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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

historischer roman, säulen des zorns

Die Säulen des Zorns

Bernhard Wucherer
Flexibler Einband: 1.113 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 06.08.2014
ISBN 9783839215791
Genre: Historische Romane

Rezension:

Staufen im Jahr 1649: Der Dreißigjährige Krieg ist zu Ende, aber die Pest hat den Menschen stark zugesetzt und die rund 300 verbliebenen Einwohner sind der Verzweiflung nahe. Das verödete Land gibt nichts mehr her und der Winter steht vor der Tür. Selbst bei der Familie des Kastellans Lodewig Dreyling von Wagrain sieht es nicht besser aus.

Um den Leuten wieder etwas von ihrem Lebensmut zurückzugeben, löst Reichsgraf Hugo von Königsegg sein vor Jahren gegebenes Versprechen ein und stiftet eine sehr wertvolle Fahne samt Umzug und einem dazugehörigen Festmahl für die noch ledigen Burschen. Ein Fähnrich muss gefunden werden. Doch schnell breitet sich Unruhe unter den Burschen aus, denn jeder ist davon überzeugt, den besten Fähnrich abzugeben. Bald darauf wird die erste Leiche gefunden und der vermeintliche Mörder schnell ausgemacht. Im Schwarzfischer Jockel Mühlegg ist ein leichtes Opfer gefunden und man ist sich sicher, dass ein Geständnis durch eine peinliche Befragung nicht lange auf sich warten lässt. Doch Jockel beteuert ganz beharrlich seine Unschuld. Läuft der wahre Mörder noch frei herum?

„Die Säulen des Zorns“ ist bereits der dritte Band aus der Reihe um die Familie Dreyling von Wagrain und mit über 1.000 Seiten auch der umfangreichste. Sehr anschaulich beschreibt der Autor das karge Leben nach dem Krieg und der Pest. Bernhard Wucherer hat sehr sympathische Charaktere geschaffen und hat ihnen durch ihre authentische Art sehr viel Lebendigkeit verliehen, sodass ich sehr gut mit ihnen mitfühlen konnte. Die detaillierten Beschreibungen der peinlichen Befragung sind sicherlich nicht jedermanns Sache und ließen selbst mich schlucken.

Bernhard Wucherer hat wieder einmal mehr bewiesen, dass er es meisterhaft versteht, Fiktion mit historischen Fakten zu verbinden. Geschichte war mir in der Schule immer zu trocken. Verpackt in einer spannenden Story jedoch, wird sie zu einem wahren Abenteuer und hier gelingt es dem Autor, mir die Persönlichkeiten der damaligen Zeit sowie das Geschehen nahezubringen. Natürlich weist ein über 1.000 Seiten starkes Werk auch seine Längen auf und es hätten mit Sicherheit auch 200 – 300 Seiten weniger sein können, aber von mir bekommt „Die Säulen des Zorns“ vier Sterne und eine ganz klare Empfehlung.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Garten der Abendnebel

Twan Eng Tan , Michaela Grabinger
Flexibler Einband
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.06.2016
ISBN 9783426305140
Genre: Romane

Rezension:

Als Jugendliche gerät Teoh Yun Ling zusammen mit ihrer Schwester in ein japanisches Arbeitslager. Die grausamen Erlebnisse ertragen die beiden Schwestern nur, indem sie sich in einen Fantasiegarten hineinträumen, um wenigstens für ein paar Augenblicke der Gewalt und dem großen Hunger entfliehen zu können. Yun Ling ist am Ende die Einzige, die das Internierungslager überlebt. Im Gedenken an ihre Schwester möchte Yun Ling ihren Zufluchtsort nachbauen lassen. Im malaysischen Hochland wird sie fündig und wendet sich, trotz ihrer Abneigung gegen die Japaner, an Aritomo, den ehemaligen Gärtner des Kaisers. Doch dieser lehnt Yun Lings Bitte ab und bietet ihr stattdessen eine Lehre bei ihm an. Trotz der vielen Vorbehalte nimmt sie seinen Vorschlag an und arbeitet hart an ihrem Traum. Die Beziehung zwischen dem Japaner und der, durch die Erlebnisse schwer traumatisierten Frau, ist kompliziert und das Vertrauen stellt sich erst sehr spät ein. Das gemeinsame Projekt ist für beide Seiten eine Art, den Frieden wiederherzustellen. Der Garten bekommt von Yun Ling den Namen „Garten der Abendnebel“.

Mittlerweile ist Yun Ling seit über 30 Jahren Richterin in Kuala Lumpur, verurteilt Kriegsverbrecher und wird nun in den Vorruhestand verabschiedet. Eine degenerative Nervenerkrankung, die rasch voranschreitet und zum Verlust des Gedächtnisses führen wird, weckt in ihr den Wunsch, alle Erinnerungen Revue passieren zu lassen und schriftlich festzuhalten. Sie begibt sich noch einmal auf den Weg zum „Garten der Abendnebel“ …

Tan Twan Engs hat mit seiner Protagonistin Yun Ling einen sehr starken und eindrucksvollen Charakter geschaffen. Dadurch, dass er sie ihre Geschichte in der Ich-Form und im Präsens erzählen lässt, ist der Leser sehr nah am Zeitgeschehen. Allerdings wird die Geschichte auf mehreren Zeitebenen erzählt und ich hatte etwas Mühe auszumachen, in welcher Zeit sich die Protagonistin gerade befindet.

In diesem Roman begegnen uns weitere verschiedene Charaktere, die alle auch sehr unterschiedliche Bindungen zur Protagonistin haben. Die innere Zerrissenheit von Yun Ling wird sehr gut beschrieben. Es ist nachzuvollziehen, wie schwer es ihr fallen muss, den Anweisungen des japanischen Gärtners zu folgen. Besonders schwer tut sich Yun Ling mit der Verbeugung vor ihrem Lehrmeister, die sie jedes Mal wieder in das verhasste Arbeitslager zurückversetzt, in dem diese Verbeugungen Pflicht waren und für sie eine Demütigung darstellten. Einzig die Liebe zu diesem Garten ermöglicht es den beiden, eine tatsächlich auf gegenseitigem Respekt beruhende Beziehung aufzubauen.

Der Autor erzählt mit sehr leisen Tönen die ebenso ereignisreiche wie ergreifende Geschichte von Yun Ling, wobei ihm der Spagat zwischen den grauenvollen Szenen und den wundervollen Beschreibungen der Landschaft meisterhaft gelungen ist. „Der Garten der Abendnebel“ ist kein Buch, das man schnell durchlesen kann. Immer wieder musste ich innehalten und habe auch den wunderbaren Schreibstil des Autors sehr genossen. Ich kann diesen Roman allen empfehlen, die Wert auf anspruchsvolle Literatur legen, und vergebe vier Sterne.

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397 Bibliotheken, 27 Leser, 1 Gruppe, 152 Rezensionen

krimi, taunus, mord, nele neuhaus, wald

Im Wald

Nele Neuhaus
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.10.2016
ISBN 9783550080555
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der achte Band aus der Bodenstein / Sander (Kirchhoff)-Reihe ist der wohl persönlichste Fall für Oliver von Bodenstein. Im Wald von Ruppertshain geht ein Wohnwagen in Flammen auf und ein Mann kommt darin um. Die Ermittler vom K11 in Hofheim finden schnell heraus, dass hier jemand vorsätzlich gemordet hat. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord in einem Hospiz. Warum tötet jemand eine Frau, die sowieso nicht mehr lange zu Leben gehabt hätte? Für Oliver von Bodenstein war die Frau keine Unbekannte, denn sie war die Mutter eines ehemaligen Schulkameraden von ihm.

Die Ermittlungen führen Pia und Oliver ins Jahr 1972 zurück – zu einem Fall, der nie aufgeklärt werden konnte - das Verschwinden des kleinen Arturs. Ein ganzes Dorf hüllte sich damals wie auch jetzt in Schweigen. Oliver von Bodenstein trifft dieser Fall ganz besonders hart, denn Artur war sein bester Freund …

Das in blau-grau gehaltene Cover mit dem Fuchs auf dem umgestürzten Baumstamm ist ein echter Hingucker und passt wieder sehr gut zur Thematik. Im Innenteil befindet sich dieses Mal eine Karte mit den örtlichen Gegebenheiten sowie ein Personenregister, welches sich – wie sich schnell herausstellt – als sehr hilfreich erweist. Durch die große Anzahl an Figuren, die Nele Neuhaus in ihrem Roman ins Rennen schickt, sieht man den Wald vor lauter Bäumen oder den Mörder vor lauter Charakteren nicht.

Ich habe nun alle Bände aus dieser Reihe gelesen und war jedes Mal ganz begeistert. „Im Wald“ hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Spannend ist der Fall – ohne Frage. Doch die vielen Charaktere haben den Lesefluss ganz massiv gestört. Jeder ist mit jedem irgendwie verwandt, verschwägert, befreundet oder befeindet. Permanent musste ich wieder zum Personenverzeichnis zurückblättern – wenn nicht sofort, dann spätestens am nächsten Tag, weil ich da den Überblick bei den ganzen Namen wieder verloren hatte. Natürlich gerät auch so irgendwie jeder mal in Verdacht. Ich mag es eigentlich, wenn man bei Krimis in die Irre geführt wird oder die eigenen Ermittlungen in einer Sackgasse enden. In diesen Fall war das Ganze allerdings ein bisschen übertrieben.

Über das Wiedersehen mit allen alten Bekannten aus den Vorgängerbänden habe ich mich natürlich gefreut. Henning Kirchhoff, Cem Altunay und Nicola Engel zum Beispiel. Aber auch der neue Kollege Tariq Omari ist schon jetzt ein Sympathieträger. Der Syrer mit dem fotografischen Gedächtnis sorgt für so manchen Schmunzler und lockert den Krimi ganz gewaltig auf. Das ist als Gegengewicht zu Oliver von Bodenstein auch notwendig. Dieser kommt gerade in diesem für ihn so persönlichen Fall sehr depressiv rüber. Auch die Tatsache, dass seine Exfrau Cosima ihn mit der jüngsten Tochter mal wieder ganz allein lässt, sorgt nicht gerade für eine Besserung seines Zustandes. Oliver scheint den Glauben an die Menschheit verloren zu haben und ich kann gut verstehen, dass er beruflich erst einmal ein Sabbatjahr einlegen möchte.

Bücher mit über 500 Seiten sind für mich immer ein Genuss. In diesem Fall hätten die 560 Seiten gerne 100 Seiten weniger haben dürfen, denn die ausführlichen Beschreibungen waren stellenweise sehr langatmig. An diesen Band habe ich für meine Verhältnisse ungewöhnlich lange gelesen. Trotz der spannenden Handlung ist „Im Wald“ für mich der schwächste Band aus der Reihe. Ich hoffe sehr, dass der nächste Roman wieder mit der brillanten Schreibweise der Autorin überzeugen kann, und vergebe drei Sterne.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

gmeiner, krimi, reihe, fortsetzung, band 2

Kinderland

Marco Sonnleitner
Flexibler Einband: 373 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.02.2014
ISBN 9783839215395
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bartholomäus Kammerlander hatte sich fest vorgenommen, sich intensiv um seine Frau und das neu erworbene Hotel zu kümmern. Der abgetrennte Kinderfinger im Magen eines Hechtes lässt den ehemaligen Kommissar jedoch noch einmal als Ermittler tätig werden. Nachdem der Rest der Leiche gefunden wird, versucht jeder, eine Erklärung für diesen absurden Fall zu finden. Doch je weiter die Polizei ermittelt, umso haarsträubender werden die Fakten und die Erklärung stellt alles Vorstellbare in den Schatten und lässt selbst die hartgesottenen Ermittler schlucken.

Wie bereits beim ersten Band mit dem ehemaligen Kommissar Kammerlander beginnt auch dieser Krimi wieder sehr verworren und erfordert etwas Durchhaltevermögen. Aber dann wird der Leser mit einem sehr spannenden Fall belohnt und einem durch und durch sympathischen Protagonisten, der auch viel von Alleingängen hält.

Dieser Fall ist nichts für schwache Nerven. Auch wenn Marco Sonnleitner auf blutige Details verzichtet, die Beschreibungen von entführten und ermordeten Kindern haben mir ganz schön zugesetzt. Der Täter ist alles anders als leicht zu entlarven, denn der Autor versteht es meisterhaft, seine Ermittler, samt Leserschar, mehr als einmal in eine Sackgasse zu führen.

Marco Sonnleitner hat mich mit seinem spannenden Schreibstil wieder in seinen Bann ziehen können. Eine Steigerung von Seite zu Seite - das gelingt nicht jedem Krimiautor. „Kinderland“ ist noch einmal eine Steigerung zum ersten Band „Blutzeugen“ und bekommt von mir fünf Sterne.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

hamburg, krimi, krimi-reihe

Bullenpeitsche

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426305188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Hamburger Elbvorort Groß Flottbek werden zwei Streifenpolizisten erschossen. So schnell sich erste Erfolge bei den Ermittlungen einstellen, so abrupt kommt plötzlich auch alles zum Stillstand. Staatsanwältin Chastity Riley wird hineingezogen in einen Strudel aus Macht und Korruption und gerät an ihre Grenzen …

„Bullenpeitsche“ ist bereits der fünfte Band aus der Chas Riley-Serie und war gleichzeitig mein erster Roman der Autorin. Ich liebe Krimis mit viel Lokalkolorit und davon ist in diesem reichlich vorhanden. Das verregnete Hamburg und sein St. Pauli bieten die perfekte Kulisse für die Handlung.

Der Sprachstil war etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Ich mag zwar gerne Romane lesen, die ohne Schnörkel, kurz und bündig geschrieben sind, aber Simone Buchholz‘ Schreibstil hat mich eher an Steno für Fortgeschrittene erinnert. Passt aber zum Umfang des Buches, welches mit 220 Seiten nicht gerade zu den dicksten Wälzern gehört.

Protagonistin Chas Riley ist eine humorvolle Frau, manchmal etwas derb – was jedoch an der Hamburger Schnauze liegt – hat aber einen sehr guten Draht zu ihren Kollegen. Ihr Privatleben kam leider etwas kurz und so bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie und wo ich sie einstufen soll. Ich habe schon das Gefühl, dass mir dadurch, dass ich die anderen Bände nicht gelesen habe, einiges an Vorwissen fehlt. Der Krimi ist aber ohne Probleme eigenständig zu lesen.

Positiv anzumerken ist, dass sich dieser Roman deutlich vom Einheitsbrei abhebt. Um mir ein besseres Bild von der Protagonistin zu machen und um zu sehen, ob ich die Reihe weiterverfolge, werde ich mir auf jeden Fall noch einen Band zu Gemüte führen. Von mir gibt es vier Sterne.

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

zeit, beständigkeit, poesie, tod, empfehlung

Die Autobiographie der Zeit

Lilly Lindner , Lisa Wöhling
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 02.05.2016
ISBN 9783426305409
Genre: Romane

Rezension:

Was Tim Bendzko für die Musik ist, ist Lilly Lindner für die Literatur. Ihr Name war mir bis dato kein Begriff. Aber an diesem Büchlein mit dem auffälligen Titel und der wunderschönen Gestaltung kam ich einfach nicht vorbei. Das Cover ziert eine aufgeklappte Taschenuhr, aus der Wasser fließt, auf dem wiederum ein Papierboot schwimmt. Das nennt man wohl Zeitfluss?! Und genau diese Zeit verging beim Lesen wie im Flug.

Der Roman umfasst nur 240 Seiten, von denen längst nicht alle komplett beschrieben sind und die viele herausragende Illustrationen enthalten. An dieser Stelle auch ein großes Lob an Lisa Wöhling. Die Inhaltsangabe selbst sagt sehr wenig über den Inhalt des Buches aus. Aber gerade das alles zusammen hat mich noch neugieriger auf „Die Autobiographie der Zeit“ gemacht.

Protagonistin ist die 15-jährige Ich-Erzählerin, die Zeit. Als sie stirbt und der Tod kommt, um sie abzuholen, lastet er ihr eine unheimliche Bürde auf. Sie muss ihren Heimatplaneten „Winter“ verlassen, um zukünftig für „den Rest der Zeit“ als unsterbliche Macht über die Welt zu wachen. Zusammen mit den anderen Mächten – Kevin (dem Raum), David (der Beständigkeit) und Shay (dem Abgrund) versucht sie, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Aber gerade die Menschen lassen diese Aufgabe zu einem schwierigen und komplexen Unterfangen werden …

Die Sätze sind zwar sehr kurz und bündig, aber wählt man die richtigen Worte aus, sagen sie weitaus mehr aus als manch ein langer Roman. Die Autorin muss die Seiten nicht komplett mit Wörtern füllen, denn sie überlässt es uns Lesern, etwas Wortgewaltiges daraus zu machen. Lilly Lindner schreibt über Glück und Unglück, Mut und Angst und auch über Hoffnung und tiefe Hoffnungslosigkeit. Alles in der Macht stehende tun, um ein Unheil abzuwenden? Wie sollen die vier Mächte das schaffen, wenn der Mensch sich selbst zugrunde richtet?

Die Autorin hat mich mit ihren Worten tief bewegt. Ihr Buch handelt von uns Menschen, der Zeit und was wir aus dieser Zeit machen. Über all das machen wir uns viel zu wenig Gedanken und nehmen vieles als selbstverständlich hin. Wer nach diesem Buch nicht ins Grübeln gerät, hat die ganze Geschichte nicht verstanden. „Die Autobiographie der Zeit“ ist ein wundervolles und kostbares Werk, welches ganz sicher fünf Sterne verdient hat. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung.

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151 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

mord, thriller, transnistrien, rechtsmedizin, rechtsmediziner

Zersetzt

Michael Tsokos , Andreas Gößling
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426518779
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Zersetzt“ ist der zweite Band aus der True-Crime-Reihe, der zeitlich jedoch zehn Monate vor dem ersten Band „Zerschunden“ spielt. Dies tut der Spannung zwar keinen Abbruch und man benötigt keinerlei Vorwissen, um den Roman verstehen zu können, ist aber vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache. Ich persönlich bin eher ein Freund von chronologischen Reihenfolgen. Der Roman besteht aus mehreren Handlungssträngen, die in den recht kurz gehaltenen Kapiteln jedoch durch den Ort, das Datum und die Uhrzeit gut voneinander zu unterscheiden sind.

Noch während Rechtsmediziner Dr. Fred Abel bei einem Opfer auf seinem Seziertisch einen winzig kleinen Stich in der Kniekehle feststellt und sich an einen nicht gelösten Fall erinnert, wird er vom Innenministerium nach Transnistrien geschickt. Der transnistrische Präsident möchte von Abel zwei Leichen obduziert haben, die in ungelöschtem Kalk gefunden wurden. Unter Aufsicht des osteuropäischen Geheimdienstes soll Abel herausfinden, ob es sich um die beiden Söhne eines Oligarchen handeln könnte.

Kein ungefährliches Unterfangen für Abel. Die beiden Männer wurden schwer gefoltert, bevor sie einen grausamen Tod starben. Abel, der den Osteuropäern nicht traut, steckt plötzlich mitten in einem politischen Komplott und muss fliehen - quer durch das transnistrische Grenzland, seine Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Zur gleichen Zeit kämpft in Deutschland ein junges Mädchen in einem Kellerverlies um sein Leben …

Für „Zersetzt“ braucht man als Leser starke Nerven, denn Michael Tsokos und Andreas Gössling sparen nicht mit ausführlichen Beschreibungen brutaler und blutiger Szenen. In den unterschiedlichen Handlungssträngen wird aus Sicht der Opfer geschrieben. Der Leser erfährt genauestens (und noch vor Fred Abel), was zum Beispiel die beiden Männer durchmachen mussten, bevor ihr Leben im ungelöschten Kalk ein Ende fand. Auch die Szenen im Kellerverlies schildern sehr detailliert, was der Psychopath mit seinem Opfer zu tun gedenkt. Zartbesaitete greifen besser nicht zu diesem Thriller. Was den Gedanken nicht unbedingt erträglicher macht, ist die Tatsache, dass viel von dem, was die Autoren beschreiben, sich im tatsächlichen Leben so oder so ähnlich zugetragen hat. Die Welt ist ein grausamer Ort.

Ich finde zwar, dass viele Handlungsstränge einen Thriller beleben, in diesem Fall jedoch hätte mindestens jeder Handlungsstrang ein eigenes Buch verdient gehabt. Es war alles ein wenig zu überladen – vor allen Dingen, weil alle Handlungsstränge auch noch gleich spannend waren. Nur das, was eigentlich sonst üblicherweise bei Thrillern mit mehreren Handlungssträngen passiert, hat mir hier gefehlt: dass am Ende die losen Fäden irgendwie zusammenlaufen.

Zum perfekten Thriller fehlt mir irgendwie noch der fließende Schreibstil, der sich eher wie ein Roman und nicht wie ein Sachbuch lesen lassen sollte. Den Dreh haben die beiden leider noch nicht ganz raus. Trotzdem: Spannend bleibt spannend und verdient fünf Sterne.

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171 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

krimi, arne dahl, schwedenkrimi, spannung, schweden

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492057707
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 „Sieben minus eins“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe mit dem Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom. Drei Wochen nach der Entführung eines 15-jährigen Mädchens, hat die Polizei noch immer keine heiße Spur. Ein anonymer Hinweis führt die Ermittler zu einer verlassenen Hütte in einem Wald. Durch eine Selbstschussanlage wird ein Polizist schwer verletzt, doch außer einer Blutlache in einem Verlies im Keller, finden die Beamten nichts. Sie sind zu spät gekommen. Nur wo ist das Mädchen? Sam Berger erinnert dieser Fall an weitere Vermisstenfälle aus vergangenen Jahren. Er geht, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten von einem Serientäter aus. Weitere Nachforschungen führen ihn anhand von Pressebildern oder Videos zu einer Frau, die an jedem dieser Tatorte mit einem Fahrrad auftauchte. Sam Berger scheint in ein Wespennest gestochen zu haben, denn plötzlich wendet sich das Blatt und er ist derjenige, der unter Mordverdacht gerät …

Angesprochen hat mich als Erstes das Cover, welches in sehr dezenten Farben eine ungeheure Ruhe ausstrahlt mit dem Boot auf dem Wasser. Diese Ruhe ist natürlich trügerisch, wie sich später herausstellt. Aber das Cover passt sehr gut zum Roman, da ein Bootshaus eine sehr große Rolle in diesem Fall spielt. Der Krimi ist spannend – ohne Frage. Dennoch gehört „Sieben minus eins“ nicht zu Arne Dahls besten Romanen. Der Funke bei den beiden Protagonisten ist bei mir noch nicht hundertprozentig übergesprungen. Eigentlich mag ich eigenwillige Ermittler, aber Sam Berger hat es mir nicht gerade leicht gemacht. Seine permanenten Alleingänge und Geheimniskrämereien habe ich in sofern nicht nachvollziehen können, als er seine Kollegin zu nicht ganz ungefährlichen Aktionen verleitet, die sie nicht nur den Job kosten könnten, sondern auch eine Gefährdung fürs Leben darstellen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mit ihm einfach nicht warm geworden bin. Aber auch hier kann man sich täuschen – wie im wahren Leben und ich hoffe, je besser man einen Protagonisten kennenlernt, umso mehr wird man ihn mögen.

Arne Dahl hat in diesem Krimi mit vielen Perspektiv- und Szenenwechseln gearbeitet und das lässt den Spannungspegel enorm nach oben schnellen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Und immer stellte sich mir die Frage: Wo sind die Entführungsopfer abgeblieben? Sind sie tatsächlich tot oder leben sie vielleicht doch noch? Da die erste Hälfte des Buches sich fast ausschließlich auf die Ermittler konzentriert und dem Leser dann ganz abrupt mitgeteilt wird, wer der Täter ist, fällt ein Miträtseln bei diesem Krimi komplett weg. Doch das, was ich bei anderen Krimis bemängeln würde, tut der Spannung hier keinen Abbruch. Einen absoluten Cliffhanger liefert der Autor mit dem letzten Absatz. Ganz sicher weiß ich, wer den zweiten Band aus der neuen Reihe lesen wird. Für „Sieben minus eins“ vergebe ich vier Sterne.

       

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

karibik, schmuggel, abenteuer, sklavenhandel, hanse

Bucht der Schmuggler

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2016
ISBN 9783426516935
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Cover von Ulf Schiewes aktuellem Roman „Bucht der Schmuggler“ lässt auf den ersten Blick vermuten, dass es sich hier keineswegs um eine Lektüre für Frauen handelt. Aber weit gefehlt: Dieser Abenteuerroman beinhaltet vieles von dem, was wir Frauen gerne lesen. Aber zunächst zum Inhalt.

Bremen im Jahr 1635: Handelsherr Jan van Hagen kehrt mit seinem Schiff und einer guten Ladung an Handelswaren an Bord nach Hause zurück. Jan freut sich umso mehr, dass die kostbare Fracht an Bord dem arg gebeutelten Handelsunternehmen seines Vaters Willem van Hagen aus dem größten Tief herausholen kann. Doch seine Freude hält nicht lange an, als er feststellen muss, dass sein Vater im Sterben liegt und das Handelshaus mittlerweile so hoch verschuldet ist, dass Jan nur die Flucht bleibt, wenn er nicht im Schuldturm landen will. Mit letzter Kraft rät sein Vater ihm, nach Amsterdam zu fliehen und sich dort an seinen alten Handelpartner Cornelius van Doorn zu wenden.

Schweren Herzens befolgt Jan den Rat seines Vaters und bekommt tatsächlich Unterstützung von van Doorn. Jan wird von ihm mit Handelsgütern versorgt und soll nach Hispaniola segeln, um dort Handel zu betreiben. Doch van Doorns Hilfe ist nicht ganz uneigennützig. Als Gegenleistung soll Jan van Doorns Sohn Martin finden, der mitsamt seiner Mannschaft in Gefangenschaft geraten ist. Jan hat ein mulmiges Gefühl, denn das Unterfangen ist nicht ganz ungefährlich und auch der Gedanke daran, Sklaven mit an Bord zu nehmen, behagt ihm nicht. Doch schlussendlich bleibt ihm keine andere Wahl und er macht sich auf den Weg.

Auf Hispaniola trifft Jan auf den Zuckerrohrplantagenbesitzer Don Miguel und seine junge und hübsche Frau Donã Maria. Mit ihm möchte er Handel betreiben, doch der neue Vize-Gouverneur Don Alonso versucht mit allen Mitteln, den Schmuggel zu untersagen und droht jedem, der sich dem widersetzt, mit dem Tod durch den Strick. Jans Probleme wachsen ins Unermessliche und zu allem Überfluss hat er sich auch noch Donã Maria verliebt …

„Bucht der Schmuggler“ ist ein wahres Lesevergnügen. Man merkt, dass in diesem Roman viel Recherchearbeit steckt. Ulf Schiewe weiß, worüber er schreibt. Zugute kommt ihm dabei sicherlich, dass er mehrere Jahre in Nordbrasilien gelebt hat und dort sehr viel über das Zuckerrohr gelernt hat. Und auch die Seefahrt ist ihm nicht fremd, sodass das Thema natürlich ein „Heimspiel“ war. Seine Charaktere sind ihm allesamt sehr gut gelungen und sie waren mir so sympathisch und zum Teil auch unsympathisch, dass ich gut mitfiebern konnte. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Figuren eines Romans einen kaltlassen. Besonders schön an diesem Roman finde ich, dass der Autor seinen Charakteren Raum gibt, sich zu entwickeln. Gerade bei Jan wird das sehr deutlich. Zu Beginn des Romans kam er mir noch ein wenig grün hinter den Ohren vor. Doch nach dem Tod seines Vaters wird er auf der abenteuerlichen Reise, zu der er gezwungen wird, allmählich erwachsen und trifft weise und vorausschauende Entscheidungen. Da sehr viele Charaktere in der Geschichte auftauchen, war es sehr hilfreich, dass gleich zu Beginn des Romans ein Personenregister angelegt wurde. Ich habe des Öfteren mal zurückblättern müssen.

In den Bann gezogen haben mich ganz klar die Szenen der Schiffsreise. Zum einen die Situation an Bord mit diesen vielen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären Elsje, eine Prostituierte und einzige Frau an Deck unter all den Männern – oder der portugiesische Schiffsarzt, der in Wirklichkeit gar kein Arzt ist. Auch Jans Mannschaft ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, können sich alle aufeinander verlassen. Die Tatsache, Sklaven an Bord quasi als Ware zu transportieren, behagt niemandem und keiner weiß so recht mit dieser Situation umzugehen.

Das Thema Sklaven wurde sehr anschaulich behandelt. Es nahm nicht zu viel Raum in der Geschichte ein, aber doch genug, um mich sehr nachdenklich zu stimmen. Was diesen Menschen widerfahren ist, ist niemals wieder gutzumachen. In diesem Roman waren zwei der Sympathieträger Sklaven und die haben mich mit ihrem Handeln sehr beeindruckt.

Auch wenn der Ausgang der Geschichte stellenweise voraussehbar war, so hat mich Ulf Schiewe mit „Bucht der Schmuggler“ sehr gut unterhalten und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Das Ende lässt definitiv auf einen zweiten Teil schließen und ich hoffe doch sehr, dass nicht allzu viel Zeit bis dahin vergeht. Von mir gibt es fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

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267 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 112 Rezensionen

amnesie, thriller, entführung, baby, mord

Remember Mia

Alexandra Burt , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.04.2016
ISBN 9783423261012
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach einem Autounfall erwacht die schwer verletzte Estelle Paradise im Krankenhaus und kann sich an nichts mehr erinnern – außer der Tatsache, dass sie ein sieben Monate altes Kind hatte. Aber nun ist Mia verschwunden und es stellt sich die Frage, ob sie entführt wurde, oder ob Estelle etwas mit dem Verschwinden zu tun hat. Mehrere Personen, darunter so gar ihr eigener Ehemann, behaupten, die junge Mutter war oft überfordert mit ihrer Tochter …

Alexandra Burt nimmt die Leser mit auf eine Reise voller spannender Verwirrungen. Nur häppchenweise erfährt man, was sich genau zugetragen hat und muss sich, genau wie Estelle, die Wahrheit zurechtpuzzeln. Die Charaktere, die einem dabei über den Weg laufen, sind zum großen Teil unsympathisch – allen voran Jack, Estelles Ehemann. Seiner Frau keine große Hilfe und gnadenlos gefühlskalt, liefert er sie sehr zügig in einer psychologischen Klinik ab. Die Ärzte dort sind auf Amnesiefälle spezialisiert und zudem entgeht Estelle somit vorläufig einer Haftstrafe.

Die Autorin legt das Hauptaugenmerk auf die Suche nach Mia. Gefühlsduseleien sind eher nicht ihr Ding, denn die Schilderungen sind sachlich und unterkühlt. Emotionen Fehlanzeige! Das hat natürlich zur Folge, dass ich der Protagonistin auch nicht sonderlich viel Mitgefühl entgegenbringen konnte. Lieber wäre mir gewesen, die Autorin wäre etwas tiefer ins Detail gegangen und mehr auf die Charaktere eingegangen, dann wäre aus „Remember Mia“ ein sehr guter Psychothriller geworden. Nichtsdestotrotz hat dieser Roman viel von dem zu bieten, was einen Thriller ausmacht – Spannung! Das liegt nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass in der Gegenwartsform aus der Sicht von Estelle erzählt wird.

Das Ende ist dann in meinen Augen etwas „too much“, würde mich aber definitiv nicht davon abhalten, einen weiteren Roman der Autorin zu lesen. Von mir gibt es vier Sterne.

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50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

thriller, thomas raab, mörder, krimi, stille

Still Chronik eines Mörders

Thomas Raab
Flexibler Einband: 358 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426305119
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ungewöhnlich ist es, wenn ein Autor diesen Satz über seinen Protagonisten verfasst. Aber ungewöhnlich ist auch dieses Buch, welches sich für mich als ein poetischer Schatz der Literatur herausgestellt hat. Doch zunächst stellt sich die Frage, für wen ist dieser Tag ein guter Tag? Für die Mitmenschen von Karl? Für Karl selbst? Oder sogar für die Leser, die Karl fast drei Jahrzehnte seines Lebens begleiten? Aber wer genau ist denn eigentlich Karl?

Am 6. Dezember des Jahres 1982 durchbricht ein Schrei die Stille des kleinen Dorfes Jettenbrunn in Österreich. Karl, der Sohn von Charlotte und Johannes Heidemann, hat das Licht der Welt erblickt und schreit seinen ganzen Schmerz und seine ganze Empörung darüber hinaus. Noch ahnt niemand, dass dieses Geschrei Tage und Nächte andauern soll, lediglich unterbrochen durch einen kurzen Erschöpfungsschlaf. Karls Mutter weiß sich keinen Rat mehr: Jegliche Versuche, den Jungen zu beruhigen scheitern, bewirken sogar das Gegenteil - sobald sie ihn auf den Arm nehmen möchte, wird Karls Stimme noch durchdringender.

Nur dem Zufall ist es geschuldet, dass Karls Vater die Entdeckung macht, dass jegliches Geräusch für Karl eine Tortur ist – und sei es noch so leise. Selbst den Flügelschlag eines Schmetterlings vermag Karl zu hören. Um der kleinen Familie, vor allem aber Karl das Leben erträglich zu machen, baut der Vater den Keller kurzerhand zu einem schalldichten Bereich um und fortan ist Ruhe. Dem Familienfrieden zwar dienlich, weniger jedoch der familiären Gemeinschaft, fristet Karl lange Zeit ein Eremitendasein. Der einzige soziale Kontakt – abgesehen von seinen Eltern, besteht aus gelegentlichen Besuchen eines Nachbarn, der pensionierter Lehrer ist und Karl unterrichtet. In puncto Zwischenmenschlichkeit liegt der Junge jedoch weit zurück und kann somit auch nicht unterscheiden, was richtig oder falsch ist. Als er mit einbezogen wird, lästige Fliegen zu erlegen und der Satz fällt, dass die Plagegeister endlich tot sind und nun Ruhe ist, hat das fatale Auswirkungen. Woher soll Karl wissen, dass Töten etwas Unrechtes ist? Töten = Ruhe?

Als die Mutter in ihren verzweifelten Versuchen ihr Kind zu lieben, auf immer mehr Ablehnung stößt, sowohl vonseiten der Dorfbewohner als auch von ihrem eigenen Sohn, beschließt sie, sich vor den Augen ihres Sohnes in einem See zu ertränken. Karl kann dieses Ereignis natürlich nicht zuordnen und ist ebenso verwirrt wie fasziniert von dem friedlichen Ausdruck auf dem Gesicht seiner toten Mutter. Nun ist er sich sicher, dass der Frieden erst im Tod zu finden ist und er verlässt sein Zuhause mit dem Vorsatz, auch anderen Menschen diesen Frieden zuteilwerden zu lassen. Karl hinterlässt eine Spur des Todes, wo auch immer er sich gerade befindet und immer in dem Glauben, richtig zu handeln. Doch er selbst vermag keinen inneren Frieden zu finden …

„Still“ ist kein reißerischer Thriller, wie man ihn vielleicht bei einer solchen Inhaltsangabe erwarten würde. Was Thomas Raabs Roman ausmacht, ist weniger der Inhalt als die Art, wie der Autor den Weg des Mörders beschreibt, nämlich in ganz leisen Tönen – eben STILL. Hier ist der Name Programm. Und wer nun glaubt, bei einer Schneise des Todes kann es keineswegs still zugehen, der irrt gewaltig. Karl ist beileibe kein Sympathieträger, aber ich konnte gut nachvollziehen, was ihn zu diesen Taten trieb und mich nicht ganz davon freisprechen, so etwas wie Mitleid mit ihm zu haben.

Der Leser muss sich automatisch mit dem „Kind“ Karl auseinandersetzen, das auf so tragische Art und Weise zum „Mörder“ Karl wird. Es führt kein Weg vorbei am Begreifen dieser Taten. Diesen Roman mit „Das Parfum“ von Patrick Süskind zu vergleichen ist legitim. Aber „Still“ ist durch Raabs Schreibstil so viel mehr. Die Figuren, die er geschaffen hat, sind so gut beschrieben und in Szene gesetzt, dass ich einfach nur fasziniert bin. Die große Wendung dieses Romans wird allerdings von zwei Charakteren verursacht, die ich in meiner Rezension noch gar nicht erwähnt habe. Man darf „Still“ also noch immer mit großer, erwartungsvoller Spannung lesen, ohne dass ich zu viel verraten habe. Ein großartiges Werk und mehr als fünf Sterne wert.

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64 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

borkum, liebe, insel, sylvia lott, nordsee

Die Inselfrauen

Sylvia Lott
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734100598
Genre: Romane

Rezension:

Der Sommer im Jahr 1967 hat das Leben der Journalistin Nina maßgeblich geprägt. Damals jobbte sie als junges Mädchen in der Pension ihrer Tante Theda auf der Insel Borkum. Dort lernt sie ihre erste große Liebe, den Krabbenfischer Klaas kennen, einen fleißigen und sehr musikalischen jungen Mann, der Nina einen Walzer komponiert. Die beiden Verliebten schmieden Zukunftspläne und für Nina ist es der schönste Sommer ihres Lebens. Doch als die Abreise naht, ist Klaas nicht wie versprochen am Ableger, um sie zu verabschieden. Zuhause angekommen, versucht Nina telefonisch und schriftlich Kontakt zu ihm aufzunehmen, doch sie bekommt keine Antwort. Für Nina bricht eine Welt zusammen.

Jetzt, im Jahr 2010, setzt die mittlerweile 61-jährige Nina das erste Mal wieder einen Fuß auf die Insel. Sie hat den Bruch zu Klaas nie ganz verwunden und konnte sich in all den Jahren auf keine feste Beziehung zu einem Mann einlassen. Durch ihren Beruf hat sie viel von der Welt gesehen, aber irgendwann zwingt der Stress Nina in die Knie und sie erleidet einen Burn-Out. Um sich zu erholen, zieht sie zu Tante Theda in die Pension, wo gerade ihre Nichte Rosalie aushilft. Diese steht kurz vor dem Abschluss ihres Examens zur Lehrerin. Doch ihr kommen Zweifel, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen hat. Ihre Beziehung steht auf dem Prüfstand, denn ihr Freund befindet sich berufsbedingt für längere Zeit am anderen Ende der Welt. Rosalie ist sich mit einem Mal nicht mehr so sicher, ob sie tatsächlich glücklich ist.

Und auch Tante Theda hat mit ihren Problemchen zu kämpfen. Mit mittlerweile 80 Jahren fällt ihr die Arbeit in der Pension zunehmend schwerer und sie hat sich entschlossen, die Pension zu verkaufen. Nun fehlt nur noch ihre Unterschrift unter dem Kaufvertrag. Aber das ist gar nicht so einfach, wie sie gedacht hat. Und auch Nina ist betrübt von der Tatsache, dass die Pension bald Geschichte sein soll, denn sie hat gerade ihr neues Hobby entdeckt – das Backen von Rosinenstuten und die Bewirtung der Gäste der Pension. Und dann plötzlich läuft ihr auch noch Klaas über den Weg …

Für mich ist der neue Roman von Sylvia Lott ein sehr angenehmer Vorgeschmack auf den Sommer. Ich konnte sofort eintauchen in das Inselleben und auch die Geschichten der drei Frauen haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen ist mühelos zu verfolgen und lockert den Schreibstil erheblich auf. Außerdem erzeugt die Autorin dadurch noch etwas Spannung, weil der Leser nicht sofort erfährt, wie es weitergeht. Durch die Examensarbeit von Rosalie gibt es immer wieder einen Abstecher in die vergangenen Jahrhunderte und es gibt einiges Interessantes über das damalige Leben der Frauen auf der Insel zu lesen.

Bei „Die Inselfrauen“ handelt es sich ganz klar um einen reinen Frauenroman, der sehr einfühlsam verfasst und umgesetzt wurde. Die Geschichte berührt und ich hatte mehr als einmal eine Gänsehaut beim Lesen. Liebesromane zu verfassen, die einem das Herz für die Protagonisten öffnen, jede Menge Lokalkolorit bieten und nicht ins Kitschige abdriften, will gelernt sein. Und Sylvia Lott, die kann es einfach. Da ich selber in Ostfriesland wohne, ist es immer wieder schön, über Sitten und Gebräuche wie „Klaasohm“ oder regionaltypische Spezialitäten wie „Ostfriesische Bohntjesopp“ zu lesen. Und wenn dann noch der Akkordeon spielende Wattführer Albertus Akkermann im Roman auftaucht, den ich schon persönlich kennenlernen durfte, dann ist doch alles perfekt.

Witzig fand ich die kleinen Anspielungen auf die vorherigen Romane der Autorin auf Seite 354: „Und im Mai zur Rhododendronblüte ins Ammerland (Die Rose von Darjeeling). Oder auf der Deutschen Edelsteinstraße gemächlich durch den Hunsrück (Die Lilie von Bela Vista). Aber ich würde auch gern Freunde auf Long Island besuchen .. Ach ja, und dort das beste Rezept für den Cheese Cake New York Style (Die Glücksbäckerin von Long Island) herausfinden!“

Interessant ist, dass ein Walzer die Inspiration zu diesem Roman war. Wie im Vorwort empfohlen, habe ich mir „And the waltz goes on“ von Sir Anthony Hopkins, uraufgeführt im Jahr 2011 in Wien von André Rieu, angehört. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sylvia Lott ausgerechnet diesen Walzer für ihr Buch aufgegriffen hat. Er ist eine wahre Inspiration und steht für alle Emotionen, die dieses Buch zu dem machen, was es ist - ein großartiger, gefühlvoller und unterhaltsamer Roman. Ich bedanke mich bei Sylvia Lott mit fünf Sternen.

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171 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

hypochonder, tod, krankheit, humor, roman

Die sieben Tode des Max Leif

Juliane Käppler
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426517253
Genre: Romane

Rezension:

Max Leif ist mit 41 Jahren ein sehr erfolgreicher Musikproduzent und Inhaber des Frankfurter Musiklabels LeifMusic. Als Millionär führt er ein Leben auf der Überholspur und ihn wirft so leicht nichts aus der Bahn – weder der Herzinfarkt, den er erleidet, noch der Seitensprung seiner Freundin – die er kurzerhand aus der Wohnung schmeißt. Erst als sein bester Freund Paul an einer Thrombose stirbt, gerät sein Leben aus den Fugen. Auf dem Rückflug aus dem Urlaub in Sansibar, der ursprünglich mit Paul zusammen geplant war, gerät das Flugzeug plötzlich in Turbulenzen und auf einmal gibt es den sorglosen, durch nichts zu erschütternden Max nicht mehr. An seine Stelle tritt ein ängstlicher, grüblerischer und vor allem überzeugter Hypochonder. Appetitlosigkeit, Fieber und Husten? Natürlich wurde Max im Urlaub von einer Tsetsefliege erwischt. Auch HIV, die Schlafkrankheit und ein Tumor im Kopf lassen ihn zu einem Dauergast bei Frau Dr. Bärbeißer werden. Diese erträgt Max‘ eigens ergoogelten Diagnosen mit stoischer Gelassenheit. Nichts und niemand kann ihn davon abbringen, dass sein letztes Stündlein bald geschlagen hat und so setzt Max sein Testament auf …

Juliane Käppler hat mit Max einen so sympathischen Charakter geschaffen, dass man ihn einfach lieben muss. Neben Max gibt es noch einige andere Charaktere, die ebenso liebenswert sind – auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders wirkt. Ich habe die ganze Zeit versucht mir vorzustellen, ob ich so ruhig geblieben wäre, wenn ich an Frau Dr. Bärbeißers Stelle gewesen wäre. So einen Patienten hätte ich zum Mond geschossen. Die etwas schroffe Art von ihr ist also nur allzu gut nachzuvollziehen.

Dann ist da noch die russische Putzfrau Jekaterina Poljakow, die Max immer ganz deutlich mit ihrem russischen Akzent die Meinung sagt. Direkt, offen, aber immer besorgt liebenswert. Und was wäre so eine Geschichte ohne eine Herzensdame, die sich als mürrische, ewig schlecht gelaunte Barista namens Maja herausstellt?! Warum Max seinen Kaffee trotz der Unfreundlichkeit doch immer wieder beharrlich bei ihr bestellt, wird erst im Verlauf der Geschichte klar.

Ich bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es sich hier um einen humorvollen Roman handelt. Das ist er auch, hat aber noch wesentlich mehr zu bieten, denn er macht nachdenklich und zeigt auf, was wirklich wichtig ist im Leben. Der Schreibstil ist flüssig und die immer wieder neuen Krankheiten von Max lassen den Leser zwar schmunzeln, driften aber niemals ins Lächerliche ab. Die Autorin hat mich mit ihrem Roman auf ganzer Linie überzeugt. Ich vergebe fünf Sterne.

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93 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

schweden, krimi, rassismus, tom stilton, rassenhass

Die Strömung

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 08.03.2016
ISBN 9783442753956
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der dritte Band der Rönning/Stilton-Reihe beginnt mit einer Rückblende in das Jahr 2005. In einer Stockholmer Hotelbar sitzen vier Männer zusammen, die einer nationalsozialistischen Einheit angehören. Sie planen eine Revolution, in dem Glauben, Schweden dadurch „reinigen“ zu können. Zwei Stunden sind vergangen und es ist bereits einiges an Alkohol geflossen, zieht einer der Männer ein Päckchen aus der Tasche und reicht es seinem Gegenüber mit den Worten: „Du hast doch heute Geburtstag. Ist von uns allen.“ Es handelt sich um einen Zimmerschlüssel in Form einer Plastikkarte für das Hotel Continental. Eine Dreiviertelstunde später ist der Mann wieder zurück, mit einer zerbrochenen Brille. Die rote Schachtel, die er zuvor bekommen hat, stellt er wieder auf den Tisch. Als sie einer der Männer aufmacht und sich den Inhalt besieht, sagt er nur: „Scheiße, wie eklig. Verdammt, was hast Du gemacht?“

Schonen im Jahr 2013: Die dreijährige Emelie spielt im Sandkasten. Oma Judith ist als Babysitterin eingesprungen und geht kurz ins Haus, als das Telefon klingelt. Als sie wieder nach draußen kommt, ist Emelie tot – ermordet. Nur zwei Tage später geschieht ein weiterer Kindermord. Wieder ist es ein Kind mit Migrationshintergrund. Der Verdacht fällt zunächst auf rassistische Gruppe, die in Schweden ihr Unwesen treibt. Plötzlich tauchen Hinweise zu dem brutalen, nie aufgeklärten Mord aus dem Jahr 2005 an einer schwangeren Edelprostituierten auf …

„Die Strömung“ ist mein erster Band aus der Reihe. Er lässt sich unabhängig von den Vorgängerbänden lesen. Ich hatte bei den komplexen Zusammenhängen der Protagonisten jedoch immer unterschwellig das Gefühl, ich hätte etwas verpasst. Die Charaktere sind so vielschichtig und interessant beschrieben, dass ich unbedingt mehr über sie erfahren möchte. Ich werde also um die anderen beiden Bücher nicht drum herumkommen. Das Autorenduo ist perfekt aufeinander abgestimmt und die Spannung ist in jedem Satz greifbar. Das Buch lebt durch die stetigen Wendungen und die Möglichkeit, sich mit den Ermittlern zusammen auf die Suche zu machen.

Durch die Flüchtlingskrise ist das Thema des Buches so aktuell wie nie. Im Buch wird auch immer mal wieder Bezug auf die Tat von Anders Behring Breivik genommen. Ein Schreckensszenario, welches für mich immer sehr schwer vorstellbar, in unserer heutigen Situation aber – auch gerade im Hinblick auf die aktuellen Wahlergebnisse, leider nicht mehr ganz abwegig ist. Sowohl das Cover als auch der Titel sind für diesen Kriminalroman sehr gut gewählt. „Die Strömung“ erhält von mir vier Sterne.

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

münchen, gina angelucci, krimi, cold case, inge löhnig

Gedenke mein

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548612287
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Gedenke mein“ wagt Inge Löhnig den Start in eine neue Reihe. Diese dreht sich allerdings immer noch um das Umfeld von Kommissar Dühnfort. Ermittlerin ist hier seine Verlobte Gina Angelucci, sodass wir Leser auch nicht gänzlich auf Dühnfort verzichten müssen. Gina arbeitet in der Abteilung für Cold Cases. So bezeichnet man Fälle, die seit vielen Jahren ungeklärt sind. Gerade erst hat sie einen solchen Fall erfolgreich nach achtundzwanzig Jahren aufklären können. Diese Tatsache führt Petra Weber zu ihr. Verzweifelt bittet sie Gina, sich auf die Suche nach ihrer vor zehn Jahren verschwundenen Tochter Marie zu machen. Damals beging ihr Mann Selbstmord und die Polizei ging davon aus, dass er Marie mit in den Tod nahm. Doch die Leiche des kleinen Mädchens wurde nie gefunden. Da dieser Fall nicht in Ginas Zuständigkeitsbereich fällt, muss sie ablehnen. Die Tatsache, dass Gina bald selber Mutter ist und das Mitleid mit Petra Weber lassen sie jedoch nicht los, sodass sie sich an die zuständigen Beamten in Rosenheim wendet. Eine erneute Aufrollung des Falles stößt jedoch keineswegs auf Zustimmung und so bedient sich Gina eines kleinen Tricks, um den Fall zu übernehmen. Sehr schnell muss sie feststellen, dass die Ermittlungen damals nicht sehr sorgfältig geführt wurden und der Gedanke, Marie könne vielleicht doch noch leben, der für Petra Weber immer Gewissheit war, ist plötzlich gar nicht mehr so abwegig …

Inge Löhnig hat, auch mit einer neuen Ermittlerin, wieder einen überzeugenden Krimi abgeliefert. Dass sie mit Gina Angelucci eine den Lesern bereits bekannte Protagonistin ausgewählt hat, hat sich als kluger Schachzug erwiesen. Somit ist Konstantin Dühnfort für alle noch in greifbarer Nähe – auch wenn er sich dezent im Hintergrund hält. Mir hat dabei vor allem gefallen, dass das Familienleben der beiden nicht über Gebühr behandelt wird und Ginas erster Fall im Vordergrund steht.

Die Geschichte um das verschwundene Mädchen ist so spannend, dass ich das Gefühl hatte, nicht schnell genug lesen zu können, um endlich zu erfahren, was damals passiert ist. Ganz geschickt erzählt die Autorin auf zwei Zeitebenen – in der Gegenwart im Jahr 2015 und der Vergangenheit im Jahr 2005. Nach und nach werden immer mehr Details enthüllt und ich habe fieberhaft mitgerätselt. Aber Inge Löhnig wäre nicht Inge Löhnig, wenn sie ihre Leser nicht auf so manch falsche Fährte locken würde.

„Gedenke mein“ ist ein sehr flüssig zu lesender Krimi mit Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Die Protagonisten sind alte Bekannte und sympathisch wie immer. Die Geschichte geht unter die Haut und ist nicht unbedingt für Schwangere oder frischgebackene Eltern geeignet. Mich hat die Autorin voll und ganz überzeugt und ich freue mich schon auf den nächsten Band mit Gina Angelucci. Von mir gibt es fünf Sterne.

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1.137 Bibliotheken, 31 Leser, 1 Gruppe, 98 Rezensionen

kreuzfahrt, thriller, sebastian fitzek, selbstmord, schiff

Passagier 23

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 29.10.2015
ISBN 9783426510179
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Polizeipsychologe Martin Schwartz verlor vor fünf Jahren seine Frau und seinen Sohn auf einer Kreuzfahrt. Sein daraus resultierender mangelnder Lebenswille gepaart mit seiner Einstellung, nun nichts mehr verlieren zu können, treiben ihn in seinem Beruf zu höchst waghalsigen Aktionen an. Inmitten einer dieser grenzwertigen Einsätze, in denen er sein Leben riskiert, bekommt er einen seltsamen Anruf von einer alten Dame. Sie ist Thrillerautorin und befindet sich aus Recherchegründen zu ihrem neuen Roman auf der „Sultan of the seas“, jenem Kreuzfahrtschiff, auf dem sich Martins Frau zusammen mit dem Sohn das Leben genommen haben soll. Sie bittet Martin, an Bord zu kommen, weil Beweise aufgetaucht sind, die vermuten lassen, dass sein Sohn noch am Leben sein könnte …

Eines vorweg: Ich liebe die Thriller von Sebastian Fitzek. Alle seine bis jetzt von mir gelesenen Romane habe ich inhaliert, weil sie von Seite zu Seite spannender wurden. So auch „Passagier 23“ – allerdings mit der Ausnahme, dass ich für die anderen immer fünf Sterne vergeben konnte. In diesem Fall ist mir das leider nicht möglich – eben WEIL es ein Roman von Sebastian Fitzek ist und ich weiß, wie gut er normalerweise schreiben kann. Hier liegt die Messlatte dementsprechend hoch und selbst meine Vergabe von drei Sternen ist noch geschmeichelt. So schwer habe ich mich schon lange nicht mehr mit einer Bewertung getan.

Wie gewohnt hat der Autor wieder einen spannungsgeladenen Thriller vorgelegt, den ich innerhalb kürzester Zeit ausgelesen hatte. Anders als sonst hatte ich in diesem Fall jedoch kein „WOW-Gefühl“ nach dem Zuklappen des Buches. Fitzek-Fans wissen, dass er in seinen Geschichten die Spannung steigert und immer noch einen draufsetzt. Aber genau das ist dieses Mal schiefgegangen. Die ganze Story war von Anfang an überzogen. Martin Schwartz hat mich als Protagonist nicht überzeugen können. Auch die Tatsache, dass er seine Familie verloren hat, hat für mich nicht plausibel gemacht, dass sich jemand freiwillig mit HIV infizieren oder sich einen Zahn ausschlagen lassen würde. Ebenso die Nebencharaktere, denen man auf dem Schiff begegnet. Es sind keine normal handelnden Personen, wie man sie sich vorstellen würde.

Eigentlich ist dieser Spagat zwischen normal erscheinenden Figuren und einer unglaublichen Auflösung am Ende des Romans immer das gewesen, was Fitzek meisterhaft beherrscht und was ihn zum beliebtesten deutschen Thrillerautor gemacht hat. Jetzt steht das Buch auf der Bestsellerliste, weil es ein „Fitzek“ ist und nicht, weil es qualitativ überzeugt hat. An den vielen Kritiken kann man erkennen, dass im Nachhinein viele Fans von „Passagier 23“ enttäuscht sind – so wie ich.

Meine anfängliche Befürchtung, dieser Roman könnte meine im Sommer bevorstehende Kreuzfahrt negativ beeinflussen, ist quasi ins Wasser gefallen. Ich hoffe, Sebastian Fitzek findet ganz schnell zu seinen alten Wurzeln zurück.

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283 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 128 Rezensionen

thriller, berlin, zelle, jonas winner, familie

Die Zelle

Jonas Winner
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426512760
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In den Sommerferien zieht der elfjährige Sammy mit seinen Eltern nach Berlin in eine Jugendstilvilla mit einem großen Grundstück, auf dem sich noch ein Luftschutzbunker befindet. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder Linus, der bereits einige Wochen zuvor mit dem Vater und den Möbelpackern vorausgefahren ist, konnte Sammy noch keine neuen Freundschaften schließen. Um die Langeweile zu vertreiben, erkundet er sein neues Zuhause und sieht zufällig, wie sein Vater die Gartenhütte betritt, die er immer schön sorgfältig wieder verschließt. Sammy schleicht ihm nach und findet so den Zugang zu dem Bunker, in dem er eine erschreckende Entdeckung macht. Durch eine schmale Öffnung in einer Wand schaut ihm ein verängstigtes Mädchen entgegen, eingesperrt in eine Zelle, die mit Gummifolie ausgekleidet worden ist. Sammy verspricht dem Mädchen, Hilfe zu holen und obwohl das Mädchen Sammys Sprache weder versteht noch spricht, schafft sie es, ihm begreiflich zu machen, dass er auf keinen Fall seinen Vater holen darf. Als Sammy am nächsten Tag wieder vor der Zelle steht, ist diese leer und das Mädchen spurlos verschwunden. Sammy wird klar, dass nur sein Vater dahinterstecken kann …

Welch grauenhafte Vorstellung, dass der eigene Vater ein Mädchen gefangen halten könnte. Von einem Tag auf den anderen bricht Sammys Welt zusammen. Jonas Winner hat ein Horrorszenario geschaffen und lässt von diesem aus der Sicht des elfjährigen Sammy berichten. Verstörend und unbegreiflich kam mir das Ganze vor und ich hatte eine Gänsehaut beim Lesen. Ich bekam unweigerlich sofort Mitleid mit dem armen Sammy. Es ist schon schwer, wenn beide Elternteile beruflich so eingespannt sind, dass für die Kinder keine Zeit bleibt. Diese Aufgaben übernimmt in diesem Fall das Au-Pair-Mädchen, welches sich auch bereits in London um die beiden Jungen gekümmert hat. Sammys Vater ist Komponist für Filmmusik und seine Mutter arbeitet an der Oper, was bedeutet, dass die beiden Eheleute sich eher selten sehen. Der Umzug nach Berlin trifft Sammy ganz besonders hart, weil er all seine Freunde aufgeben musste und somit niemanden um sich hat, mit dem er sich die Zeit in den Ferien vertreiben kann. Sein Bruder Linus ist ein paar Jahre älter und möchte sich mit seinem kleinen Bruder nicht abgeben. Folglich hat Sammy auch niemanden, dem er sich anvertrauen kann, als er dieses Mädchen in der Zelle entdeckt.

Dieser Thriller ist einer der etwas ruhigeren Sorte, dessen Hauptaugenmerk auf dem Familienleben liegt. Hier tun sich Abgründe auf und man möchte die ganze Zeit rufen: „Halt, hier läuft was falsch. Kann nicht mal jemand eingreifen?“ Und dann wiederum gibt es Szenen, da standen mir die Haare zu Berge ob der unerträglichen Grausamkeit. „Die Zelle“ lässt sich schon eher als Psychothriller betiteln. Über ein paar Seiten gibt es einige Längen, die auch für mich der Grund sind, warum ich einen Stern abgezogen habe. Ansonsten verspricht der Roman viel Spannung und wartet zum Schluss noch mit einer großen Überraschung auf. Vier Sterne gibt es von mir.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Sagenreich

Harald Schneider
Flexibler Einband: 342 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2015
ISBN 9783839217436
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um es einmal mit Harald Schneiders Humor auszudrücken. Aber zunächst zur Geschichte: Wie immer, wenn Hauptkommissar Palzki an irgendwelchen Veranstaltungen teilnimmt, passiert ein Mord. So auch bei den Nibelungenfestspielen in Worms, die er mit seinem Chef Klaus P. Diefenbach (KPD) besucht. Eine Komparsin wird mit einem Speer erstochen. Auch wenn dies eigentlich ein Fall für die Wormser Kripo ist, drückt ihm sein Vorgesetzter den Fall in den Magen. Noch während Palzkis Ermittlungen wird ein Buchwissenschaftler ermordet. Dieser war im Besitz des Originalmanuskripts vom Nibelungenlied. Musste er sterben, weil er auf der Suche nach dem verschollenen Gold war? Nur wer wusste davon? Soviel sei gesagt: Es bleibt nicht bei diesen beiden Morden und schlussendlich gerät sogar Palzki selber in Verdacht …

Sagenhaft langweilig ist von mir natürlich genauso übertrieben, wie Harald Schneiders Charaktere überzeichnet sind. Nur dieser Fall hat mich leider nicht mitreißen können, weil mich das Thema einfach nicht gepackt hat und sich zäh, wie Kaugummi, hingezogen hat. Aus diesem Grund fiel mir das Miträtseln auch etwas schwerer und durch die Einbringung von neuen Charakteren, genannt „Die 5 Pfälzer“, die Stammtischbrüder sind und allesamt pfälzisch babbeln, waren einige Passagen nur unter großer Anstrengung zu lesen. Ich mag es grundsätzlich schon, wenn man in Regionalromanen auch etwas vom Dialekt lesen kann. Aber das sollte sich dann doch lieber in Grenzen halten, damit einem das Lesen nicht verleidet wird. Wer mag, kann sich auf http://5pfaelzer.de/ selber ein Bild davon machen, denn die lustigen Burschen haben eine eigene Webseite. Auch auf der Palzki-Webseite gibt es ein MP3-Hörspiel von den 5 Pfälzern.

Ansonsten trifft man im zwölften Band wieder auf gute alte Bekannte, wie Dr. Metzger, Dietmar Becker und auch der große Verhüller Marco (Christo) Fratelli. Als Zugabe befinden sich im Anhang ein Glossar, ein Ausschnitt aus einer historischen Landkarte, ein Ratekrimi und eine Kurzgeschichte. Von mir gibt es für „Sagenreich“ vier Sterne.

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96 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

thriller, kirche, jennifer b. wind, missbrauch, kindesmissbrauch

Als Gott schlief

Jennifer B. Wind
Flexibler Einband: 373 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 10.12.2014
ISBN 9783839217177
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Serienkiller treibt sein Unwesen. In Wien wird ein Weihbischof und in München ein Priester bestialisch ermordet. Während Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihre Kollegen Georg Kunze und Thomas (Tom) Neumann zunächst keine Verbindung zwischen den beiden Gottesmännern herstellen können, müssen sie jedoch bald feststellen, dass sich die beiden Toten doch gekannt haben. Die Spur führt zu einem alten Kloster – einem ehemaligen Kinderheim, in dem die Geistlichen in den siebziger Jahren gearbeitet haben. Alle Personen, die etwas über das Kloster sagen könnten, schweigen jedoch beharrlich. Was bei den Ermittlungen dann aber ans Tageslicht kommt, lässt selbst den Beamten das Blut in den Adern gefrieren …

Jennifer B. Wind hat durch ihre intensiven Recherchen einen grandiosen Thriller geschrieben, der einem geradezu den Atem raubt. „Als Gott schlief“ ist nichts für zarte Gemüter und ich musste mehr als einmal tief durchatmen und schlucken, weil ich einen Kloß im Hals hatte. Noch immer gehört das Thema Kindesmissbrauch durch die Kirche zu den leider aktuellen Themen, die auch heute noch die Schlagzeilen beherrschen. Die Autorin verschweigt nichts und schockiert den Leser mit der schonungslosen, ungeschönten Wahrheit. Sie beweist Mut und der Erfolg beweist, dass sie alles richtig gemacht hat. Bei manchen Passagen hat mich ohnmächtige Wut ergriffen, ob der grausamen Dinge, die dieses Kreaturen den Kindern angetan haben.

Auch wenn es ein wenig in den Hintergrund rückt: Es handelt sich um einen Thriller und dieser bietet sehr viele Möglichkeiten, selber zu ermitteln. Während ich, genau wie die Kriminalbeamten, zunächst lange Zeit im Dunkeln tappte, schoss es mir plötzlich in den Kopf, wer der Täter sein könnte. Ich sage nur so viel: Ich habe mich nicht getäuscht.

Durch die Rückblenden in die Zeit, als das Kloster noch ein Kinderheim war, und die Erzählungen der kleinen Rebecca schafft es die Autorin, der ganzen Geschichte noch einen Hauch mehr Spannung zu verleihen als ohnehin schon. Für diesen Thriller vergebe ich fünf Sterne und freu mich schon auf das nächste Werk der Autorin.

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66 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

lehrer, deutschland, familie, kinder, portugal

Willkommen im Meer

Kai-Eric Fitzner
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 24.08.2015
ISBN 9783426519110
Genre: Romane

Rezension:

Tim Schäfer ist Lehrer und liebt seinen Beruf. Als er jedoch seine neue Stelle in Oldenburg am Gymnasium antritt, eckt er mit seiner unkonventionellen Art sehr schnell an. Seine Art zu unterrichten, den Schülern beizubringen, nicht alles hinzunehmen, sondern zu hinterfragen, stößt bei seinen Kollegen nicht auf Gegenliebe. Als Tim dann noch einen Schüler bei sich einziehen lässt, der Probleme mit seinem Vater hat, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Man droht ihm mit Berufsverbot …

Selten war ich bei einem Buch so hin- und hergerissen wie bei „Willkommen im Meer“. Die Geschichte um den unerwarteten Erfolg dieses Buches kursierte lange Zeit im Internet. Im Mai 2015 erlitt der Autor dieses Buches einen Schlaganfall. Seine Frau bat im Internet um Unterstützung und in kürzester Zeit schoss das Buch bei Amazon auf den ersten Platz. Eine, wie ich finde, sehr verdiente Unterstützung – zeigt es doch sehr deutlich, dass wir Menschen doch noch ich der Lage sind, so etwas wie Mitgefühl aufzubringen. Ob es das Buch allerdings verdient hat, den ersten Platz zu belegen, die Meinung muss sich jeder Leser, unabhängig von der Krankheit des Autors, selber bilden.

Ich hatte Mühe mit dem Einstieg in die Geschichte und ebenso mit der Tatsache, dass es das Normalste der Welt zu sein scheint, wenn der Lehrer in seiner Freizeit die Schüler zu sich einlädt, mit ihnen Alkohol trinkt und kifft und seine Frau schaut nicht nur in aller Seelenruhe zu, sondern macht mit und unterstützt ihn dabei. Ich kritisiere nicht die Art des Protagonisten, seine Schüler in der Schule zu selbstständigen Menschen zu erziehen oder gegen die Vorgehensweise seiner Kollegen, Noten zu vergeben zu sein. Aber diese Masche: „Seht mich an. Ich bin der coolste Lehrer der Schule. Ihr müsst mich einfach mögen.“ – die ging mir irgendwann gehörig auf den Keks.

Der Anfang war zäh und chaotisch. Aber nach und nach nahm die Geschichte immer mehr an Fahrt auf und wurde auch interessanter. Herzlich gelacht habe ich bei der Szene am Tisch beim Weihnachtsessen. Ansonsten war der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig und die Geschichte übertrieben haarsträubend. Dass mir das Buch nicht gefallen hat, kann ich trotz meiner doch sehr negativen Kritik nun aber nicht sagen. Nett, aber leider nicht ganz überzeugend. Aus diesem Grund vergebe ich drei Sterne

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201 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 61 Rezensionen

thriller, entführung, mord, neurochirurg, zerrissen

Zerrissen

Juan Gómez-Jurado , Carsten Regling
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2015
ISBN 9783423215879
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dr. David Evans ist ein angesehener Neurochirurg einer Washingtoner Privatklinik. Seit dem Selbstmord seiner Frau muss er seine siebenjährige Tochter Julia immer häufiger in der Obhut seiner Haushaltshilfe Svetlana lassen – sehr zum Missfallen seines Schweigervaters. Auch an dem tragischen Tag, der sein Leben für immer verändern wird, kommt David nach einer durchgeführten Not-OP erst gegen Mitternacht nach Hause und findet das Haus verlassen vor. Sowohl seiner Tochter als auch Svetlana sind spurlos verschwunden. Sein erster Gedanke, sein Schwiegervater könne Julia zu sich geholt haben, stellt sich als falsch heraus. Die SMS eines ominösen Mr. White offenbart dann die schreckliche Wahrheit …

Svetlana wurde ermordet und Julia entführt. An ein Lösegeld ist der Kidnapper allerdings nicht interessiert. Davids nächster Patient auf dem OP-Tisch ist niemand geringerer als der Präsident der Vereinigten Staaten und dieser soll die Operation nicht lebend überstehen. Wie wird sich Dr. Evans, der den Hippokratischen Eid geleistet hat, im Tausch des Lebens seiner Tochter gegen das des Präsidenten entscheiden? Es bleiben ihm nur 55 Stunden …

"Zerrissen" – passender hätte der Titel des Thrillers von Juan Gómez-Jurado nicht sein können. Wie entscheidet man als Elternteil und wie als Arzt in so einer Situation? Gibt es überhaupt einen Ausweg? Egal wie die Entscheidung ausfällt, Evans macht sich im Moment der
Entscheidung so oder so zum Mörder. Würde er sein Kind opfern, müsste er dafür allerdings nicht ins Gefängnis. Beim Lesen habe ich mich permanent gefragt, wie man einen sauberen Ausweg aus so einer Lage finden kann, und bin zu keinem Ergebnis gekommen.

Der Autor konfrontiert den Leser gleich in der Einleitung in Form eines Tagebucheintrages mit der Tatsache, dass Dr. David Evans im Todestrakt des Gefängnisses sitzt. Der Protagonist als Ich-Erzähler lässt die ganze Situation noch realer wirken und die Perspektivwechsel – allem voran die Passagen über den Kidnapper, sorgen für Spannung bis zum Schluss. Der Gewissenskonflikt, in dem David steckt, ließ mich als Leser mitleiden. Es kochen Emotionen hoch und viele Reaktionen von ihm, über die ich sonst den Kopf schütteln würde, sind vor diesem Hintergrund nur allzu verständlich und machen ihn noch sympathischer, noch menschlicher. Ein absolutes Horrorszenario ist dem Autor mit diesem Buch gelungen.

Volle Punktzahl gibt es von mir.

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maulwurf, mord, krimi, sterbegeld, frankfurt

Sterbegeld

Judith Winter
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.12.2015
ISBN 9783423216166
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im dritten Band aus der Reihe um die beiden Frankfurter Ermittlerinnen Emilia Capelli und Mai Zhou geht es um einen bestialischen Mord an einer vierköpfigen Familie. Der sechsjährige Sohn Leon kann zwar noch einen Notruf absetzen und der Polizei mitteilen, dass jemand seiner Mama wehtut, jedoch kommen die Beamten zu spät. Als sie den Tatort betreten, bietet sich ihnen ein Bild des Grauen. Der kleine Leon ist tot, aber der Täter kann noch nicht lange fort sein. Aufgrund einiger Fotos im Haus der Familie stoßen die Beamten auf den Nachbarn Armin Bormann, der eine Beziehung mit der Mutter des kleinen Leon gehabt haben soll. Die Beweislast ist erdrückend und Bormann landet in Untersuchungshaft.

Acht Monate später: Während einer Razzia wird der Frankfurter Polizist Thorsten Mohr erschossen. Keiner seiner Kollegen kann sich erklären, warum dieser kurz zuvor noch seine kugelsichere Schutzweste ausgezogen hat. Da der Innendienst einen Maulwurf in den Reihen der Sondereinsatzgruppe vermutet, werden Em und Mai auf die eigenen Kollegen angesetzt. Zeitgleich wird der Fall der getöteten Familie wieder aufgerollt, weil Bormanns Anwalt, Karel Schubert, neue Beweise vorliegen, die die Unschuld seines Klienten beweisen könnten. Gleich zwei brisante Fälle mit denen sich die beiden Ermittlerinnen konfrontiert sehen …

„Sterbegeld“ lässt sich auch ohne Vorkenntnisse der anderen Bände sehr gut und flüssig lesen. Judith Winter hat einen spannenden Schreibstil und es gelingt ihr, die Spannung von Seite zu Seite zu steigern. Natürlich macht ein Großteil der Spannung die Auswahl der Themen aus. Dass es gleich zwei brisante Handlungsstränge sind, zwischen denen der Leser hin- und herspringt, lockert den Thriller noch zusätzlich auf. Auch die Möglichkeit zum Miträtseln war in beiden Fällen gegeben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, etwas mehr über die beiden Protagonistinnen zu erfahren. Richtige Sympathie wollte sich mit den dürftigen Hintergrundinformationen bei mir nicht einstellen. Leider hat mich die Auflösung des Familienmordes auch etwas ratlos zurückgelassen. Die Beweggründe des Mörders waren einfach zu weit hergeholt und völlig überzogen. Dennoch kann ich „Sterbegeld“ guten Gewissens empfehlen und vergebe vier Sterne.

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mord, krimi, maulwur, frankfurt, ermittlungen

Sterbegeld

Judith Winter
E-Buch Text: 461 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.12.2015
ISBN 9783423428538
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

freundschaft, koma, paris, roman, nachdenklich

Meine amerikanische Freundin

Michèle Halberstadt ,
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 30.11.2015
ISBN 9783548287850
Genre: Romane

Rezension:

Michèle Halberstadts Roman handelt von einer französischen Frau, von der wir Leser nur den Anfangsbuchstaben ihres Namens erfahren – nämlich M. - und ihrer amerikanischen Freundin Molly. Ein tragischer Zwischenfall lässt Molly ins Koma fallen, aus dem sie erst über drei Monate später erwachen wird. Das Gefühl der Hilflosigkeit lässt M. all ihre Gedanken und Empfindungen einem Tagebuch anvertrauen. Verzweifelt kämpft M. um ihre Freundschaft, während die halbseitig gelähmte Molly schon lange resigniert hat und nicht einmal einen Versuch startet, in ihr vorheriges Leben zurückzufinden. Wie verhält man sich, wenn man an die Grenzen seiner Freundschaft stößt?

Meine Befürchtung, dass die geringe Seitenzahl diesem großen Thema nicht gerecht werden könnte, ihm einfach zu wenig Raum gibt, hat sich nicht bewahrheitet. Bereits die ersten Zeilen von Michèle Halberstadts Roman haben mich mitgenommen auf eine Reise der unterschiedlichsten Gefühle:

- die Trauer zusammen mit M. über die Situation von Molly

- das Nachdenken darüber, was genau Molly zu dieser
kranken und resignierten Frau gemacht hat, die sie jetzt ist

- die Bewunderung dafür, dass Molly es geschafft hat, jedem Menschen das Gefühl zu geben, er wäre der wichtigste Mensch und die einzig beste Freundin auf der Welt

- Fassungslosigkeit über die Tatsache, dass Molly wusste, dass etwas nicht in Ordnung war und sie sich nicht darum gekümmert hat.

Aber auch Freude über die Art und Weise wie M. über ihre Freundin schreibt, wie viele glückliche Stunden sie bis dahin zusammen verbracht haben, diese Nähe und dieses Glück. Und ich musste schmunzeln über den Schuhtick von Molly, war gerührt, dass M. sich Gedanken macht, wer sich jetzt wohl um Mollys ganzen Schuhe kümmert …

Der Autorin ist es gelungen, große Gefühle einzufangen und in einem Roman mit nur 160 Seiten zu verpacken. Ich würde mich freuen, wenn diese Geschichte über eine besondere Freundschaft irgendwann einmal verfilmt wird. Von mir gibt es fünf Sterne.

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brasilien, edelsteine, auswanderung, liebe, idar-oberstein

Die Lilie von Bela Vista

Sylvia Lott
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.08.2015
ISBN 9783734100581
Genre: Romane

Rezension:

Sowohl ihr Beruf als auch ihre Beziehung füllen die Hamburger Modedesignerin Josie nicht sonderlich aus. Als sie von ihrer verstorbenen Großtante Martha ein wertvolles Collier aus Amethysten und ein paar Smaragdohrringe erbt, ändert sich ihr bis dato langweiliges Leben plötzlich grundliegend. Hinter dem Collier verbirgt sich eine spannende Geschichte und Josie möchte unbedingt erfahren, wie ihre Großtante an dieses Collier kam. Da sie Martha nicht mehr fragen kann, macht sie sich auf den Weg nach Idar-Oberstein zu ihrem Onkel Richard, dem Betreiber eines Edelsteinhandels. Zunächst ist ihr der Besuch etwas unangenehm, weil sie vorher keinerlei Kontakt zu ihrem Onkel hatte. Doch die Familie nimmt sie herzlich auf und Sofie erfährt nicht nur sehr viel über Edelsteine, sondern auch einiges über die Familiengeschichte. Als sie Marthas Freundin Ada besucht, erzählt diese ihr die Geschichte von Josies Vorfahrin Sophie und wie Martha in den Besitz des Colliers kam.

Wie schon in den Romanen zuvor wird auch die Geschichte in „Die Lilie von Bela Vista“ wieder auf zwei Zeitebenen erzählt. Eine Art des Schreibens, die ich liebe und die Sylvia Lott einfach bestens beherrscht. In den meisten Fällen mag ich die Abschnitte in der Vergangenheit lieber als den Parallelstrang in der Gegenwart. In diesem Fall sind jedoch beide Erzähltstränge so interessant, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Wer die Romane von Sylvia Lott kennt, weiß, dass sie sehr viel Zeit in die Recherche steckt und genau das merkt man auch bei dieser Geschichte. Sie wird sehr authentisch erzählt und auch das Wissenswerte über die Edelsteine trägt seinen Teil dazu bei. Die Schilderung der Charaktere lassen diese vor meinen Augen regelrecht entstehen und ich kann mitfiebern und mitfühlen. Josie als Protagonistin hat mich nicht ganz so sehr angesprochen, Sophie dafür umso mehr. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass das Leben von Sophie in der Zeit von 1827 bis 1837 durch die Auswanderung nach Brasilien weitaus turbulenter war als das von Josie in der heutigen Zeit.

Von meiner Seite gibt es eine ganz klare Empfehlung für „Die Lilie von Bela Vista“. Wer Geschichten mit vielen Hintergrundinformationen mag, ist hier genau an der richtigen Adresse. Schon jetzt freue ich mich auf den nächsten Roman der Autorin und vergebe fünf Sterne.

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