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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

schwangerschaft, liebe, humor, frauenroman, umzug

Klapperstörche und andere schräge Vögel

Vanessa Richter
Flexibler Einband: 305 Seiten
Erschienen bei bookshouse, 24.10.2014
ISBN 9789963525430
Genre: Humor

Rezension:

Die Protagonistin heißt Mia und möchte unbedingt schwanger werden. Nach einigen Hindernissen klappt das dann auch endlich, aber ansonsten läuft gar nichts nach Plan: Der Nachbar fackelt mit seinen Räucherstäbchen das ganze Haus ab und Mia und ihr Mann Nils müssen zu Mias Mutter auf den Bauernhof ziehen. Für Mia die absolute Hölle. Ihre Mutter ist das komplette Gegenteil von ihr, hält nichts vom Shoppen und schönen Sachen, sondern denkt immer nur geradeaus und praktisch. Und besonders sensibel und mütterlich ist sie auch nicht.

Gut, dass zumindest Mias Schwester Holly weiß, was sie gerade durchmacht, denn auch sie ist schwanger – allerdings bereits zum dritten Mal. Mias Leben besteht nun daraus, neben ihren ganzen Schwangerschaftswehwehchen auch noch das Landleben und ihre Stadtfreunde und –ansichten miteinander zu vereinen und letztendlich herauszufinden, wie sie sich das Leben in Zukunft eigentlich vorstellt.

Vanessa Richter hat einen wirklich tollen Schreibstil, der einen flüssig durch das Buch mitnimmt. Die Protagonistin ist mir zwar vom Charakter her überhaupt nicht ähnlich, aber trotzdem konnte ich mich auf Grund der sehr intensiven Schilderungen gut in sie hineinversetzen. Zahlreiche Missverständnisse und absurd- lustige Situationen (z.B. die Besuche bei Mias Frauenärztin) bringen zusätzlich noch Witz in die ganze Geschichte.

Die Autorin hat hier zwar das Rad nicht neu erfunden, aber einen schönen Frauenroman geschrieben, der dazu einlädt, sich abends mit dem Buch auf die Couch zu kuscheln und vom eigenen späteren Familienglück zu träumen.

Das Ende war mir leider etwas zu kurz – ich hätte gerade noch etwas darüber erfahren, wie es mit der kleinen Familie weitergeht.

Unterteilt ist das Buch in die verschiedenen Schwangerschaftsabschnitte und punktet außerdem mit super Nebenfiguren (Schwester, Mutter, Tierarzt, Freundin), die alle irgendwie herrlich schrullig wirken.

Ein wirklich schöner Roman, den man in einem Rutsch durchlesen kann und der einen mit einem guten Gefühl zurücklässt. Empfehlenswert also absolut für alle Bald- Mütter oder solche, die es noch werden wollen.

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liebe, zukunft, zeitreise, zeitanker, trilogie

Zeitrausch - Spiel der Gegenwart

Kim Kestner
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 04.12.2014
ISBN 9783646600612
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wir erinnern uns so ein wenig: „Zeitrausch“ entführte uns bereits in den ersten beiden Teilen in die Welt von „Top the Realities“, einer Spielshow in der Zukunft. Ähnlich einem Hardcore- Dschungelcamp werden hier Menschen auf die Probe gestellt, allerdings viel viel perfider, denn zu der Zeit, zu der „Top the Realities“ stattfindet, gibt es die Möglichkeit, in der Zeit zu reisen. Und das Zeitverständnis, dass viele Realitäten nebeneinander existieren. Also dass zum Beispiel in dem Moment, in dem ich eben „zum Beispiel“ getippt habe, sich eine Realität abspaltet mit einer Julia, die das nicht getan hat, sondern in diesem Moment vielleicht aufgestanden ist, um in die Küche zu gehen. Und man kann nun eben nicht nur in der Zeit (also linear) reisen, sondern auch zwischen den Realitäten springen. Und das hat sich die Fernsehshow zu Nutze gemacht.

Nachdem Alison und Kay (Kandidaten dieser Show) im ersten Band ihre ersten Abenteuer bestanden und zueinander gefunden haben, haben sie im zweiten Band mehr über das Prinzip dieser Zeitsprünge gelernt und Alison hat ihre Fähigkeiten verbessert. Doch noch immer können die beiden nicht einfach ein unbehelligtes Leben führen.

In Band 3 kommt es nun zum ersehnten Showdown, denn Alison weiß, dass es nur eine Lösung gibt: Sie muss „Top the Realities“ stoppen! Aber so, dass sie und Kay sich trotzdem treffen werden, aber auch so, dass sie in der Zukunft ein schreckliches Ereignis verhindern kann…

Im 3. Band werden nun so nach und nach die letzten Unklarheiten geklärt, was die Zeitsprünge angeht. Man versteht immer mehr, wie alles zusammenhängt. Außerdem fügt Kim Kestner alle noch lose herumhängenden Handlungsfäden zusammen und tatsächlich wird nochmal auf so manche Szene Bezug genommen, die man schon längst wieder vergessen hatte. Daran merkt man, wie gut diese ganze Trilogie geplant wurde, denn am Ende bleibt keine einzige Frage offen und das trotz des wirklich komplizierten Themas voller Paradoxe.

Während ich in Zeitrausch 1 und Zeitrausch 2 eher gegen Ende hin emotional wurde, hat Zeitrausch 3 mir nicht mal die Hälfte der Zeit gelassen, bis ich das erste Mal ein paar Tränchen vergossen habe. Und gegen Ende (beim „Showdown“) war ich SO aufgeregt, dass ich wirklich vergessen habe, zu atmen. Ich bin nur noch so durch die Seiten geflogen, weil die Spannung kaum ertragen konnte. Denn, so viel sei gesagt: Alison und Kay begeben sich in eine so unvorstellbare Situation, die ich nie für möglich gehalten hätte, die aber tatsächlich möglich ist!

Am Ende bleibt mir jetzt nur noch, Kim Kestner für diese unglaubliche Trilogie zu danken, die mir nicht nur wunderbare Lesestunden beschert, sondern mir auch ein weiteres Genre eröffnet hat, mit dem ich bis dahin eigentlich nichts zu tun hatte. Und die Vorfreude zwischen der Veröffentlichung der einzelnen Bände war rückblickend betrachtet auch toll. Und was noch positiv anzumerken sei: Obwohl man Monate warten musste, hatte ich nie das Gefühl, etwas aus dem Vorgänger vergessen zu haben und nun etwas nicht zu verstehen. Und das ist doch ein klares Indiz dafür, dass die Bücher einfach klasse sind!

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england, reise, edinburgh, historischer roman, spionage

Reise nach Edinburgh

Lisa McAbbey
E-Buch Text: 473 Seiten
Erschienen bei Forever, 12.09.2014
ISBN 9783958180123
Genre: Historische Romane

Rezension:

In dem Roman – übrigens McAbbeys Debütroman! – finden wir uns in England, Mitte des 18. Jahrhunderts, wieder. Acht Jahre sind vergangen seit die schottischen Rebellen versucht haben, König George zu stürzen und bei Culloden vernichtet wurden. (Übrigens, wer sich jetzt überlegt, woher er diesen Teil der Geschichte eigentlich kennt: In der Highlandsaga von Diana Gabaldon begleitet man die Schotten in diesen Kampf! ;-))

In dieser Zeit verliert die junge Samantha Fairfax ihre Eltern und muss fortan bei ihrem Onkel und dessen geldgieriger Frau leben, die nur hinter ihrem Erbe her ist. Doch Samantha beschließt, sich gegen ihre Tante und die von ihr arrangierte Heirat mit einem absolut widerlichen Kerl zu wehren, verkleidet sich als Junge und macht sich auf nach Edinburgh zu Verwandten.

In der Reisekutsche, die sieben Passagiere von London nach Edinburgh bringen soll, trifft sie auf eine illustre Reisegesellschaft, in der keiner das ist, was er zu sein vorgibt… Sam wird hineingezogen in einen Strudel aus Abenteuer, Misstrauen und dann wartet da vielleicht auch noch die ganz große Liebe – nur, welcher der Herren spielt ein falsches Spiel?

Für einen Debütroman ist „Reise nach Edinburgh“ wirklich unglaublich gut. Lisa McAbbey versteht es schon jetzt prima, den Leser zu fesseln und ihm immer wieder falsche Fährten zu legen. Außerdem ist Sam eine wirklich sympathische Hauptfigur, mit der man sich gerne identifiziert.

Die historischen Fakten entsprechen übrigens weitestgehend der Realität, im Nachwort erklärt die Autorin dies aber auch und weist auf einen Punkt in ihrer Geschichte hin, den sie von seinem tatsächlichen zeitlichen Geschehen an ihre Geschichte angepasst hat. Die politischen Verwicklungen, mit denen Sam sich im Laufe der Handlung auf einmal konfrontiert sieht, werden ebenfalls gut aufbereitet und verständlich erklärt, sodass man auch ohne größeres historisches Vorwissen das Buch gut verstehen kann – vorausgesetzt, man interessiert sich etwas für diese Epoche der englischen und schottischen Geschichte.

Ab und zu war mir die Heldin dann aber doch ein wenig zu begriffsstutzig. Das bleibt aber auch der einzige Kritikpunkt. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass die Handlung schon hätte weiter sein können, wenn Sam bloß einfach mal den Gesprächen in ihrer Umgebung besser zuhören würde, aber das ist sicherlich auch eine Kunst beim Planen der Geschichte, die mit der Erfahrung eines Autors immer besser wird.

Insgesamt ein wirklich packender, spannender und emotionaler Roman, der mich auf eine wunderbare und abenteuerliche Reise mitgenommen hat. Ich habe ihn innerhalb von zwei Tagen gelesen und das trotz meiner Leseflaute der letzten Wochen. Er hat mich aus diesem Lesetief wieder komplett herausgeholt und mich absolut überzeugt. Ich bin mir sicher, man wird von Lisa McAbbey in Sachen „historischer Frauenroman“ noch einiges hören und freue mich auf weitere Bücher von ihr!

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185 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 49 Rezensionen

liebe, nicht mein märchen, schauspieler, hollywood, märchen

Nicht mein Märchen

E.M. Tippetts
E-Buch Text: 371 Seiten
Erschienen bei null, 17.09.2012
ISBN B009D35AO6
Genre: Liebesromane

Rezension:


Stellt euch vor, der begehrenswerteste Jungschauspieler der Welt steht vor euch und spricht nicht nur mit euch, sondern ist auch ganz offensichtlich an mehr interessiert. Würdet ihr dann sagen: „Nee sorry, also mein Märchen ist das nicht“?! Also ich wahrscheinlich nicht, denn hinzu kommt, dass dieser Kerl wirklich wirklich sympathisch und lieb ist. Aber Chloe, die Hauptfigur aus „Nicht mein Märchen“, ist da ganz anders gestrickt.

Als sie als Statistin an einem Filmset mitwirkt und dabei Jason Vanderholt, so einer Art Robert Pattinson, begegnet, beeindruckt sie das eher weniger. Im Gegenteil – sie will maximal Freundschaft und selbst an diese muss sie sich erst gewöhnen. Ungewohnt natürlich für einen Star wie Jason, für den es normal ist, dass die Mädels bei seinem Anblick reihenweise in Ohnmacht fallen.

Allerdings ist er durchaus normal geblieben, was auch an seiner tollen Familie liegt, die man im Buch auch genauer kennenlernt. Nur Chloe kann er so gar nicht in seinen Bann ziehen, sie verhält sich abweisend und schreckt vor seiner Nähe immer wieder zurück. Warum das so ist, das erfährt der Leser nach und nach und die Gründe dafür liegen weit zurück in Chloes Vergangenheit… Aber Jason lässt nicht locker und tut alles dafür, um Chloes Wunden heilen.

So viel nur zur Geschichte, denn jedes Wort mehr wäre wohl ein Wort zu viel. Ich gebe ehrlich zu: Ich hatte so meine Startschwierigkeiten mit dem Buch. Ich habe reingelesen und es dann wieder zur Seite gelegt, weil ich irgendwie mit Chloe nicht so richtig warmgeworden bin, zu Beginn war sie mir einfach zu kompliziert und anstrengend in ihren Gedankengängen. Aber als ich es dann nach einigen Wochen wieder in die Hand genommen habe, war plötzlich alles ganz einfach. Auf einmal war ich drin in der Geschichte und habe mit den beiden mitgefiebert.

„Nicht mein Märchen“ ist wirklich kein „gewöhnlicher“ Liebesroman, sondern besitzt Tiefgang und Humor in jeweils genau den richtigen Dosierungen. Und es passiert unglaublich viel! Ich war wirklich überrascht davon, wie viel Handlung E.M. Tippetts auf knapp 350 Seiten packen kann, andere Autoren sind da ja gerade mal über die Landschaftsbeschreibungen hinaus. Trotzdem wirkt die Story nie oberflächlich erzählt, sondern liebevoll bis ins Detail ausgearbeitet. Auch die Nebenfiguren sind toll erzählt. Besonders Chloes Freundin und Mitbewohnerin Lori hat es mir angetan und ich würde auch gerne ein Buch mit ihr in der Hauptrolle lesen… ;-)

Ein spannender Frauenroman, der mit ungewöhnlichen Wendungen und besonderen Figuren punktet, über die es sich wirklich lohnt, einen Roman zu schreiben – weit entfernt vom Einheitsbrei der Schnulzenliteratur und doch nah genug, damit man sich einfach hineinfallen lassen und träumen kann. Ein Roman mit Spannung und Tiefgang und Figuren, die einen manchmal an die Grenze des Wahnsinns treiben, weil man sie irgendwie wieder auf den richtigen Weg zurücklenken will. Einfach klasse!
Leider bräuchte die deutsche Fassung wohl nochmal einen Korrekturgang in Sachen Rechtschreibung, aber das bleibt auch der einzige echte Kritikpunkt bis auf die Startschwierigkeiten auf den ersten 50 Seiten, die aber natürlich rein subjektiver Natur sind.

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albträume, nightmares, jason segel, kinderbuch, jugendbuch

Nightmares! - Die Schrecken der Nacht

Jason Segel , Kirsten Miller
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Dressler, 13.11.2014
ISBN 9783791519081
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In „Nightmares“ geht es – wie der Name schon sagt – um Albträume.

Der zwölfjährige Charlie Laird hat es nicht leicht im Leben: Seine Mutter starb vor einiger Zeit und sein Vater heiratete Charlotte DeChant, eine unheimliche Person, die in einer lila Villa auf einem Hügel lebt, in deren Turm seltsame Dinge geschehen. Charlie ist sich sicher: Charlotte ist eine Hexe!

Außerdem wird Charlie, seit er in der Villa lebt, von Albträumen gequält: Eine Hexe droht ihm an, ihn essen zu wollen oder in einen Käfig zu stecken. Und diese Hexe hat erschreckend viel Ähnlichkeit mit Charlotte… Und noch ein anderer Albtraum quält den Jungen und lässt ihn nachts nicht mehr schlafen: Ein unheimliches Etwas verfolgt ihn im Wald.

Bei seinen Nachforschungen stößt Charlie schließlich in Charlottes Turm auf etwas Seltsames. Ihm öffnet sich ein Portal und schon ist er in der Anderwelt, in der Welt der Albträume gelandet. Und mit ihm seine ganzen Freunde…

Ich muss ehrlich sagen: Ich bin SO froh, dass ich das Buch im Zug gelesen habe, mit vielen Menschen um mich herum und nicht abends allein im Bett, denn das ein oder andere Mal wurde mir ganz schön mulmig zumute. „Nightmares“ ist spannend, packend erzählt und hat viele unvorhersehbare Wendungen, die einen total mitreißen. Wahrscheinlich ist es allerdings für Kinder ab 12 Jahren eher was für die hartgesottenen abenteuerlichen Jungs.

Träume scheinen ja im Moment total in Mode zu sein und „Nightmares“ steht der Silbertrilogie von Kerstin Gier in dieser Hinsicht in nichts nach. Auch hier wandert jemand durch das Land, das uns verborgen bleibt: Das Land der Träume. Nur bekommt Charlie es hier mit wirklich schrecklichen Nachtmahren zu tun, die alles daran setzen, die Menschen zu ängstigen und sie dazu zwingen, sich ihren Ängsten zu stellen. Und genau das ist auch so etwas wie „die Moral“ der Geschichte: Dass man seine Albträume analysieren sollte und sich fragen sollte, warum man vor diesen Dingen, von denen man geträumt hat, Angst gehabt hat und wie man diese Angst in den Griff bekommen könnte. Das ist eine schöne Überlegung für alle Kinder da draußen, die so wie Charlies Freunde Angst vor der Dunkelheit oder ihrem Sportlehrer haben. Sie können eben diese Gewissheit aus dem Buch ziehen, dass man seinen Albträumen nicht hilflos ausgeliefert sein muss, sondern dass sie nur eine sehr reale Angst, die man hat, widerspiegeln.

„Nightmares“ ist wirklich ein tolles Kinderbuch, das nicht nur wunderschön aufgemacht ist mit einem wunderschönen Cover und einem orangenen Schnitt, sondern auch alle Komponenten von guter Kinderliteratur vereint: Spannung, kindgerechte Sprache, Fantasie und eine Moral. Es hat meine Erwartungen damit weit übertroffen, da ich bisher mit amerikanischen Kinderbüchern nie so viel anfangen konnte.

Der Auftakt zu Jason Segels Trilogie ist also schon mal gelungen. Nun darf mit Spannung Band 2 erwartet werden.

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Tags: die schrecken der nacht, dressler, jason segel, kinderbuch, kirsten miller, nightmares   (6)
 

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liebe, vergangenheit, familie, schwestern, kate morton

Die fernen Stunden

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Diana, 18.06.2012
ISBN 9783453356566
Genre: Romane

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stolz und vorurteil, jane austen, liebe, historischer roman, england

Im Hause Longbourn

Jo Baker , Anne Rademacher
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaus, 08.09.2014
ISBN 9783813506167
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer liebt die Geschichte nicht von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“? All die Wirren der Familie Bennet um Elizabeth, Jane, Mr. Bingley und Mr. Darcy? Unvergessen sind auch die großartigen Verfilmungen dieses Stoffs. Doch – hat man sich mal gefragt, wer eigentlich ihr Essen kocht? Wer ihre prachtvollen Kleider wäscht, wer die Kutsche lenkt? Denn hinter jedem Handgriff im Hause Bennet stehen fleißige Helfer. Jede Mahlzeit, die mit den Gästen eingenommen wird, jedes Flechten der Haare geschieht durch helfende, schwer arbeitende Hände. Aber diese Personen treten in „Stolz und Vorurteil“ nicht in den Vordergrund, manche bekommen nicht mal einen Namen.

Warum ich euch das erzähle? Weil Jo Baker diesen Umstand ungerecht fand und den Bediensteten im Hause Longbourn nicht nur einen Namen, sondern gleich eine ganze Persönlichkeit und eine ganze Lebensgeschichte gegeben hat.

Die Haushälterin und Köchin Mrs. Hill, das Dienstmädchen Sarah, die Küchenhilfe Polly, der Hausdiener James und der Butler Mr. Hill sind nämlich keineswegs nur Randgestalten in irgendeiner Geschichte, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die ihre eigenen Sorgen und Freuden haben, und für die die unangekündigten Besuche der hohen Damen und Herren eine große Belastung ist und harte Arbeit bedeutet.

Diese Idee fand ich schon so großartig, dass in der Umsetzung kaum noch etwas falsch gemacht werden konnte. Wie oft hätte ich schon so gerne einmal etwas über eine Nebenfigur erfahren, wie oft hatte ich schon den Gedanken, dass die Nebenfiguren in Büchern viel zu wenig hinterfragt werden. Jo Baker macht eben dies und auch noch in so großartiger Art und Weise, dass ich das Buch sehr schnell durchgelesen habe.

Zugegeben – die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas. Sie setzen vor der Handlung von „Stolz und Vorurteil“ ein und beleuchten die Angestellten als Menschen. Nach den 100 Seiten geht dann aber richtig die Post ab, die Ereignisse überschlagen sich und es scheint beinahe so, dass die Bediensteten ihren berühmten Herren ein wenig die Schau stehlen. Denn auch sie kennen die perfekten Liebesdramen, die großen Happy Ends, die kleinen Enttäuschungen, die unendliche Sehnsucht. Und unbemerkt von der Familie Bennet schlagen sie die gleichen Schlachten, haben die gleichen schlaflosen Nächte wie jeder Mensch sie hat, unabhängig von seiner sozialen Schicht.

Im Fokus der Geschichte stehen Sarah und James, um die sich auch eine Liebesgeschichte rankt, aber auch die andern Figuren werden immer wieder in den Mittelpunkt gebracht und durchleben ihre eigenen Erfahrungen.

Hinten auf dem Buch steht übrigens eine Kritik aus dem „O Magazine“, das schreibt: „Wer hier eintaucht, vergisst am Ende sogar, Downton Abbey einzuschalten“. Und lustigerweise habe ich die Serie gerade vor ein paar Tagen begonnen zu schauen und so manches Mal habe ich mich von Sarah und Polly sehr an Anna und Daisy erinnert gefühlt, auch wenn der Roman natürlich in einer ganz anderen Zeit spielt als die Serie.

Aber der Fokus auf die niedere Schicht scheint gerade „in“ zu sein und diese Entwicklung begeistert mich total! Die ganzen Geschichten rund um den Adel sind zwar schön, aber ein anderer Blick auf die Welt ist doch manchmal auch sehr schön.

Alles in allem ein wunderbares Buch, dessen Idee mir vollkommen neu ist und die ich so großartig finde, dass ich immer zu strahlen beginne, wenn ich über dieses Buch rede.

Und falls Jo Baker diese Rezension jemals lesen sollte: Darf man Bestellungen aufgeben für neue Bücher dieser Art? Vielleicht über die Hausangestellten in „Effi Briest“? Oder über die Bediensteten der Familie „Buddenbrooks“? Wie haben sie den Abstieg der Familie erlebt, welche Gespräche haben sie heimlich belauscht, welche Schlüsse haben sie daraus gezogen? Waren sie an den Arbeiteraufständen dieser Zeit beteiligt?

Eine tolle, innovative Art, Literatur erlebbarer, komplexer und lebensnaher zu machen, denn man darf nie vergessen: Auch der unsympathisch wirkende Mensch, der einem in der Straßenbahn gegenübersitzt, hat seine ganz eigene Geschichte, auch wenn er in der eigenen Geschichte immer nur eine kaum bemerkte Randfigur bleiben wird.

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Tags: im hause longbourn, jo baker, knaus verlag, stolz und vorurteil   (4)
 

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erotik, traummann, liebe auf den letzten klick, liebesroman, frauen

Liebe auf den letzten Klick

Anne Gard
E-Buch Text: 184 Seiten
Erschienen bei Forever, 11.07.2014
ISBN 9783958180017
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Lizzy Rosenmüller ist Mitte 40, zweifache Mutter, geschieden und noch gut in Schuss. Und viel zu jung, um für immer das Hausmütterchen zu bleiben, sondern sie will es nochmal richtig wissen. So weit, so gut, aber einen Mann zu finden, ist gar nicht so einfach. Also meldet sich Lizzy bei Friendscout24 an und beginnt, verschiedene Männer auszuprobieren. Wobei „ausprobieren“ sehr negativ klingt, ist es aber gar nicht! Im Internet laufen Lizzy viele illustre Gestalten (ich liebe diesen Ausdruck einfach ;)) über den Weg und der ein oder andere Mann scheint gar nicht so übel zu sein. Aber natürlich sind auch einige Nieten dabei…

Mit einem Mann erlebt Lizzy dann in sexueller Hinsicht ganz neue Abenteuer, was ihr in ihrer persönlichen Entwicklung enorme Kraft gibt, sie aber auch ihr ganzes Leben auf diesen Mann fixieren lässt.

Insgesamt hat mir „Liebe auf den ersten Klick“ wirklich gut gefallen, da es von der erzählerischen Gestaltung her sehr ungewöhnlich ist. Wir begleiten die Protagonistin im Prinzip in einem einzigen Bewusstseinsstrom, inklusive ihrer hin- und herspringenden Gedanken. Anne Gard wählt also keinen stringenten Handlungsverlauf mit einem Erzähler, der vom Geschehen berichtet, sondern lässt den Leser hautnah „in Lizzys Kopf“. Und wer einen Frauenkopf hat oder sich ungefähr vorstellen kann, wie Frauen denken, weiß, dass einem in verrückten Situationen noch absurdere Gedanken kommen und das erleben wir auch in Lizzys Kopf. Sie schweift dabei manchmal ein bisschen ab, das stört die Handlung aber nicht weiter. Das Buch wird dadurch sehr interessant zu lesen, weil die Handlung immer wieder unerwartet unterbrochen wird und man es dadurch auch gut an einem Stück lesen kann, wie ich es auch getan habe. Außerdem sind viele von Lizzys unerwarteten Gedanken wirklich lustig!

Leider ist Lizzy mir trotzdem ein wenig fremd geblieben. Vielleicht liegt das daran, dass sie so sehr mit ihren Gedanken beschäftigt ist, dass sie wenig darüber erzählt, wie sie sich während der einzelnen „Etappen“ des Online- Datings gefühlt hat. Oder es zumindest nicht so eindrucksvoll schildert. Es werden zwar immer wieder Rückschlüsse zugelassen, aber insgesamt war mir ihre Gefühlswelt zu oberflächlich beschrieben bzw. zu sehr auf die Szenen konzentriert, in denen sie mit den Männern chattet oder sich mit ihnen trifft. Ihr Alltagsleben, ihre Kinder, ihre Arbeit, ihr Exmann werden kaum beleuchtet, um ein komplexeres Bild der Figur zu bekommen, hier hätte ich gerne noch viel mehr gelesen! (Was ja dann trotz Kritik irgendwie ein positives Fazit ist, oder?)

Die Sexszenen sind teilweise sehr explizit, das muss man mögen oder nicht, aber damit steht und fällt sicherlich auch der Eindruck von dem gesamten Roman, da die zweite Hälfte doch sehr darauf basiert, was Lizzy mit dem einen Mann erlebt.

Ich vergebe knappe 4 Sterne, weil der Roman wirklich mal was ganz anderes ist, wenn man sich den Einheitsbrei in Sachen Liebesroman gerade so anschaut. Und man kann es auch nicht der Erotikliteratur zuordnen, da es dafür viel zu handlungsorientiert ist – ein guter Mix aus beidem also, fernab von Klischees und 0-8-15- Geschichten.

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10 schritte für mehr schlagfertigkeit in jeder situation, madame misso, selbstbewusstsein, madame missou, ratgeber

10 Schritte für mehr Schlagfertigkeit in jeder Situation

Madame Missou
E-Buch Text: 44 Seiten
Erschienen bei Madame Missou eBooks & Ratgeber, 03.08.2014
ISBN B00MEZ2DIG
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer wünscht sich das nicht – ein bisschen spontaner zu sein? Immer den richtigen Spruch auf den Lippen zu haben? Die Lacher immer auf die eigene Seite zu holen?

Ich habe bisher immer gedacht, dass mir die Schlagfertigkeit einfach nicht in die Wiege gelegt wurde, die besten Erwiderungen fallen mir nämlich abends im Bett ein, wenn die entscheidende Situation schon lange vergangen ist.

Madame Missous Ratgeber „10 Schritte für mehr Schlagfertigkeit“ verspricht allerdings Abhilfe und macht gleich zu Beginn deutlich: Schlagfertigkeit kann man auch erlernen. Und das hat in erster Linie etwas mit Selbstbewusstsein zu tun.

Dafür präsentiert sie einige Übungen, die man ganz einfach zu Hause alleine oder mit einem Übungspartner durchführen kann. Alle habe ich zugegebenermaßen nicht probiert und manche sind auch nichts für mich, aber eine Sache ist mir schon klar geworden: Schlagfertigkeit beginnt im Kopf. Wer Angst hat, dass mal ein Spruch daneben geht, wird niemals aus dem Bauch oder dem Herzen heraus antworten können.

Natürlich wird dieses kleine Büchlein nicht das Leben verändern. Aber die Tipps, die darin enthalten sind, sind gar nicht schlecht, wenn man sich (wie ich) noch nie so intensiv und psychologisch dem Thema genähert hat. Sie sind alltagsnah und können dem ein oder anderen sicher auf die Sprünge helfen.

In 45 Minuten zu mehr Schlagfertigkeit? Das vielleicht nicht, es wird ein viel längerer Prozess sein. Aber die Übungen und Anweisungen kann man tatsächlich in unter einer Stunde verinnerlichen und dann immer mal wieder üben. Viele der Übungen stammen übrigens aus der Schauspielausbildung oder dem Improvisationstheater.

Daneben präsentiert Madame Missou, übrigens das Pseudonym eines jungen deutschen Verlegers, wie man auf der Internetseite nachlesen kann, einige Hintergrundinformationen darüber, warum einige Menschen nicht so schlagfertig sind wie andere und welche Verhaltensweisen damit einhergehen. Außerdem fordert sie jeden Leser dazu auf, sich zunächst selbst besser kennenzulernen, bevor man eine bestimmte Verhaltensweise erlernt und gibt auch dazu die Anweisung zu mehreren kleinen Übungen.

Alles in allem also ein netter kleiner Ratgeber, der den ein oder anderen Tipp beinhaltet, der für jeden nützlich sein wird, der gerne schlagfertig wäre – oder zumindest wissen möchte, warum er es nicht ist.

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venedig, zeitreise, liebe, fantasy, zeitreisen

Zeitenzauber - Die magische Gondel

Eva Völler , Tina Dreher
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 19.08.2011
ISBN 9783833900266
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 17-jährige Anna ist ein ziemlicher Durchschnittsteenager, der seine Sommerferien mit den Eltern in Venedig verbringt. Bei einem Spaziergang durch die Stadt fällt Anna eine rote Gondel auf, und das, obwohl doch eigentlich alle Gondeln in Venedig schwarz sein müssen. Bei einem Fest fällt Anna dann ins Wasser, nachdem sie die rote Gondel betreten hat – und erwacht im Jahr 1499. Offensichtlich hat sie einen Zeitsprung gemacht, da sie 1499 ein wichtiges Ereignis verhindern soll, um die Zukunft so zu erhalten, wie wir sie heute kennen.

Dabei trifft sie auf den geheimnisvollen Sebastiano, der ebenfalls ein Wanderer zwischen den Zeiten ist und weitere illustre Gestalten, die den beiden an den Kragen wollen.

Nun gut, es ist ein Jugendbuch. Deshalb hat Eva Völler wohl einige Mühen darauf verwendet, Anna so jugendlich wie möglich darzustellen, was ich jedoch eher als kindlich- naiv empfunden habe. Manchmal hätte ich ihr gerne einen gehörigen Klaps auf den Hinterkopf verpasst, damit sie die Dinge etwas klarer sieht. Trotzdem fand ich Anna und Sebastiano als Hauptfiguren recht sympathisch und auch die aufkeimende Liebesgeschichte der beiden war nett zu lesen.

Eva Völler überragte natürlich mal wieder alles mit den Schilderungen von Venedig, vom Alltagsleben, der Beschreibung der Menschen – einfache Leute ebenso wie Adelige. Dass sie das kann, hat sie ja nun auch schon oft bewiesen.

Trotzdem blieb die Geschichte für mich seltsam farblos. Ich kann nicht mal richtig beschreiben, was mir gefehlt hat, aber der letzte Funke ist einfach nicht übergesprungen. Das System der Zeitreisen, wie es hier angelegt ist, hat sich mir nicht ganz erschlossen und da half es nicht unbedingt, wenn die Hauptperson auch noch nicht sehr intelligent ist und auch keine Ahnung von nix hat.

Nichtsdestotrotz werde ich mir aber den zweiten Band auf jeden Fall noch kaufen und lesen, um mir dann eine abschließende Meinung darüber bilden zu können – auch im Vergleich – ob ich die Geschichte mag oder nicht. Bisher bin ich etwas gespalten in meiner Meinung.

Auf der einen Seite stehen das interessante Thema, die süße Liebesgeschichte und die tollen historischen Fakten, die Eva Völler wirklich gut darstellt, auf der anderen Seite stehen die Ungereimtheiten, die sich für mich nicht aufgelöst haben und die leicht dusselige Hauptfigur, die ihrem Geliebten vorschlägt, er solle sie doch bei Facebook suchen, wenn er mal wieder in der Zukunft ist. Und wenn das nicht klappt, habe sie auch noch Myspace und SchülerVZ.

Kein Kommentar.

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157 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

kinderbuch, sams, wünsche, familie, herr taschenbier

Ein Sams für Martin Taschenbier

Paul Maar , Paul Maar
Fester Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.02.1996
ISBN 9783789142109
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mittlerweile ist Herr Taschenbier glücklich verheiratet und hat einen 10-jährigen Sohn, Martin Taschenbier. Martin ist ein vernünftiger und lieber Junge, aber er hat eine entscheidende Eigenschaft von seinem Vater geerbt: Die Ängstlichkeit. Martin ist in seiner Klasse der viertkleinste und zweitschwächste und sein einziger Freund ist Roland Steffenhagen, der noch kleiner ist als er, aber auch ein bisschen mutiger. Und dann gibt es noch Tina aus der 4b, der Parallelklasse, in die Martin heimlich verliebt ist, die er aber niemals ansprechen würde, weil er dafür viel zu schüchtern ist.

Zu Beginn des Buches entdeckt Martin auf dem Dachboden einen geheimnisvollen Taucheranzug. Als er seinen Vater darauf anspricht, weicht er ihm aus und möchte ihm die Geschichte des Taucheranzugs erst in einigen Jahren erzählen. Doch Martin und Roland wollen dem Geheimnis auf den Grund gehen. Und bekommen schon kurze Zeit später Gelegenheit dazu: Als Martins Klasse, die 4a, einen neuen Sportlehrer bekommt, beschließt dieser, mit der Klasse und der Parallelklasse, eine Klassenfahrt in die Rhön zu machen, zum Skifahren. Doch Martin kann kein Skifahren und ist sowieso viel zu ängstlich.

Als dann auch noch Roland zu Hause bleiben muss, weil er krank ist, fühlt Martin sich endgültig allein und einsam. In der Medizin, die seine Mutter ihm für Notfälle eingepackt hat, findet er ein Fläschchen mit sogenannten „S.R.Tr.“. Wie er meint, könnte es sich dabei um „Schluckbeschwerden- Rachenrötungs- Tropfen“ handeln. Doch weit gefehlt: Es sind die „Sams- Rückhol- Tropfen“, die das Sams Herrn Taschenbier vor 12 Jahren dagelassen hat, falls er mal dringend Hilfe benötige. Und peng, hinter Martin Taschenbier sitzt das Sams im Schullandheim, frech und mutig wie immer.

Nun beginnen goldene Zeiten für Martin: Er wünscht sich beispielsweise, dass er 10 Mal stärker wird als der Rowdy der Klasse und verprügelt ihn kräftig. Er traut sich endlich, Tina anzusprechen. Und seinen Lehrer in den Wahnsinn zu treiben. Und nebenbei übernimmt das Sams auch noch in seiner Gestalt die Skikurse für ihn.

Und am Ende muss Martin sich ganz alleine seinen Ängsten stellen, so wie seinerzeit sein Vater und er schafft es, sich zu überwinden.

Der vierte Band der beliebten Sams- Reihe kommt deutlich ernster daher als die drei vorherigen. Hier geht es nicht primär um lustige Situationen, die das Sams provoziert, sondern um die Moral, dass am Ende jeder selbst seine Angst überwinden muss. Martin Taschenbier ist dabei die perfekte Identifikationsfigur für jedes schüchterne Kind, das sich auch wünscht, mal den anderen Kindern, die es immer ärgern, tüchtig eins reinzuwürgen. So kann man diesen Band als Weiterentwicklung der ersten drei Bände sehen, der sich nun viel mehr auf die ernsthaften Dinge konzentriert. Aber natürlich sind auch hier wieder viele lustige Situationen vorhanden, über die man sich amüsieren kann!

„Ein Sams für Martin Taschenbier“ ist wieder mal ein würdiger Nachfolger der ersten Bände und sollte in keinem Kinderzimmer fehlen!

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bayern, krimi, mord, hörbuch, eberhofer

Winterkartoffelknödel

Rita Falk , Christian Tramitz
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 15.10.2010
ISBN 9783898139915
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Franz Eberhofer ist wieder Polizist in der heimatlichen Provinz, die große Karriere in der bayrischen Landeshauptstadt wurde leider abrupt gestoppt, als sein damaliger Kollege und er einen Kinderschänder durch einen gezielten Schuss kastrierten.

Also muss Eberhofer nun in seinem Heimatdorf Niederkaltenkirchen nach den ganz großen Fällen suchen und findet tatsächlich einen! Einen Vierfachmord, wobei alle Todesumstände aussehen, als seien die Opfer durch einen Unfall gestorben. Aber war es vielleicht doch Mord? Leider glaubt keiner an Eberhofers Theorien und so muss er dem Täter selbst auf die Schliche kommen…

Neben der Krimigeschichte wird auch viel über Eberhofers Privatleben geschrieben. Seine Romanze mit Susi, seine heiße Affäre mit Mercedes, die am Ende aber als dringend tatverdächtig erscheint, seine verrückte Familie mit der schwerhörigen Oma, dem kiffenden Vater und dem schleimenden Bruder, der ständig irgendwelchen Heiratsschwindlerinnen aufsitzt.

„Winterkartoffelknödel“ hat so seine Längen. Nach dreiviertel der Zeit etwa ist der Mordfall geklärt, die Geschichte geht aber trotzdem noch weiter, weil die Wirren in Eberhofers Privatleben noch nicht ganz entwirrt sind. Also muss man mit den richtigen Erwartungen an diesen Roman und diese Reihe herangehen: Es handelt sich um niedliche Krimikomödien mit viel Charakter und Wiedererkennungswert, liebeswert und absolut typisch bayrisch- uncharmant inszeniert. Einen kernigen und mysteriösen Mordfall wird man hier vergeblich suchen. Vielmehr begleitet man den trotteligen, aber liebenswerten Kommissar durch die Tücken des Lebens und des Verstandes.

Aber für das Hörbuch muss man nochmal ein Extra- Lob aussprechen! Ich finde Christian Tramitz ja sowieso total klasse, gerade als ebenso trotteliger Kommissar in der ARD- Vorabendserie „Heiter bis tödlich: Hubert und Staller“. Im Hörbuch verleiht er dem Kommissar Eberhofer wirklich Leben und liest das Buch ausgezeichnet.

Ein bisschen schade war es trotzdem, dass nicht der Schauspieler Sebastian Bezzel die Hörbucher der Eberhofer- Reihe liest, immerhin hat er den Kommissar auch in der Verfilmung gespielt, aber ich vermute mal, dass es die Hörbücher schon deutlich länger als die Verfilmung gibt. Und das tut den Leistungen von Herrn Tramitz auch keinen Abbruch!

„Winterkartoffelknödel“ ist ein schönes Hörbuch für kalte Frühlingsabende oder lange Autofahrten, auf denen man sich gut unterhalten lassen möchte. Krimi, Liebe, Humor, in diesem Buch ist wirklich für jeden etwas zu finden!

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Tags: christian tramitz, christian tramitz liest, hörbuch, lokalkrimi, regionalkrimi, rita falk, winterkartoffelknödel   (7)
 

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kinderbuch, sams, paul maar, taschenbier, kinder

Sams in Gefahr

Paul Maar , Paul Maar
Fester Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.02.2002
ISBN 9783789142338
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In „Sams in Gefahr“ ist ganz schön was los. Paul Maar hat hier richtig tief in die Trickkiste gegriffen, um ein bisschen Action ins Buch bekommen.

Zu Beginn der Geschichte lernt man den Sportlehrer von Martin Taschenbier, Herrn Daume, etwas näher kennen. Diesen hatte man zuvor schon in „Ein Sams für Martin Taschenbier“kennengelernt, als er Martins Klasse auf die Klassenfahrt begleitete und vom Sams fast in den Wahnsinn getrieben wurde. In diesem Buch beschließt er, sich zu rächen. Er stielt Martin die „Sams- Rückhol- Tropfen“ und klaut das Sams!

Allerdings haben bei einem geklauten Sams die Wünsche Nebenwirkungen. Und als Herr Daume sich wünscht, dass die Wünsche keine Nebenwirkungen mehr haben sollen, haben sie stattdessen die Nebenwirkung, dass das Sams bei jedem Wunsch etwas schrumpft, bis es winzig klein und dann irgendwann weg sein wird.

Martin und seine Freunde müssen das Sams also befreien, aber dafür muss er sie erstmal von seiner Existenz überzeugen! Die beiden haben das Sams nämlich natürlich noch nie gesehen. Dabei kommen sich Martin und sein Schwarm Tina aus der 4b dann auch endlich näher und freunden sich an.

Herr Daume wird im Verlauf der Geschichte zunehmend größenwahnsinnig. Er will Schulleiter werden, einen Sportwagen fahren und in den Vorstand des Rollschuhvereins gewählt werden. Dabei ist ihm das Sams ziemlich egal, es dient ihm nur als Mittel zum Zweck, um seine Wünsche zu erfüllen.

Der fünfte Band der „Sams“- Reihe hebt sich durch diese actiongeladene Geschichte deutlich von den ersten vier Bänden ab. Ich kann mich als Kind noch daran erinnern, dass ich ziemlich Angst vor dieser Geschichte hatte, weil ich es nicht ertragen konnte, dass dem Sams solche schlimmen Dinge angetan werden.

Und dementsprechend sehen die Bücher in meinem Regal auch aus: Die ersten vier Bände sind ziemlich zerlesen und man sieht ihnen an, dass sie so manchen Urlaub mitgemacht haben und oft nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen wurden. „Sams in Gefahr“ sieht dagegen aus, als hätte ich es nur einmal gelesen und dann nie wieder in die Hand genommen. Meine Mutter bestätigte mir, dass sie mir diese Geschichte nie vorlesen durfte, weil ich sie nicht mochte.

Und auch als ich es jetzt, als Studentin, wieder gelesen habe, habe ich die alte Abneigung gegen diese Geschichte wieder gespürt. Dagegen, wie Herr Daume das Sams ständig quält und dabei diabolisch lacht. Das ist nicht mehr kindgerecht und hat nichts mit der harmlosen Spaß- Unterhaltung zu tun, mit der die Reihe begonnen hat. Mit kindlichen Späßen und ganz viel Moral. Ich habe das gelesen, damit ich die Rezension dazu schreiben kann und werde es wohl auch nicht wieder tun.
Schade, dass man so eine wunderbare Kinderbuchreihe so verhunzen kann.

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Tags: kinderbuch, paul maar, sams, sams in gefahr   (4)
 

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henry frottey, comedy, jan philipp zymny, krimi, mord

Henry Frottey – Sein erster Fall: Teil 2 – Das Ende der Trilogie

Jan Philipp Zymny
Flexibler Einband: 404 Seiten
Erschienen bei Lektora-Verlag, 01.04.2014
ISBN 9783954610204
Genre: Romane

Rezension:

Jan Philipp Zymny ist seines Zeichens amtierender deutschsprachiger Meister im Poetry Slam. Unter anderem deshalb, weil einer seiner besten und bekanntesten Poetry Slam- Texte sich um den Privatdetektiv Henry Frottey dreht. Dieser trägt den Titel „Mord in the Jugendherberge“ und genau so beginnt auch der Roman, den er nun seiner Figur gewidmet hat.

Am Anfang steht ein Mord in einer Jugendherberge. Doch dann häufen sich die Mordfälle und die Todesumstände sind mysteriös: Anscheinend werden die Opfer gezielt gealtert, sodass sie vergreisen und dann sterben. Eine Aufgabe für Henry Frottey, der ein arges Problem damit hat, dass sein Nachname wie Waschlappen, Schlafanzug oder Handtuch klingt und deshalb schnell eskalieren kann, wenn jemand seinen Nachnamen zu oft sagt.

Im Grunde basiert der Roman auf einem einfachen Prinzip: Wenn etwas zu logisch klingt, ist es mit Sicherheit falsch kombiniert. Das zieht sich wie ein roter – pardon – grauer Faden durch den Roman, denn es handelt sich um einen Roman in Schwarzweiß, was auch die ganze Zeit über durchgezogen wird. Auch wenn der zweite Teil prinzipiell zum selber Ausmalen gedacht ist.

Trotzdem hat dieser Krimi alles, was ein Krimi haben muss: Einen sehr… speziellen… Ermittler, eine umwerfend schöne Frau, einen richtig fiesen Bösewicht, eine dubiose Sekte und viele kleine Schurken, die zu Kollateralschäden oder Handlangern werden.

Dabei ist dieser Roman aber einfach nur irre. Manchmal kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, weil man keine Ahnung hat, was gerade geschieht und wie man damit klarkommen soll, mal lacht man sich halb tot und weiß nicht, wie man damit klarkommen soll und manchmal hält man einfach seitenlang den Atem an, weil so vieles auf einmal passiert.

Allerdings muss ich sagen, dass ich das erste Drittel des Buches deutlich witziger fand als den Rest, im Mittelteil wurde das Buch dann humortechnisch etwas schwächer und deutlich handlungsorientierter und am Ende ist man einfach nur so von der Auflösung fasziniert, dass man über solche Fragen nicht mehr nachdenken kann.

Jan Philipp Zymny bleibt in dem Roman seinem Bühnen- Stil auf jeden Fall treu. Jeder, der ihn schon einmal auf der Bühne gesehen hat und ihn klasse fand, wird auch dieses Buch lieben. Für alle anderen könnte es vielleicht etwas ungewöhnlich sein. Aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen, definitiv.

Ein Krimi, bei dem man nicht mal sagen kann, dass er reiner Spaß ist. Immerhin geht es um die Weltherrschaft. Das ist total ernst. Und am Ende gibt es tatsächlich eine Auflösung. Die beinahe logisch ist. Wenn einem das in der Mitte des Buches jemand sagt, zeigt man ihm vermutlich einen Vogel. Oder eine Ente.

Eine klare Kaufempfehlung für diesen Buch, denn es ist einfach mal etwas ganz anderes, etwas, was man noch nie so gelesen hat und auch nie wieder lesen wird. Irre.

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Tags: comedy, henry frottey, jan philipp zymny, krimi, mord, poetry slam   (6)
 

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forensik, sachbuch, mark benecke, kriminalfälle, verbrechen

Mordspuren

Mark Benecke
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 01.07.2009
ISBN 9783404606184
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer kennt ihn nicht, Deutschlands bekanntesten Kriminalbiologen? Dr. Mark Benecke hatte die spannendsten Fälle der Rechtsmedizin auf seinem Schreibtisch. Die Polizei konnte dank ihm einen Mörder anhand seines Wissens über Madenlarven überführen und er untersuchte als einziger den (vermutlichen) Schädel und das Gebiss von Adolf Hitler. Er tourt mit seinem Wissen von Talkshow zu Talkshow durch Fernsehdeutschland und schreibt ganz nebenbei auch noch Bücher.

In „Mordspuren“ berichtet Benecke von Mordfällen, die in ihrer Zeit schier unglaublich zu sein schienen.Das Buch ist allerdings alles andere als ein wissenschaftliches Buch, viel mehr rollt Benecke die Verbrechen neu auf, beschreibt Fakten, Aussagen und Indizien um dem Leser zu zeigen, wie verwinkelt die Kriminalistik sein kann. So beginnt das Buch schon mit der „alten Rechtsmedizinerweisheit“: „Wer das Helle sehen will, muss das Dunkel verstehen.“

Ich gebe zu, allzu empfindlich darf man nicht sein, denn Benecke spricht in diesem Buch über Vampiraustreibungen, pädophile Serienmörder, die ihre Opfer ausnehmen und vermeintliche Selbstmörder, Kannibalismus und die Wirklichkeit der Polizeiarbeit. Zum größten Teil ist es ganz schön erschütternd, ich würde fast schon sagen verstörend, wenn in den zitierten Briefen der Täter nur wenig von Schuldbewusstsein und Reue die Rede ist. Die besten Beispiele hierfür sind wohl Issei Sagawa, der nach dem Mord an seiner Freundin nur ein Jahr in der Psychiatrie war und heute als Restaurantkritiker arbeitet. Dieser schreibt: „Würde es eine Möglichkeit geben, eine hübsche weiße Frau legal zu kochen, wäre ich gern dabei.“

Ebenso wenig Reue zeigte der Pädophile Serienmörder Jürgen Bartsch, der die Jungen zwischen acht und 13 gerne in den Tod quälte. 

Das Hörbuch ist über weite Strecken wirklich fesselnd, das einzige was etwas stört ist, dass Benecke selbst liest. Leider stolpert er recht häufig beim Lesen und stockt, er spricht sehr monoton und wäre das Hörbuch nicht so interessant, hätte ich es vermutlich genau wegen des Vorlesers wieder weggelegt. Trotzdem habe ich es bis zum Ende geschafft und muss sagen, dass es wirklich spannend war.

Die Fälle, die Benecke beschreibt sind nicht zu lang und es werden für den Leser wirklich nur die wichtigen Fakten beleuchtet. Benecke erklärt, zitiert aus Ermittlungsakten und Zeugenaussagen und glänzt natürlich mit Fachwissen. Hinzu kommt eine kleine Prise unverwechselbaren schwarzen Humors, den, glaube ich, jeder Kriminalbiologe braucht.

Insgesamt bleibt also zu sagen, dass ich nun weiß, wieso Benecke Vegetarier und dass jeder Mensch ein kleiner Voyeur ist. Insgesamt eine gute Leistung mit kleinem Abzug in der B-Note für die Stolperer in der Hörbuch Version. Trotzdem: Jeder, der sich für diese Themen interessiert, sollte sich das Buch kaufen, mir waren es manchmal ein paar Ekel- Informationen zu viel, aber das gehört zu diesem Buch auch irgendwie dazu.

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Tags: kriminalbiologie, mark benecke, mordspuren, pathologie, psychologie   (5)
 

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sams, australien, kinderbuch, wunschpunkte, kinder

Onkel Alwin und das Sams

Paul Maar ,
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2009
ISBN 9783789142840
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Nachdem der fünfte Band der Sams- Reihe, „Sams in Gefahr“ mit nur einem Stern von mir bewertet wurde, geht es nun, mit dem sechsten Band der Kinderbuchreihe wieder etwas bergauf.

Allerdings hat „Onkel Alwin und das Sams“ nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee der Sams- Bücher zu tun, nämlich dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das Sams für eine Woche zu den Menschen kommt.

Am Anfang des Buches ist man zu Gast auf einer Sams- Versammlung. Denn es gibt viele Samse! Und sogar ein Übersams, das über alle anderen bestimmen kann, ein Königssams sozusagen. Die Versammlung der Samse ist der Meinung, dass das Sams, das wir aus den vergangenen Büchern kennen, schon viel zu lange bei den Menschen (also den Taschenbiers) war und dadurch viel zu menschlich geworden sei. Sogar seine Rüsselnase sieht mittlerweile fast so aus wie die eines Menschen und die Schwimmflossen sind für die Füße auch nicht mehr von Nöten. Also beschließt die Sams- Versammlung, das Sams aus der Gemeinschaft auszuschließen. So kann es immer bei den Taschenbiers bleiben.

Bei denen ist die Freude natürlich groß! Aber sofort steht das nächste Abenteuer buchstäblich vor der Tür: Onkel Alwin kommt zu Besuch, Herrn Taschenbiers Onkel, der vor vierzig Jahren nach Australien ausgewandert ist. Doch Onkel Alwin ist ein übler Zeitgenosse und schnell wird klar: Das Sams muss sich seine Wunschpunkte zurückholen, die immer noch Herr Daume, Martins böser Sportlehrer aus dem letzten Band, im Gesicht hat, um Onkel Alwin wieder ans andere Ende der Welt zu wünschen.

Doch dann kommt alles ganz anders als geplant…

In diesem Band steht nicht mehr das Sams im Fokus des Geschehens, vielmehr sind die einzelnen Mitglieder der Familie Taschenbier die Protagonisten. Das Sams peppt die ganze Geschichte nur noch durch Gesänge auf, die teilweise recht fragwürdige Reime besitzen.

Außerdem passieren absurde Wendungen, die auf allzu vielen Zufällen und gefälligen Wünschen basieren und man fragt sich auch, ob diese Geschichte überhaupt noch für die gleiche Altersgruppe geeignet ist wie die vorhergehenden Bände. Es wird ziemlich viel Englisch gesprochen in dem Buch, da sowohl Rolands neue Freundin als auch Onkel Alwin aus englischsprachigen Ländern kommen. Das mag nett sein, aber ich habe die Sams- Reihe in der Grundschule gelesen und da hätte ich das alles noch nicht verstanden.

Außerdem sprechen Martin Taschenbier und seine Freunde in diesem Band wie kleine Erwachsene, mit Ausdrücken, die ein Kind niemals benutzen würde. Herr Taschenbier ist mittlerweile eigentlich sehr vernünftig geworden, nur zwischendurch wird er noch sehr bemüht als Waschlappen wie damals dargestellt, was im völligen Widerspruch zu seinem sonstigen Verhalten steht.

Außerdem gibt es noch einige Neuerungen was das Wunschverhalten angeht, die allesamt nicht sehr schlüssig erscheinen, die ich hier aber auch nicht vorwegnehmen möchte. Manchmal war ich aber irritiert.

Nun ja, nach „Sams in Gefahr“ konnte Paul Maar es eigentlich nicht mehr schlechter machen, von daher kommt „Onkel Alwin und das Sams“ bei mir besser weg als der vorherige Band. Trotzdem vermisste ich auch in diesem Buch den Witz, den Esprit und vor allem: DIE MORAL! Das war doch immer das Tolle an den Samsbüchern, dass sie so eine unverfälschte, kindliche Moral beinhalteten und dass jeder etwas vom Sams lernen konnte, egal ob man ein Kind war oder der Erwachsene, der das Buch vorgelesen hat.

Dies ist leider nur noch eine beliebige Geschichte ohne lustige Situationen, die vom Sams und seinen frechen Sprüchen verursacht werden und ohne Moral dahinter. Es geht um Betrug und um Vertrauensmissbrauch, ich verstehe nicht, was das in einem solchen Kinderbuch zu suchen hat.

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philosophie, sebastian23, theorie und taxis, poetry slam, humor

Theorie und Taxis: Auswege aus der Philosophie

Sebastian 23
E-Buch Text: 160 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 14.03.2014
ISBN 9783646926262
Genre: Comics

Rezension:

Wenn man an Philosophie denkt, dann ist der erste Gedanke meist ein älterer Mann, der sich den Bart krault und fragt „Warum?“

Wenn man an die Frage „Warum?“ denkt, dann ist der erste Gedanke meist ein fünfjähriger Junge, der wissensdurstig seine total genervten Eltern mit Fragen löchert.

Und wenn man diese beiden Gedanken im Kopf hat, wird man merken, dass Sebastian 23 weder fünf Jahre alt ist, noch Bart trägt und trotzdem Philosophie studiert hat.

Warum?

Kommen wir erstmal zum Grundsätzlichen: Sebastian 23 ist Poetry Slammer, Autor, Kabarettist, Liedermacher und Mützenträger und darin ziemlich gut. Mehrere Bücher (u.A. „Purer Unfug“, das auch schon seinen Platz hier auf dem Blog gefunden hat), Solo-Programme und ein Vizeweltmeistertitel  sprechen für sich. Nun hat sich Herr 23 einem Thema gewidmet, das wohl ihm und allen anderen Philosophiestudenten am Herzen liegt: Er macht die Philosophie kompatibel für jeden, denn es ist aus der Sicht eines Taxifahrers geschrieben.

Meine innere Taxifahrerin und ich konnten uns zwischenzeitlich kaum vor lachen auf dem Sofa halten, wenn Paul Borchert über die wichtigsten Themen der Philosophie philosophiert: „Was ist Wahrheit“, „Was ist Denken“ und „Was ist Freiheit“. In 31 Kapiteln befasst sich der Mann hinterm Steuer mit diesen wichtigen Fragen und ein ums andere Mal denkt man nach den Kapiteln „Ah! Hä?“ Und genau so soll es sein. Am Ende des Buches gibt es für die Wissensdurstigen noch einen Epilog, der genau so ernst gemeint ist wie die restlichen Kapitel.

Zwischen den Kapiteln finden sich immer vier Karten zum Thema „Das philosophische Quartett“. Man könnte sich diese Karten ausschneiden und gegen Freunde spielen. Einziges Manko: Auf der Rückseite der Karten geht der Text weiter. An sich aber eine schöne Idee, wenn man mal einen spannenden Abend mit seinen Philosophie-Freunden verbringen möchte.

„Theodor W. Adorno – Bücher: 31, HA!“
„Kommt drauf an, wie du Bücher definierst.“

Man sieht, man kann mit Philosophie-Studenten eigentlich keinen Spaß haben. Je nachdem, wie man „Spaß“ definiert, aber hier hat es doch mal jemand geschafft.

Alles in allem kann man über das Buch sagen, dass man es kaufen kann. Es ist gemacht für Menschen, die etwas über Philosophie erfahren möchte, für die, die etwas über Taxifahrer erfahren möchte und für die, die einfach nur lachen möchten. Außerdem ist Sebastian 23 scheinbar einer der wenigen Philosophen, der nach dem Studium keinen Taxischein gemacht hat oder mit Zottelfrisur in irgendwelchen Talkshows abhängt und doch irgendwie wie ein ganz normaler Mensch lebt.

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freundschaft, der kleine prinz, familie, reise, frankreich

Bäume reisen nachts

Aude Le Corff , Claudia Steinitz
Flexibler Einband: 201 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783458360193
Genre: Romane

Rezension:

Ein kleines einsames Mädchen und ein alter einsamer Mann. Sie treffen sich und geben sich gegenseitig Kraft. So beginnt die wunderschöne Geschichte, die in „Bäume reisen nachts“ erzählt wird.

Manon und Anatole wohnen seit Jahren im gleichen Haus. Aber sie kennen sich nicht, nur ein paar Mal haben sie sich flüchtig gesehen. Auch Manons Tante Sophie wohnt in diesem Haus und kennt Anatole nicht. Denn Anatole, ein pensionierter Französischlehrer ist ein Eigenbrötler, ein typischer alter Mann, der auf den Tod und die damit verbundenen Qualen wartet. Der tägliche Gang zum Bäcker ist das anstrengendste, das er sich noch zutraut.

Manon ist acht Jahre alt und wohnte mit ihren Eltern in diesem Haus. Wohnte, weil sie nun nur noch mit ihrem Vater dort wohnt. Ihre Mutter hat die Familie verlassen, einfach so, von heute auf morgen, ohne eine Erklärung. Ihr Vater Pierre versinkt seitdem im Selbstmitleid und seinem eigenen Mief. Manon muss sich um ihn kümmern, als sei sie die Erwachsene. Nachmittags sitzt sie dann immer unter der großen Birke im Garte und liest. Und erzählt den Ameisen und Katzen Geschichten, damit sie nicht an ihre Mutter denken muss. In Anatole findet sie einen Seelenverwandten, der ihr Geschichten erzählt und ihr aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint- Exupéry vorliest.

Doch eines Tages meldet sich die Mutter unverhofft wieder. Und Pierre, Manon, Anatole und Sophie machen sich auf eine abenteuerliche Reise, die alle an ihre Grenzen führt. Mit dem Auto fahren sie von Frankreich nach Marokko, wo sich die Mutter aufhält, um sie nach Hause zu holen.

Auf der Fahrt sieht sich jeder von ihnen mit seinen eigenen Abgründen konfrontiert und lernt etwas über das Leben, nämlich dass man alles schaffen kann, wenn man nur ganz fest daran glaubt.

„Bäume reisen nachts“ ist eine wunderbar leicht erzählte Geschichte. Man liest das Buch schnell durch und kann kaum erwarten, am Ende endlich das ersehnte Happy End präsentiert zu bekommen. (Ob es auch eins gibt, muss dann natürlich jeder selbst lesen.) Aber man hofft es die ganze Zeit. 

Das Buch ist gespickt mit vielen Zitaten aus dem „kleinen Prinzen“ und das macht es nur umso liebenswerter, da die Geschichte manchmal wirklich wie eine moderne Variation von Antoine de Saint- Exupérys Klassiker erscheint.

 „Bäume reisen nachts“ ist ein süßes Kinder- und Jugendbuch, aber ebenso ein tolles Buch für junggebliebene Erwachsene und solche, die immer noch an das Schöne und Gute im Leben glauben und die Hoffnung niemals aufgeben.

Aude Le Corff hat einen sehr flüssigen Sprachstil, man hat beinahe das Gefühl, sie erzählt einem die Geschichte im Plauderton und man kann nicht anders, als ihr zuzuhören. Schade, dass das Buch nicht 100 Seiten mehr hat, ich hätte gerne noch so viel mehr über Pierre, Anatole, Sophie und Anais, die Mutter, erfahren! Und das ist doch ein gutes Gefühl, wenn man ein Buch beendet.

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liebe, genetik, humor, australien, vaterschaftstest

Das Rosie-Projekt

Graeme Simsion , Annette Hahn
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 23.12.2013
ISBN 9783810519511
Genre: Liebesromane

Rezension:

Vorab: Es handelt sich bei dieser Buchbesprechung um die Rezension des Hörbuchs zum Roman.

Don Tillmann ist ein ziemlich verrückter Typ. Und die Hauptperson des Buches „Das Rosie- Projekt“. Man könnte ihn wohl am ehesten mit Sheldon Cooper, der Hauptfigur aus der US- Sitcom „The Big Bang Theory“ vergleichen. Für alle, die diese nicht kennen: Don ist ein Nerd. Ein weltfremder Wissenschaftler, der keinerlei typisch menschliche Fähigkeiten besitzt (z.B. Empathie, Taktgefühl, Schamgefühl, Spontanität).

Aber er will heiraten und das gerne möglichst schnell, denn mit vierzig tickt auch bei ihm langsam die biologische Uhr. Also startet er das Ehefrau- Projekt: Er will die perfekte Ehefrau finden. Da er total überzogene Ansprüche hat, ist die Suche nach einem geeigneten Exemplar aber mehr als schwierig. Also greift er zu einer bewährten wissenschaftlichen Methode: Einem 16-seitigen Fragebogen, der seine Suche effizienter gestalten soll. Er lässt diesen Fragebogen bei verschiedensten Gelegenheiten mehreren hundert Frauen zukommen und will sich dann nur mit denen treffen, die möglichst wenig Fehlerpunkte erzielt haben.

Unterstützt wird er dabei von seinem besten Freund, einem üblen Playboy und dessen Frau, einer betrogenen Psychologin, die es aber auch nicht schaffen, ihm diesen Unsinn auszureden.

Doch dann trifft Don auf Rosie. Rosie ist die unperfekteste Frau, die er sich vorstellen kann: Vegetarierin, Barfrau, notorische Zu- Spät- Kommerin und Raucherin. Und sie trinkt auch ganz gerne mal einen. Und Rosie will nur eines – ihren Vater finden. Und dabei kann nur Don ihr helfen. Zwischen den beiden entwickelt sich über dieses Vater- Projekt eine so besondere Freundschaft, dass das Ehefrau- Projekt manchmal fast in Vergessenheit zu geraten scheint. Und alles scheint so gut zu sein und man denkt, jetzt ist das Buch gleich vorbei und dann schaut man auf die Zeitanzeige und sieht, dass man erst die Hälfte gehört hat. Denn Graeme Simsion (übrigens ein Australier, die Geschichte spielt auch in Australien, genauer gesagt in Melbourne) schafft es, seine eigene Geschichte nochmal komplett umzukehren.

Ich hätte das ehrlich gesagt nicht gebraucht. Für mich hätte nach der Hälfte Schluss sein können. Alles, was danach kommt, habe ich als zu lang und zu konstruiert empfunden. Klar ist es irgendwie schön zu erfahren, wie Don doch noch ein wenig normaler und damit auch ein bisschen glücklicher wird, wie er neue Erfahrungen macht und langsam erkennt, was Liebe ist und dass das Leben nicht immer ganz planbar ist. Aber für meinen Geschmack hätte er das alles schneller verstehen können. Streckenweise hatte ich das Gefühl, dass er wirklich ein Trottel ist, was aber gar nicht dazu passt, dass er eben ein angesehener Wissenschaftler und richtig intelligenter Typ ist. Da scheinen die Wirren und Längen eher gezielt hineingeschrieben worden zu sein, um die Geschichte künstlich zu strecken, obwohl sie das nicht gebraucht hätte. Man hatte dann auch irgendwann verstanden, dass Don ein beinahe hoffnungsloser Fall ist, der seine Gefühle nicht geregelt bekommt.

Rosie dagegen ist einfach herzerfrischend, eine total sympathische, aber ebenso verkorkste Person, die man aber sofort ins Herz schließt. 

Ich habe das Hörbuch in einem Rutsch gehört, vielleicht habe ich es deshalb auch streckenweise als anstrengend empfunden. Die Sprache weist wenige Variationen auf, die Wendungen werden häufig wiederholt, was natürlich auch daran liegt, dass das Buch aus Dons Perspektive geschrieben ist und er ist nunmal kein kreativer Typ. Robert Stadlober ist aber ein wirklich guter Sprecher, der noch das letzte bisschen Leben aus Don herauspressen kann und das Ganze wirklich überzeugend liest. Seine Stimme ist super angenehm.

„Das Rosie- Projekt“ ist eine nette Liebesgeschichte mit Längen. Die Konstellation „Die Ungewöhnliche und der Nerd“ ist ebenfalls neu und deshalb erfrischend. Die erste Hälfte des Buches ist wirklich interessant und spritzig geschrieben, die zweite Hälfte zieht sich streckenweise wie Kaugummi. Ich habe nur nicht aufgehört zu hören, weil ich unbedingt das Ende erfahren wollte. So kann man sagen, dass „Das Rosie- Projekt“ ein Buch/ Hörbuch, das man in Etappen lesen/ hören sollte, es am Stück zu hören, war definitiv ein Fehler. Aber langweilige Zugfahrten müssen eben gefüllt werden und dafür war es geeignet. Es ist aber kein Hörbuch, das ich nochmal hören werde. 

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

andrea schacht, autos, historischer roman, schacht, liebesgeschichte

Triumph des Himmels

Andrea Schacht
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 24.03.2014
ISBN 9783764504595
Genre: Historische Romane

Rezension:

An Andrea Schacht kommt wohl keiner vorbei, wenn es um gute historische Romane aus Deutschland geht. So wurde mir die Autorin schon von mehreren Seiten wärmstens empfohlen und bei ihrem neuesten Roman „Triumph des Himmels“ habe ich nun auch endlich mal zugegriffen.

Der Roman spielt in den 1920er- Jahren in Frankreich und Deutschland. Ein amerikanisches Ölunternehmen schreibt eine Ralley aus: Vom Triumphbogen bis zum Brandenburger Tor. Was heute eine leicht zu meisternde und gut ausgebaute Strecke ist, war damals noch ein Weg durch unwegsame Gegenden wie die Eifel und das Sauerland, in denen es noch keine richtig befestigten Straßen gab.

In einer Zeit, in der Deutschland sich noch vom 1. Weltkrieg erholen musste und Autos gerade erst im Kommen waren, fehlte das Geld für den Straßenbau.

An der Ralley nehmen nun verschiedene illustre Gestalten teil, die das Geschehen abwechselnd aus ihren Perspektiven erzählen. Zum einen wäre da Alasdair McAlan, kurz „Mac“ genannt, ein etwas abgerissener Weltenbummler mit dunklen Geheimnissen, die das Leben einiger Menschen von Grund auf ändern werden.

Sein ärgster Gegenspieler: Oberst von Braunlage, einst ein geachteter Herr von militärischem Rang, der nun in der Nachkriegszeit allerdings dem Bankrott in die Augen sieht und den Sieg in der Ralley braucht, um wieder ganz oben mitspielen zu können.

Dann wären da noch ein undurchsichtiger Reifenfabrikant, zwei singende englische Brüder und ein verrückter französischer Rennfahrer mit seinen zwei Schwestern.

Und sie alle sind schicksalhaft mit einer Person verbunden: Emmalou Schneider, einer jungen Journalistin aus Berlin, die in der Ralley ihre große Chance sieht, ihre Karriere zu starten. Sie will mit einem geliehenen Flugzeug die Ralley von oben betrachten und so eine einmalige Berichterstattung bieten. Doch auf der Teilnehmerliste findet sich so mancher Name, der Erinnerungen wachruft…

Außerdem im Fokus: Ein Teilnehmer, der den anderen schaden will und nachts heimlich deren Autos manipuliert. Bis fast zum Schluss weiß man nicht, um wen es sich dabei handelt und man macht sich immer wieder neue und immer wieder falsche Gedanken um die Identität dieses fiesen Verbrechers, der schwere Unfälle billigend in Kauf nimmt, nur um das Rennen zu gewinnen. Diese Geschichte heizt die Stimmung noch zusätzlich auf.

In der Mitte des Romans, als sich langsam herauskristallisiert, wie die einzelnen Personen zueinander stehen und was für Erinnerungen und Vergangenheiten sie miteinander teilen, habe ich mir noch gedacht, dass das Ganze etwas konstruiert wirkt. Es ist schon unwahrscheinlich, dass sich so viele Menschen zufällig auf ein und derselben Ralley treffen. Aber dann wird das Buch so spannend, dass man gar nicht mehr denken kann und will.

Ich habe mich noch nie sonderlich für Autos interessiert und Autorennen schaue ich mir schon gar nicht an, aber beim Showdown, den letzten Kilometern vor dem Ziel, hing ich so gebannt vor dem Buch und habe mir die Szenerie, wie die letzten fünf Autos um den Sieg kämpfen, so bildlich vorgestellt, dass ich mich danach etwas über mich selbst gewundert habe. Vielleicht ist mir sogar der Mund offen stehengeblieben – ich kann da nichts versprechen. Das war so spannend! Ich kam kaum damit klar, wie spannend das war.

Ja. Andrea Schachts Bücher stehen nun geschlossen auf meiner Wunschliste. Wenn die anderen auch nur halb so gut und spannend und gut konstruiert und recherchiert geschrieben sind, werden sie alle großartig sein. Und ich muss mich entschuldigen, dass ich im ersten Moment, als von den Vorzügen der Motoren und Reifen geredet wird, doch etwas die Augen verdreht habe. Es tut diesem Buch keinen Abbruch. Eigentlich war es sogar ganz interessant. Und das Ende ist einfach wundervoll, ich hatte so ein breites Grinsen im Gesicht.

(Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich das Buch im Zug gelesen habe, ich habe meinen Mitfahrern also ein schönes Schauspiel geboten, erst sabbernd mit offenem Mund, dann grinsend. Naja. Bei so tollen Büchern ist alles erlaubt!)

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Tags: andrea schacht, historischer roman, liebesgeschichte, ralley, triumph des himmels   (5)
 

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kinderbuch, sams, paul maar, sams im glück

Sams im Glück

Paul Maar , Ulrich Limmer , Paul Maar
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2011
ISBN 9783789142901
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Sams im Glück“ ist der neueste und letzte Teil der Sams- Reihe. Und hat mich nach den beiden vorhergegangen schwächeren Büchern wieder mit der Reihe versöhnt. Denn in „Sams im Glück“ ist wieder diese Lebensfreude, der Mut zur politischen Incorrectness und die frechen Reime vorhanden.

Es kommt wieder durch Wünsche zu verworrenen Situationen, die total lustig sind und das Buch ist vom Spannungsgrad her wieder absolut kindgerecht.

Das Sams bekommt in diesem Buch ein Problem: Es war zu lange bei den Taschenbiers, nämlich über 15 Jahre. Und wenn das geschieht, dann sehen die Sams- Regeln vor, dass die Menschen,  bei denen das Sams lebt, auch zu Samsen werden. Und das ist durchaus ein Problem, denn man weiß ja wie Samse sind: Frech, laut und unverschämt, ständig am Reimen und Singen und immer ziemlich eigensinnig. Papa Taschenbier, mittlerweile ein älterer Herr, hat also immer wieder solche Schübe, in denen er zum Sams wird. Es bildet sich eine rote Haarsträhne auf seinem Kopf und er verhält sich wie ein typisches Sams. 

Nach einem solchen „Anfall“ erinnert er sich stets nicht mehr daran, was er in der Zeit getan hat. Zum Beispiel, dass er in eine Schokoladenfabrik eingebrochen ist. Oder ein Kamel geklaut und damit durch die Straßen geritten ist.

Als sich diese Symptome dann auch noch bei Mama Taschenbier zeigen, ist klar: Das Sams muss sich entscheiden. Entweder, die Taschenbiers werden zu Samsen oder es muss die Familie verlassen und in die Samswelt zurückkehren, wie das Übersams es befiehlt. Oder gibt es doch noch eine ganz andere Lösung?

Bei diesem Buch hatte wieder das typische Gefühl, das ich auch beim Lesen der ersten vier Bände hatte: Ich hatte einfach Spaß. Ich habe mich amüsiert, ein bisschen geträumt und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass tausende von Kindern bei manchen Szenen ebenfalls richtige viel Spaß hatten, wenn selbst ich abends lesend und kichernd im Bett lag.

Ich weiß nicht, was Paul Maar sich bei den beiden vorherigen Bänden gedacht hat, aber Fakt ist: Er kann es. Und das hat er mit diesem Buch wieder bewiesen.

Ungenaue Wünsche, freche Reime und viel Herz machen dieses Buch liebenswert und spannend. Und dabei kommt es ganz ohne psychopathische Sportlehrer oder betrügerische Onkel aus, die den Taschenbiers Böses wollen. Hier kommt der Spaß wieder allein aus der Tatsache, dass das Sams existiert, heraus. Und trotzdem ist es spannend, weil man sich nicht ganz sicher ist, ob man sich nicht wünschen soll, dass die Taschenbiers auch zu Samsen werden. Und dann kommt hier noch eine ganz neue Person ins Spiel, nämlich Betty Taschenbier, Martin Taschenbiers Tochter, die ebenso klug und lustig ist wie man selber als Kind gerne gewesen wäre und damit diesmal auch eine „reale“ Identifikationsfigur neben dem Sams bildet.

Zum Abschluss der Reihe bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass das Sams neben Pippi Langstrumpf und Hanni und Nanni definitiv DIE Kinderbuchfigur meiner Kindheit war, die mir am meisten Spaß bereitet hat. Und ich hoffe, dass noch viele andere Kinder damit aufwachsen und die gleiche Moral aus den Büchern ziehen können wie ich.

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umzug, familie, trauer, gegenwartsliteratur, trauma

Heimflug

Brittani Sonnenberg
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Arche, 01.04.2014
ISBN 9783716027097
Genre: Romane

Rezension:

Wir alle kennen sie vom Hören- Sagen. Sie sind die, die man in der Schule unheimlich findet und in der Uni beneidet. Sie sind die Kinder der dritten Kultur, Kinder erfolgreicher Geschäftsmänner oder –frauen, die auf der ganzen Welt ihr Zuhause haben. Die alle zwei oder drei Jahre das Land, die Schule und ihre Heimat wechseln, fünf Sprachen fließend sprechen und sich doch scheinbar nirgendwo heimisch fühlen können.

Über eine solche Familie hat Brittani Sonnenberg einen Roman geschrieben und ihn „Heimflug“ genannt. „Heimflug“ erzählt die Geschichte der Familie Kriegstein, einer amerikanischen Familie mit deutschen Wurzeln. Die Kriegsteins, die Eltern Chris und Elise und die Töchter Leah und Sophie, wechseln ständig ihren Wohnort: Hamburg, London, Atlanta, Shanghai, Singapur. Ihre eigentliche Heimat scheint die Fassade einer glücklichen Familie zu sein, die sie sich aufgebaut haben. Doch dann passiert etwas Schreckliches: Während der Zeit in Singapur stirbt die jüngere Tochter Sophie. Und die Familie muss sich auf einen wirklich langen „Heimflug“ begeben, um irgendwo ein Stück Heimat zu finden.

Der Roman ist aus ständig wechselnden Perspektiven erzählt. Neben Elise, Chris und Leah kommt auch Sophie selbst zu Wort, ebenso wie Chris Eltern und sogar das alte Haus, in dem Elise aufgewachsen ist. Diese zahlreichen Perspektiven ermöglichen einem eine breite Sichtweise auf die Dinge, allerdings hätte ich mir auch manchmal gewünscht, dass eine Sicht länger beschrieben würde. Immer, wenn man sich gerade richtig in die erzählende Person eingefühlt hatte, kam der nächste Perspektivwechsel.

Interessant fand ich auch die Tatsache, dass mir bis zum Ende des Buches nicht ganz klar wurde, was Chris Kriegstein eigentlich arbeitet. Passend dazu kamen am Anfang seine Eltern zu Wort, die ebenfalls nicht so ganz genau wussten, was ihr Sohn macht. Das verstärkte nochmal das Bild davon, dass diese scheinbare Familienidylle eine Fassade zu sein scheint. Und nach Sophies Tod wird dies auch allen klar. Und jeder muss seinen ganz eigenen Weg finden, um mit dem Verlust klarzukommen, als wäre mit dem Bröckeln der Familienfassade auch die Heimat verloren.

Besonders faszinierend, aber leider nur sehr rar gesät, war die Perspektive von Leah, die als Sprachrohr der Kindergeneration dient. Mich würde sehr interessieren, ob Brittani Sonnenberg autobiografisch aus Leahs Sicht geschrieben hat, denn auch in ihrer Vita findet man viele verschiedene Länder, in denen sie bereits gelebt hat. Diese Perspektive fand ich deshalb so interessant, weil sich die Eltern aus nachvollziehbaren Gründen (Flucht aus dem Elternhaus, Faszination Weltreise usw.) für ein Leben als Globetrotter entscheiden können. Die Kinder dagegen sind dem einfach ausgeliefert und werden nicht gefragt. Während wir als heimatverbundene Gleichaltrige, für die der Umzug aus dem Elternhaus in den Studienort die größte räumliche Veränderung im Leben bedeutet hat und wir diese als wirklich aufregend empfunden haben, diese Art von Leben als faszinierend oder beneidenswert betrachten, kann der Lebensstil natürlich auch negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Kindes haben. Und diese beleuchtet Brittani Sonnenberg sehr schonungslos und sehr offen.

Ich mag übrigens auch das Ende. Ich habe auf so ein Ende gehofft. Natürlich werde ich es an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber ich mag es wirklich, auch wenn es bedeutet hat, dass der „Heimflug“ mit diesen Seiten leider beendet werden musste.

Ein toller, absolut unaufgeregt erzählter Roman mit authentischen Schilderungen und einem interessanten Thema, das mir in dieser Form bisher in Romanen noch nicht begegnet ist.

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sarah crossan, jugendbuch, mobbing, schwimmen, außenseiterin

Die Sprache des Wassers

Sarah Crossan , Oliver Jeffers
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 24.07.2013
ISBN 9783939435846
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Die Sprache des Wassers“ von Sarah Crossan, in Deutschland erschienen im mixtvision Verlag, ist ein echter Geheimtipp unter den Erscheinungen des letzten Jahres!

Dabei fällt es mir schwer, die Geschichte auf eine Alters- oder Lesergruppe einzugrenzen. Für Erwachsene ist es auf jeden Fall eine tolle Lektüre für zwischendurch, für Jugendliche aber schon recht anspruchsvoll.

Das besondere an „Die Sprache des Wassers“? Es ist durchgehend in gebundener Sprache geschrieben, erinnert also an Lyrik, aber es ist nicht gereimt und auch ansonsten ist es ein Prosatext, der in diese gebundene Sprache „umgeschrieben“ wurde. Dadurch entsteht eine ganz neue, noch nie bei einem Buch empfundene Intensität. Durch die Art der Sprachgestaltung sind sprachliche Wendungen und Verdichtungen möglich, die in einem normalen Prosatext umständlich vieler Worte bedurft hätten. Hier allerdings schafft Sarah Crossan es, in ganz wenigen Kapiteln mit ganz wenigen Worten ganz viel zu sagen und das Gefühlsleben ihrer Protagonistin in aller Tiefe zu schildern.

Diese heißt Kasienka, ist 12 Jahre alt und gebürtige Polin. Sie muss mit ihrer Mutter nach England auswandern, wo diese den Vater sucht, der die Familie verlassen hat. Und in England findet Kasienka dann auch ihren Vater. Aber auch eine neue Liebe. Und ihre Leidenschaft, das Schwimmen. Und auch ein Stück Heimat. Aber sie muss sich gegen viele Hindernisse durchsetzen: Ihre depressive Mutter, die jeden Halt im Leben verloren hat und die Mädchen in der Schule, deren Mobbing sie schutzlos ausgeliefert ist.

Obwohl die Geschichte sich (jugendbuchtypisch) am Ende doch relativ in Wohlgefallen auflöst, driftet sie aber niemals ins Kitschige ab. 

In gewisser Weise bricht das Buch damit mit allen Erwartungen, die man daran haben kann, sprachlich und inhaltlich. Das Motiv der Liebe ist hier so klug eingesetzt, um Kasienka und den Leser etwas über das Leben lernen zu lassen und schließlich ihre Heimat zu finden, sodass es einen auch selbst mit einem wohligen Gefühl zurücklässt.

Ein wirklicher Geheimtipp, eine tolle Aufmachung übrigens auch (Format und Cover, nichts ist an diesem Buch „normal“), „Die Sprache des Wassers“ bekommt einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal!

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Tags: die sprache des wassers, geheimtipp, jugendbuch, kinderbuch, lyrik, sarah crossan   (6)
 

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liebe, freundschaft, uni, manchester, liebesroman

Wir in drei Worten

Mhairi McFarlane , Karin Dufner , Ulrike Laszlo
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2013
ISBN 9783426514535
Genre: Liebesromane

Rezension:

Auf dem College waren Rachel und Ben die besten Freunde. Sie haben alles geteilt und alles zusammen erlebt. Und Rachel war immer ein kleines bisschen in Ben verknallt. Doch er war ein Frauenschwarm, hatte immer wechselnde Freundinnen und so haben die beiden sich nach einer geheimnisvollen Nacht vor dem Abschlussball, die immer mal wieder angedeutet wird, aus den Augen verloren.

Und nun treffen sie sich wieder – nicht ganz zufällig, denn die gerade frisch ent-lobte Rachel macht Ben über eine Freundin ausfindig.Und plötzlich ist alles wieder da: Die alten Erinnerungen und die alten Gefühle. Das einzige Problem: Ben ist inzwischen glücklich verheiratet und Rachel erlebt gerade die wohl turbulenteste Zeit ihres Lebens. Nach einer langen Beziehung das erste Mal wirklich auf eigenen Beinen stehend, muss sie erst erkennen, was ihr im Leben wichtig ist.

„Wir in drei Worten“ war eine wirklich positive Überraschung für mich. Ich habe den Roman als Hörbuch gehört und hatte eine überaus seichte Schmonzette für zwischendurch und lange verregnete Abende erwartet, aber die Geschichte hat mich wirklich gepackt und berührt! Rachel ist eine Figur, in deren Seelenleben ich mich schnell einfühlen und eindenken konnte. Ben blieb mir zwar etwas fremd (so ganz konnte ich nicht verstehen, was sie an ihm findet), aber ich muss ja auch nicht mit ihm zusammen sein. Schlimmer erging es mir allerdings mit Rhys, Rachels Ex- Verlobtem. Er ist so ein unangenehmer Kerl, dass man gar nicht verstehen kann, warum Rachel es so lange mit ihm ausgehalten hat.

Allerdings wurde dieser Eindruck auch deutlich durch die Sprecherin Britta Steffenhagen beeinflusst, die den ekligen Tonfall von Rhys noch recht übertrieben nachgemacht hat. Vielleicht wirkt die Figur anders, wenn man seine Sätze nur liest und sich seine Stimme selbst im Kopf vorstellt.

Die Geschichten um Rachel und Ben bzw. Rachel und Rhys werden zusätzlich angereichert durch eine Geschichte, die Rachel an ihrem Arbeitsplatz zu verkraften hat, nämlich den Verrat durch eine Kollegin, der ihr einigen Ärger einbringt. Diese Geschichte hat dann letztendlich alle anderen Geschichten wieder zusammengeführt und war wirklich gut ausgearbeitet.

„Wir in drei Worten“ – übrigens auch hier wieder der Hinweis (wie so oft in letzter Zeit), dass der englische Originaltitel „You had me at Hello“ viel viel toller ist, denn letztendlich ist der deutsche Titel banal und unspeziell und hat nichts mit der Geschichte zu tun – ist ein schöner Liebesroman, der einem ein paar kurzweilige Lese- oder Hörstunden beschert. Er ist kein herausragender Vertreter seiner Klasse, aber eine durchaus empfehlenswerte Lektüre für die romantisch veranlagte Frau.

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Tags: liebesroman, mhairi mcfarlane, rachel und ben, wir in drei worten   (4)
 

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drogen, jana frey, höhenflug abwärts, rezensio, abhängigkei

Höhenflug abwärts

Jana Frey
Flexibler Einband: 164 Seiten
Erschienen bei Loewe, 01.03.2011
ISBN 9783785572726
Genre: Jugendbuch

Rezension:

dies ist eine Geschichte, wie sie jedem Mädchen da draußen passieren könnte: Man ist unglücklich mit seinem Leben, unzufrieden und weiß nichts mit sich anzufangen. Und dann ist da diese eine Pille, die es einem leichter macht, die einen glücklich macht und einen für einen Moment die Welt vergessen lässt. 

So beginnt auch Maries Geschichte, die die Jugendbuchautorin Jana Frey hier erzählt. Dabei legt die Autorin vor allem den Finger darauf, wie alles angefangen hat und macht sehr deutlich, wie schnell es gehen kann, dass man in eine Clique gerät, die systematisch Drogen wie Ecstasy an Jugendliche verkauft.

Maries Entwicklung konnte man dabei gut nachvollziehen und es war erschreckend zu sehen, dass die Hauptgründe für die Drogen für sie eigentlich Trotz und Langeweile waren.

Dennoch: Ich bin eigentlich keine Leserin, die gerne harte Geschichten liest und mir ist es oft doch lieber, am Ende in meine kleine heile Welt zurückzukehren, aber als Jugendbuch fand ich es fast etwas zu harmlos. Bücher dieses Genres sollten nach meinem Geschmack die Jugendlichen etwas aufrütteln und ihnen die Gefahren eines solchen Drogentrips deutlich vor Augen führen. Die Trips, die Marie im Buch erlebt, sind allerdings vergleichsweise harmlos und wirken auf den Durchschnitts- Fünfzehnjährigen sicherlich nicht abschreckend.

Deshalb stehe ich dem Buch etwas ambivalent gegenüber: Auf der einen Seite ist die Psychologisierung junger Mädchen durch die Figur Marie sehr gut gelungen. Auf der anderen Seite erschien mir die Story teilweise zu undurchdacht oder vielleicht auch einfach nur zu schnell voranschreitend. Um eine echte Betroffenheit oder Anteilnahme bei mir auszulösen, hätte die Geschichte mehr Tiefe und mehr anschauliche Schilderungen benötigt. So hatte man letzten Ende ein verwöhntes Gör, das nicht das bekommen hat, was es wollte und sich die Anerkennung auf andere Art und Weise geholt hat. Dabei war die Figur der Marie zu Beginn ganz anders und vielschichtiger angelegt. 

Ihr gegenüber standen ihre Eltern, die an Spießbürgerlichkeit kaum zu übertreffen waren, als würde der Slogan „Das passiert in den besten Familien!“ hier die eigentliche „Moral von der Geschicht“ sein. 

Das fand ich schade, denn der Ansatz der Geschichte ist wirklich gut und gerade weil sie offensichtlich auf einer wahren Begebenheit beruht, wäre hierbei der Bericht des Entzugs und der Neu- Eingliederung in die Klassengemeinschaft das Interessante gewesen. Wie lebt Marie weiter, welche Probleme hat sie weiterhin und wie wird ihr geholfen? Hier hätte die Autorin auch ihre große Stärke in psychologischen Schilderungen ausspielen können. Aber leider wird diese Entwicklung nur im Epilog angerissen, aus dem man gut und gerne noch 100 Seiten hätte machen können, die einem dann wirklich plastisch vor Augen führen, wie schwer es ist, aus diesem Sumpf wieder herauszukommen, wenn man einmal hineingeschlittert ist.

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