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Die Hoffnung

Mich Vraa , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 05.10.2017
ISBN 9783455001556
Genre: Romane

Rezension:

In Mich Vraas historischem Roman 'Die Hoffnung' (Name eines Sklavenschiffs) lernt der Leser staunend, dass auch Dänemark Kolonien in der Karibik besaß, nämlich die Inseln St. Thomas and Saint Croix, wo heute große Kreuzfahrtschiffe anlegen, und dort lukrative Zurckerrohrplantagen betrieb, deren Wohlstand auf Sklavenarbeit basierte. Auch dänische Schiffe fuhren die berüchtigte Dreiecksroute: von Dänemark nach Guinea beladen mit Waffen und Schnaps, womit in Afrika die Stammeskriege in Gang gehalten wurden, die Kriegsgefangene zu Sklaven machten, von Guinea in die Karibik mit einem Zwischendeck voller schwarzer Sklaven, von denen kaum 50% die elende Fahrt überlebten, von St. Croix zurück nach Dänemark beladen mit wertvollem Zucker. Selbst nach dem königlichen Verbot von Sklaventransporten fuhren die nun illegalen Sklavenschiffe weiter. Eine der Hauptfiguren des Romans, der idealistische, etwas naive Humanist Mikkel Eide, segelt 1824 nach St. Thomas, um einen Bericht über die erbärmlichen Lebensumstände der schwarzen Sklaven dort zu schreiben und sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft einzusetzen, die im Gegensatz zu den Sklaventransporten legal ist. Eide erlebt Gewalt, Brutalität, Menschenjagd, Zynismus. Aus anderer Perspektive wird ein Sklaventranport von Afrika zu den Westindischen Inseln geschildert, ebenfalls mit drastischen Bildern. 
Der Autor schildert subtil, was unbegrenzte Macht ohne Furcht vor Strafe selbst aus wohlmeinenden Menschen macht: dem Arzt, der heilen und helfen wollte, selbst dem Humanisten, der sekundenlang versucht ist, eine Sklavin zu vergewaltigen, die ihm gefällt. 
Mich Vraa verwendet die Begriffe 'Neger' und 'Mulatte' im historischen Zusammenhang. 1788 sprachen Plantagenbesitzer, Sklavenhändler und auch Abolitionisten so, selbst Martin Luther King sprach in seiner berühmten 'I have a dream' Rede noch von Negroes. Es wäre künstlich, um nicht zu sagen komisch, wenn ein weißer Plantagenbesitzer von 1788 einen Sklaven, den er gerade fast zu Tode foltern lässt,  mit heutigem politisch korrekten Vokabular anspräche. Mich Vraas Mitgefühl und Sympathie gilt uneingeschränkt den hoffnungslosen schwarzen Leibeigenen. Ein spannendes Buch, aus Briefen und Tagebucheinträgen zusammengesetzt. Etliche drastische Schilderungen von Gewalt, die sicher der Wirklichkeit des hoffnungslosen Sklavenlebens um 1788-1824 entsprachen. Ein Lob auch dem Übersetzer!

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