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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

comic, asterix

Asterix erobert Rom

René Goscinny , Albert Uderzo
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Egmont Comic Collection, 03.11.2016
ISBN 9783770439416
Genre: Comics

Rezension:

Bevor man sich auf ein neues oder gar verschollenes Asterix-Abenteuer freut, lohnt es sich einige Hintergrundinformationen zu diesem Projekt einzuholen. Andernfalls unterstellt man dem Album womöglich das Aufwärmen alter Ideen und akuten Sprechblasenmangel. Tatsächlich setzen sich die Bilder hauptsächlich aus großformatigen kolorierten Entwürfen für den gleichnamigen Trickfilm zusammen, lediglich das Cover wurde von Uderzo für diese Ausgabe neu gezeichnet. So ganz lässt sich der Altmeister den Stift von seinen Nachfolgern Ferri und Conrad dann wohl doch nicht aus der Hand nehmen. Die Texte stammen aus dem von Goscinny verfassten Drehbuch und wurden ebenfalls für diese Ausgabe den Bildern angepasst.

Größtenteils liest sich dieses Album wie eine kindgerechte Zusammenfassung des Films und besonders jener Inhalte, die nicht abgebildet wurden. Laut Pressetext wollten die Macher des Films damit ähnlich wie der amerikanische Kollege Disney durchaus auch ein jüngeres Publikum ansprechen, das Asterix nicht nur aufgrund der mal mehr und mal weniger subtilen Seitenhiebe auf die Zeitgeschichte und den römischen Imperialismus zu schätzen weiß. Diesem Geist folgt der vorliegende Band auf nahezu jeder Seite. Schade, dass es neben einem informativen Vorwort nicht noch für ein paar weitere Hintergrundinfos zum Film gereicht hat. Material hätte es sicher genug gegeben.

Somit ist diese Ausgabe am ehesten als Sammlerobjekt für alle Fans zu verstehen, die eine Lücke in ihrer Kollektion schließen möchten. Eine schöne Hommage an den Film und die Ästhetik der gallischen Abenteuer, die aber nur selten an den Geist der besseren Alben erinnern.

Originaltitel: "Les XII Travaux d'Astérix"
Seitenzahl: 80
Format: 22,1 x 29,4 cm, Broschur
Verlag: Egmont Ehapa

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

psychothriller, cypercrime, droemer taschenbuch verlag, internet, thriller

Dark Web

Veit Etzold
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426305508
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist ein Buch, das unbedingt gelesen werden will. Kurze Kapitel, viel Handlung, finstere Verschwörungen und zumindest auf den ersten sechzig Seiten jede Menge Charaktere, über die man erst einmal einen Überblick bekommen muss. Zwischen all den Ereignissen geht die Figurenzeichnung öfter zugunsten der dicht erzählten Geschichte unter, doch meistens funktioniert "Dark Web" auch ohne psychologische Betrachtungen ziemlich gut. Das liegt unter anderem an den intensiv recherchierten Informationen, durch die sich der Roman zwischen dem eigentlichen Geschehen wie ein packendes Sachbuch liest. So fundiert erzählt im deutschsprachigen Raum sonst nur Frank Schätzing. Etzolds Biografie und das Nachwort lassen erahnen, woher sein Interesse für die hier behandelten Themen kommen. Und die haben es in sich.

Für die Hintergrundrecherche bewegte sich der Autor unter professioneller Anleitung selbst in den Tiefen des Dark Web, wobei sich zeigt, dass viele der von den im Buch verübten Verbrechen und Perversionen, die man sonst als Standardverkaufsargument der Spannungsliteratur identifiziert hätte, durchaus auf realen Praktiken und Vorkommnissen basieren. Der Gedanke, nicht nur die Geheimnisse des normalen Internets à la Google zentralisiert zu erfassen und auszuwerten, sondern auch die des Dark Web den Klarnamen der Beteiligten zuzuordnen, beschwört zudem ein beängstigendes Szenario herauf. Anstatt zum hundertsten Mal Sicherheitsfragen, leichtsinnige User oder die Vorratsdatenspeicherung zu diskutieren, stellt Etzold die Abgründe des Menschen in den Vordergrund, die ihnen schließlich zum Verhängnis werden.

Natürlich mischt auch die Politik kräftig mit, trotz einzelner Klischees ist die zentrale Verschwörung grundsätzlich durchaus denkbar. Mit den die einzelnen Teile einleitenden apokalyptischen Bibelzitaten wird für meinen Geschmack etwas dick aufgetragen, es verdeutlicht aber die Ausmaße der Vorgänge und der Rest der erkennbar konstruierten Handlung liest sich erfreulich bodenständig. Die häufigen Bezüge zur Popkultur, insbesondere zu Filmen und TV-Serien, verknüpfen die fiktive Welt mit der realen, insgesamt verwendet Etzold sie ein wenig inflationär. Darüber hinaus nötigt es selbst dem kritischsten Leser Respekt ab, wie schnell sich die knapp sechshundert dicht gefüllten Seiten lesen und wie informativ der Autor die jeweiligen Konflikte untermauert.

Unterm Strich ein ordentlicher Genrebeitrag, der sich vor allem aufgrund der klug ausgewählten Hintergründe von der Masse abhebt.

Seitenzahl: 592
Format: 12,6 x 19,1 cm, Taschenbuch
Verlag: Droemer
Bonusmaterial: Leseprobe aus "Tränenbringer"

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8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

hörspiel, krimi, dav, reihe

Sherlock & Watson - Neues aus der Baker Street: Der letzte Tanz (Fall 5)

Felix Partenzi , frei nach Motiven von Arthur Conan Doyle , Viviane Koppelmann , Leonhard Koppelmann
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 18.03.2016
ISBN 9783862315352
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ähnlich wie in der Doyle-Kurzgeschichte "Das letzte Problem" beginnt Watsons Bericht mit dem Ende. Das treibt die Spannung gleich zu Anfang ordentlich voran, denn die Situation in der Holmes und Moriarty sich befinden scheint tatsächlich ausweglos zu sein. Seit der zweiten Staffel von "Sherlock" weiß man, dass Stürze vom Dach und andere (un)mögliche Todesarten kreativ überlebt werden können, hier haben sich die Autoren trotz aller Anlehnung an das große Vorbild etwas eigenes einfallen lassen, das Holmes mit seiner Vergangenheit und einer ungesunden Vorliebe konfrontiert. Moriarty gebärdet sich in diesem großen Finale leider übertrieben psychopathisch, so dass es schwer fällt das viel beschworene kriminelle Genie wirklich zu fürchten oder wenigstens als würdigen Gegner für den großen Detektiv zu akzeptieren.

Bis sich der Kreis am Ende der Geschichte wieder schließt, darf Watson im Vorfeld des großen Finales noch einen Fall von Erpressung bearbeiten, der Züge der Geschichte um Charles Augustus Milverton trägt. Währenddessen bereitet Sherlock eine Falle für Moriarty vor, die so gar nicht zu dem eigenbrötlerischen Denker zu passen scheint, denn sie besteht unter anderem aus Talkshowbesuchen und einer großen Geburtstagsparty. Die Meinungsmache der beteiligten Medien wird auch in diesem Teil der Serie gut eingefangen, sei es durch Radio- und TV-Schlagzeilen oder die üblichen Blog-Kommentare, in denen sich die erfolgreiche Dekonstruktion Holmes' durch Moriarty durchzusetzen scheint.

Tatsächlich endet das Abenteuer dann auch weitgehend ohne erkennbare Hoffnung auf Fortsetzung, sieht man einmal von einem Halbsatz Moriartys ab, den er gleich zu Beginn der Handlung äußert. Da der Verlag die bisher veröffentlichten fünf Teile wiederholt als "erste Staffel" beworben hat, bleibt allen Fans die Hoffnung, dass es danach trotzdem weitergeht.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

joe abercrombie, klinge, first law, anthologie, abercrombie

Schattenklingen

Joe Abercrombie , Kirsten Borchardt
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.01.2017
ISBN 9783453318069
Genre: Fantasy

Rezension:

Wie das mit erfolgreichen Buchreihen eben so ist - irgendwann entwickeln sie ein Eigenleben. Das äußert sich zum einen in der regen Produktion von Fanfiction, aber auch die Autoren selbst erhören gelegentlich den Wunsch ihres Publikums nach neuen Geschichten in der bekannten Welt ihrer Bücher. Oft gilt es dabei Lücken zu schließen, bekannte Charaktere wieder auftreten zu lassen oder einfach eine gefühlte Fortsetzung zu lesen, die eigentlich keine ist. Joe Abercrombies neuer Geschichtenband aus dem beliebten Universum seiner Klingen-Romane ist ein bisschen von allem, wobei sich der Autor vor allem stilistisch treu bleibt.

Gleich in der ersten Geschichte gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannte: wir erleben Oberst Sand dan Glokta in der Blüte seiner Jahre, lange bevor er zum Krüppel wurde. Ein interessanter Einblick in das Leben eines schon zu dieser Zeit ziemlich durchtriebenen und vor allem maßlosen Charakters, das einen reizvollen Kontrast zu dem darstellt, was Abercrombie-Leser schon über Glokta wissen. Obwohl das Titelblatt den Band als "Roman" ankündigt scheinen die übrigen Geschichten nicht miteinander verbunden zu sein. Erst mit der weiteren Lektüre zeigt sich, dass vor allem die Abenteuer der Diebin Schevedieh als eine Art locker aneinandergereihter Episodenroman immer wieder auftaucht und sich teilweise sogar mit den Geschichten anderer Protagonisten überschneidet.

Die Qualität der übrigen Erzählungen ist durchwachsen. Abercrombies souveräner Erzählstil entführt alle Fans augenblicklich wieder in die Welt der beliebten Romanreihe, auch wenn es der Autor zur Kunst erhoben hat, ähnlich wie sein Kollege Stephen King sehr viel über die Charaktere zu erzählen, die Handlung in diesen Momenten aber für mehrere Absätze stillstehen zu lassen. In einem Roman geht das, in knappen Geschichten wie diesen kann es aber mehr aufhalten als nützen. Besonders positiv fällt die Erzählung "Gestern, bei einem Dorf namens Barden auf", in der Unionssoldaten auf eine Abteilung Nordmänner treffen. Ein grimmiges Kriegsszenario mit intensiven Schlachtszenen, Charakteren voller Überraschungen und unvorhergesehenen Ereignissen.

Gegen Ende darf sogar Logen Neunfinger vorbeischauen, kurz bevor die Handlung mit einer Leseprobe zum ersten Roman "Kriegsklingen" übergeleitet wird. Damit darf man diesen Band offenbar als Vorgeschichte(n) zur Klingen-Reihe verstehen. Ähnlich wie in George R.R. Martins "Der Heckenritter von Westeros" handeln die Geschichten nicht ausschließlich von bekannten Figuren, sondern ergänzen die bekannte Welt mit neuen Gesichtern, Gegenden und Abenteuern. Für Fans ein lohnender Tipp, Neueinsteigern ist der Sammelband aufgrund diverser Insider allerdings weniger zu empfehlen.

Originaltitel: "Sharp Ends"
Seitenzahl: 432
Format: 13,7 x 20,6 cm, Klappenbroschur
Verlag: Heyne
Bonusmaterial: Leseprobe aus "Kriegsklingen"

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Asterix - 100 Seiten

Jörg Fündling
Flexibler Einband: 100 Seiten
Erschienen bei Reclam, Philipp, 07.09.2016
ISBN 9783150204184
Genre: Sachbücher

Rezension:

Während diverse Aspekte der verschiedenen Bände bereits umfangreich erforscht wurden, fehlte es bislang an einer knappen und informativen Überblicksdarstellung, die nicht nur Vergleiche zu tatsächlichen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen anstellt, sondern auch die Geschichte und Rezeption der Serie in den Blick nimmt. Nach einer knappen Einführung, in der der Autor auf seinen persönlichen Bezug zu den Galliern hinweist, geht es zunächst um die Geschichte von Asterix als Comicfigur. Von den ersten Gastauftritten im Jugendmagazin Pilote bis zum Hauptprotagonisten eigener Alben spannt Fündling den Bogen. Die unterschiedliche Rezeption der einzelnen Abenteuer und der umstrittene Wechsel von Goscinny & Uderzo zu Uderzo und schließlich zu Ferri & Conrad sind ebenso Thema wie die misslungene deutsche Erstausgabe unter Rolf Kauka, der aus den Galliern Asterix und Obelix kurzerhand die Germanen "Siggi und Barrabas" machte.

Ergänzend finden sich praktische Übersichten zu den internationalen Varianten und den vielfältigen Übertragungen in diverse deutsche Dialekte, sowie in Latein und Griechisch. Interessant: nur in Deutschland gibt es derart viele Ausgaben in unterschiedlichen sprachlichen Varietäten, was wohl dafür spricht, dass sich so manches Völkchen immer noch als unbeugsame Minderheit begreift, die hochsprachlichen Einflüssen auch ohne Zaubertrank tapfer Widerstand leistet. Während solche Details langjährigen Fans längst bekannt sein dürften sind es vor allem die Erkenntnisse über die Vielschichtigkeit des Asterix-Universums, die den wahren Wert des Buches ausmachen. Anhand von Eigennamen, Andeutungen und visuellen Referenzen enthüllt Fündling zahlreiche Bezüge zu diversen Redensarten und der Entstehungszeit der jeweiligen Bände, insbesondere im Hinblick auf die französische Zeitgeschichte. Danach betrachtet man so manches gallische Abenteuer mit anderen Augen.

Dem langjährigen Rechtsstreit der Familie Uderzo um die Verwertungsrechte von Asterix wird im letzten Viertel des Buchs ebenfalls reichlich Platz eingeräumt, ob das unbedingt notwendig war bleibt fraglich. Die Verfilmungen erwähnt Fündling nur knapp am Rande, doch gerade die vielfältigen Anspielungen in den Trick- und Realfilmen hätten ein eigenes Kapitel, womöglich sogar ein eigenes Buch verdient. Stattdessen findet sich auf mehreren Seiten diverses Infotainment, inklusive Grafiken über den römischen (!) Hinkelsteinbestand, sowie Fun Facts aus verschiedenen Bänden.

Damit ist das Buch einerseits als Einführung zum Thema, aber auch als Fündlings ganz persönliche Hommage an seine favorisierte Comicfigur zu sehen. Dass die Schwerpunkte da subjektiver gesetzt werden als in manch anderem Sachbuch liegt auf der Hand. Jedenfalls liest es sich kurzweilig und dürfte allen Fans des gallischen Dorfes unterhaltsame Lesestunden bescheren.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kanzlergatte, heiter, tagebuch, politikerinnen, aktuell

Das total gefälschte Geheim-Tagebuch vom Mann von Frau Merkel


Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 01.03.2013
ISBN 9783651000551
Genre: Humor

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Loks der Benelux-Länder

Thomas Estler
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 18.08.2016
ISBN 9783613715233
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist vor allem die Vielfalt der ganz unterschiedlichen Spitznamen, die gerade den Reiz der älteren Fahrzeuge ausmacht. Kartoffelkäfer, Hundekopf, Affenkopf, Roter Teufel, Büffel, Hippel, Mäusenase, Fliegender Holländer, Kamel und Wattläufer sind nur eine Handvoll Beispiele für Fahrzeuge, denen man den Grund für diese Bezeichnung in der Regel auch ansieht. Aber auch über modernere Fahrzeuge lässt sich manches in Erfahrung bringen, unter anderem, dass die in Deutschland als "Walfische" bezeichneten Dieseltriebwagen der Baureihe 641/Alstom Coradia in Luxemburg "Dildo" genannt werden. Manch einem werden solche Details vielleicht unseriös vorkommen, eine angenehme Auflockerung zwischen erklärenden Texten und Tabellen mit technischen Daten ist es allemal.

Weitere Baureihen, die deutschen Eisenbahnfans vertraut sein dürften sind unter anderem die Baureihe 628, die Lokomotiven der TRAXX-Familie, die niederländische Variante des ICE3, LINT-Triebwagen, die dieselelektrische G2000, sowie die Baureihe 264, die in verschiedenen Farb- und Austattungsvarianten auch bei den Bahngesellschaften der Benelux-Staaten im Einsatz sind. Zusammen mit Fahrzeugen aus Großbritannien und Frankreich, sowie eigens entwickelten Modellen, ergeben sich interessante Schnittmengen mit anderen Eisenbahnnationen. Exoten und Einzelstücke wie die niederländischen TEE-Triebzüge, die "Motorpost"-Triebwagen der NS oder ein glücklicherweise betriebsfähig erhaltenes Panorama-Inspektionsfahrzeug finden ebenso ihren Platz wie regulär heute oder in der Vergangenheit planmäßig eingesetztes Rollmaterial.

In kaum einem anderen europäischen Land dürfte die Fahrzeugästhetik und -herkunft so vielfältig sein wie in den Benelux-Ländern, was im Vorwort scherzhaft als "Kessel Buntes" umschrieben wird. Eine Tatsache, die das Buch anschaulich vor Augen führt. Da die Fahrzeuge der drei Nationen in dieses relativ dünne Buch hineingepasst haben, bleibt für die Zukunft der Wunsch bestehen, eine Gesamtausgabe inklusive der Vorkriegsfahrzeuge zu lesen, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Seitenzahl: 128
Format: 23 x 20,5 cm, Taschenbuch
Verlag: transpress

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69 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

sowjetunion, mord, kgb, russland, thriller

Kind 44

Tom Rob Smith , Armin Gontermann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.05.2015
ISBN 9783442481859
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für gewöhnlich bemühen sich Thrillerautoren ihren Antagonisten möglichst ausgefallene Mordmethoden anzudichten, um den Leser neugierig auf die Motivation des Killers zu machen. Tom Rob Smith kann sich das ebenfalls nicht verkneifen, die eigentliche Stärke von "Kind 44" liegt allerdings eindeutig in der Atmosphäre und Epoche. Vom erschütternden Holodomor (der immer noch nicht weltweit als Völkermord anerkannt ist) bis hin zu den Veränderungen nach dem Tod Stalins zeichnet Smith ein finsteres aber weitgehend authentisches Bild einer Sowjetunion, die noch unter dem Eindruck der Säuberungsaktionen der kommunistischen Partei steht, deren Mantras Leo anfangs noch vor sich hinbetet. Ein Staat, der zu seiner Zeit besser und moderner als jeder andere sein wollte, aber hauptsächlich durch Terror und Verrat zusammengehalten wurde.

Da wäre es leicht, einen der üblichen Systemkritiker auf den Leser loszulassen, der von Anfang an den Staat als solchen hinterfragt, sich dagegen auflehnt und schließlich heldenhaft flieht oder wenigstens Reformen anstößt. Leo Demidow tut nichts dergleichen. Als Mitglied des Geheimdienstes MGB ist er selbst für Verhaftungen, Verhöre und ähnliches zuständig, teils aus Überzeugung, teils mangels Alternativen, aber immer mit der Gewissheit im Nacken, dass ihn selbst jederzeit irgendein missgünstiger Kolege ans Messer liefern könnte. Daher dauert es ein wenig, bis man für ihn wirklich Sympathie entwickelt, entsprechend viel müssen er und seine Frau Raisa dann aber auch durchmachen, bis der Mörder endlich gefasst ist.

Obwohl der Showdown etwas knapp abgehandelt wird, baut sich die Spannung doch über reichlich fünfhundert Seiten kontinuierlich auf. Da kann man es auch verschmerzen, dass nach dem packenden Prolog und einer Vorstellung Leos der eigentliche Fall erst einmal für knapp einhundertfünfzig Seiten kaum Thema ist. Trotzdem geschieht genug, um nie Langeweile aufkommen zu lassen, denn schon das Setting macht das Buch spannender als die meisten Konkurrenzprodukte. Aber selbst in Sachen Figurentwicklung und Dramaturgie macht Smith prinzipiell alles richtig. Aufmerksame Leser stellen vielleicht schon vor der finalen Konfrontation eine wichtige Parallele fest, die auf die Identität des Mörders schließen lässt, dennoch lohnt sich der Weg dorthin. Die Verhältnisse in den Verhörverliesen des MBG, in verwahrlosten Kinderheimen, Komunalkas und Wohnblöcken beschreibt der Autor lebendig genug, um seinem Werk eine einmalige bedrückende Atmosphäre zu verpassen.

Wer Thriller jenseits der üblichen Handlungsmuster mag, wird "Kind 44" mit Sicherheit mögen. Wer den Film schon wenigstens interessant fand, findet hier eine sehr viel bessere Version der Handlung, die sich nicht weniger spannend liest.

Originaltitel: "Child 44"
Seitenzahl: 509
Format: 12,6 x 18,8 cm, Taschenbuch
Verlag: Goldmann
Bonusmaterial: Literaturhinweise

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

journalismus, medien, elite, lügenpresse, lobbyismus

Mainstream

Uwe Krüger
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 08.08.2016
ISBN 9783406688515
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist leicht, von Gleichschaltung und politischer Willkür zu sprechen. Tatsachen zu überprüfen und Entwicklungen mit wissenschaftlicher Genauigkeit nachzuverfolgen macht jedoch Arbeit und genau deshalb ist es wichtig, dass Bücher wie dieses veröffentlicht werden. Unaufgeregt, sachlich, doch niemals trocken oder belehrend analysiert Uwe Krüger Tendenzen der gegenwärtigen Berichterstattung, von der Ukraine-Krise über Pegida bis hin zur Flüchtlingsdebatte. Ohne sich jemals auf eine Seite zu schlagen werden die Berichte führender Blätter und Sender verglichen, aber auch Vergleiche zur oft daran angelehnten Schreibe weniger bedeutender Medien gezogen, die sich oft schon aufgrund des Aktualitätsdrucks oder wegen des guten Rufes ihrer Vorbilder an deren Inhalten orientieren, beziehungsweise sie teils gar ohne zusätzliche Recherche übernehmen.

Verfälschte oder umgedeutete Bilder und Beiträge sind ebenso Thema, wie die tatsächliche "Einflussnahme" führender Köpfe aus Wirtschaft und Politik. Es zeigt sich: eine staatlich definierte "Linie" für zu veröffentlichende Inhalte ist gar nicht unbedingt nötig, um das gefühlt gleichklingende Meinungsecho zu erhalten. Journalistenschulen fördern oder akzeptieren in erster Linie Bewerber, die zu ihrer eigenen Ausrichtung passen, das soziale Herkunftsmilieu bleibt weitgehend gleich. Wer es trotzdem nach oben schafft, dort aber in Interviews und Chefetagen allzu kritisch nachfragt, gilt schnell als "Störfaktor", dem bloß keine Plattform für seine kruden Thesen geboten werden soll. Dafür muss man offenbar noch nicht einmal extreme Meinungen vertreten, ein simples Anfechten des allgemeinen Konsens genügt oft schon. Krüger verschweigt auch nicht die Verflechtungen diverser Medienkonzerne, die das Treiben ihrer einzelnen Subunternehmen entsprechend moderieren.

Auf der Sachebene erfährt der Leser unter anderem, wer der eigentliche Veranstalter der Bundespressekonferenz ist, was dort unter welchen Bedingungen gesagt wird und welche Hintergrundkreise existieren, in denen Politiker und Chefredakteure meist zwanglos verkehren. Damit und auch durch die exzellenten Quellenverweise bleibt es dem Leser überlassen, sich ein eigenes Bild zu machen, was der einseitigen Meinungsmache stets vorzuziehen ist. Als einzigen dezenten Lösungsvorschlag empfiehlt Krüger Journalisten und Rezipienten "Entspannungsübungen": Diskurs statt Gegenöffentlichkeit, kritische Analyse statt polemischer Wutausbrüche. Hinweise auf (durchaus existierende) gelungene mainstreamkritische Beiträge, die nur allzu oft in der Masse des veröffentlichten Materials untergehen, finden ebenso ihren Platz wie der Appell an Meinungsmacher, vom hohen Ross zu steigen und stärker mit ihrer Zielgruppe zu interagieren.

Obwohl sich das Buch seinem Titel entsprechend vor allem mit den führenden "Qualitätsmedien" auseinandersetzt, wäre ein Hinweis auf kleinere aber hochwertige Magazine und Blogs, die vom Mainstream allzu oft belächelt oder als durchweg unseriös bezeichnet werden, hilfreich gewesen. Schließlich ist die Presselandschaft deutlich bunter, als es der durchschnittliche Zeitungskiosk oder eine Fernsehzeitung abbilden könnte.

Seitenzahl: 174
Format: 16,3 x 20,3 cm, Taschenbuch
Verlag: C.H.Beck/ZpB

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249 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 12 Rezensionen

dänemark, kopenhagen, mord, clan, krimi

Erwartung - Der Marco-Effekt

Jussi Adler-Olsen ,
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.01.2016
ISBN 9783423216203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es hat schon fast Tradition, dass sich Adler Olsens Carl Mørck vom Sonderdezernat Q mit Fällen befassen muss, deren Folgen sich langfristig auswirken. Umso besser, dass dieser Umstand in "Erwartung" dieses Mal schon auf den ersten vierzig Seiten abgehandelt wird, die, Henning Mankell lässt grüßen, sogar auf einem anderen Kontinent spielen. Carl und sein Team tauchen in diesem etwas zu ausführlich geratenem Abschnitt zwar gar nicht auf, dafür konzentriert sich die darauf folgende Handlung dann aber fast vollständig auf die Gegenwart. Die Geschichte um den zum Stehlen erzogenen Marco ist für sich schon aufregend genug, um ein eigenes Buch zu füllen.

Carl & Co ermitteln natürlich wenig später trotzdem und müssen den verängstigten Jungen erst einmal ausfindig machen, um überhaupt voranzukommen. Intrigenspielchen bei der Polizei und persönliche Probleme machen natürlich vereinzelt Schwierigkeiten, insgesamt bleibt Olsen dieses Mal aber so nah an seinen Charakteren, dass sich dieses fünfte Abenteuer als das bisher beste erweist. Rose und Assad bekommen mehr Aufmerksamkeit als bisher und ihre angedeuteten Geheimnisse dürften in diversen Fortsetzungen nochmals Thema sein. Marco ist den Ermittlern zudem oft eine gehörige Nasenlänge voraus und bildet einen abwechslungsreichen Gegenpart zu den bekannten Gesichtern.

Als zeitkritischer Leser darf man sich außerdem Gedanken über die Gründe und Ausprägungen von Bandenkriminalität, sowie über Korruption im Regierungsapparat machen. Den schwierigen Spagat aus Humor und Ernst meistert der Autor einmal mehr mit Bravour, ohne dabei jemals zynisch zu werden.

Originaltitel: "Marco effekten"
Seitenzahl: 576
Format: 12 x 19 cm, Taschenbuch (auch als gebundene Ausgabe erhältlich)
Verlag: dtv

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136 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

thriller, wasser, atommüll, terroristen, h2o

H2O - Das Sterben beginnt

Ivo Pala
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.06.2014
ISBN 9783442382934
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Trinkwasser ist praktisch überall und eine Verseuchung dieses Grundnahrungsmittels kann Tod durch Verstrahlung oder Verdursten bedeuten, erst recht wenn die Infrastruktur im Land zusammenbricht. Mit entsprechender Vorfreude registriert man, dass auch ein Mitarbeiter vom Bundesamt für Strahlenschutz zu den Hauptfiguren gehören soll, neben dem Katastrophenszenario könnte also auch eine populärwissenschaftliche Annäherung an das Was-wäre-wenn der Prämisse Teil der Handlung sein. Weit gefehlt.

Schon kurz nachdem der erste Anschlag verübt wurde findet man sich in einer Geschichte wieder, die irgendwo zwischen Agententhriller und Politkrimi angesiedelt zu sein scheint. Da ist nicht nur der angesichts seiner großen Aufgabe plötzlich wieder ganz lebensfrohe Julian Berg, der sich sogleich zu mysteriösen Tippgebern im Ausland aufmacht, sondern auch eine sich skrupellos hochschlafende Staatssekretärin mit ganz großen Plänen. Die beiden Charaktere könnte man durchaus ertragen, würden sie sich nicht dermaßen erwartungsgemäß verhalten. Und da liegt eines der Probleme dieses Romans. Fast keine der Figuren hat irgendetwas zu bieten, das man nicht schon interessanter gelesen hätte. Der sex- und gewaltgeile Bösewicht mit dem bedeutungsschwangeren Spitznamen "Prometheus" tut sein übriges.

Einige Verfolgungsjagden später hat man schon fast vergessen, dass dem Land nicht nur eine große Katastrophe befindet, sondern dass es sich längst darin befindet. Dennoch setzt der Autor noch einen drauf, indem er die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den amtierenden Machthabern ins Spiel bringt und in Berlin revolutionäre Zustände ausbrechen lässt. Das Volk marschiert auf den Reichstag und auch die Armee erhebt sich gegen ihre Befehlshaber. Glücklicherweise raufen sich die heldenhaften Terrorabwehrler, die im Ausnahemzustand Folter tendenziell okay finden, rechtzeitig zum Showdown wieder zusammen. Währenddessen und auch davor gibt es Action und namenlose Tote zuhauf, dafür bleibt leider fast alles andere auf der Strecke.

Seitenzahl: 448
Format: 18,6 x 11,8 cm, Taschenbuch
Verlag: Blanvalet

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Die Ehre der Legion

Anthony Riches , Wolfgang Thon
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 16.05.2016
ISBN 9783734100642
Genre: Historische Romane

Rezension:

Man kennt es aus unzähligen Romanen und Filmen: Ein junger Grünschnabel tritt in die Armee ein, wird von seinem Umfeld geschunden und muss sich gegen alle Widerstände beweisen. Eigentlich ein klassisches Umfeld, um sich als Autor über Ungerechtigkeit und die Kraft des Einzelnen auszulassen, doch Anthony Riches weicht den üblichen Klischeefallen geschickt aus und liefert dem Leser ein ebenso detailliertes wie einzigartiges Bild der römischen Hilfstruppen am Hadrianswall. Da wimmelt es nämlich nicht nur von zwangsrekrutierten römischen Bauern in Legionärsuniform, sondern auch die Rolle anderer Völker in der römischen Armee und deren durchaus widersprüchliche Lage sind Thema. Dass sich die Einheimischen trotzdem zur Wehr setzen liegt auf der Hand, dass sie dabei allerdings von unerwarteter Seite Hilfe bekommen zeigt, wie gnadenlos Verräter auch jenseits der Hauptstadt Rom noch verfolgt werden.

Außerdem ist Marcus Aquila als Charakter interessant genug, um ihm gerne über knapp fünfhundert Seiten zu folgen. Er mag anfangs nicht der geborene Anführer sein, doch er steckt voller Überraschungen, die auch dem Leser erst nach und nach enthüllt werden. Das rettet ihm und seiner Truppe so manches Mal das Leben und mit dem wachsenden Respekt seiner Männer reift Marcus zu einem kernigen Helden heran, dessen Leben trotz der Entfernung zu Rom dennoch ständig durch Verrat bedroht ist. Dass ihn früher oder später jemand verpetzt und irgendwo auch noch eine kleine Romanze eingebaut wird war irgendwie klar, bis dahin kann man sich allerdings an gut recherchierten Szenen über das römische Heereswesen erfreuen und so manches spannende Manöver bewundern. Selbst der Humor kommt nicht zu kurz, denn zur Aufheiterung eines Kameraden erfinden die Krieger sogar eine antike Version des bekannten Glühbirnenwitzes ...

Zusätzlich sät Riches genug Anspielungen und Geheimnisse, um Marcus auch für entsprechende Fortsetzungen ins Spiel zu bringen. Der Nachfolgeroman "Schwerter des Zorns" ist bereits auf Deutsch erschienen und wird in Kürze ebenfalls an dieser Stelle besprochen. Bis dahin bleibt "Die Ehre der Legion" einer der besten und handfestesten Römerromane, die es gibt. Ein paar überdurchschnittlich lange Monologe (⋝ 2 Seiten) hätten nicht sein müssen, aber wer sich dort tapfer durchkämpft wird mit einer vielseitigen und spannenden Lektüre belohnt.

Originaltitel: "Wounds of Honour (Empire 1)"
Seitenzahl: 480
Format: 13,7 x 18,6 cm, Taschenbuch
Verlag: Blanvalet

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216 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

fantasy, wüste, markus heitz, wedora, magie

Wédora – Staub und Blut

Markus Heitz
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.08.2016
ISBN 9783426654033
Genre: Fantasy

Rezension:

In der klassischen Fantasy führt die Queste die Helden oft durch fremde Länder, gefährliche Landschaften und lässt sie auf die eigenartigsten Völker treffen. Wédōra bietet all das auf engstem Raum. Die Idee einer pulsierenden Wüstenstadt, aus der man aufgrund ihrer Lage nicht einfach verschwinden kann, gibt der Geschichte einen interessanten Grundkonflikt. Was Tomeija und Liothan in der Stadt vorfinden und erleben, macht dem Genre jedenfalls alle Ehre. Immer neue Hindernisse und eigenwillige Stadtviertel kommen zum Vorschein, das Geheimnis um den offenbar unsichtbaren Herrscher treibt die Geschichte zusätzlich voran. Die bleibt übrigens größtenteils angenehm bodenständig, ein kleiner Ausflug Richtung Horror macht sich gut und obwohl es in Wédōra auch Magie gibt, muss niemand befürchten, dass sich komplizierte Situationen deshalb in Luft auflösen.

Außerdem dürfen sich die beiden ungewöhnlichen Helden auf ihrer Reise auch entwickeln, ohne aber ihr Wesen an sich zu verraten. Da kommt so manche ungeahnte Eigenschaft und Begabung zum Vorschein, anhand derer sich der Leser zu recht fragt, was die beiden und ihr Umfeld daraus machen werden. Das alles liest sich nicht nur unverschämt spannend, sondern auch flüssig. Die sechshundert Seiten verfliegen im Nu, das würdige Ende trägt tragische, aber auch hoffnungsvolle Züge. Leider werden nicht alle offenen Fragen beantwortet, was gut und gerne eine Hintertür für mögliche Fortsetzungen sein kann. Zumindest kann man das Nachwort so deuten, dass "Wédōra" womöglich erst der Anfang einer neuen Reihe ist.

Bis dahin wird man mit dem Buch aber gut unterhalten. Heitz beweist, dass man für einen anständigen Showdown gar nicht unbedingt eine große Feldschlacht braucht, denn die Stadt ist dermaßen verwinkelt, dass darin genug abenteuerliche Verfolgungsjagden und Kämpfe möglich sind. Möge es nicht das letzte gewesen sein!

Seitenzahl: 608
Format: 13,4 x 20,8 cm, Klappenbroschur
Verlag: Knaur

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Die Ferkeltaxe

Lothar Weber
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 31.03.2016
ISBN 9783613715158
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schön, dass dem sympatischen Triebwagen erstmals ein eigenes Buch gewidmet wird. Weber füllt die knapp einhundertdreißig Seiten mit exzellent recherchierten Fakten und verschweigt auch nicht die Situation, in der die Deutsche Reichsbahn nach dem Zweiten Weltkrieg steckte: Dieseltriebwagen wurden entweder von der DRG übernommen (teils mit Kriegsschäden), verblieben in den westlichen Besatzungszonen oder wurden samt Fertigungstechnik als Reparationsleistung in die Sowjetunion verfrachtet. Während der Bau größerer in der DDR produzierter Diesellokomotiven noch in den Kinderschuhen steckte, stand bereits 1959 ein Prototyp des LVT 2.09 bereit.

Da der für dieses Buch verantwortliche transpress-Verlag selbst ein unfangreiches Archiv an DR-Publikationen wie das sechzehnbändige "Triebfahrzeugarchiv" und das "Merkbuch für Triebfahrzeuge" verfügt, bekommt der interessierte Eisenbahnliebhaber hier neben Abdrucken der Original-Risszeichnungen und vollständigen technischen Daten auch Schaltpläne und Ausschnitte aus dem offiziellen Handbuch dieser Fahrzeuge zu sehen. Besonders interessant sind außerdem jene Kapitel, die sich mit den verbliebenen Museumsfahrezugen und den ins Ausland verkauften Triebwagen befasst. Auch hier bekommen wir passende Fotos zu sehen, wenn auch noch immer mintgrün lackierte Ferkeltaxen mit DB-Logo unter kubanischen Palmen auf den ersten Blick surreal wirken mögen.

Seitenzahl: 128
Format: 21,5 x 21,1 cm, Broschur
Verlag: transpress

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

thriller, buchreihe

Orphan X

Gregg Hurwitz , Mirga Nekvedavicius
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959671026
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit James Bond ist bekannt: Waisenkinder sind der Stoff, aus dem Killer gemacht werden. Da ist es nur passend, dass Hurwitz ihm und anderen (Anti)Helden das Werk auch gleich widmet, denn die Parallelen zum Spion im Dienste ihrer Majestät und vielen weiteren bekannten Agenten/Auftragsmördern sind unübersehbar: die menschliche Seite, der väterliche Ausbilder, der verschrobene Ausstatter, der mysteriöse Hintermann und die unscheinbare Tarnidentität. Trotzdem gelingt es Hurwitz, seiner Hauptfigur eine ganz eigene Seite zu verpassen, die zwar relativ einseitig idealistisch sein mag, ihn aber vor so viele Herausforderungen stellt, dass man Evan gerne durch die unmöglichsten Situationen folgt. Da kann schon eine Fahrstuhlfahrt mit den lieben Nachbarn zur Herausforderung werden.

Seien es vertrackte Alltagssituationen oder die im Mittelpunkt stehende eskalierende Situation - die Handlung wird so schnell nicht langweilig. Sinnvoll platzierte Rückblicke in Evans Vergangenheit erklären wie er zu dem wurde, was er ist, nehmen aber auch nicht übermäßig viel Platz ein. Inmitten der Verfolgungsjagden, Einbrüche und Zweikämpfe sorgen die Begegnungen mit Evans Nachbarn dafür, dass der Humor nicht zu kurz kommt und er seine menschliche Seite zeigen darf. Elegante Twists bereichern die Story, driften aber nie ins Unglaubwürdige ab. Lediglich eine Killerin von der Konkurrenz, die anfangs als Domina auftritt und später auch noch den Decknamen "Hot Mama" (echt jetzt?) trägt, erinnert zu stark an billige Actionfilme, in denen körperliche Reize leicht bekleideter Femmes fatales zum Stopfen von Logiklücken herhalten müssen.

Im Übrigen nimmt es Evan Smoak mit der Moral relativ genau. Seine Entwicklung vom überzeugten Regelbefolger hin zum freischaffenden und freidenkenden Vigilanten nimmt ihn nicht derart mit wie einen Jason Bourne oder Daniel Craigs 007. Smoak hat noch mehr vom klassischen rechtschaffenen Helden, ist aber in jedem Fall zugleich auf der Höhe der Zeit. Die akribisch recherchierten technischen Details seines Vorgehens und der dabei verwendeten Ausrüstung zeugen zudem von Sachkenntnis, die Hand in Hand mit einer flüssigen Schreibe geht, der man sich einfach nicht entziehen kann. Die Frage nach der Identität von Evans Gegnern und ihren Absichten treibt die Geschichte bis zum eleganten aber nicht zu einfach gedachten Showdown unerbittlich voran. Ein wenig ahnt man beim Lesen schon, worauf das ganze hinausläuft, aber hey, man wird dabei äußerst gut unterhalten.

Fazit: Ein Buch, für das man gerne mal den Fernseher auslässt und das die besten Eigenschaften kurzweiliger Thriller in sich vereinigt. Die Verantwortungslosigkeit skrupelloser Regierungen und anderer Organisationen wird zwar kurz angeschnitten, Hurwitz manövriert sich jedoch dermaßen geschickt an den meisten Klischeefallen des Genres vorbei, dass man ihm die wenigen kleinen Schnitzer gerne verzeiht. Zudem spickt der außerdem als Drehbuchautor tätige Verfasser seine Geschichte mit allerhand Filmreferenzen, die allen Geeks viel Spaß bescheren dürften.

Seitenzahl: 432
Format: 15 x 22,2 cm, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: HarperCollins

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Parodie, Die

Michel Rodrigue
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.09.2016
ISBN 9783958399235
Genre: Comics

Rezension:

 Selbst wenn man aus der frankophonen Comicwelt "nur" die großen Klassiker wie Asterix, Lucky Luke, die Schlümpfe oder Tim und Struppi kennt, wird man hier auf viele bekannte Figuren und Szenarien stoßen. Da gibt es Dorfkeilereien, einen untalentierten Möchtegernbarden, einen verwirrten Professor, Bogenschützen, die schneller als ihr Schatten schießen, kleine blaue Kobolde, lokale Dialekte ohne 'R' und vieles mehr. Aber auch die zeitgenössische Popkultur findet Eingang in das Werk, etwa in Form eines Ikea-Katalogs für Wikinger-Schiffe oder eines Gastauftritts von Darth Vader. Außerdem rauben die Wikinger mit Vorliebe belgische "Manuskripte, voll mit prächtigen Buchmalereien", auf denen nicht zufällig die Namen bekannter Comicautoren stehen.

Und das ist nur der Anfang. Rodrigue stopft den Band mit dermaßen vielen Hommagen, Parodien, Subtexten, Anspielungen und ironischen Verweisen voll, dass die eigentliche Handlung schon fast zur Nebensache wird. Thorax' surrealer Selbstfindungstrip, der ihn durch unterschiedlichste Dimensionen, Zeitalter und Situationen führt, hat nur relativ wenige Auswirkungen, die launige Suche der Wikinger nach der sogenannten Zivilisation birgt hingegen schon mehr Stoff für eine süffisante Abrechnung mit dem Zeitgeist des Mittelalters. Aber auch in diesem Handlungsstrang bricht der Autor und Zeichner geradezu anarchisch aus den anfangs noch sorgfältig etablierten Erzählmustern aus.

Letztendlich dürfte "Die Parodie" vor allem bei Insidern so richtig zünden. Wem Titel wie "XIII" und "Thorgal" etwas sagen, der dürfte in dem bunt durcheinandergewürfelten Szenario noch sehr viel mehr entdecken.

Originaltitel: "La Parodie"
Seitenzahl: 48
Format: 21,5 x 29,9 cm, gebunden
Verlag: Toonfish

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Eisenbahn von oben im Wirtschaftswunderland

Andreas Knipping
Fester Einband
Erschienen bei GeraMond Verlag, 04.05.2016
ISBN 9783956130311
Genre: Sachbücher

Rezension:

Verfechter zeitgenössischer Fototechnik lassen sich gerne über die Qualitätsunterschiede im Vergleich zum "analogen Zeitalter" aus. Dieses Buch beweist in erster Linie, was man schon in den fünfziger Jahren mit entsprechender Ausrüstung alles umsetzen konnte. Die Mehrheit der ausschließlich schwarzweißen Aufnahmen ist so detailreich wie man es sich von Luftbildern wünscht, Kontrast und Licht stets ausgewogen, die wichtigsten Inhalte klar erkennbar. Natürlich kommt man stellenweise um eine gewisse Grobkörnigkeit nicht herum, aber gerade das macht einen Teil des Reizes der stilvoll zusammengetragenen Fotografien aus.

Wo immer es möglich war, geht Knipping auf gleisbauliche Besonderheiten ein, beschreibt die jüngere Geschichte der abgebildeten Orte oder identifiziert Fahrzeugtypen. Lok- oder Wagennummern sucht man vergeblich, denn trotz aller Liebe zum Detail lässt sich davon nichts erkennen. Macht aber nichts, die einzigartigen Perspektiven ermöglichen eine spannende Zeitreise, die im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug vergeht. Die Begleittexte sind stets mehr als bessere Bildunterschriften, weshalb sich dieser überaus gelungene Bildband auch zum Lesen eignet.

Seitenzahl: 192
Format: 26,8 x 28,9 cm
Verlag: GeraMond

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wissenschaftsthriller, thriller, pandemie

Pandemie: Science Thriller

Thor Ansell
E-Buch Text: 302 Seiten
Erschienen bei null, 24.08.2016
ISBN B01KYQ4WSK
Genre: Sonstiges

Rezension:

An der Schnittstelle zwischen Science Ficton und real denkbaren Szenarien siedelt Ansell seine Geschichte an, womit ihm zweierlei gelingt: erstens wirkt seine Geschichte dadurch einigermaßen geerdet und zweitens schafft er die nötige Distanz, um das Geschehen in Ruhe betrachten zu können. Die Frage nach dem korrekten Umgang mit der Krise im sonst so wohlorganisierten Deutschland  stellt sich ebenso, wie das die Handlung vorantreibende Rätsel, worum es sich bei diesem Berlin-Syndrom denn nun eigentlich handelt. Allzu einfach macht es sich der Autor mit der Auflösung dann zum Glück nicht, die Quintessenz erinnert entfernt an M. Night Shyalamans Film "The Happening", aber wir wollen nicht zuviel verraten.

    "Ein zerstörtes Land, rauchende Ruinen oder eine eingedämmte Krise mit deutscher Ordnung. Mad Max oder THW."
    (↦ S. 231)

Alex gibt eine passende Identifikationsfigur ab, während viele der anderen Charaktere eher grob skizziert werden. Das Hauptaugenmerk liegt ohnehin auf Spannung und Atmosphäre, was zumindest in der futuristischen Bunkeranlage (Freunde des Suspense wissen, dass Isolation auf Dauer nicht gut gehen kann) und deren Laboratorien gut umgesetzt wird. Titelbild und Inhaltsangabe könnten auch zu einem germanisierten Zombiereißer passen, Body-Horror gibt es aber trotz der fehlenden Untoten immer wieder. Stellenweise wünscht man sich in diesen Szenen etwas weniger Spekulationen, Dialoge, rhetorische Fragen und Beschreibungen von Gefühlszuständen, sowie einen insgesamt einen klareren Fokus auf das Geschehen, denn gerade die Schockmomente tauchen vereinzelt wie aus dem Nichts auf und sind dann flugs wieder vorbei.

Während man in Typografie und Satzbau oft noch den Debütanten erkennt, ist Thor Ansell jenseits davon ein stellenweise durchaus spannender Thriller mit gut informiertem Hintergrund gelungen, der vor allem im letzten Drittel das Zeug zum Pageturner hat.

Seitenzahl: 302
Format: 15,2 x 22,9 cm, Taschenbuch
Verlag: Createspace

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kinderheim, vergewaltigung, dänemark

Die vergessenen Mädchen

Sara Blædel , Marieke Heimburger
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492309097
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Man möchte niemandem gerne unterstellen heimlich Inhalte anderer Autoren zu verarbeiten, aber die Parallelen zwischen Louise Rick und dem von Jussi Adler Olsen erfundenen Kommissar Carl Mørck sind unübersehbar: Beide arbeiten in einer Abteilung, in der ungelöste Verbrechen landen und die bei ihren Chefs kaum Ansehen genießt, ihre Fälle reichen weit in die Vergangenheit hinein, dazu kommen private Probleme Mitbewohner, die bereitwillig den Haushalt schmeißen. Vielleicht ist es auch der ganz besondere Geist dänischer Krimis, der Situationen wie diese immer wieder hervorbringt.
Jenseits davon ist die Vorgeschichte von "Der Pfad des Todes" ähnlich spannend wie der Nachfolger. Der Einstieg ist aufregend, bis danach die ermittelnden Personen und deren Lebensumstände erst einmal vorgestellt wurden vergeht ein wenig Zeit. Wann immer die Handlung ins Stocken zu geraten scheint kommt aber in der Regel ein weiteres Verbrechen daher, so dass das Tempo konstant hoch bleibt. Hinweise auf Louises Vergangenheit sorgen für zusätzliche Spannung, denn für die Ermittlungen muss sie sich in ihre ehemalige Heimatstadt begeben und Fans nordischer Kriminalliteratur ahnen natürlich, dass es dort selten so friedlich zugeht wie es aussieht ...
Insgesamt ein spannender Krimi, der abgesehen von manchen allzu konventionellen Elementen prächtige Unterhaltung bietet. Im Buch findet sich zusätzlich eine eingedruckte Landkarte, auf der die Tatorte anschaulich eingezeichnet sind. Schade nur, dass sie sich mitten im Buch befindet, denn man könnte sie beim Lesen öfter gebrauchen als nur an gerade dieser Stelle.

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irland, how to be irish, irisch sein, bauen, sozialstudie

How To Be Irish: Ein Anthropologe packt aus

David Slattery
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 15.06.2015
ISBN 9783641154349
Genre: Sonstiges

Rezension:

Anfangs klingt das noch alles recht seriös, was Mr. Slattery vorhat. Als Anthropologe ist er für Volkskunde durchaus qualifiziert, das verschmitzte Foto im Klappentext verdeutlicht zudem seine Literaturbegeisterung und macht klar, dass er sich dem Thema ebenso informativ wie unterhaltsam nähern will. Meist funktioniert das recht gut. Hat man sich ein wenig eingelesen, kommt es früher oder später kaum noch darauf an, welche Fakten und Geschichten nun stimmen und was der Fantasie des Autors entsprungen sein mag.

Die einen werden ihr Bild von dem verschrobenen Inselvölkchen bestätigt sehen und sich köstlich darüber amüsieren, während andere nachdenklich lächelnd feststellen, dass nicht alle Übertreibungen allzu weit hergeholt sind. Besonders irische Themen wie Kneipenbesuche, Begräbnisse, die Politik und Weihnachten mit allen seinen Bräuchen lesen sich am besten, während manche Begebenheit am Arbeitsplatz oder beim Hausbau auch anderswo passiert sein könnte. Vielleicht sind die Menschen auf der Welt trotz mancher Eigenarten gar nicht so verschieden oder wir sind alle ein bisschen irisch. Warum eigentlich nicht? Schade nur, dass die irische Sprache, die zwar nur noch wenig gesprochen wird, dafür aber mit Irlands Geschichte und Kultur untrennbar verbunden ist, mit keiner Silbe gewürdigt wird.

Wer bereits ist, sich dem Phänomen Irland und seinen augenscheinlich manchmal verschrobenen aber grundsätzlich liebenswürdigen Bürgern mit viel Augenzwinkern zu nähern, der wird hier angenehme Lesstunden verbringen. David Slattery versteht es, Tatsachen und solche die es gerne wären virtuos mit Fachwissen und Anekdoten abzuschmecken. Was dabei herauskommt schmeckt mindestens so gut wie ein anständiger Irish Stew.

Sláinte!*

Seitenzahl: 320
Format: 13,4 x 21,6 cm, Klappenbroschur
Verlag: btb

* "Prost!" (wörtlich: Gesundheit!)

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

krimi, 2. weltkrieg, flugscheibe, düsseldorf, 1945

Geheimprojekt Flugscheibe

Sebastian Thiel
Flexibler Einband: 278 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2015
ISBN 9783839217993
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Man kommt nicht umhin beim Titel dieses Buches an trashige Nazi-Abenteuer à la "Iron Sky" zu denken. Die sogenannte Reichsflugscheibe ist ein beliebter Mythos unter Verschwörungstheoretikern und nun soll sie den Hintergrund eines ernstzunehmende Thrillerkrimis bilden. Da mag Skepsis angebracht sein, allerdings nur in Maßen. Denn Sebastian Thiels Roman hat mehr zu bieten als einen reißerischen Aufhänger.

Offiziell handelt es sich um einen Kriminalroman, doch außer dem (ehemaligen) Beruf der Hauptfigur erinnert nur noch wenig daran. Nach dem Prolog befindet sich der Leser urplötzlich mitten in einer Handlung voller Charaktere, auf die der Autor Bezug nimmt, als ob man sie längst kennen müsste. Eine kurze Recherche bestätigt, dass "Geheimprojekt Flugscheibe" der dritte Teil einer Buchreihe über Kommissar Brandenburg ist. Liest man sich ein wenig ein, kann man vieles aber auch als Neueinsteiger verstehen. Die geradlinige und spannend aufgebaute Handlung fesselt spätestens im zweiten Kapitel auch kritische Geister.

Während Autoren wie Benjamin Montferat ("Welt in Flammen") ähnliche Spionagegeschichten auf tausendseitige Wälzer ausdehnen, sorgt die Kürze hier für einen angenehmen Lesefluss. Langeweile kommt so gut wie nie auf, lediglich eine Handvoll Wendungen wirken etwas zu plötzlich. Seine besten Momente hat der Roman, wenn die dekadenten Ausschweifungen der Nazi-Elite auf die Kriegswahrnehmung der einfachen Bevölkerung treffen. Diverse Techtelmechtel und persönliche Racheakte sind vorhersehbar, doch dem zähen Herrn Brandenburg folgt man trotzdem gerne durch alle Gefahren bis zum brutalen Showdown. Auch wenn man schon vorher ahnt, was es mit der Flugscheibe auf sich hat, wird das Geheimnis sinnvoll aufgelöst und niemand muss einen Ausflug in Richtung Retro-SciFi befürchten.

Ein kurzweiliges Abenteuer also, das den Krieg an keiner Stelle verharmlost, ihn aber dennoch glaubwürdig und effektiv als Hintergrund für eine Thrillerhandlung verwendet, die sich gewaschen hat.

Seitenzahl: 278
Format: 12 x 19,8 cm, Taschenbuch
Verlag: Gmeiner

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Die Hüter der Himmelsscheibe

Hermann Multhaupt
Fester Einband: 205 Seiten
Erschienen bei St. Benno, 01.03.2012
ISBN 9783746233598
Genre: Historische Romane

Rezension:

Normalerweise assoziiert man die Himmelsscheibe mit ihrem Fundort Nebra, doch in dieser Geschichte hat es das Instrument entgegen aller archäologischen Erkenntnisse bis nach Irland verschlagen. Macht erstmal nichts, im Roman darf man das, solange es eine halbwegs logische Erklärung dafür gibt. Noch dazu ist das irische Frühmittelalter eine spannende Epoche, in der sich politisch und (kirchen)geschichtlich eine Menge getan hat, der Autor selbst gilt laut Klappentext als Irland-Experte. Leider wird dieses Potential kaum genutzt.

Während manche Details gut recherchiert wirken, sorgen diverse Ungenauigkeiten, Logikfehler und Stilbrüche für Ärger. Neben der Handlung, in die natürlich noch eine eindimensionale Liebesgeschichte eingeflochten wird, wechselt Multhaupt jenseits der kargen Dialoge oft in den Tonfall eines belehrenden Sachbuches. Das geschieht teils so unvermittelt, dass man schon erstaunt fragen will, ob sich die irischen Mönche im achten Jahrhundert bereits als "mittelalterlich" bezeichnet hätten. Nein, denn dieser Begriff taucht nicht vor 1300 auf! Außerdem zitiert ein Charakter einen Bericht aus dem Jahr 842, obwohl die Handlung im Jahr 793 spielt (vgl. S. 158).

Dazu gesellen sich weitere sachliche Fehler: Das zu dieser Zeit gesprochene Altirisch wird kurzerhand "Gälisch" genannt, während andere keltische/gälische Sprachen, wie es sie zu dieser Zeit bereits in unterschiedlichen Varietäten gab, keinerlei Erwähnung finden. Die Wikinger stilisiert der Autor im Kontrast zu den friedliebenden Iren als rohes aber trotzdem literates Volk, das zwar Briefe schreibt, aber Blutrache höher schätzt als den Ehebund und die Verantwortung für die Familie. Da hilft es auch wenig, die längst zum Klischee gewordene kulturelle Verständigung im Mittelalter zu bemühen (der wilde Wikinger lernt von den braven Brüdern), auch wenn der Gedanke natürlich löblich ist. Des Weiteren leben die grundsätzlich keuschen Mönche zum Zeitpunkt der Handlung bereits vollständig nach Art der römischen Kirche, obwohl die Transformation von der iroschottischen Kirche zum katholischen Ritus zu dieser Zeit noch lange nicht abgeschlossen waren und auch die Doppelhäuser, in denen verheiratete Mönche und Nonnen zusammen lebten, immer noch existierten.

Die Dramaturgie weiß nur am Anfang einigermaßen zu fesseln. Konfliktpotenzial gibt es zuhauf, dennoch werden große Zeiträume kurzerhand übersprungen, gefährliche Situationen lösen sich in Wohlgefallen auf und über die Himmelsscheibe erfährt der Leser nichts neues. Ihre mögliche Hintergrundgeschichte wird am Ende des Buches, dem übrigens jeglicher Schlusskonflikt fehlt, nachgeschoben. Immerhin berücksichtigt Multhaupt die Tatsache, dass die Scheibe zusammen mit zwei bronzezeitlichen Kurzschwertern gefunden wurde und spekuliert sogar ein wenig über deren Funktion.

Fazit: Nichts neues unter der Himmelsscheibe. So spannend das Experiment auch sein mag, die fiktive Geschichte des Fundstücks ins irische Mittelalter zu verlegen, die sachlichen Fehler und die allzu vorhersehbare Handlung machen diesen "historischen Roman" für Freunde des Genres nur schwer genießbar. Auch sprachlich ist man hier auf einem Stand, den kaum ein Lektorat durchgehen lassen würde. Während viele Figuren für die damalige Zeit viel zu moderne Ausdrucksweisen verwenden, ist sie für ein heutiges Publikum nur schwer lesbar.

Seitenzahl: 205
Format: 14 x 17 cm, gebunden
Verlag: St. Benno

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Living Language Dothraki

David J. Peterson , Stephan Naguschewski
Buch: 120 Seiten
Erschienen bei Zauberfeder Verlag, 20.11.2015
ISBN 9783938922903
Genre: Fantasy

Rezension:

Im Gegensatz zum schicken goldgeprägten Schuber in DVD-Größe (sieht neben den GoT-Staffeln toll im Regal aus!) wirkt das Innenlayout des Buches schon beinahe pragmatisch. Zuviele Fotos und Illustrationen hätten da aber vermutlich nur abgelenkt, schließlich möchte der geneigte Fan hier ja etwas lernen. Der Aufbau ist gut strukturiert, man arbeitet sich von Aussprachebeispielen einzelner Laute über einfache Begrüßungsformeln bis zu Grammatik und Satzbau vor. Kurze Einschübe über die Kultur der Dothraki erklären interessante sprachliche Besonderheiten. Dabei werden vor allem die Prioritäten dieses stolzen Volkes deutlich, dem Reiten und Kämpfen über alles gehen.

Die Hörbeispiele wurden im englischen Original vom Autor David J. Peterson, der weite Teile der Sprache für die Serie erfunden hat, eingesprochen. Glücklicherweise wurde dies auch bei der deutschen Fassung beibehalten und diese Teile nicht wie in den Serienfolgen von einer Synchronstimme neu interpretiert. Muttersprachler bleibt eben Muttersprachler, auch wenn sich die deutschen Stimmen der Charaktere noch so viel Mühe geben. Am Ende eines jeden Hörbeispiels bleiben einige Sekunden Stille, um das Gehörte wiederholen zu können. Besonders bei Aussprache von Doppelkonsonanten und anderen Lautkombinationen lohnt es sich genauer hinzuhören, denn aufgrund fehlender phonetischer Umschrift ist deren Artikulation anhand des Buches nicht immer klar ersichtlich.

Philologisch vorbelastete Leser werden womöglich sprachliche Substrate aus dem Arabischen, Slawischen und Mongolischen erkennen, aber auch interessierte Laien dürften ihren Spaß damit haben. Alles in allem ein interessanter und professionell gestalteter Sprachkurs für Liebhaber konstruierter Sprachsysteme und ein guter Fanartikel für alle anderen.

Seitenzahl: 120
Format: 14,2 x 19 cm, Taschenbuch im Schuber
Verlag: Zauberfeder Verlag
Bonusmaterial: CD mit Hörbeispielen

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Heimkehrer

Jan Guillou , ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.11.2015
ISBN 9783453419209
Genre: Historische Romane

Rezension:

Was im zweiten Band Kunst und Kultur waren, ist in diesem Buch die Politik. Guillou erweist sich wieder einmal als hervoragend recherchierender Autor, der ein ausgezeichnetes Gefühl für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen vermittelt. Die Bedrohung durch die sich mehr oder weniger an die Macht putschenden Nazis ist dabei ebenso präsent wie der teils unbegrenzte Fortschrittsglaube einiger Charaktere. Diskurse über Kultur, Ideologie und Architektur finden ebenso ihren Platz, denn Oscars Ehefrau Christa gibt mit Vorliebe Abendgesellschaften, in denen unter anderem ein gewisser Bert(hold Brecht) verkehrt. Den literarischen Helden zahlreicher Linksintellektueller (zu denen Guillou sich mit Sicherheit ebenfalls zählen würde) und sein Umfeld porträtiert der Autor erfreulich glanzlos und bodenständig.

Die Handlung schreitet selbst eher indirekt voran. Dialoge und atemlose Szenen sind in der Minderheit, es überwiegen Beschreibungen gesellschaftlicher Zustände und historischer Einzelheiten. Damit liest sich das Buch teils wie ein unterhaltsamer Ausflug in die jüngere deutsche (teils auch in die schwedisch/norwegische) Geschichte, zugänglich bleibt es trotzdem. Wo andere Autoren auf Intrigen, Affären und überspitze Spannungsbögen setzen, vertraut Jan Guillou gänzlich auf die Sogwirkung der geschichtlichen Umstände, die nicht für jede Figur gut ausgehen können. Das macht die Lektüre vielleicht etwas informationslastiger als andere historische Romane, die auf Krampf auch noch eine Liebesgeschichte mit unterbringen müssen, doch so etwas hat "Die Heimkehrer" nicht nötig.

Im letzten Drittel schreitet die Handlung dann aber doch schneller voran, als man es bis dahin gewohnt ist. Die Nazis kommen an die Macht und ihrer zumindest in Deutschland spürbaren Omnipräsenz können sich auch die Lauritzens nicht samt und sonders entziehen. Einer der Söhne wird sogar ein überzeugter Hauptmann der SS. Das bietet reichlich Konfliktpotential, ausgeschöpft wird es aber nur teilweise. Eine schockierende Wendung hebt sich der Autor für die letzten Seiten auf und entlässt den Leser mit dem Gefühl, dass auch diese Geschichte noch nicht ganz zuende erzählt wurde. Immerhin: Nachschub ist in Sicht, in diesem Jahr erschien der vierte Band "Schicksalsjahre" und auch danach soll es noch nicht vorbei sein.

Nachdem "Die Brüder" ein wenig einseitig auf Sverres Schicksal fixiert war, gelingt es dem vorliegenden Roman, die Stärken des ersten Teils wieder aufzugreifen. Für Fans gut informierter Historienromane über die jüngere Geschichte unverzichtbar.

Originaltitel: "Mellan Rött Och Svart" ("Zwischen Rot und Schwarz")
Seitenzahl: 480
Format: 13,5 x 22,1 cm, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: Heyne

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101 Dinge, die ein Eisenbahn-Liebhaber wissen muss

Stefan Friesenegger
Flexibler Einband
Erschienen bei GeraMond Verlag, 22.03.2017
ISBN 9783956130281
Genre: Sachbücher

Rezension:

Rekorde, Randnotizen, Kuriositäten und Alltagswissen aus dem Betrieb sind ebenso Teil des kleinen Kompendiums wie spezielles Fanwissen. Damit lässt sich einerseits ein Überblick über die wichtigsten Aspekte des Schienenverkehrs erlangen und außerdem so manche interessante Nische erkunden. Neben Triebfahrzeugen, Modellbahnthemen, der Geschichte der Eisenbahn und technischen Fakten wird unter anderem sogar Hagen von Ortloffs beliebte TV-Sendung "Eisenbahnromantik" gewürdigt (870 Folgen bisher!). Also ein unverzichtbares Buch für jeden Fan?

Nicht unbedingt. Viele Dinge wissen langjährige Enthusiasten vermutlich bereits, seien es die Entstehungsgeschichten diverser Modellbahnspurweiten, Kupplungstypen, deutsche Steilstrecken oder die oft porträtierten schnellsten Züge der Welt. Am interessantesten sind noch die Kapitel, in denen es um zusätzliches "unnützes" Wissen geht, das normalerweise selbst viel belesenen Experten vorenthalten bleibt. So erfahren wir unter anderem, wie die Deutsche Bahn Unkraut bekämpft, wo sich die größte Sammlung von Eisenbahnliteratur befindet, welche längst verschwundenen Berufe es einst bei der Bahn gab und an welchen immer noch befahrenen Strecken über einhundert Jahre alte (!) Gleisstücke verbaut sind. An diesen Stellen wurde gut recherchiert und man möchte dem Autor gerne umfangreiches Interesse und Sachkenntnis zugestehen.

Umso enttäuschender sind Fehler wie auf Seite 13, wo laut Bildunterschrift ein Triebwagen der Bauart "Fliegender Hamburger" in Dresden zu sehen sein soll. Wer dieses seit beinahe zwei Jahrzehnten nicht bewegte Fahrzeug jemals selbst gesehen hat, wird sich allerdings in Leipzig befunden haben, immerhin ein Unterschied von rund einhundertzwanzig Kilometern. Einzelne Seiten wirken zudem wie Lückenfüller, um unbedingt die (un)runde Zahl vollzukriegen. Anstatt sich auf die gut recherchierten wenig bekannten Fakten zu verlassen, füllen obligatorische Informationen wie ein (zu) kurzer Abriss über Einheits-E-Loks oder gleich mehrere Kapitel über diverse Brücken die Seiten.

Damit stellt sich die Frage, an welches Publikum sich das Buch richtet. Für Einsteiger dürften etliche Informationen zu speziell sein, für Fans auf der Suche nach neuem Fachwissen kann höchstens die Hälfte des Inhalts wirklich etwas bieten. Über die reichhaltige Bildauswahl kann man sich hingegen nicht beklagen. So gut wie jedes Kapitel bietet passende Fotos, Grafiken, Karten oder Tabellen, auch die Sprache ist durchweg verständlich. Gelungen sind auch die ausklappbaren Abkürzungsverzeichnisse, auf die man somit jederzeit zugreifen kann. Für die schnelle Lektüre zwischendurch am ehesten geeignet.

Seitenzahl: 192
Format: 12,1 x 18,5 cm, Klappenbroschur
Verlag: GeraMond

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