detlef_knuts Bibliothek

252 Bücher, 187 Rezensionen

Zu detlef_knuts Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
252 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

bulgarien, entwicklungsroman, traum von freiheit, eiserner vorhang, regimekritik

Duft nach Weiß

Stefanie Gregg
Flexibler Einband
Erschienen bei Pendragon, 06.07.2016
ISBN 9783865325525
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Thema Osteuropa in Form von Bulgarien sollte die Leser nicht abschrecken, nach diese Lektüre zugreifen. Denn es verbirgt sich ein romantischer, spannender und Freiheit betonender Roman hinter dem Titel.

Im Mittelpunkt steht Anelija und ihre Familie. Zu Beginn begegnet ihr der Leser auf der Ladefläche eines Kühllasters, wo ihr just in dem Moment eine Kiste mit Pflaumen auf den Kopf fällt. Anelija flieht aus ihrem Heimatland Bulgarien und ist auf dem Weg nach Deutschland. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser, wie und warum es zu dieser Flucht gekommen ist.

Dabei hat Gregg einen großen Erzählbogen über vier Jahrzehnte gezogen, die sich über die 1960 bis zu den 1990 er Jahren erstrecken. Dafür benutzt sie drei parallele Stränge, die sich kapitelweise abwechseln. Jetzt wäre es zwar ein Leichtes, sich jeden Strang einzeln vorzunehmen, um zu erfahren, was da geschieht. Jedoch würden dem Leser dann Fragen kommen, für deren Beantwortung er den Inhalt der anderen Stränge benötigt. So baut die Autoren eine Spannung auf, die den Leser fesselt. Davon abgesehen, dass der Strang um den Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow beinahe einem Thriller gleichkommt. Da ich Bulgarien aus eigenem Erleben gut kenne und viele Freunde dort hatte, die heute zum Teil in den USA leben, fand ich die Beschreibung der bulgarischen Lebensverhältnisse ausgesprochen gut beschrieben. Das Leben in Zeiten des Sozialismus, die Angst vor dem Verrat, obwohl die Misswirtschaft erkennbar und spürbar war, das sich einrichten in einer ungerechten Welt, die Gastfreundschaft werden immer wieder mit passenden Symbolen und Metaphern bildgewaltig dargestellt.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Titel des Buches zu, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht. Meisterhaft und poetisch wird der Leser damit immer wieder an das Grundthema „Freiheit" erinnert.

Die Lektüre dieses Romans ist ein Genuss und so mancher Leser, der nah am Wasser gebaut hat, sollte sich eine Packung Papiertaschentücher bereitlegen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

historischer roman, band , fortsetzung, band 2

Der Thron der Wölfe

Kiera Brennan
Fester Einband: 848 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.10.2017
ISBN 9783764505837
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der zweite Band der großen Irland-Saga von Kiera Brennan (Der erste Band „Die Herren der grünen Insel" gelangte Anfang 2016 in den Handel.) ist  erschienen. Ähnlich umfangreich und mit vielen historischen Details bestückt. Thema des Romans sind die Machtkämpfe in und um Irland im 12.  Jahrhundert.

Begonnen wird mit einer Szene, bei der der kleine John „Ohneland",
vierter Sohn des englischen Königs Henry, einer Folterung beiwohnen muss, um kennenzulernen, was Härte ist. Erst später erfährt er, dass der Gefolterte, Amaury de Saint-Turin, gar keinen Schmerz spürt und ihm diesen der Wirkung wegen nur vorgespielt hat.

Wie auch im ersten Band sind die Kapitel nach den Figuren benannt, um die es sich in dem jeweiligen Kapitel dreht. So folgen insbesondere nach dem ersten Kapitel viele Szenen, die der Leser zunächst nicht in Zusammenhang bringen kann, ähnlich den Parallelsträngen in Romanen. Es werden viele Figuren und ihre Ansichten zum Leben in Irland und zur Freiheit und Macht auf dieser grünen Insel bildreich dargestellt. Doch dann platzt bald der Knoten und man weiß, wer mit wem verwandt ist, warum sie verfeindet sind, warum sie andere Namen als im ersten Band tragen. Die Figuren sind sehr vielschichtig herausgearbeitet. Neben den liebenswerten und hassenswerten gibt es viele dazwischen, die zwar Sympathie wecken, aber solche ekelhafte Taten begehen, dass sie dem Leser zuwider werden. Umgekehrt genauso: So mancher „Bösewicht" zeigt
auch seine sanften Seiten. Das betrifft weibliche wie männliche Figuren gleichermaßen.

Besonders hilfreich und Indiz für umfangreiche Recherchen sind die
detaillierten Abschnitte am Ende des Romans: die Figurenliste, die
Zeitleiste und die historischen Anmerkungen. Sie unterstützen den
Leseprozess, weil dort in komprimierter Form das Geschehen zum Ende des 12. Jahrhunderts übersichtlich ist.

Alles in allem ein spannender Roman, bei dem allerdings der lange Anfang zu überwältigen ist. Die Fülle an Handlungssträngen, die die
Komplexität der Eroberung Irlands unterstreicht, lässt den Leser tief in das damalige Geschehen eintauchen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

iny lorentz, historischer roman, roman, knaur verlag

Die Widerspenstige

Iny Lorentz
Fester Einband: 688 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426663837
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Zwillinge Johanna und Karl von Allersheim, deren Mutter aus Polen stammte, verlieren nun auch ihren Vater. Ihre Stiefmutter ist ihnen nicht wohlgesonnen. Sie beeinflusst nicht nur deren großen Halbbruder Matthias, sondern lässt auch das Testament des Vaters fälschen, um an die Macht und den Besitz des Grafen zu kommen. Die Zwillinge sehen die Flucht als ihren einzigen Ausweg. Sie machen sich mit einem ihrer Knechte auf den Weg nach Polen. Johanna verkleidet sich dabei als Mann. So machen sie sich auf die Suche nach ihren polnischen Verwandten. Da sie noch jung sind, werden sie unter die Vormundschaft von Osmanski gestellt, dem Anführer einer polnischen Kampfestruppe, die an der Grenze das Land gegen die Tataren verteidigt. Von da an beginnen die gefährlichen Abenteuer von „Jan"  und Karol, die bei der Ausbildung zum Kampf beginnt, über die Kämpfe mit den Tataren bis zur Schlacht des polnischen Heeres gegen die Türken geht.

Iny Lorenz haben sich ein besonderes europäisches Ränkespiel der Geschichte zum Hintergrund gewählt. Mit liebevoll gezeichneten Figuren und einer spannenden und abenteuerlichen Handlung bringen sie das Thema anhand vieler Details dem Lesern nahe. Zwar sind im Wesentlichen die Bösen und Guten ziemlich schnell erkennbar, jedoch kann sich der Leser auf einige Überraschungen gefasst machen. Wie Wölfe im Schafspelz wechseln manche ihren Charakter. Chronologisch aneinandergereiht sind die Abenteuer der beiden auf ihrem Weg zu ihrem Recht. Die Geschehnisse der Zeit sind im Hintergrund stets präsent. Es schadet nicht, die Nachbemerkung der Autoren zu Beginn oder zwischendurch zu lesen. An der Wahrheit wird bei aller Fiktion dieses Romans nicht gerüttelt.

Ungewohnt wie auch bei anderen Romanen, die in Osteuropa oder Asien spielen, sind die Namen, an die sich der Leser gewöhnen muss. Dabei haben die Autoren zu einer guten Mischung zwischen deutscher und polnischer Schreibweise gefunden, so dass man gut damit klar kommt.

Mir hat die Abenteuerreise von Johanna und Karl, gekoppelt an die historischen Geschehnisse viel Spaß gemacht!

Iny Lorentz
Die Widerspenstige
Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426663837

bei Amazon kaufen

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

dorf, schottland, vergangenheit, fortsetzung, band 2

Sea Detective: Der Sog der Tiefe

Mark Douglas-Home , Stefan Lux
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.10.2017
ISBN 9783499272479
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit seinem zweiten Roman schafft der Autor erneut einen spannenden Kriminalroman, in welchem es in erster Linie nicht um Ermittlungen geht. Trotzdem wird er mit jedem Kapitel spannender.

Die Handlung rankt sich erneut um Cal McGill, seines Zeichens Meeresforscher, der in zunehmendem Maße von Menschen beauftragt wird, ihre vermissten Angehörigen aufzuspüren. McGill ist aber kein klassische Ermittler, der von Beginn an wie ein Detektiv oder Polizist auf Jagd nach einem Verbrecher ist. Er ist ein charmantes Beiwerk in der Handlung. Die beginnt mit der Verbannung von Mrs. Anderson, genannt Mrs. A., beim Begräbnis ihres Arbeitgebers auf die hintersten Plätze. William Richis Stieftochter konnte die Haushälterin noch nie ausstehen und verstößt die ältere Dame aus dem Haushalt. Doch Mrs. A. kennt die Familie seit Jahrzehnten und lässt sich nicht die Butter vom Brot klauen. Getreu dem Motto "Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt" will sich Mrs. A. das nicht bieten lassen. Kurze Zeit darauf wird Violet, die im Kinderheim aufgewachsen ist, von ihrem Anwalt darüber informiert, in welchen Ort an der schottischen Küste sie etwas über ihre Herkunft erfahren kann. Es ist ein Brief an Violet aufgetaucht, für dessen Weiterleitung an die Empfängerin der Anwalt seinen Job verliert. Violet macht sich auf dem Weg nach Poltown. Dort trifft sie zufällig auf Cal McGill, der wegen eines ozeanografischen Auftrags dort verweilt. Violet erfährt, wer ihre Mutter war und dass diese vor 26 Jahren einen Freitod im Meer suchte. McGill berechnet die Umstände einer Möglichkeit eines solchen Freitodes. So graben beide in der Vergangenheit des Dorfes herum, was vielen Bewohnern ein Dorn im Auge ist. Vergangenheit sollte man besser ruhen lassen.

Der Roman erzählt sich über die Charakter der Figuren. Ihr Verhalten gegeneinander sorgt für Spannung, zumal Stück für Stück das Geschehen von vor 26 Jahren aufgedeckt wird. Violet wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Wurzeln zu entdecken und ihrer Tochter eine Großmutter zu präsentieren. McGill hilft ihr dabei. Der Leser kann Sympathie für viele Figuren entwickeln und auch dort wird er Überraschungen erleben. Humorvoll sind die Szenen mit den Kindern geschildert. Und extrem mysteriös erscheint Mrs. A.

Unbedingt lesen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

serie, emons, oliver buslau, band 10, krimi

Wahn

Oliver Buslau
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 12.10.2017
ISBN 9783740801694
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im zehnten Roman um Privatdetektiv Remigius Rott geht es ins mordende und kriminelle Bergische Land. Zentraler Schauplatz ist die Wahner Heide im Südosten Kölns. Detektivtypisch ist Remi, wie Rott von seinen Freunden genannt wird, wieder mal total abgebrannt und benötigt unbedingt einen neuen Auftrag, um seine Miete bezahlen zu können. Da kommt ihm ein Auftrag zum Beschatten einer untreuen Ehefrau gerade recht. Doch seine Ergebnisse dem knauserigen Ehemann zu präsentieren, bereitet ihm Probleme: Die Frau geht gar nicht fremd. Sie trifft sich zwar mit Männern, doch die sind schwul und wollen nichts von Frauen wissen.

Zufällig lernt Remi beim Beschatten jedoch einen Mann kennen, der auf Rache aus ist. Gleichzeitig wird in der Gegend von Münster ein Mann von einer Tierschützerin umgebracht, die aus dem Rheinland stammt und dorthin geflüchtet ist. Remi bekommt von deren Tante den Auftrag, nach dem Mädchen zu suchen, bevor sie von der Polizei aufgespürt wird. Das ist schließlich der Auftrag, der Rott seine Miete bezahlen lässt.

Oliver Buslau hat seinen Detektivroman mit viel Lokalkolorit ausgestattet, in dem der gesamte Osten Kölns abgedeckt wird, Flieger vom Köln-Bonner Flughafen durch die Lüfte rauschen. Allerhand regionale Sagen- und Geisterfiguren pochen auf ihre Daseinsberechtigung. Verworren und spitzfindig entwickeln sich die Fälle bzw Aufträge, die der Protagonist zu bewältigen hat. Dabei grummelt im Hintergrund die Beziehung zu Rotts Freundin, einer Journalistin. Den Versuchungen einer neuen Bekanntschaft muss Rott teils vergeblichen Widerstand entgegenstellen.

Ein sehr guter Kriminalroman, den alle mögen werden, die gerne in verzwickten Fällen mitermitteln. Das Genre des Detektivromans versetzt ihn in eine besondere Rolle, obwohl er da den typischen Klischees folgt, die dieses Genre ausmachen. Sympathisch, abgewrackt, aber erfolgreich, das Credo eines guten Romandetektivs.
Diesen Roman empfehle ich sehr gern.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags: bergischer krimi, emons, oliver buslau   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

cornwall, neue krimireihe, marten, exeter, martin

Die dunklen Wasser von Exeter

Paul Marten
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783404175635
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Paul Marten reiht sich in eine Reihe mit Ian Ranking,  Simon Beckett, Minette Wolters. Sein Protagonist DCI Craig McPherson und dessen Sidekick DS Tyler Leighton entbehren nicht einer gewissen Ähnlichkeit solcher Pärchen wie Barnaby und Jones, Lewis und Hathaway und anderen Ermittlerduos auf den britischen Inseln. Aber dennoch sind sie auf sehr eigene Art gestrickt und interessante Figuren, die immer wieder für eine Überraschung gut sind.

Nun zum Inhalt: McPherson, schottischer Polizist, der nach einem Vorfall in den Süden Englands nach Devon strafversetzt wurde, findet in der Exe die Leiche eines landesweit prominenten Bauunternehmers. Zwar wird der Tod als Unfall eingestuft, aber das Bauchgefühl rumort im DCI. Es gibt Ungereimtheiten. So ermittelt McPherson ohne und mit dem Segen seiner Vorgesetzten. Doch als die Spuren in die Politik weisen und der so saubere Bauunternehmer nicht mehr in strahlendem Glanz erscheint, werden ihm sehr große Steine in den Weg gelegt, sogar der Fall entzogen. Aber er wäre nicht Schotte, wenn sein Dickschädel aufgeben würde. Zusammen mit Leighton macht er weiter.

Oben bereits angedeutet, handelt es sich um einen typisch britischen Krimi. Marten überzeugt mit seinem Wissen über die Polizeistrukturen, die geographischen Regionen und die alltäglichen Gepflogenheiten in Großbritannien. Die Detailverliebtheit beim Handlungsort Exeter und dessen Umgebung macht den Roman zu einem Muss für jeden Englandliebhaber. Die zahlreichen Figuren sind umfangreich gezeichnet, wobei die beiden Hauptfiguren bis zum Ende für eine Überraschung gut sind. Ein zu Beginn schnell gefasstes Bild beider Typen muss gelegentlich im Kopf des Lesers korrigiert werden. Was eine besondere Spannung schafft.

Die ausgelegten Spuren zur Ermittlung des Mordfalls sind extrem umfangreich. Unzählige Sackgassen müssen vom Leser durchschritten werden, in die er wohlwollend folgt, weil sie nachvollziehbar und plausibel sind.

Ich hoffe, auch zukünftig noch weitere Fälle von McPherson und Leighton lesen zu können.



Paul Marten
Die dunklen Wasser von Exeter
Bastei Lübbe, Köln
ISBN 9783404175635


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: cornwall, crime, england, exeter, marten, martin   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

irland, aberglaube, feenvolk, frauen, feen

Wo drei Flüsse sich kreuzen

Hannah Kent , Leonie Reppert-Bismarck
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2017
ISBN 9783426199794
Genre: Historische Romane

Rezension:

Irland zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Bei den Bewohnern im Tal herrscht noch die große Macht der Mythen und des Aberglaubens.

Nóra hat einen weiteren schweren Verlust zu verkraften. Einige Männer des Dorfes bringen ihren Ehemann tot zur Kate. Er war noch so kräftig und ganz normal am Morgen zur Arbeit gegangen. Doch er sei auf der Straße einfach umgefallen. Schon vor zwei Jahren hatte sie den Tod ihrer Tochter verarbeiten müssen. Das geschah sehr mühselig, denn schließlich hatte sie sich um ihren Enkel kümmern müssen, den ihr Schwiegersohn bei ihr abgeladen hatte.

Nun beim Tod ihres Mannes gibt es Leute im Dorf, die meinen, da hätten die Feen ihre Hände mit im Spiel. Die Unterstützung von Nance, die sich seit vielen Jahren einen Namen als Heilerin erarbeitet hat, ist nicht gerade hilfreich bei der Bewältigung der Trauerarbeit. Zwar war Nance vom alten Pfarrer gerne gerufen worden, doch der neue Pfarrer wollte von ihr und ihren Heilmethoden nichts wissen. Er hielt es für Teufelszeug. Immer häufiger wurde Nance als Ursache für Leid und Misswirtschaft beschuldigt. So auch für die Krankheit, die Nóras Enkel seit dem Tod dessen Mutter heimgesucht hat.

Hannah Kent hat einen tiefgründigen Roman um das Schicksal dreier Frauen im Irland der damaligen Zeit geschrieben. Schnell wird klar, dass Nance, Nóra und dessen Dienstmädchen Mary gegen die Macht der Mythen genauso ankämpfen müssen wie gegen einige Leute im Dorf, die sich auf ihren christlichen Glauben berufen. Dabei sind diese drei Frauen selbst noch mit dem Glauben an die Mythen behaftet. Besonders das junge Mädchen Mary scheint in einen ausweglosen Sumpf zu geraten. Wenn der Leser aufmerksam den Lebensweg der Heilerin verfolgt, wird er feststellen, dass Mary drauf und dran ist, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Ein Weg voller Armut, Hunger und Leid, mit einem täglichen Kampf ums Überleben.

Mag die Sonne in manchen Szenen auch scheinen so hat die Autorin doch einen düsteren Roman gezeichnet, der einen Einblick in die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit bietet. Sehr empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: aberglaube, belletristi, dorf, historisch, irland, mysti   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

thriller, sander, england, deutschland, klewe

Bald stirbst auch du

Karen Sander
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.09.2017
ISBN 9783499272554
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der vorliegende Thriller ist mittlerweile der vierte um die Profilerin Liz Montario der Bestsellerautorin Karen Sander. Liz wird erneut persönlich in einen Fall hinein gezogen, während sie in Liverpool einen Workshop leitet. Für die angehenden Polizisten und Profiler geht es um psychologisches Grundwissen zu Serientätern. Zum ersten Mal sollen die Teilnehmer anhand von echten cold case ihr Wissen ausbauen. Jeder kann sich einen Fall aus dem Aktenmaterial zusammenstellen. Dabei glaubt eine Teilnehmerin, einem Nachahmungstäter auf die Spur gekommen zu sein. Es geht um einen Fall, der vor Jahren in Schottland und Südengland für Aufruhr sorgte.
Parallel dazu flattert (im übertragenen Sinne) Kriminalhauptkommissar Georg Stadler von der Düsseldorfer Kripo eine weibliche Leiche auf den Schreibtisch. Ein junges Mädchen ist tot in der Erft aufgefunden worden. Noch ahnen Stadler und Montario nicht, dass ihre Fälle sie wieder zusammenführen werden.

Die Leser sollten sich vielleicht darauf einstellen, dass sie beim Lesen das Atmen vergessen. Wendungen, Konflikte und Verwirrungen präsentiert die Autorin in hohem Tempo. Keinem Satz kann man wirklich vertrauen. Lenkt die Plausibilität die Vermutungen in eine Richtung, so kommt unweigerlich der überraschende Moment, dass es der verkehrte Weg war, den die Gedanken gingen. Das zieht den Leser hinein.

Angenehm fand ich das Setting des Romans an zwei verschiedenen Schauplätzen. Während der deutsche Kommissar mit seinem Team in Düsseldorf und Umgebung ermittelt, ist die Profilerin Liz in England unterwegs. Die anglophile Karen Sander hat dank ihrer Kenntnisse der Örtlichkeiten eine passende Atmosphäre geschaffen, der selbst einem Englandtouristen Wiedererkennung verschafft.

Zwar handelt es sich bereits um den vierten Fall für Stadler / Montario, aber man kann mühelos danach auch die vorhergehenden Thriller lesen. Die Hintergrundgeschichte der Figuren ist nicht so abhängig aufeinander aufgebaut, dass man unbedingt in richtiger Reihenfolge lesen muss. Hauptsache, man liest sie überhaupt, um auf die Unterhaltung und den Thrill nicht zu verzichten.

Ein Spitzenthriller auf internationalem Niveau!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: crime, deutschland, england, klewe, sander, thriller   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

flamingo, burke

Flamingo

James Lee Burke , Oliver Huzly
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 17.08.2017
ISBN 9783865325907
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Roman ist ein weiterer der insgesamt zwanzig Dave-Robicheaux-Romane des Bestsellerautors. Auch diese Übersetzung ist bei Pendragon erschienen, wo bereits mehrere in deutscher Übersetzung erschienen sind. Mit ihm geht es in den tiefsten Sumpf der Verbrechen in Louisiana. Tiefer als die Sümpfe in dem Land selbst.

Dave hat mit seinem Kollegen eigentlich einen einfachen Auftrag zu erledigen. Zwei Gefangene sollen nach der Verurteilung zum Tode in ein anderes Staatsgefängnis überführt werden. Aufgehalten wird er dabei von der Großmutter des einen Verurteilten. Sie versucht Dave davon überzeugen, dass ihr Enkel nichts mit dem Mord zu tun hat, für den er bestraft wurde. Dave, der Tante Lemon, wie sie genannt wird, persönlich schon sehr lange kennt, fällt diese Situation schwer, schließlich tut er nur seine Pflicht. Der zweite Verbrecher ist ein hartgesottener Killer, bei dem es keinen Zweifel gibt, dass er zu Recht verurteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Dave noch nicht, dass er die beiden Verurteilten zu einem späteren Zeitpunkt in gänzlich anderer Situation wieder treffen wird.

Lange Jahre wurde der Kriminalroman an sich in Deutschland als billig abgetan. Maximal gut für Groschenhefte. James Lee Burke beweist, dass dem nicht so ist. Seine Krimis bewegen sich literarisch auf sehr hohem Niveau. Seine Bilder zeichnen ein Setting, eine Location, eine Figur mit solcher Detailtreue, dass man als Leser meint, mittendrin zu sein. Reichlich Lokalkolorit aus Louisiana inklusive. Man spaziert in den Straßen New Orleans und atmet den abgestandenen Kneipengeruch der Bars. Sein Protagonist wird in diesen Roman so tief in die Verbrechen hineingezogen, dass er selbst nicht zu wissen scheint, ob er auf der guten oder böse Seite steht. Und er bekommt die Gewalt sehr körperlich zu spüren. Zudem erfährt der Leser lang zurückliegende Ereignisse. Er ist Veteran des Vietnamkrieges und seine Alpträume scheinen zurückzukehren. Diese Szenen erinnerten mich stark an PI Magnum auf Hawaii. Fantastisch herausgearbeitete Charaktere nicht nur der Ermittler, sondern auch der der Verbrecher machen diesen Roman lesenswert. Und James Lee Burke schafft eine Authentizität, dass man geneigt ist zu glauben, er hätte alles selbst erlebt. Und wenn nicht, dann hat er verdammt viel Erfahrung dem von ihm beschriebenen Millieus.

Absolute Spitzenklasse!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: burke, flamingo   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

krimiwochenende, kriminelle stadtführung, hillesheim, eifel, gefängnistransporter

Mord im Krimihotel

Ingrid Schmitz
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei KBV, 15.08.2017
ISBN 9783954413850
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Kriminalroman ist ein liebevolles Bekenntnis an die selbsternannte Krimihauptstadt Deutschlands - Hillesheim. Einwohner und Unternehmer haben ein außerordentlich positives Verhältnis zur Kriminalliteratur. So gibt es dort ein Kriminalhaus mit einem Krimiarchiv, es gibt ein Krimihotel, in welchem Literaturveranstaltungen angeboten werden, es gibt Führungen durch die Eifel zu den besonderen Schauplätzen der Kriminalromane und last but not least ist dort der Sitz des Verlages, bei dem dieser Kriminalroman erschienen ist. So verwundert es nicht, dass die ersten Kapitel eine Rundumbeschreibung des Krimihotels und seiner vielfältigen Aktivitäten ist. Doch nachdem die erste Leiche aufgetaucht ist, geht es Schlag auf Schlag.

Schmitz beschreibt eine illustre Gästeschar bei einem Krimiwochenende in dem Hotel. Dabei hat fast jeder, möchte beinahe sagen, eine Leiche im Keller. Nichts ist, wie es scheint. Vielleicht heißt die Protagonistin deshalb auch Lea Schein. Oder heißt sie so, weil sie vorgibt, eine Schriftstellerin zu sein? Sie, die eigentlich noch vor dem Beginn ihrer Karriere steht, wird schnell in die Ermittlungen hineingezogen. Nebenbei wird ein unfertiger Roman von ihr zum Bestseller. Ein Traum jeder Autorin, jedes Autors.

Ingrid Schmitz hat einen sehr unterhaltsamen, kurzweiligen und humorigen Ratekrimi geschrieben und nimmt die Gilde der Autor*en mit einem zwinkernden Auge unter die Lupe. Auf Spannung wird dabei nicht verzichten müssen, denn schnell bekommt der Leser mit, dass die Figuren alle etwas verbergen. So traut man später keiner einzigen Aussage und fiebert der Auflösung entgegen.

Eine tolle Geschichte, die besonders den Liebhabern von Eifelkrimis ans Herz gelegt werden sollte, oder auch jenen, die es werden wollen. Cosy crime, wie es gefällt.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

erhängt, kinder, familie, elly griffiths, beziehungen

Engelskinder

Elly Griffiths , Tanja Handels
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.07.2017
ISBN 9783805250962
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein typisch britischer Kriminalroman mit dem ganzen Flair von Ermittlern wie Lynley, Lewis oder Barnaby. Dabei wird ein historischer Kriminalfall ebenso aufgeklärt wie ein aktueller. Doch zunächst zum Geschehen.

Als die forensische Archäologen Dr. Ruth Galloway in einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigsten Mörderin Norfolks gefunden zu haben. »Mother Hook« soll zu Lebzeiten Kinder in Pflege genommen und getötet haben. Infolgedessen tritt ein Fernsehteam auf die Bühne, um die Folge einer Mystery-Doku-Serie mit der Archäologin zu drehen.
Parallel dazu knüpft sich DCI Nelson eine junge Mutter vor, der bereits das dritte Kind nur wenige Monate nach dessen Geburt gestorben war. Ein- und derselben Mutter. Nelson glaubt nicht mehr an Zufälle. Er fühlt der Mutter und auch ihrem Ex-Mann auf die Zähne. Doch abgelenkt werden er und sein Team von plötzlich verschwundenen Kindern. Sogar Kinder aus seinem engsten Bekanntenkreis.

Die Ablenkungsmanöver der Autorin sind schon etwas sehr Besonderes. Sie lenken nicht nur die Ermittler ab, sondern auch als Leser ist man beinahe geneigt, den Todesfall des sechs Monate alten Babys komplett zu vergessen, weil zunächst die verschwundenen Kinder im Mittelpunkt stehen.
Die Verflechtung der Toten und verschwundenen Kinder aus dem Hier und Jetzt mit denen aus der viktorianischen Zeit um »Mother Hook« bereitet ein ebenso interessantes Vergnügen. Aufklärung über forensische Arbeit inklusive.
Das durchaus wirre Beziehungskonzept der auftretenden Figuren hinterlässt zunächst etwas Chaos im Kopf des Lesers. Wer von wem der Ex ist und wer der Vater von welcher Figur ist, hätte ein bisschen weniger Verstrickung gut getan.

Dennoch alles in allem ein empfehlenswerter Roman, bei dem streckenweise keine Mordermittlung im Zentrum steht. Außerdem fasziniert er mit dem britischen Charme einer Val McDermid oder eines Simon Beckett. Daumen hoch!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

rassismus, hard revolution, gesellschaftskritik, crime, usa

Hard Revolution

George Pelecanos , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 20.06.2017
ISBN 9783869137667
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beinahe möchte man diesen Roman schon als historischen Roman einordnen. Dabei liegt die Zeit der Handlung, 1959 und 1968, gar nicht so lange zurück. Dennoch nimmt er historische Ereignisse auf, beleuchtet sie auf interessante Weise aus verschiedenen Blickwinkeln. Thema ist der Rassismus gegen die farbige Bevölkerung in den USA.

Während der ersten Handlungszeit 1959 werden mehrere Figuren vorgestellt, als sie noch Kinder waren. Es bilden sich Freundschaften, es gibt erste Rangeleien. Die Freundschaften verlaufen über Familien unterschiedlichster Herkunft. In Washington gibt es Viertel für Farbige, für Griechen, für Juden, für Italiener. Jede Gruppe bleibt eigentlich unter sich, doch in der Schule mischt sich einiges und die Freundschaften erstrecken sich über diese Gruppen hinweg.

Zehn Jahre später sind aus den Kindern junge Erwachsene geworden. Einige von ihnen haben einen "vernünftigen" Job, andere einen Aushilfsjob nur zum Geldverdienen. Einige waren bereits in Vietnam, haben dort Gehorsam und Töten gelernt, andere sind aus Vietnam nicht zurückgekehrt. 1968 ist ein Jahr der großen Unruhen in den USA. Die Afroamerikaner jubeln dem Menschenrechtler Dr. Martin Luther King zu. So wie im ganzen Land toben die immensen Unruhen in Washington.

Pelecanos beschreibt den brodelnden Kessel in all seinen Details und hauptsächlich über die Figuren und ihre Beziehung zueinander. Dreck, Schmutz, Freundschaft, Ehre und Gangs spürt der Leser unmittelbar. Drogen und vor allem Musik des Labels Motown liegen stets in der Luft. Mit sehr vielen alltäglichen Ereignissen, wie die Musiktitel, die Sänger, aber auch Fernsehserien, versucht der Autor den Leser mit Erinnerungsstücken in die damalige Zeit zu versetzen. Viele Stränge sorgen für Spannung, stets ist man gefordert, um zu erfahren, welche Gang, welche Leute gerade etwas aushecken wollen.

Besonders Interesse gewann ich an dem Verhältnis der beiden Polizisten Derek Strange (farbig) und Troy Peters (weiß). Über alle Seiten des zweiten Teils hinweg Ihre Annäherung zu lesen, macht allein schon den Roman lesenswert.

Gar nicht gefallen hat mir im Gegenteil im ersten Teil des Romans die Anzahl der eingeführten Figuren, die alle mit Namen und einer Biographie versehen wurden, selbst kleinste Nebenfiguren. Im zweiten Teil ist dann die Fluktuation geringer und man weiß, wer zu wem gehört, um wen es sich handelt und in welchem Stang jeder mitspielt. Heutige TV-Serien und Nachrichten aus den USA zeigen leider immer noch, dass es in der amerikanischen Gesellschaft kaum einen Unterschied zu der damaligen gibt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: crime, rassismus   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

119 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

thriller, schweden, texas, band 2, familie

Bruderlüge

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Limes, 13.06.2017
ISBN 9783809026679
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Roman ist ein zweiter Teil zu dem vor wenigen Monaten erschienenen Teil „Schwesterherz". Aber keine Bange! Gute Nachricht für so manchen Leser: Man muss nicht zwangsläufig den ersten Teil gelesen haben. Alle zum Verständnis notwendigen Informationen gibt es in komprimierter Form auch in diesem Thriller.

Die Struktur für die Übersichtlichkeit des Lesens entspricht der von „Schwesterherz". Zu Beginn jedes Kapitels gibt es ein Interview des Protagonisten Martin Benner mit einer Journalistin. Hiermit wird kurz, aber präzis die Spannung für das folgende Kapitel aufgebaut. Ein Stil, den ich bereits in meiner Besprechung zum Vorgänger positiv hervorhob.

Ähnlich wie in anderen Serien (Roman und oder TV) wird der erste Teil zwar mit einer Auflösung abgeschlossen. Doch es gibt da noch einen winzigen Punkt, vielleicht ist er auch nur nebensächlich, der nicht aufgelöst wurde. Diese „winzige Nebensächlichkeit" ist der Ausgangspunkt für „Bruderlüge". Somit beginnt eine weitere Jagd. Den Auftrag dazu hat Martin Benner vom großen Unbekannten mit dem Spitznamen Lucifer. Zum Teufel aber auch, dass Martins Freundin Lucy heißt. Martin ist sich sicher: Den Auftrag Lucifer's kann er nur lösen, wenn er weiß, wer Lucifer ist. Ihm rennt aber offenbar die Zeit davon, während ein Unterstützer von ihm nach dem anderen umgebracht wird und er selbst immer wieder als Tatverdächtiger in den Fokus der Polizei gerät.

Kristina Ohlsson hat auch in diesem zweiten Teil von Martin Benner auf Spannung gesetzt. Immer wieder zwingt sie den Leser zu einer gedanklichen Kehrtwende. Immer wieder scheinen die Spuren ins Nirgendwo zu führen. Das macht riesigen Spaß beim Lesen. Wer den ersten Roman nicht kennt, muss nicht unbedingt davor zurückschrecken, mit dem zweiten zu beginnen. Wer aber die Gelegenheit hat, beide Romane in der richtigen Reihenfolge nacheinander zu lesen, sollte auf dieses spannende Lesevergnügen nicht verzichten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags: bruder, ohlson, schwester   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

50 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

spannend bis zum ende, urlaubsliteratur, www.die-rezensentin.de, westfalen, krimi

Mordkapelle

Carla Berling
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2017
ISBN 9783453419964
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Ostwestfälischen wird die verbrannte Leiche eines Apothekers in der Kirche gefunden. Wer sich hinter der Leiche verbirgt, wird schnell anhand des Rollstuhls klar. In einer Kleinstadt ist bekannt, wer im Rollstuhl fährt. Ludwig war ein angesehener Bürger und Förderer der Stadt, überall beliebt und Feinde konnte sich keiner für ihn vorstellen. Aber es war offensichtlich, dass es sich nicht nur um einen Unfall handelte.

Ira, eine Journalistin der ortsansässigen Tageszeitung, beginnt zu ermitteln. Nicht, um den Fall aufzuklären, denn dafür liegt die Zuständigkeit die Kripo. Aber um fundierte Artikel für Ihren Arbeitgeber abzuliefern. Sie musste und wollte einen Schmierenschreiber von einem Online-Magazin Paroli bieten. Der veröffentlichte nur reißerische Sätze, die jeder mit einem Fragezeichen endeten, basierend auf wenigen Informationen aus einer dubiosen Quelle.

Berling hat ein unterhaltsames Ensemble an Figuren für diese Roman zusammengestellt. Neben der Protagonistin Ira gehört deren Freund Andy dazu, ihre beiden Tantchen, die statt eines Kaffees lieber ein Likörchen trinken, ihre Freundin Coco, eine Taxifahrerin, die ebenso rasant Informationen beschaffen kann wie sie Taxi fährt, ihr Chef, ein Kommissar und ein Hund. Mit etwas Dialekt der Tantchen werden die Dialoge westfälisch aufgepeppt. Das macht Spaß und lässt den Leser auf den nächsten Auftritt diese Figuren hoffen.

Das besonders Schöne an dem Roman ist der sehr vertrackte, ausgeklügelte Plot. Über weite Strecken wird der Leser auf angenehme Weise in die Irre geführt. Nur sehr schwer kann ein Faden losgelassen werden. Die Leser können denen der Figuren gut folgen, führen aber zu keinem Ergebnis. Zumindest nicht bis zum großen Showdown. Da wendet sich plötzlich alles. Wie aus dem Nichts, aber dennoch sehr plausibel, tauchen neue Figuren und Theorien auf, um die Klärung des Kriminalfall zum Abschluss zu bringen. Einfach klasse!

Spannender Krimi mit sehr vielen Fäden, die zum Ende alle gelöst werden, den ich sehr gern empfehle.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (2)
Tags: kapelle, mord   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(44)

64 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

liebe, sizilien, trauer, familie, adel

Piniensommer

Stefanie Gerstenberger
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diana, 22.05.2017
ISBN 9783453291614
Genre: Romane

Rezension:

PINIENSOMMER" ist ein Roman der sanften Töne. Seine Handlung, die auf wahren Begebenheiten fußt, liegt in der jüngeren Vergangenheit vor etwa fünfzig Jahren. Es geht um die Liebe, jedoch nicht nur. Die Liebesgeschichte drängt sich einem nicht auf. Aber sie ist stets präsent, weil sie die Grundlage allen Geschehens in diesem Roman bildet. In einer Familiengeschichte, die das Leben dreier Generationen beschreibt, muss es einfach auch um die Liebe gehen.

Es sind die 1960 er Jahre auf Sizilien. Nicola und Stella verbindet eine tiefe Liebe. Nicolas Mutter hält nichts von seiner Verlobten Stella. Sie verhält sich kratzbürstig, zumal Stella zum „verarmten Adel" gehört, weil deren Familie wegen der Machtverhältnisse in der Region an Grund und Boden verloren hatte. Doch die beiden lassen sich davon nicht beeindrucken, sie wollen studieren und heiraten. Sie haben wie alle jungen Menschen Lust auf das Leben und die Zukunft. Und sie finden Mut zu Protesten gegen die bestehenden Machtverhältnisse, die von der Mafia, Aberglauben und Tradition geprägt sind. Wird ihnen das Leben dadurch schon schwer gemacht, ist ihnen auch das Glück nicht immer hold und es gilt, schwere Steine aus dem Weg zu räumen.

Stefanie Gerstenberger hat einen beinahe historischen Roman geschaffen, der die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse in einer Region und einer Zeit beschreibt, die fast schon wieder in Vergessenheit geraten sind. Sie kennt die Gegend in aller Vielfältigkeit und Detailliertheit, denn das fiktive Geschehen macht einen überaus authentischen Eindruck. Man fühlt sich in einen Landstrich versetzt, der einem aus Mafia-Filmen der 1970er Jahre bekannt war. Ich habe es genossen, die Menschen in diesen Romanen, ihre Lebensverhältnisse und Schicksale kennenzulernen. Diese Authentizität muss aber keinen verwundern, denn wie mir die Schriftstellerin verriet, hatte sie schon ein paar Sommer in Italien zugebracht und gearbeitet (unter anderem auf Elba), als ihr 1996 die Idee kam, einen Sprachkurs zu absolvieren. »Das erschien mir ganz nützlich, um mein bisheriges Straßenitalienisch grammatikalisch etwas aufzurüsten«, sagt sie. »Meine Wahl fiel auf Sizilien, das ich bis dahin noch nicht kannte. Mit Maria, der Besitzerin der Sprachschule, verstand ich mich sofort wunderbar und blieb für die nächsten Monate gleich dort. Ich war fasziniert von der Schönheit der Natur, zugleich aber abgestoßen von der brutalen Hässlichkeit, mit der der Mensch die Insel seit jeher erfolgreich verschandelt. Ich traf auf Leichtigkeit und Lebenslust, gepaart mit uraltem Aberglaube und der Tradition, zu schweigen und wegzuschauen.« Erst viel später kam sie darauf, diesen Zwiespalt in Geschichten zu packen. So entstand ihr erster Roman, "DAS LIMONENHAUS", der auf Begebenheiten beruht, die ihr die Inhaberin der Sprachschule erzählt hat. »Auch beim OLEANDERREGEN, dem STERNENBOOT und dem PINIENSOMMER war sie eine unendliche Quelle und machte mich mit Leuten bekannt, die dann zu meinen Hauptfiguren wurden«, erzählt mir die Autorin mit leuchtenden Augen.
Da mich besonders die Konstellation von Region und Zeit des Romans interessierte, gab mir Stefanie Gerstenberger zur Entstehung von Figuren und Handlung bereitwillig Auskunft: »Da es sich um wahre Geschichten von realen Menschen handelt, musste ich über Handlungsort und Handlungszeit nicht nachdenken. Ich stellte mir wohl aber die Frage: Was übernehme ich, was lasse ich weg, was dichte ich dazu? Einiges musste ich abmildern und ändern, weil das Leseerlebnis sonst trauriger geworden wäre. Außerdem habe ich der Dramaturgie wegen einige Figuren erfunden. Das wahre Leben ist manchmal mitleidslos, es strotzt vor Zufällen und entbehrt jeder Logik. Das möchte man seinen LeserInnen nicht zumuten!
Die Figur der Stella mit ihrem Optimismus und ihrer Kraft beim Anpacken hatte mich beim Lesen am meisten fasziniert. Deshalb frage ich: »Wird es eine Fortsetzung um die Architektin Stella geben?« »Nein. Ich finde, die Geschichte ist zur Genüge auserzählt. Zwei Teile waren sowieso nicht geplant. Doch als ich dem Diana-Verlag nach hundert geschriebenen Seiten mitteilte, dass die Fülle der Begebenheiten niemals in vierhundert Seiten passen werden, ohne sie zu verstümmeln., ließen sie mich (Dankeschön!) zwei Teile daraus machen!«  Es entstand „DAS STERNENBOOT" und „PINIENSOMMER". »Und ich bedanke mich für die informativen Antworten auf meine Fragen«, beschließe ich unser Gespräch.
Allen, die in der Literatur nach etwas Besonderem suchen, sei dieser Roman bestens empfohlen.
P.S.: Hinweis meinerseits an den Verlag. Titel und Cover mögen zwar zur Reihe der Gerstenberger-Romane passen, werden der Geschichte im Roman aber nicht gerecht.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (2)
Tags: familie, mafia, sizilien   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

raub, pendrago, new york, crissa, gangsterroman

Geld ist nicht genug

Wallace Stroby , Alf Mayer
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 23.02.2017
ISBN 9783865325778
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimi einmal anders oder vielleicht doch kein Krimi? Der vorliegende Roman ist ein Ganovenroman.

Er beginnt damit, dass die Protagonistin Chrissa Stone zusammen mit schweren Jungs und mit ebenso schweren Baufahrzeugen den Geldautomaten einer Bank knackt. Das ist ihr Hauptberuf. Sie raubt Geld. Doch immer darauf bedacht, es nicht "den Guten" zu nehmen, sondern "den Bösen". Eine moderne Robin Hood, die allerdings nicht alles an die Armen verteilt.

Parallel zum Geldraub wird der seit 25 Jahren über ein Zeugenschutzprogramm untergetauchte Benny von damaligen "Kumpels" aufgesucht. Er gehörte den Mafiagangs von Brooklyn an und hatte beim größten Geldraub in der US-Geschichte (dem Lufthansa-Raub am 11 Dezember 1978) mitgemacht. Das Geld war damals aber nie gefunden worden. Deshalb hat sich Danny, der auch heute noch Gangsterboss ist, vorgenommen, Benny aus dessen verbrechensfreien Dornröschenschlaf zu holen, um sich mit ihm auf die Suche nach den Millionen zu machen.

Doch im Verlauf der Handlung treten sich alle gegenseitig auf die Füße und dabei geht es nicht ohne Blut ab. Action in Form von Schlägereien, Folter und Schießereien stehen an der Tagesordnung.

Vor dem Hintergrund des tatsächlichen Geldraubs an einer Lufthansa-Maschine hat Wallace Stroby einen spannenden Roman entwickelt. Dabei geht es um die Jagd nach dem Geld, bei dem sich die Gangster gegenseitig verfolgen. Deshalb kommt der Roman komplett ohne Polizei und Ermittlern aus. Die in eigener Sache ermittelnden Ganoven einmal ausgenommen. Chrissa Stone, die ihren ersten Auftritt in dem Roman "Kalter Schuss ins Herz" (in deutscher Übersetzung ebenfalls bei Pendragon erschienen) hatte, wird als Frau dargestellt, die mit allen Wassern gewaschen ist. Immer die richtigen Beziehungen an der Hand, schafft sie es, sich die notwendigen Informationen und Materialien zu beschaffen, um an Ihr Ziel zu gelangen. Zartbesaitet geht sie dabei nicht immer vor, obwohl sie im vorliegenden Roman gerade deshalb in Schwierigkeiten kommt, weil sie ihre Gegner zu oft verschont.

Sehr angenehm sind auch die Nachbbemerkungen, die über den Hintergrund bzw die Basis dieses True Crime Romans bilden. Sehr empfehlenswerter Roman.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags: crissa, pendrago, stroby, usa   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(125)

248 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 103 Rezensionen

historischer roman, otto der große, rebecca gablé, ottonen, mittelalter

Die fremde Königin

Rebecca Gablé , Jürgen Speh
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 27.04.2017
ISBN 9783431039771
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dieser Roman ist der Folgetitel von "Das Haupt der Welt", der im Mittelalter Deutschlands spielt und nichts mit den Waringham-Romanen zu tun hat.  Die Autorin beweist wieder einmal ihren Einfallsreichtum bei der Ausschmückung der historischen Fakten mit einer fiktiven, sehr unterhaltsamen Handlung.

Es geht um König Otto im 10. Jahrhundert. Insofern schließt der Roman an seinem Vorgänger an. Die italienische Königin Adelheid, die nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrer Tochter festgesetzt worden war, um die Herrschaft über ihr Reich zu ergaunern, wird von einem Mann König Ottos befreit. Der zuverlässige Panzerreiter Gaidemar wurde von Ottos Sohn Wilhelm für diese Aufgabe vorgeschlagen. Das ist Otto recht, denn sollte der Plan schief gehen, dann verliert er nur einen unbedeutenden Neffen. Sollte die Befreiung aber glücken, dann kann er seine eigenen Pläne umsetzen und durch die Hochzeit mit Adelheid die Macht über das Königreich Italien erlangen. Dieser Plan geht dank Gaidemar auf. Da er aber ein ungeliebter Bastard ist, wird ihm seitens Otto kein großes Lob zuteil. Doch es wächst eine Freundschaft zwischen Adelheid und Gaidemar als auch zwischen ihm und Wilhelm heran.

Mit viel Detailtreue versieht Gablé die einzelnen Szenen in der über mehrere Jahre laufenden Handlung. Ihre bildreiche Sprache, die passenden Vergleiche und Metaphern lassen ein tiefes Eintauchen in die Zeit am Hofe König Ottos zu. Besonders hervorheben möchte ich das Kapitel mit der Schlacht gegen die Ungarn im Lechfeld. Dies wird von ihr Freud und Leid ganz nah aneinander erzählt und seitenlang überzog eine Gänsehaut meine Arme.

Dieser Roman erhält die volle Punktzahl und sollte spätestens zu Weihnachten in jedem Bücherregal stehen. Schließlich bietet er deutsche Historie mit einer spannenden Story.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags: gable, rebecca, rebecca gable, rebecca gablé   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(63)

143 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

paris, liebe, buchladen, bücher, frankreich

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008979
Genre: Liebesromane

Rezension:

Wo Liebesgeschichte drauf steht, muss nicht immer nur eine Liebesgeschichte drin stehen. Der vorliegende Roman ist einer von vielen, die momentan in den Markt gespült werden und eine Liebesgeschichte in einem Buchladen in Paris erzählen. Parisliebhaber werden also auf ihre Kosten kommen.

Sarah hat einen kleinen Buchladen in der verschlafenen, amerikanischen Kleinstadt Ashford. Doch wirtschaftlich läuft es nicht besonders gut. Ihr Freund Ridge ist freier Journalist und reist um den Globus. Als schüchterne Einzelgängerin hatte sie eigentlich nie erwartet, eines Tages einen Mann zu lieben, mit dem sie bis ans Ende ihres Lebens gemeinsam verbringen mochte. Doch dann war es plötzlich passiert. Sie hatte Ridge kennengelernt. Wenn da nur nicht immer die Trennung wegen seines Jobs wäre. Übers Internet machte Sarah die Bekanntschaft mit Sophie aus Paris. Sophie ist eine Kollegin mit einem Buchladen direkt an der Seine. Sophie hat gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und möchte Paris zumindest für eine Weile den Rücken kehren. Sie hat viel Vertrauen in ihre amerikanische Internetfreundin und schlägt ihr den Tausch der Buchhandlungen auf Zeit vor. Obwohl Sarah nur ihre Kleinstadt kennt, geht sie auf den Vorschlag ein und freut sich, die große weite Welt in Form von Paris, der Stadt der Liebe, der Kunst und der Schriftsteller kennenzulernen. Doch sie hatte nicht mit dem Chaos und dem Kundenandrang im Pariser Buchladen gerechnet. Ganz zu schweigen von der Mentalität der Franzosen im Allgemeinen und der "ihrer" Mitarbeiter (in Ashford hat sie keine Mitarbeiter) im Besonderen.

Raisin hat ein interessantes Setting zusammengestellt und lässt es nicht nur in der Beziehung zwischen der Protagonistin, die alles aus der persönlichen Perspektive erzählt, und ihrem Journalisten krachen. Die Hektik der Großstadt und die andere Mentalität der Franzosen geben genügend Raum für Konflikte und überraschende Wendungen. Besonders gefallen hat mir eine Nebenhandlung, die in Form aufgefundener Liebesbriefe dazwischen gestreut wurde. Diese Form unterstützt die Erzählung in der zweiten Person, was eine besondere Note bringt. Die reine Verwendung von "du" und "ich" bringt eine kisternde Spannung, denn als Leser möchte man schon gerne wissen, um wen es sich beim Briefeschreiber und dem Empfänger handelt.

Alles in allem gibt es sehr viel Pariser Lokalkolorit und letzten Endes die Auflösung von drei Liebesgeschichten. Sommerliche Feelgood-Lektüre, die Spaß macht!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(103)

172 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

thriller, schweden, texas, kristina ohlsson, schwesterherz

Schwesterherz

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 479 Seiten
Erschienen bei Limes, 10.04.2017
ISBN 9783809026631
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei diesem Thriller handelt es sich um den ersten Teil einer zweibändigen Geschichte, der allerdings auch selbstständig für sich alleine steht. Beide Bände bedingen nicht unbedingt einander.

Der Rechtsanwalt Martin Benner wird dazu gebracht, die Unschuld einer bereits durch Selbstmord ums Leben gekommenen Serienmörderin nachzuweisen. Ihr Bruder spazierte einige Monate nach deren Tod in die Kanzlei und nahm dem Anwalt ein Versprechen ab. Obwohl sich alles in Benner sträubt, kann er sich dem Sog der Neugierde nicht entziehen. So begibt er sich auf eine gefährliche Ermittlungstour, zusammen mit seiner Kanzleipartnerin Lucy. Ermittelt wird in Schweden als auch in Texas.

Kristina Ohlsson hat ein spannendes Figurenensemble zusammengestellt und lässt diese in einem ungewöhnlichen Plot miteinander agieren. Benner ist durch den Unfalltod seiner Schwester vor wenigen Jahren zu seinem Kind gekommen. Er hat seine Nichte damals adoptiert. Sie ist in der Geschichte vier Jahre alt und sorgt in seinem Leben dafür, dass er nicht mehr frei wie ein Junggeselle handeln kann. Zu Lucy, seiner Geschäftspartnerin, hat er ein chaotisches Bratkartoffelverhältnis. Sie waren mal ein Paar, haben sich aber getrennt, weil sie nicht mehr "miteinander konnten". Doch gelegentlich und immer öfter haben sie aus "reiner Freundschaft" Sex miteinander.

Was die Geschichte angeht, so gibt es eine Wendung nach der anderen. Man wird durch die Seiten getrieben, weil man von Anfang an wissen möchte: A) ob das Objekt der Ermittlung tatsächlich eine Serienmörderin war, B) warum sich der Rechtsanwalt in diesem Fall hat reinziehen lassen, C) was denn dann noch als schlimmste Sache in dem Fall passieren kann.

Gerade für den letzten Punkt hat die Autorin eine faszinierende Methode eingesetzt. Der Roman ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Interview zwischen Martin Benner und einem Journalisten in einem Hotel. Die Geschichte, die wir lesen, erzählt Benner quasi dem Journalisten. Aber in dem jeweiligen Interview werden jede Menge Cliffhanger für den nächsten Abschnitt platziert. Wenn man das Interview liest, gibt es nur den Gedanken: Oh Gott, was kommt denn noch alles?

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: krimi, ohlsson, skandinavien, texas, thriller, usa   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

wien, verlag: haymon, intrigen, thrille, österreich krimi

Auf sanften Schwingen kommt der Tod

Lena Avanzini
E-Buch Text
Erschienen bei Haymon Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783709937686
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zunächst dachte ich, es wäre gar kein Thriller, sondern es wäre eher ein Gegenwartsroman. Zwar begann alles mit einem Mord, der war aber prompt infolge eines Geständnisses aufgeklärt. Dann folgten, wie der Titel schon sagt, sanfte Einführungen in die Figuren, Orte und Beziehungen untereinander. Das liest sich alles nicht spektakulär.

Doch zwischengeschobene Tagebucheinträge wiesen schon auf die Sichtweise eines Täters hin. Es musste ja noch etwas kommen. Und es kommt auch. Und zwar richtig heftig, wenig vergleichbar mit einem herkömmlichen Krimi. Es wird ermittelt, aber nicht so, wie es der gemeine Krimileser gewohnt ist.

Avanzini, die 2012 bereits für ihren Debütroman "Tod in Innsbruck" mit dem Friedrich-Glauser-Preis des Syndikats geehrt wurde, hat sich für den zweiten Fall ihrer Ermittlerin Carla Bukowski einen sehr eleganten Plot einfallen lassen. Der Titel ist Programm. Es geht sanft zu, obwohl es auch Beulen gibt und Blut spritzt. Hervorzuheben sind die Zwischenkapitel aus dem Tagebuch des Täters mit dem besonderen Namen "Buch der Kränkungen". Sie sind vom Täter selbst in der zweiten Person verfasst. Eine seltene Form in der Belletristik, aber hier mehr als passend. Der Leser erfährt vom Täter, was seine Opfer gemacht hatten, damit sie zum Opfer wurden. Der Zusammenhang mit der aktuellen Handlung ist zunächst nur schwer erkennbar. Als erfahrener Leser weiß man halt, dass da einer sein muss. Genauso wenig kann man Rückschlüsse ziehen, wer in der aktuellen Handlung diejenige ist, der das Tagebuch geschrieben hat.

Scheinen die Konflikte anfangs banal und zusammenhanglos, so verdichtet sich mit zunehmenden Lesefortschritt das Geschehen. Die eine oder andere Wendung wirft sämtliche Vermutungen des Lesers total über den Haufen und er muss neuen Spuren folgen.

Die Protagonistin ermittelt in einem Bereich, in dem sie nicht zuständig ist. Dabei bekommt sie Unterstützung von einem Journalisten und einem Privatdetektiv.

Meine Empfehlung: Man sollte sich unbedingt auf den "sanften" Roman einlassen Belohnung folgt!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags: klinik, spannung, thrill, wien   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

martin luther, pest, luther, lucas cranach, reformation

Die Mutter des Satans

Claudia Beinert , Nadja Beinert
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.02.2017
ISBN 9783426653838
Genre: Historische Romane

Rezension:

In einer Zeit, in der der große Reformator Martin Luther in aller Munde ist, erscheint der Roman "Die Mutter des Satans" von den Zwillingsschwestern Claudia und Nadia Beinert natürlich zum richtigen Zeitpunkt. Und dennoch hebt sich der Roman in besonderer Weise von der üblichen Martin-Luther-Literatur ab: Es ist ein fiktiver Roman durch die Augen seiner Mutter gesehen.

Die Fiktion in einem Roman des historischen Genres bedeutet mitnichten, dass alles erfunden wurde. Im Gegenteil, werden doch die nachweislichen Fakten sehr sorgsam ausgewählt, aneinandergereiht und erst durch die Fiktion zu einem Gesamtbildnis zusammengeführt.

Erzählt wird also die Geschichte von Margarete Luder und deren Familie. Martin ist als handelnde Figur lediglich eine Nebenfigur, obwohl sich doch alles um ihn dreht. Die Autorinnen gehen der Frage nach, wo die Wurzeln für Martin und sein Schaffen gelegt wurden. Was hat ihn dazu bewogen, so zu handeln, wie er gehandelt hat? Im Handeln und Denken der Mutter, aber auch des Vaters, in der Erziehung des Kindes ist dessen Werdegang begründet. Neben dieser Geschichte wird der Leser sehr viel über das Leben und die Verhaltensweisen zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfahren. Viele Details nehmen ihn mit in diese Zeit, die von Kriegen, Pest und Hexenwahn geprägt war. Nicht nur das Leben der Bauern, sondern auch das der Bergleute im Kupferbergbau des Mansfelder Landes wird beleuchtet und bildet den gesellschaftlichen Hintergrund dieses Romans. Die starke Hinwendung zur und Verbundenheit mit der Religion wird nicht zuletzt in den Gedanken der Protagonisten aufgenommen. Diese kursiv hervorgehobenen Sequenzen sind durchwebt von Zitaten aus der Bibel und anderen religiösen Schriften, weil Margarete alles Denken, alle Ausrichtung des Lebens aus dem Glauben zu Gott ableitet. Nicht ungewöhnlich für die damalige Zeit und auch heute in vielen Religionen wieder ehr beliebt.

Parallel zum Leben Margarete Luders wird die Geschichte eines engen Freundes ihres Sohnes von einem Außenstehenden erzählt. Lucas Cranach der Ältere porträtiert Margarete und ihren Mann Hans. Er, der nicht nur Freund Luthers war, sondern auch Bürgermeister in Wittenberg und PR-Mann für die Reformation, wird in seinem Verhältnis zu seinen Söhnen beschrieben. Seine Porträtstudien zu den Gemälden lassen ihn weit in das innerste von Luthers Mutter vordringen, was in der Erzählweise des Romans eine weitere Perspektive ermöglicht.

Der Roman fesselt durch seine besondere Sichtweise. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, eine Biografie zu lesen. Dennoch habe ich viele Aspekte aus dem Leben des Reformators erneut erfahren. Ein Thema, welches hervorragend umgesetzt wurde und sich bestens auch für unterhaltsame Stunden eignet.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

cornwall, roman, tolles cover, englan, liebe

Weil du mich liebst

Eliza Graham , Elfriede Peschel
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.10.2016
ISBN 9783734103889
Genre: Romane

Rezension:

Südengland. Die Geschichte zweier Frauen. Eine davon spielt in der Gegenwart, die andere geht zurück auf das Jahr 1943. Minna Byrne ist nach dem Verlust ihres Sohnes durch einen Unfall mit ihrem Mann aus London aufs Land gezogen. Sie brauchen Abstand von dem Trubel, müssen in ihrer Trauer zu sich kommen. Der Tod des Sohnes scheint ihre Ehe zu zerreißen. Durch Zufall finden sie bei einem Spaziergang das Skelett einer Leiche an der Küste. Die Herkunft dieses Toten zieht Minna in den Bann. Dann trifft sie auf für Felicity Vance, genannt Felix, die nach sehr vielen Jahren in ihren Heimatort zurückgekehrt ist. Minna wohnt nun dort, wo Felix als Kind aufgewachsen war.

Schnell stellt sich heraus, dass der Tote ein amerikanischer GI aus dem Zweiten Weltkrieg ist. Felix beginnt zu erzählen, denn sie kannte diesen GI.

In beiden Geschichten werden Liebesgeschichten erzählt. Sie sind faszinierend ineinander montiert. Rückblenden wechseln mit der Gegenwart ab. Die heutige Geschichte um Minna und ihren Mann erzählt Minna selbst. Die gegenwärtige Erzählweise lässt den Leser alles direkt miterleben. Die Geschichte des GIs wird von einer dritten Person im Präteritum erzählt. Teilweise auch von Felix selbst, meist aber von einem unbekannten Erzähler.

Die Spannung wird von der Autorin auf mehrere Säulen aufgebaut. Man möchte einerseits wissen, ob Minna und Toni wieder zusammenkommen, warum und wie ihr Sohn ums Leben kam. Andererseits möchte man alles um den Toten GI wissen. Überraschungen sind vorprogrammiert.

Die Autorin erzählt interessante Geschichten. Besonders die von dem amerikanischen GIs vor dem berühmten D-Day bringt ungewöhnliche Sachen hervor. Der Lokalkolorit ist nicht ganz so ausgeprägt, lässt aber dennoch genug Stimmung aus dem südlichen England um Bournemouth erkennen. Das Lektorat hätte an einigen Stellen besser aufpassen müssen. Verwechselte Namen, falsche Erzählperspektiven einzelner Sätze geben dem Leser Rätsel auf, die eigentlich nicht sein mussten. Aber das soll den Gesamteindruck nicht wesentlich beeinträchtigen. Mir hat der Roman trotzdem gut gefallen.

 

bei Amazon kaufen

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (2)
Tags: cornwall, englan, liebe, südengland   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

cornwalll, cornwall, glück, merrin, südenglan

In unendlicher Ferne

Emylia Hall , Astrid Mania
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714667
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Hauptfiguren dieses Romans, Robyn Swinton und Jago Winters befinden sich zu Beginn (im Prolog) jeweils an einem Ort, an dem sie eigentlich nie sein wollten. Noch dazu jeder an einem anderen Ort, mehrere 1000 km voneinander entfernt. Während Robyn in Cornwall auf das Meer schaut, kümmert sich Jago im heißen Texas um die Pferde auf einer Ranch. Dabei ist Robyn ein Großstadtkind, die nur ihrer Eltern wegen, die in den Ruhestand gegangen sind, nach Cornwall mitgegangen ist. Jago hingegen ist in Cornwall geboren, liebt das Land, lebt mit seinem Vater zusammen und liebt die Arbeit mit Holz. Als Möbeltischler bestreitet er ganz gut seinen Lebensunterhalt.

Während der Leser im Prolog von zwei unterschiedlichen Menschen erfährt, beginnt deren Geschichte anschließend sieben Jahre zuvor. Nach und nach nähert sich der Lesende dem Ende des Spannungsbogens (Was machen sie hier an diesen Orten?), der im Prolog aufgebaut wurde. In einem ständigen Auf und Ab der Gefühle wird der Lebensweg beider in den letzten sieben Jahren geschildert.

Hall erzählt eine Geschichte von einer tiefen Freundschaft und lässt die Leser spüren, dass da offenbar noch mehr als Freundschaft ist. Doch es wird eine Geschichte von verpassten Gelegenheiten. Faszinierend hat die Autorin die Landschaft von Cornwall in das Geschehen eingebunden. Penzance, Porthcurno, St. Ives sind immer wieder genannte Orte, die Malerei, die in diesem Landstrich eine besondere Rolle spielt, nimmt auch im Roman einen festen Platz ein. Dennoch ist der Roman nicht ein simpler Regionalroman. Der Sog geht von der Geschichte aus. Doch dabei eine Region kennen zu lernen, die man noch nicht kannte, kann ein wunderschöner Nebeneffekt sein. Ebenso für denjenigen, der diese Landstriche selbst schon bereist hat. Dem einen oder anderen mag der Roman zu einer Reise nach Cornwall animieren.

Detailreiche und bildhafte Beschreibungen von Landschaft und Gefühlen machen den Roman zu einem Erlebnis. Amüsant und interessant die Nebenhandlung um Eltern im Ruhestand und der Aufstieg einer Musikband sind weitere schöne Zutaten.

Dieser Roman macht riesigen Spaß!

bei Amazon kaufen

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (2)
Tags: cornwall, glück, liebe, romanc, südenglan   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

meer, schottland, edinburgh, sea, menschenhandel

Sea Detective - Ein Grab in den Wellen

Mark Douglas-Home , Stefan Lux
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.01.2017
ISBN 9783499272462
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Roman des Schotten Mark Douglas-Home ist mehr als ein Kriminalroman. Ermittlungen im klassischen Sinne wird der Leser vermissen. Das heißt aber nicht, dass er es an Spannung vermissen lässt. Er gewinnt immer mehr an Tiefe, je weiter man in ihm vordringt. Dabei werden insgesamt drei Geschichten erzählt.

Mit Melancholie wird von der Geschichte der schottischen Inseln und der Fischer erzählt. Der Protagonist Cal McGill erfährt die Wahrheit um den Tod seines Großvaters. Geschickt hat der Autor dafür eine fiktive Landschaft geschaffen, um keinen real existierenden Generationen weh zu tun.

Eher klassisch wird dann in einer zweiten Geschichte die Ermittlung um ans Land gespülte Füße geschildert. Sie ist eng verknüpft mit der Geschichte indischer Mädchen, in denen der Leser erfährt, dass arme indische Familien ihre Töchter zum Zwecke der Prostitution verkaufen, damit die Familien überleben können. Sehr spannend.

Die dritte Geschichte wird schließlich humorvoll unter die Leser gebracht. In ihr geht es um die Polizisten Helen Jamieson und ihren Chef von der Polizei in Edinburgh, der etwas gegen Cal McGill stricken will. Ein selbstherrlicher Machotyp, der sich in den Kopf gesetzt hat, dem "Öko-Spinner", wie er McGill nennt, einen Strich durch die Rechnung zu machen, um einen höheren Posten in einer anderen Behörde zu ergattern.

Interessant ist die Figur des Protagonisten. Allein sein Beruf und seine Profession ist etwas ganz Besonderes. Als Meeresforscher hat er sich einem Gebiet angenommen, in dem er der weltweit führende Experte ist: Er spürt den Spuren von Treibgut nach, den dieses auf seinem Weg durch das Meer genommen hat. Wird an Land eine Holzkiste angespült, kann er sagen, wo sie ins Meer geworfen wurde, gegebenenfalls auch von welchem Schiff. Soviel zur Definition von "Seadetective".

Mark Douglas-Home gibt ungewohnte Einblicke in interessante Themen. Die Geschichten funktionieren auch unabhängig voneinander. Das ist allerdings auch meine Kritik an diesem Buch. Dadurch rückt der Roman etwas von dem klassischen Kriminalroman ab. Die Geschichte um die schottischen Inseln und die Herkunft des Protagonisten ist, obwohl für sich genommen sehr spannend, zu breit ausgeweitet. Sie hätte ausreichend Platz in einem zweiten Roman wie in einem "Making off". Zwar wird damit versucht, den Charakter des Seadetective darzustellen, aber diese Fülle wäre dafür nicht notwendig gewesen. Hier hat der Autor m. E. sein Pulver zu früh verschossen. Die Strecken, die der Leser ohne jeglichen Zusammenhang zur Kriminalstory überwinden muss, sind mir zu lang.

Alles in allem handelt es sich beim vorliegenden Roman um einen guten, spannenden und sehr interessanten Roman. Die Themen der Meeresforschung, der schottischen Geschichte und die der indischen Bedia-Mädchen fesseln und bitte mehr von Cal McGill und der Polizistin Helen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (0)
Tags: detective, meer, meeresforschung, schottland, verbrechen   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

düsseldorf, afrodeutsche, schwarze kommissarin, krimi, rivalitäten

Das Ende aller Geheimnisse

Stefan Keller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.01.2017
ISBN 9783499272493
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Heidi Kamemba ist die erste dunkelhäutige Kommissarin Deutschlands. Nach ihrer Ausbildung und den Anfängen bei der Polizei in Duisburg tritt sie ihren Dienst im KK12 bei der Polizei in Düsseldorf an. Wegen ihrer Hautfarbe wird sie noch fast vor dem Amtsantritt zum Medienstar. Ihr unmittelbarer Vorgesetzter im KK12 ist nicht gerade begeistert. Auf eine solche Mitarbeiterin hätte er gerne verzichtet. Doch Heidi hat nicht nur die enthusiastische Energie eines Jungspundes, sie ist zudem erfolgreich bei ihren Ermittlungen im ihrem ersten Fall. Dabei geht es um die Aufklärung eines Todesfalls in einem Waldstück. Als Neuling in der Gruppe wird ihr dieser Erfolg geneidet. Außerdem verspürt sie den Drang, unbedingt wissen zu wollen, warum ihr Vorgänger bei der Gruppe Selbstmord begangen hat. Ihre neuen Teamkollegen mauern mit diesbezüglichen Informationen und reagieren teil extrem schroff.

Mit diesem Konfliktpotential hat Stefan Keller einen verzwickten Kriminalroman geschaffen, bei dem gleich zwei Fälle parallel aufgeklärt werden. Den Figuren, vor allem der der Protagonistin Heidi Kamemba, gibt er dabei sehr viel Spielraum. Es nervt sie, ständig in den Medien zu stehen, was ihre Kollegen ihr nicht glauben wollen. Sie wird glaubwürdig und realistisch dargestellt. Leser werden es nicht schwer haben, Heidi ins Herz zu schließen, trotz mancher ihrer Schnellschüsse. Da es sich um den ersten Roman mit diesem Figurenensemble handelt, werden auch die anderen Leute ausgiebig mit positiven und negativen Seiten beschrieben. Doch das geschieht nicht durch simple Beschreibung, sondern wird immer im passenden, teils actionreichen Handlungen eingebettet.

Der Einstieg wird durch ein Prolog erleichtert, der aus einer anderen Perspektive als die anschließenden Kapiteln die Ermordung des Opfers darstellt. Der Leser spürt also sofort eine Nähe zur Tat und ist inmitten des Geschehens.

Obwohl klar erkennbar in Düsseldorf handelnd, ist das Lokalkolorit dieses Krimis dezent eingesetzt und lediglich Beiwerk wie jeder Schauplatz in einem Roman. Den Paukenschlag gibt es dann zum Schluss. Ein solches Ende ist noch nicht häufig in der Kriminalliteratur in dieser Weise zu finden. Ich würde mich freuen, wenn ich Heidi Kamemba auch zukünftig bei ihren Ermittlungen begleiten dürfte.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

  (1)
Tags:  
 
252 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks