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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Treibjagd

Antonin Varenne , Susanne Röckel
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Treibjagd“ von Antonin Varenne spielt im Massif Central, einem Gebirge in der Mitte des südlichen Frankreichs. Aber es könnte tatsächlich überall anders auf der Welt spielen, wo die Gegebenheiten ähnlich sind. Die Ausgangssituation erinnert mich an andere Romane, die ich im letzten Jahr gelesen habe. Z.B. Monteperdido (Spanien) oder The Dry(Australien).

Es ist eine ländliche abgelegene Gegend, in der die Natur hart und unerbittlich ist und wenige Reiche das Land und die Macht unter sich aufteilen wollen. Die Menschen sind ein Abbild ihrer Lebensumstände. Rauh und spröde, wortkarg und von äußeren und inneren Narben versehrt. Rémi Parrot ist der örtliche Revierjäger. Auf gewisse Weise ist er ein Eigenbrödler. Durch einen schweren Unfall entstellt, lebt er in einer Hütte am Waldrand. Seine große Liebe Michèle hatte vor Jahren das Dorf verlassen. Unerwartet kehrt sie zurück und eröffnet einen kleinen Laden. Ihr Bruder versucht, wie früher, eine Beziehung der beiden mit allen Mitteln zu verhindern und gerät sofort mit Rémi aneinander. Aber bald ist das Nebensache, denn der Forstinspektor Philippe verschwindet unter ungeklärten Umständen im Wald und was die Männer nach tagelanger Suche finden wirft die Frage auf, wer wollte ihn mundtot machen und warum. Der tote Freund hat Rémy einen Stapel Unterlagen hinterlassen, weil er bereits um sein Leben fürchtete. Und daraus geht hervor, dass einer der mächtigsten Grundbesitzer der Gegend in einen Umweltskandal verwickelt sein könnte. Ist dies das Mordmotiv? Bald ist auch hinter Rémy jemand her.

Ich mag Bücher wie „Die Treibjagd“. Neben starken Haupt- und Nebencharakteren spielt auch die Natur eine wichtige Rolle und der Mensch kämpft nicht nur gegen Seinesgleichen sondern ebenso gegen Kälte und Hitze, karstige Bergregionen, wütende Wildschweine und ähnliches. Es ist ein Kampf ums Überleben. Und ein Kampf eben FÜR diese Natur, die andere ausbeuten und zerstören wollen. Rémy ist ein adäquater Held, der integer und mutig ist, sich nicht um seine Vorgesetzten oder Drohungen schert und doch ein ganz normaler Mensch mit all seinen Schwächen und Fehlern bleibt.

Hervorragend passt das Cover zur Geschichte und der Erzählstil ist kraftvoll und intensiv, verlangt nach der Aufmerksamkeit des Lesers und schenkt dafür Bilder und Eindrücke, die das Kopfkino aufs Vortrefflichste befeuern. Ich wurde in einen spannenden Sog gezogen und kann das Buch nur wärmstens empfehlen.

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159 Bibliotheken, 43 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

gesichtsblindheit, mobbing, prosopagnosie, leserunde, bin so aufgeregt

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Jennifer Niven , Maren Illinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 22.06.2017
ISBN 9783737355100
Genre: Jugendbuch

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24 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

steyer, nicole steyer, knaur verlag, historsicher roman

Der Gaukler und die Tänzerin

Nicole Steyer
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2017
ISBN 9783426520000
Genre: Historische Romane

Rezension:

Als sechsjährige muss Magdalena überstürzt von Zuhause fliehen, da ihre Mutter, eine der Mätressen des hessischen Landgrafen, eines unnatürlichen Todes gestorben ist und sie den Mord beobachtet hat. Zigeuner retten ihr Leben und nehmen sie bei sich auf. Und aus ihr wird das Zigeunermädchen Suni, das als Tänzerin ihren Lebensunterhalt verdient und die Geschehnisse in ihrer Kindkeit verdrängt hat. Aber als sie wieder in ihre Heimatstadt zurückkehr überstürzen sich die Ereignisse, denn sie sieht ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten aus und es gibt Menschen, die sie töten wollen. Gut, dass ihr Kinderfreund Mathis sie findet und ihr hilft.

Es war mein erstes Buch von Nicole Steyer. Beworben wird das Buch als Sittengemälde des 18. Jahrhunderts und als Streitschrift gegen Diskriminierung. Ich finde das etwas zu hoch gegriffen. Ja, es geht um Zigeunerhass und Verfolgung dieser Volksgruppe. Allerdings tut speziell der Graf dies, weil er glaubt, sie hätten seiner Tochter etwas zu Leide getan, das verwässert meiner Meinung nach den Begriff Diskriminierung. Mathis hingegen wird meiner Meinung nach nicht besser oder schlechter behandelt trotz seiner dunklen Hautfarbe. Meistens habe ich diese sogar ganz vergessen. Das ist wohl auch den Verlagsverantwortlichen bei der Covergestaltung so gegangen, denn ich verstehe nicht, wie ich einem Buch den Titel „Der Gaukler und die Tänzerin“ geben kann und der Mohr dann nicht als solcher auf dem Cover abgebildet wird. Das finde ich fast ein bisschen diskriminierend.

Ich fand den Schreibstil etwas aufgebläht und langatmig. Alle Gefühle und Geschehnisse werden extrem durchgekaut und dem Leser wird wenig Spielraum für eigene Gedanken gelassen. Auch ist es einer der historischen Romane, die die Historie mehr als Rahmen benutzen ohne dass ihr richtige Tiefe gegeben wird. Ich habe nichts wirklich Neues über das damalige Leben und die geschichtlichen Fakten erfahren. Das war mir etwas dünn, nachdem ich vorher den aktuellen Gablé genossen hatte.

Ein netter Roman über ein tapferes Mädchen und einen Jugendfreund, mit dessen Hilfe sie zu ihrem Recht und ein paar Übeltäter zu ihrer gerechten Strafe kommen. Mit viel Gefühl und ein bisschen Herzschmerz. Für mich leider zu belanglos – trotz der dramatischen Geschehnisse.

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

tee, china, botanik, päonie, robert fortune

Der englische Botaniker

Nicole C. Vosseler
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 08.05.2017
ISBN 9783959671033
Genre: Romane

Rezension:

1843 reist „Der englische Botaniker“ Robert Fortune im Auftrag der Horticultural Society of London für ein Jahr nach China, welches sich gerade erst westlichen Einflüssen zu öffnen beginnt, um dort „Samen und Pflanzen dekorativer oder nützlicher Art“ zu sammeln und wenn möglich nach England zu schicken. Zurück lässt er seine Frau Jane und die beiden kleinen Kinder, und noch weiß der pragmatische und etwas menschenscheue Mann nicht, auf welches Abenteuer er sich hier eingelassen hat.

China, seine Menschen und seine Pflanzenwelt, sind von einer überwältigenden Vielfalt und Fremdartigkeit, die aus jeder Pore dieses Buches auf den Leser und auf den anfangs etwas unbeholfenen Engländer einstürmen. Umso mehr er über Land und Leute erfährt, umso näher ihm emotional sein Begleiter Wang kommt und er die überraschende Bekanntschaft mit der Schwertkämpferin Lian vertieft, umso mehr verändert sich Roberts Bild von China. Sein Herz und sein Verstand öffnen sich auf dieser Reise, die viel länger dauern soll, als ursprünglich geplant. Am Ende wird aus dem kühlen, etwas sperrigen Briten ein mutiger weltoffener Abenteurer, der aus den asiatischen Weltanschauungen, dem fernöstlichen Lebensstil und der Herzlichkeit und Wärme der Chinesen viel mehr mitnimmt als nur Samen und Pflanzensetzlinge.

Die Intensität der Geschichte wird dadurch erhöht, dass nicht nur Robert Fortune eine eigene Stimme im Buch erhält, sondern abwechselnd auch die Chinesin Lian und die Engländerin Jane zu Wort kommen. So erfährt man zum einen sehr viel über das exotisch und fremdartig anmutende China, über die politische Situation, Kultur und Lebensweise. Aber auch das Leben der Frauen und ihre Stellung in der männlich dominierten europäischen Welt des 19.ten Jahrhunderts werden beschrieben und durch die Entwicklung der daheim gebliebenen Ehefrau reflektiert. Gerade die Perspektiven der Frauen sind es, die diesem Buch einen eigenen emotionalen Ton verleihen.

Das Buch hat dem Leser so einiges zu bieten. Die Entdeckung eines fremden Landes, mit einem gewaltigen Potpourri an Pflanzen, die einst aus dem fernen China zu uns nach Europa kamen. Und der reale Fortune hat tausende davon beschrieben, bestimmt, benannt und mitgebracht. Schön fand ich hier, dass Nicole Vosseler Auszüge aus Originalbriefen mit in die Geschichte einfließen lässt und im Nachwort kurz beschreibt, was Robert alles geleistet hat. Man bekommt Wissen und Anekdoten davon, was damals auf dieser ersten Reise wirklich passiert ist. Man bekommt mehr als eine Liebesgeschichte – und auch die Liebe, die Robert für seine Arbeit empfindet ist spürbar und nachvollziehbar. Die Hauptdarsteller und auch die Nebendarsteller – allen voran der kongeniale Wang – wachsen einem schnell ans Herz und man verfolgt mit Interesse und ein bisschen Rührung ihrer Entwicklung und Veränderung.

Erwähnt werden muss auch noch der Schreibstil. Das Buch kann man nicht überstürzt und hastig lesen – auch wenn die Spannung manchmal dazu drängt. Die Sprache verlangt nach Zeit und Muße und weckt den Wunsch danach, immer wieder inne zu halten, den Worten nachzuspüren und das Gelesene zu überdenken und wirken zu lassen.

Ein nachhaltiger Lesegenuss den ich nur wärmstens jedem ans Herz legen kann.

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56 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

australien, thriller, jagd, entführung, busch

Die Hatz

J.M. Peace , Sina Hoffmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492310475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Ausgangssituation ist eigentlich ganz einfach. Ein durchgeknallter Barkeeper jagt in seiner Freizeit Menschen durch den Australischen Outback. Und diesmal hat er sich dafür eindeutig die Falsche ausgesucht, denn Sammi, die er betäubt und nachts nach einem Barbesuch kidnappt, ist Polizistin und damit nicht nur eine adäquate Gegnerin, sondern vielleicht auch die, die ihn überführen wird; so sie denn „Die Hatz“ überlebt.

Es entbrennt eine spannende Jagd, in der anfangs der Verfolger sicherlich die besseren Karten hat aber Sammi ist taff und klug und weiß sich zu verstecken und auch zu wehren.

Der Schreibstil ist leicht lesbar und durch kurze Kapitel mit wechselnden Perspektiven wird der Spannungspegel von Anfang an sehr hoch gehalten. Die Story wird logisch und stringent erzählt, hat aber wenig wirkliche Überraschungsmomente. Da die Riege der Darsteller begrenzt ist, hätte ich mir etwas mehr Charakterstudie von den beiden Gegnern gewünscht. Aber Sammi zumindest ist eine Person, für die der Leser schnell Empathie entwickeln kann, wohingegen ihr Jäger etwas blass und einfach nur durchgeknallt bleibt.

Gutes Buch mit einem spannenden Setting. Für mich als Robotham-Fan war es aber doch nur Durchschnitt und kam auch nicht an meinen letzten australischen Geheimtipp – The Dry – heran.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

serienmörder, lone theils, verschwundene mädchen, krimi, journalismu

Die Mädchen von der Englandfähre

Lone Theils , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 19.05.2017
ISBN 9783499272530
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Mädchen von der Englandfähre“ ist der erste Teil einer neuen Krimireihe der dänischen Autorin Lone Theils. Ähnlich wie bei Liza Marklund ist die Journalistin Nora im Zentrum der Geschehnisse. Sie berichtet für eine dänische Zeitung aus der britischen Hauptstadt London. Ihre Arbeit ist sehr flexibel und sie schreibt sowohl über politische als aus gesellschaftpolitische Themen und schreckt auch vor einem Interview mit einem afrikanischen Kriegsverbrecher nicht zurück.

Zufällig ersteht sie in einem Trödelladen einen alten Koffer und findet darin eine Handvoll Bilder von jungen Mädchen. Zwei davon kommen ihr vage bekannt vor und nach kurzer Recherche hat sie schnell herausgefunden, dass es sich um zwei dänische Teenager handelt, die vor mehreren Jahren auf der Fahrt mit der Englandfähre zur Insel spurlos verschwanden. Man vermutete damals, dass sie dem Serienmörder William Hickley (Hix) zum Opfer fielen. Der ist zwar schon lange weggesperrt, aber die Leichen wurden nie gefunden, nur zwei Dutzend herausgeschnittene Zungen.

Über weite Strecken war ich ziemlich begeistert von der Geschichte. Nora ist sympathisch und taff. Ihre Ermittlungen sind interessant und wie ein großes Puzzle aufgebaut, welches der Leser mit der Reporterin zusammen lösen darf. Im Laufe der Handlung kommt es zwar zu dem ein oder andern Zufall und zwei, drei Dinge sind etwas unlogisch oder zumindest unrealistisch. Aber das hält sich lange im erträglichen Rahmen. Es gibt auch eine nette kleine Liebesgeschichte, die als Stimmungsaufheller für einen Serienkiller-Roman gut zu lesen ist.

Die letzten 80 Seiten allerdings waren für mich etwas ärgerlich zu lesen. Hier überschlagen sich die Ereignisse und werden brutal, haarsträubend und teilweise hahnebüchen. Zum einen hätte die Autorin sich hier mehr Zeit lassen müssen für den Plot und vor allem für die ausführlicheren Erklärungen, denn es bleiben ziemlich viele Ungereimtheiten und Fragen. Und es passiert so viel, dass ich mir dachte, hier wäre weniger durchaus mehr gewesen. Nichts gegen einen spannenden Showdown. Aber das zu erzählen will dann doch gelernt sein.

Weil mir der Krimi die meiste Zeit sehr gut gefallen hat und ich von Nora gerne wieder etwas lesen möchte, vergebe ich gerade noch 4 Sterne und hoffe beim nächsten Band auf ein genaueres Lektorat oder zumindest eine Autorin, die es schafft alle Fragen zu beantworten. Es gibt nichts Ätzenderes, als einen Krimi, der einen mit Stirnrunzeln zurücklässt.

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53 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

lügen, tod, selbstmord, geheimnisse, mord

Der Tag, an dem wir dich vergaßen

Diane Chamberlain , Marion Ahl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 08.05.2017
ISBN 9783959670852
Genre: Romane

Rezension:

Diane Chamberlain hat Psychologie studiert und ist seit langem eine erfolgreiche Autorin. Keine Ahnung, warum ich erst jetzt auf ihre Romane aufmerksam geworden bin. "Der Tag, an dem wir dich vergaßen" hat mich zuerst mit seinem kongenialen Cover eingefangen. Viel zu selten trifft es zu, dass das Cover und der Inhalt wirklich miteinander zu tun haben oder wie hier, wirklich etwas über die Handlung aussagt.

Riley ist scheinbar behütet mit Eltern und Bruder aufgewachsen. Nach der Mutter stirbt nun auch ihr Vater und sie muss seinen Haushalt auflösen. Dabei kommt sie aber einigen Familiengeheimnissen auf die Spur und muss erkennen, dass ihr ganzes Leben auf Lügen und Halbwahrheiten aufgebaut ist und nichts so ist, wie es ihr erschien.

Es ist spannend mit Riley herauszufinden, was vor vielen Jahren wirklich mit ihrer Schwester passiert ist und wo die Wahrheit zu finden ist. Die psychologischen Untiefen werden von Chamerlain gut ausgelotet und glaubwürdig erzählt. Es gibt einige starke und Präsente Nebendarsteller, die für die Handlung sehr wichtig sind. In zwei unterschiedlichen Zeitsträngen erfährt der Leser eine spannende Familiengeschichte.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich kann es empfehlen.

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37 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

krimi, roger blanc, fischer, umweltschutz, mord

Gefährliche Côte Bleue

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.05.2017
ISBN 9783832198282
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als treuer Rademacher-Leser verfolge ich Roger Blanc jetzt bereits zum vierten Mal. Wie bereits im dritten haben wir es wieder mit einem Mordfall zu tun, der zuerst wie ein Unfall aussieht und der politische und wirtschaftliche Hintergründe hat. Und wieder ist ausgerechnet sein Intim-Feind der Staatsanwalt, der für die ganze Sache zuständig ist. Diese ziemlich ähnliche Grundstruktur hat mich gefühlsmäßig etwas gestört, da es in Teilen wie eine Variation des dritten Bandes wirkte. Der Umgangston zwischen den beiden ist noch etwas schärfer, die Abneigung wird größer. Und während Blanc ermittelt wird er immer mehr zum Einzelkämpfer, zum Ermittler gegen das eigene Rechtssystem, welches diesen prekären Fall mal wieder gerne unter den Teppich kehren möchte.

Ich verrate nicht, ob Blanc am Ende gewinnt, aber so ganz zufrieden war ich mit dem Schluss dann nicht. Das Buch hält was es verspricht. Es ist ein Kriminalroman der mit südfranzösischem Flair daherkommt, wozu nicht nur die schrulligen Einheimischen sondern auch deren Wertevorstellungen und Moral gehören, ebenso wie die Landschaft und diesmal – zu meiner Freude – auch das wunderschöne Mittelmeer. Das Cover macht große Lust auf diesen Roman. Ich hätte mir noch etwas mehr neuen Zündstoff gewünscht. Oder auch gerne mal einen „normalen“ Mord, der Blanc auf andere Weise fordert und nicht wieder seinen politischen Nerv trifft. So ahnt man schnell in welche Richtung das Ganze läuft und es gibt keine wirklich überraschenden Wendungen.

Fazit: Solide aber mit Luft nach oben. Gerade noch vier Sterne.

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260 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

fantasy, kendare blake, giftmischer, penhaligon, magie

Der Schwarze Thron - Die Schwestern

Kendare Blake , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 09.05.2017
ISBN 9783764531447
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Grundidee fand ich wirklich Klasse. Es sind Drillingsmädchen, die hier die Hauptrollen spielen. Als Kleinkinder wurden sie voneinander getrennt und zu verschiedenen magischen Völkern geschickt, die sie aufziehen und den Mädchen ihre unterschiedlichen Künste lehren sollten. An ihrem 16.ten Geburtstag müssen alle drei gegeneinander antreten, um herauszufinden, wer die zukünftige Königin von ganz Fennbirn wird.

Katharine wird zur Giftmischerin ausgebildet und steht gerade vor ihrer schwersten Prüfung, in der es um Leben und Tod gehen wird. Mirabella ist eine Elementenwandlerin geworden und Arsinoe soll eigentlich die Natur beherrschen. Nicht jede von ihnen scheint schon reif zu sein für den großen Kampf um die Krone. Und die Mädchen werden von einer Vielzahl von mehr oder weniger wichtigen Nebendarstellern umschwirrt, die nicht alle nur Gutes mit ihnen im Sinn haben.

Man merkt dem Buch an, dass es sich um einen ersten Teil handelt und die Autorin ein paar, für mich typische, Fehler macht. Sie hat eine komplexe Welt erschaffen und versucht sie dem Leser auf spannende Weise näherzubringen. Aber dabei findet sie nicht immer das richtige Maß für die Fülle an Informationen und das Tempo, in dem die Geschichte dabei dennoch fortschreiten sollte. Einerseits lässt sie sich sehr viel Zeit und es zieht sich etwas, bis die Spannung ab der Mitte langsam in Gang kommt. Andererseits lässt sie ziemlich viele Fragen unbeantwortet und nicht alle Strukturen in Fennbirn und Handlungen der Protagonisten sind für mich klar und nachvollziehbar.

Die Idee von drei gleichwertigen Hauptdarstellerinnen weckt den Wunsch, dass auch alle drei gleichwertig in der Handlung eingesetzt werden. Dadurch zerfasert die Geschichte aber zwangsläufig und die Mädchen bleiben etwas blass in diesem ersten Band. Hervorheben muss man positiv , dass der Roman versucht, die gröbsten Stereotypen solcher Geschichten zu umschiffen. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber die Art und Weise, wie hier Herzensangelegenheiten erzählt werden, ist überraschend und vielversprechend zugleich.

Das Cover ist sehr ansprechend und der Sprachstil passend für die Zielgruppe junger Erwachsener. Auch wenn ich nicht so rund rum zufrieden war, so habe ich die Geschichte doch gerne gelesen und möchte unbedingt wissen, wie es mit den drei Schwestern weitergeht.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

fantasy

Das Erbe der Seher

James Islington , Ruggero Leo
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426520956
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit „Das Erbe der Seher“ legt James Islington seinen Erstlingsroman vor – und es ist gleichzeitig auch der Einstieg in eine neue Fantasy-Reihe. Da ich immer auf der Suche nach Autoren bin, die mir die Zeit zwischen den Tad-Williams- und George-Martin-Romanen versüßen und Brandon Sanderson ja nicht NOCH mehr schreiben kann, war ich gespannt, wie sich die Licanius-Saga anlässt.

Leider wäre ich schon fast über den Anfang gestolpert, denn nach einem sehr verwirrenden Prolog startet die Geschichte von Davian und seinen Freunden Werr und Asha etwas langatmig und ohne großen Aha-Effekt. Islingtons Erzählstil ist einfach und deshalb gut lesbar, allerdings auch ohne große Raffinesse. Aber dafür ist das Konstrukt seiner Welt ziemlich kompliziert und ehrlich gesagt hat es ziemlich lange gedauert, bis ich kapiert habe, wie hier alles so läuft und wo die Reise hingehen soll. Das ist ja mal prinzipiell nicht schlecht, denn ich mag es, mich in eine neue Fantasywelt reinzuarbeiten. Aber an mancher Stelle hatte ich den Eindruck, dass er zu verworren oder absichtlich nur bruchstückhaft erklärt, um den Leser lange im Ungewissen zu halten und Geheimnisse zu errichten, die gar nicht so geheimnisvoll sind. Dabei lässt er schon mal Begriffe unerklärt oder die Protagonisten berichten von Geschehnissen, die der Leser leider bis zum Ende des Buches nicht richtig einordnen kann.

Die jugendlichen Helden sind mit all den auch aus anderen phantastischen Büchern bekannten Inkredenzien zusammengerührt. Davian ist unsicher wegen seiner magischen Kräfte und seiner Bestimmung. Werr und Asha haben anfangs um einiges mehr Elan und Espirt als Davian und ergänzen sein etwas zögerliches Wesen. Der Autor versucht seine Helden von vielen Seiten zu beleuchten. Es gibt viele Dialoge im Buch; etwas, was ich immer sehr schätze. Allerdings hapert es für mich noch etwas an einem groß angelegten Spannungsaufbau und ich wurde bis weit über die Mitte des Romans vertröstet, bis sich endlich abzeichnete, welchen Weg der Autor mit seiner Geschichte einschlagen will. Natürlich handelt es sich um eine Reihe – oder Trilogie. Das man da mit seiner Munition vorsichtig umgeht und sich noch den ein oder anderen Schuss für die Fortsetzung aufhebt ist klar. Aber wenn ich den Vergleich ziehe, zu den oben bereits erwähnten Autoren, dann ist zwar das Setting einigermaßen interessant aber der erste Band ist für nicht wirklich gelungen, da er zu viel Ausdauer und Langmut von mir verlangt hat und bis jetzt nicht mit großen Überraschungen oder wirklich neuen Ideen punkten konnte. Solide aber für mich nicht ganz vier Sterne.

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

kochbuch, kochen, einfach, gemüse, fleisch

Smart Cooking

Björn Freitag , Hubertus Schüler
Fester Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.04.2017
ISBN 9783954531288
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Kochbuch „Smart Cooking“ von Björn Freitag ist ein solides Kochbuch.

Foodphotos und Aufmachung: Das Buch ist gut strukturiert und sehr gut zu handhaben durch die logischen Kapitel und der Einteilung – eine Doppelseite pro Rezept. Die Fotos sind natürlich und sehr realistisch. Auch in einer normalen Durchschnittsküche kann man gut zu diesen Ergebnissen kommen. So etwas finde ich immer wichtig, denn übertrieben künstlerische Fotos depremieren, wenn man das eigene Kochresultat vor sich hat und es nicht mithalten kann. Außerdem finde ich es positiv, dass die Rezepte im Mittelpunkt stehen und nicht der Koch und Autor.

Rezeptauswahl: Die Rezepte sind zum Großteil sehr einfach nach zu kochen und entsprechen wirklich den Vorgaben von Björn Freitag. Schnell und mit wenig Zutaten. Teilweise sind sie etwas exotisch aber viele auch durchaus Hausmannskost. Hier wird jede Geschmackrichtung bedient. Fleisch- und Gemüseesser ebenso wie asiatische oder deutsche Küche. Alles drinnen. Die Erklärungen sind gut und strukturiert und auch Anfänger werden damit zurechtkommen.

Fazit: Ein schönes Kochbuch welches ich jungen Leuten, ungeduldigen Köchen und Studenten empfehle. Manchmal waren mir die Gerichte zu einfach und manche Kombinationen fand ich nicht nach meinem Geschmack. Aber es hatte durchaus ein paar gute Anregungen und ich habe für mich einiges gefunden, was ich mal so oder so ähnlich ausprobieren werde

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

mord, schweden, stockholm, psychothriller, spannung

Wenn das Eis bricht

Camilla Grebe , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2017
ISBN 9783442757176
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da ich die Vorgängerromane vom Autorenduo Camilla Grebe ja schon kenne, hatte ich schon genaue Vorstellungen von diesem Roman, um nicht zu sagen Vorfreude. Auch wenn es keine direkte Fortsetzung ist – also keine Reihe – bin ich gut in die Geschichte reingekommen und die Personen wurden mir nach und nach sehr gut erklärt. Es geht nicht nur um eine Psychologin, in einer Rolle, sondern der ganze Roman ist ziemlich psychologisch. Das sollte man vielleicht wissen, wenn man zu Büchern der beiden greift. Es sind keine richtigen Thriller und der Spannungsaufbau ist auch teilweise etwas gemächlich. Aber gerade diese psychologische Komponente schätze ich sehr.

Der – bzw. die Morde – sind typisch nordisch, etwas bizarr. Da werden schon mal Leichen enthauptet und seltsam drapiert. Das wird beschrieben ist aber nicht Dreh- und Angelpunkt. Die Frage, ob ein 10 Jahre zurückliegender ähnlicher Fall mit dem neuen zu tun hat, beschäftigt auch den ermittelnden Kommissar Peter. Die Hauptdarsteller hatten mal eine Beziehung die in die Brüche ging. Beim dritten Erzählstrang um eine junge Verkäuferin ist anfangs unklar, wie er mit den Morden zusammenhängt. Auch hier ist viel Leid und Kummer und seelische Verwicklungen.

Die Kapitel sind relativ kurz und die häufig wechselnden Perspektiven verlangen Aufmerksamkeit geben aber auch der Geschichte den nötigen Effect. Am Ende werden die losen Enden miteinander verbunden und es kommt zu einem Finale mit Action und teilweise überraschenden Wendungen.

Ich wurde gut unterhalten und fand, dass die 600 Seiten flott zu lesen waren. Leseempfehlung.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

thriller, medizin, arzt, fortschritt, mysti

Die Anatomie des Teufels

Jordi Llobregat , Stefanie Karg
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 25.04.2017
ISBN 9783764506117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Leiche des Mediziners Amat wird verstümmelt von zwei Fischern aus dem Wasser gezogen. Sein Sohn Daniel, der in Oxford gerade eine Professoren-Stelle angenommen hat, kommt zur Beerdigung zurück nach Barcelona. Ein Familienzwist hatte ihn einst vertrieben. Umso mehr möchte er jetzt den Tod seines Vaters aufklären. Er lernt den Journalisten Bernat Fleixa kennen, der mit dem Arzt eine unheimliche Mordserie in der Stadt aufklären wollte. Da es sich vor allem um Prostituierte handelt, konnte die Polizei die Taten bis jetzt vor der Öffentlichkeit weitgehend herunterspielen und geheim halten. Die Verstümmelungen der Opfer deuten anfangs eher auf ein wildes Tier hin und würden die Stadtbevölkerung sicher in Angst und Schrecken versetzen.

„Die Anatomie des Teufels“ ist der Erstling des spanischen Autors Jordi Llobregat. Die damalige Zeit ist aus heutiger Sicht eine, in der der Unterschied zwischen arm und reich, zwischen aufkommender Moderne und rückständiger Vergangenheit groß war. Während die Stadtregierung die letzten Vorkehrungen für die anstehende Weltausstellung trifft, ist nur ein paar Straßen weiter das Elend und der Tod präsent, leiden die Menschen Hunger und sterben an Typhus und Tuberkulose. Diese Gegensätze beschreibt Llobregat ausführlich und in einer lebhaften und sehr angenehm zu lesenden Sprache. Vor allem Daniel wird einem dabei sehr schnell sympathisch. Der kluge, empfindsame junge Mann und der etwas heruntergekommene Reporter sind ein ungleiches aber darum umso interessanteres Ermittlergespann. Auch der Glaube an ein tierisches Monster als Täter und die aufkommende forensische Pathologie sind ein spannender Kontrast in diesem historischen Krimi. Der Plot ist dabei vielleicht nicht besonders trickreich aber logisch aufgebaut und lässt sich auch für die psychologischen Details des Täters angemessene Zeit der Erklärung und Beleuchtung.

Seltsam waren für mich zwei, drei kleine Sequenzen, in denen ich den Eindruck hatte, der Autor wäre etwas ins Phantastische abgeglitten. Aber vielleicht sollte das auch nur metaphorisch sein und ich habe es nur nicht ganz verstanden.

Ein gelungener Krimi mit einem tollen Setting in einer Zeit des Umbruchs, die ich gerade deswegen sehr in Romanen schätze. Für mich eine gelungene Neuentdeckung. 4,5 Sterne – wohlwollend auf 5 aufgerundet.

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

sylt, historischer roman, eifersucht, strandräuberin, www.die-rezensentin.de

Die Strandräuberin

Ines Thorn
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008986
Genre: Historische Romane

Rezension:

1711 ist das Leben hart auf Sylt. Die Natur ist karstig und widersetzt sich allen Versuchen, dort etwas zum Essen zu kultivieren. Also leben die Menschen vor allem vom Fisch- und Walfang. Und ist der mal schlecht gelaufen, dann hungern die Sylter in ihren windschiefen, ärmlichen Hütten und hoffen auf besseres Wetter und bessere Fangausbeute. Besonders schlimm trifft es immer die Frauen, die ohne  männliche Versorger überleben müssen. Auch Jördis und ihre Großmutter gehören zu diesen Überlebenskünstlerinnen, die sich vor allem mit dem Sammeln von Strandgut über Wasser halten und hi und da mal ein bisschen Geld für harmlose Runen-Orakel bekommen. Jördis freundet sich mit der Tochter des Pfarrers an, dem das Mädchen und seine Oma schon lange ein Dorn im Auge sind.

Dann verliebt Jördis sich in den Schmied Arjen – für den sich auch ihre Freundin interessiert - und möchte ihn heiraten. Da bricht ein Unwetter über der Insel herein und der Pfarrer sieht seine Chance gekommen das Unglück Menschen in die Schuhe zu schieben, die seiner Meinung nach den Missfallen Gottes heraufbeschworen haben.

Schon der Vorgängerroman von Ines Thorn, „Die Walfängerin“, hatte mich gefesselt. Und obwohl ich aus diesem bereits ein bisschen etwas vom damaligen Leben auf Sylt wusste, war ich doch wieder erschüttert unter welch unwirtlichen, ja meiner Meinung nach fast unmenschlich harten Bedingungen die Leute auf der Insel lebten. Die Vielzahl der Unbillen, die Einsamkeit, die Kälte, der Hunger und in diesem Buch auch der bigotte Pfarrer sind ein düsterer Rahmen für die Jugend zweier Mädchen und die erste Liebe, die sie leider für den selben Mann empfinden. Dieser Kontrast ist sehr ansprechend. Ebenso wie die eingestreuten Details über den alten Glauben an die Götterwelt der Asen und die Rituale und Bedeutungen der Runen. Das Buch ist eher schmal, aber die Geschichte so dicht und klar erzählt, dass sie mir ein ganz eigenes Bild vom Leben auf einer Insel gegeben hat und ich bei Bildern von Sylt jetzt immer an dieses kleine feine Buch denken werde.

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54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

häusliche gewalt, schuld, berlin, naturkundemuseum, erinnerungen

Museum der Erinnerung

Anna Stothard , Kathrin Bielfeldt
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 26.04.2017
ISBN 9783257300482
Genre: Romane

Rezension:

Cathy Müller arbeitet am Berliner Naturkundemuseum. Damit hat sie eigentlich ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, denn die Naturwissenschaften, die Fauna und Flora, sind ihr Leben. Mit ihrem Freund Tom verbindet sie Beruf und Hobby. Aber da gibt es noch die Vergangenheit, die scheinbar dunkle Schatten wirft. Ihren Freund Daniel, der ihr regelmäßig Objekte schickt und sich damit in unangenehme Erinnerung bringt.


Als Leser sitzt man mit Cathy in ihrem Museum, betrachtet die Welt mit ihren Augen, die liebevoll über Knochen und Insektenpanzer wandern, die die Schönheit in den vielfältigen Lebewesen sehen, die in unendlicher Sammelleidenschaft auch ihre privaten Erinnerungen mit dem Aufheben von Dingen ordnet und katagolisiert. Vor Tom hat sie bis jetzt die Probleme mit Daniel verborgen und auch der Leser erfährt nur Häppchenweise, was vorgefallen ist. Dadurch empfindet man lange einen bedrohlichen Unterton in der Geschichte. Man weiß nicht ob Daniel ein gefährlicher Salker ist oder nur ein unangenehmer Verflossener. Die Lage spitzt sich zu, als er plötzlich bei einer Preisverleihung vor ihr steht.


Das Buch ist angenehm zu lesen aber ich habe mich trotzdem etwas schwer getan damit. Die Menschen blieben mir irgendwie fern, obwohl vor allem über Cathy und ihr Innenleben einiges erzählt wird. Da ging es mir ähnlich, wie ihrem Freund, der sie auch nicht wirklich kannte. Faszinierend waren eher die Frage-Antwort-Spiele zwischen Tom und Cathy und das Erlebnis des Museums und seiner Exponate als die Handlung, die mir etwas zu zäh und unschlüssig war.

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(100)

176 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 91 Rezensionen

historischer roman, ottonen, otto der große, rebecca gablé, mittelalter

Die fremde Königin

Rebecca Gablé , Jürgen Speh
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 27.04.2017
ISBN 9783431039771
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer Rebecca Gablé kennt, und wie ich als eine der besten deutschen Autorinnen auf dem Histo-Sektor schätzt (wenn nicht gar die Beste), der weiß, dass man nicht viel falsch macht, wenn man sich das neueste Buch von ihr kauft. Nach der erfolgreichen Waringham-Serie hat sie mit „Die fremde Königin“ nun den zweiten Band ihrer Reihe um Otto I. geschrieben. Und sie bringt einen neuen Hauptdarsteller ins Spiel, nämlich den Bastard Gaidemar, der zwar ahnt, dass er väterlicherseits familiäre Bande zur Königsfamilie hat, aber nicht weiß, wer seine kurz nach der Geburt verstorbene Mutter war. Ohne eigenes Land oder finanzielle Mittel, und ohne einen klangvollen Namen, kann er nur seine herausragende Leistung als Panzerreiter für sich sprechen lassen. Genau deshalb wird er ausersehen, Adelheid, die verwitwete Königin von Italien, aus einer misslichen Lage zu befreien und zu König Otto I. zu bringen. Dies gelingt ihm vortrefflich und während er sich Hals über Kopf in die edle, für ihn unerreichbare, Dame verliebt, heiratet diese recht bald den König. Was anfangs eine kalkulierte Verbindung gewesen sein mag, wird bald zu einer harmonischen Ehe, in der sich Adelheid und Otto gegenseitig durch kluge politische Schachzüge unterstützen. Schnell stellen sich auch die ersten Kinder ein. Liudolf, der Erstgeborene aus Otto’s erster Ehe, kann sich für seine Stiefmutter nur bedingt erwärmen und glaubt, dass sein Vater ihm das Erbrecht für die Königswürde vielleicht vorenthalten könnte. Daraus entsteht ein Familienstreit, wie er wohl für die damalige Zeit nicht unüblich unter den europäischen Herrscher war. Als schließlich die gefürchteten Ungarn und Slawen ins Reich einfallen, spitzt sich die Situation immer mehr zu.

Der Vorgänger, das Haupt der Welt, war und ist unübertroffen mein Lieblingsbuch von Rebecca Gablé. Tugomir und Tankmar waren einfach ein tolles Team. Zumindest Tugomir erscheint aber nach einer Weile auch in diesem Buch auf der Bildfläche. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn seine Rolle nur klein aber fein war. Gaidemar ist weit weniger sperrig. Er bekleidet von Anfang die Rolle des Helden par exellance. Er ist seinem König und seiner Königin treu ergeben; auch wenn er dafür den besten Freund fallen lassen muss. Er ist mutig und ritterlich, selbstlos und zurückhaltend. Dabei gutaussehend, stark und nie überheblich. Ein toller Mann; vielleicht manchmal ein bisschen glatt. Gegen Ende hat er noch ein, zwei Szenen, die zeigen, dass er nicht immer der Saubermann sein kann; aber im Großen und Ganzen ist er fast zu gut für die Welt. Da sind die edlen Herrschaften wie Otto, Adelheid und vor allem Kirchenfürsten wie Wilhelm, etwas spannender, weil facettenreicher in ihren Charakteren. Ziemlich lange hängt Gaidemar auch der unerfüllten Liebe seiner Königin nach, bis sich auch für ihn andere Perspektiven ergeben.

Noch mehr als im Vorgängerroman, versucht die Autorin die politischen Verwirrspiele der Adligen zu erzählen und dem Leser geschichtliches Wissen zu vermitteln. Dass man dabei nicht gänzlich den Überblick verliert, ist ihrer klugen Erzählweise zu verdanken. Denn wer hier mit weg koaliert, wer wen über den Tisch ziehen will, wer wo gerade mal regiert, wessen Bruder und Cousin mit wem unter einer Decke steckt, das ist schon ein großes Hin und Her gewesen und neben Ehre und Treue gibt es auch jede Menge Verrat, gebrochene Schwüre, Bruderzwist und Hass und Neid.

Ich habe das Buch, wie alle Bücher von Frau Gablé, verschlungen. Es war im besten Sinne spannend, unterhaltsam und lehrreich zugleich. Auch wenn es für mich nicht ganz an den Vorgänger herangekommen ist – auch weil ich einfach ein Tudomir-Fan bin - so vergebe ich dennoch die volle Punktzahl. Denn es war rundherum ein Vergnügen und jedem Leser nur wärmstens ans Herz zu legen.

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(84)

247 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

magonia, mariadheadley, schiff, magoni, vögel

Magonia

M. D. Headley , Julia Walther
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.04.2017
ISBN 9783453270176
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inzwischen passiert es ja nicht mehr so häufig, da ich weiß, dass das Aussehen alleine nicht ausreicht für eine tolle Geschichte. Aber das Cover von Magonia war eigentlich der Grund, mich überhaupt für dieses Buch zu interessieren. Und so magisch wie diese Feder, die sich in lauter kleinen Vögeln auflöst, so magisch ist tatsächlich die Story. Aza leidet seit ihrer Kindheit an einer schweren Lungenkrankheit. Und obwohl ihr Freund Jason und die Ärzte alles versuchen stirbt sie schließlich daran. Aber als sie erwacht ist sie in den Wolken im Land Magonia und angeblich war sie nur wenige Tage fort und eigentlich die Tochter einer anderen Frau. Bald erkennt Aza, dass sie sich entscheiden muss, denn die Erde, wie sie sie 16 Jahre erlebt hat wird bedroht von der Welt in den Lüften. Welche Mutter, welche Eltern sind ihr wichtiger, welche Welt ist die ihre, wird sie Jason widersehen und kann sie ihm erklären, dass das fremde Mädchen im Innern immer noch Aza ist, die er kannte und liebte?

Das Buch ist für ein Jugendbuch wohltuend anspruchsvoll. Der Schreibstil richtet sich nicht unbedingt an 14-Jährige. Das fordert die Jugend und gefällt sicherlich den Erwachsenen. So etwas mag ich sehr gerne. Auch der Plot ist nicht eindimensional auf die Liebe zwischen zwei jungen Leuten fixiert. Hier prallen Welten aufeinander und Aza ist mitten drinnen und ringt um eine Entscheidung. Vor allem die Existenz von Magonia wird plausibel erklärt. Einige Ereignisse in der Weltgeschichte basieren auf dieser phantastischen Welt. Das Wetter wird dort oben ja bekanntlich auch gemacht. Jason und Aza sind ein tolle Paar. Sie vertrauen einander von Anfang an und es gibt kein Beziehungs-Hin-und-Her und Gott sei Dank auch keine Dreiecksgeschichte. Das Ende ist relativ offen, finde ich. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier noch eine Fortsetzung gibt. Die würde ich auch sehr gerne lesen.

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(36)

56 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

wien, krimi, nachkriegszeit, mord, historischer krimi

Der zweite Reiter

Alex Beer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Limes, 27.03.2017
ISBN 9783809026754
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als Fan der Nachkriegsromane von Cay Rademacher hat mich diese neue Krimireihe brennend interessiert. Handlungsort ist zwar Wien – und es handelt sich um den ersten und nicht den zweiten Weltkrieg - aber die Lebensumstände, in denen die Menschen sich befinden, erinnern stark an das zerstörte Berlin. Hunger und Beschaffungskriminalität sind an der Tagesordnung. Viele Männer kehren als Invaliden aus dem Krieg zurück.  Eigentlich gehört August Emmerich auch zu ihnen. Aber er verbirgt seine Verletzung und wird so wieder in den Außeneinsatz bei der Kriminalpolizei geschickt. Zusammen mit seinem Kollegen Ferdinand Winter ermittelt er alsbald in einem Mordfall. Anfangs ist von Selbstmord die Rede. Aber Emmerich hat ein Gespür dafür und weiß bald, dass etwas ganz Anderes dahinterstecken muss.

Mir hat die Geschichte ausnehmend gut gefallen. Zum einen liegt das am Erzählstil der Autorin. Ich dachte ja erst, es wäre ein Mann, der hier die manchmal sarkastisch-scharfe Schreibfeder geführt hat. Nachdem ich eines Besseren belehrt wurde finde ich, sie hat die männlichen Figuren sehr treffend und realistisch gezeichnet und dabei noch die ein oder andere Frauenfigur eingefügt, die mir ans Herz gewachsen ist. Außerdem schafft sie es, einen spannenden Plot mit einem stetig ansteigenden Spannungsbogen zu erzählen.

Man merkt dem Buch die intensive Recherche an. Im positiven Sinne, denn die geschichtlichen Fakten werden sehr unterhaltsam und unaufdringlich mit der fiktiven Handlung verwoben. Ich würde mich freuen, bald wieder von dem Wiener Ermittlerduo lesen zu dürfen. Für Liebhaber von Gereon Rath kann ich es auch gepfehlen.

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(43)

95 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

thriller, fiona cummins, der knochensammler, die ernte, knochenkrankheiten

Der Knochensammler - Die Ernte

Fiona Cummins , Birgit Schmitz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 23.03.2017
ISBN 9783651024991
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei Thrillern bin ich von Autoren wie Robotham oder Coben ziemlich verwöhnt. Ich hatte außerdem eher mit einem Kriminalfall gerechnet, als einen Psychothriller, die mir selten liegen. Die Autorin ist bemüht, allen Charakteren viel Raum zu geben und ihre Gefühle und Gedanken aber auch ihr Verhalten und ihren Tagesablauf sehr genau zu schildern. Dabei verfranst sie sich aber zumindest in der ersten Buchhälfte oft ziemlich in Nichtigkeiten und Alltagsgeschehnissen, die mit dem eigentlichen Kriminalfall meiner Meinung nach wenig zu tun haben.

Gestört hat mich außerdem, dass bis auf die beiden Kinder, die ja auch die Opfer sind, keine Person mir wirklich sympathisch war. Weder die Eltern noch die sehr seltsame und farblose Ermittlerin konnten mein Interesse wecken. Der Knochensammler selber war wie viele Serienmörder vorher ein Psychopath mit schweren Störungen. Allerdings fand ich ihn trotz allem weit weniger gruselig als andere Herren dieses Kalibers. An einen Lecter kommt er sowieso nicht ran.

Das Finale ist etwas viel Action und Überraschendes. Hier treffen einige Faktoren zusammen, die dem Mörder in die Hände spielen und in der Summe überzogen und teilweise unnötig wirken. Auch wird eine ziemlich breite Brücke zu einem zweiten Teil geschlagen und das Ende ist eigentlich offen und dadurch nicht besonders zufriedenstellend für mich gewesen.

So ganz konnte mich dieser Erstling leider nicht überzeugen.

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(137)

330 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 100 Rezensionen

fantasy, liebe, finsternis, jugendbuch, märchen

Königreich der Schatten: Die wahre Königin

Sophie Jordan , Barbara Imgrund
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 06.03.2017
ISBN 9783959670708
Genre: Fantasy

Rezension:

Vor 17 Jahren hat irgendetwas die Welt von Relhok verändert. Seitdem herrscht eine lange rabenschwarze Nacht, die jeden Tag nur von einer Sonnenstunde unterbrochen wird. In der Dunkelheit sind hungrige Finsterirdische unterwegs, die alles in die Tiefen der Erde ziehen, was sie an Lebendem finden können. Außerdem wurde das herrschende Königspaar ermordet und nur mit viel Glück konnte eine königstreue Amme die neugeborene Tochter retten und mit Hilfe eines Soldaten in Sicherheit bringen. Die beiden verstecken das Kind weit weg in einem Turm vor den Augen des neuen Herrschers. Luna, die trotz einer Behinderung zu einem klugen und neugierigen Mädchen herangewachsen ist, rettet einem jungen Mann im Wald das Leben. Fowler erweist sich bald als nützlich, denn die Häscher des Königs sind Luna nach so vielen Jahren auf der Spur und als sie fliehen muss hilft er ihr und zusammen können sie fürs Erste entkommen.

Die wahre Königin ist der erste Band im „Königreich der Schatten“. Das etwas märchenhaft anmutende Setting hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Es war eine Mischung aus vielen Versatzstücken vieler Geschichten. Von Rapunzel bis zu Zombieromanen lässt sich hier so einiges finden. Im Laufe der Geschichte musste ich leider feststellen, dass Frau Jordan die Zügel nicht immer so richtig in der Hand hielt. Soll heißen, dass es für mich einen ständigen Tempowechsel gab der den Lesefluss störte und sehr viele Fragen aufwarf, die mir zu keiner Zeit beantwortet wurden. Es gab schöne und gehaltvolle Abschnitte und auch einige, die eine große Spannung aufbauten. Die wirklich spannenden Szenen waren dann aber immer etwas abgehakt und für meinen Geschmack viel zu kurz gehalten. Das Potential verpuffte meistens in wenigen Sätzen und ließ mich etwas ratlos zurück. Weder die Aktionen der Protagonisten noch ihre Gefühle und Motivationen waren außerdem so richtig ausgearbeitet. Natürlich konnte man dadurch jede Menge rein interpretieren. Aber mir mangelte es an vielen Stellen an einer soliden Beschreibung und schlichtweg an Handlung. So blieben die beiden für mich trotz aller Sympathiepunkte etwas blass und die plötzliche und überraschende Tiefe ihrer Liebe für mich nicht nachvollziehbar.

Fazit: Die Geschichte bietet viele Möglichkeiten, die die Autorin im ersten Band aber leider nicht ausreichend genutzt hat. Ich hatte das Gefühl, als hätte sie keine Zeit gehabt und wolle zu einem schnellen Ende kommen. Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen und für Jugendliche und jung Gebliebene gleichermaßen passend. Also ein Buch welches sich schnell und problemlos lesen lässt aber keinen tiefen Eindruck bei mir gemacht hat.

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(93)

137 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 87 Rezensionen

fantasy, osten ard, tad williams, high fantasy, das herz der verlorenen dinge

Das Herz der verlorenen Dinge

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608961447
Genre: Fantasy

Rezension:

Über 20 Jahren ist es her, dass Tad Williams Leser auf der ganzen Welt mit seinem Osten-Ard-Zyklus begeistert hat. Fast genauso lange lagen ihm seine treuen Fans in den Ohren, doch etwas Neues aus diesem Fantasyuniversum zu schreiben. Und was wir alle kaum zu hoffen gewagt hatten, ist endlich geschehen. Für Herbst ist der erste Band einer neuen Reihe angekündigt, in der wir tatsächlich Simon, Miriamel, Binabik und all die andere, liebgewonnen Figuren wiedertreffen werden. Als Appetizer darauf - und laut Verlag als Einstieg für Osten-Ard-Neulinge - ist nun „Das Herz der verlorenen Dinge“ erschienen.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass dieser mit 330 Seiten recht knapp gehaltene Zwischenband eher wie eine Ergänzung zu den Geschehnissen am Engelsturm daherkommen würde. Immerhin spielt es nur ungefähr ein Jahr nach den letzten Geschehnissen. Ineluki ist vernichtet und die Nornen auf der Flucht in ihre letzte Bastion in den Bergen. Isgrimnur wurde abkommandiert sie zu verfolgen, wenn möglich zu vernichten. Auf ihrem Rückzug kommt es zu immer neuen Gefechten. Die Weißfüchse sind nur noch wenige, aber sie kämpfen mit unglaublicher Härte und Geschicklichkeit und viele menschliche Kämpfer müssen ihr Leben lassen und die Überlebenden sehnen sich danach, dass es ein Ende hat mit diesem fürchterlichen Krieg.

Das bekannte Personal beschränkt Tad Williams diesmal auf Isgrimnur und den treuen Kämpfer Sludig. Stattdessen werden mit Porto und Endri zwei einfache Soldaten vorgestellt, die stellvertretend für eine tapfere Truppe von RImmersmännern und Söldnern aus allen menschlichen Landen stehen. Die beiden Neuzugänge wachsen einem sehr schnell ans Herz. Aber der interessanteste Kniff ist die Art und Weise, wie Tad Williams in diesem Buch die Nornen darstellt. Er gibt ihnen diesmal sehr viel Raum und beleuchtet nicht nur ihre Beweggründe und ihre sozialen Strukturen, sondern er rückt einige Nornen in den Mittelpunkt der Geschehnisse, die durchaus Sympathiewerte erringen können und trotz ihrer Fremdartigkeit und ihrer seltsamen Rituale fast menschlich rüberkommen. Schnell kann man sich nicht mehr wirklich entscheiden, wer den letzten Kampf gewinnen soll.


Für mich war es wie ein Nachhause kommen in eine Fantasy-Serie, die mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist. Neben dem Herrn der Ringe meine absolute Lieblingsreihe und meine Erwartungen in den Augustband wurden durch dieses Buch hier noch hochgekitzelt. Denn er kann es tatsächlich. Das alte Feeling ganz schnell wiederaufleben lassen. Und dabei neue Wege gehen und Möglichkeiten eröffnen, wie es ab September weitergehen könnte.  Eigentlich war mir das Buch ja viel zu kurz, denn ich bin nach 300 Seiten gerade warmgelaufen. Und ich bin mir unschlüssig, ob Quereinsteiger auch nur annähernd so viel Vergnügen an dieser Geschichte haben, wie ich sie hatte und ob ihnen nicht doch sehr viele wichtige Informationen fehlen. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, doch eine kurze Einführung zu geben, in der ein paar Fakten und Daten beschrieben werden. Es gibt allerdings eine kurze Erläuterung über die Feenwesen. Das liest sich gut und ist als Einstieg nicht schlecht.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich, wenn es mit der Hexenholzkrone weitergeht.

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33 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

Schatten über Elantel

Brandon Sanderson , Karen Gerwig
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704359
Genre: Fantasy

Rezension:

Seit Sturmklänge und Elantris bin ich ein Sanderson-Fan. Ich finde, er gehört zu den wenigen Fantasyautoren, die richtig neuen Wind in dieses Genre gebracht haben. Seine Romane sind ein bisschen wie Parabeln der menschlichen Gesellschaft - mit ein oder zwei phantastischen Elementen -aber trotz unbekannter Wesen und fremder Völker doch immer fokussiert auf die Charaktere und die politischen und gesellschaftspolitischen Strukturen.

Auch in seinem neuesten Werk „Schatten über Elantel“ ist dies so. Er geht aber noch weiter und bringt diesmal Steampunk-Elemente, Wild-Wild-West-Flair und einen Krimi in die Geschichte mit ein. Das mutet auf den ersten Blick ziemlich schräg an und ich war gespannt, ob er den Spagat schafft. Außerdem wird das Buch angepriesen als Möglichkeit, in die Nebelgeborenen-Welt einzusteigen, die bereits in vorhergehenden Büchern eine große Rolle spielte.

Das Buch ist eigenwillig, wie seine Helden und seine Heldin. Man muss sich auf Sandersons Stil einlassen und ich könnte mir vorstellen, dass es ein Weilchen dauert, bis man als Quereinsteiger so richtig in der Welt angekommen ist. Sogar ich als Kenner der ersten drei Bücher dieser Fantasywelt war überrascht, dass Sanderson einen richtigen Zeitsprung gemacht hat, durch den sich auch die technische und gesellschaftliche Veränderung erklären lässt.

Mir hat die Geschichte gefallen. Ich mag es einfach, wie er seine Figuren beschreibt und ihnen spezielle aber auch widersprüchliche Eigenschaften und Charaktere gibt. Dadurch bleibt die Story überraschend und abwechslungsreich. Die Dialoge sind herrlich zu lesen und für mich immer ein Highlight in Sandersons Büchern. Ob es wirklich etwas für Neulinge ist, da bin ich unschlüssig. Es gibt schon einige Verweise auf zumindest den direkten Vorgänger. Und ich gestehe, dass ich kein Steampunk-Fan bin. Mir war nicht bewusst, dass die Welt sich in diese Richtung so stark weiterentwickelt hat.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

erzählungen, kurzgeschichten, der muschelsammler, anthony doerr

Der Muschelsammler

Anthony Doerr , Barbara Rojahn-Deyk
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 13.03.2017
ISBN 9783442733989
Genre: Romane

Rezension:

Von Anthony Doerr kannte ich bis jetzt das Buch „Alles Licht, das wir nicht sehen“ für das er berechtigter Weise den Pulizerpreis bekommen hat und Memory Wall, eine kleine Novelle, die mich gefesselt und begeistert hat und die mich in ihrer Kraft und Intensivität, aber auch in ihrer Wortgewaltigkeit und Sprachfreude sehr an sein Erstlingswerk, die Geschichtensammlung „Der Muschelsammler“ erinnert, die jetzt neu aufgelegt wurde und die ich jetzt endlich nachgeholt habe, da mir dieser tolle Autor damals noch durch die Lappen gegangen ist und ich ihn erst später für mich entdeckt habe.

Es handelt sich um 8 unterschiedlich lange Erzählungen, die, obwohl sie oberflächlich gesehen nicht zusammenhängen und auch vom Stil her immer etwas anders erzählt werden, so doch eines gemeinsam haben… sie überraschen den Leser mit Menschen, die normal und durchschnittlich scheinen und dann doch ungewöhnlich sind, so wie jeder Charakter und jeder Mensch etwas Einzigartiges hat – sei es eine Eigenschaft oder Eigenart oder ein bemerkenswertes Erlebnis – so sind sie doch auch sehr nah dran an der Wirklichkeit und in Kleinigkeiten findet man sich als Leser oft wieder und kann vieles nachempfinden, was die Protagonisten erleben. Die Beschreibungen sind wunderschön und so voller Leben und Weisheit, dass es mich gar nicht wundert, dass schon sein Erstlingsbuch viele Leser überzeugt hat. Ich bin wirklich kein Fan von Geschichtensammlungen und bei Doerr geht es mir noch mehr so, dass mir die Erzählungen viel zu kurz sind und ich mehr über die Darsteller und ihr Leben erfahren hätte wollen. Diese Unzufriedenheit zeugt aber in Doerr‘s Fall vor allem davon, dass ich von seiner Fabulierfreude und seiner Erzählkunst einfach wieder voll und ganz begeistert war und dem kleinen Büchlein nur meine unbedingte Leseempfehlung aussprechen kann.

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(117)

317 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

dystopie, infernale, liebe, sophie jordan, mördergen

Infernale – Rhapsodie in Schwarz

Sophie Jordan , Ulrike Brauns
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.03.2017
ISBN 9783785583692
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Infernale – Rhapsodie in Schwarz ist offiziell die Fortsetzung von Infernale. Aber gerade das sollte man sich nicht unbedingt erwarten – eine Fortsetzung der Geschichte, wie sie aus dem ersten Band bekannt ist. Ja, es gibt natürlich immer noch Davy, das Mädchen mit dem angeblichen Mördergen. Und ja, die Story geht fast nahtlos weiter, wo sie aufgehört hat. Davy auf der Flucht. Aber nichts bleibt so, wie es ist und der Leser muss sich auf etwas Neues einstellen und dazu gehört unter anderem auch, dass neue Protagonisten auftauchen und eine neue Liebesgeschichte erzählt wird, bei der die alten Darsteller dann weitgehend überflüssig werden.

Was mir gefallen hat: Sophie Jordan kann einfach ziemlich spannend erzählen. Sie trifft einen Ton, der junge Leute anspricht aber auch „ältere“ Leser fesseln kann. Außerdem wagt sie es, der Geschichte um Davy eine ganz andere Richtung und einen neuen Ton zu geben, den man so nicht erwartet hat und der Abwechslung und Überraschung verspricht. Und sie gibt Davy jede Menge Raum für Zweifel und Entwicklung.

Was mir nicht so gefallen hat: Dass eben gerade die liebgewonnenen Darsteller so schnöde abserviert werden. Dass das Gewicht für meinen Geschmack phasenweise zu sehr auf der Gefühlsduselei liegt und dass Davy ständig fast getötet wird. Dass die Dystophie in den Hintergrund tritt und der fanatische Umbruch der Gesellschaft nur noch am Rande Erwähnung findet obwohl doch Davy und ihre neuen Freunde gerade den vehement bekämpfen.

Fazit: Ganz kommt der zweite Band nicht an den ersten heran. Man muss sich auf den Bruch im Buch einlassen und vielleicht sogar so weit gehen, den ersten Teil ganz zu verdrängen. Dann ist es ein interessantes Jugendbuch. Am Ende wurde die Story ziemlich schnell  zu einem Ende gebracht und diesmal bin ich es zufrieden und brauche keine Fortsetzung. 3,5 Sterne auf 4 aufgerundet – gerade eben so.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

chicago, korruption, verrat, gefängnis, verpflichtung

Das zweite Leben des Nick Mason

Steve Hamilton ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.03.2017
ISBN 9783426304983
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mason ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Langzeitverbrecher. Er stiehlt, betrügt und lebt nach jeder Menge eiserner Regeln, die ihn schützen sollen. Dennoch landet er nach einem misslungenen Coup im Gefängnis. 25 lange Jahre muss er absitzen. Als nach vier Jahren der ausgefuchste Gangsterboss Darius Cole ihm einen Deal vorschlägt, willigt er ein, auch wenn er damit jede Menge seiner goldenen Überlebensregeln über Bord schmeißen muss. Aber er möchte unbedingt Frau und Tochter wiedersehen. Und Cole bringt ihn tatsächlich schon wenig später raus aus dem Knast, lässt ihn in ein luxuriöses Haus verfrachten und ein Handy in die Hand drücken. Jetzt gehört er mit Haut und Haaren Cole. Und er wartet auf einen Anruf. Auf den ersten Auftrag, mit dem er seine Freiheit bezahlen soll.

Aber leider entwickelt sich das Leben in Freiheit nicht so, wie er es sich erhofft hat. Weder nimmt ihn seine Ehefrau mit offenen Armen wieder auf, noch kann er so ohne weiteres seine Tochter besuchen. Und dann gibt es auch noch den ersten Auftrag von Cole und wie erwartet handelt es sich um einen Mordauftrag.

Steve Hamilton kenne ich schon aus der Zeit, als er seine Reihe über den Detektiv Alex schrieb. Schon da mochte ich seinen lakonischen Witz und die Art, wie er seine Helden schildert. Sie sind weder strahlend gut noch unverwundbar. Im Falle von Nick Mason ist es ein Dieb und Einbrecher, der unversehens in eine noch größere Misere schliddert, als er sie durch seinen langen Gefängnisaufenthalt schon erlebt hat. Bald sind ihm Polizei und FBI auf den Fersen und die Vereinbarung mit Gangsterboss Cole verspricht auch nicht unbedingt ein langes Leben in Ruhe und Frieden. Und als Leser fürchtet man, dass das Alles für Nick und die Menschen die ihm wichtig sind, kein gutes Ende nehmen könnte. Wobei man gleichzeitig auch hofft, dass der Autor doch noch ein Schlupfloch für seinen Hauptdarsteller parat hat und den Leser damit überrascht.

Ich wurde von der ersten Seite an in die Geschichte sogartig hineingezogen und kann sie nur jedem Thrillerfan wärmstens empfehlen.

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