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dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rezensionen sind etwas subjektives, nachdem ich mich von den bisher veröffentlichten überzeugen lies dieses Buch zu erwerben, mich darüber dann aber sehr geärgert habe –was mir bisher zum Glück noch nie passiert ist- habe ich beschlossen meine Meinung über dieses Buch zu veröffentlichen.

1.Thema:
Krimis, die in der Endphase des dritten Reiches spielen scheinen derzeit in Mode zu sein, was in meinen Augen der einzige Beweggrund des Autors war diesen Roman zu schreiben. Nicht in Betracht kommen jedenfalls Faktoren wie etwa ein Fable für Geschichte oder Inspiration, wie ich weiter unten verdeutlichen will.
Zwar ist es nicht wirklich originell, einen Serientäter in eine apokalyptische Welt wie jene der Bombennächte in Dresden zu entsenden, aber das war für mich kein Kriterium, die Beatles haben die Gitarre ja auch nicht erfunden.

2.Dialoge:

Nachdem die Geschichte recht spannend anfängt, wird dem Leser recht schnell gewahr das sich der Autor offenbar nie wirklich für die damalige Zeit interessiert oder sich mit ihr beschäftigt hat.

Neben einiger grober Fehler wie zum Beispiel der Tatsache, das die Wehrmacht keine (grünen) Barette trug (lediglich die frühen Panzerbesatzungen trugen eine Kopfbedeckung in der Art eines Baretts in schwarz welche bis 1940 bereits durch eine praktische Feldmütze ersetzt wurde) noch gab es eine „Luger-Maschinenpistole“, (die Luger war eine Pistole) fällt vor allem der völlige Mangel der Protagonisten auf, ihre Sprache der Zeit anzupassen in der sie dem Willen ihres Schöpfers nach wirken sollen.

Die Dialoge wirken nicht „echt“ und zeitgenössisch, zu keiner Zeit wird dem Leser das Gefühl vermittelt sie seien tatsächlich in dieser Zeit geführt worden, vielmehr zwingt sich der Gedanke auf man habe deren Führer aus dem 22. Jahrhundert grob ausgeschnitten und auf eine entsprechende Kulisse geklebt.

Mag sein, das ich das so sehen weil ich bereits viele Bücher aus dem Zeitraum 1914-45 gelesen habe (Roth, Jünger, Flex, O.M. Graf etc etc) aber selbst der sprachliche Ausdruck in Heimatfilmen aus den 50ger/60ger Jahren sind weit näher an der Realität jener Zeit dran als das was uns der Autor hier zu verkaufen versucht, und die kennt man doch wenn man in den Siebzigern geboren wurde?

Was den Inhalt der Dialoge angeht wurde hingegen keineswegs Neuer Wein in alten Schläuche gefüllt, vielmehr wurde hier ganz tief in die Klischeemottenkiste der letzten Jahrzehnte gegriffen wo man besser daran getan hätte etwas Originelles zu schaffen. Kein noch so ausgelutschtes Klischee bleibt unbedient, keine noch so altbackene Plattheit wird ausgelassen – jede Folge des „Großstadtreviers“ wirkt dagegen fast revolutionär, das wirkt auf die Dauer sehr anstrengend wie ich finde.

3. Handlungsverlauf:

Der Roman fängt wie gesagt recht spannend an, verliert aber bald an Fahrt und bleibt zur Mitte hin im zähen Schlamm der Einfallslosigkeit stecken.
Diese Zwangspause nutzt der Autor zur –recht gelungenen aber vieeel zu langen- Schilderung der großen Bombennacht von Dresden.

Hierbei leidet der Leser fast so schwer wie die Hauptfigur, mit dem Unterschied das die Hauptfigur ihre Haut zu retten versucht, der Leser hingegen seinen Geduldsfaden.
Letztgenannter hat hierbei den unschätzbaren Vorteil, sein Leiden durch Überblättern verkürzen zu können. Hätte ich das Buch an dieser Stelle weggelegt, wäre der Autor mit zwei, vielleicht sogar drei Sternen davongekommen – und meine Rezension mit einem Wort: „anstrengend“.

Der Lösung des Rätsels um die beschriebenen Morde kommen selbst die weniger aufmerksamen Leser – im Gegensatz zu dem Herrn Kriminalrat - recht früh gefährlich nahe. Mich zwang denn auch nicht das Interesse an der Handlung, weiterzulesen – vielmehr war ich gespannt, mit welchen Tricks der Autor diese einfallslose Geschichte zu einem stimmigen Ende führen wird.

Das bereute ich jedoch bald sehr; die Handlung nimmt eine völlig unglaubwürdige Wendung nach der anderen auf nun vollkommen flachem Terrain. Eine einzige derartige Wendung hätte genügt um diesen Karren der Einfallslosigkeit mit Blechschaden über die Ziellinie zu führen.

Aber nein – der Autor kann einfach nicht aufhören, jetzt nimmt er keinerlei Rücksicht mehr auf den Leser. Er nimmt nun Serpentine um Serpentine durch eine Aneinanderreihung komplett an den Haaren herbeigezogener Begebenheiten, realitätsfremder Dialoge und einem ganzen Feuerwerk abgeschmackter Klischees und Einfallslosigkeiten die zuweilen unfreiwillig komisch, aber zumeist unerträglich sind.

Gerade in Bezug auf die Russen, die im Laufe der Geschichte auftreten fragt man sich oft „das kann doch nicht sein ernst sein?“, und man fühlt sich ein ums andere Mal an eine russische Variante von „ein Kessel voller Helden“ erinnert, wenn der Besiegte dem russischen Politoffizier auf der Nase herumtanzt, oder dessen Untergebene zwar die Einrichtung eines Hauses durchsuchen und demolieren – die großen Kisten mit Schmuck und Geld aber unversehrt und unbewacht auf dem Dachboden belassen, wo ihr Herr Offizier sie zuvor entdeckt hat..

Da das Rätsel dann zum Glück eine geschätzte Lesestunde vor Ende des Romans gelöst wurde –hier wurde ich zum ersten Mal überrascht – allerdings durch eine weitere und gänzlich unnötige Wendung, die weder Spannung noch irgendeinen „Aha“-Effekt erzeugt legte ich das Buch zu den Akten. Ich kann nur erahnen welche unsäglichen Lächerlichkeiten ich mir neben einer Stunde Lebenszeit dadurch erspart habe..

Falls noch jemand eine Tipp für ein wirklich gutes Buch bezüglich "Serientäter und Endkampf" haben will: "Sternstunde der Mörder" von Pavel Kohout.

„Kriminalrat Heller, gehen se Parkuhren kontrollieren – zack zack“

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Tags: groschenroma, mumpitz   (2)
 
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