacht, dass In-Hye die heimliche Protagonistin des Romans ist und die Farblosigkeit Teil ihrer fatalen Überlebensstrategie.

Beide Schwestern haben als Kinder unter dem cholerischen Vater gelitten; In-Hye hat es geschafft, sich durch ihre Kochkunst unentbehrlich zu machen, so dass Yong-Hye die meiste Gewalt traf. Um das zu beenden, versucht Yong-Hye sich unauffällig zu machen, damit sie übersehen wird, was zunächst zu gelingen scheint. Doch sie ist gezeichnet – der Mongolenfleck der Kindheit verschwindet nicht, er wird nur durch Kleidung überdeckt. Schließlich wird sie nicht nur zur Vegetarierin, womit sie die Kooperation mit der Familie aufkündigt und den Vater zu neuerlicher Gewalt provoziert, sondern sie zeigt sich zugleich mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit und deckt damit den Fleck wieder auf.

In-Hye schützt sich auch als Erwachsene einerseits durch Tüchtigkeit, andererseits indem sie ihre Gefühle auf andere projiziert. Sie verliebt sich in ihren Mann, weil er so erschöpft aussieht, wie sie sich fühlt, und ist fortan bemüht, ihm die Erholung zu verschaffen, derer sie selbst bedarf:

Sie realisierte erst nach einiger Zeit, dass eigentlich sie diejenige war, die eine Atempause nötig hatte, nicht er. Sie hatte ihre Bedürfnisse auf diesen müden Mann projiziert. Sie war diejenige, die mit neunzehn ihr Elternhaus verlassen und ohne fremde Hilfe in Seoul ihren Weg gemacht hatte. Plötzlich war sie sich auch ihrer Liebe zu ihm nicht mehr sicher und zweifelte an seiner. [S. 130/189]

Dieses Muster zieht sich durch. Yong-Hye drückt In-Hyes unbewusstes Gefühl, sonicht mehr weiterleben zu können, auf eine derart krasse Weise aus, dass es nicht länger ignoriert werden kann:

Bei allem, was sie tat, gab sie ihr Bestes. Egal ob als Tochter, große Schwester, Ehefrau, Mutter, Geschäftsfrau oder Fahrgast in der U-Bahn. Dieser Charakterzug hätte ihr zweifelsfrei geholfen, die unschöne Episode mit der Zeit hinter sich zu lassen, wäre da nicht Yong-Hyes Verschwinden im vergangenen März gewesen, wäre ihre Schwester nicht in dem Wald in dieser regnerischen Nacht wiedergefunden worden und wären daraufhin ihre Symptome nicht schlimmer geworden. [S. 138/189]

Yong-Hyes Metamorphose zur Pflanze schreitet fort. Die Ablehnung aller tierischen Lebensmittel wird zur Ablehnung aller Lebensmittel überhaupt. Dass sie sich schließlich für einen Baum hält, bedeutet zugleich eine Ablehnung ihrer menschlichen Existenz – dass sie als Baum keine Nahrung aufnehmen zu müssen glaubt, bedeutet faktisch ihren Tod als Mensch. Erst jetzt wird In-Hye bewusst, dass sie in einem falschen Leben feststeckt. Dass sie bisher nicht gelebt hat und kurz davor war aufzugeben. Yong-Hyes Aufstand ist die reinigende Katastrophe, die In-Hye ein lebenswertes Leben erst ermöglicht.

In diesem letzten Teil verändert sich der Erzählmodus deutlich: Yong-Hyes Mann und ihr Schwager erzählten als Ich-Erzähler im Präteritum, jetzt erzählt ein personalisierter Erzähler aus Sicht In-Hyes im Präsens. Der Ich-Erzähler hat gemeinhin eine noch geringere kritische Distanz zum Erzählten als der personalisierte Erzähler, wohingegen das Präsens häufig eine zeitliche Distanz zum Erzählten aufzuheben scheint; somit würde durch den Wechsel der Erzählmodi Distanz zugleich vergrößert und verringert. Die Diskrepanz der Wirkungen schärft die Aufmerksamkeit des Lesers: Wir sind näher an In-Hyes Erleben und merken dadurch stärker, dass sie zu ihrem Selbst eine größere Distanz hat; sie erlebt sich durch Projektion, deshalb kann sie kein Ich-Erzähler sein. Yong-Hye zwingt sie, das wahrzunehmen. Wie ein Baum, der seine Wurzeln durch festes Mauerwerk treibt, reißt sie In-Hyes Lebenskonstrukt ein.

Schon als Kind hatte Yong-Hye einmal versucht, gemeinsam mit In-Hye aus der Familie auszubrechen. Die beiden Schwestern hatten sich verlaufen, und Yong-Hye schlug vor, dass sie einfach nicht nach Hause gehen. Für In-Hye war das undenkbar, sie empfand Erleichterung als sie nach Hause fanden, aber ihre Schwester äußerte nichts dergleichen:

Sie betrachtete nur stumm die Pappeln am Wegesrand, die von der Dämmerung eingehüllt wurden.

Kurz bevor ihr Schwager sie mit Blumen bemalt, steht Yong-Hye am Fenster und starrt wieder auf Pappeln. Diese Bäume stehen in der abendländischen Literaturgeschichte seit Homer für den Tod, Pappeln säumen den Wegesrand zur Unterwelt im Hain der Persephone. Ich überblicke nicht, welche Bedeutung die Pappel in der asiatischen Literaturgeschichte hat, aber selbst ohne Homer im Hinterkopf deutet sich in In-Hyes Kindheitserinnerung schon das Ende an: Yong-Hyes dunkle Sehnsucht, lieber bei den Bäumen als zu Hause zu sein und die Weise, auf die sie ihre Schwester aus der Illusion, die sie sich von ihrem Leben macht, herausreißen wird. Der Bezug zum Tod wird durch eine weitere Baummetapher noch verstärkt: Im Innenhof der Klinik steht eine Ulme, auf die Yong-Hye aus ihrem Fenster blickt. Wenn In-Hye sie bewundert, hat sie das Gefühl, die Ulme wolle ihr etwas mitteilen [S. 133/189]. Auch die Ulme war in der griechischen Antike mit der Unterwelt assoziiert. Persephone verbringt aber nicht das ganze Leben in der Unterwelt: Sie steigt für den Winter hinab und kommt im Frühling wieder hervor – und das Leben beginnt von Neuem zu sprießen. Yong-Hye stirbt, damit In-Hye lebt.

Han Kangs Die Vegetarierin ist eine faszinierende, motivisch äußerst dichte Erzählung, mit der ich noch lange nicht gedanklich fertig bin. Sie lässt mich still und bewegt zurück.
Diese Rezension erschien zuerst auf meinem Literaturblog comparaison d'être .

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Tags: gegenwartsliteratur, koreanische literatur   (2)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen. Storys

Pippa Goldschmidt
E-Buch Text: 110 Seiten
Erschienen bei CulturBooks - elektrische Bücher, 02.01.2015
ISBN 9783944818450
Genre: Sonstiges

Rezension:

Pippa Goldschmidts Erzählband Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen zieht uns unwiderstehlich hinein in die privaten schwarzen Löcher der Seelen von Astronominnen, Physikern und Mathematikerinnen. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit fungiert als das Bühnenbild, in dem sich das Schauspiel des persönlichen Desasters entwickelt.

Pippa Goldschmidt ist selbst promovierte Astrophysikerin und Astronomin, sie arbeitete am Imperial College und für die Weltraumbehörde, da nimmt es nicht Wunder, dass ihr Schreiben größtenteils von Wissenschaft inspiriert ist, inhaltlich wie stilistisch. Ihr Stil ist nicht der üblicher akademischer Papers – denn die meisten Wissenschaftler sind eben nicht, wie Pippa Goldschmidt, gleichzeitig Absolventen des renommierten Creative Writing Kurses der University of Glasgow – aber er ist klar und präzise; es gibt kein überflüssiges Wort. Dies bei der Übertragung ins Deutsche zu erhalten, ist Übersetzerin Zoë Beck hervorragend gelungen.

Inhaltlich befassen sich fast alle Geschichten mit dem Berufs- und Privatleben von Naturwissenschaftlern, teils mit realen wie Robert Oppenheimer, den wir in Gleichung für einen Apfel durch seine unglückliche Zeit als Doktorant in Cambridge begleiten, oder Alan Turing, dessen Entwicklung des Turing-Test zur Überprüfung, ob Maschinen denken können, in Das Nachahmungsspiel mit der tragischen Geschichte um seinen Suizid verknüpft wird.

Das Dilemma manches Wissenschaftlers, wie er sich verhalten solle, wenn seine Forschung auf einmal zu unlauteren Zwecken eingesetzt wird, verhandelt Goldschmidt aber nicht am „Vater der Atombombe“ Robert Oppenheimer, sondern an einem namenlosen Team von Astronomen (in Sicherheitsüberprüfungen), was deutlich macht, wie viel alltäglicher dieses Dilemma ist.

Andere Erzählungen sind nicht nur fiktiv, sondern gehen ins Fantastische, etwa die wunderbare Geschichte um eine romantische Beziehung zu einem sprachgesteuerten Lift, oder die titelgebende Endzeit-Story Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen, in der unaufhaltsam Satelliten auf die Erde krachen. Trotz der extremen Situation bleibt der Erzählstil sachlich, selbst das Groteske wird lakonisch mitgeteilt – eine reizvolle Divergenz mit komischer Wirkung:

Einige der Trümmer waren groß genug, um es durch die Atmosphäre zu schaffen, und landeten auf unserer Terrasse, und wir fragten uns, warum es eigentlich so wichtig gewesen war, eine Kaffeetasse und einen Druckbleistift in den Weltraum zu schießen, und ob die Auswahl an Gedichtanthologien, die die Astronauten getroffen hatten, nicht doch etwas gewagt war. [S. 19/161]¹

Pippa Goldschmidt webt in diese wissenschaftlich basierten Geschichten häufig Genderthemen ein, zeigt die nach wie vor problematische Situation von Wissenschaftlerinnen (zum Beispiel in BBC Fernsehstudios, 2013 oder in Kampf um die Unsterblichkeit) und wirkt dem Cliché der asexuellen Naturwissenschaftlerin entgegen (so in Einführung in die Relativitätstheorie oder in Die Suche nach dunkler Materie). Sie selbst gendert dabei nicht, so dass in manchen Geschichten das Geschlecht der Erzählerin/des Erzählers nicht zu erkennen ist, weil es irrelevant ist. Mir ist das erst aufgefallen, als ich über diese Geschichten schreiben wollte, wodurch man (auf deutsch) meist gezwungen ist, sich für einen Artikel und eine Endung zu entscheiden.

Ihre Geschichten sind unterhaltsam, lehrreich und philosophisch. Sie werfen einen Blick darauf, wie unterschiedlich naturwissenschaftlich geprägte Gehirne mit Gefühlen umgehen können: mit Neid, den Robert Oppenheimer auf seinen Tutor Patrick Blackett verspürte; mit Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit, oder auch mit der Scham der Shoah-Überlebenden und ihrer Nachgeborenen wie in Keine Zahlen:

Als ich älter wurde und mit komplizierter Mathematik weiter machte, verstand ich, dass es zwei Kreise für zwei Zahlenmengen gab, und diese Zahlen bildeten der Reihe nach die Menschen ab, die die Lager überlebt hatten, und die Menschen, die umgekommen waren. Keine Schnittmenge bei den Kreisen, die Menschen waren entweder lebendig oder tot. Und man konnte unmöglich wissen, welche Zahl im Einzelnen in welcher Zahlenmenge war. Nichts was durch bloße Betrachtung eine Zahl von der anderen unterschied. Ich wusste nun, dass viele Zahlen eine versteckte Geschichte hatten, und ich fühlte mich nicht mehr wohl damit, Rechenaufgaben mit ihnen zu machen. Ganz so, als würde man auf Asche trampeln. Es war eine Erleichterung, von irrationalen Zahlen zu erfahren, wie Pi oder die Quadratwurzel aus zwei. [S. 25/161]

Gerade diese Geschichte hat ein starkes symbolisches Ende, dass ich hier natürlich nicht vorwegnehmen möchte.

Pippa Goldschmidt gehört zu meinen persönlichen Entdeckungen des Jahres 2016, auch wenn der Erzählband Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen bereits 2014 bei CulturBooks erschienen ist.

Diese Rezension war zuerst zu lesen auf meinem Literaturblog comparaison d'être


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gegenwartsliteratur, wolfgang herrndorf, deutsche literatur, kurzgeschichte, herrndorf

Die Rosenbaum-Doktrin

Wolfgang Herrndorf
E-Buch Text
Erschienen bei Rowohlt E-Book, 02.12.2013
ISBN 9783644521216
Genre: Romane

Rezension:

So ein schmales Heftchen, gerademal 18 Seiten, und so viel Gehalt: Meine besten 15-Minuten Lesezeit dieses jungen Jahres. Herrndorfs Rosenbaum-Doktrin ist eine Gesprächsdokumentation wie aus einem Feature von Alexander Kluge, changierend zwischen Ernst und Spaß, mehrheitlich Spaß, untermalt von einer nicht unangenehmen leichten Verunsicherung ob der Faktualität.

Wolfgang Herrndorf besucht den Kosmonauten Friedrich Jaschke im Altersheim und redet mit ihm über die Zeit der Raumfahrtpioniere. Jaschke hat seine Ausbildung zusammen mit Sigmund Jähn absolviert, und obschon er besser im Kopfrechnen war (sehr wichtig in der russischen Raumfahrt!) und auch in Sachen Pysik und Physiologie der Erste war, wurde Jähn, der Parteiliebling, bevorzugt. Jähn flog ins All und Jaschke blieb unten.

Neben der interessanten Perspektive, die Jaschke bietet, begeistert vor allem sein lakonischer, zum Schnodderigen tendierender Ton:

Herrndorf: Aber es gab auch Rückschläge.

Jaschke: Die Mondsache, klar. Mond war natürlich die Königsdisziplin.

Kulturwissenschaftlich interessant und beinahe philosophisch wird es, als sie auf die Rosenbaum-Doktrin zu sprechen kommen: Wie reagiert man, wie reagiert die Sowjetunion, wenn man im Weltraum Irrationalem begegnet?

Auf den wenigen Seiten des Heftes gibt es mehrere Gelegenheiten zum lauten Auflachen, die ich alle genutzt habe. Ich hätte noch stundenlang weiterlesen mögen. Wenn es überhaupt etwas an dem Büchlein auszusetzen gibt, dann, dass es zu kurz ist.

[Diese Rezension erschien zuerst auf meinem Blog comparaison d'être ]


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Tags: deutsche literatur, gegenwartsliteratur, herrndorf, kurzgeschichte, wolfgang herrndorf   (5)
 

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intermedial, literarische montage, filmgeschichte

Geschichten vom Kino

Alexander Kluge
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.02.2007
ISBN 9783518419045
Genre: Romane

Rezension:

Als der promovierte Jurist Alexander Kluge Ende der 50er Jahre ein Volontariat bei Fritz Lang machte, der gerade Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal drehte, saß er viel in der Kantine und schrieb Geschichten, die später unter dem Titel Lebensläufe bei Suhrkamp erschienen. Kluge ist in beide Professionen, als literarischer Autor und als Filmemacher, auf höchstem Niveau eingestiegen und führt beide bis heute extensiv fort. Dabei ist ein wahrhaft einzigartiges Werk entstanden.

Die große Faszination, die Alexander Kluges Werk insgesamt auf mich ausübt, hat sich nicht gleich auf den ersten Seiten entwickelt. Ich fing erst an, seine Literatur zu begreifen, nachdem ich seine Filme Abschied von gestern (1966) und besonders Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1968) gesehen hatte. Für Kluge konstitutive Konzepte – die Kategorie Zusammenhang, der Antirealismus des Gefühls, das spezielle Montageprinzip – erschließen sich nicht im einzelnen Text, sondern nur über die Vielfalt seines Werks, das Kluge selbst mit einem Korallenriff vergleicht und das den Ausmaßen des Great Barrier Reef entspricht.

Der 2007 bei Suhrkamp erschienene Band Geschichten vom Kino ist ein besonders schöner Abschnitt dieses kaum zu überblickenden Ökosystems, weil es zwei der wesentlichen Ausdrucksformen Kluges – Literatur und Film – verbindet, und dabei zugleich die individuelle Form vor Augen führt, die sein literarisches Werk unverwechselbar charakterisiert: Was Kluge lakonisch Geschichten nennt, sind autonome, oft sehr kurze Erzählungen, Dokumentationen, Beschreibungen, Gespräche ohne Inquitformeln, bei denen der Sprecherwechsel lediglich durch Gedankenstriche angezeigt wird. Kleine Einheiten, die, in der Literatur wie im Film, zu größeren Einheiten montiert werden und so Zusammenhang entstehen lassen. Kluges ewige Themen – Krieg, Krisen, persönliches Unglück, die Kälte der gesellschaftlichen Institutionen; aber auch Rettung in letzter Sekunde und glückliche Zufälle – finden sich natürlich auch in den Geschichten vom Kino, immer in ihrem Bezug zum Film. Seine knappen, sachlichen Geschichten zeigen, erzeugen und reflektieren große Gefühle ohne falsche Sentimentalitäten.

Anlässlich seiner Retrospektive in der Cinématèque Française bezeichnete Kluge sich selbst als „Patriot der Filmgeschichte“, die er ganz offenkundig liebt, die er seit 50 Jahren mitgestaltet und über die er sehr viel zu erzählen hat: Das macht Geschichten vom Kino für mich zu Kluges schönstem Buch.

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Io Non Ho Paura

Niccolò Ammaniti
Flexibler Einband: 219 Seiten
Erschienen bei Einaudi, 01.07.2007
ISBN 9788806188672
Genre: Historische Romane

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De helaasheid der dingen / druk 59

Dimitri Verhulst
Flexibler Einband
Erschienen bei Atlas-Contact, 03.09.2014
ISBN 9789025443689
Genre: Romane

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