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238 Bücher, 190 Rezensionen

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(103)

189 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 97 Rezensionen

mord, erinnerungen, roman, lügen, krimi

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist ein Verwirrspiel. Eines, in dem die Protagonisten aber auch der Leser über vieles im Unklaren gelassen werden und man lange nicht weiß, wo das alles hinführt, und wer die Wahrheit erzählt und wer lügt.

Das Rätselraten beginnt mit einem Manuskript des unbekannten Autors Flynn. Der Literaturagent Katz bekommt es zugeschickt und findet schnell Gefallen daran. Es ist geschrieben wie der Bericht eines Menschen, der ein lange gehütetes Geheimnis beichten möchte, vielleicht um sein Gewissen zu erleichtern. Aber ist es wirklich so oder ist es doch nur eine erfundene Geschichte, mit der Flynn Katz an der Nase herumführt? Es geht um den Mord an Professor Wieder. Es geht um die Liebe zu einer ungewöhnlichen Frau. Katz holt sich Hilfe von einem rechercheerfahrenen Reporter, der versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Ich war von der Leseprobe so angetan, weil mich der Schreibstil und die Art der Geschichte an Dickers Romane erinnerte, die ich zu meinen Lieblingsbüchern zähle. Auch die emotionalen Verwicklungen des jungen Mannes zu einer jungen Frau und zu dem Professor kamen mir bekannt vor. Ähnliche Strukturen wie in „Harry Quebert“. Ganz kommt der neue Autor aber für mich nicht an das „Vorbild“ heran. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir manches etwas zu hastig erzählt ist. Dennoch habe ich es sehr gerne und zügig gelesen und bin gespannt auf neue Werke dieses Schriftstellers.

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(44)

55 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 42 Rezensionen

schottland, 1869, krimi, culduie, repressalien

Sein blutiges Projekt

Graeme Macrae Burnet , Claudia Feldmann
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 08.02.2017
ISBN 9783958900554
Genre: Historische Romane

Rezension:

Roderick Macrae, ein 17jähriger Bauernjunge, tötet 1869 in einem kleinen schottischen Dorf drei Menschen, die in seiner Nachbarschaft schon seit vielen Jahren lebten. Das Buch ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern eine Art Faktensammlung, anhand derer beleuchtet wird, wie und warum es zu diesen Morden kam. Dabei wird auch über die Anfänge der Kriminalpsychologie und Gerichtsmedizin berichtet.

Das Buch ist in mehrere ganz unterschiedliche Abschnitte unterteilt. Zum einen werden die Aussagen der Zeugen und Dorfbewohner widergegeben, die jeder auf seine Art einen Grund für die Morde finden. Dann kommt der längste Abschnitt, in dem der Mörder selbst in einem selbst verfassten Text erst seine Lebensumstände beschreibt und damit dann auch Schritt für Schritt zur eigentlichen Tat kommt.

Abgerundet wird alles von einem Abschnitt über das tatsächliche medizinische Gutachten und dann der Ablauf des damaligen Prozesses.
Gefallen hat mir, dass dieser Mordfall aus so vielen Perspektiven beleuchtet wurde. Auch war es hochinteressant über das ärmliche, harte Leben der schottischen Landbevölkerung zu lesen. Kein Wunder, dass so viele immer wieder ihr Heil in der Auswanderung suchten, denn in Schottland selbst waren sie mittel- und rechtelos und hatten wirklich kaum Zukunftsaussichten.

Etwas unglaubwürdig fand ich, dass ein einfacher Bauernsohn so anspruchsvoll und hintersinnig erzählen konnte. Hier denke ich, dass etwas nachgeholfen wurde. Da stört mich insofern man mutmaßen kann, das auch die Aussagen des Jungen vielleicht nicht alle der Wahrheit entsprachen. Der Junge schien mir zu intelligent für Teile seines Handelns. Aber sei es drum.
Die Idee zu diesem Buch ist gut und die Ausarbeitung solide.

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(85)

151 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, roman, studium

Die Geschichte eines neuen Namens

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.01.2017
ISBN 9783518425749
Genre: Romane

Rezension:

Es geht weiter mit Lila und Elena. Und man darf auf keinen Fall eine leichte Lektüre erwarten, auch wenn die Mädchen kaum älter als 16 sind in diesem zweiten Teil der Familiengeschichte aus Italien. Es fällt mir schwer, zu ihnen eine Beziehung aufzubauen. Beide sind unreif und getrieben von dem Drang, ihre ärmliche Herkunft in den Slums von Neapel zu verlassen. Lila hat im ersten Band geheiratet und geglaubt, es so zu schaffen. Aber sie ist zu jung für die Ehe und ihr Mann betrügt und schlägt sie. Es läuft so gar nicht nach ihren Plänen. Von Glück und Harmonie keine Spur. Und auch Elena hat es schwer. Sie ist intelligent und strebt nach Karriere und Bildung. Aber auch das war zur damaligen Zeit – in den 60gern - nicht einfach für junge Frauen.

Neben den zwei Freundinnen spielen die großen weitverzweigten Familien und deren Verwicklungen ebenso eine große Rolle wie die sozialen und gesellschaftspolitischen Veränderungen.

Ferrante hat einen intensiven Erzählstil, der Aufmerksamkeit und Geduld erfordert. Die Hauptdarstellerinnen erwachen langsam aus ihren Jungmädchenträumen. Schade finde ich, dass ihre Freundschaft immer wieder durch Querelen und Neid gestört wird und mir über weite Strecken weder besonders innig noch besonders tragfähig erschien. Allerdings ist das sicherlich auch etwas ihrer Jugend geschuldet und die Vermutung liegt nahe, dass dies sich in den späteren Büchern noch entwickelt.

Im Gesamten fehlte mir die Spannung und die Zuneigung zu den Heldinnen. Auch war mir nie so recht klar, was die Autorin mir eigentlich mit dieser Geschichte sagen will, oder wo die Reise hingeht. Werden die Mädchen erwachsen und klüger? Werden sie ihr Glück noch finden? Werden sie sich in der Männerwelt behaupten oder untergehen? Oder wird es weiter so vor sich hinplätschern ohne dass die Frauen wirklich ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen?

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(54)

248 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

liebe, pferde, dressurreiten, london, scheidung

Im Schatten das Licht

Jojo Moyes , Silke Jellinghaus
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.01.2017
ISBN 9783499267352
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich schätze mal das 90 % der Leute, die diese Rezension lesen von Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“ kennen. Entweder das Buch oder den Film. Und die meisten finden die Geschichte toll und schwärmen als Lieblingsbuch davon. Aber ganz ehrlich. „Im Schatten das Licht“ ist noch eine ganze Ecke besser, finde ich. Obwohl es eines ihrer früheren Werke ist und 4 Jahre vor ihrem bekanntesten Buch geschrieben wurde, ist es handwerklich und emotional ein richtiger Knüller. Aber der Reihe nach.

Ich rate unbedingt dazu, den Klappentext gar nicht oder nicht so genau zu lesen. Denn leider verrät er viel zu viel vom Verlauf der Handlung.

Die 14-jährige Sarah hat nur noch ihren Großvater Henri und ihr Pferd Boo. Der Großvater war vor vielen Jahren in Frankreich ein erfolgreicher Reiter und versucht seiner Enkelin alles beizubringen, was sie wissen muss, um an einer französischen Dressurreitschule genommen zu werden. Aber dann erleidet er einen Schlaganfall und das Mädchen gerät zufällig in die Obhut der Anwältin Natasha, die gerade die Scherben ihrer gescheiterten Ehe zusammenkehrt. Mehr verrate ich absichtlich nicht, um euch die Spannung nicht zu nehmen.

Es ist eine Geschichte über die Liebe, über Sehnsüchte und Träume, über verpasste Gelegenheiten und neue Chancen… und auch eine über Pferde, die Liebe zu ihnen und das Dressurreiten. Aber es ist auch für alle lesbar die eben NICHT Reiten und für die ein Pferd nicht unbedingt das wunderbarste Wesen auf Erden ist. Dieses Buch muss man unvoreingenommen lesen und sich davon einsaugen lassen. Die Hauptdarsteller in diesem Buch sind glaubwürdig und voller Tiefe und Gefühl beschrieben. Sie agieren wie Menschen, die man kennen möchte, die man versteht, auch wenn sie Fehler machen. Mit denen man leidet und bangt, die einem ein Lachen entringen und ja, ich gebe es zu, mir auch zwei, drei Tränen entlockt haben. Das Buch hat einige sehr ergreifende Szenen, es scheut auch vor Herz und Schmerz nicht zurück. Dennoch hat mein Kitsch-Warngerät nie wirklich ausgeschlagen. Dazu war es einfach zu schön, zu spannend, zu lebendig. Klar weiß man, wie es ausgehen wird. Aber der Weg dorthin ist so schön beschrieben; Jojo Moyes findet die treffenden Worte für die wichtigen Dinge im Leben. Ich bin total begeistert von diesem Buch und empfehle es mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht.

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(1)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Außer sich

Courtney Summers , Friederike Levin , Cornelia Niere
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 30.01.2017
ISBN 9783407822161
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Buch beginnt eine ganze Weile nach der Vergewaltigung von Romy. Keiner hat ihr damals geglaubt. Sie war sehr betrunken und ihr Angreifer als Sohn des Sheriffs durch einen guten Leumund geschützt. Und es war seine erste Tat dieser Art. Zumindest ist Romy die erste, die ihn beschuldigt hat. Weil keiner ihr glaubt, baut sie einen inneren und äußeren Schutzschild um sich auf. Der äußere sind hässliche Klamotten, immer perfekter Lippenstift und Nagellack beides in abwehrendem auffälligen Signalrot. Ihr innerer Schutzschild ist u.a. die Ablehnung jedes anderen jungen Mannes, die Ablehnung von Hilfe und von Freunden und ein großes Schweigen über den Vorfall und ihren Schmerz. Auch die Mutter und ihr neuer Freund können oder wollen ihr nicht helfen.

Romy ist einsam und tief verletzt. Und obwohl man ihre Angst und ihre Verletzung mit Händen greifen kann, spürt man auch, dass sie stark ist und dass das Erlebnis sie nicht brechen konnte, auch wenn sie es nicht schaffte, sich beim ersten Mal zu wehren. Gerade als es scheint, als könnte sie zumindest teilweise einen Neuanfang beginnen, verschwindet Penny, die früher ihre beste Freundin war. Und Romy begreift, dass sie nicht weiter klein beigeben darf und dass die Drohungen des Sheriffsohnes und die Verachtung der Mitschüler nichts sind gegen das Verschwinden von Penny.

Die Autorin findet einen so authentischen und intensiven Ton, die Gefühle von Romy zu beschreiben, dass ich vom ersten Satz an von der Geschichte gefangen war. Mir gefiel die Idee, dass sie mit Signalfarben STOPP signalisiert. Mir gefiel ihre zarte Annäherung an den dunkelhäutigen Leon, der wie sie in einem Lokal jobbte. Mir gefiel die Art, wie Courtney Summers Romy’s Stärke und ihre wachsende Wut auf den Sheriffsohn beschreibt. Ich will nicht zu viel verraten, denn es ist wirklich spannend und beklemmend zugleich, zu lesen, wie Romy nach der Wahrheit sucht, wie sie sich auf ihre ganz eigene Art zu wehren versucht.

Es ist ein Buch, welches vom Verlag eine Altersangabe von 14-17 Jahren hat. Aber es ist ein richtiges All-Age-Buch. Ich bin schon weit über die Zielgruppe hinaus – und ich war begeistert davon. Ob ich es wirklich einer 14-jährigen schon in die Hand drücken würde, habe ich schon überlegt. Es ist teilweise sehr aufwühlend.

Von mir eine unbedingte Leseempfehlung. Ein tolles Jugendbuch. Ich hoffe, dass bald noch mehr von der Autorin übersetzt wird.

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(14)

59 Bibliotheken, 14 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

leserunde, weltraum, nicht nur für jugendliche, moby dick, südsee

Creature - Gefahr aus der Tiefe

Morton Rhue , Nicolai von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 24.01.2017
ISBN 9783473401505
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich fühlte mich zuallererst von dem wildromantischen Cover angezogen. Da habe ich noch nicht geahnt, dass hier das Buch „Moby Dick“ Pate für eine ganz neue Geschichte stand. Eine, die nicht auf der Erde spielt sondern auf einem fremden Planeten. Aber doch eine, die Parallelen sucht und mehr Ähnlichkeiten zu Melvilles Roman hat, als es auf den ersten Blick wohl scheint.

Man muss „Moby Dick“ nicht gelesen haben, um Gemeinsamkeiten zu finden. Ich kenne die Geschichte vom großen Wal natürlich. Aber ehrlich gesagt vom Film und Erzählungen, nicht vom Lesen des Buches. Aber es steht bei mir im Schrank und im Nachhinein habe ich ein paar Vergleiche angestellt. Und dennoch funktioniert Creature ganz eigenständig und das auch noch hervorragend. Das liegt zum einen an Morton Rhues tollem Schreibstil. Auch wenn das Buch ab 14 Jahren ist, so kann man es als Erwachsener sehr gut lesen und ist weder gelangweilt noch ist die Sprache zu kindlich. Das All-Age-Prädikat kann ich hier ohne Gewissensbisse vergeben. Zum anderen sind die Hauptdarsteller allesamt interessante und vielschichtige Charaktere, die trotz ihrer Jugend die nötige Tiefe besitzen, damit aus einer spannenden Abenteuergeschichte mehr wird. Nämlich eine Story, die von Freundschaft und Vertrauen handelt, von Angst und dem Mut sie zu überwinden, von Ungerechtigkeit, von einem harten Mann und Jugendlichen, die im entscheidenden Moment versuchen, das richtige zu tun.

Und es ist noch eine gehörige Portion Action dabei und die Prise SF ist so unterhaltsam in die Handlung verpackt, dass sie sich nicht mit der ganz profanen Jagd eines Meeresungeheuers auf einem einfachen Fangschiff reibt, sondern einfach nur Spaß zu lesen macht.

Ein tolles Jugendbuch, welches die Eltern doch gleich mitlesen sollten.

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(13)

38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

historischer roman, usa, äpfel, apfelplantage, familie

Der Ruf der Bäume

Tracy Chevalier , Juliane Gräbener-Müller
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 16.01.2017
ISBN 9783813507232
Genre: Romane

Rezension:

Tracy Chevalier hat einen ganz eigenen Erzählstil, den ich schon aus ihren allerersten Büchern, z.B. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“  sehr schätze. Unaufgeregt und als Meisterin der leisen Töne zeigt sie sich auch in ihrem neuen Buch „Der Ruf der Bäume“. Es handelt sich um eine generationsübergreifende Familiengeschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im ländlichen Nordamerika. Das junge Ehepaar Goodenoughs wagt die Planwagenreise in den verheißungsvollen Westen, kommen aber nur bis Ohio, wo sie schließlich eine kleine Apfelplantage gründen. Aber das Leben ist nicht leicht und schmerzliche Verluste und Streit bis hin zur Gewalt zerrütten die Ehe und belasten die ganze Familie. Dies ist auch einer der Gründe, warum Sohn Robert sein Glück in Kalifornien sucht. Er folgt dem Ruf der Mammutbäume und hofft dort auf mehr Glück.  Aber geprägt von seinen Kindheitserfahrungen ist er ein Mensch, der sich schwer mit Nähe und Vertrauen tut und auf andere Art ist auch sein Leben ein schweres.

Durch Briefe und Perspektiv- und Zeitsprünge erhält der Leser tiefe Einblicke in das Innere einer amerikanischen Familie. Die menschlichen Abgründe und Verwicklungen werden ebenso eindringlich wie nüchtern beschrieben. Die Tragik und Dramatik liegt in den Schicksalsschlägen, die die Familie erschüttern, auch in den Unbillen der Natur und den unerfüllten Wünschen der  Protagonisten, die letztendlich alle nicht aus ihrer eigenen Haut können.

Das Buch hat mich auf stille Weise gefesselt und begeistert. Ich mag den menschlich einfühlsamen Ton, den Tracy Chevalier auch dann trifft, wenn sie über die Schwächen der Protagonisten schreibt . Es ist ein ruhiges trauriges Buch. Ich habe es sehr gerne gelesen.

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(24)

62 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, bernhard hennen, mytisch pur!, lieblingsroman, packend

Drachenelfen - Himmel in Flammen

Bernhard Hennen
Flexibler Einband: 1.104 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.03.2016
ISBN 9783453268890
Genre: Fantasy

Rezension:

Hennen-Fans bekommen all das geboten, was sie an den Büchern dieses Autors seit vielen Jahren so schätzen und lieben. Drachen-Fans werden auch diesen Abschlussband der Drachenelfen-Reihe mit Freuden lesen und Elfen-Fans kommen ebenfalls voll und ganz auf ihre Kosten. Bleiben noch die ganz normalen menschlichen Fantasy-Leser. Und auch die können zufrieden sein mit dem „Himmel der Flammen“. Denn hier wird großes phantastisches Kopfkino geboten.

Natürlich MUSS man alle vier Vorgängerbände gelesen haben. Ein Quereinstieg ist hier nicht möglich. Außerdem braucht man gute Handgelenke, denn das Buch ist so dick, dass man beim Aufklappen und Halten durchaus Kraft braucht. Scherz beiseite. Die Menschen kämpfen gegen die Drachen und ihre Elfen. Ein Kampf der fast von der ersten Seite an hin und her wogt. All die liebgewonnenen Helden und all die liebgefürchteten Feinde sind mit von der Partie. Es gibt mehr als einen finalen Kampf und da ich beim Lesen dieser Saga ja immer wieder mal ambivalente Sympathien hatte, wogt auch in diesem Buch das Gefühlsleben, das Hoffen und Bangen, hin und her.

Wer die Elfen-Reihe kennt, wird in groben Zügen ahnen, wie der Kampf ausgeht. Aber es gibt so viele Charaktere, von denen ich nicht genau wusste, wie sie aus diesen Gefechten hervorgehen würden und ich habe für einige auf ein gutes Ende gehofft. Deshalb war dieser Roman für mich Himmel und Hölle zugleich. Natürlich endet nicht jede Erzählstrang so, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Autor hat kein Happy-End vorgesehen. Jedenfalls keines, in dem der Leser rundrum glücklich sein kann. Aber es ist eines, mit dem ich gut leben kann und ich stand danach vor meinem Bücherregal und nahm den ersten Elfenband zur Hand. Ist ja schon lange her und man kann diese Bücher gerne noch ein zweites Mal verschlingen. Jetzt ist die richtige Zeit dafür.

Fünf Sterne von mir. Hennen ist einfach einer unserer besten Fantasy-Autoren.

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(37)

130 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

historischer roman, london, historisches london, londo, goga

Das Haus in der Nebelgasse

Susanne Goga
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.01.2017
ISBN 9783453358850
Genre: Historische Romane

Rezension:

Matilda Gray ist eine Heldin so liebenswert und lebensnah, wie ich sie von  Susanne Goga kenne und schätze. Sie lebt im London des 20. Jahrhunderts das typische Leben einer jungen Lehrerin. Die durften ja damals nicht heiraten und da ihr einziger Bruder im Ausland im Kriegseinsatz ist, wohnt sie im Haus der verwitweten Mrs. Westlake, die sie mütterlich und hilfsbereit in allen Lebenslagen unterstützt und der ruhende Pol dieser Geschichte ist. Das seltsame Verschwinden einer ihrer Schülerin weckt Matildas Neugier und sie entwickelt einen Spürsinn und eine kriminalistische Schläue, die bald zu ersten Ergebnissen führen. Was folgt ist ein regelrechtes Krimi-Puzzle in dem Matilda mit Hilfe des sympathischen Dr. Fleming Stück für Stück der Lösung des Rätsels auf den Grund geht. Der Leser kann sie dabei wunderbar begleiten und mit ihr ein Abenteuer erleben, wie man es der braven Lehrerin erst gar nicht zugetraut hätte.

Die Inkredenzien dieses Romans sind wie immer fein ausgewogen. Neben den interessanten Haupt-Charakteren und den diversen, teils sehr amüsanten Nebendarstellern, quillt das nebelverhangene Flair des alten London aus jeder Seite und man gelangt in so manchen alten Keller und blättert auch mal in alten Kirchenregistern und schnuppert die Luft der Themse und der Londoner Universität gleichermaßen. Eine würzige Prise Geschichte gemixt mit Unterhaltung.

Das letzte Drittel zieht der Spannungsbogen gewaltig an und ich konnte das Buch kaum mehr zur Seite legen. Die bittersüße, zarte Liebesgeschichte passt harmonisch in die Geschichte und ist frei von Kitsch aber dennoch voller Gefühl.

Mein Fazit: Ein wunderbarer neuer Roman von Susanne Goga. Vergnügliche Lesestunden garantiert. Wie immer eine dicke Leseempfehlung und auch als Geschenk wunderbar geeignet.

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(101)

177 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 95 Rezensionen

thriller, entführung, psychothriller, trauma, helen callaghan

Dear Amy - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

Helen Callaghan , Heike Reissig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur, 10.01.2017
ISBN 9783426654200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dear Amy ist der Erstling von Helen Callaghan. Es handelt sich um einen Psychothriller. Angesprochen hat mich zu allererst das Cover. Es zeigt einen kleinen Bildausschnitt. Endlich mal keine blutigen Messer oder irgendwelches Getier, wie Käfer und Vögel usw. Es mutet fast etwas antiquiert an, aber im positiven Sinne.

Der Erzählstil ist in der Hauptsache in der ersten Person aus der Sicht von Margot Lewis. Der Leser weiß meist nicht mehr als Margot, manchmal weniger. Er kann dadurch gut miträtseln, wird auch mal in eine falsche Richtung geschickt.

Ist Katie, die Schülerin von Margot, entführt worden oder abgehauen? Ist der Brief wirklich von Bethan, die vor vielen Jahren verschwunden ist? Was haben die Mädchen miteinander zu tun? Wurden etwa beide entführt? Lebt Katie noch und kann Margot sie finden?

Über eine lange Zeit bleibt vieles mysteriös, rätselhaft, ja fast unlogisch. Als Leser und als Margot gibt es einfach zu viele Fragen und die Zusammenhänge scheinen verworren. Aber nach und nach wird ein Puzzleteil nach dem anderen hinzugefügt. Die Spannung baut sich langsam auf. Die Autorin kann sie bis zum Ende hin stetig steigern.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Margot ist ein Charakter, für den man sich schnell erwärmen kann. Das Schicksal der Mädchen interessiert den Leser und man leidet mit ihnen. Die mutmaßlichen Verdächtigen sind nicht eindimensional und der Plot wird zu logischen Ende gebracht.

Ein wirklich guter Psychothriller. Gerne mehr von dieser Autorin.

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(71)

73 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

low carb, kochbuch, lchf, diät, rezepte

Easy. Überraschend. Low Carb.

Bettina Matthaei , Oliver Brachat
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 02.12.2016
ISBN 9783954531127
Genre: Sachbücher

Rezension:

Low Carb heißt ja das neue magische Zauberwort auf dem Koch-Sektor. Es gibt ja immer wieder neue Trends. Nach Vegetarisch und Vegan jetzt Superfood und Low Carb. Das Buch von Bettina Matthaie eignet sich auf jeden Fall sehr gut als Einstiegshilfe und für erste Geh- sprich Kochversuche auf diesem Gebiet.

Die Einleitung ist relativ kurz und unspektakulär gehalten. Es werden die Grundsätze erklärt und auch darauf hingewiesen, dass es keine reine Diät sein soll und man nicht alleine aus der Menge der Kalorien sagen kann, wer wieviel abnimmt. Mir ging es auch nicht um eine Diät sondern um neue gesunde Ansatzpunkte für meinen Speiseplan. Dieses Kriterium konnte das Buch voll und ganz erfüllen, denn es gab jede Menge Neues zu entdecken.

Die Aufmachung ist sehr ansprechend. Jedes Rezept wird gut beschrieben und auch mit einem Bild abgerundet. Die Fotos sind ästhetisch und die Zusammenstellung der Gerichte ist nicht nur geschmacklich interessant sondern auch immer optisch ein Knaller. Hier wird mit Farben und Geschmacksnoten jongliert und dabei versucht, dem Körper die optimale Mischung an Nährstoffen und Fetten zuzuführen und möglichst auf Ballaststoffe zu verzichten.
Das Buch ist für mich ein Feue
rwerk neuer Ideen. Auch wenn ich mich sicherlich nicht sklavisch an die Rezepte und die Beilagen halten werde, ist es doch ein Volltreffer was Kreativität und Esprit betrifft.

Von mir eine unbedingte Kochbuchempfehlung für Leute, die aufgeschlossen und neugierig auf Neues sind.

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(92)

172 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 75 Rezensionen

dystopie, maze runner, jugendbuch, james dashner, prequel

Phase Null - Die Auserwählten

James Dashner , Ilse Rothfuss
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.11.2016
ISBN 9783551520777
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Alles nimmt hier seinen Anfang. In Phase Null – dem zweiten Prequel zur Reihe „Die Auserwählten“ von James Dashner, wird die Geschichte endgültig zusammengefügt. Das meiste ist dem Leser der Vorgängerbände natürlich schon bekannt. Und man weiß auch, wie alles einmal ausgehen und zu einem Ende findet wird. Aber dennoch macht es durchaus Spaß, dieses Buch zu lesen. Es ist einfach schön, Thomas noch einmal zu treffen und ihn so kennenzulernen, wie er vor all dem war. Als er noch Stefan hieß und es keine Cranks gab und ein Brand noch eine ganz andere Bedeutung hatte. Und dann der Ausbruch der Seuche und neben dem Entsetzen und der Angst der Menschen spürt man auch bereits, wie alles irgendwie aus dem Lot gerät. Die Menschlichkeit wird unwichtig, das Überleben der Spezies steht an erster Stelle und drängt alles andere zurück. Für Kinder und Jugendliche ist das schwer zu verstehen und die Härte, mit der die neuen Regeln durchgesetzt werden sind grausam und treffen Eltern und Kinder gleichermaßen.

Phase Null schreibt den Anfang dieser Dystophie und es hat seinen eigenen Charme, diese Vorgeschichte jetzt ganz am Schluss zu lesen. Neueinsteiger werden sicherlich die richtige Reihenfolge beachten aber es geht auch so. Mir gefällt der unaufgeregte und sparsame Erzählstil von James Dashner. Er spart nicht an Aktion und gibt seinen Helden dennoch Konturen und glaubwürdige Charaktere.

Für Neueinsteiger und Fans der Reihe gleichermaßen eine Empfehlung.

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(41)

56 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

münchen, krimi, historischer krimi, mord, 20er jahre

Wintergewitter

Angelika Felenda
Flexibler Einband: 438 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.10.2016
ISBN 9783518467190
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wintergewitter ist der zweite Teil der historischen Krimireihe um den Kommissär Reitmeyer. Die Fälle spielen in der Zeit zwischen den Weltkriegen in München. Eine harte Zeit für die Menschen, denn die Inflation sorgt für Armut und Hunger in Deutschland und deshalb zu jeder Form von Beschaffungskriminalität, wie Diebstahl, Hehlerei und ähnlichem. Aber es gibt auch Morde. Und zu Beginn des Romans muss Reitmeyer den Tod einer kleinen Schauspielerin klären. Scheinbar wurde sie mit Morphin getötet. Und es bleibt nicht die einzige Tote.

Reitmeyer ist ein typischer Mann seiner Zeit. Durch den ersten Weltkrieg immer noch traumatisiert versucht er sich ganz auf seinen Beruf zu konzentrieren und seine Familie zu ernähren. Die Nationalsozialisten haben gerade Aufwind aber eigentlich ist er mehr mit seiner Arbeit und sich selber beschäftigt.

Das Setting ist spannend und glaubwürdig geschildert. Außerdem spielt es in meiner Heimatstadt München und die ein oder andere Lokalität war mir durchaus vertraut und schuf dadurch eine zusätzliche Intensität. Aber sicherlich kommen auch jene Leser auf ihre Kosten, die andernorts zuhause sind. Ich mag den sperrigen Charakter des Hauptdarstellers und die leicht düstere Stimmung in diesem Roman. Außerdem hat Angelika Felenda eine kraftvolle und fast männliche Art zu erzählen. Man merkt dem Buch die Rechercheleistung an. Es entwickelt sich schnell gutes Kopfkino und die teils damals sehr mühsame Ermittlungsarbeit ist interessant.

Ganz heranreichen kann das Buch zwar nicht an die Kutscher-Romane aber ich empfehle es trotzdem sehr gerne weiter.

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(48)

74 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

thriller, afrika, frankreich, mord, paris

Purpurne Rache

Jean-Christophe Grangé , Ulrike Werner-Richter
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 11.11.2016
ISBN 9783431039641
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Grangé hat mich diesmal tatsächlich überrascht. Ist ja schon ewig her, dass ich eines seiner Bücher gelesen habe. Angelesen eigentlich. Es hat mir nicht so gut gefallen und ich hatte es damals abgebrochen. Die ersten zwei, drei waren noch Klasse, dann wurde es mir zu abgehoben. Krass blutig und die Täter und die Ermittler allesamt unsympathisch und der Horror. Aber ich bin der Ansicht, man sollte einem Autor immer eine zweite Chance geben. Und gut, dass sich das gemacht habe.

Purpurne Rache war ein wirklich guter Thriller. Die Morde waren ungewöhnlich, hart und grausam, beängstigend aber in der richtigen Dosierung. Der oder die Täter (genauer will ich es nicht verraten) waren hochmotiviert und ihre Motivation wurde gut aufgedröselt und beschrieben. In Thriller mit starken Ermittlungs-Elementen.

Der Hauptdarsteller bzw. die ganze Familie des erbittelnden Kommissars war ebenfalls einen zweiten Blick wert und hatte so manche Überraschung auf Lager. Dem Leser wird nicht langweilig dabei, die Morde aufzuklären und nebenbei das kurios-kaputte Familiengeflecht von Erwan kennenzulernen. Und hinter all dem steckt auch noch ein großer Plan, etwas, was weit in die Vergangenheit zurückreicht und auf einem fernen Kontinent spielt.

Das afrikanisch eingestreute Setting hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich, dass die Geschichte noch nicht ganz abgeschlossen ist - auch wenn der Fall erst mal in Frankreich geklärt wurde. Es geht weiter und ich werde auch die Fortsetzung unbedingt lesen.

Grangè hat mich diesmal überzeugt.

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48 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

china, liebesgeschichte, historischer roman, familie, goldmann challenge

Das Geheimnis der Schneekirsche

Lisa Marcks
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.12.2016
ISBN 9783442484805
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Buch war genau mein Beuteschema. Es beginnt im Jahre 1914. Selma Wallenstein ist Lehrerin aus Leidenschaft und gibt dies nur schweren Herzens auf, um zu ihren Eltern nach China ins ferne Tsingtau zu reisen, um dort ihre psychisch erkrankte Mutter zu pflegen. Mit ihrer Tante und ihrer Schwester landet sie in einer fremden Welt und nicht alles ist so, wie sie es sich erhofft hatte. Das überraschende Treffen mit ihrer Jugendliebe Paul verläuft kühl, ihr Vater hat sich sehr verändert und die Mutter lebt in ihrem Schneckenhaus und spricht mit niemandem. Auch gibt es einige Dinge, die Selma sich nicht erklären kann. Und dann bricht auch noch der erste Weltkrieg aus. Freunde werden zu Feinden und die Front rückt näher.

Vieles hat mir an diesem Buch gefallen. Die Autorin erzählt mit ruhigen Worten, gibt der Hauptdarstellerin viel Raum sich zu entwickeln. Im Vordergrund steht nicht die unerfüllte Liebe zu einem unerreichbar scheinenden Kerl, sondern das verzwickte Familienleben, der Wunsch von Selma zu helfen und zu lehren, ihre Neugierde und ihre Suche nach einer eigenständigen Identität. Sie muss sich gegen ihren Vater durchsetzen, gegen die Bürokratie im Schulwesen, gegen Vorurteile und Ignoranz. Interessant sind auch die diversen Zusammenstöße mit der fernöstlichen Kultur; mit chinesischer Medizin und Heilkunde, chinesischer Mentalität. Für meinen Geschmack hätte das gerne noch mehr sein dürfen. Überrascht hat mich, wie europäisch die kleine chinesische Stadt durch den Einfluss der Deutschen, Franzosen und Engländer war. Dazu gehörte natürlich auch das überhebliche Verhalten der deutschen Kolonialherren, welches sich auch in Selmas Vater gut widerspiegelte.

Eigentlich war auch Paul, die große Jugendliebe, verheißungsvoll und genau nach meinem Gusto. Leider kam der Held über weite Strecken des Buches nicht zum Zuge. Er war immer die unsichtbare Verheißung am Horizont. Es hätte mir gut gefallen, wenn Selma und Paul öfter aufeinander getroffen wären. Die Liebesgeschichte hatte durchaus noch mehr Potential. Andererseits war es dadurch eben kein reiner Liebesroman sondern mehr die Geschichte einer jungen Frau, die sich Anfang des letzten Jahrhunderts auf ihre ganz eigene Weise einen Weg zu ihrem Lebensglück erkämpft.

 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

wien, beate maly, historischer krimi, donauprinzessin, osmanen

Die Donauprinzessin und die Toten von Wien

Beate Maly
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.12.2016
ISBN 9783548287997
Genre: Historische Romane

Rezension:

Beate Malys historische Geschichten haben für mich eine große Eigenheit. Ich fühle mich immer sehr wohl darin. Das liegt an vielen Dingen. Die Hauptdarsteller – in diesem Fall hier Sebastian und Fanny – sind lebensecht und liebenswert zugleich. Ihre Lebensumstände werden plastisch geschildert und sind in einem Wien der Vergangenheit angesiedelt, welches einen gewissen Wiedererkennungswert hat und dennoch nicht den Charme einer fremden Welt entbehrt. Bei den beiden Romanen um die Donauprinzessin handelt es sich um Krimis. Es gibt also eine spannende Suche nach einem Mörder, an der der Leser sich durch viele Hinweise und Puzzleteile beteiligen kann. Trotz der Morde sind die Bücher nicht besonders gewalttätig oder blutig.

All diese Vorzüge hat „Die Donauprinzessin und die toten von Wien“. Man kommt problemlos in die Geschichte rein. Wenn man den Vorgängerband gelesen hat, hat man lediglich die zusätzliche Freude des Wiedertreffens alter Bekannte. Sebastian wird als Ermittler eingesetzt und muss nebenbei auch noch die Frau seines Herzens für sich gewinnen, wobei ihm vor allem letzteres anfangs leichte Probleme bereitet.

Aber, wie sollte es anders sein. Das Ende ist für mich sehr schön gewesen und keineswegs ein weichgespültes Happy-End sondern eines, bei dem man auf eine Fortsetzung hofft. Mein Fazit also: Eine Leseempfehlung für alle, die einen spannenden unterhaltsamen Histo-Krimi suchen.

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99 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

schottland, claudia winter, liebe, hochzeit, glückssterne

Glückssterne

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2016
ISBN 9783442485437
Genre: Liebesromane

Rezension:

Josefine ist seit 9 Jahren mit ihrem Chef liiert. Der hat ihr auf einem Post-it einen Heiratsantrag gemacht und in drei Wochen soll nun Hochzeit sein. Aber der Ring, der nach alten Familienlegenden eine lange glückliche Ehe verspricht, ist weg. Die ungestüme Cousine Charlie ist mit ihm und einem zweifelhaften Verehrer nach Schottland verschwunden und Josefine bleibt nichts anderes übrig, als ihr hinterher zu reisen und den Ring zurückzuholen, wenn sie den Segen der über alles geliebten Großmutter erhalten will. Schon im Flugzeug lernt sie den Schotten Aidan kennen. Ein Bild von einem Mann, der Jo zwar über ihre großen Flugängste hinweg hilft, sie aber sonst gewaltig nervt.

Das neue Buch von Claudia Winter ist ein Paradebeispiel für das Genre Liebes- und Unterhaltungsliteratur. Das Cover mit seiner herzförmigen Waffel und den Kirschen lässt keinen Zweifel, der Titel „Glückssterne“ verheißt genau dass, was die Leserin in dieser Lektüre auch sucht. Die Autorin hat einen ausgesprochen charmanten Erzählstil, der klug und witzig ist und es schafft, dass einem die Hauptcharaktere sofort nahe sind. Freilich sind die Frauen von Jo‘s Familie jede auf ihre Weise liebenswert oder zumindest nett-skurill. Die genervte Mutter, die wilde Cousine, die zwei älteren Großtanten, die noch eine große Rolle in der Geschichte spielen werden. Die Männer sind eher blasse Randfiguren. Selbst Josefines Verlobter ist sehr eindimensional unsympathisch. Gut, dass es da noch Aidan gibt, der macht alle anderen wett. Die Story ist sehr vorhersehbar und ich hatte immer wieder „Verlobung auf Umwegen“ und ähnliche Filme im Kopf.

Bei „Glückssterne“ bekommt man im positiven Sinne also genau dass, was man erwartet. Eine Liebesgeschichte mit ein paar Verwicklungen und einer Heldin, der erst mal die Augen geöffnet werden müssen, welcher Mann denn nun der richtige ist. Dazu eine große Prise Humor und ein paar Lebensweisheiten mit einem zarten Schuss Romanze. Das Buch ließe sich wahnsinnig gut verfilmen und der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen.

Ein Rundrum-Wohlfühl-Buch. Ich lese gerne mal solche Bücher. Für meinen Geschmack hätte es gerne ein bisschen verwickelter und überraschender sein dürfen. Mir fehlte vielleicht einfach ein bisschen das Drama eines Nicholas Sparks.

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

reihe, italien, sichelgaita, 11. jahrhundert, 4 buch einer reihe

Der Sturm der Normannen

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426516416
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mit „Der Sturm der Normannen“ geht die historische Saga von Ulf Schiewe in die vierte Runde. Drei Jahre sind vergangen und Robert und seine Normannen stehen mal wieder vor Cosenza und versuchen, die Stadt zu erobern. Ihm zur Seite sein jüngerer Bruder Roger, Ziehbruder Gilbert und all die anderen liebgewonnenen Nordmänner aus den Vorgängerbänden. Und wieder wird gekämpft und erobert, was das Zeug hält. Bald gibt Streit unter den Brüdern Hauteville, aber auch neue Allianzen und ungeahnte Freundschaften, die hier geschlossen werden. Das Italien des Elften Jahrhunderts ist der Schauplatz dieser historischen Reihe, die nicht nur durch eine unterhaltsame abenteuerliche Story und stark gezeichnete Charaktere besticht, sondern auch durch jede Menge geschichtliche Fakten und Zusammenhänge.

Es gibt vieles, was mir wieder genauso gut gefallen hat, wie schon in der ganzen Reihe. Z.B. die starken Frauenfiguren, die neben den wilden Nordmännern zu bestehen wissen und die der Geschichte eine ganz eigene Note geben. Allen voran natürlich Gerlaine, die diesmal etwas sanfter rüber kommt, da sie ja jetzt Mutter und um ihre kleine Familie besorgt ist. Mehr als einmal blickt sie weise in die Zukunft und hat ein Gespür für Dinge, die anderen verborgen bleiben. Der Ich-Erzähler, Gilbert ist ein kluger, mutiger Kopf, der seine Frau liebt, Robert treu ergeben ist und trotzdem auch mal eigene Ideen ausprobiert und etwas wagt und gerade deshalb wohl auch meistens gewinnt.

Es ist ein Buch, wie man(n) und Frau es sich wünscht. Mit all dem, was ich an Schiewe-Büchern so schätze: coole Kämpfern, die z.B. Ragnar und Thore heißen und jede Menge Abenteuer erleben; Frauen, die Wissen, was sie wollen und für ihre Liebe kämpfen und mutig Wagnisse eingehen; mit blutigen Schlachten, aus denen nicht jeder als Sieger hervorgehen kann und die auch mal Opfer fordern; mit Verlierern und Gegnern, die das Salz in der Suppe sind und die maßgeblich dafür sorgen, dass die Helden in der Geschichte auch als solche glänzen können.

Es scheint, als habe diese tolle Reihe zu wenig Leser und der Verlag möchte sie nicht fortführen. Ich kann das wirklich gar nicht nachvollziehen, denn Schiewe kann problemlos mit den Büchern von Bernard Cornwell mithalten. Und dessen Serie geht gerade in die 10.te Runde. Das würde ich mir hier auch wünschen. Oder zumindest, dass sie noch mit den von Ulf Schiewe angekündigten zwei Abschlussbänden zu Ende geführt wird.

Von mir volle Punktzahl für allerbeste Unterhaltung.

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berlin, krimi, gereon rath, nationalsozialismus, 6. fall

Lunapark

Volker Kutscher
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.11.2016
ISBN 9783462049237
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am Anfang des neuen Kutscher-Krimis „Lunapark“ steht ein toter SA-Mann. Da in der Nähe der Leiche kommunistische Parolen gefunden werden, wird auch die Geheime Staatspolizei auf den Fall aufmerksam und Rath muss widerwillig mit seinem ehemaligen Kollegen Gräf zusammenarbeiten, der jetzt dort als Kommissär den gleichen Rang wie Geron bekleidet. Aber Rath zweifelt an den politischen Motiven für diesen Mord. Er beginnt im Geheimen und auf eigene Faust zu ermitteln und findet schnell eine heiße Spur, die ihn auch in die eigene Vergangenheit führt.

Schnell ist man wieder drinnen im Berlin der 30er Jahre. Die Nazis sind seit einem Jahr an der Macht und es ist erschreckend, wie sie die politische Stimmung in Deutschland nach ihren Wünschen bereits verändert haben. SA und SS führen ein hartes Regime. Politisch Andersdenkende werden ebenso rigide verfolgt wie Juden und Homosexuelle. Es wird gedroht und gefoltert, bei Verhaftungen kommt es schon mal zu Verletzten und Toten und nur allzu schnell kann man im KL landen.

Gereon Rath versucht diese Zustände noch immer auf seine eigene Art zu verdrängen. Er hofft darauf, dass die Nazis nur eine kurze Episode in Deutschland sind und dass er und seine Familie das Ganze schon aussitzen könnten, wenn sie sich nur unauffällig verhalten. Während weitere SA-Männer erschlagen werden muss er erkennen, dass der mutmaßliche Mörder ein alter Bekannter ist, den die Polizei auf keinen Fall verhaften darf, da er sonst auch Rath mit ins Verderben reißen könnte. Auch der Gangsterboß Marlow hat ein gesteigertes Interesse daran, dass der Täter verschwindet und er versucht deshalb Rath unter Druck zu setzen. Von all dem weiß Charly wenig. Sie ist auf der Suche nach einem jungen Kommunisten, der irgendwo im Berliner Untergrund leben soll und den seine Schwester unbedingt treffen möchte. Ihrem Mann erzählt Charly wohlweislich nichts von ihren eigenen Ermittlungen und bringt sich damit in große Gefahr.

Volker Kutscher hat diesmal den Kriminalfall etwas mehr in den Hintergrund treten lassen, um die politische Situation Deutschlands unter den Nazis und die persönliche Entwicklung der Protagonisten noch intensiver erzählen zu können. Gereon ist kein strahlender Held sondern einer mit Ecken und Kanten, der manchmal mehr Glück als Verstand hat, während er versucht ohne Wissen von Gräf und der SA den Mörder zu fassen. Charly ist eine liebenswerte für ihre Zeit erfrischend selbstständige Frau, die ihre eigene Meinung mit Vehemenz vertreten kann. Und der junge Fritze wird  zum Leidwesen seiner Pflegeeltern und zum Schrecken des Lesers von der Propaganda der Nazis eingelullt und hinterfragt die Handlungen der Erwachsenen mit wachsendem Interesse. Die historisch belegten Ereignisse sind eng mit der Geschichte um diese  Hauptpersonen verknüpft. Alle drei werden in einen Strudel der Ereignisse gezogen und unterschätzen mehr als einmal die Brisanz und die Bedrohung für ihre kleine Familie. Nebenbei gibt es auch kleine Gastspiele historischer Prominenz wie z.B. Adenauer und Heydrich, die dem Ganzen noch mehr Authentizität geben.

Das Buch ist unglaublich spannend und auch wenn die Stimmung eine bedrückende ist, so macht es doch Spaß „Lunapark“ zu lesen. Bei zwei, drei Stellen hat der Zufall die Hand im Spiel aber ich kann das dem Autor nachsehen, denn ansonsten ist es ein kluger historischer Krimi und eine hervorragende Fortsetzung dieser Reihe. Ich freue mich schon auf das nächste Buch - und auf die Verfilmung, die bereits im nächsten Jahr zu sehen sein wird.

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99 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

nachkriegszeit, 2. weltkrieg, hamburg, krimi, historischer roman

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der 14-jährige Hanno, seine kleine Schwester Wiebke und die Mutter Agnes kämpfen im Nachkriegswinter 1947 in Hamburg gegen Hunger und Kälte. Die Mutter verdient ein wenig Geld durch Steine klopfen und Näharbeiten. Ihr Sohn sammelt Altmetall und macht alles was er finden kann zu Geld oder tauscht es auf dem Schwarzmarkt gegen Lebensmittel und Zigaretten. Die Zeiten sind hart, der Vater ist seit Jahren im Krieg an der russischen Front vermisst. Eines Tages findet Hanno in einer Kellerruine eine nackte Tote und zwischen den Trümmern liest Wiebke einen kleinen verängstigten Jungen auf, der kein Wort mehr spricht. Es wird aber Jahrzehnte dauern, bis ans Licht kommt, was in diesem harten Winter wirklich mit ihm und seiner ganzen Familie geschehen ist.

In drei zeitlich versetzten Handlungssträngen rollt die Autorin dramatische Geschehnisse auf, die in der Uckermark ihren Anfang nahmen und über Köln schließlich in Hamburg enden werden. Der Leser erlebt die Wochen nach dem Ende zweiten Weltkrieges, bangt mit einer Familie um Leib und Leben und Hab und Gut, als die russische Armee vorrückt und schließlich alle zur Flucht zwingt. Erzählt wird aber auch von den Nachkriegsjahren in Deutschland. Von Menschen, die scheinbar alles verloren haben, die an den erlittenen Kriegsgräuel leiden und doch nie den Lebensmut verlieren und sich zurück ins Leben kämpfen können. Es geht um ein großes Unrecht, welches die Lebenläufe vieler für immer verändern und beeinflussen wird. Und nicht zuletzt um die Suche nach der einzigen Wahrheit die in den Geheimnissen der Vergangenheit verborgen liegt. Und die Hoffnung, dass die richtigen Antworten die dunklen Dämonen der Seele vertreiben können.

Wieder mal hat mich ein Buch von Mechthild Borrmann von der ersten Seite an gefesselt. Die Beschreibungen der damaligen Verhältnisse aber auch der menschlichen Charaktere und Beziehungen sind so eindringlich wie realistisch und das Kopfkino läuft sofort auf Hochtouren. Ich bin jedes Mal wieder fasziniert, dass die Autorin im Gegensatz zu manch anderem Schriftsteller mit wenigen Worten so eine Tiefe und Qualität erreichen kann, wie andere es nicht mit dicken Wälzern schaffen. Mechthild Borrmann ist einfach eine Klasse für sich. 

Es ist ein wirklich aufwühlendes Buch. Einige der Darsteller sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich bin froh, dass es für die meisten von ihnen ein versöhnliches Ende nimmt. Aber es gibt auch tragische und erschütternde Todesfälle und das Buch hat mir streckenweise wirklich die Kehle zugeschnürt und meine Gefühle durchgeschüttelt. Am Ende laufen die Fäden aus allen drei Strängen harmonisch zusammen und halten noch die ein oder andere Überraschung bereit.

Eines meiner Jahreshighlights und meiner Meinung nach, eines von Borrmanns besten Büchern - und ich finde wirklich alle hervorragend.

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aurora, kim stanley robinson

Aurora

Kim Stanley Robinson , Jakob Schmidt
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.11.2016
ISBN 9783453317246
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Aurora“ von Kim Stanley Robinson ist mal wieder ein Roman, der die SF-Gemeinde in ihren Beurteilungen in zwei Lager zu spalten scheint. In die, die in loben und die, die vermelden, dass sie etwas ganz anderes erwartet hatten und mit dem Leseerlebnis unzufrieden waren. Ich hatte den Vorteil, dass ich schon mit dieser Ausgangslage vertraut war, als ich zu lesen begann und meine Erwartungen deshalb schon entsprechend heruntergefahren waren. Umso mehr freut es mich, dass mir das Buch gefallen hat.


Für die Negativ-Fraktion:
Ja, es ist kein SF in dem viel passiert. Weder gibt es gefährliche Aliens oder andere exotische Wesen, noch kommt es zu Weltraumkämpfen, explodierenden Raumstationen und atemberaubender Action. Vielmehr legt Robinson Wert auf einen plausiblen und aus der Erfahrung anderer Kolonisationsversuche hergeleiteten Ablauf der Geschehnisse. Schon durch die zu bewältigende Entfernung zwischen Erde und neuem Planeten (Mond) ergibt sich eine lange Anreise und er nimmt sich die Zeit, diese zu beschreiben und dabei die verschiedenen Charaktere und die Schwierigkeiten mit Mensch und Technik aufzuzeigen. Bemängelt wird außerdem, dass der Autor der Eroberung ferner Welten skeptisch gegenüber steht und ganz allgemein an den Fähigkeiten der Menschheit zur leichten Aklimatisierung und Eingewöhnung auf neuen Planeten zweifelt. Letzteres ist aber eine legitim vertretbare Meinung und sie wird in dieser Geschichte durch logische und nachvollziehbare auch dramatische Geschehnisse durchaus als berechtige Frage in den Raum gestellt. (Wenn ich z.B. an Mark Watney denke, hatte ja der auch seine Schwierigkeiten mit dem Mars.)


Für die Pro-Fraktion:
Der Autor verwendet viel Liebe, um seine Figuren intensiv und geschickt aufzubauen. Da die Menschen auf dem Raumschiff sich mehrere Lichtjahre von der Erde fortbewegen und nicht nur gänzlich auf sich allein gestellt sind, sondern dies auch über mehr als eine Generation, ist für mich schon der Weg fast das Ziel.  Der Klappentext verspricht also etwas, was erst relativ spät im Buch eintrifft, nämlich der Versuch, den fremden Planeten zu kolonialisieren. Und dann läuft auch nicht alles so, wie die Menschen und der Leser es sich vielleicht vorstellen. Dabei nimmt das Buch leicht epische Züge an und der Autor schreckt auch nicht davor zurück, wichtige Akteure sterben zu lassen und der Geschichte so mehr als einmal eine unvorhergesehene Wendung zu geben. Aber gerade das hat mir besonders gefallen. Die Unvorhersehbarkeit der Handlung, der man über weite Strecken gar keine Überraschungen zutrauen würde, da sie ruhig und fast gemütlich daherkommt.


Fazit:
Mich hat der Erzählstil gefangen genommen. Die Charaktere waren glaubwürdig und wecken Empathie. Es ist ein Buch, welches nicht durch knisternde Spannung besticht, sondern durch eine nachdenkliche, nachhaltige Langsamkeit. Es war mein erstes Buch von Robinson ich fasse jetzt aber die Mars-Bücher ins Auge.

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149 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

selbstjustiz, london, krimi, henker, max wolfe

Wer Furcht sät

Tony Parsons
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783404174423
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich kenne die beiden Vorgänger von Tony Parsons mit seinem Londoner Ermittler Max Wolf. In diesem dritten Teil steht die englische Polizei vor einer Reihe besonders spektakulärer Morde denn eine Gruppe Unbekannter richtet Männer hin, die aus unterschiedlichsten Gründen für vergangene Straftaten nicht oder nur ungenügend belangt wurden. Die Täter werden nach guter alter englische Sitte erhängt und das live vor laufender Kamera.
Die Morde spalten die Meinung der Bevölkerung, denn die Opfer waren allesamt ebenfalls Mörder oder Totschläger und viele Stimmen werden laut, dass sie den Tod mehr als verdient haben.
Auch Max Wolf steht bald vor der Entscheidung, ob Selbstjustiz in bestimmten Fällen nicht legitim und richtig wäre.

Wie immer hat mir der Erzählstil sehr gut gefallen und Tony Parsons versteht es, Spannung aufzubauen. Außerdem ist Max ein liebenswerter Mensch und hat eine reizende kleine Tochter und einen Wonneproppen von Hund zu versorgen. Und er ist alleinerziehend und versucht ein guter Vater zu sein. Dass er nebenbei auch ein schlauer Ermittler ist, der den Mördern auf die Schliche kommt, versteht sich von selbst.

Wie auch in den Vorgängern, so hat das Buch ein paar Schwächen. Vor allem die, dass es zu kurz ist und dadurch manches zu schnell  geht und dadurch manchmal etwas unglaubwürdig oder unlogisch daher kommt. Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen und kann es nicht lassen, auch dem vierten Teil mit Zuversicht entgegenzusehen. Tony Parsons hat den Kriminalroman nicht neu erfunden, aber er schreibt unterhaltsame Krimis und hat einen sympathischen Helden erschaffen.

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50 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

zeitreise, banküberfall, zeitreisen, vivian vande velde, nie mehr zurück

Nie mehr zurück

Vivian Vande Velde , Regina Jooß
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2016
ISBN 9783492704151
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die meisten kennen sicherlich den Film, in dem Bill Murray in einer scheinbar endlosen Zeitschleife versucht seine Angebetete an immer wieder ein und dem selben Tag zu erobern. Nach ähnlichen Vorgaben funktioniert das Buch „Nie mehr zurück“ von Vivian Vande Velde.

Zoe ist die 15-jährige Heldin, die vor zwei Jahren an sich das Phänomen entdeckt hat, dass sie nur dadurch, dass sie das Wort „Zurückspringen“ laut ausspricht  23 Minuten in der Zeit zurückspringen kann. Außer ihren Erinnerungen kann sie nichts mitnehmen und außer ihr bemerkt niemand diese Zeitreise. Außerdem gelingt es nur insgesamt 10 Mal für exakt diese 23 Minuten. Sie hat bereits aus leidvoller Erfahrung gelernt, dass es meistens nichts bringt, wenn man versucht, den Verlauf bestimmter Geschehnisse zu verändern. Aber diesmal bleibt ihr scheinbar gar nichts anderes übrig, als es zu versuchen, denn sie gerät in einen Banküberfall und beim ersten Mal sterben zwei Menschen. Also springt sie zurück und bemüht sich, alles so zu verändern, dass es keine Toten gibt.

Aber wie erwartet ist die Sache einfacher gesagt als getan. Zuerst wird mal alles noch schlimmer. Nach zwei, drei Zeitsprüngen beschließt sie, sich Hilfe bei einem potentiellen Opfer zu holen.

Das Buch ist ein rundum sorglos Paket. Angefangen bei dem ansprechenden Cover, welches mir sofort ins Auge gestochen ist. Wer es zur Hand nimmt und ein paar Seiten reinliest, wird von der Spannung in die Geschichte reingezogen und kann sicherlich kaum mehr aufhören zu lesen. Und der Plot ist so abwechslungsreich und intelligent wie man es sich nur wünscht für einen Roman. Obwohl ja scheinbar ständig die selben 23 Minuten ablaufen, ist es jedes Mal anders, erfährt man jedes Mal neues über Zoe und über die Situation. Die Handlung schlägt mehr als einmal überraschende Volten und wir lernen Zoe sehr intensiv kennen und sie ist wirklich eine Heldin im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich bin restlos begeistert von dem Buch. Der Erzählstil ist einer für alle Altersstufen und keineswegs nur ein Jugendthriller. Und er ist auch viel mehr als ein Thriller oder ein SF/Fantasy-Buch. Aber halt,  eine dicke Beschwerde habe ich doch. Warum ist das Buch nur so dünn. Ich wäre sehr gerne noch viel länger in dieser Geschichte gefangen gewesen. Dicke Leseempfehlung von mir.

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228 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 92 Rezensionen

drachenreiter, cornelia funke, greif, fantasy, drachen

Drachenreiter - Die Feder eines Greifs

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Dressler, 26.09.2016
ISBN 9783791500119
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ja, die Fans vom ersten Drachenreiterbuch mussten eine ganze Weile auf eine Fortsetzung warten. Mit etwas Glück sind die Kinder von damals schon fast selber Eltern und könnten bald ihren Kleinen beide Teile hintereinander vorlesen. Aber auch die Erwachsenen von früher und die Erwachsenen von heute werden sich An „Die Feder des Greifen“ erfreuen können.

Cornelia Funke läuft hier zu altbekannter und bewährter Hochform auf. Ich finde, dass sie gerade im Bereich Kinderbücher eine hervorragende Autorin ist. Die Bücher für die etwas älteren aus ihrer Feder gefallen mir nicht immer alle. Aber für die 10-12 Jährigen hatte ich bis jetzt an allen Funke-Büchern meine Freude.

Es gibt wieder die ganze Riege der altbekannten Helden: Ben Barnabas und Fliegenbein. Es gibt Drachen und Pegasus-Eier, Trolle und Kobolde und noch so einiges anderes was kreucht und fleucht.
Die Aufmachung ist liebevoll und sehr viele der Seiten im Buch sind mit kleinen Zeichnungen von Funke höchstpersönlich verschönert. Es entwickelt sich ein ganz großes Abenteuer, in dem die kleinen und großen Helden zusammenhalten und Mut beweisen müssen. Es geht auch um so alltäglich-aktuelle Themen wie z.B. den Umwelt- und Tierschutz aber auch um Freundschaft und Liebe.

Ein Buch für die ganze Familie. Frau Funke hat einen Volltreffer gelandet.

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brot, backbuch, brot backen, rezepte, backen

Brot backen in Perfektion

Lutz Geißler , Hubertus Schüler
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.09.2016
ISBN 9783954531042
Genre: Sachbücher

Rezension:

Brot Backen in Perfektion – der Titel ist Programm, sollte aber nicht abschrecken, denn es geht nicht darum, dass man sofort das perfekte Backergebnis hat, denn es geht zuerst mal ums Brotbacken an sich, welches ein sinnliches Erlebnis sein kann und welches man auch als Laie erlernen kann. Dazu wird in einer ausführlichen Einführung alles besprochen, was man darüber wissen sollte. Über Brot an sich, über Mehl und andere Zutaten und Gewürze, über die verschiedenen Sorten von Brot, über Schüsseln und Töpfe über den Prozess des Gärens und Backens.

Dann kommen die Rezepte. Gut 70 bekannte und unbekannte Brotklassiker – wobei hier auch süße Mehlspeisen wie z.B. Milchzopf und Buchteln ein Kapitel bekommen. Hervorragende Foodfotos sind heutzutage ja ganz normal. Aber hier in diesem Buch wird nicht nur das Ergebnis des Backversuches gezeigt sondern auf meist mehreren Bildern auch der Vorgang der Herstellung auch bildlich detailliert geschildert, was gerade Neueinsteigern das Ganze wirklich erleichtert. Die Rezepte selber sind sehr übersichtlich und gut beschrieben. Es wird wirklich so erklärt, dass man mit etwas Geduld das versprochene Backergebnis erzielt.

Ich bin sehr angetan von diesem Brotbackbuch. Es ist nicht mein erstes aber keines hat so ausführlich beschrieben und mich so überzeugt, dass auch Anfänger damit zurecht kommen könnten. Eine Kaufempfehlung, wenn man denn Brot endlich einmal selber machen möchte.

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