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Mondstich

Andreas Kolb
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Verlag Tasten & Typen, 14.02.2018
ISBN 9783945605318
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wer irgendwo in Mitteldeutschland lebt, hat den Namen Reinhardsbrunn vielleicht erst kürzlich in den Nachrichten gelesen. Nach Insolvenz der letzten Eigentümer wurde das neugotische Gebäude vom Staat Thüringen zwangsenteignet und soll nun endlich saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Was solche und andere regionalpolitischen Ereignisse mit den Einwohnern eines überschaubaren Städtchens anstellen, fängt Andreas Kolb einmal mehr mit viel Gespür für zwischenmenschliche Abgründe ein. Im letzten Roman war es noch das fiktive Düsteroda, in dem finstere Taten geschahen, jetzt rücken die Geschehnisse auch geografisch näher an die Wirklichkeit heran. Und es wird der örtliche Pfarrer auch schonmal von missgünstigen BürgerInnen ans Landeskirchenamt gemeldet, das ihn dann wegen "ungedeihlichem Verhalten" zurechtherapieren möchte. Ein Seitenhieb auf reale Praktiken? Hoffentlich.

Es sind vor allem diese Momente und die Verflechtung mit den genau beobachteten kleinen und großen Intrigen der Kleinstadt, die "Mondstich" von der Konkurrenz im Sektor Heimatroman abhebt. Dass außerdem noch mutmaßliche Vampire um das Schloss flattern wirkt umso passender wenn man weiß, dass die geschichtsträchtige Anlage auch schon einmal Firmen mit Verbindungen zum russischen Parlament gehört hat oder zu Begegnungen zwischen der englischen Königin Viktoria und ihrem späteren Ehemann Prinz Albert geführt hat.

Zugleich ist es eine Gegend, in der lokale Autoritäten wie Bürgermeister und Pfarrer scheinbar noch etwas gelten, sofern die gnädigen Bürger sie denn für fähig genug halten und nicht per Gerücht die Amtsenthebung vorantreiben. Eine Gegend, in der man Alufolie zum Schutz vor Handystrahlen ins Fenster klebt und auch manch anderer Verschwörungstheorie aufsitzt. Daneben geht Jakob van Lants dramatische Vorgeschichte schon beinahe unter, seine recht plastisch beschriebenen Alptraumvisionen passen dem Genre allerdings bestens.

Bleibt zu hoffen, dass der Roman seine Leser findet. Er ist nämlich weder ein klassischer Mysteryschocker, auch wenn der Showdown diesen Schluss durchaus zulässt, noch irgendein typischer netter Heimatkrimi zur gefälligen Vermarktung an Einheimische und Touristen. Vielleicht hat Kolb hier etwas ganz eigenes geschaffen, für das die Welt jenseits des Thüringer Waldes hoffentlich schon bereit ist.

Seitenzahl: 300
Format: 12,6 x 19 cm, Taschenbuch
Verlag: Tasten und Typen

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Armageddon

Wolfgang Hohlbein
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2017
ISBN 9783492704410
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit der Apokalypse kann man viel machen. Zum Beispiel einen packenden Thriller über unerklärliche Phänomene, die eine Brücke zwischen Endzeitprophetien und ihren Anzeichen im Hier und Jetzt schlagen. Wolfgang Hohlbein hat sich für Fantasy entschieden. Anfangs sieht es noch recht bodenständig aus, denn auf dem Linienflug nach Israel sät der Autor zahlreiche Anknüpfungspunkte, die er später wieder aufgreift.

Doch kaum ist der sprichwörtliche große Knall eingetreten könnten Beka und ihr geheimnisvoller Begleiter Luke (dessen Rolle erst sehr viel später ansatzweise erklärt wird) auch in jeder x-beliebigen fantastischen Parallelwelt gelandet sein. Zwar gibt es hier Engel, biblische Schauplätze und kleinere Verweise auf jüdisch-christliche Endzeitvorstellungen, sonst hat das Geschehen aber kaum etwas mit dem Titel des Buches zu tun. Der Antichrist, Gott, Jesus, nicht einmal die Reiter der Apokalypse haben es hinein geschafft. Diverse mythologische Elemente werden immer mal wieder in Form nicht immer verständlicher Fachbegriffe (wie z.B. "kaballistisch", "Jericho-Posaune") eingeflochten, bei denen man ohne biblische Vorkenntnisse verloren dasteht.

Das postapokalyptische Szenario dient eher als Hintergrund für eine austauschbare Abenteuerhandlung mit Rätselpotenzial, in der der Leser selten mehr weiß als Beka und die sie umgebenden Figuren. Während in den ersten Kapiteln des Buches die mysteriösen Umstände des plötzlichen Weltuntergangs die Handlung noch anständig vorantreiben, stagniert sie wenig später für mehr als hundert Seiten. Währenddessen bemüht sich Beka, mehr über ihre Umgebung herauszufinden und beobachtet Dämonenattacken, löst Konflikte aus und tritt dabei trotzdem permanent auf der Stelle.

Wenn etwas passiert, dann schwenkt die Handlung plötzlich zu Actionszenen und haarscharfen Fluchtversuchen, die nicht immer ganz glaubwürdig ausgehen. Zwischendrin wird ein- bis zweimal die Welt erkundet, man hätte aber gerne noch mehr darüber erfahren, warum sie nun einmal so ist wie sie ist und weshalb ausgerechnet Beka und Luke in ausgerechnet jenem unterirdischen Tempel wieder erwachen. Dass die Fronten zwischen Gut und Böse vielleicht ganz anders als gedacht aufgeteilt sind, wird für aufmerksame Leser schon relativ früh klar, größere Twists gibt es erst fast ganz am Schluss.

Da mittlerweile eine im Februar 2019 erscheinende Fortsetzung angekündigt wurde wirkt das Ende doch nicht ganz so abgehackt wie es im ersten Moment eben rüberkommt. Also ist "Armageddon" offenbar der Prolog eines neuen Romanzyklus', der folgendermaßen weitergeht (kein Spoiler): Beka überlebt alles, verliert alles, wacht plötzlich ganz woanders wieder auf und muss sich einem großen Kampf stellen. Kommt uns das bekannt vor?

Bleibt abzuwarten ob die Handlung ähnlich wie hier ein mit mäßig witzigen Popkultur-Anspielungen unterfüttertes Weltuntergangsabenteuer darstellt, das man auf vierhundert Seiten (oder weniger) genauso gut hätte erzählen können. In den besten Momenten liefert Hohlbein spannende Verfolgungsjagden und eine in Ansätzen interessante Variation des Weltuntergangsgerüsts, neue Ideen fehlen aber. Dafür, dass in den ersten paar Kapitel einige potentiell spannende Fährten gelegt werden, fällt der Rest eher enttäuschend aus.

Seitenzahl: 608
Format: 14,9 x 22,7 cm, gebunden
Verlag: Piper

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Die Wölfe kommen

Jérémy Fel , Anja Nattefort
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423261432
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... ist nicht leicht. Zwar beansprucht mittlerweile jeder Thriller und Provinzkrimi die allerfinstersten Taten für sich, doch mit Jérémy Fel scheint sich in mancher Hinsicht ein würdiger Erbe für King und Co. gefunden zu haben. Die Art der Erzählung wird nicht jedem schmecken, im Gesamtkontext funktioniert sie aber.

Das Einbeziehen unterschiedlichster Figuren und ihrer Geschichten sorgt zunächst vor allem für eine gewisse Abwechslung. Bis sich offenbart, was sie alle verbindet und wo es möglicherweise Anknüpfungspunkte zum ersten Kapitel gibt vergeht mitunter viel Zeit, denn die Zusammenhänge sind auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich. Deshalb kann manches Kapitel unter Umständen unmotiviert wirken, Dranbleiben lohnt sich dennoch.

Ähnlich wie Stephen King in vielen Fällen lässt Fel den Wahnsinn im Hinterland der USA beginnen, wo die Felder und Farmen scheinbar fast genauso endlos wie die Schattenseiten der Menschen sind. Die Konsequenzen der ersten Tat und ihrer Nachfolger schockieren eher durch die durchtriebene Rücksichtslosigkeit der Täter als durch die detailreiche Schilderung übertriebener Grausamkeiten.

Der Haupthandlungsstrang um den Kampf einer Frau namens Mary Beth gegen den Verbrecherboss Walter Kendrick nimmt den meisten Raum ein und hat an seinen besten Stellen das Zeug zum packenden Psychothriller. Für sich allein wäre dieser Teil des Buches ein guter, wenn auch nicht weiter auffälliger Spannungsroman, über den man nicht viele Worte verlieren müsste. Neben der häufig unterbrochenen Behandlung dieses Konflikts sind es vor allem die eingestreuten Episoden, die Fels erzählerische Fähigkeiten beweisen.

Dass der Franzose vom Drehbuchschreiben kommt und von amerikanischer Literatur beeinflusst wurde wird auch ohne den Klappentext deutlich. An wenigen Stellen ist "Die Wölfe kommen" nahe dran zu offensichtlich von den großen Vorbildern zu zehren und die Cliffhanger etwas zur routiniert einzusetzen. Im Schnitt liest sich der für einen routinierten Thriller recht experimentelle Roman dank zahlreicher spannenden Momente trotzdem flüssig und sorgt trotz weniger neuer Erkenntnisse jederzeit für gute Unterhaltung.

 Originaltitel: "Les Loups à leur Porte"

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356 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

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Das Fundament der Ewigkeit

Ken Follett , Dietmar Schmidt , Rainer Schumacher , Markus Weber
Fester Einband: 1.200 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.09.2017
ISBN 9783785726006
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ken Follett muss man an seinem eigenen Anspruch messen. Mit "Die Säulen der Erde" hat der Brite einen epochalen Historienroman mit einem annehmbaren Nachfolger vorgelegt. Der dritte Teil geht einen konsequenten Schritt weiter in Sachen interessanter Kapitel der englischen Geschichte, aus der Follett einmal mehr die spannendsten Perlen herausfischt. Umso mehr schade ist es, dass er ausgerechnet an den Grundlagen scheitert.

Struktur und Hauptkonflikt sind schon nach einigen Seiten klar: Ob Jack und Aliena, Merthin und Caris oder Ned und Margery: Im Mittelpunkt steht stets das verhinderte junge Glück zweier Kingsbridger Bürger, das sich am Ende nach vielen Irrungen und Wirrungen doch noch wohlgefällig auflöst. Da Follett es bereits oft genug getan hat darf für den dritten Teil gespoilert werden, dass es in dieser Hinsicht keine Überraschungen gibt.

Auch die Mehrheit der fiktiven Charaktere, vom Autor durchaus geschickt so platziert, dass sie zu den eigentlichen Akteuren hinter den beschriebenen historischen Ereignissen werden, sind schlichtweg uninteressant oder bekommen nie den Raum, sich zu entfalten. Beispiel: Barney Willard. Was Neds umtriebiger Bruder in der spanischen Armee, als Bürger von Sevilla oder auf hoher See erlebt wird kurz angerissen und dann mitunter für mehrere hundert Seiten wieder fallengelassen.

Trotz der knapp 1200 Seiten hastet Follett von einem Schauplatz zum nächsten, vermutlich um bloß niemanden zu langweilen oder um zu verbergen, dass die vielen aufregenden Ereignisse im elisabethanischen England unbedingt irgendwie mit der Geschichte von Kingsbridge in Verbindung gebracht werden müssen. Apropos: Kingsbridge spielt im Vergleich zu den beiden Vorgängerromanen hier nur eine sehr kleine Rolle. Die Mehrheit der Kapitel spielt in Städten wie London, Paris, Amsterdam, Sevilla, im schottischen Hochland, auf hoher See oder auch in der Neuen Welt.

Eines muss man Follett jedoch lassen: Die Recherche und Auswahl der Themen ist ihm gelungen. Dank seines Namens, der als Wortmarke längst doppelt so groß wie der Buchtitel auf dem Cover erscheint (und entsprechender Verlagsvorschüsse) kann der Autor ein ganzes Team zur Prüfung der historischen Hintergründe beschäftigen. Keine schlechte Idee, denn davon gibt es hier wirklich mehr als genug, denn im sechzehnten Jahrhundert ist die Welt im Umbruch wie nie zuvor.

Eine kleine Auswahl der historischen Eckpunkte: die europäischen Glaubenskriege zwischen Protestanten und Katholiken, Elizabeth Tudors angefochtene Herrschaft, der Konflikt um die Thronfolge mit Maria Stuart, die Bartholomäusnacht, der Angriff der spanischen Armada, Elizabeths Tod und der damit verbundene Machtwechsel, der geplante Anschlag von Guy Fawkes auf das Parlament, die Sklaverei und die Besiedelung Amerikas.

Während man sich in der ersten Hälfte viele Entwicklungen denken kann, werden geduldige Leser im letzten Viertel des Buches mit einem nochmals straff angezogenen Tempo belohnt. In den Handlungssträngen um Ned Willard, seinen Gegenspieler Pierre Aumande und einen gewissen Jean Langlais hat sich schon angedeutet, dass in "Das Fundament der Ewigkeit" auch ein historischer Spionagethriller versteckt ist. Ein Genre, in dem sich Follett seit seinem ersten großen Erfolg "Die Nadel" bestens auskennt.

Wie sich kurz vor der Bartholomäusnacht alle zuvor angeschnittenen Wege kreuzen und endlich alles ein stimmiges Gesamtbild ergibt, ist meisterlich vorbereitet und deutet auf einen großen vorläufigen Höhepunkt hin. Doch schon der Umfang des Buches deutet an, dass es nach einem der blutigsten Gemetzel der spätmittelalterlichen Geschichte noch lange nicht vorbei ist. Tatsächlich ist das Ereignis dann doch nur eins von vielen, bevor Ned Willard nebst neuer Partnerin zurück nach England reist, wo die Geschichte in großen Schritten voranprescht. Da werden zugunsten der Handlung auch mal ohne weiteres ganze Jahrzehnte übersprungen, deren Inhalt man in wenigen Nebnsätzen erfährt.

Kurz vor Schluss kann Follett endlich seine Stärken noch einmal voll ausspielen, während der Rest des Romans zwar handwerklich okay, dafür aber weitgehend frei von Überraschungen oder neuen Erkenntnissen ist. Selbst die in dieser Epoche so fundamentalen Veränderungen durch die Nachwirkungen der Reformation bleiben einfach ein weiterer Grund um Menschen zu töten oder Politik zu betreiben. Was genau es für das Seelenleben seiner Figuren bedeutet, die eine oder andere Seite zu wählen, ist dem Autor offensichtlich egal.

Originaltitel: "A Column of Fire"
Bonusmaterial: Landkarten im Vorsatz, Figurenverzeichnis

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32 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.05.2018
ISBN 9783453201163
Genre: Biografien

Rezension:

Ein Rückblick ist es, wenn auch kein wehmütiger. Gewohnt humorvoll skizziert Otto seinen Werdegang und lässt manche wahre oder halbwahre Anekdote mit einfließen. Was davon wirklich stimmt erfährt man gelegentlich erst ein paar Absätze weiter, es passt aber durchaus zu dem, was man von einem Blödelbarden eben erwarten darf.

Sonderlich ernst nimmt sich Otto nicht. Aber auch sonst kaum jemanden. Von langjährigen Kollegen und seiner Familie erzählt er allerdings mit Respekt und gewährt einen Einblick in seine frühen Jahre und das Familienleben jenseits der Bühne, falls es denn eins gab. Denn hauptsächlich handeln die gut vierhundert Seiten (plus Bildteil) vom komischen Schaffen des Ostfriesen.

Vorbilder und Kollegen von Heinz Ehrhardt über Loriot bis zu den Co-Stars der "7 Zwerge"-Filme nennt und würdigt Otto gleichfalls und erstellt damit eine unverschämt unterhaltsame Biografie des deutschen Humors. Gleichzeitig offenbart sich das fröhliche Gesicht hinter dem fröhlichen Gesicht - sprich: Es gibt keine tragische Vorgeschichte. Dieser Friese ist jenseits des Rampenlichts offenbar genauso gut gelaunt wie vor Publikum.

Vielleicht macht genau das einen Gutteil der Faszination Otto aus. Zwar lässt und ließ Herr Waalkes Drehbücher, Gags und Bühnenprogramme auch von Autoren der GEK-Gruppe mitschreiben, ein wesentlicher Teil seiner Person steckt allerdings durchaus in dem was er tut. Daran haben auch die verschiedenen Bühnenunfälle - vom Stromschlag bis hin zu abgeschossenen Kronleuchtern - nichts geändert. Diese Verschmelzung von Kunstfigur und Authentizität dürfte weitgehend einmalig sein, schon angesichts etlicher Comedy-Eintagsfliegen der letzten beiden Jahrzehnte, von denen heute niemand mehr spricht.

Darüber hinaus gibt es durchaus auch Einblicke hinter die Kulissen seines Schaffens, vor allem was Ottos Ansichten über Komik, das Filmemachen und Gefühle auf und hinter der Bühne angeht. In den Exkursen über die Geschichte des Lachens und filmische und literarische Einflüsse erleben wir einen in Sachen Bildung bestens ausgerüsteten Menschen, der vielseitig interessiert und belesen ist. Amüsant liest sich, dass Otto auch schon Rollen als Tatort-Kommissar angeboten wurden und dass er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch in Opern mitgespielt hat. Wenns ans Persönliche geht, verheimlicht Otto nicht seine beiden gescheiterten Ehen und bekennt freimütig die eigene Mitschuld. Die große Selbstdemütigung bleibt allerdings aus - zum Glück.

Fazit: Otto ist Kult und Kult wird nicht hinterfragt. Wäre in diesem Fall auch sinnlos, denn immerhin wird er nicht müde zu betonen, dass für ihn Nonsens stets genug war und ist und dass es nicht immer tiefgründige Satire oder Kabarett mit dem Zaunspfahl sein muss. Den Kritikern hat das seinen Berichten nach noch nie gefallen, aber noch hat er sie alle überlebt. Es darf also auch mal geblödelt werden!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Heeresfeldbahnen im Zweiten Weltkrieg

Alfred B. Gottwaldt
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 22.02.2018
ISBN 9783613715653
Genre: Sachbücher

Rezension:

Alfred B. Gottwaldt, Autor des Lokomotivbuch-Klassikers "Deutsche Kriegslokomotiven", trägt hier eine Vielzahl von Quellen zusammen und lässt ein rundes Bild der Feldbahneinsätze an allen relevanten Fronten entstehen. Theoretisch ist es nur ein Teil einer umfangreicheren Abhandlung, aber der erste Band über den Ersten Weltkrieg und die Gesamtausgabe beider Werke sind seit Jahrzehnten vergriffen und werden leider nicht mehr nachgedruckt.

Nichtsdestotrotz hat es der Transpress-Reprint dieses Titels auf einen beachtlichen Umfang gebracht und zwar nicht nur wegen der vielen großformatigen Bilder aus dem Betriebsalltag sowie zahlreicher Skizzen und Werksfotos. Auch der für den Stand der Zeit außerordentlich intensiv recherchierte Textteil wartet mit detaillierten Einsatzabellen, technischen Daten, Original-Auszügen aus Wehrmachtsdokumenten und Zeitzeugenberichten auf. Da inzwischen in manchen Bereichen neue Erkenntnisse vorliegen, sind Sätze wie "bis zum heutigen Tag" aber mit Vorsicht zu genießen.

Kriegsverklärung findet dagegen nicht statt. Im Gegenteil, schon die einführenden Kapitel verdeutlichen mit der gebotenen Trockenheit, dass Geschwindigkeit und Ambitionen des geplanten Invasionskriegs Abteilungen wie die Feldeisenbahner und andere Bereiche der Armee dermaßen überforderten, dass nicht einmal ansatzweise an die Erfüllung aller geplanten Ziele zu denken war. Auch den Einsatz von Zwangsarbeitern und schätzungsweise nicht immer ganz freiwillig engagierten "einheimischen Hilfsarbeitern" der eroberten Gebiete verheimlicht das Buch nicht.

Neben Abhandlungen über Streckenbau und Konzeption der Feldbahnen sind vor allem die Kapitel über die eingesetzten Fahrzeuge sehr gelungen. Da finden sich bestens bekannte Lokomotivmodelle wie die Diesellok HF130C und die leichten B-Kuppler (Dampf) von Henschel. Darüber hinaus beeindrucken diverse Prototypen und vor allem die für Feldbahnverhältnisse gewaltigen Fünfkuppler der Hersteller Jung, Henschel und Krauss-Maffei.

Dem Wildwuchs beim Wagenbau ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die bildliche Darstellung beschränkt sich allerdings auf Risszeichnungen der wenigen genormten Wagentypen, Fotografien fehlen völlig. Insbesondere für die größeren Personenwagentypen dürfte entsprechendes Material zu finden sein.

Die Qualität der übrigen Abbildungen ist unterschiedlich. Mehrere auf Bildbandgröße aufgezogene Schwarzweißbilder sind genau richtig, während andere, vor allem im Fronteinsatz unter schwierigen Bedingungen entstandene Fotos mit ihrer Grobkörnigkeit im kleinen Format besser aufgehoben sind. Letztendlich profitieren vor allem die detaillierteren technischen Zeichnung und diverse Streckenkarten von der Größe des Bandes.

Das Layout ist größtenteils gelungen, wenn auch in Sachen Schriftart recht pragmatisch. Alle paar Seiten gibt es kleinere detailtypografische Fehler, die den Gesamteindruck nur unmerklich trüben, doch das doppelt eingefügte Bild auf Seite 181 hätte nicht sein müssen. Im Großen und Ganzen darf sich der Band aber als hochwertiges Eisenbahnbuch bezeichnen, das historisch interessierten Feldbahnfreunden viele wertvolle Einblicke liefert.

Seitenzahl: 256
Format: 24 x 27 cm
Verlag: Transpress

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Sherlock Holmes und der Vampir im Tegeler Forst

Wolfgang Schüler
Flexibler Einband: 290 Seiten
Erschienen bei KBV, 15.03.2017
ISBN 9783954413652
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Holmes und die Vampire - das gibt es nicht erst seit qualitativ höchst unterschiedlichen Mystery-Crossovern, in denen der skeptische Detektiv auf übernatürliche Phänomene stößt. Die Doyle-Kurzgeschichte "Der Vampir von Sussex" behandelte bereits ein entsprechendes Verbrechen, das sich auf natürlich Ursachen zurückführen lässt. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung im Fall dieses Buches. Ein Filmklassiker wird gedreht und dann ist mit Jack the Ripper auch noch der berüchtigste Serienmörder der Geschichte beteiligt.

Wolfgang Schülers Holmes-Pastiches zeichneten sich bisher vor allem durch einen gut recherchierten historischen Hintergrund aus. Ob in diversen deutschen Großstädten zur Kaiserzeit oder an Bord der Lusitania - dieser Teil ist in der Regel kein Problem. Zusätzlich hat er in Anthologien wie "Sherlock Holmes und die Drachenlady" durchaus Kanon-taugliche Kurzgeschichten abgeliefert. Allerdings mangelt es dem vorliegenden Fall ausgerechnet an Spannung und Logik.

Schon am Anfang, als sich Holmes und Watson auf Helgoland befinden, tut sich nur wenig, was für den späteren Fall interessant wäre. Kurz davor führt ein dilettantischer Jack the Ripper noch Inspektor Lestrade höchst erfolgreich an der Nase herum, dieser Handlungsfaden und die Jagd auf den Killer wird aber erst sehr viel später wieder nachvollziehbar aufgegriffen.

In Berlin angekommen ergeht sich Schüler in Nachstellungen tatsächlicher oder vermuteter historischer Szenen am Rande der Dreharbeiten von Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu", bei denen Holmes und Watson eher Beobachter sind. Dass es Jack the Ripper, ähnlich wie einst Professor Moriarty gelingt, Holmes erfolgreich an der Nase herumzuführen, ist ein spannender Gedanke, der hier allerdings nur zu einer unnötigen Dehnung der Geschichte führt.

Wichtige Entwicklungen geschehen eher nebenbei, Holmes legendäre Deduktionen haben gründlich nachgelassen und die schlussendliche Enthüllung des Rippers haben Krimi-erfahrene Leser vermutlich bereits gewittert. Der "Abgesang" auf den letzten Seiten enthält noch einmal viele interessante Informationen zu "Nosferatu", erwecken allerdings den gleichen Eindruck wie die letzten Schüler-Krimis: Sie sind vor allem eine Hommage auf die Zeit in der sie spielen und die darin stattfindenden Ereignisse. Holmes und Watson haben darin eigentlich nichts verloren.

Seitenzahl: 290
Format: 11,8 x 18 cm, Taschenbuch
Verlag: KBV

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288 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 105 Rezensionen

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Leere Herzen

Juli Zeh
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.11.2017
ISBN 9783630875231
Genre: Romane

Rezension:

Juli Zeh denkt aktuelle Entwicklungen nur geringfügig weiter, was die Satire-Anteile schon mal erfreulich auf das wenigste reduziert. Das Verhalten der Menschen nach der demokratischen Wahl einer radikal konservativen Partei ähnelt beobachteten Verhaltensweisen der letzten beiden deutschen Diktaturen: Mitmachen, kämpfen oder unauffällig anpassen. Und ja, einige Errungenschaften jener fiktiven Regierung wirken auf den ersten Blick verführerisch attraktiv, schließlich will jeder irgendwie Krieg und Stabilität, je nach ideologischem Belieben. Aber sie rufen auch andere Kräfte auf den Plan, die mit der Situation auf ihre eigene Art umgehen.

Eigentlich geht es hier aber mehr um Britta und das, was die Welt mit ihr anstellt. Und sie mit ihr. Die belehrende Meta-Ebene anderer Zeitgeistpropheten erspart sich die Autorin zum Glück, sondern entwirft stattdessen ein konkretes Szenario, das für sich spricht. In dieser Gesellschaft haben sogar Selbstmörder noch einen Verwendungszweck und Brittas Firma "Die Brücke" macht sich das zunutze. Hier gibt es weniger wütende Anfragen unzufriedener Systemopfer an einen gefühlten Unrechtsstaat, die Möglichkeit der Existenz eines Unternehmens wie der "Brücke" - und ihrer Mitbewerber - sagt genug.

Damit es nicht langweilig wird, schwingt immer noch ein Eckchen Politthriller mit. Vor allem im letzten Drittel, als Britta sich einer größeren Bedrohung gegenüber sieht, auf die sie reagieren muss, gibt es manche packende Szene, wie sie das Buch bei häufigerem Einsatz auf den ersten Blick noch ein wenig attraktiver, gleichzeitig aber auch banaler gemacht hätte. Denn die Spannung speist sich schon aus der Lage, in der sich das Deutschland dieser nahen Zukunft befindet und dem Widerspruch zwischen scheinbarem Eigensinn und still akzeptierendem Mitläufertum. Vor allem die Nichtstuer sind es, denen Juli Zeh das fortschreitende politische Desaster anlastet, welches Innenministerin Wagenknecht und die Partei BBB (Besorgte-Bürger-Bewegung) verursachen.

Am Ende muss sich jeder Leser selbst fragen, wer die leeren Herzen hat. Es erschüttert, ist unbequem und sehr direkt in seiner Aussage. Es wird nicht jedem gefallen, auch wenn man anhand des Klappentexts schon mit einer harten Dystopie gerechnet hat. Weitere Genrezutaten, wie es Teresa Hanning kürzlich in "Die Optimierer" versucht hat, hat Zeh nicht nötig, denn die klare und doch literarisch hochwertige Sprache vermittelt, was gesagt werden muss. Ein guter Roman, der manchen allzu auffälligen Seitenhieb nicht nötig gehabt hätte.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Zeitmaschine / The Time Machine (Zweisprachige Ausgabe, Englisch-Deutsch)

H. G. Wells , Jan Strümpel
Flexibler Einband
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.01.2017
ISBN 9783730604816
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wenn eines aus der "Zeitmaschine" spricht, dann die Technikbesessenheit und das Fortschrittsstreben des Jahrhunderts ihrer Entstehung. Der Mensch hatte Land, Wasser und Luft erobert und Maschinen konstruiert, die manchen zu dem Schluss brachten, dass bei derartigen Weiterentwicklungen irgendwann auch der Krieg überflüssig würde. Mittlerweile weiß man es besser und besonders gegen Ende jenes Jahrhunderts wurde aufmerksamen Beobachtern immer mehr klar, dass grenzenloser Fortschritt auch grenzenloses Scheitern bedeuten kann.

Wells' namenloser Zeitreisender ist anfangs noch ganz Gentleman und fortschrittsgläubig bis zur Selbstaufgabe. Besonders von der Reise in die Zukunft verspricht er sich Einblicke in das, was die Menschheit einst noch erreichen wird, während er sich seiner Überlegenheit gegenüber den einfachen Eloi sicher scheint. Was er bei ihnen vorfindet, nämlich eine Welt in der sich die Nachfahren der Menschen im wahrsten Sinne des Wortes selbst verbrauchen, steht in ebenso krassem Widerspruch zu seinen eigenen Überzeugungen wie die Erkenntnis, dass er dagegen nichts tun kann.

Trotz seiner Kürze ein großer Roman, der in Würde gealtert ist. Selten war der Menschheit so kurz davor wie heute, sich haltlos in ihren wissenschaftlichen und ideologischen Schöpfungen zu verstricken. Dazu musste Wells kein Hellseher sein. Wer meint, erst das 20. Jahrhundert habe die fortschrittlichsten Grausamkeiten der Geschichte hervorgebracht, findet bei genauerem Nachforschen schon zu Lebzeiten des Autors eine Fülle an Ereignissen, die auf zukünftige Entwicklungen hindeuten und von denen die Elite (hier: Verleger, Mediziner, Politiker und andere Wissenschaftler) solange nichts wissen will, bis ein Beweis nach ihrem Geschmack vorliegt.

Die zweisprachige Ausgabe erlaubt einen direkten Vergleich mit dem Original. Wie schon beim bereits besprochenen "Hund der Baskervilles" entspricht der jeweils nebenstehende englische Absatz genau dem Inhalt der Übersetzung. Da die englische Sprache jedoch mit wenigeren Wörtern auskommt, gibt es an vielen Stellen Weißräume, wo sie erzählerisch und typografisch nicht unbedingt notwendig gewesen wären. Damit eignet sich vor allem die deutsche Fassung besser zum flüssigen Durchschmökern, die englische eher zum Vergleichen.

Denn spannend ist Well's Geschichte allemal. Durch Auslassungen und die Erinnerungslücken des meist in der Ich-Form berichtenden Zeitreisenden (und seines Gastes) bleiben kurzfristig genug Fragen offen, um mit Neugier weiterzulesen. Deshalb und auch aufgrund seiner Thematik dürfte dieser Klassiker so schnell nicht an Wert verlieren.

Originaltitel: "The Time Machine"

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Die große Sherlock-Holmes-Edition

Arthur Conan Doyle , Gisbert Haefs , Nikolaus Stingl , Oliver Kalkofe
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 22.05.2017
ISBN 9783844525632
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... mit dieser Erwartungshaltung zumindest tritt man dank entsprechend bedrucktem Digipack an dieses Hörbuch heran. Aber aufgepasst: Die beiden mp3-CDs enthalten mitnichten das Gesamtwerk Conan Doyles über den berühmten Detektiv, sondern "nur" die beiden eingesprochenen Kurzgeschichtenbände "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" und "Die Memoiren des Sherlock Holmes". Wer damit klarkommt, kriegt aber einiges geboten.

Oliver Kalkofe liest seinen Holmes mit Verve und Gefühl. Selbst den gelegentlich etwas komplexen Satzbau des Autors, der in der hier verwendeten Übersetzung von Gisbert Haefs und Nikolaus Stingl erhalten blieb, meistert er ohne Probleme und weckt mühelos das Interesse des Hörers. Die Charaktere bleiben klar unterscheidbar, die Spannung steigt stetig trotz mancher antiklimaktischer Momente, die der Vorlage anzurechnen sind. Soweit klar: Hier wird nicht nur routiniert vom Blatt gelesen, sondern interpretiert und mitgefühlt. Großes Kino!

Als eine Art Making Of für alle Fans des Originals sind zwei O-Töne von Holmes-Autor Conan Doyle enthalten. Trotz des Alters sind diese Aufnahmen gut verständlich und wer im englischen Sprachgebrauch routiniert ist, sollte sie ohne Probleme verstehen können. Allerdings befasst sich nur der Beginn kurz mit den Ursprüngen von Sherlock Holmes, danach widmet sich Doyle dem Spiritismus. Ein Gebiet, das ausgerechnet sein legendärer Detektiv für Scharlatanerie erklärt hätte. Dennoch ist Doyles Streben nach übersinnlicher Erkenntnis ein nicht uninteressantes Merkmal seiner Zeit, die mit ihrem rasanten technischen Fortschritt und der Rückbesinnung auf das, was nicht erklärbar ist, der heutigen frappierend ähnelt.

Das umfangreiche Booklet ist schon fast ein Buch für sich. Conan Doyle selbst erklärt - dieses Mal ausführlicher - wie es zur Erfindung des Detektivs kam. Eine kurzweilige Parodie von Doyles Freund J.M. Barrie rundet den Kanon ab, zu der sich der Autor ebenfalls äußert. Im Interview mit Oliver Kalkofe erfahren wir mehr über die detektivische Vergangenheit des Sprechers und Verbindungen zu Hercule Poirot. Ähnlich wie einige Ausgaben der Geschichten und Romane enthält das Heft außerdem noch zahlreiche Anmerkungen und Erklärungen zu den in den Geschichten verwendeten Spezialbegriffen, Querverweisen und Abkürzungen.

Fazit: Es darf gerne noch mehr sein! Vielleicht liest Meister Kalkofe eines Tages auch die Holmes-Romane und die restlichen Kurzgeschichtenbände an, sodass man als begeisterter Fan irgendwann auch "Die ganz große vollständige Sherlock-Holmes-Edition" zu hören bekommt.

Sprecher: Oliver Kalkofe, Arhtur Conan Doyle
CDs: 2
Verlag: der Hörverlag

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Der Sohn der Welfin

Petra Gabriel
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.07.2017
ISBN 9783839221150
Genre: Historische Romane

Rezension:

In einer Hinsicht gräbt Petra Gabriels Roman der Konkurrenz auch größerer Verlage schnell das Wasser ab: "Der Sohn der Welfin" ist ungemein informativ. Die politischen Zusammenhänge, und was sonst noch so im Umfeld der Welfen und Staufer geschieht, lässt die Autorin gut recherchiert in den Text einfließen, so dass man stellenweise meint, versehentlich in ein unterhaltsam geschriebenes Sachbuch hineingelesen zu haben.

Denn die Handlung als solche kommt ein wenig zu kurz. In Rückblicken erzählt mal Friedrich, mal ein auktorialer Erzähler und mal andere, oft fiktive Zeitzeugen vom Leben des späteren Kaisers. Das ist ein geschickter erzählerischer Kniff, der an mehreren Stellen effektiv langweiligen Momenten vorbeugt. Doch so richtig vorwärts geht es trotzdem irgendwie nicht. Die episodischen Szenen könnte man noch ertragen, würde nicht jeder Moment, in dem das Geschehen ein wenig Fahrt aufnimmt, von ausführlichen Erläuterungen zu den Geschehnissen unterbrochen oder gleich ganz abgebrochen werden.

Was vereinzelt nach Cliffhanger aussieht, entpuppt sich allzu oft als offenes Ende. Autoren wie Peter Tremayne, Bernard Cornwell und im deutschsprachigen Raum vor allem Rebecca Gablé haben vorgemacht, wie aus einer komplexen historischen Situation trotzdem ein spannender und gleichzeitig gut informierter Roman werden kann. Dieser Ansatz ist hier ebenfalls erkennbar, doch kann sich keine dieser Absichten wirklich entfalten.

Dazu kommen fragwürdige Entscheidungen, wie einige Figuren in einem frühen Kapitel im Dialekt sprechen zu lassen. Auch die Iny-Lorenz-würdige Schmonzette mit Sex und Sinnlichkeit im Auftakt hätte nicht sein müssen. Einige historische Patzer trüben das Bild zusätzlich, etwa Bernhard von Clairvaux' Zitation von Bibelstellen, die es zu dieser Zeit so noch lange nicht gab.

Alles in allem liegt hier ein potentiell guter, wenn auch in der Umsetzung teilweise gescheiterter Historienroman vor, der in Sachen aufregendes szenisches Erzählen seinen Mitbewerbern nichts entgegenzusetzen hat. Für einen Überblick über die Epoche und Friedrichs Weg zur Macht eignet sich das Buch dennoch, interessierten Mittelalterfans sei insbesondere der einmal mehr sehr informative Anhang mit Stammbaum und Zeittafel empfohlen.

Bonusmaterial: Anhang mit Stammbaum und Zeittafel

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Mit Volldampf durchs Erzgebirge

Ingo Thiele
Fester Einband
Erschienen bei Sutton, 10.10.2017
ISBN 9783954008414
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine reizvolle Ergänzung zur einschlägigen Literatur über Sachsens Schmalspurbahnen, von denen im Gegensatz zu dampfbetriebenen Regelspurstrecken wesentlich mehr erhalten wurde.

Ingo Thieles Werk funktioniert gleichzeitig als Bildband und Streckenverzeichnis. Jede Strecke wird zunächst durch einen maximal eine Seite langen Text vorgestellt, danach dominieren die Bilder. Trotz mancher monochrom wirkenden Winteraufnahme enthält das gesamte Buch nur ein einziges richtiges Schwarzweiß-Foto, der Rest ist durchweg farbig.

Somit öffnet sich dem Leser im wahrsten Sinne ein bunter Blick in den Dampfalltag des Erzgebirges zu Zeiten der Ost-Reichsbahn. Die Aufnahmen der Regelspurstrecken reichen bis in die 1980er Jahre hinein, als die Dampfloks im Zuge von Ölkrise und gescheiterten Fünfjahresplänen nochmals zeigen durften, was in ihnen steckt.

Naturgemäß reicht die Chronik der enthaltenen Schmalspurstrecken, sofern nicht bereits stillgelegt, etwas weiter, genauer bis in die frühen 2000er hinein. Schön, dass neben aktuellen Entwicklungen auf seltene Kapitel wie den in den frühen Neunzigern immer noch stattfindenden Güterverkehr zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal, sowie auf den bis 1985 betriebenen Rest des Thumer Schmalspurnetzes in Schönfeld-Wiesa hingewiesen wird.

Seltenheitscharakter haben natürlich auch die historischen Aufnahmen des Dampfbetriebes auf den größtenteils vorgestellten Strecken. Nicht nur Fahrzeuge und Gebäude sind heute oft längst verschwunden, auch planerisch spannend angelegte Strecken wie die Dorfdurchfahrt zwischen Schlettau und Crottendorf gibt es in einigen Fällen nicht mehr.

Neben den hochinteressanten verkehrshistorischen und heimatgeschichtlichen Aspekten dient das Buch ebenso als Dokument der Zeitgeschichte. Wie ein Staat der sozialistischen Moderne auf ein laut Parteidoktrin längst hinfällig gewordenes Arbeitstier wie die Dampflokomotive zurückgreift und die Eisenbahner das im Alltag mit viel Improvisationsgeschick und Einsatzbereitschaft umzusetzen verstehen, dürfte in der deutschen Geschichte einmalig sein.

Ergänzt wird der Band durch zwei im Vor- und Nachsatz eingebundene Netzkarten aus den Jahren 1962 und 1982. Daran lässt sich ablesen, dass Stilllegungen keine Erfindung der DB AG sind: Schon zu Reichsbahnzeiten wurde in Sachsen und besonders im Erzgebirge so manche als unwirtschaftlich angesehen Strecke für immer aus dem Fahrplan entfernt.

Seitenzahl: 128
Format: 17 x 24,1 cm, gebunden
Verlag: Sutton

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Schwerelos

Katie Khan , Bernhard Kempen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.12.2017
ISBN 9783453318434
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Eine Liebesgeschichte für Erwachsene, die kein Kitsch ist und außerdem weder "Fifty Shades of Grey" kopiert noch irgendeinem dystopischen Jugendbuch ähnelt - warum nicht? Noch dazu steigt Katie Khan so unmittelbar in die Handlung ein, dass man erstmal gerne mitfiebert. Die Ausgangssituation ist einem Film namens "Gravity" nicht unähnlich, denn um im Weltall zu überleben müssen sich Max und Carys einiges einfallen lassen.

Was die beiden zusammengebracht hat erfahren wir allerdings erst nach und nach. Im Wechsel mit den Weltraumszenen erzählt Khan von einer Beziehung, die nicht sein darf. Zumindest noch nicht. Denn im "Europia" der Zukunft soll man vor Langzeitbeziehung und Familiengründung erst die sogenannte "Rotation" vollenden und in allen "Woiwodschaften" des vereinigten Kontinents gelebt haben. Eine interessante Idee, die als Lehre aus dem Hass auf das kulturell Andersartige auch aus einer Zukunft kurz nach der heutigen Zeit stammen könnte.

Auch darüber hinaus birgt das Worldbuilding interessante Ideen: So ist Europia als Verbund hauptsächlich asiatischer und europäischer Nationen im Gegensatz zu den USA einigermaßen stabil und hat offenbar einen großen Krieg überstanden. Die Bürger tragen die Ideologie weitestgehend mit, die verführerisch nah an der Grenze zwischen Zwang und freiwilliger Kooperation angesiedelt ist. Schließlich will der Staat ja nur das beste und welcher Einzelne könnte das schon anfechten?

Max und Carys tun es und stoßen damit in ihrem Umfeld auf einigen Widerstand. Während Max' Eltern als Miterbauer des Systems ihren Sohn verloren glauben bemüht sich Carys' Mutter um vernünftige Argumente. Beides vergebens. Warum sich ausgerechnet diese beiden ineinander verlieben und nicht irgendwer anders bleibt allerdings schleierhaft. Katie Khans Zukunftsvision ist reizvoll und interessant, der Überlebenskampf spannend, die Erzählweise abwechslungsreich und doch bleibt die Einzigartigkeit der Figuren auf der Strecke.

Da ist es ganz angenehm, wenn das Buch dann zum Ende kommt. Nicht weil es so furchtbar wäre, sondern weil es das Ende in diesem Roman streng genommen gar nicht gibt. Mehr soll nicht gespoilert werden, aber die Autorin zaubert zwei bis drei überraschende und erzählerisch spannende Tricks aus dem Ärmel, mit denen man nicht mehr gerechnet hätte. Damit ist "Schwerelos" vor allem im letzten Drittel auch endlich literarisch anspruchsvoll und nicht bloß die vermutete Lovestory im Weltraum. Gut so!

Originaltitel: "Hold Back the Stars"

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Die Geschichte von Kullervo

J.R.R. Tolkien , Verlyn Flieger , Joachim Kalka
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.02.2018
ISBN 9783608960907
Genre: Fantasy

Rezension:

Wer die Veröffentlichungen der letzten Jahre, wie "Sigurd und Gudrún" und "König Arthurs Untergang", verfolgt hat, weiß bereits, dass es neben Mittelerde noch viel unentdecktes im Schaffen des großen Autors gibt. Die amerikanische Philologin Verlyn Flieger nimmt sich hier das finnische Nationalepos Kalevala vor, aus dem Tolkien schon im zarten Alter von zwanzig Jahren die Geschichte eines bestimmten Helden nacherzählte.

Kullervo soll der Prototyp sein, aus dem mittelerdische Helden wie Túrin Turambar geschnitzt sind. Die Tragik von Kullervos Schicksal spricht ebenso dafür wie die Düsternis seiner Geschichte, sowie die immer wieder auftretenden zauberischen Elemente seiner Umgebung. Nicht nur der böse Onkel ist ein Zauberer, auch die Umgebung, vom Fluss bis hin zu den Tieren ist beseelt und durchaus eigensinnig. Diese Episode des Kallevala ist eine Geschichte, wie sie nur eine Überlieferung eines mythologisch weitgehend eigenständigen Kulturkreises hervorbringen kann, der vom Einfluss herumtobender germanischer Sagafiguren verschont blieb.

Tolkiens Nacherzählung beansprucht gerade einmal siebzig Seiten des Buches, der Rest ist streng genommen Bonusmaterial. Siebzig Seiten machen noch kein Buch, also findet sich neben der kundigen deutschen Übersetzung von Joachim Kalka noch die englische Originalfassung, passend auf der gegenüberliegenden Seite zum Vergleichen. Verlyn Fliegers Einleitung hilft dabei, Kullervos Geschichte im Schaffen Tolkiens und im Kontext des übrigen Kallevala einzuordnen.

Da allerdings niemand anderes als Tolkien selbst seine Faszination für diesen Text besser erklären könnte, finden wir noch die Abschrift eines Vortrages, den er erstmals 1914 in Oxford hielt. Genauer gesagt zwei, denn neben dem ursprünglichen Manuskript ist gleich danach noch das Typoskript enthalten, das der Ursprungsfassung so stark ähnelt, dass man hier eine unnötige Streckung um dreißig weitere Seiten vermuten könnte. Die ausführlichen Anmerkungen zum Manuskript dürften außerdem nur Leser interessieren, die sich Tolkiens Werk mit den Mitteln der Literaturkritik nähern.

Wer sich für Mythologie jenseits der sattsam bekannten germanischen, griechischen und römischen Legenden interessiert, der findet hier zumindest in der tatsächlichen Nacherzählung von Kullervos Schicksal einen interessanten Einstieg in die Welt des Kalevala. Verlyn Fliegers Aufsätze ergänzen das von Tolkien skizzierte Bild auf sinnvolle Weise, die Anmerkungen zur Geschichte liefern zusätzliche Informationen, denn selbst die nacherzählte Geschichte ist nicht ganz vollständig überliefert.

Kritiker werden in dem Band vermutlich eher ein Mittel zur Vermarktung von Tolkiens gutem Namen sehen. Ein nicht ganz unzutreffendes Argument, denn von ihm sind nach Abzug aller übrigen Aufsätze und Anmerkungen höchstens zwei Drittel des Inhalts. Allerdings kann genau dieser Name einer interessierten Leserschicht diese so fremdartige Welt näherbringen und mehr Interesse für Tolkiens umfangreiches Werk jenseits von Mittelerde wecken.

Originaltitel: "The Story of Kullervo"
Bonusmaterial: Anmerkungen zu Geschichte und Aufsätzen, Illustrationen und Abbildungen aus dem Original-Manuskript

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129 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

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Verfolgung

David Lagercrantz , Ursel Allenstein
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 07.09.2017
ISBN 9783453270992
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

David Lagercrantz läuft in diesem Roman nicht nur zur bisherigen Höchstform auf, sondern löst auch manches unbeholfen wirkende Element aus dem Vorgänger elegant auf (Stichwort: Zwillingsschwester(n)). Ob das ausführlich geplant war oder die eingefleischten Larsson-Fans beruhigen soll ist eigentlich egal. In jedem Fall macht es dieses Buch spürbar besser als das letzte und Lust auf mehr.

Lisbeths Aufenthalt im Gefängnis sorgt für allerhand spannende Konflikte, während sich Mikael Blomkvist wieder im gewohnten Umfeld seiner Enthüllungsstorys bewegt. Die zentralen Probleme beider Helden verweisen vor allem auf zwei Themen: Einmal mehr nehmen sich Angehörige der gesellschaftlichen Elite Freiheiten heraus, die unter dem Deckmantel moderner Wissenschaft auch Missbrauch und Zwang beinhalten. Zum anderen wird die offene schwedische Gesellschaft mit den Abgründen anderer Kulturkreise konfrontiert, die auch in einem sich für aufgeklärt haltenden skandinavischen Land noch Anhänger finden.

Gerade die deterministische, oft links der politischen Mitte verortete Sozialisierungsforschung, laut der der Mensch mit den richtigen äußeren Einflüssen alles mögliche sein kann, steht hier auf dem Prüfstand. Das und die Hinterfragung extremistischer Tendenzen und deren mögliche Begünstigung in offenen Gesellschaften rüttelt an den Grundfesten des schwedischen Selbstverständnisses. Vielleicht war es nicht das schlechteste, mit David Lagercrantz einen gelernten Journalisten für die Fortsetzung der Reihe zu verpflichten, der nicht nur glaubwürdig recherchiert, sondern auch das gewisse investigative Gespür mitbringt, das sowohl den Vater der Reihe, als auch seine populäre Schöpfung Mikael Blomkvist auszeichnet(e).

Netterweise verkompliziert Lagercrantz seine Thesen nicht zu einem verkopften Feuilleton-Liebling, sondern vergisst auch die Spannung nicht zu oft. Im ersten Drittel muss man sich noch zwischen allerhand Personen und Situation zurechtfinden, danach kommt die angekündigte finstere Verschwörung immer mehr zum Zug. Spätestens in der zweiten Hälfte ist "Verfolgung" wieder der packende Thriller, den man sich von der Marke Stieg Larsson zu Recht erhoffen darf.

Zugegeben - einige der pragmatischen Aufräumaktionen der Verschwörer und die Verstrickungen in Richtung Unterwelt erinnern stark an die ursprüngliche Trilogie, während die wirklich neuen Ideen eher in der Grundidee der zentralen Verbrechen stehen. Für einen Unterhaltungsroman mit einem nicht allzu stark übertriebenen Szenario ist "Verfolgung" trotzdem gut gelungen und könnte selbst Kritiker des Vorgängers überzeugen.

Originaltitel: "Mannen som sökte sin skugga" ("Der Mann, der seinen Schatten suchte")

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Die Letzten

Madeleine Prahs
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423281348
Genre: Romane

Rezension:

Eine spannende Mischung, diese Bewohner. Dazu der in Großstädten ewig aktuelle K(r)ampf um hübsch sanierten Wohnraum, für den die Alteingesessenen eben weichen müssen. Da werden sogar Generationenkonflikte und traditionelle Nachbarschaftsstreitigkeiten beiseite gelegt, um gemeinsam gegen den Verlust der langsam verfallenden Heimat vorzugehen. Das Material für die per Klappentext angekündigte "Tragikomödie" ist also durchaus vorhanden.

So ganz klappt es dann aber doch nicht, gerade mit den unterhaltsamen Momenten. Situationskomik und aufregende Konfrontationen zwischen Milieus und Altersgruppen gibt es eigentlich viele. Doch wann immer es so richtig loszugehen scheint, wechselt Madelein Prahs in kurzen Zwischenkapiteln auf eine Art Meta-Ebene, in der das Haus selbst über die Ereignisse in seinem Innersten erzählt.

Auch keine schlechte Idee, würde dabei nicht häufig das paraphrasiert, was wir eh schon wissen. Dazu kippt der Stil in poetisch anspruchsvoll(er)e Schachtelsästze, die gerne große Literatur sein möchten. Das könnte man erzählerisch trotzdem eleganter lösen und stattdessen den Leser mehr an der Lebenswelt der Protagonisten teilhaben lassen.

Deren Charakterzeichnung ist allerdings größtenteils gelungen. Mit der verwitweten Frau Buttkies gibt es genau den Typus ältliche Nachbarin, den viele Bewohner genauso ältlicher Mietshäuser kennen dürften und auch Hausmeister Kramer, in der Spätphase seiner Midlife-Crisis selbst vom Wandel in seinem Umfeld überrumpelt, ruft Erinnerungen wach.

Teilzeitstudentin Jersey ist dagegen fast schon ein wenig zu grell als Klischee-Studentin in Szene gesetzt, die außer mehreren Litern Weißwein nur wenig im Kopf hat. Wie sie zu dem geworden ist, was wir von ihr mitbekommen, wird in ihrem Fall weniger deutlich als bei ihren Nachbarn. Immerhin ergänzt sie die Truppe mit ein paar frechen Facetten, die das Widerstandsnest in der Hebelstraße 13 gut ergänzen.

Aus dem beobachtenden Realismus der ersten Hälfte wird gegen Ende immer mehr eine unklar ausgerichtete Reflexion über das Schwinden von Charaktertypen aus Charakterhäusern. Der schwarze Humor ist dabei gar nicht so unangebracht, zwischen all den stilverliebten Satzkunstwerken kommt er leider zu wenig zur Geltung. Immerhin nimmt sich das Ganze nicht allzu ernst, sondern verweist unter anderem ganz unverblümt auf die verschwurbelte Sinnfreiheit preisverdächtiger Lyrik (vgl. S. 79).

Ein wenig mehr Konsequenz in der Umsetzung hätte einen großartigen Roman hervorgebracht, den außer Literaturkritikern auch die Menschen lesen, die von den darin beschriebenen Gentrifizierungsmaßnahmen betroffen sind.

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67 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

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Vaterland

Robert Harris , Hanswilhelm Haefs
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.03.2017
ISBN 9783453421714
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fangen wir hinten an: Das Nachwort zur aktuellen Auflage des 1992 erstmals erschienenen Romans verrät ein wenig darüber, was es einmal für ein Skandal war, Nazis in einem fiktiven Szenario den Krieg gewinnen zu lassen. Dabei befand sich Robert Harris' Romandebüt zum Zeitpunkt seines Erscheinens längst in guter Gesellschaft: Autoren wie Len Deighton oder SciFi-Urgestein Philip K. Dick hatten längst ausgelotet, was im Falle eines Sieges der Wehrmacht und der übrigen Achsenmächte alles hätte passieren können.

Die Aufregung war dann wohl eher ein Reflex. Denn Harris geht mit der alternativen Vergangenheit nicht gerade leichtsinnig um. Das vereinigte Großdeutschland dieser Parallelwelt hat zwar hinsichtlich Flächenausdehnung und architektonischem Wahnsinn so manches erreicht, die Gerüchte darüber, worauf das Imperium tatsächlich aufgebaut wurde, lassen sich jedoch nicht endgültig zum Verstummen bringen. Eine Tatsache, die den heimlichen Systemzweifler March in Bedrängnis bringt und die den Leser spätestens bei der nüchtern-bürokratischen (authentischen) Aufzählung der "Verwertung" von Häftlingsüberresten mit aller Härte an das unfassbare Grauen der Konzentrationslager erinnert.

Dieses Nazireich ist trotz Kriegsgewinn noch längst nicht so abgesichert, dass man den Massenmord einfach bagatellisieren oder gar offenlegen könnte, denn man benötigt dringend die politische Hilfe der Amerikaner (!), genauer gesagt Präsident Joseph Kennedy. Hier wird es auch für den englischsprachigen Leser brisant, denn Kennedy, in der Realität "nur" Senator und Vater von John F. Kennedy, machte zu Lebzeiten tatsächlich keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber Juden und Afroamerikanern. Ihn als dem Holocaust prinzipiell aufgeschlossen gegenüber stehenden Wendehals-Politiker zu porträtieren könnte Teilen des Publikums gleichzeitig ein Stirnrunzeln und inneres Nicken entlocken.

Die Faszination des Hauptkonflikts liegt weniger in den Mordermittlungen, sondern vielmehr in der von Paranoia und allgegenwärtigem Misstrauen geprägten Atmosphäre, wo jeder Freund zugleich auch ein Verräter sein könnte. Zudem haben Gestapo und SS ihre Methoden seit dem Krieg nur wenig weiterentwickelt, man setzt noch immer auf Folter, Entführung, offenen Mord oder heimliches Verschwindenlassen aller Personen, die auch nur ansatzweise gefährlich werden könnten. Das sorgt dann auch für den nervenaufreibenden Showdown, in dem sich das System Nationalsozialismus auf eine Art und Weise offenbart, die man nicht missverstehen kann.

Zugleich gelingt es Harris, der später erfolgreich Romane über echte Geschichte wie "Enigma" oder "Pompeji" veröffentlicht hat, der Verherrlichung eines Realität gewordenen Dritten Reichs zu entgehen. Denn neben der schon erwähnten Selbstoffenbarung finden sich auch in dieser Version der sechziger Jahre erste Anzeichen von Studentenprotesten und gewissen Beatgruppen mit langen Haaren ...

Originaltitel: "Fatherland"
Bonusmaterial: Anmerkungen, Nachwort, Leseprobe aus "München"

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128 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

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Die Optimierer

Theresa Hannig
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783404208876
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Vieles es gut an diesem Romandebüt: Da wäre zum Einen der wiedererkennbare Schauplatz München. Keine namenlose Megalopolis der Zukunft sondern eine Stadt, mit der der Leser tatsächlich etwas anfangen kann. Das Finale spielt dann auch an einem ikonischen Ort der Stadt, der durch die Auflösung gleich eine ganz neue symbolische Bedeutung bekommt. Nicht schlecht.

Die Hauptfigur - ein Bürokrat wie er im Buche steht, der sich zudem mit Leib und Seele der politischen Ideologie dieser Zukunftsvision verschrieben hat. Die Hinweise in Richtung freiwilliger Diktatur sind erfreulich subtil, man grüßt sich etwa mit der Formel "Jeder an seinem Platz" und die sogenannte "Lebensberatung" ist als Kreuzung zwischen Jobcenter und Scientology gleichzeitig für das persönliche und gesellschaftliche Wohl der durchanalysierten Bürger zuständig.

Fleischkonsum ist strafbar, der öffentliche Raum gut überwacht und Prostitution überflüssig, denn dank sogenannter "Doppelherzeinrichtungen" findet jeder den zu ihm passenden Sexualpartner. Man soll ja auch Spaß haben. Alles dient dem Fortschritt, wohin auch immer der steuert. Was außerhalb der Grenzen dieses zukünftigen Deutschlands stattfindet wird höchstens angedeutet. Aber die Masse scheint derart zufrieden mit den Umständen zu sein, dass kaum jemand dagegen aufbegehrt. Die Antwort auf die Frage, wer oder was die "Optimierer" eigentlich sind, sorgt dann für den großen Schlusstwist, der klassischen Fragestellungen der Science Fiction sehr nahe kommt. Stichwort: Transzendenz.

Bis es soweit kommt, gilt es Samson Freitag in vielen Situationen zu begleiten, mal aufschlussreich und mal banal. Da wird vereinzelt etwas zu viel getextet und erklärt, anstatt den Leser selbst entdecken zu lassen wie das Lebensberatungssystem und die Welt drumherum funktioniert. Diverse Konflikte verlaufen nach und wohin Samsons Benehmen steuert ist gleichfalls keine allzu große Überraschung. Ansonsten spielt die Autorin oft gekonnt mit den Erwartungen und Sehnsüchten der Menschen, die sich für eine bessere Welt gerne alles mögliche erzählen lassen. Die schleichende Umgestaltung ihres Umfeldes nimmt man erst dann wahr, wenn es schon zu spät ist.

Ob das stetige Optimieren die Welt nun wirklich besser macht oder auf Kosten der Menschlichkeit geht - darauf antwortet Hannig nur indirekt. Das Ende kann gleichermaßen als Dystopie und als konsequente Weiterentwicklung einer zukünftigen Menschheit gelesen werden, der Kategorien wie Gut und Böse längst egal sind. Traum und Alptraum vermischen sich und vielleicht liegt genau darin die Gefährlichkeit mancher im Buch beschriebenen Entwicklung, die schon heute stattfindet.

Wer gerne SciFi liest und mitdenkt ist hier gut aufgehoben.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Deutsche Dieselloks

Stefan Alkofer
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 27.07.2017
ISBN 9783613715417
Genre: Sachbücher

Rezension:

Während es bei vielen anderen Bänden der Transpress-Reihe "Typenkompass" (und den Konkurrenzprodukten des Geramond-Verlags) immer wieder Überschneidungen gibt, ist es umso erfreulicher, dass sich dieses Buch tatsächlich nur auf das konzentriert, was auf dem Cover steht. Egal welche Bahngesellschaft, hier ist so gut wie alles drin was seit 1929 auf deutschen Gleisen herumgedieselt ist.

Die Auswahl reicht von seltenen Exemplaren wie der schmalspurigen V36 und anderen Prototypen wie V320 001 (DB) oder V300 001 (DB) bis hin zu modernen Loks wie Diesel-Vectron oder Gravita. Ausgelassen wurden lediglich kleinere Feldbahnlokomotiven ab 600 mm Spurweite abwärts, doch immerhin die Heeresfeldbahn-Baureihe HF130C hat es hinein geschafft. Bei der Vielzahl entsprechender Fahrzeuge würde sich schon fast ein eigenes Buch lohnen. Erfreulich ist außerdem, dass Autor Stefan Alkofer schon bei den frühen DRG-Loks beginnt und somit klar macht, dass schon 1929 eine streckentaugliche Großdiesellok erprobt wurde.

Eine rund zwanzigseitige Einführung erklärt die Geschichte und Technik der Diesellokomotive in Grundzügen und gibt einen Ausblick in Richtung zukünftiger Entwicklungen. Die Fahrzeugportraits finden sich auf übersichtlich gestalteten Seiten, die wie immer mindestens ein Bild, eine Datentabelle und einen Text mit Erläuterungen zum Ursprung der entsprechenden Baureihe enthalten. Selbstverständlich kann darin nicht jedes Detail und jede Farbvariante erläutert werden, doch dafür gibt es in den einschlägigen Verlagen genug Einzelbände über viele der enthaltenen Fahrzeuge.

Vorsicht ist bei einigen neueren Fahrzeugen geboten, denn die sind häufiger mit der Typenbezeichnung des Herstellers und nicht mit der jeweiligen DB-Baureihennummer aufgeführt. So wird aus dem "Blue Tiger" BR 250 die Baureihe DE-AC 33 C, aus der BR 240 eine DE 1024 und so weiter.

Als Überblickswerk ist dieser Band jedoch für alle Dieselfans uneingeschränkt zu empfehlen. Das Format empfiehlt diesen Typenkompass auch für die schnelle Lokbestimmung unterwegs, Rückseite und Register erlauben zudem einen schnellen Zugriff auf die enthaltenen Fahrzeugdaten.

Seitenzahl: 128
Format: 14,2 x 20,3 cm, Klappenbroschur
Verlag: Transpress

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Vier nach Mitternacht

Stephen King , Joachim Körber
Flexibler Einband: 1.136 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.04.2016
ISBN 9783453438415
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In "Langoliers" ist der Horroranteil relativ gering: Eine Ladung Passagiere eines Linienflugs strandet in einer eigenartigen leeren Welt. Alles Leben scheint verschwunden zu sein, doch eine bedrohliche Macht nähert sich. Packend ist der Auftakt des mitternächtlichen Reigens trotzdem und er greift das zentrale Motiv des Bandes am passendsten auf. Das Motiv der Reise zwischen den Welten passt vielleicht eher in den Bereich Mystery, doch um derartige Abgrenzungen muss man sich nicht scheren.

Wie so oft konzentriert sich King auf seine Figuren und ihren Umgang mit dem Unerklärlichen, was immer noch genug Platz für handfesten Wahnsinn lässt. Die knapp dreihundertsechzig Seiten sind auch aufgrund der ausführlich recherchierten Flugzeugszenen nie langweilig zu lesen. Das macht Lust auf mehr.

"Das heimliche Fenster, der heimliche Garten" stellt, ähnlich wie der King-Klassiker "Stark - The Dark Half", das Schicksal eines Schriftstellers in den Vordergrund. Der muss sich unverhofft mit mörderischen Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen und zu allem Unglück verschwinden sämtliche Beweise für seine Unschuld auf Nimmerwiedersehen. Hier ist trotz der hohe Erwartungen weckenden Ausgangslage noch Luft nach oben.

Am Anfang machen die ausführlichen Anekdoten aus Morton Raineys Leben noch einen Gutteil der Faszination dieser Geschichte aus. Spätestens nach der Hälfte offenbaren sich diese Schilderungen allerdings als Füllmaterial einer Handlung, deren Ausgang man schon frühzeitig zu ahnen beginnt. Denn ab einem bestimmten Punkt gibt es nur noch eine Erklärung für die Vorkommnisse, für die man nicht viel um die Ecke denken muss.

"Der Bibliothekspolizist" spielt ebenfalls in der Welt der Bücher: Sam Peebles vergisst, zwei ausgeliehene Bücher rechtzeitig in die öffentliche Bücherei von Junction City zurückzubringen. Doch es ist nicht die ältliche Bibliothekarin, die sich an ihm rächt, sondern ein unheimlicher Fremder, der Sams finsterste Seiten weckt.

Eine gelungene Erzählung rund um verdrängte Kindheitsängste und die zerstörerische Macht endloser Gier bildet den dritten Teil des Buches. Der finale Exorzismus der titelgebenden Kreatur weckt entfernt Erinnerungen an "Es", sonst steht diese Geschichte weitgehend für sich selbst. Trotz vieler Rückblicke im Mittelteil eine spannende Angelegenheit, die wieder Hoffnung weckt und uns die Schwächen des Vorgängers vergessen lässt.

Den Abschluss bildet "Zeitraffer". Hier nimmt King den Leser in seine fiktive Stadt Castle Rock, den Handlungsort mehrerer seiner Romane, mit. Kevin Delevan bekommt zu seinem fünfzehnten Geburtstag eine Polaroidkamera geschenkt, die einen entscheidenden Fehler hat: Sie spuckt jedesmal ein anderes Bild aus, doch niemals das, was man im Sucher anvisiert. Eine schreckliche Kreatur ist auf den Bilder zu sehen, die mit jedem Drücken des Auslösers näher kommt.

Auch diese Geschichte hat mit dem Thema "Mitternacht" nur wenig zu tun. Dafür erschafft King mit Pop Merrill einen durchtriebenen Antagonisten, der hinsichtlich der korrekten Verwendung übernatürlicher Dinge seine ganz eigenen Vorstellungen hat. Das große Finale ist dann leider doch nicht ganz so gravierend wie man vielleicht gehofft hat und gerade hinsichtlich der Herkunft der Kamera hätte man sich noch so manche Erklärung gewünscht. Immerhin schlägt die Erzählung keine unnötigen Haken, bleibt stets fokussiert und bietet meistens schnurgerades Lesevergnügen.

Unentdeckte Meisterwerke enthält dieser Band also nicht gerade. Für Fans des Horrormeisters und zur Ergänzung jeder King-Sammlung eignet sich "Vier nach Mitternacht" dennoch, denn trotz mancher Schwächen lesen sich die meisten Geschichten in einem Rutsch durch.

Originaltitel: "Four After Midnight"
Bonusmaterial: Vorwort, Vorbemerkungen zu jeder Geschichte

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87 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Die Hexenholzkrone 1 - Der letzte König von Osten Ard

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann , Wolfram Ströle
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 20.12.2017
ISBN 9783608949537
Genre: Fantasy

Rezension:

Eigentlich soll die neue (und dem Titel zufolge vermutlich letzte) Saga um das Reich von Osten Ard ohne die ersten vier Bände funktionieren. Bleibt die Frage, ob es sinnvoll ist. Tad Williams hat zur Überbrückung noch einen weiteren Band geschrieben ("Das Herz der verlorenen Dinge"), der beide Erzählungen miteinander verknüpft, und baut außerdem viele Verweise auf frühere Ereignisse in die Handlung ein, die allerdings nur mit Vorwissen richtig gewürdigt werden können. Gerade die lang und breit besprochenen politischen Angelegenheiten des Hochkönigsbanns erfordern gleichermaßen Aufmerksamkeit, wie eine gewisse Vertrautheit mit der Welt.

Macht nichts, immerhin fühlt sich der gesamte erste Band sowieso meistens wie ein Geschenk für alle Fans an, die gerne wissen wollen, wie es weitergeht. Simon und Miriamel sind in Würde gealtert, doch die nächste Generation macht ihnen Probleme. Prinz Morgan ist nicht nur der einzige infrage kommende Nachfolger des Königspaars, er schlägt sich zudem lieber mit den Vergnügungen seines prinzlichen Lebens herum, als sich für Verantwortung und Vorsicht zu interessieren. Ein spannender Konflikt, der den Titel der Saga "Der letzte König von Osten Ard" gleich in ganz anderem Licht erscheinen lässt. Denn offenbar stehen dem Reich oder der Königsfamilie gravierende Veränderungen bevor.

Dass die ersten zwei Drittel dieses Buchs mit der ausgedehnten Rundreise des Königspaars beginnen könnte ein Gruß zurück an Kollege George R.R. Martin und dessen Roman "Die Herren von Winterfell" sein, der eine ähnliche Ausgangssituation beinhaltet. Martin schrieb seine Saga eigenen Aussagen zufolge unter anderem, weil ihn "Das Geheimnis der großen Schwerter" nachhaltig beeindruckte. Auch hier bemüht sich die alte Riege rund um den Thron ihre Angelegenheiten zu ordnen, während der Nachwuchs schon in den Startlöchern steht und sich am Horizont weitere Veränderungen andeuten. Hier ist das vor allem das Wiedererstarken der Nornen und das Auftauchen einer mysteriösen Sithi-Botschafterin, deren Schicksal bis zum Ende des Bandes unklar bleibt.

Während Neueinsteiger gerade in der ersten Hälfe ein wenig Spannung und Abenteuer vermissen dürften, sollte allen eingefleischten Fans mit etwas Geduld der sanfte Wiedereinstieg gut gelingen. Und ja, in Sachen Komplexität kann sich Tad Williams' Weltenbau im Gegensatz zu vielen anderen prominenten Kollegen im Ansatz wirklich mit Tolkien messen. Außerdem hat Williams die Porno- und Gore-Effekte der Konkurrenz weniger nötig, sondern vertraut hauptsächlich auf seine fundiert ausgearbeiteten Charaktere und die sie umgebende Welt.

Damit ist der Auftakt der neuen Saga besonders für alle Kenner von Osten Ard ein durch und durch gelungenes Werk, das die Stärken der Fantasy feiert und in Sachen Qualität meist nahtlos an die Vorgängerbände anknüpft. Einzig die Landkarten hätten gerne gesammelt am Anfang des Buches abgedruckt werden können, damit man sie nicht mühsam am Beginn der wichtigsten Abschnitte suchen muss.

Originaltitel: "The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1"
Bonusmaterial: Landkarten, Vorbemerkung, Glossar

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Mann schmeißt Hund auf Bär

Misha Verollet , Oliver Weiss
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.01.2018
ISBN 9783499633027
Genre: Humor

Rezension:

Trotz seiner Form eignet sich Misha Verollets Buch am ehesten für ein netzaffines Publikum. Das liegt weniger daran, dass der Autor im Anhang ausschließlich Online-Quellen angibt. Zusätzlich sollte man wissen was Memes sind und die Zusammenfassung manches Wikipedia-Artikels ertragen können. Das Buch ist also weniger eine analoge Fail-Compilation für Nicht-Youtuber, sondern eher eine Ergänzung für alle, die nicht selbst nach derartigen Geschichten suchen oder wenigstens mal kurz das Handy weglegen wollen.

Die jeweiligen Schlagzeilen, sofern sie denn wahr sind (Quellenkritik findet nicht einmal in Ansätzen statt), haben es dafür wirklich in sich: Vom Hund als Bürgermermeister bis hin zu Crystal Meth im Ü-Ei und dem ewigen Florida Man. Dazwischen erinnern Sammlungen einzelner kurioser Überschriften im Postillon-Style für Abwechslung. Nur, dass es diese Überschriften wirklich gegeben hat. Zu vielen dieser Geschichten hätte man gerne noch mehr erfahren, etwa über die Diebe, die mit Nutella im Wert von über dreißigtausend Dollar erwischt wurden oder die betrunkene Mainzerin, die aus Versehen mit den Jusos nach Dresden fuhr.

Bei vielen der Meldungen, die es tatsächlich zu etwas mehr Aufmerksamkeit gebracht haben, begnügt sich Verollet längst nicht immer mit dem eigentlich ausreichenden knochentrockenen Kommentieren der "realsatirischen" Inhalte. Vielmehr findet gleich an mehreren Stellen ein plakatives Aufregen im Stil der Brachial-Comedy eines Mario Barth statt. Schade, dass dem Leser das Lustigfinden nicht selbst zugetraut wird. Denn eigentlich sind sämtliche Fundstücke für sich genommen schon komisch genug, da braucht es keinen Stimmungsmacher.

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Schwerter des Zorns

Anthony Riches , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 27.06.2016
ISBN 9783764531492
Genre: Historische Romane

Rezension:

Was verdächtig nach einem Neuaufguss der aus Band 1 bekannten Konflikte klingt, erweist sich in der Gesamtheit als trotzdem packende Geschichte. Natürlich zaubert man wieder einmal den fanatischen Calgus aus dem Hut, der auch dieses Mal zahlreiche Allianzen mit seinesgleichen schmiedet. Und auch sonst war eigentlich klar, dass wieder irgendjemand dem Grund von Marcus' Aufenthalt fern der Hauptstadt Rom auf der Spur ist.

Furius heißt der Bösewicht auf römischer Seite dieses Mal. Ein tumbes Abziehbild des üblichen Gewaltfanatikers, wie er in Geschichten aller Epochen aus dem Hut gezaubert wird. Von dieser Seite droht Marcus also Enthüllung und der Armee schlechte Führung. Kennt man irgendwie. Das Ende von Furius' Karriere wirft schließlich einige moralische Fragen auf, die unsere Helden in keinem allzu guten Licht darstellen lassen.

Für die interessantesten Momente sorgen allerdings wieder einmal die Erlebnisse der Zenturie. Die Zuteilung einer Abteilung Hamier-Bogenschützen, die dem Buch im Original den Titel "Arrows of Fury" (also "Pfeile des Zorns") beschert hat, wird für Marcus, Dubnus und Co. zur neuesten Herausforderung. Kaum weiß man die Neulinge einigermaßen einzuschätzen, geht es auch schon ins Feld, wo statt einer großen Feldschlacht dieses Mal mehrere gefährliche Scharmützel an unübersichtlichen Orten lauern.

Dementsprechend zieht das Tempo nach einigen einführenden Rückblicken und Erklärungen für Neueinsteiger ordentlich an. In seinen zahlreichen guten Momenten ist "Schwerter des Zorns" trotz wenig spektakulärer Gegenspieler ein packendes Abenteuer aus der Sicht der Legionäre, denen selbst das letzte Britannien-Abenteuer von Simon Scarrow ("Invasion") nicht das Wasser reichen kann. Gerne mehr davon!

Originaltitel: "Arrows of Fury (Empire 2)"

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The Death of Stalin

Fabien Nury , Thierry Robin , Lorien Aureyre
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783962191719
Genre: Comics

Rezension:

Manchmal muss erst ein Film kommen, um einer Vorlage die nötige Aufmerksamkeit zu bescheren. "La Mort de Staline", so der Originaltitel, erscheint hiermit erstmals auf Deutsch und das ist auch gut so. Denn was Armando Iannuccis Adaption nur durch Übertreibung gelingt, das funktioniert hier allein durch Zeichenstil und Nacherzählung der Ereignisse, wie sie gewesen sein könnten.

Das Album glänzt nicht mit tollen Sprüchen, lustigen Bildern oder hysterischen Provokationswitzchen. Die Übertreibung, oder der Kern des Geschehens, zeigt sich vor allem in der Art der Darstellung. Nur die Graphic Novel kann aufgrund ihrer Eigenschaften den Wahnwitz hinter dem Machtkampf um den Millionenstaat Sowjetunion verdeutlichen. 'Graphic' (engl. drastisch) ist hier vor allem die Gewalt, die sich bei wahllosen Schüssen in die Menge, Stalins Obduktion und spontanen Hinrichtungen zeigt.

Als 'Novel' (engl. Roman, Erzählung) geht der Band von Fabien Nury und Thierry Robin deshalb durch, weil er die historischen Ereignisse gefällig interpretiert und eine mögliche Deutung des wahren Politbüro-Dramas liefert. Die Charakterisierung der Figuren erfolgt weniger durch große Worte, sondern wieder einmal durch die Zeichnungen. Dem zum dämonischen augenlosen Primaten aufgeblasenen Lawrenti Beria traut man genau soviel Durchtriebenheit zu wie dem eierköpfigen Nikita Chruschtschow. Finstere Regierungsgebäude konstrastieren mit dem unschuldigen Weiß des Schnees, der die gesamte Außenwelt bedeckt.

Gnädig war man ehesten noch mit Stalin selbst, der hier im Gegensatz zum Film nur kurz sterben darf und anschließend als Toter posiert. Das Schicksal von Stalins Sohn Wassili bekommt zusätzlich eine geradezu tragische Dimension, wenn dieser am Ende mit dem Erbe seines Vaters hadert, dem er sogar den Mord an der eigenen Mutter zutraut. Ein gewagtes Spiel mit den blinden Flecken der Geschichte, das meist jedoch aufgeht.

Ebenso interessant wie die eigentliche Handlung ist das Bonusmaterial dieses Bandes. Es besteht nicht nur aus den üblichen Skizzen und Entwürfen; zunächst gibt der Historiker Jean-Jacques Marie eine Einschätzung des Geschehens wieder und verortet die Aufarbeitung im Kontext zur Wirklichkeit. Darauf folgt bisher unveröffentlichtes Material aus Thierry Robins Sammlung, der einst an einer gezeichneten Biografie über Stalin arbeitete. Aufgrund von zu großem Umfang wurde das Projekt nie abgeschlossen, doch die enthaltenen fünf Seiten geben einen aufschlussreichen Einblick in jene Phase des russischen Bürgerkriegs, in der Stalin seine Macht erlangte.

Originaltitel: "La Mort de Staline"
Seitenzahl: 144
Format: 23,3 x 32,6 cm, gebunden
Verlag: Splitter
Bonusmaterial: Entwürfe, Konzeptzeichnungen, unveröffentlichte Szenen, Nachwort

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Taschenbuch Deutsche Schmalspur-Dampflokomotiven

Horst J Obermayer , Horst Horst J Obermayer
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Heel, 01.02.2011
ISBN 9783868523874
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das aktuelleste Reprint des Heel-Verlags erscheint erfreulicherweise als gebundene Ausgabe, sollte also bei häufigem Nachschlagen im Idealfall einiges aushalten. Mit durchgehenden Schwarzweiß-Abbildungen würde eine Neuveröffentlichung kaum jemanden vom Hocker reißen, hier ist es schon aufgrund des Seltenheitswerts vieler Fotografien unabdingbar.

Die inhaltliche Kritik hält sich in Grenzen. Hinsichtlich Verbleib einiger Fahrzeuge, diverser Museumsbestände und Umbauten hat sich inzwischen mehr getan, als die vierte Auflage von 1990 beinhaltete. Wer sich für die Materie interessiert, muss selbst recherchieren, denn allzu viele würdige Bände gleichen Inhalts finden sich kaum. Die Internetseiten der meisten Schmalspurbahnen und ihrer angeschlossenen Vereine enthalten reichlich Informationen, die das im Buch gesammelte Material ergänzen können. Nummernverzeichnis, Vorwort und historische Einordnung sind natürlich in dieser Ausgabe enthalten.

Besonders erfreulich ist die gelungene Wiedergabe der Schwarzweiß-Fotografien, die im Gegensatz zum Weltbild-Reprint von 1995 etwas kontrastärmer, dafür aber durchweg besser erkennbar sind. Allerdings wurde vermutlich die gesamte Vorlage aufgehellt, denn vereinzelt wirkt das Schirftbild so blass, dass einige Buchstaben halb durchsichtig oder gar verschwunden scheinen. Da könnte noch nachgebessert werden.

Bleibt zu hoffen, dass der Verlag neben dem bereits erschienenen Band über die Regelspur-Dampflokomotiven auch die übrigen Bände der Taschenbuch-Reihe irgendwann wieder auflegt. Genug Material gibt es, denn die Obermayerschen Bücher umfassen auch Werke über Länderbahnloks, den Wagenpark und den übrigen Triebfahrzeugbestand der Deutschen Bundesbahn. Heute aufgrund ständiger Neuerungen nicht mehr ganz konkurrenzlos, doch zur Vervollständigung ein lohnendes Sammlerstück.

Seitenzahl: 224
Format: 11,5 x 14,5 cm, gebunden
Verlag: Heel

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