elizagamais Bibliothek

8 Bücher, 8 Rezensionen

Zu elizagamais Profil
Filtern nach
8 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

"huch":w=1,"phantastische poesie":w=1,"surreallismus":w=1,"jeu littéraire":w=1

Play Huch

René Sommer , ib-lyric artfactory
Flexibler Einband: 60 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 09.07.2018
ISBN 9783752820379
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Tagträumend strickt der fiktive Dichter Johann Sebastian Huch ständig an seiner Identität. Ist er eine Giraffe aus Yoghurtgläsern, eine Regenbogenschlange oder ein Krokodil, das Harfe spielt? Für Huch, und das gilt wohl auch für René Sommer, ist der Mensch das erzählende Tier, das unzählige Geschichten zu einem Gedicht verwebt, eine Maus, die sprechen lernt, oder hundert Hände, die ein Papierklavier zum Klingen bringen mit einem Sound, der in den Ohren der Lesenden nachklingt, eigene Träume, eigene Bilder weckt.
Immer anders und überraschend gelingt Sommer der Übergang zu einer fantastischen Welt, in welcher die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind, Elefanten schweben, und der Philosoph Ludwig Wittgenstein meterlange Stapel von Plastikbechern balanciert.
Die Gedichte verwandeln die Welt in ein durchziehendes System, durch das Energie fließt. So fährt in einem Text ein Zug aus den Wellen und entführt die Menschen, die in einer negativen Gedankenwelt gefangen sind.
Sind die Texte visionär? Enthalten sie Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit? – Möglicherweise verkörpern sie in reinster Weise das, was der Autor René Sommer Jeu littéraire nennt, ein Spiel mit den Möglichkeiten der Literatur und der Sprache, als gäbe es am äußersten Rand des Literatursystems ein Naturschutzgebiet mit riesigen Schmetterlingen.

  (0)
Tags: huch, jeu littéraire, phantastische poesie, surreallismus   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

einfallsreich, surreale elemente

Das Mädchen mit rotem Hut

René Sommer , ib-lyric artfactory
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 18.04.2018
ISBN 9783752814132
Genre: Romane

Rezension:

Wenn die Menschen tun, was sie natürlich niemals tun, nämlich sich auf ganz einfache Handlungen beschränken und sich dabei gegenseitig helfen und unterstützen, ergibt sich ein seltsamer Verfremdungseffekt, der eine ganz neue Art des Erzählens hervorbringt. Die Figuren in René Sommers Kurzgeschichten sind nicht von der Frage umgetrieben, welche Bedeutung sie haben und wie ihre Handlung zu bewerten sei. Auch das Unwahrscheinlichste wirkt logisch, wenn sie es gemeinsam gestalten. Ein Heuballen aus Plastiktrinkhalmen kann Diamanten enthalten, deren Farben mehr Interesse als der Wert weckt. Beim Versuch, eine Logik zu finden, gewinnt der Leser den Eindruck, der Eroberung des Nutzlosen beizuwohnen. Ein Song, den die Figuren vergeblich in der Jukebox suchen, entdecken sie auf der Hose eines Ruderers in Noten gedruckt. Obwohl die Geschichten surreal erscheinen, ist jede Handlung der Figuren unter der Glasglocke des Absurden folgerichtig, als würden sie den Regeln eines Spiels folgen, das einen faszinierenden Einblick in die Welt der Träume öffnet.
Der Autor René Sommer wechselt mit leichter Hand zwischen Beobachtung und Imagination. Während er die kleinste Regung seiner Figuren genau beschreibt, lässt er sie in ein Labyrinth geraten. Wenn sie eine Tür öffnen, erschließt sich ihnen ein neuer Raum, der an jeder Wand mit einer neuen Tür bestückt ist. Leser finden sich in der Gewissheit bestärkt, dass die Welt der Kunst immer auch eine Welt des Traums ist.

  (0)
Tags: einfallsreich, surreale elemente   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

jeu littéraire, phantastische prosa, surrealismus

Woanderswoher

René Sommer , ib-lyric artfactory
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 31.01.2018
ISBN 9783746080826
Genre: Romane

Rezension:

Beständig flattierend zwischen Märchen und Traum, absurden und poetischen Bildern lässt der Autor im Roman „Woanderswoher“ eine neue Erzählkunst entstehen, die von Anfang bis Ende drastisch vor Augen führt, dass die Wirklichkeit etwas ist, das Menschen gemeinsam erfinden. Der Protagonist Johann Sebastian Huch spaziert durch eine virtuelle Realität, in welcher sich Träume erfüllen, bevor sie gewünscht werden. Wenn eine Frau beispielsweise den Spaziergänger bittet, ihr den Hut zu halten, findet sich ein goldener Hutständer ein. In dieser Huch-Welt ist alles künstlich genug, um echt zu wirken. Eine alte Matratze steigt wie ein fliegender Teppich auf, trägt Huch zu einer unbekannten Insel. Zusammenhänge, die unlogisch erscheinen, das Nicht-Erfahrbare, ganz allgemein das Absurde werden in René Sommers Roman so selbstverständlich erzählt, als hätte man nur die Augen öffnen müssen, um sie zu entdecken. Wale schweben am Himmel, haben bunte Kimonos im Bauch und dienen den Menschen als Umkleidekabinen. Wie wäre also unsere Welt beschaffen, wenn wir andere Blickwinkel und Betrachtungsweisen zulassen? Sämtliche Figuren im Roman geben darauf eigene, oft kuriose und einfallsreiche Antworten, denn der Autor scheint überzeugt, dass wir Menschen letztendlich das Gespür und die Gewähr von uns selbst und einer Vielfalt von möglichen Denkweisen im scheinbar belanglosen alltäglichen Da- und Sosein, unablässig im gemeinsamen Dialog und stets wechselseitig handelnd bewirken, bezeugen und neu erfinden.

  (0)
Tags: jeu littéraire, phantastische prosa, surrealismus   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

eigenwillig, surrealistisch

Das Popcorn und die Vögel

René Sommer , artfactory ib-lyric
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 11.10.2017
ISBN 9783744864756
Genre: Romane

Rezension:

“Das Popcorn und die Vögel“ enthält 25 Kurzgeschichten, in welchen die Schlüsselfigur, namens Johann Sebastian Huch, abseits gekiester Wege eigenwillig herumstromert. Einladungen zum Mitfahren nimmt er selten an. „Im Auto zieht die Landschaft viel zu schnell vorbei. Ich gehe lieber zu Fuß“, sagt er einmal.
Obwohl er Zickzackwege beschreitet, hat er einen aufrechten Gang, als wollte er mit geradem Rücken gegen Vereinnahmungen aller Art protestieren. Als ihn eine Frau erstaunlich findet, antwortet er: „Alle Menschen sind erstaunlich.“
In den Geschichten finden sich auch Rätsel und Träume. Ein Roboter füllt im Areal einer stillgelegten Fabrik eine Halle mit so vielen Ballons, dass sie aufsteigt und sich im tiefblauen Himmel verliert.
René Sommer kreiert eine betont anschauliche und bilderreiche Sprache, die ganz neue Möglichkeiten eröffnet und zum Staunen verführt. Wer „Das Popcorn und die Vögel“ liest, macht auf seltsame Weise die Erfahrung, noch Tage später sich selbst in einer Art „Huch“-Geschichte wieder zu finden. Gerade so, als verfügten wir Menschen über viele Teilidentitäten, die erst zum Vorschein kommen, wenn wir die Ereignisse und uns selbst sorgfältig erkunden.
Lesende, die Gefallen finden durch eine Welt voll unwirklicher Bilder zu reisen, mögen zu ihrer Überraschung einen unbekannten Kontinent eigener Sinn- und Traumwelten entdecken. 

  (1)
Tags: eigenwillig, surrealistisch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

humorvoll, surrealistisch, überraschend

Fontane denkt an Afghanistan

René Sommer
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Frieling & Huffmann, 01.11.2010
ISBN 9783828028791
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

René Sommer versteht es meisterhaft, die Poesie mit Pop zu unterwandern und verkrustete Formen aufzubrechen. Trotzdem hat der Dichter aus dem schweizerischen Jura mehr mit Theodor Fontane gemeinsam, als klassisch geschulte Lesende ahnen würden: Das Zusammenstoßen von Alltäglichem und Skurrilem bringt auch in Fontanes Gedichten, vor allem in den Balladen überraschende Wendungen hervor. Poesie ist wirklich eine andere und wunderbare Art von Sprache. Beim Lesen in René Sommers Gedichtband „Fontane denkt an Afghanistan“ gibt es eine Fülle von eigenwilliger Sprachkunst zu entdecken. Der fiktive Dichter August Abegg bildet eine Art Untergrund, eine Welt außerhalb des Mainstream:

... August Abegg spaziert immer tiefer in den jurassischen Urwald hinein, bis der Blick auf Häuser und Straßen und das ferne Grollen der Zivilisation vollkommen verschwunden sind.

Seine surrealen Gedichte verraten die Grotesken der Populärkultur, von denen er sich beeinflusst sieht. Sie soll den Übergang von der alltäglichen äußeren Welt in den surrealen Bezirk des kollektiven Unbewussten erfahrbar machen:

... Abegg reißt das Bild
des dicken goldenen Buddhas
aus einem Reiseprospekt,
klebt es über eine Postkarte.
- John Lennon Airport,
wir sind gelandet.

Poesie in der Nachbarschaft von archetypischen Träumen und Bildern könnte beim ersten unvertrauten Lesen unglaubwürdig wirken. Sommer setzt Unglaubwürdigkeit als Konstruktionsprinzip ein. Seine Freude am Unsinn bringt eine eigene Logik hervor, die in sich stimmig ist und sowohl der Sprachphilosophie als auch der Erkenntnistheorie neue und überraschende Felder öffnen:

... Abegg ist
in der richtige Straße ausgestiegen,
stellt dann aber fest,
in der falschen Stadt.

Sommer hat keine Lust die Dinge, die ihm in der Literatur fehlen, zu suchen. Er hat sie stattdessen selbst verwirklicht. Die Lesenden mögen staunen, welch surreale Personen- und Dingwelt ihnen in „Fontane denkt an Afghanistan“ begegnet – eine Bereicherung ihres Lebens wird die Lektüre alleweil.

... In der Nähe des St.-Matthäus-Friedhofs,
wo die Gebrüder Grimm begraben liegen,
fällt die Musik wie Farbtupfer
in eine Bleistiftwelt.

Was die Lektüre besonders anregend und spannend macht, ist die überraschende Art und Weise, wie Sommer etwas vom Wesen einer Figur erfasst und in originelle Bilder umsetzt:

... Abegg legt Fotoapparate
in die rostigen Autos.
Die Zeit festzuhalten,
versucht er vergeblich.

René Sommer setzt aus einzelnen Wörtern, die ihn faszinieren, eine eigene Welt zusammen. Sie sind für ihn wie Bausteine voll Musik, „die aus dem Helllaut strömt“, Klicken und Klappern, „das aus halb geöffnetem Mund beim Bilden der Konsonanten dringt“. Mit großer Kunst balanciert er in den Gedichten auf der Trennlinie des Realen und des Surrealen. Im Text „Das erste Bild von Andy Warhol“ lässt er den amerikanischen Künstler mit der Romanfigur Emma Bovary am Waldrand picknicken. Die Farben malen ein Tischlein, das von selbst Speis und Trank hervorzaubert. Das Sandwich, das dabei entsteht, beschreibt Sommer so real, dass die Lesenden die herausquellende Pampe aus Avocadocreme und Tomatenwürfel fast riechen können. Und so ist jedes einzelne Gedicht ein Genuss, aus einer überraschenden Wendung der Sprache hervorgezaubert.

  (1)
Tags: humorvoll, surrealistisch, überraschend   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fantasievoll, humorvoll, poetisch, spielerisch

Schwarzer Prinz und Grünes Zebra

René Sommer
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Frieling & Huffmann, 01.10.2011
ISBN 9783828029705
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Im Gedichtband „Schwarzer Prinz und Grünes Zebra“ steigert der Dichter René Sommer die Sprache ins Groteske und Widersinnige und lässt sie dann wieder so einfach daher kommen, dass sie aus einem Comic stammen könnte.

Schon früh, als Fünfjähriger beschloss Sommer, Dichter zu werden. Etwas später, bei der Betrachtung von Tierfilmen im Fernsehen hatte er die Idee, dass sich die Dichter eher wie scheue wilde Tiere verhalten, denen die Menschen keine Vorschriften machen können, weil sie ein vollkommen anderes Leben führen, das mit der westlichen Zivilisation, ihrem Optimierungsdiktat und der ins Unermessliche gesteigerten Massenproduktion nur wenig zu tun hat. Wie Comiczeichner Figuren erfinden, malt sich Sommer für jeden Gedichtband einen fiktiven Dichter aus und versucht, seine Person näher kennenzulernen. Im Gedichtband „Schwarzer Prinz und Grünes Zebra“ ist es der Dichter Leon Brentani und seine Seifenblasenmaschine, welche die Wörter aufbläst, schweben und schillern lässt,

... bevor sie platzen, in Buchstaben zerfallen,
unordentlich herumliegen,
eine krakelige Schreibschrift bilden.

Sommer erkannte, dass die Popkultur ein länder- und generationenübergreifendes Phänomen des kollektiven Unbewussten geworden ist:

... Stellt euch John Lennons wunderbare
Rickenbakker-Gitarre im Automaten vor.“

Nichts zieht Leon Brentani stärker in die Welt der Sprache hinein als die Möglichkeit, jeden Moment auf kleine Einfälle reagieren zu können und somit in ihr lebendig zu werden. Die überraschenden Wendungen generieren Archetypen, Bilder und Erfahrungen, die zwar überall auf der Welt gemacht werden, aber nur selten in sprachlicher Form ins Bewusstsein dringen. Dabei überträgt Brentani die Modalitäten des Gameplays auf das Schreiben eines Gedichts:

... Vor jeder Weggabel entscheidet
der Münzwurf darüber,
ob er nach rechts geht oder links.

Ein typisches Motiv seines Werks ist die Existenz einer möglichen Welt. Mögliche Welten gibt es beim deutschen Philosophen Leibniz oder beim amerikanischen Logiker und Philosophen Saul Kripke. Bei René Sommer ist die mögliche Welt indes etwas ganz Nahes und Greifbares, auch wenn er das Unwahrscheinliche mit den Gesetzen des Alltags kombiniert.
Es gibt in seinem Gedichtband „Schwarzer Prinz und Grünes Zebra“ immer zwei Wirklichkeiten und ein besonderes Tier, das sie verbindet:

... Der kleine Papagei,
der mit wenigen Wassertropfen im Schnabel
den Waldbrand löscht,
setzt sich auf seine Schulter.

René Sommers Gedichte, die Mythologie, Philosophie und Alltagskultur vermengen – surreal bis pop-artig, lassen immer wieder neue Ebenen aufscheinen, sooft man sie liest. Alle Lesenden werden ein sehr persönliches Verhältnis zu diesem Buch gewinnen und eine eigene Vision, wie poetisch das Leben sein kann, wenn sich die Fantasie von der Entwertung durch die Massenkultur befreit.

  (1)
Tags: fantasievoll, humorvoll, poetisch, spielerisch   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

einfallsreich, funny humorvoll, originell

Chinesische Mauer trifft Wall Street

René Sommer
Flexibler Einband
Erschienen bei Frieling & Huffmann, 01.09.2012
ISBN 9783828030763
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Überraschende Figuren sind in Comics und Trickfilmen zwar üblich, doch selten erschien das Zusammenleben zwischen Menschen und Tieren in Gedichten so surreal und traumartig vielschichtig wie in René Sommers Gedichtband „Chinesische Mauer trifft Wall Street“.

Die Gedichte führen in eine Welt aus bunten Tieren und zahlreichen Figuren, die mit den Energien der Neugier und der Kraft der Imagination den Zugang zu allen popkulturellen Phänomenen der Menschheit öffnen.
Sommer hat eine höchst eigenwillige Weise, Gedichte zu schreiben. Er fixiert eine Idee niemals begrifflich oder spricht sie aus, sondern setzt sie in Bilder um. Die Neigung zum Irrealen ist die logische Folge dieser Umsetzung. Er erfindet den Dichter Johann Sebastian Huch, der die Sprache so präzise bearbeitet, als wäre sie die Stimme in einer Partitur, Note für Note. Dieses unablässige Ringen verändert sein Denken, krempelt die Wahrnehmung um, bestimmt das Leben: Comics, Träume, archetypische Figuren aus allen Bereichen der Popkultur, der Literatur und der Kunst brechen das einseitig konsumorientierte Weltbild auf und schaffen Raum für Fantasie und Kreativität, in welchem die Lesenden den ganzen Reichtum und die Farben verschiedener möglicher Welten erleben.
Sommer sieht die Welt mit den Augen fliegender Tiere und erschließt den Lesenden ganz neue Sichtweisen. „Chinesische Mauer trifft Wall Street“ zu lesen, ist fast, als würde man hellwach in einen Traum geraten, wo die verglasten Türen der Bücherschränke in Spinnweben verschwinden und in Seifenblasen davonschweben:

... die Gedanken und Buchstaben,
die im Kopf der Lesenden entstehen,
wenn die fallschirmspringende Ratte kommt.

Die Sprache Sommers, seine Wendungen, die eigene Gedichtform, der Rhythmus, die Lautmusik sind erfrischend ungewohnt. Er schreibt im Gedicht „Wenn Wörter sprechen können“:

... Im Kraftfeld der Wörter hört er
vor allem mit den Augen.

Die Lektüre verführt zu einem geistigen Abenteuer. Die Lesenden beginnen mit einem Gedicht und sind ein paar Augenblicke später in einer völlig anderen Dimension. Wie in einem Traum dauert es geraume Zeit, bis man merkt, dass bei der einfachen Sprache, die fast alltäglich daherkommt, dauernd leicht die Perspektive verschoben wird, bis man sich unversehens in Huchs fantastische Welt verirrt hat. Alle Details sind so vernetzt durchdacht, bis das Rätselhafte völlig selbstverständlich wirkt:

... Statt Gold regnen Notenblätter
aus dem Konzertflügel herab, der kopfüber
mit halb geöffnetem Deckel und den Beinen nach oben,
wie ein gefesselter großer Vogel
über der Wall Street hängt.

Sommers Poesie befreit die Musik und die Sprache aus den Fesseln des Konsumwahnsinns. Alle Lebewesen und Dinge stehen ja nicht ausschließlich im Verhältnis zu den Verbrauchenden. Sommer sprengt die Mauern und Wälle, welche das Denken begrenzen, und gibt den Dingen ihre Autonomie zurück. Und wenn Huchs Welt wie eine Verkettung von lauter Unwahrscheinlichkeiten wirkt, so ist das ganz im Sinn seiner Philosophie und macht „Chinesische Mauer trifft Wall Street“ zu einem höchst lesenswerten Buch.

  (0)
Tags: einfallsreich, funny humorvoll, originell   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

einfallsreich, funny humorvoll, originell, e

Das Cis von San Francisco

René Sommer
Flexibler Einband
Erschienen bei Frieling & Huffmann, 01.09.2013
ISBN 9783828031562
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Der schweizerische Schriftsteller René Sommer fand in seinen Gedichten zum eigensinnigen Ton seiner Werke. Wer aber nur ein wenig in René Sommers Dichtwerk eintaucht, weiß: Die fiktive Figur des Johann Sebastian Huch, die in mehreren Werken auftaucht, ist weit mehr als eine fiktiver Sprachspieler. Huch ist ein Philosoph - und ein Humorist. Er gibt sich auch im 18. Gedichtband höchst originell und einfallsreich. Sommer nutzt die kurze Form der Gedichte, um sich eine Welt zu erfinden, die frei ist von literarischen Traditionen. Er musiziert mit der Sprache in Musik, spielt mit den Wörtern und ihren mehrfachen Bedeutungen. Dabei erzeugt er den ganz eigenen Sommer-Sound zwischen Surrealismus und einer die Logik achtende Vorstellung, wie die Realität beschaffen sein könnte. Er durchbricht die Schranke zwischen der bewussten Wahrnehmung und der Welt der Träume, des kollektiven Unbewussten, dringt zu einer eigenen Wirklichkeit vor, der „möglichen Welt“, in welcher sein Protagonist Huch zu Hause ist. Sein komplexes Spiel mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten erzählt von Robotern, die einen Konzertflügel zertrümmern, einer Seifenblase, „die über grüne Berge zu den Wolken steigt“, und „Stimmen aus einer anderen Welt“, und klingt dabei immer höchst menschlich, einfühlsam und erstaunlich klar, als wäre alles Absurde alltäglich und greifbar. Es kommt vor, dass Dichter und Komponisten in einem Comic oder Trickfilm erscheinen. Das bekannteste Beispiel ist der Zeichentrickfilm „Fantasia“ von Walt Disney, der Werke von Johann Sebastian Bach, Stravinski, Goethe und Beethoven popkulturell interpretiert. Comicfiguren mit großen Kulleraugen treten eher selten in Gedichten auf. Für den 1954 geborenen Dichter René Sommer, der mit Comics aufgewachsen ist, gehören sie so unverzichtbar zur Popkultur wie Woodstock, San Francisco, Jimi Hendrix, die Coladose oder Andy Warhol.

„Als Kind floh er in die Traumwelt der Bücher
und Comic, folgte dem Einhorn
tief ins Tunnellabyrinth präziser Erinnerungen.“

In seinem Waldhaus-Atelier schlummern nicht nur Gedichtentwürfe in Kartons, sondern auch Comics, wobei der fiktive Dichter Johann Sebastian Huch sozusagen der Archetyp der hybriden Kultur ist, die Sommers Werk auszeichnet. Schon der Name „Huch“ ist ein Hybrid aus dem Eigennamen Huch, bekannt durch die deutsche Philosophin und Dichterin Ricarda Huch, und „Huch!“ als vielzitierter Ausruf in Comics. In seinen Gedichten stecken Comics. Auch die Lesenden, die ein Gedichtbändchen mit Widmung erhalten, sind Comicfiguren, allerdings mit Worten gezeichnet wie die in einigen Gedichten auftretende „Americana Sunshine“. Comicartig stellt sich Sommer den Vertrieb der Gedichtbände vor. Sie sollen ab Hof verkauft werden wie Äpfel, Kirschen oder Eier. Der fiktive Dichter Huch treibt ein irritierendes Spiel mit Sommers Biografie, der früh als Kind begann, Gedichte zu schreiben und in Zeitschriften zu veröffentlichen. Das Sprachspiel, das an Wittgensteins Sprachphilosophie erinnert, lässt völlig offen, ob Sommer den Dichter Huch oder Johann Sebastian Huch den Dichter Sommer erfindet. Von Gedicht zu Gedicht wird Huch immer realer. Kameramann und Tontechniker machen die Filmaufnahme von Huch, wie er den Anfang des Gedichts und den verrätselten Titel von einem vergilbten Zettel im vogelzwitschernden Garten rezitiert. Nachts liegt er wach, sagt sich Gedichte vor, die er am Schreibtisch auswendig lernte. Schließlich ist sogar die für ihre Pragmatik bekannte Schweizer Post von Huchs Existenz überzeugt:

„Laut Schweizer Post ist Herr Huch
im Dorf persönlich bekannt.“

Seit er 6 Jahre alt war, bringt er Gedichte zu Papier. Bäume, Vögel, Wolken erscheinen so real wie der fliegende weiße Elefant, der möglicherweise dem kollektiven Unbewussten aus indischer Ferne entsprungen sein könnte – oder der Werbung für Erfrischungstücher. Für die möglichen Welten, in welchen sich Huch so sicher wie im vertrauten Wald bewegt, macht es keinen Unterschied. In der Rangliste der absonderlichen Dichter darf er einen der vorderen Plätze beanspruchen.
In einem Maisfeld findet Huch ein Schild mit der Frage: „Glaubst du an die heilsame Macht der Fantasie?“ – Wer sich einmal in Huchs fantastische Welt eingelesen hat, wird die Frage gewiss bejahen und immer neue Zugänge zur eigenen, individuellen Wirklichkeit finden.

  (0)
Tags: einfallsreich, funny humorvoll, originell, e   (3)
 
8 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.