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weltverbesserung, emergenz-theorie, gott als schöpfer, theismus, naturalismus

Gott denken

Holm Tetens
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Reclam, Philipp, 04.02.2015
ISBN 9783150192955
Genre: Sachbücher

Rezension:

AHolm Tetens: Gott denken

Ein Versuch über rationale Theologie

Stuttgart 2015 (Reclam UB 19295)

Rezension vom 17.10.2016

 

Holm Tetens, Philosophie-Professor an der Freien Universität Berlin, unternimmt entgegen dem Trend moderner Philosophie zur naturalistischen Metaphysik den Versuch, Gott rational zu denken, indem er einen kritischen Vergleich von Naturalismus und Theismus bzw. theistischer Ideologie auf der logisch-begrifflichen Argumenationsebene durchführt, um dem verbreiteten materialistischen Denken in heutiger Zeit sozusagen auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Die Kernthese des Naturalismus lautet: Die materielle Welt der konkreten Dinge und Ereignisse stellt die einzige und eigentliche Wirklichkeit dar, wie sie von den Erfahrungs- und besonders Naturwissenschaften treffend beschrieben wird. Danach sind auch wir Menschen nichts Anderes als ein Stück kompliziert organisierter Materie, existieren nur als körperhafte Wesen und funktionieren nach Naturgesetzen. Nach der Emergenz-Theorie, dass aus dem bislang Vorhandenen durchaus unerwartet und unvorhergesehen etwas qualitativ Neuartiges entstehen kann, wird vorausgesetzt, das Mentale emergiere aus dem Physischen, also unser Bewusstsein entspringe der höher entwickelten Materie. Wie dies geschieht, kann zwar wissenschaftlich empirisch heute noch nicht nachgewiesen werden, weil bisher nur eine winzige Probe des Universums in einer zu kurzen Zeitspanne seiner Existenz zur Verfügung steht, aber die ungeheuere Leistungsfähigkeit der kollektiven menschlichen Inelligenz wird das wie jede existenzielle Frage, auch auf welche Weise der Prozess der Kosmogenese ohne Gott als allmächtigen Akteur in Gang gesetzt werden konnte und einst beendet wird, im Laufe der Zeit schlüssig erklären können. Mit dem leiblichen Tod löst sich unser Geist als angenommenes Körpersubstrat einschließlich Selbstwertgefühl total auf; die Seele erweise sich nur als Metapher in einer gottlosen Welt, in der wir neben anderen, unerkannten Welten zufällig leben (vgl. Atkins 2013). Die Erwartung des endgültigen Aus der menschlichen und universalen Existenz ruft fundamentale Angst, Frustration, Resignation, Panik hervor. Die daraus resultierende Aussichtslosigkeit, tief empfundene Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit provozieren rücksichtslosen Egoismus und die Hinwendung zum Bösen; Ausdruck dafür ist die Philosophie des Absurden von Jean Paul Sartre.

 

Demgegenüber lautet die von Tetens vertretene Kernthese des Theismus: Gott existiert als allmächtiger Schöpfer der Welt in der Qualität eines unendlichen vernünftigen Ich-Subjekts und schafft uns Menschen als endliche geistige Ich-Subjekte. Er will unbedingt unser Heil, indes ist der Fortschritt der Welt mit dem Menschen als Gestalter prinzipiell offen und Gott muss das Böse, Leid und Tod zulassen, damit sich das Gute durchsetzen kann und schließlich durch  Auferstehung der Toten, höchstes Gericht, Vergebung und Versöhnung der Menschen  in einer neuen, besseren Welt Gnade und Gerechtigkeit walten können. Teilhard de Chardin setzt für diese letzte Entwicklungsphase des Kosmos und der Menschheitsgeschichte den Begriff der Christogenese oder „Einmütigung“, nämlich der gottgewollten Einswerdung, christlichen Verbrüderung aller Menschen. Indes können wir in unserer Begrenzheit Gott in seiner Transzendenz nicht direkt erkennen und als Wirklichkeit beweisen, jedoch können wir ihn als ernst zu nehmende Möglichkeit rational denken und mit seiner überragenden Rolle als allmächtiger Schöpfer der Welt und seiner Bedeutung für unser Leben argumentieren. Wir können seine Macht und Fähigkeiten definieren und er kann durch uns in der Erfahrungswelt indirekt gegenwärtig sein. So können wir auf ihn hoffen, ihn in unserer Not anrufen, loben, fürchten, eine Beziehung zu ihm aufbauen, unterhalten, abbrechen, was unsere Haltung und unser Handeln im Leben maßgeblich beeinflussen kann. Der Gottgläubige vertraut auf den gerechten, barmherzigen Gott, der grundsätzlich unser Heil will, er akzeptiert ihn als Richter und Erlöser, selbst wenn er ihn nicht versteht und zum Verzweifeln neigt. Allerdings lässt sich dieser tiefe Gottesglaube nicht durch den Verstand erzwingen, er muss als Gnade oder Geschenk Gottes – wodurch auch immer – jeweils selbst erfahren und verinnerlicht werden. Wem und wievielen dies jemals zuteil wird, bleibt freilich offen.

 

Beide Denkansätze offenbaren Probleme und Chancen. Hinsichtlich der naturalistischen Kernthese erweist sich als unbefriedigend und höchst unwahrscheinlich, dass die empirischen Wissenschaften irgendwann den Ursprung der Welt aus dem absoluten Nichts schlüssig nachweisen können, da aus einer Voraussetzung logisch nur folgen kann, was sie impliziert. Damit wird gleichfalls die Emergenz des Mentalen aus dem Physischen ad absurdum geführt. So konnte nach Richard David Precht die Hirnforschung bisher nicht ermitteln, wie sich die Hirnströme in Denken verwandeln. Außerdem ist nicht erklärbar, warum es in einer rein materiellen Welt erlebnisfähige und selbstreflexive Ich-Subjekte gibt. Demgegenüber erweist sich die Kernthese des Theismus als argumentative Stärke, insofern die Zielvoraussetzung Gottes als Schöpfer der Welt und der Menschen als geistige Ich-Subjekte theoretisch gewährleistet, dass sich die Kosmogenese in einem unendlichen Prozess und in der Gerichtetheit auf den höchsten (göttlichen) Wert widerspruchsfrei entwickeln kann. Die Überzeugung, dass ein vernünftiger, gerechter, gütiger Gott unser Schicksal letztlich zum Guten wenden wird, schafft Zuversicht für ein sinnvolles Leben, spornt zu christlicher Daseinsbewältigung an und hilft auch, die Unzulänglichkeiten und das Leid in Gegenwart und Diesseits, die allzu oft als Gottesgegenbeweise empfunden werden, eher zu ertragen.

 

Doch sei Tetens bevorzugter Position entgegen gehalten: Ebenfalls die Anhänger des Naturalismus und die Atheisten müssen nicht verzagen und das Leben in der vorfindlich unvollkommenen Welt verdammen. Da kein Mensch als selbstreflexives Wesen absoluter Nihilist ist, resultiert aus der Konzentration auf das Diesseits ohne göttliche Geborgenheit durchaus die Übernahme hoher Eigenverantwortung, weil es darauf ankommt, aus seinem begrenzten Dasein in dieser Realität selbst das Beste zu machen. Sei es, dass wir durch Fortpflanzung und Vererbung, Familiengründung, Aufzucht von Nachkommen Spuren unseres Menschseins über den leibhaftigen Tod hinaus setzen. Oder sei es, dass wir durch soziale Taten, geistige Werke, geniale Erfindungen Erfüllung finden und Manche gar Großes leisten und fast unsterblichen Ruhm erlangen. Gottgläubigkeit erweist sich nicht als notwendige oder ausschließliche Bedingung zur Verwirklichung der Menschenrechte sowie der Weltverbesserung für ein brüderliches und friedliches Zusammenleben aller Menschen in Einklang mit der Natur, also als optimale Annäherung an die Zielsetzung, die wir als Christogenese postuliert haben. Und die Glaubens hemmende Wiederauferstehungsthese kann gekontert werden, nämlich mit Immanuel Kants nüchterner Feststellung, dass wir berechtigt sind, an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben.

 

Beide metaphysischen Kernthesen sind durch die Argumentation weder bewiesen noch widerlegt, sondern nur als theoretische Möglichkeit begründet, naturalistische und theistische Weltdeutung logisch-begrifflich mit einander zu vergleichen und abzuwägen. Sowohl das naturalistische als auch das theistische Szenario können sich durch die reale Entwicklung der Welt als falsch oder richtig erweisen. Von beiden Positionen aus kann man indes die Fragen nach dem Sinn unseres Daseins stellen und die Erfahrungen und Erkenntnisse interpretieren. Und man kann im Einzelnen unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Wichtig wäre, dass möglichst viele – gleich  welcher Gesinnung – das Buch lesen und sich dem als wertvoll erkannten, humanen, welterhaltenden Ziel stellen.

 

Weiter führende Literatur:

Peter Atkins: Über das Sein. Ein Naturwissenschaftler erforscht die großen Fragen der Existenz, Stuttgart 2013 (Reclam 20273);

Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? München 2007 (Goldmann 15528);

Dietrich Pukas: Die Logik in der Welt – Ansätze zur Weiterentwicklung des Neukantianismus, Frankfurt/M. 1978 (Haag+Herchen);

 

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Tags: christogenese, emergenz-theorie, gott als schöpfer, gottgläubigkei, naturalismus, theismus, weltverbesserung   (7)
 

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Wer liebt... vergibt: Eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art

Frieda Lamberti
E-Buch Text: 122 Seiten
Erschienen bei null, 28.10.2015
ISBN B015G2HX74
Genre: Sonstiges

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frauen, freundschaft, fremdgehen, liebe

Auf die Freundschaft!

Annika Bühnemann
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 15.07.2015
ISBN 9783945796443
Genre: Romane

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lieb, weihnachten, bühnemann, krebserkrankung, beziehung

Liebe ist Vertrauen

Annika Bühnemann
E-Buch Text: 82 Seiten
Erschienen bei null, 29.10.2015
ISBN B017E4G9A4
Genre: Sonstiges

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annika bühnemann, liebe, chicklit, traummann, glück

Traummänner und andere Hirngespinste

Annika Bühnemann , Anna Fischer
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei null, 17.07.2014
ISBN 9781500579876
Genre: Liebesromane

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autoren, marketing, ratgeber, branding, schreibratgeber

Sei ganz du selbst: Branding für Autoren

Annika Bühnemann
Flexibler Einband: 76 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 26.11.2015
ISBN 9783739214399
Genre: Sonstiges

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liebesroman, sarahsaxx, sarah sax, lieb

A Place to Remember: Chloe & Hugh (London Love Stories 2)

Sarah Saxx
E-Buch Text: 131 Seiten
Erschienen bei null, 22.03.2016
ISBN B01DCKOHQC
Genre: Liebesromane

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sarah saxx, liebe, liebesroman, selfplushing, plan

Das Leben und sein hinterhältiger Plan

Sarah Saxx
E-Buch Text: 372 Seiten
Erschienen bei null, 05.01.2016
ISBN B01A9EA67S
Genre: Liebesromane

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liebe, london, trennung, delia, es muss wohl an dir liegen

Es muss wohl an dir liegen

Mhairi McFarlane , Katharina Volk , Heike Holtsch
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2016
ISBN 9783426517956
Genre: Liebesromane

Rezension:


Mhairi McFarlane: Es muss wohl an dir liegen

Aus dem Englischen von Katharina Volk
Knaur Taschenbuch München 2016

Rezension von Dietrich Pukas (24.04.2016) 

Nach ihrem imposanten Bestseller „Vielleicht mag ich dich morgen“ erwartet man mit Spannung, welches fesselnde Schauspiel uns Mhairi McFarlane mit ihrem neuesten Roman „Es muss wohl an dir liegen“ bietet. Es ist ihr ein betörendes „Feuerwerk der Liebe und Intrigen“ gelungen, das wiederum ungeheueren Lesespaß für Alt und Jung, Reich und Arm, Frau und Mann, Abenteurer und Romantikerin bereitet.

Mit der ihr eigenen Anschaulichkeit und Treffsicherheit entfaltet die Autorin die Charaktere der Darsteller, wobei das Figurenspektrum mehr denn je bunt und kontrastreich ausfällt und sich das Personenkarussell schneller dreht als sonst. Da ist die attraktive Protagonistin Delia Moss, PR-Angestellte bei der Stadtverwaltung von Newcastle. Mit ihren tizianroten Haaren und üppigen Kurven lässt sie die Männerherzen und nicht nur das etwas höher schlagen als normal. Sie hat ihr Lebensglück bereits in Gestalt von Paul, einem gut aussehenden, lustigen Barkeeper und Kneipenbesitzer, gefunden und will ihn nach 10 Jahren des Zusammenlebens endlich ehelichen. Aber nicht nur dieser Plan endet in einer Katastrophe, beruflich stolpert sie über den charmanten Joe, einen getarnten genialen Computer- und Internetspezialisten, der die Oberen der Stadtverwaltung gewitzt blamiert und anonym herausfordert. Statt ihn auftragsgemäß zur Strecke zu bringen, empfindet Delia Sympathie für ihn und freundet sich mit ihm an, was sie ihren Job kostet. Sie zieht zu ihrer besten Freundin Emma, eine gewiefte, erfolgreiche Anwältin, nach London, nimmt ihre Comics-Zeichnerei aus Studienzeiten wieder auf, während sie sich zunächst vergeblich um neue Arbeit bemüht, bis sie auf den geilen, skrupellosen Kurt trifft. Dieser betreibt eine aufregende, unkonventonelle PR-Agentur und stellt Delia Knall auf Fall ein – wegen ihrer kreativen Fähigkeiten und ihrer erotischen Ausstrahlung. Im Zuge ihrer neuen Tätigkeit gerät Delia an den smarten Schönling Adam, einen Enthüllungsreporter und den härtesten Konkurrenten ihres Arbeitgebers, der die Naivität Delias in Bezug auf Kurts Machenschaften für seine Zwecke ausnutzt und sie sich als angeblicher Kämpfer für Aufklärung und das Gute gefügig macht. Wie und bei wem soll die 33-jährige Delia da ihr Glück finden, um die ersehnte Familie zu gründen?

Die moderne Berufs- und Arbeitswelt mit ihrer Hektik, Stresssituationen, animierenden Abwechslung und vor allem Tücken bildet wiederum den spannungsreichen Handlungsrahmen für das kunstvoll eingebettete Privatleben der Hauptpersonen und beeinflusst die Ausprägung und Entwicklung ihrer emotionalen Befindlichkeiten, Leidenschaften, Hass- und Liebesgefühle. Indem Mhairi McFarlane der Bedeutung ihrer zentralen Figuren trotz ihrer charakteristischen Verschiedenartigkeit im turbulenten Geschehen eine gewisse Ebenbürtigkeit zukommen lässt, erzeugt sie Offenheit und abwechselnde Überraschungen bis zum Ausgang der Geschichte und hält die Leser-/innen bei Laune bis zum Schluss.

Livestream-Lesung mit Mhairi McFarlane zu dem Buch bei Lovely Books am 25.04.2016 zum Nachlesen: http://www.lovelybooks.de/lesung/Mhairi-McFarlane/

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Tags: fragwürdige pr-methoden, internet-manipulation, liebesdramatik, treue und untreue   (4)
 

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liebe, mobbing, liebesroman, klassentreffen, london

Vielleicht mag ich dich morgen

Mhairi McFarlane , Karin Dufner , Ulrike Laszlo
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.05.2015
ISBN 9783426516478
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mhairi McFarlane: Vielleicht mag ich dich morgen

Roman aus dem Englischen von Karin Dufner und Ulrike Laszlo.

Deutsche Erstausgabe Knaur Taschenbuch München 2015

Rezension von Dietrich Pukas 01.01.2016

 

Der Erfolgsroman der britischen Bestseller-Autorin verheißt mit seiner eigenwilligen und tiefgründigen Liebesdramatik ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Der kunstvoll aus den Schicksalssträngen der beteiligten Personen und wechselvollen Situationen geflochtene Inhalt beschert uns immer wieder unerwartete Überraschungen und bewirkt anhaltende Spannung, sodass man kaum erwarten kann zu erfahren, wie die einzelnen Dilemmas jeweils aufgelöst werden und welche Rolle sie im großen Beziehungsdrama der beiden Hauptpersonen Anna und James spielen. Die Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Lebensläufe und Charaktere, Einstellungen und Gepflogenheiten führen zu bizarren, widersprüchlichen Handlungen und verstricken die agierenden Personen in ausweglos erscheinende Schwierigkeiten und Lebenslagen. So können wir wiederholt rätseln, auf welche Weise der geschickt bei den Lesern geschürte Wunsch auf eine endgültige Aussöhnung der beiden sympathischen Kontrahenten doch noch zustande kommen könnte, obwohl dies ständig in höchstem Maße infrage gestellt wird. Mit welcher Figuren- und Handlungskonstellation erreicht die Autorin eine solche Dramatik?

 

Dr. Anna Alessi, versierte Dozentin für Geschichte an der Londoner Universität, ist 32 Jahre alt, bildschön und attraktiv, einfühlsam, beliebt, eine gefragte Gesprächspartnerin und von den Männern einschließlich Studenten heiß begehrt. Allerdings sieht sie sich selbst nicht als Traumfrau, was mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt, sondern Anna sagt sich, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen eigentlich versuchen sollte, ohne Mann auszukommen und glücklich zu sein. Ihre Freundinnen und Bekannten teilen diese Ansicht allerdings nicht und überreden sie mehrfach zu Blind Dates mit unbekannten Männern aus dem Internet. Indes erweisen sich diese alle als Katastrophen-Typen mit meist absurden Sexualvorlieben. Zwar gesteht sie sich ein: „Ein Internetdate ist im Grunde genommen nur ein Treffen, um flachgelegt zu werden“. Aber sie hofft dennoch letztlich auf die große Liebe und die Begegnung mit ihrem Traummann. Das erwartet sie freilich nicht von dem Klassentreffen nach 16 Jahren, zu dem sie ihre Freundin schickt, um mit ihrer Vergangenheit voll ins Reine zu kommen und sich endlich ihrer latenten Angst zu stellen.

 

Als Jugendliche hieß Anna, geschuldet ihrer italienischen Abstammung, Aureliana und war bevorzugtes Mobbing-Opfer ihrer Mitschüler/-innen, weil sie dick und hässlich war, in den selbst genähten Klamotten laufend Anlass für Hänseleien bot. Auf dem Abschlussfest der Schule fand eine „Mock-Rock-Party“ statt, wo sie von ihrem heimlichen Schwarm James Frazer und seinem Kumpel Laurence heimtückisch auf die Bühne gelockt, als Elefant bloßgestellt und vom johlenden Publikum mit bereitgestellten Süßigkeiten beworfen wurde. Der Stachel der Verhöhnung saß so tief, dass er ihr schließlich allen Lebensmut raubte; nur im allerletzten Augenblick konnte ihre Schwester Agatha, genannt Aggy, ihren eingeleiteten Selbstmord verhindern. Dafür war Aureliana Aggy zutiefst dankbar und inniglich verbunden, denn sie gestaltete nach der Schulzeit mit Verstand, Klugheit, Mut und Zähigkeit ein erfolgreiches Dasein: Sie studierte, promovierte, machte berufliche Karriere als anerkannte Historikerin an der Uni, während sie gezielt durch bewusste Ernährung und sportliches Training gewaltig abspeckte und dauerhaft die natürliche Schönheit ihres Körpers zur Geltung brachte und zur Krönung ihren Vornamen änderte.

 

Daher wird Anna auf dem Klassentreffen nicht als das einstige Spottobjekt erkannt und sie kann ihre Hauptpeiniger von damals, James und Laurence, die die schöne Unbekannte sogleich begehren und anmachen wollen, mit Genugtuung abblitzen lassen. Einige Zeit später trifft sie James aus beruflichem Anlass wieder, jedoch trotz namentlicher Vorstellung erkennt er sie weiterhin nicht als Aureliana und sie kann ihn unerkannt drangsalieren und die Zusammenarbeit am umfangreichen Ausstellungsprojekt „Theodora“ erschweren, um ihren tief sitzenden Frust von einst etwas abzumildern. Anna ist für den Kurator der byzantinischen Abteilung des British Museums die Expertin und Verbindungsfrau zur Uni und James ist als Computer-Fuzzi und Marketingspezialist, offiziell als Projektleiter für technisches Design und Entwicklung der Internetagentur Parlez engagiert worden. Er soll die Ausstellung für die Öffentlichkeit und Berichterstattung ins rechte Licht rücken, nicht zuletzt auch als App für iOS- und Android-Endgeräte aufbereiten. So haben beide ein großes Stück gemeinsamer Arbeit vor sich, die für den Erfolg des Vorhabens und das Prestige von Anna und James entscheidend ist. Dabei kommen sie sich im Laufe der Zeit menschlich näher, entdecken Gemeinsamkeiten und können sich ebenfalls amüsieren, was auch dadurch befördert wird, dass James‘ verführerische, superhübsche Frau Eva ihn gerade zugunsten eines jungen Malers vorüber gehend verlassen hat.

 

Die zaghaft aufkeimende Annäherungs-Beziehung zwischen Anna und James wird durch Versuche von Laurence, James schlecht zu machen und Anna abzuschleppen, sowie verschiedene andere Zwischengeplänkel gestört und auf Sparflamme gehalten. Sie wird jedoch abrupt zunichte gemacht, als James anlässlich eines Schulfotos in Annas Wohnung ihre Aureliana-Idendität erfährt und er ihr im heftigen Streit spontan vorwirft, sie könne ihm nicht die Schuld daran geben, dass sie damals wie eine „Missgeburt“ ausgesehen habe. Das gilt Anna als untrüglicher Beweis, dass James immer noch der schlimme, böse Mensch von damals ist und sie beschimpft ihn aus Wut: „Du mieses, dreckiges Superturboarschloch.“ Damit endet die lange Verfolgungsjagd, bei der Aureliana Anna einholt und sie wieder eins sind, verbunden in Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und Elend.

 

Für beide folgt einerseits eine Zeit großer Leere, andererseits ein Martyrium mit unbeherrschten Selbstvorwürfen, Schuldzuweisungen an den Anderen, Rache-, Vergeltungs-, Schuld- und Sühnegefühlen. Anna ist erstmal regelrecht krank, will niemanden sehen, kann keinen Dienst machen. Sie hat mit James endgültig abgeschlossen, ist zutiefst verletzt, sie hat von ihm Einsicht, Reue und Entschuldigung für die einstigen Untaten erhofft sowie erwartet und nun das Gegenteil erfahren. Laurence hat immerhin Abbitte geleistet, wenn auch mit durchsichtigen Motiven, was kein Trost ist. Da ergreift Annas heimlich in sie verliebter Kollege Patrick die Initiative und blamiert James in dessen Firma mit einem unerlaubten Tonbandmitschnitt abfälliger Äußerungen, sodass James der Jobverlust droht. Dieser vermutet Anna hinter der Intrige und stellt sie zur Rede. Anna durchschaut den Hintergrund, verschafft sich Klarheit und bekennt sich gegenüber James‘ Chefin angeblich aus Liebe und Verzweiflung selbst zur Tat, worauf diese James vergibt und ihn gar noch befördert. Darauf sieht sich James in Annas Schuld, reflektiert ihre möglichen Motive und gelangt allmählich zur Einsicht und Reue. Er spürt inzwischen eine Veränderung in sich: eine innere Abwendung von Oberflächlichkeit, Glanz und Glamour, gar der Vergötterung seiner Eva und innige Hinwendung zu den wahren Werten des Menschlichen, wie sie Anna verkörpert und lebt. Jetzt weiß er, was er zu tun hat. Er geht früh morgens vor das Uni-Institut, fängt Anna auf dem Weg dorthin ab und fleht sie aufrichtig um Vergebung an, was sie ihm abnimmt. Sie verbringen den Tag damit, ihre Freundschaft – allerdings auf Distanz – zu besiegeln.

 

Die Gelegenheit zum nächsten Kontakt und Freundschaftsdienst kommt zustande, als Annas Schwester Aggy wegen ihrer eigenen verpatzten Hochzeitsplanung in große Verzweiflung stürzt und sie in die Hände des unredlichen Laurence gerät, der sie mit seiner raffinierten Taktik als Ersatz für Anna verführen bzw. missbrauchen will. Anna bittet in höchster Not James um Hilfe und dieser rettet Aggy nicht nur aus Laurences gefährlichen Klauen, sondern er eröffnet ihr eine neue Zukunftsperspektive für eine romantische Hochzeit mit ihrem Chris in Italien, der Heimat ihres Vaters, wobei er sie auch finanziell unterstützen will. Anna und Aggy sind James für seine Fürsorge „unendlich“ dankbar und Anna ringt sich endlich dazu durch, James auf Aggys Jungesellinnen-Abschiedsparty ihre Liebe zu bekennen und sich ihm hinzugeben. Doch noch kein Happy End! James offenbart ihr nämlich, dass seine Frau Eva zu ihm zurückkehren will und sie es noch einmal miteinander versuchen wollen. Und er schlägt vor, dass ihre Freundschaft trotzdem erhalten bleiben soll, was für Anna nicht vorstellbar ist. Aggys Hochzeit findet in der Toscana statt und wird ein herrliches Fest. Auch für Anna ist gesorgt: Primo, ein blendend aussehender, charmanter italienischer Architekt, ist für sie als Tischnachbar eingeladen worden. Indes hat Anna in der Hochzeitsstimmung am Vortag an James eine Mail abgesetzt, in der sie ihm ihre Liebe gesteht und dass er sie in guter Erinnerung behalten möge wie sie ihn. Und James macht es möglich, sie am Hochzeitsabend in seine Arme zu schließen und sie beide in Liebe zu vereinen.

 

Das ist der Inhaltsabriss als Leitfaden, der sich durch alle 72 Kapitel des Buches zieht, während sich die Leser in den wechselvollen Szenen an den faszinierenden Schilderungen der Autorin ergötzen und ihre profunde Menschenkenntnis, psychische Feinfühligkeit und psycho-soziale Tiefgründigkeit bewundern können. Dazu die animierende, erfrischende, lockere Ausdrucksweise, zu der sicherlich auch die deutschen Übersetzerinnen ihren Anteil beigetragen haben. So kann man sich beim Lesen darüber freuen, dass mit 490 Seiten viele vergnügliche und unterhaltsame Stunden vor uns liegen, und darüber hinaus dem nächsten Roman von Mhairi McFarlane erwartungsvoll entgegen sehen.

 

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Tags: charakterstärke, innere wandlung, liebesroman, mobbing, wahre liebe, werte des menschlichen   (6)
 

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sarah saxx, annika bühnemann, frieda lamberti, hoffnung, vertrauen

Hoffnung - Vertrauen - Vergebung: Drei Geschichten über die Liebe

Annika Bühnemann , Sarah Saxx , Frieda Lamberti
Flexibler Einband: 230 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 31.10.2014
ISBN 9781502893604
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sarah Saxx/Annika Bühnemann/Frieda Lamberti

Hoffnung – Vertrauen – Vergebung

Drei Geschichten über die Liebe (2. Aufl. Fulda 2014)

Rezension von Dietrich Pukas (06.05.2015)

Schöne Idee: Eine Trilogie von Kurzromanen zu präsentieren, um die Facetten der Liebe unter den Aspekten von Hoffnung, Vertrauen, Vergebung auf faszinierende Weise zu beleuchten. Dabei stellen Hoffnung, Vertrauen, Vergebung jeweils Elemente dar, die alle drei Geschichten grundlegend prägen und als Gemeinsamkeit aufweisen, dass sie in der gefühlsträchtigen Weihnachts- bzw. Vorweihnachtszeit spielen. Zu eigen ist allen noch eine lockere, realistische Alltagssprache, die sozusagen an markanten Stellen „kein Blatt vor den Mund nimmt“ und die Leser/-innen direkt anspricht, jedoch dennoch die entscheidenden Momente der Liebe, jene Kulminationspunkte von Hoffnung, Vertrauen, Vergebung  in  glühende, strahlende, ergreifende, gefühlvolle Metaphern hüllt.  Aber die Geschichten sind jeweils in unterschiedlichen Erzählstilen gestaltet und haben ihre thematischen Schwerpunkte bei verschiedenen Problemen und Konflikten aus dem Lebensalltag, die spannend erzählt und auf die Spitze getrieben sowie zu ihrem je eigenen Happy End geführt werden.

 

In dem mit „Hoffnung“ überschriebenen Roman von Sarah Saxx kämpft als Protagonistin Sophie um eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Lebensgefährten Fabian. Ihre auf dieses Ziel gerichtete Hoffnung und Erwartung werden auf eine harte Probe gestellt. Denn ihre Liebe und Partnerbeziehung geraten in die Tretmühle der modernen Arbeits- und Wirtschaftswelt und drohen zermalmt zu werden, als sich Fabian selbstständig macht und sich über alle Maßen in seine Arbeit hinein steigert, sodass er dabei auch Sophie allzu oft vergisst und unglücklich macht. Zwischen Selbstbehauptung und Selbstaufgabe, Stress und Existenznot gerät er in eine überwältigende Abwärtsspirale, während Sophies Zuversicht und Vertrauen immer mehr schwinden. Wie können sie da noch die unheilvolle Entwicklung zum Punkt ohne Umkehr stoppen und zum Marsch ins gemeinsame Glück umlenken?

 

Annika Bühnemann erzählt in „Vertrauen“ die klassische Geschichte vom armen Mädchen und dem reichen Märchenprinzen erfrischend locker sowie gekonnt in unsere moderne Zeit versetzt. Nach dem bewährten Motto „Gegensätze ziehen sich an“ verstricken sich in eine prickelnde und leidenschaftliche Liebesbeziehung: die bis über den Hals verschuldete Malermeisterin Carolin und der verkappte Millionär Raphael als Mitinhaber eines Imperiums floriender Sprachschulen. Damit daraus etwas Tragendes für eine gemeinsame Zukunft werden kann, sitzen der unglücklich verheiratete Raphael und die von Männern tief enttäuschte Carolin zwar beide in einem kurzzeitig wärmenden Bassin, jedoch ebenfalls in einem Pool, angefüllt mit zwischenmenschlichen Negativerfahrungen . Und über ihrem Annäherungsgeschehen und Zusammenfinden schwebt die ganze Zeit das Damoklesschwert der Problematik, die alles zunichte machen kann: durch Verschweigen der wahren Identität und Lebensumstände zwar eine Nivellierung der trennenden Statusunterschiede vorzutäuschen und eine Chance des Kennenlernens zu erringen, sich aber gleichzeitig der Gefahr des Vertrauensbruches und tiefster Enttäuschung auszusetzen.

 

Frieda Lambertis Kurzroman „Vergebnung“ konfrontiert uns mit zwei Menschen, die indes verheiratet sind, sich allerdings zum wahren, unverfälschten Leben zusammen raufen müssen. Patrizia ist an der Seite des politisch  ambitionierten Nikolas der Aufstieg in die Hamburger Gesellschaft gelungen und führt nach außen hin ein beneidenswertes Leben. Doch von der Innenansicht betrachtet, handelt es sich um ein hohles, bedrückendes Dasein – überschattet von der Tragik, keine eigenen Kinder mehr zu bekommen, und kompensiert durch soziales Engagement für repräsentative Zwecke. Patrizia leidet darunter, dass der stressige Politikbetrieb Nikolas gefühlsmäßig von ihr entfremdet, er zu wenig  Verständnis für ihr im Grunde sinnentleertes Dasein aufbringt. Sie gaukelt ihm Zufriedenheit und Dankbarkeit vor, bis sie – damatisch zugespitzt auf das Weihnachtsfest – in Gestalt ihrer Schwester Josefine und deren kleiner Tochter Ida von ihrer unbewältigten Vergangenheit eingeholt wird. Die unmittelbaren Ereignisse erschüttern verfestigte Vorurteile, Heucheleien, Fehleinschätzungen; kann dadurch der Weg für die erlösende Vergebung und in ein unverkrampftes Leben frei werden?

 

So bieten uns – Frauen gleichsam wie Männern – die erfahrenen Autorinnen kurzweilige, spannende Unterhaltung jenseits von Krimis mit Mord und Totschlag. Und die anschaulich und mehrdimensional dargestellten Figuren und Personen mit ihren vielschichtigen Sorgen und Nöten sowie in diffizilen Situationen voller Lebensfreude und Glück mögen uns vergnüglich zur Reflexion unseres eigenen Verhaltens animieren.

(vgl. www.annikabuehnemann.com; www.sarahsaxx.com; friedalamberti.wix.com/friedalamberti) 

 

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Tags: hoffnung, kurzroman, liebesromane, vergeben, vertrauen   (5)
 

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Verbale Kommunikation. Ein sprachliches Lehr - und Arbeitsbuch für berufliche Schulen und gymnasiale Oberstufen.

Dietrich. Pukas
Geheftet
Erschienen bei Rinteln, Merkur Verlag, 01.01.1972
ISBN B003D9B35Q
Genre: Sonstiges

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berufsschüler/-innen, eigenwillige und skandalöse - zur überraschung und freude des lesers., bildungsakteure, ironie, menschliche schwächen und stärken

Niedertracht und Macht, daß es kracht. Satirisches aus der Berufsschule

Dietrich Pukas
Flexibler Einband
Erschienen bei TRIGA-Verl., 01.01.2001
ISBN 9783897741966
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: als ungeahntes objekt amüsanter unterhaltung, als ungewöhnliches satirisches spektakel, amüsement, berufsschüler/-innen, bildungsakteure, denkanregung präsentiert. dabei werden auf witzige, die die mehrheit der bürger von ihrem ausbildungsgang her eher als solide alltagsinstitution kennt, die über das berufliche bildungswesen hinaus weisen und das bildungs- und gesellschaftssystem überhaupt betreffen, eigenwillige und skandalöse - zur überraschung und freude des lesers., einem breiten leserpublikum nahe gebracht. die entlarvte brüchigkeit einer scheinbar heilen welt mag zum staunen und manchmal zur nachdenklichkeit reizen; auf keinen fall entbehrt sie der komik und offenbart viel sinn für das alltäglich-skurrile, fantasieentfaltung, humor, in dem buch wird die berufsschule, ironie, lehrer/-innen, menschliche schwächen und stärken, satire, skandal, spottende art und weise typisch menschliche schwächen und seltener ausgeformte stärken sowie extreme gesellschaftliche phänomene unserer zeit   (19)
 

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carla berling, kultur, satire, jesses maria

Jesses Maria: Kulturschock

Carla Berling
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 13.03.2009
ISBN 9783837065244
Genre: Comics

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netz, carla, im, der, berling

Im Netz der Meister

Carla Berling
Flexibler Einband
Erschienen bei Seitenblick, 04.08.2008
ISBN 9783933540164
Genre: Romane

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frauen, satir, wechseljahre, carla berling, satire

Jesses Maria: Wechseljahre

Carla Berling
Flexibler Einband: 104 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 27.04.2010
ISBN 9783839146279
Genre: Comics

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berling, lustig, udo jürgens

Jesses Maria - Im Bett mit Herrn Juergens (Jesses Maria - Die Geschichten)

Carla Berling
E-Buch Text
Erschienen bei Carla Berling, 12.08.2011
ISBN B005H7ZBB4
Genre: Sonstiges

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buchmarkt, schreiben, autor, autoren, schriftsteller

Vom Kaempfen und vom Schreiben

Carla Berling , Vladi Krafft
Flexibler Einband: 183 Seiten
Erschienen bei Kulturmaschinen e.K., 17.10.2011
ISBN 9783940274403
Genre: Sachbücher

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roma

Die Rattenfänger

Carla Berling
Fester Einband
Erschienen bei VAT Verlag, 31.10.2012
ISBN 9783940884404
Genre: Romane

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politlabor deutschland, entmachtung der parteien, europäische staatsschuldenkrise, machtkanzlerin, wiederkehr der planwirtschaft

Die Patin

Gertrud Höhler
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Orell Füssli, 01.08.2012
ISBN 9783280054802
Genre: Sachbücher

Rezension:

Gertrud Höhler: Die Patin – Wie Angela Merkel Deutschland umbaut.
Rezension von Dietrich Pukas (31.10.1012)
Welch Glück für uns, dass Frau Prof. Dr. Gertrud Höhler, eloquente Literaturwissenschaftlerin, erfolgreiche Publizistin, renommierte Wirtschafts- und Politikberaterin, einst die verlockenden Angebote aus dem Politikbetrieb ausschlug. So können eingeschworene CDU-Anhänger und Merkel-Vasallen Höhlers aufschlussreiches Buch nicht überzeugend als missgünstige Enthüllungsfantasien einer beleidigten Polit-Rivalin abtun. Statt dessen ist Gertrud Höhler befähigt, mit unabhängigem Geist und scharfem Verstand uns eine feinsinnige, wohl begründete Analyse dessen vorzulegen, was Sprache, Verhalten und Handeln der deutschen Regierungschefin Angela Merkel offenbaren. Sie fördert Überraschendes, Fragwürdiges und Gefährliches, politisch Brisantes zutage, das alle Bürger und Politiker in höchstem Maße betrifft, denen die Werte der Demokratie und das Wohl der Menschen am Herzen liegen und die darauf in Zukunft nicht verzichten wollen.
Zunächst beschreibt Höhler eindrucksvoll – stets in ansprechender, bildreicher Sprache –, wie Angela Merkel , die Frau aus dem Osten, „Anderland“ genannt, als „blauäugiges Unschuldslamm“ startet, unauffällig beobachtend als Testfahrerin mitTarnkappe und Tarnanzug den Westen sowie Deutschland der Wende erkundet und schließlich zur machthungrigen Wölfin mutiert (S. 17 ff.). Stillschweigend, unerkannt von den sie fördernden CDU-Männern, bei denen sie eher zufällig gelandet ist, gewinnt sie ihre Erfolg versprechenden Überzeugungen: Bindungslosigkeit als Führungsqualität, nämlich Relativismus, Indifferenz in Wertfragen, moralisches Desinteresse, Verzicht auf Bekenntnisse. Das Motto lautet: Alles ist relativ, vorläufig, reversibel, was auch für Werte gilt. Misstrauen und Unberechenbarkeit sind gut, weil sie uns vor denen schützen, die uns durchschauen und beherrschen wollen. Ohne Verpflichtungen und Traditionen, aber mit grenzenloser Flexibilität unterwegs sein, mit persönlichem Machtanspruch als Maxime des eigenen Handelns, dann kann man an den herkömmlichen Mitstreitern und Parteistrategen vorbei ziehen. Diese Erfahrungen und Einsichten hat Merkel ihren Westkollegen voraus, machen sie persönlich mächtig und ermöglichen, dass das einstige „Mädchen“ den Schwarzen Riesen, den Übervater Kohl, vom Thron stößt, „seinen zögernden Söhnen den Vatermord abnimmt“ (S. 22 ff.). Konsequent baut Angela Merkel ihre Machtposition auf, wird Landesvorsitzende, Bundesministerin, Generalsekretärin, Bundesvorsitzende, Kanzlerkandidatin der CDU, Bundeskanzlerin der großen und schwarz-gelben Koalition, führende Krisenmanagerin in Europa (Bildzeitung: „gute Patin Europas“, „Königin von Europa“).
Ausführlich und bei den verschiedenen Anlässen aufgreifend schildert Gertrud Höhler das „System Merkel“ (M), das die Macht der Aufsteigerin begründet und sichert. Es sind folgende Merkmale, die die Merkel-Politik bestimmen: „Marginalisierung der Parteien, Verwechselbarkeit der Programme, Nonchalance im Umgang mit Gesetzen, Aufweichung von Wert- und Normkonzepten, no commitment (keine Verpflichtung, D. P.), Bindungslosigkeit als Zukunftsmotor, zentralistische Allgegenwart von Staat und Plan, Überwindung des Wettbewerbs“ (S. 141). Darauf fußt ihr Konzept der situativen Entscheidungen, das die Flüchtigkeit aller Versprechen sowie eine hohe Verfallsgeschwindigkeit aller Loyalitäten beinhaltet (S. 270). Aus ihrer Sozialisation in der DDR-Diktatur geht Merkel nach dem Seitenwechsel als Überlegene gegenüber ihrer Mannschaft im Westen hervor, indem sie deren Tugenden, die verpflichten und binden, abgeworfen hat: Vertrauen, Verlässlichkeit, Loyalität, Treue, Berechenbarkeit. Sie nimmt für sich als Chefin das Privileg in Anspruch, schwer lesbar zu sein, und verbirgt ihr wahres Gesicht hinter Worthülsen, Gedankenschablonen, Sprachbausteinen, sodass Bundespräsident Gauck sagt, er kann sie nicht erkennen. Gauck hat in demselben Regime mit lauter Leuten in Deckung, Verratenen und Verrätern gelebt, jedoch gegenteilige Konsequenzen für seine Wertordnung gezogen: Er tritt für die Freiheit ein mit unverhülltem Gesicht und unverstellten Absichten, denn er ist kein Machttaktierer und erweist sich als von der Mehrheit der Deutschen akzeptiertes Staatsoberhaupt, jedoch als Antipode zu Merkel, die in seinem lauteren Charakter eine Gefahr für ihre autoritäre Machtpolitik sieht (S. 69-72).
Als wichtige Geschehnisse der Merkel-Politik schlüsselt Höhler vor allem folgende Ereignisse auf: die Ausmerzung der Machtkonkurrenten in der CDU, das Drama der Bundespräsidenten-Wahlen, die europäische Staatsschuldenkrise, den Atomausstieg mit der Energiewende. Für den CDU-internen Machtkampf ist typisch, dass die starken Konkurrenten der Staatschefin gehen (müssen) wie Merz, Koch, Oettinger, Peter Müller, von Beust, Röttgen u. a., während die schwachen und loyalen CDU-Leute grundsätzlich bleiben (dürfen) wie etwa Pofalla, öffentlich untragbar gewordene Kandidaten wie Guttenberg und Wulff sonderentsorgt werden (u. a. durch taktische Vertrauenserklärungen der Kanzlerin in dichter Folge) (S. 147-151). Die Vorgänge bei den Wahlen der Bundespräsidenten Köhler, Wulff und Gauck stellt Höhler als Drama in drei Akten dar, „Päsidentendämmerung“ genannt. Zur Andeutung der fragwürdigen, der Demokratie abträglichen Machenschaften zur Auswahl der Kandidaten und Manipulation der Wahlberechtigten geben wir die metaphorischen Überschriften wieder: „Das Amt als Beute der Politik“, „Nicht nur die Kandidaten, auch das Amt entmachten“, „Das Gauck-Paradox – Unsterbliche Werte, die im Sterben liegen“ (S. 195-230). Laut Höhler hatte Merkel in der Euro-Krise einen taktischen Vorteil, da sie „so wenig Europäerin wie sie Konservative“ ist (S. 91 ff.). Angesichts der drohenden Staatspleiten in Griechenland, Portugal und Irland sowie der enormen Haushaltsdefizite in Spanien und Italien, jedoch der ansteigenden deutschen Konjunktur wurde „Deutschland zum starken Mann Europas“ und Merkel galt als „mächtigste Frau der Welt“. Sie ergriff ihre „neue Rolle als europäische Sparmeisterin“ und erweiterte ihre Macht international, indem die europäische Staatsschuldenkrise verschleiernd zur „Euro-Krise“ umgedeutet wurde und mit Merkel an der Spitze unter Missachtung bestehender EU-Verträge der Euro-Rettungsschirm wiederholt erhöht wurde. Unter den Überschriften „Euro-Rettung: Lizenz zur Rechtsbeugung“ (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität = EFSF), „Merkels : Ein deutscher Maßanzug für Europa“ (permanenter Krisenfonds ESM = Europäischer Stabilitätsmechanismus; Modell der Schuldenbremse), „Keine Zeit für Demokratie: der Europäische Zentralstaat“ (Finanzunion und Fiskalpakt zur Kontrolle; Vereinnahmung der EZB), „Europa am deutschen Gängelband“ (Marktwirtschaft als Planwirtschaft) zeichnet Höhler, die offensichtlich in Finanzen, Wirtschaft, Politik recht sachkundig ist, auf, wie Merkel „ihren Weg zur Staatswirtschaft und zur Einheitspartei auf der europäischen Ebene“ konsequent fortsetzt (S. 93-103).
Der Atomausstieg mit der Energiewende ist Höhlers Paradebeispiel für die Etablierung des Systems M und das Grundmuster für den politischen Umbau Deutschlands zu einem zentralistischen Staat und zieht sich als Leitindiz für die „freibeuterische Machtmentalität“ der Bundeskanzlerin durch das gesamte Buch: „Positionslosigkeit, Werterelativismus und autoritäre Anmaßung“ (S. 104 ff.). Die Mehrheit von CDU/CSU und FDP beschloss 2010 im Bundestag die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke und brachte damit das Atomausstiegsgesetz der rot-grünen Bundesregierung von 2002 zu Fall. Angesichts bevorstehender Verfassungsklagen und Landtagswahlen nutzte Merkel 2011 den GAU von Fukushima („fast wie ein Geschenk“) zum radikalen Kurswechsel und agierte als „politische Heuschrecke“, indem sie das rot-grüne Alleinstellungsmerkmal des Atomausstiegs erbeutet und drei Tage nach der japanischen Katastrophe aus persönlicher Betroffenheit sich selbst ermächtigt, das Verlängerungsgesetz ihrer eigenen Regierung für drei Monate auszusetzen (Moratorium), obwohl dies nur durch ein nachfolgendes Gesetz rechtens ist. Außerdem wurden nach Höhler noch ein halbes Dutzend anderer Gesetze, unter ihnen Aktienrecht und Verfassungswerte, „einfach vom Tisch gewischt“. Mit der sofortigen Abschaltung von sieben Kernkraftwerken stellte sich die Kanzlerin den Energiekonzernen und der gesamten Wirtschaft „als neue Herrin des Kernsektors der Industriegesellschaft“ (Staatszugriff auf den Energiesektor) vor, ohne dafür eine Rechtsgrundlage zu haben, also außerhalb der Legalität (S. 106, 107). Merkels Wort ist praktisch Gesetz. Da wurde zur Verschleierung und moralischen Rechtfertigung ein juristischer Trick angewendet, nämlich der Rückgriff auf die staatlich gebotene Pflicht zur Gefahrenabwehr („im Zweifel für die Sicherheit“) wurde strapaziert – für Höhler ein Angstargument und eine Irreführung der Menschen, weil die Risiken in Japan und Deutschland aufgrund der nachlässigen japanischen Sicherheitshandhabung nicht vergleichbar seien. Das Atomrestrisiko war für Merkel zum Wahlrestrisiko geworden, der Grüne Kretschmann wurde Ministerpräsident in Baden-Württemberg, die feindliche Übernahme der Ausstiegsidee durch das Moratorium ist fehlgeschlagen. Deshalb wurde als nächster Coup der Kanzlerin die Opposition ins Atomausstiegsboot geholt und SPD und GRÜNE konnten sich der 180°-Energiewende durch eine schnelle Gesetzesnovellierung nicht entziehen. Höhlers Fazit: Die Kanzlerin ist beim Atomausstieg ihrem Politikstil treu geblieben: Unterwanderung der demokratischen Entscheidungsfindung, Täuschung der Bevölkerung über die Beweggründe, Bruch von Versprechen (hier gegenüber der Industrie), Arroganz ihres Führungsanspruchs infolge inhaltlicher Fehler (S. 108-110).
Gertrud Höhler liefert noch zahlreiche interessante Szenarien aus dem System M, die in den Überschriften wie Polit-Possen anklingen: „Ideenleasing im CDU-Themenpark: Merkels Ankündigungsdemokratie“, „Erlkönigin auf der Rüttelstrecke: Testfahrerin Angela im Themenpark der CDU“, „Nicht Sachpolitik, sondern Machtpolitik: Merkels Punktlandung in der parteilosen Mitte“, „Die Leitwölfin der Bindungslosen“, „Atomausstieg: Nebelbomben für das Volk“, „Lautlose Sprengungen im Wertesystem“, „Merkels Geheimnis – Windsbraut oder Windmaschine?“, „Das System M präsentiert: Die unsinkbare Kanzlerin“. In Wahrheit handelt es sich um ernsthafte Beeinträchtigungen unserer demokratischen Verhältnisse, nach Höhler um die „Demokratie im Stresstest“ (S. 233 ff.), die es vor Zerfallserscheinungen zu bewahren gilt.
Am Schluss sagt Gertrud Höhler lediglich: Wir können wählen – zwischen zwei Folgerungen aus Deutschlands Geschichte: der „Selbstermächtigung der deutschen Politik“ (Merkel) und einer „Freiheitmelodie“ (Gauck), die sie seit der letzten Präsidentenwahl übertönt (S. 273). Höhler hat das Buch geschrieben – „für alle, die die Faust noch in der Tasche haben“. Das sollten m. E. zuallererst die getäuschten und enttäuschten CDU-Anhänger, CDU-Politiker, CDU-Mitglieder, CDU-Wähler sein und gleichfalls die SPD- und FDP-Politiker, die das System M mitgetragen haben und auch noch seine Ausbreitung in der zweiten Legislaturperiode ermöglichen – sie sollten zu naheliegenden Konsequenzen motiviert werden und dazu die Faust aus der Tasche nehmen. Die Oppositionellen und Anti-Merkel-Wähler, die die Fäuste strecken, aus Resignation senken oder vor Ohnmacht in der Tasche behalten, können sich durch Höhlers rückhaltlose , feinmaschige Auklärung und überzeugende Deutung ermutigt fühlen und noch gezielter gegen das System M opponieren. Die Politiker als solche, gleich welcher Farbe und unabhängig vom nächsten Wahlausgang, sollten sich aufgrund der Erkenntnisse einer Koalition unter oder mit Merkel verweigern wie SPD Kanzlerkandidat Steinbrück; als Alternative gibt es z. B. Ursula von der Leyen. Die Wähler und Bürger überhaupt, nicht zuletzt die „wertebesoffenen Westler von gestern“ (S. 269) sollten zahlreich zur Wahl gehen und das Demokratie aushöhlende System „Merkel“ mehrheitlich abwählen. Das wäre der schönste Erfolg, den dieses allen empfehlenswerte Buch, das spannende Enthüllungen und ein Spracherlebnis verheißt, meines Erachtens haben kann.

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Tags: atomausstieg, bundeskanzlerin merkel, bundespräsidentenwahl, cdu-politik, demokratieabbau, energiewende, europäische staatsschuldenkrise, euro-rettung, gertrud höhler, machtpolitik   (10)
 

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tauchen, insel, beziehung, lanzarote, liebe

Nullzeit

Juli Zeh
Fester Einband: 255 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 01.08.2012
ISBN 9783895614361
Genre: Romane

Rezension:

Juli Zeh: NULLZEIT
Rezension von Dietrich Pukas (12.10.2012)

Juli Zeh, mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin, ist mit ihrem neuen Roman „Nullzeit“ ein brillanter Psychothriller gelungen, der die Leser unter ständigem Perspektivwechsel in neue Erwartungsspannungen versetzt und immer wieder in Überraschungen bis zum Schluss stürzt. Dazu lässt die einfallsreiche Autorin ihre mörderische Geschichte mit den skurrilen Figuren im abgelegenen Urlaubsparadies auf Lanzarote und im ungewohnten Tauchermilieu spielen.
Sven hat nach dem juristischen Staatsexamen Deutschland verlassen, um aus einer Gesellschaft auszusteigen, in der ihn das ewige Ein- und Abschätzen sowie Be- und Verurteilen von Allem und Jedem bis zum Geht-nicht-mehr anwidert. So sieht er sein Heil in der Abgeschiedenheit der Vulkaninsel, wo er mit seiner Jugendfreundin Antje eine florierende Tauchschule aufbaut und sich eine neue Welt schafft nach dem Motto: Aus Allem raushalten! Keine Einmischung in fremde Probleme! Das Meeresterrain beim Tauchen bietet dafür mit seiner evolutionär anmutenden Fauna und Flora – stumm und friedlich – das passende Umfeld.
Da brechen Jola, eine exaltierte Soap-Schauspielerin, und ihr Lebensgefährte Theo, abgetakelter Romancier, in Svens Idylle ein und bringen den Krieg, den er aus seinem Aussteigerleben ein für alle Mal verbannen wollte, in seine paradiesische Welt. Aus einem harmlosen Flirt zwischen Jola und Sven entwickelt sich eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung, die alle Fesseln sprengt und die Regeln des menschlichen Zusammenlebens außer Kraft setzt: Wahrheit und Lüge werden verwirrend durcheinander gewirbelt, Täter und Opfer tauschen ihre Plätze, Sven wird vom Zeugen zum Mitschuldigen. Eigentlich ist Jola mit Theo auf die Insel gekommen, weil sie sich auf ihre nächste Filmrolle als Tauchpionierin Lotte Hass vorbereiten und im Tauchen ausbilden lassen will. Aber im Grunde ist dieser Urlaub die letzte Chance für sie, sich aus ihrer selbstzerstörerischen Beziehung zwischen Hassliebe, Gewalt und gegenseitiger Abhängigkeit zu retten. Am Ende findet sich Swen als Teil eines mörderischen Spiels vor, bei dem er von vornherein keine wahre Chance auf eine glückliche Zukunft hatte. Jedoch erfährt er eine Läuterung, insofern er sich spontan einmischt und Theo selbstlos aus höchster Lebensgefahr errettet und „raushalten“ nun für ein hässliches Wort hält.

Nullzeit ist der Taucherfachbegriff für den Dekompressionszwischenstopp, nämlich die Zeitspanne unter Wasser für ein ungefährliches Auftauchen. Im Roman geht es um die Nullzeit zwischenmenschlicher Beziehung: höchste Annäherung eines Menschen an einen anderen ohne Umkehrung ihrer Lebensläufe, wobei Juli Zeh eindrucksvoll in die Abgründe des Daseins und die Tiefen der Seele leuchtet. Das tut sie in einer eingängigen Sprache und mit schönen Metaphern wie „Das Jetzt und Hier nahm mir den Atem wie eine Last von 1000 bar…Möglicherweise ist Faszination das, was übrig bleibt, wenn man nicht weiß, was man fühlen soll…Nichts sei korrupter als die menschliche Erinnerung.“ Das Leben funktioniert nicht wie ein Kriminalroman und das vorliegende Werk eignet sich weniger für oberflächliche Krimileser, aber für alle, die anspruchsvoll unterhalten werden wollen.

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Tags: juli zeh, psychothriller, roman, tauchen   (4)
 

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christusbewusstsein, selbstverantwortung, philosophie, humanität, vollendung des menschen

Das Sonnenbewusstsein - Der Aufstieg des Ichs von Alpha bis Omega

Margarete Friebe
Fester Einband: 186 Seiten
Erschienen bei Novalis Verlag, 01.01.2010
ISBN B001VE4DYS
Genre: Sonstiges

Rezension:

Margarete Friebe: Das Sonnenbewusstsein – Der Aufstieg des ICH von Alpha bis Omega
Rezension von Dietrich Pukas (20.07.2011)

Die 75-jährige Margarete Friebe, Gründerin der Schweizerischen Friedensstiftung „International White Cross“, Kämpferin für Freiheit, Humanität und Toleranz forscht, schreibt, lehrt und referiert seit vielen Jahren über die ganzheitliche Bildung von Körper, Geist und Seele, um ethisches Denken und Handeln zur Verbesserung der Welt und zum Wohl von Mitmenschen und Natur zu fördern. Der Kern ihres tiefenpsychologischen Wirkens ist das Eintreten für ein ganzheitliches Bewusstsein, für die Einheit von materiellem und geistig-seelischem Sein, für eine Gesellschaft, in der innere Werte und Herzensbildung, Güte, Menschlichkeit, Nächstenliebe, Demut, Ehrfurcht, Achtung, Duldsamkeit ins Zentrum rücken.
Dieses Anliegen bringt sie uns – repräsentativ für ihr Gesamtwerk – m. E. besonders eindrucksvoll und aufschlussreich in ihrem Buch „Das Sonnenbewusstsein: Der Aufstieg des ICH von Alpha bis Omega“ nahe. In einer eindringlichen, metaphorischen Sprache schildert sie, wie wir Menschen in unserer modernen Realität, in der vor allem das Äußere und Messbare zählen und in der wir vor Reizüberflutung in Hektik und Rastlosigkeit versinken, die verzehrende Macht des Egoismus überwinden müssen und wie wir zu unserem eigentlichen Wesen und Ziel unseres Lebens vordringen können. Dieses gipfelt im Sonnen- oder Christus-Bewusstsein, denn die Christus-Flamme steckt in jedem Menschen, in jeder Persönlichkeit als Ausdruck der inkarnierten, individualisierten Gottheit in uns. Dort will uns Margarete Friebe stufenweise und logisch, über die konzentrierte Meditation und Erkenntnis durch die sieben hermeneutischen Prinzipien hinführen, wobei jeder seinen individuellen Weg in Freiheit gehen soll. Dazu muss sich jeder selbst lieben und führen können – damit man nicht um die Akzeptanz und Gunst der Anderen buhlen muss -, selbst denken, entscheiden und die Selbstverantwortung für sich selbst und die Gottheit in uns übernehmen.
So sei Margarete Friebes Buch die Versuchung wert, sich darauf einzulassen.

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Tags: christusbewusstsein, humanität, philosophie, selbstverantwortung, vollendung des menschen   (5)
 

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ökologie, wirtschaft, gesellschaft, ökonomie, soziologie

Ökolution 4.0

Oliver Rückemann , Meinhard Miegel
Buch: 352 Seiten
Erschienen bei Ungehört, 16.12.2011
ISBN 9783942402040
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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erotik, zeugenschutzprogramm, sex, gegenwart, dienstmädchen

Jenseits aller Tabus

Sandra Henke
Flexibler Einband
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 01.10.2011
ISBN 9783899418958
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Sandra Henke: Jenseits aller Tabus – Rezension von Dietrich Pukas (29.12.2011)

Bei dem Werk handelt es sich um einen erotischen Roman mit der Rahmenhandlung eines spannenden FBI-Agenten-Thrillers. Indes dominieren die erotischen Anwandlungen und ausgeprägten Sexszenen derart das Romangeschehen, dass die kriminellen Machenschaften um Waffenhandel und Drogenkartell sowie das Zur-Strecke-Bringen der organisierten Verbrecher eher zum Beiwerk geraten. Um dem Titel mit dem Bruch aller Tabus zu genügen, wird so ziemlich die gesamte Palette an Praktiken des normalen, oralen, analen Sexualverkehrs zwischen Heteros und Schwulen abgehandelt bzw. in schlüpfrigen Situationen anschaulich geschildert, von denen aufgeschlossene Zeitgenossen gehört, über die sie gelesen oder die sie vielleicht als Pornos gesehen haben. Von der gehobenen Darstellungsart abgesehen, dürfte ein Großteil dieser Sexpraktiken als solcher nach den verbreiteten und üblichen Sexualauffassungen im Bereich der Pornografie anzusiedeln sein. Insofern stellt Henkes Roman einen Tabubruch dar, macht bislang tabuisierte Sexualvorstellungen „salonfähig“ und für weite Bevölkerungskreise interessant, ob auch anregend, prickelnd, die eigene Erfahrung bereichernd, ist eine Frage der individuellen Einstellung und des persönlichen Geschmacks. Die Spannweite der Akzeptanz bei den Lesern wird vom Anwidern der Spießigen über Neugier, Informations- und Erkenntnisgewinn sowie eventueller Experimentierbereitschaft bei Aufgeschlossenen bis zur Begeisterung Sexbesessener reichen.

Trotz der großen Aspektvielfalt und möglichen Horizonterweiterung stört mich persönlich die Suggestion, dass höchster Lustgewinn nur mit schmerzhafter Erregung und Quälerei bis zur Grenze der Erträglichkeit zu erzielen sei, und dass dazu erzwungene Unterwerfung (durch Fesselung mit Handschellen, ans Bettgestell und andere Vorrichtungen wie Haken an der Raumdecke) stattfindet, auch wenn sie zielführend in freiwillige Unterwerfung und bedingungslose Hingabe einmünden soll. Und nach dem überlieferten Klischee der patriarchalischen Gesellschaft kommt vor allem und fast ausschließlich dem (Überlegenheit, Wohlstand und Macht verkörpernden) Mann die Herrscher- und Dirigentenrolle zu, und man darf sich wundern, dass selbst brutale Verbrecher in der Liebe nicht bis zur letzten Grausamkeit gehen, sondern durchaus annehmbaren Sex produzieren. Die Idee, eine höchst Abhängige im Zeugenschutzprogramm in die Unterwürfigkeitsposition zu drängen, ist indes originell und sorgt für Kontinuität, bewahrt die Eskalation jeweils vor der Explosion. Dass die Unterwürfige dem Armenmilieu entstammt und von einer gemütskranken Mutter in der Kindheit hart malträtiert wurde, jedoch durch Willensstärke, Fleiß, Ausdauer und Intelligenz erfolgreich ein Studium absolviert und sich bis zu einem gewissen Grade zu einer emanzipierten Persönlichkeit entwickelt hat, verleiht dem zwanghaften Handlungsablauf einen pikanten Kontrast und lockert ihn angenehm auf. Ansatzweise darf sie sogar als Despotin fungieren – angeblich auf Augenhöhe, aber als liebende Frau verzichtet sie auf einen ebenbürtigen Rollentausch und vermeidet extreme Lustschikanen.

Für meinen Geschmack hätte ein Weniger an den sexuellen Exzessen, besonders hinsichtlich der nuancierten Wiederholungen der Ausschweifungen mit verschiedenen Paaren, mehr sein können. So kann man streckenweise die Fortführung der kriminellen Rahmenhandlung vermissen und wartet ungeduldig auf die Auflösung. In dieser Beziehung gibt es am Ende spannende Überraschungen und viel Aktion bis zur handlungsstarken Selbstbefreiung der Protagonisten aus fast völlig aussichtsloser Lage. Nicht nur deshalb ist das Buch bis zum Schluss lesenswert. Dazu animiert auf jeden Fall die mannigfaltige, lebendige Sprache mit schönen lyrischen und gleichfalls obszönen Metaphern.

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Tags: agenten-thriller, erotischer roman, fbi, sexualpraktiken, sexueller tabubruch, zeugenschutzprogramm   (6)
 

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schauspiel, duales system, gerichtsprozess, berufsausbildung, berufspädagogik

Aus dem Nebel der Geschichte


Flexibler Einband: 106 Seiten
Erschienen bei Eusl, 01.09.2011
ISBN 9783940625199
Genre: Sonstiges

Rezension:

Berufspädagogik lehrreich und unterhaltsam zugleich
Volkmar Herkner (Hg.): Aus dem Nebel der Geschichte – Ein berufspädagogisches Schauspiel
Rezension von Dietrich Pukas (08.11.2011)

Das vorliegende Schauspiel ist an der Universität Flensburg in der Seminarveranstaltung „Kultur und Berufspädagogik“ entstanden und zeugt von einer ungewöhnlichen Kreativität der Lehrenden und Studierenden. So erweist es sich als bemerkenswerte Idee, das deutsche Duale System der Berufsausbildung in seiner Entwicklung und Veränderungsmöglichkeit, mit seinen Vor- und Nachteilen als Theaterstück in Form eines Gerichtsprozesses darzustellen und im Rahmen einer szenischen Lesung vor einem Publikum aufzuführen. Mit diesem hochschuldidaktischen Ansatz, Fachkompetenz in größtmöglicher Gestaltungsfreiheit umzusetzen, bewiesen die Akteure Mut und großen Einfallsreichtum und können so mit ihrer fachlichen Examensvorbereitung einem größeren Leserkreis ein zentrales Thema beruflicher Bildung anschaulich erschließen.

Und zwar wird das Duale System deutscher Berufsausbildung wegen mehrfacher Gesetzesverstöße in einem Jahrhundertprozess vor Gericht angeklagt. Es soll gegen die Grundgesetzartikel zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichberechtigung von Männern und Frauen, zum Benachteiligungsverbot, zur staatlichen Aufsicht des Schulwesens, zur Freiheit der Berufswahl, des Arbeitsplatzes und der Ausbildungsstätte, aber ebenfalls gegen die Paragrafen 1 und 2 des Berufsbildungsgesetzes betreffs beruflicher Qualifizierung und Lernorte verstoßen haben. Während der Staatsanwalt die Anklage mit den Hauptsystemmängeln fachmännisch begründet, preist der Verteidiger das Duale System eher plakativ mit Attributen wie evolutionär, einzigartig, demokratisch, gerecht, modern, leistungsstark, innovativ als beispielloses Erfolgsmodell. Mit einer illustren Zeugenreihe wird eine amüsante, vielseitige, zugleich treffende Beweisaufnahme durchgeführt: Da wird als Erster Adam Smith als Begründer der klassischen, auf Nützlichkeit ausgerichteten Volkswirtschaftslehre vernommen. Als Kontrahent folgt Jean-Jacques Rousseau, der leidenschaftlich für die freie Entfaltung des Menschen ficht. August Bebel, der vom Drechsler-Gesellen zum Parteivorstand und Arbeiterführer aufgestiegen ist und somit das duale Ausbildungssystem persönlich erfahren hat, wird ebenfalls zum Wert von Ausbildung und Berufsschule von Staatsanwalt und Verteidiger vernommen. Als nächster Zeuge ist Georg Kerschensteiner vorgeladen, der als „Vater der Berufsschule“ gilt und durch handlungsorientierte Berufsbildung den brauchbaren Menschen erziehen will, der mit Tugenden der Anpassung fügsam dem Obrigkeitsstaat dienen soll. Ein Loblied auf das duale Ausbildungssystem mit seiner Verbindung von Theorie und Praxis und wohltuenden Unterordnungsfunktion, wobei die Berufsschule allerdings nicht so wichtig sei, singt auch der Zeuge Prof. Dr. Erwin Krause, langjähriger Leiter der „Arbeitsstelle für Betriebliche Berufsausbildung“ (ABB) und einst der nationalsozialistischen Ideologie treu ergeben. Witzig ist, dass diese Zeugen bei der Personeneinvernahme gleich ihr Sterbedatum angeben, wodurch die Entwicklungsgeschichte unterstrichen wird.

Sodann wird der Angeklagte, das Duale System (als körperlose Stimme symbolisiert), im Zeugenstand vernommen. Es läuft im Wesentlichen auf eine Rechtfertigung der sinnvollen Facharbeiterausbildung für einen Großteil der Heranwachsenden mit der Ermöglichung eines Hochschulzuganges hinaus, während für die Negativauswüchse zur Benachteiligung der Schwächeren in Warteschleifen und Übergangssystemen der Kompetenzmangel der Schulabgänger, also die Defizite der allgemeinen Schulen (s. PISA-Studien) verantwortlich gemacht werden. Statt der Akzeptanz einer Kernreform wird das Berufsbildungsreformgesetz von 2005 mit Optionen der Weiterentwicklung ins Feld geführt. Als Zeugen der Gegenwart treten noch Arbeitgeber und Ausbilder auf und beklagen den angeblich Produktivität mindernden Berufsschulunterricht, indes müssen sie auf Befragung zugeben, dass eine Berufsausbildung Aufstiegschancen schafft. Die Gewerkschaftssekretärin der IG Metall tritt als Zeugin der Anklage auf, weil das System der dualen Berufsausbildung heute nicht mehr funktioniert, insofern die Arbeitgeber zu wenige Ausbildungsplätze anbieten, aber die alternativen schulischen Ausbildungen zu wenig anerkennen – trotz Mitspracherecht der Gewerkschaften als Sozialpartner. Als Zeuge gegen das Duale System sagt gleichfalls ein Lehrer aus, weil es ein Auslese-System ist und die Nichtausgebildeten gesellschaftlich benachteiligt. Außerdem kritisiert er die Unterrepräsentation der Berufsschule und die Nichtanerkennung der schulischen Leistungen durch die IHK, obwohl die Berufsschule eine Kompensationsfunktion für die Betriebe und gesamte Gesellschaft einnimmt. Einen Höhepunkt stellt der Zeugenauftritt des idealtypischen Auszubildenden (im 3. Ausbildungsjahr) dar. Dieser – (als einfallsreicher Gag) scharf auf das Zeugengeld – schildert anschaulich und realistisch, wie sich in einer funktionierenden dualen Ausbildung beim Konstruieren und Fertigen von Toren die Lernorte Betrieb und Berufsschule zum Nutzen aller Beteiligten sinnvoll ergänzen. Der Zeuge Mustafa Ökmen, 1991 in Gelsenkirchen geboren, mit 18 Jahren die Hauptschule abgeschlossen, hat infolge seines Migrationshintergrundes vergeblich an die 100 Bewerbungen geschrieben, um eine Ausbildungsstelle zu ergattern, und illustriert die Grenzen und Fragwürdigkeiten des Dualen Systems. Schließlich bietet die Verteidigung noch Prof. Dr. Gerald Heidegger als Sachverständigen auf, der zur Leistungsfähigkeit des Berufsausbildungssystems befragt wird und auf Unsicherheiten bei den gesellschaftlichen Messgrößen, etwa in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung, verweist, sodass er letztlich einen Misserfolg nicht ausschließen kann. Indes tritt er für eine Kombination von Maßnahmen zur Reform des Dualen Systems ein bis hin zur Stärkung schulischer Ausbildungen. In seinem Abschlussplädoyer klagt der Staatsanwalt das Duale System als Einrichtung von gestern an, das Ungerechtigkeit am laufenden Band produziert, zu wenig zur Entwicklung eines mündigen Menschen beiträgt und nicht den Anforderungen von morgen genügt. Demgegenüber beruft sich der Verteidiger auf Tradition und gesellschaftliche Akzeptanz und zieht den Schlüsselbegriff „Qualitative Mindeststandards“ als Ass aus dem Ärmel, womit er den staatlich anerkannten Facharbeiter-Abschluss meint, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet und in der ganzen Welt als Synonym für höchste Qualität gesehen wird. Am Ende sprechen sich die Geschworenen bis auf zwei Ausnahmen für eine uneingeschränkte Unterstützung des Dualen Systems aus und der Richter verkündet den Freispruch in sämtlichen Anklagepunkten.

Mit dem Urteil der Geschworenen muss man nicht einverstanden sein. Doch hat der Prozess Licht ins Dunkel der Berufsbildungsproblematik und Klarheit in die Positionen der berufsbildungspolitischen Akteure gebracht. Der Nebel der Geschichte (und der Dunst vor dem Gerichtssaal) hat sich gelichtet und der Gerichtsreporter sinniert darüber, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist und die Verlierer in die Revision gehen könnten. Die Leser oder Zuhörer dürfen sich darüber Gedanken machen, was Wahrheit ist, wie Recht und Gerechtigkeit aufeinandertreffen und ob das Urteil für die Zukunft bestehen kann. Diese inhaltliche Bestandsaufnahme – im Stück facettenreich ausgestaltet und ironisch zugespitzt – verdeutlicht die Perspektivenvielfalt und Mehrschichtigkeit der behandelten Thematik und verweist auf den großen Adressatenkreis der von der Berufsausbildungsfrage mittelbar und direkt Betroffenen, für die das Schauspiel wichtig und interessant dürfte: Ausbildungsaspiranten, Auszubildende, Ausgebildete, Ausbilder, Unternehmer, Gewerkschafter, Lehrer/-innen, Hochschulrepräsentanten, Bildungspolitiker, engagierte Bürger. Darüber hinaus spricht es mit seiner Originalität besonders Studierende, Referendare, in der Lehrerausbildung Tätige an.

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Tags: berufsausbildung, berufspädagogik, duales system, gerichtsprozess, schauspiel   (5)
 
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