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195 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 121 Rezensionen

paris, brief, hamburg, realität, parallelwelt

Der Brief

Carolin Hagebölling
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.06.2017
ISBN 9783423261463
Genre: Romane

Rezension:

Die Journalistin Marie, die mit ihrer Lebensgefährtin Johanna in Hamburg lebt, findet eines Tages einen Brief in ihrem Postkasten. Adressiert auf ihren Namen, jedoch mit einer Pariser Adresse. Etwas irritiert öffnet sie ihn und stellt fest, dass er von ihrer alten Schulfreundin Christine ist, die über Gott und die Welt und über Marie und ihrem Mann Victor, so wie deren gerade geborenes Kind schreibt. Auch von Maries Galerie in Paris ist die Rede und einer überstandenen Krankheit. Christine selbst schreibt von ihren beiden Kindern, ihrem Mann und ihrem Leben in Berlin. Dabei weiß Marie ganz sicher, dass Christine ihre alte Heimat nie verlassen hat.

Ein Besuch Maries bei ihrer Freundin stiftet eher noch mehr Verwirrung, als dass er Aufschlussreiches zutage bringt, denn Christine hält das Ganze für einen grausamen Scherz, da sie das zweite Kind damals vorher verloren hat und niemand davon weiß. Aber wer, wenn nicht Christine hat diesen Brief geschrieben und warum? Marie möchte der ganzen Sache auf die Spur kommen und macht sich auf den Weg nach Paris und trifft dort tatsächlich auf Victor. Und zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass ihr alles so vertraut vorkommt und sie plötzlich fließend französisch spricht …

Mich hat zunächst die Aufmachung des Covers von Carolin Hageböllings Roman angesprochen. Es sieht aus wie die Vorderseite einer Postkarte mit einem Pariser Motiv und der Buchtitel „Der Brief“ verleitet gleich zum Lesen des Klappentextes und genau dort hat die Falle dann zugeschnappt. Kein Thriller, sondern ein normaler Roman über die Frage der Realität und was wäre passiert, wenn? …

Der sehr angenehme und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat das Buch zu einer wundervollen Lektüre gemacht. Immer davon getrieben, erfahren zu müssen, was es mit dem Brief auf sich hat, habe ich Seite um Seite umgeblättert und mich mitreißen lassen von dem Spiel, das Carolin Hagebölling mit ihren Lesern treibt. Protagonisten, mit denen man mitfühlen - sie aber in der Ausführung ihrer Aktionen nicht immer verstehen kann. Mir ging es die ganze Zeit wie den Protagonisten, auf der Suche nach der Wahrheit, die letztlich doch keine ist oder? Am Ende bleibe ich mit weit mehr Fragen zurück und bin dennoch zufrieden mit der Geschichte, die die Autorin mir bietet. Mit dieser Realität habe ich, genau wie die Protagonisten am Ende, meinen Frieden gemacht und wurde dafür mit einigen Stunden absolutem Lesevergnügens belohnt. Daher von mir fünf Sterne für „Der Brief“ und eine Entschuldigung an die Leser meiner Rezension, dass ich mich etwas zurückhalte mit dem Schreiben über den Inhalt. Aber ich denke, hier wäre jedes weitere Wort einfach zu viel. Ich möchte keinen Leser um die wohlverdiente Spannung bringen ;-)

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(86)

197 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

münchen, familiengeschichte, geschichte, starke frauen, judenverfolgung

Das Haus der schönen Dinge

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426519370
Genre: Historische Romane

Rezension:

München im Jahr 1897: Der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl hat sich mit der Eröffnung seines Kaufhauses Hirschvogl am Rindermarkt einen großen Traum erfüllt. Als Jacob zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, ist sein Glück perfekt. Er und seine Frau Thea investieren viel Zeit und Kraft, um der Kundschaft stets das Beste vom Besten zu präsentieren. Den Wunsch, einer ihrer Söhne möge das Haus irgendwann einmal weiterführen, erfüllt sich jedoch nicht. Dafür interessiert sich Tochter Lily umso mehr für das prunkvolle Kaufhaus und ist ihren Eltern eine sehr große Hilfe.

Doch die Zeit des Nationalsozialismus zeigt sehr deutlich, dass auch ein jüdischer Kaufmann keinen Sonderstatus besitzt und selbst einige seiner Stammkunden stellen sich plötzlich gegen ihn. Er sieht sich einer Mischung aus Neid, Hilflosigkeit und Wut gegenüber …

Neben dem Titel „Das Haus der schönen Dinge“ ist bereits das Cover ein echter Blickfang. Genau so habe ich mir das Kaufhaus Hirschvogl bei den ausschweifenden Beschreibungen der Autorin auch vorgestellt. Die bildhaften Beschreibungen über das Kaufhaus haben mir noch am besten gefallen. Egal ob es die überbordende Dekoration oder Beleuchtung war, das fulminante Warensortiment, die Soireen, die von Zeit zu Zeit stattfanden, das große Kinderkarussell oder die Rolltreppen, die im Lichthof eröffnet wurden, waren – ich habe all das zusammen mit der Familie Hirschvogel genossen. Ich habe mich selbst mit staunendem Gesicht in der Menge der heranströmenden Kunden gesehen, als das Kaufhaus eröffnet wird. Und war ebenso fassungslos wie Lily, als sie 1952 vor den Trümmern des einstmals so imposanten Gebäudes steht.

Weit über 600 Seiten hat das neueste Werk von Heidi Rehn. Einige davon leider etwas zu langatmig und das an Stellen, wo ich mir eher weniger gewünscht hätte. Bei den Protagonisten habe ich diesen Tiefgang leider etwas vermisst. Es waren mehrere große Zeitsprünge vorhanden, bei denen ich lieber davon gelesen hätte, wie es den Protagonisten in der Zeit ergangen ist. Auch konnte ich das Handeln einiger Charaktere nicht ganz nachvollziehen, wie z. B. Bennos Weggang aus München und sein Verhältnis zu Wiggerl, denn so richtig bekannt hat er sich ja nie zu ihm.

Sehr hilfreich ist der vorne im Klappentext angegebene Stammbaum. Es tauchen aber noch weitaus mehr Charaktere in der Geschichte auf und es war nicht immer ganz einfach, die ganzen Namen zuzuordnen. Ich liebe Romane, die über mehrere Generationen hinweg spielen und Heidi Rehn überzeugt mit einem sehr bildhaften Schreibstil. Von mir gibt es vier Sterne für „Das Haus der schönen Dinge“.

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 82 Rezensionen

wien, carlotta fiore, krimi, oper, österreich

Die unbekannte Schwester

Theresa Prammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783471351390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die unbekannte Schwester“ ist der Abschlussband der Carlotta Fiore-Trilogie. Optisch ist das Cover auf jeden Fall ein echter Hingucker. Der Inhalt hat mich nun leider nicht ganz so überzeugen können wie die Vorgängerbände.

Carlotta, ehemalige Polizeianwärterin und Kaufhausdetektivin hat ihr Ziel erreicht und wird ohne eine Ausbildung bei der Wiener Polizei eingestellt. Warum, kann sich eigentlich keiner erklären – am wenigsten ihre Kollegin. Dementsprechend wird sie dort wenig herzlich aufgenommen. Zusammen mit ihrem Kollegen und Vater Konrad Fürst wird sie zu einem vermeintlichen Suizid gerufen und findet in der Wohnung der Leiche einen Zettel, auf dem ihr Name steht. Carlotta, die als Kind von der berühmten Opernsängerin Maria Fiore entführt und als eigenes Kind ausgegeben wurde, hat natürlich wenig Interesse daran, dass ihre Vergangenheit ans Tageslicht kommt. Doch dann taucht plötzlich eine weitere Leiche auf und auch Carlottas „Schwester“ Henriette – Maria Fiores wahres Kind, ist plötzlich spurlos verschwunden …

Im letzten Band der Trilogie kommen die noch fehlenden Details von Carlottas Vergangenheit ans Tageslicht. Da die Geschichte doch sehr komplex ist, war es sehr hilfreich, dass die Autorin viele Dinge aus den ersten beiden Bänden wieder mit aufgegriffen hat, sodass man wieder einen kurzen Überblick bekommen konnte. Es gibt wesentlich sympathischere Protagonisten als Carlotta Fiore. Mich hat extrem gestört, wie unehrlich sie ist und dadurch eben auch für viele Probleme in ihrer eigenen kleinen Familie sorgt.

Der Schreibstil allerdings ist flüssig und ich hatte das Buch schnell durchgelesen. Theresa Prammer ist es gelungen, mich bei der Suche nach dem Täter zusammen mit Carlotta auf eine falsche Fährte zu schicken. Der Klappentext weist ja auf das Verschwinden von Carlottas Schwester hin und ich habe mich auf diesen Erzählstrang auch gefreut. Hier wurde aber leider viel zu wenig darauf eingegangen und Henriette wird eigentlich erst zum Ende des Buches hin zum Thema gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass es niemanden so recht interessiert, was auch ihr geworden ist und zumindest von Carlotta hätte ich erwartet, dass sie sich ein bisschen in die Suche nach ihrer Schwester hineinkniet.

Beim Finale überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse und ich habe mich gefragt: „Das war es nun?“ Die Trilogie ist abgeschlossen. Trotzdem könnte die Autorin hier zu jeder Zeit wieder anknüpfen. Ich vergebe drei Sterne für diesen Kriminalroman.

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96 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

fbi, nero wolfe, krimi, new york, detektiv

Es klingelte an der Tür

Rex Stout , Conny Lösch , Jürgen Kaube
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608981117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da Rex Stout einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts war, ist mir sein Name natürlich ein Begriff. Gelesen hatte ich bis dato allerdings noch nichts von ihm. Die Neuübersetzung dieses Krimis in einer wunderschönen Aufmachung bot sich also geradezu an, diesen Autor für mich zu entdecken. Der Klappentext macht auf jeden Fall Lust, sich in das Abenteuer zu stürzen.

New York im Jahr 1965: Rachel Brunner ist reich und exzentrisch und sie hasst den amerikanischen Geheimdienst. Das erklärt auch, warum sie zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches aufkauft und landesweit an wichtige Personen verschickt. Das wiederum stößt dem FBI sauer auf und sie lassen Rachel auf Schritt und Tritt überwachen. Ihre einzige Chance, dieser Überwachung zu entgehen, sieht sie darin Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler New Yorks, zu engagieren. Ein Scheck über 100.000 $ sollte überzeugend genug sein, sich mit dem FBI anzulegen. Und da Nero Wolfe kein Kostverächter ist, sagt er natürlich zu …

Es war ein haptisches Vergnügen, diesen Roman lesen zu dürfen. Dieses etwas über 200 Seiten starke, in Leinen gebundene Buch mit dem dezenten blauen Cover ist ein echtes Schmuckstück. Inhaltlich hat es mich leider nicht überzeugen können. Ich mag verschrobene Ermittler. Es hat mich auch weniger gestört, dass Nero Wolfe ganz in seiner Orchideenzucht aufgeht oder Wert auf gutes Essen legt (was auch die über 100 Kilo Gewicht erklärt), geschweige denn, dass er Bücher liebt. Dass er aber so gar nicht in seinem Beruf aufgeht, das Haus niemals verlässt und die ganze Arbeit seinem Assistenten Archie Goodwin überlässt, das habe ich nicht so ganz nachvollziehen können. Archie Goodwin ist es auch, der den Fall aus seiner Perspektive schildert. Hier es sicherlich nicht von Vorteil, dass ich mit einem Buch in die Reihe eingestiegen bin, welches schon eher zu einem der Letzteren in der Reihenfolge gehört. Vielleicht hätte es mir die Protagonisten etwas zugänglicher gemacht, wenn ich sie von Anfang an hätte kennenlernen können.

Da ich das Original nicht gelesen habe, kann ich leider nicht sagen, ob die Übersetzung gelungen ist oder nicht. Mir kam sie aber in manchen Situationen etwas holprig vor. Dies fiel mir besonders auf, wenn Nero ein paar Mal zu oft in unpassenden Momenten sein „Pfui“ von sich gibt.

„Es klingelte an der Tür“ ist ein Krimi der ruhigeren Gangart. Quasi entschleunigt ob der fehlenden technischen Spielereien aus der heutigen Zeit. Computer oder Handys? Fehlanzeige. Aber auch damals wusste man sich zu helfen. Hier kann man herrlich eintauchen in den Pool der Nostalgie und sich wieder erinnern an die gute alte Telefonzelle oder die Schreibmaschine. Macht den Fall und die mir nicht ganz so sympathischen Protagonisten aber leider nicht interessanter. Ich habe lange an diesen wenigen Seiten gelesen und mich leider nur mäßig unterhalten gefühlt. Auch wenn die Romane von Rex Stout allesamt Klassiker sind und sich einer großen Fangemeinde erfreuen, so sagen mir die Krimis von Agatha Christie doch weitaus mehr zu. Von mir gibt es drei Sterne.

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69 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 50 Rezensionen

spanking, thriller, schweden, journalist, demut

Demut

Mats Olsson , Leena Flegler
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei btb, 27.02.2017
ISBN 9783442714643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Harry Svensson, ehemaliger Journalist, hat seinen Job bei der Zeitung eigentlich gekündigt. Als er jedoch nach einem geplatzten Date in sein Hotelzimmer zurückkehren will, findet er die Tür des Nachbarzimmers nur angelehnt vor. Von Berufs wegen treibt ihn die Neugier ins Zimmer und er findet dort den völlig betrunkenen Sänger Tommy Sandell schlafend vor – neben ihm die Leiche einer unbekannten Frau. Natürlich ist das für Harry ein gefundenes Fressen und er kann sich diese Story einfach nicht entgehen lassen. Noch während er als freier Journalist wieder tätig wird, taucht eine weitere Leiche auf und dabei handelt es sich ausgerechnet um Harry geplatztes Date. Der Mörder scheint Harry schon längst im Visier zu haben, denn eine private Email an ihn deutet auf eine gemeinsame Vorliebe der beiden hin …

Als Protagonist hat mich Harry Svensson leider nicht überzeugen können. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Dabei kann ich nicht sagen, dass er mir zu unsympathisch war. Aber irgendwie kam da so gar nichts bei mir an. Für einen Thriller mit über 700 Seiten hätte ich auch einiges mehr an Spannung erwartet. Stattdessen zerredet der Autor die Geschichte und hält sich zu sehr an nebensächlichen Dingen auf, die für den Fall nicht maßgeblich sind. Solche Längen gehen bei einem Thriller natürlich überhaupt nicht. Die Spannung bleibt einfach auf der Strecke. Einzig die letzten Seiten nehmen etwas an Tempo auf.

Mats Olsson lässt die Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen, was zumindest die Erzählweise – auch durch die stetigen Perspektivwechsel – etwas interessanter gestaltet. Allerdings ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, wer denn nun gerade erzählt, der Mörder oder der Journalist. Die Polizei kam mir im Großen und Ganzen etwas untätig vor – allem voran Eva Månsson, die als Ermittlerin auch recht unkonventionelle Wege beschreitet.

„Demut“ ist der Start in eine neue Buchreihe, die ich jetzt aber nicht unbedingt weiter verfolgen muss. Sollte mir der zweite Band zufällig in die Hände fallen, werde ich ihn lesen, aber darauf warten werde ich nicht. Die Geschichte ist ok, aber definitiv kein Pageturner. Von mir gibt es drei solide Sterne.

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224 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

thriller, drama, vergangenheit, familie, perfect girl

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit

Gilly Macmillan , Maria Hochsieder
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426520567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Rückweg von einer Party kommen an einem Winterabend drei Jugendliche ums Leben. Die Fahrerin des Wagens, Zoe Guerin, ist zum Unfallzeitpunkt erst 14 Jahre alt. Obwohl sie es bestreitet, Alkohol getrunken zu haben, fällt der Alkoholtest positiv aus. Sie verbüßt ihre Strafe im Jugendarrest und währenddessen geht die Ehe ihrer Eltern in die Brüche. Nun, drei Jahre später hat Zoes Mutter Maria einen neuen Lebensgefährten und zusammen mit dessen Sohn Lucas wohnt die Patchworkfamilie in Bristol. Zoe trägt nun den Nachnamen Maisey, weil Mutter und Tochter alles daran setzen, dass niemand sie mit diesem Unfall in Verbindung bringt. Als Zoe, die eine begabte Pianistin ist, eines Abends zusammen mit ihrem Stiefbruder ein Konzert gibt, steht plötzlich ein Mann aus dem Publikum auf und beginnt Zoe wüst zu beschimpfen. Es stellt sich heraus, dass es der Vater eines der ehemaligen Unfallopfer ist. Das Kartenhaus fällt in sich zusammen und die Vergangenheit hat die beiden Frauen wieder eingeholt. Nur Stunden später ist Zoes Mutter tot …

Mir hat „Perfect girl“ ganz gut gefallen. Als Thriller jedoch würde ich den Roman nicht unbedingt betiteln, denn dafür ist mir einfach zu wenig Spannung vorhanden. Gilly Macmillan lässt ihre Protagonisten die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen. Und es sind nicht wenige, die etwas zu sagen haben. Zu Wort kommen Zoe selbst, ihr Strafverteidiger, Zoes Tante Tessa und ihr Onkel Richard. Die Schilderungen lassen sich sehr flüssig lesen und auch der Schreibstil der Autorin hat mir zugesagt. Meiner Meinung nach werden viele Romane jedoch aus Werbezwecken künstlich aufgebauscht. „Perfect Girl“ hat das aber nicht nötig. Es handelt sich hier zwar nicht um einen Thriller, entwickelt aber nichtsdestotrotz seinen eigenen Charme und kann als Familienroman durchaus mithalten. Wer jedoch einen Thriller erwartet, wird eher enttäuscht sein.

Das Ende war für mich jetzt keine große Überraschung – eher, dass es so schnell abgehandelt wurde. Der Titelzusatz „Nur Du kennst die Wahrheit“ ist somit auch nur Mittel zum Zweck, um den Verkauf des Buches anzukurbeln. Spätestens nach 100 Seiten hat jeder Leser zumindest eine leise Ahnung, wohin die Reise geht.

Gilly Macmillan hat mich mit ihrem Roman sehr gut unterhalten und ich würde auch ihr nächstes Werk gerne wieder lesen. Von mir gibt es vier Sterne.

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236 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

schweden, krimi, fabian risk, dänemark, mord

Minus 18 Grad

Stefan Ahnhem , Katrin Frey
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 02.01.2017
ISBN 9783471351246
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der dritte Band aus der Fabian Risk-Reihe ist nichts für schwache Nerven. Nach einer wilden Verfolgungsjagd fährt ein Mann mit seinem Auto direkt ins Hafenbecken. Als der Tote geborgen wird, stellt sich bei der Obduktion heraus, dass er keineswegs erst gerade verstorben ist, sondern bereits vor über zwei Monaten und dass die Leiche tiefgefroren war, als das Auto im Wasser versank. Doch das deckt sich nicht mit den Aussagen eines Bankberaters und eines Maklers, mit denen der Tote ein paar Tage zuvor noch einen Termin gehabt haben soll. Das Team der schwedischen Polizei Helsingborg steht vor einem Rätsel und es bleibt nicht bei diesem einen sonderbaren Todesfall. Die Ermittler müssen schnell feststellen, dass hier ein Serienmörder am Werk ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Teamchefin Astrid Tuvesson ganz offensichtlich ein Alkoholproblem hat, seit der Trennung von ihrem Mann. Aber auch in der Ehe von Kommissar Fabian Risk kriselt es noch immer gewaltig und auch hier scheint eine Trennung ins Haus zu stehen.

Zeitgleich ermittelt in Dänemark die strafversetzte Polizistin Dunja Hougaard in mehreren Fällen von „Happy Slapping“, wo Menschen auf offener Straße misshandelt werden. Dies wird mit dem Handy gefilmt und anschließend ins Netz gestellt. Die Taten werden immer brutaler und finden schließlich ihren Höhepunkt in der Ermordung von Obdachlosen. Ihr ehemaliger Chef, der für ihre Strafversetzung verantwortlich ist, scheint seinen persönlichen Rachefeldzug gegen Dunja noch nicht eingestellt zu haben und intrigiert bereits bei ihrem neuen Chef. Dunja wird von dem Fall abgezogen, lässt sich krankschreiben und ermittelt schließlich auf eigene Faust weiter ..

Ich liebe die schwedischen Krimis, weil sie so herrlich melancholisch geschrieben sind. Auch in „Minus 18 Grad“ ist so ziemlich jeder Charakter problembehaftet und man stürzt als Leser von einem Extrem ins nächste. Die kurzen Kapitel und die dabei wechselnden Erzählstränge erhöhen die Spannung noch zusätzlich und Stefan Ahnhem lässt einen aufgrund des hohen Tempos gar nicht zu Atem kommen. Geschickt legt er Spuren, die in die Irre führen und die nicht nur die Ermittler, sondern auch mich verzweifeln ließen. Das Beste an einem Krimi ist immer noch, wenn der Leser sich an den Ermittlungen beteiligen kann. Das war hier definitiv gegeben.

Dieser Band ist ganz bestimmt nichts für zartbesaitete Leser, denn die Morde sind brutal und werden sehr detailliert beschrieben. Vorteilhaft ist, dass das Privatleben der Charaktere sehr viel Raum einnimmt und man sie noch besser kennenlernen kann. „Minus 18 Grad“ kann unabhängig von den anderen Bänden aus der Reihe gelesen werden. Ich würde dies jedoch nicht empfehlen, weil einfach zu viel aufeinander aufbaut. Der absolute Cliffhanger ist der Epilog. Wer diesen liest, für den ist der nächste Band automatisch ein „Muss“. Volle Punktzahl von mir für diesen rasanten Krimi.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Ostfriesland - Tiefsee, Torf und Tee

Knut Diers
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 02.03.2016
ISBN 9783839219010
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit ich im schönen Ostfriesland lebe (nun schon über 10 Jahre), kann ich bei Büchern, die von Ostfriesland handeln, nicht Nein sagen. Nun ist mir Knut Diers‘ „Ostfriesland – Tiefsee, Torf und Tee“ in die Hände gefallen. Innerhalb weniger Stunden habe ich alle Seiten verschlungen und mich darüber gefreut, so viel Informatives über Land und Leute lesen zu können. Der Autor zeigt nicht nur die schönen Ecken Ostfrieslands auf, sondern hat auch einige Leute in Interviews zu Wort kommen lassen wie den Cartoonisten Denis Metz, der auf Baltrum lebt, Uwe Garrels, den Bürgermeister von Langeoog, Strandkorbchirurg Wilfried Kummer von Wangerooge und was mich besonders freut: den singenden Wattführer Albertus Akkermann von Borkum, den ich zwar nicht bei einer Wattführung, wohl aber bei einer musikalischen Veranstaltung über Hannes Flesner, im April 2015 persönlich kennengelernt habe. Ein sehr sympathischer Mann.

Knut Diers stellt alle ostfriesischen Inseln vor und pickt das ein oder andere Wahrzeichen heraus und macht auf jeden Fall Lust, all diese bezaubernden Orte zu besuchen. Auch mir fehlen noch so einige der ostfriesischen Inseln. Meine Lieblingsinsel ist bis jetzt immer noch Juist, was sich aber auch ganz schnell ändern könnte, wenn ich mir Diers‘ Beschreibungen so durchlese. Auch die regionalen Getränke kommen nicht zu kurz: Dem „Elführtje“ werden gleich zwei Seiten gewidmet, denn Ostfriesentee, den trinkt man nicht einfach nur so, eine „Teetied“ wird zelebriert. Nicht umsonst ist die ostfriesische Teekultur bei der UNESCO als immaterielles Kulturerbe aufgenommen worden. Überrascht war ich zu lesen, dass jeder Ostfriese im Durchschnitt 290 Liter Tee im Jahr trinkt – damit hätten wir sogar die Engländer überholt. Dann gibt es noch etwas über das Jever-Bier zu lesen und auch die Milchtankstellen setzen sich endlich durch. Ich habe vor ein paar Monaten selbst zum ersten Mal eine Milchtankstelle in Anspruch genommen und bin ganz begeistert.

Ostfriesland ist außerdem die reichste Orgellandschaft der Welt. Die meisten sind in der Krummhörn anzutreffen. Mehr als 150 historisch bedeutende Orgeln aus sieben Jahrhunderten sind in den Kirchen zu finden. Diese Dichte gibt es sonst nirgendwo. Die älteste noch bespielbare Orgel des nördlichen Europas steht in einer kleinen Kirche in Rysum (Krummhörn). Dazu fällt mir gerade ein, dass ich auf ein Buch aufmerksam geworden bin, weil es mir optisch so gut gefallen hat: „Windgesang“ von Uda von der Nahmen. Es ist eine Publikation über die Orgel- und Musikkultur Ostfrieslands und da gibt es eine Menge Bilder der ostfriesischen Orgeln. Ich habe es natürlich nicht liegen lassen können …

Neugierig geworden bin ich jetzt auch auf das Pfannkuchenschiff in Großefehn. 34 verschiedene Varianten gibt es an Bord und ich möchte auf jeden Fall mindestens eine mal ausprobieren. Knut Diers hat mich mit seinem Buch so richtig begeistern können. Gerne hätten es noch 100 Seiten mehr sein dürfen. Ganz egal, ob man Ostfriesland schon kennt oder erst noch kennenlernen möchte – diese Lektüre kann ich wärmstens empfehlen und vergebe fünf Sterne.

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92 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

humor, schule, schüler, witzig, lena greiner

Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker

Lena Greiner , Carola Padtberg-Kruse
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783548376653
Genre: Humor

Rezension:

Schon die äußere Aufmachung des Buches fällt ins Auge. Wem der Titel des Buches bereits ein Lächeln ins Gesicht zaubert, der ist mit dieser Lektüre bestens beraten. Spiegel Online ist für solche Bücher natürlich prädestiniert. Ich habe mich köstlich amüsiert über die Versprecher und Verschreiber, war aber schon etwas entsetzt über das Allgemein(un)wissen einiger Schüler – vor allen Dingen in den Oberstufen.

Interessant sind die Übelsetzungen von deutschen Sätzen ins Englische. Hier kommen die abenteuerlichsten Kombinationen zusammen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, wenn man sie korrekt wieder ins Deutsche übersetzen würde. „I think I spider“ ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Die Ausreden der Schüler fand ich nun nicht so spektakulär und ich frage mich, wie Menstruationsbeschwerden eines Jungen als Entschuldigung durchgewunken werden. Ich war mir manchmal nicht so ganz sicher, ob alles sich tatsächlich so abgespielt hat wie beschrieben, oder aber ob an manchen Stellen etwas hinzugemogelt wurde. Aber egal, es ist auf alle Fälle witzig, was die Lehrer in ihrem Schulalltag so zu hören bekommen. Trotzdem möchte ich nicht tauschen, denn Lehrer haben es oft nicht leicht. Und wenn man manche Schülerantworten liest, kann man wohl schon mal verzweifeln.

Die 240 Seiten sind natürlich ganz fix gelesen. Trotzdem sollte man das Buch öfter mal zur Seite legen und es nicht in einem Rutsch durchlesen, sonst wird es schnell monoton. Die beiden Spiegel-Redakteurinnen lockern mit ihren lustigen Kommentaren das Ganze aber schon erheblich auf. „Nenne drei Hochkulturen“ eignet sich sehr gut als Mitbringsel, um jemandem eine kleine Freude zu bereiten. Viel mehr gibt es zu diesem Büchlein mit der Sprüchesammlung auch nicht zu sagen – außer, dass ich fünf Sterne vergebe.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

historischer roman, säulen des zorns

Die Säulen des Zorns

Bernhard Wucherer
Flexibler Einband: 1.113 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 06.08.2014
ISBN 9783839215791
Genre: Historische Romane

Rezension:

Staufen im Jahr 1649: Der Dreißigjährige Krieg ist zu Ende, aber die Pest hat den Menschen stark zugesetzt und die rund 300 verbliebenen Einwohner sind der Verzweiflung nahe. Das verödete Land gibt nichts mehr her und der Winter steht vor der Tür. Selbst bei der Familie des Kastellans Lodewig Dreyling von Wagrain sieht es nicht besser aus.

Um den Leuten wieder etwas von ihrem Lebensmut zurückzugeben, löst Reichsgraf Hugo von Königsegg sein vor Jahren gegebenes Versprechen ein und stiftet eine sehr wertvolle Fahne samt Umzug und einem dazugehörigen Festmahl für die noch ledigen Burschen. Ein Fähnrich muss gefunden werden. Doch schnell breitet sich Unruhe unter den Burschen aus, denn jeder ist davon überzeugt, den besten Fähnrich abzugeben. Bald darauf wird die erste Leiche gefunden und der vermeintliche Mörder schnell ausgemacht. Im Schwarzfischer Jockel Mühlegg ist ein leichtes Opfer gefunden und man ist sich sicher, dass ein Geständnis durch eine peinliche Befragung nicht lange auf sich warten lässt. Doch Jockel beteuert ganz beharrlich seine Unschuld. Läuft der wahre Mörder noch frei herum?

„Die Säulen des Zorns“ ist bereits der dritte Band aus der Reihe um die Familie Dreyling von Wagrain und mit über 1.000 Seiten auch der umfangreichste. Sehr anschaulich beschreibt der Autor das karge Leben nach dem Krieg und der Pest. Bernhard Wucherer hat sehr sympathische Charaktere geschaffen und hat ihnen durch ihre authentische Art sehr viel Lebendigkeit verliehen, sodass ich sehr gut mit ihnen mitfühlen konnte. Die detaillierten Beschreibungen der peinlichen Befragung sind sicherlich nicht jedermanns Sache und ließen selbst mich schlucken.

Bernhard Wucherer hat wieder einmal mehr bewiesen, dass er es meisterhaft versteht, Fiktion mit historischen Fakten zu verbinden. Geschichte war mir in der Schule immer zu trocken. Verpackt in einer spannenden Story jedoch, wird sie zu einem wahren Abenteuer und hier gelingt es dem Autor, mir die Persönlichkeiten der damaligen Zeit sowie das Geschehen nahezubringen. Natürlich weist ein über 1.000 Seiten starkes Werk auch seine Längen auf und es hätten mit Sicherheit auch 200 – 300 Seiten weniger sein können, aber von mir bekommt „Die Säulen des Zorns“ vier Sterne und eine ganz klare Empfehlung.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Der Garten der Abendnebel

Twan Eng Tan , Michaela Grabinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.06.2016
ISBN 9783426305140
Genre: Romane

Rezension:

Als Jugendliche gerät Teoh Yun Ling zusammen mit ihrer Schwester in ein japanisches Arbeitslager. Die grausamen Erlebnisse ertragen die beiden Schwestern nur, indem sie sich in einen Fantasiegarten hineinträumen, um wenigstens für ein paar Augenblicke der Gewalt und dem großen Hunger entfliehen zu können. Yun Ling ist am Ende die Einzige, die das Internierungslager überlebt. Im Gedenken an ihre Schwester möchte Yun Ling ihren Zufluchtsort nachbauen lassen. Im malaysischen Hochland wird sie fündig und wendet sich, trotz ihrer Abneigung gegen die Japaner, an Aritomo, den ehemaligen Gärtner des Kaisers. Doch dieser lehnt Yun Lings Bitte ab und bietet ihr stattdessen eine Lehre bei ihm an. Trotz der vielen Vorbehalte nimmt sie seinen Vorschlag an und arbeitet hart an ihrem Traum. Die Beziehung zwischen dem Japaner und der, durch die Erlebnisse schwer traumatisierten Frau, ist kompliziert und das Vertrauen stellt sich erst sehr spät ein. Das gemeinsame Projekt ist für beide Seiten eine Art, den Frieden wiederherzustellen. Der Garten bekommt von Yun Ling den Namen „Garten der Abendnebel“.

Mittlerweile ist Yun Ling seit über 30 Jahren Richterin in Kuala Lumpur, verurteilt Kriegsverbrecher und wird nun in den Vorruhestand verabschiedet. Eine degenerative Nervenerkrankung, die rasch voranschreitet und zum Verlust des Gedächtnisses führen wird, weckt in ihr den Wunsch, alle Erinnerungen Revue passieren zu lassen und schriftlich festzuhalten. Sie begibt sich noch einmal auf den Weg zum „Garten der Abendnebel“ …

Tan Twan Engs hat mit seiner Protagonistin Yun Ling einen sehr starken und eindrucksvollen Charakter geschaffen. Dadurch, dass er sie ihre Geschichte in der Ich-Form und im Präsens erzählen lässt, ist der Leser sehr nah am Zeitgeschehen. Allerdings wird die Geschichte auf mehreren Zeitebenen erzählt und ich hatte etwas Mühe auszumachen, in welcher Zeit sich die Protagonistin gerade befindet.

In diesem Roman begegnen uns weitere verschiedene Charaktere, die alle auch sehr unterschiedliche Bindungen zur Protagonistin haben. Die innere Zerrissenheit von Yun Ling wird sehr gut beschrieben. Es ist nachzuvollziehen, wie schwer es ihr fallen muss, den Anweisungen des japanischen Gärtners zu folgen. Besonders schwer tut sich Yun Ling mit der Verbeugung vor ihrem Lehrmeister, die sie jedes Mal wieder in das verhasste Arbeitslager zurückversetzt, in dem diese Verbeugungen Pflicht waren und für sie eine Demütigung darstellten. Einzig die Liebe zu diesem Garten ermöglicht es den beiden, eine tatsächlich auf gegenseitigem Respekt beruhende Beziehung aufzubauen.

Der Autor erzählt mit sehr leisen Tönen die ebenso ereignisreiche wie ergreifende Geschichte von Yun Ling, wobei ihm der Spagat zwischen den grauenvollen Szenen und den wundervollen Beschreibungen der Landschaft meisterhaft gelungen ist. „Der Garten der Abendnebel“ ist kein Buch, das man schnell durchlesen kann. Immer wieder musste ich innehalten und habe auch den wunderbaren Schreibstil des Autors sehr genossen. Ich kann diesen Roman allen empfehlen, die Wert auf anspruchsvolle Literatur legen, und vergebe vier Sterne.

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(319)

598 Bibliotheken, 20 Leser, 1 Gruppe, 208 Rezensionen

krimi, nele neuhaus, mord, taunus, wald

Im Wald

Nele Neuhaus
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.10.2016
ISBN 9783550080555
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der achte Band aus der Bodenstein / Sander (Kirchhoff)-Reihe ist der wohl persönlichste Fall für Oliver von Bodenstein. Im Wald von Ruppertshain geht ein Wohnwagen in Flammen auf und ein Mann kommt darin um. Die Ermittler vom K11 in Hofheim finden schnell heraus, dass hier jemand vorsätzlich gemordet hat. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord in einem Hospiz. Warum tötet jemand eine Frau, die sowieso nicht mehr lange zu Leben gehabt hätte? Für Oliver von Bodenstein war die Frau keine Unbekannte, denn sie war die Mutter eines ehemaligen Schulkameraden von ihm.

Die Ermittlungen führen Pia und Oliver ins Jahr 1972 zurück – zu einem Fall, der nie aufgeklärt werden konnte - das Verschwinden des kleinen Arturs. Ein ganzes Dorf hüllte sich damals wie auch jetzt in Schweigen. Oliver von Bodenstein trifft dieser Fall ganz besonders hart, denn Artur war sein bester Freund …

Das in blau-grau gehaltene Cover mit dem Fuchs auf dem umgestürzten Baumstamm ist ein echter Hingucker und passt wieder sehr gut zur Thematik. Im Innenteil befindet sich dieses Mal eine Karte mit den örtlichen Gegebenheiten sowie ein Personenregister, welches sich – wie sich schnell herausstellt – als sehr hilfreich erweist. Durch die große Anzahl an Figuren, die Nele Neuhaus in ihrem Roman ins Rennen schickt, sieht man den Wald vor lauter Bäumen oder den Mörder vor lauter Charakteren nicht.

Ich habe nun alle Bände aus dieser Reihe gelesen und war jedes Mal ganz begeistert. „Im Wald“ hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Spannend ist der Fall – ohne Frage. Doch die vielen Charaktere haben den Lesefluss ganz massiv gestört. Jeder ist mit jedem irgendwie verwandt, verschwägert, befreundet oder befeindet. Permanent musste ich wieder zum Personenverzeichnis zurückblättern – wenn nicht sofort, dann spätestens am nächsten Tag, weil ich da den Überblick bei den ganzen Namen wieder verloren hatte. Natürlich gerät auch so irgendwie jeder mal in Verdacht. Ich mag es eigentlich, wenn man bei Krimis in die Irre geführt wird oder die eigenen Ermittlungen in einer Sackgasse enden. In diesen Fall war das Ganze allerdings ein bisschen übertrieben.

Über das Wiedersehen mit allen alten Bekannten aus den Vorgängerbänden habe ich mich natürlich gefreut. Henning Kirchhoff, Cem Altunay und Nicola Engel zum Beispiel. Aber auch der neue Kollege Tariq Omari ist schon jetzt ein Sympathieträger. Der Syrer mit dem fotografischen Gedächtnis sorgt für so manchen Schmunzler und lockert den Krimi ganz gewaltig auf. Das ist als Gegengewicht zu Oliver von Bodenstein auch notwendig. Dieser kommt gerade in diesem für ihn so persönlichen Fall sehr depressiv rüber. Auch die Tatsache, dass seine Exfrau Cosima ihn mit der jüngsten Tochter mal wieder ganz allein lässt, sorgt nicht gerade für eine Besserung seines Zustandes. Oliver scheint den Glauben an die Menschheit verloren zu haben und ich kann gut verstehen, dass er beruflich erst einmal ein Sabbatjahr einlegen möchte.

Bücher mit über 500 Seiten sind für mich immer ein Genuss. In diesem Fall hätten die 560 Seiten gerne 100 Seiten weniger haben dürfen, denn die ausführlichen Beschreibungen waren stellenweise sehr langatmig. An diesen Band habe ich für meine Verhältnisse ungewöhnlich lange gelesen. Trotz der spannenden Handlung ist „Im Wald“ für mich der schwächste Band aus der Reihe. Ich hoffe sehr, dass der nächste Roman wieder mit der brillanten Schreibweise der Autorin überzeugen kann, und vergebe drei Sterne.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

gmeiner, krimi, reihe

Kinderland

Marco Sonnleitner
Flexibler Einband: 373 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.02.2014
ISBN 9783839215395
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bartholomäus Kammerlander hatte sich fest vorgenommen, sich intensiv um seine Frau und das neu erworbene Hotel zu kümmern. Der abgetrennte Kinderfinger im Magen eines Hechtes lässt den ehemaligen Kommissar jedoch noch einmal als Ermittler tätig werden. Nachdem der Rest der Leiche gefunden wird, versucht jeder, eine Erklärung für diesen absurden Fall zu finden. Doch je weiter die Polizei ermittelt, umso haarsträubender werden die Fakten und die Erklärung stellt alles Vorstellbare in den Schatten und lässt selbst die hartgesottenen Ermittler schlucken.

Wie bereits beim ersten Band mit dem ehemaligen Kommissar Kammerlander beginnt auch dieser Krimi wieder sehr verworren und erfordert etwas Durchhaltevermögen. Aber dann wird der Leser mit einem sehr spannenden Fall belohnt und einem durch und durch sympathischen Protagonisten, der auch viel von Alleingängen hält.

Dieser Fall ist nichts für schwache Nerven. Auch wenn Marco Sonnleitner auf blutige Details verzichtet, die Beschreibungen von entführten und ermordeten Kindern haben mir ganz schön zugesetzt. Der Täter ist alles anders als leicht zu entlarven, denn der Autor versteht es meisterhaft, seine Ermittler, samt Leserschar, mehr als einmal in eine Sackgasse zu führen.

Marco Sonnleitner hat mich mit seinem spannenden Schreibstil wieder in seinen Bann ziehen können. Eine Steigerung von Seite zu Seite - das gelingt nicht jedem Krimiautor. „Kinderland“ ist noch einmal eine Steigerung zum ersten Band „Blutzeugen“ und bekommt von mir fünf Sterne.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

hamburg, krimi, krimi-reihe

Bullenpeitsche

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426305188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Hamburger Elbvorort Groß Flottbek werden zwei Streifenpolizisten erschossen. So schnell sich erste Erfolge bei den Ermittlungen einstellen, so abrupt kommt plötzlich auch alles zum Stillstand. Staatsanwältin Chastity Riley wird hineingezogen in einen Strudel aus Macht und Korruption und gerät an ihre Grenzen …

„Bullenpeitsche“ ist bereits der fünfte Band aus der Chas Riley-Serie und war gleichzeitig mein erster Roman der Autorin. Ich liebe Krimis mit viel Lokalkolorit und davon ist in diesem reichlich vorhanden. Das verregnete Hamburg und sein St. Pauli bieten die perfekte Kulisse für die Handlung.

Der Sprachstil war etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Ich mag zwar gerne Romane lesen, die ohne Schnörkel, kurz und bündig geschrieben sind, aber Simone Buchholz‘ Schreibstil hat mich eher an Steno für Fortgeschrittene erinnert. Passt aber zum Umfang des Buches, welches mit 220 Seiten nicht gerade zu den dicksten Wälzern gehört.

Protagonistin Chas Riley ist eine humorvolle Frau, manchmal etwas derb – was jedoch an der Hamburger Schnauze liegt – hat aber einen sehr guten Draht zu ihren Kollegen. Ihr Privatleben kam leider etwas kurz und so bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie und wo ich sie einstufen soll. Ich habe schon das Gefühl, dass mir dadurch, dass ich die anderen Bände nicht gelesen habe, einiges an Vorwissen fehlt. Der Krimi ist aber ohne Probleme eigenständig zu lesen.

Positiv anzumerken ist, dass sich dieser Roman deutlich vom Einheitsbrei abhebt. Um mir ein besseres Bild von der Protagonistin zu machen und um zu sehen, ob ich die Reihe weiterverfolge, werde ich mir auf jeden Fall noch einen Band zu Gemüte führen. Von mir gibt es vier Sterne.

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131 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

zeit, tod, poesie, die autobiographie der zeit, beständigkeit

Die Autobiographie der Zeit

Lilly Lindner , Lisa Wöhling
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 02.05.2016
ISBN 9783426305409
Genre: Romane

Rezension:

Was Tim Bendzko für die Musik ist, ist Lilly Lindner für die Literatur. Ihr Name war mir bis dato kein Begriff. Aber an diesem Büchlein mit dem auffälligen Titel und der wunderschönen Gestaltung kam ich einfach nicht vorbei. Das Cover ziert eine aufgeklappte Taschenuhr, aus der Wasser fließt, auf dem wiederum ein Papierboot schwimmt. Das nennt man wohl Zeitfluss?! Und genau diese Zeit verging beim Lesen wie im Flug.

Der Roman umfasst nur 240 Seiten, von denen längst nicht alle komplett beschrieben sind und die viele herausragende Illustrationen enthalten. An dieser Stelle auch ein großes Lob an Lisa Wöhling. Die Inhaltsangabe selbst sagt sehr wenig über den Inhalt des Buches aus. Aber gerade das alles zusammen hat mich noch neugieriger auf „Die Autobiographie der Zeit“ gemacht.

Protagonistin ist die 15-jährige Ich-Erzählerin, die Zeit. Als sie stirbt und der Tod kommt, um sie abzuholen, lastet er ihr eine unheimliche Bürde auf. Sie muss ihren Heimatplaneten „Winter“ verlassen, um zukünftig für „den Rest der Zeit“ als unsterbliche Macht über die Welt zu wachen. Zusammen mit den anderen Mächten – Kevin (dem Raum), David (der Beständigkeit) und Shay (dem Abgrund) versucht sie, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Aber gerade die Menschen lassen diese Aufgabe zu einem schwierigen und komplexen Unterfangen werden …

Die Sätze sind zwar sehr kurz und bündig, aber wählt man die richtigen Worte aus, sagen sie weitaus mehr aus als manch ein langer Roman. Die Autorin muss die Seiten nicht komplett mit Wörtern füllen, denn sie überlässt es uns Lesern, etwas Wortgewaltiges daraus zu machen. Lilly Lindner schreibt über Glück und Unglück, Mut und Angst und auch über Hoffnung und tiefe Hoffnungslosigkeit. Alles in der Macht stehende tun, um ein Unheil abzuwenden? Wie sollen die vier Mächte das schaffen, wenn der Mensch sich selbst zugrunde richtet?

Die Autorin hat mich mit ihren Worten tief bewegt. Ihr Buch handelt von uns Menschen, der Zeit und was wir aus dieser Zeit machen. Über all das machen wir uns viel zu wenig Gedanken und nehmen vieles als selbstverständlich hin. Wer nach diesem Buch nicht ins Grübeln gerät, hat die ganze Geschichte nicht verstanden. „Die Autobiographie der Zeit“ ist ein wundervolles und kostbares Werk, welches ganz sicher fünf Sterne verdient hat. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung.

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214 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

thriller, mord, transnistrien, folter, rechtsmediziner

Zersetzt

Michael Tsokos , Andreas Gößling
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426518779
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Zersetzt“ ist der zweite Band aus der True-Crime-Reihe, der zeitlich jedoch zehn Monate vor dem ersten Band „Zerschunden“ spielt. Dies tut der Spannung zwar keinen Abbruch und man benötigt keinerlei Vorwissen, um den Roman verstehen zu können, ist aber vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache. Ich persönlich bin eher ein Freund von chronologischen Reihenfolgen. Der Roman besteht aus mehreren Handlungssträngen, die in den recht kurz gehaltenen Kapiteln jedoch durch den Ort, das Datum und die Uhrzeit gut voneinander zu unterscheiden sind.

Noch während Rechtsmediziner Dr. Fred Abel bei einem Opfer auf seinem Seziertisch einen winzig kleinen Stich in der Kniekehle feststellt und sich an einen nicht gelösten Fall erinnert, wird er vom Innenministerium nach Transnistrien geschickt. Der transnistrische Präsident möchte von Abel zwei Leichen obduziert haben, die in ungelöschtem Kalk gefunden wurden. Unter Aufsicht des osteuropäischen Geheimdienstes soll Abel herausfinden, ob es sich um die beiden Söhne eines Oligarchen handeln könnte.

Kein ungefährliches Unterfangen für Abel. Die beiden Männer wurden schwer gefoltert, bevor sie einen grausamen Tod starben. Abel, der den Osteuropäern nicht traut, steckt plötzlich mitten in einem politischen Komplott und muss fliehen - quer durch das transnistrische Grenzland, seine Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Zur gleichen Zeit kämpft in Deutschland ein junges Mädchen in einem Kellerverlies um sein Leben …

Für „Zersetzt“ braucht man als Leser starke Nerven, denn Michael Tsokos und Andreas Gössling sparen nicht mit ausführlichen Beschreibungen brutaler und blutiger Szenen. In den unterschiedlichen Handlungssträngen wird aus Sicht der Opfer geschrieben. Der Leser erfährt genauestens (und noch vor Fred Abel), was zum Beispiel die beiden Männer durchmachen mussten, bevor ihr Leben im ungelöschten Kalk ein Ende fand. Auch die Szenen im Kellerverlies schildern sehr detailliert, was der Psychopath mit seinem Opfer zu tun gedenkt. Zartbesaitete greifen besser nicht zu diesem Thriller. Was den Gedanken nicht unbedingt erträglicher macht, ist die Tatsache, dass viel von dem, was die Autoren beschreiben, sich im tatsächlichen Leben so oder so ähnlich zugetragen hat. Die Welt ist ein grausamer Ort.

Ich finde zwar, dass viele Handlungsstränge einen Thriller beleben, in diesem Fall jedoch hätte mindestens jeder Handlungsstrang ein eigenes Buch verdient gehabt. Es war alles ein wenig zu überladen – vor allen Dingen, weil alle Handlungsstränge auch noch gleich spannend waren. Nur das, was eigentlich sonst üblicherweise bei Thrillern mit mehreren Handlungssträngen passiert, hat mir hier gefehlt: dass am Ende die losen Fäden irgendwie zusammenlaufen.

Zum perfekten Thriller fehlt mir irgendwie noch der fließende Schreibstil, der sich eher wie ein Roman und nicht wie ein Sachbuch lesen lassen sollte. Den Dreh haben die beiden leider noch nicht ganz raus. Trotzdem: Spannend bleibt spannend und verdient fünf Sterne.

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231 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 101 Rezensionen

krimi, arne dahl, schweden, entführung, schwedenkrimi

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492057707
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 „Sieben minus eins“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe mit dem Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom. Drei Wochen nach der Entführung eines 15-jährigen Mädchens, hat die Polizei noch immer keine heiße Spur. Ein anonymer Hinweis führt die Ermittler zu einer verlassenen Hütte in einem Wald. Durch eine Selbstschussanlage wird ein Polizist schwer verletzt, doch außer einer Blutlache in einem Verlies im Keller, finden die Beamten nichts. Sie sind zu spät gekommen. Nur wo ist das Mädchen? Sam Berger erinnert dieser Fall an weitere Vermisstenfälle aus vergangenen Jahren. Er geht, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten von einem Serientäter aus. Weitere Nachforschungen führen ihn anhand von Pressebildern oder Videos zu einer Frau, die an jedem dieser Tatorte mit einem Fahrrad auftauchte. Sam Berger scheint in ein Wespennest gestochen zu haben, denn plötzlich wendet sich das Blatt und er ist derjenige, der unter Mordverdacht gerät …

Angesprochen hat mich als Erstes das Cover, welches in sehr dezenten Farben eine ungeheure Ruhe ausstrahlt mit dem Boot auf dem Wasser. Diese Ruhe ist natürlich trügerisch, wie sich später herausstellt. Aber das Cover passt sehr gut zum Roman, da ein Bootshaus eine sehr große Rolle in diesem Fall spielt. Der Krimi ist spannend – ohne Frage. Dennoch gehört „Sieben minus eins“ nicht zu Arne Dahls besten Romanen. Der Funke bei den beiden Protagonisten ist bei mir noch nicht hundertprozentig übergesprungen. Eigentlich mag ich eigenwillige Ermittler, aber Sam Berger hat es mir nicht gerade leicht gemacht. Seine permanenten Alleingänge und Geheimniskrämereien habe ich in sofern nicht nachvollziehen können, als er seine Kollegin zu nicht ganz ungefährlichen Aktionen verleitet, die sie nicht nur den Job kosten könnten, sondern auch eine Gefährdung fürs Leben darstellen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mit ihm einfach nicht warm geworden bin. Aber auch hier kann man sich täuschen – wie im wahren Leben und ich hoffe, je besser man einen Protagonisten kennenlernt, umso mehr wird man ihn mögen.

Arne Dahl hat in diesem Krimi mit vielen Perspektiv- und Szenenwechseln gearbeitet und das lässt den Spannungspegel enorm nach oben schnellen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Und immer stellte sich mir die Frage: Wo sind die Entführungsopfer abgeblieben? Sind sie tatsächlich tot oder leben sie vielleicht doch noch? Da die erste Hälfte des Buches sich fast ausschließlich auf die Ermittler konzentriert und dem Leser dann ganz abrupt mitgeteilt wird, wer der Täter ist, fällt ein Miträtseln bei diesem Krimi komplett weg. Doch das, was ich bei anderen Krimis bemängeln würde, tut der Spannung hier keinen Abbruch. Einen absoluten Cliffhanger liefert der Autor mit dem letzten Absatz. Ganz sicher weiß ich, wer den zweiten Band aus der neuen Reihe lesen wird. Für „Sieben minus eins“ vergebe ich vier Sterne.

       

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66 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

karibik, schmuggel, abenteuer, sklavenhandel, hanse

Bucht der Schmuggler

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2016
ISBN 9783426516935
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Cover von Ulf Schiewes aktuellem Roman „Bucht der Schmuggler“ lässt auf den ersten Blick vermuten, dass es sich hier keineswegs um eine Lektüre für Frauen handelt. Aber weit gefehlt: Dieser Abenteuerroman beinhaltet vieles von dem, was wir Frauen gerne lesen. Aber zunächst zum Inhalt.

Bremen im Jahr 1635: Handelsherr Jan van Hagen kehrt mit seinem Schiff und einer guten Ladung an Handelswaren an Bord nach Hause zurück. Jan freut sich umso mehr, dass die kostbare Fracht an Bord dem arg gebeutelten Handelsunternehmen seines Vaters Willem van Hagen aus dem größten Tief herausholen kann. Doch seine Freude hält nicht lange an, als er feststellen muss, dass sein Vater im Sterben liegt und das Handelshaus mittlerweile so hoch verschuldet ist, dass Jan nur die Flucht bleibt, wenn er nicht im Schuldturm landen will. Mit letzter Kraft rät sein Vater ihm, nach Amsterdam zu fliehen und sich dort an seinen alten Handelpartner Cornelius van Doorn zu wenden.

Schweren Herzens befolgt Jan den Rat seines Vaters und bekommt tatsächlich Unterstützung von van Doorn. Jan wird von ihm mit Handelsgütern versorgt und soll nach Hispaniola segeln, um dort Handel zu betreiben. Doch van Doorns Hilfe ist nicht ganz uneigennützig. Als Gegenleistung soll Jan van Doorns Sohn Martin finden, der mitsamt seiner Mannschaft in Gefangenschaft geraten ist. Jan hat ein mulmiges Gefühl, denn das Unterfangen ist nicht ganz ungefährlich und auch der Gedanke daran, Sklaven mit an Bord zu nehmen, behagt ihm nicht. Doch schlussendlich bleibt ihm keine andere Wahl und er macht sich auf den Weg.

Auf Hispaniola trifft Jan auf den Zuckerrohrplantagenbesitzer Don Miguel und seine junge und hübsche Frau Donã Maria. Mit ihm möchte er Handel betreiben, doch der neue Vize-Gouverneur Don Alonso versucht mit allen Mitteln, den Schmuggel zu untersagen und droht jedem, der sich dem widersetzt, mit dem Tod durch den Strick. Jans Probleme wachsen ins Unermessliche und zu allem Überfluss hat er sich auch noch Donã Maria verliebt …

„Bucht der Schmuggler“ ist ein wahres Lesevergnügen. Man merkt, dass in diesem Roman viel Recherchearbeit steckt. Ulf Schiewe weiß, worüber er schreibt. Zugute kommt ihm dabei sicherlich, dass er mehrere Jahre in Nordbrasilien gelebt hat und dort sehr viel über das Zuckerrohr gelernt hat. Und auch die Seefahrt ist ihm nicht fremd, sodass das Thema natürlich ein „Heimspiel“ war. Seine Charaktere sind ihm allesamt sehr gut gelungen und sie waren mir so sympathisch und zum Teil auch unsympathisch, dass ich gut mitfiebern konnte. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Figuren eines Romans einen kaltlassen. Besonders schön an diesem Roman finde ich, dass der Autor seinen Charakteren Raum gibt, sich zu entwickeln. Gerade bei Jan wird das sehr deutlich. Zu Beginn des Romans kam er mir noch ein wenig grün hinter den Ohren vor. Doch nach dem Tod seines Vaters wird er auf der abenteuerlichen Reise, zu der er gezwungen wird, allmählich erwachsen und trifft weise und vorausschauende Entscheidungen. Da sehr viele Charaktere in der Geschichte auftauchen, war es sehr hilfreich, dass gleich zu Beginn des Romans ein Personenregister angelegt wurde. Ich habe des Öfteren mal zurückblättern müssen.

In den Bann gezogen haben mich ganz klar die Szenen der Schiffsreise. Zum einen die Situation an Bord mit diesen vielen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären Elsje, eine Prostituierte und einzige Frau an Deck unter all den Männern – oder der portugiesische Schiffsarzt, der in Wirklichkeit gar kein Arzt ist. Auch Jans Mannschaft ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, können sich alle aufeinander verlassen. Die Tatsache, Sklaven an Bord quasi als Ware zu transportieren, behagt niemandem und keiner weiß so recht mit dieser Situation umzugehen.

Das Thema Sklaven wurde sehr anschaulich behandelt. Es nahm nicht zu viel Raum in der Geschichte ein, aber doch genug, um mich sehr nachdenklich zu stimmen. Was diesen Menschen widerfahren ist, ist niemals wieder gutzumachen. In diesem Roman waren zwei der Sympathieträger Sklaven und die haben mich mit ihrem Handeln sehr beeindruckt.

Auch wenn der Ausgang der Geschichte stellenweise voraussehbar war, so hat mich Ulf Schiewe mit „Bucht der Schmuggler“ sehr gut unterhalten und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Das Ende lässt definitiv auf einen zweiten Teil schließen und ich hoffe doch sehr, dass nicht allzu viel Zeit bis dahin vergeht. Von mir gibt es fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

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(172)

292 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 120 Rezensionen

amnesie, thriller, baby, entführung, kindesentführung

Remember Mia

Alexandra Burt , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.04.2016
ISBN 9783423261012
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach einem Autounfall erwacht die schwer verletzte Estelle Paradise im Krankenhaus und kann sich an nichts mehr erinnern – außer der Tatsache, dass sie ein sieben Monate altes Kind hatte. Aber nun ist Mia verschwunden und es stellt sich die Frage, ob sie entführt wurde, oder ob Estelle etwas mit dem Verschwinden zu tun hat. Mehrere Personen, darunter so gar ihr eigener Ehemann, behaupten, die junge Mutter war oft überfordert mit ihrer Tochter …

Alexandra Burt nimmt die Leser mit auf eine Reise voller spannender Verwirrungen. Nur häppchenweise erfährt man, was sich genau zugetragen hat und muss sich, genau wie Estelle, die Wahrheit zurechtpuzzeln. Die Charaktere, die einem dabei über den Weg laufen, sind zum großen Teil unsympathisch – allen voran Jack, Estelles Ehemann. Seiner Frau keine große Hilfe und gnadenlos gefühlskalt, liefert er sie sehr zügig in einer psychologischen Klinik ab. Die Ärzte dort sind auf Amnesiefälle spezialisiert und zudem entgeht Estelle somit vorläufig einer Haftstrafe.

Die Autorin legt das Hauptaugenmerk auf die Suche nach Mia. Gefühlsduseleien sind eher nicht ihr Ding, denn die Schilderungen sind sachlich und unterkühlt. Emotionen Fehlanzeige! Das hat natürlich zur Folge, dass ich der Protagonistin auch nicht sonderlich viel Mitgefühl entgegenbringen konnte. Lieber wäre mir gewesen, die Autorin wäre etwas tiefer ins Detail gegangen und mehr auf die Charaktere eingegangen, dann wäre aus „Remember Mia“ ein sehr guter Psychothriller geworden. Nichtsdestotrotz hat dieser Roman viel von dem zu bieten, was einen Thriller ausmacht – Spannung! Das liegt nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass in der Gegenwartsform aus der Sicht von Estelle erzählt wird.

Das Ende ist dann in meinen Augen etwas „too much“, würde mich aber definitiv nicht davon abhalten, einen weiteren Roman der Autorin zu lesen. Von mir gibt es vier Sterne.

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74 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

stille, thriller, thomas raab, still, mörder

Still Chronik eines Mörders

Thomas Raab
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426305119
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ungewöhnlich ist es, wenn ein Autor diesen Satz über seinen Protagonisten verfasst. Aber ungewöhnlich ist auch dieses Buch, welches sich für mich als ein poetischer Schatz der Literatur herausgestellt hat. Doch zunächst stellt sich die Frage, für wen ist dieser Tag ein guter Tag? Für die Mitmenschen von Karl? Für Karl selbst? Oder sogar für die Leser, die Karl fast drei Jahrzehnte seines Lebens begleiten? Aber wer genau ist denn eigentlich Karl?

Am 6. Dezember des Jahres 1982 durchbricht ein Schrei die Stille des kleinen Dorfes Jettenbrunn in Österreich. Karl, der Sohn von Charlotte und Johannes Heidemann, hat das Licht der Welt erblickt und schreit seinen ganzen Schmerz und seine ganze Empörung darüber hinaus. Noch ahnt niemand, dass dieses Geschrei Tage und Nächte andauern soll, lediglich unterbrochen durch einen kurzen Erschöpfungsschlaf. Karls Mutter weiß sich keinen Rat mehr: Jegliche Versuche, den Jungen zu beruhigen scheitern, bewirken sogar das Gegenteil - sobald sie ihn auf den Arm nehmen möchte, wird Karls Stimme noch durchdringender.

Nur dem Zufall ist es geschuldet, dass Karls Vater die Entdeckung macht, dass jegliches Geräusch für Karl eine Tortur ist – und sei es noch so leise. Selbst den Flügelschlag eines Schmetterlings vermag Karl zu hören. Um der kleinen Familie, vor allem aber Karl das Leben erträglich zu machen, baut der Vater den Keller kurzerhand zu einem schalldichten Bereich um und fortan ist Ruhe. Dem Familienfrieden zwar dienlich, weniger jedoch der familiären Gemeinschaft, fristet Karl lange Zeit ein Eremitendasein. Der einzige soziale Kontakt – abgesehen von seinen Eltern, besteht aus gelegentlichen Besuchen eines Nachbarn, der pensionierter Lehrer ist und Karl unterrichtet. In puncto Zwischenmenschlichkeit liegt der Junge jedoch weit zurück und kann somit auch nicht unterscheiden, was richtig oder falsch ist. Als er mit einbezogen wird, lästige Fliegen zu erlegen und der Satz fällt, dass die Plagegeister endlich tot sind und nun Ruhe ist, hat das fatale Auswirkungen. Woher soll Karl wissen, dass Töten etwas Unrechtes ist? Töten = Ruhe?

Als die Mutter in ihren verzweifelten Versuchen ihr Kind zu lieben, auf immer mehr Ablehnung stößt, sowohl vonseiten der Dorfbewohner als auch von ihrem eigenen Sohn, beschließt sie, sich vor den Augen ihres Sohnes in einem See zu ertränken. Karl kann dieses Ereignis natürlich nicht zuordnen und ist ebenso verwirrt wie fasziniert von dem friedlichen Ausdruck auf dem Gesicht seiner toten Mutter. Nun ist er sich sicher, dass der Frieden erst im Tod zu finden ist und er verlässt sein Zuhause mit dem Vorsatz, auch anderen Menschen diesen Frieden zuteilwerden zu lassen. Karl hinterlässt eine Spur des Todes, wo auch immer er sich gerade befindet und immer in dem Glauben, richtig zu handeln. Doch er selbst vermag keinen inneren Frieden zu finden …

„Still“ ist kein reißerischer Thriller, wie man ihn vielleicht bei einer solchen Inhaltsangabe erwarten würde. Was Thomas Raabs Roman ausmacht, ist weniger der Inhalt als die Art, wie der Autor den Weg des Mörders beschreibt, nämlich in ganz leisen Tönen – eben STILL. Hier ist der Name Programm. Und wer nun glaubt, bei einer Schneise des Todes kann es keineswegs still zugehen, der irrt gewaltig. Karl ist beileibe kein Sympathieträger, aber ich konnte gut nachvollziehen, was ihn zu diesen Taten trieb und mich nicht ganz davon freisprechen, so etwas wie Mitleid mit ihm zu haben.

Der Leser muss sich automatisch mit dem „Kind“ Karl auseinandersetzen, das auf so tragische Art und Weise zum „Mörder“ Karl wird. Es führt kein Weg vorbei am Begreifen dieser Taten. Diesen Roman mit „Das Parfum“ von Patrick Süskind zu vergleichen ist legitim. Aber „Still“ ist durch Raabs Schreibstil so viel mehr. Die Figuren, die er geschaffen hat, sind so gut beschrieben und in Szene gesetzt, dass ich einfach nur fasziniert bin. Die große Wendung dieses Romans wird allerdings von zwei Charakteren verursacht, die ich in meiner Rezension noch gar nicht erwähnt habe. Man darf „Still“ also noch immer mit großer, erwartungsvoller Spannung lesen, ohne dass ich zu viel verraten habe. Ein großartiges Werk und mehr als fünf Sterne wert.

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66 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

borkum, liebe, insel, sylvia lott, nordsee

Die Inselfrauen

Sylvia Lott
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734100598
Genre: Romane

Rezension:

Der Sommer im Jahr 1967 hat das Leben der Journalistin Nina maßgeblich geprägt. Damals jobbte sie als junges Mädchen in der Pension ihrer Tante Theda auf der Insel Borkum. Dort lernt sie ihre erste große Liebe, den Krabbenfischer Klaas kennen, einen fleißigen und sehr musikalischen jungen Mann, der Nina einen Walzer komponiert. Die beiden Verliebten schmieden Zukunftspläne und für Nina ist es der schönste Sommer ihres Lebens. Doch als die Abreise naht, ist Klaas nicht wie versprochen am Ableger, um sie zu verabschieden. Zuhause angekommen, versucht Nina telefonisch und schriftlich Kontakt zu ihm aufzunehmen, doch sie bekommt keine Antwort. Für Nina bricht eine Welt zusammen.

Jetzt, im Jahr 2010, setzt die mittlerweile 61-jährige Nina das erste Mal wieder einen Fuß auf die Insel. Sie hat den Bruch zu Klaas nie ganz verwunden und konnte sich in all den Jahren auf keine feste Beziehung zu einem Mann einlassen. Durch ihren Beruf hat sie viel von der Welt gesehen, aber irgendwann zwingt der Stress Nina in die Knie und sie erleidet einen Burn-Out. Um sich zu erholen, zieht sie zu Tante Theda in die Pension, wo gerade ihre Nichte Rosalie aushilft. Diese steht kurz vor dem Abschluss ihres Examens zur Lehrerin. Doch ihr kommen Zweifel, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen hat. Ihre Beziehung steht auf dem Prüfstand, denn ihr Freund befindet sich berufsbedingt für längere Zeit am anderen Ende der Welt. Rosalie ist sich mit einem Mal nicht mehr so sicher, ob sie tatsächlich glücklich ist.

Und auch Tante Theda hat mit ihren Problemchen zu kämpfen. Mit mittlerweile 80 Jahren fällt ihr die Arbeit in der Pension zunehmend schwerer und sie hat sich entschlossen, die Pension zu verkaufen. Nun fehlt nur noch ihre Unterschrift unter dem Kaufvertrag. Aber das ist gar nicht so einfach, wie sie gedacht hat. Und auch Nina ist betrübt von der Tatsache, dass die Pension bald Geschichte sein soll, denn sie hat gerade ihr neues Hobby entdeckt – das Backen von Rosinenstuten und die Bewirtung der Gäste der Pension. Und dann plötzlich läuft ihr auch noch Klaas über den Weg …

Für mich ist der neue Roman von Sylvia Lott ein sehr angenehmer Vorgeschmack auf den Sommer. Ich konnte sofort eintauchen in das Inselleben und auch die Geschichten der drei Frauen haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen ist mühelos zu verfolgen und lockert den Schreibstil erheblich auf. Außerdem erzeugt die Autorin dadurch noch etwas Spannung, weil der Leser nicht sofort erfährt, wie es weitergeht. Durch die Examensarbeit von Rosalie gibt es immer wieder einen Abstecher in die vergangenen Jahrhunderte und es gibt einiges Interessantes über das damalige Leben der Frauen auf der Insel zu lesen.

Bei „Die Inselfrauen“ handelt es sich ganz klar um einen reinen Frauenroman, der sehr einfühlsam verfasst und umgesetzt wurde. Die Geschichte berührt und ich hatte mehr als einmal eine Gänsehaut beim Lesen. Liebesromane zu verfassen, die einem das Herz für die Protagonisten öffnen, jede Menge Lokalkolorit bieten und nicht ins Kitschige abdriften, will gelernt sein. Und Sylvia Lott, die kann es einfach. Da ich selber in Ostfriesland wohne, ist es immer wieder schön, über Sitten und Gebräuche wie „Klaasohm“ oder regionaltypische Spezialitäten wie „Ostfriesische Bohntjesopp“ zu lesen. Und wenn dann noch der Akkordeon spielende Wattführer Albertus Akkermann im Roman auftaucht, den ich schon persönlich kennenlernen durfte, dann ist doch alles perfekt.

Witzig fand ich die kleinen Anspielungen auf die vorherigen Romane der Autorin auf Seite 354: „Und im Mai zur Rhododendronblüte ins Ammerland (Die Rose von Darjeeling). Oder auf der Deutschen Edelsteinstraße gemächlich durch den Hunsrück (Die Lilie von Bela Vista). Aber ich würde auch gern Freunde auf Long Island besuchen .. Ach ja, und dort das beste Rezept für den Cheese Cake New York Style (Die Glücksbäckerin von Long Island) herausfinden!“

Interessant ist, dass ein Walzer die Inspiration zu diesem Roman war. Wie im Vorwort empfohlen, habe ich mir „And the waltz goes on“ von Sir Anthony Hopkins, uraufgeführt im Jahr 2011 in Wien von André Rieu, angehört. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sylvia Lott ausgerechnet diesen Walzer für ihr Buch aufgegriffen hat. Er ist eine wahre Inspiration und steht für alle Emotionen, die dieses Buch zu dem machen, was es ist - ein großartiger, gefühlvoller und unterhaltsamer Roman. Ich bedanke mich bei Sylvia Lott mit fünf Sternen.

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(90)

204 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 51 Rezensionen

hypochonder, tod, krankheit, frankfurt, roman

Die sieben Tode des Max Leif

Juliane Käppler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426517253
Genre: Romane

Rezension:

Max Leif ist mit 41 Jahren ein sehr erfolgreicher Musikproduzent und Inhaber des Frankfurter Musiklabels LeifMusic. Als Millionär führt er ein Leben auf der Überholspur und ihn wirft so leicht nichts aus der Bahn – weder der Herzinfarkt, den er erleidet, noch der Seitensprung seiner Freundin – die er kurzerhand aus der Wohnung schmeißt. Erst als sein bester Freund Paul an einer Thrombose stirbt, gerät sein Leben aus den Fugen. Auf dem Rückflug aus dem Urlaub in Sansibar, der ursprünglich mit Paul zusammen geplant war, gerät das Flugzeug plötzlich in Turbulenzen und auf einmal gibt es den sorglosen, durch nichts zu erschütternden Max nicht mehr. An seine Stelle tritt ein ängstlicher, grüblerischer und vor allem überzeugter Hypochonder. Appetitlosigkeit, Fieber und Husten? Natürlich wurde Max im Urlaub von einer Tsetsefliege erwischt. Auch HIV, die Schlafkrankheit und ein Tumor im Kopf lassen ihn zu einem Dauergast bei Frau Dr. Bärbeißer werden. Diese erträgt Max‘ eigens ergoogelten Diagnosen mit stoischer Gelassenheit. Nichts und niemand kann ihn davon abbringen, dass sein letztes Stündlein bald geschlagen hat und so setzt Max sein Testament auf …

Juliane Käppler hat mit Max einen so sympathischen Charakter geschaffen, dass man ihn einfach lieben muss. Neben Max gibt es noch einige andere Charaktere, die ebenso liebenswert sind – auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders wirkt. Ich habe die ganze Zeit versucht mir vorzustellen, ob ich so ruhig geblieben wäre, wenn ich an Frau Dr. Bärbeißers Stelle gewesen wäre. So einen Patienten hätte ich zum Mond geschossen. Die etwas schroffe Art von ihr ist also nur allzu gut nachzuvollziehen.

Dann ist da noch die russische Putzfrau Jekaterina Poljakow, die Max immer ganz deutlich mit ihrem russischen Akzent die Meinung sagt. Direkt, offen, aber immer besorgt liebenswert. Und was wäre so eine Geschichte ohne eine Herzensdame, die sich als mürrische, ewig schlecht gelaunte Barista namens Maja herausstellt?! Warum Max seinen Kaffee trotz der Unfreundlichkeit doch immer wieder beharrlich bei ihr bestellt, wird erst im Verlauf der Geschichte klar.

Ich bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es sich hier um einen humorvollen Roman handelt. Das ist er auch, hat aber noch wesentlich mehr zu bieten, denn er macht nachdenklich und zeigt auf, was wirklich wichtig ist im Leben. Der Schreibstil ist flüssig und die immer wieder neuen Krankheiten von Max lassen den Leser zwar schmunzeln, driften aber niemals ins Lächerliche ab. Die Autorin hat mich mit ihrem Roman auf ganzer Linie überzeugt. Ich vergebe fünf Sterne.

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(71)

92 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

rassismus, schweden, krimi, mord, tom stilton

Die Strömung

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 08.03.2016
ISBN 9783442753956
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der dritte Band der Rönning/Stilton-Reihe beginnt mit einer Rückblende in das Jahr 2005. In einer Stockholmer Hotelbar sitzen vier Männer zusammen, die einer nationalsozialistischen Einheit angehören. Sie planen eine Revolution, in dem Glauben, Schweden dadurch „reinigen“ zu können. Zwei Stunden sind vergangen und es ist bereits einiges an Alkohol geflossen, zieht einer der Männer ein Päckchen aus der Tasche und reicht es seinem Gegenüber mit den Worten: „Du hast doch heute Geburtstag. Ist von uns allen.“ Es handelt sich um einen Zimmerschlüssel in Form einer Plastikkarte für das Hotel Continental. Eine Dreiviertelstunde später ist der Mann wieder zurück, mit einer zerbrochenen Brille. Die rote Schachtel, die er zuvor bekommen hat, stellt er wieder auf den Tisch. Als sie einer der Männer aufmacht und sich den Inhalt besieht, sagt er nur: „Scheiße, wie eklig. Verdammt, was hast Du gemacht?“

Schonen im Jahr 2013: Die dreijährige Emelie spielt im Sandkasten. Oma Judith ist als Babysitterin eingesprungen und geht kurz ins Haus, als das Telefon klingelt. Als sie wieder nach draußen kommt, ist Emelie tot – ermordet. Nur zwei Tage später geschieht ein weiterer Kindermord. Wieder ist es ein Kind mit Migrationshintergrund. Der Verdacht fällt zunächst auf rassistische Gruppe, die in Schweden ihr Unwesen treibt. Plötzlich tauchen Hinweise zu dem brutalen, nie aufgeklärten Mord aus dem Jahr 2005 an einer schwangeren Edelprostituierten auf …

„Die Strömung“ ist mein erster Band aus der Reihe. Er lässt sich unabhängig von den Vorgängerbänden lesen. Ich hatte bei den komplexen Zusammenhängen der Protagonisten jedoch immer unterschwellig das Gefühl, ich hätte etwas verpasst. Die Charaktere sind so vielschichtig und interessant beschrieben, dass ich unbedingt mehr über sie erfahren möchte. Ich werde also um die anderen beiden Bücher nicht drum herumkommen. Das Autorenduo ist perfekt aufeinander abgestimmt und die Spannung ist in jedem Satz greifbar. Das Buch lebt durch die stetigen Wendungen und die Möglichkeit, sich mit den Ermittlern zusammen auf die Suche zu machen.

Durch die Flüchtlingskrise ist das Thema des Buches so aktuell wie nie. Im Buch wird auch immer mal wieder Bezug auf die Tat von Anders Behring Breivik genommen. Ein Schreckensszenario, welches für mich immer sehr schwer vorstellbar, in unserer heutigen Situation aber – auch gerade im Hinblick auf die aktuellen Wahlergebnisse, leider nicht mehr ganz abwegig ist. Sowohl das Cover als auch der Titel sind für diesen Kriminalroman sehr gut gewählt. „Die Strömung“ erhält von mir vier Sterne.

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(125)

204 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 78 Rezensionen

münchen, gina angelucci, krimi, cold case, mord

Gedenke mein

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548612287
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Gedenke mein“ wagt Inge Löhnig den Start in eine neue Reihe. Diese dreht sich allerdings immer noch um das Umfeld von Kommissar Dühnfort. Ermittlerin ist hier seine Verlobte Gina Angelucci, sodass wir Leser auch nicht gänzlich auf Dühnfort verzichten müssen. Gina arbeitet in der Abteilung für Cold Cases. So bezeichnet man Fälle, die seit vielen Jahren ungeklärt sind. Gerade erst hat sie einen solchen Fall erfolgreich nach achtundzwanzig Jahren aufklären können. Diese Tatsache führt Petra Weber zu ihr. Verzweifelt bittet sie Gina, sich auf die Suche nach ihrer vor zehn Jahren verschwundenen Tochter Marie zu machen. Damals beging ihr Mann Selbstmord und die Polizei ging davon aus, dass er Marie mit in den Tod nahm. Doch die Leiche des kleinen Mädchens wurde nie gefunden. Da dieser Fall nicht in Ginas Zuständigkeitsbereich fällt, muss sie ablehnen. Die Tatsache, dass Gina bald selber Mutter ist und das Mitleid mit Petra Weber lassen sie jedoch nicht los, sodass sie sich an die zuständigen Beamten in Rosenheim wendet. Eine erneute Aufrollung des Falles stößt jedoch keineswegs auf Zustimmung und so bedient sich Gina eines kleinen Tricks, um den Fall zu übernehmen. Sehr schnell muss sie feststellen, dass die Ermittlungen damals nicht sehr sorgfältig geführt wurden und der Gedanke, Marie könne vielleicht doch noch leben, der für Petra Weber immer Gewissheit war, ist plötzlich gar nicht mehr so abwegig …

Inge Löhnig hat, auch mit einer neuen Ermittlerin, wieder einen überzeugenden Krimi abgeliefert. Dass sie mit Gina Angelucci eine den Lesern bereits bekannte Protagonistin ausgewählt hat, hat sich als kluger Schachzug erwiesen. Somit ist Konstantin Dühnfort für alle noch in greifbarer Nähe – auch wenn er sich dezent im Hintergrund hält. Mir hat dabei vor allem gefallen, dass das Familienleben der beiden nicht über Gebühr behandelt wird und Ginas erster Fall im Vordergrund steht.

Die Geschichte um das verschwundene Mädchen ist so spannend, dass ich das Gefühl hatte, nicht schnell genug lesen zu können, um endlich zu erfahren, was damals passiert ist. Ganz geschickt erzählt die Autorin auf zwei Zeitebenen – in der Gegenwart im Jahr 2015 und der Vergangenheit im Jahr 2005. Nach und nach werden immer mehr Details enthüllt und ich habe fieberhaft mitgerätselt. Aber Inge Löhnig wäre nicht Inge Löhnig, wenn sie ihre Leser nicht auf so manch falsche Fährte locken würde.

„Gedenke mein“ ist ein sehr flüssig zu lesender Krimi mit Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Die Protagonisten sind alte Bekannte und sympathisch wie immer. Die Geschichte geht unter die Haut und ist nicht unbedingt für Schwangere oder frischgebackene Eltern geeignet. Mich hat die Autorin voll und ganz überzeugt und ich freue mich schon auf den nächsten Band mit Gina Angelucci. Von mir gibt es fünf Sterne.

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(979)

1.549 Bibliotheken, 35 Leser, 1 Gruppe, 145 Rezensionen

kreuzfahrt, thriller, sebastian fitzek, selbstmord, psychothriller

Passagier 23

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 29.10.2015
ISBN 9783426510179
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Polizeipsychologe Martin Schwartz verlor vor fünf Jahren seine Frau und seinen Sohn auf einer Kreuzfahrt. Sein daraus resultierender mangelnder Lebenswille gepaart mit seiner Einstellung, nun nichts mehr verlieren zu können, treiben ihn in seinem Beruf zu höchst waghalsigen Aktionen an. Inmitten einer dieser grenzwertigen Einsätze, in denen er sein Leben riskiert, bekommt er einen seltsamen Anruf von einer alten Dame. Sie ist Thrillerautorin und befindet sich aus Recherchegründen zu ihrem neuen Roman auf der „Sultan of the seas“, jenem Kreuzfahrtschiff, auf dem sich Martins Frau zusammen mit dem Sohn das Leben genommen haben soll. Sie bittet Martin, an Bord zu kommen, weil Beweise aufgetaucht sind, die vermuten lassen, dass sein Sohn noch am Leben sein könnte …

Eines vorweg: Ich liebe die Thriller von Sebastian Fitzek. Alle seine bis jetzt von mir gelesenen Romane habe ich inhaliert, weil sie von Seite zu Seite spannender wurden. So auch „Passagier 23“ – allerdings mit der Ausnahme, dass ich für die anderen immer fünf Sterne vergeben konnte. In diesem Fall ist mir das leider nicht möglich – eben WEIL es ein Roman von Sebastian Fitzek ist und ich weiß, wie gut er normalerweise schreiben kann. Hier liegt die Messlatte dementsprechend hoch und selbst meine Vergabe von drei Sternen ist noch geschmeichelt. So schwer habe ich mich schon lange nicht mehr mit einer Bewertung getan.

Wie gewohnt hat der Autor wieder einen spannungsgeladenen Thriller vorgelegt, den ich innerhalb kürzester Zeit ausgelesen hatte. Anders als sonst hatte ich in diesem Fall jedoch kein „WOW-Gefühl“ nach dem Zuklappen des Buches. Fitzek-Fans wissen, dass er in seinen Geschichten die Spannung steigert und immer noch einen draufsetzt. Aber genau das ist dieses Mal schiefgegangen. Die ganze Story war von Anfang an überzogen. Martin Schwartz hat mich als Protagonist nicht überzeugen können. Auch die Tatsache, dass er seine Familie verloren hat, hat für mich nicht plausibel gemacht, dass sich jemand freiwillig mit HIV infizieren oder sich einen Zahn ausschlagen lassen würde. Ebenso die Nebencharaktere, denen man auf dem Schiff begegnet. Es sind keine normal handelnden Personen, wie man sie sich vorstellen würde.

Eigentlich ist dieser Spagat zwischen normal erscheinenden Figuren und einer unglaublichen Auflösung am Ende des Romans immer das gewesen, was Fitzek meisterhaft beherrscht und was ihn zum beliebtesten deutschen Thrillerautor gemacht hat. Jetzt steht das Buch auf der Bestsellerliste, weil es ein „Fitzek“ ist und nicht, weil es qualitativ überzeugt hat. An den vielen Kritiken kann man erkennen, dass im Nachhinein viele Fans von „Passagier 23“ enttäuscht sind – so wie ich.

Meine anfängliche Befürchtung, dieser Roman könnte meine im Sommer bevorstehende Kreuzfahrt negativ beeinflussen, ist quasi ins Wasser gefallen. Ich hoffe, Sebastian Fitzek findet ganz schnell zu seinen alten Wurzeln zurück.

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