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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

wikinger, pikten, schottland, kämpfe, prophezeiung

Das Blut der Pikten

Bastian Zach , Matthias Bauer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453419391
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wie schon in ihrem Drehbuch zum Schlachtfest "Northmen - A Viking Saga" inszeniert das Autorenduo Zach und Bauer hier jede Menge gefühltes Mittelalter, ergänzt um manche reizvolle Idee. Erneut steht eine Schar Krieger im Mittelpunkt, die sich im Feindesland beweisen muss. Erkenntnisse über das Leben der historischen Pikten sind rar, ihre Spuren verlieren sich im neunten Jahrhundert. Also kann mit ihnen alles mögliche passiert sein und da ist es keine allzu weit hergeholte Idee, die letzten Überlebenden auswandern zu lassen. Warum es nun ausgerechnet Grönland sein musste und warum die Siedler dort über Generationen hinweg nie auf Wikingerstämme treffen, die dort zur selben Zeit gesiedelt haben müssten, bleibt unklar.

Auf der Coverabbildung und in vielen Namen finden sich zudem allerhand keltische Elemente, als die Kriegerschar jedoch von einem Fischer in einer offenbar rekonstruierten Form von frühem schottischen Gälisch angesprochen werden, versteht niemand ein Wort. Erstaunlicherweise kann aber einer der Pikten Ogham lesen, das zwar untypischerweise nicht in den Rand eines Steines sondern auf eine ebene Oberfläche geritzt wurde, und führt das auf eine mit ins Exil genommene fortlaufende Tradition zurück. Dergleichen Ungereimtheiten kann man im Rahmen eines Abenteuerromans mit historischem Hintergrund gerade noch akzeptieren, der prinzipiell interessante Gedanke der Rückkehr der letzten Pikten hätte besser recherchiert aber noch glaubwürdiger gewirkt.

Nachdem das eigentliche Abenteuer ab Seite einhundertfünfzig endlich beginnt, driftet die Erzählung leider in bekannte Klischees ab. Zuvor reißen die Autoren noch allerhand Interessantes an, beispielsweise eine Religion, die aus Elementen des überlieferten Götterglaubens der Pikten und christlichem Gedankengut besteht, wie es auch am wahrscheinlichsten ist. Kaum befinden sich die Krieger jedoch an Bord des Schiffes deutet sich ein Bruderzwist zwischen den Stiefbrüdern Caitt und Kineth an. Aufgrund ihrer sehr eindeutigen Charakterzeichnung ist abzusehen wie das ganze ausgeht. Gegner und Mitstreiter sterben unter verschiedenen Umständen, die meisten Hauptfiguren bleiben jedoch zugunsten einer im nächsten Jahr folgenden Fortsetzung unangetastet.

Zudem wird manches Ideal etwas überstrapaziert, denn für Päderastie und mörderische Verschwörungen sind natürlich größtenteils christliche Mönche zuständig, während die Pikten, sowie ihre Freunde und Verbündeten, selbst heute als feministisch wahrgenommenen Ideen wie selbstverwalteten Frauendörfern aufgeschlossen gegenüber stehen. Doch auch dieser Aspekt dient eher als Vorwand für genüsslich beschriebene Kopulationsszenen, in denen sich volle Brüste an Körper schmiegen, Frauen Männer unterwerfen und flotte Dreier in gemütlichen Hütten stattfinden. In der Figur des literarisch und historisch verbürgten Egill Skallagrímsson findet sich ebenfalls eine grundsätzlich gute Idee, die sogar eine Lücke in dessen Lebenslauf zu schließen versucht. Leider bleibt es auch hier bei einer groben und austauschbaren Charakterzeichnung, ähnlich wie bei vielen anderen Angehörigen der Kriegerschar.

Für begeisterte Leser von Abenteuerromanen wie Giles Kristians "Götter der Rache" ist "Das Blut der Pikten" durchaus zu empfehlen. Die Schreibe ist schnörkellos, die Handlung tritt selten allzu lange auf der Stelle und über diese Eventualität der piktischen Geschichte wurde noch nicht viel geschrieben. Wer mit Rücksicht auf Zeitgeist und Eigensinn geschriebene Historienromane à la Gablé oder Cornwall vorzieht, wird hier allerdings nicht glücklich.

Seitenzahl: 560
Format: 12,1 x 18,9 cm, Klappenbroschur
Verlag: Heyne

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Deutsche Kriegslokomotiven

Alfred B. Gottwaldt
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 27.10.2016
ISBN 9783613715332
Genre: Sachbücher

Rezension:

Einzelne Bände über die vorgestellten Baureihen hat es wiederholt gegeben, den größeren Zusammenhang macht aber nur dieses Buch angemessen verständlich. Vom Beginn des Kriegslokomotiven-Programms bis hin zur Umsetzung und der tatsächlichen Nutzung der fertigen Loks ist viel geschehen, mit dem auch die damaligen Experten nicht gerechnet hatten. Der Kriegsoptimismus der beteiligten Industrien und Ministerien führt die größenwahnsinnige Propaganda des Nationalsozialismus' vor Augen, man plante schon siebenfach gekuppelte Güterzuglokomotiven und Breitspurbahnen für die im Osten eroberten Gebiete zu bauen. Irgendwo zwischen den großen Plänen und der Realität entstanden schließlich vergleichsweise abgespeckte Versionen bereits vorhandener Einheitsbaureihen, die zumindest optisch weit von der ersehnten Glorie entfernt waren.

Gottwaldts intensive Recherche verdient Respekt, ein so umfangreiches Bild dieser Seite des Zweiten Weltkrieges hat es vor und nach ihm nie wieder gegeben. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit (Fußnoten inklusive!) belegt der Autor die dargelegten Fakten, zahlreiche Grafiken, Originalskizzen und Fotos aus dem Betriebsalltag ergänzen den Text. Als besonders gelungen erweisen sich jene Kapitel, in denen nicht realisierte Entwürfe besprochen werden (wie die von Märklin/Trix als H0-Modell umgesetzte fiktive 53 0001). Manche dieser Großgelenkloks können sich zumindest auf dem Papier mit entsprechenden Baureihen aus den USA und Russland messen. Auch seltene, tatsächlich realisierte Sonderbauarten, wie Loks mit Kondenstendern, Wellrohrkesseln und hölzernem (!) Frostschutz, finden Erwähnung.

Kriegsverlauf und -ende verhinderten bekanntlich weitere Fortschritte, der Verbleib der Baureihen 42, 50ÜK und 52 verweist aber eindrucksvoll auf ihre Langlebigkeit dank vereinfachter Bauteile und unkomplizierter Bedienung. Das zehnte und letzte Kapitel spürt den in ganz Mitteleuropa verstreuten Exemplaren nach, die teils als Reparationsleistung, Kriegsbeute oder verkaufte Restbestände ihren Weg u.a. nach Luxemburg, Belgien, Norwegen, Rumänien, in die Türkei und die Sowjetunion fanden.

Tonnenweise fundierte Informationen über ein vielschichtiges Kapitel der Zeitgeschichte also, die dank des hervorragend ausgewählten und großformatig abgedruckten Bildmaterials auch für Leser interessant sein dürften, die mit endlosen Bleiwüsten nichts anfangen können.

Seitenzahl: 152
Format: 23 x 27,1 cm, gebunden
Verlag: transpress

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krimi, sherlock holmes

Sherlock Holmes und die letzte Fahrt der Lusitania

Wolfgang Schüler
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei KBV, 01.03.2015
ISBN 9783954412259
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine nervenaufreibendes Kapitel der Geschichte, das Autoren wie Jan Guillou und Ken Follett in der jüngeren Vergangenheit anschaulich porträtiert haben. Holmes und Watson diesen weltgeschichtlichen Hintergrund als Anlass für ein neues Abenteuer zu verpassen macht durchaus Sinn, denn Holmes ahnte in der letzten kanonischen Kurzgeschichte "Seine Abschiedsvorstellung" bereits, wie verheerend sich die Jahrhundertkatastrophe Erster Weltkrieg auswirken könnte. Zunächst harmoniert alles recht gut miteinander, der Detektiv und sein Freund haben schon bald alle Hände voll zu tun, ein paar gelungene Deduktionen und Wortgefechte mit dem zunächst recht anmaßenden Kapitän William Turner gibt es als Appetithappen für eingefleischte Fans dazu.

Wenig später geht die Aufklärung der Einbruchsserie jedoch zugunsten eines weitaus mörderischeren Plots unter, der bereits erste Hinweise auf das tatsächliche Schicksal der Lusitania gibt. Einen ersten Anschlag auf das Schiff können Holmes und Watson in letzter Minute verhindern und in diesen Momenten wird es auch angemessen spannend. Wolfgang Schülers Detailwissen über Bombenbau und das Leben auf einem Schiff wirkt gut recherchiert, zuweilen verliert er sich aber auch zu lange in Details und Beschreibungen einzelner Vorgänge. Natürlich ist das auch ein Verweis auf die Geschichten von Arthur Conan Doyle, nur weil ein Roman länger als eine Kurzgeschichte ist muss man es damit aber nicht übertreiben.

Zusätzlich verlässt Schüler den Ort der Handlung mittendrin gleich mehrmals, um weitere historische Hintergründe unter anderem in Form von Gesprächen zwischen David Lloyd George und Winston Churchill einfließen zu lassen. Während der Rest des Romans den Tagebuchstil von Dr. Watson verwendet, wirken diese Kapitel eher, als hätte sich der Autor nicht zwischen einem Sachbuch, einem Historienroman und einer klassischen Holmesiade entscheiden können. Zudem scheint Holmes im Alter ein wenig sentimental zu werden, verteilt er doch wiederholt großzügig Umarmungen an seinen alten Freund Watson, der offenbar nichts dagegen hat, dass dieser die britische höfliche Distanz missachtet, die die beiden in Doyles Geschichten pflegen.

Damit hinterlässt dieser Roman trotz guter handwerklicher Kniffe und einiger zum Kanon passenden Ideen leider einen etwas unrunden Eindruck. Während Holmes-Fans vielleicht ein wenig enttäuscht sein dürften, gibt es wenigstens für an der Epoche interessierte Leser allerhand zu entdecken.

Seitenzahl: 250
Format: 11,8 x 18 cm, Taschenbuch
Verlag: KBV

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berlin, ddr, spionage, juniaufstände, geschichte

Der Tag X

Titus Müller
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blessing, 27.02.2017
ISBN 9783896675040
Genre: Romane

Rezension:

Nach den letzten zeitgeschichtlichen Romanen von Titus Müller scheint die Erwartungshaltung klar: interessant recherchierter historischer Hintergrund plus Liebesgeschichte, dieses Mal in der frühen DDR. Dass "Der Tag X" allerdings auch als spannungsreicher Politthriller funktioniert zeugt einerseits von schriftstellerischer Wandlungsfähigkeit, andererseits verdeutlicht es, wie viel vor und während des Volksaufstandes im Juni 1953 auf dem Spiel stand. Müller bettet seine Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten, glaubhaft in das Geschehen rund um die Aufstände in Berlin und Halle an der Saale ein und zeichnet ein ebenso realistisches wie ernüchterndes Bild einer gescheiterten Utopie.

Eigentlich scheint es naheliegend, dass die Bevölkerung des ausgelaugten Ostdeutschlands mit den Machenschaften der wohlgenährten Parteiführung und deren überambitionierten Zielen auf Dauer nicht einverstanden sein könnte. Gleichzeitig hatte der junge sozialistische Staat, der sich die Sowjetunion zum Vorbild nahm und doch auf Rohstoffimporte aus dem Westen angewiesen war, mit Legitimationsproblemen zu kämpfen und wollte vor allem die Jugend auf seiner Seite wissen. Der Handlungsstrang um Nelly Findeisen veranschaulicht besonders die offene Diffamierung der "Jungen Gemeinde" und anderer christlicher Gruppierungen, die ihren Glauben nicht der Staatsdoktrin unterordneten. Ein Kapitel der Geschichte, das allzu oft in entsprechenden Nischenverlagen untergeht, hier aber als passendes Zeugnis einer von Umbrüchen gezeichneten Epoche fungiert.

Die sichtbaren und unsichtbaren Akteure werden gleichermaßen porträtiert, Szenen wie der beginnende Machtkampf an Stalins Sterbebett oder im noch jungen (west)deutschen Bundestag liefern den nötigen Hintergrund für die Geschehnisse zwischen Moskau, Bonn und Berlin, die erst die Vorraussetzungen für die Volksaufstände schufen. Bevor es so richtig zu den genretypischen Verwicklungen und heimlichen Liebschaften kommen kann, brechen die zunächst friedlichen, dann aber unverhofft gewalttätigen Proteste los. Die Reaktionen aller Seiten stellt Müller nebeneinander, lässt den Leser beobachten, ohne selbst Urteile zu fällen oder nachträglich einzelne Figuren zu Helden zu verklären. Das bleibt der SED-Führung überlassen, die ein eher zufälliges Todesopfer zum Märtyrer ihrer gerechten Sache macht.

Die beklemmende Stimmung wird glücklicherweise nie überstrapaziert, für einen historischen Roman ist das Buch mit seinen 400 Seiten (inkl. Anhang) sogar relativ übersichtlich. Die Vielzahl grundverschiedener Charaktere an den unterschiedlichsten Stellen des Geschehens macht die Lektüre spannend und ermöglicht einen hervorragenden Einblick in eine Zeit, in der es an allem mangelte, außer an reichhaltiger Kost für die Geburtstagsgäste eines Walter Ulbricht, der nebenbei auch noch seine Biografie in einer großzügigen Auflage drucken ließ. Außerdem werden die Hintergründe der Chruschtschowschen "Tauwetter-Periode" deutlich, die unter seinem entmachteten Vorgänger Beria Lawrenti deutlich weniger pragmatisch hätte werden können.

Seitenzahl: 400
Format: 14,8 x 22,1 cm, gebunden
Verlag: Blessing
Bonusmaterial: Anhang mit Glossar und weiteren Infos zu den historischen Hintergründen

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fantasy, der herr der ringe, der hörverlag, klassiker, randomhouse

Der Herr der Ringe

J. R. R.Tolkien , Margaret Carroux , E.-M. Freymann , Manfred Steffen
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 14.11.2016
ISBN 9783844524765
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Neuausgabe von 2016 suggeriert auf den ersten Blick, dass hier eine gänzlich neue Produktion vorliegt. Ein schickes neues Design, das sich an die aktuellen Buchausgaben von Klett-Cotta anlehnt und sogar eine Handvoll Zeichnungen von Tolkien-Künstler Alan Lee haben den Weg in Booklet und Hülle gefunden. Der Veröffentlichungszeitpunkt liegt günstig zwischen diversen anderen "neuentdeckten" Tolkien-Werken, doch in der Tat hat dieses Hörspiel bereits fünfundzwanzig Jahre auf dem Buckel. Ein wenig hört man das auch, gerade bei der meist wenig gefühlvoll arrangierten, teilweise synthetischen Musik und den doch eher einfach gestrickten Soundeffekten.

Die Charakterisierung der mittelerdischen Völker funktioniert vor allem bei den Hobbits sehr gut, sei es bei Klatsch und Tratsch oder unter Frodos Gefährten auf der Reise durchs Auenland. Von den Elben darf man mehr erwarten, ihre einschläfernden Stimmen und albernen Verhaltensweisen greifen zwar einzelne Aspekte der Vorlage auf, sind dem ältesten Volk von Mittelerde aber keinesfalls angemessen. Die Sprecher wurden insgesamt meist passend ausgewählt, wenn auch ihre Redeweise (mit Ausnahme des Erzählers) in Szenen, die geheimnisvoll oder eindringlich wirken sollen, vereinzelt unnötig schleppend ist.

Damit vergehen die elf Stunden Laufzeit manchmal etwas langsam, was aber auch an dramaturgischen Exkursen liegt. Beispielsweise wird kurz nach Bilbos Verschwinden bei seiner Geburtstagsfeier noch eine recht ausführliche Zusammenfassung seiner Abenteuer in "Der Hobbit" geboten, in der vor allem ein scheinbar sturzbetrunkener Gollum zu seltsamer Tubamusik (!) vor sich hinbrummelt. Dem Roman angemessen sind das durch die Sprecherwahl gut wiedergegebene Alter der meisten Charaktere (Frodo war bereits in seinen Fünfzigern, als er sich nach Mordor aufmachte) und die Würdigung von Episoden wie dem Besuch bei Tom Bombadil. Auch sonst wurde die Mammutaufgabe, den Roman behutsam zusammenzufassen und doch nichts entscheidendes auszulassen, gut umgesetzt.

Kleinere Fehlbesetzungen lassen manche Szenen unfreiwillig komisch erscheinen, was womöglich auch dem Alter der Produktion geschuldet ist. Mit den im Zuge der Verfilmung erschienenen Filmhörspielen kann diese Vertonung hinsichtlich der dramaturgischen Dichte und Emotionalität kaum mithalten. Für alle, die eine ausführliche, wenn auch vereinzelt etwas schrullige Adaption von Tolkiens Meisterwerk zu schätzen wissen und denen Hörbücher zu eintönig sind, dürfte das Hörspiel dennoch einen Blick wert sein.

Sprecher: Ernst Schröder, Manfred Steffen, Klaus Herm, Matthias Haase, edgar Hoppe, Rufus Beck, Hans Peter Hallwachs u.v.m.
CDs: 2 (mp3)
Laufzeit: 11 h 27 min
Verlag: der Hörverlag

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!

Shahak Shapira , Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.05.2016
ISBN 9783499631467
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist schon fast eine heilige Pflicht zum Thema Stellung zu beziehen. In Shapiras Fall ist es auf den ersten Blick absolut nachvollziehbar. Er, der sich trotz Neonazis, Prügel und Pegida in Deutschland außerordentlich wohlfühlt, hat definitiv einiges zu sagen. Wer mit dem Wissen um die jüngere deutsche Geschichte aufgewachsen ist, dürfte jedoch schwer schlucken, wenn er scheinbar flapsige Witze über den Holocaust macht. Seine Blondheit? "Wasserstoff statt Zyklon B" in der Gaskammer, was sonst. Natürlich ist das eine Art mit dem Grauen in der eigenen Familiengeschichte umzugehen, ohne sich davon überwältigen zu lassen und eine überspitzt-genervte Antwort auf dämliches Nachfragen. Also lieber alleine lesen und wenn dann heimlich lachen.

Jenseits davon ist das Buch aber tatsächlich weitgehend humorvoll bis unterhaltend und trotzdem nie banal. Die Außenansichten auf urdeutsche Angewohnheiten wie Grönemeyer und Fußball-Fanatismus lesen sich höchst amüsant. Shapiras Erlebnisse im Provinzkaff Laucha entlarven Großmäuler, die eine Welt verbessern wollen, die sie nie gesehen haben und auf alles einprügeln, was ihren Horizont übersteigt. Eingestreute Peniswitze suggerieren Rotzigkeit, schießen aber übers Ziel hinaus. Etwas unter der Gürtellinie lächerlich zu machen, das ist fast schon das Niveau der hier Kritisierten.Und es klingt im ersten Moment ein wenig nach Selbstdarstellung à la Jan Böhmermann. Darf man sowas schlechtfinden? Leisten Shapira und Kollegen nicht vielmehr einen verkappten Dienst am Vaterland, indem sie Populismus und Nazitum verhöhnen? Kann schon sein. Nur ist das nicht jedermanns Geschmack.

Wenigstens erweist sich der Autor als konsequent genug, um sich selbst ebenfalls gehörig auf die Schippe zu nehmen. Eine gesunde Einstellung, sich trotz aller entsprechenden Erlebnisse nicht zur moralischen Instanz aufzuschwingen. Niemand kommt hier gut weg und natürlich erscheinen viele Punkte im Rückblick durchaus logisch. Als Absolvent diverser Akademien der Werbebranche versteht er es, die Pointen und biografischen Exkurse so zu setzen, dass man doch bis zum Ende weiterlesen will, um sein abschließendes Urteil zu erfahren. Und das klingt durchaus hoffnungsvoll.

Seitenzahl: 240
Format: 13,5 x 21 cm, Klappenbroschur
Verlag: Rowohlt Polaris

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Ich bin aber auch ein Notfall!

Tim Benit , Anna Delegra
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.12.2013
ISBN 9783847511359
Genre: Sachbücher

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Ich bin aber auch ein Notfall!

Tim Benit , Anna Delegra
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.12.2013
ISBN 9783847511359
Genre: Sachbücher

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602 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

comic, tagebuch, lustig, schule, gregs tagebuch

Gregs Tagebuch 1 - Von Idioten umzingelt!

Jeff Kinney , Collin McMahon ,
Flexibler Einband: 217 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 17.03.2011
ISBN 9783843200059
Genre: Kinderbuch

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358 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 121 Rezensionen

thriller, genmanipulation, gentechnik, wissenschaft, marc elsberg

HELIX - Sie werden uns ersetzen

Marc Elsberg
Fester Einband: 648 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 31.10.2016
ISBN 9783764505646
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Man kommt an Elsbergs Büchern einfach nicht vorbei. Das liegt unter anderem an den logografisch aufbereiteten Buchcovern und Titeln, die mit ihrer prägnanten Kürze an Dan Browns Bestseller erinnern. Die Themen sind auf den ersten Blick hochaktuell: Stromausfälle, Hackerattacken und jetzt die Gentechnik. Alles Stoff über den man mehr wissen möchte und über den der Durchschnittsleser ohne Berufserfahrung in diesen Bereichen sowieso nur dürftig informiert sein dürfte. Im Falle von "Helix" geht es ganz ordentlich los: Der Angriff auf den US-Außenminister und die Ermittlungen rund um seinen Tod bringen von Anfang an ordentlich Schwung in die Geschichte. Ein weiterer Handlungsstrang um ein Paar mit Kinderwunsch erörtert die ethischen Fragen und Hoffnungen, die Wissenschaftler und potentielle Nutzer bezüglich der Gentechnik haben könnten.

Solide erklärte Fachbegriffe brechen das DNA-Kauderwelsch auf ein erträgliches Niveau herunter, sodass auch Nicht-Naturwissenschaftler mitkommen. Wie sich die Schöpfung schließlich gegen den Schöpfer wendet - das kennt man seit Frankenstein zur Genüge. Die gentechnisch veränderten Menschen entwickeln körperliche und geistige Superkräfte, tun aber Böses, das eigentlich Gutes sein soll. Elsberg platziert dennoch einige sinnvolle Fragestellungen und Probleme, die sich allerdings dem Lesefluss unterordnen müssen. Entsprechend gehen diese positiven Aspekte schon bald mit Pauken und Trompeten unter und die Handlung mündet in Verfolgungsjagden und Thrillerschemata, die man schon zu oft in Büchern gelesen und in Filmen gesehen hat.

Noch dazu befinden sich die meisten Schauplätze, mit Ausnahme der Episode in München und kurzen Szenen in Afrika, in Nord- oder Südamerika. Das schafft zwar Distanz zum Geschehen, lässt den Roman aber zusätzlich wie ein umgeschriebenes Drehbuch eines Hollywood-Actionkrachers wirken, der selbst dem produzierenden Studio zu banal war. Nicht falsch verstehen: Gute Ansätze sind vorhanden und spannend ist "Helix" dank kurzer Kapitel und reichlich atemloser Verfolgung allemal. Konkurrenzlos wird das Buch damit aber noch lange nicht. Die Figuren bleiben weitgehend blass und profillos, offene Fragen, wie Jessicas schlechtes Gewissen bezüglich ihrer eigenen vernachlässigten Familie, treten in den Hintergrund, ohne wieder erörtert zu werden.

Der Autor eifert zwar erkennbar großen Thrillerautoren wie Michael Chrichton und Ken Follett nach, ein eigener Stil, Gefühl für die Sprache und interessante Neubetrachtungen der Thematik bleiben aber auf der Strecke. Da hilft es auch nicht, den USA etwas voreilig eine Präsidentin zu verpassen. "Helix" ist durchaus nett zu lesen, fällt aber neben anderen ähnlichen Romanen nicht auf.

Seitenzahl: 648
Format: 14,6 x 22,3 cm, gebunden
Verlag: Blanvalet

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?

Ari Turunen
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper Taschenbuch, 01.03.2017
ISBN 9783492309585
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist an Sympathie kaum zu überbieten, wenn der Autor gleich im Geleitwort zugibt: "Wie viele andere bin eigentlich auch ich eingebildet." Wunderbar! Da erklärt nicht einer von oben herab, wie man sich zu bessern hat, sondern reflektiert von Anfang an sein eigenes Verhalten auf humorvolle Art. Da liest man gerne weiter und staunt, was sich die Menschheit in Sachen Arroganz schon geleistet hat. Kein noch so großer Wisenschaftler, Herrscher, Heer- oder Geschäftsführer scheint völlig immun gegen die in der griechischen Tragödie als Hybris beschriebene Eigenschaft zu sein.

In einem kurzweiligen Ritt durch die Welt- und Wirtschaftsgeschichte begegnen dem Leser reale Figuren, die eigentlich die besten Vorraussetzungen hatten, Großes zu leisten. Stattdessen: Überschätzung, Übermut und Übertreibung, die letztendlich zu Fehleinschätzungen und Versagen führen. Sogar hochverehrte Denker wie Marx und Kant waren offenbar vor Arroganz und latentem Rassismus nicht gefeit. Während man noch innerlich nickt und sich weise wähnt, weil man ja schon immer geahnt hat, dass die Großen der Welt einen an der Waffel haben, stößt man immer wieder auf Passagen, die direkt oder indirekt die eventuell bei jedem vorhandenen Tendenz zur Überheblichkeit ansprechen. Und selbst das ist ziemlich amüsant, falls man denn bereit ist das eigene Verhalten augenzwinkernd zu hinterfragen.

Keine Angst, niemand wird hier seinen Stolz einbüßen. Der Autor macht auf Augenhöhe vor, was er seinen Lesern bietet: Eine Entzauberung der Unfehlbarkeit des Menschen, die als Mythos so alt wie die Menschheit selbst ist und gerade im Zeitalter von weltweiter Vernetzung und reflexartigen Hasskommentaren nichts an Relevanz verloren hat. Ein schönes Plädoyer für mehr Demut und Weisheit. Schließlich kann nicht jeder wie Silvio Berlusconi ein "Jesus Christus der Politik" sein. Sich selbst zu hinterfragen war schon lange nicht mehr so unterhaltsam. Gerne hätten die Absätze über das Erkennen der eigenen Arroganz noch etwas länger sein dürfen und die Anekdoten über die arroganten Versager der Weltgeschichte ein wenig ausführlicher. Gerade die Hintergründe so mancher Begebenheit bleiben damit im Dunkeln. Für einen ersten Überblick ist das kleine Buch dennoch hervorragend geeignet.

Originaltitel: "Ettekö te tiedä, kuka minä olen. Ylimielsyyden historiaa"
Seitenzahl: 208
Format: 11,8 x 18,5 cm, Taschenbuch
Verlag: Piper

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

grundkurs grafik und gestaltung

Grundkurs Grafik und Gestaltung

Claudia Korthaus
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Rheinwerk Verlag, 30.03.2015
ISBN 9783836236577
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein hochwertiger Band, der sich nicht als bessere Software-Bedienungsanleitung entpuppt, sondern im einführenden Kapitel "Basiswissen Schrift" angemessen ausführlich die Schriftgeschichte und wichtige Entwickler bekannter Schriftarten nebst Beispielen vorstellt. Auch dem interessierten Laien dürfte der eine oder andere bekannte Name ins Auge fallen, der schon bei der Anwendung von Standardprogrammen wie Word oder LibreOffice auftaucht. Danach geht es mit Grundlagen zu den Zeichen weiter. Strittige Regeln wie zum Beispiel die korrekte Verwendung von Auslassungspunkten, Anführungszeichen und Striche aller Art bieten im Alltag des Schriftgestalters Orientierung.

In den weiteren Kapiteln über Wort und Zeichen, die Seite und Anforderung und Wirkung wird es vereinzelt technisch bis abstrakt, praktische, trocken kommentierte Beispiele (foto)grafischer Art erläutern das Gesagte allerdings anschaulich. Die Anwendungsbeispiele stützen sich vor allem auf den Marktführer Adobe InDesign, andere Desktop-Publishing-Programme finden kaum Erwähnung. Für Anhänger von QuarkXPress und Co. ist das Buch damit weniger zu empfehlen, allen InDesignern bieten die Kurztutorials und Screenshots aus der Adobe-Software das nötige Handwerkszeug für ihre Arbeit.

Wer erste Gehversuche in Sachen Typografien unternimmt sei darauf hingewiesen, dass sich das Buch in seiner Ausrichtung und Sprachebene in erster Linie an Studenten und Azubis der Buchbranche richtet. Das einführende Kapitel, das Glossar und die zahlreichen Infokästen ermöglichen jedoch einen guten Überblick über Vokabular und Techniken des Schriftsatzes; besonders das Kapitel "Typografie im Web und mobil" dürfte auch für Kollegen aus der Blogger- und Webdesignerbranche von Wert sein. Als Gesamtwerk ist dieser Grundkurs schon aufgrund seiner Übersichtlichkeit und dank zahlreicher Alltagsbeispiele unschlagbar.

Seitenzahl: 344
Format: 17,2 x 23,1 cm
Verlag: Rheinwerk Design

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Luther: Der Mönch, der die Welt aus den Angeln hob

Rich Melheim
Flexibler Einband: 72 Seiten
Erschienen bei Brunnen, 06.01.2017
ISBN 9783765520730
Genre: Comics

Rezension:

Laut Klappentext basiert die Handlung dieses Bandes auf dem Luther-Film mit Jospeh Fiennes, der Bogen wird hier aber wesentlich weiter gespannt. Von der Verbrennung Jan Hus' bis hin zum Tod von Kaiser Karl V. erzählen die Autoren Martin Luthers Werdegang. Das ermöglicht gleich eine deutlich bessere Einordnung des Geschehens in den historischen Kontext. Anfangs liest sich die Handlung noch sehr flüssig und bleibt nah an ihrem zerrissenen Helden, ab der Mitte überwiegen erklärende Texte und der Fokus liegt mehr auf den unmittelbaren Folgen und politischen Reaktionen auf die beginnende Reformation. Negativ fällt auf, dass immer wieder davon gesprochen wird, dass das Mittelalter endet und die Neuzeit beginnt. Begriffe, die erst mehrere hundert Jahre später aufgekommen ist. Kein Wunder also, dass, wie der Begleittext erstaunt feststellt, keiner der Beteiligten etwas vom Aufbruch in ein neues Zeitalter bemerkt.

Dem Thema angemessen sind die Bilder trotz der klaren Verortung im Comic-Genre weder zu gewollt fotorealistisch noch allzu cartoonhaft, viele der größeren Szenen bestechen sogar mit einer Vielzahl von Details, die es nach und nach zu entdecken gilt. Da würde man gerne noch öfter drin herumblättern, leider ist die Klebebindung dieses Bandes derart primitiv, dass der Buchrücken schon nach dem ersten Durchlesen zu brechen droht. Da würden sich nicht nur bibliophile Sammler über eine neue Auflage freuen. Das Aussehen der Figuren orientiert sich nah an dem, was durch Gemälde und Drucke aus Luthers Zeit überliefert ist, kleinere Fehler wie das Vorhandensein von Ritterrüstungen, wie sie zu Luthers Zeiten schon lange aus der Mode waren, kann man verschmerzen.

Insgesamt einer der sinnvollsten Beiträge zum Reformationsjubiläum. Ohne die Grundbotschaft Luthers zu verwässern oder den Reformator als heroischen Einzelkämpfer gegen die Obrigkeit zu verklären folgen wir einer optisch wie erzählerisch ansprechenden Geschichte, die in dieser Form hoffentlich ein großes Publikum erreicht.

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108 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

paris, weltausstellung, historisch, historischer roman, 1889

Der Turm der Welt

Benjamin Monferat
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250931
Genre: Historische Romane

Rezension:

Am Anfang scheint es, als wäre alles schnell vorüber. Anstelle von Kapitelüberschriften weist ein unerbittlicher Countdown darauf hin, dass in knapp drei Tagen nach Beginn der Handlung eine Katastrophe bevorsteht. Dennoch versteht es Montferat auch in diesem Roman, den relativ überschaubaren Zeitraum mit jeder Menge Figuren und Ereignissen zu füllen, so dass am Ende eben doch rund siebenhundert Seiten voll werden. Bis die Figuren und Situationen erst einmal angemessen vorgestellt wurden und man ihre Rolle in der Geschichte zu erahnen beginnt, vergeht naturgemäß allerhand Zeit. Doch spätestens nach dem erklärungslastigen ersten Drittel nimmt das Buch wieder Fahrt auf.

Ein lebendiges Bildes einer sich modernisierenden Großstadt entsteht, in der die technische Revolution neben den dunklen Gassen der vorindustriellen Zeit existiert, in der sich aber auch Adlige behaupten wollen, die zunehmend dem neu entstehenden Bürgertum weichen müssen. Der ausgewogene Mix von Charakteren unterschiedlichster Herkunft und ihrer sozialen Hintergründe trägt neben den ausführlichen Beschreibungen des Zeitgeistes dazu bei, einen guten Eindruck von der Aufbruchsstimmung und Technikgläubigkeit dieses Zeitalters zu erhalten, in dem Optimisten selbst Kriege aufgrund der zivilisierten Gleichberechtigung aller Nationen für überflüssig hielten.

Doch "Der Turm der Welt" ist mehr als einer unter vielen neuzeitlichen Historienromanen. Wenn nicht gerade persönliche Probleme in Form von rhetorischen Fragen oder sonstigem inneren Dialog diskutiert werden, dann hat er außerdem das Zeug zu einem spannenden Thriller. Insbesondere das Wiedersehen mit Basil Fitz-Edwards aus "Welt in Flammen", dessen Vorgeschichte wir hier erzählt bekommen, trägt dazu bei, sowie die Jagd auf den möglicherweise nach Paris gereisten Jack the Ripper. Dessen Identität wird zwar eher angedeutet als aufgedeckt, gleichzeitig passt das jedoch zum Mythos um den legendären Killer. Auch die Ermittlungen der Agenten Marais und Trebut treiben die Handlung voran, wenn sie an anderen Stellen, in denen es um gesellschaftliche Dinge wie die Einführung junger adliger Mädchen in die Gesellschaft geht, ein wenig auf der Stelle tritt und allzu viele bekannte Motive des klassische Historienromans bemüht.

Überhaupt scheinen manche Sätze und Kapitel mehr zum Zeitschinden als zum Mitfiebern geeignet. Wer sich bereitwillig durch diese Passagen hindurchkämpft, wird danach jedoch in der Regel wieder mit spannenderen Abschnitten belohnt, die veranschaulichen, auf welchem Pulverfass die Millionenstadt Paris sitzt. Das theatralische Ende erinnert in seiner Umsetzung an Montferats letzten Roman, setzt allerdings auf zu viele Zufälle, um wirklich glaubwürdig zu sein. Dafür ist der Weg dorthin stellenweise durchaus mitreißend, lebendig inszeniert und der Grundaufbau handwerklich meisterlich gelungen.

Alle Leser, die sich gerne in ein Buch versenken, um dessen Welt und ihre Figuren in aller Ausführlichkeit kennenzulernen, werden hier keinesfalls schlecht bedient. Mit etwas Geduld entfaltet sich ein großer Roman, der zwar die Charaktereigenschaften seiner Figuren nicht immer allzu tief ausleuchtet, dafür aber umso mehr die Breite der Gesellschaft im Paris des späten neunzehnten Jahrhunderts aufzeigt.

Seitenzahl: 704
Format: 15,2 x 22 cm, gebunden
Verlag: Wunderlich/Rowohlt

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Grundkurs Typografie und Layout

Claudia Korthaus
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Galileo Press, 24.02.2014
ISBN 9783836228183
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein hochwertiger Band, der sich nicht als bessere Software-Bedienungsanleitung entpuppt, sondern im einführenden Kapitel "Basiswissen Schrift" angemessen ausführlich die Schriftgeschichte und wichtige Entwickler bekannter Schriftarten nebst Beispielen vorstellt. Auch dem interessierten Laien dürfte der eine oder andere bekannte Name ins Auge fallen, der schon bei der Anwendung von Standardprogrammen wie Word oder LibreOffice auftaucht. Danach geht es mit Grundlagen zu den Zeichen weiter. Strittige Regeln wie zum Beispiel die korrekte Verwendung von Auslassungspunkten, Anführungszeichen und Striche aller Art bieten im Alltag des Schriftgestalters Orientierung.

In den weiteren Kapiteln über Wort und Zeichen, die Seite und Anforderung und Wirkung wird es vereinzelt technisch bis abstrakt, praktische, trocken kommentierte Beispiele (foto)grafischer Art erläutern das Gesagte allerdings anschaulich. Die Anwendungsbeispiele stützen sich vor allem auf  den Marktführer Adobe InDesign, andere Desktop-Publishing-Programme finden kaum Erwähnung. Für Anhänger von QuarkXPress und Co. ist das Buch damit weniger zu empfehlen, allen InDesignern bieten die Kurztutorials und Screenshots aus der Adobe-Software das nötige Handwerkszeug für ihre Arbeit.

Wer erste Gehversuche in Sachen Typografien unternimmt sei darauf hingewiesen, dass sich das Buch in seiner Ausrichtung und Sprachebene in erster Linie an Studenten und Azubis der Buchbranche richtet. Das einführende Kapitel, das Glossar und die zahlreichen Infokästen ermöglichen jedoch einen guten Überblick über Vokabular und Techniken des Schriftsatzes; besonders das Kapitel "Typografie im Web und mobil" dürfte auch für Kollegen aus der Blogger- und Webdesignerbranche von Wert sein. Als Gesamtwerk ist dieser Grundkurs schon aufgrund seiner Übersichtlichkeit und dank zahlreicher Alltagsbeispiele unschlagbar.

Seitenzahl: 344
Format: 17,2 x 23,1 cm
Verlag: Rheinwerk Design

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73 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

türkei, deutschland, gewalt, berlin, roman

Ellbogen

Fatma Aydemir
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.01.2017
ISBN 9783446254411
Genre: Romane

Rezension:

Eine Geschichte, die auch in einer deutschen Familie vor vierzig Jahren noch funktioniert hätte. Hazal lehnt sich gegen die Haltung ihrer Familie, die Begünstigung ihres jüngeren Bruders, das resignierte Abfinden mit dem Gegebenen und die religiöse Bigotterie ihrer Familie auf, wo Gott nur noch an den Feiertagen eine Rolle spielt. Also sucht sie ihre Heimat bei ihren Freundinnen, die zumindest teilweise und mit Wucht das ausleben, was außerhalb von Hazals Familienkosmos für Freiheit gehalten wird. Die Eltern haben sich längst damit abgefunden, dass ihre Familie eher aus pragmatischen Gründen und der Sorge um den guten Ruf zusammengehalten wird, doch ihre Tochter will das pralle Leben, das tagtäglich vor ihrer Nase stattfindet.

Dass diese überschäumende Wut und Energie irgendwann in einer Katastrophe enden muss erscheint logisch und spätestens mit Hazals Beteiligung an einem schwerwiegenden Verbrechen ist es mit ihrer Traumwelt endgültig vorbei. All ihre Werte werden allerdings über Bord geworfen, als sie nach Istanbul kommt. Auf diese Stadt hat sie nicht einmal die mit Inbrunst ausgelebte Türkei-Nostalgie ihrer Eltern vorbereitet, die sich im sicheren Deutschland einen starken Führer für "ihr Land" wünschen. Das alles beschreibt Fatma Aydemir mit einer unverblümt direkten, oft vulgären Sprache, die das imitiert, was Hazal in ihren Kreisen für salonfähig hält.

Anstatt großartig über das Leben oder Weltanschauungen zu philosophieren stolpert Hazal auch in ihrer angeblichen Heimat von einer brenzligen Situation in die andere und muss erkennen, dass ihre Altersgenossen in der Türkei keineswegs besser dran sind als in Deutschland. Hier wie dort kompensiert man die Angst vor der Zukunft mit Drogen, Passivität oder Gewalt. Dazu kommen die ersten Ausläufer von Erdoğans großer Verhaftungswelle, die insbesondere junge Leute mit Freiheitsidealen zu treffen scheint. Trotz der drastischen Ereignisse, die Hazal durchlebt, scheint sich sie sich nur wenig zu verändern. Vielmehr ist es ein trotziges Immer-weiter-machen, dass sie selbst nach dem Verlust ihrer wenigen Freunde vorantreibt. Niemand versteht sie ihrer Meinung nach, sie macht es ihrem Umfeld aber auch nicht gerade leicht. Und ob sie tatsächlich Schuld an dem begangenen Verbrechen hat oder ob ihr Umfeld sie derart geprägt hat, dass es nur dieses eine Ventil geben konnte, bleibt fraglich.

In dieser Hinsicht ist Aydemirs Debütroman mit einem gesunden Maß an kritischer Distanz zu lesen, alles andere ist der Autorin allerdings hervorragend gelungen. Die Szenen sind lebendig, die Konflikte glaubwürdig und selbst als behütet aufgewachsener "Biodeutscher" meint man manches Verhalten nachempfinden zu können. Die Wut, die Enttäuschung, der Ärger über die ältere Generation, die eigentlich Vorbild sein sollte, tatsächlich aber an starren Ritualen und einstudierten Phrasen festzuhalten scheint. Ein Konflikt, der gleichzeitig sehr speziell und doch universell ist. Vielleicht liegt es daran, dass man mit der insgesamt etwas grob skizzierten Heldin dann doch mitfühlen kann.

Seitenzahl: 272
Format: 13,5 x 21,1 cm, gebunden
Verlag: Hanser

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Typenatlas DR-Lokomotiven

Rudolf Heym , Uwe Miethe
Flexibler Einband
Erschienen bei GeraMond Verlag, 08.06.2016
ISBN 9783956130199
Genre: Sachbücher

Rezension:

Verkehrsgeschichtlich gehört die Zeit der (Ost)Deutschen Reichsbahn zu einer der spannendsten Epochen überhaupt. Die Eisenbahner mussten sich nicht nur mit politischer Bevormundung seitens SED und Sowjetunion arrangieren, auch die Material- und Rohstoffknappheit führte zu allerhand kreativen bis kuriosen Lösungen. Entsprechend abwechslungsreich gestaltete sich der Fahrzeugpark der DR, von dem immer noch viele Triebfahrzeuge im regulären Einsatz sind.

Auf 160 gut gefüllten Seiten stellt das Autorenduo Uwe Miethe und Rudolf Heym die zwischen 1970 und 1989 im Betrieb befindlichen Triebfahrzeuge der DR vor. Neben zahlreichen Fotografien finden sich für jede Baureihe Listen mit den wichtigsten technischen Daten und kurze Texte mit Erläuterungen zu Entwicklung und Einsatzgebiet der entsprechenden Loks und Triebwagen.

Besonders auffällig ist die ausschließliche (!) Verwendung von Farbfotografien. Keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht wenn es um möglichst authentische Bilder aus dem Betriebsalltag geht. Bis zu vier Abbildungen pro Baureihe wurden eingefügt, was wiederum weniger Platz lässt, um das gesamte Spektrum der DR-Fahrzeuge abzubilden. Warum der Schnitt gerade im Jahr 1970 gemacht wurde geht aus den Begleittexten nicht unmittelbar hervor. Vermutlich, weil zu diesem Zeitpunkt kaum noch altes Länderbahnmaterial existierte und die ältesten Fahrzeuge aus dem Einheitslok-Bestand der DRG stammten. Die beiden Autoren veröffentlichten 2009 bereits den "Bildatlas der DDR-Lokomotiven" - dieser Typenatlas ist eine überarbeitete Version davon. Damals hatten erstaunlicherweise alle Fahrzeuge von 1949 - 1989 Platz darin.

Ein sehr aufschlussreiches Kapitel am Ende des Buches widmet sich den Museumslokomotiven der Reichsbahn, deren Zahl und Umfang beachtlich war. Von alten preußischen Dampfrössern bis hin zu DRG-Triebwagen, seltenen Prototypen und dem Nachbau der "Saxonia" ist vieles vertreten, was es heute noch immer auf Eisenbahnfesten oder stationär in Museen zu sehen gibt. Netterweise enthalten die Überschriften und Texte der einzelnen Baureihen meist auch Informationen zu den jeweiligen Spitznamen der Fahrzeuge und eine Erklärung, wie diese zustande gekommen sind. Anders als auf der Rückseite des Buches erwähnt gerät der vielfältige Fahrzeugpark der DR heute übrigens keineswegs in Vergessenheit. Vor allem viele Diesel- und E-Lokomotiven sind heute noch bei Privat- und Museumsbahnen im Einsatz, obwohl sie von der DB AG längst ausgemustert wurden. Ein Fotoausflug an fast jeden beliebigen Güterbahnhof kann das beweisen.

Es bleiben also kaum Wünsche offen. Schön wäre dennoch eines Tages ein Überblickswerk mit dem gesamten DR-Triebfahrzeugbestand oder wenigstens ein Nachfolgeband mit den fehlenden Fahrzeugen. An Fachkompetenz und Bildmaterial scheint es jedenfalls nicht zu mangeln.

Seitenzahl: 160
Format: 16,4 x 23,3 cm
Verlag: GeraMond
Bonusmaterial: Anhang mit Literatur- und Abkürzungsverzeichnis

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arnaldur indridason, lübbe verlag, krimi, erlendur, nordic noir

Tage der Schuld

Arnaldur Indriðason , Coletta Bürling
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783785725740
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem im Genre des "Nordic Noir" schon so ziemlich jede Art von Verbrechen vorgekommen ist, erwartet man als treuer Leser eigentlich eine neue besonders fiese Mordmethode, die alles bisherige in den Schatten stellt. Island liegt bekanntlich noch deutlich weiter nördlich als Dänemark, Norwegen und Schweden, daher sollte es in der Seele der Mörder eigentlich noch finsterer aussehen. In dieser Hinsicht ist Indriðasons neuer Krimi streng genommen relativ unspektakulär. Und irgendwie ist das die größte Stärke des Buches.

Anstatt das Rad neu zu erfinden erzählt der Autor schnörkellos drauflos. Hier und da werden Details über die ambivalente Beziehung der Isländer zu den amerikanischen "Gästen" eingestreut, insgesamt geschieht das aber derart dezent, dass man der geradlinigen Handlung ohne Probleme folgen kann. Ein zusätzlicher Fall, der aufgrund von Erlendurs Vergangenheit dessen Interesse erregt, bringt zusätzlichen Schwung in die Handlung, auch wenn man sich fragen muss, warum Erlendurs Partner und Vorgesetzte seine ständige Abwesenheit tolerieren. Offenbar geht man die Dinge in Island auch bei der Polizei ein wenig lockerer an, was vor allem beim Culture Clash mit den streng obrigkeitshörigen Amerikanern klar wird.

Eine mögliche Verschwörung rund um militärische Transporte verschafft dem Island-Krimi ein wenig internationales Flair und veranschaulicht die Paranoia des Kalten Krieges zwischen den Weltmächten Sowjetunion und USA. Erlendur und Kollegen müssen ein ums andere Mal erleben, dass vor ihrer eigenen Haustür Dinge geschehen, die nicht einmal sie als Polizisten kontrollieren oder gar unterbinden können. Ein zeitloses Thema, das gerade heute angesichts deutlicher Drohgebärden zwischen gewissen Staaten wieder an Bedeutung gewinnt. Die beiden Ermittler dürfen sich in diesem Zusammenhang noch ein paar Fragen über den Zustand ihres Landes stellen, doch bevor es allzu politisch oder gar moralisch werden kann nimmt der Fall eine unerwartete Wendung. Auch das endgültige Mordmotiv ist in der Krimiwelt nichts neues, Indriðason versteht es aber seine Geschichte so zu verpacken, dass man nicht aufhören will zu lesen.

Fazit: Oberflächlich betrachtet mag "Tage der Schuld" (dessen deutscher Titel übrigens wenig mit der Handlung zu tun hat) kein allzu großer Wurf sein. Handwerklich wurde aber sauber gearbeitet und ein spannendes Lesevergnügen ist allemal garantiert. In jedem Fall macht der Roman Lust auf mehr und dürfte sich sowohl für eingefleischte Erlendur-Fans, als auch interessierte Neueinsteiger eignen.

Originaltitel: "Kamp Knox"

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Tags: arnaldur indridason, erlendur, nordic noir, skandinavischer krimi   (4)
 

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lucky luke, amerika, comic, judentum, jüdisch

Das gelobte Land

Achdé , Klaus Jöken
Fester Einband
Erschienen bei Egmont Comic Collection, 02.03.2017
ISBN 9783770439249
Genre: Comics

Rezension:

Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich noch kein früherer Band über den flottesten Cowboy des Westens an das jüdische Erbe Amerikas gewagt hat. Mit viel Witz und Charme, allerdings nie respektlos, nehmen die Autoren die Eigenheiten der jüdischen Kultur und der jiddischen Sprache aufs Korn. Damit entsprechen sie weitestgehend dem, was man als jüdischen Humor kennt, denn Moishe Stern und seine Familie sind zwar überaus schrullig, grundsätzlich aber liebenswert, hilfsbereit und harmlos. Ahistorische Anspielungen auf die heutige Popkultur dürfen ebenfalls nicht fehlen, denn die künftigen Amerikaner halten Luke wahlweise für Bill Gates oder Harry Potter und träumen von praktischen Nietenhosen. Dem Lonesome Cowboy selbst erscheint später im Traum eine Gestalt, die vor allem Fans eines nicht ganz unbekannten SciFi-Franchises bekannt vorkommen dürfte.

Nach einem Best-Of diverser Lucky-Kid-Geschichten in Band 94 und mehreren Hommage-Bänden zum siebzigsten Geburtstag, in denen sich stilistisch ganz unterschiedliche Gastzeichner austoben durften, kehrt Zeichner Achdé endlich mit frischen Ideen und der gewohnten Optik zur Reihe zurück. Texter Jul gibt seinen Einstand mit Bravour, viel vom Wortwitz ist in der deutschen Übersetzung von Klaus Jöken erhalten geblieben. Ähnlich wie beim letzten Asterix ist das wieder einmal ein schöner Beweis dafür, dass auch frankophone Comics mit einer neuen Generation von kreativen Köpfen gut funktionieren können, ohne alte Fans zu verprellen oder sich ewig an der heiligen Nostalgie festzuklammern. "Das gelobte Land" ist ein ausgezeichnetes Lucky-Luke-Abenteuer, das Fans und interessierte Neueinsteiger gleichermaßen begeistern dürfte.

Originaltitel: "Lucky Luky - La Terre Promise"
Seitenzahl: 48
Format: 22,1 x 29,2 cm, gebunden
Verlag: Egmont Ehapa

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Tags: amerika, comic, judentum, jüdisch, lucky luke   (5)
 

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Paketbombe

Matthias P. Gibert
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.02.2016
ISBN 9783839218242
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimis erzählen oft einiges über die Welt, in der sie spielen. So ist mit Sicherheit eine gewisse Konsumkritik der Grund für die Wahl des Szenarios in diesem Roman, in dem sich die beiden Kommissare offen darüber austauschen, dass sie in Zukunft doch lieber im Buchladen einkaufen sollten statt online zu bestellen. Kann man machen, allerdings ist der Fall an sich schon eindeutig genug gestrickt, dass es dieses Winks mit dem Zaunspfahl nicht unbedingt bedurft hätte. Die Geschichte um den ermordeteten Enthüllungsjournalisten bietet eigentlich allerhand Potenzial für eine zünftige Verschwörung, denn ein Berichterstatter vom Format eines Günter Wallraff kann durchaus Konzerne aller Art ins Wanken bringen.

Der im Zentrum des Falls stehende Online-Buchhändler wurde zwar nach einer anderen geografischen Landmarke benannt, die Hinweise Richtung Amazon und Co. sind allerdings überdeutlich. Die Angriffe auf mögliche Zeugen des Rühlemann-Mordes gestalten sich derart heftig, dass man gerne glaubt, dass entweder das Unternehmen oder jemand in dessen Umfeld allerhand zu verbergen hat. Leider hat der Leser neben Everest nur noch einen eifersüchtigen Exfreund als weiteren möglichen Verdächtigen - damit ist relativ schnell klar, worauf das ganze hinausläuft. Hätte man jetzt noch glaubhafte Charaktere, dann könnte "Paketbombe" zur kurzweilige Krimilektüre werden. Da es sich allerdings schon um den fünfzehnten Fall des Hauptkommissars Lenz handelt, verlässt sich der Autor offenbar darauf, dass die Stammleser das schlucken und weder die eher simplen Dialoge noch das ewige Durchkommen mit inoffiziellen Polizeimethoden hinterfragen.

Neueinsteiger, die das Thema reizvoll finden sollten etwas Geduld mitbringen und definitiv keinen neuen "Circle" oder etwas wie Veit Etzolds "Dark Web" erwarten. In dieser Liga spielt Giberts Regionalkrimi einfach nicht, obwohl Titel und Inhaltsangabe entsprechendes suggerieren. Eingefleischte Fans dürfte es aber freuen, dass sich Lenz und Partner mit einem politisch brisanten Thema und der ganz großen Weltwirtschaft anlegen dürfen.

Seitenzahl: 342
Format: 11,6 x 20 cm
Verlag: Gmeiner

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106 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

stephen king, das spiel

Stephen King: Das Spiel

Stephen King
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 01.01.1992
ISBN B003UA2AGE
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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Wir sind online - wo seid ihr?

Klaus Raab
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 17.09.2012
ISBN 9783442376926
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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67 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

dystopie, hugh howey, piper

Level

Hugh Howey , Gaby Wurster
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2016
ISBN 9783492306775
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Auch wenn man weiß, worauf die Handlung schließlich hinausläuft, anfangs liest sich Hugh Howeys Prequel eher wie ein Thriller als wie Science Fiction. Ohne großartig erklärendes Wissenschafts-Blabla stellt der Autor seinen Helden Donald in das Zentrum von Ereignissen, die dieser nur bedingt verstehen kann. Eine Verschwörung scheint sich anzubahnen, was durch einen parallelen, in der Zukunft angesiedelten Handlungsstrang zusätzlich befeuert wird. Aufmerksame Leser ahnen vermutlich schon vor dem entscheidenden Twist, was diese beiden offenbar gegensätzlichen Geschichten miteinander zu tun haben, doch bis zum Ende des ersten Drittels bleibt "Level" angemessen spannend.

In den folgenden Kapiteln bleibt der Fokus auf dem in der Zukunft spielenden Teil der Geschichte. Zusätzliche Handlungsstränge zeigen, was in den anderen Silos vor sich geht, die beteiligten Figuren werden aber etwas unvermittelt eingeführt, als müsste man sie längst kennen. Vermutlich soll ihr Schicksal beispielhaft für das stehen, was die Leitung des Silo-Komplexes am laufenden Band zu tun scheint - nämlich die Kontrolle mittels Gewaltherrschaft sicherzustellen. Die Motive dafür bleiben allerdings weitgehend im Dunkeln. Mit dem undurchschaubaren Senator Thurman gibt es zwar einen potentiellen Antagonisten, ob sein Plan die Menschheit nun vor dem Unausweichlichen gerettet oder vielmehr versklavt hat, bleibt weitgehend offen.

Immerhin findet man sich auch als Nichtkenner des Vorgängers hier schnell zurecht. Als kurzweilige Lektüre mit kleineren Abstrichen funktioniert "Level" durchaus und präsentiert ein weiteres dystopisches Szenario, an dem die Abgründe der Menschen sichtbar werden. Denn am Ende nutzt die Technologie nur dem, der sie zu Herrschaftszwecken einzusetzen versteht.

Originaltitel: "Shift"
Seitenzahl: 432
Format:12 x 18,8 cm, Taschenbuch
Verlag: Piper
Bonusmaterial: Leseprobe aus dem Vorgängerroman "Silo"

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rom, tarquinius, fabiola, mythologie, italien

Die vergessene Legion

Ben Kane ,
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.01.2016
ISBN 9783404172955
Genre: Historische Romane

Rezension:

Erstlingswerk hin oder her - Kanes Debüt steckt prinzipiell voller guter Ideen, die vor allem im Mittelteil des Buches zum Tragen kommen. Bis alle Figuren erst einmal vorgestellt sind und der Leser weiß, was sie denn nun eigentlich verbindet, vergeht allerhand Zeit. Allerdings kann man soviel Geduld durchaus von jemandem erwarten, der sich einen über siebenhundert Seiten dicken Wälzer vornimmt. Anders als mancher Kollege stellt der Autor hier keine modernen Figuren in eine historische Kulisse, sondern lässt seine Charaktere hauptsächlich im Rahmen der Bedingungen ihrer Zeit agieren. Dass sie dabei diversen politisch und historisch wichtigen Akteuren begegnen liegt nahe und veranschaulicht den Umbruch, in dem sich das römische Reich zu dieser Zeit befindet. Man fühlt sich in dieser Hinsicht und bei den ausführlichen Beschreibungen der römischen Tagesgeschäfte sogar ein wenig an John Maddox Roberts' hervorragend recherchierten Rom-Krimi "SPQR" erinnert.

Besonders reizvoll sind anfangs die Erlebnisse des Sehers Tarquinius, mit der auf die lange Siedlungsgeschichte des etruskischen Volkes verwiesen wird, das lange vor den Römern in Italien lebte. Die Geschichten um Romulus und Fabiola folgen hingegen wohl bekannten Mustern. In der Gladiatorenschule wimmelt es von fiesen Gegenspielern und strengen Aufsehern, aber auch ein väterlicher Freund findet sich, mit dem man gegen alles und jeden bestehen kann. In Fabiolas Bordell, alias Lupanar, führen erfahrene Kurtisanen die Neue in die lustvollen Künste ein, es darf aber natürlich auch intrigiert werden. Dafür, dass Fabiolas Leben dort angeblich die Hölle auf Erden für sie bedeutet, schildert Kane die Szenen mit ihren Kunden oft sehr sinnlich und ziemlich explizit. Übersetzungs-Fails wie "geschwollener Schwengel" inklusive.

Mit der Glaubwürdigkeit hapert es aber erst so richtig, als Romulus und Brennus während ihrer spontanen Karriere in der Legion auf Tarquinius treffen. Fortan sieht der Seher in allen Wolken und Vogelschwärmen Zeichen, die sich natürlich wenig später als wahr erweisen und ausgerechnet die drei Freunde vor dem bewahren, was dem Rest der Armee in der Schlacht gegen die Parther widerfährt. Deren Ablauf folgt weitestgehend dem, was von diesem militärischen Desaster überliefert ist, lediglich das Bild des Legaten Publius Licinius Crassus, der sich laut dem römischen Geschichtsschreiber Plutarch angesichts der drohenden Niederlage einigermaßen ehrenhaft in sein Schwert gestürzt haben soll, wird zu dem eines wahnsinnigen Egomanen verzerrt, der in den Händen seiner Feinde einen grausamen Tod findet.

Obwohl dieser Roman nur der Auftakt zu einer Trilogie um Romulus & Co. ist, packt Kane möglichst viel in diesen ersten Band, ungeachtet der Tatsache, dass es schon vor dem eigentlichen Ende jede Menge mögliche Stellen für eine elegante Überleitung in einen zweiten Band gibt. Trotzdem folgt nach dem scheinbaren Höhepunkt noch ein weiteres Abenteuer, das offenbar den Titel des Buchs rechtfertigen soll. Insgesamt wirkt dieser Abschluss dann aber doch, als hätte man ihn unbedingt noch an die ohnehin schon ausführlich geschilderte Geschichte ankleben wollen, was Leseerlebnis dann doch etwas langwierig und unrund macht. Wer sich allerdings gerne für längere Zeit in die Antike versetzen lässt, der dürfte meistens seine Freude mit diesem Roman haben.

Originaltitel: "The Forgotten Legion"
Seitenzahl: 752
Format: 12,5 x 18,8 cm, Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe
Bonusmaterial: Glossar

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comic, markus heitz, fantasy, zwerg

Die Zwerge: Der Thronanwärter

Markus Heitz , Yann Krehl , Che Rossié
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.06.2016
ISBN 9783868695427
Genre: Comics

Rezension:

Während die vor langer Zeit angekündigte Verfilmung von Markus Heitz' Zwergen-Reihe noch immer auf sich warten lässt, haben es Tungdil & Co. immerhin schon in einer anderen visuellen Kunstform in die Öffentlichkeit geschafft. Die auf vier Bände angelegte Comic-Adaption des ersten Romans wird mit "Der Thronanwärter" endlich fortgesetzt. Qualitativ knüpfen Che Rossié und Yann Krehl an die Stärken des ersten Bandes an, trauen sich im Vergleich dazu sogar noch ein wenig mehr.

Eigentlich hatte schon die letzte Szene des Vorgängerbandes "Tungdil" die Ereignisse der Fortsetzung treffend zusammengefasst. Dennoch entwickeln die beiden Autoren unter der Aufsicht des Weltenschöpfers Heitz auch hier eine spannende vielschichtige Fanatasywelt. Die Handlung gestaltet sich übersichtlich und wurde passend zusammengefasst, im Vergleich zum ersten Band liegt der Fokus weniger auf erklärenden Dialogen, sondern noch mehr auf den Bildern. Denen hätte insbesondere bei diversen Kampfszenen noch etwas mehr Dynamik gut getan. Besonders wenn eine Szene eigentlich viel Bewegung und Action enthält, wirken manche der sonst qualitativ hochwertig gezeichneten Bilder etwas steif.

Tungdil selbst sieht spätestens jetzt anständig zwergisch aus und seiner Freundschaft mit Boëndil und Boëndal wird angemessen viel Platz eingeräumt. Davon lebt das Abenteuer dann auch hauptsächlich, die durchtriebenen Clananführer der anderen Zwergenstämme bleiben als zusätzliche Akteure etwas blass und eindimensional. Dafür kommt der auch im Roman immer wieder durchschimmernde Humor nicht zu kurz. Sei es Tungdils Interesse für Zwergenfrauen oder die Abneigung der meisten Zwerge gegen Wasser - neben all den blutigen Schlachten und finsteren Verschwörungen darf auch geschmunzelt werden. Gewöhnungsbedürftig sind vor allem die grellen Farben diverser magischer Angriffe, die nicht so recht zu den übrigen blei- bis erdfarbenen Tönen passen wollen, sowie der übertriebene Körperbau der weiblichen Albae (hautenger Lederanzug inklusive).

Alles in allem wird aber auch dieser zweite Band seine Fans finden und Liebhaber der Bücher mit Sicherheit begeistern können. Fast alles was bereits den Roman so einzigartig gemacht hat, wurde hier eingefangen und in eine längst überfällige angemessene Form gebracht. Besonders schön: dieser Band enthält zusätzlich ein Making Of einiger Szenen, sowie diverse Skizzenentwürfe.

Seitenzahl: 48
Format: 23 x 32,2 cm, gebunden
Verlag: Splitter
Bonusmaterial: Skizzen und Entwürfe zum Character-Design, das zwergische Runen-Alphabet, Making Of, alternatives Cover

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Tags: comic, fantasy, markus heitz, zwerg   (4)
 
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