Leserpreis 2018

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Die Hieronymus-Verschwörung

Rolf D. Sabel
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei St. Benno, 24.05.2018
ISBN 9783746252681
Genre: Historische Romane

Rezension:

Den Lateiner konnte Herr Sabel noch nie verleugnen. Die Wahl seiner Romaninhalte spricht für sich, so auch in diesem Frühwerk, das im Jahr 2000 erstmals erschien. Ein zweiter "Ben Hur" könnte es vom Umfang her fast werden. Dafür spricht auch der sicher nicht ganz zufällig gewählte Name des Helden Messala und die kirchengeschichtlich bedeutsame Thematik. Im ersten Fünftel zeichnet der Autor auch tatsächlich ein gut informiertes Bild vom langsam zerfallenden römischen Weltreich, das zu dieser Zeit so aufgebläht war, dass ein einfacher Soldat nie wissen konnte, auf welchen Soldatenkaiser er denn nun eigentlich vereidigt ist.

Mit dem Handlungsstrang rund um den Bibelübersetzer und späteren Heiligen Hieronymus gewinnt der Roman eine recht widerspenstige Figur, die in erster Linie dazu bestimmt scheint, Messala Kontra zu geben und ihm Ärger zu bereiten. Zunächst beschränken sich ihre Reibereien darauf, dass Hieronymus den Römer mit Hilfe zahlreichen Beweisschriften zum christlichen Glauben bekehrt und teils über mehrere Seiten am Stück über sein Thema referiert. Diese Schriften, ob fiktiv oder tatsächlich überliefert, werden teils in voller Länge wiedergegeben, was dem Leser einerseits Geduld abverlangt, andererseits aufgrund der Schlüssigkeit von Hieronymus' Argumentation durchaus Neugier wecken kann.

Allerdings scheint dieses Vorgehen auch eine Abrechnung mit allzu kritischer Theologie und historischer Forschung zu sein, denn gegenüber Messala beklagt Hieronymus wiederholt Kritiker, die auf Krampf alles in Zweifel ziehen, so als hätte man in der Spätantike bereits die erst im 18. Jahrhundert entwickelte Historisch-Kritische Exegese umfangreich praktiziert. Es stimmt durchaus, dass der christliche Glaube schon seit seiner Entstehung von Gelehrten anderer Religionen mitunter scharf angegriffen wurde und man sich durchaus mit gelehrten Mitteln wie der im römischen Recht fest verankerten Gerichtsrede zu verteidigen wusste.

In dieser Hinsicht hat der Autor gut recherchiert und viele formelle sprachliche Erkenntnisse einfließen lassen, die man in dieser Ausführlichkeit nirgendwo findet. Hätte er die Geschichte der von Hieronymus angeführten Beweise weiter studiert, hätten aber gerne auch die Zweifel an der Echtheit des Briefwechsels zwischen dem Apostel Paulus und dem römischen Philosophen Seneca Erwähnung finden dürfen, die ein anderer überzeugter Theologe namens Erasmus von Rotterdam anhand stilistischer Merkmale feststellte.

Darüber hinaus muss man damit leben, dass weite Teile von Hieronymus' Monologen eine Apologie christlicher Werte sind, die der unbequeme Gelehrte mit Wut und Leidenschaft vorträgt. Die titelgebende Intrige - soviel darf man spoilern - besteht im Übrigen darin, dass Hieronymus zusammen mit der Klostervorsteherin Eustochium die beiden Frischverliebten durch eine List auseinanderbringt, um sie für das Leben als Mönch beziehungsweise Nonne zu gewinnen. Dass eine Ehe auch unter gläubigen Christen durchaus gelingen kann, ist bei Hieronymus nicht vorgesehen, denn obwohl er in mancher Hinsicht mit seiner Einschätzung der damaligen Stellung einer Frau recht hat, gibt er seinen Schützlingen nicht einmal die Chance sich zu bewähren, sondern stellt sie vor vollendete Tatsachen.

Sieht man die Geschichte als einen Einblick in die Gedankenwelt des historischen Hiernonymus wie man ihn anhand seiner zahlreichen Schriften kennt, dann hat Sabel den Ton durchaus gut getroffen. Von seiner heiligen Mission erfüllt nimmt der Übersetzer kaum Rücksicht auf Befindlichkeiten, sondern lehrt, bekehrt und tut was er für richtig hält. Zweifel scheint er nicht mehr zu kennen. Als Romanfigur taugt er aufgrund des Fehlens eines passenden Widerparts nur bedingt. Die Handlung verläuft geradlinig und meist überraschungsfrei, das Ende dürfte Freunde des Genres mehr frustrieren als erfreuen.

Originaltitel: "Senecas Truhe"

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Loks der RhB

Cyrill Seifert
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 22.03.2018
ISBN 9783613715608
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Überblick über sämtliche Fahrzeuge der Rhätischen Bahn fällt im Gegensatz zu manch anderem vergleichbaren Werk erfreulich übersichtlich und vollständig aus. Autor Cyrill Seifert beginnt beim Dampfbetrieb der Frühzeit und arbeitet sich systematisch bis zu den modernsten Elektrofahrzeugen der Gegenwart durch. Den Hauptteil machen selbstverständlich elektrisch angetriebene Loks und Triebwagen aus, inklusive diverser Kultfahrzeuge wie dem Rhätischen Krokodil und dem Bernina-Krokodil.

Besonders informativ sind die Kapitel über die eher "untypischen" Fahrzeuge, wie die wenigen Dieselloks der RhB, diverse Schneeschleudern, Motordraisinen sowie weitere Bahndienst- und Zweiwegefahrzeuge. Da wurde gut recherchiert und manches seltene Exemplar aufgespürt, dass in Typenbüchern wie diesem oft unter den Tisch fällt. Auch längst nicht mehr existierende Lokomotiven, wie beispielsweise die Mallets der Reihe G 2x 2/2 und 2/3 werden auf der Basis von offiziellem Archivmaterial porträtiert. Aber das ist die Ausnahme, denn von den meisten je auf der RhB eingesetzten Fahrzeugtypen scheint dem Buch zufolge noch irgendwo ein Exemplar zu existieren, sei es in Museen oder mittlerweile bei anderen (Museums)Bahnen. Dementsprechend sind viele Fotos recht aktuell - und das ist auch gut so.

Zwischen den Fahrzeugporträts ist immer wieder mal Platz für doppelseitige Großaufnahmen, etwa vom berühmten Landwasserviadukt oder historischen Zügen in anderen schönen Landschaften. Diverse Tabellen mit Fahrzeugbeständen, -verbleiben, den im Buch verwendeten Abkürzung und eine Kurzchronik der Rhätischen Bahn runden das Bild ab. Dass die Rechtschreibung offenbar schweizer Verhältnissen und Besonderheiten angepasst bzw. belassen wurde muss man hinnehmen, am Informationsgehalt des sonst sehr gelungenen Bandes ändert es nichts.

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Rekorder

John Darnielle , Tobias Schnettler
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 21.12.2017
ISBN 9783847900290
Genre: Romane

Rezension:

Der Klappentext liest sich wie der eines Stephen-King-Romans. An den Meister des modernen Horrors muss man auch zwischendrin immer wieder denken, etwa wenn John Darnielle seinen Protagonisten und dessen Lebenswelt mit zahlreichen gut informierten Details ausstattet, die an den besseren Stellen des Buches dafür sorgen, dass alles möglichst plastisch erscheint. Auch der Grundkonflikt hätte dem King of Horror ähnlich gut gestanden, denn was auf den neu bespielten Kassetten zu sehen ist, hat das Zeug zum Gruseln.

Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Oder zumindest nicht nur. Die Aufklärung der Ereignisse, die zu den mysteriösen Aufnahmen auf den Kassetten führen treiben die Handlung nur kurzzeitig voran. Nach etwa der Hälfte des Buches beginnt scheinbar eine ganz andere Geschichte, der Zusammenhang bleibt zunächst vage. Kleiner Spoiler: Wer am Ende das scheinbare Opfer in den gefilmten Szenen ist und wieso sie verbreitet wurden ist eigentlich gar nicht so wichtig, die Enthüllung erfolgt praktisch nebenbei.

Was als schöne Hommage ans VHS-Zeitalter begann wird schließlich zum Drama mit Hintergedanken, was bei weitem nicht jeder Leser nachvollziehen können dürfte. "Rekorder" will zweifellos wichtige Literatur sein und den Leser mit alternativen Fassungen seiner eigenen Erzählung reizen, hat aber in seinem Grundkonflikt eigentlich schon viel mehr zu bieten als letztlich umgesetzt wird. Manchmal ist generische Spannungsliteratur, wie sie Cover und Inhaltsangabe versprechen, eben doch besser als ein Kunstwerk mit unklarer Ausrichtung.

Originaltitel: "Universal Harvester"

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Die Legenden der Albae - Gerechter Zorn

Markus Heitz
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2009
ISBN 9783492701549
Genre: Fantasy

Rezension:

... gemeinsam in den Kampf ziehen, wurde in "Die Zwerge" nicht abschließend geklärt. Der Auftakt der Albae-Saga fungiert deshalb nicht nur als Bericht von der "anderen Seite" und als Erklärung für den Vernichtungszug ins Geborgene Land, sondern konzentriert sich hauptsächlich darauf, wie die beiden eigentlich sehr gegensätzlichen Anti-Elben zueinander fanden. Eigentlich wirkt es wie zwei Bücher - während der größte Teil von einer klassischen Queste handelt, wirkt das letzte Drittel mit seinem Making Of der Schlacht am Steinernen Torweg wie nachgeschoben oder aus einer Fortsetzung vorgezogen.

Ganz neu ist die Idee der finsteren Verwandten der Elben nicht. Teile der Albae-Kultur, wie die Verehrung eines gottgleichen Geschwisterpaars, ihre Kasten, das Aussehen und der Umgang mit "unterlegenen Rassen" erinnert an die Nornen in Tad Williams' Osten-Ard-Sagas. Aber auch bei Tolkien waren die elbischen Lichtgestalten nie unfehlbar, einige entschieden sich bewusst für die Finsternis und kämpften gegen ihresgleichen. Das Motiv der gefallenen Elben interessiert Markus Heitz aber nicht weiter - seine Albae fühlen sich wohl mit ihrer Todeskultur, bauen Türme aus besiegten Feinden, malen mit Blut und anderen Körpersäften und bereuen gar nichts.

Vielleicht fällt es gerade deshalb nicht ganz so leicht, mit den beiden Kriegern durchweg mitzufiebern. Spannend und einfallsreich geschrieben ist das Meiste, wie man es von Heitz gewohnt ist, durchaus. Gerade wenn irgendein Handlungsstrang zu eintönig zu werden droht, kommt rechtzeitig eine mittelgroße Überraschung um die Ecke. Soweit, so gut. Doch gerade Motive wie die morbide Faszination einer versklavten Menschenfrau für die Albae und eine enttäuschte Liebe, die im wahrsten Sinne des Wortes vom Krieg überrollt wird, verfehlen ihre emotionale Wirkung.

Damit sind die Albae dann leider doch nur irgendein Fantasyvolk, das nach Orks, Zwergen, Elfen und Trollen jetzt seine eigene Buchreihe hat. Sinthoras und Caphalor erleben solide Abenteuer in einer Welt, in der es allerhand zu entdecken gibt, der wahre Grund für die Expansion in Richtung Geborgenes Land liefert interessantes Hintergrundwissen für alle Leser von "Die Zwerge".

Mitreißend ist der Roman deshalb aber noch nicht.

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Die Schwestern

Jan Guillou , Lotta Rüegger , Holger Wolandt
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453270305
Genre: Historische Romane

Rezension:

Jetzt also ein Thriller. Am Anfang sieht es zwar noch danach aus, dass sich Jan Guillou wieder in die epische Erzählung der vier Vorgängerromane verstrickt und zwischen einzelnen Handlungshappen wieder hauptsächlich eine Abhandlung über eine bedeutsame Epoche verfasst. Johannes Beruf bringt sie jedoch wiederholt in Situationen, die für eine packende Spionagegeschichte wie geschaffen sind. Spannend wird es tatsächlich auch immer wieder, besonders wenn sie unter ihrem Decknamen "Blue Star" auf lebensgefährliche Einsätze geschickt wird.

Um Band fünf zu genießen muss man sich dennoch mit Guillous Erzählweise anfreunden und sich ein wenig in der Welt dieser Buchreihe auskennen. Denn zwischen den realistisch und kurzweilig geschilderten Einsätzen im Dienste von Heimatfront und Geheimdienst(en) geht der Fokus immer wieder in Richtung des aktuellen, wegen zweier tragischer Todesfälle sich verändernden, Familienlebens der Lauritzens, bei denen Johanne mit Tante Christa den Kommunismus hochleben lässt und sich mit ihrer Schwester Rosa über Staatsgeheimnisse austauscht.

Das war es dann aber auch schon mit dem (deutschen) Titel des Buches. Rosas Perspektive kommt über die wenigen Gespräche der beiden hinaus so gut wie gar nicht vor, ihre Erlebnisse erfährt der Leser allenfalls indirekt. Erfolgreich vermittelt Guillou allerdings, was es in dieser Zeit für eine Frau wie Johanne bedeutet, bei geheimen Unternehmungen zwischen den Fronten mitzuarbeiten. Sie lässt sich vom Gehabe des konservativen Männervereins auf allen Seiten nicht unterkriegen und absolviert so manche Mission erfolgreicher als es ihre Kollegen jemals könnten.

Ein gefährliches Spiel um die Ausspähung des schwedischen Gestapo-Chefs, das ihre "besonderen Eigenschaften" als Frau fordert, bildet den Abschlusscoup der Romanhandlung. Die Spannungsregister zieht der Autor hier, wie an den anderen Stellen, wieder recht episodisch, der Zwischenraum ist stattdessen mit reichlich innerem Dialog, Überlegungen und Zeitgeschichte gefüllt. Wer damit zurechtkommt, darf Hoffnung schöpfen. Die Generation der Brückenbauer-Kinder erlebt zwar andere Dinge als ihre Väter, der Lesefreude nützt es aber.

Originaltitel: "Blå Stjärnan"

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340 Bibliotheken, 27 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

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Sleeping Beauties

Stephen King , Owen King , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453271449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Stephen King ist vor allem dafür bekannt, die finsteren Seiten ganz normaler Leute eindrucksvoll zu enthüllen. "Sleeping Beauties" zeichnet ein besonders düsteres Bild, das fast ganz ohne "echten" Horror auskommt. Denn kaum ist die Damenwelt mehrheitlich weggepennt und eingesponnen werden die Männer mehrheitlich zu wilden Tieren. Die einen zünden schlafende Frauen an, andere begeben sich auf Plünderungsfeldzüge oder töten, um ein Heilmittel für die mysteriöse Krankheit zu finden.

Wenn es in Kings Amerika, sicher nicht erst seit Donald Trumps Amstübernahme, mittlerweile tatsächlich so aussieht, dann besteht wenig Hoffnung. Als an permanente gesellschaftliche Selbsterziehung gewöhnter Mitteleuropäer wirkt die meist simple schwarz-weiße Charakterzeichnung der Figuren allerdings sehr viel weniger anspruchsvoll, als man es von King senior bisher gewohnt war. Schwer zu sagen, welcher der beiden Autoren welchen Teil zu verantworten hatte, aber das Schreckensszenario ist zu perfekt konstruiert, um permanent zu überzeugen.

Kaum ist das kleine Appalachen-Städtchen Dooling, in dem der Großteil der Handlung stattfindet, erst einmal im frauenlosen Chaos versunken, entwickelt sich vieles, wie man es ahnt: Der an sich zweifelnde, feinsinnige Psychiater Dr. Norcross wird zum Beschützer, der schon immer irgendwie gewalttätige Tierfänger Frank Geary wird noch kompromissloser, ein Junge verliebt sich in ein Mädchen und ältere Jugendliche schikanieren planmäßig die Jüngeren. Und natürlich treiben sich in den Wäldern ein paar Psychopathen herum, die das Chaos dankbar für noch mehr Terror ausnutzen.

Da ist es schon fast eine Erleichterung, wenn nach knapp der Hälfte erst einmal erklärt wird, was mit den Frauen eigentlich passiert ist. Zauberbann, Krankheit oder doch etwas anderes? Diese Frage halten King und Sohn nicht zu lange unter Verschluss und legen die Entscheidung über die Zukunft der Welt schließlich den entschlafenen Frauen in die Hände. Denn die Männer kriegen alleine nichts hin, soviel ist mal klar. Irgendwo taucht noch der übliche Satz auf, dass es mehrheitlich Männer sind, die Kriege beginnen, Gewaltverbrechen begehen und sonstige Risiken eingehen, unter denen die Frauen gefälligst zu leiden haben.

Statistisch stimmt das. Dennoch ist es eine simple These, die selbst in der Unterhaltungsliteratur schon längst vielseitiger diskutiert wird. Hier hat man es sich zu einfach gemacht, vor allem wenn sich kaum eine der Figuren durch die Geschehnisse wirklich verändert, sondern einfach noch ein bisschen mehr die Sau rauslässt als vorher eh schon. Fast keiner der Männer trägt etwas Gutes in sich und wenn doch führt genau diese Fürsorge zu weiteren Gewaltakten, denn man(n) will ja nur helfen. Immerhin werden gegen Ende versöhnlichere Töne angeschlagen und hinsichtlich der Nachwirkungen des Ereignisses gibt es manche Überraschungen.

Für einen Stephen-King-Roman ist "Sleeping Beauties" damit leider höchstens Durchschnitt. Selbst sein Spätwerk hat viele bessere Romane hervorgebracht als diesen, etwa "Revival". Seinem (offenbar auch weitervererbten) schwerelosen Schreibstil ist es zu verdanken, dass sich die knapp tausend Seiten trotzdem spannend lesen, auch wenn es diesmal mehr Thriller als Horror ist. Die guten alten Gruselmomente gibt es höchstens dann, wenn die die Männer attackierenden schlafenden Frauen Gesichter zerfetzen und Schädel zerschmettern. Aber auch das kennt man irgendwie schon.

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Der Fall von Gondolin

J.R.R. Tolkien , Christopher Tolkien , Helmut W. Pesch , Alan Lee
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 30.08.2018
ISBN 9783608963786
Genre: Fantasy

Rezension:

Leser von "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" kennen Gondolin am ehesten als den Standort der legendären Elbenschmiede, wo Schwerter wie Stich, Orcrist und Glamdring entstanden. Tatsächlich spielt die sagenumwobene Stadt in der Geschichte von Mittelerde eine noch wesentlich bedeutsamere Rolle, die ein eigenes Buch durchaus rechtfertigt. Zwar ist es auch dieses Mal kein durchgehender Romantext wie "Die Kinder Húrins", doch das Bild ist immerhin einheitlicher als in "Beren und Lúthien".

Die enthaltenen Texte zeichnen ebenfalls die Entstehung der Geschichte nach. Allerdings sind sie in der Regel vollständig bzw. brechen sie nur dann ab, wenn sich das Ende der jeweiligen Fassung tatsächlich nur anhand von Notizen oder Stichpunkten rekonstruieren ließe. Neben den bereits aus dem Silmarillion und "Das Buch der verlorenen Geschichten" bekannten Versionen finden sich allerhand Fragmente aus früheren Entwürfen, die in diesem Fall besonders weit zurückreichen: "Der Fall von Gondolin" war Tolkiens erste ausgearbeitete Geschichte aus Mittelerde. Christopher Tolkiens bestens informierte Anmerkungen, Einführungen und Kommentare helfen dabei, die Texte in den Gesamtkontext des väterlichen Werks und in die Historie von Mittelerde einzuordnen.

Die Geschichte selbst atmet stets die Größe eines realen Epos'. Tragik und Schicksal gehen Hand in Hand, die Protagonisten sind edelmütig, verschlagen, stolz oder furchtlos; Grautöne gibt es so gut wie keine. Die braucht es auch nicht unbedingt, denn die schnörkellos elegant erzählte Sage vom Untergang der Stadt mit den sieben Namen zieht Liebhaber klassischer Fantasy ebenso in ihren Bann wie Kenner der englischen, keltischen und germanischen Mythologie.

Wer Peter Jacksons "Hobbit"-Verfilmung in Sachen Kriegsmaschinerie übertrieben fand, der wird hier übrigens auch darüber aufgeklärt, dass Tolkien sich noch weitaus gigantischere Vernichtungsapparate einfallen ließ, vermutlich inspiriert von seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg, in dessen Schützengräben die ersten Skizzen entstanden. Grausame Maschinen aus Stahl mit Orks und Feuer in ihrem Inneren (!) kriechen über die schützenden Berge und stürzen die Elben in tiefste Verzweiflung. Zusätzlich greift eine ganze Armee aus Balrogs vereint die Stadt an - eine größere Schlacht ist kaum denkbar.

Für einen durchaus angemessenen Preis liefert Klett-Cotta auch diese Geschichte in einer schönen, farbig illustrierten Sammlerausgabe mit Lesebändchen ab, die dieses Mal sogar eine herausnehmbare Landkarte, ähnlich wie in mehreren Ausgaben von "Der Herr der Ringe" enthält. Abgebildet ist hauptsächlich Beleriand, also ein kleinerer Ausschnitt der Karte aus der gebundenen Ausgabe des Silmarillions. Eine Einstecktasche wäre noch wünschenswert gewesen, damit das gute Stück beim Durchblättern des Buches nicht herausfällt.

Abschließend kann man nur wiederholt darum betteln, dass sich endlich ein deutscher Übersetzer für die ebenfalls von Christopher Tolkien kompilierte "History of Middle-earth" findet (falls Helmut W. Pesch nicht heimlich längst daran arbeitet). Dann wäre die Sammlung für deutschsprachige Mittelerde-Fans endlich komplett.

Originaltitel: "The Fall of Gondolin"
Bonusmaterial: Landkarte

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SS-GB

Len Deighton , Kurt Wagenseil , Ursula Pommer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.03.2018
ISBN 9783453439313
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer Robert Harris' Debütroman "Vaterland" über einen SS-Ermittler in einem fiktiven Deutschen Reich in den 1960er Jahren gelesen hat, der findet hier allerhand Vertrautes: SS-Ermittler, Verschwörungen in höchsten Kreisen, Mord, eine überengagierte amerikanische Journalistin und einen monströsen Staatsapparat, dessen größte Schwächen seine unübersichtliche Bürokratie und die konkurrierenden Ambitionen seiner Exekutive sind. Allerdings erschien Deightons Beitrag mehr als zehn Jahre eher und muss sich somit nicht als Plagiat beschimpfen lassen.

Umso mehr schade ist es, dass diese spannende Dystopie so lieblos übersetzt wurde. Akribisch und mit viel Nähe zur alternativen Wirklichkeit (und tatsächlich überlieferten Invasionsplänen) beschreibt Deighton die Welt seines gezeichneten Protagonisten Douglas "Dougie" Archer. Das kann für Freunde atemloser(er) Thriller erst einmal langweilig wirken, doch die Nähe zu tatsächlichen Planungen seitens Wehrmacht und SS macht diese Version der Weltgeschichte umso glaubwürdiger. Die Komplexität realer Geschichte wird daran deutlich, dass die Sympathien hier längst nicht klar verteilt sind. Denn auch der britische Widerstand greift zu Mitteln, die denen ihrer Gegner nicht unähnlich sind.

Doug Archer sollte dabei als von Zweifeln geplagter Ermittler eigentlich zur Identifikationsfigur taugen. Leider bleibt es sowohl bei ihm als auch manchen anderen Figuren eher schematisch. Seine tragische Vorgeschichte und die aktuelle Situation erklärt zwar manches Verhalten, allerdings tappt er auch in viele Fallen, die sich recht früh andeuten. Großes Lob muss man für den finalen Twist aussprechen, der einmal mehr ein komplexes Manöver beinhaltet, wie es nur gutes literarisches Handwerk hervorbringt.

Wer die gleichnamige BBC-Serie schon gesehen hat, staunt vielleicht über das hier ganz anders verlaufende Ende und dass sich manche Entwicklung schon früher andeutet, während andere Ereignisse höchst unterschiedlich gewichtet werden. In Sachen Spannung und eines detaillierten fiktiven Alternativweltszenarios hat aber auch die Buchvorlage allerhand zu bieten.

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Projekt Orphan

Gregg Hurwitz
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.03.2019
ISBN 9783959672467
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Trotz vieler bekannter Bausteine war Band 1 durchaus vielversprechend. Das Thema jetzt zu variieren klingt nach einer guten Idee, denn bisher war Evan selten wirklich persönlich vom einem seiner Fälle betroffen. Seine eigene Entführung könnte persönlicher nicht sein, zumal er dadurch an seinen Rettungsmissionen gehindert wird, die ihm alles bedeuten. Also versucht er sich mit den nicht vorhandenen Hilfsmitteln in seinem Gefängnis zu befreien, was mehrfach beinahe klappt.

Das bleibt als Hauptkonflikt erkennbar. Die Motive von Evans Entführer sind auf den ersten Blick eher banal. Erst als dieser erkennt, wen er da vor sich hat, lässt er sich ein würdiges Schicksal für den Mann einfallen, der seine bewaffneten Bewacher einen nach dem anderen dezimiert. Während Evans Ausbruchsversuche schon am Anfang recht kreativ sind ist es wiederum dem Einfallsreichtum des Autors zu verdanken, dass dieses Escape-Room-Szenario mit besonderen Ansprüchen überhaupt funktioniert.

Sonst passiert nämlich nicht viel. Klar, dass Evan seine unterbrochene Mission fortführen will, doch die ist Hurwitz am Ende nur noch ein paar Seiten wert. Zahlreiche Rückblicke in seine Kindheit und Ausbildung strecken die Handlung auf ein gerade noch erträgliches Maß. Viele neue Erkenntnisse sind da nicht versteckt. Auch die Rückkehr einer längst totgeglaubten Figur birgt längst nicht soviel Potenzial wie der Handlungsstrang um zwei andere Orphans, die Evan ebenfalls auf den Fersen sind.

In seinen besten Momenten hält "Projekt Orphan" ähnlich viele gute Ideen und spannende Wendungen wie sein Vorgänger bereit. Der Bösewicht könnte glatt einem Bond-Film entsprungen sein, auch wenn sein eigentliches Motiv, wie gesagt, kaum der Rede wert ist. Gregg Hurwitz' Erfahrung als Drehbuchautor garantiert jedenfalls eine geradlinig spannende Handlung mit einem kleineren Twist am Ende, der uns mehr über Evan verrät, als es der erste Band tat.

Sicher, manches geht ein wenig zu glatt und das Ende hätte fast einen eigenen Roman verdient. Dennoch wird alles zufriedenstellend aufgelöst, die finale Konfrontation nicht zu extrem hinausgezögert und schließlich alles gut. Auch wenn es wirklich lange Zeit nicht danach aussieht.

Originaltitel: "The Nowhere Man"

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186 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

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Ein Reif von Eisen

Stephan M. Rother
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.10.2017
ISBN 9783499273568
Genre: Fantasy

Rezension:

Für Fantasy-Verhältnisse ein relativ schlankes Buch. Die knapp vierhundert Seiten bilden den Auftakt zu einer, wie es scheint, epischen Saga mit Trilogieabsichten. Die unscheinbaren Helden machen dabei den eigentlichen Reiz aus. Rothers Worldbuilding ist okay, die größte Überraschung bleibt eine Stadt, die sich vollständig auf einem gigantischen Baum befindet. Ein interessanter Schauplatz mit interessanten Bräuchen und den üblichen Hofintrigen, die einfache Außenseiter natürlich erstmal mit großen Augen lernen müssen.

Die Größe der neuen Welt macht es erforderlich, alles ausführlich zu erklären und die Figuren nachvollziehbar einzuführen, was im Ergebnis immer wieder zu ausführlich geschieht. Da wird seitenlang indirekt erzählt und so manche rhetorische Frage gestellt, die ein spannender Dialog oder wenigstens ein spürbarer Fortschritt der Handlung längst beantwortet hätten. Stattdessen wird vor allem in der ersten Hälfte des Romans allerhand vorbereitet, dann aber doch nicht das umgesetzt, was der Leser anhand zahlreicher Andeutungen und Abenteuer zu vermuten beginnt.

Am Ende führen zwei von vier Handlungssträngen zusammen. Der Rest bleibt mit offenen Enden versehen, die allen, die gerade neugierig geworden sind, gar keine andere Wahl lassen, als schnellstmöglich zum nächsten Band zu greifen. Dort entdeckt Rother hoffentlich auch sein Herz für die Abenteuer des jungen Pol, denn im Gegensatz zu den anderen Hauptfiguren taucht der nur ab und zu auf, um eine scheinbar gar nicht zum Rest passende, dafür aber spannende Queste zu absolvieren. Irgendwo im Hintergrund lauern natürlich Bedrohungen und wütende Götter, richtig bedrohlich wirkt dieses Unheil allerdings selten.

Auch in dieser Hinsicht bleibt der Autor vage. Fazit: Es passieren viele Dinge, aber eigentlich passiert nicht viel. "Die Königschroniken" funktionieren offenbar nur als abgeschlossene Reihe, in denen ein einzelner Band jede Menge Fährten legt, die erst spät zu einem erkennbaren Ziel führen. Zwar leben Buchreihen wie diese oder auch George R.R. Martins "Lied von Eis und Feuer" von genau diesem Effekt, doch am Ende gewinnt der bessere Erzähler

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Mondstich

Andreas Kolb
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Verlag Tasten & Typen, 14.02.2018
ISBN 9783945605318
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wer irgendwo in Mitteldeutschland lebt, hat den Namen Reinhardsbrunn vielleicht erst kürzlich in den Nachrichten gelesen. Nach Insolvenz der letzten Eigentümer wurde das neugotische Gebäude vom Staat Thüringen zwangsenteignet und soll nun endlich saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Was solche und andere regionalpolitischen Ereignisse mit den Einwohnern eines überschaubaren Städtchens anstellen, fängt Andreas Kolb einmal mehr mit viel Gespür für zwischenmenschliche Abgründe ein. Im letzten Roman war es noch das fiktive Düsteroda, in dem finstere Taten geschahen, jetzt rücken die Geschehnisse auch geografisch näher an die Wirklichkeit heran. Und es wird der örtliche Pfarrer auch schonmal von missgünstigen BürgerInnen ans Landeskirchenamt gemeldet, das ihn dann wegen "ungedeihlichem Verhalten" zurechtherapieren möchte. Ein Seitenhieb auf reale Praktiken? Hoffentlich.

Es sind vor allem diese Momente und die Verflechtung mit den genau beobachteten kleinen und großen Intrigen der Kleinstadt, die "Mondstich" von der Konkurrenz im Sektor Heimatroman abhebt. Dass außerdem noch mutmaßliche Vampire um das Schloss flattern wirkt umso passender wenn man weiß, dass die geschichtsträchtige Anlage auch schon einmal Firmen mit Verbindungen zum russischen Parlament gehört hat oder zu Begegnungen zwischen der englischen Königin Viktoria und ihrem späteren Ehemann Prinz Albert geführt hat.

Zugleich ist es eine Gegend, in der lokale Autoritäten wie Bürgermeister und Pfarrer scheinbar noch etwas gelten, sofern die gnädigen Bürger sie denn für fähig genug halten und nicht per Gerücht die Amtsenthebung vorantreiben. Eine Gegend, in der man Alufolie zum Schutz vor Handystrahlen ins Fenster klebt und auch manch anderer Verschwörungstheorie aufsitzt. Daneben geht Jakob van Lants dramatische Vorgeschichte schon beinahe unter, seine recht plastisch beschriebenen Alptraumvisionen passen dem Genre allerdings bestens.

Bleibt zu hoffen, dass der Roman seine Leser findet. Er ist nämlich weder ein klassischer Mysteryschocker, auch wenn der Showdown diesen Schluss durchaus zulässt, noch irgendein typischer netter Heimatkrimi zur gefälligen Vermarktung an Einheimische und Touristen. Vielleicht hat Kolb hier etwas ganz eigenes geschaffen, für das die Welt jenseits des Thüringer Waldes hoffentlich schon bereit ist.

Seitenzahl: 300
Format: 12,6 x 19 cm, Taschenbuch
Verlag: Tasten und Typen

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Armageddon

Wolfgang Hohlbein
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2017
ISBN 9783492704410
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit der Apokalypse kann man viel machen. Zum Beispiel einen packenden Thriller über unerklärliche Phänomene, die eine Brücke zwischen Endzeitprophetien und ihren Anzeichen im Hier und Jetzt schlagen. Wolfgang Hohlbein hat sich für Fantasy entschieden. Anfangs sieht es noch recht bodenständig aus, denn auf dem Linienflug nach Israel sät der Autor zahlreiche Anknüpfungspunkte, die er später wieder aufgreift.

Doch kaum ist der sprichwörtliche große Knall eingetreten könnten Beka und ihr geheimnisvoller Begleiter Luke (dessen Rolle erst sehr viel später ansatzweise erklärt wird) auch in jeder x-beliebigen fantastischen Parallelwelt gelandet sein. Zwar gibt es hier Engel, biblische Schauplätze und kleinere Verweise auf jüdisch-christliche Endzeitvorstellungen, sonst hat das Geschehen aber kaum etwas mit dem Titel des Buches zu tun. Der Antichrist, Gott, Jesus, nicht einmal die Reiter der Apokalypse haben es hinein geschafft. Diverse mythologische Elemente werden immer mal wieder in Form nicht immer verständlicher Fachbegriffe (wie z.B. "kaballistisch", "Jericho-Posaune") eingeflochten, bei denen man ohne biblische Vorkenntnisse verloren dasteht.

Das postapokalyptische Szenario dient eher als Hintergrund für eine austauschbare Abenteuerhandlung mit Rätselpotenzial, in der der Leser selten mehr weiß als Beka und die sie umgebenden Figuren. Während in den ersten Kapiteln des Buches die mysteriösen Umstände des plötzlichen Weltuntergangs die Handlung noch anständig vorantreiben, stagniert sie wenig später für mehr als hundert Seiten. Währenddessen bemüht sich Beka, mehr über ihre Umgebung herauszufinden und beobachtet Dämonenattacken, löst Konflikte aus und tritt dabei trotzdem permanent auf der Stelle.

Wenn etwas passiert, dann schwenkt die Handlung plötzlich zu Actionszenen und haarscharfen Fluchtversuchen, die nicht immer ganz glaubwürdig ausgehen. Zwischendrin wird ein- bis zweimal die Welt erkundet, man hätte aber gerne noch mehr darüber erfahren, warum sie nun einmal so ist wie sie ist und weshalb ausgerechnet Beka und Luke in ausgerechnet jenem unterirdischen Tempel wieder erwachen. Dass die Fronten zwischen Gut und Böse vielleicht ganz anders als gedacht aufgeteilt sind, wird für aufmerksame Leser schon relativ früh klar, größere Twists gibt es erst fast ganz am Schluss.

Da mittlerweile eine im Februar 2019 erscheinende Fortsetzung angekündigt wurde wirkt das Ende doch nicht ganz so abgehackt wie es im ersten Moment eben rüberkommt. Also ist "Armageddon" offenbar der Prolog eines neuen Romanzyklus', der folgendermaßen weitergeht (kein Spoiler): Beka überlebt alles, verliert alles, wacht plötzlich ganz woanders wieder auf und muss sich einem großen Kampf stellen. Kommt uns das bekannt vor?

Bleibt abzuwarten ob die Handlung ähnlich wie hier ein mit mäßig witzigen Popkultur-Anspielungen unterfüttertes Weltuntergangsabenteuer darstellt, das man auf vierhundert Seiten (oder weniger) genauso gut hätte erzählen können. In den besten Momenten liefert Hohlbein spannende Verfolgungsjagden und eine in Ansätzen interessante Variation des Weltuntergangsgerüsts, neue Ideen fehlen aber. Dafür, dass in den ersten paar Kapitel einige potentiell spannende Fährten gelegt werden, fällt der Rest eher enttäuschend aus.

Seitenzahl: 608
Format: 14,9 x 22,7 cm, gebunden
Verlag: Piper

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Die Wölfe kommen

Jérémy Fel , Anja Nattefort
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423261432
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... ist nicht leicht. Zwar beansprucht mittlerweile jeder Thriller und Provinzkrimi die allerfinstersten Taten für sich, doch mit Jérémy Fel scheint sich in mancher Hinsicht ein würdiger Erbe für King und Co. gefunden zu haben. Die Art der Erzählung wird nicht jedem schmecken, im Gesamtkontext funktioniert sie aber.

Das Einbeziehen unterschiedlichster Figuren und ihrer Geschichten sorgt zunächst vor allem für eine gewisse Abwechslung. Bis sich offenbart, was sie alle verbindet und wo es möglicherweise Anknüpfungspunkte zum ersten Kapitel gibt vergeht mitunter viel Zeit, denn die Zusammenhänge sind auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich. Deshalb kann manches Kapitel unter Umständen unmotiviert wirken, Dranbleiben lohnt sich dennoch.

Ähnlich wie Stephen King in vielen Fällen lässt Fel den Wahnsinn im Hinterland der USA beginnen, wo die Felder und Farmen scheinbar fast genauso endlos wie die Schattenseiten der Menschen sind. Die Konsequenzen der ersten Tat und ihrer Nachfolger schockieren eher durch die durchtriebene Rücksichtslosigkeit der Täter als durch die detailreiche Schilderung übertriebener Grausamkeiten.

Der Haupthandlungsstrang um den Kampf einer Frau namens Mary Beth gegen den Verbrecherboss Walter Kendrick nimmt den meisten Raum ein und hat an seinen besten Stellen das Zeug zum packenden Psychothriller. Für sich allein wäre dieser Teil des Buches ein guter, wenn auch nicht weiter auffälliger Spannungsroman, über den man nicht viele Worte verlieren müsste. Neben der häufig unterbrochenen Behandlung dieses Konflikts sind es vor allem die eingestreuten Episoden, die Fels erzählerische Fähigkeiten beweisen.

Dass der Franzose vom Drehbuchschreiben kommt und von amerikanischer Literatur beeinflusst wurde wird auch ohne den Klappentext deutlich. An wenigen Stellen ist "Die Wölfe kommen" nahe dran zu offensichtlich von den großen Vorbildern zu zehren und die Cliffhanger etwas zur routiniert einzusetzen. Im Schnitt liest sich der für einen routinierten Thriller recht experimentelle Roman dank zahlreicher spannenden Momente trotzdem flüssig und sorgt trotz weniger neuer Erkenntnisse jederzeit für gute Unterhaltung.

 Originaltitel: "Les Loups à leur Porte"

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363 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

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Das Fundament der Ewigkeit

Ken Follett , Dietmar Schmidt , Rainer Schumacher , Markus Weber
Fester Einband: 1.168 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.09.2017
ISBN 9783785726006
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ken Follett muss man an seinem eigenen Anspruch messen. Mit "Die Säulen der Erde" hat der Brite einen epochalen Historienroman mit einem annehmbaren Nachfolger vorgelegt. Der dritte Teil geht einen konsequenten Schritt weiter in Sachen interessanter Kapitel der englischen Geschichte, aus der Follett einmal mehr die spannendsten Perlen herausfischt. Umso mehr schade ist es, dass er ausgerechnet an den Grundlagen scheitert.

Struktur und Hauptkonflikt sind schon nach einigen Seiten klar: Ob Jack und Aliena, Merthin und Caris oder Ned und Margery: Im Mittelpunkt steht stets das verhinderte junge Glück zweier Kingsbridger Bürger, das sich am Ende nach vielen Irrungen und Wirrungen doch noch wohlgefällig auflöst. Da Follett es bereits oft genug getan hat darf für den dritten Teil gespoilert werden, dass es in dieser Hinsicht keine Überraschungen gibt.

Auch die Mehrheit der fiktiven Charaktere, vom Autor durchaus geschickt so platziert, dass sie zu den eigentlichen Akteuren hinter den beschriebenen historischen Ereignissen werden, sind schlichtweg uninteressant oder bekommen nie den Raum, sich zu entfalten. Beispiel: Barney Willard. Was Neds umtriebiger Bruder in der spanischen Armee, als Bürger von Sevilla oder auf hoher See erlebt wird kurz angerissen und dann mitunter für mehrere hundert Seiten wieder fallengelassen.

Trotz der knapp 1200 Seiten hastet Follett von einem Schauplatz zum nächsten, vermutlich um bloß niemanden zu langweilen oder um zu verbergen, dass die vielen aufregenden Ereignisse im elisabethanischen England unbedingt irgendwie mit der Geschichte von Kingsbridge in Verbindung gebracht werden müssen. Apropos: Kingsbridge spielt im Vergleich zu den beiden Vorgängerromanen hier nur eine sehr kleine Rolle. Die Mehrheit der Kapitel spielt in Städten wie London, Paris, Amsterdam, Sevilla, im schottischen Hochland, auf hoher See oder auch in der Neuen Welt.

Eines muss man Follett jedoch lassen: Die Recherche und Auswahl der Themen ist ihm gelungen. Dank seines Namens, der als Wortmarke längst doppelt so groß wie der Buchtitel auf dem Cover erscheint (und entsprechender Verlagsvorschüsse) kann der Autor ein ganzes Team zur Prüfung der historischen Hintergründe beschäftigen. Keine schlechte Idee, denn davon gibt es hier wirklich mehr als genug, denn im sechzehnten Jahrhundert ist die Welt im Umbruch wie nie zuvor.

Eine kleine Auswahl der historischen Eckpunkte: die europäischen Glaubenskriege zwischen Protestanten und Katholiken, Elizabeth Tudors angefochtene Herrschaft, der Konflikt um die Thronfolge mit Maria Stuart, die Bartholomäusnacht, der Angriff der spanischen Armada, Elizabeths Tod und der damit verbundene Machtwechsel, der geplante Anschlag von Guy Fawkes auf das Parlament, die Sklaverei und die Besiedelung Amerikas.

Während man sich in der ersten Hälfte viele Entwicklungen denken kann, werden geduldige Leser im letzten Viertel des Buches mit einem nochmals straff angezogenen Tempo belohnt. In den Handlungssträngen um Ned Willard, seinen Gegenspieler Pierre Aumande und einen gewissen Jean Langlais hat sich schon angedeutet, dass in "Das Fundament der Ewigkeit" auch ein historischer Spionagethriller versteckt ist. Ein Genre, in dem sich Follett seit seinem ersten großen Erfolg "Die Nadel" bestens auskennt.

Wie sich kurz vor der Bartholomäusnacht alle zuvor angeschnittenen Wege kreuzen und endlich alles ein stimmiges Gesamtbild ergibt, ist meisterlich vorbereitet und deutet auf einen großen vorläufigen Höhepunkt hin. Doch schon der Umfang des Buches deutet an, dass es nach einem der blutigsten Gemetzel der spätmittelalterlichen Geschichte noch lange nicht vorbei ist. Tatsächlich ist das Ereignis dann doch nur eins von vielen, bevor Ned Willard nebst neuer Partnerin zurück nach England reist, wo die Geschichte in großen Schritten voranprescht. Da werden zugunsten der Handlung auch mal ohne weiteres ganze Jahrzehnte übersprungen, deren Inhalt man in wenigen Nebnsätzen erfährt.

Kurz vor Schluss kann Follett endlich seine Stärken noch einmal voll ausspielen, während der Rest des Romans zwar handwerklich okay, dafür aber weitgehend frei von Überraschungen oder neuen Erkenntnissen ist. Selbst die in dieser Epoche so fundamentalen Veränderungen durch die Nachwirkungen der Reformation bleiben einfach ein weiterer Grund um Menschen zu töten oder Politik zu betreiben. Was genau es für das Seelenleben seiner Figuren bedeutet, die eine oder andere Seite zu wählen, ist dem Autor offensichtlich egal.

Originaltitel: "A Column of Fire"
Bonusmaterial: Landkarten im Vorsatz, Figurenverzeichnis

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40 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.05.2018
ISBN 9783453201163
Genre: Biografien

Rezension:

Ein Rückblick ist es, wenn auch kein wehmütiger. Gewohnt humorvoll skizziert Otto seinen Werdegang und lässt manche wahre oder halbwahre Anekdote mit einfließen. Was davon wirklich stimmt erfährt man gelegentlich erst ein paar Absätze weiter, es passt aber durchaus zu dem, was man von einem Blödelbarden eben erwarten darf.

Sonderlich ernst nimmt sich Otto nicht. Aber auch sonst kaum jemanden. Von langjährigen Kollegen und seiner Familie erzählt er allerdings mit Respekt und gewährt einen Einblick in seine frühen Jahre und das Familienleben jenseits der Bühne, falls es denn eins gab. Denn hauptsächlich handeln die gut vierhundert Seiten (plus Bildteil) vom komischen Schaffen des Ostfriesen.

Vorbilder und Kollegen von Heinz Ehrhardt über Loriot bis zu den Co-Stars der "7 Zwerge"-Filme nennt und würdigt Otto gleichfalls und erstellt damit eine unverschämt unterhaltsame Biografie des deutschen Humors. Gleichzeitig offenbart sich das fröhliche Gesicht hinter dem fröhlichen Gesicht - sprich: Es gibt keine tragische Vorgeschichte. Dieser Friese ist jenseits des Rampenlichts offenbar genauso gut gelaunt wie vor Publikum.

Vielleicht macht genau das einen Gutteil der Faszination Otto aus. Zwar lässt und ließ Herr Waalkes Drehbücher, Gags und Bühnenprogramme auch von Autoren der GEK-Gruppe mitschreiben, ein wesentlicher Teil seiner Person steckt allerdings durchaus in dem was er tut. Daran haben auch die verschiedenen Bühnenunfälle - vom Stromschlag bis hin zu abgeschossenen Kronleuchtern - nichts geändert. Diese Verschmelzung von Kunstfigur und Authentizität dürfte weitgehend einmalig sein, schon angesichts etlicher Comedy-Eintagsfliegen der letzten beiden Jahrzehnte, von denen heute niemand mehr spricht.

Darüber hinaus gibt es durchaus auch Einblicke hinter die Kulissen seines Schaffens, vor allem was Ottos Ansichten über Komik, das Filmemachen und Gefühle auf und hinter der Bühne angeht. In den Exkursen über die Geschichte des Lachens und filmische und literarische Einflüsse erleben wir einen in Sachen Bildung bestens ausgerüsteten Menschen, der vielseitig interessiert und belesen ist. Amüsant liest sich, dass Otto auch schon Rollen als Tatort-Kommissar angeboten wurden und dass er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch in Opern mitgespielt hat. Wenns ans Persönliche geht, verheimlicht Otto nicht seine beiden gescheiterten Ehen und bekennt freimütig die eigene Mitschuld. Die große Selbstdemütigung bleibt allerdings aus - zum Glück.

Fazit: Otto ist Kult und Kult wird nicht hinterfragt. Wäre in diesem Fall auch sinnlos, denn immerhin wird er nicht müde zu betonen, dass für ihn Nonsens stets genug war und ist und dass es nicht immer tiefgründige Satire oder Kabarett mit dem Zaunspfahl sein muss. Den Kritikern hat das seinen Berichten nach noch nie gefallen, aber noch hat er sie alle überlebt. Es darf also auch mal geblödelt werden!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Heeresfeldbahnen im Zweiten Weltkrieg

Alfred B. Gottwaldt
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Motorbuch, 22.02.2018
ISBN 9783613715653
Genre: Sachbücher

Rezension:

Alfred B. Gottwaldt, Autor des Lokomotivbuch-Klassikers "Deutsche Kriegslokomotiven", trägt hier eine Vielzahl von Quellen zusammen und lässt ein rundes Bild der Feldbahneinsätze an allen relevanten Fronten entstehen. Theoretisch ist es nur ein Teil einer umfangreicheren Abhandlung, aber der erste Band über den Ersten Weltkrieg und die Gesamtausgabe beider Werke sind seit Jahrzehnten vergriffen und werden leider nicht mehr nachgedruckt.

Nichtsdestotrotz hat es der Transpress-Reprint dieses Titels auf einen beachtlichen Umfang gebracht und zwar nicht nur wegen der vielen großformatigen Bilder aus dem Betriebsalltag sowie zahlreicher Skizzen und Werksfotos. Auch der für den Stand der Zeit außerordentlich intensiv recherchierte Textteil wartet mit detaillierten Einsatzabellen, technischen Daten, Original-Auszügen aus Wehrmachtsdokumenten und Zeitzeugenberichten auf. Da inzwischen in manchen Bereichen neue Erkenntnisse vorliegen, sind Sätze wie "bis zum heutigen Tag" aber mit Vorsicht zu genießen.

Kriegsverklärung findet dagegen nicht statt. Im Gegenteil, schon die einführenden Kapitel verdeutlichen mit der gebotenen Trockenheit, dass Geschwindigkeit und Ambitionen des geplanten Invasionskriegs Abteilungen wie die Feldeisenbahner und andere Bereiche der Armee dermaßen überforderten, dass nicht einmal ansatzweise an die Erfüllung aller geplanten Ziele zu denken war. Auch den Einsatz von Zwangsarbeitern und schätzungsweise nicht immer ganz freiwillig engagierten "einheimischen Hilfsarbeitern" der eroberten Gebiete verheimlicht das Buch nicht.

Neben Abhandlungen über Streckenbau und Konzeption der Feldbahnen sind vor allem die Kapitel über die eingesetzten Fahrzeuge sehr gelungen. Da finden sich bestens bekannte Lokomotivmodelle wie die Diesellok HF130C und die leichten B-Kuppler (Dampf) von Henschel. Darüber hinaus beeindrucken diverse Prototypen und vor allem die für Feldbahnverhältnisse gewaltigen Fünfkuppler der Hersteller Jung, Henschel und Krauss-Maffei.

Dem Wildwuchs beim Wagenbau ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die bildliche Darstellung beschränkt sich allerdings auf Risszeichnungen der wenigen genormten Wagentypen, Fotografien fehlen völlig. Insbesondere für die größeren Personenwagentypen dürfte entsprechendes Material zu finden sein.

Die Qualität der übrigen Abbildungen ist unterschiedlich. Mehrere auf Bildbandgröße aufgezogene Schwarzweißbilder sind genau richtig, während andere, vor allem im Fronteinsatz unter schwierigen Bedingungen entstandene Fotos mit ihrer Grobkörnigkeit im kleinen Format besser aufgehoben sind. Letztendlich profitieren vor allem die detaillierteren technischen Zeichnung und diverse Streckenkarten von der Größe des Bandes.

Das Layout ist größtenteils gelungen, wenn auch in Sachen Schriftart recht pragmatisch. Alle paar Seiten gibt es kleinere detailtypografische Fehler, die den Gesamteindruck nur unmerklich trüben, doch das doppelt eingefügte Bild auf Seite 181 hätte nicht sein müssen. Im Großen und Ganzen darf sich der Band aber als hochwertiges Eisenbahnbuch bezeichnen, das historisch interessierten Feldbahnfreunden viele wertvolle Einblicke liefert.

Seitenzahl: 256
Format: 24 x 27 cm
Verlag: Transpress

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Sherlock Holmes und der Vampir im Tegeler Forst

Wolfgang Schüler
Flexibler Einband: 290 Seiten
Erschienen bei KBV, 15.03.2017
ISBN 9783954413652
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Holmes und die Vampire - das gibt es nicht erst seit qualitativ höchst unterschiedlichen Mystery-Crossovern, in denen der skeptische Detektiv auf übernatürliche Phänomene stößt. Die Doyle-Kurzgeschichte "Der Vampir von Sussex" behandelte bereits ein entsprechendes Verbrechen, das sich auf natürlich Ursachen zurückführen lässt. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung im Fall dieses Buches. Ein Filmklassiker wird gedreht und dann ist mit Jack the Ripper auch noch der berüchtigste Serienmörder der Geschichte beteiligt.

Wolfgang Schülers Holmes-Pastiches zeichneten sich bisher vor allem durch einen gut recherchierten historischen Hintergrund aus. Ob in diversen deutschen Großstädten zur Kaiserzeit oder an Bord der Lusitania - dieser Teil ist in der Regel kein Problem. Zusätzlich hat er in Anthologien wie "Sherlock Holmes und die Drachenlady" durchaus Kanon-taugliche Kurzgeschichten abgeliefert. Allerdings mangelt es dem vorliegenden Fall ausgerechnet an Spannung und Logik.

Schon am Anfang, als sich Holmes und Watson auf Helgoland befinden, tut sich nur wenig, was für den späteren Fall interessant wäre. Kurz davor führt ein dilettantischer Jack the Ripper noch Inspektor Lestrade höchst erfolgreich an der Nase herum, dieser Handlungsfaden und die Jagd auf den Killer wird aber erst sehr viel später wieder nachvollziehbar aufgegriffen.

In Berlin angekommen ergeht sich Schüler in Nachstellungen tatsächlicher oder vermuteter historischer Szenen am Rande der Dreharbeiten von Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu", bei denen Holmes und Watson eher Beobachter sind. Dass es Jack the Ripper, ähnlich wie einst Professor Moriarty gelingt, Holmes erfolgreich an der Nase herumzuführen, ist ein spannender Gedanke, der hier allerdings nur zu einer unnötigen Dehnung der Geschichte führt.

Wichtige Entwicklungen geschehen eher nebenbei, Holmes legendäre Deduktionen haben gründlich nachgelassen und die schlussendliche Enthüllung des Rippers haben Krimi-erfahrene Leser vermutlich bereits gewittert. Der "Abgesang" auf den letzten Seiten enthält noch einmal viele interessante Informationen zu "Nosferatu", erwecken allerdings den gleichen Eindruck wie die letzten Schüler-Krimis: Sie sind vor allem eine Hommage auf die Zeit in der sie spielen und die darin stattfindenden Ereignisse. Holmes und Watson haben darin eigentlich nichts verloren.

Seitenzahl: 290
Format: 11,8 x 18 cm, Taschenbuch
Verlag: KBV

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309 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 106 Rezensionen

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Leere Herzen

Juli Zeh
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.11.2017
ISBN 9783630875231
Genre: Romane

Rezension:

Juli Zeh denkt aktuelle Entwicklungen nur geringfügig weiter, was die Satire-Anteile schon mal erfreulich auf das wenigste reduziert. Das Verhalten der Menschen nach der demokratischen Wahl einer radikal konservativen Partei ähnelt beobachteten Verhaltensweisen der letzten beiden deutschen Diktaturen: Mitmachen, kämpfen oder unauffällig anpassen. Und ja, einige Errungenschaften jener fiktiven Regierung wirken auf den ersten Blick verführerisch attraktiv, schließlich will jeder irgendwie Krieg und Stabilität, je nach ideologischem Belieben. Aber sie rufen auch andere Kräfte auf den Plan, die mit der Situation auf ihre eigene Art umgehen.

Eigentlich geht es hier aber mehr um Britta und das, was die Welt mit ihr anstellt. Und sie mit ihr. Die belehrende Meta-Ebene anderer Zeitgeistpropheten erspart sich die Autorin zum Glück, sondern entwirft stattdessen ein konkretes Szenario, das für sich spricht. In dieser Gesellschaft haben sogar Selbstmörder noch einen Verwendungszweck und Brittas Firma "Die Brücke" macht sich das zunutze. Hier gibt es weniger wütende Anfragen unzufriedener Systemopfer an einen gefühlten Unrechtsstaat, die Möglichkeit der Existenz eines Unternehmens wie der "Brücke" - und ihrer Mitbewerber - sagt genug.

Damit es nicht langweilig wird, schwingt immer noch ein Eckchen Politthriller mit. Vor allem im letzten Drittel, als Britta sich einer größeren Bedrohung gegenüber sieht, auf die sie reagieren muss, gibt es manche packende Szene, wie sie das Buch bei häufigerem Einsatz auf den ersten Blick noch ein wenig attraktiver, gleichzeitig aber auch banaler gemacht hätte. Denn die Spannung speist sich schon aus der Lage, in der sich das Deutschland dieser nahen Zukunft befindet und dem Widerspruch zwischen scheinbarem Eigensinn und still akzeptierendem Mitläufertum. Vor allem die Nichtstuer sind es, denen Juli Zeh das fortschreitende politische Desaster anlastet, welches Innenministerin Wagenknecht und die Partei BBB (Besorgte-Bürger-Bewegung) verursachen.

Am Ende muss sich jeder Leser selbst fragen, wer die leeren Herzen hat. Es erschüttert, ist unbequem und sehr direkt in seiner Aussage. Es wird nicht jedem gefallen, auch wenn man anhand des Klappentexts schon mit einer harten Dystopie gerechnet hat. Weitere Genrezutaten, wie es Teresa Hanning kürzlich in "Die Optimierer" versucht hat, hat Zeh nicht nötig, denn die klare und doch literarisch hochwertige Sprache vermittelt, was gesagt werden muss. Ein guter Roman, der manchen allzu auffälligen Seitenhieb nicht nötig gehabt hätte.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Zeitmaschine / The Time Machine (Zweisprachige Ausgabe, Englisch-Deutsch)

H. G. Wells , Jan Strümpel
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.01.2017
ISBN 9783730604816
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wenn eines aus der "Zeitmaschine" spricht, dann die Technikbesessenheit und das Fortschrittsstreben des Jahrhunderts ihrer Entstehung. Der Mensch hatte Land, Wasser und Luft erobert und Maschinen konstruiert, die manchen zu dem Schluss brachten, dass bei derartigen Weiterentwicklungen irgendwann auch der Krieg überflüssig würde. Mittlerweile weiß man es besser und besonders gegen Ende jenes Jahrhunderts wurde aufmerksamen Beobachtern immer mehr klar, dass grenzenloser Fortschritt auch grenzenloses Scheitern bedeuten kann.

Wells' namenloser Zeitreisender ist anfangs noch ganz Gentleman und fortschrittsgläubig bis zur Selbstaufgabe. Besonders von der Reise in die Zukunft verspricht er sich Einblicke in das, was die Menschheit einst noch erreichen wird, während er sich seiner Überlegenheit gegenüber den einfachen Eloi sicher scheint. Was er bei ihnen vorfindet, nämlich eine Welt in der sich die Nachfahren der Menschen im wahrsten Sinne des Wortes selbst verbrauchen, steht in ebenso krassem Widerspruch zu seinen eigenen Überzeugungen wie die Erkenntnis, dass er dagegen nichts tun kann.

Trotz seiner Kürze ein großer Roman, der in Würde gealtert ist. Selten war der Menschheit so kurz davor wie heute, sich haltlos in ihren wissenschaftlichen und ideologischen Schöpfungen zu verstricken. Dazu musste Wells kein Hellseher sein. Wer meint, erst das 20. Jahrhundert habe die fortschrittlichsten Grausamkeiten der Geschichte hervorgebracht, findet bei genauerem Nachforschen schon zu Lebzeiten des Autors eine Fülle an Ereignissen, die auf zukünftige Entwicklungen hindeuten und von denen die Elite (hier: Verleger, Mediziner, Politiker und andere Wissenschaftler) solange nichts wissen will, bis ein Beweis nach ihrem Geschmack vorliegt.

Die zweisprachige Ausgabe erlaubt einen direkten Vergleich mit dem Original. Wie schon beim bereits besprochenen "Hund der Baskervilles" entspricht der jeweils nebenstehende englische Absatz genau dem Inhalt der Übersetzung. Da die englische Sprache jedoch mit wenigeren Wörtern auskommt, gibt es an vielen Stellen Weißräume, wo sie erzählerisch und typografisch nicht unbedingt notwendig gewesen wären. Damit eignet sich vor allem die deutsche Fassung besser zum flüssigen Durchschmökern, die englische eher zum Vergleichen.

Denn spannend ist Well's Geschichte allemal. Durch Auslassungen und die Erinnerungslücken des meist in der Ich-Form berichtenden Zeitreisenden (und seines Gastes) bleiben kurzfristig genug Fragen offen, um mit Neugier weiterzulesen. Deshalb und auch aufgrund seiner Thematik dürfte dieser Klassiker so schnell nicht an Wert verlieren.

Originaltitel: "The Time Machine"

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Die große Sherlock-Holmes-Edition

Arthur Conan Doyle , Gisbert Haefs , Nikolaus Stingl , Oliver Kalkofe
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 22.05.2017
ISBN 9783844525632
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... mit dieser Erwartungshaltung zumindest tritt man dank entsprechend bedrucktem Digipack an dieses Hörbuch heran. Aber aufgepasst: Die beiden mp3-CDs enthalten mitnichten das Gesamtwerk Conan Doyles über den berühmten Detektiv, sondern "nur" die beiden eingesprochenen Kurzgeschichtenbände "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" und "Die Memoiren des Sherlock Holmes". Wer damit klarkommt, kriegt aber einiges geboten.

Oliver Kalkofe liest seinen Holmes mit Verve und Gefühl. Selbst den gelegentlich etwas komplexen Satzbau des Autors, der in der hier verwendeten Übersetzung von Gisbert Haefs und Nikolaus Stingl erhalten blieb, meistert er ohne Probleme und weckt mühelos das Interesse des Hörers. Die Charaktere bleiben klar unterscheidbar, die Spannung steigt stetig trotz mancher antiklimaktischer Momente, die der Vorlage anzurechnen sind. Soweit klar: Hier wird nicht nur routiniert vom Blatt gelesen, sondern interpretiert und mitgefühlt. Großes Kino!

Als eine Art Making Of für alle Fans des Originals sind zwei O-Töne von Holmes-Autor Conan Doyle enthalten. Trotz des Alters sind diese Aufnahmen gut verständlich und wer im englischen Sprachgebrauch routiniert ist, sollte sie ohne Probleme verstehen können. Allerdings befasst sich nur der Beginn kurz mit den Ursprüngen von Sherlock Holmes, danach widmet sich Doyle dem Spiritismus. Ein Gebiet, das ausgerechnet sein legendärer Detektiv für Scharlatanerie erklärt hätte. Dennoch ist Doyles Streben nach übersinnlicher Erkenntnis ein nicht uninteressantes Merkmal seiner Zeit, die mit ihrem rasanten technischen Fortschritt und der Rückbesinnung auf das, was nicht erklärbar ist, der heutigen frappierend ähnelt.

Das umfangreiche Booklet ist schon fast ein Buch für sich. Conan Doyle selbst erklärt - dieses Mal ausführlicher - wie es zur Erfindung des Detektivs kam. Eine kurzweilige Parodie von Doyles Freund J.M. Barrie rundet den Kanon ab, zu der sich der Autor ebenfalls äußert. Im Interview mit Oliver Kalkofe erfahren wir mehr über die detektivische Vergangenheit des Sprechers und Verbindungen zu Hercule Poirot. Ähnlich wie einige Ausgaben der Geschichten und Romane enthält das Heft außerdem noch zahlreiche Anmerkungen und Erklärungen zu den in den Geschichten verwendeten Spezialbegriffen, Querverweisen und Abkürzungen.

Fazit: Es darf gerne noch mehr sein! Vielleicht liest Meister Kalkofe eines Tages auch die Holmes-Romane und die restlichen Kurzgeschichtenbände an, sodass man als begeisterter Fan irgendwann auch "Die ganz große vollständige Sherlock-Holmes-Edition" zu hören bekommt.

Sprecher: Oliver Kalkofe, Arhtur Conan Doyle
CDs: 2
Verlag: der Hörverlag

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Sohn der Welfin

Petra Gabriel
Flexibler Einband: 343 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.07.2017
ISBN 9783839221150
Genre: Historische Romane

Rezension:

In einer Hinsicht gräbt Petra Gabriels Roman der Konkurrenz auch größerer Verlage schnell das Wasser ab: "Der Sohn der Welfin" ist ungemein informativ. Die politischen Zusammenhänge, und was sonst noch so im Umfeld der Welfen und Staufer geschieht, lässt die Autorin gut recherchiert in den Text einfließen, so dass man stellenweise meint, versehentlich in ein unterhaltsam geschriebenes Sachbuch hineingelesen zu haben.

Denn die Handlung als solche kommt ein wenig zu kurz. In Rückblicken erzählt mal Friedrich, mal ein auktorialer Erzähler und mal andere, oft fiktive Zeitzeugen vom Leben des späteren Kaisers. Das ist ein geschickter erzählerischer Kniff, der an mehreren Stellen effektiv langweiligen Momenten vorbeugt. Doch so richtig vorwärts geht es trotzdem irgendwie nicht. Die episodischen Szenen könnte man noch ertragen, würde nicht jeder Moment, in dem das Geschehen ein wenig Fahrt aufnimmt, von ausführlichen Erläuterungen zu den Geschehnissen unterbrochen oder gleich ganz abgebrochen werden.

Was vereinzelt nach Cliffhanger aussieht, entpuppt sich allzu oft als offenes Ende. Autoren wie Peter Tremayne, Bernard Cornwell und im deutschsprachigen Raum vor allem Rebecca Gablé haben vorgemacht, wie aus einer komplexen historischen Situation trotzdem ein spannender und gleichzeitig gut informierter Roman werden kann. Dieser Ansatz ist hier ebenfalls erkennbar, doch kann sich keine dieser Absichten wirklich entfalten.

Dazu kommen fragwürdige Entscheidungen, wie einige Figuren in einem frühen Kapitel im Dialekt sprechen zu lassen. Auch die Iny-Lorenz-würdige Schmonzette mit Sex und Sinnlichkeit im Auftakt hätte nicht sein müssen. Einige historische Patzer trüben das Bild zusätzlich, etwa Bernhard von Clairvaux' Zitation von Bibelstellen, die es zu dieser Zeit so noch lange nicht gab.

Alles in allem liegt hier ein potentiell guter, wenn auch in der Umsetzung teilweise gescheiterter Historienroman vor, der in Sachen aufregendes szenisches Erzählen seinen Mitbewerbern nichts entgegenzusetzen hat. Für einen Überblick über die Epoche und Friedrichs Weg zur Macht eignet sich das Buch dennoch, interessierten Mittelalterfans sei insbesondere der einmal mehr sehr informative Anhang mit Stammbaum und Zeittafel empfohlen.

Bonusmaterial: Anhang mit Stammbaum und Zeittafel

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mit Volldampf durchs Erzgebirge

Ingo Thiele
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Sutton, 14.11.2018
ISBN 9783954008414
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine reizvolle Ergänzung zur einschlägigen Literatur über Sachsens Schmalspurbahnen, von denen im Gegensatz zu dampfbetriebenen Regelspurstrecken wesentlich mehr erhalten wurde.

Ingo Thieles Werk funktioniert gleichzeitig als Bildband und Streckenverzeichnis. Jede Strecke wird zunächst durch einen maximal eine Seite langen Text vorgestellt, danach dominieren die Bilder. Trotz mancher monochrom wirkenden Winteraufnahme enthält das gesamte Buch nur ein einziges richtiges Schwarzweiß-Foto, der Rest ist durchweg farbig.

Somit öffnet sich dem Leser im wahrsten Sinne ein bunter Blick in den Dampfalltag des Erzgebirges zu Zeiten der Ost-Reichsbahn. Die Aufnahmen der Regelspurstrecken reichen bis in die 1980er Jahre hinein, als die Dampfloks im Zuge von Ölkrise und gescheiterten Fünfjahresplänen nochmals zeigen durften, was in ihnen steckt.

Naturgemäß reicht die Chronik der enthaltenen Schmalspurstrecken, sofern nicht bereits stillgelegt, etwas weiter, genauer bis in die frühen 2000er hinein. Schön, dass neben aktuellen Entwicklungen auf seltene Kapitel wie den in den frühen Neunzigern immer noch stattfindenden Güterverkehr zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal, sowie auf den bis 1985 betriebenen Rest des Thumer Schmalspurnetzes in Schönfeld-Wiesa hingewiesen wird.

Seltenheitscharakter haben natürlich auch die historischen Aufnahmen des Dampfbetriebes auf den größtenteils vorgestellten Strecken. Nicht nur Fahrzeuge und Gebäude sind heute oft längst verschwunden, auch planerisch spannend angelegte Strecken wie die Dorfdurchfahrt zwischen Schlettau und Crottendorf gibt es in einigen Fällen nicht mehr.

Neben den hochinteressanten verkehrshistorischen und heimatgeschichtlichen Aspekten dient das Buch ebenso als Dokument der Zeitgeschichte. Wie ein Staat der sozialistischen Moderne auf ein laut Parteidoktrin längst hinfällig gewordenes Arbeitstier wie die Dampflokomotive zurückgreift und die Eisenbahner das im Alltag mit viel Improvisationsgeschick und Einsatzbereitschaft umzusetzen verstehen, dürfte in der deutschen Geschichte einmalig sein.

Ergänzt wird der Band durch zwei im Vor- und Nachsatz eingebundene Netzkarten aus den Jahren 1962 und 1982. Daran lässt sich ablesen, dass Stilllegungen keine Erfindung der DB AG sind: Schon zu Reichsbahnzeiten wurde in Sachsen und besonders im Erzgebirge so manche als unwirtschaftlich angesehen Strecke für immer aus dem Fahrplan entfernt.

Seitenzahl: 128
Format: 17 x 24,1 cm, gebunden
Verlag: Sutton

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Schwerelos

Katie Khan , Bernhard Kempen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.12.2017
ISBN 9783453318434
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Eine Liebesgeschichte für Erwachsene, die kein Kitsch ist und außerdem weder "Fifty Shades of Grey" kopiert noch irgendeinem dystopischen Jugendbuch ähnelt - warum nicht? Noch dazu steigt Katie Khan so unmittelbar in die Handlung ein, dass man erstmal gerne mitfiebert. Die Ausgangssituation ist einem Film namens "Gravity" nicht unähnlich, denn um im Weltall zu überleben müssen sich Max und Carys einiges einfallen lassen.

Was die beiden zusammengebracht hat erfahren wir allerdings erst nach und nach. Im Wechsel mit den Weltraumszenen erzählt Khan von einer Beziehung, die nicht sein darf. Zumindest noch nicht. Denn im "Europia" der Zukunft soll man vor Langzeitbeziehung und Familiengründung erst die sogenannte "Rotation" vollenden und in allen "Woiwodschaften" des vereinigten Kontinents gelebt haben. Eine interessante Idee, die als Lehre aus dem Hass auf das kulturell Andersartige auch aus einer Zukunft kurz nach der heutigen Zeit stammen könnte.

Auch darüber hinaus birgt das Worldbuilding interessante Ideen: So ist Europia als Verbund hauptsächlich asiatischer und europäischer Nationen im Gegensatz zu den USA einigermaßen stabil und hat offenbar einen großen Krieg überstanden. Die Bürger tragen die Ideologie weitestgehend mit, die verführerisch nah an der Grenze zwischen Zwang und freiwilliger Kooperation angesiedelt ist. Schließlich will der Staat ja nur das beste und welcher Einzelne könnte das schon anfechten?

Max und Carys tun es und stoßen damit in ihrem Umfeld auf einigen Widerstand. Während Max' Eltern als Miterbauer des Systems ihren Sohn verloren glauben bemüht sich Carys' Mutter um vernünftige Argumente. Beides vergebens. Warum sich ausgerechnet diese beiden ineinander verlieben und nicht irgendwer anders bleibt allerdings schleierhaft. Katie Khans Zukunftsvision ist reizvoll und interessant, der Überlebenskampf spannend, die Erzählweise abwechslungsreich und doch bleibt die Einzigartigkeit der Figuren auf der Strecke.

Da ist es ganz angenehm, wenn das Buch dann zum Ende kommt. Nicht weil es so furchtbar wäre, sondern weil es das Ende in diesem Roman streng genommen gar nicht gibt. Mehr soll nicht gespoilert werden, aber die Autorin zaubert zwei bis drei überraschende und erzählerisch spannende Tricks aus dem Ärmel, mit denen man nicht mehr gerechnet hätte. Damit ist "Schwerelos" vor allem im letzten Drittel auch endlich literarisch anspruchsvoll und nicht bloß die vermutete Lovestory im Weltraum. Gut so!

Originaltitel: "Hold Back the Stars"

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Die Geschichte von Kullervo

J.R.R. Tolkien , Verlyn Flieger , Joachim Kalka
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.02.2018
ISBN 9783608960907
Genre: Fantasy

Rezension:

Wer die Veröffentlichungen der letzten Jahre, wie "Sigurd und Gudrún" und "König Arthurs Untergang", verfolgt hat, weiß bereits, dass es neben Mittelerde noch viel unentdecktes im Schaffen des großen Autors gibt. Die amerikanische Philologin Verlyn Flieger nimmt sich hier das finnische Nationalepos Kalevala vor, aus dem Tolkien schon im zarten Alter von zwanzig Jahren die Geschichte eines bestimmten Helden nacherzählte.

Kullervo soll der Prototyp sein, aus dem mittelerdische Helden wie Túrin Turambar geschnitzt sind. Die Tragik von Kullervos Schicksal spricht ebenso dafür wie die Düsternis seiner Geschichte, sowie die immer wieder auftretenden zauberischen Elemente seiner Umgebung. Nicht nur der böse Onkel ist ein Zauberer, auch die Umgebung, vom Fluss bis hin zu den Tieren ist beseelt und durchaus eigensinnig. Diese Episode des Kallevala ist eine Geschichte, wie sie nur eine Überlieferung eines mythologisch weitgehend eigenständigen Kulturkreises hervorbringen kann, der vom Einfluss herumtobender germanischer Sagafiguren verschont blieb.

Tolkiens Nacherzählung beansprucht gerade einmal siebzig Seiten des Buches, der Rest ist streng genommen Bonusmaterial. Siebzig Seiten machen noch kein Buch, also findet sich neben der kundigen deutschen Übersetzung von Joachim Kalka noch die englische Originalfassung, passend auf der gegenüberliegenden Seite zum Vergleichen. Verlyn Fliegers Einleitung hilft dabei, Kullervos Geschichte im Schaffen Tolkiens und im Kontext des übrigen Kallevala einzuordnen.

Da allerdings niemand anderes als Tolkien selbst seine Faszination für diesen Text besser erklären könnte, finden wir noch die Abschrift eines Vortrages, den er erstmals 1914 in Oxford hielt. Genauer gesagt zwei, denn neben dem ursprünglichen Manuskript ist gleich danach noch das Typoskript enthalten, das der Ursprungsfassung so stark ähnelt, dass man hier eine unnötige Streckung um dreißig weitere Seiten vermuten könnte. Die ausführlichen Anmerkungen zum Manuskript dürften außerdem nur Leser interessieren, die sich Tolkiens Werk mit den Mitteln der Literaturkritik nähern.

Wer sich für Mythologie jenseits der sattsam bekannten germanischen, griechischen und römischen Legenden interessiert, der findet hier zumindest in der tatsächlichen Nacherzählung von Kullervos Schicksal einen interessanten Einstieg in die Welt des Kalevala. Verlyn Fliegers Aufsätze ergänzen das von Tolkien skizzierte Bild auf sinnvolle Weise, die Anmerkungen zur Geschichte liefern zusätzliche Informationen, denn selbst die nacherzählte Geschichte ist nicht ganz vollständig überliefert.

Kritiker werden in dem Band vermutlich eher ein Mittel zur Vermarktung von Tolkiens gutem Namen sehen. Ein nicht ganz unzutreffendes Argument, denn von ihm sind nach Abzug aller übrigen Aufsätze und Anmerkungen höchstens zwei Drittel des Inhalts. Allerdings kann genau dieser Name einer interessierten Leserschicht diese so fremdartige Welt näherbringen und mehr Interesse für Tolkiens umfangreiches Werk jenseits von Mittelerde wecken.

Originaltitel: "The Story of Kullervo"
Bonusmaterial: Anmerkungen zu Geschichte und Aufsätzen, Illustrationen und Abbildungen aus dem Original-Manuskript

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Verfolgung

David Lagercrantz , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 07.09.2017
ISBN 9783453270992
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

David Lagercrantz läuft in diesem Roman nicht nur zur bisherigen Höchstform auf, sondern löst auch manches unbeholfen wirkende Element aus dem Vorgänger elegant auf (Stichwort: Zwillingsschwester(n)). Ob das ausführlich geplant war oder die eingefleischten Larsson-Fans beruhigen soll ist eigentlich egal. In jedem Fall macht es dieses Buch spürbar besser als das letzte und Lust auf mehr.

Lisbeths Aufenthalt im Gefängnis sorgt für allerhand spannende Konflikte, während sich Mikael Blomkvist wieder im gewohnten Umfeld seiner Enthüllungsstorys bewegt. Die zentralen Probleme beider Helden verweisen vor allem auf zwei Themen: Einmal mehr nehmen sich Angehörige der gesellschaftlichen Elite Freiheiten heraus, die unter dem Deckmantel moderner Wissenschaft auch Missbrauch und Zwang beinhalten. Zum anderen wird die offene schwedische Gesellschaft mit den Abgründen anderer Kulturkreise konfrontiert, die auch in einem sich für aufgeklärt haltenden skandinavischen Land noch Anhänger finden.

Gerade die deterministische, oft links der politischen Mitte verortete Sozialisierungsforschung, laut der der Mensch mit den richtigen äußeren Einflüssen alles mögliche sein kann, steht hier auf dem Prüfstand. Das und die Hinterfragung extremistischer Tendenzen und deren mögliche Begünstigung in offenen Gesellschaften rüttelt an den Grundfesten des schwedischen Selbstverständnisses. Vielleicht war es nicht das schlechteste, mit David Lagercrantz einen gelernten Journalisten für die Fortsetzung der Reihe zu verpflichten, der nicht nur glaubwürdig recherchiert, sondern auch das gewisse investigative Gespür mitbringt, das sowohl den Vater der Reihe, als auch seine populäre Schöpfung Mikael Blomkvist auszeichnet(e).

Netterweise verkompliziert Lagercrantz seine Thesen nicht zu einem verkopften Feuilleton-Liebling, sondern vergisst auch die Spannung nicht zu oft. Im ersten Drittel muss man sich noch zwischen allerhand Personen und Situation zurechtfinden, danach kommt die angekündigte finstere Verschwörung immer mehr zum Zug. Spätestens in der zweiten Hälfte ist "Verfolgung" wieder der packende Thriller, den man sich von der Marke Stieg Larsson zu Recht erhoffen darf.

Zugegeben - einige der pragmatischen Aufräumaktionen der Verschwörer und die Verstrickungen in Richtung Unterwelt erinnern stark an die ursprüngliche Trilogie, während die wirklich neuen Ideen eher in der Grundidee der zentralen Verbrechen stehen. Für einen Unterhaltungsroman mit einem nicht allzu stark übertriebenen Szenario ist "Verfolgung" trotzdem gut gelungen und könnte selbst Kritiker des Vorgängers überzeugen.

Originaltitel: "Mannen som sökte sin skugga" ("Der Mann, der seinen Schatten suchte")

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