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64 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 53 Rezensionen

berg, bergbau, debüt, eigenwillige bewohner, ein dorf am berg, hoffnungsvoll, landflucht, marie gamillscheg, melancholisch, nostalgisch, österreich, roman, schöne sprache, strukturwandel, touristen

Alles was glänzt

Marie Gamillscheg
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 19.03.2018
ISBN 9783630875613
Genre: Romane

Rezension:

Die bergige Natur spiegelt sich gleichermaßen im Auf und Ab der Menschen, die darin leben, lieben, hassen, zweifeln, wider. Zwar sanft doch zügig wird der Leser in die Handlung eingeführt. Gespannt und aufmerksam erklimmt er die Höhen, sieht in tiefe Schluchten. Wenn die Natur kollabiert, was geschieht dann mit den Menschen? Reue? Wie sensibel ist man als Leser? Wie tangiert einen das Leben anderer wirklich?

Viele Nebenschauplätze, dramatische, heitere und nachdenklich stimmende Begebenheiten. Ein Wechselbad der Eindrücke. Mal fesselnd, mal interessant aber auch mitunter banal und langatmig. Man nimmt es gern in Kauf, will man selbst doch wissen, was eigentlich geschah und vor allem, was mit den Dorfbewohnern in Zukunft geschehen wird.

Die gute alte Zeit. Vorbei. Doch wie mit der einschneidenden Veränderung umgehen? Gehen? Wohin? Bleiben? Wofür? Jeder Bewohner des kleinen Bergdorfes reflektiert sein Leben und das Miteinander. Charaktere und der Begriff Gemeinschaft werden so indirekt mit unter die Lupe genommen.

Nach außen hin ist der Roman daher eher handlungsarm. Der Hauptteil spielt sich in den Köpfen der Menschen ab. Ebenso ergeht es dem Leser, der sich auf einiges ganz allein seinen Reim machen muss. Die Autorin überlässt ihn ebenso seinen Gedanken, wie sie es bei den Protagonisten tut. Dieser Umstand wird zu manch Enttäuschtem führen, da nicht immer eine eindeutige Handlungsrichtung vorgegeben wird, macht den Roman aber zugleich wiederum speziell, wenn auch gewöhnungsbedürftig.

Ein Roman, bei dem man nicht alles vorgebetet bekommt sondern der dazu anregt, mit- und vor allem weiter zu denken. 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

achtsamkeit, alltag, arbeit, arbeitsplatz, entlastung, entspannung, job, kontakte, mindful, ratgeber, ruh, sachbuch, stressvermeidung, teamwork, work

Mindful@work

Ralf Braun
Geheftet: 200 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.03.2018
ISBN 9783608962369
Genre: Sachbücher

Rezension:

Achtsamkeit, das Achten auf sich selbst ist jedem bekannt, wenn auch nicht immer in der gleichen Intensität praktiziert. Bei der Achtsamkeit, die in diesem Buch vorgestellt wird, handelt es sich vorrangig um den Umgang mit meinen Mitmenschen, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit seinen Kollegen. Teamwork allerdings ist in der heutigen Arbeitswelt leider immer weniger gefragt. Die Kollegen sollen konkurrieren. In diesem Fall kann das Buch zumindest eine kleine Hilfestellung bezüglich des Ertragens bieten. Einiges ist in diesem Zusammenhang neu formuliert und berufsbezogen zusammengestellt, doch das meiste ist dem Leser bereits bekannt – Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, Umgang mit Stress, körperliche und seelische Gesundheit.

Leicht verständlich geschrieben, bereitet der Autor dem Leser einen raschen Einstieg in die Thematik. Ein Lesen hintereinander weg ist nicht unbedingt nötig, da jedem Leser situationsbedingt ja etwas anderes wichtiger ist als es nun die Reihenfolge des Buches vorgibt. Die wenigsten Leser werden sich allerdings an die vom Autor empfohlene Lese-Strategie halten.

Drei mal tief durchatmen ist nie verkehrt. Daher konnte auch ich sehr schnell die beispielsweise vorgestellten Atemübungen sehr gut in meinen Arbeitsalltag integrieren. Ein schnell wirkender positiver Effekt, von dem niemand etwas mitbekommt. Ebenso unauffällig kann man die Finger- und Körperübungen durchführen. Zum Teil sehr simple Handlungen, die man nun mit mehr Bewusstsein ausführt und von denen man nicht gedacht hätte, dass sie so wirksam sind, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Doch Vorsicht ist immer geboten, wenn es um Entschleunigen geht. Dies offensiv und offensichtlich für sich durchzusetzen, kann auch kontraproduktiv auf das Kollektiv wirken und das genaue Gegenteil bewirken.

Obwohl ein besseres Miteinander angestrebt wird, ist es doch fraglich, ob die aufgeführten Anliegen, wie bereits erwähnt, auch immer auf fruchtbaren Boden treffen. Jeder muss für sich lesen und verinnerlichen. Inwieweit dies dann auch wirklich in der Praxis anwendbar ist, bleibt jedem selber überlassen. Doch Achtung, wer nur allein achtsam ist, der steht bald an der Wand. Inwieweit das vermittelte Wissen das eigene Leben wirklich erleichtert, liegt nicht nur in der eigenen Hand. Es kommt auch immer auf die Mitmenschen an und eben besonders auf den Grad der Achtsamkeit, den diese praktizieren.

Leider ist dieser Ratgeber eher nur für Büroberufe geeignet. Postboten, Handwerker oder in ähnlichen Berufsgruppen Tätige werden damit kaum etwas anfangen können. Es wird kein Leben verändern, doch kann es den einzelnen Tag verbessern, wenn schon nicht auf Arbeit, dann in jedem Fall in seinem Privatleben. 

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69 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 67 Rezensionen

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halb zehn - das Frühstückskochbuch

Agnes Prus , Yelda Yilmaz
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Stiftung Warentest, 13.03.2018
ISBN 9783868514766
Genre: Sachbücher

Rezension:

Blättert man in diesem Frühstückskochbuch, scheint man schier die Qual der Wahl zu haben. Was es nicht so alles für leckere Möglichkeiten gibt, den Tag genussvoll zu beginnen. Doch das ändert sich schnell, sobald man genauer hinsieht. Jenseits von Milch und Müsli, Brötchen und Marmelade liegt ein reich gedeckter Frühstücktisch von süß bis herzhaft, von leicht bis reichhaltig, von kalt bis warm, wobei die Kapitelübersicht den Schwerpunkt nur vermeintlich auf süß(lich) legt. Die jeweiligen Zubereitungszeiten variieren ebenfalls sehr stark.

Die meisten vorgestellten Rezepte sind ohne besondere Küchenutensilien sowie mit Zutaten herzurichten, die es in fast allen Supermärkten zu kaufen gibt. Obwohl es sich „nur“ um die Zubereitung von Frühstück handelt, sollte man auch hierbei schon etwas Geschick und Kreativität aufzubieten haben, um sich nicht schon am morgens in Stress zu versetzen, sollen die Gerichte doch die Weichen in einen gelungenen Tag stellen. Das Frühstück soll zelebriert werden. „Halb zehn“ ist daher eher als eine Einladung zum gemeinsamen Frühstücken mit der Familie oder zum Brunchen mit Freunden an freien Tagen oder Wochenenden zu sehen, wird es doch nur unter diesen Gesichtspunkten seinen Zweck vollends erfüllen.

Brot und Brötchen selber backen ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Man darf das Familienoberhaupt also auch beruhigt erst einmal zum Bäcker schicken und in aller Ruhe weiterblättern und sich inspirieren lassen. Hier ist für jeden Appetit sowie jedes Geschmäckle etwas dabei. Meine persönlicher Favoriten sind Röstbrot mit Pfifferlingen und Comté, als Nachspeise Grießbrei mit Erdbeerkompott und ganz zum Schluss noch einen Haselnuss-Zimt-Latte. Hmmmmm!

Alle Rezepte werden kurz vorgestellt. Dann folgt die Zutatenliste, gefolgt von der Anleitung zur Zubereitung. Am Ende findet man die Nährwertangaben, die man sich bei manchen Gerichten besser nicht so genau ansieht. Genießer sind gefragt, keine Kalorienzähler. Die Fotos der fertigen Gerichte sind eher schlicht gehalten, wirken so aber recht stilvoll. 

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138 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

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Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.03.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon das kurze Vorwort hat es in sich. Die Weichen sind gestellt. Der Zug ist ins Rollen gekommen und mitreisen werden Angst, Verzweiflung, Hass und Willkür. Otto Silbermann wird dabei auf der Strecke bleiben. Dem Leser wird nichts erspart. Er geht den ganzen Weg mit ihm.

Anständiges Miteinander wird zum immer seltener werdenden gnädigen Abgeben und Dulden. Dankbarkeit und Ducken werden dafür erwartet. Der Leser ist schon ab der ersten Seite höchst alarmiert. Silbermann hingegen weiß sehr lange nicht, was mit ihm geschieht. Das Unheil kommt schleichend. Gedanken, Worte, Taten – geschürt und mit Rechtfertigung gestützt.

Zu allen Zeiten ist diese Saat aufgegangen. Verwirrend ist, dass man manche Argumente verstehen kann. Alles sind menschliche Reaktionen, charakterlich gesteuerte Verhaltensweisen. Beide Seiten wollen überleben, nur nicht auffallen. Gleichzeitig ist man schockiert, wie überzeugt jeder ist, genau das richtige zu tun. Beklemmende Realität.

Keiner hat etwas gesehen, keiner hat das gewollt. Das geht mich nichts an. Was sollten wir denn machen? Wir würde man selbst in derselben Situation handeln? Wäre man wirklich anders, wenn es um die eigene Sicherheit geht? Wegschauen oder aktiv mittun; beides führt zum gleichen Ergebnis. Nachbarn werden zu Feinden, selbst Freunde zur Bedrohung. Mobbing endet im Massenmord.

Schon während des Lesens kann sich seiner selbst nicht mehr sicher sein. Die Mitmenschen von damals unterscheiden sich in Nichts von uns heute.

Passivität erzeugt dieselbe Schuld wie aktives Handeln. Rechtfertigungen und Unschuldsbeteuerungen sind wertlos. Anpassung, Stillhalten oder Gleichtun versprechen Rettung und Verschonung. Die Angst und Verzweiflung der anderen können an das eigene Dilemma nie heranreichen. Die dabei offen gelebte Unmenschlichkeit wird zur erschreckenden Normalität. Vielleicht ist es aber gerade dies ein fester Bestandteil menschlichen Handelns ist, das jeder in sich trägt. Diese Erkenntnis zeigt das Schicksal Otto Silbermanns, das stellvertretend für Millionen Menschen steht, nur allzu deutlich. Ich halte die geschilderten Mechanismen keineswegs für ein typisch deutsches Phänomen. Daher stellt die Lektüre für mich der gesamten Menschheit ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Erinnerung, Mahnung und Warnung. Denn wenn die Umstände es für einem selbst zu verlangen scheinen, ist der Mensch dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. 

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52 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

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Das Vermächtnis der Spione

John le Carré , Peter Torberg
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 13.10.2017
ISBN 9783550050121
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer ist Mensch, wer ist Marionette? Eine Geheimaktion läuft aus dem Ruder. Wir tauchen in eine Welt voller Lug und Trug ein, in der man nie sicher weiß, wer hier die „Guten“ sind, welche Operation man wirklich gutheißen kann. Gut und böse, gerecht und richtig sind in diesem Roman auch genau die Attribute, um die es gerade nicht geht. Ein befremdliches Milieu, in dem die Handlung spielt. Ein Ex-Spion erzählt frei von der Leber weg, wie er zum Geheimdienst kam und wie eben eines aus dem anderen folgte. Kein Unrechtsbewusstsein, keine Reue, keine Scham. Eine Person, der man zwar interessiert Gehör schenkt, die man aber eigentlich nicht kennen möchte. Der Leser bleibt auf Abstand, ohne sich aber von der Handlung zu entfernen.

Der Sprecher besitzt eine eher hohe Stimme. Sehr deutliche Worte, dezent betont, zügig gesprochen. Ein beinahe Abhandeln. Aalglatt, nicht greifbar, nicht angreifbar. Einmal Spion, immer Spion. Regelrecht unbeteiligt schildert die Hauptfigur als Ich-Erzähler, was sich damals zutrug. So war das eben. Nichts ficht ihn an. Ein williger Handlanger und dennoch kein Überzeugungstäter.

Undurchsichtig, verschlungen, nüchtern, sachlich, ganz wie in dieser Schattenwelt, von der man als „normaler“ Mensch ja nie tangiert wird, ist bisweilen auch der Handlungsfaden gestrickt. Konzentration und wirkliches Interesse sind beim Hören / Lesen gefragt, um wirklich zu durchschauen, welche Größenordnungen selbst kleinere Sachverhalte annehmen können. 

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 24 Rezensionen

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Million Dollar Boy

Will Hofmann
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Wiebers Verlag, 15.11.2017
ISBN 9783942606301
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Diese Frage wird sich der Leser im Laufe der Handlung definitiv stellen. Mir persönlich ging diese Frage schon nach dem ersten Viertel des Buches durch den Kopf. 
Eine Welt ohne Geld. Von heutiger Sicht aus zwar wünschenswert doch kaum vorstellbar. Doch hier ist die Trendwende gelungen. Doch ist nun wirklich alles besser? Die hier dargebrachte Variante einer Umkehr ist wenig plausibel und hat so einige Haken, an die sich garantiert niemand hängen lassen möchte. Die ersten Seiten des Romans widmen sich diesem äußerst spannenden Thema. Man ist gebannt und möchte unbedingt mehr wissen. Doch viel mehr kommt da leider nicht. 
Zu oft schweift die Handlung ab, gerät dabei vom hundertsten ins tausendste und findet nicht mehr zurück. Oft war ich beim Lesen in Versuchung, einfach einige Seiten zu überspringen. Selbstdarstellerische Beschreibungen von Edes Leben, Lebensbeichten, seinen Frauengeschichten, seinem Blick auf die DDR und ähnliches sind vielleicht nur für manche informativ und interessant. Nicht zu vergessen dabei die sehr unappetitliche Beschreibung des vermeintlichen Eigenlebens und Kommunikationsversuche seiner Kniekehle. Alle anderen auftauchenden Absurditäten lasse ich in meiner Rezension außen vor, um den Rahmen nicht zu sprengen. Die Hauptfigur hört sich selbst gerne reden und glaubt, dass seine Meinung besonders wichtig ist. Mir ist er während des Lesens nie besonders sympathisch gewesen. Die Handlung ist durch sein chaotisches Erzählen der holprig, nur mit Mühe kann man das Fadenende wieder aufnehmen, das man plötzlich hingeworfen bekommt. 
Zusammenfassend gesagt, liest es sich eher wie ein Erstlingswerk, das entweder fesselt oder verworfen wird. Dazwischen gibt es nichts. 

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184 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 98 Rezensionen

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Winterengel

Corina Bomann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783471351611
Genre: Romane

Rezension:

Das kitschige Cover enttäuscht. In der Vorweihnachtszeit erschienen, passt das Layout zwar gut in die damit verbundene Kaufphase, hat aber rein gar nichts mit der Handlung an sich zu tun.

An die eher unterkühlt klingende Stimme von Anne Abendroth konnte ich mich während des gesamten Hörens leider nicht gewöhnen. Inmitten von Eis, Kälte und Ungewissheit bezüglich Annas weiterem Schicksal hätte ich mir eine wärmere und vor allem mädchenhaftere Sprechstimme passender gefunden.

Trotz dieser Kritikpunkte hat mich die unterschwellig spannende Handlung des (Hör)Buches nicht enttäuscht. Die Autorin lässt den romantisch veranlagten Leser erneut tief in die geschichtliche Vergangenheit eintauchen und ihn dabei an den Sorgen und dem vielleicht großen Glück der neunzehnjährigen Anna Härtel teilhaben, die nach dem Tod ihres Vaters ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen muss: für eine unverheiratete Frau Ende des 19. Jahrhunderts keine leichte Aufgabe. Wird ihre innere Stärke, ihr unkonventionelles Wesen belohnt werden?

Nun, eins kommt zum anderen und alles kommt, wie es kommen muss. Trotzdem man beruhigt und seufzend ahnt, wie Annas Geschichte ausgehen wird, ist auch dieser von Romantik durchdrungene Roman ein Muss – und das nicht nur für Bomann-Fans.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

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Sex Story

Philippe Brenot , Valerie Schneider , Laetitia Coryn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 25.09.2017
ISBN 9783442757442
Genre: Sachbücher

Rezension:

So groß und schwer das Buch an sich ist, so zahlreich und prägnant sind die berauschenden Informationen, die es in sich birgt. Das schlichte Cover gibt zudem vorab nichts über den Inhalt preis. Trotzdem kauft man damit nicht die Katze im Sack. Ganz dem Klappentext treu bleibend, werden alle Fragen zum Thema Sex, auch die gar nicht gestellten, beantwortet und das stilvoller und tiefgründiger, als man es erwartet. Viel ernsthafte und umfangreiche Recherchearbeit im Vorfeld war zu bewältigen. Herausgekommen ist ein seltenes Werk, das Mythen, religiöse Überzeugungen und wissenschaftliche Fakten unterhaltsam und informativ miteinander verquickt. Die Auswirkungen auf uns Menschen im Wandel der Zeit haben dabei eine Erlebensspanne, die von fatal bis phantastisch reicht. Die Lust der Götter war (und ist?) allzu oft eine Last für den Menschen. Sex, Liebe, Lust und Leidenschaft hat viele Gesichter und ist dennoch den verschiedensten äußeren Einflüssen unterworfen oder wird von selbigen beflügelt.

Witzig zum einen, kritisch zum anderen. Alles hat eine Kehrseite, die nicht immer sehr schön anzusehen ist. Und auch beim Thema Sex wird hier das Verhältnis zwischen Mann und Frau an Bett UND Tisch nicht ausgeblendet. Auch wenn dabei die Frau erfahrungsgemäß eindeutig / zweideutig fast nie die Hosen anhat, ist Sex Story für uns alle textlich lesens- und bildhaft bewundernswert. In der Praxis steckt mehr Theorie, als man bisweilen wahrhaben will. Die Sexualität im Wandel der Epochen – ein Auf und Ab, ein Hin und Her, ein Vor und Zurück in puncto Freiheitlichkeit und Freizügigkeit. Von Prostitution zu Perversion, von wahrer Liebe zu purem Trieb. Wie viel Natur steckt in Kultur? Nach der Lektüre bleibt auf jeden Fall „mehr hängen“, als nach dem Lesen eines trockenen Sachbuchs. Alles läuft auf eins hinaus – Lustbefriedigung und Fortpflanzung. Schon viel wurde darüber geschrieben, aber noch nie so witzig und interessant in Szene gesetzt. Ein Buch, nicht unbedingt nur für Erwachsene. 

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189 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

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Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423761819
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Cover lässt vorab keinesfalls auf den Inhalt schließen. Im Nachhinein allerdings könnte man die vielen Steine als Puzzle oder Mosaik interpretieren, das sich zwar so nach und nach zusammensetzt, doch letztendlich nicht unbedingt ein stimmiges Bild ergeben muss. Die Jugendlichen werden somit auch dem Ende der Handlung mehr abgewinnen können als erwachsene Leser. Das Buch ist leicht lesbar – keine langen und schwierigen Sätze, eher vielsagend mit einfachen Worten. Das Lesepublikum kann also auch etwas jünger sein als die Hauptakteure.

Kim und Petrowna, beide um die 15 Jahre alt, sind die besten Freundinnen. Gegen die mit allen Wassern gewaschene Petrowna wirkt Kim regelrecht naiv, obwohl auch sie nicht auf den Mund gefallen ist, kann sie ihre beste Freundin dennoch nicht in Derbheit und Rigorosigkeit übertreffen. Sie selbst gehen miteinander allerdings schon milder und verständnisvoller um, als sie es beispielsweise mit ihren Klassenkameraden tun.

Der Beginn der Geschichte ist mysteriös. Eine Autorin liest aus ihrem neuen Roman „Dinge, die du nie erfährst“. Kim ist sich auf Anhieb sicher, dass es in der Geschichte genau um ihr Leben geht. Kann so etwas überhaupt möglich sein? Sie muss dieses Buch also unbedingt haben. Als Leser ist man nicht minder neugierig auf das Buch als Kim selbst.

Ganz wie nebenbei treten im Verlauf der Handlung Ansichten und Herangehensweisen von Heranwachsenden zutage, mit denen man als Erwachsener gar nicht rechnet oder ahnt. Der junge Leser hingegen wird sich sehr verstanden fühlen. Besonders Scheidungskinder werden diesem Buch einiges mehr abgewinnen können, erzählt doch Kim ganz offen, wie man sich dabei fühlt und in welche Situationen man dabei kommen kann, eine Thematik, die in vielen Jugendbüchern eher nur unterschwellig behandelt wird, wenn überhaupt. Eine tolle Buchidee. Beim Lesen hatte zumindest ich oft das Gefühl, dass man daraus hätte mehr machen können. 

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105 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

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Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Florian Beckerhoff , Steffi Korda
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.10.2017
ISBN 9783959671347
Genre: Romane

Rezension:

Ein kleiner Ort des Friedens in der Großstadt; für Menschen mit einem Blick, der tiefer geht. Doch es ist einzig und allein Herr Haiduk, der diesem Ort, seinem Laden, genau diesen Flair verleiht und ihn so besonders macht. Alles um diese Insel herum verändert sich. Die Menschen hetzen, die Autos rasen, alles ist auf Eile und Effektivität ausgerichtet. Nur in dem Laden verändert sich nichts, am wenigsten Herr Haiduk selbst. Er hat schon viel gesehen und viel erlebt. Er kennt die Menschen und er liebt sie nach wie vor. Seine Neugier steckt an. Offen, herzlich, geistreich.

Auf den ersten Blick wirken seine Kunden mitunter einfach nur komisch, doch auch sie sind auf ihre Weise Unikate, deren Kennenlernen lohnt. Der Laden ist hierfür die perfekte Plattform. Er überlässt ihnen praktisch das Feld. Doch Herr Haiduk weiß genau, was er tut und ahnt auch meist sehr schnell, was den Menschen fehlt. Er führt sie zusammen, als hätte er schon längst einen Plan mit ihnen. Als wüsste er längst, schon vor den Betreffenden selbst, welchen Wunsch es zu erfüllen gilt.

Owohl es seine Kunden sind, die den Laden betreten, ist es doch Herr Haiduk, der auf leisen Sohlen in ihr Leben tritt. Und er hinterlässt seine Spuren bei denen, die ihm begegnen; selbstverständlich auch beim Leser. Doch es ist fast unmöglich, in Herrn Haiduks Fußstapfen zu treten, denn solche durch und durch gutartigen Menschen, die still ihr Leben leben und ihre Weisheit dezent verschenken, sind selten. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die anderen Beteiligten, eher farblos und naiv hinter ihm zurückstehen. Auch mein Verständnis für gewisse Aktionen, aus absoluter Naivität geboren, blieb oftmals auf der Strecke. Ich hatte während des Lesens stets den Eindruck, als wolle der Autor seine Geschichte in eine bestimmte Richtung lenken, doch die Handelnden kommen dabei nicht so recht mit. Durch sich aneinanderreihende Absurditäten geht bisweilen das Interesse verloren. Das ist sehr schade, birgt doch der Beginn der Geschichte um den Laden und seine Besucher sehr viel Potential zum Verflechten von Krisen, Hoffnungen, lange gehegten Wünschen und was daraus entstehen kann, wenn die Karten praktisch neu gemischt werden. Und es können eben weitaus vielsagendere Dinge geschehen, wenn Menschen sich begegnen, als das Hickhack um den Lottogewinn. Immerhin ein netter und heiterer Roman, bei dem man nicht denken muss. 

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

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Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Laurent Gounelle , Alexandra Baisch , Felix Mayer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei O.W. Barth , 02.10.2017
ISBN 9783426292785
Genre: Romane

Rezension:

Ort des Geschehens ist das kleine französische Dorf Cluny, in der Alice und Jérémie ihre Kindheit und Jugend verbrachten. Jérémie, inzwischen Priester der Dorfgemeinde, vollbringt derzeit wahrlich keine Wunder. Die Gottesdienstbesucher in der großen Kirche kann man beinahe an zwei Händen abzählen. Irgend etwas scheint er falsch zu machen.

Gott sei Dank tritt in dieser Situation Alice, die Atheistin, auf den Plan. Sie hat ihre Heimat schon vor vielen Jahren verlassen und ist mittlerweile eine sehr erfolgreiche Unternehmensberaterin. Sie ist selbstbewusst, dynamisch und ausgesprochen durchsetzungsstark. Damit ist sie das ganze Gegenteil ihres Jungendfreundes, welcher eher sehr bodenständig, zurückhaltend und still agiert.

Mit ihm wird der Leser auch schneller „warm“ als mit der forschen Alice. Doch schon bald ist man auch von ihr und vor allem ihrem Ideenreichtum fasziniert. Engagiert und ganz auf erfolgreiches Marketing getrimmt, legt sie los, „das Christentum wieder aufzupeppen“.

Der Leser staunt nicht schlecht, wie viele Parallelen es doch zwischen Geistlichkeit und Weltlichkeit gibt. Sie redet mit Engelszungen auf Jérémie ein, der daraufhin gar nicht anders kann, als ihre angedachten Strategien in Wort und Tat umzusetzen. Zu nennen sind da beispielsweise ihre nutzungsorientierte Sicht auf die Spiritualität S. 47 oder dass ein persönliches Coaching nach der Beichte effektiver für den Gläubigen wäre als Absolution S. 81.

Die Thematik Glaube / Ungläubigkeit wird zwar nicht tiefschürfend bearbeitet, aber es wird immerhin ordentlich gekratzt und gebuddelt. Alle Argumente werden so abgehandelt, dass keine Seite als „Sieger“ hervorgeht oder sich als „Verlierer“ fühlen muss. Takt, Toleranz, Wohlgesonnenheit werden groß geschrieben. Es wird Kritik geübt und darüber gesprochen, welche Kraft der Glaube in einem Menschen auslösen kann. Die verschiedenen Sichtweisen stehen gleichberechtigt, treten also nicht in Konkurrenz zueinander.

Zahlreiche lustige Situationen sind vorprogrammiert, die den Leser bestens unterhalten und kurzweilig informieren, kennt er sich doch nach der Lektüre in Glaubens- und Marketingangelegenheiten besser aus als (je) zuvor. Die Zusammenarbeit unserer Haupthelden hinterlässt auch bei ihnen selbst Spuren. Doch vorerst sind sie viel zu sehr mit dem Wiederbeleben der Kirchgemeinde beschäftigt, um dies zu bemerken und den Schatz in sich selbst zu entdecken.

Das Ende dieser unvorhersehbaren Geschichte hätte ich mir zwar anders vorgestellt, doch Gottes Wege sind eben unergründlich.

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39 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

autorin, erdlinge, fabelwesen, freunde, kinderbuch, misstrauen, tiere, waisenhaus

Der Wunderling

Mira Bartók , Sabine Schulte , Mira Bartók
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Aladin Verlag, 29.09.2017
ISBN 9783848920853
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das Cover, filigran, mit Liebe zum Detail, stellt uns den Wunderling vor, klein, jung, voller Leben und doch so zerbrechlich. Man schließt ihn sogleich ins Herz und empfindet Mitleid mit dem kleinen Geschöpf. Die übersichtliche Kapitelübersicht lässt erahnen, was unserem Helden so alles bevorsteht. Im Nachhinein kann man zudem so seine Lieblingsstelle schnell wiederfinden.

Die Handlung ist düster und ernst. Ein Heim für widerspenstige Geschöpfe, in dem kalte Strenge und Lieblosigkeit herrschen. Auch der Wunderling ist dort eingesperrt und durchlebt all das, wovor einem nicht nur als Kind Angst und bange werden kann; Ausgeliefertsein, Ungerechtigkeit, Gefangenschaft. Einzige Lichtblicke sind die inneren Kräfte und Träume des Wunderlings, deren er sich selbst aber erst nach und nach bewusst wird. Inmitten von menschlicher Kälte und innerer Einsamkeit fristet er ein Dasein, das ans Herz geht. Mira Bartok hat eine zauberhafte Fantasiegeschichte geschaffen, die zudem nie den Bezug zur Gegenwart verliert.

Wunderbar gesprochen von Mechthild Großmann, die vielen bislang sicher nur aus dem Münster-Tatort bekannt ist. Sie verleiht durch ihre tiefe Stimme diesem düsteren Märchen den angemessenen Charakter, der es zugleich einzigartig macht. Man kann sich praktisch von Beginn an keine andere Stimme vorstellen, welche die Geschichte um den Wunderling besser interpretieren könnte. Das Erzähltempo ist eher langsam, dafür aber sehr betont, mit verschiedenen Tonlagen, um die jeweils Handelnden besser heraus zu arbeiten und deren Stimmung eindeutig hervortreten zu lassen. Mystik, Düsternis aber auch Hoffnung und Wärme werden durch ihre markante Stimme wunderbar wiedergegeben. Man lauscht ohne Übertreibung andächtig und gebannt. Worte werden im Kopf zu Bildern, die man nicht so schnell vergisst.

All dies macht dieses Hörbuch zu einem kleinen Kunstwerk. Es ist anders, es ist keine Tralala-Geschichte und somit auch ein Hörbuch, das Jung und Alt gemeinsam hören können und vielleicht sogar sollten. Die Geschichte des Wunderling – wunderlich und wunderschön zugleich.

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

britischer humor, england, familie, geheimni, geist, hardcover, humor, humor. familie, j. paul henderson, j.paul henderson, leben, lusti, roman, tod, vater

Der Vater, der vom Himmel fiel

J. Paul Henderson , Jenny Merling
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257069877
Genre: Romane

Rezension:

Das ist eine Familie! Schwierige Charaktere, entsprechend kauziges Verhalten, unherzliches Miteinander. Vor dem inneren Auge des Lesers läuft eine tragikomische Geschichte ab, in der die Beteiligten natürlich am wenigsten zu lachen haben. Für die ist alles bitterernst.

Die Handlung setzt bei der Beerdigung des Vaters ein. Die Familienangehörigen werden uns ohne Umschweife mittels Situationskomik und herrlich deplatzierten Bemerkungen vorgestellt. Stetige Schmunzelmomente sind garantiert, denn hier nimmt keiner ein Blatt vor den Mund. Wie soll es da ausgerechnet Greg, dem schwarzen Schaf der Familie, gelingen, aus diesen Streithähnen wieder eine richtige Familie zu machen? Glück im Unglück – sein Vater lässt ihn dabei nicht im Stich, obwohl sich sein „Erscheinen“ anfangs nicht gerade als große Hilfe erweist.

Wie fast in jeder Familie tun sich auch bei den Bowmans Abgründe auf, die ihresgleichen suchen. Geheimnisse kommen ans Licht, die vielleicht besser im Dunkel geblieben wären. Doch da müssen die Bowmans jetzt durch, dafür wird Greg schon sorgen; zum Vergnügen der Leser.

Handlungstechnisch ist der Vater eher Mittel zum Zweck und fällt nicht weiter ins Gewicht. Obwohl er der Namenspatron des Buches ist, steht er doch eher für das Vermächtnis, das es zu erfüllen gilt. Vorherrschend sind glücklicherweise Wortwitz und Dynamik, aber auch nachdenklich stimmende Situationen, die man mit very britischem Humor verbindet; trocken, schwarz, unvorhersehbar. Die wiederum vorhersehbare Geschichte der Familie Bowman bleibt sich damit treu, der Leser bekommt das, was er von der Lektüre erwartet.

Ähnlichkeiten mit Personen in der eigenen Verwandtschaft waren dabei zwar nicht beabsichtigt, aber eben nicht zu verhindern gewesen. Trotz mancher Absurditäten sind doch alle nur Menschen, ob nun innerhalb oder außerhalb dieses äußerst unterhaltsamen Romans, der mehr hält, als das verwirrende Cover verspricht. Am Ende wird vielleicht sogar alles wieder gut. Doch bis es soweit sein kann, muss jedes einzelne Mitglied dieser Familie so manche Hürde nehmen. Für den amüsierten Leser wird es ein Heimspiel, so er denn humorvolle Familienromane mit leichtem Tiefgang und britischem Flair gern liest. 

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75 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

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Die Entdeckung des Glücks

Isabell Prophet
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Mosaik , 11.09.2017
ISBN 9783442393237
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schon in der Kapitelübersicht klingen Themen rund um das Gefühl des Glücklichseins an, über die gewiss jeder schon einmal nachgegrübelt hat und entweder zu keinem Ende gekommen ist oder das Resultat nicht von Dauer war. Wie kann man das kleine aber dauerhafte Glück, dieses in sich ruhen in sich wachrufen und vor allem auch festhalten? Das Buch wird sehr viele Menschen ansprechen, denn wer hat schon ein Arbeitskollektiv, an dem es nichts auszusetzen gibt oder eine Tätigkeit, die einen wirklich erfüllt? Doch wohl gemerkt: die eben genannten Dinge können wir nicht grundlegend verändern, doch wir können uns ändern. Darauf liegt das Hauptaugenmerk des Buches. Es gibt Antworten und bietet Lösungsansätze, mit denen jeder etwas anfangen und an sich arbeiten kann.

Persönliche Erfahrungen und Empfindungen verschiedener Menschen durchweben die Lektüre gemeinsam mit philosophischen Denkansätzen und wissenschaftlichen Fakten und neuesten Erkenntnissen. Ebenso wird mit der bisherigen Meinung, dass Arbeit und Freizeit strikt getrennt werden sollen, hart ins Gericht gegangen. Es wird erklärt, weshalb dieses ständige An- und Abschalten kontraproduktiv auf unser Empfinden einwirkt. Die Autorin referiert dabei nicht sachlich sondern legt Ursachen, Wirkungen und deren komplexe Zusammenhänge so anschaulich und unterhaltsam dar, dass jeder sehr gut folgen und nachvollziehen kann.

Der Input dabei ist allerdings immens. Ebenso werden eigene Gedanken und Empfindungen sehr stark angeregt. Ein durchgehendes Lesen wäre daher dem Anliegen des Buches nicht angemessen.

Die Wahrnehmung bestimmt unser Empfinden in hohem Maße. Und gerade diese bisherigen Denkschemata, nicht selten durch Erziehung und gesellschaftliche Konventionen bestimmt, sind es, die uns oft daran hindern, das vorhandene kleine Glück überhaupt zu erkennen und als solches anzuerkennen. Und genau da liegt für die Autorin auch der Knackpunkt. Dort setzt sie an und beleuchtet persönliche Erwartungen und Wahrnehmungen und was sie in uns auslösen. Zum sich glücklich fühlen, ohne sich dabei allerdings etwas vorzumachen, braucht man auch die anderen. Glücklich sein kann man wirklich nicht allein, wenn es von Dauer sein soll.

Bei allem Beschriebenen ist nie von dem euphorischen Glück die Rede. Es geht stets um diese innere Zufriedenheit jenseits von höher, schneller, weiter, mehr und besser. Man muss sich auch keine allzu großen Ziele setzen. Was ist dabei, wenn man „überholt“ wird. Sollen die anderen doch hetzen. Wer sich diesem Teufelskreis entziehen will, wird merken, dass dies Kraft und Überzeugung kostet. Zu leicht wird man da als nicht strebsam oder antriebslos angesehen. Daran zeigt sich aber recht schnell, inwieweit man seine innere Überzeugung gefestigt hat.

Man kann nicht alles haben und muss das auch gar nicht. Was dies aber für den Leser im einzelnen bedeutet, obliegt ihm allein. Vernunft, Begehren und Wille sollen im Einklang sein. S. 24 Davon war schon Platon überzeugt. Ängste und Stress im Zaum halten, einen Ausgleich schaffen, der für innere Ruhe sorgt. Vieles wussten wir bereits. Doch es ist sehr interessant zu lesen, wie man all dies mit all seinen notwendigen Tagesaktivitäten gewinnbringend verknüpfen kann; einem Gewinn, der mit Geld nicht zu bezahlen ist. 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Ein Gentleman in Moskau

Amor Towles , Susanne Höbel , Hans Jürgen Stockerl
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 08.09.2017
ISBN 9783957130891
Genre: Romane

Rezension:

Die Machthaber wollen den Grafen brechen, ihn am Boden sehen. Doch jede Schikane und Ungerechtigkeit prallen an ihm ab. Der unverbesserliche Optimist Rostov sieht noch in dieser bitteren Situation noch Wege, menschlich zu bleiben und den Umständen mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Egal wo, egal wann, das Leben ist immer lebenswert, wenn man es versteht, sich selbst treu und anderen gegenüber offen zu bleiben. Die Herangehensweise des Grafen macht nicht nur ihn sondern auch das (Hör)Buch zu etwas Bemerkenswertem.

Eine gewalttätige Epoche russischer Geschichte wird anhand des bewegten Schicksals eines Aristokraten der Vergangenheit entrissen und zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Er fesselt und macht uns zu Augenzeugen ohne dabei den Blick auf die Hauptfigur zu verdecken. Es sind die kleinen Dinge, die in diesem beengten Terrain zu etwas Wichtigem und Besonderem werden. Ähnlich kleinen Sonnenstrahlen erhellen sie auch diese „Welt“. Action und Exzesse sind nicht nötig, um Aufmerksamkeit bei Leser / Hörer zu erregen. Im übertragenen Sinne sind es die leisen tiefen Töne und bezaubernden literarischen Melodien, die nachhallen. Das „Orchester“ sind dabei bei weitem nicht nur die Hotelgäste.

Man wünscht sich die ganze Zeit, dass alles „gut“ ausgehen möge. Dieser besondere Mensch, dieser Freigeist, durch und durch anständig, wirkt in der Härte, Kälte und Willkür, die außerhalb des Hotels herrscht, wie ein Paradiesvogel im Käfig. Es geht unwahrscheinlich ans Herz, wenn man liest / hört, was Rostov alles auf sich nimmt, um dem Mädchen, das ihm anvertraut wurde, die Gitterstäbe vergessen zu machen und ihr eine Welt zu zeigen, die es trotz allem auch noch gibt. Oder ist es etwa die kleine Sofia, die ihrem väterlichen Freund ganz neue Impulse verleiht, ganz, wie es ihre Mutter einst tat?

Der Hörbuchsprecher Hans Jürgen Stockerl scheint für den Gentleman in Moskau ideal besetzt worden zu sein. Die Stimme geht sofort ins Ohr. Intonation und Stimmlage passen sich perfekt an das Handlungsgeschehen an, als würde Stockerl selbst nur zu gut um die Güte des Romans wissen und dies ihn zu der herausragenden Interpretation zusätzlich beflügeln. Das Ergebnis ist somit auch weit mehr als betontes Vorlesen.

Da viel geschieht, von dem entsprechend berichtet wird, ist stetiges aufmerksames Hören sehr zu empfehlen. Man wird nicht berieselt, man wird mit einbezogen. Den Umständen geschuldet, spielt sich ein nicht unerheblicher Teil der Handlung in den Köpfen der Hauptpersonen ab und führt dazu, dass man die Handelnden, insbesondere jedoch ihre Gedanken- und Gefühlswelt nach der Lektüre selbst lange nicht aus dem Kopf bekommt. 

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145 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

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Und Marx stand still in Darwins Garten

Ilona Jerger
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 11.08.2017
ISBN 9783550081897
Genre: Romane

Rezension:

Das Cover täuscht. Noch gehen die beiden Männer, zwei der herausragendsten Persönlichkeiten, traut nebeneinander her und scheinen zu fachsimpeln. Doch daraus wird nur wenig später eine Diskussion, die in einen heftigen Disput mündet und unaufhaltsam in einem regelrechten Streit endet.

Charles Darwin und Karl Marx haben mit ihrer Arbeit schon zu Lebzeiten den Lauf der Geschichte maßgeblich verändert. Obwohl sie auf völlig verschiedenen Gebieten agierten, stand für sie doch stets der Mensch im Mittelpunkt. Auf wessen Seite steht dabei der Leser / Hörer? Wer hat letztendlich recht? Oder geht es am Ende darum gerade nicht? Eine Begegnung, die es vielleicht gar nicht gab, wird mit schriftstellerischem Können für uns heraufbeschworen.

Vielschichtige Themen wie Philosophie, Religion, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden erörtert, die unterschiedlichen Standpunkte emotional verglichen. Je intensiver sich beide Männer in diese Gefilde begeben, umso eindringlicher sprechen sie zu uns. Und so merkt auch vorrangig nur der Leser, dass es doch mehr Gemeinsamkeiten zwischen Darwin und Marx gibt, als ihnen selbst bewusst ist. Da beide zudem ihre eigene Problematik stets mit sich tragen, sind logischerweise auch ihre Gespräche nie frei und losgelöst von privater Enttäuschung, sich missverstanden fühlen, unverrückbarer Überzeugungen und eigener Egozentrik.

Der Sprecher Peter Kaempfe liest eher etwas langsam, was einem Folgen und vor allem dem Mitdenken sehr zugute kommt. Dabei drängt er sich erzählerisch nicht nie in den Vordergrund, sondern überlässt stets den Protagonisten das Feld. Die auf mich nicht sonderlich markant wirkende Sprechstimme trägt den Zuhörer nahezu gleichmütig durch die anspruchsvolle Lektüre. An manchem Stellen, zum Beispiel gleich zu Beginn, hat man es etwas schwerer, der Handlung zu folgen sowie die Wichtigkeit der beschriebenen Ereignisse richtig einzuordnen. Im Buch selbst lesen wäre daher vielleicht eher in Erwägung zu ziehen. 

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109 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

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Der Sandmaler

Henning Mankell , Verena Reichel
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 21.08.2017
ISBN 9783552058545
Genre: Romane

Rezension:

Das Cover, eine Frau, wie in Sand gezeichnet, verletzlich und filigran. Welche Spuren wird Afrika bei ihr hinterlassen? Afrika, der schwarze Kontinent, nicht nur für Elisabeth bislang eine weiße Landkarte. Zu verschieden scheinbar die Menschen, zu schwer ein Verstehen. Beinahe ehrfurchtsvoll nähert sich Mankell dem Land und den Bewohnern, nie wirklich wertend sondern stets auf das Verstehen bedacht, ohne dabei irgend eine Art von Durchschauen für seine Hauptfigur zu beanspruchen.

Elisabeth hat Augen und Herz geöffnet, egal, was ihr widerfährt, ganz gleich, wem sie begegnet. Alles, was auf sie einwirkt ist für sie ein Zugewinn, wenn auch negativer Natur. Ihr Begleiter Stefan hingegen grenzt sich beinahe ab, zeigt wenig Interesse an dem, was ihn umgibt, was Afrika für viele so faszinierend macht, als könnte man Afrika nur lieben oder hassen, wenn man charakteristische Aspekte ausklammert.

Für Elisabeth wird der Aufenthalt zum Augenöffner, für Stefan beinahe nur Zeitvertreib. Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung hinterlässt natürlich auch Spuren in ihrer Persönlichkeit und wirkt sich demzufolge auch auf ihre Freundschaft aus.

Der Roman ist Mankells erster Afrika-Roman und das merkt man ihm leider auch an. Er widmet sich dieser spannenden Thematik weniger tiefgehend als man es von ihm erwartet hat. In seinen späteren Werken über Afrika konnte er hingegen die Ansprüche seiner Lesegemeinde weit besser bedienen. Doch sehe ich dies eher als Zeichen seiner eigenen Entwicklung im Hinblick auf ein sich mehr und mehr Einlassen. Manch anderer wird aber vielleicht etwas enttäuscht von der etwas gedämpften Ausdruckskraft sein.

Eine literarische Momentaufnahme des Kontinents aus dem Jahre 1971, ein erstes vorsichtiges Annähern. Leider kann man beim Lesen das Wissen um die derzeitigen dortigen Zustände und die spätere Ausdrucksintensität des Autors nicht ganz ausblenden.

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

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Töte mich

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257069891
Genre: Romane

Rezension:

Kurz und gut. Die Schrift ist groß, die Seitenzahl überschaubar, das Lesevergnügen dauert nur wenige Stunden. Die Handlung an sich wirkt von Beginn an konstruiert. Außerdem gelingt es der Autorin nicht so recht, das eigentliche Handlungsgeschehen geschmeidig mit den kleineren Nebenschauplätzen zu verbinden. Der Lesefluss kommt daher bisweilen ins Stocken. Schauplatz und Handelnde fallen irgendwie aus der Zeit. Das Geschehen an sich hätte überall und schier in jeder Epoche spielen können, von Autos und Pistolen einmal abgesehen.

Graf Neville, sachlich, abgeklärt, nicht gern Gefühle zeigend ist der unfreiwillige Hauptakteur. Familiäre Dinge werden nicht nach außen getragen. Fast ebenso mechanisch wie Neville wirken die anderen Beteiligten. Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl, als stünden sie sich selbst nicht wirklich nah. Und so blieben auch mir die Handelnden fremd.

Der Graf lässt seiner Tochter die Zeit und Freiheit zu pubertieren, was sich einerseits als Nachteil, andererseits sogar als ursächlicher Fehler erweist, wenn man der Wahrsagerin Glauben schenkt. Ihrer ungeheuerlichen Prophezeiung kann sich auch der Leser nicht entziehen. Man kann nicht mehr frei handeln, wenn man die vermeintliche Zukunft kennt und das Bevorstehende mit aller Macht abzuwenden versucht. Neue Verwicklungen werden so heraufbeschworen, die vielleicht alles noch viel schlimmer machen.

Die inhaltliche Güte der Lektüre liegt im Ermessen jedes einzelnen Lesers. Mir persönlich fehlte jegliche Aussagekraft oder Message außer vielleicht dem Sprichwort „und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ ein literarisches Denkmal zu setzen. Diese Intention allerdings halte ich für unwahrscheinlich. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her gesehen, ist das Buch entweder viel zu kurz oder eben ein wenig zu teuer.

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101 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 88 Rezensionen

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In tiefen Schluchten

Anne Chaplet
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dörfliche Idylle, viel Natur und Ruhe sind zwar sehr erstrebenswert, doch eben nicht auf Dauer und vor allem nicht für unsere Spürnase Tori, eine ehemalige Anwältin, die sich allerdings nicht ganz ohne Grund in diese nicht gerade überlaufenen Gefilde, ins südfranzösische Bergdorf Belleville, zurück gezogen hat. Sie hat stets ein wachsames Auge und mindestens ein weit offenes Ohr auf ihre Mitmenschen gerichtet und so fällt es ihr auch mit als erstes auf, dass ein Hotelgast, ein holländischer Höhlenforscher, verschwunden ist. Sie geht der Sache nach, sie wühlt in der wechselhaften Geschichte des Landstriches und in den uralten überlieferten Geheimnissen der Dorfbewohner. Der Staub, den sie dabei aufwirbelt, nimmt aber im schlimmsten Fall nicht nur ihr sprichwörtlich den Atem. Keiner will etwas gesehen haben und dennoch wissen alle irgend etwas. Gerade in diesen kleinen nahezu abgeschlossenen Gemeinschaften passiert allerdings bekanntlich so allerlei.

Alte Wunden, die nie verheilt sind, Unrecht, das nie richtig gesühnt wurde. Kann sich Geschichte wiederholen? Welchen Anteil daran trägt jeder Einzelne? Wo ist der Punkt, an dem die Vergangenheit die Gegenwart berührt? Der Autorin ist es gelungen, historische Geschehnisse lebendig zu machen und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Es wird deutlich, in welchem Maße Vergangenes selbst im Hier und Jetzt nicht abgeschüttelt werden kann und wie dies die Menschen mitunter über Generationen prägt. Auch Geschichte kann spannend sein. Hier ist der Beweis.

Ein richtiger Krimi ist es allerdings nur am Rande, der vielmehr durch den, wie schon erwähnt, geschichtlichen Background und die anschaulichen Beschreibungen von Landschaft sowie dörflichem Geschehen besticht und fesselt als durch kaltblütige Morde und reißerische Aktionen. Praktisch ein guter Barnaby; handfest, stimmig, teilweise spannend und mit vielen kauzigen Charakteren. Wer als den Inspector mag und sich darüber hinaus noch für Geschichte begeistern kann, dem gefällt auch dieses unterhaltsame aber eben nur mäßig spannende Buch.

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 46 Rezensionen

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Liebe wird überschätzt

Valeria Parrella , Annette Kopetzki
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446256507
Genre: Romane

Rezension:

Finden, erinnern, verlieren, loslassen, überwinden, vergessen, neu beginnen. Und dies alles bei weitem nicht nur in partnerschaftlichen Beziehungen oder was erlaubt oder opportun ist. Ein Gefühlsreigen durch Menschenherzen.

Goethes Spruch „Welch ein Glück, geliebt zu werden ...“ schwingt in jeder der acht faszinierenden Liebesgeschichten mit.

Es geht nicht um Happyends, herkömmliche Klischees werden im vorliegenden Buch nicht bedient. Vielmehr werden Beweggründe geschildert, was Menschen so auf sich nehmen für einen anderen Menschen und auf welchen verschlungenen Gefühlspfaden sie sich dabei bewegen.

Wunsch, Handeln, Resultat; Liebe, egal zu wem oder zu was, hat für gewöhnlich einen Anfang, doch hat sie je ein wirkliches Ende? Und erstens kommt es anders …, kein Ende der hier geschilderten Geschichten ist voraus zu sehen. Jede Erzählung behandelt andere Konstellationen und Facetten der Liebe. Schmerzvoll und unerfüllt lieben ist eben auch eine Spielart, die nur auf den zweiten Blick sinnlos erscheint. Niemand kann aus seiner Haut und eben dieser Umstand geht unter die Haut. Daher löst die Lektüre auch beim Leser die unterschiedlichsten Gefühle aus, ist doch jeder schon selbst durch dieses Minenfeld gewandert.

Wunderschön und bitter zugleich. Die jeweiligen Hauptfiguren, die Liebenden und Geliebten, erscheinen so nah. Die Autorin versteht es, zu berühren, indem sie selbst emotional, dabei teilweise sehr sensibel und gleichzeitig mit etwas Abstand am Innersten derjenigen rührt, deren bewegende Schicksale sie beschreibt. Verschieden lag fallen dabei die einzelnen Intermezzi aus. Sie vermittelt so den Eindruck, als steht die Auswahl stellvertretend für noch unzählige weitere Geschichten, die zwar er- und gelebt wurden, nur noch nicht aufgeschrieben sind. Die Liebe – eine unendliche Geschichte, ein nie zu Ende geschriebenes Buch. 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

antiratgeber, faulheit, leben, tanja mairhofer

Schluss mit Muss

Tanja Mairhofer
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei ZS Verlag GmbH, 05.05.2017
ISBN 9783898836548
Genre: Sachbücher

Rezension:

Gegönnte Unordnung, freiwilliger Verzicht, der natürlich nicht als solcher gesehen wird, das sind nur einige der zahlreichen Weisheiten, die uns die Autorin sehr schmackhaft zu machen versteht. Für einige wenige könnte diese Lektüre somit zum ultimativen Ratgeber avancieren, da er auch immer eine passende Ausrede oder vermeintlich plausible Rechtfertigung für das eben nicht tun bereithält, der man bisweilen so gar nichts entgegen setzen kann.

Hier hat jemand die Menschen und sich selbst genauestens beobachtet und mehr oder weniger tiefgründig analysiert. Die dargestellten Sichtweisen sind schlüssig und witzig zugleich. Jeder wird beim Lesen leicht feststellen, wie er selbst konditioniert wurde. Sehr zum Nachdenken anregend sowie zum eigenen Beobachten und Schlussfolgern motivierend, stellt man sich danach doch Fragen wie „ist das, was alle machen, wirklich immer richtig“, will ich selbst wirklich oder habe ich nur ein schlechtes Gewissen“. Gewöhnung trifft auf Überzeugung. Die eigenen Handlungs- und Denkmuster wird es aber leider bei den meisten nicht dauerhaft beeinflussen, stünde man doch damit ziemlich allein auf weiter Flur. Lacher und Aha-Effekte sind aber auf jeden Fall garantiert.

Während des Lesens war ich stets hin und her gerissen. Dieses Handeln frei nach dem Motto „mir doch egal“ oder „ich bin okay so wie ich bin“ mag ich eben bei vielen gar nicht, da es doch meist in egoistischer Weise ausgelebt wird. Ebenso sieht die Autorin manche Dinge einfach zu schwarz / weiß und urteilt für meinen Geschmack zu pauschal. Die beschriebenen Personen-Typen sind doch charakterlich sehr extrem und auch für einen Laien schnell als das zu identifizieren.

Wer schlank / mollig sein will, soll es eben sein und das darf er auch, ohne dass darüber jemand die Nase rümpft. Wer seine Wohnung sauber mag, ist noch lange kein Pedant. Ich hätte mir viel lieber eine Art Plädoyer Für „Leben und leben lassen“ gewünscht; ohne persönliche Gesamtbeurteilung, denn jeder Mensch ist nicht nur so oder so. Andererseits trägt es enorm zur eigenen Schadenfreude bei, wenn man liest, wie Möchtegerne ihr Fett wegbekommen.

Mir kommt es aber manchmal so vor, als ob Frau Mairhofer der Ablehnung der eigenen Person ein „Angriff ist die beste Verteidigung“ einfach vorweg nimmt. Und dies tut sie auf sehr unterhaltsame, aufheiternde und kluge Weise. In vielen Dingen hat sie wiederum einfach Recht. Wo aber die Grenze ist, an der sich der innere Schweinehund nicht mehr als „Retter“ sondern eher nur noch als kontraproduktiv darstellt, konnte auch sie nicht genau definieren. 

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

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Honeymoon XXL

Julia Richter , Stefan Richter
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.04.2017
ISBN 9783667109156
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine Frau. Ein Mann. Ein Wort. Ja! Ja zu sich selbst und gleichzeitig zur Welt. Eine bei Weitem nicht alltägliche Hochzeitsreise beginnt und wir dürfen mit dabei sein.

92967 Kilometer, 145 Nächte im Zelt, 15 Länder. Bewegende Bilder einer bewegten Reise um die Welt, die so, wie sie geschildert wird, garantiert einige Mutige zum Nachtun inspirieren wird. Die zahlreichen Fotos machen allzu deutlich, worauf es ihnen ankam, welche Momente sie unbedingt einfangen wollten. Der Blick aufs Detail verdeutlicht so mitunter mehr als ein Panoramafoto.

Das Wagnis beginnt nicht erst am Flughafen, wenn der Rucksack bereits gepackt, der Job gekündigt und der Auszug aus der geliebten Wohnung erfolgreich über die Bühne gebracht wurde.

Die Beschreibungen sind eher kurz, dafür aber präzise. Am Ende eines jeden Kapitels wird das Erlebte in einer Art Empfehlungsfazit noch einmal zusammen gefasst. So manch eigene Vorstellung wird zwar entzaubert, doch andere Gegenden werden wiederum von beiden so erlebt, dass man sich seine eigenen Urlaubsziele neu erträumen kann. Nicht alles ist bunt, nicht alles ist schön. Vorstellung trifft auf Tatsachen. Und auch Bürokratie gibt es tatsächlich überall. Kritisch hier, fasziniert dort. Natürlich lässt sich über Geschmack nicht streiten und alles liegt zudem im Auge des Betrachters, doch da es beim Lesen nicht lange dauert, bis man die beiden als offene, faire und mit einem gesunden Urteilsvermögen ausgestattete Menschen kennen lernt, schenke ich ihnen gern Glauben.

Der informative und mitreißende Reisebericht strotzt vor Internationalität, ganz nach dem Motto „Länder, Menschen, Abenteuer“. Sie geben zwar einige Interna von sich preis, ich hätte es mir titelbedingt (komm, wir flittern um die Welt) aber zusätzlich noch persönlicher vorgestellt. Kleine Landkarten wären dem besseren Nachvollzug ihrer Reise vielleicht auch zuträglicher gewesen. So eine Reise ist spannend, doch nicht minder spannender ist die Ankunft in der Realität. Davon berichtet leider kaum ein entsprechender Reisebericht. Abbruch, Erlebnis, Neuanfang; all das gehört für mich irgendwie zusammen. 

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Ikigai: Gesund und glücklich hundert werden

Francesc Miralles , Héctor García (Kirai)
E-Buch Text: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 10.03.2017
ISBN 9783843715607
Genre: Sonstiges

Rezension:

Um sich des Anliegens des Buches entsprechend widmen zu können, sollte man sich der Materie vorab schon einmal geöffnet haben oder sich zumindest dafür interessieren. Argwöhnisch kann man danach immer noch sein, doch dazu wird es mit Sicherheit nicht kommen, ist doch all das, was beschrieben wird, schon hinreichend bekannt und die positive Wirkung millionenfach erprobt und selbst aus schulmedizinischer und psychologischer Hinsicht erwiesen.

Die Kapitelübersicht gibt die ganze Bandbreite menschlichen Lebens preis. Und eben das motiviert sofort zum Weiterlesen und in sich gehen. Wie lebe ich? wie erfüllt ist mein Leben? Was ist der Sinn meines eigenen Lebens? Wie schaffen es andere, so in sich zu ruhen? Was genau man sich alles aus dieser Zusammenstellung mitnehmen und tatsächlich zwischen Weckerklingeln, roter Ampel und Finanzen, kurz, in der eiligen Industrielandschaft hierzulande umsetzen kann, gilt es heraus zu finden.

Manch einer möchte intensiv leben, doch ist es nichts weiter als sich seiner eigenen Kräfte berauben. Andere wiederum möchten etwas Besonderes oder Großes schaffen. Sinnsuche in der Außenwelt. Einbahnstraße oder Kreisverkehr. Doch beim Ikigai kehrt sich diese Suche nach innen. Man erkennt sehr schnell, dass dies gar nicht so leicht umzusetzen ist. Es ist nicht laut, nicht sprunghaft. Es ist allmählich, still und vor allem konsequent. Sich etwas Herauspicken ist dabei nicht von Erfolg gekrönt.

Körperliche und seelische Gesundheit zu erlangen und zu Bewahren, so gut es geht unabhängig von den jeweiligen Umständen. Seine Nische finden, einen ständigen Zugang zu seinem kleinen Idyll finden, auch wenn es manchmal nur im Geiste ist. Gern eingehaltene Disziplin. Ein täglicher Neubeginn, ein Anknüpfen, ein mit und in sich Weiterkommen. Die Welt auch einmal draußen lassen, um in ihr leben zu können. Wahre Beschäftigung, kein „den Tag herum bekommen“, „die Zeit totschlagen“ oder „einfach irgend etwas machen“. Hier hat alles einen Sinn und vor allem Substanz.

Gesunde Ernährung, tägliche Bewegung und vor allem enge soziale Bindungen (Auge in Auge) bilden eine Symbiose, aus der alles andere resultiert. Wie steht es mit diesen so notwendigen Komponenten bei uns, bei jedem Einzelnen? Hand aufs Herz, es besteht Handlungsbedarf und es wäre dumm, es nicht zu versuchen. Maßvoll, kontinuierlich, beständig. Nur das gleich Zusammenspiel entfaltet die volle Wirkung. Alles, was man dazu braucht, ob Ernährungstipps, Bewegungsanleitungen oder psychologische Zusammenhänge, findet man in diesem einzigartigen Buch.

Eine Sehnsucht ist geweckt, die man nicht wieder einschlafen lassen möchte. Man hat doch nur dieses eine Leben und das möchte man gesund, erfüllt und so oft es geht, in Leichtigkeit, Gesundheit, innerer Zufriedenheit und Glück verbringen.

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aufreißen, beziehung, flirt, gefühle, kommunikation, letzterscheißker, liebe, one-night-stand, partnerschaft, psychologie, ratgeber, roman, roman maria koidl, ullstein extra verlag

Der letzte Scheißkerl

Roman Maria Koidl
E-Buch Text: 260 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 10.03.2017
ISBN 9783843715669
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vor allem aber erfahren wir Frauen, wie wir selbst wirklich ticken. Der Sinnspruch, dass jeder, trotz aller Selbstzweifel, seinen kleinen privaten Größenwahn hegt, kommt vollends zum Tragen. „Bei mir ist er anders, weil ich anders bin.“ Das Buch räumt nicht nur mit derlei Überzeugungen auf. Ein Mann, also ein Insider, erklärt uns die Männer. Besser geht es nicht. Jede von uns wird sich nicht nur anhand der aufgeworfenen Fragen und vorgestellten Hypothesen wiedererkennen. Der Autor entknotet Irrungen und Wirrungen mit Klartext, Humor sowie einer Rationalität, wie sie nur Männern eigen ist.

Eigene Defizite endlich erkennen, sich seinen Ängsten stellen, den immer wieder kehrenden Mechanismus durchbrechen. Oft steht man sich dabei selbst im Weg und nicht der andere. So kompliziert, wie sich Beziehungen manchmal anfühlen, ist es gar nicht. herunter gebrochen auf einen einzigen Satz wäre die „take it or leave it“. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Doch an diesen Punkt muss Frau erst einmal kommen und sich durch den Nebel von Hoffnungen, Träumen und Wünschen kämpfen. Koidl macht klar, dass so manches weibliche Ansinnen bezüglich eines Auserwählten letztendlich doch nur ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist. Und das soll es ja nun ganz und gar nicht sein, denn dafür ist das Leben bekanntlich zu kurz. Ankommen bedeutet da auch oft Weitergehen, so schwer es auch mitunter fallen mag. Wer möchte schon für seine Konkurrentinnen die Nieten aus dem Lostopf ziehen?

Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion, das ganze Repertoire der Machtspielchen werden zur Sprache gebracht und analysiert. Manchmal nicht so detailliert wie ich es mir gewünscht hätte, doch die Botschaft kommt trotzdem an. Ganz wichtig: das Ändern des Partners ist tabu, ebenso vorgefertigte Schablonen und Schemata. Es geht auch anders wie gesagt. Die breit gefächerte Studie denkt Missverständnisse auf, bietet Lösungsansätze oder gibt zumindest wahrlich interessante Denkanstöße, die vor allem vorteilhaft der eigenen Entwicklung zugute kommen.

Mit der Liebe steigt die Angst, ein Phänomen, das jeder kennt. Die verschiedenen Angsttypen werden klar voneinander abgegrenzt. Meist trifft man auf deren „Mischungen“. Doch von nun an ist zumindest etwas klarer, was im Verlaufe von Begegnungen vom Gegenüber zu erwarten ist. Ausnahmen bestätigen dabei natürlich immer die Regel. Leicht geschrieben, schwer getan. Frau hat es nicht leicht. Doch das liegt meist nur daran, dass sie es sich selbst schwer macht. 

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auswandern, heimat, heizungsableser, humor, immer aktuell, immigration, integration, kin, kindheit, kleinbürgerliche welt, krise, leben, neuanfang, polen, wien

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Radek Knapp
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Deuticke Verlag, 20.02.2017
ISBN 9783552063440
Genre: Romane

Rezension:

Tatsächlich ist der Erzählstil auffallend kreativ. Die mitunter spezielle Wortwahl, die bildhaften Vergleiche und nicht vorhersagbaren Wendungen verleihen der Handlung Schwung, der durchweg anhält. Auf verschlungenen Wegen voran. Doch wohin eigentlich? Unser junger Held hat es nicht leicht und bleibt doch vorerst beneidenswert frei und vorurteilslos im Geiste, ist neugierig auf das Leben und die Menschen, die ihm begegnen. Doch so wird es nicht bleiben. So mancher fühlt sich berufen, ihn zu modellieren, obwohl er an sich genau richtig ist, wie er nun mal ist. Dies kommt einem Stutzen seiner Flügel gleich. Der Absturz ist lange nicht in Sicht, aber unvermeidlich. Jeder hat Pläne mit dem 14jährigen Walerian, vor allem seine Mutter. Doch er selbst versteht den Sinn nicht. Das zarte Flüggewerden wird so zu einer Art Stoß aus dem Nest. Wie wird er auf dem Boden des Lebens und der Tatsachen ankommen? Landesgrenzen überschreiten ist das eine, doch kommt man damit auch bei den dort lebenden Menschen an? Ist ein vermeintlich besseres Leben dort auch wirklich besser für einen selbst? Das Gehen wird zu einer Art Getriebenheit. Er selbst merkt erst sehr spät, dass er dabei auf der Strecke bleibt. Seine Welt wird dabei nicht größer, er selbst nicht freier. Grenzen überall, die erneut eigene Grenzen innehaben. Nicht jede sind allerdings zum Überschreiten da.

Tragische Elemente wechseln sich mit komischen Situationen ab. So wird auch dem Leser gekonnt verschleiert, dass es in Wahrheit doch alles andere als gut ist, was andere mit gut gemeint so alles anrichten können, wenn es nicht das Eigene ist und nicht von einem selbst kommt. Walerian hat ein dickes Fell, doch was nützt dies, wenn es um ihn herum im übertragenen Sinne immer kälter wird? Die einzig beständige Komponente für sich ist er selbst. Doch er ist sich fremd geworden in der Fremde. Die Diskrepanz zwischen dem eigenen Wollen, den eigenen Lebensvorstellungen und der Tatsache, wie es eigentlich „läuft“, wie die anderen es zulassen, wird zusehends größer. Der eine schwimmt, um voran zu kommen, Walerian allerdings paddelt lange Zeit nur, um nicht unterzugehen.

Vom Gehen in fremden Schuhen, dem Abwerfen und dem barfuß weitergehen, davon handelt diese diese Geschichte. Und sie hinterlässt Spuren beim Leser. Lehrstunden des Lebens. 

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