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107 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

nordkorea, roman, folter, diktatur, waisenhaus

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Adam Johnson , Anke Carolin Burger
Flexibler Einband: 685 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 16.06.2014
ISBN 9783518465226
Genre: Romane

Rezension:

Einige Male habe ich überlegt, das Buch beiseite zu legen. Es schildert die absurde Brutalität und Hoffnungslosigkeit des Alltags in Nordkorea in einer ungewöhnlichen Weise, die mir sehr nahe ging. Was dem namenlosen Helden ganz normal vorkommt und „en passant“ beschrieben wird, ist für einen Mitteleuropäer nicht vorstellbar.

Ein „normales“ Leben scheint unter den geschilderten Bedingungen völlig unmöglich, weil es komplett fremdbestimmt ist. Nahrung wird (falls welche vorhanden ist) zugeteilt, Kinder und schöne Frauen werden willkürlich verschleppt, Angestellte von der Straße für mehrwöchige Ernteeinsätze eingesammelt. In den Arbeitslagern müssen die Menschen wegen geringster Verfehlungen bis zum Tod durch Erschöpfung schuften. Und in den Wohnzimmern rufen fest eingebaute Lautsprecher zur Denunziation auf, damit es Nachschub für die Lager gibt. Das System ist grotesk unmenschlich wie das in „1984“, aber wohl zu großen Teilen Realität, denn Johnson recherchierte auch vor Ort.

Als ich mich dann entschloss weiterzulesen, wandelte sich das Buch plötzlich. Ein Folterknecht wird zum Erzähler, der „Geliebte Führer“ tritt persönlich auf, und die allgegenwärtigen Lautsprecher werden von Johnson geschickt in die Erzählung eingebaut. Als hätte der Erzähler gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass er dem Leser zuviel zumutet, kippt die Stimmung ins Groteske. Lustig wird es nicht, eher bringt  der „Geliebte Führer“ eine neue, subtilere Grausamkeit ein. Doch Details und Handlung wirken immer verrückter. Vielleicht, um das unumgängliche (zumindest halbe) Happy End einzuführen.

Von der Handlung und dem Waisen Jun Do, dessen Name eigentlich nur ein Sammelbegriff ist, muss ich nicht viel verraten. Es ist keine klassische Romanhandlung, die einen über die Verknüpfung von Handlungssträngen und sympathischen Figuren einfängt. Andererseits macht Johnson dem „creative writing“ auch einige Zugeständnisse.

Vielleicht wird seine sprunghafte Erzählweise, gespickt mit unglaubwürdigen Wendungen, dem oben beschriebenen, ganz und gar fremdbestimmten Leben eines Nordkoreaners sogar gerecht. Trotzdem gibt es einen kleinen Punktabzug für den Autor, denn es hätte nicht 682 Seiten gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen. Sie hat mich berührt, bestürzt, sogar in Gedanken verfolgt. Aber man hätte sie noch stärker konzentrieren können.

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Tags: folter, nordkorea, straflager, waise   (4)
 

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29 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

musik, berlin, ddr, rammstein, flake

Der Tastenficker

Flake
Fester Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 16.03.2015
ISBN 9783862654390
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags:  
 

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23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

klassiker, mitleid, liebesgeschichte

Ungeduld des Herzens

Stefan Zweig ,
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Manesse, 16.03.2015
ISBN 9783717523765
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

roman, krieg

Warum der stille Salvatore eine Rede hielt

Michael Wäser
E-Buch Text
Erschienen bei neobooks Self-Publishing, 24.09.2015
ISBN 9783738037616
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

berlin, graphic novel, entführung, raf, linksradikalismus

Gleisdreieck

Jörg Ulbert , Jörg Mailliet , Jörg Mailliet
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Berlin Story Verlag GmbH, 16.09.2014
ISBN 9783957230294
Genre: Comics

Rezension:  
Tags: berliner hausbesetzerszene 70 und 80iger jahre, entführung, grafik novel, raf   (4)
 

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

taiwan, liebe, familie, adoption, deutscher buchpreis

Der Allesforscher

Heinrich Steinfest
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.07.2015
ISBN 9783492306324
Genre: Romane

Rezension:

Heinrich Steinfest kommt aus dem Krimigewerbe. In "Der Allesforscher" lebt er stärker - und durchaus erfolgreich - seine stilistischen und philosophischen Ambitionen aus, erzählt weniger stringent. Es finden sich viele ungewöhnliche Gedanken und Perspektiven, gekleidet in einen Sprachstil, der den Lesefluss an vielen Stellen bewußt, aber nicht aufdringlich unterbricht.

Der Roman beginnt furios mit einem port-mortal explodierenden Wal, der den Helden in ein taiwanesisches  Krankenhaus bringt. Dort lernt er eine deutsche Ärztin kennen. Erst später, als die Ärztin stirbt, wird klar, dass ihm hier die Liebe seines Lebens begegnet. Sogar ein Kind scheint dieser Verbindung entsprungen zu, welches er im zweiten Teil des Buches adoptiert, ohne von der Vaterschaft überzeugt zu sein. 

Wärend der erste Teil des Buches von schnellen Wendungen und einer Menge Action geprägt wird, kommt es dann zu einem rasanten Tempowechsel. Der Held zieht sich zurück aus seiner global und erfolgs-orientierten Managerwelt. Er wird Bademeister und Vater. Es passiert nicht allzu viel. Zeit für Reflektionen.

Aus meiner Sicht stört dieser Bruch in der Mitte des Buches den Lesefluss. Man hat sich an teilweise sureale Handlungsrasanz gewöhnt und wird dann vollgebremst. Zum Glück wird der Roman zum Schluss wieder dichter und phantasievoller, wartet sogar mit einer herzerwärmenden Auflösung auf. Und landete sicher zu Recht 2014 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

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Tags: adoption, reflexionen, sureal   (3)
 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ahnen, mexiko, totenfest

Der Staub der Ahnen

Felix Pestemer , Johann Ulrich , Felix Pestemer
Flexibler Einband: 88 Seiten
Erschienen bei avant-verlag, 16.01.2012
ISBN 9783939080619
Genre: Comics

Rezension:


Felix Pestemer hat sich vorgenommen, Europäern das mexikanische Totenfest näher zu bringen. Seine Faszination für dieses Ritual ist sicherlich echt, er konnte sie mir als Betrachter seiner Zeichnungen aber nicht vermitteln.
Die Grundidee wird allzu schnell klar: Die Toten zerfallen erst dann zu Staub, wenn sich niemand mehr an Sie erinnert. So weit, so ehrenwert. Und dann? Nichts weiter!
Es werden ein paar Familiengeschichten aus verschiedenen Epochen angerissen, deren Protagonisten jetzt tot sind und in ihrem Zwischenreich eine Party feiern. Diese Skelette sind nicht nur tot, sie wirken auch ziemlich leblos. Und die lebenden Mexikaner sind in einer Weise gezeichnet, die ich persönlich recht albern finde.
Kulturhistorisch mag das einen gewissen Wert haben, als Comic funktioniert es aber nicht.

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Tags: ahnen, mexiko, totenfest   (3)
 

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

frankfurt, judenverfolgung, juden, buddenbrooks, wertheim

Straßen von gestern

Silvia Tennenbaum , Ulla H. de Herrera
Buch: 653 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 15.02.2012
ISBN 9783895614866
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

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100 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

ddr, hiddensee, flucht, freiheit, deutscher buchpreis

Kruso

Lutz Seiler
Fester Einband: 484 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.09.2014
ISBN 9783518424476
Genre: Romane

Rezension:


Gibt es eigentlich eine Handlung? Ja, in der Nebensache. Sie sollte für niemanden der Grund sein, den lyrisch und allegorisch angelegten Roman eines großen Poeten zu lesen. Eine Kurzfassung? Der Germanistikstudent Ed strandet auf der Flucht vor sich selbst auf Hiddensee, der Insel für DDR-Aussteiger und potenzielle Republikflüchtlinge. Er wird vom heimlichen Inselhäuptling Kruso auserwählt, erst als Abwäscher in der Betriebsgaststätte Klausner, dann als Mitglied einer subversiven Organisation.
Glücklich über seinen Status als Auswählter, später Freund und sogar Blutsbruder, versinkt Ed völlig in dem Paralleluniversum Hiddensee, das sich letztlich noch einmal verengt auf den Klausner. „Seine Aufgabe war, an der Seite seines Gefährten zu bleiben […] dass niemand anders als sie beide es waren, die diese Stellung hielten: zwei beste Freunde , die beide ganz allein den Klausner betrieben und damit etwas im Grunde Unmögliches schafften, mit ihrer eigenen Arbeit, Helden ähnlich.“
Wie Nebelfelder treiben einzelne Nachrichtenfetzen aus dem Sommer und Herbst 1989 durch diese abgekapselte Welt. Nur der kundige Leser weiß, dass eine massive Fluchtbewegung über Ungarn und die Tschechoslowakei die DDR erschüttert, und selbst Wende oder Maueröffnung schaffen es nur als Echo in den Roman.
Er ist ein Denkmal, das den Eigenarten der DDR und dem prinzipientreuen Teil ihrer Bewohner gewidmet ist. Vor allem jenem, oft wunderlichen Teil, der sich in einem unfreien System eine eigene Form von Freiheit schuf. Und nicht zuletzt den Republikflüchtigen, die für ihren Traum von Freiheit das Leben riskierten und viel zu oft verloren.
Die Qualität des Buches liegt in seiner ganz eigenen Form und Sprache. Viele gründlich recherchierte Details der staatlich gelenkten Feriengestaltung vermischen sich mit feinsinnigen Naturbeschreibungen, Träumen und Halluzinationen, philosophischen Betrachtungen und Charakterstudien. Eine wirklich wahnwitzige, bewundernswerte Konstruktion! Aber auch reichlich anstrengend und viel zu sehr in die Länge gezogen.

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Tags: ddr, hiddensee, republikflucht, versponnene poesie   (4)
 

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90 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

mount everest, sinnsuche, liebe, österreichische autoren, everest-besteigung

Das größere Wunder

Thomas Glavinic
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2015
ISBN 9783423143899
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: everest-besteigung, liebesroman, sinnsuche   (3)
 

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graphic novel, migration, wortlos, fremdheit, unverständnis

Ein neues Land

Shaun Tan
Buch: 128 Seiten
Erschienen bei Süddeutsche Zeitung, 03.03.2012
ISBN 9783864970092
Genre: Comics

Rezension:  
Tags: emigration, graphic novel   (2)
 

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graphic novel

Eugène

Quentin Vijoux , Quentin Vijoux
Flexibler Einband: 124 Seiten
Erschienen bei Rotopol, 01.10.2013
ISBN 9783940304872
Genre: Comics

Rezension:

Um der Geschichte willen liest man diese Graphic novel nicht unbedingt. Sie ist so abgedreht wie das ganze Buch, aber auch sehr simpel. Verrückter Professor will seinen Sohn wieder zum Leben erwecken und bringt dabei Kräfte aus dem Zwielicht hervor. Sie wuseln als Schatten in Anzügen durch das Buch.

Eugene, der tumbe Held des Buches, bekommt vom Professor einen Job angeboten. Um die Arbeit in der Stadt anzutreten, muss er seine anstrengend anhängliche Frau in der Einöde zurück lassen. Seltsame Figuren begegnen ihm und führen ihn zu einem Krankenhaus, das zu einem aggressiven Organismus mutiert ist.
Dazu passt der einfache, nicht colorierte Strich von Quentin Vijoux. Er meidet alle Ecken und Kanten, wuchert organisch durch die Seiten. Auf sehr subtile Weise macht Vijoux seinem Leser Angst. Schwarze Gestalten, fiese Krankheiten, leere Städte, dunkle Geheimnisse.

Aber die Angst wird nicht kultiviert, sie verfliegt auch wieder, in offenen Landschaften. Offen wie die Fragen, die zum Schluss bleiben. Trotzdem fühlte ich keine Enttäuschung, wie bei einem Thriller, der nicht alle losen Enden zusammenführt. Vielmehr kann man auf einer philosophischen Ebene darüber nachsinnen, worum es bei dieser Geschichte eigentlich geht.

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Tags: graphic novel   (1)
 

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expedition, arktis, abenteuer, franklin-expedition, hms erebus

Im Eisland - Die Franklin-Expedition

Kristina Gehrmann
Buch: 224 Seiten
Erschienen bei Hinstorff, 06.04.2017
ISBN 9783356019018
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die Einordnung als Kinderbuch bei LB scheint mir passend, gut geeignet als Einstieg in das Genre Graphic Novel. Der erste Teil (von 3) erzählt den optimistischen Beginn der tödlichen Expedition von Kommandant John Franklin ins ewige Eis der Nordwestpassage.

Die "Terror" und die "Erebus" starten von England zuerst nach Grönland, dann durch die Baffin-Bucht bis zu einer kleinen Insel, in deren Nähe erst 2014 die Überreste eines Schiffes gefunden wurden. Die meisten Matrosen und Offiziere sind sicher, bald den Ruhm für eine große Entdeckung einheimsen zu können. nur Kapitän Francis Crozier, der einzige mit Erfahrung in der zu durchsegelnden Region, ist skeptisch, ob es tatsächlich irgendwo im höchsten Norden eine freie Passage gibt.

Dieser Teil endet mit der ersten Überwinterung im Eis. Es gibt ausreichend und abwechslungsreiches Essen, die Mannschaften und Offiziere sorgen für Unterhaltung. Gute Laune strahlen die Bilder von Kristina Gehrmann aus. Nichts deutet daraufhin, dass alle 129 Männer den Tod finden werden. In den ersten Panels deutet das Buch allerdings schon drastisch an, was sich bald für Dramen abspielen werden. Insgesamt akribisch recherchiert, alle bekannten Quellen scheinen verwendet worden zu sein.

Für erwachsene Leser mag der Zeichenstil etwas naiv wirken. Große Augen und helle Gesichter mit wenig Kontur, viele Wusch-Effekte. Das düstere Potenziel wird bisher nicht ausgeschöpft, aber vielleicht kommt das noch? Und es ist eben ein Kinderbuch! Für junge Leser wird allein die kommende Geschichte noch hart genug!

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Tags: arktis, ewiges eis, expedition, john franklin   (4)
 

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lebensborn, nazideutschland, doku fiction, konzentrationslager, triest

Sonnenschein

Dasa Drndic , Brigitte Döbert , Blanka Stipetic
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.02.2015
ISBN 9783455405163
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: deutsche besetzung adria, doku fiction, lebensborn, reichsführer-ss himmler   (4)
 

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ddr, westberlin, mawil, wende, comics

Kinderland

Mawil
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.09.2014
ISBN 9783943143904
Genre: Comics

Rezension:  
Tags: ddr, pioniere, tischtennis   (3)
 

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comic noir, graphic novel

Fatale

Max Cabanes , Doug Headline , Max Cabanes , Jean P Manchette
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 01.11.2014
ISBN 9783943808551
Genre: Comics

Rezension:

Frankreich hält schon seit den 50er Jahren immer wieder die amerikanische „hardboiled“-Tradition hoch. Besonders im Kino wurde der Zusatz „noir“ zu einem Qualitätsbegriff. Der französische Schriftsteller Jean-Patrick Manchette, der bereits 1995 starb, entwickelte ihn weiter: „Ein guter Roman noir ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.“

Sein Sohn, Doug Headline, baute einige Romanvorlagen zu Comics in der Tradition seines Vaters aus. Vielleicht auch, weil Manchette die legendären „Watchman“-Comics ins Französische übersetzte. „Fatale“ wurde 1977 veröffentlicht, versetzt uns aber mit vielen gut getroffenen Details in die 50er oder frühen 60er Jahre. Die wunderbaren, ständig wechselnden Farbstimmungen scheinen einem Design-Katalog  dieser Zeit zu entstammen. Alle rauchen ständig, auch die Damen, und laufen sehr elegant gekleidet durch den Alltag. Der Strich ist oft hart, genau und knapp.

Die französische Provinz wird in „Fatale“ als ein Ort des verbrecherischen Klüngels geschildert. Hierher kommt Madame Joubert, eine attraktive Femme Fatale, um der herrschenden Klasse mit sehr besonderen Dienstleistungen große Mengen Geld abzunehmen.  Ihre Opfer werden nicht so geschildert, als müsse man Mitleid mit Ihnen haben. Auch Joubert ist nicht wirklich eine Sympathieträgerin, aber es ist schließlich ein Noir-Krimi, wo es um kalte Killer und deren Verhältnis zum Gesetz geht. Der Leser bekommt, was er erwartet, und das in einer ausgezeichneten Qualität. Das bedeutet natürlich auch, dass es nicht viele überraschende Entwicklungen gibt.

Zum Glück gibt es diese Zitate, die das unvermeidliche Gemetzel an manchen Stellen auf eine (existenz-) philosophische Ebene hebt. Ein Opfer belehrt das Killer-Individuum: „Auch wenn es die Weltordnung kritisiert… Im Streit liegt mit sich selbst… ist sein Herz an die Ordnung gebunden… Und wenn es sich von dem Gesetz lossagt, ist es verloren.“

Der Verlag Schreiber&Leser hat viele gute „noir“-Comics im Angebot, das sei für Fans einmal kurz erwähnt. Mir gefielen das dicke Papier und die strahlenden Farben. Es fehlten in diesem Exemplar nur ein paar editorische Angaben zu den Autoren Manchette/Headline/Cabanes.

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Tags: comic noir, graphic novel   (2)
 

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Jeronimus Dritter Teil

Christophe Dabitch , Jean-Denis Pendanx
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 30.09.2010
ISBN 9783941239487
Genre: Comics

Rezension:

Gestalterisch ist die Graphic Novel “Jeronimus” (hier der 3.Teil)  ein besonderes Juwel. Die beschriebene, historisch verbürgte Geschichte von Meuterei, Schiffbruch und Tyrannei bietet viele interessante Ansätze, verzettelt sich aber leider
Beginnen wir mit dem wunderbaren Zeichner Jean-Denis Pendanx, der auch selbst für die Farben sorgte. Er folgt dem Stil alter niederländischer Meister; einige Vorbilder erkennt man recht konkret. Es sind keine colorierten Zeichnungen, sondern mit dem Pinsel ausgeführte kleine Gemälde. In anderen Panels spielt Pendanx fast expressionistisch mit Farbgegensätzen, um zu dramatisieren. Allen Bildern liegen sorgfältige Studien zugrunde, vor allem das Schiff „Batavia“ wird mit zahlreichen Details sehr realistisch zum Leben erweckt. Es scheint die eigentliche Hauptfigur der Geschichte zu sein, obwohl es doch mehr um Jeronimus Cornelisz geht, der dort als Unterkaufmann anheuert.
Seine Geschichte hat Christophe Dabitch gründlich recherchiert. Vielleicht zu gründlich? Ein gelehrter, aber verzweifelter Mann, der sich für die Ost-Indien Kompanie  auf die beschwerliche Schiffsreise ins heutige Indonesien macht. Er plant eine Meuterei, die durch Schiffbruch vereitelt wird. Die Überlebenden machen ihn zum Anführer, und er errichtet auf den kargen Inseln, die nicht allen das Überleben ermöglichen, eine blutige Schreckensherrschaft.
Viele Details, einige gelungene Charaktere - soweit ganz gut. Doch der Autor gründelt überflüssig im Charakter seines Helden, anstatt die spannende Handlung zu entwickeln. Obwohl er immer wieder zugibt, über diesen Jeronimus nicht genug zu wissen, versteigt er sich zu aberwitzigen und teilweise widersprüchlichen Erklärungen für dessen Tyrannei auf der Insel.
Ganz neben der Spur landet er mit Sätzen wie diesem:  „In seiner Heimat erfand man den Kapitalismus und die Börse. Die protestantische Ethik ebnete dem wertfreien Gewinnstreben den Weg…. Was mag das alles in Jeronimus bewirkt haben?“  Der Niederländer als geborener Psychopath? Und das Comic als Ersatz für ein gründliches Max-Weber-Studium? Wiederkehrende Analysen wie dieser stören den Fluss der Geschichte und verleiden ein wenig den Genuss des Gesamtwerks.

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schiffbruch, graphic novel, meuterei, batavia

Schiffbruch

Christophe Dabitch , Jean-Denis Pendanx
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 12.03.2010
ISBN 9783941239333
Genre: Comics

Rezension:

Gestalterisch ist die Graphic Novel “Jeronimus” ein besonderes Juwel. Die beschriebene, historisch verbürgte Geschichte von Meuterei, Schiffbruch und Tyrannei bietet viele interessante Ansätze, verzettelt sich aber leider. Schiffbruch ist der zweite Teil, den ersten konnte ich hier auf LB nicht finden.

 Beginnen wir mit dem wunderbaren Zeichner Jean-Denis Pendanx, der auch selbst für die Farben sorgte. Er folgt dem Stil alter niederländischer Meister; einige Vorbilder erkennt man recht konkret. Es sind keine colorierten Zeichnungen, sondern mit dem Pinsel ausgeführte kleine Gemälde. In anderen Panels spielt Pendanx fast expressionistisch mit Farbgegensätzen, um zu dramatisieren. Allen Bildern liegen sorgfältige Studien zugrunde, vor allem das Schiff „Batavia“ wird mit zahlreichen Details sehr realistisch zum Leben erweckt. Es scheint die eigentliche Hauptfigur der Geschichte zu sein, obwohl es doch mehr um Jeronimus Cornelisz geht, der dort als Unterkaufmann anheuert.

Seine Geschichte hat Christophe Dabitch gründlich recherchiert. Vielleicht zu gründlich? Ein gelehrter, aber verzweifelter Mann, der sich für die Ost-Indien Kompanie  auf die beschwerliche Schiffsreise ins heutige Indonesien macht. Er plant eine Meuterei, die durch Schiffbruch vereitelt wird. Die Überlebenden machen ihn zum Anführer, und er errichtet auf den kargen Inseln, die nicht allen das Überleben ermöglichen, eine blutige Schreckensherrschaft.

Viele Details, einige gelungene Charaktere - soweit ganz gut. Doch der Autor gründelt überflüssig im Charakter seines Helden, anstatt die spannende Handlung zu entwickeln. Obwohl er immer wieder zugibt, über diesen Jeronimus nicht genug zu wissen, versteigt er sich zu aberwitzigen und teilweise widersprüchlichen Erklärungen für dessen Tyrannei auf der Insel.

Ganz neben der Spur landet er mit Sätzen wie diesem:  „In seiner Heimat erfand man den Kapitalismus und die Börse. Die protestantische Ethik ebnete dem wertfreien Gewinnstreben den Weg…. Was mag das alles in Jeronimus bewirkt haben?“  Der Niederländer als geborener Psychopath? Und das Comic als Ersatz für ein gründliches Max-Weber-Studium? Wiederkehrende Analysen wie dieser stören den Fluss der Geschichte und verleiden ein wenig den Genuss des Gesamtwerks.

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Tags: batavia, graphic novel, meuterei, schiffbruch   (4)
 

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179 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

thriller, harry hole, krankenhaus, koma, norwegen

Koma

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.10.2014
ISBN 9783548286860
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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53 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

amber dermont, segeln, leserunde, reiche teenager, trauer

In guten Kreisen

Amber Dermont , Rainer Schmidt
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 10.02.2015
ISBN 9783866481923
Genre: Romane

Rezension:

Ob die guten Kreise, in denen Jason Prosper aufwächst, auch gut für ihn sind? Das Buch der Autorin Amber Dermont läßt den Leser schnell daran zweifeln. Gute Kreise bedeutet: die weiße Oberschicht der Ostküste. Jason wächst in den 80er Jahren in New York City auf. Oder genauer: in der Gegend um den Central Park, die er allerdings für das Schuljahr verlassen muss. Den größten Teil seines Lebens hat er in Internaten irgendeiner feinen Privatschule verbracht, fern der Familie, deren Zusammenhalt sich auf gelegentliche Telefonate und Ferien in ihrem Sommerhaus beschränkt.

Die Geschichte beginnt damit, dass Jason eine neue, vermutlich letzte Chance an einer besonderen Privatschule bekommt. Ein Institut für „rich kids“, die wegen verschiedenster Regelverstöße anderswo von der Schule geflogen sind. Diese bekiffte, gewalttätige, realitätsferne und ziemlich traurige Gemeinschaft beschreibt Amber Dermont mit ruhiger Sachlichkeit. Es dauert eine Weile, bis man in den Sog dieser Erzählweise hinein gezogen wird, dann erscheint sie aber als der passende Stil, die unterkühlten, teilweise seelenlosen „guten Kreise“ zu charakterisieren.

Langsam wird aufgedeckt, warum Jasons ehemals bester Freunde Cal sich das Leben nahm. Und  was mit Aidan geschah, der Außenseiterin und neuen Freundin Jasons, die nach einem Orkan tot am Strand gefunden wurde. Diese verdeckten Handlungsstränge halten den Leser bei der Stange, obwohl es immer nur nebenbei darum zu gehen scheint. So wie alles nebensächlich ist im Leben der verwöhnten Kinder. Sie können sich darauf verlassen, dass ihre Familien mit Geld und Einfluss alles für die richten.

Ganz plötzlich lugt manchmal die Außenwelt durch das Fenster. Eine Wirtschaftskrise vernichtet Vermögen. Eine Scheidung bedroht die Familie. Ein Angestellter des Internats versucht eine Erpressung. Ein heftiger Orkan verwüstet den Ort. Auch das passiert alles ganz beiläufig. Man bekommt den Eindruck, diese Welt könnte nichts erschüttern in ihrer Selbstgefälligkeit. Nur Jason selbst macht eine Wandlung durch, verunsichert durch den Tod, der zweimal in sein Leben einbrach. Zum Schluss weiß er, wie wenig ihm seine Kumpels bedeuten, die angeblich eine verschworene Company bilden. „Was uns trennte und mich von der Company unterschied, war vielleicht der Umstand, dass ich nicht versuchte, mit meinem Verbrechen davonzukommen.“

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Tags: ostküste, rich kids, segeln   (3)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

triest, katholizismus;, selbsterkenntnis, anderssein, kindheitstrauma

Ein jeder Engel ist schrecklich

Susanna Tamaro , Barbara Kleiner
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.05.2014
ISBN 9783492056090
Genre: Biografien

Rezension:

Für die kleine Susanna war ihr Geburtsort Triest „eine düstere, dunkle Stadt voller Rauch“, Gewalttätige Winde tobten und ihre Familie bot keinen Schutz vor der allgemeinen Unwirtlichkeit. Das Mädchen spürte ein Anderssein in sich und litt darunter. „Niemandem kannst du sagen: Hilf mir ein wenig, diese Last zu tragen. (…) Also rollst du dich ein, zerknüllst dich und versuchst zu verschwinden.“
Ihr leiblicher Vater kümmerte sich nicht um sie und ihren Bruder. Ihre Mutter war eine Matroschka, die ständig neue Persönlichkeiten enthüllte, ihre Kinder verunsicherte und vernachlässigte. Sie schickt ihre Tochter zu einem Psychiater, weil sie in ihren Augen schon immer verrückt war. Doch der Arzt enthüllt ihr, dass in Wirklichkeit die Mutter eine schwer kranke Person ist. Das klingt wie ein Gong in den Ohren des Mädchens, das zu verstehen und zu verzeihen beginnt.
„Den negativen Dingen, die uns zustoßen, können wir begegnen, in dem wir sie befragen, zu verstehen versuchen, welche Forderungen sie an uns richten.“ Susanna Tamaro tut das sehr intensiv, entblößt ihr Leben in einer Tiefe, die schockiert und berührt. Ohne die schreckliche Kindheit und Jugend, ohne den Weg durch die Wüste zur Selbsterkenntnis wäre vermutlich nicht diese Schriftstellerin aus ihr geworden. Tamaro schreibt nicht als Handwerk: „Das wahre Schreiben ist anderswo zuhause, in der Tiefe, im Gluckern der Erde und im Herzen der Finsternis des Menschen.“

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Tags: autobiografie, selbsterkenntnis, triest   (3)
 

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159 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 19 Rezensionen

thriller, island, mystery, mord, geisterfjord

Geisterfjord

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken , Yrsa Sigurdardottir
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 09.10.2012
ISBN 9783596512683
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

graphic novel

Hicksville

Dylan Horrocks , Marion Herbert
Buch: 264 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.09.2012
ISBN 9783943143331
Genre: Comics

Rezension:

Dylan Horrock philosophiert in seiner Graphic Novel über den Comic als solchen. Ihm geht es um "die andere Geschichte des Comics. Wie sie hätte sein sollen. Die Meisterwerke. Die großen Graphic Novels. Die reinen Kunstwerke." Das Zitat stammt vom Wächter der Comics, der allerdings erst ganz zum Schluss als Figur auf den Plan tritt. Er sorgt auf besondere Weise dafür, dass die von Verlagen geknechteten Lohnzeichner einmal ihre eigentlichen Pläne verwirklichen und ihre Kunst zeigen können.

Bis zu der Auflösung ist es allerdings ein weiter, gelegentlicher ermüdender Weg. Für den Autor eines amerikanischen Comic-Magazins, der in Hicksville, Neuseeland, für ein Buch über den größten lebenden Zeichner recherchiert. Aber auch für den Leser, der sich zwischen vielen Figuren, Stilen und parallen Geschichten zurecht finden muss.

Verlage wie Marvel werden hier frontal angegriffen, als Totengräber der eigentlichen Comic-Kunst, inklusiver aktueller Superheldenorgien im Kino. Zum Glück wird auch das große Superarschloch an der Spitze des Verlags als Mensch dargestellt, sonst wäre die Schwarz-Weiß-Malerei (tatsächlich kommt das Buch ohne Farben aus) nicht akzeptabel.

Horrocks Strich ist sehr sparsam und passt sich damit der Küstenlandschaft an, die grafisch eine wichtige Rolle spielt. Großformatige Panel lockern die Szene auf, ebenso die parallel laufende, oft nur angedeutete Vergangenheit der Figuren. Insgesamt hätte Beschränkung der Story gut getan, es gibt aber auch nicht wirklich etwas an diesem Buch auszusetzen. Für Comic-Fans eine Bereicherung, nicht unbedingt für Einsteiger.

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mord, berlin, thriller, spannung, krimi

Asphalt

Axel Hollmann
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Midnight, 11.07.2014
ISBN 9783958190023
Genre: Krimi und Thriller

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Ideen: Eine Kulturgeschichte von der Entdeckung des Feuers bis zur Moderne

Peter Watson
E-Buch Text: 1.280 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 28.02.2013
ISBN 9783641106591
Genre: Sachbücher

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