gedankenbuechereis Bibliothek

225 Bücher, 29 Rezensionen

Zu gedankenbuechereis Profil
Filtern nach
225 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

36 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

thriller

Sag, wer stirbt

Samantha King , Elke Link
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671569
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Der Klappentext von Sag, wer stirbt, ist kurz und knapp gehalten und beschreibt ein unvorstellbar grausames Szenario, das mich sehr neugierig machte. Das Buch wird mit einem Prolog eröffnet, der bereits die Auflösung des Klappentextes offenbart. Die Tragödie ist bereits passiert und der Leser steigt direkt bei Maddies Entscheidung ein. Das hat mich zunächst sehr überrascht, da ich durch den Klappentext natürlich etwas ganz anderes erwartet habe. Andererseits war ich zugleich auch sehr neugierig, da ich so gar keine Vorstellung davon hatte, was sich hinter dieser Geschichte stattdessen verbergen könnte. Trotzdem wurde die Leselust durch die komplette Ungewissheit auch ein wenig gehemmt. Die Geschichte wurde danach Stück für Stück aufgerollt, erzählt aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Maddie.

Die Handlung ist, neben dem Prolog, in vier größere Teilabschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt wirkt wie ein langer Monolog aus der Sicht der Protagonistin Madeleine, Hauptbestandteil sind viele Erinnerungen an das Leben vor der Tragödie, zusammen mit den Schuldgefühlen, die Maddie plagen, weil sie sich für ein Kind entschieden hat. Nach der Tragödie ist sie selbstverständlich desorientiert und verwirrt, was die Autorin wirklich sehr gut rüber bringen konnte. Ihr Schmerz ist deutlich spürbar, sie kämpft um die Liebe ihres lebendigen Kindes, kann dies durch ihr Trauma aber nicht nach außen tragen.

Immer wieder gibt es neue Rückblicke in die Vergangenheit, die Madeleine Stück für Stück auf die richtige Fährte bringen. Die Erinnerungen bilden die Puzzleteile, die am Ende ein Gesamtbild ergeben sollen. Im zweiten Teil der Geschichte, der eine überraschende Wendung hervorbrachte, hatte ich sehr schnell einen Verdacht, der sich am Ende dann auch bestätigte. Allerdings wusste die Autorin, wie sie immer wieder Zweifel streuen und auf eine falsche Fährte locken konnte. Das sorgte durchgängig für Spannung und Neugier, die mich das Buch kaum aus der Hand legen ließen.

Was mich ein kleines bisschen störte, war die Tatsache, dass neben der eigentlichen Straftat noch ein weiteres Verbrechen eine große Rolle spielte. Das war für mich etwas zu viel des Guten, da ich auch nicht wirklich den Zusammenhang zwischen den beiden Taten herstellen konnte. Zwar verbindet die Autorin diese, aber ich glaube, das Buch hätte auch gut ohne das zweite Verbrechen funktioniert. Am Ende der Geschichte fällt das auch eher unter den Tisch, was ich ziemlich schade fand, da das Ganze für mich dann noch sinnloser erschien.

Besonders toll fand ich die vier Teilabschnitte, die alle eine überraschende Wendung parat hielten. So wurde es garantiert nicht langweilig, kontinuierlich war eine gewisse Spannung vorhanden. Der Schreibstil von Samantha King hat mir auch sehr gut gefallen, man war immer direkt im Geschehen und konnte sich gut in die Figuren, besonders in Maddie, hineinversetzen.

Als nicht so gut gelungen, empfand ich das Ende. Viel zu viele offene Fragen, die ich mir noch gestellt habe, die aber nicht geklärt wurden. Das war für mich eigentlich die einzige große Schwachstelle des Thrillers.

FAZIT:
Samantha King hat einen Thriller erschaffen, der mich von Anfang an fesseln konnte. Ein wenig hat mich die Geschichte an Lauf, Jane, Lauf! Von Joy Fielding erinnert, das mich ja auch komplett überzeugen konnte. Immer wieder gab es Spannungskicks, die es mir schwer machten, das Buch aus der Hand zu legen. Ein bisschen mehr ‚Action‘ hätte es meiner Meinung nach geben können, das Buch war für mich auch ein wenig mehr Familiendrama als Thriller. Der einzige, größere Kritikpunkt, sind die ungeklärten Fragen am Ende der Geschichte. Alles in Allem bekommt Sag, wer stirbt eine klare Leseempfehlung von mir!

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(84)

159 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

psychothriller, thriller, mord, selbstmord, vergewaltigung

Ich soll nicht lügen

Sarah J. Naughton , Marie Rahn
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783548289182
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Die Geschichte beginnt mit einer Sequenz vor dem eigentlichen Ereignis und mit einer Sequenz nach dem Ereignis. Darauf folgt eine kleine Geschichte aus der Vergangenheit, die man ebenfalls noch nicht einordnen kann. Das war anfangs sehr verwirrend, aber hat auch meine Neugier geweckt und zum Weiterlesen animiert. Erst dann beginnt die eigentliche Geschichte. Der Leser lernt Abe, Jody und Mags kennen. Abe liegt im Koma und die Polizei plädiert auf einen missglückten Selbstmordversuch. Jody, seine Verlobte, ist am Boden zerstört und hält daran fest, dass er bald wieder aufwachen wird. Mags ist Abes Schwester, Anwältin, sehr rational eingestellt und ein wenig kaltherzig. Sie hatte jahrelang keinen Kontakt zu ihrem Bruder, dennoch zweifelt sie an seinem angeblichen Selbstmord, da viel zu viele Fragen ihrer Meinung nach ungeklärt sind.

Die Charaktere haben mir alle sehr gut gefallen. Mags war dabei meine Liebste, sie ist sehr tough und auch etwas abgekühlt, dennoch mochte ich sie, trotz ihrer schroffen Art. Jody war mir von Anfang an ein Rätsel. Die Liebe, die sie zu ihrem Verlobten beschreibt, wirkt sehr tief, aber auch gestört. Beispielsweise isst sie mit ihm zusammen zu Abend, obwohl er bereits im Koma liegt. Sie hat nicht wirklich akzeptiert, dass er nicht mehr da ist. Deswegen war das mit Jody auch ein Auf und Ab, mal mochte ich sie, mal nicht. Die Kunst, mich eine Person hassen und dann wieder mögen zu lassen, beherrscht die Autorin in diesem Fall sehr.

Nach einer Weile wird auch aus Miras Sicht erzählt. Dadurch wird ein ganz neues Licht auf die Angelegenheit geworfen. Mira wohnt im selben Haus wie Jody und Abe und scheint etwas über Abe’s Sturz zu wissen. Auch dieser Charakter hat mir gut gefallen, eine stille Frau, die sich gerne raus halten würde, aber trotzdem Mut beweist, wenn es darauf ankommt.

Aufgrund ihrer Zweifel stellt Mags eigene Forschungen an, da sie ihren Bruder liebte und ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, weil sie ihn im Stich gelassen hat. Zuerst ist sie sehr sparsam mit ihren Emotionen, aber im Laufe der Geschichte wird sie immer menschlicher. Nach und nach entwickelte sich auch bei mir ein Verdacht, der zum Weiterlesen antrieb. Schritt für Schritt kommt Mags hinter das Geheimnis, meine Ahnung bestätigte sich, aber die Spannung hat nicht abgenommen, zu viele Fragen blieben ungeklärt.

Ein Punkt der mir auch positiv aufgefallen ist, ist dass die Polizei kaum eine Rolle spielt. Die komplette Ermittlung geht von Mags aus, die Polizei hält es nicht mal für nötig, sich einzumischen.

Mein Highlight der Geschichte war tatsächlich die Entwicklung, die die beiden Protagonistinnen durchleben. Mags wird liebenswerter und menschlicher, lässt Emotionen zu und wird selbstloser. Auch Jody wandelt sich positiv.

Schritt für Schritt kommt der Leser mit Mags zur Auflösung des Falls, die Lösung ist tatsächlich sehr naheliegend und schlüssig. Mein Anfangsverdacht hat sich bestätigt, aber die Details, die noch damit zusammenhängen, haben die Spannung aufrecht erhalten. Das Ende der Geschichte war etwas, das mich wirklich überrascht hat, da ich so etwas in dieser Form noch nicht gelesen habe. Trotzdem hätte ich mir einen anderen Ausgang erhofft.

FAZIT:
Trotz dessen, dass mich das Ende nicht ganz überzeugen konnte, war das ein toller Thriller, ein bisschen hat er mich vom Stil her an Girl on the train erinnert, und das habe ich auch mit der vollen Punktzahl bewertet. Dieser Thriller konnte mir alles bieten, was ich mir gewünscht habe. Die Charaktere sind toll, Mags ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, mit Fehlern, die sie aber selbst erkennt und an denen sie arbeitet. Die Emotionen kamen gut rüber und auch die Spannung war konstant vorhanden. Klare Leseempfehlung für dieses tolle Buch!

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(74)

151 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

liebe, münchen, geschwister, lilli beck, roman

Wie der Wind und das Meer

Lilli Beck
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783764505776
Genre: Romane

Rezension:

MEINE MEINUNG:

Der Anfang des Buches konnte mich direkt fesseln. Die Geschichte beginnt 1945 in München, mitten im Krieg. Der kleine Paul verliert bei einem Bombenangriff seine Familie und ist von jetzt an auf sich alleine gestellt. Die Autorin hat es geschafft, die Angst des Kindes gut rüber zu bringen und auch hat sich beim Lesen ein beklemmendes Gefühl bei mir eingestellt. Die Grausamkeiten des Krieges wurden gut dargelegt und die beschriebenen schlimmen Umstände verschafften mir beim Lesen eine Gänsehaut. Pauls Geschichte ist wirklich herzergreifend und traurig. Erst als er Sarah findet, ein Mädchen in seinem Alter, das genau wie er alleine umherirrt, schöpft er neue Hoffnung. Er beschließt, dass sie ab jetzt Geschwister sein würden und für immer zusammen halten würden.

„Unsere Familie hat sogar einen Wahlspruch: Wir gehören zusammen wie der Wind und das Meer. Zusammen sind wir stark, zusammen kann uns nichts geschehen.“ (Wie der Wind und das Meer, S. 28)

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und Sarah, die den Namen Rosalie von Pauls „echter“ Schwester übernommen hat, und Paul schließen sich einer Kinderbande an, die auf nicht ganz legale Weise versucht, gemeinsam zu überleben und über die Runden zu kommen. Anschließend treffen sie auf die Blumen-Oma, die die beiden Kinder herzlich bei sich auf nimmt. Dieser Charakter hat mir sehr gut gefallen, die Autorin hat sie wirklich authentisch und glaubhaft dargestellt. Danach kommen die beiden ins Waisenhaus und dieser Abschnitt konnte mich wirklich ergreifen. Das Leben dort ist grauenhaft und hat bei mir großes Mitleid erregt. Am liebsten hätte ich die beiden Kinder in den Arm genommen und getröstet. Schließlich wollen sie nicht mehr als einfach zusammen zu sein, aber da Mädchen und Jungen streng getrennt werden, gestaltet sich dies schwierig. Die Ungerechtigkeiten, mit denen Paul und Sarah konfrontiert werden, haben mich immer wieder zum Staunen gebracht.

Nach ihrer Kindheit nahm die Handlung für mich persönlich an Stärke ab. Paul und Sarah wurden zusammen adoptiert und kurz darauf entfacht die Liebe zwischen den beiden, die mehr als nur geschwisterlich ist. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, eine wundervolle Liebe hat sich zwischen den beiden entwickelt, denn die Worte, die sie miteinander wechselten waren wirklich ergreifend.

„Mag sein, dass ich so manch schlimmes Erlebnis vergessen werde. Aber dich werde ich niemals vergessen. Nicht einmal, wenn ich tot bin. Das Meer lebt nicht ohne Wind, und ich kann nicht ohne dich leben.“ (Wie der Wind und das Meer, S. 137)

Nach und nach hatte ich aber leider das Gefühl, dass die Szene nicht sehr authentisch auf mich wirkt. Die Charaktere haben mir als Kinder sehr gut gefallen, als junge Erwachsene aber eher weniger. Vor allem Rosalie/Sarah wirkte für mich immer sehr aufgesetzt. Ich konnte die ganze Geschichte nicht so recht glauben. Die Emotionen der Liebe zwischen den beiden waren nicht wirklich spürbar. Das war sehr schade. Die Leidenschaft war einfach nicht vorhanden, das alles wirkte sehr unterkühlt auf mich.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, er war ungezwungen und locker, was den Lesefluss sehr gefördert hat. Mir haben auch die historischen Ereignisse gefallen, die in die Geschichte eingeflochten wurden.

FAZIT:
Insgesamt hat mir das Buch zu Beginn sehr gut gefallen, das hat allerdings in der Hälfte ungefähr, abgenommen. Die Geschichte der Kinder und das Überleben während des Krieges, war wirklich ergreifend und emotional beschrieben. Die Liebe zwischen Paul und Sarah war leider nicht mehr so gut nachvollziehbar. Alles wirkte zu aufgesetzt. Was mich auch gestört hat, war die Tatsache, dass alle großen Ereignisse ganz plötzlich eintreten und wie nebenbei passieren. So kam es mir zumindest vor. Kein schlechtes Buch, aber nur eine bedingte Leseempfehlung von mir.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

87 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

vergangenheit, vater, familie, eifersucht, hass

Solange du atmest

Joy Fielding , Kristian Lutze
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 24.07.2017
ISBN 9783442314348
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Protagonistin der Geschichte ist Robin, Psychotherapeutin mit eigener verkorksten Familiengeschichte. Nachdem ihre Schwester Melanie, zu der sie ein äußerst schwieriges Verhältnis pflegt, sie darüber informiert, dass ihr Vater, dessen neue Frau Tara und auch die zwölfjährige Tochter dieser angeschossen wurden, beschließt Robin in ihren Heimatort zurückzukehren, dem sie schon vor Jahren den Rücken gekehrt hatte. Dort geraten vor allem Melanies autistischer Sohn Landon und Robins und Melanies Bruder Alec in Verdacht, die grausame Tat begangen haben. Die Geschichte wird aus Robins Ich-Perspektive erzählt.

Robin ist nicht überrascht, dass ihr Vater angeschossen wurde, schließlich gehört dieser nicht gerade zu den sympathsichsten Menschen. Selbst seine Kinder hassen ihn, mit seiner cholerischen und selbstgerechten Art, hatte er für seine Kinder nicht viel Liebe übrig. Somit hätte jedes der drei Kinder ein Motiv gehabt. Vor allem sein Sohn Alec, nachdem sein Vater nach dem Tod seiner Mutter, seine Ex-Verlobte geheiratet hat. Zudem wird Robins Vater von ihr als arroganter Egoist beschrieben, der nur seine eigene Macht und seinen Reichtum im Kopf hatte und diesen auch gern mit seiner protzigen Villa für alle anderen Menschen zur Schau stellte. Somit gäbe es genug Menschen, die ein Motiv dafür hätten, auf Robins Vater und auch auf seine Frau Tara zu schießen. Dennoch bleibt die Frage, welches Monster schießt auf die zwölfjährige Cassidy?

Zunächst muss ich sagen, dass die Geschichte durchaus ihren Reiz hat. Wer allerdings einen blutrünstigen, brutalen Thriller lesen möchte, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen. Diese Erwartungen werden hier ganz bestimmt nicht erfüllt. Die Geschichte nimmt eher gemächlich ihren Lauf und setzt den Fokus auf die zerrüttete Familiengeschichte und das Auflösen des Falls. An manchen Stellen erscheint die Geschichte daher etwas langatmig, allerdings liest sich die Story sehr flüssig, was besonders Joy Fieldings Schreibstil zu verschulden ist. Diesen erkennt man deutlich wieder, er ließ mich durch die Seiten fliegen.

Durch die Behandlung der familiären Probleme im Vordergrund des Geschehens, habe ich oftmals vergessen, dass es sich hierbei um einen Thriller handelt. Ich musste nicht vor Spannung den Atem anhalten, zwar bleibt diese konstant erhalten, aber eher auf einem mittelmäßigen Niveau, ohne Höhepunkte. Das Rätseln kommt hier nicht zu kurz, allerdings fehlt das gewisse Etwas, dass mich an dieses Buch fesseln sollte. Mit jedem neuen Charakter erkennt man eine potentielle Chance, dass dieser der gesuchte Täter sein könnte. Das ist ein großer Pluspunkt für diesen Roman, da bis zum Ende nicht klar wird, wer es wirklich getan hat.

Die Charaktere waren wie immer gut ausgearbeitet, allerdings konnte ich mich mit keiner der Figuren so wirklich anfreunden. Die Protagonistin Robin war mir eine Spur zu weinerlich, hier hat die Autorin meiner Meinung nach, etwas über die Stränge geschlagen mit Robins „Kaputtheit“ und psychischen Problemen. Wegen jeder Kleinigkeit bekommt sie eine Panikattacke und an manchen Stellen wirkte das auf mich fehl am Platz. Sie ist außerdem sehr schüchtern und nicht selbstbewusst genug. Dennoch waren die Emotionen zum größten Teil gut dargestellt und glaubhaft.

Die Auflösung des Falls ist überraschend gut gelungen, sehr genau durchdacht. Allerdings kommt diese nicht Schritt für Schritt, sondern viel zu plötzlich. Daher wird sie auch zu kurz gehalten. Auch wenn ich nicht mit dieser Wendung gerechnet habe, konnte mich das Ende nicht komplett überzeugen.

FAZIT:
Solange du atmest ist nicht Joy Fieldings bester Thriller. Die Spannung ist zwar da, allerdings nicht übermäßig. An manchen Stellen tröpfelt die Geschichte vor sich hin, so richtig konnte sich das Thriller-Feeling nicht bei mir einstellen. Das Ende ist von der Idee her sehr gut durchdacht, kommt aber viel zu plötzlich und auch zu nebensächlich. Schade! Nicht schlecht, aber auch kein Jahreshighlight.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

krimi, flüchtlinge, integration, flucht, roman

Unter Fremden

Jutta Profijt
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423261654
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MEINE MEINUNG:

Der Einstieg in die Geschichte gelang mir sehr leicht. Zu Beginn lernt man Madiha kennen, die zwölf Tage zuvor aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen ist. Die Geschichte wird aus ihrer Ich-Perspektive erzählt, weshalb der Leser viele Eindrücke Madihas Gefühlswelt erhält. Die Autorin schafft es durch einen flüssigen und detailreichen Schreibstil, den Schmerz und auch die Hoffnungslosigkeit der Protagonistin, verursacht durch die Flucht, deutlich spürbar zu vermitteln. Die schreckliche Einsamkeit, die Madiha empfindet, ist so präsent, dass man mit der Protagonistin mitfühlt.


Ein starkes Gefühl, das sich bei mir beinahe die komplette Lektüre hindurch regte, war das Mitleid. Madiha fühlt sich vollkommen alleine und verloren, besonders nachdem ihre einzige Bezugsperson, Harun verschwunden ist. Allerdings weckt dies den Entschluss, Harun zu finden und sich für ihn einzusetzen. Das schlechte Gewissen plagt sie hier, denn obwohl sie große Angst hat, muss sie dem Mann helfen, der sie auf ihrer Flucht begleitet hat.


Sehr interessant waren auch die immer wieder auftauchenden Einblicke in ihre Kultur, beispielsweise, dass Männer keine fremden Frauen berühren dürfen. So hätte sie die Flucht alleine bewältigen müssen, nur Harun hat ihr trotz dieses Verbots geholfen. Man merkt auch sehr schnell, dass Madiha versucht, an ihren Sitten und an ihrem Glauben festzuhalten, doch gestaltet sich dies in einem Land wie Deutschland nicht so einfach. Dieses Buch regt jedenfalls sehr zum Nachdenken an. Vor allem auch der Hass, mit dem Madiha oft konfrontiert wird, hat mich sehr traurig gestimmt. Madiha wird oft behandelt, als wäre sie nicht gut genug, als wäre ihr Stellenwert nicht hoch genug und das beeinflusst ihre Unsicherheit stark. So etwas darf einfach nicht sein, aber natürlich ist es denkbar, dass viele der beschriebenen Situationen, nicht alleine Fiktion sind, sondern auch in unserer realen Welt existieren. Besonders hilfreich war die Tatsache, dass Madiha bei einer deutschen Frau aufgewachsen ist und somit über Deutschkenntnisse verfügt, die ihre deutsche Betreuerin allerdings dazu verleiten, sie für Übersetzen auszunutzen.



Zu Beginn der Geschichte hat Madiha kaum Selbstbewusstsein, beschreibt sich selbst regelmäßig als „Krüppel“ wegen ihrer Gehbehinderung. Mit dem Auftauchen des kleinen Faysals wird sie allerdings immer selbstbewusster, deswegen hat mir dieser Charakter besonders gut gefallen. Der kleine Junge taucht auf einmal bei ihr auf und weicht von diesem Moment an nicht mehr von ihrer Seite. Dadurch bekommt er auch eine sehr interessante Rolle in der Harun-Geschichte. Nach und nach fühlt sich Madiha immer mehr angenommen und nicht mehr ganz verloren, da sie einen Onkel findet, den sie vorher noch nie gesehen hat und der sich um sich kümmern will und durch eine Art Freundschaft, die sich zwischen ihr und Jasmin, einer anderen Bewohnerin der Flüchtlingsunterkunft entwickelt. Es hat mir große Freude bereitet, Madihas positive, wenn auch langsame Entwicklung zu verfolgen und mitzuerleben, wie sie immer stärker wird.


Das Geheimnis um Harun macht die Geschichte zu einem richtigen Krimi. Ich habe Madihas Suche nach ihm mit Spannung verfolgt und die Autorin versteht es, an den richtigen Stellen Wendungen einzubauen, die mich immer wieder überraschen konnten. Die Geschichte an sich ist sehr gut durchdacht und die Spannung bleibt konstant erhalten.


Der Schreibstil von Jutta Profjit hat mir auch sehr gut gefallen, alles wirkt sehr glaubhaft und wie aus einer fremden Welt. Es gab auch einige Zitate, die mir wirklich gut gefallen haben.


„Er wird noch ein bisschen einsamer sein als vorher, denn mit jedem Menschen, den man verliert, legt sich ein weiterer Ring der Trauer um das Herz, so wie die Jahresringe um den geschmeidigen Sämling wachsen und ihn immer härter werden lassen, bis er so fest ist, dass der nächste große Sturm ihn nicht mehr biegt, sondern bricht.“ (S. 262)


FAZIT:
Jutta Profjit greift in ihrem Roman eine sehr aktuelle Thematik auf und verpackt diese in einen Krimi. Die Geschichte ist sehr spannend und unterhaltsam. Viel wichtiger ist jedoch der Aspekt, wie Madiha sich in „unserer“ Welt zurecht findet und entwickelt. Das Buch konnte mich fesseln und einmal begonnen, ist es schwer, es wieder aus der Hand zu legen. Es gibt nichts zu meckern, das Buch ist super und von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

cristina caboni, caboni, familie, familiengeheimnis, die oleanderschwestern

Die Oleanderschwestern

Cristina Caboni , Ingrid Ickler
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 21.08.2017
ISBN 9783734105098
Genre: Liebesromane

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Das Buch hat mich zunächst einmal durch das wunderschöne Cover angesprochen und auch der Klappentext hat mir zugesagt. Zu Beginn lernt man Iris Donati kennen, eine sehr verträumt wirkende Protagonistin, die in Amsterdam lebt, eine Kolumne zum Thema Blumen schreibt und heimlich Blumenbeete in der Stadt anlegt. Ihre ganze Persönlichkeit passt sehr gut zum Schreibstil von Cristina Caboni, er ist sehr leicht und detailverliebt. Die Ausschmückungen und Beschreibungen der Blumen und Farbenpracht, waren für mich das Highlight des gesamten Buches. Ich konnte die tollen Farben perfekt sehen und den Duft der Blumen förmlich riechen. Das Kopfkino ist der Autorin wirklich sehr gut gelungen. Außerdem hat sie in mir ein Fernweh nach Italien heraufbeschworen, ich wollte am liebsten direkt losfahren.

Iris begibt sich dienstlich auf eine Reise nach London und trifft dort auf Viola, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden Zwillinge getrennt voneinander aufgewachsen sind und dass die Familie ein großes Geheimnis umgibt. Das weckt natürlich die Neugier und spornt zum Weiterlesen an. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Protagonistinnen sehr verschieden, aber nach und nach kommen die Gemeinsamkeiten zum Vorschein. Das Hauptverbindungselement ist die Botanik, beide Schwestern verbindet die Liebe zu den Pflanzen, was auch stark mit der Familientradition der Donatis zusammenhängt. Viola lernt man kennen, als sehr distanzierte und nachdenkliche Person, gleichzeitig wirkt sie auch stark und selbstbewusst. Anfangs wirkt sie außerdem sehr unsympathisch und arrogant, sie gibt Iris keine Chance sie kennen zu lernen. Aber allgemein konnte ich nicht mit den Figuren mitfiebern, die für mich immer sehr auf Distanz blieben. Viola macht dann zwar eine positive Entwicklung durch und wird offener, trotzdem konnte ich mich weder mit ihr, noch mit einem anderen Charakter anfreunden. Durch die Erzählweise bekommt der Leser regelmäßig Einblicke in die Gefühle und Gedanken der einzelnen Personen, allerdings waren manche dieser Beschreibungen für mich oft nicht wirklich nachvollziehbar und auch die Dialoge waren manchmal sehr seltsam. Auch die Handlung entwickelt sich sehr schnell, manchmal wirkt es, als habe sie keine Zeit zu entstehen und als müsse jetzt unbedingt etwas passieren. Beispielsweise erzählt die Großmutter eine Geschichte und plötzlich ist sie müde und unterbricht diese. Natürlich ist die Großmutter krank und das sollte wohl darauf bezogen sein, an dieser Stelle empfand ich das aber eher als unpassend und sinnlos. Gleichzeitig muss ich rückblickend auch sagen, dass gar nicht so viel passiert ist. Die Geschichte gewinnt nämlich nur sehr schleppend an Fahrt. Das passiert erst, als die Zwillinge auf eigene Faust ihre Nachforschungen antreten. Außerdem gab es immer wieder Einblicke in das Leben von Bianca, einer Verwandten der beiden Zwillinge, die man anfangs noch nicht wirklich einordnen kann und stark mit dem Familiengeheimnis in Verbindung steht. Das brachte Abwechslung und ein wenig Spannung rein, diese Passagen haben mir wahrscheinlich sogar am meisten zugesagt. Die Geschichte um Bianca war sehr geheimnisvoll und bedrückend, hier konnte ich als Leser ein wenig miträtseln.

Anfangs verstehen Iris und Viola sich nicht gut und der Leser wartet ständig auf die Vereinigung der Zwillinge. Als dies endlich geschieht, zumindest ansatzweise, wartet der Leser gebannt auf die Enthüllung des großen Geheimnisses, schließlich geht es in der Geschichte gefühlt um nichts anderes. Eine große Rolle spielen hierbei die Eltern der Zwillinge und die Großmutter, die in Italien auf dem Familienanwesen „La Spinosa“ lebt und den Zwillingen vor ihrem Tod eine letzte Aufgabe auftragen will. Vage kommt man so Schritt für Schritt hinter das Geheimnis und sehr schnell war mir auch klar, was sich dahinter verbirgt.

Was mir besonders gut gefiel, waren die anfänglichen Kurzbeschreibungen zu verschiedenen Blumensorten, zu Beginn eines jeden Kapitels. Hier kam nochmals die Leidenschaft für Botanik zum Vorschein, was das ganze authentisch wirken ließ. Außerdem hat mir die Sprache gut gefallen und es gab einige Zitate die ich mir markiert habe.

„Die Farben unseres Gartens helfen die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Das Violett der Hyazinthen und Stiefmütterchen gibt uns Kraft und Mut in Krisenzeiten. Die Stiefmütterchen brauchen Halbschatten, sie blühen das ganze Jahr. Als würde aus einer Träne ein Lächeln wachsen.“ (Caboni, s. 62)

FAZIT:
Man fühlt sich selbst beinahe wie ein Gärtner und hat durch die Lektüre die schönsten, farbenprächtigsten Bilder vor Augen. Die angenehme Kapitellänge und einfache Sprache haben den Lesefluss gefördert. Auch die Bianca-Passagen waren sehr interessant und ich habe sie sehr gerne gelesen. Allerdings empfand ich die Geschichte an sich als etwas langweilig und die Offenbarung des großen Geheimnisses konnte dies auch nicht bessern. Mir war die Auflösung nicht spektakulär genug, nachdem ein so großer Wirbel veranstaltet wurde, der die komplette Geschichte einnimmt. Deshalb von mir nur eine bedingte Leseempfehlung. Kann man lesen, ist aber definitiv kein Highlight für mich.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(123)

250 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 72 Rezensionen

thriller, psychothriller, berlin, puppe, max bentow

Das Porzellanmädchen

Max Bentow
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.07.2017
ISBN 9783442205110
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei Das Porzellanmädchen handelt es sich um einen Psychothriller mit einigen Horror-Elementen. Diese übernehmen die Porzellanpuppen, wie man dem Titel eigentlich schon entnehmen kann. Protagonistin ist Luna Moor, eine gefeierte Schriftstellerin, die hochspannende Thriller schreibt. Allerdings wissen ihre Fans nicht, wie viel Wahrheit in ihren Texten tatsächlich steckt. Durch Einblicke in die Vergangenheit erfährt der Leser, wie Luna als 16-jährige misshandelt wurde, diese schreckliche Erfahrung will sie nun in ihrem neusten Thriller verarbeiten. Sie wurde von einem Unbekannten mit einer Gasmaske festgehalten, der sie wie eine Puppe behandelte und dafür auf einem Dachboden festhielt. Das Gesicht des Mannes konnte sie nie sehen, sie nannte ihn nur das Insekt. Einzig eine Porzellanpuppe leistete ihr während ihrer Gefangenschaft Gesellschaft. Luna begann die Puppe sprechen zu hören. Um die Grausamkeiten der Vergangenheit zu verarbeiten, begibt sie sich an den Ort des Grauens zurück, zusammen mit Leon, dem fünfzehnjährigen Sohn ihrer besten Freundin.

Spannung ist wirklich von Anfang bis Ende gegeben. Die Sicht wechselt zwischen Luna und Leon, außerdem erhält der Leser Einblicke in Lunas Vergangenheit und Auszüge des Thrillers, an dem Luna arbeitet, sind vorhanden. Das alles sorgt für Abwechslung und erhält die Spannung am Leben.

Bentow versteht es perfekt, eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die zu keiner Zeit abbricht. Dazu nutzt er eine Sprache ohne Ausschmückungen, die sehr klar und einfach gehalten ist. Daran musste ich mich erst gewöhnen, allerdings passt das wunderbar zu der Geschichte. Die extreme Beklemmung entsteht vor allem durch die Perversitäten und Gräueltaten, die zwar nicht ausführlich geschildert werden, aber dennoch durch die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Täter handelt, bedrücken.

Die Protagonistin Luna ist durch das Erlebte eine sehr instabile, aber auch starke Persönlichkeit, die mit ihren Büchern versucht, mit ihrer Vergangenheit klar zu kommen. Durch die Einblicke in ihren neusten Thriller erkennt der Leser sehr schnell, dass es sich bei der von Luna erschaffenen Protagonistin tatsächlich um sie selbst handelt. Immer wieder musste ich mir die Frage stellen, was von den schrecklichen Dingen die passieren, Lunas Fantasie entspringt und was tatsächlich der Realität entspricht. Durch ihre Instabilität und das Trauma, das sie erlitten hat, ist es natürlich nicht abwegig, dass Luna unter einer psychischen Störung leidet und selbst nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann. Dadurch war ich ständig hin- und hergerissen, die Frage, wie unschuldig Luna tatsächlich ist, bleibt beinahe bis zum Schluss offen.

Leon ist der Sohn der besten Freundin Lunas und muss bei ihr unterkommen, solange seine Mutter dienstlich unterwegs ist. Was mich ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass Luna eigentlich von Anfang an hätte erkennen müssen, dass der Ort an dem sie das Grauen erlebt hat, nicht geeignet ist um den Jungen mitzunehmen. Selbst als die schrecklichen Dinge ihren Lauf nehmen, lässt sie ihn weiterhin bei sich wohnen. Somit trägt er natürlich zu der Entwicklung der Ereignisse bei und nimmt einen wichtigen Anteil an der Geschichte. Ein klein wenig störend, war auch das Gefühl, dass Leon in Luna verliebt ist, das wird zwar nicht explizit erwähnt, kommt aber meiner Meinung nach, ziemlich deutlich rüber. Etwas unpassend, aber nicht allzu störend.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und ab einem gewissen Zeitpunkt ist auch der Ausgang ziemlich klar, das schadet der Spannung aber trotzdem keineswegs. Die Horror-Elemente durch die Porzellanpuppen waren auch sehr gut platziert, nicht zu viel und nicht zu wenig. Insgesamt ein sehr gelungener Thriller, bei dem man durchweg den Atem anhält!

FAZIT:
Was für mich dieses Buch besonders macht, ist die Tatsache, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Spannung ist schon von Beginn an in hohem Maße vorhanden und nimmt zu keiner Zeit ab. Die düstere und beklemmende Stimmung ist ein ständiger Begleiter und auch einen kleinen Hauch Horror hat Das Porzellanmädchen zu bieten, in Form von gruseligen Porzellanpuppen. Die Idee, den Thriller der Protagonistin mit einzubinden, finde ich sehr gut, da ich selbst immer wieder gerätselt habe, was davon denn nun Fiktion ist und was davon zu Luna selbst gehört. Ganz klare Leseempfehlung!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(60)

122 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

liebe, new york, das saphirblaue zimmer, mehrere zeitschienen, lauren willig

Das saphirblaue Zimmer

Karen White , Beatriz Williams , Lauren Willig , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783734104275
Genre: Romane

Rezension:

Bei manchen Büchern weiß man relativ schnell, dass sie schlichtweg toll werden… So war das auch bei diesem Buch.

Das Cover des Buches war das Erste, was mir ins Auge gestochen ist. Danach kam der Klappentext, der mich ebenfalls überzeugen konnte. Es handelt sich hierbei um einen historischen Liebesroman, der sich in den Jahren 1892, 1920 und 1944 abspielt. Um es kurz zu sagen – im Großen und Ganzen begleitet man drei faszinierende Frauen, die sich sehr ähneln und durch das Schicksal miteinander verbunden sind. Das verrät ja bereits der Klappentext. Auch das titelgebende „spahirblaue Zimmer“ spielt dabei eine wichtige Rolle, drei Liebesgeschichten, die sich durch dieses Zimmer vereinen.

Die Hauptperson ist Kate Schuyler, Ärztin im Jahr 1944. Sie erzählt aus ihrer eigenen Sicht von ihrer Begegnung mit dem Patienten Cooper Ravenel. Schnell erkennt man, dass Kate eine starke Persönlichkeit ist, deren Priorität immer der Beruf der Ärztin war. Männern gegenüber war sie nie sonderlich positiv eingestellt, da diese sie als Ärztin nicht ausreichend respektierten. Aber bei Cooper ist das anders und die Anziehungskraft zwischen den beiden ist stark, auch wenn Kate es zu Beginn nicht wahrhaben möchte.

Die zweite Geschichte dreht sich um Olive im Jahr 1892. Sie arbeitet als Dienstmädchen für eine hoch angesehene Familie und ist Kate sehr ähnlich, was ihre Abneigung gegenüber Männern betrifft. Auch sie hat ein Ziel vor Augen, allerdings kommt auch ihr ein Mann in die Quere und lenkt sie von ihrem eigentlichen Plan ab.

Die dritte Person in der Geschichte ist Lucy. Sie arbeitet im Jahr 1920 als Sekretärin eines Anwalts und sieht sich selbst als unabhängige Frau, die sich allein auf sich selbst verlassen kann. Zunächst wirken diese drei Geschichten wie alleinstehend, aber durch das Übereinstimmen der Nachnamen erkennt man relativ schnell, wie die drei Frauen zueinander in Verbindung stehen. Sie alle haben ein Ziel vor Augen, nämlich das Geheimnis ihrer Familien zu lüften.

Relativ schnell merkt man, wie ähnlich sich die Frauen doch sind. Sie sind alle sehr charakterstark und kämpfen für das, was sie wollen. Alle drei haben ein Ziel vor Augen. Sie verbindet eine gewisse Sehnsucht und der Drang, ein Geheimnis zu lüften. An dieser Stelle will ich nicht zu viel verraten, aber das Buch hat so einiges an Verwirrung zu bieten.

Was diese Geschichte so besonders macht, ist die Tatsache, dass man als Leser Schritt für Schritt hinter die Verbindung der drei Frauen kommt und das Fesselnde sind diese Zusammenhänge, die es aufzudecken gilt. Die Autorinnen haben es auch gut verstanden, mich in die Zeit zurückzuversetzen und ich hatte von allen drei Frauen das perfekte Bild vor Augen. Das Tolle ist natürlich auch, dass man in einem Buch praktisch drei Geschichten verfolgt und jede hat ihren Reiz. Das sorgt sehr gut für Abwechslung und Spannung. So wurde es zu keiner Zeit langweilig, man will schließlich erfahren, wie die Geschichten zusammenhängen. Auch ab dem Punkt, an dem ich hinter das Geheimnis gekommen bin, hat die Neugier nicht nachgelassen. Schließlich handelt es sich um einen Liebesroman und die Liebesgeschichte der drei zu verfolgen, war ebenfalls zum Träumen schön. Der Schreibstil war sehr einladend und teilweise gab es auch sehr amüsante Stellen, die mich schmunzeln ließen.

Die Männerfiguren erfüllen in diesem Fall mal wieder genau das Klischee – gottesgleiche Geschöpfe, charmant und selbstbewusst.

„Die Konturen seines Körpers waren so perfekt wie eine italienische Marmorstatue, die Gott zum Leben erweckt hatte.“ (s. 182)

Allerdings habe ich mich keineswegs an diesem Klischee gestört, weil ich es einfach als sehr gut umgesetzt empfand. Die Männer sind in diesem Fall nämlich keine typischen Badboys, die sich dann Hals über Kopf in das nette Mädchen von nebenan verlieben – stattdessen sind sie romantische Helden, die um die Liebe kämpfen. Es handelt sich meiner Meinung nach hier um keine gewöhnliche Liebesgeschichte, da ich bis zum Ende tatsächlich nicht wirklich vorhersehen konnte, wie die Geschichte wohl ausgeht. Das Ende hat mir dann dementsprechend auch zugesagt, es war nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Emotionen waren greifbar, man konnte mit den Liebenden mitleiden und mitfiebern.

FAZIT:
Ein Buch, bei dem ich nichts zu meckern habe, in meinen Augen perfekt – angefangen bei dem wunderschönen Cover, bis hin zu dem gelungenen Ende. Es war sehr romantisch, ohne direkt kitschig zu werden und die Charaktere waren wunderbar ausgearbeitet, sowohl die drei Protagonistinnen, als auch die männlichen Figuren. Ganz besonders toll war es, gleich drei Geschichten zu verfolgen und das Geheimnis Schritt für Schritt aufzudecken. Das Buch hat mir einige schöne Lesestunden beschert!

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

liebe, freundschaft, leben, schuhkarton voll erinnerungen, panda

Scherbengold

Kathrin Hövekamp
E-Buch Text: 207 Seiten
Erschienen bei Selfpublishing, 30.06.2017
ISBN B073M947GJ
Genre: Liebesromane

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Der Protagonist Jakob nimmt uns mit auf eine Reise in seine Vergangenheit und ich kann jetzt schon mal vorweg nehmen, diese Reise lohnt sich auf jeden Fall!

Mit Jakob hat die Autorin einen sehr humorvollen und sympathischen Charakter geschaffen, den man gerne begleitet. Seine Formulierungen und sein Hang zur Ironie haben mich bestens unterhalten, man fliegt förmlich schmunzelnd durch das Buch. Jakob versucht herauszufinden, weshalb ihn jede seiner bisherigen Freundinnen verlassen haben und startet mit seinen Nachforschungen bei seiner ersten Freundin. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart kommt Schwung in die Geschichte und Langatmigkeit wird verhindert. Der Leser erhält somit einen tollen Einblick in das Leben und den Charakter des Protagonisten.

Das Thema an sich ist sehr einfach gehalten, der Klappentext verrät eigentlich schon alles was man wissen sollte. Es gibt immer wieder kurze Rückblicke und Erzählungen von Beziehungen zu seinen Ex-Freundinnen, diese waren sehr unterhaltsam, aber meiner Meinung nach etwas planlos, ohne wirklich zu der Auflösung am Ende der Geschichte beizutragen. Jakob forscht zwar in der Vergangenheit, aber ohne wirklich mit einer großartigen Erkenntnis daraus zu schließen.

Was mir auch sehr gefallen hat, waren die beiden besten Freunde von Jakob, Andy und Hanna. Das Buch erzählt von der tollen Freundschaft der drei. Andy zeichnet sich als mitfühlender und verlässlicher Freund aus, während Hanna und Jakob etwas besonderes zu verbinden scheint. Die Dialoge der beiden sind wirklich super, sehr unterhaltsam, aber auch anspruchsvoll, teilweise sogar mit philosophischen Exkursen.

FAZIT:
Ein tolles Buch, das vor allem eins verspricht: Spaß! Ich wurde bestens unterhalten und musste immer wieder lachen. Ein Buch über Freundschaft und Liebe, ohne kitschig zu werden. Die Charaktere waren authentisch und mit Jakob als Erzähler war die Geschichte wirklich sehr charmant. Klare Leseempfehlung, für alle die sich einfach mal über eine Geschichte ausschließlich freuen wollen, ohne Leiden, Liebeskummer oder Zittern!

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

shanghai, flucht, flüchtlinge, judenverfolgung, andrea maria schenkel

Als die Liebe endlich war

Andrea Maria Schenkel
Flexibler Einband
Erschienen bei Diana, 13.06.2017
ISBN 9783453359536
Genre: Romane

Rezension:

Zuerst muss ich wohl noch etwas mehr über den Inhalt des Buches preisgeben, denn in diesem Fall finde ich den Klappentext nicht wirklich passend. Zumindest habe ich nur durch das Lesen des Textes auf dem Buchrücken, eine ganz andere Geschichte erwartet. Das Buch verbindet drei verschiedene Handlungsstränge, zum einen, die Flucht Carls zusammen mit seiner Familie, als er noch ein Kind war. Die jüdische Familie hat das Glück flüchten zu können und erzählt wird von der Zeit auf dem Schiff, das sie in ihre neue Heimat bringen wird und über das darauffolgende Leben in Shanghai. Dieser Teil nimmt sehr viel Raum im Buch ein. Zum anderen wäre da noch die Geschichte um Erna, eine junge Frau, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland lebt. Ein dritter Strang spielt 2010, Carl ist nun über 80 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Emmi in New York, ebenfalls deutsch, die er allerdings in Amerika kennen gelernt hat. Nach dem Klappentext hatte ich einen sehr viel größeren Anteil der Gegenwartsgeschichte des Paars erwartet, der Gegenwartsstrang wirkte für mich allerdings sehr beiläufig. Die Vergangenheit nimmt meiner Meinung nach einen sehr viel größeren Teil ein, was mich teilweise ein wenig enttäuscht hat, da ich nun mal mit etwas anderem gerechnet habe. Trotzdem hatte das Buch einiges zu bieten und konnte mich mitreißen.

Es handelt sich hierbei um eine sehr bewegende Geschichte über eine Flüchtlingsfamilie aus Deutschland, die gezwungenermaßen ein neues Leben in Shanghai beginnen muss. Die Autorin schreibt schlichtweg sehr schön und hat mir einige Gänsehaut-Momente beschert. Das Zeitgeschehen war sehr greifbar dargestellt, vor allem die Hoffnung der kleinen Familie war deutlich spürbar. Durch den Realitätsbezug war die Geschichte natürlich umso mitreißender. Das Buch ist voller historischem Wissen und daher auch sehr informativ, sehr interessant war besonders das Leben der deutschen Flüchtlingsfamilie in Shanghai, in welches man einen sehr guten Einblick bekommt. Auch die Geschichte um Erna war interessant und zugleich rätselhaft, den Zusammenhang zwischen den beiden Handlungssträngen erkennt man nicht sofort. Der besondere Reiz der Geschichte lag daher auch am Wechsel der Schauplätze und auch am Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Hauptperson Carl erschien als sehr stiller und zurückgezogener Charakter, sehr passend wenn man die schwere Vergangenheit bedenkt. Er wirkt sehr ernst und eher zurückhaltend, so richtig konnte ich nicht mit ihm mitfühlen. Allerdings haben mir die anderen Charaktere umso besser gefallen, beispielsweise seine Mutter Grete oder die beiden Passagiere ebenfalls an Bord des Schiffs, Eleonore und Otto, die die Familie begleiten. Eleonore und Otto konnten mich mit ihrer warmherzigen und liebevollen Art sehr überzeugen. Die beiden haben trotz der harten Zeiten nie den Mut verloren und haben in allem das beste gesehen, diese Stärke hat mich sehr beeindruckt.

FAZIT:
Eine wunderschöne Geschichte die ans Herz geht, mit tollen Charakteren und einem schönen Schreibstil. Andrea Maria Schenkel weiß wie sie große Gefühle vermitteln kann, das Gefühl der Heimatlosigkeit und die damit verbundene innere Zerrissenheit waren deutlich spürbar. Einziger Kritikpunkt ist die Enttäuschung um die kaum vorhandene Handlung in der Gegenwart, das ging mir ein bisschen zu sehr unter. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Ein sehr ernstes Buch, mit einem Realitätsbezug und großen Gefühlen, von mir eine klare Leseempfehlung!

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

55 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

schottland, mord, krimi, thriller, ermittler

Totenkalt

Stuart MacBride , Andreas Jäger
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 17.07.2017
ISBN 9783442485666
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Die Handlung wird von einem personalen Erzähler vermittelt und der Protagonist um den sich alles dreht ist in diesem Thriller Sergeant Logan McRae. Wie der Klappentext schon preisgibt, gehört er einem Ermittlerteam an, das einen grausamen Mord aufklären soll. Dabei muss er mit seiner ehemaligen Chefin Roberta Steel zusammenarbeiten. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt und schnell wird dem Leser auch bewusst wieso – Steel scheint nun wirklich nicht die umgänglichste Person zu sein. Wir bekommen einen Einblick in Logans Leben und das dreht sich nicht nur um die Aufklärung der Morde, deswegen ist auch noch ein weiterer Erzählstrang in die Geschichte integriert. Logan hat nämlich außerdem mit zwielichtigen Gangstern zu kämpfen und das ganz alleine, schließlich muss er als Polizist seine Beziehungen zu den Kriminellen verschleiern. Durch den Kampf in seinem Privatleben rückt die eigentliche Geschichte ziemlich in den Hintergrund. Vor allem die auf dem Klappentext erwähnte Emily Benton wird in der Geschichte beinahe komplett vergessen und taucht erst am Ende in der Auflösung des Mordfalls wieder auf. Trotzdem wird es nicht langweilig, Logan steht immer wieder vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen und die Spannung kommt in diesem Thriller garantiert nicht zu kurz! Das einzige, was mir ein wenig fehlte, war das Miträtseln. Dadurch, dass es kaum Hinweise bezüglich der Morde gab, da diese eher zweitrangig behandelt wurden, hat der Leser nicht wirklich die Chance den wahren Täter zu entlarven.

Die Charaktere haben mir ausgesprochen gut gefallen. Logan McRae zeichnet sich als gewitzter, gerechtigkeitsliebender Held aus, mit einem Hang zu Ironie, was ihn mir sehr sympathisch werden ließ. Die zweite Figur die hier auffällt ist seine Chefin Roberta Steel, eine angriffslustige, starke Frau, die immer einen blöden Spruch parat hat, der so gut wie immer sehr vulgär ist. Mit ihrer vorlauten Art empfand ich sie auch als witzig, wobei man hier sagen muss, dass es teilweise schon grenzwertig war. Ihr derber Gesprächston zeichnet Steel nun mal aus und macht sie besonders. Daran muss man sich wirklich erst mal gewöhnen und entweder man mag sie, oder man findet sie total bescheuert. Ich empfand die beiden, die eine seltsame Hassliebe verbindet, sehr unterhaltsam. Da es sich bei diesem Buch um den zehnten Teil einer Reihe handelt und ich keines der vorherigen Bücher kenne, war es teilweise schwierig die Vielzahl an Charakteren zu durchschauen, was aber nicht allzu schlimm war, denn die wichtigsten Figuren konnte ich sehr schnell einordnen.

Ich glaube das, was mich an dieses Buch so fesseln konnte, war allerdings nicht die Handlung an sich, sondern MacBrides Schreibstil, der mich voll und ganz überzeugen konnte. Wie schon erwähnt zeichnet die Charaktere – vor allem Steel – ein besonderer Gesprächston aus und auch die Art, wie die Polizisten im Team miteinander umgehen, war sehr erfrischend und locker. Vor allem spielte auch Schottland eine sehr große Rolle und die Details der Erzählung nehmen sehr viel Platz ein. Aber im positiven Sinne, denn so hat man immer ein genaues Bild vor Augen und ist immer mit dabei.

FAZIT:
Obwohl es sich hier um einen Thriller handelt, hatte ich mehr das Gefühl durch die Charaktere und ihre witzige Art an das Buch gefesselt zu sein. Die Spannung spielte für mich keine allzu große Rolle, obwohl ich natürlich mitfieberte und wissen wollte, wie das ganze private Drama für Logan McRae endet. Dieser Thriller bekommt eine klare Empfehlung, aber nur im Sinne der Unterhaltung. Das eigentliche Aufklären der Morde spielt nämlich eher eine Nebenrolle und auch die Auflösung wirkt fast schon banal. Trotzdem werde ich sicher noch einen weiteren Teil der Reihe lesen, da die Charaktere wirklich super ausgearbeitet waren und mich die detaillierten Kleinigkeiten überzeugen konnten.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

75 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

roman, alleine, 2017, angst, neues leben

Babydoll

Hollie Overton , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442205202
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Babydoll beginnt dort, wo die meisten Thriller enden, nämlich mit der Flucht eines Opfers, das 8 Jahre lang gefangen gehalten wurde. Lily wurde als Teenager entführt und festgehalten, sie wurde misshandelt und dabei wurde ihre Tochter Sky gezeugt, mit der sie nun flüchtet. Ihr Entführer Rick hat in all den Jahren keinen Fehler begangen. Deswegen hält Lily es anfangs auch für eine Falle, als sie bemerkt, dass die Tür zu ihrem „Verlies“ nicht abgeschlossen ist.

Die Autorin setzt den Schwerpunkt des Plots auf den psychologischen Effekt der Entführung bei den Opfern und den Familienangehörigen. Zusätzlich bekommt man als Leser Einblicke in die kranken Gedankengänge des Entführers. Die Perspektiven wechseln von Kapitel zu Kapitel zwischen der Protagonistin Lily, ihrer Zwillingsschwester Abby, ihrer Mutter Eve und dem Antagonisten Rick. So bekommt man als Leser einen perfekten Einblick in das Gefühlsleben der beteiligten Personen und hat die Möglichkeit sich in sie hineinzuversetzen.

Am emotionalsten waren dabei die Passagen des Opfers Lily. Sie erzählt von den Misshandlungen und Gräueltaten, die Rick ihr angetan hat. Durch Zeitsprünge erfährt man immer wieder etwas über ihr Leben vor der Entführung und den Verlust, der dadurch entstanden ist. Im ersten Kapitel wurden Lilys Gefühle besonders gut übermittelt, ihre Angst erwischt zu werden war sehr greifbar. Ich habe förmlich mitgefiebert. Dann natürlich auch das Ausatmen nach der gelungen Flucht und der Festnahme des Täters. Schnell kehrt aber wieder Spannung ein, denn Ricks Ziel ist es, Lily für ihren Ungehorsam zu bestrafen und sich an der Familie zu rächen. Die Spannung, ob er seine Pläne in die Tat umsetzen könnte, blieb bis zum Schluss. Besonders verstörend waren seine Gedankengänge. Er fühlt sich vollkommen im Recht und behauptet immer wieder Lily zu lieben und ihr etwas Gutes getan zu haben. Ich habe einen sehr guten Einblick in sein skrupelloses Wesen und seine abscheulichen Gedanken bekommen, die teilweise sehr schockierend waren. Zeitweise wurde ich richtig wütend.

Das hat natürlich auch sehr zum Nachdenken angeregt, denn man erfährt viel über Ricks Doppelleben. Er ist nämlich kein abgeschotteter Psychopath, der im Wald lebt, wie man sich das vielleicht vorstellt, sondern ein verheirateter Mann, angesehener Lehrer einer Schule und mitfühlender, besorgter Bürger, der sich selbstverständlich an den Suchaktionen nach Lilys Entführung beteiligte. Keinem ist irgendetwas aufgefallen, zu perfekt war seine Tarnung.

Mit Eve und Abby erschafft die Autorin zwei weitere, interessante Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide sind natürlich überglücklich Lily wieder zu haben. Auch hier klären Zeitsprünge über die vergangenen Jahre auf und lassen einblicken in die tiefen Wunden, welche die Entführung auch hier hinterlassen hat. Vor allem Abby, Lilys Zwillingsschwester, hat es besonders schwer getroffen und innerlich zerstört. Die enge Bindung der Schwestern war sehr schön ausgearbeitet und die tiefen Wunden, die durch das Auseinanderreißen der Beiden entstanden sind, waren sehr emotional geschildert. Ihre Mutter Eve ist eine sehr starke Persönlichkeit und unterstützt ihre Töchter und Enkeltochter wo sie kann. Auch sie war ein eindrucksvoller Charakter, trotz allen Rückschlägen konnte sie sehr gut mit der Situation umgehen.

Somit ist es der Autorin gelungen unterschiedliche Charaktere zu entwerfen und ihnen verschiedene Persönlichkeiten zu verleihen. Das alles hat sehr authentisch gewirkt und konnte mich überzeugen.

Als weniger gelungen empfand ich das Ende. Die Wende am Schluss konnte mich zwar ein wenig überraschen, der Ausgang war jedoch etwas zu gewollt. Hier wäre weniger einfach mehr gewesen. Somit war die Idee des Plots bestimmt sehr gut, allerdings nicht ganz perfekt umgesetzt. Zwischendurch hat es auch ein wenig an Spannung gefehlt. Diese ist dann eher an den Stellen entstanden, an denen Rick zu Wort kam und man seine gestörten Pläne verfolgen konnte. Komplett konnte mich das Buch deshalb nicht vom Hocker reißen, auch wenn die Charaktere sehr gelungen waren, fehlte es doch ein wenig dann in der Story.

Trotzdem bin ich förmlich durch das Buch geflogen, was vor allem dem Schreibstil der Autorin und der angenehmen Kapitellänge zu verdanken ist. Auch die wechselnden Perspektiven haben dazu beigetragen, da man so auch viel über die verschiedenen Charaktere erfahren konnte.

FAZIT:
An manchen Stellen hätte es schon ein bisschen mehr Spannung sein dürfen! Trotzdem ein gelungenes Buch, perfekte Unterhaltung, auch wenn das Ende doch eher dürftig ausfiel. Weiterempfehlen würde ich es dennoch, auch auf einen weiteren Roman der Autorin freue ich mich.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(69)

118 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

stiefbruder, sommer, kody keplinger, patchworkfamilie, party

Lemon Summer

Kody Keplinger , Anja Galić
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 09.05.2017
ISBN 9783570311110
Genre: Jugendbuch

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Das Buch wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Whitley erzählt. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, insgesamt liest sich das Buch flüssig und wirkt sehr frisch. Whitley beschreibt gewitzt und teilweise auch sehr jugendsprachlich, was hier auch absolut authentisch wirkt und deswegen schon einen großen Pluspunkt bekommt. Es gibt nichts Schlimmeres als aufgesetzte, „coole Jugendsprache“! Hier war das aber glücklicherweise nicht der Fall.

Der Klappentext verrät schon das Wesentliche der Geschichte. Whitley verbringt die Sommerferien wie immer bei ihrem Dad, denn ihre Eltern sind geschieden und sie lebt bei ihrer Mutter. Zu dieser pflegt sie ein eher schwieriges Verhältnis, sie würde viel lieber bei ihrem Vater leben. Diesen verbindet sie nämlich mit Spaß, bei ihm ist alles viel lockerer und ungezwungener. Zu ihrem großen Bruder hat sie ein inniges Verhältnis, allerdings hat dieser nur wenig Zeit für sie, da er selbst eine kleine Familie hat, um die er sich kümmern muss. Whitley stellt sich selbst als Einzelgängerin dar, die ihr eigenes Ding macht und keine Freunde braucht um glücklich zu sein. Dass dies allerdings mehr Schein als Sein ist, kann man sich als Leser schon recht schnell denken.

Whitley wird wie immer von ihrem Vater abgeholt um den Sommer bei ihm zu verbringen. Dass sie eine böse Überraschung erwartet, ahnt sie zu Beginn natürlich nicht. Nicht genug, dass ihr Vater das geliebte Apartment am See aufgegeben hat um in ein schickes, großes Haus zu ziehen, da wird sie bei ihrer Ankunft auch mit seiner neuen Familie konfrontiert; seine Verlobte und ihre beiden Kinder Nathan und Bailey. Zu allem Übel stellt sich Nathan zudem als Whitleys One-Night-Stand in der Nacht ihrer High-School-Abschlussfeier heraus, den sie doch eigentlich nie wieder sehen wollte. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hat, beschließt sie, dass sie absolut keine Lust auf diese neue Familie hat. Whitleys Rebellion beginnt, sie flüchtet in Partys, Alkohol und Vergnügen mit irgendwelchen Jungs. Zunächst wirkt das Ganze wie das typische Verhalten eines Teenagers, allerdings wurde diese „rebellische Phase“ meiner Meinung nach, ein klein wenig übertrieben dargestellt.

Die Darstellung der Protagonistin Whitley war an manchen Stellen schlichtweg zu heftig. Es ist ja wirklich ganz normal als Teenager mal ein bisschen zu viel zu trinken, aber welcher Teenager hat denn seine Flasche Notfall-Tequila dabei und gönnt sich mal eben ein Fläschchen alleine in seinem Zimmer? Um sich aufzumuntern? Auch die „Sexbesessenheit“ und das ständige Ringen um Aufmerksamkeit von irgendwelchen dahergelaufenen Kerlen waren extrem. Außerdem ist mir die Protagonistin ein kleines bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt. Gegen ein gesundes Selbstbewusstsein sollte nichts einzuwenden sein, allerdings gerät Whitley nahezu ins Schwärmen für sich selbst. So ein paar kleine Selbstzweifel hätten die Geschichte noch ein wenig authentischer erscheinen lassen.

Die Nebencharaktere haben mich mehr überzeugt. Sylvia, die neue Frau ihres Vaters, war mir sehr sympathisch, einfühlsam und aufmerksam, auch wenn Whitley sich zunächst gegen diese Tatsache gewehrt hat. Auch ihre jüngere Stiefschwester Bailey ist liebenswert und herzlich, sie hat es sogar geschafft sich am schnellsten in Whitleys Herz zu schleichen. Ihr Stiefbruder und One-Night-Stand Nathan übernimmt die Rolle des verantwortungsbewussten Strebers, allerdings auch auf eine sympathische Art und Weise. Immer wieder versucht er, Whitley von sich zu überzeugen und hält zu ihr, egal was sie schon wieder verbockt hat. Lange kann sich Whitley dem Charme ihrer neuen Familie nicht entziehen.

Whitleys Eltern haben mich sehr wütend gemacht. Sie zeigen nicht gerade viel Interesse an ihrem Kind. Teilweise konnte ich dieses Verhalten so gar nicht nachvollziehen, was aber auch eine Erklärung für Whitleys Rebellion darstellte. Mein liebster Charakter war Harrison, Whitleys neuer bester Freund, den sie kennenlernt, weil sie sich zuerst einmal an ihn heran macht. Zu ihrem Bedauern stellt sich heraus, dass Harrison sich nicht für Mädchen interessiert. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine wundervolle Freundschaft.

Im Laufe der Geschichte kommt es zum Wandel von Whitley, sie lässt hinter ihre arrogante Fassade blicken und auch die Gründe für ihr Fehlverhalten werden aufgedeckt. Diesen Wandel empfand ich als nachvollziehbar und auch gelungen, denn trotzdem wird sie nicht zu einem komplett anderen Menschen.

FAZIT:
Die Charaktere der Geschichte waren teils gut, teils weniger gut. Wie schon erwähnt, hat mich die übertriebene Darstellung der Protagonistin genervt. Das war mir einfach zu unrealistisch. Den Schreibstil empfand ich als sehr gelungen und authentisch, ich habe absolut geglaubt, dass eine Jugendliche spricht. Whitleys Entwicklung war auch positiv und glaubhaft dargestellt. Die Geschichte war im Großen und Ganzen nicht sehr tiefsinnig, dennoch unterhaltsam.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(114)

213 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 81 Rezensionen

oxford, die schule der nacht, rezension, mystery, studium

Die Schule der Nacht

Ann A. McDonald , Christoph Göhler
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 22.05.2017
ISBN 9783764531775
Genre: Romane

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Geheimnisse, die Suche nach sich selbst, eine Geheimgesellschaft und ein klein wenig Mystik sind die Schlagwörter, die die Geschichte rund um „Die Schule der Nacht“ wohl am besten beschreiben. Somit hält dieses Buch genug für spannungsgeladene Stunden bereit. Nach dem Klappentext musste ich dieses Buch unbedingt lesen und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst einmal steigt die Geschichte mit Cassandra Blackwells Ankunft am Raleigh College in England ein. Sie beginnt ihr Auslandssemester, denn ursprünglich studiert sie in Amerika. Aber nicht des Colleges wegen hat Cassandra sich für diesen Schritt entschieden, sondern aufgrund einer geheimnisvollen Nachricht die sie erreicht hat. Sie solle wieder ans College zurückkehren, dabei hat sie anfangs keinerlei Verbindung nach England, die diese Nachricht begründen würde. Die Neugier siegt, denn Cassandra möchte mehr über das Leben ihrer Mutter und ihres Vaters, den sie nie kennengelernt hat, erfahren.

Der Leser taucht ein in die Welt einer alten Universität mit vielen alten Geheimnissen, die es aufzudecken gilt. Allen voran ist das Geheimnis um die sogenannte Schule der Nacht, eine angebliche Geheimgesellschaft, die Cassandras Weg auf der Spurensuche nach ihrer Mutter kreuzt. Das Raleigh College wird so eindrucksvoll beschrieben, dass es erscheint wie eine Traumwelt, mit wunderschönen Bauten und beeindruckenden Persönlichkeiten, die alle der Bildungselite von England angehören. Bei der Spurensuche treten immer weitere, ungeklärte Fragen auf, die die Geschichte am Leben erhalten und die Spannung ankurbeln. So ist es MacDonald gelungen mich an das Buch zu fesseln, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Cassandras Ungeduld, das Geheimnis um die Schule der Nacht zu lüften und damit vielleicht auch ihre eigene Herkunft zu klären, wird immer größer und das hat sich auch auf mich übertragen.

Zu Beginn lernt man Cassandra als Einzelgängerin kennen, die lieber für sich bleibt. Verständlich, denn ihr einziges Ziel ihres Auslandssemesters war es, Licht in die Dunkelheit um ihre Herkunft und die Vergangenheit ihrer Mutter, oder Eltern zu bringen. Im Laufe der Geschichte kommt sie aber immer mehr aus sich heraus und lässt den Kontakt zu anderen Menschen zu. Somit wirkt die Protagonistin anfangs zawr distanziert, aber dennoch sympathisch. Das liegt vor allem an den Einblicken in Cassies schwere Kindheit mit einer depressiven Mutter, die ihre Verhaltensweise zumindest erklärt. Zuflucht hat sie im Aneignen von Wissen in ganz verschiedenen Bereichen gefunden. Besonders gefiel mir die Tatsache, dass es sich hier keineswegs um das nette Mädchen von nebenan handelt, sondern durchaus um einen Charakter mit Ecken und Kanten. Ihre Vergangenheit ist geprägt von Drogen, oder auch kriminellen Tätigkeiten. Nicht dass das sympathisch wäre, aber die positive Entwicklung einer starken Persönlichkeit, ist das, was mir bei Cassie besonders aufgefallen ist.

Die Nebencharaktere waren zwar nicht sehr detailreich beschrieben, aber das hatte den Effekt, dass ich als Leser stets rätseln konnte, wer von ihnen denn zu den „Guten“ und wer zu den „Bösen“ gehört.  Da gibt es zum Beispiel Evie, Cassies Mitbewohnerin, immer fröhlich und liebevoll, bis es dann zu einem Wandel kommt, den sich Cassie nicht erklären kann. Auch diesem Geheimnis geht sie auf den Grund. Hugo und Olivia, die Oberschichtkids, spielen auch eine große Rolle. Trotz ihres hohen Standes sind sie herzlich und freundlich und besonders zwischen Hugo und Cassie kommt es immer wieder zu Spannungen, die erahnen lassen, dass da etwas dahinterstecken könnte.

Cassie erstarrte. Sie merkte, wie sie unter der Berührung erschauerte, spürte, wie seine Haut auf ihrer Haut brannte, aber vor allem erkannte sie in seinen Augen jene dunkle Einsamkeit, die sie selbst jeden einzelnen Tag empfand. Einen Hunger, der sie beinahe verschlang. (MacDonald, s. 272)

Dinnerabende mit der hohen Gesellschaft Englands folgen damit für Cassie. Besonders aufgefallen ist auch der Charakter des Professor Tremain, der Cassie aus irgendeinem Grund scheint loswerden zu wollen. Es treten noch einige weitere, spannende Charaktere auf, aber an dieser Stelle will ich ja nicht zu viel verraten.

Anfangs geht die Geschichte etwas schleppend voran, aber mit jedem neuen kleinen Fünkchen Information, wächst der Drang, das Geheimnis endlich aufzudecken. In der Mitte des Buches etwa, kommt der Umschwung, welcher der Autorin sehr gut gelungen ist. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Sie hat es geschafft eine düstere, mystische Atmosphäre zu schaffen, welche am Ende ihren Höhepunkt erreicht. Bis zum Ende, wusste ich nicht, welchem der Charaktere zu trauen ist. Deswegen konnte mich auch das Ende überzeugen, als endlich alles aufgeklärt wurde. Fasziniert war ich vor allen Dingen vom Aufbau der Geschichte, wie doch alles miteinander zusammenhängt, was auf den ersten Blick nicht so scheint, die Einblicke in die fiktive Universität waren sehr eindrücklich und alle Charaktere waren gut gezeichnet. Durch die bildhaften Beschreibungen hatte ich auch immer ein deutliches Bild vor Augen.

FAZIT:
Ich empfehle dieses Buch ganz klar weiter. Auch wenn Mystery nicht zu meiner liebsten Thematik gehört, hat mich dieses Buch überzeugt. Vielleicht deswegen, weil es zum größten Teil eher einem Krimi ähnelt und die mystischen Passagen erst am Ende auftreten. Es hält viele Rätsel und spannende Wendungen parat, die mich immer wieder überraschen konnten. Mit jedem neuen Kapitel wächst der Drang, das Geheimnis rund um Die Schule der Nacht aufzuklären. Gut geschrieben und gut aufgebaut, ich habe nichts zu bemängeln. Deswegen vergebe ich hier die volle Punktzahl.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

tod, selbstmord, geheimnisse, lügen, mord

Der Tag, an dem wir dich vergaßen

Diane Chamberlain , Marion Ahl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 08.05.2017
ISBN 9783959670852
Genre: Romane

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Das Buch beginnt mit einem Epilog aus dem Jahr 1990, der zu Beginn direkt schon die Neugier weckt. Als Leser möchte man natürlich wissen, was dahinter steckt. Danach wechselt der Roman zur Gegenwart und in die Ich-Perspektive der Protagonistin Riley. Zu Beginn erfährt man, dass sie vor kurzem ihren Vater verloren hat und nur noch ihr Bruder Danny am Leben ist. Auch ihre Mutter und Schwester Lisa sind gestorben, Letztere beging Selbstmord als Riley noch ein Kleinkind war. Sie liebt ihren Bruder abgöttisch, jedoch lässt dieser sie nicht wirklich an ihn heran. Zu tief sitzen die traumatischen Erlebnisse des Krieges, in dem als Soldat gekämpft hat. Dennoch schließt man auch Danny ins Herz und fühlt mit Riley mit, die sich nichts mehr wünscht als ein normales und glückliches Leben für ihren großen Bruder.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil kümmert sich Riley um den Nachlass ihres Vaters, wobei sie auf Ungereimtheiten in der Vergangenheit stößt. Sie setzt alles daran diese aufzuklären und beginnt nachzuforschen. Im zweiten Teil kommt es zu Zeitsprüngen, denn nun wird die Geschichte von Lisa, Rileys Schwester erzählt. Sie war ein begnadetes, musikalisches Talent und Riley ist fasziniert von den Videoaufnahmen ihrer Schwester mit ihrer Violine, die sie in den Sachen ihres Vaters entdeckt. Das führt dazu, dass sie mehr über ihre Schwester erfahren will, vor allem was sie zum Suizid getrieben hat. Außerdem kommt dadurch die Frage auf, ob Lisa ihren Selbstmord nur vorgetäuscht hatte. Durch die Zeitsprünge erfährt der Leser viel über Lisas Charakter, wird mit ihren Ängsten konfrontiert und kann sehr gut mifühlen.

Im dritten Teil begibt sich Riley auf die Suche nach ihrer Schwester und enthüllt immer größere und schwerwiegendere Geheimnisse.

Es gibt viele Wendungen und Enthüllungen in der Geschichte, die allerdings so gut gewählt sind, dass die Geschichte stets realistisch und nachvollziehbar bleibt. Sie fesselt den Leser an das Buch, denn die Neugier lässt nicht nach. Es wird auf keinen Fall langweilig! Auch die Zeitsprünge sind gut platziert und bringen keinerlei Verwirrung, das hat die Autorin wirklich gut umgesetzt. Das ganze Buch ist sehr emotional und gegen Ende wird die Geschichte immer dramatischer.

Die Autorin hat sehr realistische Charaktere mit Ecken und Kanten geschaffen, vor allem die Protagonistin Riley war mir sehr sympathisch. Auch Lisas Geschichte war höchst emotional und ergreifend. Stück für Stück kommt der Leser hinter das lang gehütete Geheimnis der Familie und wird immer wieder aufs Neue überrascht.

Ein weiterer, großer Pluspunkt war auf jeden Fall der Schreibstil der Autorin. Alles wurde sehr bildhaft beschrieben, was das Kopfkino angeregt hat. Ich hatte immer den Ort des Geschehens vor Augen und konnte mir auch die Charaktere sehr gut ausmalen.

Einzig und allein das Ende hat mich etwas gestört, das hätte meiner Meinung nach noch ein bisschen mehr ausgebaut werden können. Eine winzige Kleinigkeit hat mir noch gefehlt, aber das ist wohl Geschmackssache und schlecht war es trotzdem keineswegs.

FAZIT:
Es handelt sich hier um eine höchst emotionale Familiengeschichte, keine Spur von Mystery, wie hinten auf dem Buchrücken beworben. Das hat mich nicht gestört, trotzdem finde ich es nicht ganz passend. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und auch der Schreibstil ist mir positiv aufgefallen. Klare Leseempfehlung, denn ich habe in keinem Moment Langeweile empfunden und wurde immer wieder überrascht.

  (0)
Tags: books, diane chamberlain   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

jahre wie diese, rezension, sadie jone, roman, liebe

Jahre wie diese

Sadie Jones , Brigitte Walitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penguin, 09.01.2017
ISBN 9783328100287
Genre: Romane

Rezension:

MEINE MEINUNG:
Im Fokus der Handlung stehen ganz klar die beiden Protagonisten Luke und Nina. Zu Beginn kennen sich die beiden nicht, das Geschehen setzt im Jahre 1961 ein, beide noch in der Pubertät. Abwechselnd wird aus dem Leben der Beiden erzählt, man lernt beide Charaktere zunächst einmal kennen und begleitet sie beim Heranwachsen.

Nina und Luke sind sehr zerbrechliche Persönlichkeiten, auch wenn sie nicht immer so wirken. Das Leben macht ihnen zu schaffen, auf ganz unterschiedliche Weisen. Luke musste von klein auf erwachsen sein, für seinen alkoholabhängigen Vater sorgen, denn seine Mutter befindet sich in einer psychiatrischen Anstalt. Er scheint gut damit zurecht zu kommen, auch wenn man bei der Lektüre immer wieder auf Hinweise stößt, die darauf schließen lassen, dass dem in Wahrheit nicht so ist. Luke ist bewundernswert, so hat er sich aus seiner schwierigen Kindheit heraus etwas aufgebaut, nicht aufgegeben und an seinen Träumen festgehalten, auch wenn ihm nicht immer klar war, von was genau er träumt. Er ist ein Träumer, versinkt in Büchern, Musik und in seiner Obsession für das Theater. Zufällig lernt er Leigh und Paul kennen, seine beiden besten Freunde, mit denen er zusammen eine Theaterkompagnie gründet.

Nina wirkt sehr viel schwächer als Luke. Sie definiert sich selbst über die Anerkennung ihrer Mutter, die ihr aber nur selten gegeben wird. Ihre Mutter kümmerte sich nie wirklich um sie, strebte nach einer Schauspielkarriere und versucht nach dem Scheitern dieser, Nina dorthin zu bringen, wo sie selbst gerne gewesen wäre. Nina fügt sich, auch wenn sie es hasst, im Mittelpunkt zu stehen und sich selbst mit der Schauspielerei quält. Ihre Tochter kritisiert sie dauerhaft, achtet streng darauf, dass diese nicht zu viel isst und kümmert sich auch darum, dass Nina einen wichtigen Mann aus der Theaterbranche heiratet, um leichter Fuß fassen zu können. Nina tut alles für ihre Mutter, auch wenn diese kein gutes Haar an ihr lässt und sich herzlich wenig um die Bedürfnisse ihrer Tochter schert. Auch die Ehe zu Tony ist ein Reinfall, im Prinzip gelangt Nina von dem einen Gefängnis in das Nächste. Mit ihren Gefühlen ist sie stets alleine, so kann sie von niemandem wirklich Liebe oder Zuneigung erwarten. Da wundert es nicht, dass sie sich selbst nicht zu lieben scheint und sich selbst einredet, dass alles gut ist, so wie es ist.

Da beide Protagonisten in der Theaterbranche tätig sind, ist es vorhersehbar, dass die beiden früher oder später aufeinander treffen. Auch erfährt man bereits über den Klappentext von der Liebe, die sich zwischen den beiden entwickeln wird. Nina ist durch ihren Ehemann an eine Hauptrolle in einem Stück gekommen. In ihrer Rolle als Inhaftierte berührt sie Luke, auf eine Art und Weise, die er selbst nicht zu begreifen scheint. Von ihrem ersten Bühnenauftritt an, geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Der distanzierte Schreibstil der Autorin lässt nicht tief in die Gefühlswelt des Protagonisten blicken, man kann nur erahnen, was sich hier anbahnt. Dies empfand ich allerdings als sehr passend, da beide Charaktere nie wirklich gelernt haben, was Liebe bedeutet und damit ihnen völlig neue, bis zu diesem Zeitpunkt an, unbekannte Emotionen entwickeln.

Er dachte an Nina Jacobs, die blind und gefesselt auf dem Boden gekniet hatte. Das Stück hatte etwas in ihm aufgerissen, und dann war sie da gewesen, hatte sich selbst zur Rettung dargeboten. Alles war von ihm abgefallen, bis nichts mehr von ihm übrig war, und dann – ihr Anblick, wie eine Antwort. Sie war ihm so richtig vorgekommen. Und sie schien nach ihm zu rufen. – ( Jones, s. 156)

Schnell wird deutlich, dass Luke sie retten will und man bekommt den Eindruck, er versuche für sich selbst, etwas wieder gut zu machen. Als hätte er das Gefühl, bis jetzt gescheitert zu sein, so konnte er weder Vater noch Mutter retten. Die Emotionen der Charaktere waren sehr trocken und undurchsichtig dargestellt, trotzdem hat die Autorin es durch ihren Schreibstil geschafft, die Emotionen zu vermitteln. Man muss sich als Leser seinen Teil dazu denken und das hat mir sehr gefallen, weil es die Persönlichkeiten der Charaktere, die Verschlossenheit der Figuren, perfekt unterstreicht.

Auch die Nebencharaktere, die Geschichte um Paul und Leigh hat mir gut gefallen, auch diese waren gut ausgearbeitet. Sie wohnen mit Luke zusammen und unterstützen ihn bei der Entfaltung seines Schreibtalents, werden somit zu seiner neuen Familie und geben ihm damit den Halt und die Zuneigung, die er nie hatte. Mit dem Kennenlernen von Nina beginnt das Ganze allerdings auseinander zu brechen. Luke setzt neue Prioritäten und das Theater, die gemeinsame Leidenschaft der drei Freunde, rückt für ihn in den Hintergrund.

Relativ gegen Ende kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die die Autorin fast vollkommen unkommentiert stehen lässt. Was das Buch vor allem interessant gemacht hat, war die Frage, ob es denn zu einem Happy End kommt oder nicht. Der Ausgang des Buches hat mir überraschenderweise sehr gut gefallen, auch wenn ich mit etwas anderem gerechnet habe.

FAZIT:
Ich muss sagen, dass ich am Anfang Schwierigkeiten hatte, in das Buch reinzufinden. Das lag vor allem an dem etwas ungewöhnlichen Schreibstil der Autorin, der mir aber mit der Zeit immer besser gefiel und im Endeffekt, haben diese distanzierten Beschreibungen sehr gut gepasst und die Ausarbeitung der Charaktere gefördert. Die Geschichte konnte mich fesseln und überraschen, obwohl nicht allzu viel passiert ist. Im Großen und Ganzen finde ich den Roman von Sadie Jones sehr gelungen und würde ihn weiterempfehlen.

  (0)
Tags: jahre wie diese, liebe, rezension, sadie jones   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(87)

173 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

liebe, stalking, roman, obsession, psychische krankheit

Liebeswahn

Ian McEwan , Hans-Christian Oeser
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.06.2000
ISBN 9783257231625
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

127 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

venedig, italien, oper, krimi, dirigent

Venezianisches Finale

Donna Leon
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.05.2012
ISBN 9783257231717
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(38)

92 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, commissario brunetti, venedig, italien, brunetti

Venezianische Scharade

Donna Leon
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.05.2012
ISBN 9783257231731
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(257)

557 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 27 Rezensionen

freundschaft, paris, liebe, frankreich, magersucht

Zusammen ist man weniger allein

Anna Gavalda , Ina Kronenberger
Fester Einband: 653 Seiten
Erschienen bei Gruner + Jahr, 05.03.2010
ISBN 9783570197134
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(56)

89 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, beziehung, hotel, zwei männer, italien

Am Hang

Markus Werner
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.01.2007
ISBN 9783596509881
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

84 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

liebe, internat, meer, jugendbuch, einsamkeit

Damals, das Meer

Meg Rosoff , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 236 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 10.02.2009
ISBN 9783551581969
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(60)

114 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

college, liebe, selbstfindung, amerika, dreiecksbeziehung

Die Liebeshandlung

Jeffrey Eugenides , Uli Aumüller , Grete Osterwald ,
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.12.2012
ISBN 9783499258503
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(191)

308 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

humor, tommy jaud, männer, lustig, single

Vollidiot

Tommy Jaud
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 15.05.2012
ISBN 9783596512386
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(213)

404 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 109 Rezensionen

briefe, liebe, tumblr, nie verschickte briefe, verlust

Ich wollte nur, dass du noch weißt ...

Emily Trunko , Nadine Mannchen , Lisa Congdon , typealive
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.02.2017
ISBN 9783785586082
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 
225 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks