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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Pub der toten Dichter

Ulrike Dömkes
Flexibler Einband: 264 Seiten
Erschienen bei KBV, 10.11.2016
ISBN 9783954413188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Weinjournalist Boris de Beers und seine Begleiterin die Gianna Lerouge verbringen einige Tage in dem kleinen Wellnesshotel Rose Hill Manor in Kent. Es ist eigentlich ein Weingut, bei dem als Nebenprodukt die Vinotherapie für die Wellness sorgt. Nach dem Abendessen, bei welchem sie ungewöhnlich lange auf das Essen warten mussten, erfahren Sie vom aufgeregten Inhaber Lord Astilon, dass sein Freund soeben einem Herzinfarkt auf der Massagepritsche erlegen ist. Dabei handelt es sich um den berühmten Fantasy-Schriftsteller Jeremiah Hell. Das ist mal wieder eine Abwechslung für das Feinschmeckerpärchen. Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass es kein Herzinfarkt war, den der Schriftsteller dahinstreckte. Vielmehr handelte es sich um eine ein Kontaktgift, welches sich in der Traubenkernpaste befand, mit der er massiert worden war. Zwar wird die Neugierde bei Gianna und Boris geweckt, doch die Ermittlungen werden im folgenden hauptsächlich von der Polizei aufgenommen.

Ein sehr schön zu lesender Kriminalroman vor der Kulisse des malerischen Südenglands von Kent bis Cornwall. Ulrike Dömkes hat Attraktionen, Traditionen und Landschaften dieses Landstrichs so gut beschrieben, dass man sich sofort in eigenen Erlebnissen auf Reisen dorthin wiederfindet. Freunde des England-Tourismus werden ihre Freude an diesem Roman haben.

Die Kriminalhandlung gibt sehr viele Rätsel auf. Zwar glaubt man als Leser immer gut im bilde zu sein, wird dann aber doch mit seinen Vermutungen öfters in eine Sackgasse geführt. Dabei nimmt das Tempo zum Ende hin zu, als sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Bis schließlich kurz vor Schluss der tatsächliche Täter präsentiert wird. In einigen zusammenfassenden Sätzen werden alle losen Enden zusammen geknotet und ergeben ein rundes Bild.

Schade fand ich, dass wohl die ursprüngliche Idee, die Ermittlungen durch Gianna und Boris durchführen zu lassen (siehe Klappentext), zugunsten zweier Polizisten verworfen wurde. Detektiv Chefinspektor Rail und Detective Sergeant Miller, ein Schelm wer dabei an die DCI Barnaby und DS Jones denkt, übernehmen die Ermittlungsarbeit. Sie erhalten gelegentlich kleine Hinweise von den Weinliebhabern. Doch auch diese beiden Ermittler können dem Leser ans Herz wachsen.

Angereichert mit einem kurzen Überblick über die Geschichte des Weinanbaus in England und mit den Rezepten der in der Handlung verspeisten Gerichte ergibt alles in allem einen angenehmen und spannenden Ratekrimi für traditionsbewusste England-Reisende, inklusive vier Leichen wie in einigen Staffeln von "Inspektor Barnaby" die Regel.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

kurzgeschichten, mord, gartenparty, liebe, steinigung

Liebe, Mord und ein Glas Wein

Stefanie Gregg , Ingeborg Struckmeyer
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 01.09.2016
ISBN 9783958130784
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: kurzgeschichten, lieb, mord, spannung, überraschung, wein   (6)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

erbe, görlitz, jack the ripper, london, testament

Jack the Ripper und der Erbe in Görlitz

Katrin Lachmann
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 15.12.2016
ISBN 9783958130708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: england, erbe, görlitz, jack   (4)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

niederbroich, kati küppers, falsche verdächtigungen, krimi, dorfgemeinschaft

Kati Küppers und der gefallene Kaplan

Barbara Steuten
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 17.11.2016
ISBN 9783958130685
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: amüsant, niederrhein, sehr amüsant   (3)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

bayern, historischer roman, spannung

Das Awaren-Amulett

Carmen Mayer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 17.11.2016
ISBN 9783958130661
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags: bayern, historischer roman, spannung   (3)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

entführung, kinder, alicia jordan, bus entführt, nina hansen

unbekannt verfahren

Alicia Jordan
Flexibler Einband: 210 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 20.10.2016
ISBN 9783958130647
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: entführung, kinder, kindheit   (3)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

pechschwarz, verratene liebe, mord, selbstsucht, esotherik

PechSchwarz

Annegret Koerdt
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 15.09.2016
ISBN 9783958130623
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

mord, kinderheim, protituiertenmord, krimi, 50er jahre

Chrom, Koks und feine Leute

Monika Detering , Horst-Dieter Radke
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 18.08.2016
ISBN 9783958130609
Genre: Krimi und Thriller

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Drei tödliche Kugeln

Sibyl Quinke
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 18.08.2016
ISBN 9783958130586
Genre: Krimi und Thriller

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18 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

krimi, färöer inseln, das walmesser, heyne verlag, walfang

Das Walmesser

C. R. Neilson , Ulrich Thiele
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 28.12.2016
ISBN 9783453419674
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

»Das Walmesser« des schottischen Schriftstellers C. R. Neilson würde ich zunächst als Roman, in zweiter Linie als Kriminalroman sehen. Doch im zunehmendem Verlauf der Handlung entwickelt er sich tatsächlich zu einem Thriller. Es ist ein besonderer Roman nicht nur wegen des ungewöhnlichen Handlungsortes, den Färöer-Inseln nördlich von Schottland. Dieser Landstrich, wo es in den Nächten kaum Dunkelheit gibt, ist vielen Menschen in unseren Regionen weitgehend unbekannt. Das nutzte der Autor genüsslich aus, um seinen Lesern dieses unwirtliche Land ausführlich vorzustellen. Nahezu jedes noch so winzige Detail oder Begebenheit im Tagesablauf der Inseln wurde mit passenden Worten, Metaphern und Vergleichen so bildreich erlebbar gemacht, dass es den Leser in eine Stimmung versetzt, die ihn mit guten Kenntnissen über die Inseln und für das Grauen der Handlung ausstattet. Ich persönlich wurde in meine Jugend versetzt und an einige Tage erinnert, in denen ich mich im Hafen der Hauptstadt Tórshavn Anfang der 1970er Jahre befand (Unser Schiff hatte Maschinenschaden und wir mussten auf das Einfliegen von Ersatzteilen warten.).

Der Ich-Erzähler John Callum, ein Schotte, erwacht. Ihm schmerzen alle Knochen und Muskeln, sein Kopf ist auf grauen Felsen gebettet. Mühsam erhebt er sich und begibt sich auf den Nachhauseweg, kann sich nicht daran erinnern, was passiert war, warum er auf dem Boden gelegen hatte. In seiner Hosentasche befindet sich ein Messer. Es ist ein typisches Messer, mit dem die Inselbewohner das Walfleisch zum Essen zerkleinern. Zufällig beim Griff in die Tasche schneidet sich Callum und stellt fest, dass sich am Messer Blut befindet, was nicht sein Blut sein kann. Er hat keine Ahnung, wo das Messer herkommt. Doch dann hört er von einem Toten auf der Insel.

Soweit das erste Kapitel des Romans. Anschließend geht es zeitlich drei Monate zurück und Callum erzählt uns, wie er auf den Färöer ankommt. Hier beginnt eine spannende Schilderung des Lebens auf den Färöer und ihrer kargen Landschaft, den wenigen Bäumen, dem ewig schlechten Wetter, den leeren Straßen. Einfach fantastisch. Hier ein Beispiel: »Der Sonnenstrahl schlich sich von links nach rechts, eine Provokation in Millimeterschritten. Auch wenn ich mir alle Mühe gab, ich konnte den Blick nicht davon losreißen, von dieser klar sichtbaren Quelle meiner Qual. Zwanghaft starrte ich auf den Gott verdammten Sonnenstrahl, auf das einzige, was ich auf keinen Fall sehen wollte. Ein nicht enden wollender, durchwachte Tag folgte dem anderen, und nicht nur der Schlafmangel quälte mich. Sondern auch das was mich erwartete, wenn das Einschlafen doch gelang.«

Allein schon wegen solcher Beschreibungen, wie in diesem Zitat die extrem kurzen zu Schlaflosigkeit führenden Nächte, ist der Roman empfehlenswert. Doch aus dem ersten Kapitel weiß der Leser schon, dass irgendwann ein Mord passiert sein muss. Einzelne Kapitel mit Albtraumsequenzen weisen zwischendurch immer wieder darauf hin, dass die Vergangenheit des Erzählers heftig gewesen sein muss und er einen mehr als triftigen Grund hat, seine Zelte auf den entlegensten Inseln der Welt aufzuschlagen.

Im Rahmen einer sehr spannenden fiktiven Handlung erzählt Neilson in atmosphärisch dichter Weise von der Rauheit und Kargheit der Landschaft, den Menschen und ihre Traditionen. Ein kriminelles Inselporträt auf höchstem Niveau. Roman und Handlung sind so angelegt, dass es wohl keine Fortsetzung geben wird. Schade, denn diese Figuren sind mir ans Herz gewachsen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

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Tags: einsamkeit, exotisch, färöer, insel, spannung, thrill   (6)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

dinner for one, mord, die zwei, rätslen, lordschaft

Ihr Mord, Mylord

Ralf Kramp
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei KBV, 17.11.2016
ISBN 9783954413195
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ralf Kramp, ein Liebhaber britischen Lebensstils, hat nach vielen Kriminalromanen und unzähligen Kurzgeschichten nun ein Buch veröffentlicht, welches acht Krimis sehr britischen Stils beinhaltet. Dabei hat er sich einerseits auf die Beschreibung detailreicher britischer Unumgänglichkeiten, wie sie noch heute bei Reisen auf die Insel anzutreffen sind, eingelassen. Andererseits hat er Vieles bemüht, was aus dem Fernsehen und der Literatur als typisch britisch eingestuft wird.
Für die Geschichten hat er zwei Protagonisten geschaffen, die sich gegenseitig den Ball beim Ermitteln zuspielen. Da ist zunächst Lord Merridew, der vor Langeweile vor die Hunde gehen würde, wenn er nicht ermitteln könnte. Dieser zieht den Londoner Rechtsanwalt Nigel Bates in den Bann, der ihn fortan bei der Detektiverei bereitwillig assistiert. Vom Typus her ist dieses Ermittlerpärchen vergleichbar mit Sherlock Holmes und Dr. Watson. Ihre Fälle bzw. Geschichten sind kleine abgeschlossene Kriminalfälle, bei denen dem Leser viele bekannte Figuren über den Weg laufen, welches eine weitere Rätselebene bietet. Bei jeder Geschichte ist man gespannt, wer in dieser auftauchen wird. So klären beide Hobbyermittler die wahren Hintergründe um Sir Toby, Mr. Winterbottom, Mr. Pomeroy und Admiral von Schneider auf. Sie bringen Licht in den Mord im Orientexpress und belehren Hercule Poirot eines besseren. Im "Geheimnis der fliegenden Juwelen" lassen Sie sich unter anderem von Lord Brett Sinclair helfen, der bekanntermaßen mit dem amerikanischen Playboy Daniel Wilde ermittelt, Golf spielt und dumme Sprüche vom Stapel lässt. Schließlich finden sie sich am Drehset zu "Der Doktor und das liebe Vieh" wieder und entbinden eine trächtige Kuh.

Alle Geschichten sind amüsante und lesenswerte Geschichten, die den Flair des britischen Empires ausstrahlen. Liebhaber von Agatha Christie, Inspektor Barnaby oder Father Brown werden um dieses Buch nicht herumkommen. Dabei hat jeder Fall vielleicht gerade mal eine Spielfilmlänge, d.h. man hat ihn in derselben Zeit gelöst wie man sich einen Film anschaut.

Spannender Happen als Nachspeise bei jeder Gelegenheit.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Tags: die zwei, dinner for one, england, lordschaft, mord, rätslen   (6)
 

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79 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

richard laymon, campingausflug, horror, psycho, die spur

Die Spur

Richard Laymon , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.09.2015
ISBN 9783453676466
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Laymon wird als Meister des Psychothrillers gehandelt. Seine Romane werden gerne mit denen von Stephen King auf eine Ebene gestellt. Kribbelnde Spannung zieht sich durch die streckenweise actionreiche Handlung.

In "Die Spur" erfährt der Leser in zwei unterschiedlichen parallelen Handlungssträngen zwei Geschichten. Während Rick und seine neue Partnerin Bert in die Berge fahren, um zu campen und zu wandern, geht die junge Gillian ihrem außergewöhnlichen Hobby nach: Sie sucht nach Häusern, deren Bewohner offensichtlich verreist sind. Diese Häuser nimmt sie einige Tage in Beschlag, lebt in ihnen, schnüffelt in den fremden Sache, bevor sie dann zum nächsten Haus weiterzieht.
Bert und Rick begegnen bei ihrer Bergtour verschiedenen Leuten, die ebenfalls wandern. Doch Rick scheint in der Vergangenheit besondere Erfahrungen gemacht zu haben, denn er ist der Angsthase von beiden. Während die energiegeladene Bert mit großen Schritten voranschreitet, versucht Rick sie stets zur Umkehr zu drängen und glaubt, von jedem anderen Wanderer bedroht zu sein. Gillian befreundet sich zur gleichen Zeit mit einem Nachbarn an, was sie eigentlich sonst nie macht. Doch als sie die Videosammlung ihres Hausbesitzers in Augenschein nimmt, muss sie Ungeheuerliches feststellen. Sie wohnt momentan in dem Haus eines Serienmörders.

Wie eingangs bereits erwähnt, geht es bei Laymon sehr subtil zu. Die Spannung scheint sanft über alle Seiten zu flirren. Beim Lesen spürt man ein sonores Summen im Hinterkopf. Man spürt die Gefahr genau so wie die Protagonisten, weiß aber nicht, wann und aus welcher Richtung sie kommen wird. Das ist ein ganz besonderer Stil, der Spaß beim Lesen beschert. Er erinnert an Gruselbücher aus der Kindheit, bei denen man am liebsten unter die Bettdecke gekrochen wäre, um nicht vom schwarzen Mann geholt zu werden.

Diese subtile Spannung bedeutet aber nicht, dass keine rasche Handlung erfolgt. Im Gegenteil. Laymon versteht es, mit einigen Kämpfen, Schlägereien und Messerstechereien das Lesen gefährlich zu machen. Die Figuren müssen viel Action erleben, durch die Wälder fliehen, sich in Baumwipfeln retten, bevor sie der Lösung Ihres Problems näherkommen. Langweilig wird es nicht. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Ich empfehle ihn gerne den Lesern, die actionreiche Psychothriller in amerikanischer Umgebung mögen. Vielleicht mögen auch Sie mit Richard Laymon einen neuen und interessanten Lesestoff eindecken?

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Tags: hobby, psycho, spannung, wald   (4)
 

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

london, droemer knraur verlag, unschuldiger, 18. jahrhundert, galgen

Der Galgenvogel

Antonia Hodgson , Katharina Volk , Sonja Rebernik-Heidegger
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.11.2016
ISBN 9783426653463
Genre: Historische Romane

Rezension:



Diesen Roman als Kriminalroman zu bezeichnen, wäre nicht das richtige Wort. Er ist eher ein Ganovenroman. Denn im Mittelpunkt steht Tom Hawkins, ein Mann, der in den Tag hineinlebt, nichts Richtiges mit sich anzufangen weiß und das Geld seiner Freundin verprasst. Denn Kitty hat eine große Erbschaft gemacht und ist Inhaberin einer kleinen, verruchten Buchhandlung, die unterm Ladentisch pornographische Bücher vertreibt und regelmäßig von den Sittenwächtern kontrolliert wird.

Es wird das Jahr 1728 geschrieben im London des Lebemanns und Spielers Tom Hawkins. Der Dreck und Gestank in den Gassen, die Straßenräuber und Beutelschneider, sowie der Umgang der Menschen untereinander erinnern an die Szenerie in den Romanen von Charles Dickens und Daniel Defoe. Die Autorin hat ihren Roman in zwei Stränge strukturiert. In der Gegenwart wird von einem Erzähler der Weg Tom Hawkins zu dessen Hinrichtung in Tyburn geschildert. Dieser Strang ist für den Leser zusätzlich durch Kursivschrift abgegrenzt. Der zweite, und bei weitem längere, Strang wird vom Protagonisten selbst erzählt und ist eine Rückblende. Er geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte. Damit ist ein gehöriges Stück Spannung geschaffen, die vom ersten bis zum letzten Kapitel reicht. Wie auch bei dem französischen Ganoven Cyrano de Bergerac taucht der Leser in eine Welt ein, die voller Schmutz, Gestank, Vulgärsprache und Verbrechen zu sein scheint. Dabei ist an den Verhaltensweisen der einzelnen Figuren immer wieder erkennbar, dass sie auch liebevoll miteinander umgehen können und ihre Grobheit lediglich nach außen zur Schau getragen wird. Das ist die Strategie zum Überleben, zum Existieren in der Gesellschaft.

Die Figur des Protagonisten Tom Hawkins wurde bereits im ersten Roman "Das Teufelsloch" der Autorin entwickelt. Dadurch kann Hawkins in diesem Roman bereits auf Erfahrungen zurückgreifen. Das vorhergehende Buch zu lesen, ist aber nicht zwingend notwendig für das Verständnis. Sein Weg zum Galgen wird von einem Mord verursacht. Die Aufklärung dieses Mordes strebt der Protagonist selbst an. Damit wird der Roman schließlich doch ein Ermittlungsroman. Der Leser wird im Verlauf ständig auf neue Verdächtige geführt, auf neue Fährten gelenkt. Hodgson schafft ein fantastisches Verwirrspiel mit detailtreuer Milieustudie. Über die Handlung hinaus klärt die Autorin in einem kurzen Abriss am Ende des Buches über die historischen Hintergründe auf. Eine nette Beigabe, welche gelegentlich zu einem "Aha" führen kann.

Dieser Roman ist ein empfehlenswerter Weihnachtsschinken. So, wie ich an den Festtagen sehr gerne historische Filme sehe, lese ich auch gerne solche Romane. Deshalb hatte mir "Der Galgenvogel" auch schon wenige Wochen vor Weihnachten ein Gefühl von Weihnachten vermittelt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Tags: 18. jahrhundert, historische krimis, london   (3)
 

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

historischer roman, iny lorentz, 2016, roman, deutschland

Das Mädchen aus Apulien

Iny Lorentz
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur, 04.10.2016
ISBN 9783426663820
Genre: Historische Romane

Rezension:

Pandolfina hat nun auch ihren Vater, den Grafen Guthier de Montcœur, verloren. Voller Trauer sitzt die vierzehnjährige am Sterbebett ihres Vaters und hält die Totenwache. Ihre Mutter, eine christliche Sarazenin, war bereits vor Jahren verstorben. Es braucht keine vierundzwanzig Stunden, da steht der Nachbar, Baron Silvio di Cudi, mit einem großen Trupp Söldnern vor dem Tor. Er behauptet, im Namen des Papstes, die Tochter des Grafen ehelichen und deren Erbe verwalten zu wollen. Doch seine Berufung auf den Papst ist nur vordergründig. Tatsächlich geht es ihm und um die Ländereien und somit um die Steuereinnahmen aus ihnen. Denn zur Grafschaft gehören gut zwanzig Dörfer. Außerdem ist die Burg des Grafen viel ansehnlicher als seine eigene, die an einen Wachturm erinnert.

Mit dieser Roman hat sich das erfolgreiche Schriftstellerduo einen weiteren Landstrich Europas und die damit verknüpfte Historie erschlossen. »Auf die Idee hat uns unsere Agenturlektorin und Mentorin mit ihrem starken Interesse an Friedrich II. von Staufen gebracht. Als wir dann mit ihr als Dolmetscherin Apulien und Campanien zur Recherche bereisten, ergab sich der Rest«, teilten mir Iny und Elmar Lorentz mit.

Zwar beginnt dieser Roman wieder mit einer weibliche Figur im Mittelpunkt, aber dies ändert sich im Laufe der Geschichte genauso wie sich Iny Lorentz auch den für dieses Genre gern gesehenen Mitteln der Kämpfe und Schlachten bedienen. Fesselnd sind die Kämpfe einzelner Ritter und Waffenknechte geschildert. Die Eroberung von Bogen mit großen und kleinen Tross liest sich spannend. Zwischen allen Kämpfen und Intrigen machen die Protagonisten eine angenehme Entwicklung durch. Sowohl Pandolfina als auch Leonhard sind am Ende des Romans andere Menschen als bei ihrer Einführung. Mit dem Wissen des Lesers mag man sich zwischenzeitlich über Leonhard ärgern, ahnt aber, dass er den Konflikten durchaus gewachsen sein wird.

Ein abenteuerlicher Schmöker, der bestens dazu geeignet ist, an langen Winterabenden in die vergangenen Zeiten abzutauchen und sich von hinreißenden Figuren in den Bann ziehen zu lassen. Mir gefällt diese Roman ausgesprochen gut und ich empfehle ihn sehr gerne.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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47 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

peter prange, brd-rm, historischer roman, deutsches märchen, episches zeitporträt 1948 - 2001

Unsere wunderbaren Jahre

Peter Prange
Fester Einband: 976 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 13.10.2016
ISBN 9783651025035
Genre: Historische Romane

Rezension:

Untertitelt als der große Roman der Bundesrepublik Deutschland schickt sich Peter Pranges neuer Roman tatsächlich an, ein Roman von umwerfender Bedeutung zu werden. Es ist ein Roman des geteilten und wiedervereinten Deutschlands. Was eignet sich besser dafür, als die Geschichte ehemals beider deutscher Staaten anhand einer Familie und ihrer Mitglieder zu schildern.

So lernt der Leser zu Beginn die Familie Wolf im Jahre 1948 kurz vor der Währungsreform kennen, Christel und Eduard sowie ihre Töchter Ruth, Ulla und Gundel. Es steine Unternehmerfamilie im sauerländischen Altena (der Heimatstadt des Schriftstellers). Ruth, die älteste Tochter war als Krankenschwester an der Front und hatte ihren Ehemann, einen Bauern aus der Uckermark, von dort mitgebracht. Ihre Eltern sind genauso wenig mit Ruths Ehe glücklich und zufrieden, wie sie es mit ihrem Dickschädel waren, unbedingt dem Ruf des Führers an die Front folgen zu müssen. Ruth wurde vom Vater verstoßen und nimmt nicht am Leben der Familie teil. Ihre jüngeren Schwestern Ulla und Gundel machen gerade ihre ersten Erfahrungen mit jungen Männern. Sie versuchen sich im Leben zu orientieren und ihren Weg zu finden. Ulla möchte unbedingt Medizin in Tübingen studieren. Die vierzig D-Mark, die sie mit der Währungsreform erhält, gibt sie für die Studiengebühren und die Einschreibung an der Universität aus. Doch wie das Leben auch in der Realität den Menschen nicht immer ihre Wünsche erfüllt, so erfahren auch die Figuren dieses Romans ein bewegtes Auf und Ab in ihrem Leben.

Zwar habe ich schon verschiedene Familienromane gelesen, doch keines kam mit dem von ihm erzeugten Eindruck so dicht an Thomas Manns "Buddenbrooks" heran. In all seinen Dimensionen, Zeitepochen und Familienschicksalen erinnert es mich immer wieder an diesen Klassier, der aus demselben Verlag stammt. Natürlich mit dem wesentlichen Unterschied einer gänzlich anderen Zeitepoche. Insgesamt werden die Generationen der Familie Wolf im Zeitraum 1948 bis 2002 dargestellt. Die Unterteilung in verschiedene Bücher und Teile hilft dabei, die jeweiligen historischen Ereignisse einzuordnen. Das Wachsen der Kinder und Enkel geschieht manchmal in "Riesenschritten", tut der Handlung aber keinen Abbruch. Wegen der verschiedenen Familienmitglieder bleibt es immer wieder spannend, zu sehen, wie sie sich in all den Jahren weiterentwickeln. Überraschungen sind natürlich gewollt, aber in welche Richtung sich etwas gestalten kann, erzeugt immer wieder ein gewisses Kribbeln beim Lesen. Neben der Familie Wolf spielen weitere Figuren nicht ganz unwichtige Nebenrollen, an denen der Leser ganz starkes Interesse aufbauen kann. Sowohl Alt-Nazi als auch Jung-Kommunist treffen auf der Bühne und beim Schützenfest aufeinander. Um den Spannungbogen gar nicht erst abreißen zu lassen, hat Prange viele Kapitelenden mit kleinen Cliffhangern versehen. der Leser wird gezwungen weiterzulesen, um zu erfahren, wie eine Situation aufgelöst wird.

Peter Prange sagt im Nachwort, dass dies sein persönlichster Roman ist, den er je geschrieben hat. Zwar ist es ein fiktiver Roman, aber es werden reale Begebenheiten aus dem Leben des Schriftstellers bewusst integriert. Und seien es nur die Namen der Nebenfiguren. So spielen sein Vater und er selbst kleine Nebenrollen, wie auch Figuren aus seinem Bestseller "Das Bernstein-Amulett". Ich habe mich gefreut, wieder von Barbara Reichenbach und Elisabeth Markwitz zu lesen, waren es doch Figuren, die mich in all den Jahren immer wieder zu Büchern von Peter Prange haben greifen lassen.

"Unsere wunderbaren Jahre" ist ein wunderbarer Roman, welcher mit vielen Einzelschicksalen die Geschichte Deutschlands zur Zeit der Trennung beleuchtet. Zeitlich schließt er beinahe an "Das Bernstein-Amulett" an und ist weit mehr als ein würdiger Nachfolger des Bestsellers. Dieser Romanstoff wird Filmproduzenten herausfordern, ihn zu verfilmen und mindestens in einem Mehrteiler auf den Fernsehschirm zu bringen.

Die Teilung und die Wiedervereinigung Deutschland anhand einer einzigen Familie zu schildern, ist ein Muss für jeden ehrlich interessierten Leser. Geschichte als spannende Unterhaltung erlebbar zu machen, kann kaum besser gelingen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

historischer roman, spanien, mittelalter, mauren, 1001 nacht

Die Heilerinnen von Aragón

Guido Dieckmann
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.09.2016
ISBN 9783499271755
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die beiden Cousinen Floreta und Celiana sind Jüdinnen und leben in Granada. Fester Bestandteil ihrer Familie ist ihr gemeinsamer Großvater Samu, ein hoch angesehener Heiler am Hofe Muhammads. Doch der Herrscher lebt gefährlich. Seine Macht wird ihm streitig gemacht. Ein Putsch seiner Neider sorgt dafür, dass Muhammad flieht. Geholfen hat ihm dabei Celiana, seine Geliebte, die ihm für die Flucht ihre Kleidung gab. Doch der neue Herrscher in Granada vernichtet alle Menschen, die seinem Widersacher nahestanden. Dazu gehört auch Samu und dessen Familie. Der Arzt wird getötet, seine beiden Enkelinnen auf dem Sklavenmarkt verkauft. Doch zuvor hat er Floreta seinen Medizinkoffer anvertraut, im Vertrauen darauf, dass sie eine besondere Obacht auf ihn walten lässt und mit dem Inhalt umzugehen versteht.

Der Roman wurde in drei Zeitabschnitten angelegt, in dem jeweils etwas Gravierendes in der Handlung passiert. Im ersten Teil die oben genannte Versklavung der beiden Protagonistinnen, ähnlich eines etwas längeren Prologes. Im zweiten Teil erlebt der Leser die beiden einer Zwischenstation. Den umfassendsten Teil nimmt der dritte Teil ein, der teils am Hofe des Königs von Aragón, teils im Judenviertel von Zaragoza, der Judería, spielt.

Wie auch bei den Romanen von Lea Korte („Die Maurin" und „Das Geheimnis der Maurin“) lernt der Leser ein Mittelalter kennen, welches exotisch und orientalisch ist und den Zauber von 1001er Nacht versprüht. Man erfährt von dem friedlichen Zusammenleben der Menschen unterschiedlichen Glaubens. Auf der iberischen Halbinsel gab es viele Jahrhunderte das gemeinsame Leben von Juden, Muslimen und Christen. Doch das Streben nach Macht, besonders in der Katholischen Kirche, hatte für einen Zusammenbruch dieses friedlichen Zusammenlebens geführt.

Dieckmann bringt den Leser ganz sanft in einer spannenden und unterhaltenden Art viele Zusammenhänge der damaligen Zeit nah. Einem Abenteuer gleich verfolgt man das Geschehen um die beiden Cousinen, die dabei immer mehr zu Freundinnen werden. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, natürlich zu einem Zeitpunkt, an dem man als Leser gar nicht damit gerechnet hat. Einiges wird danach neu gewürfelt und fordert zum erneuten Arrangieren auf.

Orientalisch spannend! Exotisch unterhaltsam! Lesemuss, Lesegenuss!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Tags: 1001 nacht, mauren, mittelalter, spanien   (4)
 

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

frankfurt, krimi, asphaltseele, ruben rubeck, balkankrieg

Asphaltseele

Gregor Weber , Heiko Arntz
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453270206
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Roman ist das krasse Gegenteil zu den unzähligen Tatort-Filmen, die allzu sanft daherkommen, in denen die Polizei alle Gesetze einhält und die Täter in Watte packt, lieber die eigene Waffe auf den Boden legt, wenn eine auf sie gerichtet wird. Dabei hat es solche Typen wie Dave Robicheaux, einen Protagonisten des amerikanischen Schriftstellers James Lee Burke, auch schon im deutschen Fernsehen gegeben. Beide Male unter anderem gespielt von Jörg Schüttauf: als Thomas Becker in „Der Fahnder“ sowie als Fritz Dellwo im Tatort aus Frankfurt mit Andrea Sawatzki.

Doch worum geht es? Ruben Rubeck ist Ex-Soldat, war viele Jahre im Kosovo und anschließend zur Polizei gegangen. Er ist alleinlebend in der Frankfurter City, die auch rund um den Hauptbahnhof sein Arbeitsplatz ist. „Ich hab's einfach gerne nah zur Arbeit." Außerdem ist er Alkoholiker, Sex und etwas Geselligkeit kauft er sich bei Ina, einer Prostituierten. Die Abende verbringt er meist in einer Kneipe um die Ecke. Als er diese eines Tages verlässt, gerät er in eine Schießerei. Entgegen der Dienstanweisung, Waffen in der Freizeit nicht bei sich zu tragen, hatte er seinen SIG im Holster, rettet einem jungen Pärchen das Leben, erschießt einen der Ganoven und verletzt einen zweiten schwer. Alles in allem kommt er gut aus dieser Sache heraus. Wie sich herausstellt, handelte es sich wohl um eine Schießerei zwischen zwei rivalisierenden osteuropäischen Banden, Rubeck ist für kurze Zeit der Held. Dann tritt ein Mitarbeiter des LKA auf dem Plan. Er will Rubeck anheuern, den Mann, den dieser angeschossen hat und der noch im Krankenhaus liegt, undercover dingfest zu machen. Es handelt sich um eine Milieugröße aus Hamburg. Rubeck kämpft mit sich, weil er sich nicht gerne von einem anderen etwas sagen lässt. Aber dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Gregor Weber hat bestimmt viele Vorlagen aus Romanen und Filmen in seinem Kopf gehabt, die zu solch einem heruntergekommenen und dennoch sympathischen Protagonisten führten. Aber er hat vor allem den Mut gehabt, einen solchen Plot in Deutschland anzusiedeln. Mir hatte ein befreundeter Schriftsteller mal gesagt: Man müsste in Amerika leben, da könnte man Ballerszenen schreiben, Hubschrauber abschießen und dergleichen. Das ist in Deutschland alles gar nicht machbar, weil es unglaubwürdig wäre." Weber zeigt, dass es doch geht. Und das auch Schießszenen auf offener Straße glaubwürdig gestaltet werden können. Für den Aufbau des Romans wurden zwei verschiedene Handlungsabläufe spannungsvoll montiert. In einer Rückblende erlebt der Leser den Einsatz eines Spezialkommandos im Kosovo bei der Festnahme eines Kriegsverbrechers. In der aktuellen Handlung erfolgt die Jagd nach einem osteuropäischen Gangsterboss. Die Rückblende könnte als separate Geschichte auch komplett vorher gelesen werden. Sie sorgt aber durch die Montage zwischen den anderen Kapiteln für besondere Spannung. Die Spannung insgesamt schafft der Autor einerseits durch actionreiche Szenen, durch viele Cliffhänger am Ende der Kapitel, durch innere Widersprüche und Konflikte in den Gedanken des Protagonisten und durch immer wieder neue Wendungen im Verhalten der Figuren. Die wenigen, verlässlichen Ausnahmen sind eher Nebenfiguren. Schließlich bleibt dem Leser immer das Bangen, ob es Rubeck mit seinem Verhalten nicht doch irgendwie an den Kragen geht.

Hart, dreckig, Frankfurter Bahnhofsviertel, actiongeladen hat Gregor Weber seinen Protagonisten voll mit Emotionen gespickt und ihm einen interessanten Lebenslauf verpasst, der nicht nur von der Campingplatzidylle des Soldatsseins berichtet. Ein Thriller für alle, die es hart mögen.
© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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liebe, ehe, amerika, england, historischer roman

Wer nach den Sternen greift

Barbara Bickmore , Margarethe van Pée , Theda Krohm-Linke
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 02.09.2008
ISBN 9783426634899
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichtebeginnt mit Annie Phelps und Frank Curran im Jahre 1878. Eigentlich wollte Frank alleine in die Berge, um nach Gold zu graben. Doch Annie hatte keine Scheu, Frank vor dieser Reise zu heiraten und darauf zu bestehen, mit ihm gemeinsam in das Camp zu gehen. Da in dem Camp nur Männer leben, macht sie sich nützlich mit Kochen und Wäschewaschen. Die Männer dankten es ihr und belohnten sie reich. Annie verdiente damit im ersten Winter in den Bergen mehr als Frank mit dem Gold. Auf diese Weise kamen beide in kurzer Zeit zu einem ansehnlichen Vermögen. Die Basis für eine der reichsten Familien der USA war gelegt. Beide bekamen Kinder und sie wurden Großeltern. Schon bald dreht sich die Familensaga um die Enkelin Alex, die selbst über ihre Mutter Sophie hinauswächst. Sie ist schön, sie ist reich, und ihre Mutter verheiratet sie mit einem Mann des britischen Adels. Zwar hatte auch die Mutter reich geheiratet, aber einen Adelstitel hatte sie nicht erreichen können. Das schaffte sie aber für Alex zu arrangieren, denn deren Mann und seine Familie benötigen dringend Geld für den Unterhalt ihres Anwesens und ihren adligen Lebensstil. Doch Alex versucht den Spagat zwischen einer unglücklichen Ehe und einem erfüllten Leben.

Die Schriftstellerin ist für ihre großen Familiengeschichten bekannt. Auch der vorliegende Roman beschreibt eine (fiktive) Familie in der Zeit von 1878 bis 1946. Er beginnt im Wilden Westen Amerikas und endet in einem englischen Schloss in Europa. Das Leben und die Schicksale der Mitglieder dieser Familie sind es, die den Leser in seinen Bann ziehen. Als Stil hat die Autorin einen gewählt, der an den einer Erzählung heranreicht. Aus weiter Ferne, wie von oben herab, wird auf das Geschehen geblickt, um zwischendurch für einzelne Perioden ganz nah in die Handlung einzutauchen. Gut und gerne hätten aus diesem Stoff auch 3 bis 4 Romane werden können, wenn tiefer ins Detail gegangen wäre. So bleibt leider auch etwas Spannung auf der Strecke. Konflikte in der Familie werden kaum sichtbar. Alles löst sich wie selbständig in Wohlgefallen auf. Erst ab der zweiten Hälfte etwa werden die einzelnen Kapitel mit Cliffhangern beendet. Ab da handelt der Großteil der Geschichte hauptsächlich von Alex. Schließlich aber wird es zum Ende hin noch dramatischer während der Zeit des Zweiten Weltkrieges, was zum abschließenden Höhepunkt des Romans führt.

Der Roman ist angenehm zu lesen, unterhaltsam, zieht in den Bann über die Geschichte der Familie, die Höhen und Tiefen durchleben muss, obwohl es nie an Geld mangelt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

krebsforschung, spencer, ned, lynn, spurloses verschwinden

Und morgen in das kühle Grab

Mary Higgins Clark , Andreas Gressmann , Mary Higgins Clark
Flexibler Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 31.03.2008
ISBN 9783453721753
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nicholas Spencer, der charismatische Geschäftsführer einer medizinischen Forschungsfirma, verschwindet spurlos. Ist er wirklich ein betrüger, der die Flucht ergriff, kurz bevor sich herausstellte, dass der entwickelte Impfstoff gegen Krebs völlig wertlos war? Oder ist er vielleicht der Held, dem sein Forschungsergebnis abgejagt werden soll und der von den anderen hereingelegt wurde?
Die Journalistin Carley DeCarlo soll einen Artikel über Spencer schreiben  und beginnt zu recherchieren. Doch mit dem, was sie entdeckt, bringt sie sich selbst in höchste Lebensgefahr.

Der vorliegende Roman ist erneut ein packender Psychothriller, der den Leser zwar miträtseln lässt über das, was geschehen sein könnte. Aber er führt den Leser auch auf so viele verschiedene Fährten und zu Spekulationen, so dass der Leser stets damit rechnen muss, dass es auf der nächsten Seite alles anders kommt.
Geschickt arbeitet Mary Higgins Clark mit verschiedenen Perspektiven. Ein Erfolgsrezept, welches diese Autorin in vielen Ihrer Romane eingesetzt und zur Perfektion ausgereizt hat. Das Erleben der Protagonistin DeCarlo erzählt diese selbst aus ihrer Perspektive, hingegen werden alle anderen Situationen, in denen sie nicht selbst agiert, von einem Erzähler in der dritten Person dargestellt.Dadurch fühlt sich der Leser ganz nah bei der Hauptfigur, schaut dieser über die Schulter. Andererseits bekommt er durch den zweiten Erzähler das Gefühl, dass ihm die Strippen nicht aus der Hand gleiten können, denn er erfährt ja auch alles, was sonst noch passiert. Er weiß damit scheinbar mehr als die Journalistin DeCarlo.

Spannung um ein korruptes Wirtschaftssystem, welches nicht unbeachtet werden sollte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

würgemale, krimi, unfall, vergangenheit, thriller

Wer nicht das Dunkel kennt

Sabine Klewe
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442482399
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei der Überquerung einer Straße inmitten Düsseldorfs wird ein Mann von einem Auto überfahren. Schwer verletzt kommt er ins Krankenhaus. Ungefähr zur selben Zeit wird die Leiche einer Frau am Rande des Schwanenspiegels im Zentrum der Stadt gefunden. Die Ermittler Lydia Louis und Christopher Salomon werden beauftragt. Weil die Tote offenbar erwürgt worden ist, gehen sie zunächst dem gerücht aus der Prostituiertenszene nach, nach welchem ein "Würger" sein Unwesen treiben soll. Wegen des zerschundenen Gesichts der Frau ist eine erste, schnelle Identifikation schwierig. Die Polizei geht bei dem Opfer von einer Prostituierten aus. Während der Unfall des Mannes eigentlich keine Rolle für das KK11 spielt, wird alles anders, nachdem sich herausstellt, dass der Verunfallte möglicherweise die Tote kennt. Doch wie passt das zum "Würger"?

Sabine Klewe hat einen packenden Kriminalroman geschrieben. Er ist in ihrer Heimatstadt Düsseldorf verortet und lässt den Düsseldorfer lesern die zurückgelegten Strecken "mitfahren". Vom Verlag wurde dieser Roman zwar als Thriller tituliert, was er m. E. nach nicht ist. Trotz aller Rasanz, dem hohen Tempo in Handlung und Spannung und den zahlreichen Konflikten, die die Autorin für den spannungsliebenden Leser bereithält. Immer wieder führen die gedanklichen Spekulationen der Leser in eine Sackgasse. Dafür verantwortlich ist dieses enorme Konfliktpotential, mit dem die Autorin die Beziehungn der handelnden Figuren ewürzt hat: karriegeile Kollegen, schleimende Vorgesetzte, Kollegen mit privaten Problemen, ungeklärte Freundschaften. Alles das befördert die Schnelligkeit des Lesens, denn einmal angepackt, wird der Roman kaum aus der Hand gelegt.

Nachteilig, jedoch nicht zum Punktabzug führend, fand ich die Unsitte, dass sich die Kollegen alle mit nachnamen ohne Anrede ansprechen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie erlebt, dass sich die Menschen ausschließlich mit ihrem Nachnamen anreden. Dies ist ein Unsitte aus den Tatort-Verfilmungen, die jeglicher Realität widerspricht. Aber der Spannung schadet das keinesfalls. Sicher sind nicht alle Leser so sensibel wie ich. Deshalb also: Daumen hoch für diesen packenden Krimi!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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dirk pitt

Die Kuba-Verschwörung

Clive Cussler , Dirk Cussler , Michael Kubiak
Fester Einband
Erschienen bei Blanvalet, 25.04.2016
ISBN 9783764505530
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wo Cussler drauf steht muss auch Cussler drin sein. Das trifft besonders dann zu, wenn der Co-Autor des Bestsellerautors Clive Cussler bei diesem Roman sein Sohn Dirk Cussler ist. Cussler steht für Abenteuer und die mit seinem Sohn geschreiebene Dirk-Pitt-Reihe bietet hochkarätiges Abenteuer.

Im vorliegenden Roman geht es zunächst zurückins 19. Jahrhundert, in die Zeit des spanisch-amerikanischen Krieges. Mit dem US-Kriegsschiff "Maine" sind wertvolle Artefakte aus der Aztekenzeit untergegangen. Es wird sogar vermutet, dass an Bord ein Schatz oder zumindest Hinweise auf dessen Versteck waren. Im Sommer 2016, Fidel Castro ist bei einem ominösen Unfall ums Leben gekommen, entdecken amerikanische Forscher der NUMA-Meeresumweltorganisation eine drohende Umweltkatastophe in der Karibik. Es handelt sich um ein erhöhtes Quecksilberaufkommen. In vielen Taucheinsätzen wird der Meeresboden untersucht und analysiert. Doch damit treten die US-Forscher anderen Leuten auf diue Füße. Kubanische Politiker versuchen, das Land nach ihrem Willen, an dem amtierenden Präsidenten Roul Castro vorbei, in die Zukunft zu lenken.
Die Forscher Dirk Pitt senior, Dirk Pitt junior und dessen Schwester Summer Pitt müssen mehrere schwierige Situationen meistern. Vom Festsitzen in einem Tauchboot, über den Absturz eines Hubschraubers, dem Festklemmen in einer Höhle bis zum bewaffneten Kampf gegen Södnertruppen, hält die Handlung so einiges für die Protagonisten bereit.

Das Genre des Abenteuerromans ist in Deutschland selten vertreten, deshalb macht es umso mehr Spaß, ein solches Buch zu lesen. Fernab von Detektiv-, Polizei- und Liebesgeschichten, obwohl natürlich von jedem etwas in diesem Roman vorkommt. Eine moderne Indiana-Jones-Geschichte mit neuester Technik und bezugnehmend auf politisch aktuelle Ereignisse. So ist die politische Annäherung der USA an Kuba, wie sie in diesem Roman thematisiert wird, keine reine Fiktion.

Nachteilig empfand ich persönlich die Konstellation von Senior und Junior mit denselben Namen. An manchen Stellen führte des zu Verwirrung. Denn das "Senior" und Junior" wird kaum genannt. Dennoch ein höchstspannender und unterhaltender Roman für volle Punktzahl.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

nsu, verfassungsschutz, düsseldorf, mord, thriller

Wolfsspinne

Horst Eckert
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250993
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Melli Franck, die Wirtin des "Greens" hat finanzielle Probleme. Irgendwer in ihrem Laden scheint sie zu betrügen. Es kann doch nicht sein, dass plötzlich die Kosten höher als die Einnahmen sind. Melli ahnt nicht, dass sie irgendwo auf der Abschussliste steht. Doch sie und ihr Restaurant werden beobachtet. Es freut sich jemand darauf, sie bald in die Finger zu bekommen und sich an ihrem Körper zu befriedigen.
Nachdem der Chefermittler Vincent Ché Veih bei einer Anti-Pegida-Demo von seinen eigenen Kollegen festgesetzt wurde, wird er über den Fund einer Leiche informiert. es handelt sich um die Leiche von Melli Franck. Später stellt sich heraus, dass die Wirtin wohl selbst noch die 110 auf ihrem Handy getippt hat, während sie im Sterben lag und dabei vergewaltigt wurde.

Das Können eines Schriftstellers besteht darin, eine fiktive Geschichte so zu erzählen, als hätte sie genau so und nicht anders in der Realität stattgefunden. Horst Eckert ist ein Meister darin und greift auch in diesem wie in seinen vorhergehenden Romanen auf ein probates Mittel zurück: die Aktualität. Als gelernter Journalist weiß er zu recherchieren, zu interpretieren und sich in ein Thema zu vertiefen. So hat er es auch im vorliegenden Roman geschafft, die brisante Geschichte mit so vielen aktuellen Details aus dem Geschehen der Bundesrepublik anzureichern bzw. diese als Grundlage zu wählen, dass den Leser das kalte Grauen kommen kann. Die Lücken, die in der Berichterstattung um NSU, Pegida und Flüchtlingsproblematik von den Medien hinterlassen wurden, weiß Eckert zu nutzen und mit einer erschreckend real wirkenden Was-wäre-wenn-Geschichte zu füllen.

Eckert zieht einen ungewöhnlich großen Bogen um die Verbrechen, die augenscheinlich ganz "banal" mit einem Mord beginnen. Stränge und Verwirrungen führen in die entlegensten Ecken unserer heutigen Gesellschaft. Ränkespiele um Macht und Einfluss und nicht zuletzt Geld sorgen für durchweg anhaltende Spannung. Wer das heutige Geschehen in den Medien verfolgt, kommt nicht umhin, die Fiktion des Schriftstellers Horst Eckert für eine mögliche reale Option zu halten. Ein hochkarätiger Eckert wie nicht anders zu erwarten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Doppeltes Spiel

Robert B. Parker , Bernd Gockel
Flexibler Einband
Erschienen bei Pendragon, 20.07.2016
ISBN 9783865325495
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit "Doppeltes Spiel" (Original "Split Image") beendet der Bielefelder Pendragon Verlag seine Jesse-Stone-Reihe von Robert B. Parker., u. a. weil es der letzte Roman dieser Reihe ist, die von dem Autor selbst geschrieben wurde. In den USA wurde die Reihe inzwischen  von anderen Autoren fortgeführt. Erneut wird der Leser in die Kleinstadt Paradise entführt, in dem sich die größten Verbrecher der USA ein Stelldichein zu geben scheinen. Jesse Stone, der Chef der Polizei, wirkt dem meist erfolgreich entgegen. Dieses Mal sind zwei Fälle aufzuklären, wobei Jesse bei einem nur die Schützenhilfe für eine befreundete Privatdetektivin spielt. Die 18jährige Cheryl ist von zu Hause abgehauen und hat Zuflucht bei der "Kirche der Erneuerung" gefunden. Die Eltern beauftragen die Ex-Polizistin Sunny Randall ihre Tochter wieder zurückzuholen. Weil sich Sunny und Jesse kennen ("Mord im Showbiz"), bittet sie ihn um Rat und Hilfe. Dabei hat er gerade jede Menge um die Ohren mit einem toten Bodyguard. Der Sicherheitsmann hat für einen Mafioso gearbeitet, der sich nach seinem angeblichen Ausstieg in Paradise zur Ruhe gesetzt hat. Jesse, der in der Verfilmung von Tom Selleck gespielt wird, bekommt es mit dem Sumpf der organisierten Kriminalität zu tun. Wenn man vielleicht glaubt, dass dies für einen Kleinstadt-Cop eine Nummer zu groß ist, wird sich wundern. Schließlich war Jesse erfolgreichster Ermittler beim LAPD.

Parker hat für die Reihe ein großes Figurenensemble geschaffen. Kamen in der ersten Romanen noch neue Bekannte für den Protagonisten hinzu, so greift der Autor bei den späteren Romanen dieser Reihe in dieses bestehende Ensemble hinein und lässt Jesse mit alten Bekannten (auch dem Leser bekannten, falls er mehrere Romane gelesen hat) agieren. Dabei scheut er auch nicht vor Crossover zurück, denn die Detektivin hat eine eigene 6-teilige Romanserie. Lediglich die Verbrecher sind meist neue Figuren in jedem Roman. Durch das "Wiedersehen" bzw. Wiederlesen von alten vertrauten Figuren erzeugt Parker ein Gefühl von Heimkehr. Der Leser kann getrost die bekannten >Scherze, Gespräche und Frotzeleien erwarten, wobei der "Chef der Polizei" abgewandelt auch in der TV-Serie "Blue Bloods" mit Tom Selleck übernommen wurde.
Etwas überflüssig in diesem vorliegenden Roman sind die Szenen der von Sunny mitunter ihrer Therapeutin, weil sie sich kaum von denen Jesses mit seinem Therapeuten unterscheiden.
Nichtsdestotrotz ist es ein sehr gut gemachter, unterhaltender Kriminalroman mit einem liebenswerten Protagonisten und seinem Team. Dabei ist die Reihenfolge des Lesens der einzelnen Bände unerheblich. Jeder Roman kann als eigenständiger Roman gelesen werden.

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frankreich, liebe, sommer, strand, le touquet

Die vier Jahreszeiten des Sommers

Grégoire Delacourt , Claudia Steinitz
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.07.2016
ISBN 9783455600414
Genre: Romane

Rezension:

Bei diesem neuen Roman des französischen Schriftstellers, der dafür bekannt ist, dass er sehr poetisch und sanft schreibt, handelt es sich um einen Episodenroman, dessen einzelne Episoden auf sehr angenehme Weise miteinander verzahnt sind. Der Thitel deutet bereits an, worum es in dem Roman geht, wenn man dabei berücksichtigt, dass es sich bei den Jahreszeiten nicht um die des Kalenderjahres, sondern die des Lebens geht.
Im nordfranzösischen Bedaeort Le Touquet trifft der Leser auf vier verschiedene Gerationen von Pärchen. Es ist der französische Nationalfeiertag, der 14. Juli 1999. Laut den Medien steht mit dem bevorstehenden Jahrtausendwechsel auch der Untergang der Welt bevor. Im Radio wird Hors Saison von Francis Cabrel hoch und runter gespielt. Dies sind nur einige der Gemeinsamkeiten aller Episoden. In jeder der vier Lebens- und Liebesgeschichten spielt eine Blume eine ganz besondere Rolle, die der jeweiligen Geschichte ihren Namen leiht. Da sich alle Protagonisten zur gleichen Zeit an demselben Ort befinden, bleibt es nicht aus, dass sie sich über den Weg laufen. Das wird jedoch nicht lauthalsd hinausgeschrien, sondern der Leser muss nach den dezenten Andeutungen suchen. Delacourt versteht es, sie gleichzeitig zu verstecken und doch preiszugeben. Nicht gleich im ersten Moment wird dem Leser bewusst, dass er dieselbe Situation gerade ein zweites Mal aus anderer Sicht gelesen hat. Dieser Aha-Effekt schafft ein wohliges Gefühl. Das Universum der Geschichten wird breiter.
In seiner Wortwahl sanft und poetisch, sicherlich auch dank der passenden Übersetzung, fesselt jede einzelne Geschichte und man möchte wissen, wie die Liebesgeschichte der jeweiligen Figuren bzw. des Erzählers, denn jede Geschichte wird von einem Teil des Paares erzählt, ausgeht. Wird der fünfzehnjährige Junge seine erste Liebe auf Dauer gewinnen? Wird die ledige Mutter endlich einen Mann finden, der sie nicht enttäuscht? Wird die Mittfünfzigerin ihren Seitensprung bereuen? Wird das Paar, welches vor Kurzem die goldene Hochzeit feierte, noch viele weitere Jahre miteinander verbringen?
Jede dieser vier Episoden ist zunächst nach dreißig bis vierzig Jahren beendet. Sie haben ein Ende, welches auch so stehen bleiben könnte, ohne dass die Geschichten an Faszination verlieren. Doch Delacourt hat am Ende der vierten Episode jeder Geschichte noch einen drei- bis vierseitigen Epilog hintenangestellt. Dort bekommzt jede Geschichte noch ein weiteres Ende, zehn Jahre nach dem 14. Juli 1999. Einfach nur schön und lesenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ich freue mich, dass ich geboren bin

Birgit Vanderbeke
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2016
ISBN 9783492057547
Genre: Romane

Rezension:

Sie hat heute ihren siebten Geburtstag und freut sich auf die Geschenke. Doch es gehen ihr an diesem Tag so viele Gedanken durch den Kopf. Deshalb erzählt sie uns davon. Sie erzählt von ihren Großeltern, von Mutter und Vater, vom Abhauen aus dem Osten in den Westen, von Tante Eka im Flüchtlingslager mit ihren zwei Männern Onkel Grewatsch und Onkel Winkelmann mit seinen vielen Büchern und Geschichten. "Das war das Schöne im Flüchtlingslager gewesen. Weil Onkel Winkelmann mir das alles erzählte und aus seinen Büchern vorlas, konnte ich mich an all die fremden Gewürze in der Gemeinschaftsküche sofort erinnern, obwohl ich sie gar nicht kannte und niemals gerochen hatte, aber Onkel Winkelmann und die aufgefädelten Buchstabengeschichten in seinen Büchern erzählten sie so genau, dass ich sie in der Nase hatte und jedes Mal Lust bekam, einen Löffel davon zu probieren." Sie erzählt vom Leben im Flüchtlingslager und von der Arbeitersiedlung, die danach folgte.
Ihr siebter Geburtstag ist irgendwann in den 1960er Jahren. Einen Namen hat sie in dieser Geschichte nicht. Denn schließlich sagt Mutter immer. Kind, was soll ich mit dir bloß machen? Oder: Kind, was soll aus dir bloß werden?
Birgit Vanderbeke hat als Erzählstil den eines siebenjährigen Mädchens, bzw. das, was sich ein Erwachsener darunter vorstellt, gewählt. Das ist im ersten Moment ungewohnt. Doch nach wenigen Seiten gibt sich das. Der Stil wird einem vertraut, man lässt sich darauf ein, dass ein Kind erzählt. Er wirkt sehr authentisch, und der Leser kann feine Ironie und leichten Sarkasmus spüren. Humor wäre jetzt zu weit hergeholt, denn das, was sie in ihrer kurzen Kindheit alles schon erlebt hat, ist alles andere als lustig. In ganz wenigen Momenten erzählt sie alles andere als von einer heilen Welt in den sechziger Jahren. Doch das Mädchen sucht sich ihre Fluchtpunkte. Ob es "solch eine Person wie" Tante Eka mit ihren zwei Männern, ihre Freundin Gisela, oder ihr italienischer Freund Tassilo sind. Und irgendwann findet sie für sich einen Weg in die ganz große Freiheit. Sie lernt, ihrer Familie zu entfliehen.
Vanderbeke gibt eine genaue Milieustudie der 1960er Jahre wider. Mit der kindlichen Sprache wird die verlogene und bigotte Welt der westlichen Kleinbürger besonders gut akzentuiert. Das Thema Flucht aus dem Osten in den Westen schlägt genauso einen Bogen in die heutige Zeit wie die Flüchtlingszüge am Ende des Zweiten Weltkriegs in die westlichen Gebiete Deutschlands. Auch wenn sich die Erzählung auf die damalige Zeit bezieht, spiegeln sich im Verhalten der Figuren di aktuellen gesellschaftlichen Probleme wider und es zeigt sich, dass kaum etwas von damals getilgt worden ist.
Der Umstand, dass es über den gesamten Roman hinweg kein klar definiertes Ziel in der Geschichte gibt, macht den Roman nicht weniger lesenswert. Denn er fesselt zweifelsohne aufgrund der spielerischen Erzählweise. Interessierte Leser werden an den Figuren und dem Umfeld kleben bleiben.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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