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37 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

lügen, schwester, geheimnisse, mord, tod

Der Tag, an dem wir dich vergaßen

Diane Chamberlain , Marion Ahl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 08.05.2017
ISBN 9783959670852
Genre: Romane

Rezension:

Nein, gefesselt hat mich „Der Tag, an dem wir dich vergaßen“ nicht. Der Roman von Diane Chamberlain beginnt zwar äußerst spannend, doch geht dem Buch nach der Hälfte ein wenig die Puste aus.

Das ist auch der Autorin aufgefallen, denn während das Buch zunächst aus der Sicht Rileys erzählt wird, die nach längerer Zeit wieder nach Hause zurückkehrt, um nach dem Tod ihres Vaters das elterliche Haus zu verkaufen, wechselt das Buch nach 150 Seiten zwischendurch immer wieder die Perspektive und man landet in der Zeit, in der die Geheimnisse, die Riley aufdeckt, zu Geheimnissen wurden. An manchen Stellen weiß der Leser so auch mehr als Riley, was ganz geschickt gemacht ist, da man als Leser die Fehler, die sie macht, durchschaut.

Allerdings ist Riley keine Person, mit der man mitleidet. Sie ist eher ein Durchschnittstyp, ohne Macken und Kanten. Selten wird über sie erzählt, hauptsächlich lernt man sie durch die Dialoge mit anderen kennen. So wirkt Riley kontur- und farblos. Manche Nebenfigur des Romans wirkt überzeugender.

Ganz anders dagegen ihre über 20 Jahre ältere Schwester Lisa, die verschwunden ist, als Riley gerade einmal zwei Jahre alt war. Was über sie erzählt wird wirkt lebendig, an ihr kann man sich reiben, da sie Ecken und Kanten hat. Während Riley sich mit Lisas Verschwinden und einem gut gehüteten Familiengeheimnis auseinandersetzt und letztlich kein Privatleben hat, wird Lisa immer mehr zur Hauptperson des Buches. Von ihren inneren Kämpfen erfährt man, von Riley wird nur gesagt, dass sie sich getrennt hat. Wieso, weshalb? Fehlanzeige. Selbst von Rileys Bruder Danny erfährt man mehr aus seiner Vergangenheit.

Diane Chamberlain kann spannende Handlungen konstruieren, ohne Frage. Eine große Erzählerin ist sie nicht.

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Tags: adoption, angst, campingplat, gefängnis, vergangenheitsbewältigung   (5)
 

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

basics, glaubensthemen, menschliches miteinander, altes testament, judentum

Jesus war kein Christ: und andere überraschende Nachrichten.

Jefferson Bethke
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 27.02.2017
ISBN 9783957341747
Genre: Sonstiges

Rezension:

Für Jefferson Bethke ist die Sache klar: die westliche Kirche sieht die Welt schwarz-weiß, sprich: sie hat verformt, was Jesus wollte – wo es doch wir sind, die sich von Jesus formen lassen sollen. Sein Urteil: „Das westlich geprägte Christentum ist eine seltsame Mischung aus biblischen Lehren und ein paar gnostischen Prinzipien. Das Ganze steht auf dem Fundament moderner Aufklärung und dann hat jemand dem Ganzen noch einen Jesus-Aufkleber verpasst.“ Bethkes Programm also: zurück zum Jesus des 1. Jahrhunderts nach Christus. Weg mit dem sauberen, sterilen Plastik-Jesus.

Mit falschen Vorstellungen von Jesus will Bethke aufräumen. Im Gegensatz zu seinem ersten Buch „Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe“ setzt Bethke in dem Folgeband „Jesus war kein Christ und andere überraschende Nachrichten“ weniger auf Konfrontation und mehr darauf, die „echten“ Glaubensbotschaften zu präsentieren.

Allerdings muss man sagen, dass Bethke zwar evangelikal angehaucht ist (so schreibt er etwa, dass Mose die 5 Bücher Mose verfasst hat), aber vieles von dem, was er an neuen Erkenntnissen präsentiert, in den deutschen Landeskirchen längst angekommen ist und alles andere als neu ist; ja, ich würde sogar sagen, dass Bethke Altbekanntes in neuem Gewand präsentiert. Daher war beim Lesen mein Eindruck, dass Bethke eher für ein evangelikales Publikum schreibt, das er aufwecken will. So kritisiert er in seinem Buch den Kreationismus ebenso wie die Geringschätzung des Alten Testaments.

Was mich an Bethkes Buch grundsätzlich stört, ist seine Neigung, bei den einzelnen Themen, die er in den neun Kapiteln seines Buches aufgreift, immer mal wieder vom Thema abzuweichen. Manches an seinen persönlichen Erfahrungen ist spannend zu lesen, ohne Frage, aber manches ist einfach nicht zielführend. Immer wieder springt Bethke vom einen Thema zum anderen. Beim Thema Abendmahl kommt Bethke auf das Thema der Gemeinschaft, von dort aus zum Thema Internet und Umgang mit Smartphones usw. Und dabei hätte einen durchaus interessiert, wie Bethke sich das Abendmahl vorstellt. Eindrücklich beschreibt er ein Versöhnungsmahl zwischen einem Israeli und einer palästinensischen Familie, fordert dann, dass das kirchliche Abendmahl zu einem Festessen umfunktioniert werden müsste – wie zu Zeiten der urchristlichen Gemeinde. Darauf, wie er sich dann die Sündenvergebung vorstellt, ob sie weiterhin in diesem Festmahl verankert sein soll, ob darauf verzichtet werden kann: kaum ein Wort. In vielen Kapiteln fehlt mir bei Bethke die Tiefe, das Weiterfragen, stattdessen springt er zum nächsten Thema.

Das ist schade, denn Bethke nennt viele interessante Punkte, die mich angesprochen haben. So betont er etwa, dass der Sonntag der Anfang der Woche sei und entsprechend gelebt werden müsse, beschreibt eindrücklich, dass die Tempeltheologie uns noch heute sagen kann, dass Gott uns nahe kommen will, sieht in der Frage „Adam, wo bist du?“ die Frage eines sorgenden und nicht eines strafwütigen Gottes. Am eindrücklichsten war für mich das beschriebene Versöhnungsmahl. Aber es bleibt bei einzelnen Punkten, die mir von Bethkes Buch im Gedächtnis bleiben werden. Mehr nicht.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht, wenn Bethke uns zwingt, selber weiterzudenken.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

verriss, gelegenheitsgedichte, lyrik

FASS MICH AN

Luc Spada
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Editions Binsfeld, 30.03.2017
ISBN 9789995942199
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Normalerweise fällt es mir nicht schwer, in einem Gedichtband zwischendurch immer mal wieder ein Gedicht zu finden, das mich anspricht. Bei Luc Spadas Gedichtband „Fass mich an“ ist mir das nicht gelungen. Dabei hört sich der Titel und sein Untertitel „Beats, Punchlines, Bitchmoves“ ganz schon provokant an. Ei freilich: in den Gedichten ist davon nichts zu finden.

Ein „abenteuerliches Herz“ attestiert sich Luc Spada. Doch es sind zum allergrößten Teil Gelegenheitsgedichte, dahingeschludert. Kleine Belanglosigkeiten regieren die Texte – nichts an den Gedichten ist frech, wie es der Titel erwarten lässt. Es sind eher pennälerhafte Wortspiele, die vorherrschen.

Beispiel gefällig? Da hat sich jemand gut gehalten, gut „konserviert / trotz konservenfressen“. Naja. Witzig ist das nicht. Nicht wirklich. Eigentlich so gar nicht. Immerhin hat der Dichter uns auch nichts versprochen: „nichts ist natürlich / nichts kann ich natürlich versprechen“. Dazu kommt eine vulgäre Sprache, die mitunter so gar nicht zum Inhalt der Gedichte passt. Pennälerhumor eben, wo das Wort „ficken“ genügt, um seine Mitschüler zum Lachen zu bringen. Ein wenig witzig wird es wenigstens, wenn es mal Richtung Dada geht: „das verspreche ich dir / ich widerspreche mich // versprichst du dich? / dir sowieso“.

Nach einer klaren Haltung, nach einer klaren Linie sucht man in dem Gedichtband vergebens. So ist der Gedichtband „Fass mich an“ eher eine Spiegelung der Inaktivität unserer Gesellschaft und das Kreisen um Belanglosigkeiten. Ob das von Luc Spada beabsichtigt war? Ich fürchte nicht. Auf jeden Fall würde ein Luc Spada, den mal jemand ordentlich angefasst hat, bessere Gedichte schreiben.

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Tags: gelegenheitsgedichte, lyrik, verriss   (3)
 

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

schottland, roadtrip, liebe, selbstfindung, roadtri

Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint

Bernhard Blöchl
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2017
ISBN 9783492060752
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein Titel – Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint. Wer sagt so etwas von sich? Ein Mann, der von seiner Freundin betrogen wurde und nun überlegt, was er vom Leben noch will. In Bernhard Blöchls Buch heißt dieser Mann Knoppke. Kurz und knapp. Ja, seinen Vornamen erfährt man auch noch, wichtig ist der aber nicht. Denn Knoppke ist Knoppke. Knurrig, mürrisch, wortkarg.

Von seiner Freundin Silvi enttäuscht, macht sich Knoppke auf gen Schottland. Dort wollte er schon immer mal hin. Und jetzt will er erstmal zurück auf null. Ruhe, Einsamkeit, Zeit zum Nachdenken. Dass daraus erst einmal nichts wird, dafür sorgt Sam, eine Tramperin, die einfach so in Knoppkes Auto sitzt. Einfach so? Für den grummeligen Knoppke verläuft seine Schottland-Reise anders als gedacht. Statt die Einsamkeit zu zelebrieren, wird Knoppke von seiner Reisebegleiterin ganz schön gefordert. Und je länger Knoppke unterwegs ist, umso mehr verändert sich sein Leben. Nicht durch die Einsamkeit, sondern durch die Begegnung mit anderen Menschen in den Highlands. Das Glück der anderen trifft Knoppke mit voller Wucht. Was will man mehr von einer Reise?

Besonders gefallen hat mir an dem Buch einmal die muffelige Hauptfigur Knoppke. Er hat Charakter, man kann sich an ihm und an der Art, mit dem Leben umzugehen, reiben. Fast schon ein Anti-Held. Ein verschlossener Typ, der die kurzen Sätze mag. Kurz und prägnant: so mag er es. Kurz und prägnant sind auch seine Sätze.

Dagegen wirkt Bernhard Blöchls Erzählstil fast schon ausladend, verschachtelt. Mit viel Witz erzählt Blöchl seine Geschichte von einem, der sein Leben neu ordnet. Das wenigste ist dabei, dass die Handlung hin und wieder groteske Züge bekommt. Vor allem ist es der Sprachwitz, die Ironie, die schrägen Formulierungen, die wiederkehrenden Lebensweisheiten á la Knoppke wie etwa „Glück kann, muss aber nicht„, die den Reiz des Buches ausmachen.

 

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Tags: entwicklungsroman, fußball, roadmovie, roadnovel, roadtri, schottenrock, schottland, ws, wuppertal   (9)
 

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214 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

roman, freundschaft, trauma, ich eleanor oliphant, eleanor oliphant

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant ist die tragisch-komische Figur in Gail Honeymans Buch „Ich, Eleanor Oliphant„. Liebenswert verschroben, so lässt sich vielleicht am besten beschreiben, was die 30-Jährige ausmacht. Sie ist alles andere als lebens- und welterfahren.

Nach einem tragischen Zwischenfall in ihrer Kindheit lebt sie sehr zurückgezogen, bis sie sich in das Bild eines Musikers verliebt. Wohlgemerkt: in das Bild eines Musikers, das sie sich selbst von ihm gemacht hat. Zugleich lernt sie ihren Büro-Kollegen Raymond besser kennen – all das stellt ihr Leben auf den Kopf. Auf einmal geht Eleanor aus, in Konzerte, wird eingeladen zu Geburtstagsfeiern, kleidet sich neu ein – der Leser kann mitverfolgen, wie die neuen gesellschaftlichen Aufgaben Eleanor selbst verändern und trotz der rationalen Sicht, die sie sich angewohnt hat, ihre Gefühle langsam auftauen lassen.

Dass damit auch die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Kindheit und ihrer – gelinde gesagt- herrschsüchtigen Mutter ansteht, wird Eleanor erst nach und nach klar. Wird sie dieser Auseinandersetzung gewachsen sein? Mit Spannung verfolgt der Leser Eleanors rasante Entwicklung – und ist verblüfft ob ihrer Veränderung.

Was „Ich, Eleanor Oliphant“ so unterhaltsam macht, ist vor allem die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist. Das Weltunverständnis aus der Sicht von Eleanor ist absolut komisch, schräg, grotesk. Manchmal auch mit einer bitteren Note, wenn es etwa um ihre Einsamkeit geht. Ihre Pedanterie, ihre regelmäßigen Tagesabläufe, ihre Direktheit – all das lässt sie verschroben erscheinen. Und doch ist da eine Eleanor in ihr, die das Leben leben will und dabei in recht viele Fettnäpfchen tappt. Wenn sie eine Packung Scheibenkäse zum Geburtstag verschenkt, mal wieder sagt, was sie nur denken sollte: dann hat der Leser ordentlich was zu lachen. Gail Honeymans Humor ist es, was dem Buch das gewisse Etwas gibt.

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Tags: edinbourgh, entwicklungsroman, glasgow, yor   (4)
 

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

sachbuch, liebe, friedemann karig, polygamie, 2017

Wie wir lieben

Friedemann Karig
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.02.2017
ISBN 9783351050382
Genre: Sachbücher

Rezension:

Friedemann Karigs Sachbuch ist ein Plädoyer. Ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und für mehr Offenheit in den Beziehungen, die wir leben. Und so wird der Buchtitel „Wie wir leben. Vom Ende der Monogamie“ dem Charakter des Buches nicht gerecht. Es ist kein Buch, in dem ausschließlich über die Liebe und ihre Verwirklichung als Beziehung gesprochen wird. Es ist kein Kinsey Report über das Sexualverhalten der Deutschen. Wenn Karig den Umgang mit Sexualität in unserer Zeit beschreibt, tut er dies mit klarer Absicht: er will auf etwas aufmerksam machen, er will etwas verändern. Eine Streitschrift, ein Plädoyer ist es also. Wofür, wogegen?

Zunächst einmal sieht Karig die Ehe als Auslaufmodell. Ja, es gibt Stellen in dem Buch, in denen eine monogame Ehe nicht abgelehnt wird. Viele sind es freilich nicht. Zu sehr ist Karig damit beschäftigt, die sexuelle Unterdrückung, die es seit Jahrtausenden gebe, aufzuzeigen und anzukreiden. Denn Monogamie ist quasi automatisch mit Unterdrückung gleichzusetzen. Sie bewirke sexuelle Unzufriedenheit, der Beziehungskiller Nummer 1, entspreche nicht dem, was die Natur von uns will. Denn Fremdes, sagt Karig, ist immer attraktiver als Altbekanntes. Wer dies nicht wahrhaben will, lasse sich von seinen Ängsten, nicht von seinen Wünschen leiten. So plädiert Karig im letzten Teil seines Buches für Ehrlichkeit und Offenheit in Beziehungen, wie auch für eine größere Akzeptanz von „ungewöhnlichen“ Beziehungen, wie etwa polygamen.

„Wir sollten sexuelle Pragmatiker werden. Und unser Glück maximieren“, fordert Karig. Wie schwierig dies ist, zeigen die Geschichten einzelner Paare und Beziehungen, die der Autor beschreibt (größtenteils entstammen sie Artikeln des Autors im SZ-Magazin). Konfliktfrei sind diese Beziehungsmodelle genauso wenig wie die Ehe. Glück ist und bleibt ein schwer zu haltendes Gut. Oder um es mit Marie zu sagen:  „Verlieben, Lieben, Entlieben. So geht das ständig. Unter allen Umständen.“

Mit Karigs Buch habe ich mich etwas schwer getan. Vor allem, weil ich mit seinem extrem kritischen Blick auf die Ehe nichts anfangen kann. Natürlich lässt es sich kritisieren, wenn die Ehe zum Zwang wird, wenn Beziehungsformen neben der Ehe nicht existieren dürfen. Aber warum es einfacher sein soll, zu dritt eine lebbare Beziehung aufzubauen als zu zweit – es leuchtet mir nicht ein. Was Karig als „Mogel-Monogamie“ oder als „serielle Monogamie“ bezeichnet – „die lauwarme Badewanne an Kompromissen und gepflegter Langeweile“ – es ist und bleibt die Form der Beziehung, die vielleicht nicht am meisten Glück, aber dennoch am meisten Geborgenheit und Zufriedenheit verheißt. Karig, so scheint mir, denkt in der Zweierbeziehung immer auch das Ideal der Treue mit, an dem wir nach Karig scheitern müssen. Bei Karig liegt meines Erachtens aber der Denkfehler darin, dass er dieses Scheitern so kategorial auffasst, dass dagegen die zugefügten Schmerzen in einer anderen Beziehung fast schon belanglos erscheinen.

Das Buch liest sich streckenweise sehr flüssig, aber dennoch gelehrt; anderes hingegen wiederholt sich immer wieder und die eingefügten Geschichten fand ich nicht immer weiterführend. Insgesamt ist Karig ein Meister im Zitieren. Hier wird etwas angefügt, da wird ein Zitat eingefügt, dort etwas belegt – an manchen Stellen braucht es etwas Zeit, um sich klar zu werden, was nun Karigs Position ist und was er nur zitiert.

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verfolgung, gnade, bonhoeffer, bergpredigt, drittes reich

Nachfolge

Dietrich Bonhoeffer , Peter Zimmerling
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Brunnen, 18.11.2016
ISBN 9783765509483
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Wer nach einer Vertiefung seiner eigenen Spiritualität sucht, wird in den Gedanken und dem Vorbild Bonhoeffers einen Schatz von bleibendem Wert finden, der an Aktualität bis heute nicht verloren hat." So schreibt Peter Zimmerling in seinem Vorwort zu Dietrich Bonhoeffers "Nachfolge".

Dietrich Bonhoeffers Buch  aus dem Jahr 1937 (bzw. in 2. Auflage 1940) ist nun in einer neuen Bonhoeffer-Reihe im Brunnen-Verlag erschienen. Das Cover wirkt frisch, mit kräftigem Türkis versehen. Aber ist die "Nachfolge" noch so frisch und aktuell, wie Peter Zimmerling, der Herausgeber, behauptet?

Zunächst einmal: Bonhoeffer lässt sich gut lesen. Oft hat ein Kapitel nur einen zentralen Gedanken, der ausgebreitet wird. Nur selten wirkt manches nicht zusammenhängend - so etwa die Aussage, wer in der Gemeinschaft Gottes stehe, könne nicht leiden, die kurz darauf gefolgt wird von der Forderung an die Gläubigen, das Leiden zu tragen.

Im Zentrum von Bonhoeffers Buch "Nachfolge" steht die Bergpredigt. Sie wird klassisch ausgelegt, indem genau auf den Text geschaut wird und Folgerungen gezogen werden. Kennt man grob Bonhoeffers Lebenslauf, so erkennt man in der "Nachfolge" die vielen zeitgebundenen Urteile. So lässt sich Bonhoeffers betonte Unterscheidung zwischen dem Volk und den Jüngern als Adressaten der Bergpredigt direkt auf die damalige Zeit beziehen: Die Jünger sind die Bekennende Kirche, die das Licht Jesu weitergeben, die sich direkt in die Nachfolge begeben, während das - undefinierte - Volk für die Volkskirche steht und bestenfalls die Landeskirche ist, von der sich Bonhoeffer abgewendet hat.

Anderes wirkt, als müsste es gar nicht abgestaubt werden. Bonhoeffers Unterscheidung zwischen billiger, falscher Gnade und der teuren Gnade etwa. Vehement pocht Bonhoeffer darauf, dass die Gnade die Nachfolge einschließt und wendet sich strikt dagegen, dass Gnade ohne Nachfolge denkbar ist. Seine Kritik: "Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders." Eine Kritik, die auch heute noch Bestand hat. Ebenso spannend finde ich auch heute noch Bonhoeffers Lebens-Erkenntnis, dass Glaube an sich einfältig sein muss - auch wenn wir heute vielleicht nicht mehr von einfältigem Glauben sprechen würden. Es lässt sich nicht alles hinterfragen oder logisch aufbauen - Glaube ist zuallererst Vertrauen, blindes Vertrauen in innerer Freiheit. Und, das macht Bonhoeffers "Nachfolge" für unsere Zeit schmerzlich deutlich: Glaube ist immer auch lebendiger Glaube, der in der Gemeinschaft gelebt werden muss, und kein Rückzug in sich selbst.

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Tags: bekennende kirche, bergpredigt, bonhoeffer, drittes reich, gnade, nachfolge, verfolgung   (7)
 

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fastenzeit, ostern, schöpfung, karwoche, fastenkalender

Es werde Licht!

Dorothee Dziewas
Flexibler Einband: 116 Seiten
Erschienen bei Neukirchener Aussaat, 02.11.2016
ISBN 9783761563335
Genre: Sachbücher

Rezension:

Heute beginnt die Fastenzeit. Mit „Es werde Licht! 7 Wochen Schöpfung erleben“ hat der Neukirchener Verlag einen ungewöhnlichen Fastenkalender herausgegeben, der so gar nicht nach Kalender aussieht. Im Gegensatz zu den meisten Fastenkalendern wartet „Es werde Licht!“ nicht mit bunten Bildern auf. Es ist eher nüchtern gestaltet und – leider – auch nicht immer ganz einheitlich aufgebaut. In der Regel wechseln sich aber Tagestipp und Denkanstoß ab und stehen am Schluss des kurzen Textes zum Tag.

Allerdings sind diese kleinen Aufgaben, die das Buch stellt, nicht immer am Schluss des einzelnen Tages zu finden, manchmal verstecken sie sich auch im erklärenden Text. Dass es manchmal keine Aufgabe, sondern etwas zum Nachdenken gibt, ist – finde ich – dagegen eher positiv zu sehen, fühlt es sich doch wie eine Abwechslung an.

Thematisch hat sich „Es werde Licht!“ die Schöpfung vorgenommen. Dabei gibt es so etwas wie ein Wochenthema, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Kontraste werden etwa ausgehend von der Erschaffung von Tag und Nacht beleuchtet.Zu den Aufgaben in der Woche der Kontraste gehört etwa, Fotos aus anderer Perspektive zu machen und – für mich das Überraschendste – bei Himmel und Erde ein Rezept von „Himmel un Ääd“.  Hinzu kommen Wochenthemen wie Schöpfung erleben, Blick zum Himmel, Blick nach innen.

Ich habe bei „Es werde Licht!“ weniger von den kleinen Aufgaben, und mehr von den Texten und den dazugehörigen Denkanstößen profitiert.

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Tags: fastenkalender, fastenzeit, gott, schöpfung   (4)
 

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glühbirne, erfinder, edison, stromkrieg, westinghouse

Die letzten Tage der Nacht

Graham Moore , Kirsten Riesselmann
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783847906247
Genre: Romane

Rezension:

Wer hat die Glühbirne erfunden? Thomas Edison? Wirklich?

In seinem neuen Buch „Die letzten Tage der Nacht“ schildert der amerikanische Schriftsteller Graham Moore auf spannende Weise den Stromkrieg, der nach der Erfindung der Glühbirne ausbrach.

Die Hauptfigur des Buches ist der aufstrebende Anwalt Paul Cravath, der von Edisons Rivale George Westinghouse engagiert wurde, um den Patentstreit mit Edison zu gewinnen. Dies erweist sich als äußerst schwieriges Unterfangen, ist Edison doch ein gewiefter und einflussreicher Gegner, der seine Erfindungswerkstatt fabrikartig aufzieht.

Graham Moore hat sich bei den zentralen Punkten am historischen Geschehen orientiert, wenn er auch dies und jenes ergänzte und die Fakten etwas straffte. Auch bei der charakterlichen Darstellung von Edison, Westinghouse und Cravath hat sich Moore an historische Fakten gehalten. Moores Kunst ist es, die historischen Fakten zu verdichten und so spannend und anschaulich darzustellen.

Graham Moore gelingt es, aus einem ausufernden Patentrechtsstreit um die Erfindung der Glühbirne und dem Stromkrieg zwischen 1888 und 1896 über die Frage, ob Gleich- oder Wechselstrom die Stromart der Zukunft ist, ein spannendes Buch zu weben, ohne dass der Leser mit allzu Kompliziertem behelligt wird. Dabei gerät Paul Cravath immer mehr zu einer tragischen Figur, die in dem Strudel unterschiedlichster Interessen und Machenschaften mehr als einmal unterzugehen droht.

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Tags: edison, glühbirne, stromkrieg, tesl, usa, westinghouse   (6)
 

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erste liebe, jugendbuch, annika, meer, levian

Mittelmeersplitter

Theresa Sperling
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Lektora-Verlag, 27.09.2016
ISBN 9783954610792
Genre: Romane

Rezension:

Levian ist der neue in der Klasse. Ein Außenseiter. Ein Sonderling. Denn Levian spricht nicht. Mit niemandem. Zumindest so lange, bis Annika es gelingt, ihn zum Reden zu bringen. So beginnt die Beziehung zwischen den beiden Zehntklässlern, von der Theresa Sperling in ihrem Buch „Mittelmeersplitter“ erzählt.

„Mittelmeersplitter“ ist ein Jugendbuch, das sehr geradlinig erzählt. Nebenhandlungen sind und bleiben Nebenhandlungen. Im Zentrum stehen Annika und Levian, die beide ihr „Päckchen“ zu tragen haben. Und so braucht es einiges an Mut, bis eine Aufrichtigkeit in ihre Beziehung einzieht, die sie auch ihre eigene Geschichte verarbeiten lässt, die sie mit sich herumschleppen. Und vor allem braucht es die Wärme Italiens und das Mittelmeer, die Annika und Levian lehren, offen und vertrauensvoll miteinander umzugehen.

Angenehm ist, dass die Autorin nicht für alles eine Erklärung bietet. So bleibt dem Leser die Möglichkeit, darüber nachzudenken, weshalb sich Annika und Levian so verhalten, wie sie es tun. „Mittelmeersplitter“ bietet keine allzu einfachen Antworten und keine schwülstig-romantische Liebesgeschichte. Das Buch bleibt nicht dabei stehen, die Angst vor dem ersten Mal zu thematisieren.  Eine Verwandlung vom Aschenputtel zum Dornröschen und vom Sonderling zum Frauenschwarm findet nicht statt. Es bietet mit Annika und Levian zwei Figuren, die Reibungsfläche für den Leser bieten. Nur der Blick in die Zukunft des Buches ist allzu kitschig geraten – darauf hätte ich verzichten können.

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Tags: erste liebe, itlaien, jugendbuch, mittelmeer, romantik, selbstmordgedanken   (6)
 

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

schweden, schären, vergangenheit, eis, winter

Heimwärts über das Eis

Gunilla Linn Persson , Stefan Pluschkat
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 12.12.2016
ISBN 9783458361879
Genre: Romane

Rezension:

Ellinor lebt in den Stockholmer Schären - abgeschieden vom Rest der Welt versorgt sie ihren kranken Vater. Doch eines Tages taucht ihre Jugendliebe Herrman nach über dreißig Jahren plötzlich wieder auf. Und das bringt Ellinor gewaltig aus ihrem bisherigen Trott.

Gunilla Linn Persson gelingt es, in "Heimwärts über das Eis" die besondere Atmosphäre der Stockholmer Schären einzufangen. Da gibt es das alte Wegerecht, die Erkenntnis, dass man mit den Menschen, die da sind, vorlieb nehmen muss. Zudem gibt es jede Menge Fehden zwischen den Familien, die seit Jahrzehnten gepflegt werden, seit mehrere Jugendliche bei einem Sturm auf dem Eis erfroren sind. "Alles ist kaum mehr als eine Ahnung", so lautet der letzte Satz des Buches. Das trifft es sehr gut, worum es in dem Buch geht: Um das was zwischen den Zeilen steht, um das, was nicht gesagt wird. Und so ist "Heimwärts über das Eis" letztlich ein Frauenroman, in dem es um das Aufbrechen alter Krusten geht. So wie sich die Natur am Ende des Buches befreit und der Frühling da ist, so muss auch Ellinor sich befreien aus ihren Zwängen, die sie jahrzehntelang gefangen haben. Sprich: sie muss sich von ihrem Vater lösen und beginnen, ihr eigenes Leben zu leben. Diese Erkenntnis beschleicht Ellinor immer mehr, als Herrman wieder auftaucht und ihr ihr früheres Leben, ihre Jugend, in Erinnerung ruft.

Für mich war die Bildersprache, mit der dies im Buch verdeutlicht wird, etwas gewöhnungsbedürftig (gelinde gesagt!). Wenn von Ellinor als Baum immer wieder die Rede ist - nun gut. Aber sie als verirrter Perlmutterfalter, als Eichhörnchen, das schließlich lächelt, zu bezeichnen: für mich sind das schräge Metaphern. Wenn von einem toten Mädchen, das zu ihren Leibzeiten gestrickt hat, gesagt wird, sie werde zu Brüsseler Spitze, kann ich damit so gar nichts anfangen. Im Buch sind es aber vor allem die vielen Vergleiche von Ellinor mit Pflanzen und Tieren, die irgendwann zu viel werden. Genauso wie die vielen literarischen Zitate, die eingeflochten sind. Durch sie hat sich für mich auch ein Missverhältnis aufgetan: Ellinor, die ständig in der Natur ist, alle Tiere und Pflanzen bei ihrem Namen kennt, wird plötzlich zur belesenen Büchernärrin. Das hat für mich nicht gepasst. Zudem ist manches an dem Roman sehr konstruiert, etwa dass Herrman genauso literarisch bewandert ist wie sie.


Anderes dafür ist gelungen: Die Verquickung mit einem tragischen Unglück vor über 100 Jahren führt durch das parallele Erzählen dazu, dass man als Leser kaum den Eindruck hat, dass viel Zeit vergeht, sondern sich alles in kürzester Zeit abspielt. Auch dass manches erst nach und nach aufgedeckt wird, sorgt im zweiten Teil des Buches noch einmal für einen Erzählschub, der mir am Anfang des Buches etwas gefehlt hat.


So ist "Heimwärts über das Eis" ein Buch, das seinen eigenen Charme hat, wenn es mich auch nicht völlig überzeugt hat.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

bekennende kirche, zingst, niemöller, schreibverbot, george bell

Bonhoeffer und Bethge

Wolfgang Seehaber
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 12.09.2016
ISBN 9783038480952
Genre: Biografien

Rezension:

Eine „wunderbare Freundschaft“ nennt Wolfgang Seehaber das, was die Theologen Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge miteinander verbunden hat. In seinem Buch stellt er die beiden unterschiedlichen Männer gegenüber und zeigt, was ihre Freundschaft ausmachte.

Seehaber erweist sich dabei nicht als großartiger Erzähler, der Geschichte durch Geschichten lebendig werden lässt. Er ist eher der nüchterne Betrachter, der mithilfe der zur Verfügung stehenden Quellen untersucht, was die beiden Theologen so sehr verband, dass sie sich blind vertrauten.

Seehaber macht deutlich, wie wichtig diese Freundschaft gerade in der Zeit der Verfolgung war, wo das Finkenwalder Seminar, das Bonhoeffer leitete, verboten wurde und die Arbeit der Bekennenden Kirche immer mehr im Untergrund stattfand. Seehaber betont stark Bonhoeffers klaren Blick für die politischen Ereignisse, seine klare Positionierung und Standhaftigkeit. Zugleich verdeckt er aber Bonhoeffers Schwächen – wie etwa sein antiquiertes Frauenbild – nicht. Freilich wirkt die Freundschaft zwischen Bonhoeffer und Bethge etwas verklärt (was aber auch daran liegen mag, dass Bonhoeffer dies selbst betrieb), wenn er etwa Bonhoeffer als „Meister“ bezeichnet. Beinahe anrührend hingegen ist die Abwägung zwischen Freundschaft und Liebe, als sowohl Bethge als auch Bonhoeffer sich verlieben.

„Bonhoeffer und Bethge“ ist manchmal etwas mühsam zu lesen, weil Seehaber mehr berichtet als dass er erzählt – seine wichtigen Aussagen wiederholt er dabei doppelt und dreifach, zum Teil auch gegen die Chronologie der Ereignisse. Manches wirkt wie eine Fleißarbeit, zum Beispiel wenn im ersten Kapitel des Buches alle Freundschaften Bonhoeffers präsentiert und analysiert werden. Durch vielen erwähnten Namen machen das Buch etwas unübersichtlich. Zugleich gelingt es Seehaber aber, die Kirchengeschichte des Dritten Reiches immer wieder in sein Buch einzuflechten und so die Sorgen und Nöte Bonhoeffers, aber auch seine Bedeutung für uns aufgrund seiner Aufrichtigkeit aufzuzeigen.

Trotz des eher analytischen Stils gelingt es Seehaber, die Personen lebendig werden zu lassen. Bonhoeffer, der Spross einer bürgerlichen Familie, Einzelgänger, gibt Unsummen für Telegramme und Briefe nachhause aus. Bethge, der schlechte Schüler, aus dem ein guter Handwerker hätte werden können, ehr ein Alleinunterhalter, wird nur deshalb Pfarrer, weil er es als Verpflichtung gegenüber seinem Vater sieht. Zwei unterschiedliche Männer, die aufeinander angewiesen und verbunden waren in einer „unfasslichen Zuneigung“.

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Tags: bekennende kirche, drittes reich, widerstand   (3)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

erfahrungen mit geflüchteten, flüchtlinge, flüchtlingsarbeit, religion, glaube

Aufstehen für ein neues Wir!

Burkhard Hose
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei adeo, 11.10.2016
ISBN 9783863341244
Genre: Sachbücher

Rezension:

Burkhard Hoses Buch „Aufstehen für ein neues Wir“ ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft. Anlass für sein Buch ist die Arbeit mit Flüchtlingen. Begegnungen, die ihn berührt haben, schildert der katholische Würzburger Studentenpfarrer immer wieder. Und Hose beschreibt anschaulich und ehrlich, wie er dadurch auch sich selbst verändert hat. Genauso ehrlich beschreibt er auch, wie schwer es ihm fiel, mit dem Hass und der Wut, die ihm an manchen Stellen entgegenschlug, umzugehen.

Jeder, der in der Flüchtlingsarbeit ist, wird sich in den Schilderungen Hoses wiederfinden. Die Verständigung trotz sprachlicher Schwierigkeiten schildert Hose ebenso wie die gutgemeinten Ratschläge, die an den Flüchtlingen vorbeigehen und die Irrtümer über Syrien und Afghanistan, die aufgelöst werden – ja, die meisten Flüchtlinge haben auch früher schon Schnee gesehen und in Syrien gibt es auch Duschen…Die Hoffnung Hoses, dass wir durch das Gespräch mit den Flüchtlingen auch uns selbst besser kennenlernen, weil uns dann erst auffällt, was den Flüchtlingen sofort auffällt, ich teile sie mit Hose. Auch, dass das auch den Umgang mit der eigenen Religion betreffen könnte, dass wir wieder lernen, über unseren eigenen Glauben zu reden.

Blauäugig und streckenweise sogar naiv erscheint mir Hose aber, wenn es um die Politik geht. Für Hose, so scheint es, ist das ein rotes Tuch. Zugespitzt gesagt: Während die Flüchtlingshelfer sich um die Menschen sorgen, unterstellt Hose den Politikern, dass sie gefühlskalte „Realisten“ sind. Für Hose ist Realist zu sein ein Unding, er fordert Visionäre und eine „andere Logik“, die Logik der Barmherzigkeit, die schlichtweg nur sagt: „Dann gehe und handle“. Wie sehr er wirklich davon überzeugt ist, dass damit Politik gemacht werden kann, zeigt Hoses Wunsch, der Bundeskanzlerin anzurufen: „Guten Morgen, Frau Bundeskanzlerin. Ich weiß, es ist 2 Uhr in der Nacht, aber ich muss Ihnen etwas Wichtiges sagen: Wir haben keine Garantie dafür, dass wir es schaffen, aber ich weiß, dass es Sinn macht, Menschen auf der Flucht zu helfen. Und wenn wir das tun, was voller Sinn ist, dann haben wir auch die Kraft, es zu schaffen. Ich will Ihnen sagen, dass viele Menschen in diesem Land dazu bereit sind.“ Ich glaube, die Bundeskanzlerin braucht solche Anrufe nicht. Und ich brauche solche Ausführungen nicht. In einem Land voller Visionäre wie Hose würde ich zumindest nicht leben wollen. Realisten sind kein Fehler, wenn es um die praktischen Dinge geht. Und davon ist in Hoses Buch für meinen Geschmack viel zu wenig die Rede.

Was ist dieses neue Wir, das Hose will? Ein Land, das die Willkommenskultur zum Dauerzustand macht, ja. Aber was heißt das? Wie geht das? Wie soll sich Deutschland denn verändern? Wie wird sich Deutschland vielleicht ganz von selbst verändern? Hier fehlen mir Hoses Visionen.

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Tags: flüchtlinge, flüchtlingsarbeit, religion   (3)
 

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sicherheit, blindheit, selbstlosigkeit, reichtum, hartherzigkeit

Sünde - Was Menschen heute von Gott trennt

Thorsten Dietz
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei SCM R. Brockhaus, 05.09.2016
ISBN 9783417267846
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mit seinem Buch „Sünde. Was Menschen heute von Gott trennt“ will Thorsten Dietz seine Leser zum Nachdenken bringen. Dabei hält sich Dietz nicht allzu lange beim biblischen Sündenfall mit Adam, Eva und der Schlange auf. Viel wichtiger ist es dem Theologen, was für uns heute Sünde ist. Was die griechischen Autoren mit den Tugenden gemacht haben, gelingt Dietz bei der Sünde. Sieben ganz unterschiedliche Sünden beschreibt Dietz: Blindheit, Hartherzigkeit, Suchtverhalten, Selbstlosigkeit, Reichtum, Sicherheit und Trägheit.

Kann man erklären, warum es Sünde gibt? Woher kommt es, dass Menschen sich falsch verhalten? Für Dietz sind das nicht die eigentlichen Fragen, die uns unter den Nägeln brennen sollten. Vielmehr schreibt Dietz ähnlich wie Martin Luther einen Sündenspiegel, den wir uns vorhalten können. Sieben Sünden, die uns alle immer wieder einholen, hat Dietz gesammelt. Da ist die Blindheit, das Unvermögen, die Wahrheit zu sehen, obwohl sie uns eigentlich deutlich vor Augen ist. Dann die Hartherzigkeit, die uns verstockt und kein echtes Mitgefühl mehr aufkommen lässt. Schließlich die Sucht, die uns unfrei werden lässt und uns in Gier bindet. Als Ziel: Selbstlosigkeit, die Angst und Verzweiflung hinter sich lassen und anderen vertrauen. Echter Reichtum: Reichtum, der frei macht und nicht belastet, weil er mit Macht verbunden ist. Keine falsche Sicherheit, sondern einfaches Schwarz-Weiß-Denken vermeiden und versuchen, den anderen zu verstehen. Initiative statt Trägheit, die uns davon abhält, das Richtige zu tun.

Um seine Ausführungen lebendiger zu machen, bezieht sich Dietz immer wieder auf bekannte Filme wie „Herr der Ringe“, „Tribute von Panem“ oder „Star Wars“. Hier fand ich es nicht immer leicht, den Ausführungen zu folgen. Sehr ausführlichen inhaltlichen Zusammenfassungen folgen oft nur kleine Verdeutlichungen oder Erklärungen. Aber nicht nur hier verzettelt sich Dietz immer wieder. Auch wenn er Theologen wie Dorothee Sölle oder Dietrich Bonhoeffer zitiert, gerät das Thema der Sünde immer wieder aus dem Blickfeld.

Besonders gefallen hat mir, dass Dietz am Ende der Kapitel dem Leser jeweils kleine Aufgaben mit auf den Weg gibt. Das sind Anregungen, die man immer wieder aufgreifen kann.

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Tags: blindheit, freikirche, hartherzigkeit, reichtum, selbstlosigkeit, sicherheit, sucht, sünde, sündenspiegel, trägheit   (10)
 

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Kann mein Chemielehrer Crystal Meth herstellen?

Andrea Gentile , Johannes von Vacano , Marco Goran Romano
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455700213
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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schweiz, freundschaft, homosexualität, liebe, juden

Und damit fing es an

Rose Tremain , Christel Dormagen
Fester Einband: 333 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 08.08.2016
ISBN 9783458176848
Genre: Romane

Rezension:

Rose Tremain erzählt in ihrem Roman „Und damit fing es an“ zwei ganz unterschiedliche Geschichten. Zum einen ist es die Geschichte von Erich Perle, stellvertretender Polizeichef im schweizerischen Matzlingen in den 1940er Jahren, zum anderen die Geschichte von Gustav Perle, seinem Sohn, die bis in die 1990er Jahre reicht.

Geschickt gewählt ist der Original-Titel des Buches: die Gustav-Sonate. Denn wie bei einer Sonate sind es zwei ganz unterschiedliche Melodien, die im Buch immer wieder auftauchen. Für mich steckt darin die große Schwäche des Buches: Wir bekommen drei große Brocken geliefert, die mit großen Zeitsprüngen einhergehen und nur lose miteinander verbunden sind. Kaum hat man sich in die Kindheit von Gustav hineingelesen, seine Freundschaft mit Anton, dem jüdischen Kind, mitverfolgt, landet man im zweiten Teil, wo das alles keine Rolle mehr spielt, um dann aber im dritten Teil, dem Finale, 40 Jahre später wieder aufzutauchen. Mich haben diese inhaltlichen Brüche sehr gestört, auch wenn hier und da Informationen nachgereicht wurden, zum Beispiel wie es sich Gustav leisten konnte, ein Hotel zu kaufen. Vor allem den zweiten Teil, wenn die ganze Vorgeschichte herausgekramt und ausgebreitet wird, empfand ich als sehr langweilig.

Äußerst gelungen ist in dem Roman die Beschreibung der Personen. Man kann sich gut in die Figuren hineinversetzen und hineinfühlen. Sie sind realistisch gezeichnet, Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und dass Gustav und Anton wie auch Erich Perle und seine Frau ganz unterschiedliche Menschen sind, gibt dem Ganzen einen besonderen Reiz. Auch die ganz unterschiedlichen Lebensverhältnisse kann man gut erspüren. Gestört hat mich dabei nur die zum Teil derb wirkende Sprache, wenn es um Sexualität geht. Für mich hat das so gut wie nie zum restlichen Stil des Buches gepasst. Das f-Wort ist mir dabei viel zu oft vorgekommen.

Nicht überzeugt hat mich das Ende des Buches. Da wird ein glückliches Finale hervorbeschworen, dass so gar nicht überzeugend ist und vor Schmalz nur so trieft.

Fazit: „Und damit fing es an“ ist ein Buch, das furios beginnt, aber enttäuschend endet. Mich hat es nicht gepackt, aber ich bin mir sicher: Der Roman wird seine Leser finden.

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Tags: drittes reich, homosexualität, mittelland, schwei, sonate   (5)
 

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leserunde, sachbuch;, friedefürst, israel, christlich

Das Prinzip des Terrors

Tass Saada , Christian Rendel , Dean Merrill
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 01.09.2016
ISBN 9783038480945
Genre: Sachbücher

Rezension:

Tass Saadas Buch „Das Prinzip des Terrors“ ist eine Mogelpackung. Denn Denkweise und Anziehungskraft von Terrorismus – wie es der Titel verspricht – ist nur ein ganz kleiner Teil von dem, worum es im Buch geht. Vor allem will Tass Saada aufzeigen, wie der Terrorismus überwunden werden kann.

Nun könnte man sagen, dass man Terrorismus nur dann besiegen kann, wenn man weiß, wie Terroristen ticken. Für Saada trifft dies allerdings nicht zu. Er hat ein ganz anderes Rezept zur Überwindung von Gewalt und Hass: Jesus Christus. Jesus Christus? Ja, Jesus Christus – wenn Muslime zu Christen werden, gibt es keinen Terrorismus, sagt Saada. Denn Jesus Christus, der Friedefürst, bringe (anders als Mohammed) den Frieden.

Darüber, dass dadurch das Christentum zu einer friedlichen und friedliebenden Religion verklärt wird, verliert Saada kein Wort. Im ganzen Buch argumentiert Saada, der vom Islam zum Christentum konvertierte, aus christlicher Sicht. Wenn er die Rolle Ismaels für den Islam nicht mithilfe des Korans, sondern der Bibel erläutert, wirkt das etwas befremdlich. Zugleich argumentiert Saada an manchen Stellen etwas widersprüchlich. So betont er, dass Ismael in der Bibel überhaupt nicht schlecht wegkommt, zugleich aber sieht er in der Geschichte von Ismael einen „unbewussten Strom der Verletzung und des Grolls“ /“des Gefühls, dass sie hereingelegt worden sind“.

Dass in dem Buch religiöse Aspekte im Vordergrund stehen, ist leider auch bei der Gewichtung einzelner Themen leicht erkennbar. Was mit Politik zu tun hat, wird schnell abgehandelt und abgehakt, sobald religiöse Aspekte mit hineinspielen wie etwa die Frage, ob Israel das Land von Gott erhalten hat, wird ausführlich argumentiert. Manche theologische Gedanken Saadas wirken auf mich befremdlich. Für mich ist etwa die Aussage Saadas sehr fragwürdig, dass Gott den Terrorismus zulasse, „um sein Volk für seine Verantwortung wachzurütteln“. sie spiegelt aber gut die etwas schlichte Sicht der Dinge, die im Buch immer wieder hervortritt. Interessant dagegen sind vor allem die eigenen Erfahrungen, wenn er etwa darauf eingeht, wie Araber eigentlich ticken, und die persönlichen Erlebnisse, von denen er erzählt – etwa in dem von ihm gegründeten multireligiösen Kindergarten.

„Das Prinzip des Terrors überwinden“ wäre ein schöner Buchtitel gewesen. Aber vielleicht hatte der Verlag Angst davor, den Blick darauf zu wenden, denn dann hätte man ja auch automatisch auf die Rückseite schreiben müssen, wie einfach gestrickt Saada hier argumentiert. Und die Werbung mit dem Schlagwort Terror wäre verpufft. Nichtsdestotrotz bleibt so ein enttäuschter Leser zurück.

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Tags: arafat, friedefürst, israel, konversion, palästina, palästinenser, sachbuch;, terrorismus   (8)
 

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tapsi, judenverfolgung, bil, rechtsradikalismus, judenvernichtung

Einer fällt den Baum

Reiner Strunk
Flexibler Einband: 174 Seiten
Erschienen bei Neukirchener Aussaat, 30.05.2016
ISBN 9783761563618
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als auf dem Dachboden der Kirche ein altes Bild gefunden wird, steht die Welt von Pfarrer Beermann kopf. Als ob es nicht genügt hätte, dass seine Frau ihm weggelaufen ist. Nein, das mysteriöse Bild bringt so einiges in Bewegung. Ein Mord geschieht direkt vor der Kirche und nicht nur die Polizei, sondern auch Pfarrer Beermann beginnt Nachforschungen anzustellen. Kann es ein Zufall sein, dass der Tote ein Jude ist?

Viel wird an dem Bild herumgedeutet, sogar ein Kunstsachverständiger hinzugezogen. Doch warum es so viel Aufmerksamkeit bekommt, bleibt zunächst offen. Erst ganz am Schluss des Krimis wird die tatsächliche, tragische Bedeutung offenbart.

Dies gehört zu den zentralen Merkmalen dieses Krimis: es wird viel geredet und wenig gehandelt. So passt es auch zu dem Buch, dass am Ende die Auflösung durch einen seitenlangen Monolog erfolgt. Das ist wenig elegant. Gut gelungen hingegen ist das Spiel mit dem Bibelzitat aus Daniel 4,11  "Einer fällt den Baum", das letztlich auch den Hinweis zur Bedeutung des Bildes gibt.

Zu den Stärken des Buches gehört auch, dass am Schluss deutlich mehr Menschen bei der Auflösung eine Rolle spielen als gedacht, sodass manches, was man beim Lesen für belanglos hielt, plötzlich doch seine Bedeutung hat. Meinen Humor hat das Buch nicht getroffen, dafür war er mir zu fade, seinen ganz eigenen Charme hat das Buch aber dennoch, wenn es auch meinen Geschmack nicht getroffen hat.

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Tags: drittes reich, judenverfolgung, judenvernichtung, kriminalroman, malta, pfarre, rechtsradikalismus   (7)
 

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gott, hörbuch, anschläge von paris, paris, leserunde

Hörbuch: Heute ist morgen schon gestern


Fester Einband: 52 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341549
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

„Heute ist morgen schon gestern“ – das sind Poetry-Slam-Texte über Gott und die Welt. Marco Michalzik gibt sich dabei eher als ein Suchender, weniger als ein Findender. Er spricht darüber, dass man Gottes Größe so gar nicht begreifen und erst recht nicht beweisen kann, dass er aber dennoch sich von Gott getröstet weiß.

Das ist für mich das Spannende an Michalziks Texten: sie stellen Fragen und wünschen sich doch Antworten. In „Es war einmal“ wird das mit am deutlichsten: Jedes Leben sollte doch wie ein Märchen sein – und am Ende gut ausgehen, wünscht sich der Autor. Doch ob es wirklich so ist, bleibt als offene Frage im Raum. Neben der Hoffnung, die vor allem in den ersten Liedern der CD immer wieder zum Thema wird, gibt es auch eher melancholische Lieder über Trennung, Leid und Schmerz. Besonders gelungen ist das Lied „Nachtwache“, das von der unerträglichen Stille handelt. Darin heißt es zum Beispiel: „Nur ein Wort! Egal welches! Mehr musst du ja gar nicht sagen. Nur ein Wort, um nicht noch länger die Stille dieses Zimmers zu ertragen und allein zu bleien mit den Fragen, auf die sie keine Antwort haben.“

Während es in den ersten und letzten Liedern um die eigene Gefühlswelt geht, sind im Mittelteil Lieder über Menschenhandel, die Anschläge von Paris und die Flüchtlingshilfe zu finden. Ein wenig wirken sie wie ein Fremdkörper. Als „moderne Psalmen“, wie es der Verlag tut, würde ich Michalziks Lieder nicht bezeichnen. Nichtsdestotrotz kann man die meisten von seinen Liedern mehrmals, nein, immer wieder anhören. Je nach Laune und Stimmung, in der man ist.

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Tags: anschläge von paris, atheismus, christentum, existenz, existenzialismus, flüchtlinge, flüchtlingshilfe, freundschaft, glaube, gott, hoffnung, hörbuch, karlsruhe, liebe, menschenhandel, paris, religion, stille, verzweiflung   (19)
 

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österreich, paris, wanderung, testament, tod

Niemand weiß, wie spät es ist

René Freund
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.07.2016
ISBN 9783552063266
Genre: Romane

Rezension:

Niemand weiß, wie spät es ist – das heißt: niemand weiß, wann es Zeit ist für immer zu gehen. In René Freunds gleichnamigen Buch geht es freilich weniger ums Abschiednehmen oder die ars moriendi, sondern um den letzten Willen von Klaus Weilheim. Der hat sich für seine Tochter eine Aufgabe ausgedacht: nach seinem Tod soll sie mit einem Begleiter die Urne an eine bestimmte Stelle bringen und dort bestatten. Um wen es sich bei ihre Begleiter auf der Wanderung in die Alpen handelt und wo sie die Urne ihres Vaters bestatten soll, wird nach und nach durch verfasste Nachrichten des Vaters entschlüsselt. Freilich sind es nicht die Nachrichten des Vaters, die das Buch interessant machen, sondern die Wanderung, auf die sich Nora mit ihrem Begleiter Bernhard macht. So viel sei verraten: sie kennt danach nicht nur sich selbst besser.

René Freund ist ein unterhaltsames Buch gelungen. Dafür sorgen vor allem die beiden Protagonisten: die leicht tollpatschige, spontane Nora und der eher zurückhaltende, bedachte Bernhard. Klaus Weilheims Beschäftigung mit seinem nahenden Tod, die sich in den Nachrichten an seine Tochter spiegelt, empfand ich hingegen als recht langweilig und gewollt. Es wird deutlich, dass Weilheim ein distinguierter älterer Herr war – dem Lesefluss tut das allerdings nicht gut, wirken seine Ausführungen doch sehr platziert.

Insgesamt habe ich mir von dem Buch mehr erwartet, habe ich doch schon anderes von Freund gelesen. Szenen, die einem im Gedächtnis bleiben, weil sie so anschaulich geschildert werden, gibt es in „Niemand weiß, wie spät es ist“ nicht. Zumindest nicht für mich. Es ist ein unterhaltsames Buch. Und das ist ja nicht das Schlechteste.

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radio, kleinkriminelle, ganoven, karriere, 1920er jahre

Der Junge, der Träume schenkte

Luca Di Fulvio , Petra Knoch , Timmo Niesner
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.03.2016
ISBN 9783785752890
Genre: Romane

Rezension:

Christmas ist die jugendliche Hauptfigur in Luca Di Fulvios Roman „Der Junge, der Träume schenkte“. Als Kleinkind kommt er nach Amerika und wächst an der Lower East Side auf. Di Fulvio versetzt seine Leser und Zuhörer in die 1920er Jahre der Gangster, Kleinganoven und Armut.

Christmas schummelt sich so durchs leben. Christmas gehört zu denen, die hoch spekulieren, ohne überhaupt etwas in Händen zu haben, geschweige denn in der Hinterhand. Das macht ihn sympathisch. So wird er zum Leiter einer gefürchteten Gang, ohne sich seine Hände schmutzig zu machen und gründet ein Untergrundradio, das zunächst einmal von den Pseudo-Gangstergeschichten lebt.

Parallel zum Gangsterdasein von Christmas wird die Geschichte von Ruth erzählt, der Christmas nach einer Vergewaltigung hilft und in die er sich verliebt. Doch zunächst verliert er sie aus den Augen. Ruth macht hingegen als Fotografin in Los Angeles Karriere…

Spätestens ab der Hälfte des Hörbuchs ist die Handlung sehr vorhersehbar. Ich empfand das nicht als sehr schlimm, weil man doch von Christmas‘ Schlitzohrigkeit gut unterhalten wird. Ein starker Kontrast zu den eher humorvollen Anteilen des Dramas bilden die vielen Gewaltszenen, die sehr ausführlich und sehr ekelerregend geschildert sind. Es mag sein, dass die Radikalität der Beschreibung nötig war, um den Kontrast zur ansonsten vorherrschenden Leichtigkeit des Buches herzustellen – mir war es etwas zu viel. Im Vergleich zur ansonsten lockerflockig daherkommenden Geschichte kamen mir diese Gewaltszenen wie ein Fremdkörper vor.

Ein wenig irritierend ist die Angabe „bearbeitete Fassung “ auf der Hülle der CDs. Ist es doch nicht bearbeitet, sondern schlichtweg deutlich gekürzt. Das Buch hat fast 800 Seiten, vieles ist also in der Hörbuchfassung weggelassen.

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Tags: 1920er jahre, ganoven, kleinkriminelle, radio, usa   (5)
 

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jugendbuch, tod des großvaters, party, schweigen der erwachsenen, familie

Die Dinge, die wir suchten

Damaris Pastow
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 07.06.2016
ISBN 9783775157339
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Die Dinge, die wir suchten“: das Jugendbuch von Damaris Pastow stellt die Frage nach der eigenen Identität und dem eigenen Platz im Leben.

Der 16-jährige Finn lebt bei seinem Großvater. Als dieser stirbt, macht sich Finn auf die Suche nach seinem Vater, den er nicht kennt. Weder seine Mutter, die früh bei einem Autounfall ums Leben kam, noch sein Großvater wollten ihm sagen, wer er ist. Was weiß sein Onkel Gideon, der extra aus Tansania zurückgekehrt ist, um sich um Finn zu kümmern?

Finn zieht zu seinem Onkel und findet neue Freunde, die ihn unterstützen. Ein paar Zufälle und Verwicklungen braucht es, bis Finn am Schluss seinen Vater tatsächlich findet. Mehr sei aber nicht verraten.

Besonders gefallen hat mir an dem Romandebüt von Damaris Pastow, wie vielschichtig die Figuren gezeichnet sind. Zudem sind die zentralen Personen sehr genau beschrieben, wenn von Finns Großvater etwa gesagt wird, er „lächle mit den Augen“. Die Handlung gewinnt im letzten Drittel des Buches deutlich an Fahrt, es kommt zu einem actiongeladenen Finale.

Das Jugendbuch ist für Jugendliche ab etwa 12 Jahren gut geeignet.

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Tags: entwicklungsroman, famili, jugendbuch, pubertät   (4)
 

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eltern, baby, familie, humorvoll und biisig, schwangerschaftslektüre

Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt

Nils Heinrich
Buch: 192 Seiten
Erschienen bei SATYR Verlag, 19.05.2016
ISBN 9783944035710
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein bedauernswerter Mensch so ein Familienvater doch ist – denkt Nils Heinrich und erfährt kurz darauf, dass seine Frau schwanger ist. Nun also stürzt sich Heinrich ins Familienleben. In seinem Buch „Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt“ schildert der Comedian kleine Episoden aus dem Familienalltag eines geplagten Vaters. Er muss erkennen, dass Kinder das Leben ganz schön durcheinanderwirbeln – vor allem dann, wenn der Sohn nicht auf den Mund gefallen ist.

Nils Heinrich gelingt es in den vielen kurzen Geschichten, den Familienwahnsinn aufzudröseln und ins Groteske zu verzerren. Das geht vom ersten Wort (Wenn ich mich gerade nicht täusche, hat er miaut) über die Kindersprache (Na, die Pämpi vollgekäckert?) bis hin zum Kinderkarneval (Wie macht der Löwe? Aterne, Aterne, Wonne, Kot und Herne). Angenehm ist die Mischung aus Geschichten, in denen der Sohn im Vordergrund steht, und den Texten, in denen es mehr um den Gemütszustand der Eltern geht. Auch wenn nicht alle Geschichten pointiert sind und manches nicht ausgeführt ist, bietet Nils Heinrich in seinem neuen Buch genug Stoff für gute Unterhaltung. „Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt“ ist ein kurzweiliges Buch für zwischendurch – nicht nur für gestresste Eltern.

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Tags: comedia, comedy, familie, familienalltag, familienwahnsinn   (5)
 

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kontemplation, gebet, liebe gottes, glaub, leidenschaft

Brannte nicht unser Herz?

Rainer Harter
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei SCM R. Brockhaus, 12.05.2016
ISBN 9783417267921
Genre: Sonstiges

Rezension:


Um die Leidenschaft im Glauben geht es Rainer Harter in seinem Buch „Brannte nicht unser Herz?“. Harter, Liedermacher und Gründer des Freiburger Gebetshauses, plädiert in seinem Buch dafür, dass Christen die Leidenschaft für ihren Gott- bzw. die „Schönheit Gottes“, wie Harter formuliert, - wiederentdecken und sich immer wieder von Neuem auf die Suche nach Gott machen.

Ich muss gestehen: Leidenschaft hat Rainer Harter mit seinem Buch kaum in mir geweckt. Dafür sind mir Harters Gedanken nicht nahe genug gekommen.
Zum Teil finde ich seine Begriffe nicht gelungen - statt „Suche nach Gott“ wäre für mich „sich einlassen auf Gott“ plausibler, zumindest würd e ich meine Glaubensentwicklung nicht als „Suche“ bezeichnen wollen. Viele Begriffe werden nicht wirklich erklärt, zum Beispiel was Harter genau unter der „Schönheit Gottes“ versteht. Nicht gelungen erscheint mir auch, dass Harter an manchen Stellen missverständliche Begriffe verwendet wie die „Intimität mit Gott“, die er umständlich erklären muss, statt einfach eine andere Formulierung zu verwenden wie etwa „Vertrautheit“.
Hinzu kommt, dass einiges sehr einseitig dargestellt ist. Das ist noch erträglich, wenn das Hohelied etwa sofort auf das Verhältnis Kirche-Glaubender übertragen wird. Aber wenn außer dem Gebet im Grunde nichts anderes zur Nähe Gottes verhilft, ist mir das zu wenig. Hier wäre für mich wichtig gewesen, dass die Beziehung zu Gott umfassender beleuchtet wird.  Selbst das Singen, das Harter anführt, will er so mantrahaft durchführen, dass daraus letztlich wiederum ein Gebet entsteht. Mir ist das zu viel des Guten.
Auch Harters persönliche Seite, sein Kampf gegen die Überzeugung, dass Leistung im Glauben wichtig sei, hat mich nicht berührt – mein Kampf ist das nicht.
Vieles in Harters Buch bleibt mir zu unkonkret. Das betrifft nicht nur seine persönlichen Erfahrungen, die er mehr andeutet als erzählt, sondern auch vieles an Inhaltlichem. Er spricht vom Sehen mit dem Herzen, vom geistlichen Sehen, ohne wirklich konkret zu sagen, was damit gemeint ist. Es sind keine Worthülsen, die Harter verwendet, aber mir fehlt das Persönliche, das Konkrete, um davon angesprochen zu werden.
Anregungen hat mir das Buch dennoch an manchen Stellen gegeben: mehr Zeit für Gott einplanen (allerdings nicht nur fürs Beten…), stärker Rituale ins Glaubensleben einbinden (allerdings eher nicht einen Fasttag in der Woche…) und vieles mehr.

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Tags: gebet, gebetshaus, glaub, kontemplation, leidenschaf   (5)
 

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koran, islam, koranstudium, vergleich christentum-isl, mohammed

99 Überraschungen im Koran: Inspirierendes und Irritierendes - ein Christ betrachtet das Buch des Islam.

Kurt Beutler
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.02.2016
ISBN 9783957341273
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kurt Beutler liest den Koran. Und immer wieder ist er überrascht von dem, was er da liest. Aus all den Überraschungen, die er erlebt hat, ist schließlich sein Buch geworden: „99 Überraschungen im Koran“. Dabei sind die positiven Überraschungen, die Beutler beim Lesen erlebt hat, eher am Anfang des Buches, während die kritischen Nachfragen stärker im zweiten Teil des Buches vertreten sind.

Die „Überraschungen“, also die Kapitel des Buches umfassen meist 1-2 Seiten. Kurz und knapp wird eine Frage beleuchtet. Am Anfang des Buches steht der Aufbau des Koran im Vordergrund, gefolgt von den positiven Aussagen des Koran zum Christentum und Judentum. Anschließend folgen kritischere Kapitel: Gewalt, Stellung der Frau und der persönlichen Beziehung zu Gott. Je kritischer die Nachfragen werden, umso häufiger verwendet Beutler das „ich“ in seinem Buch. Das lässt die subjektive Bewertung deutlich werden, ist aber an manchen Stellen doch etwas störend – wenn zum Beispiel zum xten Mal von den Freunden die Rede ist, die Beutler zu irgendwelchen Koranstellen befragt.

Aus meiner Sicht ist es sehr gelungen, dass Beutler zunächst das Positive herausstreicht. So wird das Buch über den Islam nicht automatisch zu einem „Problembuch“. Beutler bringt dabei einiges Erstaunliches zu Tage: Der Koran lehne die Bibel nicht ab, hält sie auch nicht für verfälscht, wie viele Muslime ja glauben. Als spannend empfand ich auch die Aussage, der Koran spreche an keiner Stelle von einer persönlcihen Beziehung zu Gott. Auch dass nur eine einzige Frau im Koran namentlich erwähnt wird, Maria, war mir neu.

Auch wenn sich Beutler im Vorwort selbst als Muslim bezeichnet, dessen Prophet Jesus ist: Beutler streicht deutlich die Unterschiede zwischen Koran und Bibel heraus. Und: Beutler richtet sich an ein christliches Publikum. Welcher Muslim würde ihm wohl zustimmen, wenn er behauptet, dass Jesus im Koran Gott näher sei als alle anderen Propheten?

Für mich war einiges Neues über den Koran in diesem Buch versteckt. Auch wenn nicht alle „Überraschungen“ wirkliche Überraschungen sind und nicht jedes der 99 Kapitel interessant ist: lesenswert ist das Buch auf jeden Fall.

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Tags: islam, koran   (2)
 
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