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97 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

frankreich, mord, schuld, beklemmend, roman

Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608981063
Genre: Romane

Rezension:

Kurz vor Weihnachten verschwindet 1999 in der Kleinstadt Beauval der sechsjährige Remi. In der wegen einer drohenden Fabriksschließung ohnehin schon angespannten Atmosphäre droht die Stimmung nun endgültig überzukochen. Als der Junge nicht schnell wieder auftaucht, sind die ersten Anschuldigungen rasch bei der Hand. Antoine, der doppelt so alte Sohn der Nachbarin, hat Remi als letzter lebend gesehen. Was weiß er über dessen Verbleib? Nach drei Tagen vergeblichem Suchen fegt ein Jahrhundersturm über das ansonst so beschauliche Städtchen. Danach ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Pierre Lemaitre gelingt das Kunststück ein Menschenleben auf knapp 270 Seiten zu erzählen. Dabei beschränkt er sich auf relativ kurze Zeiträume in den Jahren 1999, 2011 und 2015. Trotzdem weiß der Leser, wie das Leben von der Hauptperson Antoine bis zu seinem Tod verlaufen wird. Überraschungen gibt es keine mehr, der Weg ist vorgegeben und mögliche Abzweigungen sind kategorisch ausgeschlossen.

Gleichzeitig hat man ein psychologisches Sittenbild einer biederen Kleinstadt in den Händen. Nur an der Oberfläche eine zusammenhaltende Gemeinschaft, überwiegen Engstirnigkeit, kleingeistliches Denken und die Bereitschaft, rasch einen möglichen Schuldigen zu verurteilen, bei der Mehrzahl der Bewohner. Beauval zeichnet sich durch nichts aus. Es ist so alltäglich und banal, dass es überall in der Welt angesiedelt sein könnte.

Der Autor beschreibt nur. Er nimmt keine Stellung, versucht niemanden in ein besseres oder schlechteres Licht zu rücken. Das Denken und das moralische Abwägen der unterschiedlichen Handlungen überlässt er dem Leser. Dieser soll sich getrost seine eigenen Meinung bilden, unbeeinflusst von Lemaitres eigener Sicht der Dinge. Dabei ist sein Stil unprätentiös und nüchtern, passend zu der Intention, in keinster Weise auf den Leser einzuwirken.

Störend ist hingegen die stellenweise Übersexualisierung. Der 12jährige Antoine beginnt schon in diesem Alter manche Frauen rein auf den Sex zu reduzieren. Dabei macht er sich Gedanken, die ich einem Jungen in den Alter einfach nicht zutraue. Der Anblick der trauernden Schwester von Remi lässt ihn gleichzeitig an Sex und Scheitern denken, wenig glaubwürdig für einen Jungen, der bis jetzt seine Zeit mit dem Bau eines Baumhauses in einem Wäldchen verbracht hat. Auch später nimmt Sexualität einen übergroßen Raum in Antoines Leben ein und zwar in einem Ausmaß, dass sie seinen weiteren Weg ebenso sehr beeinflusst wie die Geschehnisse zu Weihnachten 1999.

Die Handlung ist fesselnd, sie wirkt realistisch und weist nur wenige bis fast gar keine Lücken auf. Daher kann man am Ende der Lektüre das Buch trotz des oben angesprochenen Schwachpunktes mit einem befriedigenden Gefühl schließen, so man denn an Lemaitres distanzierter Erzählweise Gefallen findet.

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freudenhaus, halbling, divergenz, krähen, zwerg

Tote Helden

Michael Peinkofer
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492703420
Genre: Fantasy

Rezension:

Was passiert mit den Helden, wenn ihre Aufgabe erledigt und die Welt gerettet ist?  Werden sie gefeiert und leben von dann glücklich und zufrieden an ihr Lebensende oder sinken sie zur Bedeutungslosigkeit herab und werden bestenfalls in fernen Zeiten liegenden Legenden gewürdigt? Dieser spannenden Frage geht Michael Peinkofer in seinem neuen Fantasyzyklus „Die Legenden von Astray“ nach. „Tote Helden“ ist der Auftakt der Reihe.

Der Kontinent Astray wird seit 37 Jahren von einem gewaltigen Abgrund, genannt der Abyss, getrennt. Entstanden beim Sturz eines Tyrannen, der die Völker in seiner Umklammerung hielt, führt er nicht nur zu einer geografischen Trennung, sondern auch zu einer tiefen kulturen und sozialen Kluft zwischen den beiden Hälften. Auf der einen Seite gibt es die fanatische Sekte des Feuerkults, die jeden Andersgläubigen sofort in Flammen aufgehen lässt. Auf der  anderen Seite sind die nicht minder gefährlichen Exekutoren unterwegs, die unbarmherzig jeglichen Glauben an Magie beziehungsweise Aberglauben ausmerzen.

In dieser explosiven Grundstimmung machen sich aus unterschiedlichen Gründen die verschiedenen Dramatis Personae auf den Weg. Da gibt es den Halbling Lorymar, der von Albträumen gequält wird und sich von einer geheimnisvollen „Sie“ Hilfe erhofft. Den Sänger Rayan zieht es ebenfalls zu einem bestimmten Ziel. Er ist der einzige, der die alten Legenden noch kennt und die Erinnerung an sie am Leben erhält. Ihm ist der Exekutor  Thorgon-Syn auf den Fersen, der ihn für den Mord an einem Ordensangehörigen zur Rechenschafft ziehen möchte und auch aus anderen Gründen eine große Gefahr in Rayan sieht.

In kurzen Kapiteln werden die einzelnen Handlungsstränge aufgenommen. Sie machen neugierig und verführen zum Weiterlesen. Manche Wendungen lassen sich erahnen, andere kommen völlig überraschend. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und haben viele Facetten. Auf Schwarz-Weiß-Malerei wird verzichtet, es finden sich im Gegenteil viele Grauschattierungen. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten, die Taten der Protagonisten sind stringent und erklären sich sowohl aus ihrer Persönlichkeitsstruktur als auch aus ihrer Geschichte.

Manche Elemente mögen an bekannte Fantasy-Serien erinnern. Parallelen zu ziehen oder den Vorwurf des Plagiats zu erheben, ist aber zu kurz gegriffen. Die einen wollen im Halbling Lorymar eventuell Tyrion Lancaster erkennen. Andere empfinden seine Erscheinung und Teile seines Charakters als Hommage an Wilhelm Hauffs „Der kleine Muck“. Wer genau hinsieht, kann Dickenssche Elemente erkennen. Fakt ist, dass es in der Literatur in jedem Genre Werke gibt, an denen sich nachfolgende Bücher messen (lassen) müssen und niemand das Rad neu erfinden kann. Wichtig ist, was daraus gemacht wird. Peinkofer gelingt definitiv eine eigenständige Welt, die gut ausgearbeitet und fesselnd ist.

Wie bei jedem Auftakt werden viele Fragen aufgeworfen und nicht alle beantwortet. So manchem mag dabei zu viel offen bleiben, andere werden durch den ordentlichen Cliffhanger erst so richtig angefixt.

 


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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

meer, wal, montauk, familie, wale

Als das Meer uns gehörte: Roman

Barbara J. Zitwer
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841212757
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die erfolgreiche Schuhdesignerin Tess führt scheinbar das perfekte Leben. Ihre Schuhkollektionen sind gefragt, Ehemann Adam, der seit Jahren in einem tiefen Karriereloch steckt, kümmert sich liebevoll um den gemeinsamen Sohn Robbie. Der taube Junge ist wohlgeraten und der Stolz seiner Eltern. Dank einem Cochleaimplantat  ist er nicht beeinträchtigt, kann hören und sogar seine große Musikalität uneingeschränkt ausleben. Als Tüpfelchen auf dem I springt Freundin Nia ein, wenn Not am Mann ist und sorgt dafür, dass Robbie mit selbstgemachten Köstlichkeiten bei Schulveranstaltungen auftrumpfen kann.

Als Adam eines Tages willkürlich von einem Gangmitglied ermordet wird, bricht Tess´ Welt in sich zusammen. Plötzlich muss sie erkennen, dass sie in einer Illusion gelebt hat. Ihre Ehe stand nicht auf dem soliden Fundament, wie gedacht, und Robbie hat keinerlei Beziehung mehr zu ihr. Um das Verhältnis mit ihm zu verbessern, zieht sie mit ihm zu ihrem Onkel Ike nach Montauk. Sie hofft, dass die Ruhe abseits vom hektischen New York und das Meer, die Stille zwischen ihnen beiden aufbrechen und zur Heilung ihrer Wunden führen wird.

Barbara J. Zwitter nimmt sich eines ernsten Themas an. Wie verkraftet eine Familie den gewaltsamen Tod eines Mitglieds, wie definieren sich die Beziehungen zueinander neu und wie kann dieses Trauma gemeinsam überwunden werden? Gleichzeitig möchte sie ihre Liebe zu dem real existierenden Örtchen Montauk schriftlich festhalten. Ihre Ambitionen sind hoch, ihr Scheitern (fast) genauso.

Es gelingt ihr die Schönheit von Montauk festzuhalten, beim Lesen wünscht man sich sofort an diesen Ort, der anscheinend die Fähigkeit hat, Menschen wieder zur Ruhe kommen zu lassen. Die Naturbeschreibungen sind gelungen und besonderen Charme haben die Episoden am Meer.

Leider gleicht der Roman zu sehr einem auf Hochglanz getrimmten Fernsehfilm vom Hauptabendprogramm. Szene reiht sich an Szene, dazwischen gibt es große inhaltliche und logische Lücken. Die Figuren bleiben flach, sind schablonenartig und besitzen kein Leben. Statt Tiefgang erwartet den Leser ein kitschiges Melodram, das jedes Klischee mitnimmt und auf billige Effekthascherei setzt. Handlungsstränge werden angerissen und nicht weiter geführt, willkürliche Ereignisse bringen den Inhalt nicht voran und lassen den Leser ob ihrer Bedeutung oder eben nicht Bedeutung ratlos zurück (so er sich überhaupt Gedanken darüber machen möchte). Noch schlimmer ist allerdings, dass Einiges, was vorgesetzt wird, nicht auf seine Glaubwürdigkeit hinterfragt werden sollte, um nicht vollends den Spaß an der Lektüre zu verlieren.

Als positiv kann gewertet werden, dass sich das Buch flott liest. Ob das wirklich ein Pluspunkt ist, sei aber dahin gestellt. Denn so schnell der Roman gelesen ist, so schnell ist er wieder vergessen.

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