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25 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

band 2, fortstzung

Der Bote

Ingar Johnsrud , Daniela Stilzebach
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 14.05.2018
ISBN 9783764505882
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ingar Johnsruds Thriller „Der Bote“ hat es in sich. Nicht nur, dass er mit fast 550 Seiten ziemlich dick ist, auch die Story hat es in sich. Die Handlung springt zwischen der Gegenwart und dem Kalten Krieg hin und her. Der Geheimdienst mischt ordentlich mit und lange bleibt unklar, was seine Interessen sind.

Gepackt hat mich das Buch trotzdem nur teilweise. Die Handlung war mir zum Teil zu unübersichtlich, zu gewollt. Und: Die zwei Ermittler sind alles andere als sympathisch. Fredrik Beier und Kafa Iqbal machen kaum eine gute Figur. Beier ist medikamentenabhängig und nicht immer zurechnungsfähig, während seine Kollegin Kafa Iqbal sich selbst auspeitscht. Die beiden ermitteln mehr nebeneinander her als miteinander und manche Erkenntnis wirkt doch recht zufällig.

Leicht macht es der erste Tote den beiden aber auch nicht. Handelt es sich doch um einen Toten, den es gar nicht geben dürfte, da er bereits 20 Jahre zuvor für tot erklärt wurde. Ebenso unklar erweisen sich zunächst die Verbindungen zu weiteren Morden. Dazu kommt, dass der Geheimdienst ordentlich mitmischt – und was sein Kollege Andreas so treibt, das kommt Fredrik Beier auch ziemlich verdächtig vor.

Nach und nach kommt alles ans Licht, wobei Ingar Johnsrud dabei auch immer wieder einsprengt, was vor 20 Jahren geschehen ist. Das macht das Buch an manchen Stellen durchaus spannender, da der Leser zum Teil mehr weiß (oder wissen könnte) als die Ermittler.  Der Thriller endet mit einem furiosen Finale, das mir allerdings viel zu unwahrscheinlich war.

Lesen lässt sich der Thriller recht flüssig, nur war er mir an manchen Stellen zu gewollt vulgär. Allerdings muss ich zugeben, dass diese Sprache zu den Ermittlern durchaus passt.

Fazit: „Der Bote“ ist ein Thriller, in den ziemlich viel hineingepackt ist. Die beiden Ermittler brauchen ziemlich viel Zufälle, um weiterzukommen. Vor allem durch die verschiedenen Zeitebenen hält sich die Spannung bis zum Schluss.

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127 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 64 Rezensionen

agatha christie, cozy, detektiv, ehebruch, england, erbschaft, familiengeschichte, geheimnisse, geistiger diebstahl, krimi, landhauskrimi, mord, schriftsteller, verlagswesen, whodunnit

Die Morde von Pye Hall

Anthony Horowitz , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458177388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Schriftsteller, der dem Verlag nur ein unvollendetes Manuskript seines Krimis hinterlässt. Eine Lektorin, die sich auf die Suche nach dem verlorenen letzten Kapitel des Kriminalromans macht, damit das Buch noch rechtzeitig erscheinen kann und dabei ihr Leben aufs Spiel setzt: Das ist die Rahmenhandlung von Anthony Horowitz‘ neuem Buch „Die Morde von Pye Hall“.

Dazwischen findet sich die Binnenhandlung, das Manuskript des Kriminalromans ist – so weit es eben vorliegt – abgedruckt. Hier kann man in die Welt des Atticus Pünd eintreten, einem Detektiv alten Schlags, der die Morde von Pye Hall aufklären will.

Ein Buch im Buch präsentiert uns Anthony Horowitz also. Und, so viel sei verraten, beide Handlungen werden auf – für mich zumindest – überraschende Art und Weise miteinander verbunden.

Zunächst ein paar Worte zur Binnenhandlung, dem Atticus-Pünd-Plot: Der wohlhabende Eigentümer von Pye Hall wird ermordet, Atticus Pünd beginnt zu ermitteln. Ganz im Stil von Miss Marple und Hercule Poirot befragt er die große Zahl der Verdächtigen und zieht Schlüsse – allerdings erst am Schluss. Eifersucht, Neid, Hass, Gier – all das sind mögliche Mordmotive. Da gibt es die Ärztin, der ein tödlich wirkendes Medikament gestohlen wird, der Pfarrer, der etwas zu verbergen hat, die zurückgesetzte Schester des Ermordeten, ein zwielichtiger Antiquitätenhändler und einige mehr. Ein spannender Fall also, den es zu lösen gilt.

Dann gibt es da die Rahmenhandlung, in der sich die Verlagslektorin Susan Ryeland auf die Suche nach dem fehlenden letzten Kapitel des Kriminalromans macht. Hier möchte ich nicht zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: die Suche nach dem fehlenden Kapitel erweist sich als äußerst schwierig, und auch hier gibt es genug Verdächtigte, denn der Schriftsteller Alan Conway, der die Atticus-Pünd-Romane verfasst hat, war alles andere als beliebt. Exzentrisch trifft es vielleicht am besten. Allerdings muss ich sagen, dass das Buch für mich hier deutliche Längen hatte. Während der Atticus-Pünd-Plot an vielen Stellen originell war, verläuft sich die Rahmenhandlung ein wenig. Das liegt zum einen daran, dass zunächst überhaupt nicht klar ist, was geschehen ist. So dauert es eine Weile, bis sich auch hier Spannung aufbaut, weil man eine grobe Ahnung hat, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein muss. Zum anderen ist die Riege der Verdächtigen im Rahmenteil auch weniger vielschichtig. So bieten sie deutlich weniger Reibungsfläche und machen einen auch nicht wirklich neugierig.

Anthony Horowitz‘ Buch ist eine Liebeserklärung an Agatha Christi und Arthur Conan Doyle. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

asien, china, chinabooks, chinesisch, comic, comics, coming of age, eifersucht, ein regenschirm, erste liebe, freundschaft, graphic novel, manhua, schule, selbstmord

Der freie Vogel fliegt, Band 3

Jidi , Ageng , Martina Hasse
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Chinabooks E. Wolf, 01.04.2018
ISBN 9783905816747
Genre: Comics

Rezension:

„Der freie Vogel fliegt“ ist eine Comic-Reihe mit (mindestens) sechs Bänden, in der ein 16-jähriges Mädchen namens Xiaolu die Hauptrolle spielt.  Mir gefällt der chinesische Comic (bzw. Manhua)  sehr gut, daher will ich nun hier auch die Bände 2 und 3 kurz besprechen. 

Die Geschichte von Xiaolu geht weiter. Nachdem in Band 1 vor allem die Scheidung der Eltern und die schlechte schulische Leistung thematisiert wurden, wird Xiaolu nun langsam erwachsener.

Xiaolus Ausflüge in die Welt der Fantasie sind keine Fluchten mehr aus der Realität, zumindest nur noch selten. Es sind inzwischen daraus Verhaltens-Taktiken geworden. Die braucht sie auch, denn immer noch schwärmt sie für einen Jungen, traut sich aber nicht, ihn anzusprechen. Da braucht es schon Taktiken, um ihn ja nicht ansprechen zu müssen…

Obwohl Xiaolu selbst sich nicht traut, ihren Schwarm anzusprechen,  fühlt sie doch sehr mit ihren – neuen – Freundinnen mit, wenn die sich zoffen, ihre Beziehungen auseinander gehen.

Xiaolu muss  einiges wegstecken: wie oft Beziehungen in ihrer Umgebung scheitern, belastet sie sehr. Dann wird eine Freundin von ihr schwanger, ihre Cousine nimmt sich das Leben.

Den beiden Autorinnen, Jidi und Ageng, gelingt es, diese ernste Seiten in Xiaolus Leben so zu verpacken, dass sie überzeugend wirken. Die Sicht Xiaolus entspricht dem, was Jugendliche in China in den 1980er Jahren denken. Es gibt keinen weisen Erzähler, der aus seinen Fehlern gelernt hat, keine rückblickenden Wertungen.

Wie bereits im ersten Band, haben mir auch hier die Bilder sehr gefallen. Die Bilder transportieren die Stimmung. Xiaolus Trauer, die Verzweiflung ihrer Cousine: überzeugend in Bilder umgesetzt. Xiaolus Entschlossenheit, ihrer Freundin beizustehen: herrlich komisch im Karate-Stil dargestellt. Xiaolus Scheu, ihren Schwarm ansprechen: grandios grotesk umgesetzt.

Für die kommenden Bände gibt es genügend Cliffhanger, die einer Auflösung bedürfen. Allerdings wird in „Der freie Vogel fliegt“ nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern viele. Dies hat zwar den Nachteil, dass es viele lose Fäden mit vielen offenen Fragen gibt, aber zugleich auch den großen Vorteil, dass man einiges über das Leben Jugendlicher in China erfährt.

Alle Bände der Reihe „Der freie Vogel fliegt“ sind zweisprachig – deutsch und chinesisch. Für fortgeschrittene Chinesisch-Lerner findet sich am Schluss noch eine ausführliche Vokabelliste. Vielleicht bringt ja der Verlag eines Tages eine rein deutsche, komplette Ausgabe heraus. So muss man für die gesamte Reihe jetzt noch deutlich über 100 Euro ausgeben.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Metamorphosen oder Der goldne Esel

Apuleius , August Rode , Stefan Stirnemann
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei AB - Die Andere Bibliothek, 13.04.2018
ISBN 9783847704003
Genre: Klassiker

Rezension:

Lügengeschichten, Schwänke, Räuberpistolen: all das findet sich in Apuleius‘ „Metamorphosen„. Der 400. Band der „Anderen Bibliothek“ begibt sich auf schwankhaft-komische Wege.

Man folgt Lucius nach Thessalien, und bereits unterwegs werden ihm so einige Lügengeschichten von gleichsam Reisenden aufgetischt. Wie gut, dass Lucius da nicht an einem Stück Käsekuchen erstickt ist!

An Johann Peter Hebels Schwänke erinnern die Geschichten, die Lucius in Hypata bei einem Geizhals namens Milo erlebt. Mit Hinterlist kommt Milo drumherum, dem Gast ein Essen anzubieten. Was Lucius allerdings mit der Magd Photis macht, entspricht nicht mehr ganz dem, was man bei Hebel lesen kann.

Schwankhaft ist auch die Totenwache, die Thelyphron hält, weil es ein einfacher Verdienst zu sein scheint – freilich: weit gefehlt, denn die Witwe hat andere Pläne. Hat sie doch ihren eigenen Mann umgebracht. Dass ein Toter für kurze Zeit wieder auferweckt wird, damit muss man bei Apuleius rechnen. Schließlich tauchen Hexen, ägyptische Propheten, Magier, Drachen und vieles mehr in seinen Geschichten auf.

Nach derlei eher komischen Geschichten, wird aus den „Metamorphosen“ eine rechte Abenteuergeschichte, denn Lucius, zum Esel verzaubert, wird von Räubern verschleppt und ist nolens volens im zweiten, großen Teil des Buches mit einer Räuberbande unterwegs. Dabei muss Lucius, der Esel, Schreckliches erleben, mehrfachst entkommt er nur knapp dem Tod oder der Kastration. Die Freiheit kommt schließlich erst, nachdem die Räuberbande fliehen muss. Hat sie doch zuvor den Ehemann einer entführten Tochter aus reichem Haus unwissentlich zu ihrem Räuberhauptmann erkoren.  Freilich wechselt der Esel noch einige Male den Besitzer, bevor er zum Menschen zurückverwandelt wird.

Eingeflochten sind auch hier immer wieder Lagerfeuer-Geschichten, allerdings weniger schwankhafte, die griechischen Sagen nehmen hier breiten Raum ein, allen voran die Geschichte von Amor und Psyche wie auch die von Charite.

Dem Weg des Lucius folgt man gern, wenn es auch nicht immer leicht ist, ihm zu folgen. Allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit daran, dass die Handlung immer wieder von allerlei Geschichtenerzählern unterbrochen wird. Auch habe ich die leicht antiquierte Übersetzung mit der Zeit liebgewonnen. „Ich halte den Vorschlag für ersprießlich, stelle ihn euch aber völlig anheim“ – ebenso „apostrophiert“ Lucius das Mädchen und überführt die „Unfläter“. Da fällt es kaum noch auf, dass das Buch noch in der alten Rechtschreibung gedruckt ist. Wie gesagt: man gewöhnt sich an den Stil der Übersetzung recht schnell und freut sich an solchen Formulierungen.

Sehr hilfreich sind die Anmerkungen, die am Ende des Buches abgedruckt sind und vor allem Sagenfiguren erklären, die einem so nicht unbedingt geläufig sind. Ebenso führt ein Vorwort in Buch und Autor ein – für mich war es fast schon zu ausführlich, die vielen Verweise auf Motive, die anderswo noch in der Literatur auftauchen, hätte ich nicht gebraucht.

Gestaltet ist der Band sehr kunstvoll. Bilder verzieren die einzelnen Kapitel, die Innenseiten des Umschlags sind – dem Untertitel gemäß – in Gold gehalten. Auch das Papier ist von besonderer Qualität und ein Lesebändchen gehört natürlich auch dazu.

Alles in allem sind Apuleius‘ „Metamorphosen“ ein großer Lesespaß. Mir haben es dabei vor allem die Geschichten, die Lucius erlebt, als er als Esel sein Dasein fristet, angetan.

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

asien, autobiografisch, china, chinesischer comic, comic, fantasie, farbiger manhua, graphic novel, jugend, jugendbücher, jugendjahre, manhua, mobbing, scheidung, schule

Der freie Vogel fliegt, Band 1

Jidi , Martina Hasse , Ageng
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Chinabooks E. Wolf, 01.04.2018
ISBN 9783905816723
Genre: Comics

Rezension:

Xiaolu hat es nicht leicht. Die Hauptfigur des Comics „Der freie Vogel fliegt“ von Jidi und Ageng geht in der westchinesischen Stadt Chengdu auf die Mittelschule. Da sie – vor allem in Mathematik – schlechte Noten hatte, kommt sie auf diese Schule, die einen Schwerpunkt auf Kunst und Gestaltung hat. Dort hat sie die typischen Probleme eines Teenagers in China: jede Menge Stress in der Schule, dann Stress mit Lehrern und Eltern, das erste Verliebtsein und schließlich eine deftige Auseinandersetzung mit einer Klassenkameradin.

Der erste Band dieser Comicreihe, die auf (mindestens) sechs Bände angelegt ist, konzentriert sich auf Xiaolus Schulzeit und rückblickend auf ihre Kindheit. Bei aller Schwere besticht der Comicband durch die faszinierende Leichtigkeit des Erzählens. Xiaolu lebt in ihrer eigenen Welt, in der ihre Lieblingscomicfiguren ihr zur Hilfe kommen. Liebevoll wird man als Leser in Xiaolus Gefühlswelt hineingenommen und erlebt ihre Gefühlsschwankungen mit. Man sieht sie leiden, wenn ihre Lehrerin sie runtermacht. Und genauso sieht man sie vor Freude springen, als sie sich verliebt. Allerdings – das ist ein kleines Manko des Bandes – ist die Schrift vor dunklem Hintergrund zum Teil nicht gut zu lesen.

Tolle Bilder, farbenprächtig und detailverliebt, setzen die Handlung in Szene. Dabei kann man auch ihren Tagträumen beiwohnen und ihrer ersten Liebe. Mit ironischem Unterton erzählen Jidi und Ageng, wie Xiaolu ihrem Auserkorenen hinterherspioniert.

Mit knapp 25 Euro ist der Comic etwas teuer geraten, allerdings ist er auch zweisprachig, sodass er mit dem deutschen und dem chinesischen Teil (sie folgen aufeinander) auf insgesamt knapp 300 Seiten kommt. Zudem sind auch Erklärungen abgedruckt und wer chinesisch lernt, erhält am Schluss sogar ein chinesisch-deutsches Vokabular zum Comic.

Eine kleine Warnung sei ausgesprochen: Hat man den ersten Band gelesen, will man unbedingt weiterlesen – denn wie es mit Xiaolu und ihrem Auserkorenen weitergeht, will man ja schließlich wissen…

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

1930er jahre, 2018, debüt, gegen das vergessen, hitler, hitlerjugend, jugendbuch, jugendcliquen, jugendliteratur, leipzig, leipziger meuten, nationalsozialismus, widerstand

Bis die Sterne zittern

Johannes Herwig
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783836959551
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Meuten – das sind Jugendliche, die sich im Dritten Reich nonkonform verhielten – statt HJ-Uniform trugen sie kurze Lederhosen und karierte Hemden. „Bündische Jugend“ nannten sie sich selbst. Etliche Gruppen gab es in Leipzig, bis sie 1939 durch die Gestapo zerschlagen wurden.

Während die Edelweißpiraten und die Swing Kids inzwischen schon bekannt sind, kennt man diese Leipziger Gruppen kaum. Umso erfreulicher ist es, dass nun ein Jugendbuch erschienen ist, das diese Leipziger Jugendbewegung zum Thema hat: Johannes Herwigs Jugendbuch „Bis die Sterne zittern“.

Hauptperson ist der 16-jährige Harro. Eher zufällig wird er Mitglied einer Leipziger Clique. Doch bald wird für ihn aus der bloßen Freude am Rebellieren bitterer Ernst. Aus Lausbubenstreichen werden politische Aktionen, die die Staatsmacht immer gründlicher beobachtet. Harro selbst ist sehr überzeugend dargestellt. Er wird zwar als überzeugter Gegner des Dritten Reiches dargestellt, der alle staatliche Propaganda durchschaut, doch ist er keineswegs sakrosankt. Im Gegenteil: er muss seine Erfahrungen machen – auch mit Mädchen. Bei vielen Entscheidungen Harros, z.B. auch die, aus der Hitlerjugend auszutreten, fragt man sich, wie wohlüberlegt sie überhaupt ist.

Was eine Clique ausmacht, die Mischung aus bloßer Rebellion und politischer Aktion, wird in „Bis die Sterne zittern“ deutlich. Man spürt auch die Recherche, die hinter dem Buch steht. Selbst Kinderspiele der damaligen Zeit sind recherchiert. Die Handlung hat mich nicht ganz so stark überzeugt. Es bleiben viele lose Enden zurück. Harro als Jugendlicher, der auf dem Weg ins Erwachsenenleben ist, ist gut getroffen. Aber wie es mit ihm weitergeht: man kann es nicht einmal erahnen. Und irgendwie fehlt der Geschichte in wenig der Pepp. Für mich liegt das vor allem an der gewählten Ich-Perspektive: da kann man eben als Erzähler nicht über die Grenzen der vorgegebenen Perspektive des Jugendlichen hinaus. Man erfährt wenig von den besorgten Eltern, wenig von den Beobachtungen der Gestapo usw. Und die Sprache ist (vor allem am Ende von Kapiteln) viel zu lyrisch, als dass sie zu einem Jugendlichen passt. Ein auktorialer Erzähler hätte eher nicht zu diesen Schwächen geführt. Der Ich-Erzähler ist sich selbst im Weg: schöne, lyrische Formulierungen wirken aus dem Mund Harros einfach fehl am Platz.

Fazit: „Bis die Sterne zittern“ ist ein Jugendbuch, das die Zeit des Dritten Reichs aus der Sicht einer unangepassten Jugendgruppe lebendig werden lässt. Ein klein wenig hat die Handlung unter der Absicht, die Leipziger Meuten vorzustellen, gelitten. Dennoch war es eine gute, bereichernde Lektüre.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

bibel, bibellesen, biblische meditationen, christentum, christliches sachbuch, dialog mit gott, glaube, praktische übungen, stille zeit

Süßer als Honig, kostbarer als Gold: 40 Mal Bibel zum Eintauchen und Erleben

Jan Johnson
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei SCM R. Brockhaus, 07.02.2018
ISBN 9783417268331
Genre: Sonstiges

Rezension:

40 Bibel-Meditationen sind in dem Band von Jan Johnson versammelt. Johnson bedient sich dabei der Methode der lectio divina. Sprich: sich erst mit dem Text auseinandersetzen, ihn verstehen, dann über ihn meditieren - das ist das Vorgehen.

Das ist bestimmt kein schlechter Ansatz, doch überzeugt hat mich das Buch dennoch nicht.

Da ist zum einen das immer gleichbleibende Vorgehen - was auch eine Stärke sein könnte. Doch die Texte im Buch zur Einstimmung und zur Frage nach dem, was man selbst vom Bibeltext mitnimmt - sie sind immer gleich formuliert. Heißt: Man liest es eben irgendwann nicht mehr und macht sich selbst seine Gedanken. Vorstellen könnte ich mir, dass die Bibeleinheiten bei Gruppen besser funktionieren. 

Zum Teil sind die Ideen, "Mäuschen" zu spielen, hilfreich, oft sind sie aber wenig bis gar nicht umsetzbar. Wer will sich schon den Gesichtsausdruck Jesu vorstellen? Oder Jakobus? Wie soll das gehen? Genauso die Aufforderung, sich Philippi vorzustellen, oder eine Synagoge zur Zeit Jesu - ohne Hintergrundinformationen ist das meines Erachtens nicht leistbar.

Zwar gelingt es der Autorin an einigen Stellen immer wieder, die Eintönigkeit der immer gleichen Art von Einführungen und Aufgaben zu durchbrechen, doch ist einfach zu viel Potenzial dadurch verloren. Es gibt keine Fokussierung auf eine Frage, auf ein Thema bei den ausgewählten - zumeist recht langen - Bibeltexten. Trotz aller Erklärungen wird man mit dem Text und der Frage, was er für einen selbst sagen kann, allein gelassen. Für die Meditation als solche ist man sich selbst überlassen. Das ist schade. Denn die Ansätze dieses Meditationsbuches sind eigentlich nicht verkehrt. Nur wird daraus nichts gemacht. 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

beziehung zum schöpfer, bibelverse, christliches sachbuch, francine rivers, gebete, glaube, gott, natur, naturfotografien, schöpfer, schöpfung, weg mit gott, wunder der schöpfung

Psalmen der Schöpfung: Wie Gott durch die Natur zu uns spricht. 52 Andachten.

Francine Rivers , Karin Stock Buursma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 15.01.2018
ISBN 9783957344526
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gott spricht durch die Natur zu uns, ist sich Francine Rivers sicher. In ihrem Buch „Psalmen der Schöpfung“ hat sie 52 Andachten gesammelt, eine für jede Woche im Jahr.

Es sind gelungene Andachten. Denn Francine Rivers hat – zusammen mit Karin Stock Buursma – interessante Beobachtungen aus der Pflanzen- und Tierwelt gesammelt und verbunden mit dem Glaubensleben. Der Specht lädt mich dazu ein, darüber nachzudenken, wo die Ängste hartnäckig an das eigene Herz klopfen. Das Herausstrecken des Schildkröten-Kopfes soll mich anregen, auch mal etwas zu wagen. Der Rotschwanzbussard lässt daran denken, dass wir dankbar sein sollen.

Die kleinen Geschichten, die Francine Rivers erzählt, führen manchmal direkt, und manchmal über Umwege zu einer Erkenntnis Zudem kann man noch etwas über die Natur lernen – über Apfelsorten zum Beispiel, die Geschichte der Kartoffel oder die Farbe der Flamingos. Diesen Beobachtungen folgen Anregungen zum Nach- und Weiterdenken, die angenehm weit gefasst sind. Durch die weitreichenden Impulse, die hier gegeben werden, ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich mehr als einen Tag mit dem Thema einer Andacht zu beschäftigen.

Jeder der Andachten ist mit absolut faszinierenden Bildern illustriert. Detailfotos von Tieren, Makro-Aufnahmen von Blüten – die „Psalmen der Schöpfung“ zeigen die Schöpfung von ihrer schönsten Seite ebenso wie die stimmungsvollen Landschaftsbilder.

Dass die Andachten nicht thematisch gegliedert sind, empfand ich als wohltuend – so wirken sie nicht wiederholend, wenn man sie nach und nach übt. An einzelnen Stellen scheint die eher konservative Einstellung der Autorin durch – wenn sie sich für den treu(doofen) Hund ausspricht, der den Gläubigen repräsentiert, und nicht für die – frei lebende – Katze. Auch der dualistische Kampf des Bösen gegen das Gute scheint an einzelnen Stellen als Glaubensüberzeugung durch.

Insgesamt aber ist das Buch wenig konfessionell geprägt, sondern lädt in großer Offenheit und Weite mit überraschenden Geschichten ein, sich Gedanken über den Glauben zu machen.

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118 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

demenz, erinnerungen, familie, familiendrama, familientragödie, gefängnis, hingabe, idaho, leben, mord, tod, totschlag, tragödie, usa, verschwundenes kind

Idaho

Emily Ruskovich , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 19.02.2018
ISBN 9783446258532
Genre: Romane

Rezension:

Was ist geschehen, dass eine Mutter ihr eigenes Kind umbringt? Das ist die Leitfrage in Emily Ruskovichs verrätseltem Roman „Idaho“. Die eine Tochter ist tot, erschlagen, die andere verschwunden. Die Mutter: im Gefängnis. Der Vater: leidet an Demenz. All  dies erfährt man bereits am Anfang des Buches.

Doch bald schon springt das Buch durch die unterschiedlichen Zeitebenen, erzählt vom ersten Kennenlernen des Liebespaares, der Heirat, dem Hausfehlkauf in einsamer Lage ohne Räumdienst, der Kindheit der beiden Töchter genauso wie von Jenny, der Mutter, die im Gefängnis sitzt.

Der Anfang des Buches klingt wie ein Detektivroman. Der Vater leidet inzwischen an Demenz. Ann, seine zweite Frau, will die Zeit, die noch bleibt, nutzen, um die Wahrheit festzuhalten. Was ist geschehen? Ein Unfall? Ein Mord? Ann begibt sich auf Spurensuche. Diese Spurensuche wird dem Leser nicht gerade leicht gemacht, denn Ann versetzt sich immer wieder in Personen hinein, schmückt mit viel Fantasie aus, was geschehen sein könnte. Doch fraglich ist, ob das alles so ist, denn Ann plagen selbst Schuldgefühle. Von  anderen Personen wird derweil in dem Roman viel erzählt, nur nichts, was aufklären könnte, was geschehen ist. Als Leser muss man deshalb auf der Hut sein und immer wieder hinterfragen, was die Wahrheit sein könnte.

Und der Schluss? „Jetzt ist die Geschichte zu ihrem Ende gekommen, mehr wird nicht erzählt werden. Die Details seiner Vergangenheit sind so machtvoll wie schal. Zu viele, nicht genug.“ Dieses Zitat bringt es auf den Punkt, weshalb mich dieses Buch geärgert hat: Nichts ist am Schluss aufgeklärt. Vieles hat man erfahren, zu viel Unwichtiges, zu wenig Wichtiges. Viel Interessantes, Nachdenkenswertes, auch sprachlich Schönes ist in dem Buch finden. Doch was nützt es, wenn man sich über die fehlende Auflösung aufregen muss?

Doch ist dieser Ärger berechtigt? Man könnte „Idaho“ als postmodernen Roman lesen, dem es um die nicht existente einzige Wahrheit geht. Man könnte von den Lebenslegenden sprechen, die man sich erfindet und die man sich nicht nehmen lassen will. Darüber, wie Neuanfänge möglich sind. Doch all das ändert nichts daran, dass das Buch einen unbefriedigt zurücklässt. Wie bei einem  mit schwarzem Wachsmalstift übermalten Bild, wo an manchen Stellen etwas weggekratzt ist, das Bild als Ganzes allerdings nicht sichtbar ist. Hätte Emily Ruskovich ähnlich wie in „Lola rennt“ wenigstens mehrere mögliche Enden erzählt – es würde mir mit dem Buch besser gehen.

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135 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 91 Rezensionen

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All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:

Es ist eine Familiengeschichte, die J. Courtney Sullivan in ihrem neuen Buch „All die Jahre“ ausbreitet. Freilich eine mit großen – und kleinen – Familiengeheimnissen. Denn die beiden Schwestern Nora und Theresa verbindet mehr, als ihnen zeitweise lieb ist. Und: sie leben sich auseinander, sprechen nicht mehr miteinander. Bis zu dem Augenblick, wo Noras jüngster Sohn Patrick stirbt.

Auf zwei Zeitebenen erzählt J. Courtney Sullivan von den beiden irischen Schwestern, die gemeinsam auswandern und ihr Glück in den USA versuchen.  Während aus Nora eine glückliche Mutter wird, geht Theresa schließlich ins Kloster und findet dort ihre Bestimmung. Doch das ist nur der äußere Schein. Denn beide sind auf ihre eigene Weise unglücklich.

J. Courtney Sullivan erzählt lebendig, man kann sich nicht nur die beiden Schwestern lebhaft vorstellen, sondern auch Noras vier Kinder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dafür ist auch der Wechsel der Erzählzeit verantwortlich. Man hat als Leser Entwicklungen vor Augen, auch wenn manch‘ Geheimnis erst recht spät im Buch aufgeklärt wird. Zunächst taucht man ein in die Zeit irischer Einwanderer – nimmt Anteil an ihren Hoffnungen und Enttäuschungen. Dann, 50 Jahre später, erfährt man, wie schwer es Nora fällt, auch nur für einen Besuch in das Land ihrer Eltern zurückzukehren. Sie hat es hinter sich gelassen. Aber auch die Geschichten der vier Kinder werden mehr als schlaglichtartig beleuchtet. So bietet „All die Jahre“ eine lesenswerte Familiengeschichte mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen.

Allerdings nimmt Sullivan ihre Leser zu stark an der Hand. Der allwissende Erzähler liebt es zu kommentieren. Man sieht nicht nur, wie wenig Nora in ihrer Ehe glücklich ist, der Erzähler sagt dem Leser direkt: es war eine Pflichtehe. Als ob man das nicht längst gemerkt hätte. Trotz all der Familiengeheimnisse bleibt so an den Figuren wenig Geheimnisvolles, wenig, an dem man sich reiben kann, über das man streiten kann. Das ist schade.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Das Gewicht der Freiheit

Florian Burkhardt
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wörterseh, 08.01.2018
ISBN 9783037630891
Genre: Romane

Rezension:

Wer ist Florian Burkhardt? Einer der es geschafft hat. Einer, der das Bedürfnis hat, anderen zu gefallen. Einer, der tief gestürzt ist und sich wieder aufgerappelt hat.

Florian Burkhardt dürfte von allem ein wenig sein: ein Selfmademan, ein Selbstdarsteller und ein Stehaufmännchen. Eines ist er aber heute nicht mehr: ein Getriebener. Wie er es geschafft hat, sein Leben auf der Überholspur zu verlassen und eine Angststörung in den Griff zu bekommen, beschreibt Florian Burkhardt in seinem neuen Buch „Das Gewicht der Freiheit„.

Auch wenn das Buch die Gattungsbezeichnung „Roman“ trägt: es ist rundum eine Auto-Biographie. Florian Burkhardt erzählt aus seinem Leben. Wie er mit 21 ins Flugzeug steigt und in die USA fliegt, um Schauspieler zu werden. Wie er stattdessen im zweiten Anlauf erfolgreiches Model wird (ohne allerdings viel dabei zu verdienen). Wie er seine Karriere abbricht und mit 23 ikarusgleich abstürzt, sich wieder aufrappelt. Wie er kurzfristig als Lehrer arbeitet, um dann wieder nach seiner Bestimmung zu suchen. Wie er sich selbst zum Internetexperten und Website-Gestalter weiterbildet. Wie er sich nach einem Zusammenbruch zurückzieht und den Kontakt zur Außenwelt abbricht. Wie er seine Angststörung Stück für Stück wieder in den Griff bekommt.

Im Schnelldurchlauf begleitet man als Leser Florian Burkhardt bei seiner Karriere, die doch nichts anderes ist als der Vorbote für seinen großen Absturz. Wo er erfolgreich ist, übernimmt er sich und muss mühsam lernen, seine Grenzen zu akzeptieren. Florian Burkhardt beschreibt dabei zumeist recht nüchtern, was er erlebt. Egal ob in der Modebranche oder in der psychiatrischen Anstalt: es ist kein emotionaler Blick auf das Leben, sondern eher ein nüchterner, abgeklärter. Nur an wenigen Stellen sind deutliche Bewertungen zu finden. So sieht Burkhardt rückblickend das Modeln als Versuch, die Jugend hinauszuzögern, um nicht erwachen werden zu müssen.

Was das Buch ausmacht ist meines Erachtens die Art, wie es geschrieben ist. Wer jammernd noch anklagend, sondern beschreibend. Als Leser kann man ihn beobachten, ohne vereinnahmt zu werden.

Sprachlich ist die Autobiographie alles andere als anspruchslos. Besonders da, wo es um die Befreiung aus Zwängen geht, schildert Florian Burkhardt seine Gefühle sehr bildhaft, metaphernreich. Und auch der Zusammenbruch ist sprachlich sehr intensiv dargestellt, sodass man selbst als Leser in einen Sog gerät. „Das Gewicht der Freiheit“ ist somit kein Buch, das sich nur an Leser richtet, die wissen wollen, wie es in der Welt der Models zugeht (und wie nicht). Es ist vielmehr ein Buch, das sich vorwiegend an die richtet, die miterleben wollen, wie ein junger Mann sich mit seinem Leben und seinen Zielen auseinandersetzt.

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197 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 119 Rezensionen

amerika, familie, frauen, freundschaft, gegenwartsliteratur, generationen, krieg, liebe, männer, moral, nickolas butler, pfadfinder, pfadfinderlager, söhne, usa

Die Herzen der Männer

Nickolas Butler , Dorothee Merkel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608983135
Genre: Romane

Rezension:

Wie wird ein Mann ein Mann? Nickolas Butler spürt in seinem neuen Roman „Die Herzen der Männer“ dem nach, was einen Mann ausmacht. Dazu begibt sich der amerikanische Schriftsteller in die Welt der Pfadfinder, eine Männergesellschaft.

Drei Geschichten, die lose miteinander verbunden sind, erzählt Nickolas Butler, um sich dem Mysterium des Männerherzens zu nähern. Drei Geschichten in drei Generationen.

Die erste Geschichte spielt 1962. Der 13-jährige Nelson fährt ins Pfadfinderlager, wo er zwar eifrig dabei ist, Pfadfinderabzeichen zu machen, von den anderen allerdings belächelt und drangsaliert wird. Nur einen Freund hat er dort: Jonathan. Um eben diesen Jonathan geht es dann in der zweiten Geschichte, die 1996 spielt. Jonathan fährt nun mit seinem Sohn Trevor zum Pfadfinderlager. Unterwegs stellt er ihm seine Freundin und neue Frau vor und macht sich über Trevors Liebe zu Rachel lustig. Und genau diese Rachel ist die Hauptfigur der dritten Geschichte, die im Jahr 2019 angesiedelt ist. Ihr Mann, Trevor, ist inzwischen gestorben. Den gemeinsamen Sohn Thomas zieht sie allein auf – und fährt mit ihm – wie soll es anders sein – ins Pfadfinderlager. Das wird inzwischen von Nelson geleitet.

Was Nickolas Butler dort zu finden glaubt – es ist mir verborgen geblieben. Es ist schwer, in „Die Herzen der Männer“ einen roten Faden zu finden.  Am ehesten noch geht es in den drei Geschichten ums Erwachsenwerden, um das Ende einer mehr oder weniger behüteten Kindheit. Um die Frage, was männlich ist. Der kleine Nelson muss erkennen, dass petzen nicht männlich ist. Trevor muss erkennen, dass er eine andere Auffassung von Liebe hat als sein Vater, der ihm Naivität vorwirft und ihn in ein Striplokal schleppt. Und Thomas? Er muss erkennen, dass er der Mann im Haus ist.

Dann geht es um Väter, vor allem um welche, die sich aus dem Staub machen. Und es geht um auseinandergerissene Familien. Nelsons Vater verlässt die Familie, ebenso Trevors Vater, und Thomas‘ Vater ist tot. Und so geht es in Butlers Buch genauso um die Herzen der Frauen, die gebrochen werden. Butler hätte sein Buch genauso „Die Herzen der Frauen“ nennen können. Schließlich sind es sie, die von – zumeist ihren eigenen – Männern ohne Respekt behandelt werden.

Dann kann man sich mit Nickolas Butler noch die Frage stellen, was es braucht, dass aus einem Jugendlichen ein Mann wird. Die Orientierung ohne Kompass? Die Fähigkeit, Feuer zu machen? Oder die Erfahrung in einem Striplokal? Oder genügt gar ein Smartphone, wie es die dritte Geschichte andeutet? So kommt schließlich auch der Wandel der Zeit mit seinem Verständnis von Männlichkeit, Liebe und Familie zur Sprache.

Zu guter letzt könnte man das Buch auch als Entwicklungsroman lesen. Nelson taucht in allen drei Geschichten auf, wird vom Pfadfinder zum Leiter des Pfadfinderlagers und stirbt schließlich auch dort. Freilich verschwindet Nelson gerade im zweiten Teil im Hintergrund.

Oder will der Roman gar auf die Gefahren einer reinen Männergesellschaft hinweisen? Schließlich wird Nelson in der ersten Geschichte gezwungen, in eine Latrine zu tauchen, Trevor wird gezwungen, seine Ideale zu hinterfragen (die aber dennoch tragen…) und in der letzten Geschichte kommt es gar zu einer Vergewaltigung.

Sehr amerikanisch ist, dass es in allen drei Geschichten um Helden geht. Während in der ersten Geschichte der Leiter des Pfadfinderlagers als Kriegsheld gefeiert wird, gilt in der zweiten Trevors Vater als Kriegsheld, ein Elitesoldat, und in der letzten Geschichte wird der 16-jährige Thomas selbst zum Helden, als er seiner Mutter zur Hilfe eilt.

Und irgendwie geht es in dem Buch dabei auch um den Verlust von Freundschaft und um Männer, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und natürlich auch darum, wie eine Gesellschaft ihre Werte verliert.

„Die Herzen der Männer“ ist ohne Frage ein vielschichtiges Buch. Das macht es zweifelsohne interessant, allerdings lässt es bei mir auch viele Fragezeichen zurück. An manchen Stellen (vor allem im mittleren Teil) gibt es deutliche Längen und überzogen Dargestelltes, was zum Querlesen einlädt. Insgesamt aber gelingt es Nickolas Butler den Leser mit hineinzunehmen in eine fremde Welt, deren Sinn immer mehr verloren zu gehen scheint.

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england, kultur, literatur, studie

Kultur

Terry Eagleton , Hainer Kober
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 08.09.2017
ISBN 9783550081705
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was ist Kultur? Was soll Kultur sein? Wie entwickelt sie sich? Terry Eagleton geht in seinem Buch „Kultur“ diesen Fragen nach. Ich muss zugeben: ich habe mir etwas anderes von diesem Buch erwartet. Eine Streitschrift, ein Plädoyer. Doch „Kultur“ ist nichts anderes als eine essayistisch verfasste wissenschaftliche Abhandlung, die zudem äußerst schwer lesbar ist.

Bräsig kommt sie an vielen Stellen daher. Die vielen flapsigen Beispiele, die Eagleton, teilweise wohl um zu provozieren, anführt, machen das Buch nur an wenigen Stellen lesenswerter. Was fehlt, ist eine rote Linie, die durch das Buch führt. Es gibt allenfalls Stichwortverknüpfungen an manchen Stellen, eine ausgefuchste Argumentation ist Fehlanzeige. Bei all den Ausführungen, die in die Breite gehen, ist es überhaupt schwer, in „Kultur“ eine Argumentationslinie zu finden.

Da sieht Eagleton kulturpessimistisch den Tod der Geisteswissenschaften am Horizont, unterstellt dem Kapitalismus „Hybridität“, also Vermischung und Pluralität zu forcieren, und kommt zu dem Schluss, dass die Kultur ihre Unschuld verloren habe. Doch was er selbst bei all dem, was er von anderen zitiert und reflektiert dagegensetzt, bleibt verschwommen. Er legt wert darauf, dass es auch eine Notwendigkeit der Einheitlichkeit bzw. Gemeinsamkeit zur Identitätsfindung bedarf, kritisiert die fehlende Diskussion über Solidarität und Gerechtigkeit. In seiner Argumentation gegenüber den romantischen Nationalisten ist Eagleton dann plötzlich die Vielfalt wieder wichtig. Dann hangelt er sich an Edmund Burke, Johann Gottfried Herder und Oscar Wilde entlang, um einen Kulturbegriff des „sozialen Unbewussten“ zu manifestieren, spricht auch von der harmonisierenden Wirkung der Kultur. In den letzten beiden Kapiteln will Eagleton schließlich ein modernes Kulturkonzept beleuchten – doch modern ist daran wenig. Überwiegend geht es um die Industrialisierung und die damit einhergehende Angst vor Kulturverlust.

Als Leser bin ich ratlos zurückgeblieben. Was mir Eagleton sagen will: ich weiß es nicht. So gar nicht.

Sicher, ich bin mehr denn je mir bewusst, dass Kultur ein äußerst vielschichtiger Begriff ist, der kaum fassbar ist. Und ja, dass die Populärkultur zu kritisieren ist, inklusive der Anbindung an kapitalistische Kulturindustrie, ist nichts Neues. Aber was soll nun werden? Mehr Hochkultur will Eagleton nicht. Ein Verzicht auf Massenkultur ebenso wenig. Mehr Werte, ja. Mehr Gerechtigkeit. Vielleicht auch unbewusst im Sinne des „sozial Unbewussten“.

Mag sein, dass Eagletons Buch für Kulturwissenschaftler spannend zu lesen ist mit seiner Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff. Mich hat es nicht angesprochen.

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belletristik / jugendbuch, freundschaft, mobbing, schule, zivilcourage

Ikarus fliegt

Sally Christie , Martina Tichy
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Aladin Verlag, 31.08.2017
ISBN 9783848920891
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ikarus fliegt“ von Sally Christie hat eine große Stärke: es ist für 12-Jährige aus der Sicht eines Zwölfjährigen erzählt. Keine abgehobene Erwachsenenperspektive prägt das Buch. Alex, die Hauptfigur, schildert seine Sicht der Dinge, und dazu gehört auch, dass er selten so richtig den Durchblick hat.

Während man am Anfang bei „Ikarus fliegt“ noch den Eindruck hat, es handle sich um eine typische Anti-Mobbing-Geschichte, weil Alex ständig darüber philosophiert, auf welche Art und Weise man nicht zum Opfer in der Klasse wird, entwickelt sich das Buch immer mehr zu einer Geschichte um Freundschaft und Mut. Denn ein Mitschüler aus Alex‘ Klasse verteilt heimlich Zettel, die sagen: Ein Junge wird fliegen, wie Ikarus. Und schnell wird klar: Alex‘ Strategie, möglichst nicht aufzufallen, kann bald nicht mehr funktionieren.

Überzeugend ist dabei vor allem die Darstellung, wie zaghaft Freundschaft entsteht. Denn Alex findet heraus, von wem der Zettel stammt und will bei dem Abenteuer Ikarus mitmachen und zwischen den beiden Jungen entsteht nach und nach eine zaghafte Freundschaft. Die Gefahr sieht Alex zunächst nicht.

Dass am Schluss des Buches noch aus einer zweiten Perspektive erzählt wird, um die Handlung zu einer guten Auflösung zu bringen, ist schade. So braucht es doch den deus ex machina, der in die Handlung eingreift. Dabei ist es gerade die Frage, ob der Flug des „Ikarus“ nun gut ausgeht, die für Spannung sorgt. Da bleibt es nicht aus, dass man als Leser ein wenig enttäuscht zurückbleibt.

Fazit: Ein Buch, das für junge Leser bis 12 spannend ist, älteren dürfte die Handlung zu konstruiert und die Charaktere nicht nah genug sein.

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charismatisch, christlich, diskrepanz, erfreulich differenziert, gott wirklich, informativ, menschen denken, überzeugend, viele bezüge zu die hütte, wirklich lesenswert

Lügen, die wir uns über Gott erzählen

William Paul Young , Jochen Winter
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Allegria, 08.09.2017
ISBN 9783793423089
Genre: Sachbücher

Rezension:

William Paul Young ist durch sein Buch „Die Hütte“ berühmt geworden. In seinem neuen Buch „Lügen, die wir uns über Gott erzählen“ geht er auf falsche Vorstellungen von Gott ein. Wer seinen Roman „Die Hütte“ gelesen hat, kennt einige davon bereits.

So ist das Buch vor allem für Leser interessant, die bereits „Die Hütte“ kennen. Denn Young geht immer wieder darauf ein, erklärt, wie das Buch entstanden ist, begründet seine Darstellungen. Zudem erfährt man einiges über Youngs Leben, unter anderem wie ihn seine Kindheit mit einem allzu strengen Vater geprägt hat.

Wer sich für diese Hintergründe nicht interessiert, dürfte mit Youngs Buch über weite Strecken nicht allzu viel anfangen. Für mich waren die 28 „Lügen“ über den Glauben, die Young auflistet, selbstverständlich Irrtümer, der Erkenntnisgewinn war daher eher gering. Die meisten Argumentationen Youngs basieren auf der Bestimmung des Menschen  als Beziehungswesen, das Verhältnis zu Gott ein Beziehungsgeflecht. Der Mensch als sündiges Wesen, das sich von Gott trennt? Gott ein Christ? Für Young gehört das zum Glauben seiner Kindheit, den er überwunden hat. Mühsam überwunden hat. Wem eine Selbstverständlichkeit ist, kann Youngs Eifer – wie ich – wohl nicht nachvollziehen bei der Gegenrede.

Manches an Youngs Argumentationen ist für mich gelinde gesagt befremdlich. Wenn er das Wort „Christus“ als verspottende Bezeichnung für Christen darstellt, ohne dabei darauf einzugehen, dass damit der Messias, der Gesalbte, gemeint ist. Ebenso ist verstörend, dass Young behauptet, es gebe im Griechischen kein Wort für Prinzip und Priorität – weil er es in einem Lexikon nicht gefunden hat. Als ob es nicht die Tugend gebe und die Vorherrschaft…

Interessant sind Youngs Ausführungen, wo er sich als Querdenker erweist. So verteidigt er vehement an einigen Stellen, dass dem Menschen Freiheiten geschenkt sind, die Gott akzeptiert – Gott sei ein „fügsamer“ Gott, schreibt Young. Interessant, aber nicht ganz klar sind seine Ausführungen zum Zufall. So wendet er sich vehement gegen die Vorstellung, dass es einen Zufall gebe, wo alles von Gott geschaffen ist, spricht sich aber gleichermaßen gegen die Vorstellung der Vorherbestimmung. Interessant waren für mich auch die Ausführungen zu Jesu Kreuzigung. Zunächst geht Young da der Frage nach, ob Gott die Kreuzigung gewollt habe (seine Antwort: natürlich nicht!) und zum Tod, mit dem eben nicht alles aus sei, sondern ein „heilsamer Prozess“ beginne, der hin zu Gott, zur Liebe, führe. Und dort erst gebe es die Liebe ohne Leiden, in einer Welt ohne Tod. Interessant fand ich auch, wie stark Young verteidigt, dass Gott eben  nicht nur den Christen, sondern der ganzen Welt das Heil bringe. Dies war Young so wichtig, dass er an den Schluss seines Buches eine ganze Beweiskette an Bibelzitaten dazu auflistet.

„Lügen, die wir uns über Gott erzählen“ hat für mich beim Lesen ganz unterschiedliche Seiten gezeigt: streckenweise sehr mühsam zu lesen, mit sich ähnlich wiederholenden Begründungsspiralen, streckenweise aber auch interessant zu lesen, mit Aussagen, die zum Nachdenken anregen.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Als ich in meinem Alter war

Torsten Sträter
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.08.2017
ISBN 9783548377001
Genre: Humor

Rezension:

Es ist, als ob man Torsten Sträter lesen hört, wenn man in seinem neuen Buch liest. Die Pausen. Die abgehackten Pointen. Das abrupte Hineinrutschen ins Groteske. Das Lakonische.

Als ich in meinem Alter war“ enthält Sträter-Texte, die teilweise schon etwas älter sind. Viele der Texte dürften eingefleischten Sträter-Fans also schon bekannt sein. Allen voran der Klassiker „Fleischwurst“, in dem Sträter grandios erzählt, wie man ohne Geld eine Fleischwurst kaufen kann und wie man ein Kind in eine Spielhalle schmuggelt.

Sträters Texte sind zumeist durchkomponiert, mit – mindestens – einer Pointe und Querverweisen innerhalb des Textes. Dabei sagt Sträter über sich: „Wissen Sie, ich bin ein ganz schlichter Vogel. Grade was Komik angeht.“  Der trockene Humor Sträters und die Mischung von Komik und Kabarett machen ihn so lesens- und vor allem hörenswert.

Allerdings verliert das Buch im zweiten Teil etwas. Die hohe Qualität der Texte ist hier nicht mehr durchgängig da. Vor allem die Texte zum Thema Sport sind nicht so recht gelungen, und die Qualität der Texte sinkt manchmal vom abstrus Komischen zum Albernen ab. Auch seine Texte als „Pressesprecher“ haben bei mir oft nur ein leichtes Lächeln hervorgerufen. Das wird allerdings im Buch ausgeglichen durch überraschend ernsthafte Texte mit einem Anliegen wie zum Beispiel die Texte „Darmspiegelung“, „Flüchtlingsgesetz“ und „Pegida“  („nichts weiter als eine Butterfahrt des Hasses“) aus dem Jahr 2015.

„Als ich in meinem Alter war“ bietet eine gute Mischung an Texten Sträters, die sich zwischen Alltagsproblemen und Weltkrisen bewegen. Wenn auch nicht alle Texte gleichermaßen ausgefeilt sind: lesenswert.

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

amerika, ausgrenzung, baumwollfarm, eine familiengeschichte, missisippi, mississippi-delta, rassentrennung, roman, usa 1946, weltkrieg

Mudbound – Die Tränen von Mississippi

Hillary Jordan , Karin Dufner , Eva Meckbach , Patrick Güldenberg
Audio CD
Erschienen bei OSTERWOLDaudio, 17.11.2017
ISBN 9783869523804
Genre: Romane

Rezension:

Es ist ein Schlammloch, ein „mudbound“, wo die Baumwollfarm, die im Zentrum von Hillary Jordans Buch „Mudbound“ steht, zu finden ist. Zwei Familien leben dort, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können.

Auf der einen Seite ist Henry, weiß, der schon immer – im Gegensatz zu seiner Frau Laura – vom Leben auf einer Farm geträumt hat. Auf der anderen Seite steht Hap, der schwarze Pächter, und seine Frau Florence. In den USA der 1940er Jahre ist das mit Konflikten und einem alltäglichen Rassismus verbunden. Dies spitzt sich zu, als die Söhne der beiden Familien aus dem Krieg zurückkehren und sich anfreunden. Die beiden werden zu Außenseitern, denen das Leben immer wieder schwer gemacht wird.

„Mudbound“ ist in allererster Linie eine doppelte Familiengeschichte. Zwei so grundverschiedene Familien leben zusammen an einem Ort, müssen sich irgendwie einleben und miteinander arrangieren. Der Blick ist dabei nicht nur auf die Konflikte gerichtet, auch das Bewirtschaften der Farm wird zum Thema.

Das Leben auf der Farm ist nicht einfach, das müssen beide Familien bitter erfahren. Für Laura, die als Stadtmensch auf die Farm kommt, ist die Umstellung enorm. Und auch wenn sie Henry liebt, fühlt sie sich doch von dessen Bruder Jamie angezogen, der als Lebemann so gar nicht aufs Land passt. Hap hingegen, der schwarze Pächter, scheint mit seinem Leben zufrieden zu sein, kann seine Familie gut ernähren. Doch wird er von den Weißen übers Ohr gehauen und als er mit seiner Arbeitskraft ausfällt, kommt die Familie in arge Schwierigkeiten.

Diese Mischung, das harte Leben auf dem Land und die Rassentrennung, wird von zwei Seiten betrachtet. – Und das macht das Besondere dieses Hörbuchs aus. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven heraus. Und so treten die jeweiligen Lebenseinstellungen und Vorurteile klar zutage. Beim Zuhören bleibt es da nicht aus, dass man an manchen Stellen ordentlich schlucken muss. Es gibt keinen kommentierenden Erzähler, der radikale Aussagen oder radikales Verhalten wieder zurechtrückt, indem es verurteilt wird. Der Zuhörer bleibt sich selbst überlassen.

Für mich war es gerade das, was „Mudbound“ so hörenswert gemacht hat.

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196 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

1988, england, freundschaft, liebe, liebevoll ausgestaltete charaktere, london, mister franks fabelhaftes talent für harmonie, musik, musikalischer cocktail, plattenladen, rachel joyce, roman, schallplatten, vinyl, zusammenhalt

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Rachel Joyce , Maria Andreas
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 29.12.2017
ISBN 9783810510822
Genre: Romane

Rezension:

Ein Plattenladen im England der 1980er Jahre: hier spielt Rachel Joyces neues Buch „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie„. Ein Buch, das mich sehr gespalten zurückgelassen hat. Auf der einen Seite ist da das Talent von „Mister Frank“, dem es gelingt, allen Menschen die Art von Musik zu empfehlen, die sie gerade brauchen. Und so gelingt es ihm, seine Mitmenschen zu verzaubern. Dabei lernt der Leser jede Menge Musik kennen. Und vor allem ihre Wirkung auf Menschen. Denn Musik kann man nicht analysieren, Musik berührt einen einfach. Sagt Mister Frank.

Aber: An einigen Stellen war mir dieses Talent zu fabel-haft, also: zu zauberhaft und viel zu wenig realistisch. Frank gelingt es mit seinen Musiktipps immer wieder, kleine Wunder zu vollbringen. Dagegen steht die recht realistische Handlung: ein großes Investmentunternehmen will die kleinen Läden der Unity Street weghaben, um etwas Großes aufzubauen. Frank hat zudem damit zu kämpfen, dass er den Siegeszug der CD nicht mitmachen will und weiterhin nur Schallplatten verkauft, was ihn an den finanziellen Ruin bringt. Eine Mischung aus nüchterner, deprimierender Realität und magischem Realismus, die für mich an einigen Stellen so gar nicht zusammengepasst hat. Dazu verkauft Frank am Ende des Buches CDs - und kein Wort wird darüber verloren! 

Das zeigt sich auch in der Sprache des Romans. Da gibt es schöne, bildhafte Stellen. Etwa wenn über Frank – ein wenig überladen – gesagt wird: „Er steckte nicht mehr im Schleudergang der Liebes-Waschmaschine, sondern hing schon fröhlich zum Trocknen auf der Leine.“ Und dann kommen plötzlich Sätze, in denen in Comicsprache erzählt wird: „Strahl, strahl, strahl“ und „schnauf, schnauf“. Aha.

Ohne die Musik wäre es eine ziemlich lahme Geschichte, die da von Rachel Joyce erzählt wird: Frank verliebt sich hoffnungslos in eine Frau in Grün, traut sich kaum sie anzusprechen, hilft ihr mit seinem Talent für Musik aus einer Lebenskrise heraus, vorsichtig kommen sie sich Stück um Stück näher – und so weiter. Hinzu kommt, dass zum Schluss hin die Handlung im Schnellvorlauf erzählt wird inklusive einem Zeitsprung von 20 Jahren.

Liest man Rachel Joyces Buch „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ als Wohlfühlbuch, das in die Magie der Musik einweiht, so kann man es mit großem Gewinn lesen. Darüber hinaus allerdings hat das Buch recht wenig zu bieten und wirkt recht unsolide zusammengekleistert.

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265 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 97 Rezensionen

braunschweig, demokratie, deutschland, dystopie, festeinband, geschäft mit dem tod, juli zeh, leere herzen, politik, politthriller, roman, selbstmord, selbstmordattentat, vorablesen, zukunft

Leere Herzen

Juli Zeh
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.11.2017
ISBN 9783630875231
Genre: Romane

Rezension:

Ihre Herzen sind leer. Lahmgelegt von dem gesellschaftlichen Überdruss. Desinteresse und Lethargie herrschen vor bei den Menschen im Deutschland des Jahres 2025, das Juli Zeh in ihrem neuen Roman „Leere Herzen“ ausmalt. Politik ist zur lästigen Nebensache geworden. Nachdem Angela Merkel den Posten der Bundeskanzlerin an Regula Freyer von der Besorge Bürger Bewegung (BBB) abgegeben hat, ist Deutschland wie erstarrt. Ein Effizienzpaket nach dem anderen hebelt die Demokratie aus.

Zeitungen? Gibt es kaum noch. Dafür aber ein Grundeinkommen, das alle zufriedenstellt. Und um die, die nicht zufrieden sind, kümmert sich die Partei der BBB. Die Anspielungen auf die AfD lassen sich kaum übersehen. So ist „Leere Herzen“ in erster Linie ein politisches Buch, in zweiter Linie ein Roman und zuletzt auch ein Thriller.

Das politische Buch ist ein Appell, sich einzumischen. Moralingetränkt kommt der Schluss daher, dieses „Empört euch! Mischt euch ein! Demokratie muss man ertragen!“ der Juli Zeh. Britta, die Hauptfigur des Werkes, erkennt, dass man mit Zynismus und Nüchternheit die Welt nicht verändern kann. Und: dass es möglich ist, die Welt zu ändern. Mit ihrer Dystopie will Zeh keinen Blick in die Zukunft wagen, sondern den Blick auf die Gegenwart lenken. Daher stört es auch nicht, dass Zehs Zukunftsvision eher zufällig und sporadisch wirkt, wenig durchdacht. Hier und da erfährt man etwas von den Veränderungen, die Deutschland umwälzen. Oft wird es nur am Rande erwähnt.

Mit ihrem Roman fährt Juli Zeh dabei mehrgleisig. Da ist zunächst die Welt zweier Familien, die gegensätzlicher nicht sein könnten. So erinnert der Anfang des Romans ein wenig an Juli Zehs Roman „Unterleuten„. Die kleine Welt der Familien wird geschildert. Hier ist Zeh eloquent und prägnant wie eh und je.

Doch kommt in ihrem Roman „Leere Herzen“ eine weitere Welt hinzu: Britta und ihr Geschäftspartner Babak leiten die Therapie-Praxis „Die Brücke“ für Selbstmordgefährdete. Und sie schlagen Kapital aus ihrer Praxis. Denn wer nicht heilbar ist, wird an Organisationen weitervermittelt, die Selbstmordattentäter suchen. Ein lukratives Geschäft. Die hohe Erfolgsquote dieses Unternehmens lässt Britta ein finanziell sorgloses Leben führen. Für sie zählt das Geschäft, ein schlechtes Gewissen hat sie nicht.

Allerdings endet mit einem versuchten Selbstmordattentat im Leipziger Frachtflughafen ihre Sorglosigkeit. Das waren keine von ihren Leuten. Immer mehr festigt sich in Britta die Gewissheit, dass es sich dabei nicht nur um Konkurrenz handelt, sondern dass „Die Brücke“ vernichtet werden soll. Sofort machen sich Britta und Babak daran, unter Beweis zu stellen, dass mit ihnen zu rechnen ist… Doch können die beiden nur darüber rätseln, wer denn nun gegen sie agiert. Spätestens hier wird aus dem Roman ein Thriller, ein Katz-und-Maus-Spiel mit ungewissem Ausgang.

Doch drei Dinge sind zwei zu viel. Dem politischen Roman fehlt es an substanzieller Gesellschaftskritik, dem literarischen Roman an Ausgestaltung und dem Thriller an Komplexität der Handlung (und an einem glaubwürdigen Ende). So sehr mir vieles in dem Roman gefallen hat: ein rundes Ganzes ist er für mich nicht.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

gebet, göttlicher trost, hilfe, hilfe annehmen, innerer trost, kriesen, krise, leben, luthe, luther, reformation, trauer, trauer zulassen, tricks, trost

Luthers Trostkiste

Ralf Lengen , Ferdinand Georg
Fester Einband: 154 Seiten
Erschienen bei Meistertricks, 01.04.2017
ISBN 9783945788073
Genre: Sachbücher

Rezension:

Luthers Trostkiste“ heißt das neue Buch von Ralf Lengen. Darin gesammelt: Tipps und Tricks, wie man mit dem Reformator Martin Luther leichter Krisen überwinden kann.

Dass Luther nicht nur ein tröstender Ratgeber war, sondern auch selbst Trost gebraucht hat, macht Ralf Lengen am Anfang seines Buches deutlich. Nicht nur, dass Luthers Gesundheit nicht immer zum Besten stand, auch die Angriffe seiner Gegner (und auch aus den eigenen Reihen) setzten dem Reformator zu.

Spannend zu erfahren war dabei, dass Luther selbst Freunde bat, ihm Trostbriefe zu schreiben – wie er selbst auch in seinen Briefen immer wieder Trost spendete.

Ralf Lengen machte sich nach Luthers Trost auf die Suche in seinen Werken. Und was er fand ist ganz beachtlich: 28 Tipps und Tricks sind in dem locker gestalteten Buch versammelt. Von der Empfehlung, dankbar zu sein, das Tageslicht zu suchen bis hin zu der Aufforderung, Vergebung anzunehmen reichen Luthers Ratschläge. Auf je eine Doppelseite hat Lengen ein Zitat Luthers und eine kurze inhaltliche Einordnung beschränkt. Herausgekommen sind so kurze, knackige Ratschläge, die gut zu lesen sind - wenn sie mir auch zum Teil etwas zu kurz waren.

Lesen sollte man „Luthers Trostkiste“ am besten dann, wenn man gerade keinen Trost nötig hat. Denn Lengen will ja nicht selbst trösten, sondern Ratschläge für schlechtere Zeiten mit auf den Weg geben.

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

adoption, bronx, gerry hadden, hardcover, jugendgefängnis, jugendknast, kind, kriminalisierung, kuba, leben, leserunde, roman, schuld, schuldfrage, tod durch unfall

Alles wird unsichtbar

Gerry Hadden , Stefanie Jacobs , Simone Jakob
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.10.2017
ISBN 9783492058803
Genre: Romane

Rezension:

Ganz konnte mich Gerry Haddens Debütroman „Alles wird unsichtbar“ nicht überzeugen. Die Geschichte klingt zunächst gut: Milo kommt aus dem Jugendknast, ein Studienprogramm bringt ihn raus und an eine  Universität. Der 19-Jährige muss sich nun mit sich und seinem Leben beschäftigen. Denn er trägt so einige Bündel mit sich herum: Er gibt sich die Schuld am Tod seiner Adoptivmutter und weiß von seiner leiblichen Mutter im Grunde genommen nichts.Nach und nach kommt das, was in Milo schlummert, hervor. Auch in der Form von Aggressivität. Eine Aggressivität, die er nicht nur gegen Autos, sondern auch gegen sich selbst richtet.Milo sehnt sich nach Aufmerksamkeit, zugleich ist er irritiert, wenn er sie bekommt. Von Halsey zum Beispiel, seiner ersten Freundin. Nicht jedoch von seinem Vater, der – so nimmt es Milo wahr – ihm die Schuld am Tod der Mutter gibt und ihn mehr ignoriert als dass er sich um ihn kümmert. So ist Milo ein spannungsgeladener Charakter – hinzu kommt, dass er als weißer Adoptivsohn in der Bronx der 70er-Jahre bei afro-kubanischen Eltern aufwächst. Und: als Fünfjähriger verliert er bei einem Autounfall seinen linken Arm.Milo als Protagonist bietet also eine große Fläche, die gefüllt werden kann. „Alles wird unsichtbar“ wird so zum Entwicklungsroman, der den Helden, Milo, sein Leben neu überdenken lässt und ihn gereift zurücklässt.Soweit, sogut. Doch neben sehr intensiv erzählten Teilen – etwa wenn das Verhältnis zwischen Milo und seinem Vater beleuchtet wird, versinkt die Handlung immer wieder in Unwichtigem. Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Hinzu kommt das permanente Springen zwischen unterschiedlichen Zeitebenen. Mal sind wir mit Milo im Jugendknast, mal in seiner Kindheit, mal an der Universität. Wenn die Zeitebenen aufeinander bezogen sind, liest sich das gut. Doch das ist so gut nie der Fall und man hat als Leser immer wieder den Eindruck, gerade den Faden zu verlieren.Der Ost-West-Klamauk im Deutschland der 80er Jahre mag für amerikanische Leser lustig sein, auf mich wirkte er schlichtweg nur aufgesetzt und albern. Dieser Bruch ist sehr schade, denn Hadden gelingt es doch immer wieder nüchtern, lakonisch und ohne jeglichen Kitsch zu erzählen. Dennoch hat mich das Buch leider ab der Hälfte nicht mehr überzeugen können.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

betrug, cote d´ azur, disziplin, fussball, reichtum, talent, treue, wintersaison

Die Summe aller Möglichkeiten

Olivier Adam , Michael von Kilisch-Horn
Fester Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.08.2017
ISBN 9783608980332
Genre: Romane

Rezension:

In seinem neuen Roman „Die Summe aller Möglichkeiten“ lässt Olivier Adam zweiundzwanzig ganz verschiedene Personen zu Wort kommen. Was sie gemeinsam haben? Sie kommen alle aus dem französischen Hinterland der Côte d’Azur. Und ihre Geschichten sind allesamt miteinander verwoben.

Da gibt es Antoine, der dem Verteidiger, der ihn gefoult hat, „seine Faust in die Fresse geknallt“ hat. Ist er deshalb krankenhausreif zusammengeschlagen worden? Dann gibt es da Jeff, seinen Chef, der sein Restaurant und den Campingplatz mehr schlecht als recht gemanagt bekommt. Hinzu kommt ein Polizist, der weiß, wen er in Ruhe lassen muss, um ein geruhsames Leben zu führen, ebenso ein Mädchen, das ausgerissen ist und in der Provinz ihre Ruhe findet. Bis ein Sturm nicht nur das Meer aufpeitscht, sondern den kleinen, verschlafenen Ort in Unruhe versetzt.

Olivier Adam, Jahrgang 1974, gelingt es, die Atmosphäre dieses Ortes einzufangen – eine Atmosphäre, die geprägt ist von Hoffnungslosigkeit, Resignation und dem Trotz, hier an einem schönen Flecken Erde zu leben. Dabei verwendet Adam eher die schlichte Sprache der Hauptsätze, um Stimmungen einzufangen. Doch dabei sitzt jedes Wort. Überflüssige direkte Rede ist vermieden, jedoch mischt sich der Erzähler immer mal wieder ein, indem er seine Figuren über das Leben und die Welt urteilen lässt. Und gerade das lässt die Figuren einem sehr plastisch vor das Auge des Lesers treten.

So wie Wellen an die Küste heranspülen, wechselt Adam immer wieder seinen Erzählfaden. Mal nimmt er die Spur der einen Figur auf auf, dann lässt er eine ganz andere wieder zu Wort kommen. Irgendwann gelingt es dem Leser, das Dickicht der Personen zu durchbrechen, wenn sich immer mehr herausstellt, wer womit verwoben ist und welche Handlungen solitär stehen. Und immer wieder landet er bei der Frage, weshalb Antoine ins Koma geprügelt wurde.

Doch auch von dem, was mehr oder weniger zeitgleich geschieht, ist ausführlich die Rede. Hin und wieder habe ich mich beim Lesen nach einem Personenverzeichnis gesehnt, um nachzuschlagen, wer wer war. Nichtsdestotrotz entsteht im Laufe des Lesens ein stimmiges Bild von den Menschen und ihrer Landschaft.

Etwas schade ist, dass gerade am Anfang des Buches sich sehr viele Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, die lassen aber zum Glück bereits ab dem zweiten Kapitel wieder deutlich nach, sodass sie nicht wirklich störend sind. Auch hat der Verlag Klett-Cotta versprochen, die Fehler in den folgenden Auflagen zu korrigieren.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

contemporary, coolness, freundschaft, humor, ironie, liebe, poetry-slam, sebastian23, spießigkeit, wette, witz

Die Sonnenseite des Schneemanns

Sebastian 23
Fester Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Lektora-Verlag, 10.10.2017
ISBN 9783954611010
Genre: Humor

Rezension:

Luise lebt im Hier und Jetzt, hat keine Pläne für die Zukunft. Bis sie Ian trifft. Aus einer Wette entwickelt sich langsam eine Liebesbeziehung mit zwei recht ungleichen Partnern. Das ist kurz und knapp die Handlung von Sebastian23s neuem Buch „Die Sonnenseite des Schneemanns„.

Doch „Die Sonnenseite des Schneemanns“ ist  mehr als ein netter Roman für zwischendurch mit eher lausiger Handlung, bei der dem zurückhaltenden „Schneemann“ Ian die impulsive „Sonnenseite“ Luise an die Seite gestellt wird. Denn während die Handlung prinzipiell auch von Rosamunde Pilcher stammen könnte – das Drumherum keinesfalls.

Bereits der Untertitel des Buches – My unfair lady – spielt auf die andere Ebene des Buches an. So wie in dem Musical „My fair lady“ geht es um die Frage, was Sprache aus uns macht. Während im Musical ein Dienstmädchen durch Erziehung in die Oberschicht eingeführt werden soll, geht es hier darum, den aus der Welt gefallenen Ian auf den Boden der Tatsachen zu bringen.

Was geht bei dir, du ahnbarer Larry? ist einer der ersten Sätze, die Ian von „Kollege“ Luise zu lernen hat. Und je länger Luise ihren Ian in die Welt der Umgangs- und Jugendsprache einführt, umso stärker verändert sich Ian. Aus dem spröden Spießer wird Stück um Stück ein aufgeschlossener junger Mann von 30 Jahren – auch wenn er so ein paar Eigenheiten weiter pflegt, wie etwa die Manie für Studien zum Alltagsverhalten oder das Sammeln von Wörtern aller Sprachen, die nicht übersetzbar sind.

Hinzu kommt noch jede Menge schräger Humor, der das Buch durchzieht. Nicht nur, dass Ian einfach nur Jan ausgesprochen wird, er ist auch noch Pixelmaler (sic!) von Beruf – insgesamt also so langweilig, dass die Spatzen von den Dachrinnen fallen. Wer solch schrägen Humor mag, ist mit Sebastian23s neuem Buch gut bedient.

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Die Sternennacht

Jimmy Liao , Marc Hermann
Flexibler Einband: 70 Seiten
Erschienen bei Chinabooks E. Wolf, 01.11.2017
ISBN 9783905816693
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein Bilderbuch für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ist Jimmy Liao gelungen. Mit „Die Sternennacht“ hat er ein wunderschönes Werk geschaffen, das man immer wieder lesen und anschauen kann.

Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, freunden sich an. Beide sind Außenseiter. Beide suchen sich ihre eigene Welt, in die sie sich zurückziehen. Zusammen machen sie sich schließlich auf den Weg, weg von der Stadt zum Haus des verstorbenen Großvaters aufs Land, dort fühlen sie sich frei. Gemeinsam betrachten sie den Sternenhimmel der Sternennacht. Der sei hier – so hat es der Großvater gesagt – genau so schön wie auf dem gleichnamigen Bild von van Gogh.

Das Bilderbuch ist melancholisch und hoffnungsvoll zugleich. Während am Anfang die vielen Fenster und Türen, die in den Bildern auftauchen, die Zurückgezogenheit zeigen, das Gesicht des Mädchens in einem Bild voller Herbstlaub fast nicht erkennbar ist, so verändern sich die Bilder im Laufe der Handlung: auf ihrem Weg zum Haus des Großvaters werden die Bilder großformatig, bunt, sind in kräftigen Farben gemalt und ohne Text.

Sowieso braucht Jimmy Liao wenig Worte, um seine Geschichte zu erzählen. Es bleibt bei den Gedanken und Gefühlen, die das Mädchen hat. Und das ist es – neben den Bildern – was das Buch so intensiv wirken lässt.

Jimmy Liao ist in seinem Heimatland Taiwan bereits ein geschätzter Künstler. Sogar ein Museum gibt es über ihn. Mit dem nun auf Deutsch erschienenen Buch „Die Sternennacht“ können wir ihn auch entdecken und uns von ihm fesseln lassen.

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Niemals

Andreas Pflüger
Fester Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 09.10.2017
ISBN 9783518427569
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Glückwunsch, Frau Aaron: Sie besitzen jetzt zwei Milliarden Dollar.“ Kein alltägliches Geschenk für eine ehemalige Ermittlerin der Berliner „Abteilung“, ein Spezialkommando für die ganz besonderen Einsätze, die wenig bis gar keine Öffentlichkeit vertragen.

Frau Aaron, das ist Jenny Aaron. Seit sie blind ist, ist sie spezialisiert auf Verhöre, arbeitet beim BKA. Und: Schuld an ihrer Blindheit hat eben jener Gangster namens Holm, der ihr nun die zwei Milliarden Dollar vermacht. Bei einer Verfolgungsjagd hat er sie so angeschossen, dass sie erblindete. Und: Holm sagt, dass er weiß, wer ihren Vater auf dem Gewissen hat, wer der „Broker“ ist. Deshalb kehrt Jenny Aaron in Andreas Pflügers neuem Thriller „Niemals“ wieder zur Abteilung zurück, obwohl sie erblindet ist und eigentlich ein ruhigeres Leben beim BKA hätte haben können.

Trotz aller actiongeladenen Handlung, trotz aller krummen Geschäfte: in „Niemals“ ist Jenny Aaron die Hauptperson. Andreas Pflüger hat sich eine taffe blinde Protagonistin ausgedacht. Eine, die nicht auf Hilfe angewiesen sein will. Eine, die nach einem langen, schmerzhaften Prozess sich neu gefunden hat, ohne sich neu erfinden zu müssen. Jenny Aaron schafft 200 Sit-ups und 50 Liegestützen, bis das Badewasser eingelassen ist.

Wie taff Jenny Aaron ist, zeigt sie auch im Kampf. Was sie durch Blindheit an Nachteil hat, gleicht sie durch andere Sinne aus. Kampftechnik ist ihr Metier. In seinem Thriller macht Andreas Pflüger dabei auch vor grausigen Szenen kein Halt. Gewalt kommt zwar nur an wenigen Stellen im Buch vor, ist dann aber äußerst intensiv beschrieben, für manche sicherlich zu brutal.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger „Endgültig“ ist „Niemals“ ein wenig ruhiger geraten. Die Handlung ist nicht mehr ganz so komplex, nicht mehr ganz so actiongeladen. Es wird ermittelt, es gibt Rückblenden, Jenny Aaron bekommt Hoffnung, dass ihre Blindheit nicht von Dauer ist. Das alles führt dazu, dass der Thriller in ruhigeres Fahrwasser gerät. Und das tut gut. Dem Leser, aber auch Jenny Aaron. Sie wird zur Hauptfigur, in ihr kulminiert das Geschehen. Das Ende des Buches ist nicht dann erreicht, wenn der „Broker“ ermittelt und gestellt ist, das Ende des Buches gehört Jenny Aaron.

„Niemals“ ist der gelungene Nachfolger von Andreas Pflügers Thriller „Endgültig“ aus dem Jahr 2016. Und doch hat er seine eigene Kontur bekommen. Die Geschwindigkeit ist ein wenig herausgenommen, die Figuren treten etwas mehr in den Vordergrund. Eine gelungene Fortsetzung also.

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