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54 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

cevennen, krimi, höhlen, hugenotten, südfrankreich

In tiefen Schluchten

Anne Chaplet
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dörfliche Idylle, viel Natur und Ruhe sind zwar sehr erstrebenswert, doch eben nicht auf Dauer und vor allem nicht für unsere Spürnase Tori, eine ehemalige Anwältin, die sich allerdings nicht ganz ohne Grund in diese nicht gerade überlaufenen Gefilde, ins südfranzösische Bergdorf Belleville, zurück gezogen hat. Sie hat stets ein wachsames Auge und mindestens ein weit offenes Ohr auf ihre Mitmenschen gerichtet und so fällt es ihr auch mit als erstes auf, dass ein Hotelgast, ein holländischer Höhlenforscher, verschwunden ist. Sie geht der Sache nach, sie wühlt in der wechselhaften Geschichte des Landstriches und in den uralten überlieferten Geheimnissen der Dorfbewohner. Der Staub, den sie dabei aufwirbelt, nimmt aber im schlimmsten Fall nicht nur ihr sprichwörtlich den Atem. Keiner will etwas gesehen haben und dennoch wissen alle irgend etwas. Gerade in diesen kleinen nahezu abgeschlossenen Gemeinschaften passiert allerdings bekanntlich so allerlei.

Alte Wunden, die nie verheilt sind, Unrecht, das nie richtig gesühnt wurde. Kann sich Geschichte wiederholen? Welchen Anteil daran trägt jeder Einzelne? Wo ist der Punkt, an dem die Vergangenheit die Gegenwart berührt? Der Autorin ist es gelungen, historische Geschehnisse lebendig zu machen und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Es wird deutlich, in welchem Maße Vergangenes selbst im Hier und Jetzt nicht abgeschüttelt werden kann und wie dies die Menschen mitunter über Generationen prägt. Auch Geschichte kann spannend sein. Hier ist der Beweis.

Ein richtiger Krimi ist es allerdings nur am Rande, der vielmehr durch den, wie schon erwähnt, geschichtlichen Background und die anschaulichen Beschreibungen von Landschaft sowie dörflichem Geschehen besticht und fesselt als durch kaltblütige Morde und reißerische Aktionen. Praktisch ein guter Barnaby; handfest, stimmig, teilweise spannend und mit vielen kauzigen Charakteren. Wer als den Inspector mag und sich darüber hinaus noch für Geschichte begeistern kann, dem gefällt auch dieses unterhaltsame aber eben nur mäßig spannende Buch.

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(39)

42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

liebe, kurzgeschichten, valeriaparella, erzählungen, liebewirdüberschätzt

Liebe wird überschätzt

Valeria Parrella , Annette Kopetzki
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446256507
Genre: Romane

Rezension:

Finden, erinnern, verlieren, loslassen, überwinden, vergessen, neu beginnen. Und dies alles bei weitem nicht nur in partnerschaftlichen Beziehungen oder was erlaubt oder opportun ist. Ein Gefühlsreigen durch Menschenherzen.

Goethes Spruch „Welch ein Glück, geliebt zu werden ...“ schwingt in jeder der acht faszinierenden Liebesgeschichten mit.

Es geht nicht um Happyends, herkömmliche Klischees werden im vorliegenden Buch nicht bedient. Vielmehr werden Beweggründe geschildert, was Menschen so auf sich nehmen für einen anderen Menschen und auf welchen verschlungenen Gefühlspfaden sie sich dabei bewegen.

Wunsch, Handeln, Resultat; Liebe, egal zu wem oder zu was, hat für gewöhnlich einen Anfang, doch hat sie je ein wirkliches Ende? Und erstens kommt es anders …, kein Ende der hier geschilderten Geschichten ist voraus zu sehen. Jede Erzählung behandelt andere Konstellationen und Facetten der Liebe. Schmerzvoll und unerfüllt lieben ist eben auch eine Spielart, die nur auf den zweiten Blick sinnlos erscheint. Niemand kann aus seiner Haut und eben dieser Umstand geht unter die Haut. Daher löst die Lektüre auch beim Leser die unterschiedlichsten Gefühle aus, ist doch jeder schon selbst durch dieses Minenfeld gewandert.

Wunderschön und bitter zugleich. Die jeweiligen Hauptfiguren, die Liebenden und Geliebten, erscheinen so nah. Die Autorin versteht es, zu berühren, indem sie selbst emotional, dabei teilweise sehr sensibel und gleichzeitig mit etwas Abstand am Innersten derjenigen rührt, deren bewegende Schicksale sie beschreibt. Verschieden lag fallen dabei die einzelnen Intermezzi aus. Sie vermittelt so den Eindruck, als steht die Auswahl stellvertretend für noch unzählige weitere Geschichten, die zwar er- und gelebt wurden, nur noch nicht aufgeschrieben sind. Die Liebe – eine unendliche Geschichte, ein nie zu Ende geschriebenes Buch. 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

selbstotimierung, tanja mairhofer;, antiratgeber, leben, faulheit

Schluss mit Muss

Tanja Mairhofer
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei ZS Verlag GmbH, 05.05.2017
ISBN 9783898836548
Genre: Sachbücher

Rezension:

Gegönnte Unordnung, freiwilliger Verzicht, der natürlich nicht als solcher gesehen wird, das sind nur einige der zahlreichen Weisheiten, die uns die Autorin sehr schmackhaft zu machen versteht. Für einige wenige könnte diese Lektüre somit zum ultimativen Ratgeber avancieren, da er auch immer eine passende Ausrede oder vermeintlich plausible Rechtfertigung für das eben nicht tun bereithält, der man bisweilen so gar nichts entgegen setzen kann.

Hier hat jemand die Menschen und sich selbst genauestens beobachtet und mehr oder weniger tiefgründig analysiert. Die dargestellten Sichtweisen sind schlüssig und witzig zugleich. Jeder wird beim Lesen leicht feststellen, wie er selbst konditioniert wurde. Sehr zum Nachdenken anregend sowie zum eigenen Beobachten und Schlussfolgern motivierend, stellt man sich danach doch Fragen wie „ist das, was alle machen, wirklich immer richtig“, will ich selbst wirklich oder habe ich nur ein schlechtes Gewissen“. Gewöhnung trifft auf Überzeugung. Die eigenen Handlungs- und Denkmuster wird es aber leider bei den meisten nicht dauerhaft beeinflussen, stünde man doch damit ziemlich allein auf weiter Flur. Lacher und Aha-Effekte sind aber auf jeden Fall garantiert.

Während des Lesens war ich stets hin und her gerissen. Dieses Handeln frei nach dem Motto „mir doch egal“ oder „ich bin okay so wie ich bin“ mag ich eben bei vielen gar nicht, da es doch meist in egoistischer Weise ausgelebt wird. Ebenso sieht die Autorin manche Dinge einfach zu schwarz / weiß und urteilt für meinen Geschmack zu pauschal. Die beschriebenen Personen-Typen sind doch charakterlich sehr extrem und auch für einen Laien schnell als das zu identifizieren.

Wer schlank / mollig sein will, soll es eben sein und das darf er auch, ohne dass darüber jemand die Nase rümpft. Wer seine Wohnung sauber mag, ist noch lange kein Pedant. Ich hätte mir viel lieber eine Art Plädoyer Für „Leben und leben lassen“ gewünscht; ohne persönliche Gesamtbeurteilung, denn jeder Mensch ist nicht nur so oder so. Andererseits trägt es enorm zur eigenen Schadenfreude bei, wenn man liest, wie Möchtegerne ihr Fett wegbekommen.

Mir kommt es aber manchmal so vor, als ob Frau Mairhofer der Ablehnung der eigenen Person ein „Angriff ist die beste Verteidigung“ einfach vorweg nimmt. Und dies tut sie auf sehr unterhaltsame, aufheiternde und kluge Weise. In vielen Dingen hat sie wiederum einfach Recht. Wo aber die Grenze ist, an der sich der innere Schweinehund nicht mehr als „Retter“ sondern eher nur noch als kontraproduktiv darstellt, konnte auch sie nicht genau definieren. 

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

weltreise, honeymoon, reise, flitterwochen, abenteuer

Honeymoon XXL

Julia Richter , Stefan Richter
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.04.2017
ISBN 9783667109156
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine Frau. Ein Mann. Ein Wort. Ja! Ja zu sich selbst und gleichzeitig zur Welt. Eine bei Weitem nicht alltägliche Hochzeitsreise beginnt und wir dürfen mit dabei sein.

92967 Kilometer, 145 Nächte im Zelt, 15 Länder. Bewegende Bilder einer bewegten Reise um die Welt, die so, wie sie geschildert wird, garantiert einige Mutige zum Nachtun inspirieren wird. Die zahlreichen Fotos machen allzu deutlich, worauf es ihnen ankam, welche Momente sie unbedingt einfangen wollten. Der Blick aufs Detail verdeutlicht so mitunter mehr als ein Panoramafoto.

Das Wagnis beginnt nicht erst am Flughafen, wenn der Rucksack bereits gepackt, der Job gekündigt und der Auszug aus der geliebten Wohnung erfolgreich über die Bühne gebracht wurde.

Die Beschreibungen sind eher kurz, dafür aber präzise. Am Ende eines jeden Kapitels wird das Erlebte in einer Art Empfehlungsfazit noch einmal zusammen gefasst. So manch eigene Vorstellung wird zwar entzaubert, doch andere Gegenden werden wiederum von beiden so erlebt, dass man sich seine eigenen Urlaubsziele neu erträumen kann. Nicht alles ist bunt, nicht alles ist schön. Vorstellung trifft auf Tatsachen. Und auch Bürokratie gibt es tatsächlich überall. Kritisch hier, fasziniert dort. Natürlich lässt sich über Geschmack nicht streiten und alles liegt zudem im Auge des Betrachters, doch da es beim Lesen nicht lange dauert, bis man die beiden als offene, faire und mit einem gesunden Urteilsvermögen ausgestattete Menschen kennen lernt, schenke ich ihnen gern Glauben.

Der informative und mitreißende Reisebericht strotzt vor Internationalität, ganz nach dem Motto „Länder, Menschen, Abenteuer“. Sie geben zwar einige Interna von sich preis, ich hätte es mir titelbedingt (komm, wir flittern um die Welt) aber zusätzlich noch persönlicher vorgestellt. Kleine Landkarten wären dem besseren Nachvollzug ihrer Reise vielleicht auch zuträglicher gewesen. So eine Reise ist spannend, doch nicht minder spannender ist die Ankunft in der Realität. Davon berichtet leider kaum ein entsprechender Reisebericht. Abbruch, Erlebnis, Neuanfang; all das gehört für mich irgendwie zusammen. 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

bewegung, glück, japan, leben, hardcover

Ikigai: Gesund und glücklich hundert werden

Francesc Miralles , Héctor García (Kirai)
E-Buch Text: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 10.03.2017
ISBN 9783843715607
Genre: Sonstiges

Rezension:

Um sich des Anliegens des Buches entsprechend widmen zu können, sollte man sich der Materie vorab schon einmal geöffnet haben oder sich zumindest dafür interessieren. Argwöhnisch kann man danach immer noch sein, doch dazu wird es mit Sicherheit nicht kommen, ist doch all das, was beschrieben wird, schon hinreichend bekannt und die positive Wirkung millionenfach erprobt und selbst aus schulmedizinischer und psychologischer Hinsicht erwiesen.

Die Kapitelübersicht gibt die ganze Bandbreite menschlichen Lebens preis. Und eben das motiviert sofort zum Weiterlesen und in sich gehen. Wie lebe ich? wie erfüllt ist mein Leben? Was ist der Sinn meines eigenen Lebens? Wie schaffen es andere, so in sich zu ruhen? Was genau man sich alles aus dieser Zusammenstellung mitnehmen und tatsächlich zwischen Weckerklingeln, roter Ampel und Finanzen, kurz, in der eiligen Industrielandschaft hierzulande umsetzen kann, gilt es heraus zu finden.

Manch einer möchte intensiv leben, doch ist es nichts weiter als sich seiner eigenen Kräfte berauben. Andere wiederum möchten etwas Besonderes oder Großes schaffen. Sinnsuche in der Außenwelt. Einbahnstraße oder Kreisverkehr. Doch beim Ikigai kehrt sich diese Suche nach innen. Man erkennt sehr schnell, dass dies gar nicht so leicht umzusetzen ist. Es ist nicht laut, nicht sprunghaft. Es ist allmählich, still und vor allem konsequent. Sich etwas Herauspicken ist dabei nicht von Erfolg gekrönt.

Körperliche und seelische Gesundheit zu erlangen und zu Bewahren, so gut es geht unabhängig von den jeweiligen Umständen. Seine Nische finden, einen ständigen Zugang zu seinem kleinen Idyll finden, auch wenn es manchmal nur im Geiste ist. Gern eingehaltene Disziplin. Ein täglicher Neubeginn, ein Anknüpfen, ein mit und in sich Weiterkommen. Die Welt auch einmal draußen lassen, um in ihr leben zu können. Wahre Beschäftigung, kein „den Tag herum bekommen“, „die Zeit totschlagen“ oder „einfach irgend etwas machen“. Hier hat alles einen Sinn und vor allem Substanz.

Gesunde Ernährung, tägliche Bewegung und vor allem enge soziale Bindungen (Auge in Auge) bilden eine Symbiose, aus der alles andere resultiert. Wie steht es mit diesen so notwendigen Komponenten bei uns, bei jedem Einzelnen? Hand aufs Herz, es besteht Handlungsbedarf und es wäre dumm, es nicht zu versuchen. Maßvoll, kontinuierlich, beständig. Nur das gleich Zusammenspiel entfaltet die volle Wirkung. Alles, was man dazu braucht, ob Ernährungstipps, Bewegungsanleitungen oder psychologische Zusammenhänge, findet man in diesem einzigartigen Buch.

Eine Sehnsucht ist geweckt, die man nicht wieder einschlafen lassen möchte. Man hat doch nur dieses eine Leben und das möchte man gesund, erfüllt und so oft es geht, in Leichtigkeit, Gesundheit, innerer Zufriedenheit und Glück verbringen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

gefühle, letzterscheißker, roman maria koidl, aufreißen, beziehung

Der letzte Scheißkerl

Roman Maria Koidl
E-Buch Text: 260 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 10.03.2017
ISBN 9783843715669
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vor allem aber erfahren wir Frauen, wie wir selbst wirklich ticken. Der Sinnspruch, dass jeder, trotz aller Selbstzweifel, seinen kleinen privaten Größenwahn hegt, kommt vollends zum Tragen. „Bei mir ist er anders, weil ich anders bin.“ Das Buch räumt nicht nur mit derlei Überzeugungen auf. Ein Mann, also ein Insider, erklärt uns die Männer. Besser geht es nicht. Jede von uns wird sich nicht nur anhand der aufgeworfenen Fragen und vorgestellten Hypothesen wiedererkennen. Der Autor entknotet Irrungen und Wirrungen mit Klartext, Humor sowie einer Rationalität, wie sie nur Männern eigen ist.

Eigene Defizite endlich erkennen, sich seinen Ängsten stellen, den immer wieder kehrenden Mechanismus durchbrechen. Oft steht man sich dabei selbst im Weg und nicht der andere. So kompliziert, wie sich Beziehungen manchmal anfühlen, ist es gar nicht. herunter gebrochen auf einen einzigen Satz wäre die „take it or leave it“. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Doch an diesen Punkt muss Frau erst einmal kommen und sich durch den Nebel von Hoffnungen, Träumen und Wünschen kämpfen. Koidl macht klar, dass so manches weibliche Ansinnen bezüglich eines Auserwählten letztendlich doch nur ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist. Und das soll es ja nun ganz und gar nicht sein, denn dafür ist das Leben bekanntlich zu kurz. Ankommen bedeutet da auch oft Weitergehen, so schwer es auch mitunter fallen mag. Wer möchte schon für seine Konkurrentinnen die Nieten aus dem Lostopf ziehen?

Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion, das ganze Repertoire der Machtspielchen werden zur Sprache gebracht und analysiert. Manchmal nicht so detailliert wie ich es mir gewünscht hätte, doch die Botschaft kommt trotzdem an. Ganz wichtig: das Ändern des Partners ist tabu, ebenso vorgefertigte Schablonen und Schemata. Es geht auch anders wie gesagt. Die breit gefächerte Studie denkt Missverständnisse auf, bietet Lösungsansätze oder gibt zumindest wahrlich interessante Denkanstöße, die vor allem vorteilhaft der eigenen Entwicklung zugute kommen.

Mit der Liebe steigt die Angst, ein Phänomen, das jeder kennt. Die verschiedenen Angsttypen werden klar voneinander abgegrenzt. Meist trifft man auf deren „Mischungen“. Doch von nun an ist zumindest etwas klarer, was im Verlaufe von Begegnungen vom Gegenüber zu erwarten ist. Ausnahmen bestätigen dabei natürlich immer die Regel. Leicht geschrieben, schwer getan. Frau hat es nicht leicht. Doch das liegt meist nur daran, dass sie es sich selbst schwer macht. 

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

wien, humor, polen, integration, auswandern

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Radek Knapp
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Deuticke Verlag, 20.02.2017
ISBN 9783552063440
Genre: Romane

Rezension:

Tatsächlich ist der Erzählstil auffallend kreativ. Die mitunter spezielle Wortwahl, die bildhaften Vergleiche und nicht vorhersagbaren Wendungen verleihen der Handlung Schwung, der durchweg anhält. Auf verschlungenen Wegen voran. Doch wohin eigentlich? Unser junger Held hat es nicht leicht und bleibt doch vorerst beneidenswert frei und vorurteilslos im Geiste, ist neugierig auf das Leben und die Menschen, die ihm begegnen. Doch so wird es nicht bleiben. So mancher fühlt sich berufen, ihn zu modellieren, obwohl er an sich genau richtig ist, wie er nun mal ist. Dies kommt einem Stutzen seiner Flügel gleich. Der Absturz ist lange nicht in Sicht, aber unvermeidlich. Jeder hat Pläne mit dem 14jährigen Walerian, vor allem seine Mutter. Doch er selbst versteht den Sinn nicht. Das zarte Flüggewerden wird so zu einer Art Stoß aus dem Nest. Wie wird er auf dem Boden des Lebens und der Tatsachen ankommen? Landesgrenzen überschreiten ist das eine, doch kommt man damit auch bei den dort lebenden Menschen an? Ist ein vermeintlich besseres Leben dort auch wirklich besser für einen selbst? Das Gehen wird zu einer Art Getriebenheit. Er selbst merkt erst sehr spät, dass er dabei auf der Strecke bleibt. Seine Welt wird dabei nicht größer, er selbst nicht freier. Grenzen überall, die erneut eigene Grenzen innehaben. Nicht jede sind allerdings zum Überschreiten da.

Tragische Elemente wechseln sich mit komischen Situationen ab. So wird auch dem Leser gekonnt verschleiert, dass es in Wahrheit doch alles andere als gut ist, was andere mit gut gemeint so alles anrichten können, wenn es nicht das Eigene ist und nicht von einem selbst kommt. Walerian hat ein dickes Fell, doch was nützt dies, wenn es um ihn herum im übertragenen Sinne immer kälter wird? Die einzig beständige Komponente für sich ist er selbst. Doch er ist sich fremd geworden in der Fremde. Die Diskrepanz zwischen dem eigenen Wollen, den eigenen Lebensvorstellungen und der Tatsache, wie es eigentlich „läuft“, wie die anderen es zulassen, wird zusehends größer. Der eine schwimmt, um voran zu kommen, Walerian allerdings paddelt lange Zeit nur, um nicht unterzugehen.

Vom Gehen in fremden Schuhen, dem Abwerfen und dem barfuß weitergehen, davon handelt diese diese Geschichte. Und sie hinterlässt Spuren beim Leser. Lehrstunden des Lebens. 

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

vegetarisch, kochbuch, rezepte, lecker, kochen

Last Minute Vegetarisch – Richtig lecker kochen in nur 10 bis 20 Minuten

Anne-Katrin Weber , Wolfgang Schardt
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783954531295
Genre: Sachbücher

Rezension:

90 vegetarische Rezepte, frische Zutaten, schnell zuzubereiten, gesund und schlank machend. Der Kochlöffel bewusste Ernährung wurde von Anne-Katrin Weber sehr hoch angesetzt; und sie ist dem gerecht geworden. Die abwechslungsreiche Speisekarte mit Leichtem, Deftigem und süßen Speisen macht neugierig. Zudem legt die Autorin großen Wert auf Effektivität, also einer sinnvollen Planung, was meinen persönlichen Kochambitionen sehr entgegen kommt. Die Rezeptbeschreibungen sind leicht verständlich, die benötigten Zutaten kann jeder bequem auf dem Nachhauseweg kaufen. Die fertigen Speisen werden sehr appetitlich in Szene gesetzt und inspirieren somit schon beim Durchblättern des Kochbuches. Noch habe ich nicht alle Rezepte nachgekocht, dennoch kann ich jetzt schon sagen, dass von den 90 Zubereitungsvorschlägen ein Großteil dauerhaft für mich relevant bleiben werden. Das leckere Gesamtpaket „last minute vegetarisch“ hat mich daher voll und ganz überzeugt.

Zeitgemäß sind hier die genaue Berechnungsmöglichkeit der einzelnen Nährwertkomponenten, der sogenannte Mengenrechner, sowie die kostenlose Abrufbarkeit aller rezeptspezifischen Einkaufslisten. Nach dem Motto „gut geplant ist halb gekocht“ gibt die Autorin zahlreiche wissenswerte Tipps vorab. Die Rezeptübersicht ist zwar knapp gehalten, bietet aber dennoch eine individuelle Bandbreite der angebotenen Geschmacksrichtungen. Gängige Zutaten werden gekonnt mit kleinen Extravaganzen gekrönt oder neu kombiniert. Die Mengenangaben beziehen sich hauptsächlich auf zwei Personen. Obwohl ich die angegebene Zubereitungszeit meist überschritten habe, gehe ich davon aus, dass geübtere Küchenkünstler besser im Zeitplan bleiben werden. Wer die Rezepte als Basis benutzt, kann seinen eigenen geschmacklichen Vorlieben dahingehend gerecht werden, indem er / sie beispielsweise statt Hirse Reis oder statt einer Mango eine Papaya als I-Tüpfelchen verwendet. Auch bei rein vegetarisch muss es dabei ja nicht bleiben.

Mit diesem abwechslungsreichen und umfangreichen Kochbuch im Haushalt kann man nichts falsch machen. Es inspiriert zu eigenen Kreationen und verhilft bei der Bewirtung von Gästen mit anderen Essgewohnheiten zu einem sehr gelungenen Abend oder einem wirklich guten Familienessen, bei dem garantiert alle Teller leer gegessen werden. Ernährungsbewusste Esser werden die hier empfohlenen Speisen mit Sicherheit sogar in ihren Alltag integrieren. 

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(50)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 50 Rezensionen

pasta, nudeln, vegetarisch, kochbuch, kochen

Mia liebt Pasta

Mirja Hoechst
E-Buch Text: 136 Seiten
Erschienen bei Thorbecke, 13.02.2017
ISBN 9783799510776
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mia ist ein wahrer Nudel-Fan. Sie spricht so manchem aus der Seele. Bodenständig, pfiffig, herzlich. Da Pasta auch meine persönliche Leibspeise ist, habe ich dieses Buch, natürlich im übertragenen Sinne, sofort verschlungen. Vorfreude und Appetit stehen im Vordergrund. Dass die Rezepte fast durchweg äußerst lecker schmecken und auch hier eine leichte und schnelle Zubereitung garantieren, versteht sich von selbst.

Dieses Nahrungsmittel, oft als nur typische Kinder-Mahlzeit abgetan, hat es in sich. Stets schmackhaft, vielseitig kombinierbar und damit keineswegs nur etwas für Kinder. Im Gegenteil, Mia versteht es, Nudeln als das in Szene zu setzen, was sie wirklich sind: treue, weil dauerhaft verfügbare Begleiter durch ein ganzes Leben hindurch – als Snack, süßer Kick, Hauptgang eines Menüs, gefüllte Überraschung oder herkömmlich mit extravaganten Akzenten.

Die Autorin hat auch schon beim Teig an alle(s) gedacht, sodass auch ernährungstechnisch eingeschränkte Nudel-Fans einmal nicht auf die herkömmlichen Angebote zurück greifen müssen. Wer sich in Zukunft die Zeit nehmen möchte, um Nudeln von Beginn an selbst zuzubereiten, wäre allerdings mit einen Nudelmaschine nebst verschiedenen Aufsätzen sehr gut bedient, denn das Auge isst ja bekanntlich mit und es gibt ja auch die verrücktesten Nudelformen. Auch geschmackliche Horizonte werden neu eröffnet. Was man mit Nudeln alles machen kann, war mir noch gar nicht bewusst; bis jetzt. Nur bei den Schoko.Ravioli bleibe ich konservativ und somit skeptisch. Ebenso werde ich mich beim Knoblauch etwas zurückhaltender sein.

Die Rezepte sind meist für vier Portionen ausgelegt. Wer keine Familie bekochen muss, kann sich so direkt auch gleich etwas mit vorkochen. Alles selbst machen, angefangen von den Nudeln über bewährte Saucen bis hin zum Pesto – ein ausgesprochen appetitanregendes Erlebnis. Der spätere Verzehr – ein Genuss.

Jeder, der Nudeln liebt, weiß, sie schmecken immer! Und mit dieser Überzeugung in Kopf und Magen, ist es unmöglich, dass eines dieser kreativen Rezepte misslingt. In 1, 2, 3, 4 fertig! 

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(40)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

krebs, weltreise, roman, leben, überleben

Überleben ist ein guter Anfang

Andrea Ulmer
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548613086
Genre: Romane

Rezension:

Krebs. Die Diagnose ist ein Schock. Lähmende Angst und Beklemmung machen sich breit. Hat mach selbst noch ein Zukunft? Doch genau dagegen versucht die Autorin anzuschreiben. All das, was mit dieser Diagnose und der danach einsetzenden Behandlung einher geht möchte sie umleiten und in etwas umwandeln, was den Gedanken an eine Zukunft ermöglicht, Hoffnung gibt oder zumindest Ablenkung verschafft.

Auch wenn es vielen betroffenen Frauen so vorkommt; man ist nicht allein! - nicht allein mit seiner Angst, seinen Schmerzen, seinen Nebenwirkungen, den Veränderungen von Körper und Seele, der Hoffnungslosigkeit, die sich immer wieder Bahn brechen will. Es gibt viele Betroffene, eine jeder mit ihrem ganz persönlichen Dilemma.

In dieser Geschichte haben sich einige dieser Frauen im wahrsten Sinne des Wortes gefunden. Es ist überwältigend, zu erleben, wie offen und freundschaftlich diese Frauen miteinander umgehen und diesen schweren Weg zurück ins Leben und zu sich selbst gemeinsam gehen. Abgeklärtheit trifft auf Hoffnungslosigkeit, Sarkasmus auf Wehmut, Zuversicht auf Resignation. Alles mischt sich, neue Blickwinkel werden ermöglicht, Stillstand und Abwarten enden. Bewusstes Agieren als Teil einer Gemeinschaft und für sich selbst offenbaren den Wert und die Schönheit des Lebens auch in dunklen Zeiten, in denen man glaubt, dass sie nie vorbei gehen würden. Akzeptanz der Situation, Überwindung des ersten Schocks, dann geht es weiter, ja sogar erst richtig los – im Muss auch ein Wollen.

Dieses Buch zu lesen, zu erfahren, wie Frauen gemeinsam ihr schweres Schicksal meistern, ist wie ein warmer Sommerregen für die Seele, wie ein leises Ausatmen, erleichternde Entspannung. Als enge Angehörige einer Betroffenen hätte ich dieses Buch sehr gern eher in´ Händen gehalten. Man fühlt sich nicht mehr so hilflos und nur danebenstehend. Man kann die eigenen Ängste um den geliebten Menschen besser im Zaum halten und so vor allem eine bessere Stütze und Begleiter sein.

Höhen und Tiefen, Trauer und Freude, Hoffnung und Angst. Kampflos aufgeben? Nein! Sterben ist keine Option. Erst mal Überleben. Das ist ein guter Anfang!

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(46)

48 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 48 Rezensionen

kochen, englische küche, diana henry, kochbuch, diverse gerichte

Simple

Diana Henry , Margot Fischer
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 13.01.2017
ISBN 9783869137599
Genre: Sachbücher

Rezension:

Groß, dick, schwer. Da hat man wirklich das Gefühl etwas Gutes in den Händen zu halten. Reich an nützlichen Tipps und wahrhaft extravaganten Rezepten, die man einmal mehr, ein anderes Mal weniger gut variieren kann. Neuentdeckungen stehen gleichberechtigt neben alt Bewährtem und werden schmackhaft miteinander vermischt oder ergänzt. Mit diesem Buch isst man sich im wahrsten Sinne des Wortes um die ganze Welt. Es spricht daher vielleicht vorrangig Liebhaber der internationalen Küche an. Ebenso werden experimentierfreudige Hobby-Köche großen Gefallen an diesem Kochbuch finden, erhalten sie hier doch ein reichhaltiges Sammelsurium neuer Gewürze und nicht so oft verwendeter Nahrungsmittel.

Vorab und zwischen durch informiert die Autorin den Interessierten über ihre persönliche Intention und Motivation. Auch wenn die Abbildungen der zubereiteten Speisen mitunter etwas zu rustikal ausfallen, man mitunter selbst nicht von den arrangierten Tellern essen möchte, die Gerichte darauf haben es mir in jedem Falle angetan. Ebenso einfach wie schnell zuzubereiten sollen sie sein und grandios schmecken. Herzhaft steht im Mittelpunkt. Das i-Tüpfelchen bilden süße Sachen ganz am Ende des Buches.

Viele Gerichte waren mir bis dahin völlig unbekannt. Daher war ich nicht ganzh so mutig, auch wirklich alle Rezepte einmal auszuprobieren. Ich habe mich nur an die heran gewagt, bei denen ich auch ungefähr wusste, wie sie am Ende schmecken sollten. Die Mengenangaben beziehen sich hauptsächlich auf zwei Personen. Man kann diese also sehr leicht bis zum zu bewirtenden Personenkreis umrechnen. Für Kinder sicher verträgliche und auch wirklich bevorzugte Speisen sind nicht ganz so häufig vertreten.

Die Beschaffung der Zutaten bei nicht wenigen Rezepturen stellt mitunter eine echt Herausforderung dar. Ganz ohne eine Bestellung im Internet wird es nicht gehen, um die wirklich besondere Note zu erhalten. Nicht ganz so strebsame Köche werden natürlich traditionelle Alternativen finden, obwohl es dann aber nicht mehr dasselbe fertige Gericht wäre. Doch damit wären gerade sie dem eigentlichen Hauptthema „Simple“! Näher gekommen als die Autorin selbst. Ihre inspirierenden Ankündigungen motivieren ungemein, halten aber nicht allen auftretenden Eventualitäten glaubhaft Stand. Ein Kochbuch, das man zwar mit im Schrank haben, das aber dort nicht allein stehen sollte.


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240 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

schweden, krimi, fabian risk, dänemark, mord

Minus 18 Grad

Stefan Ahnhem , Katrin Frey
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 02.01.2017
ISBN 9783471351246
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In diesem Krimi stehen die umfangreiche Polizeiarbeit sowie das Privatleben der Ermittler eindeutig im Vordergrund. Die Handlung ist durchwoben von einer eher dezenten Spannung, die nicht auf Sensation, Nervenkitzel oder viel Blut setzt. Vielmehr stehen die individuellen Persönlichkeiten der Polizisten im Vordergrund, die in diesem schwierigen Fall akribisch recherchieren und so sehr realitätsnah einem Täter auf die Spur kommen, dessen wahre Motive schwer nachzuvollziehen sind.

Einen aufwühlenden Einstieg bietet schon der Prolog. Ein Sadist hat das nächste Opfer in seiner Gewalt. Die schrecklichen Momente des Krimis werden danach immer wieder großzügig von anfangs als nebensächlich empfundenen Beschreibungen unterbrochen. Doch auch diese scheinbar stilleren Momente haben es in sich, verdeutlichen sie doch die jeweilige Problematik, die sich hinter einem jeden verbirgt und die er überall mit sich nimmt. Berufliches und Privates verschwimmen oder vermischen sich. Kommissar Risk und seine Kollegen kommen so im Verlauf der Handlung nicht nur dem Täter immer näher sondern auch dem Leser.

Ein Erzählstrang nach den anderen tut sich auf, tangiert einen weiteren oder verschmilz mit einem anderen. Dies führt jedoch zu keinerlei Verwirrung. Die Dynamik der Handlung wird dadurch genährt und ein Fortschreiten selbiger erzeugt.

Die markante Stimme Vorlesers, seine schier punktgenauen Betonungen, besonders bei dramatischem Geschehen oder wörtlicher Rede, machen dieses Hörbuch zu einem Hörerlebnis. Ihm ist es auch geschuldet, dass man den Eindruck bekommt, man hätte den Krimi in seinem Umfang und in seiner Vielschichtigkeit niemals allein lesend ebenso erfassen können. Das Erzähltempo ist angenehm zügig, aber nicht gehetzt und wird auch stets dem Handlungsgeschehen angepasst.

Auch wenn mitunter der Eindruck entsteht, die Handlung entfernt sich vom eigentlichen Kernproblem, verliert es der Autor doch nie aus den Augen und somit der Leser auch nie ganz aus dem Blick. Im Nachhinein wird alles schlüssig und nachvollziehbar. Ein Krimi, der tief blicken lässt; in die Seelen von Jägern und Gejagtem ebenso wie hinter die Kulissen des Polizeiapparates. 

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(56)

61 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

dystopie, julian fröhlich, gut und böse, spannung, macht

Gut & Böse

Julian Fröhlich , Veronika Aretz , Veronika Aretz
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei VA - Verlag Aretz, 16.11.2016
ISBN 9783944824611
Genre: Romane

Rezension:

2031. Pure Willkür herrscht in dieser rauen und harten Welt, in der alles so klar geordnet scheint – vermeintlich „Gute, Rechtschaffene“, sogenannte „Böse, Ausgestoßene“. Es geht ums nackte Überleben. Doch ist das, was dann vom Leben bleibt wirklich lebenswert? Die vielen Parallelen zu unserer Gegenwart machen dieses Szenario noch mehr zu einer Horrorvorstellung. Die Handlung ist zu nah an unserem Jetzt, um wirklich Fantasy zu sein. Und das ist auch so gewollt, um den Leser aufzurütteln und zu sensibilisieren. Beklemmend, düster, kalt, Brutalität und Ausgeliefertsein. Unnütze Menschen? Weg damit! Man selbst wäre in einer solchen Welt sicher verloren. Ein Miteinander, wie wir es kennen, existiert nicht mehr. Für den Einzelnen besteht kaum noch die Möglichkeit, sein Schicksal selbst zu beeinflussen. Alle haben Angst, wissen aber gar nicht richtig, wovor und vor wem es sich in Acht zu nehmen gilt., um nicht aufzufallen. Menschliche Handeln allein kann sich schon als gravierender Fehler erweisen, den man teuer bezahlt. Doch einige haben noch nicht aufgegeben. Zu ihnen gehört auch Samuel. Noch auf der Seite der Guten, bekommt er mehr und mehr Zweifel am Handeln der Regierung. Und damit wird auch er in einen Strudel mit hinein gezogen, aus dem es anfangs kein Entrinnen zu geben scheint.

Keine rasante Handlung, kein nennenswerter Spannungsbogen. Der Autor lässt sich Zeit, legt keinen Wert auf Sensation. Er möchte vielmehr zum wirklichen Nachdenken anregen. Dies wiederum erreicht mitunter belehrende Züge. Er scheint in seinem Werk die Themen Europäische Union, Rassismus, Migration und Flüchtlinge politisch korrekt verarbeiten zu wollen. Der Ansatz dazu ist zwar gelungen, doch blendet auch er einige kritische Aspekte aus. Dem einen wird dies auffallen, anderen Lesern wird dies wiederum nicht gewahr werden. So lange Meinungen auch als Meinungen vertreten werden und nicht den Anspruch von absoluter Wahrheit innehaben wollen, sei es erlaubt, bildet dies doch auch die Grundlage der eigentlichen Geschichte, die erzählt werden soll. Denn auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen gut und böse, richtig und falsch fast permanent. Nichts steht wirklich fest, die eigene Position ist fragil, niemand weiß, was als nächstes geschehen wird. Wer auffällt, wird aussortiert. Wer aussortiert wurde, wird ausgrenzt. Wer nun so abseits gehalten wird, läuft Gefahr, ausgemerzt zu werden. Euthanasie, ohne gleich zu töten. Wer die Macht hat, bestimmt, auf welcher Seite jeder einzelne steht. Ist das aber richtig und ist das wirklich gut? 

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(73)

84 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

vegan, rezepte, diät, kochen, abnehmen

Vegan for Fit Gipfelstürmer – Die 7-Tage-Detox-Diät

Attila Hildmann , Hubertus Schüler , Justyna Krzyzanowska
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 02.12.2016
ISBN 9783954531318
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es werden große Ankündigungen gemacht. Ob diese dann auch tatsächlich eintreten, ist zunächst mit Zweifeln behaftet. Doch die Beschreibung des Wirkmechanismus leuchtet ein. Du bist, was du isst. Richtig essen und sich bewegen. Dies wird in diesem Buch in einer sehr speziellen Art und Weise behandelt, dass man es einfach einmal ausprobieren muss. Dies kann man allerdings schwerlich im Alltag bewältigen, neben Arbeit und Familie. Hierzu ist dann schon eine Woche Urlaub von Nöten. Damit ist das Rezepte- und Bewegungsbuch zwar nicht alltagstauglich, liegt aber umso mehr im Trend, werden doch Körperkult und Essgewohnheiten heutzutage mehr denn je zelebriert und personalisiert betrieben.

Doch bevor es losgehen kann, gibt es viel Wissenswertes zu lesen. So wird gleich zu Beginn dezent aus all die anderen Bücher und Events des Autors hingewiesen. Und auch für das vorliegende Werk garantiert er fast 100 Prozent Erfolg, wenn er seinen Lesern und Mitmachern Glauben schenkt. Ich glaubte bislang, dass Entgiftung des Körpers nicht unbedingt etwas mit Abnehmen zu tun hat. Hier wird beides in einer Art kombiniert und gepriesen, die mich nachdenklich macht.

Die Fakten sind nicht wirklich neu. Essen wie Kaiser, König, Bettelmann über den Tag hinweg, viel Trinken usw.. Damit ist kein neues Fahrrad erfunden, das vorhandene wurde eher recht peppig bemalt. Und Nachteile scheint es sowieso keine zu geben.

Wer bereits Erfahrung mit dem Thema Entschlacken hat und selbst die eine oder andere entsprechende Kur absolviert hat, wird hier in jedem Fall neue Anregungen für die neuerliche Kur finden, zumal hier eben einmal nicht gehungert wird. Man soll sogar dabei ausdrücklich Nahrung zu sich nehmen, aber eben nur bestimmte. Wer sich zu so etwas bislang nicht durchringen konnte, wird es auch diesmal nicht tun. Nur ein enger Leserkreis wird sich durch den Autor angesprochen fühlen, zu dem ich ganz und gar nicht gehöre. Obwohl gründlich gelesen, verstanden und verinnerlicht, mögen andere ihm nacheifern. Ich indes werde einige seiner wirklich leckeren Rezepte stressfrei nachkreiren und nach dem Verzehr eine Runde Rad fahren und weiter auf spezielle Entschlankungs-Tees setzen. 

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(120)

171 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 98 Rezensionen

mata hari, paulo coelho, spionage, spionin, roman

Die Spionin

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.11.2016
ISBN 9783257069778
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch beginnt mit den ergreifenden Details der Hinrichtung Mata Haris. Sie faszinierte die Männer. Doch diese waren es auch, die nach ihrem Tod schrien.

Wenn zwei (Mann oder Frau) das gleiche tun, ist es längst noch nicht dasselbe. Das wird am Beispiel des bewegenden Schicksals von Margarethe Zelle alias Mata Hari nur allzu deutlich. Sie war ihrer Zeit voraus und damit auch dem damaligen Rollenbild und Sittenverständnis der Gesellschaft.

Viel wurde über sie berichtet und dies in einer Spannbreite, die von Huldigung bis Verteufelung reichte. Doch hier ist es bemerkenswerte Weise ausgerechnet ein Mann, Paulo Coelho, der diese mutige Frau in seinem Buch zu Wort kommen lässt und ihr damit ein vielschichtiges Denkmal setzt und sie zum einem großen Teil damit auch rehabilitiert. Ihr Worte „mein einziges Verbrechen war, eine unabhängige Frau zu sein“ werden zur Wahrheit.

Sie war nie richtig einverstanden mit dem Platz, den man einer Frau in der damaligen Zeit zudachte. Sie wollte mehr – ein wirklich selbst bestimmtes Leben führen, eine unabhängige Frau sein. Dafür wurde sie von vielen bewundert aber vor allem auch gehasst. Eine erzwungene Freiheit und damit auch kein leichtes Leben, denn die vorausgehen, gehen meist allein. Das war ihr stets bewusst, doch das war es, was sie wollte und wofür sie auch einen hohen Preis bezahlt hatte. Während sie in einem Brief noch einmal ihre Lebensgeschichte an sich vorbei ziehen lässt, ahnt sie nicht, wie hoch dieser Preis tatsächlich für sie sein wird. Das ist bitter für den Leser, denn er lernt eine tapfere, lebensbejahende und kluge Frau kennen, die wegen Hochverrats im Gefängnis sitzt und doch sehr schnell klar wird, dass allein sie es ist, die heimtückisch verraten wurde.

Ja, auch sie strebte nach Geld und macht. Dies sind nicht gerade eherne Ziele, doch was ist schlimmer daran, wenn eine Frau dies tut? Mata Hari ist tot, das Buch geschlossen. Wir bleiben mit Fragen und Erkenntnissen zurück; und vor allem mit Empfindungen, die von Mitleid und Bewunderung bis hin zu Groll reichen. Ist es heute die richtige Zeit für Frauen oder ist es noch immer ein Unterschied, ob Mann oder Frau dasselbe tun? Diese und viele weitere Fragen drängen sich beim Lesen auf. Noch immer ist es mehr Kampf als Selbstverständlichkeit, wenn Frauen ihren eigenen Weg gehen wollen. Die Vergangenheit – ihre Geschichte – für viele noch heute Realität. Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele Frauen – aus jeder Epoche – die es wagten, anders zu sein.

Gleichzeitig gibt es aber auch den Blick auf ihre Mitmenschen frei und in die Köpfe der sogenannten feinen ehrenwerten Leute, die in Bigotterie, Vorurteilen und Intoleranz verhaftet waren. Sie selbst hat ihren Platz im Leben nie wirklich gefunden. Dennoch war sie bis zuletzt nicht bereit, diesen sich vo irgend jemandem zuweisen zu lassen.

Nicht unbedingt nur ein Buch für Frauen, waren es doch größtenteils Männer, die das Leben und Streben Margarethe Zelles tiefgreifend beeinflusst haben. Der handgeschriebener Brief einer Frau wird so zum entlarvenden Sittengemälde und zum Spiegelbild der Gesellschaft. 

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(41)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

thriller, los angeles, rapper, joe ide, privatermittler

I.Q.

Joe Ide , Conny Lösch , Conny Lösch
Flexibler Einband: 387 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.11.2016
ISBN 9783518467282
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon die einleitenden Gedanken des ermordeten Rappers Tupac Shakur lassen erahnen, in welche Welt der Leser eintauchen wird. Und tatsächlich bewegt sich unser Titelheld in einer kriminellen Halbwelt, in der das Recht des Stärkeren gilt und störende Leute aus dem Weg geräumt werden. Jeder nimmt sich, was er kann und dabei ist auch jedes Mittel recht.

Spannend, ja bisweilen direkt lustig geht es zu. Zudem stellt sich Isaiah Quintabe schnell als eine sehr seltene Mischung aus Sherlock Holmes und Monk heraus. Seine Beobachtungs- und Kombinationsgabe lassen den Leser permanent erstaunen. Genial. Ein geniales Unikat wurde hier vom Autor kreiert, weder verstaubt noch altbacken, ausgestattet mit einer enormen Kenntnis der menschlichen Natur, dem man sofort an den Lippen hängt und dem man selbst gern sein Vertrauen schenken würde. I. Q.? Mehr als i. O.! Doch man selbst möchte keinesfalls mit ihm tauschen und auch der Umgang mit ihm ist gewöhnungsbedürftig.

Nach dem unerwarteten Tod seines geliebten Bruders ist er ganz allein auf sich gestellt; Wohnung, Geld, Schule. Sein Bruder war ihm Vorbild und Kamerad zugleich. Und so tut er für seinen Lebensunterhalt genau das, was er am besten kann – Rätsel lösen. Das dies mitunter auch sehr gefährlich werden kann, versteht sich von selbst. Ihm zur Seite steht Dodson, ein eher ungeschickter Kleinkrimineller. (Die Namensähnlichkeit mit Sherlocks altem Freund Watson kommt für mich nicht von ungefähr.) Wenn I. Q. einmal Witterung aufgenommen hat, lässt er nicht mehr locker. Seine Erfolgsquote liegt nahezu bei 100 Prozent. Und so wenden sich die verschiedensten Leute lieber an ihn als an die Polizei. Den heiklen Auftrag eines zahlungskräftigen Klienten kann er aus finanziellen Gründen nicht ablehnen, obwohl er sofort ahnt, dass diesmal alles von ihm abverlangen wird. Auch der Tod des Bruders lässt ihm keine Ruhe. Der Verantwortliche läuft noch frei herum.

Trotzdem er sich so in der Gosse bewegt, bleibt I. Q. Für den Leser doch immer rein, reell und vor allem auf der guten Seite. In den Dialogen wird kein Blatt vor den Mund genommen, was daher auch ein jüngeres Publikum sehr gut anspricht. Einzelne Erzählstränge werden unkompliziert ineinander überführt. Der Autor legt Wert auf die Grautöne. Nichts ist einfach nur Schwarz und Weiß. So erscheint auch der fieseste Typ bisweilen als menschlich und sein Handeln als nachvollziehbare Notwenigkeit, weil der Leser die mitunter sehr aufschlussreichen Hintergründe der Personen kennt. Erfrischende Spannung mit zahlreichen Aha-Effekten. I. Q., edelmütig, tapfer, intelligent, einsam, ein eher stiller Held in dieser lauten Welt – doch damit mein neuer Held! 

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(16)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

treubel, leben

LiebesLeben

Helmut Treubel
Flexibler Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Treubel, Helmut, 01.11.2016
ISBN 9783981823905
Genre: Romane

Rezension:

Obwohl ich nach dem Lesen des Klappentextes kurzzeitig selbst nicht mehr wusste, wer ich bin, erwartete ich doch zumindest von der Lektüre erklärende Zusammenhänge bezüglich eigenen Denkens und Handelns sowie tiefgründiger Reflexion persönlicher gedanklicher Strukturen. Diese Erwartung wurde leider enttäuscht. Das Buch beinhaltet nichts, woraufhin sich der Leser in irgend einer Weise angesprochen fühlt. Der Autor spricht mit sich selbst wie vor einer Art Spiegel. Ein egozentrischer Monolog, bei dem der Leser außen vor bleibt.

Eine hohe Konzentration beim Lesen ist angesagt. Ein umständlicher Satzbau sowie ein verwirrender Ausdruck erschweren das Nachvollziehen seiner Ausführungen und macht dies durch übersteigerte Sinngebungsversuche seitens des Autors bisweilen sogar unmöglich. Wer verstanden werden möchte, sollte auch die Fähigkeit besitzen, sich verständlich auszudrücken. Doch darum geht es Treubel ganz und gar nicht. Er zelebriert sich selbst, er schreibt sich alles mal so richtig von der Seele. Dabei bleibt er ganz bei sich, stellt Thesen auf, die er dann wieder zerredet, ja regelrecht zerdenkt. Treubel möchte wissen, was in ihm ist. Er bohrt, er quetscht, er stochert. Mit dem, was dabei heraus gekommen ist und nun von uns gelesen werden kann, bestätigt er unfreiwillig meine persönliche These, dass man nichts erzwingen kann, dass man warten sollte, bis was auch immer aus einem von selbst heraustritt, da man erst dann vom Bewusstsein her dafür bereit ist, denn das Unbewusste lässt sich nun mal nicht erpressen.

Zu viel Sinn in seine Worte legen zu wollen erzeugt gewöhnlich einfach nur Unsinn. Konstruierte Sätze wie „Auch ich war einmal in die dunklen Tiefen meiner Seele versunken, in die ich verschlagen wurde, weil meine Vergangenheit nicht weit genug in die Zukunft gereicht hatte. Da saß ich dann und wusste gar nicht, was ich sagen solle.“ S. 8 sind aufeinander folgend und sich wieder aufhebend. Es erfolgt keine Klärung, kaum eine feststehende Schlussfolgerung. Sinn, Zweck, Ziel, Antrieb bleiben im Dunkeln.

Ich bin mit dem Gelesenen nie warm geworden. Der Autor wurde mir mit jeder Seite suspekter. Das einzig Positivem, das ich dieser Lektüre abgewinnen kann, ist die Reibung an sich selbst, die beim Lesen erzeugt wird. Man bekommt unendlich viele Gelegenheiten, sich von den Äußerungen des Autors zu distanzieren, sein eigenes Bewusstsein zu prüfen, über sich selbst nachzudenken und dabei beruhigt festzustellen, dass man bei sich selbst nichts nachjustieren muss. Ich finde, man sollte Vorsicht beim Lesen walten lassen, klingt doch vieles zu esoterisch, unausgegoren oder an den Haaren herbei gezogen. Nicht gefestigte Menschen kann der Text noch mehr verunsichern, alle anderen werden sich beim Lesen fragen, warum sie eigentlich weiter lesen sollen. Mein Fazit ist daher, wer diesem Buch etwas abgewinnen kann, hat ein Problem. Wer dieses Buch beizeiten weglegt und schnell vergisst, ist auf einem guten Weg. 

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(112)

222 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 86 Rezensionen

barbarazweig, heiligendamm, liebe, ostsee, weihnachten

Winterblüte

Corina Bomann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783471351420
Genre: Historische Romane

Rezension:

Jahrhundertwende. Trister Alltag in engen Bahnen bestimmt das Leben der Frauen, besonders junger Mädchen. Ihre Wege sind vorgegeben. Standesdünkel und Traditionen. Etikette, Ansehen und eine eventuelle Chance zu gesellschaftlichem Aufstieg bestimmen das Denken und Handeln. Kein guter Platz für frei denkende und lebensfrohe junge Menschen. Das bekommen auch die Geschwister Johanna und Christian Baabe aus dem Kurort Heiligendamm zu spüren. Sie ist heimlich verliebt in einen jungen Mann, der nicht ihres Standes ist und auch ihr Bruder läuft Gefahr, jemanden heiraten zu müssen, den die Eltern für ihn auserkoren haben. Wir tauchen ein eine Welt, die man sich heute nur noch schwer vorstellen können und doch ist alles noch gar nicht so lange her. Es herrscht Winter im Land, doch Sommer im Geiste dieser jungen Menschen. Sie werden ihr erhofftes Leben nicht so leicht aufgeben und zumindest versuchen, ihrem gesellschaftlichen Korsett zu entkommen. Das Schicksal wird ihnen dabei behilflich sein. Eine Fremde tritt in ihr Leben und mit ihr die Hoffnung.

Eindringlich schildert die Autorin die seelische Zerrissenheit und den bedrückenden Gewissenskonflikt der beiden jungen Mädchen. Es wird aber auch deutlich, dass es den Männern in Hinsicht auf Freiheit nicht unbedingt besser erging als den Frauen.

Das tragende Element dieser bittersüßen Geschichte ist der Barbarazweig, den die Fremde bei ihrer Auffindung bei sich hatte. Blüht dieser zu Weihnachten und trägt seine Winterblüte, weist dieses Ereignis in eine positive Zukunft. Die Knospen erwachsen wie auch die vier jungen Menschen. Sie finden zueinander und damit auch zu sich selbst, getragen stets von der Hoffnung auf das ersehnte Blühen. Ehre und Pflicht im herkömmlichen gesellschaftlichen Sinne wandeln sich in ihnen zum zueinander halten und sich füreinander zu bekennen – eine ganze andere Ehre, eine ganz persönliche Pflicht, bietet nur diese allein eine Chance auf wirkliches privates Glück.

Die Spannung wird ununterbrochen durch das Auftauchen von allerlei Geheimnissen und vielen sehr romantischen Intermezzi gehalten. Man möchte das Buch in einem Stück lesen, zu sehr ist man von der abwechslungsreichen Handlung ergriffen. Die Autorin versteht es auch gekonnt, die Geschehnisse immer wieder zuzuspitzen. Dennoch auf ein gutes Ende hoffend, begleitet man Johanna, Barbara, Christian und Peter auf ihrem beschwerlichen Weg zueinander, in finsteren Momenten allein getragen durch den Gedanken an ein Wunder, an ein Erblühen trotz Kälte; genau wie dieser magische Zweig. 

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(131)

224 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 93 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, geld

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 13.02.2017
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:

Vier Geschwister, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Nur die Aussicht auf das baldige Erbe verbindet sie und ist auch der einzige Anlass, sich wiederzusehen. Was daraus entsteht, ist wenig humorvoll. Egoismen, mangelnde Moral, Kriecherei. Jeder möchte sein Stück vom Kuchen abhaben und jeder denkt dabei, dass er das größte Stück verdient hat. Es muss etwas herausspringen, denn das noch nicht einmal geerbte Geld hat jeder schon für sich verplant. Melody wachsen die Ausgaben für Haus und Kinder über den Kopf, Playboy Leo braucht sowieso immer Geld, Beatrice, wenn schon nicht so erfolgreich im Beruf, möchte sich wenigstens ein schöneres Heim gönnen und Jack Geschäft lechzt schon seit längerem nach einer Finanzspritze. Was steht einem zu? Was ist man selbst schuldig? Die verschiedenen Ansichten darüber machen Diskrepanzen deutlich und provozieren Konflikte.

Im ersten Teil des Buches treffen sich die Plumb-Geschwister in einer Bar. Während alle nacheinander eintrudeln, bekommt der Leser umfassend Gelegenheit, die vier kennen zu lernen, ihre Vergangenheit, ihr vermeintlich eigenständiges Leben, ihre Freuden und Ängste, aber vor allem ihre neuen Pläne mit dem Geld – des Nestes, ihres Erbes. Sympathischer werden sie einem dadurch nicht. Man kommt ins Grübeln, was in der Kindheit schief gelaufen ist. Geschwisterliebe ist kaum zu spüren. Ebenso wenig gehen sie auf die Trauer der Mutter ein. Sie kommt in diesem Buch bezeichnenderweise am wenigsten zu Wort.

Das Nest, der Hort ihrer Kindheit, im Laufe der Jahrzehnte zum späteren Erbe geworden, ist nun ein Pulverfass. Und der Druck wächst dementsprechend. Als Leser möchte man fest daran glauben, dass es in der eigenen Familie anders aussieht. Doch tut es das wirklich? Auch die Plumbs ahnten vorher nicht, was eine Erbschaft so alles auslösen kann. Dem einen oder anderen wird so der Spiegel vorgehalten. Es liegt an uns, ob wir hineinsehen und erkennen oder nicht.

Vor uns spielt sich ein eher tragischer als komischer Zirkus ab, eine abgründige Offenbarung des menschlichen Wesens, ein Seelen-Striptease, bei dem jeder die Hüllen fallen lässt, sich aber warm angezogen fühlt. Man steht aber dennoch unbeteiligt dabei. Ich zumindest bin mit den Charakteren nicht so recht warm geworden. Das liegt aber weniger am Schreibstil als vielmehr an meiner eigenen Sicht auf die Dinge. Manche Interna einzelner Familienangehöriger gehen mich auch einfach nichts an, sind nebensächlich. Die Familie bleibt unter sich. Interessant wiederum ist die Meinung, die jeder so für sich privat über die anderen hat. Der Leser ist somit stets der Einzige, der alles weiß.

Im ersten Teil des Buches ist noch alles soweit in Ordnung, doch die An(Spannung) steigt mit der Angst der Geschwister, zu kurz zu kommen. Der Ton wird allmählich schärfer. Diese Steigerung flaut allerdings hin und wieder ab, weil die Handlung sich zeitweise in Nebensächlichkeiten verliert und man als Leser den Eindruck hat, dass die Handlung abschweift.

Eine Analyse des Miteinanders bleibt auch im zweiten Teil aus. Jeder dreht sich um sich. Es wird ruhiger. Die Konfrontationen verebben, jeder leckt seine Wunden, die das Leben schlug. Bedauernswert einerseits, doch nicht zu bedauern andererseits. Eine gehobene Gesellschaft und doch irgendwie verkommen.

Der letzte Teil des Buch beinhaltet die Konsequenzen, die jeder für sich aus den Geschehnissen zieht. Eine gewisse, wenn auch für manches Familienmitglied unbefriedigende Struktur ist wieder erkennbar. Hat sich wirklich etwas verändert? Geht nun wieder jeder seiner Wege, driftet man wieder auseinander?

Eine Handlung, die bei mir nach dem Lesen schnell verblassen wird, tangieren die Befindlichkeiten dieser Familie meine eigenen glücklicherweise nicht im geringsten.

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(42)

56 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

fantasy, magier, magie, meister, drachen

Ormog

Thomas Engel
Fester Einband: 365 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 13.07.2016
ISBN 9783944788302
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die jungen Leser werden es vielleicht nicht mitbekommen, doch der Prolog liest sich für mich wie eine kindgerecht beschriebene Zusammenfassung derzeitiger politischer und gesellschaftlicher Ereignisse. Anderer Planet, gleiches Dilemma also?

Unabhängig davon kommt das Buch auch so sehr komplex und damit anspruchsvoll daher. In ihm finden die unterschiedlichsten Genre ihren Anklang – Märchen, Fantasy, Science Fiction, Historie, Action, Mantel- und Degen-Mentalität. Romantische Momente sind hingegen kaum zu finden, was diese Lektüre wiederum mehr für Jungen / angehende Männer favorisiert.

Auch spielen hier Menschen nur eine Nebenrolle. Sie leben lediglich mit im Land der Magier, werden geduldet. Sie nützen an sich nicht viel, sind sie doch schwach und keiner Magie mächtig. Auf sie wird dementsprechend wenig Rücksicht genommen, womit die Magier beider verfeindeter Seiten zusätzlichen Hass auf sich ziehen. Konfliktpotential, Dunkelheit und Disharmonie sind also mehr als genug vorhanden.

Auf Magnus, speziell im Land Kamal ist Zauberei eine Selbstverständlichkeit. Zwischen dem Weißen Orden, dem auch Ormog angehört und der Scharzen Gorgul-Sekte ist ein ungeheurer Machtkampf im Gange, der auch mit allen Mitteln ausgefochten wird. Keine heile Welt und auch kaum Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Begrifflichkeiten wie Meuchelmord, Verlangen nach Blut, Brandgeschosse, Schreie von Sterbenden etc. verdeutlichen drastisch, wie gewalttätig und unnachgiebig sich die Parteien bekämpfen und ist daher eher nichts für zartbesaitete Leser. Die komplexe Handlung mit ihren verschiedenen Zeit- und Handlungssträngen kann ebenso leicht überfordern wie die schwer einprägsamen Phantasienamen. Der epenhafte Roman ist doch eher besser für Viel- denn für Erstleser geeignet.

Die Vergangenheit und das Jetzt wechseln sich ab, ebenso die Berichte der einzelnen Handelnden. Obwohl die einzelnen Kapitel getrennt und eindeutig benannt sind, muss man als Leser doch immer wieder umdenken, damit man einigermaßen folgen kann. Das macht das Lesen allerdings sehr unruhig und stockend. Ab der Buchmitte kehrt dann diesbezüglich etwas „Ruhe“ ein. Die einzelnen Stränge haben sich verbunden oder laufen alle in dieselbe Richtung.

Als Buch ist der Lesekreis doch ziemlich eingeschränkt. Es wäre daher wünschenswert, wenn es eines Tages verfilmt werden würde, damit mehr junge Leute einen Zugang zu dieser beispielhaften Geschichte finden. 

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(48)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

philosophie, erwachsen werden, kinderbuch, bücher, roman

Wunderbare Möglichkeiten

Manfred Mai
Fester Einband: 127 Seiten
Erschienen bei fabulus Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783944788401
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein tiefgründiges Kinderbuch, das auch Erwachsene lesen sollten; Kinder mit ihren Eltern gemeinsam, bietet es doch eine einzigartige Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, sich wirklich einmal auszutauschen und sich miteinander zu beschäftigen. Eigene Kindheitserinnerungen werden wach. Man kann die Eltern wieder hören, wie sie einst sagten: „Das ist nun einmal so. Dafür bist du noch zu jung. Das verstehst du noch nicht.“

All das bekommt auch der 11jährige Maximilian des öfteren zu hören. Belesen, redegewandt und neugierig auf das Leben, das ihm viele Fragen stellt. Obwohl er von den Erwachsenen nicht ernst genommen wird, findet er sich nicht damit ab. Er macht sich nach wie vor viele Gedanken und stellt seinerseits Fragen, die es in sich haben. Ist alles nur Zufall, was geschieht oder steckt ein Plan dahinter? Welche Chance hat da noch der Einzelne? Kann man unter diesen Umständen noch Akteur sein oder ist man nur ein Spielball des Schicksals? Soll man sich treiben lassen oder gegensteuern? Dieses Dilemma ist der Dreh- und Angelpunkt des Buches, stößt es doch ähnlich wie eine Billardkugel alle Bereiche des Lebens an. Bindungen und Beziehungen werden hinterfragt ohne sie dabei wertend auf den Prüfstand zu stellen.

Unglaublich, wie sich Maximilian ernsthaft damit auseinandersetzt warum man überhaupt dieses oder jenes tut. Doch ihm fehlen Gleichgesinnte, Freunde, mit denen er sich wirklich austauschen kann. In Yasin hat er zwar einen sehr guten Freund, der ihm, dem häufig in Gedanken versunkenen Maximilian, den Rücken frei hält, doch ein wirklich Vertrauter im Geiste ist er eben nicht.

Seine tiefgründige Gedankenwelt ist durch eine Veränderung der Schriftart vom realen Geschehen abgegrenzt. Die Begebenheiten um ihn herum sind zwar nicht nebensächlich, doch das Hauptaugenmerk liegt eben auf den Gedanken, die sich der Junge so macht. Die Kontroverse dabei ist, dass das Handeln die Gedanken eher beeinflusst, als umgekehrt. Und so soll es ja eigentlich nicht sein.

In diesem Alter werden sich gewiss nicht viele Kinder mit solchen Themen beschäftigen. Aber manche tun es eben doch. Da dieses Buch nicht alle Kinder ansprechen wird, ist es aber ein sehr gutes Barometer und ein Plädoyer für das (Nach)Denken – in jedem Alter. Es ist ein Geschenk, das man sich selbst machen kann. Zwischen vergeistigt sein und tun, was einem gerade in den Kopf schießt, tut sich ein weiter Spiel- und Handlungsraum für jeden Einzelnen auf und bietet wunderbare Möglichkeiten. Ob nun Zufall oder Plan, die dritte Variable ist man selbst. 

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(59)

66 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

jugendbuch, krimi-reihe, krimi, spannung, kevin brooks

Travis Delaney - Was geschah um 16:08?

Kevin Brooks , Uwe-Michael Gutzschhahn
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423717014
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Den heutigen Heranwachsenden kann man da schon etwas mehr zutrauen; sollte man sogar. Entstanden ist eine spannende Mischung aus Kinderbuch, Kriminalroman und Detektivgeschichte. Opfer, Trauer, Tätersuche – und mittendrin der 13jährige Travis Delaney. Die Handlung setzt bei der Beerdigung seiner Eltern ein. Travis bemerkt trotz seiner Traurigkeit einen ungebetenen Gast, einen ihm unbekannten Mann, der ihn und das Geschehen zu beobachten scheint. Als er noch dazu die Kamera bemerkt, mit der alles von dem Mann gefilmt wird, wird Travis argwöhnisch. Er hat eine böse Ahnung: wurden seine geliebten Eltern etwa ermordet? Wem waren sie zuletzt auf der Spur? Was haben sie herausgefunden, dass man sich genötigt sah, sie auf diese perfide Art für immer zum Schweigen zu bringen? Sie waren doch immer so vorsichtig.

Der frühe Tod der Eltern, ein Alptraum für jedes Kind. Und jetzt noch dieser ungeheure Verdacht. Der Junge hört auf seine innere Stimme und beginnt zu recherchieren. Aus dieser tiefen Trauer und den aufkeimenden Zweifeln erwächst die Spannung für den Leser. Aber was kann ein Kind gegen das sich eröffnende Mysterium ausrichten? Travis ist unwahrscheinlich tapfer und mutig. Unverdrossen nimmt er das Vermächtnis an, die Mörder seiner Eltern ausfindig zu machen. Man fühl mit ihm und möchte unbedingt, dass er die Schuldigen findet und dass ihm dabei nichts geschieht.

Er selbst hat sich erstaunlich schnell gefangen. Die Suche beginnt im Büro der Eltern. Tausend Gedanken gehen ihm durch den Kopf, ebenso dem jungen Leser. Die Hauptperson ist ja auch im selben Alter. Dadurch fesselt seine Situation noch mehr. Travis ist sehr reif und verständig für seine Jugend. Ihm wird jetzt erst so richtig klar, wie sehr seine Eltern ihm Vorbild waren, wie sehr er unbewusst von ihnen gelernt hat. Dies kommt ihm aber nun sehr zu gute. Er sucht verschiedene Lokalitäten auf, spricht mit sehr vielen Menschen verschiedenster Kolör. Dabei stellt er Fragen, wie es selbst ein ausgebildeter Kriminalkommissar nicht besser könnte. Dabei erkennt man das Kind, das er ja nun mal auch noch ist, kaum wieder. Der Personenkreis erweitert sich, je tiefer er sich in die Materie gräbt.

Trotz der vielen Dialoge und Ereignisse bleibt der Satzbau verständlich einfach und es wird nicht hastig erzählt. Das ändert sich aber nach dem ersten Drittel des Buches. Es werden Begebenheiten beschrieben, wo man auch gut den Jungen in Travis erkennen kann, seine Naivität und Offenherzigkeit. Das durchbricht den bisher erlangten Spannungsbogen teilweise und baut gleichzeitig auch eine Brücke zum Genre Kinderbuch. Turbulenzen treten auf, Action tritt in den Vordergrund. Es wird unruhiger, die kriminalistisch dominierte Spannung verändert sich, wie ich finde, etwas nachteilig. Eine Straßen-Kid-Gang ist nun ebenso involviert wie der britische Geheimdienst. Für mich als Erwachsenen zwar zu abstrus und wie mit Macht auf Unterhaltung getrimmt, werden die Jungen Leser dies mit Sicherheit nicht bemerken und einfach begeistert weiterlesen. Dennoch ein gelungener Auftakt für eine Kinder-Krimi-Reihe, weiß man doch nun alles über Travis, was es zu wissen gibt. Er kann ja das nächste mal auch etwas kleinere Bötchen backen. Das große Brot hat er ja hiermit gebacken.

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(61)

80 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

brot, backbuch, brot backen, rezepte, backen

Brot backen in Perfektion mit Hefe

Lutz Geißler , Hubertus Schüler
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.09.2016
ISBN 9783954531042
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Buch, wie das Brot selbst – groß, dick und prall gefüllt mit gesunden Zutaten. Alles für Brot, Brötchen und Süßgebäck aus der eigenen „Backstube“. Kein einziges Wort des Klappentextes ist übertrieben. Nur da weiß man, was wirklich drin ist. Brotbackautomat adé! Der Autor steht praktisch mit Rat und Tat zur Seite, für mich als Backanfänger beruhigend und äußerst hilfreich. Auf alle Eventualitäten geht er ein, man muss nur etwas weiter- oder zurück blättern. Es wird allzu deutlich, dass er wirklich liebt, was er tut. Er gibt in diesem Buch den „Teig“ an uns weiter, mit Enthusiasmus, Motivation, diversen Rezepten und umfangreichen Anleitungen. Wenn das Grund-Prozedere erst einmal sitzt, ist alles andere nicht mehr schwer.

Übung macht auch hier den Meister und man verfeinert zunehmend regelrecht sein Gespür für den Teig, die Zeiteinteilung und ggf. notwendige Korrekturen. Ich würde es mit dem Stricken vergleichen. Grundprinzip erkannt, Mustervorlagen bitte! Ausprobiert habe ich als erstes das Dinkelbrot. Das kam nicht von ungefähr. Eine Freundin von mir leidet seit einiger Zeit unter einer Weizen-Unverträglichkeit. Bäcker bestätigten ihr, dass an sich an jeder erhältlichen Brotsorte immer etwas Weizen mit beigemengt ist. Wie eingeschränkt sie war, da musste ich etwas unternehmen. Mein erstes Dinkelbrot sah zugegeben etwas anders aus, als auf dem Foto; komische Form und sehr fest. Ich ahnte es bereits, hatte ich mir zu Beginn nicht gerade das leichteste Brotrezept herausgesucht. Die Zutaten habe ich mir zu überraschend günstigen Preisen im Internet bestellt. Ja, selbst gebackenes Brot ist teurer als das im Laden, doch das ist es Wert. Man kauf gleichzeitig individuelles Zubereiten, gesunde Ernährung, Freude am Brot backen und Kontrolle über die Inhaltsstoffe mit ein. Trotzdem total stolz auf mein Erstlingswerk lud ich meine Allergie geplagte Freundin ein. Serviert, wie empfohlen mit einem milden Käse, hat es wunderbar geschmeckt, auch irgendwie intensiver und vor allem: es ist ihr sehr gut bekommen! Die Kreativität steigt mit dem Erfolg. Individuelles Backen leicht gemacht, mit gesunden Zutaten. Das alles muss keinesfalls aus einer Notwenigkeit heraus entstehen, wie es bei mir der Fall war. Man selbst entscheidet und kreiert. Man stellt selbst, mit der eigenen Hände Arbeit, ein Nahrungsmittel her. In Zeiten von Fastfood und Tütensuppe ist das was! Es entspannt, man nimmt sich einfach die Zeit – und genießt so schon den Herstellungsprozess. Die wirklich zahlreichen Backvorschläge können erweitert und so noch individueller an die eigenen Geschmacksvorlieben angepasst. Eigene Hände, eigener Herd – und dieses Buch reichen aus, um Horizonte zu öffnen. Das, was dabei entsteht, bekommt man wahrlich in keiner Bäckerei zu kaufen.

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

geld, sebastian schnoy, zinsen, hyperinflation 1923, lustig

Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt

Sebastian Schnoy
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492060554
Genre: Humor

Rezension:

Hand aufs Geldtäschchen, wer träumt nicht davon, reich zu sein oder zumindest genug Geld zu haben, verbindet man doch damit schon über Jahrhunderte hinweg Zufriedenheit, gesellschaftlichen Aufstieg, Macht und sogar Glück. Arm und Reich, getrennt durch die Verhältnisse, verbindet doch dieses uralte und vielleicht auch ewige Streben. Wider besseren Wissens, so scheint es. Geld macht definitiv nicht glücklicher. Im Gegensatz dazu ist leider ebenso wahr, dass Geld die Welt regiert. Alles hat seinen Preis.

Vielversprechend schon das Kapitelverzeichnis. Schulden bei der GEZ, der Zins im Islam, die Abschaffung des Bargeldes, die reichsten Menschen der Welt, Schwarze Freitage, was kostet die Liebe, unverkäufliche Dinge beispielsweise sollen näher betrachtet werden. Das Feld ist weit und unübersichtlich. Doch Schnoy bahnt sich einen für uns recht unterhaltsamen Weg hindurch – bis an den Horizont, und darüber hinaus. Grenzen, Möglichkeiten und Moral werden dabei gewollt überschritten, die sich gegenseitig immer wieder anstoßende Wechselwirkung zwischen Ursache und Ertrag werden historisch fundiert, psychologisch erklärt und philosophisch unterfüttert.

Ja, es geht nur um den schnöden Mammon. Dennoch hat man beim Lesen der teils witzigen aber immer anspruchsvollen Lektüre das angenehme Gefühl, sich selbst für einen Augenblick der Jagd zu entziehen und genüsslich andere bei ihrer Hatz zu beobachten.

Wohin wird das alles führen? Wie lange kann das noch gut gehen? Eine alte Weissagung der Indianer besagt: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann. Keiner von uns wird sich zwar daran beteiligt fühlen, doch genau das ist mit im Gewinn enthalten, von dem ja jeder etwas (mehr, mehr, mehr) abhaben will. Hinzu kommt, dass Geiz geht schon geil genug ist. Ich bin reich! Oder doch besser: Es reicht?

So weit und so kritisch geht das Buch bei Weitem nicht, das ist auch nicht das Anliegen des Autors. Zwar geht Schnoy wirklich unparteiisch und unvoreingenommen ans Werk, doch wirkt seine Abhandlung damit bisweilen auch unbeteiligt und oberflächlich. Eine echte Analyse findet nicht statt, aber immerhin eine sehr umfangreiche Bestandsaufnahme, die etwas andere Daseinsinventur. Man sollte das Buch daher zwar ernst nehmen, dennoch mit Humor betrachten. Andere Länder, KEINE anderen Sitten. Was oder besser wer macht das Treiben wirklich verrückt?

Immens viele Fakten, Meinungen, Sachverhalte, Machenschaften und Zitate aus verschiedenen Epochen und Kulturen stehen sich gegenüber und bauen aufeinander auf. Durch das ständige Switchen zwischen den geschichtlichen und gesellschaftlichen Bereichen, der Arbeitswelt und dem Privaten lässt keine Tiefenschürfung zu. Es bleibt zwar durchweg informativ und unterhaltsam, doch manches hätte ich eben doch gerne noch etwas genauer gewusst. Ein riesiger Background, doch keine Abrechnung, kein Ergebnis.

Die persönliche Meinung zum Thema Geld, dem Haben und Wollen, das damit verbunden ist, wird das Lesen des Buches nicht verändern. Und auch so wird alles bleiben, wie es ist. Aufrechnen und heimzahlen kann man ja bekanntlich auch ohne Geld. Und umgekehrt kann man auch mit Geld Schuld(en), Verluste oder etwas gut haben.

Ich stimme dem Autor zu – es gab eine Welt vor dem Geld und es wird eine nach dem Geld geben. Übrig aber bleiben in jedem Falle wir. Jeder ist mit im großen Hamsterrad, doch das Tempo und die Intensität des Mitstrampelns können wir ein gutes Stück weit doch immer noch selbst bestimmen. Und so soll der Hund ruhig auf den großen Haufen gehen, ich erfreue mich an meinem Kleinvieh und lächle dem sich mühsam ernährenden Eichhörnchen zu. Es zwinkert zurück. 

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

kochbuch, vegetarisch, eva fischer, ernährung, gesünder essen

Life changing Food

Eva Fischer , Julia Stix
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Brandstätter Verlag, 05.09.2016
ISBN 9783710600364
Genre: Sachbücher

Rezension:

Du bist, was du isst, wie wahr ist dieser Spruch. Gehören doch vor allem Wille, Einsicht und Motivation dazu, um eine Veränderung herbei zu führen – im Leben, in der Person, im Denken und bei den Essgewohnheiten. Man muss sich auf dieses Buch einlassen, Zeit haben und ein gewisses Grundbedürfnis, vielleicht auch eine Art Leidensdruck verspüren, bisheriges verändern zu wollen. Der Klappentext ist zusätzlich sehr viel verheißend. In den Ausführungen ist von Verjüngung, Ausstrahlung, Leistungsfähigkeit und Schlankheit die Rede. Jeder kommt früher oder später einmal an einen Punkt, an dem er sich sagt „so kann es nicht weitergehen“. Für Eva Fischer war es die Diagnose Zöliakie, die sie dazu bewog, sich intensivst mit dem Thema Ernährung auseinander zu setzen. Inwieweit das Koch- und, ja, auch Lebenshilfebuch tatsächlich ein Weg zum Glück ist, hängt allerdings von jedem selbst ab. Doch der Glaube versetzt ja gewöhnlich auch Berge. Die Autorin ist überzeugt von ihrer Methode. Zusammen mit ihren zahlreichen Tipps, eigenen sehr persönlichen Erfahrungen und neuesten wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, ist sie sehr glaubwürdig und wirkt auf den Leser außerdem sehr verständnisvoll und vor allem motivierend, es selbst einmal zu versuchen. Ein Buch als täglicher Begleiter, das man nicht einfach aufmacht, etwas daraus kocht und dann wieder schließt. Es ist ein Sammelsurium aus Dingen, die einen Großteil des Lebens abdecken. Nicht nur „das Buch und ich“, nein, wenn man in ihm liest, ist es, als befindet man sich in einer Gruppe Gleichgesinnter, steht also nicht allein mit seinem Problem da. Hat man das Anliegen der Autorin, ihre Ideen und ihre Anleitungen verinnerlicht, stellt die LCF – Methode eine gesunde Alternative dar, die erheblich länger nachwirkt als 21 Tage, vielleicht sogar ein Leben lang. Es ist erstaunlich, wie alles zusammen hängt. Behutsam führt Eva Fischer an die Thematik heran. Sie hat auch sonst an alles gedacht – Mahlzeiten, die den gesamten Tag abdecken, auch das „kleine Hüngerchen“ oder die vielleicht eintretende Motivations-Flaute behält sie gekonnt im Blick. Die Zutaten sind mitunter neu, weil ja bisher auch selten oder nie verwendet. Eine Beschaffung selbiger, u.a. was die verschiedenen Nussarten und Gewürze betrifft sollte im Zeitalter des Internet keine Hürde darstellen. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. In diesem Fall ist es die Liebe zu sich selbst; in rein positivem Sinne versteht sich. Dieses Buch bietet die Möglichkeit, um aus der Spirale einen Kreis zu machen, der sich endlich schließt. 

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