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bilderbuch, kinderbuch

Milchzahn und Stinkefuß - Der Hühnerdieb

Holger Lindemann , Daniel Bauer
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Daniel Bauer, 01.01.2016
ISBN 9783000552090
Genre: Sonstiges

Rezension:

Abenteuerliche Reisen durch unbekannte Gegenden – was haben wir nicht gezittert, als die Fuchsbrüder Milchzahn und Stinkefuß ganz allein ihre Reise zur geheimen Fuchshöhle antraten. Doch solche Erfahrungen sorgen für Sicherheit und ein tolles Gefühl. Wow! Langsam werden wir richtig groß und können schon so viel ganz allein erledigen. Ein wirklich fuchstastisches Gefühl!

Milchzahn und Stinkefuß - Der Hühnerdieb

Nach ihrem abenteuerlichen Waldlauf entdecken die beiden Jungfüchse ihre Spürnase für sich. In „Der Hühnerdieb“ müssen die Brüder das Verschwinden der Hühner und des stolzen Hahns aufklären. Was für ein Abenteuer – was für ein toller Kriminalfall! Zusammen mit den übrigen Tieren auf dem Bauernhof beginnen die beiden mit ihren „Ermittlungen“. Jede Seite, jede äußerst gelungene Illustration lässt uns enger zusammenrücken. Werden die beiden erfolgreich sein? Werden sie den gemeinen Hühnerdieb finden? Spannung pur!
Milchzahn und Stinkefuß mit Widmung

Vielen Dank nochmal an Daniel Bauer für die schöne Widmung. Unsere Nichte Annemarie war mindestens so begeistert, wie wir es beim Betrachten gewesen sind. Die Bestellung via FACEBOOK stellte jedenfalls keine Hürde dar und ging fuchstastisch schnell über die Bühne.

Milchzahn und Stinkefuß haben es wieder geschafft. Neben einer spannenden Geschichte, welche dieses Mal aus der Feder von Holger Lindemann stammte und auch etwas umfangreicher daherkommt, als es im „Waldlauf“ der Fall war, sind es die wunderbaren Bilder von Daniel Bauer. Kinder und Erwachsene gleichermaßen werden ihre Freude haben, durch die Seiten dieses tollen Bilderbuches zu blättern. Zumal uns beide Füchse „direkt“ ansprechen und wir nicht daran vorbeikommen, einem Suchspiel zuzustimmen. Wie bereits im „Waldlauf“ fliegen uns die Tiere von Seite zu Seite entgegen. Als wollen die Bewohner des Waldes, dass sich die Leser umgehend aufmachen sollen, um diesen Fall gemeinsam mit Milchzahn und Stinkefuß zu lösen. Natürlich ist die Leserschaft mehr als bereit und wird zum Abschluss der Geschichte wundervoll entlohnt.

Was mit „Der Waldlauf“ seinen Anfang nahm, findet in „Der Hühnerdieb“ eine gelungene Fortsetzung der Abenteuer dieser beiden unheimlich sympathischen Fuchsbrüder. Wir können nur hoffen, dass dies vielleicht erst der Beginn einer ganzen Serie von Milchzahn und Stinkefuß darstellt. Begeistert schließe ich das Buch zu, freue mich auf eine besinnliche Weihnachtszeit und hoffe, dass wir bald mehr von Daniel Bauer und seinen Kollegen lesen und betrachten dürfen.

Milchzahn & Stinkefuß – Der Hühnerdieb, erste Auflage 2016, 88 Seiten, Bilderbuch, Illustrator: Daniel Bauer, Autor/Text: Holger Lindemann.

Rezension: 17. Dezember 2016

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Tags: bilderbuch, kinderbuch   (2)
 

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bilderbuch, kinderbuch

Der Waldlauf

Frank Sandmann , Daniel Bauer
Fester Einband: 58 Seiten
Erschienen bei LeiV, 01.01.2014
ISBN 9783896034410
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Jetzt stellt euch vor, ihr würdet in einer Großstadt leben. Das Leben auf dem Land wäre so weit entfernt, wie eine Reise zum Mond. Kindliche Vorstellungskraft kann zwar hilfreich sein, doch manchmal benötigen wir einen kleinen Schubs, um uns vorstellen zu können, wie eine Reise durch den Wald aussehen könnte.

Die Brüder Stinkefuß und Milchzahn, zwei Fuchskinder aus den Tiefen des Waldes, mögen Abenteuer. Sie streunen gern durch das Unterholz und entdecken jeden Tag etwas Neues. Eines Tages beschließen sie, die Geheimfuchshöhle aufzusuchen – ganz allein! Kein Papa, keine Mama – nur die Geschwister wollen dieses Abenteuer bestreiten. Natürlich geht dies auch nur, wenn daraus eine sportliche Herausforderung wird, denn aus so einem Abenteuer kann auch schnell ein sportlicher Wettstreit werden; ein echter Waldlauf!

Daniel Bauer und Frank Sandmann verzaubern uns mit ihrem Bilderbuch „Der Waldlauf“. Bauers Illustrationen sind so detailliert und wundervoll in Szene gesetzt, dass die Vorstellungskraft eines jeden Lesers beflügelt wird. Wenn dann auch noch die Zeilen Sandmanns Spannung und Abenteuerlust erzeugen, werden alle großen und kleinen Leser ihre Freude haben.

Abschließend sage ich gern DANKE! Tanja und ich sind nämlich erst durch die schöne Rezension von phantasienreisen auf dieses Bilderbuch aufmerksam gemacht worden. Manchmal darf man auch Glück haben, oder?

Der Waldlauf, Bilderbuch, 55 Seiten, Illustrator: Daniel Bauer Autor: Frank Sandmann

Rezension: 20. November 2016

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BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

Marc Elsberg
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.06.2013
ISBN 9783442380299
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Strom!

Was würde mit uns geschehen, wenn von einem Moment auf den anderen diese „Selbstverständlichkeit“ nicht mehr als Ressource verfügbar wäre?

Piero Manzano, ein italienischer Informatiker mit „Hackerqualitäten“, findet sich in so einem plötzlich stattfindenden Szenario wieder. Zu Beginn des großen „Blackouts“ sind es weite Teile Italiens. Nach kurzer Zeit verdunkelt sich auch in Schweden und breiten Teilen Frankreichs der elektronische Himmel. Auch Deutschland wird letztlich völlig lahmgelegt. Kurz gesagt: Der globale Blackout scheint tatsächlich eingetreten zu sein!

Pieros eigene Recherchen im heimischen Mailand entdecken eine mögliche Schwachstelle. Die jahrelange Erfahrung im IT-Sektor und das damit verbundene Know-how haben seine Sinne in diesem Bereich besonders geschärft. Als er eine mögliche Spur entdeckt und auf diese aufmerksam machen möchte, schenkt man seinen Mutmaßungen und Einschätzungen keinerlei Glauben. Warum auch? Ein Informatiker mit einer zweifelhaften Vergangenheit soll eine mögliche Lösung des Rätsels parat haben? Wie würde eine verantwortliche Person, die sich in einer schweren Krise mit so unsagbar vielen Problemen und Schwierigkeiten auseinandersetzen muss, auf solche Äußerungen reagieren?

Manzano wird nicht angehört. Er muss auf eigene Faust handeln, während fast ganz Europa, im wahrsten Sinne des Wortes, „im Dunkeln tappt“.

Marc Elsberg hat mit seiner Version einer globalen Katastrophe für viel Aufsehen gesorgt. Dieses Szenario ist schließlich keine Science-Fiction. Das deutsche Innenministerium und der Chef der Bundesnetzagentur haben in eigenen Ausarbeitungen auf so einen möglichen Katastrophenfall hingewiesen. In seinem Nachwort geht Elsberg auf diesen Umstand ein. So kam die erste Anfrage nach Erscheinen seines Romans nicht von einer Buchhandlung für eine mögliche Lesung, „[…] sondern von einem Institut, das sich mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen beschäftigt.“

Wir alle können uns im derzeitigen Zustand nicht ansatzweise vorstellen, was es bedeutet, wenn von heute auf morgen über einen Zeitraum von nicht einmal einem Monat die Zeitrechnung eine „Rolle rückwärts“ vollbringt. Strom ist für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Das morgendliche Einschalten des Radios oder Fernsehers zum Frühstück. Der „Weckruf“ des Handys, um aus dem Bett steigen zu können und das alltägliche Duell mit unseren elektronischen Zahnbürsten – all´ das wäre in so einer Szenerie unmöglich.

Doch diese Katastrophe hält noch viele weitere Probleme und Schicksalsschläge als „Asse“ in der Hand. Nach Abschluss dieses Buches war ich in gleichem Maße begeistert und schockiert. So muss ich mir eingestehen, dass ich ein echter „Eletronik-Junkie“ bin. Für mich steht es außer Frage, auf Errungenschaften wie dem „Personal Computer“, dem Handy oder meinen Fernseher zu verzichten. Doch desweiteren zeigte mir der Autor auf, welche weiteren „Dominosteine“ ins Wanken geraten und fallen, sollte ein Blackout dieser Größenordnung über uns alle hereinbrechen. Wer die Hälfte des fast 800 Seiten starken Romans bewältigt hat (Was aufgrund der Spannung keine Schwierigkeit darstellen sollte!), könnte Schweißperlen oder ein leichtes „Unwohlsein“ verspüren.

Die Welt ist nicht fair! Es gibt mehr Arme, als Reiche! Dieser Umstand einer sich immer schneller drehenden Welt mit einem Globalisierungsmotor, der nie zum Erliegen zu kommen scheint, verlangt weltweit hohe Opfer. Diejenigen, welche nicht auf der „Sonnenseite des Lebens“ stehen, sehen in den Errungenschaft der Industrienationen eine ernsthafte Bedrohung. Somit sind Tür und Tor weit offen für radikale Gedanken und auch Taten. Genau dieses Thema wird vom Autor kurz zum Ende seines Romans angerissen. Doch warum nur kurz?

Genau das ist die Stärke des Romans. Die vielschichtigen Probleme der Globalisierung, die Menschenrechtsverletzungen und das Gefühl einer ungerechten Verteilung vom Reichtum in unserer Welt, ist oft Gegenstand hitziger Diskussionen gewesen. Piero Manzano und seine Freunde können und wollen diese Probleme und die damit verbundenen Fragen nicht beantworten. Ihr Problem, dieser Blackout, sorgt nur für einen einzigen Antrieb: Überleben!

Fazit:

Dieser Thriller ist für mich ein gelungener Start ins neue Jahr 2015 gewesen! Nach den ersten Seiten verspürte ich bereits den Drang, dieses Buch nicht aus den Händen legen zu wollen. Autor Elsberg erschafft eine Umwelt, die dem Leser sehr vertraut ist und doch als eine große „Unbekannte“ daherkommt. Kein einfacher Bürger setzt sich mit den Schwierigkeiten und technischen Fragen im Bezug auf unsere Stromversorgung auseinander, oder? Piero Manzano ist der richtige „Begleiter“ auf unserer Lesereise. Wir können nur hoffen, dass so eine Katastrophe nie eintreten wird. Wenn es doch eines Tages dazu kommen sollte, kann ich persönlich nur hoffen, jemanden wie Manzano in meinem Freundeskreis wiederzufinden.

Liebe Grüße,

Euer Olli

x Autor/in: Marc Elsberg
x Titel: Blackout – Morgen ist es zu spät
x Genre: Roman, Krimi / Thriller
x 800 Seiten
x Blanvalet
x ISBN: 978-3764504458

am 21. Januar 2015 geschrieben

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Une place à prendre. Ein plötzlicher Todesfall, französische Ausgabe

Joanne K. Rowling
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Grasset, 01.09.2012
ISBN 9782246802631
Genre: Romane

Rezension:


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Joyland

Stephen King , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.01.2015
ISBN 9783453437951
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Devin Jones ist ein junger Student, der zur Finanzierung seines Studiums einen Job in einem Freizeitpark annimmt. In vielerlei Hinsicht soll dieser erste selbständige Gang in die Eigenverantwortung ein Neubeginn für ihn sein. Seine Freundin, meilenweit von ihm getrennt, scheint kein echtes Interesse mehr für ihn zu zeigen und so scheint für ihn bald naheliegend zu sein, dass eine Trennung bald im Raum stehen könnte. Schweren Herzens lässt er also seine noch junge Vergangenheit hinter sich, um auf eigenen Beinen zu stehen. Mit Anfang 20 ist dies sicherlich leichter gesagt als getan. Während er ein paar Stellengesuche in der Zeitung durchliest, fällt ihm die Announce für einen Job im Freizeitpark „Joyland“ ins Auge. Kurzerhand entschließt er sich, eine Bewerbung in die Wege zu leiten.

Zur eigenen Überraschung verläuft dieses Vorstellungsgespräch äußerst positiv und er erhält den Job. Nach einer kurzen Einarbeitung (Im Grunde genommen ist es der berühmte „Sprung ins kalte Wasser“!) gehört er nun zum Stammpersonal von Joyland. Dieser Sommer wird für Devin eine neue Erfahrung – in vielerlei Hinsicht.

Er findet zwei Studienkollegen, mit denen er sich schnell anfreundet. Bis auf eine ganz besondere Ausnahme versteht sich Devin mit allen Bediensteten und den Menschen im näheren Umfeld seiner neu bezogenen Wohnung ausgesprochen gut. Eine alleinerziehende Frau und ihr schwer erkrankter Sohn, welche ganz in der Nähe seines Apartments leben, werden in diesen Wochen und Monaten eine ganz besondere Rolle spielen.

Sein Job als „Mädchen für Alles“ fühlt sich für Devin gut an – ausgesprochen gut. Noch nie hat ihm etwas so viel Freude bereitet, als Kindern und deren Eltern einen schönen Nachmittag zu bereiten, an den vielen Sehenwürdigkeiten und Attraktionen Hand anzulegen oder den einen oder anderen interessanten Menschen kennenzulernen. Zum Park gehört auch eine kleine Wahrsager-Bude und hier erfährt Devin von einigen Geschichten, die sich in „Joyland“ über die Jahre zugetragen hatten. Auch sein eigenes Schicksal wird hier besonders in Augenschein genommen.

Der Mord einer jungen Frau in der Geisterbahn des Parkes interessiert Devin und seine Freunde ganz besonders. Jeder kennt diese besonderen Geschichten, an deren Ende von einem Geist oder Spuk die Rede ist, welcher am Ort des Geschehens umherschleicht. Auch im Mordfall der jungen Frau soll ein Geist sein Unwesen treiben – in der Geisterbahn von Joyland. Angeblich findet diese arme Seele keine Erlösung, da der Täter nie ergriffen worden ist. So soll es des öfteren vorgekommen sein, dass Gäste des Parks eine Gestalt in der Geisterbahn sahen, die mit einer flehenden Geste auf sich aufmerksam gemacht haben soll. Während die meisten Angestellten solche oder ähnliche Geschichten als einfachen Hokuspokus abtun, interessiert sich Devin letztlich für die Tatsache, dass der Mörder tatsächlich nie gefunden worden ist. Irgendwo da draußen ist er unterwegs – oder ist er vielleicht sogar noch an Ort und Stelle?

Die Wahrsagerin, Devins Begegnung mit seinem jungen Nachbarn und die Freundschaften zu seinen Studenten und Angestellten des Parks werden für ihn eine Wahrheit am Ende parat halten: Dieser Sommer wird unvergesslich!

Stephen King´s „Joyland“ ist ein Rückblick! Der Protagonist dieser Erzählung schildert seine Erlebnisse in einem Freizeitpark der 70er Jahre und wirkt manchmal melancholisch und verträumt. Das Ende der ersten „ernsthaften“ Beziehung und der damit verbundene Schmerz, die Trennung vom geliebten Elternhaus und die ersten unsicheren Schritte in die Selbständigkeit kennen wir alle. King zeichnet dieses Bild gekonnt nach und versucht neben all´ diesen alltäglichen Hürden eine Geschichte zu erzählen, die immer wieder neue Schlenker in unterschiedliche Richtungen einschlägt. Drama, Kriminalroman, Thriller und ein wenig Gruselatmosphäre finden sich in diesen Seiten wieder.

Fazit:

Als erklärter King-Fan stand es für mich außer Frage, „Joyland“ ins Regal zu stellen. Doch was bleibt am Ende? Die Geschichte plätschert munter dahin. Tolle Typen und interessante „Wegweiser“ sorgen dafür, dass man das Ende dieser Erzählung zügig erreicht. Doch irgendwas fehlt! Am Ende fühlt es sich für mich so an, als ob eine Geschichte erzählt worden ist, die fast jeder von uns „am eigenen Leib“ hätte erleben können. Der Mord einer jungen Frau und ihr ruheloser Geist bilden letztlich nur einen Bruchteil dieses Romans. Vielmehr sind es die unterschiedlichen Beziehungen, die hier im Fokus stehen. Der eine oder andere Leser wird diese Art der Erzählung mit allen Sinnen genießen, doch nach so vielen unterschiedlichen Werken in kürzester Zeit, ist meine hohe Erwartung leider etwas enttäuscht worden. „Das Attentat“ oder „Doctor Sleep“ zählen für mich nach so vielen Jahren zu den besten Romanen, die Stephen King in jüngster Zeit veröffentlich hat. „Joyland“ ist ein guter Roman, doch der letzte Schliff – der Knalleffekt – hat mich nicht befriedigen können.

 x Autor/in: Stephen King
x Übersetzer/in: Hannes Riffel
x Titel: Joyland
x Genre: Roman
x 351 Seiten
x Heyne Verlag
x ISBN: 978-3-453-43795-1

Die Rezension habe ich am 2. August 2015 geschrieben.

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Tags: stephen king   (1)
 

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16 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

abfluss, asthma, asthmaspray, beverly, beverly march, boutiquen, chauffeur, chicago, clown, derry, eddy, erinnern, erinnerung, erziehen, erziehung

Es

Stephen King , Alexandra von Reinhardt , Joachim Körber , David Nathan
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 14.08.2017
ISBN 9783837140538
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hast Du Angst vor der Dunkelheit? Spürst Du, wie sich die Kehle zuschnürt und der Angstschweiß an Deinem Rücken herunterläuft? Es gibt ihn wirklich – den schwarzen Mann!

Stephen King ist bekannt für seine “schrecklichen” Geschichten und Erzählungen. In den 80er Jahren blühte er regelrecht auf und gewann eine große Fangemeinde für sich (obwohl er diese sicherlich schon in den 70er Jahren “einsammelte”). “ES” bildet hier sicherlich einen echten Meilenstein. Was mit “Carrie” begann, wird hier in noch beängstigender Form fortgesetzt. Dieser Roman – einer seiner umfangreichsten Werke – sorgte bei mir schon beim ersten Mal des Lesens für Gänsehaut (und ja: ich hab mein Nachtlicht brennen lassen!).

Derry, eine kleine verschlafene Stadt in Maine, U.S.A. Die Geschichte beginnt mit einem Stadtfest an der Stadtgrenze und einem Mord – dieser soll jedoch nicht der letzte bleiben. Die vermeintlichen Täter, welche von der örtlichen Polizei in Gewahrsam genommen worden sind, schildern sehr wirre und fast verrückte Darstellungen des Tatherganges. “Es war da dieser Clown – keine Ahnung, was der da unten im Kanal getrieben hat. Aber er war es!”

Dieser Clown, Pennywise, ist bereits in der Vergangenheit aufgetreten. In den 50er Jahren kreuzen sich die Wege von ihm und sieben Kindern, die aus den verschiedensten Familien stammen. Eine der Figuren in diesem Roman würde wohl zu den sieben Freunden sagen:

“Sieh an – der Jude, der Stotteraugust, die Zopfliese, das fette Schwein, der Nigger, der Schwindsüchtige und die Brillenschlange – der Club der Verlierer!”

Die wohl wichtigste Person dieser Erzählung, ist dieser “Club” an sich! Denn stets beschreibt Stephen King die einzelnen Personen und deren “Leidensgeschichten” bis ins kleinste Detail, ohne jedoch die Gruppe und deren Freundschaft zueinander zu vernachlässigen. Ganz egal, ob es sich dabei um Bill Denbrough und seinen harten Schicksalsschlag handelt, oder auch um Beverly Marsh und ihren jähzornigen Vater. Alle sieben Freunde (Beverly, Bill, Ben, Mike, Ritchie, Stan und Eddie) sind im Verlauf der Erzählung “die Gemeinschaft”, die hier beschrieben wird.

Detailreich und mit einer Spannung, die fast greifbar ist, erzählt uns King eine Geschichte, die uns mitfiebern, hoffen und auch lachen lässt – auch wenn es uns manchmal im Halse stecken bleibt.

Neben diesen Protagonisten gelang Stephen King jedoch ein weiterer Geniestreich. Er fügte “Zwischenspiele” im Roman ein. Diese Kapitel zeichnen weitere Personen und Taten nach, die für diese Erzählung sehr wichtig sind. So wird zum Beispiel davon berichtet, dass “ES” schon weitaus länger in der Gegend um Derry tätig war – viel länger. Derjenige, der diese Geschichten und Erzählungen aufzeichnete und sammelte, war im Roman Mike Hanlon. Dieser Junge ist – neben Bill – der “Mann des roten Fadens”. Er navigiert uns Leser durch die Geschichte und versucht Licht ins Dunkel zu bringen.

Selten habe ich einen Roman gelesen, der mich so schockierte und fesselte. Das erste Mal las ich diesen “Schinken”, als ich 15 Jahre alt war. Noch immer besitze ich dieses Werk (was man auch gut am Zustand des Einbandes erkennen kann). Ich muss zugeben, dass ich diesen Roman irgendwann wieder lesen werde – um mich “zu gruseln und zu amüsieren”.

Stephen King hat allerdings auch seine typischen Schwächen – allerdings nicht in diesem Werk! Ihm gelingt von Anfang an eine spannende Geschichte zu erzählen. Sie ist packend und angsteinflößend. Das Ende ist einfach typisch King. Wer nach über 1200 Seiten noch immer der Meinung ist, dass Stephen King nicht zu den renomiertesten Autoren der Gegenwart zu zählen ist, sollte vielleicht noch weitere Bücher dieses Mannes lesen und mit “ES” vergleichen. Neben seinem vielgerühmten Erstling “Carrie” gehört für mich “ES” zu den besten Erzählungen, die er je veröffentlichen ließ.

Ja – es wird sicherlich unter den Lesern ein paar kritische Töne zu diesem Werk geben, da es Passagen in der Geschichte gibt, die äußerst “grenzwertig” erscheinen. Dies ist jedoch fast eine Art Markenzeichen des Autors. Für mich ist es nach langen Jahren wieder eine Art Rückführung der “alten Zeiten” gewesen – ich erinnerte mich daran, wie ich zusammengekauert auf meinem Bett saß und dieses Werk verschlang (immer mit brennnendem Licht und geschlossenen Fenstern!).

Abschließend bleibt eines noch festzuhalten: “ES” war der Roman, der mich zum King-Fan werden ließ. Neben dem Genre Fantasy gesellte sich nun auch der Horror zu meinen Leseerfahrungen hinzu. Ich glaube, dass ich keinen besseren “Horrormärchenerzähler” hätte finden können, als Stephen King!

x Autor/in: Stephen King
x Titel: ES
x Genre: Thriller/Horror
x 1210 Seiten, 14. Auflage 1990
x Heyne Verlagsgruppe Random House
x ISBN: 345309994X

Re-Read Rezension vom 23. Oktober 2011

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Menschenjagd

Stephen King , Nora Jensen (Übers.)
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.01.2006
ISBN 9783548263304
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hallo zusammen! Viele von Euch kennen ja bereits die fantastische und recht unheimliche Welt, die uns Stephen King in seinen Romanen und Geschichten präsentiert.
Da ist von einem mordenden Wesen die Rede, welches im Clownkostüm durch die Straßen einer amerikanischen Kleinstadt streift; oder auch ein zu Unrecht verurteilter Mann, der durch übersinnliche Kräfte in der Lage ist, totkranke Menschen zu heilen.

Aber habt ihr auch gewusst, das Stephen King in den späten 70er und 80er Jahren unter dem Pseudonym Richard Bachman mehrere Romane veröffentlichte?

Nun – ein Roman ist “Menschenjagd”!

Ben Richards ist ein gebrochener Mann. Jahrelang arbeitete er für eine Firma, welche ihre Mitarbeiter unter untragbaren Bedingungen schuften ließ. Irgendwann schmeißt er den Job hin und das, obwohl er in seiner Welt eigentlich diesen Job dringend benötigt. Seine kleine Tochter ist schwer erkrankt und seine Ehefrau ist oftmals gezwungen, ihren Körper für einen Hungerlohn an potentielle Freier hinzugeben.

Dies will Ben endgültig verhindern und seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen. Das Fernsehen hat in Stephen Kings düsterer Zukunftsvision eine unglaubliche Macht und wird durch staatliche Mittel gefördert. Selbst verabscheuungswürdige Sendeformate erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Eine Sendung ist u. a. die “Menschenjagd”.

Freiwillige werden durch die gesamten U.S.A. gehetzt – verfolgt von “Bluthunden” (bezahlten Killern und modernen Gladiatoren), die alles daran setzen wollen, die “Beute” öffentlich zur Schau zu stellen und hinzurichten.

Ben wird nach einigen Tests letztlich ausgerechnet für diese Sendung aus vielen Bewerbern ausgesucht. Vielleicht weiß er da zum ersten Mal, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen könnte. Doch er nimmt diese Herausforderung an. Er hofft auf das große Preisgeld und träumt von einem besseren Leben für seine kleine Familie – – – verfolgt von blutrünstigen Jägern und begafft von Millionen von Fernsehzuschauern, die nur seinen Tod LIVE miterleben möchten.

In diesem Roman, welcher mittlerweile unter dem echten Autorennamen veröffentlich wurde, zeichnet Stephen King eine düstere und sehr beklemmende Zukunftsvision. Sie erinnert ein wenig an Szenarien, die bereits in Büchern wie z. B. “1984” umgesetzt worden sind.

Mitte der 80er Jahre, als das Action-Kino sein größtes Publikum hatte, wurde mit der Besetzung des Ben Richards durch Arnold Schwarzenegger dieser Roman auch filmisch umgesetzt. Natürlich erhielt diese Verfilmung einen flotten Titel (Running Man) und schilderte nicht einmal im Ansatz die beklemmende Geschichte, welche Stephen King alias Richard Bachman veröffentlichte.

Diese Vision eines übermenschlichen Machtapparates, welcher durch Einschüchterung, Vertuschungsaktionen und “Pflicht-TV” die Massen kontrolliert, ist um Lichtjahre besser, als die actionüberladene Kinofassung. Fans von Arnold Schwarenegger möchten diese Bewertung bitte verzeihen – ABER ES IST SO!

Bereits zum Beginn der Erzählung wird man mit einem echten Countdown konfrontiert. So hat Mr. King nicht einfach seine Kapitel durchnummeriert oder mit netten Überschriften versehen. Er zeigt gleich auf, dass Ben gleich von Start an unter unglaublichen Druck steht.

Die Geschichte hat ein halsbrecherisches Tempo und man fühlt mit dem Protagonisten mit. Er ist getrieben und gejagd – und doch voller Hoffnung.

Wie so oft hatte ich eigentlich die Vermutung, dass entweder zum Beginn oder zum Ende diese King-Veröffentlichung seine Schwächen hat. Dieser Autor schafft es nämlich stets die Geschichte im Mittelteil spannend zu erzählen und voranzutreiben – und das, obwohl er den Anfang oder halt das Ende unzureichend skizziert.

Bei dieser Geschichte habe ich mich getäuscht! Sie ist atemberaubend und toll geschrieben. Der Seitenumfang ist ausnahmsweise überschaubar und lässt sich in einem Rutsch wunderbar lesen.

Fans von Stephen King haben diese Erzählung sicherlich im Bücherregal stehen. Allen Anderen sei dieses Buch jedoch wärmstens zu empfehlen. Es ist schockierend und spannend! Eigentlich genau das richtige Buch für kalte und stürmische Zeiten.

 

Liebe Grüße,

Olli


Die Rezension habe ich am 16.09.2014 verfasst.

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Doctor Sleep

Stephen King , Bernhard Kleinschmidt
Flexibler Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Heyne, 15.06.2015
ISBN 9783453438026
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Im Universum von Stephen King gibt es keine Fortsetzungsromane!“ – Eigentlich ist diese „Weisheit“ der treuen Leserschaft des Erfolgsautors auf die Filmindustrie zu münzen. Dort gelang es in der Vergangenheit nur äußerst selten, dass eine Fortsetzung das gleiche hohe Niveau des Originals erreichte oder gar übertrumpfen konnte. Doch in den letzten Jahren fragten sich die Fans von Stephen King, was wohl aus „Doc“ geworden war – dem kleinen verängstigten Jungen aus „Shining“. In seiner Nachbemerkung zu „Doctor Sleep“ geht der Autor darauf näher ein.

[…] Bei einer Signierstunde fragte irgendjemand: „Sagen Sie mal, haben Sie vielleicht eine Ahnung, was aus dem Jungen in Shining geworden ist?“ Das war eine Frage zu diesem alten Buch, die ich mir schon selber oft gestellt hatte, zusammen mit einer anderen: Was wäre wohl aus Dannys krankem Vater geworden, wenn er die Anonymen Alkoholiker entdeckt hätte, statt auf eigene Faust zu versuchen, trocken zu bleiben?'“

Dass jeder Mensch die eigenen Eltern zum Vorbild nimmt und – bewusst oder auch nicht – deren Verhaltensmuster übernimmt, zeigt uns der Autor am Beispiel des nun erwachsenen Dan Torrance.

Die Erfahrungen, die Dan „Doc“ Torrance im Hotel Overlook machen musste, zerren noch immer an den Nerven. Der jähzornige und schließlich verrückt gewordene Vater, seine verzweifelte Mutter, die Bekanntschaft mit Richard Hallorann und den furchteinflößenden Dämonen in den Mauern des riesigen Anwesens – diese Eindrücke und Erfahrungen lasten schwer auf Dan. Der Weg zur Whiskeyflasche ist schließlich nicht weit. Er beginnt zu trinken – hemmungslos, selbstzerstörerisch (Wie der Vater, so der Sohn!). Es sind jedoch nicht allein diese Erinnerungen, welche er betäuben möchte – es ist seine „Hellsichtigkeit“. So nannte es Hallorann – sein „Shining“.

Als Dan schon fast alle Hoffnung verloren zu glauben scheint, ergibt sich für ihn eine neue Chance, sein Leben doch noch in den Griff zu bekommen. Mit „gewissen Auflagen“ eines Gönners erhält er einen Job in einem Hospitz. Mit Hilfe der AAs (der Anonymen Alkoholiker), einer gehörigen Portion Willenskraft und auch seiner besonderen Gabe gelingt es Dan, seine Alkoholsucht zu besiegen – oder zumindest unter Kontrolle zu bringen. Sein neuer Job füllt ihn aus. Er „begleitet“ sterbende Menschen auf ihr „hinübergleiten“. Er hält ihnen die Hand, spricht ihnen „im Geiste“ gut zu und schließt ihre Augen. Fortan wird Dan im Hospiz „Doctor Sleep“ genannt; ein Kosename, der ihn nicht stört oder irritiert.

Auch sein „Shining“ ist noch vorhanden. Er hat zwar die Vermutung, dass sie mit zunehmenden Alter schwächer wird, doch diese besondere Gabe ist noch greifbar. Durch diese Hellsichtigkeit erhält Dan schließlich auch Kenntnis einer weiteren hellsichtigen Person. Abra Stone, ein kleines aufgewecktes Mädchen, welches über eine mächtige Ausprägung dieser Gabe verfügt. Die erste „Begegnung“ ist schlicht, überraschend und für Dan sicher auch etwas irreführend. Doch solche Begegnungen hat doch fast jeder von uns machen dürfen, oder?

Durch Abra erfährt Dan von einer weiteren Gruppe von Menschen, welche Kenntnis über das „Shining“ besitzen. Nur ist diese Gabe für die Gruppe, welche sich im Verlauf der Erzählung „der Wahre Knoten“ nennt, überlebenswichtig. Sie dürsten geradezu danach. Was nun beginnt, ist eine Art „Roadtrip“, den beide – sowohl Dan, als auch Abra – ihr Leben lang nicht vergessen werden.

Stephen Kings ganz persönliche Erfahrungen scheinen hier einen großen Einfluss zu nehmen. Wie Dan war auch King ein schwerer Alkoholiker. Er selbst musste viele Veränderungen und tiefe Einschnitte im Leben über sich ergehen lassen, bevor er schlussendlich die „Notbremse“ ziehen konnte. Er selbst nennt es in seinem Nachwort wie folgt:

“ […] Außerdem verändert man sich. Der Mensch, der Doctor Sleep geschrieben hat, ist ein ganz anderer als der wohlmeinende Alkoholiker, der Shining schrieb, aber beide haben dasselbe Ziel: eine tolle Geschichte zu erzählen. […]“

Die Parallelen zwischen „Shining“ und „Doctor Sleep“ sind faszinierend und auch spannend. Oft habe ich während des Lesens an Szenen oder Ereignisse aus dem Hotel Overlook denken müssen. Trotzdem wird auch eine völlig neue Geschichte vom Autor erzählt. Der Schüler Dan wandelt sich zu einem Lehrer für die verängstigte Abra. Die Rollen, welche der Leser bereits aus „Shining“ zwischen „Doc“ und Hallorann kennt, finden nun ihre Fortsetzung in der Beziehung zwischen Dan und Abra.

King wäre nicht King, wenn die Geschichte zu Beginn nicht ein wenig „dahinplätschern“ würde. Doch im Gegensatz zu älteren Titeln, dauert diese Lesephase nicht lange an. Der „Wahre Knoten“ entpuppt sich als ein lebendig gewordenes „Overlook-Hotel“ – es atmet, sieht recht harmlos aus und verbirgt trotzdem Wut, Hass, Verzweiflung und Tod – ganz so wie das alte Anwesen in den Rocky Mountains.

Fazit:

Stephen King schließt den Kreis! Die Erfahrungen aus „Shining“ finden für Dan ihren Abschluss in „Doctor Sleep“. Zum Ende war ich von mir selbst überrascht. So hatte ich in der Vergangenheit noch nie einen „Kloß im Hals“ oder tränenverschleierte Augen, wenn ich einen „King-Roman“ beendet hatte. Doch das Finale dieser Reise von Dan und Abra hat es tatsächlich geschafft. Premiere!!! Auch wenn vielleicht der eine oder andere Leser „Shining“ noch nicht lesen konnte (oder wollte) – für mich ist es wichtig zu erwähnen, dass es äußerst zweckdienlich ist, diese Geschichte vor „Doctor Sleep“ gelesen zu haben. Nun – es ist sicherlich kein MUSS, doch allein für das Finale ist es eine dickes „Ausrufezeichen“ wert.

Nicht nur King-Fans werden ihre Freude an diesem Roman haben – da bin ich mir sicher!

Ich wünsche allen erholsame, spannende und gemütliche Lesestunden.

Liebe Grüße,
Olli

x Autor/in: Stephen King
x Titel: Doctor Sleep
x Genre: Thriller/Horror
x 703 Seiten
x Heyne Verlagsgruppe Random House
x ISBN: 978-3-453-26855-5

Die Rezension habe ich am  27.09.2014 geschrieben.

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Mr. Mercedes

Stephen King ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.09.2015
ISBN 9783453419018
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie oft sieht man diese Menschen? Unscheinbar, nett und zuvorkommend treten sie ihren Mitmenschen gegenüber. Sie sind stets freundlich, haben immer ein offenes Ohr für die Belange und Sorgen ihrer Mitbürger und zeigen mit ihrem fast fröhlichen Wesen, dass es noch etwas Gutes in einer Welt voller Zweifel und Ängste zu geben scheint. Doch was bleibt im Verborgenen? Welche Abgründe oder welch´ tiefsitzender Hass brodelt in dem einen oder anderen Menschen, welche doch stets freundlich grüßen oder für ein nettes Wort ihre eigenen Sorgen hinten anstellen?

 Diese Fragen hat sich Bill Hodges in seiner langen und ruhmreichen Karriere sicher oft gestellt. Ausgerechnet sein letzter Fall als Detective der hiesigen Polizei wandert in die Abteilung „Aktenzeichen XY – ungelöst“. Diese Person, welche mit seiner Amokfahrt am City Center für Tote und teils Schwerstverletzte gesorgt hat, hinterließ viele offene Fragen. Keine „heiße Spur“ – Mutmaßungen und fragende Blicke im Kollegenkreis sind das einzige Indiz. Mit dieser Ratlosigkeit und der ewigen Frage nach dem WARUM beginnt Bills tristes Pensionsdasein.

Vielleicht hätte er bereits seinem Nichtstun ein lautstarkes Ende gesetzt, wenn nicht unerwartete Post ins Haus geflattert wäre. Mit einem Schlag wird Bills Spürnase wiederbelebt und es beginnt ein Katz-und-Maus Spiel, welches eine Tatsache von Beginn an aufzuzeigen scheint: Mr. Mercedes fährt wieder!

Der „Meister des Übernatürlichen“ hat uns in den letzten Jahren immer wieder überrascht. Stets standen diese fantastischen Elemente im Raum seiner Geschichten. Da gelangt ein Lehrer durch eine Art Zeitmaschine in die späten 50er Jahre, um den Lauf der Zeit zu verändern („Der Anschlag“) oder eine riesige undurchdringliche Kuppel schneidet die Bewohner eines kleinen Ortes von der Außenwelt ab („Die Arena“).

In „Mr. Mercedes“ sieht die Welt diesmal völlig anders aus. Hier sind keine überirdischen Mächte am Werk. Erzählt wird ein Kriminalfall, welcher zu einem gut durchdachten Thriller heranwächst.

Vielleicht mag es dem einen oder anderen Leser nicht gefallen, dass Mr. King nun unter die Thrillerautoren gegangen ist und seiner ganz eigenen „SciFi-Welt“ zumindest in diesem Buch dem Rücken kehrte. Doch King-Leser wissen bereits, dass solche Perioden immer wieder bei Stephen King auftauchen. „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ ist so ein Beispiel, welches mir sofort einfällt. Eine Sammlung von Kurzgeschichten, welche ohne „Special Effects“ ausgekommen ist.

Auch King ist in der Lage, gute Kriminalromane zu schreiben. „Mr. Mercedes“ gehört definitiv dazu und hat mir in den letzten Tagen viel Spaß bereitet.

Aber…

Ich bin ein riesiger Fan seiner „fantastischen“ Geschichten. Ich liebe Geisterwelten wie in „Shining“ oder „Doctor Sleep“. Ich wandere gern durch die „Dead Zone“ oder fahre Karrussell mit einem monströsen Clown. Ich nehme gern an unmenschlichen Wettbewerben in einer düsteren Zukunft teil oder reanimiere Haustiere auf alten indianischen Friedhöfen.

Fakt bleibt jedoch, dass „Mr. Mercedes“ ein gut gemachter Thriller geworden ist. Er ist spannend und packend. Ganz so, wie es sich für eine gute Geschichte gehört. Ich bin mir jedoch auch sicher, dass der nächste King wieder „fantastische Elemente“ für die Leserschaft bereithält. Dies ist schließlich die absolute Stärke des Autors, den ich so sehr mag. King kann zweifellos alles schreiben – doch seine überirdische Fantasie, welche stets in einem „Gänsehautsturm“ über mich hinweg fegt, liegt mir als Leser noch mehr am Herzen.

Fazit:

„Mr. Mercedes“ hinterlässt einen zufriedenen Leser! Die Geschichte ist spannend und detailliert erzählt – ganz so, wie man es von King gewohnt ist.  Für die kühlen Herbst- und Wintermonate ist dieser Roman eine echte Empfehlung wert, auch wenn hier keinerlei Monster oder überirdische Kräfte am Werke sind.

 x Autor/in: Stephen King
x Titel: Mr. Mercedes
x Übersetzer/in: Bernhard Kleinschmidt
x Genre: Krimi / Thriller
x 592 Seiten
x Heyne Verlag
x ISBN: 978-3453269415

Die Rezension habe ich am 19.10.2014 verfasst.

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Der Anschlag

Stephen King , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 1.072 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.06.2013
ISBN 9783453437166
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am 22. November 1963 hielt die Welt den Atem an, als Walter Cronkite die Öffentlichkeit über den Tod des Präsidenten der Vereinigten Staaten, John Fitzgerald Kennedy, unterrichtete.

Auch wenn diese Aufnahmen (und der später veröffentlichte “Zapruder-Film”) noch immer schockierende Gesichter hinterlassen, wissen die Beobachter leider eine Tatsache mit Sicherheit: diese Geschehnisse können nicht mehr getilgt oder verhindert werden – – – oder etwa doch?

 

Stephen King hat sich bereits in den späten 70er Jahren mit einer Idee beschäftigt, die das Attentat auf JFK beinhaltete. In einem späteren Interview im Rahmen der Veröffentlichung von “11/22/63″ (Originaltitel) berichtete der Erfolgsschriftsteller, dass zum damaligen Zeitpunkt “die Wunden noch nicht gänzlich verheilt waren”. Er war sich jedoch sicher: Irgendwann werde ich diesen “Stoff” verarbeiten können.

Zum Inhalt des Buches:

Jake Epping lebt im Jahr 2011 ein normales Leben in den USA. Er ist Englischlehrer und bereits einmal geschieden worden. Trotz dieser negativen persönlichen Erfahrung kommt er in seinem Leben ausgezeichnet zurecht. Sein Freundeskreis mag vielleicht überschaubar sein (auch wenn er äußerst beliebt zu sein scheint!), doch die geknüpften Freundschaften werden gepflegt. Der wichtigste Ansprechpartner und Freund für Jake ist in den letzten Jahren ein Mann namens Al. Er ist Chef eines kleinen Imbiss-Restaurants, welches Burger und weitere Speisen zu echten “Dumping-Preisen” anbietet. Jake findet den Laden genial – und auch Al ist ein echter Freund für ihn. Diese Freundschaft wird eines Tages einer Prüfung unterzogen, die Jake in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte.

In einem kleinen Hinterzimmer seines Restaurants versteckt sich Al´s Geheimnis, mit welchem er diese unglaublich günstigen Preise seiner Ware erklären kann. Jake ist wie vom Donner gerührt als Al ihm offenbart, er verfüge über die Möglichkeit in die Zeit zurück zu reisen. Genauer gesagt in das Jahr 1958 – für viele Amerikaner die “gute alte Zeit”. Nach einer kleinen “Erkundungstour” hat Jake keinen Zweifel mehr, das Al ihm keine Märchen erzählt hat. Doch warum und wie dieses “Zeitportal” entstanden ist, kann auch Al nicht erklären. Er will es jedoch nutzbar machen, um den Verlauf der Geschichte verändern zu können. Gewalttaten, Ungerechtigkeiten und Mordanschläge könnte man – bei guter Vorbereitung und Recherche – womöglich verhindern.

Al hat hier ein ganz besonderes Ereignis in Betracht gezogen. Das Attentat in Dallas auf JFK muss verhindert werden! Der Grund liegt nach Al´s Ansicht klar auf der Hand. Würde man JFK retten, gäbe es keine Eskalation in Vietnam. Es würde keinen Krieg bis in die späten 70er geben und keine toten Amerikaner. Auch der Anschlag auf Robert Kennedy würde nicht stattfinden und womöglich könnte John F. Kennedy seine Politik der Veränderung durchsetzen. Viele Amerikaner sahen in JFK den Präsidenten, der das Land vereinen und verändern konnte. Er bewies Durchhaltevermögen während der Kuba-Krise und zeigte sich entschlossen in Prestigefragen, wie z. B. der bemannten Reise zum Mond. Würde man den mutmaßlichen Attentäter in Dallas außer Gefecht setzen, hätte diese “gute” Politik eine echte Chance und womöglich könnte Amerika zu dem werden, was sich seine Bürger so sehr wünschten – das Land der Hoffnung und die Heimat der Mutigen.

Al hat schon über einen längeren Zeitraum recherchiert und viele Vorbereitungen getroffen, um den Anschlag auf den Präsidenten zu vereiteln. Durch eine schwere Erkrankung ist Al selbst nicht mehr in der Lage, Lee Harvey Oswald (in den Augen der beiden Freunde der einzige Täter) außer Gefecht zu setzen. Daher bittet er seinen Freund Jake – nimmt er diese Herausforderung an? Was erwartet ihn im Amerika der späten 50er und frühen 60er Jahre? Wie funktioniert dieses “Portal” und was muss er beachten im Umgang mit den Menschen, die er zweifelsohne auf seinem Weg treffen wird?

Al unterweist Jake in Sachen “Zeitreisen” und erklärt ihm, was er zu tun und zu lassen hat, wenn er diesen Eingang benutzt. Nach diesem “Unterricht” und einigen schlaflosen Nächten willigt Jake ein. Er tritt eine Reise mit dem Ziel an, den 22. November 1963 zu dem Tag zu machen, der ursprünglich vorgesehen war: ein normaler Herbsttag im sonnigen Texas – gekrönt vom Besuch des Präsidenten der USA in Dallas – ohne Vorkommnisse!

Al warnt seinen Freund jedoch vor der Abreise: Die Vergangenheit lässt sich ungern verändern – sie kann bei dem Versuch einer Änderung des Handlungsverlaufs äußerst brutal und rücksichtslos reagieren. Jake nimmt diese Tipps dankbar an und versucht sich an ausgesuchten “Prüfungen”, um sich so auf das eigentliche “Event” optimal vorbereiten zu können. Hier entdeckt Jake schließlich am eigenen Leib, was Al mit seiner Warnung vor dieser wehrhaften Vergangenheit meint.

Fazit:

Stephen King hat es geschafft! Im Januar 2009 setzte er sich in seiner Heimat (Bangor, Maine) an den Schreibtisch und “opferte” dieser Geschichte fast zwei Jahre seines Lebens. Im Dezember 2010 war dieses Werk vollendet und ich darf ohne Übertreibung behaupten, dass dieser Roman zu den Besten seiner Werke zählen dürfte. King schildert in seiner detaillierten Arbeitsweise, wie sein Protagonist mit den Herausforderungen und den unterschiedlichen Lebens- und Sichtweisen der Generationen zurecht kommen muss. Ihm gelingt ein Spannungsbogen, der von Anfang bis Ende die Nerven der Leser auf Spannung hält. Ich bin ein großer Anhänger dieses Autors und habe einige seiner Werke im Regal stehen – doch dieser Roman erhält (neben “Carrie” und “ES”!) einen Ehrenplatz, da er nach langer Zeit etwas zu Papier gebracht hat, was einfach spannend und packend erzählt worden ist. Als Tipp meinerseits gebe ich den potentiellen Lesern den Rat, vielleicht “ES” noch einmal zu lesen. Es ist zweifellos kein Muss, um “Der Anschlag” lesen zu können – doch der eine oder andere “Querverweis” lässt den Leser sicherlich aufhorchen.

Was die mögliche Verschwörung im Mordfall Kennedy angeht, wird sicherlich der eine oder andere Leser die Nase rümpfen. Lee Oswald? Einzeltäter? Diese Frage wurde in so vielen Büchern, Filmen und Dokumentationen behandelt. Fakt ist jedoch, dass die wenigen Beweise und Hinweise immer wieder seinen Namen aufzeigen. Zweifel am Verlauf der Ereignisse von Dallas sind zweifelsohne berechtigt – was auch Stephen Kings Ehefrau vehement unterstreicht. Sie ist eine glühende Anhängerin der JFK-Verschwörung!

Auch ich sehe die Ereignisse des 22. November 1963 mit anderen Augen und kann einfach nicht glauben, dass Oswald der alleinige Täter sein soll. Doch in Bezug auf den nun vorliegenden Roman von Stephen King kann ich abschließend sagen:

Dieser Thriller verdient die Bestnote! Wer Spannung und Nervenkitzel – gepaart mit wundervollen “Anekdoten” der 50er und 60er Jahre – liebt, wird dieses Werk (mit über 1.000 Seiten) in kürzester Zeit “verschlungen” haben.

x Autor/in: Stephen King
x Titel: Der Anschlag
x Genre: Thriller
x 1056 Seiten
x Heyne Verlag
x ISBN: 3453267540

 

Die Rezension habe ich am 19. Juni 2012 geschrieben.

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präsident, spannend bis zur letzten seite, zeitgeschichte, zeugen

Wer erschoss John F. Kennedy? Auf der Spur der Mörder von Dallas.

Jim Garrison
Flexibler Einband: 411 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 01.01.1992
ISBN B003TRZHDQ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Hallo zusammen!

Der 22. November 1963 hat sich im Bewusstsein vieler Menschen fest eingebrannt. Die Ereignisse von Dallas sorgten für ein Phänomen der “kollektiven Trauer”, welche sich über den gesamten Globus erstreckte. John F. Kennedy war nicht nur der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – er symbolisierte Veränderung und den Wunsch, neue Wege gehen zu wollen. Während seiner Rede zur Vereidigung sprach er einen Satz aus, der sich tief im Gedächtnis einer Nation eingraben sollte:

“AND SO MY FELLOW AMERICANS – ASK NOT WHAT YOUR COUNTRY CAN DO FOR YOU – ASK WHAT YOU CAN DO FOR YOUR COUNTRY…”

Nun findet sich dieser Ausspruch als Inschrift auf einer Gedenktafel wieder – auf dem Arlington Friedhof in der Nähe von Washington D.C.!

Für viele Beobachter und Zeugen stellt das Attentat von Dallas nichts geringeres dar als den “Jahrhundertmord”. Es wurde nicht nur der wohl einflussreichste Mann der Welt getötet – es wurde eine neue Form der Politik zu Grabe getragen. Vor allem die Anhänger der Verschwörungstheorie, JFK sei einem Komplott auf höchster Regierungsebene zum Opfer gefallen, teilen diese Auffassung. Einer von ihnen war der ehemalige Bezirksstaatsanwalt von New Orleans.

Jim Garrison war in den frühen 60er Jahren in dieser Stadt tätig und ist (wie die meisten Amerikaner) schockiert, als er durch einen Mitarbeiter seines Büros von den Schüssen auf die Wagenkolonne des Präsidenten erfährt. Was ihn jedoch mehr schockieren wird, sind die Ermittlungspannen, Falschaussagen und Widersprüchlichkeiten bei der Aufklärung des Falles durch die Dallas Police und der eingesetzten Warren-Kommission.

Zum Buch:

Jim Garrison, Familienvater und erfolgreicher Staatsanwalt in New Orleans, ist in seiner Arbeit vertieft, als ein Angestellter seines Büros hereinstürmt. “Man hat auf den Präsidenten geschossen; vor wenigen Minuten in Dallas!” Er und Millionen von amerikanischen Bürgern werden am Ende des Tages eine traurige Gewissheit haben. Der Präsident ist tot! Der Polizeiapparat von Dallas hat binnen kürzester Zeit den vermeintlichen Attentäter festgenommen und auch die dazugehörige Tatwaffe sichergestellt. Der Bezirksstaatsanwalt von Dallas lässt über die hiesige Presse mitteilen, dass die Tat von einem Einzeltäter mit dem Namen Lee Harvey Oswald durchgeführt wurde. Während sich das Land in einer Art Schockstarre befindet, ereignet sich ein weiterer Mordanschlag in der texanischen Hauptstadt. Jack Ruby, ein ortsansässiger Nachtclubbesitzer, tötet wenige Stunden nach dem Anschlag auf J.F.K. den mutmaßlichen Mörder im Polizeidezernat von Dallas.

Am 25. November 1963, dem Tag der Beisetzungszeremonie, setzt der ehemalige Vizepräsident und jetzige Amtsinhaber Lyndon B. Johnson eine Kommission ein, die die Umstände und Beweggründe von Dallas aufklären soll. Der oberste Richter des Landes, Earl Warren, erhält den Vorsitz und unter seiner Führung wird der nach ihm benannte “Warren-Report” letztlich auch veröffentlicht. Das Urteil der Kommission ist eindeutig. Das Attentat von Dallas wurde von einem Täter ausgeführt: Lee Harvey Oswald!

Drei Jahre nach den Ereignissen kommt Jim Garrison mit dem Fall nochmals in Kontakt. Viele Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten veranlassen ihn letztlich dazu, eine Wiederaufnahme des Verfahrens einzuleiten. Der “Warren-Report” und viele weitere Einzelheiten entsprechen nicht seinem Rechtsempfinden und sorgen teilweise für blanke Empörung. Zu viele Pannen und unentschuldbare Verfahrensfehler zeigen dem Staatsanwalt auf, dass irgendjemand etwas vertuschen will. Möglicherweise eine Wahrheit, die das amerikanische Volk niemals erfahren darf.

In der frühen Ermittlungsphase entdecken Garrison und sein Team von Ermittlern, dass Oswald über einen längeren Zeitraum auch in New Orleans tätig war. Dies ist bereits der Grund, um Ermittlungen einzuleiten, da sich Oswald im Zuständigkeitsbereich des Anwalts befand. Die darauffolgenden Ermittlungen sorgen im Team für reichlich Irritation und im weiteren Verlauf wird klar, dass Oswald möglicherweise doch nur das war, was er selbst am Tag seiner Verhaftung in die Mikrofone der Journalisten sagte: “Ich bin nur der Sündenbock!”

Fazit:

Die Ereignisse von Dallas im Herbst 1963 gelten noch heute als eine Art “Schandfleck der amerikanischen Geschichte”. Warum kam es zu den Schüssen auf den Präsidenten? Wer hatte überhaupt ein Interesse daran, einen politischen “Anführer” aus dem Weg zu räumen und wer profitierte letztlich vom Attentat?

Der mittlerweile verstorbene Jim Garrison hat in seinem Buch die eigenen Bemühungen und Schwierigkeiten beschrieben, mit denen sich seine Kanzlei auseinandersetzen musste. Sein Buch bildete u. a. auch den Hintergrund für den Film “JFK – Tatort Dallas”, welchen Oliver Stone in den frühen 90er Jahren produzierte. Das Buch greift hier (wie so oft!) noch tiefer; auch wenn ich sagen muss, dass die filmische Umsetzung mit Kevin Costner äußerst gelungen ist.

Am Ende des Buches ist sich Garrison sicher, dass ein Staatsstreich mit dem Ziel der Ermordung Kennedys durch “kalte Krieger” aus den Reihen der Polizei von Dallas, des Secret Service, des F.B.I. und des C.I.A. ausgeführt wurde.

Nun kann man Anhänger dieser Verschwörungstheorie sein, oder auch andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Doch eines scheint völlig außer Frage zu stehen. Es muss noch mindestens einen weiteren Schützen gegeben haben, was auch der “Zapruder-Film” beweist.

Für mich ist dieses Buch ein Titel, der Fragen aufwirft. Man möchte als Leser oftmals durch Kopfschütteln und Fassungslosigkeit dem Autor beipflichten. Heute kann man sich wohl nur sehr schwer vorstellen, wie das Team um Jim Garrison ihren Kampf “gegen die Windmühlen” bestritt und welche Hindernisse es zu überwinden gab. Natürlich gab es keine Auflösung des Falles. Doch die breite Mehrheit in der Bevölkerung begann sich zu fragen, ob die Regierung und ihre Verfassungsorgane wirklich stets demokratisch und offen mit dem eigenen Volk umgegangen sind – ganz speziell im Fall von John F. Kennedy.

Ich möchte euch dieses Buch wärmstens empfehlen, denn wenn es auch nicht von einem professionellen Schriftsteller geschrieben worden ist, liest es sich wie ein echter Thriller.

Nur durch den kürzlich gelesenen Roman “Der Anschlag” von Stephen King bin ich über diese “Story” gestolpert. Ich habe mir vor langer Zeit den Roman besorgt, jedoch nie ernsthaft gelesen. Ich bereue es jedenfalls nicht und frage mich, wie viele “Verschwörungsanhänger” wohl unter euch sind? Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ihr da draußen der Ansicht seid, Lee Oswald hätte alleine die Schüsse auf die Wagenkolonne abgefeuert. Oder sollte ich mich täuschen? 

x Autor/in: Jim Garrison
x Titel: Wer erschoss John F. Kennedy?
x Genre: Sachbuch, Gegenwarts/Zeitgenössische Literatur
x 424 Seiten
x Bastei Lübbe Verlag
x ISBN: 378570626X

Die Rezension habe ich am  29. Juni 2012 verfasst.

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277 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 10 Rezensionen

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Argus

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz , Tanja Handels ,
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.03.2015
ISBN 9783499269141
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Albträume können uns ein ganzes Leben lang verfolgen!

Sie entkam ihren Ängsten und fand Halt in den Armen eines Partners, der den notwendigen Schutz versprach. Sie war sich sicher, dass ihr ganz persönlicher Albtraum ein Ende hätte.

Letztlich war dies jedoch ein Trugschluss.

C. J. Townsend, eine erfolgreiche Staatsanwältin, spielt auch im aktuellen Roman der Autorin Jilliane Hoffman eine entscheidende Rolle. Doch zu Beginn ihres neuen Thrillers setzt die Erfolgsautorin, welche mit ihrem Erstlingswerk und Bestseller CUPIDO auf sich aufmerksam machte, auf ein neues Team.

Zum Inhalt:

Eine Frau wird auf bestialische Art und Weise gefoltert und umgebracht. Die ermittelnden Fachkräfte und die hiesige Staatsanwaltschaft tappen im Dunkeln. Daria DeBianchi, eine aufstrebende Staatsanwältin und der ermittelnde Polizist, Detective Manny Alvarez, nehmen sich dem Fall an. Innerhalb kürzester Zeit stellt sich heraus: Es ist nicht das erste und letzte Opfer! Eine neue Mordserie erschüttert Florida. Während ihrer Ermittlungen kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung, welche für alle Beteiligten teils dramatische Folgen haben wird.

Ihre Erfahrungen als Staatsanwältin kommen Jilliane Hoffman in ihrer schriftstellerischen Arbeit vollends zugute. Auch wenn ich anfangs dachte: “Oh nein – bitte nicht noch ein Fortsetzungsroman!”, packt mich auch dieser Band von Hoffman durch und durch. Hoffman versteht es, den Leser in Spannung zu versetzen. Oftmals erwischt sich der Leser dabei, nicht weiterblättern zu wollen – Wie kann so eine Geschichte nur gut ausgehen? Vor allem das “Wiedersehen” mit Charakteren wie C. J. Townsend sorgen für “Zündstoff” und für eine weitere Eskalation in diesem heiklen Fall. Was diese Mordserie so heikel macht, wird hier jedoch nicht verraten!

Manch´ ein Leser mag kritisieren, dass es sich hier eigentlich um eine Wiederholung handelt; ganz nach dem Motto: Kennst du einen, kennst du alle! Doch dies ist meines Erachtens nicht der Fall. Das Team der Ermittler, die Wendungen und Verknüpfungen zu vergangenen Ereignissen, fesseln den Leser und lassen ihn kaum zu Atem kommen. Das Finale geht wahrlich “durch Mark und Bein”!

Wer Lust auf einen guten Thriller hat, sollte hier zugreifen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen! Allerdings: Ausnahmsweise gibt es eine fast “zwingende” Empfehlung: Leser sollten sich Hoffmans Erstlingswerk “CUPIDO” beschaffen – mindestens!

x Autor/in: Jilliane Hoffman
x Titel: Argusx Genre: Thriller
x 494 Seiten
x Wunderlich Verlag
x ISBN: 978-3-8052-0893-2

Info: Die Rezension habe ich am  21. Dezember 2012 verfasst

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Digitale Demenz

Manfred Spitzer
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Droemer, 03.08.2012
ISBN 9783426276037
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wir leben in einem neuen Zeitalter! Die technischen Errungenschaften, allein in den letzten 30 Jahren, haben unser Leben wahrlich vereinfacht. Unser Leben ist durch verkürzte Arbeitsprozesse, dank der fortschrittlichen Technik, eigentlich angenehmer und entspannter geworden – – – oder nicht?

Prof. Dr. Dr. Spitzer, ein oft zitierter und angesehener Hirnforscher, weißt in seiner neuesten Publikation auf einen Zustand hin, welcher durch südkoreanische Ärzte bereits vor fünf Jahren als “Digitale Demenz” bezeichnet worden ist. Hierbei handelt es sich vor allem um die Abhängigkeit von neuen Medien wie z. B. dem Handy, I-Phone oder Internet.

Wer das bisherige Lebenswerk Spitzers betrachtet, kann eigentlich nicht weniger tun, als “seinen Hut ziehen”. Dieser Mann, welcher regelmäßig als Gast in Gesprächsrunden, Talk-Shows oder Podiumsdiskussionen auftritt, erläutert in seinem Buch die teils schwerwiegenden Folgen vom übermäßigen Gebrauch bzw. Konsum der neuen Medien. Nichtsdestotrotz gibt es jedoch genügend Anlass für mich Kritik zu äußern. Hierbei stelle ich persönlich die Ergebnisse von anerkannten Professoren und Wissenschaftlern in keinerlei Weise infrage. Vielmehr versuche ich in einem schlichten Satz meinen Hauptkritikpunkt einzuleiten:

“Der Ton macht die Musik!”

Während meiner Lektüre musste ich mich oftmals stirnrunzelnd hinterfragen, warum ein so angesehener Mann wie Herr Spitzer in Polemik, ja fast schon in Sarkasmus, abdriftet. Natürlich kann man anhand der aufgezeigten Statistiken und den Ergebnissen der Hirnforschung feststellen, dass der übermäßige Gebrauch schädlich für unseren Körper ist. Doch wo ist der Lösungsansatz? Liegt es an der mangelnden Aufklärung? Liegt es vielleicht daran, dass weder Eltern noch Lehrkräfte über notwendiges Wissen im Bereich der EDV verfügen, um mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen verantwortungsvoll diesen neuen Arbeits- und Lernbereich aufarbeiten zu können? Wie verwende ich diese neuen technischen Errungenschaften und hat “Medien-Pädagogik” eine Zukunft?

Fakt ist doch, dass diese Form der Nutzung und des Konsums noch “in Kinderschuhen” steckt. Selbst anerkannte Psychologen konnten sich bisher auf keine feste Diagnostizierung einigen, wenn es sich z. B. um “Online-Sucht” handelte. Bereits Mitte der 90er Jahre wurde erstmalig ein Psychologe aus New York, Ivan Goldberg, auf dieses “Phänomen” aufmerksam – wobei es sich eigentlich nur um einen Scherz handelte. Er hatte selbst eine E-Mail verfasst, welche er an Kolleginnen und Kollegen seines Berufsstandes verschickte. Darin beschrieb er den übermäßigen Gebrauch von Arbeitsmitteln wie z. B. dem Computer und den daraus resultierenden hohen “Sucht-Faktor”. Er war sich daher sicher, dass die Klassifizierung gemäß der anerkannten ICD-10 (Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) auch hier Anwendung finden würde. Wie gesagt – eigentlich war diese Mail als Scherz versendet worden. Die Reaktion war jedoch, dass viele Antworten die Vermutungen Goldbergs bestätigten.

Herr Spitzer hat in seinem Sachbuch den Versuch unternommen, Missstände und die fehlerhafte Verwendung von neuen Medien wie z. B. in Grundschulen aufzuzeigen. Hierbei schreckt er jedoch nicht vor teils übertriebener Polemik zurück. Oftmals wirkt der Autor in seinen Äußerungen wie Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen. Politik, Medien und die Wirtschaft stellen sich ihm in den Weg! Doch durch seine Arbeitsergebnisse und Statistiken sieht er sich in diesem “Kampf” als vermeintlichen Sieger – Schwert (Fachexpertise) und Schild (Fakten und Statistiken) fest in der Hand!

Doch wo ist hier der pädagogische oder helfende Lösungsansatz (die Prävention) für verantwortungsvolle Eltern, Lehrkräfte und Pädagogen? Die nüchterne Aufzählung von Tabellen, Statistiken und Ergebnissen aus unterschiedlichen Quellen des Autors, wird durch “Anekdoten” und Aussagen des Verfassers weiter aufgefüllt, ohne jedoch einen Lösungsansatz liefern zu können.

Warum?

Wenn sich interessierte Leserinnen und Leser ein “eigenes Bild” machen möchten, laufen sie ernsthaft Gefahr, von Fachliteratur “erschlagen” zu werden. Viele Autoren (darunter viele anerkannte Pädagogen und Wissenschaftler) haben sich – ebenso wie Herr Dr. Spitzer – in eigenen Büchern und Publikationen geäußert. Warum sollte also ausgerechnet “Digitale Demenz” eine Pflichtlektüre sein?

Durch den “Stil” seiner Arbeit und den damit verbundenen TV-Auftritten hat Dr. Spitzer sich sicherlich Gehör verschaffen können. Er sorgte so für ein breites und gut hörbares Echo in unserer Medienlandschaft. In Sendungen wie z. B. bei Günther Jauch konnte er werbewirksam über seine Arbeit berichten und sich Diskussionen stellen. Regelmäßig sendet Bayern alpha eine viertelstündige Sendung mit ihm als Moderator. Dem breiten Publikum ist er somit eher ein Begriff, als andere Wissenschaftler und Psychologen. Dieser “Vorteil” zeigt sich meines Erachtens auch in den Verkaufszahlen seines letzten Werkes.

Fazit:

Ich habe höchsten Respekt vor Herrn Prof. Dr. Dr. Spitzer und seiner Arbeit. Lösungsansätze findet man jedoch in “Digitale Demenz” in keinerlei Weise! Vielmehr bekommt der Leser das Gefühl vermittelt, dass (trotz gegenteiliger Meinung des Autors) die “Digitalisierung” eine Art Geißel sei, derer man sich entledigen müsse. Es wirkt fast trotzig, wenn Spitzer über Veröffentlichungen anderer Autoren schreibt, welche in den neuen Medien eher eine Chance sehen, auch pädagogische Arbeitsweisen mit einfließen zu lassen. Aufgeschlossenheit und ein “angemessener Ton” hätten diesem Buch sicherlich eine bessere Bewertung beschert. Somit bleiben für Statistiken und Fakten lediglich 2 von 5 möglichen Sternen.

x Autor/in: Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer
x Titel: Digitale Demenz
x Genre: Sachbuch
x 367 Seiten
x Droemer Verlag
x ISBN: 978-3-426-27603-7

Info: Die Rezension habe ich am  21. Dezember 2012 verfasst.

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Shining

Stephen King
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 30.04.1985
ISBN 9783404130085
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich hat sich Jack Torrance ein anderes Leben vorgestellt. Seine Karriere als Lehrer wird abrupt beendet und sein schriftstellerisches Talent konnte noch keine großen Erfolge aufweisen. Nichtsdestotrotz ist er guter Dinge, dass seine neue Anstellung als Hausmeister in einem Hotel in den Rocky Mountains über die langen Wintermonate, wie ein Katalysator wirken könnte. Die Abgeschiedenheit klärt die Sicht der Dinge und bringt neue Impulse. Schnell würde er die dunklen Kapitel seiner Vergangenheit ins Nichts entsenden. Er würde insbesondere „trocken“ bleiben. Sicherlich trug der exzessive Alkoholkonsum dazu bei, dass seine Gedanken, Emotionen und Energien in eine völlig falsche Richtung abgedriftet waren.

Das „Hotel Overlook“ soll nun der Beginn eines neuen Lebenslaufs sein. Unterstützung erhält er von seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny, die mit ihrem Vater den beschwerlichen Weg in die Berge auf sich nehmen, um den Winter gemeinsam verbringen zu können. Gern sind die beiden bereit, diese neue Herausforderung der noch jungen Familie anzunehmen. Zu oft wurde Wendy von ihrem Mann enttäuscht, zu oft lag sie sorgenvoll ganze Nächte wach, nur um anschließend einen völlig betrunkenen Ehemann in Empfang nehmen zu müssen. Danny, der mit seinen fünf Jahren äußerst aufgeweckt und wissbegierig erscheint, mag diese dunklen Seiten nur selten zu Gesicht bekommen haben – und doch…

… hat Danny möglicherweise etwas an sich, was die Sichtweise, das Urteilsvermögen und die kommenden Ereignisse aller Beteiligten nachhaltig beeinflussen kann und wohl auch wird.

Welche Geschichten hält dieses Hotel für die neuen „Mieter“ bereit? Welche Machenschaften, Skandale (oder Morde?) haben sich über die vielen Jahre in diesem Hause, dessen Anwesen riesig zu sein scheint, ereignet? Der Wissensdurst des Vaters und die Begabung seines Sohnes, die Ängste einer verunsicherten Ehefrau und Mutter, sowie die Begegnungen, „Erscheinungen“ und Ereignisse der kommenden Wochen und Monate werden tatsächlich die Sicht der Dinge klären – für alle Beteiligten.

1977 veröffentlichte Stephen King einen weiteren „Horror“, den die Leserschaft heutzutage zu den Klassikern des Genres zählen dürfte. Die Karriere des Autors verlief wie der anhaltende Aufstieg des Mount Everest – es geht immer weiter bergauf und das Ziel, der Gipfel, ist noch lange nicht in Sicht. Was mit „Carrie“ 1974 begann, erfährt mit diesem Roman seine Fortsetzung. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ständigen Zweifel, wüsten Anschuldigungen und die blanke Hysterie ziehen sich von Anfang bis Ende der Geschichte um Jack, Wendy und Danny.

„King-Leser“ erkennen bereits auf den ersten Seiten, dass der Autor seiner Linie treu bleibt. Detailreich, ohne jedoch störend zu wirken, schildert er die wichtigen Stationen im Leben des Protagonisten und seiner „Leidensgenossen“. Lange Zeit wurde King als „Horror-Autor“ bezeichnet – seine übernatürlichen Erzählungen und der Horror in seinen Geschichten gerieten immer wieder in den Fokus der Leserschaft. Dabei kann man jedoch auch festhalten, dass neben dem übernatürlichen Geschehen stets die Betroffenen und ihre persönlichen Lebenswege vom Autor beschrieben werden. „Shining“ beginnt vielmehr wie ein gut durchdachtes Drama, welches sich zu einem spannenden Thriller entwickelt und im blanken Horror endet.

„Urängste“, die jeder von uns kennt, werden in „Shining“ geschürt. Oftmals ertappt sich der Leser bei dem Gedanken, dass diese Ängste bekannt und nahbar zu sein scheinen. Das vorgestellte Szenario in einem entlegenen Hotel in den Bergen, die Schwere der Einsamkeit und das Gefühl, trotz dieser Umstände nicht allein zu sein, sorgt für ein wohliges Kribbeln im Nacken.

Seit fast 20 Jahren lese ich „Stephen King“ – auch „Shining“ las ich bereits vor einigen Jahren. Ich muss jedoch gestehen, dass ich erst jetzt einen echten Zugang, eine Empfänglichkeit, für diese Geschichte erhalten habe. „Shining“ hinterlässt einen erschöpften, aber auch zufriedenen Fan des Erfolgsautors. Sicherlich gab und gibt es Geschichten aus Bangor in Maine, die spannender oder packender sind. Doch letztlich bleibt eine Feststellung, welche unumstößlich ist:

Für Fans ein MUSS und für alle übrigen Leser eine echte Empfehlung! Insbesondere tritt diese Feststellung in Kraft, wenn der/die eine oder andere Leser/in den Wunsch hegt „Doctor Sleep“ ins Regal zu stellen. Der kürzlich erschienene Fortsetzungsroman zu „Shining“ steht bei mir bereits im Regal.

Info: Ich habe die Rezension am 24. März 2014 verfasst.

x Autor/in: Stephen King
x Titel: Shining
x Übersetzer/in: Harro Christensen
x Genre: Krimi / Thriller
x 624 Seiten
x Bastei Lübbe
x ISBN: 978-3404130085

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Winterkinder

Owen Matthews , Vanadis Buhr
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.09.2015
ISBN 9783548612744
Genre: Biografien

Rezension:

In den unendlichen Weiten Russlands mag sich der eine oder andere Romantiker in die Zeiten Puschkins, Pasternaks oder Tolstoi zurückversetzt sehen. Herzzerreißende Szenen von Liebe und Verrat wie in „Dr. Schiwago“ (Pasternaks wichtigstes Werk und zur damaligen Zeit ein Dorn im Auge des Sowjet-Regimes)…

Owen Matthews, Autor des Romans „Winterkinder“, erzählt eine etwas andere Geschichte!

Matthews erzählt nicht eine frei erfundene Geschichte – es ist seine ganz persönliche Lebenserfahrung; vor allem die seiner Eltern und Großeltern, welche in der noch jungen Sowjetunion aufwuchsen. Drei Generationen zwischen Liebe, Verrat und Krieg! Es ist ein Zeitdokument und ein faszinierender, wie auch erschütternder Rückblick auf Freud´ und Leid einer russischen Familie in unruhigen Zeiten. Eine Liebesgeschichte, welche sich nicht von scheinbar unüberwindbaren Hürden einschüchtern lässt.

Internationale Pressestimmen sind sich darüber einig, dass diese Familiengeschichte ein „tief berührendes und mitreißendes Stück Zeitgeschichte“ darstellt (Simon Sebag Montefiore).

Die Originalausgabe erschien bereits 2008 unter dem Titel „Stalin´s Children. Three Generations of Love and War“ bei Bloomsbury in London; nun ist es endlich auch auf Deutsch im Graf Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH erschienen. Ein großes Lob geht hier an den Graf Verlag – „Winterkinder“ trifft nicht nur den Kern dieser Familientragödie – er ist einfach wunderschön.

„An einem Mittsommertag im Jahr 1937 küsste Boris Bibikow seine beiden Töchter zum Abschied und verschwand für immer. Eine der beiden, Mila, verliebte sich viele Jahre später, mitten im Moskau des Kalten Krieges, in einen jungen Engländer und beginnt mit ihm eine gefährliche, leidenschaftliche Affäre.“

Zu Beginn seiner Ausführungen steht ein kurzes Statement des Autors für den, meiner Meinung nach, wichtigsten Grund seines literarischen Vorhabens – es ist die Widmung…

„Für meine Eltern“

Die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte stelle ich mir laienhaft als Mammutprojekt vor. Wie oft muss sich Owen Matthews die Frage gestellt haben, ob er dieses Werk wirklich zu Ende bringen kann.

Tiefbewegt glitten meine Augen über die Seiten. Ich spürte den eisigen Hauch von Kälte, welche nicht dem harten Winter Russlands entsprang. Es war die Anspannung und die Angst, dass etwas Böses Einzug in die eigene Familie halten würde. Boris Bibikow war ein linientreuer Marxist-Leninist. Er war ein glühender Verfechter der „Oktober-Revolution“ und stieg in der noch jungen Sowjetunion schnell zu einem regional einflussreichen Mann auf. Doch Stalin, welcher die Last der Verantwortung nach dem Tod des erfolgreichen Revolutionärs Lenin trug, sollte durch seine Politik das Leben einer unbescholtenen russischen Familie in ihren Grundfesten erschüttern.

Matthews Ausführungen sind detailliert und wirken so „hautnah“. Seine kurzen „Zeitsprünge“ durch die drei Generationen seiner Familie stören in keinster Weise. Sie verdeutlichen vielmehr, dass der Autor versucht Parallelen zu seinem eigenen Leben zu ziehen. Er ist der „Geschichtenerzähler“ – er begleitet den Leser durch die Wirren der stalinistischen Säuberungsaktionen der 30er Jahre, dem „großen vaterländischen Krieg“ gegen Nazi-Deutschland, dem „Kalten Krieg“ und letztlich auch dem Zerfall des Sowjetreichs – stets aus der Sicht einer Familie, welche sich in diesen Zeiten einigen harten Prüfungen unterziehen muss.

Während der ersten 200 Seiten konnte ich mir nicht vorstellen, dass so ein Drama glücklich enden würde. Zu viele Opfer wurden erbracht, zu viele Familienmitglieder zahlten einen hohen Preis. Doch letztlich setzte das erlösende Tauwetter ein. Die Mauern der alten Ordnung zerbrachen und ließen den Blick zum Horizont gleiten – einer Glück versprechenden Zukunft entgegen.

Die Geschichte seiner Eltern ist beispielhaft für das gesamte Werk. Leidenschaft, Hoffnung und Liebe gehen Hand in Hand mit Ängsten, Sorgen und tiefer Hoffnungslosigkeit. Was Pasternak mit „Dr. Schiwago“ gelang, durchleben hier in ihrer ganz eigenen Version Mila und Matthews Vater Mervyn.

Diese Familiengeschichte ist so unglaublich, so erschütternd und doch auch so anrührend, dass ich sie nur wärmstens all jenen Leserinnen und Lesern empfehlen kann. Man möchte fast traurig darüber sein, dass der diesjährige Winter in unseren Breitengraden ausgeblieben ist – bei heißem Tee, einer wärmenden Decke und dem Blick auf eine vereiste Winterlandschaft würde dieser Roman sicherlich noch wirkungsvoller und anrührender erscheinen. Nun – ein geduldiger Leser kann auch warten!

x Autor/in: Owen Matthews
x Titel: Winterkinder
x Genre: Roman
x 400 Seiten
x Graf
x ISBN: 978-3862200450

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Der Junge im gestreiften Pyjama

John Boyne , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 01.06.2010
ISBN 9783596511303
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt Ereignisse in der Geschichte, welche nur schwer in Worte zu fassen sind. Es ist womöglich noch schwieriger, wenn ein Autor vor dem Hintergrund des Holocaust versucht, eine Geschichte zu erzählen. John Boyne unternimmt den Versuch in seiner Erzählung „Der Junge im gestreiften Pyjama“, um dieses Problem zu lösen. Der Leser selbst darf am Ende entscheiden, ob ihm dies wirklich gelungen ist!

Zum Buch:

Bruno ist ein aufgeweckter Junge im Alter von 9 Jahren. Er und seine Familie leben in Berlin – doch dies soll sich schon bald ändern. Sein Vater, der stets in Uniform durch das Haus schreitet, hat einen neuen wichtigen Posten angenommen. Dafür ist es notwendig Berlin mit der gesamten Familie zu verlassen. Einzig die Großeltern und Brunos beste Freunde bleiben zurück. Der Junge ist äußerst enttäuscht und kann nicht begreifen, warum er seine geliebte Umgebung so plötzlich verlassen muss. Als die Familie ihre „neue Heimat“ erreicht, wird die schlechte Laune nur noch mehr verstärkt. Bruno findet sich mitten im Nirgendwo wieder. Lediglich ein riesiger umzäunter Bereich, welcher am neuen Familiensitz angrenzt, bildet die neu gewonnene Nachbarschaft. Er entdeckt keinerlei Kinder – keine neuen Spielkameraden – er fühlt sich allein und im Stich gelassen.

Sein Wissensdurst ist zwar vorhanden, doch einige Dinge kommen ihm unwirklich und unbegreiflich vor. Der „Furor“ hat Großes vor und deswegen ist sein Vater mit einer neuen Aufgabe betraut worden – in Aus-Wisch! Doch warum muss er mit seiner unausstehlichen Schwester und seiner Mutter hier sein? Warum laufen ständig Soldaten im Haus auf und ab? Warum verbietet man ihm seine Erkundungsausflüge?

Trotz dieser vielen Fragen wagt es Bruno nicht, seinen Vater direkt darauf anzusprechen. Sein Vater verlangt Dinge, die nicht von ihm erklärt werden. Bruno kann sich für sein Alter ausgesprochen gut artikulieren – doch seine Wissensbestände weisen einige Lücken auf, die seine Familie anscheinend nicht schließen will.

Alles ändert sich, als Bruno gegen eine Anweisung verstößt und am Zaun entlangwandert. Dabei macht er eine Entdeckung, die alles – wirklich alles – verändern wird. Er entdeckt den Jungen im gestreiften Pyjama.

Fazit:

In seinem Nachwort schildert John Boyne sehr deutlich die Problematik, wenn man sich einem so schwierigen Kapitel wie dem Holocaust literarisch widmen möchte. In vielerlei Hinsicht tat ich mich schwer, mich dieser Erzählung hinzugeben. Boyne weist bereits zu Beginn der Erzählung darauf hin, worum es sich möglicherweise handeln könnte. Es wird immer deutlicher und der Leser blickt manchmal verwundert auf, wenn die Naivität des Jungen Bruno zum Vorschein kommt. Ist er denn wirklich blind? Sieht er denn nicht den Zusammenhang und Horror vor „der eigenen Haustür“?

Natürlich können die Leser nunmehr beginnen, dieses Buch in allen Einzelheiten auseinander zu nehmen. Der Junge ist doch 9 Jahre alt – der muss doch was wissen, wenn sein Vater ein Mann der SS war. Was ist mit seiner Schwester? War sie denn kein Mitglied des BdM? Es tauchen unheimlich viele Fragen auf, die vermuten lassen, es handele sich hier um eine schlechte Recherche des Autors. Doch das ist in meinen Augen nicht die Intention des Verfassers.

Der Autor versucht, die kindliche Zerbrechlichkeit und Naivität anhand einer Erzählung zu verdeutlichen, Boyne gelingt dieser sensible Spagat. Er zeichnet sicherlich ein etwas überspitztes Bild eines naiven Kindes – doch findet sich nicht vielleicht auch der eine oder andere Leser in Bruno wieder? Waren wir nicht auch etwas naiv und unvoreingenommen, als Schulfächer wie Geschichte noch nicht zum alltäglichen Lehrplan gehörten? 

Ich muss zugeben, dass ich erst zum Ende der Erzählung (vor allem nach dem hervorragenden Nachwort des Autors!) ein klares verständnisvolles Bild vor Augen hatte.

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deutscher herbst, sachbuch, zeitgeschichte

Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex


Fester Einband
Erschienen bei null, 01.01.1986
ISBN B003D7THHY
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mit dem Schah-Besuch in Berlin Ende der 60er Jahre sollte es beginnen. Begriffe oder Schlagwörter wie „Außerparlamentarische Opposition (APO)“, Studentenbewegung, Kommune oder auch Notstandsverordnung machten in der noch jungen Bundesrepublik schnell die Runde.

Eine Generation, welche die Taten ihrer Eltern während des 2. Weltkrieges verachtete und ihnen die Mitschuld am Größenwahn eines mordenden Regimes gab, wollte mit einer offenen und ehrlichen Art des Dialoges die eigene Geschichte aufarbeiten. Zu viele Bürger sahen sich als Opfer und zu viele von ihnen wollten sich eine eigene Schuld nicht eingestehen.

Die Bundesrepublik Deutschland war ein erfolgreiches Beispiel, geradezu ein Paradebeispiel, für den Wiederaufstieg einer großen Nation. „Marshall-Plan“ und das darauf folgende „Wirtschaftswunder“ der 50er Jahre lenkte die Bevölkerung von einer notwendigen Geschichtsaufarbeitung ab.“Was vergangen ist, ist vergangen!“ Solche oder ähnliche Aussagen durfte sich die Nachfolgegeneration anhören. Wer sich gegen diese Einstellung und Sichtweise stellte, wurde schnell als „jung und naiv“ oder gar „undankbar“ abgestempelt. Der Erfolgszug des Kapitalismus fand in Deutschland einen riesigen Nährboden vor und das betroffene Volk atmete erleichtert auf. Die Not und das Elend, die Diskriminierung, die Vertreibung und das massenhafte Sterben ganzer Generationen geriet schnell in den Hintergrund. Man lebte im „hier und jetzt“ und wollte die Vergangenheit ruhen lassen. Die Wunden waren noch nicht trocken genug!

Der „jungen“ Generation ging dies jedoch nicht schnell genug. Vor allem Intellektuelle aus dem Mittelstand sahen in dieser fehlenden Aufarbeitung der eigenen Taten die Saat einer neuen Bedrohung. Mit Sorge beobachtete man die aufkommenden Konflikte zwischen Ost und West. „Stellvertreterkriege“ in Korea und vor allem Vietnam sorgten für die ersten Massenkundgebungen. Nicht nur in den USA – auch und ganz besonders in Frankreich und der BRD wurde die aggressive Haltung des ehemaligen Befreiers und „großen Bruders“ USA verachtet und scharf verurteilt. Die passive Haltung der Bundesregierung, das Nicht-Eingreifen der Staatsgewalt gegen die „Jubel-Perser“ vor der Deutschen Oper in Berlin während des Schah-Besuchs, die Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg und das Attentat auf den Anführer der APO, Rudi Dutschke, sorgten schlussendlich für eine Eskalation und in Teilen für eine Radikalisierung in den Reihen der Protestbewegung.

Stefan Aust, Journalist und ehemaliger Chefredakteur des SPIEGEL, schildert in seinem Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ eindrucksvoll Entstehung, Verlauf und auch Zerschlagung der 1. Generation der Roten Armee Fraktion (RAF). Dabei gelingt es ihm, die oftmals „nüchternen“ Fakten spannend und trotzdem schnörkellos zu dokumentieren. Die kritische Haltung und das Aufbegehren einer ganzen Generation Mitte und Ende der 60er Jahre wird ebenso dramatisch geschildert, wie der traurige Höhepunkt – der Deutsche Herbst 1977.

Nach Beendigung des nun mehrfach überarbeiteten und aktualisierten Werks hinterlässt der Autor einen Leser, der über Sinnhaftigkeit und Lehren sinniert. Können Ereignisse, welche so lange zurückliegen, Lehren hinterlassen? Die Antwort kann nur ein klares Ja sein! Auch heute sehen wir uns verschiedenen Bedrohungsszenarien ausgesetzt. Während ich Aust´ Werk las, schaute ich mir auch den gleichnamigen Film an. Ich sah verschiedene Dokumentationen zum Thema RAF und ich versuchte zu begreifen, woher diese Angst und die daraus resultierende Motivation herrührte, einem Staat offen den Krieg zu erklären.

Was mich jedoch etwas fassungslos zurückließ, waren einige Kommentare von „Usern“, welche ebenfalls über die eine oder andere Dokumentation „gestolpert“ waren. „Wo bleibt die RAF, wenn man sie mal braucht?“ oder „Mit der Bande hätten wir keine radikalen Moslems in den Städten!“ – sind dies Phrasen oder besser Aussagen von Menschen, die man als „orientierungslos“ oder gar „verachtenswert“ bezeichnen kann?

Die Ereignisse der 60er und 70er Jahre sind in keinerlei Weise vergleichbar mit den Szenarien der heutigen Zeit. Es gibt jedoch ein Merkmal, welches sich durchaus Vergangenheit und Gegenwart zu teilen scheinen – Angst!

Die Angst, nicht mehr über sein eigenes Schicksal bestimmen zu können – fremdbestimmt zu sein! Die Angst, einer neuen Radikalisierung ausgesetzt zu sein. Die Angst, nur noch ein Spielball im Machtgefüge der Herrschenden zu sein. Dass hierbei von Teilen der Bevölkerung eine Gewaltbereitschaft eingefordert wird, ist vergleichbar mit der Sympathisantenszene zu Beginn der Eskalation durch die Baader-Meinhof-Bande Ende der 60er Jahre. Der Bürger entdeckt Unzulänglichkeiten im System, sieht ungerechtfertigte Gewaltanwendung und den Schutz von Tätern durch die staatlichen Organe. Aus Unmut wird Protest – aus Protest wird Gewalt!

Dieses Szenario findet sich auch in unserer heutigen Zeit – sowohl in Europa, als auch in anderen Teilen dieser Welt. Wenn „Der Baader-Meinhof-Komplex“ eine Lehre aufweist dann die, dass die Gewaltanwendung zu keinem Zeitpunkt der Geschichte echte Veränderungen zum Wohle aller brachte. Hanns-Martin Schleyer, Ulrike Meinhof, Jürgen Ponto, Rudi Dutschke, Siegfried Buback – diese Namen stehen für Täterschaft und Opfer zu gleichen teilen.

Vielleicht wäre es nicht zu einer Eskalation gekommen, wenn man offen auf die Ängste und Belange einer verunsicherten Generation eingegangen wäre. Eine neue Zeit der Aufklärung hätte womöglich viele Opfer- und Tätermotive der Folgejahre im Keim erstickt. Wissensvermittlung, Aufklärung und die Bereitschaft zum Dialog – auch die heutige Generation sollte sich dies auf die Fahne schreiben, ohne nach radikalen Mitteln zu fahnden. Ich schließe mit den Worten des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“

x Autor/in: Stefan Aust
x Titel: Der Baader Meinhof Komplex
x Genre: Zeitgeschichte / Sachbuch
x 894 Seiten
x Goldmann Verlag
x ISBN: 9783442155972

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