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Typenatlas DB-Wagen

Michael Dostal
Flexibler Einband
Erschienen bei GeraMond Verlag, 26.07.2017
ISBN 9783956130342
Genre: Sachbücher

Rezension:

Positiv zu vermerken ist schon nach dem ersten Durchblättern, dass in der Neuauflage nicht nur zusätzliche Wagentypen, sondern auch mehr und größere Fotografien aus dem Betriebsalltag ihren Platz gefunden haben. Im Bereich Personenwagen gibt es gelegentlich auch Bilder aus dem Inneren der Fahrzeuge zu sehen, leider jedoch nicht bei besonders interessanten Exemplaren wie diversen Schlafwagen oder dem TEE-/Rheingold-Aussichtswagen.

Sämtliche Angaben zu den technischen Daten beschränken sich auf das notwendigste, ohne wichtige Eckpunkte auszulassen. Die Abkürzungen und Typenbezeichnungen nach aktueller UIC-Norm werden im Anhang ausführlich erklärt. Damit fällt die Deutung der Buchstaben- und Zahlenfolgen gleich viel leichter, denn aus diesen lassen sich gleich viele wichtige Eigenschaften herauslesen. Die Auswahl selbst erweist sich als angenehm differenziert. Selbst Wagen, die äußerlich auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden sind und dennoch verschiedenen Baureihen angehören (z.B. reguläre Intercity-Wagen wie Bpmmz 284 vs. Wagen des ehemaligen Touristik-Express, sowie diverse Güterwagen) stellt der Autor vor und erklärt zentrale Unterschiede.

Die Begleittexte enthalten alle wesentlichen Informationen über die Entwicklung und den Verbleib der Fahrzeuge. Wann immer einzelne Wagen zu Privatbahnen wechselten wird auch darauf hingewiesen, ein eigener Band mit Privatbahnwagen würde aufgrund der relativ großen Schnittmenge vermutlich eher dünn ausfallen. Hinweise zu verschiedenen Farb- und Ausstattungsvarianten finden ebenfalls ihren Platz, seltene Exemplare wie die Modus-Wagen der Reihe Byp(d)z 456 & Co. oder der 32-achsige Tragschnabelwagen Uaai 839 runden das Bild ab und machen den Band so zum vollständigsten Werk jenseits einschlägiger Sammlereditionen oder des mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlichen Deutschen Wagen-Archivs.

Selbstverständlich kann ein Überblickswerk wie dieses trotz der sorgfältigen Überarbeitung und Ergänzung nur begrenzt in die Tiefe gehen. Als Nachschlagewerk zur schnellen Typbestimmung oder als Einstieg zum Thema taugt der sachkundig verfasste und ansprechend bebilderte Band aber allemal.

Seitenzahl: 160
Format: 16,5 x 23,5 cm, Klappenbroschur
Verlag: GeraMond
Bonusmaterial: Verzeichnis der Wagenanschriften

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

guillou

Schicksalsjahre

Jan Guillou , Lotta Rüegger , Holger Wolandt
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453471399
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nachdem sich der letzte Band gleichermaßen den endlich wiedervereinigten Brüdern widmete, steht dieses Mal hauptsächlich Lauritz im Vordergrund. Oscar taucht hin und wieder als Gast im Hause Lauritzen auf, Sverre ebenfalls, allerdings bedeutend seltener. Es ist vor allem das Porträt eines alternden Mannes, das der Titel schon ankündigt und zugleich die Tragödie einer Familie. Im neutralen Schweden ist man zwar einerseits in relativer Sicherheit, da sich das Land nicht im Krieg befindet. Andererseits spricht Lauritz' Begeisterung für die Ziele der Deutschen im Weltkrieg und der Glaube an deren Sieg nicht nur für seine Liebe zu seiner zweiten Heimat.

Die effektive Propaganda aller am Krieg beteiligter Parteien, die den gebürtigen Norweger schließlich in seinem selbstgewählten Exil erreicht, ähnelt auf unheimliche Weise den "alternativen Fakten", die sich über heutige Medientypen trotz Informationsdemokratie ebenfalls sehr effektiv streuen lassen. Da werden Massenmorde geleugnet oder anderen untergeschoben, Massaker beschönigt oder Feldzüge mit der Überlegenheit des einen oder anderen Volkes gerechtfertigt. Doch schon das Titelbild des zerbombten Dresdens zeigt, dass auch Lauritz den Glauben an das Deutschland seiner Jugend irgendwann in Frage stellen muss.

Bis dahin geschieht in seiner Großfamilie allerhand. Vor allem die Töchter der Brüder Lauritzen schlagen für ihre Zeit ungewöhnliche private und berufliche Wege ein, die symbolisch den gesellschaftlichen und moralischen Wandel einer zunehmend industrialisierten und langsam von unterschiedlichen Lebensmodellen eroberten Gesellschaft nachzeichnen, wie man sie heute mit skandinavischen Staaten verbindet. Auch Lauritz selbst muss seine eigenen Ideale in Frage stellen, außerdem bleibt er selbst nicht von gravierenden Schicksalsschlägen verschont.

All das beschreibt Jan Guillou mit der ihm eigenen Mischung aus gut informiertem Erzähltext und belletristischem Geschick. Ein wenig Interesse für die Zeit der Handlung sollte man als Leser mitbringen, vor allem wenn es über mehrere Seiten hinweg um die politische Lage oder gesellschaftliche Entwicklungen geht. Guillou verzettelt sich jedoch nie in der bloßen Aneinanderreihung historischer Fakten sondern findet mit verblüffender Leichtigkeit immer wieder in die Handlung des Romans zurück, der im Gegensatz zu manchem Vorgänger wieder allerhand Dialog enthält.

Das tut dem Lesefluss gut und führt vor allem anhand der Hauptfigur vor Augen, dass trotz sorgfältiger Lebensplanung und reichlich Bildung niemand vor Fehlentscheidungen sicher ist und dass scheinbar durchschaubare politische Entwicklungen völlig anders ausgehen können als vorhergesagt. Nicht jedem wird diese Mischung aus Geschichtserzählung und Gesellschaftsroman zusagen, doch an literarischer Qualität hat der Autor nichts eingebüßt. Vor allem widersteht der einstmals überzeugte Linke Guillou der Versuchung, Kommunisten und Nationalisten vor dem historischen Hintergrund gegeneinander auszuspielen, sondern lässt die Beteiligten ihre Zweifel an beiden Ideologien freimütig äußern. Respekt dafür.

Originaltitel: "Att inte vilja se"
Seitenzahl: 432
Format: 14,6 x 22,1 cm, gebunden
Verlag: Heyne

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

rügen, mord, häusliche gewalt, krimi, 2015

Inselfeuer

Maren Schwarz
Flexibler Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2015
ISBN 9783839217412
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Sympathiepunkte des Regio-Krimis darf sich "Inselfeuer" auf jeden Fall abholen. Rügens Landschaften bilden einen nicht nur äußerlich reizvollen Hintergrund für die Handlung um die neue Ermittlerin, deren Abenteuer übrigens eine Art Spin-Off zu den bereits erschienenen Büchern um den norddeutschen Kriminalkommissar Lüders darstellen. Sonst wird auf den Lokalkolorit nicht übermäßig viel Bezug genommen, was in jedem Fall eine angenehme Abwechslung gegenüber gewissen vor sich hin grantelnden süddeutschen Kollegen ist.

Darüber hinaus bestehen weite Teile der Handlung aus zähen Ermittlungen und zahlreichen Hausbesuchen, in denen sowohl Leona als auch dem Leser häppchenweise neue Erkenntnisse serviert werden. Das finstere Geheimnis aus der Vergangenheit (es gibt immer eins) hat es durchaus in sich, darüber hinaus fehlt es dem Fall allerdings an Schwung und Spannung. Natürlich muss es nicht immer eine Verfolgungsjagd nach der anderen sein, streng genommen kommt allerdings erst gegen Ende des Buches etwas mehr Spannung auf als am Anfang. Leonas Charakter erweist sich zudem als unterentwickelt - abgesehen von den üblichen Standardsituationen muss sie sich keinen allzu großen Herausforderungen stellen, die irgendwelche Spuren hinterlassen.

Für Ortskundige dürften einige schöne Momente dabei sein, einzigartig ist dieser Krimi damit aber noch lange nicht. Die Chance, eine neue starke weibliche Protagonistin einzuführen wurde leider verschenkt und auch von den übrigen Figuren bleibt kaum etwas im Gedächtnis haften. Bleibt abzuwarten, ob der Heldin in Zukunft weitere Bücher spendiert werden und ob sich qualitativ etwas ändert.

Seitenzahl: 248
Format: 12,1 x 20 cm, Taschenbuch
Verlag: Gmeiner

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77 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

tolkien, mittelerde, fantasy, beren und luthien, klett cotta

Beren und Lúthien

J.R.R. Tolkien , Christopher Tolkien , Helmut W. Pesch , Hans-Ulrich Möhring
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 28.06.2017
ISBN 9783608961652
Genre: Fantasy

Rezension:

Wer an dieses Buch mit der Erwartungshaltung von Einzelausgaben wie "Die Kinder Húrins" herantritt, der sollte sich vorsehen. Diese Fassung der Geschichte ist keine romanhafte Nacherzählung von Mittelerdes größtem Liebesepos. Hier finden sich neben den gewohnt kunstvollen Illustrationen von Tolkien-Künstler Alan Lee zahlreiche unterschiedliche Versionen der Geschichte von Beren und Lúthien, oft auch nur in Ausschnitten. Manches könnte Kennern von "Das Buch der verschollenen Geschichten" schon bekannt vorkommen, andere Elemente, wie die ursprüngliche(n) Versfassung(en) liegen erstmals gedruckt und ins Deutsche übersetzt vor.

Besonderes interessant: Beren bekommt es in einer früheren Form der Geschichte unter anderem mit kriegerischen Katern (!), sowie einem Elb namens Gimli zu tun. Und: Er war außerdem nicht von Anfang an ein Mensch (man denke an die Parallele zu Aragorn und Arwen Abendstern), sondern ein Gnom. Nein, kein Gartenzwerg mit Knubbelnase und auch kein verkappter Ork, sondern ein Elb. Tolkien junior erklärt sinnvoll wie es zur Wahl dieses Begriffs kam und stellt darüber hinaus sämtliche Versatzstücke der Erzählung in den Kontext der übrigen Geschehnisse in Mittelerde, vergleicht die Fassungen miteinander und spürt der Geschichte der Erzählung nach.

Kein neuer Roman also, eher ein Stück mittelerdische Literaturwissenschaftler für Liebhaber und Insider. Wer sich schon einmal mit nordischer oder lateinischer (Vers)Dichtung befasst hat, der wird in Struktur und Tempuswechsel so manches vertraute Stilmittel entdecken. Wenn nicht gerade Prosa wiedergegeben wird, dann sollte man allerdings lange Strophen in Paareimen tolerieren können. Durch seine liebevolle und edle Gestaltung ist das Büchlein dennoch eine Zierde für jede Tolkien-Sammlung. Alan Lees Bilder laden zum Träumen ein und ebnen den Weg nach Mittelerde für alle visuell veranlagten Leser. Mit etwas Zeit und Geduld findet man dann sicher auch seinen Zugang zum Inhalt.

Tolkiens schönste Geschichte in ihrer schönsten Form. Die Tragik der Ereignisse wird selbst in den früheren "tierischen" Fassungen und in den gereimten Versen deutlich und erklärt, warum sich gewisse Charaktere in anderen Episoden aus Mittelerde an diese Geschichte erinnern. Die vorliegende Ausgabe ist ein würdiger Abschluss von Christopher Tolkiens Arbeit, die man aus literaturgeschichtlicher Sicht und auch als Fantasyfan gar nicht genug würdigen kann. Da für zukünftige Filme allerhand rechtliche Hindernisse existieren, dürfte dieses Buch für die nächsten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, überhaupt die vorerst letzte relevante Veröffentlichung von Geschichten aus Mittelerde sein. Tolkien-Experte Helmut W. Pesch und sein Kollege Hans-Ulrich Möhring sorgen dafür, dass daraus auch in der deutschen Fassung ein ansprechendes Erlebnis wird. Danke dafür, an alle Beteiligten!

Originaltitel: "Beren and Lúthien"
Seitenzahl: 304
Format: 13,3 x 20,8 cm, gebunden
Verlag: Klett-Cotta
Bonusmaterial: Namensverzeichnis, Glossar

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47 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

dystopie, drogen, krimi, heyne, roboter

Junktown

Matthias Oden
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641197179
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Vom Rauschsicherheitshauptamt bis zur konsumistischen Partei: Die Betonsprache der doppelten Diktaturerfahrung Deutschlands ist nicht zu überhören. Auch sonst zitiert der Autor freimütig die Vergangenheit, selbst wenn es sich dabei um die Welt der Popkultur handelt. Der abgehalfterte Inspektor mit der düsteren Vorgeschichte könnte glatt mit Rick Deckard aus "Blade Runner" verwandt sein, sein Name, geborgt von Robert E. Howards Dämonenbekämpfer Solomon Kane, die Atmosphäre irgendwo zwischen dem Retrofuturismus des Dieselpunks und einer halb ironischen Weiterführung zeitgenössischer Konsumperversionen angesiedelt. Die im Roman beschriebene Gesellschaft, in der Müll als Statussymbol vor dem Haus verteilt wird und ein frühes Ableben durch einen Goldenen Schuss zur gefühlten Unsterblichkeit führt, könnte kaum deutlicher als Warnung vor der übertriebenen Hingabe an Sinneslust und grenzenlosen Kommerz inszeniert sein.

Aber dann ist da ja noch die Handlung. Zwischen all den Beschreibungen seiner dystopischen Welt versteckt Oden eine Detektivgeschichte, die sich aus bestens vertrauten Bauteilen zusammensetzt. Ein undurchsichtiger Chef, ein deprimierter Ermittler, unfähige Untergebene, womöglich Spione in den eigenen Reihen, eine mysteriöse Zeugin ... auf all das scheint auch in der fernen Zukunft noch Verlass zu sein. Die meisten dieser Handlungsstränge enden dann auch wie erwartet, kleinere Überraschungen finden sich allerdings dennoch gegen Ende des Buches. Da darf endlich das ganze Ausmaß der Verschwörung deutlich werden, die vorher leider irgendwo in den Tiefen Junktowns zur Nebensache wurde.

Ähnliches geschieht mit Inspektor Cain. Er und die meisten anderen Figuren mit ihren fast durchweg biblischen Vornamen bleiben hinsichtlich ihrer Charaktereigenschaften derart auf der Strecke, dass insbesondere Cains tragisches Schicksal vollkommen trivial wirkt. Das nimmt dem eigentlich ziemlich wendungsreichen Finale viel von seinem Potenzial. Der von Cain untersuchte Mord an der Maschine deutet zudem darauf hin, dass in Junktown Menschen und HMW (Höhere Maschinenwesen) einträchtig nebenbeinander leben und sogar Beziehungen eingehen (man kommuniziert per Lochkarte). In einigen Nebensätzen erfährt man noch ein wenig mehr darüber, insgesamt scheint dem Autor die kontinuierliche Beschreibung seiner Welt aber wichtiger zu sein als dieses vergleichsweise unterentwickelte Motiv. Hoch anzurechnen ist es dem Werk allerdings, dass es nicht in pseudoprofessionellen Anglizismen versinkt und so manches kreative Wortspiel mit bekannten Begriffen enthält.

Ein interessanter Roman also, der dennoch nicht vollständig überzeugt. Man darf von einem Leser im einundzwanzigsten Jahrhundert durchaus erwarten, dass er eine Dystopie mit Verweis auf die Fehler der Vergangenheit erkennt, selbst wenn es nicht auf jeder Seite wörtlich geschrieben steht. Als Journalist und Ex-Redakteur einer Werbezeitschrift weiß Matthias Oden um das propagandistische Potenzial von Kommerz und Werbung, was auf jeder Seite deutlich wird. Dennoch gibt es elegantere Arten davor zu warnen als es dem Leser plakativ ins Gesicht zu schreien. Diese Art zu schreiben gehört eher zu klassischen Genrevertretern wie Aldous Huxley oder George Orwell. Damit wirkt "Junktown" teilweise, als wäre es bereits vor vierzig Jahren verfasst worden. Wer Hommagen an diese Zeit mag und mit kaum verhüllten Allegorien klarkommt, der hat womöglich seine Freude daran.

Seitenzahl: 400
Format: 13,5 x 20,5 cm, Klappenbroschur
Verlag: Heyne

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204 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 102 Rezensionen

historischer roman, otto der große, rebecca gablé, ottonen, mittelalter

Die fremde Königin

Rebecca Gablé , Jürgen Speh
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 27.04.2017
ISBN 9783431039771
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auch dieses Mal gelingt der Autorin der stets schwierige Spagat zwischen eleganter Erzählung und einem authentisch gezeichneten Hintergrund. "Die fremde Königin" ist kein nachträgliche Abrechnung mit dem Mittelalter nach neuzeitlichen Maßstäben, sondern eine vergleichsweise ruhige Betrachtung von Individuen in historischem Kontext, die die plakativ inszenierten Gemetzel und Bettgeschichten der Konkurrenz nicht nötig hat. Gablé-Fans wird der Aufbau dennoch bekannt vorkommen: Ein junger Held im Umfeld der Macht, ein Gegner, der ihn leidenschaftlich hasst und eine bewegte Biografie mit viel Auf und Ab, an deren Ende mindestens ein lang ersehntes Ziel steht. Das und viele andere Elemente von Gaidemars Laufbahn hat man so oder so ähnlich schonmal gelesen, zumal ein gewisser Fiesling aus dem Vorgängerroman "Das Haupt der Welt" zusätzlich wieder einmal genau das tut, was man von ihm erwartet.

Richtig interessant wird die Handlung jedoch durch die titelgebende "fremde Königin" Adelheid. Die zum Zeitpunkt ihrer Vermählung gerade einmal neunzehnjährige Fürstin (die zuvor schon mit Lothar von Italien vermählt war) erweist sich als ebenso schlagfertige wie überlegt handelnde Figur, die ihrem Ehemann längst nicht nur hilfreich zur Seite steht. Ihre Unsicherheit und die Notwendigkeit, in widrigen Situationen dennoch beherrscht aufzutreten, lässt Rebecca Gablé gekonnt in die Handlung einfließen. Dadurch wird das Ergebnis nicht nur weniger männerzentriert, Adelheid gerät außerdem zu ihrer interessantesten weiblichen Hauptfigur seit Blanche of Waringham. Apropos Männer: Gaidemar bekommt mit seinem slawischen Burschen Miro einen furchtlosen Sidekick zur Seite gestellt, der ein ganz besonderes Geheimnis mit sich herumträgt, das in engem Zusammenhang mit seinem Volk steht. Das und der Humor des Jungen macht ihn als Charakter fast noch interessanter als Gaidemar selbst. Spin-Off bitte!

Die Slawen spielen wie schon im Vorgänger weiterhin eine Rolle, sogar Fürst Tugomir erhält einen kurzen Gastauftritt. Wer "Das Haupt der Welt" nicht gelesen hat, sollte mit der Handlung trotzdem zurechtkommen. Dem häufig zitierten Mythos von Otto dem Großen als Begründer des Deutschen Reiches (eine zweifelhafte Ehre, die auch schon Karl dem Großen und diversen anderen mittelalterlichen Herrschern nachgesagt wurde) stellt die Autorin geschickt die Unsicherheit des gar nicht so einheitlich befriedeten Reiches zu dieser Zeit entgegen. An allen Enden brodelt es, brechen Rebellionen aus, muss der zukünftige Kaiser für Ruhe sorgen.

Löblich ist außerdem, dass viele Verleger historischer Romane in letzter Zeit von zeitlich unpassenden Gemälden mit gefühltem Vergangenheits-Flair auf dem Buchcover abrücken und stattdessen historisch passenderen Motiven Raum geben. Die langobardische Krone auf dem Titelbild stammt (ebenso wie die Heilige Lanze beim letzten Band) tatsächlich aus der Zeit der Handlung und vermittelt gleich ein besseres Gefühl für das was bevorsteht. Dazu verdeutlicht die Landkarte im Vorsatz, dass die Handlung dieses Mal weitere Teile des Reiches einschließt, der stilvolle Stammbaum am Ende veranschaulicht die Verwandtschaftsverhältnisse der Königsfamilie. Im Übrigen rekrutiert sich das handelnde Personal wieder einmal aus tatsächlich verbürgten Figuren, was angesichts ihrer Handlungen das Thema Geschichte einmal mehr als idealen Stoff für große und großartige Literatur empfiehlt.

Seitenzahl: 768
Format: 14,7 x 22,1 cm, gebunden
Verlag: Lübbe
Bonusmaterial: Stammbaum der Ottonen, Nachwort, Personenverzeichnis

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Deutsche Dampfloks

Lothar Weber
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 29.09.2016
ISBN 9783613715349
Genre: Sachbücher

Rezension:

In Sachen Kompaktheit hält das Buch, was der Klappentext verspricht. Alle relevanten Fahrzeuge der DB und DR, die nach 1945 noch eingesetzt wurden haben ihren Weg in diesen Band der Reihe "Typenkompass" gefunden. Passende Farbfotos und Schwarzweißbilder, teils angenehm großformatig und meist in sehr guter Qualität, halten sich die Waage, Tabellen mit den wichtigsten technischen Daten helfen bei der Einordnung der Fahrzeuge. Versierte Leser werden Lothar Webers Abhandlung vermutlich mit Horst J. Obermayers Büchern vergleichen, die in ihrer Gesamtheit eine noch differenziertere Palette abbilden.

Die ausführlichen Texte zu jeder Baureihe helfen jedoch besser bei der Einordnung der Fahrzeuge, als es die knappen Begleittexte der Obermayerschen Nachschlagewerke tun. Kein Konkurrenzprodukt also, eher eine Ergänzung für alle, die gerne mehr über die Hintergründe, die Entwicklungsgeschichte und den Verbleib der entsprechenden Lokomotiven erfahren möchten. Für noch ausführlichere Informationen lohnt es sich zu den im Literaturverzeichnis aufgelisteten Baureihen-Monografien oder zur noch antiquarisch erhältlichen Transpress-Reihe "Lok-Archiv" zu greifen, denn ausführliche Stationierungslisten und Risszeichnungen hätten den Rahmen des Buches gesprengt. Man beschränkt sich hier im Übrigen auf den Fahrzeugpark der Deutschen Reichs- und Bundesbahn, Privatbahnen oder Versuchsfahrzeuge wie das kastenförmige Ungetüm H45 024 wurden nicht berücksichtigt.

Punktabzug gibt es lediglich für das stellenweise arg pragmatische Layout. Gequetschte Textblöcke neben Fotos mittlerer Größe erwecken den Eindruck, man hätte zuviel Inhalt für zu wenig Platz gehabt. Die uneinheitliche linksbündige Ausrichtung ist in Kombination mit der gewählten Schriftart auch für ein Sachbuch ein wenig zu unruhig, um einen angenehmen Lesefluss zu gewährleisten.

Seitenzahl: 128
Format: 14,1 x 20,7 cm
Verlag: Transpress

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Sieben Heere - Revolution

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492704045
Genre: Fantasy

Rezension:

Der zweite Band vervollständigt das Bild. Während sich der Vorgänger noch fast ausschließlich auf die Geschehnisse im Dorf konzentrierte, erweitert Tobias O. Meissner den Blickwinkel und bezieht sowohl die Besatzer als auch die übrigen Dörfer und Städte rund um Hagetmau in die Handlung ein. Eine Karte von Akitanien gibt es zwar immer noch nicht, es macht aber fast mehr Spaß, das Land nach und nach zu entdecken, anstatt vor der Lektüre alle möglichen Fakten zu kennen.

Die im ersten Band noch erdrückend scheinende Übermacht der Gegner wird hier ein wenig relativiert, da den Besatzern mitunter Fehleinschätzungen zum Verhängnis werden. Wir erfahren außerdem mehr über den Grund des Einmarschs ins Nachbarland, sonderlich viel Verständnis für das Vorgehen dürfte man trotzdem nicht entwickeln.

Wie gewohnt beschreibt der Autor seine Szenen lebendig und ausführlich, besonders die Beratungen, Schlachtpläne und Überlegungen der Charaktere nehmen viel Raum ein. Das ergibt leider ein paar vermeidbare Längen, wer das übersteht wird aber mit einem packenden Finale und einigen sehr schönen Szenen, wie einer Flugstunde mit einem Gryphen, belohnt. Wann immer es mit der Ausdifferenzierung der einzelnen Charaktere ein wenig hapert, dann macht es durchaus Sinn daran zu denken, dass das Dorf selbst hier die Hauptfigur ist. Und das erfährt eine durchaus ausführliche Betrachtung, zumal nicht jeder der Bewohner mit der Situation glücklich ist, die Schlacht ihre Spuren hinterlässt und viel sich verändert.

Im Prinzip hätte es noch sehr viel mehr Potenzial für Twists, Überraschungen, Missgeschicke und tragische Zwischenfälle gegeben, letztendlich verläuft aber das meiste genauso wie es geplant wurde. Die Sorgen der meisten Figuren erweisen sich als unbegründet, auch wenn das Motiv der verlorenen Unschuld nach wie vor erkennbar ist, insbesondere in dem Konflikt zwischen der Byrgherin Rauthne und ihrem Sohn Baresin. Ein paar neue Einblicke in die Kunst der Semanen geben der Zauberei etwas mehr Raum, es bleibt jedoch bei kleineren Episoden.

Allen Schwächen zum Trotz ist der zweite Teil ein meist sehr elegant verfasster und spannender Fantasyroman, der die Klischees des Genres einmal mehr geschickt umschifft und doch viele grundlegende Erwartungen erfüllt. Es ist Kunst, so zu schreiben und eine Bereicherung für das Regal aller Liebhaber gut erzählter Geschichten.

Seitenzahl: 416
Format: 13,6 x 21,3 cm, Klappenbroschur
Verlag: Piper

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

james bond, comic

James Bond VARGR - Band 2

Warren Ellis , Ian Fleming , Jason Masters
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783958393974
Genre: Comics

Rezension:

Wenn es um Bond geht, darf man sich nicht mit Äußerlichkeiten zufriedengeben. Das haben die Autoren Warren Ellis und Jason Masters zum Glück auch in diesem Band beherzigt, denn neben der gelungenen Optik orientiert sich die Geschichte eng an bekannten Mustern, während im Hintergrund gleichzeitig sanft Kritik an Regierungen und Geheimdiensten geübt wird. Inhaltlich erinnern die Zusammenarbeit des Kernteams um M, Bond und Moneypenny und das Agieren einer gewissen Verbrecherorganisation stark an den letzten 007-Film "Spectre", fügt der bekannten Geschichte aber noch ein paar neue Schauplätze und Bösewichte hinzu.

Darüber hinaus traut sich der Comic weiterhin mehr als so manches Kinoabenteuer, vor allem blutige Schießereien und den exzessiven Konsum von Zigaretten betreffend. Im Vergleich zum Vorgänger hat man sich jedoch ein wenig zurückgenommen, hauptsächlich die Tötungsmethoden des Hauptgegners Hawkwood sorgen hier für gelegentliche Gore-Effekte. Unterhaltsam wird es, wenn 007 dem Chauvinisten in sich freien Lauf lässt oder Seitenhiebe auf die USA und deren mehr oder weniger fähigen Geheimdienste verteilt. Die Anwesenheit des trotzdem ziemlich schlagfertigen Felix Leiter erweitert den Kanon der bekannten Figuren und verweist zugleich auf den Spin-Off-Comic, der in Kürze im selben Verlag erscheinen wird.

Strukturell ist es ein großer Gewinn, dass die Abenteuer anders als im Original hierzulande wieder als geschlossener Band erhältlich sind. Die großformatig eingefügten Cover der englischsprachigen Einzelbände verdeutlichen die Schnittstellen, die oft als eindeutige Cliffhanger angelegt sind. Gut, dass man danach nicht wochenlang auf das nächste Heft warten muss. Einzig ein paar Klischees wie die übliche Hackerin mit Lisbeth-Salander-Punker-Attitüde, laue Nächte mit Bond-Girl und die anscheinend unbesiegbare Hauptfigur, der mitten in blutigen Kämpfen immer noch Zeit für einen lockeren Spruch bleibt, fallen eindeutig negativ auf.

Darüber hinaus macht "Eidolon" Lust auf mehr und bietet für Comicliebhaber und Bond-Begeisterte eine angemessene Adaption der Abenteuer des legendären Agenten, auf die in so manchen Nebensätzen zusätzlich verwiesen wird.

Seitenzahl: 152
Format: 20,5 x 28,4 cm, gebunden
Verlag: Splitter

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der goldene Zwerg

Wolfgang Schüler
Flexibler Einband: 270 Seiten
Erschienen bei KBV, 17.03.2016
ISBN 9783954412860
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Buch, das den Mythos Wallace gerne weiterschreiben möchte. In Teilen gelingt das auch. Schon optisch fügt sich der Band sehr schön in die bekannte "rote Reihe" des Goldmann-Verlags ein und einer der legendärsten Antagonisten aus Wallaces Büchern wird zur persönlichen Nemesis des Autors. Da kann man auch den zunächst unfreiwillig komischen Auftritt eines anderen prominenten Ermittlers verkraften, die Auflösung von dessen Identität macht diese Idee jedoch gleich sehr viel sinnvoller. Beste Voraussetzungen für einen spannenden Fall im gewohnten Stil also und tatsächlich zeigen die ersten Kapitel viel von dem, wie das Buch hätte sein können. Später muss die Ermittlungsarbeit jedoch immer wieder zugunsten biografischer Details und eines eher unnötigen Zeitsprungs in die Vergangenheit zurückstecken.

Der ironische Umgang mit Wallaces Essgewohnheiten, seinem luxuriösen Lebensstil und die zahllosen Kosenamen, die seine Frau für ihn bereithält (von "Püffel" bis "Schnäuzelchen"), nehmen dem Geschehen jede Ernsthaftigkeit. Auch eine berlinernde Dienstmagd mitten in London macht es nicht besser, der Fall ist zu diesem Zeitpunkt außerdem weitestgehend klar. So bleiben die übrigen Seiten eher eine Annäherung eines begeisterten Fans, statt zu einem eigenständigen Kriminalroman im Sinne bekannter Werke von Edgar Wallace zu werden. Mit nachsichtiger Gönnerhaftigkeit lassen Polizei und Autor den berühmten Schriftsteller ein wenig vor sich hin ermitteln, so richtig viel bekommt er aber selbst im Finale nicht zu tun. Immerhin gibt es eine mögliche Erklärung für die Inspiration zu gewissen Wallace-Krimis zu lesen, große Überraschungen oder ein entscheidender Twist bleiben allerdings aus.

Damit ist "Der goldene Zwerg" am ehesten für Wallace-Fans geeignet, die den Meister einmal selbst in Aktion erleben möchten. Ob sich der hartgesottene Veteran, Journalist und Buchautor aber tatsächlich so passiv verhalten hätte, sei dahingestellt. Die Grundidee des Romans beruht auf guten Überlegungen, die Umsetzung wird der Thematik allerdings nur selten gerecht.

Seitenzahl: 270
Format: 11,8 x 18 cm, Taschenbuch
Verlag: KBV

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1.287 Bibliotheken, 59 Leser, 5 Gruppen, 194 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, berlin, fitzek

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über soziale Medien verabredete Menschenjagden sind in der Literatur seit "Der Circle" und "Zero" längst keine Seltenheit mehr. Da ist es doch gleich viel nahbarer, wenn ein versierter einheimischer Autor die Thematik in bekannte Schauplätze verlegt und vielleicht noch ein paar gesellschaftskritische Dinge zum besten gibt. All das gibt es in "AchtNacht" auch, keine dieser Ideen kommt jedoch wirklich ausreichend zur Geltung. Positiv ist zu vermerken, dass man das Buch definitv bis zum Ende nicht aus der Hand legen kann. Die knackig kurzen Kapitel enden stets mit brutalen, gelegentlich etwas berechnet wirkenden Cliffhangern, die man so nicht stehen lassen mag. Für Spannung ist also durchaus gesorgt und ein paar Überraschungen und interessante Twists gibt es durchaus.

Darüber hinaus verpasst Fitzek hier leider die Gelegenheit, tatsächliche menschliche Abgründe aufzudecken. Die Menge, die hinter Ben und Arezu her ist, besteht größtenteils aus anonymen gewaltbereiten Personen und abgesehen von zwei Verbrechern, die ihre ganz eigenen Vorteile aus der AchtNacht herausholen wollen, spielt der Mob eigentlich nur eine Nebenrolle. Selbst die Tatsache, dass Regierung und Polizei offenbar kaum an den Vorfällen interessiert sind und die Medien von der Menschenjagd lieber wie von einem Sportereignis berichten, hätte noch vertieft werden dürfen. Stattdessen besteht Berlin unter diesen Bedingungen ausschließlich aus einer wabernden Masse potentieller Mörder und kaum einer will den Gejagten helfen.

Die im Buch angesprochene Theorie von der "Schwarmdummheit" als Gegenstück zur Schwarmintelligenz, sowie das Szenario eines aus dem Ruder gelaufenen massenpsychologischen Experiments, verspricht einige interessante Gedanken zu den Schattenseiten des Internets in dem "jeder Idiot jede Schlagzeile ungeprüft weiterleitet und kommentiert" (S. 121). Jeder dürfte irgendeinen Facebookfreund haben, dem man so etwas heimlich nachsagt, aber selbst dieser wichtige Aspekt des Nutzerverhaltens bleibt im Ansatz stecken. Dafür gibt es noch allerhand Anspielungen auf Filme und Bücher mit ähnlichem Inhalt und in den Namen vieler Charaktere Hinweise auf bekannte Schauspieler (Rühmann, Herzsprung, Lauterbach ...).

Ehrlicherweise erwähnt Fitzek im Nachwort, dass sein Roman von dem Film "The Purge" inspiriert wurde, in dem ebenfalls für eine Nacht Verbrechen wie Mord erlaubt sind. Großartig weitergedacht wurde die Idee hier im Vergleich zu anderen Büchern mit ähnlicher Thematik allerdings nicht. "AchtNacht" ist ein handwerklich solider Thriller, der "Meister des Wahns" hat aber schon besser geschrieben.

Seitenzahl: 416
Format: 12,6 x 18,8 cm, Klappenbroschur
Verlag: Knaur
Bonusmaterial: Anmerkungen des Autors

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(133)

283 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 44 Rezensionen

thriller, dänemark, kopenhagen, sonderdezernat q, krimi

Selfies

Jussi Adler-Olsen , Hannes Thiess
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.03.2017
ISBN 9783423281072
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist schon beinahe ungewöhnlich: Schon im zweiten Kapitel stehen Mitarbeiter des Sonderdezernats Q im Mittelpunkt des Interesses. Während in anderen Bänden hier noch alte Verbrechen aufgerollt oder andere Thrillerelemente angeschnitten wurden, spart sich Adler Olsen das übliche ausführliche Vorgeplänkel hier weitestgehend und macht damit deutlich, dass es in diesem Buch besonders persönlich wird. Insbesondere Roses Vergangenheit und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart erweist sich als erschreckend und verdeutlicht zugleich, dass Missbrauch keinesfalls nur auf körperliche Art geschehen kann. Außerdem lernt man die sonst so taffe Mitarbeiterin von Carl Mørck hier von einer ganz anderen Seite kennen, die in mancherlei Hinsicht an Stieg Larssons Lisbeth Salander erinnert.

Auch wenn es am Ende mit der Auflösung ein wenig schnell gehen mag, so muss man doch die virtuose Verflechtung der unterschiedlichen Fälle (mindestens fünf) bewundern. So kompliziert war es für Mørck und Kollegen schon lange nicht mehr. Dennoch lässt sich der Überblick behalten, selbst wenn manche Szene ein wenig zu ausführlich gerät. Dafür werden langjährige Fans mit amüsanten Wortwechseln, insbesondere zwischen Carl und Assad, belohnt und natürlich gibt ersterer seinen Vorgesetzten und Kollegen jederzeit ordentlich Kontra. Neue Einblicke in dessen Gefühls- und Privatleben gibt es nur am Rande, mit Ausnahme von Roses Vorgeschichte bleibt die Handlung immer dicht am Geschehen.

Um die Fälle spannend zu machen braucht es dieses Mal weder Geheimbünde noch politische Verwicklungen, Rassismus, Finanzhaie, Sekten oder gar Gaunerbanden. Die Alltäglichkeit der Fälle ist erschreckend genug und offenbart, dass selbst unscheinbare Personen unter den richtigen Umständen schon aus purem Eigennutz und Rachegelüsten zum Mord fähig sind. Hundertprozentig nachvollziehen kann man die Handlungen der Täter zwar nicht immer, Olsen versucht sich hier jedoch auf lobenswerte Weise an einer Milieustudie mit kritischen Untertönen, die in dieser Form nicht nur in Dänemark existieren dürfte. Wenn Selbstgerechtigkeit (der Titel deutet es schon an) zur Lösung für gesellschaftliche Missstände wird, dann fühlt man sich dezent an so manche Schlagzeile der letzten Jahre erinnert.

Allzu trocken analytisch wird es jedoch nie und obwohl der Leser über das Geschehen grundsätzlich besser informiert als Carl & Co, gibt es am Ende doch noch eine Handvoll Überraschungen. Insgesamt erweist sich "Selfies" nach mehreren ordentlichen aber nicht außergewöhnlichen Büchern über das Sonderdezernat Q als neues Highlight der Reihe. Ein paar kleinere Längen kann man durchaus verkraften, qualitativ hat Herr Olsen nichts eingebüßt.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

ddr, biografie, courage, leben in der ddr, leipzig

Courage zeigen

Sebastian Krumbiegel
Fester Einband
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 27.03.2017
ISBN 9783579086576
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist schwierig einen Menschen zu verstehen, ohne seine Geschichte zu kennen. Entsprechend beginnt Krumbiegel bei einem persönlichen und historischen Wendepunkt, nämlich den Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989. Bereits damals mischten sich offenbar nationalistische Untertöne in die Sprechchöre, die eigentlich offene Grenzen, Meinungsfreiheit und Mitspracherecht einforderten. Da liegt es nahe die Stimme zu erheben, denn angesichts ähnlicher Phänomene in diesem Jahrhundert liegt der Schluss nahe, dass entsprechende Stimmungen nicht erst gestern entstanden.

Was sein Buch nahbar macht und nicht unnötig moralisierend erscheinen lässt ist vor allem die Tatsache, dass Krumbiegel kein Verächter von Selbstkritik und kleinen Schritten auf dem Weg zu einem besseren Miteinander ist. Sei es im klärenden Gespräch mit Politikern oder Bild-Chef Kai Diekmann, die Frage, ob solche Aktionen überhaupt etwas bewegen oder nur nette Episoden bleiben, beantwortet er mit distanzierter Zurückhaltung. Einseitiges Missionieren gibt es bekanntlich auf allen Seiten des politischen Spektrums, das Ansprechen der Dinge, das Nachbohren, die Konfrontation mit unliebsamen Wahrheiten dagegen kann dazu führen, dass etwas "in den Köpfen hängenbleibt". Ein Ansatz der Geduld erfordert und genau deswegen mit Respekt zu behandeln ist

Die starke persönliche Verbindung zum Thema wird spätestens anhand eines brutalen Überfalls durch Neonazis deutlich, den Krumbiegel in seiner Heimatstadt Leipzig erlebte. Kapitel wie der Versuch einer Aussprache mit einem der Täter offenbaren den Willen zum Verstehen der Denkweise hinter solchen Taten und klammern die davon Betroffenen auf beiden Seiten nicht von vornherein aus. Dem Vorwort nach will das Buch keine Autobiografie sein, weitere Kapitel befassen sich jedoch auf unterhaltsame Weise mit der musikalischen Laufbahn des Autors sowie verschiedenen anderen Stationen seines Lebens. Diverse Erlebnisse rund um die "Friedliche Revolution" 1989 sind ebenso Thema wie der Kirchenaustritt des ehemaligen Thomaners, den er mehr am Versagen der Institution und ihren Vertretern, als an persönlichen Glaubenserfahrungen festzumachen scheint.

Unter all den Büchern, die mit mehr oder weniger Distanz gegenwärtige gesellschaftliche Problematiken thematisieren, liest sich "Courage zeigen" im Schnitt angenehm differenziert. Krumbiegel gibt außer der Demokratie keinem anderen politischen System den Vorzug, klärt aber auch über den erlebten DDR-Alltag auf, der eben nicht immer dem Klischee entsprach. Da war nicht alles schlecht, besonders wenn man als privilegierter Chorknabe ins westliche Ausland reisen durfte, aber manches eben schon. Seine Selbstreflexion im Hinblick auf protorassistische Äußerungen, die schnell ausgesprochen sind, auch wenn man es nicht so meint, bricht die idealistischen Gedanken auf ein alltagstaugliches Maß herunter. Die klare Positionierung gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie ist bemerkenswert, Toleranz gegenüber Religionen bleibt im Vergleich eher außen vor.

Man muss allerdings auch gar nicht alles gut finden um zu sehen, dass sich hier jemand wichtige Gedanken macht und, ähnlich wie in der Musik, "Unterhaltung mit Haltung" bieten will. Das hört man nicht von jedem Popstar. Wenn man aus dem Buch eines lernen kann, dann dass jeder für das mitverantwortlich ist, was in seinem Land und in seiner Stadt passiert. Und, dass man sich nicht darauf ausruhen sollte, dass andere sich schon kümmern werden.

Seitenzahl: 224
Format: 14,2 x 22,1, gebunden
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Bonusmaterial: Song-Downloads per QR-Code

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86 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 23 Rezensionen

die chroniken der sphaera, fantasy, frostflamme, noth, drogensucht

Frostflamme

Christopher B. Husberg , Kerstin Fricke
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426519202
Genre: Fantasy

Rezension:

... bilden in "Frostflamme" die Hauptmotive, was den beiden Hauptfiguren Winter und Noth wider Willen allerhand Feinde und Verbündete beschert. Wer Noth denn nun tatsächlich ist deutet sich zwischendrin bereits an, wird aber erst am Schluss endgültig aufgelöst. Eine interessante Idee, ähnlich wie die Grundlagen der Zauberei auf der "Sphaera". Da wird nicht einfach ein Zauberstab geschwungen oder alte Worte in alten Sprachen gemurmelt, hier ist es eine Droge, die den Magiebegabten ihre Kräfte verleiht. Ohne den Roman zu einem Psychodrama im Fantasygewand zu machen, zeigt Husberg auf eindringliche Art, wie übernatürliche Kräfte diejenigen, die sie anwenden, verändern können.

Darüber hinaus findet sich auf den knapp siebenhundert Seiten allerhand Bekanntes. Noths Reise zu seinen Ursprüngen mag noch logisch erscheinen, was den übrigen Reisenden jedoch unterwegs passiert klingt eher nach einer Queste um der Queste willen. Macht man halt so. Da gibt es Überfälle, mysteriöse Mitreisende, Städte und Landschaften die durchreist werden wollen und diverse Rätsel zu lösen. Obwohl die Gemeinschaft relativ übersichtlich ist, gehen einige Nebenfiguren unter oder bleiben erstaunlich passiv. Im Volk der Tiellaner finden sich Spuren von Elben und Hobbits, viel Eigenständigkeit erreichen sie nicht. Das religiöse System dieser Welt erweist sich als komplex und auf einer umfangreichen Mythologie aufgebaut, man hätte sich vereinzelt jedoch noch mehr Erklärungen gewünscht. Begriffe und Namen, die mit dem cantischen Glauben zusammenhängen werden oft einfach in den Raum geworfen und entweder sehr viel später oder gar nicht erklärt.

Wenn im Verlauf der Handlung jedoch etwas passiert, dann passiert es richtig. Sämtliche "Actionszenen" beschreibt Husberg flüssig und übersichtlich, sorgt für manche überraschende Wendung, lässt seine Charaktere allerhand durchmachen, gönnt ihnen aber auch Verschnaufpause und ab und zu glückliche Momente. Das Finale hat sich ordentlich gewaschen und verlangt den Helden noch einmal alles ab, bevor ein nicht völlig befriedigendes offenes Ende von der hoffentlich in Kürze folgenden Fortsetzung kündet.

Originaltitel: "Duskfall"
Seitenzahl: 704
Format: 14,1 x 21,8 cm, Klappenbroschur
Verlag: Knaur

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

krimis, sherlock holmes

Sherlock Holmes im Labyrinth der Lügen

Roman Sander
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blitz, 07.11.2009
ISBN 9783898402880
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Band beginnt mit einem wahren Leckerbissen für alle Kenner des offiziellen Kanons: Friedrich Gerhard Klimmek erzählt in "Mrs. Hudsons Theorie" eine gut recherchierte und glaubhafte Alternativversion der bekannten Doyle-Kurzgeschichte "Das gesprenkelte Band", die gleichzeitig auf die Schwächen der Vorlage verweist. Da hat der gute Doktor Watson gnädig verschwiegen und geheimnisvoll verschleiert, was erst jetzt offiziell enthüllt werden darf. Keine schlechte Idee und ein guter Start in ein abwechslungsreiches Buch.

In "Die fehlenden Jahre" erhalten wir Einblick in ein Paralleluniversum, indem der Sturz vom Reichenbachfall ganz anders ausgeht als bisher bekannt, was in dieser Version natürlich entsprechende Spuren hinterlässt. Fans von "Sherlock" wissen, dass drogeninduzierte alternative Abläufe bekannter Ereignisse durchaus reizvoll die etablierten Konstellation durchbrechen, neu erzählen und doch wieder schlüssig auflösen können. Hier hätte man sich allerdings etwas mehr Konsequenz in der Ausführung der Geschichte gewünscht, die trotz des spannenden Szenarios hinter den Erwartungen zurückbleibt.

"Auftrag in Kiew" erteilt einem fähigen deutschsprachigen Autor vieler gelungener Holmes-Pastiches das Wort: Klaus-Peter Walter. Einmal mehr verleiht der Verfasser des Kurzgeschichtenbandes "Sherlock Holmes und Old Shatterhand" und des Romans "Sherlock Holmes und der Golem von Prag" seiner Liebe zur klassischen Literatur Ausdruck und lässt Holmes darüber hinaus ein spannendes Kapitel früher Zeitgeschichte miterleben. Die Ukraine befindet sich zu dieser Zeit unter russischer Herrschaft, die Geheimpolizei des Zaren unterdrückt jegliche revolutionären Aktivitäten. Der eigentliche Fall löst sich jedoch nach einigen spannenden Szenen in Wohlgefallen auf, was die Lektüre trotz ihrer formell sehr gelungenen Umsetzung etwas unbefriedigend machen kann.

Die letzte Geschichte "Holmes und die alten Götter" schickt den Detektiv auf einen Abstecher in das Universum von H.P. Lovecraft. Dem bekannten Autor wird eine kleine Gastrolle zuteil, bevor Holmes das Verschwinden eines Professors und eine Verschwörung von Anhängern eines uralten Kultes aufklären darf. Es dürfte kein Spoiler sein darauf hinzuweisen, dass es Holmes hier tatsächlich mit unerklärlichen Phänomenen zu tun bekommt. Die verarbeitet er jedoch relativ gelassen, da seiner Meinung nach Wissenschaftler wie Einstein und Heisenberg zur Genüge auf die Existenz alternativer Realitäten und Dimensionen hingewiesen haben. Ein seltsamer Bruch mit den Erzählkonventionen von Doyles' Kosmos, der die recht konventionell erzählte Geschichte leider zum unterdurchschnittlichsten Beitrag des Bandes macht.

Ahmed A. Khans Epilog "Dr. Watsons geheimes Tagebuch" ist zwar nur vier Seiten lang, birgt aber mehr erzählerischen Sprengstoff als manche der vorangegangenen Geschichten. Es sei nur soviel verraten: Wer den zentralen Twist aus Anthony Horowitz' spannendem "Der Fall Moriarty" noch in Erinnerung hat, der könnte ahnen, was Watson all die Jahre noch verheimlicht hat.

Ein gelungener Abschluss eines interessant konzipierten Sammelbandes, der interessanterweise auch Geschichten englischsprachiger Autoren enthält. Holmesianer dürften wissen, dass es auf dem internationalen Buchmarkt noch sehr viel mehr Holmesiaden in Roman- und Kurzgeschichtenform gibt, die noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Aus den Augen eines Fans wäre es in jedem Fall wünschenswert, in Zukunft noch mehr davon zu lesen.

Bonusmaterial: Kurzbiografien der beteiligten Autoren

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

historischer roman, mittelalter, friesland, claudius crönert, frankenland

Freyas Land

Claudius Crönert
Flexibler Einband: 534 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.03.2015
ISBN 9783839216477
Genre: Historische Romane

Rezension:

Anfangs scheint nicht viel zu passieren: Einer der üblichen Konflikte mit Verbündeten, dann eine Art biografische Erzählung von Radbods Werdegang. Viel davon muss fiktiv sein, denn die wenigen Quellen über den historischen Radbod stammen aus der Hand der verfeindeten Franken, die das Glossar wenig präzise als "germanisches Volk" vorstellt. In der Zeit der Handlung haben sich die ursprünglichen fränkischen Stämme längst derart mit den keltisch und römisch-italisch geprägten Volksgruppen in ihrem Einzugsgebiet vermischt, dass die kulturelle und sprachliche Zuordnung nicht mehr ganz so einfach ist.

Abgesehen davon gewinnt die Geschichte nach diversen obligatorischen Jugendkonflikten und Rangeleien mit wortgewaltig auftretenden Missionaren spätestens dann an Schwung, wenn Radbod seine gewohnte Welt verlassen und allein zurechtkommen muss. Ab da wandelt sich das Buch für eine Weile zum Abenteuerroman, bis der Titelheld schließlich sein Recht auf das Herzogsamt geltend machen will. Fortan lauern die Gegner überall und Radbod muss sich zudem seiner Vergangenheit stellen. Die Bedrohung durch die Franken macht sich ebenfalls immer wieder bemerkbar, ihre rücksichtslosen Expansionspläne bringen friesische Handelsplätze und Heiligtümer schon bald in Bedrängnis.

Erfreulicherweise setzt Crönert hier weniger auf neuzeitliche Heidenromantik, sondern zeichnet ein differenziertes Bild der friesischen Völker, die sich untereinander auch streiten, töten, verklagen, bei Langeweile sinnlos betrinken oder sich im Schildwall aus lauter Kampfbegeisterung gegenseitig tottrampeln. Gleichzeitig ist jedoch auch Platz für Kultur und Eigenart der Friesen. Die Macht des Herzogs und das Anfechten durch andere Stammesführer dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächliche Verhältnisse abbilden und in einer gelungenen Episode erfindet Radbod aus der Not heraus den Deichbau. Auch die Heereszüge der Friesen und deren Folgen für die Landbevölkerung kommen zur Sprache, anstatt Plündereien und Vergewaltigungen gnädig zu verschweigen. Radbods vereinzelte Zweifel an den eigenen Göttern erdet die Handlung zusätzlich, anstatt die an dem großen Umbruch beteiligten Religionen und Lebensentwürfe gegeneinander auszuspielen.

Fazit: Was die Wikinger können, das können die Friesen schon lange! Die Lücken in der Überlieferung füllt der Autor mit glaubwürdigen Vermutungen, anstatt mit dem üblichen Hauen und Stechen. "Freyas Land" mag am Anfang nicht sofort zugänglich erscheinen, mit der Zeit entfaltet sich jedoch eine facettenreiche Geschichte, die mit ein wenig mehr Schwung durchaus auch das Zeug dazu hätte, in einem Atemzug mit den Kollegen Cornwell und Gablé genannt zu werden. Dazu müssten allerdings noch die zahlreichen orthografischen und typografischen Fehler der ersten Auflage getilgt werden, die die Qualität des Buches unnötig beeinträchtigen.

Seitenzahl: 534
Format: 12,1 x 20 cm, Taschenbuch
Verlag: Gmeiner
Bonusmaterial: Glossar, Nachwort mit Erklärungen zum historischen Hintergrund

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

jesus, martin dreyer, gütersloher verlagshaus, diskusion, glaube

Der vergessene Jesus

Martin Dreyer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 03.10.2016
ISBN 9783579085302
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sobald dieser Name fällt, meint jeder eine Meinung dazu zu haben. Theologen, Historiker und Philosophen haben sämtliche Jesus-Zeugnisse in der Vergangenheit ausführlich beleuchtet, was entsprechend zu unterschiedlichsten Ansichten in der breiten Bevölkerung geführt hat. Nun sucht Martin Dreyer erneut nach dem Wesen des Jesus von Nazareth und findet dabei in vielerlei Hinsicht erstaunliche Antworten.

Eines wird beim Lesen auf jeden Fall klar: Dreyer ist ein Fan. Da ist jemand von diesem Jesus begeistert, der oft so weit weg und unnahbar heilig erscheint, und das ist auch gut so. Denn der hier beschriebene Messias kann mehr, als nur am Kreuz zu hängen. Anhand verschiedenster Beispiele aus der Bibel wird aufgezeigt, dass Jesus das Leben, so beschwerlich, leidenschaftlich, genussvoll und problematisch wie es sein kann, durchaus gekannt hat. Einige Kapitelüberschriften und einleitende Absätze klingen zwar im ersten Moment wie Provokation um der Provokation willen, doch es lohnt sich näher hinzusehen und das Buch nicht gleich in die Ecke zu werfen, wenn am eigenen liebgewonnenen Jesusbild gekratzt wird.

Die gewählten Beispiele erscheinen auf den ersten Blick nicht immer optimal zum Thema zu passen, etwa wenn die lustfreundliche Einstellung von Jesus mit der Salbung durch die Sünderin begründet wird. Doch weitere im Zusammenhang stehende Aussagen zeichnen hier und in den übrigen Kapiteln ein schlüssiges Bild, so dass man dem Gemeinten gut folgen kann, selbst wenn man anderer Meinung sein sollte. Aussagen wie "Jesus war kein Pazifist" dürften allerdings auch bei abgebrühten Gläubigen für scharfes Luftholen sorgen, denn im ersten Moment könnte man meinen dieser Jesus ist ein Freund von Aufrüstung Grenzzäunen mit Stacheldraht. Auch hier gitl: weiterlesen!

Im Gegensatz zum lockeren Stil der einzelnen Kapitel wirken die Bibelzitate aus irgendeiner älteren Luther-Ausgabe antiquiert und schwer zugänglich. Da hätte es dem Buch durchaus gut getan, lieber auf Dreyers "Volxbibel" zurückzugreifen, was aber vermutlich aufgrund von Verlagslizenenzen nicht möglich war. Damit muss man leben, doch der Rest des mit Leidenschaft verfassten Büchleins weist unübersehbar darauf hin, worum es beim christlichen Glauben eigentlich geht, unabhängig von Konfession oder anderen Abgrenzungsmanövern.

Damit ist "Der vergessene Jesus" vielleicht nicht unbedingt ein Handbuch zum perfekten Glauben, aber ein ermutigendes Zeugnis und ein guter Anstoß für die Beschäftigung mit dem, was die Bibel über Jesus sagt. Trotz aller kleineren Abstriche steckt hier jede Menge von dem drin, was den Gottessohn eben ausmacht, auch unbequemes. Gerade die üblichen Vorurteile lassen sich anhand konkreter Beispiele gut entzaubern. Pflichtlektüre für Christen und alle, die den christlichen Glauben gerne besser verstehen würden. Wem Detlev Neuferts Jesus-Interview zu oberflächlich war, der findet hier einen kantigeren und doch gütigen Erlöser, der es nicht jedem rechtmachen muss, der aber trotzdem für alle da sein will.

Seitenzahl: 254
Format: 13,1 x 22,1 cm, gebunden
Verlag: Gütersloher Verlagshaus

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88 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

alaska, flucht, roadtrip, selbstfindung, familie

Bis an die Grenze

Dave Eggers , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2017
ISBN 9783462049466
Genre: Romane

Rezension:

Der Fluch großer Literatur ist es allzu oft, dass der Durchschnittsleser keinen Zugang zu ihr findet und sich die Botschaft scheinbar nur Eingeweihten offenbart. Eine Tatsache die Eggers in "Der Circle" elegant umgangen hat, nur um dann mit dem Nachfolgeroman "Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?" wieder in künstlerisches Experimentieren zurückzufallen - viel Botschaft, wenig Sinn fürs Publikum. "Bis an die Grenze" wartet zumindest am Anfang, ohne sich unnötig anzubiedern, mit allerhand lebensechten Situationen auf, die einen abenteuerlichen Selbstfindungstrip versprechen.

Der englische Originaltitel "Heroes of the Frontier" verdeutlicht, dass Josie sich einmal mehr dem amerikanischen Traum stellen will. Nach der gescheiterten Pseudoidylle mit einem Versagertyp als Ehemann und Patienten, die sich gegen ihre durchaus erfolgreiche Praxis wenden, soll es nun also die letzte Wildnis der Vereinigten Staaten sein, in der sie und ihre Kinder das Leben neu kennenlernen. Wobei schnell klar wird, dass Josie ihre überstürzte Flucht nicht weit geplant hat. Immer wieder sind es die Kinder, die nicht nur mehr Selbstständigkeit erlernen, sondern auch für ihre Mutter da sein müssen, wenn es der nicht gelingt für die Bedürfnisse der beiden zu sorgen. Damit erweisen sich Paul und Ana als die heimlichen Stars der Handlung, die eben jene Entwicklungen durchmachen, die man Josie auch gewünscht hätte.

Für sie kann man durchaus Verständnis entwickeln, Sympathie leider nur wenig. So einzigartig ihr Charakter zweifellos gestaltet wurde, so distanziert erscheint sie oft. Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste stürzt sie sich in Situationen, die sie und ihre kleine Familie teilweise in erhebliche Gefahr bringen, stellt emotionale Zustände in den Vordergrund und das, obwohl nicht alles davon unbedingt nötig gewesen wäre. Vielleicht ist das der größte Twist des Buches, nämlich dass alles eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie es anfangs klingt. Wenn der Autor nicht gerade in komplexen Sätzen vom Seelenleben seiner Hauptprotagonistin erzählt, dann nimmt der Roman allerdings stellenweise ordentlich Fahrt auf und ist genauso sehr Abenteuer wie Drama.
 
Eggers versucht sich hier an einem Befreiungsschlag gegen gesellschaftliche Konventionen und Erwartungshaltungen, den man der Figur rückblickend meistens auch gönnt. Je mehr nach und nach von Josies Schicksal enthüllt wird, desto klarer wird das Bild. Eine sachliche Dekonstruktion diverser Gefühlszustände, weit weniger aufgeregt als es bis zur Hälfte den Anschein hat. Auch wenn das Ende nicht für jeden vollends befriedigend sein mag, ist es doch schön zu sehen, wie Josie, Paul und Ana (wieder) zusammenwachsen und sich ein ums andere Mal gegen die Widrigkeiten der Welt behaupten.

Originaltitel: "Heroes of the Frontier"
Seitenzahl: 496
Format: 13,1 x 20,8 cm
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

wissen, informationen, diagramme, schaubilder, musik

Das BilderBuch -

David McCandless , Heike Gronemeier , Dagmar Mallett , Agentur für Verlage text & bild, Agentur für Verlage
Fester Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Knaus, 09.11.2010
ISBN 9783813504002
Genre: Sachbücher

Rezension:

Über viele Dinge haben sich vermutlich auch Leser mit einem hohen Grad an Allgemeinbildung noch keine Gedanken gemacht, etwa in welchem Land die meisten Fruchtsafttrinker leben oder wie viel Kohlenstoffdioxid ein Facebook-Profil verursacht. Ein launig aus verschiedenen Quellen kompilierter Aufsatz in der Mitte des Buches definiert das Projekt als postmodern - Freude am Unsinn statt Sinnsuche scheint angesagt.

Doch McCandless hat offenbar ein Anliegen. Statistiken über Kohlendioxidverbrauch und die selektive "Beweisführung" von Skeptikern des Klimawandels warnen subtil vor allzu sorglosem Umgang mit der Erde, Hinweise auf positive Entwicklungen im Dienste der Menschlichkeit machen Hoffnung darauf, dass die Welt vielleicht doch nicht nur von Egomanen bevölkert ist. Als Anhänger einer der Weltreligionen oder bestimmter Musikrichtungen sollte man die Statistiken über diese beiden Themen aber mit Vorsicht genießen, denn die Ausdifferenzierung einzelner Untergruppen bleibt in diesen Gebieten sehr grob.

Quellenangaben wie "Wikipedia" oder "Internet" verweisen nicht gerade auf eine Überprüfbarkeit der hier abgebildeten Fakten. In einzelnen Fällen wäre es durchaus wünschenswert, mehr über die zugrundeliegenden Informationen zu erfahren, besonders wenn es sich um umstrittene Thesen handelt. Im Rahmen eines leicht zugänglichen Sachbuchs muss an solchen Stellen leider zu oft gespart werden. Die Grafiken selbst sind mehrheitlich sehr gut gelungen, besonders komplexe Werke wie ein Verzeichnis von Internet-Knotenpunkten veranschaulichen sehr gut Größenordnungen, die man sich anhand von Zahlen nur schwer vorstellen könnte. Ärgerlich sind einige typografische Fehler, etwa wenn Umlaute und Sonderzeichen in der jeweiligen Schriftart nicht wiedergegeben werden konnten. Das sollte bei einem derart hochwertig gemachten Buch nicht passieren.

Sehr nett allerdings: Einige der Grafiken sind absolut alltagstauglich, etwa wenn es um die richtige Kombination verschiedener Zutaten für Gerichte geht, aber auch bei der Visualisierung von Kaffeesorten und Cocktailzutaten. Sogar die Danksagungen und der Arbeitsprozess am Buch wurden in Grafiken umgesetzt - wenn das mal nicht konsequent ist! Wer spielerisch sein Allkgemeinwissen erweitern oder sich einfach von kreativen Visualisierungstechniken überraschen will, der ist hier genau richtig. Im Übrigen hat die Methode längst Schule gemacht. Zahlreiche offizielle und inoffizielle Fortsetzungen befassen sich ebenfalls mit schicken Anleitungen und Statistiken.

Seitenzahl: 256
Format: 13,5 x 25,2 cm, gebunden
Verlag: Knaus

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

dampfhammer, reclam, 100 seiten, vier fäuste für ein halleluja, carlo pedersoli

Bud Spencer. 100 Seiten

Kai Glinka
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp, 17.03.2017
ISBN 9783150204436
Genre: Biografien

Rezension:

Wer sich nicht durch die mittlerweile vierbändige Biografie kämpfen will oder nach einer guten Einführung zum Thema sucht, der wird hier fündig. Glinka zeichnet Spencers Lebenslauf nach, stellt die Entstehung des legendären Duos Spencer-Hill vor und würzt alles mit persönlichen Eindrücken. Das ist auch gut so, denn schließlich dürften die meisten Fans vor allem eigene Kindheits- und Jugenderinnerungen mit den Filmen der beiden Helden verbinden. Dazu gibt es allerhand unterhaltsames Trivialwissen, wie das ultimative Bohnenrezept, "technische Daten" zum Spencerschen Körperbau, einen Exkurs über die kultige und weltweit einmalige deutsche Synchronisation, sowie diverse Prügeltechniken.

Keine kulturkritische Entzauberung eines Phänomens der frühen Popkultur also, sondern in erster Linie eine Liebeserklärung. Eine, der man gerne bis zum Ende folgt. Für die weitere Lektüre enthält das Büchlein einige Literatur- und Surftipps, die langjährigen Fans allerdings längst bekannt sein dürften.

Seitenzahl: 100
Format: 11,4 x 17 cm, Taschenbuch
Verlag: Reclam

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

wikinger, pikten, schottland, kämpfe, prophezeiung

Das Blut der Pikten

Bastian Zach , Matthias Bauer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453419391
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wie schon in ihrem Drehbuch zum Schlachtfest "Northmen - A Viking Saga" inszeniert das Autorenduo Zach und Bauer hier jede Menge gefühltes Mittelalter, ergänzt um manche reizvolle Idee. Erneut steht eine Schar Krieger im Mittelpunkt, die sich im Feindesland beweisen muss. Erkenntnisse über das Leben der historischen Pikten sind rar, ihre Spuren verlieren sich im neunten Jahrhundert. Also kann mit ihnen alles mögliche passiert sein und da ist es keine allzu weit hergeholte Idee, die letzten Überlebenden auswandern zu lassen. Warum es nun ausgerechnet Grönland sein musste und warum die Siedler dort über Generationen hinweg nie auf Wikingerstämme treffen, die dort zur selben Zeit gesiedelt haben müssten, bleibt unklar.

Auf der Coverabbildung und in vielen Namen finden sich zudem allerhand keltische Elemente, als die Kriegerschar jedoch von einem Fischer in einer offenbar rekonstruierten Form von frühem schottischen Gälisch angesprochen werden, versteht niemand ein Wort. Erstaunlicherweise kann aber einer der Pikten Ogham lesen, das zwar untypischerweise nicht in den Rand eines Steines sondern auf eine ebene Oberfläche geritzt wurde, und führt das auf eine mit ins Exil genommene fortlaufende Tradition zurück. Dergleichen Ungereimtheiten kann man im Rahmen eines Abenteuerromans mit historischem Hintergrund gerade noch akzeptieren, der prinzipiell interessante Gedanke der Rückkehr der letzten Pikten hätte besser recherchiert aber noch glaubwürdiger gewirkt.

Nachdem das eigentliche Abenteuer ab Seite einhundertfünfzig endlich beginnt, driftet die Erzählung leider in bekannte Klischees ab. Zuvor reißen die Autoren noch allerhand Interessantes an, beispielsweise eine Religion, die aus Elementen des überlieferten Götterglaubens der Pikten und christlichem Gedankengut besteht, wie es auch am wahrscheinlichsten ist. Kaum befinden sich die Krieger jedoch an Bord des Schiffes deutet sich ein Bruderzwist zwischen den Stiefbrüdern Caitt und Kineth an. Aufgrund ihrer sehr eindeutigen Charakterzeichnung ist abzusehen wie das ganze ausgeht. Gegner und Mitstreiter sterben unter verschiedenen Umständen, die meisten Hauptfiguren bleiben jedoch zugunsten einer im nächsten Jahr folgenden Fortsetzung unangetastet.

Zudem wird manches Ideal etwas überstrapaziert, denn für Päderastie und mörderische Verschwörungen sind natürlich größtenteils christliche Mönche zuständig, während die Pikten, sowie ihre Freunde und Verbündeten, selbst heute als feministisch wahrgenommenen Ideen wie selbstverwalteten Frauendörfern aufgeschlossen gegenüber stehen. Doch auch dieser Aspekt dient eher als Vorwand für genüsslich beschriebene Kopulationsszenen, in denen sich volle Brüste an Körper schmiegen, Frauen Männer unterwerfen und flotte Dreier in gemütlichen Hütten stattfinden. In der Figur des literarisch und historisch verbürgten Egill Skallagrímsson findet sich ebenfalls eine grundsätzlich gute Idee, die sogar eine Lücke in dessen Lebenslauf zu schließen versucht. Leider bleibt es auch hier bei einer groben und austauschbaren Charakterzeichnung, ähnlich wie bei vielen anderen Angehörigen der Kriegerschar.

Für begeisterte Leser von Abenteuerromanen wie Giles Kristians "Götter der Rache" ist "Das Blut der Pikten" durchaus zu empfehlen. Die Schreibe ist schnörkellos, die Handlung tritt selten allzu lange auf der Stelle und über diese Eventualität der piktischen Geschichte wurde noch nicht viel geschrieben. Wer mit Rücksicht auf Zeitgeist und Eigensinn geschriebene Historienromane à la Gablé oder Cornwall vorzieht, wird hier allerdings nicht glücklich.

Seitenzahl: 560
Format: 12,1 x 18,9 cm, Klappenbroschur
Verlag: Heyne

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Deutsche Kriegslokomotiven

Alfred B. Gottwaldt
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 27.10.2016
ISBN 9783613715332
Genre: Sachbücher

Rezension:

Einzelne Bände über die vorgestellten Baureihen hat es wiederholt gegeben, den größeren Zusammenhang macht aber nur dieses Buch angemessen verständlich. Vom Beginn des Kriegslokomotiven-Programms bis hin zur Umsetzung und der tatsächlichen Nutzung der fertigen Loks ist viel geschehen, mit dem auch die damaligen Experten nicht gerechnet hatten. Der Kriegsoptimismus der beteiligten Industrien und Ministerien führt die größenwahnsinnige Propaganda des Nationalsozialismus' vor Augen, man plante schon siebenfach gekuppelte Güterzuglokomotiven und Breitspurbahnen für die im Osten eroberten Gebiete zu bauen. Irgendwo zwischen den großen Plänen und der Realität entstanden schließlich vergleichsweise abgespeckte Versionen bereits vorhandener Einheitsbaureihen, die zumindest optisch weit von der ersehnten Glorie entfernt waren.

Gottwaldts intensive Recherche verdient Respekt, ein so umfangreiches Bild dieser Seite des Zweiten Weltkrieges hat es vor und nach ihm nie wieder gegeben. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit (Fußnoten inklusive!) belegt der Autor die dargelegten Fakten, zahlreiche Grafiken, Originalskizzen und Fotos aus dem Betriebsalltag ergänzen den Text. Als besonders gelungen erweisen sich jene Kapitel, in denen nicht realisierte Entwürfe besprochen werden (wie die von Märklin/Trix als H0-Modell umgesetzte fiktive 53 0001). Manche dieser Großgelenkloks können sich zumindest auf dem Papier mit entsprechenden Baureihen aus den USA und Russland messen. Auch seltene, tatsächlich realisierte Sonderbauarten, wie Loks mit Kondenstendern, Wellrohrkesseln und hölzernem (!) Frostschutz, finden Erwähnung.

Kriegsverlauf und -ende verhinderten bekanntlich weitere Fortschritte, der Verbleib der Baureihen 42, 50ÜK und 52 verweist aber eindrucksvoll auf ihre Langlebigkeit dank vereinfachter Bauteile und unkomplizierter Bedienung. Das zehnte und letzte Kapitel spürt den in ganz Mitteleuropa verstreuten Exemplaren nach, die teils als Reparationsleistung, Kriegsbeute oder verkaufte Restbestände ihren Weg u.a. nach Luxemburg, Belgien, Norwegen, Rumänien, in die Türkei und die Sowjetunion fanden.

Tonnenweise fundierte Informationen über ein vielschichtiges Kapitel der Zeitgeschichte also, die dank des hervorragend ausgewählten und großformatig abgedruckten Bildmaterials auch für Leser interessant sein dürften, die mit endlosen Bleiwüsten nichts anfangen können.

Seitenzahl: 152
Format: 23 x 27,1 cm, gebunden
Verlag: transpress

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krimi, sherlock holmes

Sherlock Holmes und die letzte Fahrt der Lusitania

Wolfgang Schüler
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei KBV, 01.03.2015
ISBN 9783954412259
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine nervenaufreibendes Kapitel der Geschichte, das Autoren wie Jan Guillou und Ken Follett in der jüngeren Vergangenheit anschaulich porträtiert haben. Holmes und Watson diesen weltgeschichtlichen Hintergrund als Anlass für ein neues Abenteuer zu verpassen macht durchaus Sinn, denn Holmes ahnte in der letzten kanonischen Kurzgeschichte "Seine Abschiedsvorstellung" bereits, wie verheerend sich die Jahrhundertkatastrophe Erster Weltkrieg auswirken könnte. Zunächst harmoniert alles recht gut miteinander, der Detektiv und sein Freund haben schon bald alle Hände voll zu tun, ein paar gelungene Deduktionen und Wortgefechte mit dem zunächst recht anmaßenden Kapitän William Turner gibt es als Appetithappen für eingefleischte Fans dazu.

Wenig später geht die Aufklärung der Einbruchsserie jedoch zugunsten eines weitaus mörderischeren Plots unter, der bereits erste Hinweise auf das tatsächliche Schicksal der Lusitania gibt. Einen ersten Anschlag auf das Schiff können Holmes und Watson in letzter Minute verhindern und in diesen Momenten wird es auch angemessen spannend. Wolfgang Schülers Detailwissen über Bombenbau und das Leben auf einem Schiff wirkt gut recherchiert, zuweilen verliert er sich aber auch zu lange in Details und Beschreibungen einzelner Vorgänge. Natürlich ist das auch ein Verweis auf die Geschichten von Arthur Conan Doyle, nur weil ein Roman länger als eine Kurzgeschichte ist muss man es damit aber nicht übertreiben.

Zusätzlich verlässt Schüler den Ort der Handlung mittendrin gleich mehrmals, um weitere historische Hintergründe unter anderem in Form von Gesprächen zwischen David Lloyd George und Winston Churchill einfließen zu lassen. Während der Rest des Romans den Tagebuchstil von Dr. Watson verwendet, wirken diese Kapitel eher, als hätte sich der Autor nicht zwischen einem Sachbuch, einem Historienroman und einer klassischen Holmesiade entscheiden können. Zudem scheint Holmes im Alter ein wenig sentimental zu werden, verteilt er doch wiederholt großzügig Umarmungen an seinen alten Freund Watson, der offenbar nichts dagegen hat, dass dieser die britische höfliche Distanz missachtet, die die beiden in Doyles Geschichten pflegen.

Damit hinterlässt dieser Roman trotz guter handwerklicher Kniffe und einiger zum Kanon passenden Ideen leider einen etwas unrunden Eindruck. Während Holmes-Fans vielleicht ein wenig enttäuscht sein dürften, gibt es wenigstens für an der Epoche interessierte Leser allerhand zu entdecken.

Seitenzahl: 250
Format: 11,8 x 18 cm, Taschenbuch
Verlag: KBV

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berlin, ddr, spionage, juniaufstände, geschichte

Der Tag X

Titus Müller
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blessing, 27.02.2017
ISBN 9783896675040
Genre: Romane

Rezension:

Nach den letzten zeitgeschichtlichen Romanen von Titus Müller scheint die Erwartungshaltung klar: interessant recherchierter historischer Hintergrund plus Liebesgeschichte, dieses Mal in der frühen DDR. Dass "Der Tag X" allerdings auch als spannungsreicher Politthriller funktioniert zeugt einerseits von schriftstellerischer Wandlungsfähigkeit, andererseits verdeutlicht es, wie viel vor und während des Volksaufstandes im Juni 1953 auf dem Spiel stand. Müller bettet seine Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten, glaubhaft in das Geschehen rund um die Aufstände in Berlin und Halle an der Saale ein und zeichnet ein ebenso realistisches wie ernüchterndes Bild einer gescheiterten Utopie.

Eigentlich scheint es naheliegend, dass die Bevölkerung des ausgelaugten Ostdeutschlands mit den Machenschaften der wohlgenährten Parteiführung und deren überambitionierten Zielen auf Dauer nicht einverstanden sein könnte. Gleichzeitig hatte der junge sozialistische Staat, der sich die Sowjetunion zum Vorbild nahm und doch auf Rohstoffimporte aus dem Westen angewiesen war, mit Legitimationsproblemen zu kämpfen und wollte vor allem die Jugend auf seiner Seite wissen. Der Handlungsstrang um Nelly Findeisen veranschaulicht besonders die offene Diffamierung der "Jungen Gemeinde" und anderer christlicher Gruppierungen, die ihren Glauben nicht der Staatsdoktrin unterordneten. Ein Kapitel der Geschichte, das allzu oft in entsprechenden Nischenverlagen untergeht, hier aber als passendes Zeugnis einer von Umbrüchen gezeichneten Epoche fungiert.

Die sichtbaren und unsichtbaren Akteure werden gleichermaßen porträtiert, Szenen wie der beginnende Machtkampf an Stalins Sterbebett oder im noch jungen (west)deutschen Bundestag liefern den nötigen Hintergrund für die Geschehnisse zwischen Moskau, Bonn und Berlin, die erst die Vorraussetzungen für die Volksaufstände schufen. Bevor es so richtig zu den genretypischen Verwicklungen und heimlichen Liebschaften kommen kann, brechen die zunächst friedlichen, dann aber unverhofft gewalttätigen Proteste los. Die Reaktionen aller Seiten stellt Müller nebeneinander, lässt den Leser beobachten, ohne selbst Urteile zu fällen oder nachträglich einzelne Figuren zu Helden zu verklären. Das bleibt der SED-Führung überlassen, die ein eher zufälliges Todesopfer zum Märtyrer ihrer gerechten Sache macht.

Die beklemmende Stimmung wird glücklicherweise nie überstrapaziert, für einen historischen Roman ist das Buch mit seinen 400 Seiten (inkl. Anhang) sogar relativ übersichtlich. Die Vielzahl grundverschiedener Charaktere an den unterschiedlichsten Stellen des Geschehens macht die Lektüre spannend und ermöglicht einen hervorragenden Einblick in eine Zeit, in der es an allem mangelte, außer an reichhaltiger Kost für die Geburtstagsgäste eines Walter Ulbricht, der nebenbei auch noch seine Biografie in einer großzügigen Auflage drucken ließ. Außerdem werden die Hintergründe der Chruschtschowschen "Tauwetter-Periode" deutlich, die unter seinem entmachteten Vorgänger Beria Lawrenti deutlich weniger pragmatisch hätte werden können.

Seitenzahl: 400
Format: 14,8 x 22,1 cm, gebunden
Verlag: Blessing
Bonusmaterial: Anhang mit Glossar und weiteren Infos zu den historischen Hintergründen

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fantasy, klassiker, herr der ringe, der herr der ringe, der hörverlag

Der Herr der Ringe

J. R. R.Tolkien , Margaret Carroux , E.-M. Freymann , Manfred Steffen
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 14.11.2016
ISBN 9783844524765
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Neuausgabe von 2016 suggeriert auf den ersten Blick, dass hier eine gänzlich neue Produktion vorliegt. Ein schickes neues Design, das sich an die aktuellen Buchausgaben von Klett-Cotta anlehnt und sogar eine Handvoll Zeichnungen von Tolkien-Künstler Alan Lee haben den Weg in Booklet und Hülle gefunden. Der Veröffentlichungszeitpunkt liegt günstig zwischen diversen anderen "neuentdeckten" Tolkien-Werken, doch in der Tat hat dieses Hörspiel bereits fünfundzwanzig Jahre auf dem Buckel. Ein wenig hört man das auch, gerade bei der meist wenig gefühlvoll arrangierten, teilweise synthetischen Musik und den doch eher einfach gestrickten Soundeffekten.

Die Charakterisierung der mittelerdischen Völker funktioniert vor allem bei den Hobbits sehr gut, sei es bei Klatsch und Tratsch oder unter Frodos Gefährten auf der Reise durchs Auenland. Von den Elben darf man mehr erwarten, ihre einschläfernden Stimmen und albernen Verhaltensweisen greifen zwar einzelne Aspekte der Vorlage auf, sind dem ältesten Volk von Mittelerde aber keinesfalls angemessen. Die Sprecher wurden insgesamt meist passend ausgewählt, wenn auch ihre Redeweise (mit Ausnahme des Erzählers) in Szenen, die geheimnisvoll oder eindringlich wirken sollen, vereinzelt unnötig schleppend ist.

Damit vergehen die elf Stunden Laufzeit manchmal etwas langsam, was aber auch an dramaturgischen Exkursen liegt. Beispielsweise wird kurz nach Bilbos Verschwinden bei seiner Geburtstagsfeier noch eine recht ausführliche Zusammenfassung seiner Abenteuer in "Der Hobbit" geboten, in der vor allem ein scheinbar sturzbetrunkener Gollum zu seltsamer Tubamusik (!) vor sich hinbrummelt. Dem Roman angemessen sind das durch die Sprecherwahl gut wiedergegebene Alter der meisten Charaktere (Frodo war bereits in seinen Fünfzigern, als er sich nach Mordor aufmachte) und die Würdigung von Episoden wie dem Besuch bei Tom Bombadil. Auch sonst wurde die Mammutaufgabe, den Roman behutsam zusammenzufassen und doch nichts entscheidendes auszulassen, gut umgesetzt.

Kleinere Fehlbesetzungen lassen manche Szenen unfreiwillig komisch erscheinen, was womöglich auch dem Alter der Produktion geschuldet ist. Mit den im Zuge der Verfilmung erschienenen Filmhörspielen kann diese Vertonung hinsichtlich der dramaturgischen Dichte und Emotionalität kaum mithalten. Für alle, die eine ausführliche, wenn auch vereinzelt etwas schrullige Adaption von Tolkiens Meisterwerk zu schätzen wissen und denen Hörbücher zu eintönig sind, dürfte das Hörspiel dennoch einen Blick wert sein.

Sprecher: Ernst Schröder, Manfred Steffen, Klaus Herm, Matthias Haase, edgar Hoppe, Rufus Beck, Hans Peter Hallwachs u.v.m.
CDs: 2 (mp3)
Laufzeit: 11 h 27 min
Verlag: der Hörverlag

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