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138 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 28 Rezensionen

liebe, flaschenpost, brieffreundschaft, hamburg, münchen

Herz an Herz

Sofie Cramer , Sven Ulrich ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.02.2012
ISBN 9783499256653
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es gibt Tage, da ist es besonders blöd, Single zu sein. Zum Beispiel auf Hochzeiten. Glückliche Paare wohin man sieht, dämliche Hochzeitsspiele und während langweiliger Reden hat man endlos viel Zeit sich die eigene einsame Zukunft schön zu trinken. So macht es auch Sara. Aus Protest packt sie statt der Wünsche fürs Brautpaar nur ein paar genervte Zeilen, denen man Saras Blutalkoholspiegel deutlich anmerkt, in eine Flaschenpost und pfeffert sie ins Meer. Mit einer Antwort rechnet sie natürlich nicht, aber sie bekommt trotzdem eine. Und zwar von Berti aus München.

So weit, so “Gut gegen Nordwind”. Dachte ich. Und ja, das Konzept ist das gleiche. Zwei, die sich nicht kennen erhalten durch Zufall eine Botschaft des anderen, lernen sich schriftlich kennen, sind sowas wie verliebt und dann schlägt sie gnadenlos zu, die harte Realität. Ich gebe zu, ich hatte sehr, sehr große Bedenken. Innerlich war ich schon nach dem Lesen des Klappentextes davon überzeugt, dass die Rezension gnadenlos schlecht ausfallen würde. Bruchstücke aus Sätzen schwirrten in meinem Kopf umher, so wie “billige Glattauer-Kopie”, “auf den Briefromanzug aufgesprungen” oder “Emmi und Leo light”. Ich habe sogar überlegt, ob ich es gar nicht erst lesen soll.

Aber dann, Sonntag morgens nach dem Frühstück stand ich in der Küche, drückte mich davor, den Tisch abzuräumen und dachte, ich könnte ja mal die erste Seite lesen. Naja, ok. Die zweite auch noch. So stand ich also mitten in der Küche, kicherte und seufzte vor mich hin und merkte gar nicht, wie kalt meine Füße inzwischen waren. Um es kurz zu machen: ich habe die kompletten 320 Seiten an diesem Sonntag verschlungen und im 5 Minutentakt “Hach!” und “Soooo schön!” geseufzt.

Sind die Briefe von Sara und Berti anfangs noch eher zurückhaltend und vorsichtig, macht der Austausch von Alltäglichkeiten bald schon einer tieferen Unterhaltung Platz und die beiden können es nicht mehr abwarten Post vom andern zu erhalten. Daher steigen sie schon bald auf die schnellere Korrespondenz per E-Mail um und letztlich beschließen sie sich zu treffen. Was dabei geschieht möchte ich ungern vorweg nehmen, weil es die Spannung, die sich im Laufe des Romans dadurch aufbaut, dass man eben nicht alles gleich weiß, kaputt machen würde.

“Herz an Herz” ist ein Wohlfühlroman, der berührt. Er zeigt, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat und dass man sich manchmal trauen muss zuzulassen, dass jemand einem beim tragen hilft.

Ja, es ist ein Briefroman. Ja, Sara und Berti erinnern sehr an Emmi und Leo. Aber ist das so schlimm? Man kann das Rad nicht neu erfinden und vielleicht muss man das auch gar nicht so unbedingt. Ich vergebe von Herzen gern 5 Sterne!

http://gottagivethembooks.wordpress.com/

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246 Bibliotheken, 2 Leser, 6 Gruppen, 80 Rezensionen

zombies, liebe, dystopie, steampunk, zukunft

Dark Love

Lia Habel , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 508 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2011
ISBN 9783492702195
Genre: Fantasy

Rezension:

Langsam wird es Zeit für die 17-jährige Nora einen Mann zu finden. Ihr Vater ist tot und ihre Tante besteht darauf, dass sie möglichst bald debütiert um endlich eine gute Partie machen zu können. Doch als Nora für die Ferien aus dem Internat nach Hause kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Sie wird entführt und als sie herausfindet von wem und warum steht ihre Welt endgültig Kopf.

Klingt wie ein Roman, der im 19. Jahrhundert spielt? Klingt so, ist aber ganz anders. Denn es gibt auch Hologramme, unterirdische Städte und … Zombies! „Dark Love“ spielt im Jahr 2195 und alles hat sich irgendwie völlig anders entwickelt, als man es sich eigentlich vorstellen würde.

Obwohl der Titel und das Herz auf dem Cover eine kitschige Liebesgeschichte vermuten lassen, ist das bei weitem nicht der Fall. Viel eher erwartet den Leser ein Ausflug in eine Zeit, die genauso faszinierend wie gefährlich ist und von der ich mir sehr gut vorstellen kann, noch einiges mehr zu erfahren.

Aus mehreren Erzählperspektiven hat Lia Habel eine wirklich sagenhafte Geschichte gesponnen, die romantisch ist ohne kitschig zu sein und gruselig, ohne blutrünstig zu werden. Anfangs haben mich die verschiedenen Erzählperspektiven noch ein wenig verwirrt, aber als die Story mich schließlich völlig gepackt hatte, hat es den Lesefluss überhaupt nicht mehr gestört.

Die Protagonisten sind durch die Bank gut ausgearbeitet, glaubwürdig und liebenswert. So wie Nora sich im Laufe des Romans mit einigen Zombies immer mehr anfreundet, so wird auch der Leser immer vertrauter mit der Welt, in der Nora lebt. Mit unheimlich viel Humor und Situationskomik wird die – verständlicherweise – stellenweise recht düstere Atmosphäre immer wieder gekonnt aufgelockert. Selten habe ich in einem Roman so viele Charaktere getroffen, die es wert gewesen wären, ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Roman, zu bekommen.

Besonders Pamela und Renfield sind mir ans Herz gewachsen und ich hoffe, von den beiden noch mehr zu lesen. Dark Love“ ist zwar in sich abgeschlossen, lässt aber dennoch eine Menge Platz in der Geschichte für kommende Fortsetzungen.

Abgerundet durch ein traumhaft schönes Cover, das ich beim Lesen immer wieder anschauen musste, stachelt „Dark Love“ die Lust auf eine Fortsetzung (die im Original voraussichtlich 2012 erscheint) gewaltig an! 5 Sterne für eine außergewöhnliche, romantische, spannende und dystopische (Liebes-)Geschichte.

Zitate:

Ich fragte mich, ob man wohl erst eine Lizenz zum Verrücktwerden beantragen musste, ob es da vielleicht ein Seminar gab oder ob man eines Tages einfach loslegen konnte. (Seit 98)

Der Mann leckte sich über die spröden Lippen. “Dann bin ich…also wirklich tot. Wie…die anderen.” Ich nickte. Dieser Moment war entscheidend. Die Welt um uns schien still zu stehen, das Salz vor der offenen Tür glühte gleißend rot im Licht des Sonnenuntergangs. Henry senkte den Blick und suchte nach seiner Seele. (Seite 128)

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197 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

engel, liebe, angelfire, erzengel, dämonen

Angelfire - Meine Seele gehört dir

Courtney Allison Moulton , Inge Wehrmann
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Page & Turner, 11.10.2011
ISBN 9783442203949
Genre: Fantasy

Rezension:

An die Alpträume und ihren irgendwie komischen Dad hat Ellie sich schon fast gewöhnt wie es scheint. Doch dann taucht Will auf, ein mysteriöser Fremder, der sie völlig aus der Fassung bringt und ihr Dinge über sie selbst erzählt, die sie kaum glauben kann. Doch es scheint die Wahrheit zu sein, denn bald steckt sie mittendrin in Kämpfen zwischen Gut und Böse und ihr bleibt keine Wahl, als sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren.

Der erste Band der „Angelfire“-Trilogie hat es gleich in sich! Sofort zu Beginn wird man gemeinsam mit Ellie mitten in die Handlung geworfen und muss sich erst mal ein wenig zurecht finden, denn der Kampf zwischen Himmel und Hölle beginnt recht unvermittelt und ich hatte anfangs einige Schwierigkeiten mit dem Tempo, das Courtney Allison Moulton vorlegt. Die Informationsflut hat mich ein wenig erschlagen und ich hatte stellenweise fast Mühe mitzukommen. Trotzdem hat es sich aber gelohnt durchzuhalten, denn der Humor und die liebevollen Sticheleien, mit denen Ellie und Will sich gegenseitig mindestens genauso harte „Kämpfe“ liefern, wie mit ihren anderen Gegnern, entschädigt schon für vieles.

Mit der weiteren Handlung entwickelte sich der anfangs noch ein wenig holprige Schreibstil in einen flüssigen, gut zu lesenden. Gekonnt verwebt die Autorin atemberaubende Kampfszenen mit leiseren, romantischeren Momenten und steigert die Ungeduld des Lesers schon sehr, da sich Ellie nur sehr langsam an ihre vorigen Leben erinnert. So erfährt man auch nur nach und nach mehr über Will, der recht verschlossen ist und auch gar nicht so recht in unsere Zeit zu passen scheint.

Insgesamt kam die Ausarbeitung der Charaktere zwischen all dem rätselraten und kämpfen für mich ein wenig zu kurz, so dass ich keine wirklich Verbindung aufbauen konnte. Wirklich neu ist die Thematik nicht und Courtney Allison Moulton fügt dem auch nur wenig hinzu. Das wenige jedoch hat Hand und Fuß und mir wirklich gut gefallen und auch, dass am Ende eigentlich keine Fragen offen bleiben, fand ich positiv.

3 Sterne für einen soliden Auftakt zu einer Trilogie, die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

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(124)

204 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

liebe, beziehung, berlin, trennung, erwachsen werden

Wachstumsschmerz

Sarah Kuttner
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 23.11.2011
ISBN 9783100422064
Genre: Romane

Rezension:

Luise, Anfang 30, hat einen Job den sie liebt und einen Mann den sie liebt. Gerade plant sie, mit eben diesem Mann, Flo, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Alles könnte so schön sein und doch ist da irgendwas, das stört. Sind das die Erwartungen, die man von den Eltern, der Gesellschaft oder sonstwem übergestülpt bekommt? Oder sind es die Erwartungen, die man selbst an sich hat? Endlose Fragen stürzen mehr oder weniger plötzlich und unerwartet auf Luise ein und noch bevor sie so wirklich kapiert hat, was eigentlich los ist, steht ihr ganzes Leben Kopf. Ist es jetzt soweit? Wir sie jetzt „erwachsen“? Kann und will Flo da mitmachen? Aus zwischen den einzelnen Kapiteln eingestreuten Memos erfährt der Leser zunächst jedenfalls nur, dass Flo nicht mehr da ist. Wo er ist, warum, wohin und wann er gegangen ist erfährt man erst im Laufe des Buches.

Ich werde 30. Noch dieses Jahr. Und ich kämpfe sehr, sehr, sehr darum, ein okayes (Danke Frau Kuttner für diese Wortschöpfung!) Gefühl dafür zu bekommen. So ein bisschen hat „Wachstumsschmerz“ mir dabei geholfen. Es hat mir gezeigt, dass die ganzen Dinge, die „man“ eben tut, nichts weiter sind, als Konstrukte, die einem helfen können – aber eben bei weitem nicht müssen – sich an seinem Leben entlangzuhangeln; einen Weg durch den Dschungel der Möglichkeiten zu finden.

Dachte ich auch anfangs noch „Was zum Geier ist eigentlich Luises Problem?!“, wurde mir nach und nach klar, dass genau DAS das Problem ist. Wachstumsschmerz eben. Ein unbestimmtes Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar nicht rundläuft und dass nichts so ist wie es sein sollte, wobei man noch nicht mal weiß, WIE es denn sein sollte. Gekonnt verpackt Sarah Kuttner dieses ganze Dilemma in einen Roman, in dem ich mich mit Leichtigkeit wiederfinden konnte und der mir gezeigt hat, dass ich vermutlich nicht die einzige bin, die sich gelegentlich mit so wirren Gedanken trägt und dass ein bisschen Überforderung eigentlich völlig normal ist. Die anderen können’s nur vielleicht besser verstecken.

So wie schon bei Sarah Kuttners erstem Roman (Mängelexemplar) hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, dass mir jemand auf der Couch bei einer Tasse Tee sein Leben, oder zumindest ein Stück daraus, erzählt. Von „Schreibstil“ zu sprechen ist also schon fast falsch, viel eher sollte man ihren „Erzählstil“ loben. Kein abgehobenes Geschwafel, keine Plattheiten, nichts Geschöntes, sondern nur das Leben so, wie es nun mal ist. Auch Kuttners Hang zu Wortspielereien kam wieder deutlich zum Vorschein, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in „Mängelexemplar“.

Für mich war „Wachstumsschmerz“ ein kleines Stückchen Lebenshilfe, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauchte. Deshalb: 5 Sterne.

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

ernährung, veganismus, gesundheit, sachbuch, tierethik

Peace Food

Ruediger Dahlke
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Gräfe und Unzer Edition, 01.09.2011
ISBN 9783833822865
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nachdem im letzten Jahr Jonathan Safran Foer mit “Tiere essen” in Sachen Vegetarismus gewaltig vorgelegt hatte, zieht nun Ruediger Dahlke mit “Peace Food” nach und versucht eine Lanze für den Veganismus zu brechen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert:

Krank durch Fleisch- und Milchprodukte
Das Leid der Tiere
Das Beste für Körper und Seele
30 vegane Rezepte für ein glückliches Leben
Anschließend folgt ein Anhang, der unter anderem weitere Bücher des Autors auflistet und ein ausführliches Register.

Allem voran steht eine zehnseitige Einleitung, in der Ruediger Dahlke kurz den Inhalt des Buches und seine Beweggründe, sich mit dem Thema zu befassen, erläutert. Dieser Teil hat mir wirklich sehr gefallen und würde – für sich stehend – auch sicher 4 Sterne verdienen.

Bis dahin war ich also noch wirklich begeistert. Die weiteren Teile allerdings haben mich (als Veganerin!) nicht überzeugen können und ich befürchte, dass “Peace Food” bei Nicht-Veganern eher auf Ablehnung stoßen wird, als auf Zustimmung. Warum?

Teil eins beleuchtet die negative Wirkung, die der Verzehr tierischer Produkte in körperlicher und seelischer Hinsicht auf den Menschen haben kann. Dort zitiert Dahlke seitenweise Studienergebnisse, packt ein paar Allgemeinplätze und ein bisschen Pathos dazu. Der Leser wird erschlagen von Zahlen und Namen, statt von der an sich so wichtigen Botschaft überzeugt zu werden. Weiter geht es in Teil zwei mit dem Leid der Tiere, wo dem Autor scheinbar auch wenig Eigenes einfiel und er stattdessen die grausamsten Szenen aus “Tiere essen” und des erschütternden Berichts von Christiane Haupt über die Zustände in einem deutschen Schlachthof zitiert. Im dritten Teil erfährt der Leser noch etwas über Sonne und Schlaf als Heilquelle und es werden auf fünf Seiten Aussagen verschiedener Weltreligionen zum Thema abgearbeitet.

Fast im gesamten Buch finden sich außerdem sehr gehäuft nicht besonders subtile Hinweise auf andere Bücher des Autors, sowie ein von ihm kreiertes Nahrungsergänzungsmittel. Insgesamt wirkte “Peace Food” dadurch leider eher abstoßend als ansteckend.

Aus dem Rezeptteil habe ich bisher nichts gekocht, einige der Rezepte von Dorothea Neumayr klingen aber wirklich gut; wie zum Beispiel: Karotten-Ingwer-Suppe mit karamellisiertem Apfel oder Pasta mit Kirschtomaten und Rucola.

Fazit: Hier wurde ein extrem wichtige Botschaft für reine Selbstvermarktung missbraucht. Leider also nur 2 Sterne.

Zitate:

Mir scheint, nach ungezählten Fleischskandalen, nach Giftorgien im Futter und im Verbraucher, nach aus der Tierzucht stammenden Vogel- und Schweinegrippeviren ist die Zeit reif für ein Umdenken und einen Neuanfang. Letzerer aber kann nur vom Einzelnen ausgehen, von ihm aber kann er sich ausbreiten wie ein Lauffeuer, von Mund zu Mund und Herz zu Herz. (Seite 11)

Es ist für die Seele wichtig, nur das zu sich zu nehmen, was wir von Anfang bis Ende problemlos und ohne Widerwillen selbst verarbeiten können. Da fallen dann für die meisten schon alle Geschöpfe weg, die ein Gesicht haben und eine Mutter, die sie geboren hat und ihr Gesicht erkennt. Für Körper und Seele einfacher wird es auch, wenn man sich auf Pflanzen beschränkt, die gewachsen sind, Wurzeln geschlagen und Blüten gebildet haben – etwas, das für Mars, Bounty und die meisten Süßigkeiten nicht gilt. Sie werden auch weder dazu beitragen, uns zu verwurzeln, noch unser wahres Wesen zur Blüten bringen. (Seite 91)

Der im Osten durchaus geläufige Gedanke, all jene Wesen, die unter uns gelitten hätten, erwarteten uns auf der anderen Seite zusammen mit denen, die wir gefördert und geliebt haben, mag erschrecken und trösten zugleich. So ernten wir spät, was wir beim Einkaufen entscheiden. (Seite 141)

[Nach einem Abschnitt über die Rinderschlachtung:] Das Ganze liest sich schon zum Wände hochgehen. Stellen Sie sich vielleicht besser nicht vor, so etwas mit ansehen zu müssen. Sie müssen nicht und Sie müssen das auch nicht weiter beim einkaufen und essen unterstützen. (Seite 150)

Insgesamt kann ich mich hier nur den Worten des Schweizer Arztes Dr. Ernst Walter Henrich anschließen: “(…) ich möchte und kann nicht wegschauen (…). Ich verabscheue das verbrecherische Treiben, das dazu führt, dass täglich etwa 40.000 Kinder an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, weil man mit der pflanzlichen Nahrung lieber die gequälten Tiere füttert, um Fleisch, Milch und Eier zu gewinnen. Mit diesen tierischen Produkten (fr)essen sich die Wohlstandsbürger ihre Wohlstandskrankheiten an, die dann als Gipfel der moralischen Verwahrlosung in der Gesundheitsindustrie zu fast immer nutzlosen Tierversuchen führen.” (Seite 154)

Wir leben in einer absurden Zeit, in der es als normal gilt, Tiere wie Dinge zu behandeln, in der entsetzlichste und unmenschlichste Tierquälerei hingenommen wird, allenfalls als nicht zu ahndendes Kavaliersdelikt. Wo Konzerne, die Millionen Wesen industriell quälen lassen, von Politiker und Gesetzen geschützt und mit großzügigen Subventionen aus Steuergeldern bedacht werden. Wohingegen Tierschützer, Vegetarier und Veganer als unnormal gelten, als Verrückte und jedenfalls nicht ernstzunehmende Außenseiter oder Sektierer. Bestenfalls werden sie belächelt. Aber unsere Haltung und unser Engagement erlauben es uns, hinsichtlich dieses Themas in den Spiegel zu schauen. Und die Zeiten werden sich ändern. Als Atomkraftgegner der ersten Stunde erinnere ich mich daran, wie wenige und wie isoliert wir vor 30 Jahren waren – inzwischen sind wir die Mehrheit und staunen, wer sich so alles zu uns gesellt. (Seite 179)

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

tod, einsamkeit, alter, norwegen, ohrenwärmer

Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

Kjersti Annesdatter Skomsvold , Ursel Allenstein
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 16.08.2011
ISBN 9783455400946
Genre: Romane

Rezension:

Sollte ich dieses kleine und doch so große Buch mit einem Wort beschreiben, wäre das sehr einfach: Einsamkeit.

Mathea Martinsen ist so einsam, wie ein Mensch nur sein kann. Ihr ganzes Leben hat sie an der Seite ihres Mannes Epsilon verbracht; sich verzweifelt an ihn geklammert und doch hat es nicht gereicht. Denn Epsilon ist tot und mit ihm starb Matheas ganzes Leben. Keine Kinder, keine Freunde, nichts. Ausschließlich auf ihren Mann fixiert hat sich ihr Leben zum allergrößten Teil nur in den eigenen vier Wänden abgespielt.

Wie soll es nun weitergehen? Wird sie die Isolation ertragen können, bis sie schließlich selbst diese Welt verlässt? Will sie das überhaupt? Und wenn ja: wie?!

Kjersti A. Skomsvold legt mit “Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich” ein Debut vor, das mich wirklich kalt erwischt hat. Entgegen des Klappentextes konnte ich nur wenig von einer “schüchternen alten Dame, die es noch einmal wissen will” erkennen. Stattdessen erlebte ich mit Mathea, was es aus einem Menschen machen kann, wenn er sein Leben lang übersehen wird; wenn er für andere gar nicht existent zu sein scheint. Zurückgezogen und fast schon krankhaft darauf bedacht, niemandem zur Last zu fallen oder gar peinlich zu sein, ist Epsilon ihr einziger Bezugspunkt nach außen, zum Leben außerhalb der gemeinsamen Wohnung.

In Rückblicken erzählt die Ich-Erzählerin von Epsilon, von ihrem Kennenlernen, ihrer Ehe und den letzten gemeinsamen Jahren. Diese Erinnerungen sind das einzige, das Mathea noch halten kann und sie scheint sich dem nur zu klar bewusst zu sein. Beinahe schmerzhaft erlebt der Leser mit, wie sie versucht sich aufzuraffen um doch noch etwas aus dem verbliebenen Rest ihres Lebens herauszuholen. So füllt sie eine Zeitkapsel mit geliebten Erinnerungen und Dingen, von denen sie glaubt, dass sie etwas über sie aussagen und sie überwindet sich schließlich doch, den Seniorentreff zu besuchen und auch, wenn man an der ein oder anderen Stelle fast über Matheas Unvermögen, die alltäglichsten Dinge zu erledigen hätte lachen können, so blieb mir dieses Lachen auch ziemlich oft im Hals stecken. In beinahe jedem der sprachlich wirklich großartigen Sätze, sticht vor allem Matheas unfassbare Einsamkeit hervor; wirkliche Hoffnung habe ich nicht herauslesen können.

Ich gebe zu, ich lese nicht gerne Bücher mit nur so wenigen Seiten und in der Regel werde ich eher enttäuscht, wenn ich es doch tue. Aber Kjersti A. Skomsvold hat es tatsächlich geschafft, auf nur 144 Seiten so eine dichte, berührende und erschreckende Geschichte zu erzählen, dass ich viel mehr Seiten wohl auch eher nicht hätte ertragen können.

5 Sterne für einen Roman, der uns aufgibt, ein wenig mehr darauf zu achten, ob und wen wir tagtäglich einfach übersehen.

Zitate:

Es ist ein Selbstbetrug zu glauben, dass man nicht einsam sein kann, nur weil man beschäftigt ist, aber das wichtigste ist, dass niemand anders glaubt, man wäre einsam. (Seite 74)

Es ist eine gute Sache, jemanden zu haben, der wach ist, während man schläft. (Seite 108)

(…) ich habe gelesen, dass man als Weltraumreisender bei seiner Rückkehr jünger ist, als man es wäre, wenn man auf der Erde geblieben wäre, denn Zeit ist relativ. Ein Tag mit Epsilon ist beispielsweise nicht dasselbe wie ein Tag ohne ihn. (Seite 109)

June kam als ganzer Mann von der Armee zurück. Er konnte sein Bett machen und einen Menschen erschießen, das sah ich ihm an. (Seite 121)

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304 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 59 Rezensionen

liebe, tod, trauer, verlust, brooklyn

In Liebe, Brooklyn

Lisa Schroeder , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 02.11.2011
ISBN 9783785570579
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vor einem Jahr starb Lucca bei einem Autounfall und inzwischen sind seine Freundin Brooklyn und sein Bruder Nico schon beinahe geübt darin, ihre Trauer zu übertünchen und Alltag zu spielen.

Wie gehen Teenager, die ja in der Regel schon genug mit sich selbst zu kämpfen haben, mit so einem Verlust um? Abwechselnd wird aus Brooklyns und Nicos Sicht geschildert, wie die beiden über die Dauer von mehreren Monaten versuchen, mit der Trauer fertig zu werden. Während Brooklyn ihre Einsamkeit durch Briefe an Lucca zu bekämpfen versucht, ist Nicos Ventil das Laufen. In einem Traum bittet Lucca Nico darum, sich um Brooklyn zu kümmern und so überzeugt er Brooklyn schließlich, mit ihm gemeinsam zu trainieren. Allmählich beginnen beide (einen gemeinsamen?) Weg ins Leben zurückzufinden.

Was macht dieses Buch nun so besonders? Besonders beeindruckt hat mich, wie Lisa Schroeder es geschafft hat, einen Roman zu schreiben, der auf jegliche Nebenhandlung einfach verzichtet und der trotzdem an keiner Stelle konstruiert oder mühsam wirkt. Jeder Satz, jedes Wort sitzt und man ist so dicht dran an den Charakteren, dass ich manchmal selbst schon fast das Gefühl hatte, zu trauern.

Eine bessere Aufmachung hätte man für das Buch sicher nicht finden können. Gerade mal 10 x 15 cm groß ist es und so hatte ich beim Lesen mehrmals das Gefühl wirklich ein Tagebuch zu lesen. Gerade weil auch der Inhalt nicht im Fließtext geschrieben ist, sondern wirklich so, wie man Tagebucheinträge bzw. Briefe schreiben würde. Der schimmernde Einband und das Lesebändchen runden es perfekt ab. Schade nur, dass es wirklich innerhalb von ein paar Stunden ausgelesen war.

Fazit: Ein kleines Buch mit Platz für große Gefühle. Traurig, authentisch und letztlich aber auch hoffnungsvoll und philosophisch. Ein Buch, das ich sicher noch das ein oder andere Mal zur Hand nehmen werde.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

vegan, kochbuch, björn moschinski, hausmannskost, snacks

Vegan kochen für alle

Björn Moschinski
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Südwest, 17.10.2011
ISBN 9783517087771
Genre: Sachbücher

Rezension:

“Vegan? Dann kannst Du ja jetzt GAR NIX mehr essen!” – Welcher Veganer hat diesen Spruch noch nicht gehört?

Ich jedenfalls kenne ihn zu Genüge und wenn ich könnte, würde ich ab sofort einfach jedem, der ihn mir entgegenwirft Björn Moschinskis erstes (und ich hoffe wirklich sehr, dass es nicht das einzige bleibt!) Kochbuch zurückwerfen.

Auf insgesamt 144 Seiten und mit 60 Rezepten zeigt der Berliner Koch, wie einfach und lecker es ist, wenn man sich auch nur ein klitzekleines bisschen mit dem Thema “Vegan kochen” auseinander setzt.

Der klare Aufbau des Buches und das übersichtliche, unaufdringliche Design sprechen für sich. Zu jedem Rezept gibt es ein Bild, das sofort Lust auf mehr macht.

Insgesamt gibt es fünf Rezeptkategorien:

Suppen (z.B. Gulaschsuppe, Tomaten-Kokossuppe)
Salate (z.B. Feurig-frischer Krautsalat, Apfel-Lauch Salat)
Vorspeisen und Snacks (z.B. Pikante Schweinsöhrchen, Ragout Fin)
Hauptgerichte (z.B. Ravioli mit Pilzfüllung, Gemüsequiche mit Salsa)
Desserts und Kuchen (z.B. Schokoladenbrownies, Apfelstrudel mit Vanillesoße)
Dazu gibt es eine Begrüßung von Mahi Klosterhalfen, dem Geschäftsführenden Vorstand der Albert Schweizer Stiftung für unsere Mitwelt und ein Vorwort von Björn Moschinski, in dem er erzählt wie er zum Kochen kam und warum er vegan lebt, seit er 15 Jahre alt war. Als Abschluss wird das Buch sehr gut ergänzt durch ein Kapitel “Küchenwissen”, das sich besonders an diejenigen richtet, die mit der veganen Küche noch nicht so vertraut sind. Ein Zutatenregister macht es besonders leicht ein passendes Rezept zu finden, wenn man nur weiß “Ich hab heute irgendwie Lust auf Zucchini!”.

Fazit: Mein neues liebstes Lieblingskochbuch! Weil es einfache, alltagstaugliche Gerichte erhält, die man aber so bisher noch nicht 300 Mal gekocht hat und weil es zeigt, wie einfach und lecker es ist, sich vegan zu ernähren. Ohne Verzicht. Denn wer bei einem Menü aus Waldpilzsuppe mit Brezelchips als Vorspeise, einem Antipastiteller mit Focaccia als Zwischengang, Soja-Schnitzel Wiener Art mit Champignonrahmsauce und Ofenkartoffeln als Hauptgericht und Kaffeecreme mit marinierter Mango als Dessert noch von Verzicht redet, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen!

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342 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 35 Rezensionen

zukunft, dystopie, rose, liebe, xavier

Während ich schlief

Anna Sheehan , Karin Diemerling
Flexibler Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 17.10.2011
ISBN 9783442475650
Genre: Fantasy

Rezension:

Stell Dir vor, Du könntest Deinen Körper einfach auf „Standby“ schalten. Dein Körper altert nicht, Du träumst vor Dich hin und irgendwann weckt Dich jemand wieder auf. In Rose Fitzroys Welt alles kein Problem. Wenn Rose Eltern auf Geschäftsreise müssen, schicken sie Rose in den künstlichen Schlaf statt zu ihren Großeltern und auch wenn sie sich aufregt oder traurig ist, heißt die Lösung: “Stasis”. Und Rose hinterfragt nicht, Rose gehorcht. Weil das eben schon immer so war und ihre Eltern nur das Beste für sie wollen. Und schließlich gibt es ja auch immer ein ganz besonders leckeres Frühstück, wenn sie wieder aufwacht.

Nur nicht an dem Tag, an dem Rose nicht von ihren Eltern, sondern von Bren, einem ihr völlig fremden Jungen, geweckt wird. Völlig geschockt muss sie feststellen, dass sie 62 Jahre lang in Stasis war. In den folgenden Tagen muss Rose, inzwischen Erbin eines interplanetaren Megakonzerns, fast ganz auf sich allein gestellt mit einer ihr völlig fremden Welt klar kommen. Zusätzlich stürzt sich natürlich die Presse auf sie und ein roboterartiges Wesen trachtet ihr nach dem gerade erst zurückerlangten Leben.

Obwohl der Klappentext es vermuten lässt, würde ich “Während ich schlief” nicht zwangsläufig als Dystopie kategorisieren. Genauso wenig aber als Märchen oder als Fantasyroman. Vielleicht braucht aber auch nicht jeder Roman eine eigene Schublade. Auf jeden Fall hat mich Anna Sheehans Erstlingswerk überrascht. Erwartet hatte ich eine eher seichte Lovestory garniert mit ein bisschen dystopischer Zukunftsschwarzmalerei. Bekommen habe ich dann aber einen Roman, der einem zeigt, dass man die Vergangenheit und mit ihr vielleicht auch einige lieb gewordene Illusionen zurücklassen muss, um die Zukunft leben zu können.

Wirklich schockierend fand ich, wie selbstverständlich Rose sich als Kind und später auch als Jugendliche in ihr Schicksal gefügt hat. Wie wenig sie hinterfragt hat, wie perfekt die von ihren Eltern anerzogene Unreflektiertheit es ermöglicht hat, sie zu kontrollieren und fügsam zu machen. Viel davon musste man allerdings zwischen den Zeilen lesen.

Es ist sicher nicht so einfach, in einem Jugendbuch, das kein Science-Fiction Roman sein soll, genau die richtige Menge an Informationen über eine Welt, die nicht nur der Hauptperson sondern vor allem auch dem Leser fremd ist, unterzubringen. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Erklärungen gewünscht, weil allein Rose Situation schon vertrackt genug war um für Verwirrung zu sorgen.

Schwächen sah ich auch bei der Ausarbeitung der Charaktere. Die meisten waren sehr oberflächlich beschrieben und blieben daher bis zum Schluss eher blass. Ein Highlight allerdings war Otto, der als Nebencharakter leider nur eine recht kleine Rolle spielte. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass wir von ihm in einer möglichen Fortsetzung noch mehr hören werden.

Was mir außerdem nicht so gut gefallen hat waren die verschiedenen Erzählperspektiven / Erzählstränge. Einerseits die Gegenwart, dann wird in Rückblenden aus Rose Kindheit und Jugend erzählt (beides mit Rose als Ich-Erzählerin) und es gibt Passagen, die aus Sicht des Wesens geschrieben sind, das Rose töten will. Vermutlich soll das dem Spannungsaufbau dienen, weil man so alle Informationen immer nur häppchenweise erhält. Leider hat das bei mir nicht wirklich funktioniert.

Alles in allem merkt man einfach sehr deutlich, dass es sich um das Erstlingswerk der Autorin handelt und ihr noch eine ganze Menge Routine fehlt. Da für mich am Ende aber noch einige Fragen offen blieben, gehe ich davon aus, dass es eine Fortsetzung geben wird, in der sie dann zeigen kann, dass sie Erfahrung gesammelt hat und es noch besser machen kann. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt!

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, schweiz, basel, bankraub, bankräuber

Fast ein bisschen Frühling

Alex Capus
Fester Einband: 175 Seiten
Erschienen bei Residenz, 01.01.2002
ISBN 9783701712861
Genre: Romane

Rezension:

Waldemar Velte und Kurt Sandweg wissen: daheim in Wuppertal wollen und können sie nicht bleiben. Also wollen sie nach Indien. Gar nicht so leicht 1933. Trotzdem machen sie sich auf den Weg. Das nötige Reisegeld beschaffen sie sich durch einen Banküberfall in Stuttgart. Bis Basel immerhin schaffen sie es, wo sie auf Dorly und Marie treffen. Gerne würden sie bleiben, aber das Geld wird knapp und damit der nächste Banküberfall fällig…

Selten ist mir eine Rezension so schwer gefallen wie diese. Was soll man auch schreiben, wenn man auch nach einer ganzen Woche nachdenken noch immer nicht weiß, was für ein Buch man da gelesen hat!? Eine halbfiktive Road-Movie Krimi-Dokumentation gepaart mit ein bisschen Romantik und ein bisschen Zeitgeiststudie vielleicht. Und das alles auf nur 160 Seiten. Denn den Kriminalfall “Sandweg und Velte” hat es tatsächlich gegeben.

Viele Versuche (nach eigener Aussage von Alex Capus genau 22) und über zehn lange Jahre hat der Autor gebraucht um aus Realität und Fiktion eine Geschichte zu spinnen, die einerseits sehr nüchtern und dokumentarisch, andererseits aber auch eindringlich und unglaublich spannend daher kommt. Der schnelle Wechsel vieler verschiedener Erzählperspektiven tut sein Übriges. Keine der Personen in Capus Roman wirkt zufällig platziert, jede hat ihren eigenen Platz und ihre eigene Geschichte, die zumindest kurz angerissen wird. Nicht alle der Geschichten werden bis ins letzte Detail erzählt, aber das ist erstens auf 160 Seiten schlicht unmöglich und zweitens auch eigentlich gar nicht nötig.

“Fast ein bisschen Frühling” ist ein gegensätzliches Buch. Man spürt die Melancholie der beiden fern der Heimat von noch mehr Ferne träumenden jungenhaften Freunde Waldemar und Kurt. Man spürt aber genauso die kaltblütige Wut und den unbändigen Hass der beiden letztlich an ihrer eigenen Verzweiflung zu Grunde gehenden Bankräuber. Der Autor beschönigt nichts, vermeidet es Stellung zu beziehen zu den Verbrechen seiner Protagonisten. Das muss der Leser dann schon für sich selbst tun.

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 Sterne für einen kleinen, aber sehr feinen Roman.

Leider offenbar im Moment vergriffen ist der bereits 2002 im Residenz Verlag erschienene Doppelband aus “Fast ein bisschen Frühling” und einem “Buch zum Buch”, das zusätzlich eine CD mit den Original-Tango-Aufnahmen von Willi Kollo enthält, die Waldemar und Kurt bei Dorly erstanden haben.

http://gottagivethembooks.wordpress.com/2011/10/09/fast-ein-bisschen-frhling-alex-capus/

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114 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

dystopie, science fiction, jugendbuch, upgrade, update

0.4 - Eine perfekte neue Welt

Mike Lancaster , Peter Knecht
Fester Einband: 271 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 26.08.2011
ISBN 9783789141201
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vorsicht – winzige Spoiler ließen sich ausnahmsweise nicht vermeiden!

Aufgenommen auf Kassetten –zeitlich scheinbar ungefähr in unserer Gegenwart – werden in der Zukunft die Aufzeichnungen von Kyle Straker gefunden. Der Roman enthält deren Text in Skriptform und richtet sich an einen Leser, der offenbar so weit in der Zukunft lebt, dass am Anfang des Romans eine Erklärung zu finden ist, was ein „Buch“ überhaupt ist.

Kyle erzählt auf insgesamt drei Kassetten davon, wie die Welt um ihn herum sich von einer Sekunde zur nächsten von Grund auf verändert hat und wie nur er – gemeinsam mit drei anderen Bewohnern seiner Heimatstadt – noch in der „alten Welt“ zurück geblieben ist. Gibt es eine Möglichkeit für die vier weiterzumachen wie bisher? Oder werden sie sich der neuen Weltordnung beugen? Haben sie überhaupt die Wahl?

Die mangelhafte Ausarbeitung der Charaktere ist meiner Meinung nach der größte Schwachpunkt des Romans. Schon jetzt, nach zwei Tagen, kann ich mich kaum noch an einen der Protagonisten erinnern und ich hatte auch während des Lesens nie das Gefühl, einen von ihnen kennenzulernen. Mike Lancaster bleibt sehr an der Oberfläche, vermeidet Ecken und Kanten. Zu vieles wird einfach nur kurz angerissen. So ist Lilly, eine der vier „Überlebenden“, Kyles Ex-Freundin, inzwischen mit Kyles bestem Freund zusammen. Als sich Kyle und Lilly gegen Ende des Buches schließlich küssen spielt das aber scheinbar keine große Rolle mehr und der Autor geht beinahe kommentarlos darüber hinweg.

Leider lässt sich zur Idee und deren Umsetzung nicht viel sagen, ohne zu viel zu verraten. Grundsätzlich finde ich die Idee nach wie vor mehr als spannend und ich würde mich über Empfehlungen von Romanen mit der gleichen oder einer ähnlichen Idee (Wie wirklich ist die Welt? Wie real ist das, was wir täglich erleben?) sehr freuen! Die Umsetzung ist meiner Meinung nach leider überhaupt nicht geglückt. Zu lange zieht es sich hin, bis Kyle, und damit auch der Leser, herausfindet, was überhaupt los ist und zu oft hatte ich beim Lesen das Gefühl, vieles davon schon in schlechten Science Fiction-Thrillern gesehen zu haben. Ebenso wie bei den Charakteren fehlte mir ein klarer Höhepunkt oder eine wirklich Überraschung.

Auf Grund des Schreibstils würde ich das Buch für eher junge Leser (11 – 13 Jahre) empfehlen, auf Grund des Inhalts für ältere (ab 15). Die einfache Sprache macht es leicht und locker zu lesen auch wenn die Übersetzung stellenweise ein wenig holprig war.

Sehr gut gefallen haben mir die in den Text eingestreuten „Anmerkungen der Herausgeber“, die ich wirklich witzig fand und auch die Zitate am Anfang des Buches und das Cover der englischen Originalausgabe gefallen mir gut.

Fazit: Schade! Ich hatte mich so sehr auf „0.4 / Eine perfekte neue Welt “ gefreut und leider bin ich wirklich sehr enttäuscht. Eine mögliche Fortsetzung werde ich sehr wahrscheinlich nicht lesen.

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493 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 64 Rezensionen

entführung, australien, wüste, liebe, stockholm-syndrom

Ich wünschte, ich könnte dich hassen

Lucy Christopher , Beate Schäfer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 20.01.2011
ISBN 9783551520081
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf eine Zusammenfassung des Inhalts möchte ich ausnahmsweise verzichten, weil der Klappentext schon alles sagt.

Mit „Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ legt Lucy Christopher ein sehr überzeugendes Debut vor. Es ist ein Roman in Briefform – geschrieben von Gemma an Ty, ihren Entführer. Ab der ersten Zeile hat mich die Geschichte der Beiden in ihren Bann gezogen und mich atemlos in einem Rutsch bis zur letzten Seite durchlesen lassen.

Befürchtete ich anfangs noch, ich käme mit der Briefform nicht zurecht, wurde sehr schnell klar, dass die Autorin genau den richtigen Weg gewählt hat um Gemma und Tys gemeinsame Geschichte zu erzählen. Man kommt beiden unglaublich nah und man begreift einmal mehr: die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiß. So ist Ty nicht nur Täter sondern auch Opfer und mein Empfinden für Recht / Unrecht wurde auf beinahe jeder Seite neu auf die Probe gestellt.

Der Roman entwickelt in sehr kurzer Zeit eine spannende Dynamik, die gut zu der erzählten Geschichte passt. Stehen am Anfang noch Angst und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund mischen sich im Laufe der Zeit beim Leser, genauso wie bei Gemma, immer mehr andere Gefühle wie Faszination, Verständnis und auch Zuneigung dazwischen. Und auch wenn man es sicher bei der Thematik nicht erwartet, habe ich schon das ein oder andere Mal sehr grinsen müssen.

Selbst die zum Teil recht ausführlichen Beschreibungen des Australischen Outbacks haben mich nicht gelangweilt (das passiert mir bei Umgebungsbeschreibungen sonst recht schnell) und es gab keine Längen.

Absolut glaubhaft und völlig kitschfrei wird eine (Liebes-?)Geschichte erzählt, die so komplex ist, dass sie sich unmöglich in 368 Seiten stecken lässt und deshalb im Kopf des Lesers weiter gesponnen werden muss. Es ist kein Buch, nach dem man sich gut fühlt. Kein Buch, das man weglegt und vergisst.

Lediglich das Cover spricht mich nicht besonders an und mich hätte ein kleiner Hinweis darauf (wie auch bei der englischen Originalausgabe geschehen), dass es sich um einen Roman in Briefform handelt, gefreut.

„Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ hat mich sprach- und ratlos gemacht. Es hat mich betroffen gemacht und mich tief berührt. 5 Sterne dafür und die Aufforderung an Lucy Christopher bitte sehr bald für Nachschub zu sorgen.

Zitate:

Ich spitze angestrengt die Ohren, um das Brummen eines Motors aufzuspüren, lauschte auf ein Auto oder ein Flugzeug, das näher kam. Ich staunte, als mir klar wurde, dass ich mich nach einer Autobahn sehnte. Aber ich hörte nie irgendwas. Es war verrückt, wie still es hier war. Daran war ich nicht gewöhnt. Ein paar Tage überlegte ich sogar, ob ich einen Hörschaden hätte. Es kam mir vor, als wären alle Geräusche, die mir vertraut waren, einfach abgetrennt und weggeschmissen worden. Im Vergleich zu dem Lärm, der einen in London bombardierte, gab mir die Wüste das Gefühl, taub zu sein. (Seite 59)

Ich war fest entschlossen, nicht aufzugeben. Mir war klar, dass alles zu Ende wäre, wenn ich das tat. Wenn ich aufgab, war ich so gut wie tot. (Seite 60)

Er war so groß, dieser Ausblick, unvorstellbar groß. Ich werde mich nie mehr wirklich an ihn erinnern können. Wie soll man sich an etwas so überwältigend großes erinnern? Ich glaube, das Gehirn normaler Menschen ist für Erinnerungen dieser Art nicht geschaffen. (Seite 65)

„Die Menschen lieben, was ihnen vertraut ist.“ „Nein.“ Du schütteltest den Kopf. „Die Leute sollten das lieben, was ihre Liebe braucht. Damit sie es retten können.“ (Seite 266)

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83 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

liebe, außerirdische, neuseeland, schwangerschaft, ufo

Liebe am Ende der Welt

Anthony McCarten , Manfred Allié
Fester Einband: 359 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 18.08.2011
ISBN 9783257067644
Genre: Romane

Rezension:

Delia, Lucinda und Yvonne, Teenager ohne wirkliche Zukunftsperspektive leben in Opunake, einer Kleinstadt „am Ende der Welt“. Alle drei sind schwanger und alle drei behaupten, dass nur Außerirdische als Väter in Frage kommen. Schnell weiß das ganze Dorf Bescheid und jeder hat so seine eigene Vermutung wie viel Glauben man den Geschichten der Mädchen schenken darf. Als die Klatschpresse Wind von der Angelegenheit bekommt verselbständigen sich die Gerüchte immer mehr.

Gewohnt gesellschaftskritisch und mit äußerst scharfer Beobachtungsgabe skizziert McCarten hier eine Dorfgemeinschaft, wie es sie wohl überall und nicht nur am Ende der Welt gibt. Wie schnell erwacht da durch Gerüchte und durch aus Einsamkeit geborenen Illusionen eine Geschichte, die sich auf erschreckende Art und Weise so sehr verselbständigt, dass am Ende niemand mehr so genau weiß, wie die Wahrheit denn nun aussieht? Und gibt es sie überhaupt? Die EINE Wahrheit?

McCartens Protagonisten jedenfalls suchen nach ihr. Die einen eher halbherzig, wie der Bürgermeister von Opunake, der mit einer Schwimmbaderöffnung eigentlich voll und ganz beschäftigt ist, die anderen umso fieberhafter. So zum Beispiel der neu in die Stadt gekommene Bibliothekar Philip, mit dem Delia sich langsam und behutsam anfreundet. Er will die Wahrheit wissen und erfährt sie am Ende auch. Es gibt nicht viele Autoren, die dem Leser ihre Charaktere mit einer solchen Leichtigkeit nahe bringen wie McCarten es tut. Werden Protagonisten oft eher anhand von Beziehungen untereinander dargestellt, versteht es McCarten jeden Charakter auch isoliert von den anderen mit all seinen Ecken und Kanten, mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Wahrheit und das Leben vorzustellen. Man ist ganz dicht dran an seinen Figuren und kann sich deren Stimmungen nur schwer entziehen. Nein, es das ist nicht immer angenehm, aber vielleicht gerade deshalb manchmal umso wichtiger.

Allein auf Grund des Klappentexts hätte mich das Buch vermutlich nicht sonderlich gereizt. Die Umsetzung eines doch recht absurd klingenden Stoffs ist jedoch mehr als gut gelungen. Genau im richtigen Moment – kurz bevor ich tatsächlich von der Existenz der Außerirdischen überzeugt war – löste sich das Rätsel auf und ich konnte das Buch mit einem guten Gefühl und ohne offene Fragen weglegen.

Fazit: Im Vergleich zu „Englischer Harem“ (grandios!!!) und „Superhero“ ein etwas schwächerer McCarten, der aber immer noch weit oben auf meiner persönlichen Bestenliste 2011 steht. 4 Sterne für ein Buch, das mich wieder einmal in meiner Begeisterung für einen Autoren, der mit unfassbar großer Leichtigkeit mit den Sehnsüchten und bisweilen auch Abgründen seiner Protagonisten spielt, bestätigt hat.

Zitate:

Leidenschaft hauste in ihm wie ein verkümmertes Tier, das nach Nahrung schrie. Er wusste, wie unglücklich Liebende es meistens wissen, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte, bis dieses Tier sich in seinem Hunger auf seinen Herrn stürzen würde. […] Er sah ihr nach und konnte nur noch bestätigen, dass er keinerlei Eindruck auf sie gemacht hatte, dass er seit je keinerlei Eindruck auf sie machte. Und drinnen leckte das hungrige Tier von neuem an seinem bleischweren Herzen, schnüffelte mit heißem Atem und feuchter Schnauze, entblößte die Reißzähne, und dann biss es ein Stück von seinem Herzen ab. Das tat weh. Zum ersten Mal spürte Gilbert Haines das Elend, die ganze Wucht einer unerwiderten Liebe. (Seite 49 / 50)

Das feine Gewebe der Ehe besteht aus mannigfaltigen Fäden, und vielleicht ist es die größte Herausforderung einer lebenslangen Gemeinschaft, der Versuchung zu widerstehen, an denen, die lose heraushängen, zu ziehen. Stattdessen braucht man Geduld, um sie behutsam, mit Ruhe und Gelassenheit wieder in die Textur der Zweisamkeit hineinzuflechten, und darf sich nie den Verdacht bestätigen lassen, dass ein kleines Fädchen, wenn man einmal daran zieht, das Ganze aufribbeln wird. (Seite 86)

Am Montag kamen die langerwarteten Bücher aus Wellington in fünfunddreißig identischen Pappkartons. Zwei Möbelpacker trugen sie in die Bibliothek, und dann hielten sie Phillip ein dickes Bündel Papiere unter die Nase, eine Liste sämtlicher gelieferter Bände – eine veritable Sturzflut aus Klassikern. Als der Lastwagen wieder fort war, erhob Phillip sich von seinem Platz und betrachtete die vielversprechende Ansammlung. Kein Pirat mit einer solchen Zahl an Schatztruhen hätte glücklicher über seine Beute sein können. Schier unglaublich, dass solcher Reichtum mit einer einzigen Lieferung gekommen war. (Seite 244 / 245)

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243 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

wölfe, werwölfe, liebe, finn, mortal kiss

Mortal Kiss - Ist deine Liebe unsterblich?

Alice Moss , Anna Serafin
Fester Einband: 347 Seiten
Erschienen bei INK, 04.08.2011
ISBN 9783863960186
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Faye und Liz sind beste Freundinnen; gehen zusammen zur Schule und shoppen. Winter Mills, ein beschauliches Städtchen versinkt zur Verwunderung der Einwohner mitten im September schon im Schnee als sich die Ereignisse plötzlich überschlagen. Wölfe werden gesichtet, eine im Wald zeltende Motoradgang zieht die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich und ein Mord geschieht. Das alles ist für Faye und Liz allerdings erst in zweiter Linie wichtig, denn da sind auch noch Lucas, der mit seiner berühmten und scheinbar schwerreichen Mutter auftaucht und Finn, das jüngste Mitglied der Motoradgang von dem sich Faye unerklärlich stark angezogen fühlt.

Was macht einen guten Roman aus? Eine innovative Idee? Gut ausgearbeitete Charaktere mit denen man sich identifizieren kann? Ein flüssiger Schreibstil, der es einem leicht macht, dranzubleiben? Wenn nicht wenigstens ein oder zwei Dinge davon zutreffen, dann wird es meiner Meinung nach schwierig für den Leser.

Deshalb hat auch „Mortal Kiss“, Alice Moss Erstlingswerk, mich nicht überzeugen können.

Man muss sicher das Rad genauso wenig neu erfinden, wie eine Mädchen-liebt-Junge/Junge-liebt-Mädchen Geschichte mit fantastischem Hintergrund. Trotzdem wären ein paar eigene Ideen wirklich nett gewesen! Es genügt nicht die Tagebuch eines Vampirs-Reihe von Lisa J. Smith einmal durchzurühren, mit ein paar weiteren Klischees zu versehen und das Ganze dann als großartige Liebesgeschichte zu verkaufen.

Ziemlich zügig werden die vermeintlich wichtigsten Zutaten für einen Jugend-Fantasyroman abgearbeitet. Man hat den Eindruck, als würden einfach nur Stichpunkte eines (noch dazu unstrukturierten) Exposés abgearbeitet. Die Jungs erscheinen auf der Bildfläche, Herzklopfen stellt sich ein, ein Mord geschieht, der Bösewicht betritt die Bühne und ein bisschen Übernatürliches darf auch nicht fehlen

Dass trotzdem erst im letzten Drittel des Buches dann der übernatürlich / mysteriöse Teil anfängt, liegt hauptsächlich an der ziemlich ausführlichen Beschreibung von Make-up und Klamotten von Faye und Liz. Eine auch nur im Ansatz tiefergehende Charakterisierung der Protagonisten findet jedenfalls nicht statt und die Autorin schafft es nicht, Emotionen so zu schildern, dass man mitfiebern oder sich in die Gefühlswelt von Faye oder der anderen Personen hineinversetzen kann. Der übernatürliche Teil konnte es dann leider auch nicht mehr rausreißen.

Warum die am Anfang des Romans gefundene Leiche später nicht weiter erwähnt wird, warum Lucas und Finn sich von Anfang an so gar nicht riechen können und ob es normal ist, dass 16-jährige Teenies teure Spiegelreflexkameras mit zum shoppen und auf Partys nehmen, ist mir leider nach wie vor völlig unklar.

Ein Teil der oben geäußerten Kritik ist vielleicht allerdings auch der Übersetzung geschuldet. Ich habe ein wenig den Eindruck, als gebe es zur Zeit zu wenig gute Übersetzer für die vielen Neuerscheinungen. Textstellen wie diese tragen leider ganz und gar nicht zum Lesevergnügen bei: „Sie sah die ganze Zeit auf seine kleine Haartolle und versuchte herauszufinden, ob seine Frisur süß war, wie Faye zu denken schien, oder einfach nur blöd. Doch dieser Gedanke brachte Faye und Lucas wieder aufs Taplet, und das war einfach unerträglich grässlich.“ (Seite 71) „Er gab ihr einen zarten Kuss auf den Mund, der sie flau in den Knien werden ließ.“ (Seite 346)

Ja, das Cover ist ein bisschen kitschig. Ja, der Titel auch. Aber so will man‘s ja schließlich gelegentlich haben, oder? Mir gefällt die Aufmachung jedenfalls gut, lediglich ein Lesebändchen fehlt.

Fazit: Sicher keine völlig verschwendete Lesezeit, aber auf Folgebände werde ich verzichten.

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1.051 Bibliotheken, 8 Leser, 13 Gruppen, 127 Rezensionen

fantasy, liebe, faun, echos, jade

Faunblut

Nina Blazon
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.12.2008
ISBN 9783570160091
Genre: Fantasy

Rezension:

Lady Mar hat ihr Reich fest in ihrer boshaften Hand. Doch seit einiger Zeit bedrohen nun schon die sogenannten Echos, nur scheinbar menschliche Wesen, die Stadt. Lords werden ermordet und nichts scheint mehr sicher. Zwei Männer aus dem Nordland, Tam und Faun, werden gerufen um die Echos zu jagen und zu töten. Untergebracht werden sie im Hotel von Jades Vater, die Faun zu Beginn einfach nur schrecklich arrogant und anmaßend findet bevor sie sich schließlich doch in ihn verliebt. Dass er für die grausame Lady Mar kämpft während Jade sich einer Widerstandsgruppe von Rebellen anschließt macht die Situation nicht gerade leichter.

Es hätte so gut werden können! Sehr begeistert von Nina Blazons Zweilicht habe ich mich gleich auf Faunblut gestürzt.

Die Idee, die Geschichte einer verbotenen Liebe vor einem phantastischen Hintergrund zu erzählen, der weder mit Vampiren noch Werwölfen zu tun hat, finde ich nach wie vor ziemlich gut.

Die Umsetzung hat mich allerdings leider nicht so sehr begeistern können. Zum Einen liegt der Schwerpunkt der Geschichte  entgegen dem, was der Klappentext erwarten lässt  NICHT auf der Liebesgeschichte sondern auf dem Kampf der Rebellen gegen Lady Mar und zum Anderen wurden viele der (wirklich guten!) Ideen nicht zu Ende gedacht oder viel zu kurz abgehandelt. Wie war die Stadt, bevor Lady Mar kam? Wie sehen die Häuser und die Umgebung aus? War Lady Mar schon immer grausam und böse? Warum ist sie so? Atmosphäre entsteht kaum und ich kann noch immer nicht nachvollziehen warum sich Jade und Faun ineinander verlieben. So finden zwischen den beiden beinahe keine Dialoge oder sonstige Interaktionen statt, bevor sie sich dann urplötzlich küssen und verliebt sind. Es fiel mir unheimlich schwer mit Jade mitzufühlen. Von innerem Zwiespalt oder gar Leidenschaft war nicht viel zu spüren.

Auch bezüglich der anderen Charaktere wurde meiner Meinung nach sehr viel Potential verschenkt. So sind beispielsweise die Rebellen oder die Jägerin Moira oder Jades bester Freund Martyn so wenig ausgearbeitet, dass mir deren Innenleben völlig fremd geblieben ist. So war es sehr schwer wirklich mitzufiebern.

Letztlich ist die mangelnde Tiefe des Romans aber vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass es sich um ein Buch für jüngere Leser handelt (13 bis 16 Jahre empfiehlt Amazon.de). Wobei mich allerdings andere Romane, die sich an diese Altersgruppe richten  wie etwa Christoph Marzis Heaven (empfohlen von Amazon.de für Leser von 12  15 Jahren)  deutlich mehr überzeugt haben.

Ein Lob noch für die wunderschöne Covergestaltung des Taschenbuchs. Auch, wenn es eigentlich eher in türkis / grün gehalten hätte sein müssen, denn schließlich sind Jades Augen flussgrün und nicht pink. ;-)

Ich vergebe drei Sterne weil ich die Idee nach wie vor super finde und ich mich beim Lesen wirklich keine Sekunde gelangweilt habe  wahrscheinlich, weil ich die ganze Zeit gehofft habe, dass der Knoten doch noch platzt.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die verborgene Welt

Shamim Sarif , Andrea Krug
Fester Einband: 299 Seiten
Erschienen bei Krug u. Schadenberg, 22.10.2007
ISBN 9783930041602
Genre: Romane

Rezension:

Im Südafrika der frühen 50er Jahre lernen sich zwei Frauen kennen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Obwohl beide indischer Abstammung sind und beide aus Familien kommen, die Geheimnisse und Verletzungen mit sich herumtragen, sind die Leben von Amina und Miriam nicht miteinander zu vergleichen. Amina führt gemeinsam mit Jacob, einem Schwarzen, ein Café in Pretoria; Miriam führt auf dem Land eine Ehe, die ihr die Luft zum Atmen nimmt. Nur zögerlich nähern die beiden sich an und es entspinnt sich eine sehr zerbrechliche Liebesgeschichte zwischen der rebellischen und unangepassten Amina und der auf den ersten Blick fügsamen und hilflos in ihrer Ehe gefangenen Miriam.

Vorab: „Die verborgene Welt“ ist – für mich – weder ein politischer, noch ein klassischer Lesbenroman. Es ist ein bildgewaltiger Roman über die erschreckenden Auswirkung gesellschaftlicher Zwänge und darüber, wie viel Mut man manchmal braucht um seinen eigenen Weg zu gehen. Es ist ein leiser Roman, der keinen Kitsch braucht um von großen Gefühlen zu erzählen.

Die Hilflosigkeit, die Wut und das Schweigen macht Shamim Sarif sehr gekonnt überdeutlich und Charaktere wie Omar – Miriams Mann – zeichnen sich gerade durch diese Mauer aus Schweigen und die dadurch erzeugte Ohnmacht aus.

Was mir allerdings gefehlt hat waren hin wieder eingestreute Erklärungen zu indischen bzw. südafrikanischen Begriffen oder auch zu Gerichten. Sicherlich hätte ich mich dann noch mehr auf diese mir doch sehr fremde indische Kultur und Lebensweise einlassen können.

Gerne hätte ich am Ende mehr gelesen; gerne hätte ich gewusst wie die (gemeinsame?) Geschichte von Amina und Miriam weitergeht und ich hätte auch Jacob gern auf seinem weiteren Lebensweg begleitet. So fing für mich die eigentliche Geschichte erst an, als der Roman endete.

Ich vergebe dreieinhalb Sterne für einen Roman, der sicherlich mindestens vier Sterne hätte haben können, hätte er 200 Seiten mehr gehabt.

Zitate:

Amina gehörte nicht zu den Menschen, die ihren Ärger genossen oder hegten – sie hatte schon immer die Fähigkeit besessen, in einer gegebenen Situation eine Reihe von Alternativen zu erblicken, eine Eigenschaft, die es ihr kaum erlaubte, über irgendetwas länger verstimmt zu sein. (Seite 63)

Jacob lächelte in sich hinein und seufzte gleichzeitig. Er saß mit Amina im Café und sie tranken Kaffee. Es war früh am Morgen, noch war es ruhig – die wenigen Minuten der Stille, bevor die ersten Frühstücksgäste eintrafen, obwohl wegen der heftigen Regenfälle weniger zu erwarten waren als sonst. Seit drei Tagen regnete es unablässig, und das Wasser sammelte sich in immer größeren Lachen und breitete sich wie geschmolzenes Glas über die Straßen und Gehwege aus. Der Regen war warm und roch seltsam nach Gras, dachte Jacob, ein Geruch aus seiner Kindheit, die schon 50 Jahre zurücklag. Er mochte das metallische Pling!, mit dem der Regen vom Dach tropfte und auf die Pfützen traf. Er lauschte dem Getrommel auf dem Dach und fühlte sich von der Wärme und dem Licht im Café getröstet. (Seite 224 / 225)

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(238)

591 Bibliotheken, 8 Leser, 10 Gruppen, 114 Rezensionen

fantasy, new york, liebe, dystopie, wendigo

Zweilicht

Nina Blazon
Fester Einband: 411 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.08.2011
ISBN 9783570161173
Genre: Fantasy

Rezension:  
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103 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

alzheimer, familie, demenz, harvard, liebe

Mein Leben ohne Gestern

Lisa Genova , Veronika Dünninger
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 01.10.2009
ISBN 9783785760161
Genre: Romane

Rezension:

Alice Howland, Anfang 50 ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und eine sehr erfolgreiche Linguistik-Professorin in Harvard. Ihr Leben läuft nach Plan, ihre Karriere ist auf dem Höhepunkt.

Bis ihr plötzlich in einem Vortrag ein Wort nicht einfällt. Als sich diese Aussetzer häufen schiebt sie es auf hormonell bedingte Wechseljahrsbeschwerden. Erst als sie eines Tages beim Joggen ihrer täglichen Strecke orientierungslos den Weg nach Hause nicht mehr findet, beschließt sie, einen Arzt zu konsultieren.

Die Diagnose ist hart und gibt wenig Anlass zur Hoffnung: eine früh einsetzende Form der Alzheimer-Krankheit.

Alice weiß, ihr Leben und das ihrer Familie wird sich von Grund auf ändern. Alice Mann – John – ebenfalls Wissenschaftler, hat hart damit zu kämpfen seiner Frau nicht helfen zu können und ihre Kinder müssen sich nicht nur mit der Krankheit der Mutter sondern auch mit der 50 %igen Möglichkeit abfinden, das Alzheimer-Gen geerbt zu haben.

Dieser Roman war mein spontanster Buchkauf des Jahres. Der Klappentext verrät nicht wirklich viel und trotzdem war mir in der Buchhandlung sofort klar, dass ich dieses Buch kaufen würde.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren habe ich in diesem Buch Alice und ihre Familie begleitet und zugesehen wie die aktive, selbstbewusste und intelligente Frau von Monat zu Monat immer weiter abbaut.

Nüchtern und trotzdem alles andere als lieblos schildert Lisa Genova in ihrem Erstlingswerk Alice Kampf um ihr Leben aus deren Sicht. Man spürt in beinahe jedem Satz, wie es Alice von Kapitel zu Kapitel immer schwerer fällt zunächst die Anzeichen, dass mit ihr etwas nicht stimmt zu ignorieren; nach der Diagnose dann die verzweifelten Versuche sich mit der Krankheit zu arrangieren und möglichst in ihrem beruflichen Umfeld nicht aufzufallen.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und man kann Johns Hilflosigkeit und Wut ebenso gut spüren wie die bedingungslose Lieber ihrer Kinder.

Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto kürzer werden Kapitel und Sätze und desto beklemmender und gleichzeitig aber auch liebevoller wird die Atmosphäre. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass sich sprachlich so sehr auf das Leben der Protagonistin einlässt und so sehr deren Verzweiflung und die Unausweichlichkeit ihres Schicksals widerspiegelt. Von Seite zu Seite hat mich die Autorin mit ihrem Schreibstil so mehr in ihren Bann gezogen und wenn ich auch anfangs noch dachte, dass es mich weniger emotionaler berühren würde, als ich erwartet hatte, konnte ich das Buch ab der zweiten Hälfte kaum noch aus der Hand legen.

Was tut man, wenn man weiß, dass man nach und nach den buchstäblich den Verstand und sich selbst verlieren wird? Man kämpft und man hofft und man liebt bis zum Schluss.

4 Sterne und ein Danke an Lisa Genova für einen Roman, der mich berührt hat – auch noch Tage nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.

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166 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

tod, krebs, liebe, sex, familie

Superhero

Anthony McCarten
Fester Einband: 302 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.03.2007
ISBN 9783257065756
Genre: Romane

Rezension:

Donald, 14 Jahre alt, hat keinen Bock auf Leukämie. Wer hätte den schon? Aber wie unfair ist es bitteschön, wenn man noch nicht mal Sex hatte, bevor man letztlich abtritt?! Donald ist aufs Schlimmste hormongeplagt und einfach nur genervt. Von der Fürsorglichkeit seiner Eltern, von seinem großen Bruder und vom Krebs. Großartige Chance auf Heilung besteht längst nicht mehr als er schließlich nach dem gescheiterten Versuch seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, bevor die Krankheit es tut, von seinen Eltern zu Dr. Adrian King, dem Klinikpsychologen geschickt wird.

Donald hat keine Wahl. Ob er will oder nicht muss er sich mit der Krankheit arrangieren. Er selbst ist allerdings kaum noch in der Lage zu kämpfen und überlässt das deshalb Miracle Man, seinem Alter Ego, das in seinem Comicroman doch am Ende jeden Kampf gegen den fiesen Dr. Gummifinger gewinnt und vielleicht am Ende mit Rachel, seiner großen Liebe, glücklich werden wird.

Man merkt, dass Donald keine Zeit mehr hat. Die kurzen, schnellen Schnitte zwischen verschiedenen Handlungsorten und Personen lassen daran keinen Zweifel. Kein Schnickschnack, kein Kitsch, kein Gelaber. Jeder Tag zählt.

Dieses Buch wirkt ebenso unausgeglichen und gestresst wie Donald es ist. Die Brüche im Text, scheinbar zusammenhanglose Passagen und seine schonungslos ehrliche und unverblümt brachiale Sprache zeigen es sehr deutlich. Die eingestreuten, von Donald verfassten, Comicszenen zeichnen ein Bild von ihm selbst, wie es eindringlicher kaum sein könnte. Seine pornografischen Zeichnungen schocken seine Eltern und seinen Psychologen. McCarten lässt wenig Platz für (Selbst-)Mitleid in seinem Roman über ein paar – gar nicht mal immer so heldenhafte – Superhelden.

Mein persönlicher Superheld neben Donald ist Adrian King, der sich schon damit abgefunden hatte, dass seine Frau ihn betrügt und dass sein Job ihn längst nicht so ausfüllt, wie er das gerne hätte. Bis er ganz am Ende doch noch die Kraft findet und Donalds Rat befolgt: „Schmeißen. Sie. Das. Dreck-. –stück. Raus.“

Ist dieses Buch ein Roman? Ein Drehbuch? Oder ein Comicroman?

„Scheißegal!“ würde Donald vermutlich meinen.

Da muss ich ihm recht geben. Schon nach wenigen Seiten hatte ich mich nicht nur an den eigenwilligen Schreibstil und Aufbau gewöhnt, sondern war mittendrin in Miracle Mans Kampf um Gerechtigkeit, dem Kampf von Donalds Eltern um das Leben ihres Sohnes, Adrians Kampf mit sich selbst und seinem festgefahrenen Leben und Donalds Kampf darum, etwas von sich zurück zulassen und sich damit genauso unsterblich zu machen wie Miracle Man.

Ich vergebe 5 Sterne und normalerweise würde ich jetzt auch eine Begründung dafür liefern. Allerdings fällt es mir dieses Mal wirklich sehr schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen. Der Roman hat mich gefesselt und war spannend von der ersten bis zur letzten Seite, was nicht zuletzt daran liegt, dass der komplette Roman völlig ohne Nebensächlichkeiten auskommt. Zudem hat McCarten mit Donald einen Superhelden erschaffen, der einen gleichzeitig ganz fürchterlich nervt mit seiner herablassenden, aggressiven Art und dann doch wenige Zeilen später wieder durch unfassbare Coolness und Tiefgründigkeit überrascht. Nicht zuletzt deshalb war dieser Roman eine Herausforderung, die ich sehr gerne angenommen habe.

Zitate:

Sophie: Hast du jemals geweint, Adrian? Weinst du eigentlich nie?
Adrian: Manchmal schon. Beim Cricket. [...] Wie die meisten Männer weine ich, wenn es nicht wichtig ist. (Seite 100)

Jahre vergehen. Seine Gefühle sind nun schon so lange eingepfercht, dass sie für immer gezähmt sind. (Seite 160)

Donald: Wie ist das, wenn man Sex hat? [...]
Tanya: Nun, wenn du mit der Richtigen zusammen bist…ich glaube, man könnte sagen, das ist…eine Art Wettbewerb. Ihr wollt beide, dass der andere gewinnt. (Seite 232)

Warum bewahren wir die Fassung, überlegt Adrian, warum sind wir konform, warum bleiben wir (darauf läuft es doch hinaus), wer wir sind? Weil wir immer das Schlimmste befürchten? Bauen wir unser ganzes Leben immer nur als Verteidigungsstellung gegen das Schlimmste auf, das uns widerfahren könnte? Das Merkwürdige ist: Wenn die meisten von uns nur einen unklaren oder sogar überhaupt keinen Begriff davon haben, was dieses Schlimmste ist, warum lassen wir dann jede unserer Handlungen von unserer Angst bestimmen? Wenn wir uns nur einen Augenblick lang vorstellen – denkt Adrian, als er über den Marmorboden schreitet, direkt aus dem Sitzungsraum, noch das vernichtende Urteil im Ohr, doch nicht überrascht von der Entscheidung – , wenn wir uns also vorstellen, dass das Schlimmste, sollte es jemals eintreffen, nicht halb so schlimm ist, wie wir gedacht haben. Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir stellen uns vor, dass dieses Schlimmste in Wirklichkeit das Beste ist, was uns überhaupt geschehen konnte. Wie schockierend hätten wir damit bewiesen, wie sinnlos all die Vorsicht unseres Lebens ist? (Seite 299 / 300)

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

vatikan, homosexuelle liebe, missbrauch, krimi

Confiteor

Ingo-Michael Feth , Ingo M Feth
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Utz, Herbert, 09.10.2007
ISBN 9783831613304
Genre: Romane

Rezension:  
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310 Bibliotheken, 1 Leser, 8 Gruppen, 72 Rezensionen

liebe, tod, familie, musik, koma

Wenn ich bleibe

Gayle Forman , Alexandra Ernst
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 07.01.2010
ISBN 9783764503512
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wenn plötzlich von einer Sekunde auf die andere dein Leben aus den Fugen gerät, nichts mehr so ist wie es war und auch nie mehr so sein wird – machst du dann weiter oder gibst du auf? Diese Frage stellt sich niemand gern und trotzdem bleibt der 17-jährigen Mia nichts anderes übrig als sie als einzige Überlebende übrig bleibt, als ihre Eltern und ihr kleiner Bruder bei einem Autounfall ums Leben kommen. Von außen sieht sie sich selbst im Koma liegen, sieht wie ihre Großeltern, ihr Freund Adam und ihre beste Freundin Kim sie besuchen und um ihr Leben bangen. Wofür wird Mia sich entscheiden? Für ein Leben von dem sie nicht weiß, wie es werden wird oder für den Tod, von dem sie es ebenso nicht weiß? Eingebettet in diese Rahmenhandlung erzählt Gayle Forman in Rückblicken von Mias Leben vor dem Unfall. Von ihren Eltern und ihrem Bruder und von ihrer Beziehung mit Adam.

Ich gebe zu, meine Erwartungen an diesen Roman waren wegen der vielen begeisterten Rezensionen und auch wegen der Aussicht auf einen extrem emotionalen Inhalt sehr hoch. Leider wurde er meinen Erwartungen aber nicht ganz gerecht. Ob es nun daran gelegen hat, dass ich mit Mia (der Ich-Erzählerin) einfach nicht richtig warm wurde oder daran, dass ich mehr Auseinandersetzung mit dem Anfangs geschilderten Konflikt erwartet habe, kann ich gar nicht genau sagen.

Der Roman bleibt sehr an der Oberfläche, kratzt den grundsätzlichen Konflikt nur sehr vorsichtig an; der Teil, der sich überhaupt damit auseinandersetzt, ist für meinen Geschmack deutlich zu kurz geraten. So stellt sich Mia nie ernsthaft die Frage, wo ihre Eltern und ihr Bruder sind. Wie es dort aussieht und ob sie ihnen überhaupt folgen kann, sollte sie sich dafür entscheiden. Auch Mias Großeltern – die immerhin ihren Sohn und ihren Enkel verloren haben – scheinen durch deren Tod nicht sonderlich beeindruckt zu sein, erklärt doch Mias Großmutter schon bald, dass das Leben in ein paar Monaten wieder ganz anders aussehen könnte.

Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem – meiner Meinung nach – sehr weichgespülten Erzählstrang über Mias Leben vor dem Unfall. Eine perfekte Familie, ein perfektes Leben, perfekte Zukunftsaussichten. Alle Hauptcharaktere scheinen ausschließlich positive Eigenschaften zu haben, nichts, woran man sich als Leser reiben könnte. Das führt dazu, dass sie trotz der sehr liebevollen Schilderung stets blass bleiben. Einzig die Schilderung von Adam geht ein wenig tiefer und man hat am Ende des Buches das Gefühl, ihn zu kennen. Besonders gefreut hat mich deshalb, dass die Fortsetzung des Romans – „Lovesong“ – aus seiner Sicht geschrieben ist.

Einen dicken Pluspunkt vergebe ich noch für das sehr gelungene Cover, das Mias sehr einsame Entscheidung sehr gut widerspiegelt.

Letztlich haben der flüssige Schreibstil und auch Adam einiges wieder rausgerissen, so dass ich trotz aller Kritik immer noch gerne gute drei Sterne vergebe.

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174 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 45 Rezensionen

liebe, musik, new york, rockstar, gayle forman

Lovesong

Gayle Forman , Bettina Spangler
Flexibler Einband: 271 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 28.06.2011
ISBN 9783764504021
Genre: Liebesromane

Rezension:

Drei Jahre sind vergangen, seit Adam von Mia von heute auf morgen ohne eine Begründung verlassen wurde. Drei Jahre, in denen er nichts von ihr gehört hat. Inzwischen feiert Adam großartige Erfolge mit seiner Band, ist ein gefeierter Rockstar. Alles läuft scheinbar nach Plan. Doch in Wirklichkeit ist er ausgebrannt, hält sich nur noch mühsam mit Medikamenten aufrecht und der Schmerz um die verlorene Liebe droht ihn langsam aber sicher zu zerstören. Bis er plötzlich durch einen Zufall Mia in New York begegnet und die beiden in dieser einen beinahe magischen Nacht wieder anfangen miteinander zu sprechen, sich zu verstehen und vielleicht sogar einen Weg zurück zueinander finden.

Da ist sie endlich! Die düstere, melancholische, depressive und beinahe elektrisch geladene Stimmung, die ich im ersten Band so sehr vermisst hatte! Hatte ich in meiner Rezension zu „Wenn ich bleibe“ noch kritisiert, dass mir Emotionen fehlen und dass der Roman als Ganzes meiner Meinung nach zu oberflächlich geschrieben ist, hat Gayle Forman bei dieser grandiosen Fortsetzung alles richtig gemacht.

Der Roman ist dieses Mal nicht aus Mias sondern aus Adams Sicht geschrieben. In Rückblicken werden die vergangenen drei Jahre geschildert und auch ein paar Episoden aus der Zeit, als die beiden noch zusammen waren.

Gleich auf den ersten Seiten wird klar, dass es Adam nicht gut geht und nach und nach erschließt sich dem Leser seine ganze wirre Gefühlswelt. Er ist wütend, weil Mia ihn verlassen hat, zudem leidet auch er unter dem Verlust von Mias Eltern, die bei einem Autounfall ums Leben kamen.

Endlich erhält in dieser Fortsetzung auch Mias Figur die Tiefe, die ich von Anfang an erwartet hatte, endlich gelingt es der Autorin glaubwürdig zu schildern, wie es in Mia und vor allem in Adam aussieht. In jeder einzelnen Zeit spürt man Wut, Trauer, Unverständnis und Fassungslosigkeit, gleichzeitig aber auch die tiefe Liebe, die die beiden immer noch verbindet. Es war nicht immer einfach, Adams leichten Hang zum Selbstmitleid und Mias Hang zur Selbstgerechtigkeit auszuhalten, aber gerade das machte den Roman auch so besonders.

Flüssig erzählt und ohne auch nur ein einziges Mal langatmig oder gewollt zu wirken führt Gayle Forman ihre Figuren durch die Nacht und man hofft bis zum Schluss mit Adam, dass sich doch noch alles zum Guten wendet und das Glück doch noch auf die beiden wartet. Und trotz der großen, gewichtigen Gefühle, die auf jeder Seite durchscheinen, gibt es keinen Kitsch und keinen Pathos, sondern nur schonungslose, ehrliche und schnörkellose Gefühle.

„Lovesong“ hat die leichte Enttäuschung über „Wenn ich bleibe“ bei weitem wieder wett gemacht und ich würde mich über einen dritten Band – gerne wieder mit Adam als Ich-Erzähler – sehr freuen. 4 Sterne für eine mitreißende Geschichte, die hoffentlich noch nicht zu Ende ist!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

cello, musik, veränderung, andrea schadenberg, coyote

Als das Cello vom Himmel fiel

Ivan E Coyote , Andrea Krug
Fester Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Verlag Krug & Schadenberg, 04.03.2011
ISBN 9783930041749
Genre: Romane

Rezension:

Das Leben meint es gerade scheinbar nicht besonders gut mit Joey. Unter den stets wachen Augen der der Dorfgemeinschaft und ganz besonders denen seiner Mutter muss er irgendwie mit dem Tod seines Vaters vor vier Jahren und der Trennung von seiner Frau zurecht zu kommen. Ally hat ihn verlassen und lebt nun Calgary mit ihrer neuen Liebe, einer Frau, zusammen.

Durch einen Zufall, wie es ihn wohl nur selten gibt, kommt er dank eines Tauschgeschäfts zu einem Cello und er beschließt, Unterricht zu nehmen. Bevor er nach Calgary aufbricht um sich eine Lehrerin zu suchen, entschließt er sich schweren Herzens Ally einige noch immer im ehemals gemeinsamen Haus verbliebene Dinge zu bringen. So macht er sich mit seinem Cello, Allys Sachen und einer gehörigen Portion Altlasten auf den Weg und kehrt am Ende verändert wieder zurück.

Die Meinungen zum Erstlingswerk von Ivan E. Coyote sind gespalten. Die Einen sind begeistert, die Anderen sind enttäuscht. Umso gespannter war ich, zu welcher Gruppe ich wohl gehören würde. Noch während des Lesens und auch ein paar Tage danach war ich unsicher. Jetzt – während ich diese Rezension schreibe – weiß ich es endlich. Ich bin begeistert.

„Als das Cello vom Himmel fiel“ ist kein lautes Buch, kein Buch, das sich aufdrängt. Es ist eine nahezu alltägliche Geschichte, die schon oft erzählt wurde. Eine Geschichte vom Verlassen werden und davon, wieder zu sich zu finden. Von Fragen, die hartnäckig nach einer Antwort verlangen und vom Versuch wieder Zukunftspläne schmieden zu können.

Anders jedoch als in vielen anderen Romane mit dieser Grundidee wird man nicht durch zahllose Nebenhandlungsstränge abgelenkt. Man bleibt ganz bei Joey, in seiner Gefühls- und Erlebniswelt. Man ist hautnah dabei, wie er anfangs erkennt, dass seine Mutter recht hat, wenn sie ihm entweder zu einem Hobby oder einem Antidepressivum rät und man ist ebenso dabei, wie er sich für ersteres entscheidet. Man begleitet ihn dabei, wie aus Fremden ganz plötzlich Freunde werden können, wenn man sich ihnen nur öffnet und auf seinem Weg aus der Hilflosigkeit und Einsamkeit, den er geht, fast ohne es selbst zu merken.

Dass es nur am Rande eine Rolle spielt, dass Joeys Frau ihn für eine andere Frau verlassen hat, hat mich zunächst überrascht und ein wenig enttäuscht; lag dies doch bei einem Roman aus einem Verlag, der sich der lesbischen Literatur verschrieben hat, recht nah.

Letztlich bin ich aber – ebenso wie Joey vielleicht auch – zu dem Schluss gekommen, dass es keine Rolle spielt, wer wen warum verlässt, sondern nur, dass man Verletzungen heilen lässt und sich so eine Chance für die Zukunft gibt.

Wie auch bei Geschrieben für Dich von Sylvia Brownrigg haben mir Gestaltung und Übersetzung, beides wieder von den Verlagschefinnen persönlich übernommen, sehr gut gefallen.

Ich vergebe 4 Sterne für ein Buch, dass mich überrascht und auch lange nach der letzten Seite noch nicht losgelassen hat.

Zitate:

Die freundlichsten Menschen sind, die denken, dass sie dich nie wieder sehen. (Seite 84)

Es gibt keinen Typ Frau, der einem Mann erlaubt, sie zu schlagen. Es gibt nur den Typ Mann, der seine Frau schlägt. (Seite 154)

Lass dich ja nicht dazu verleiten, Frauen für das schwache Geschlecht zu halten, Joseph. Von ihnen wird einfach nur erwartet, dass sie sich mehr Scheiß gefallen lassen als wir. (Seite 154)

Kleinstädte haben die Eigenart, dir bei der erstbesten Gelegenheit genau die Dinge oder die Menschen über den Weg zu schicken, denen du am wenigsten begegnen möchtest. (Seite 220)

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

lesbisch, liebe, homosexualität, sehnsucht, erste liebe

Geschrieben für Dich

Sylvia Brownrigg , Andrea Krug
Fester Einband: 287 Seiten
Erschienen bei Krug u. Schadenberg, 23.06.2005
ISBN 9783930041459
Genre: Romane

Rezension:

Die Liebe – besonders die erste – kann einen ganz schön durchschütteln, aufwühlen und alles in Frage stellen. Das muss auch Flannery feststellen, als sie auf Anne trifft, die sie mit ihren grünen Augen und ihrer Ausstrahlung augenblicklich in ihren Bann zieht und nicht wieder loslässt.

Schon ziemlich am Anfang, wenn nicht sogar schon im Prolog, ist klar, dass dieser Roman kein klassisches Happy End haben wird. Gut für mich – ich finde Happy Ends meistens langweilig.

Noch nie habe ich ein Buch gelesen, dessen Sprache und Atmosphäre mich dermaßen gefesselt haben. Mehrfach hatte ich vielmehr das Gefühl innerlich einen Film zu sehen, als „nur“ ein Buch zu lesen und ich war von der unglaublichen Bildhaftigkeit des Textes total überfahren. Deshalb war es mir mehr als recht, dass keines der Kapitel länger als 3 Seiten ist, denn ich brauchte immer wieder eine Pause um das Gelesene „verdauen“ zu können.

Sylvia Brownrigg beschreibt Flannerys Sehnsüchte und ihr Verlangen nach Anne, nach einem Zusammensein mit ihr, so echt und intensiv, dass ich in der zweiten Hälfte des Buches oft fast nicht weiterlesen konnte, weil die Situation immer drückender und hoffnungsloser schien. Oft hatte ich das Gefühl, ich sollte Flannery mal wieder anrufen um zu hören, wie es ihr geht und um ihr Mut zuzusprechen. Oder auch Anne um ihr mal gewaltig den hübschen Kopf zu waschen! ;-)

Ich vergebe 5 Sterne für einen Roman der zeigt, dass kein Happy End manchmal trotzdem der Anfang von etwas sein kann und dass Zuversicht und Hoffnung stärker sind als Traurigkeit und Verlust.

Ein ganz besonderes Lob übrigens fürs Cover (Dagmar Schadenberg) und für die Übersetzung (Andrea Krug). Zur Zeit gilt das Buch zwar als vergriffen, ein Nachdruck ist aber laut Verlag bereits in Vorbereitung.

Von manchen Händlern wird als empfohlenes Alter verschiedentlich „ab 13 Jahren“ angegeben. „Ab 16 Jahren“ würde ich persönlich für passender halten. Es ist definitiv kein Kinder- und Jugendbuch.

Zitate:

Durch die Tage stolperte sie, nachts jedoch schwamm sie frei durch die kühlen Gewässer ihrer Einbildungskraft. Im Dunkeln war ihr Körper seiner schüchternen Entschuldigung ledig, und ihre jungen Hände wanderten über ihr Fleisch, wie zum ersten mal. (Seite 22)

Die Träume sagten etwas anders. Unausweichlich. Das tun Träume mit Vorliebe. Verhöhnen dich mit einer frivolen Lebhaftigkeit, die du dir tagsüber verbittest. Schnüffeln in den Schränken in deinem Kopf, durchwühlen die Vorratskammern, stoßen auf Hoffnungen oder Erkenntnisse, von deren Existenz du nichts wusstest. Farben, die du nie zuvor bewusst wahrgenommen hast. Witze von einem Geistesreichtum, den du dir nie zugetraut hättest. (Seite 38)

Es war wie Fliegen. Es war die Geschichte, die du deinem wachen Ich vor den Einschlafen erzählst, in der Gewissheit, dass sie nie die volle, helle Schärfe der Wirklichkeit annehmen wird. (Seite 95)

Flannery hatte nie überlegt, dass das Wort “Schmerz” buchstäblich so gemeint sein könnte, wenn es auf das Herz gemünzt war. Schmerz dieser Art war doch gewiss Einbildung, ein Wort für Liedermacher, ein praktischer Reim auf “Herz”. Er war nicht ernstzunehmen. Doch, das war er. Noch etwas, das sie lernen musste. Das Herz schmerzte, in der Tat. Sie verspürte eine dumpf mahlende Leere in der Nähe ihres Zwerchfells, ein Schmerz, der den Platz von etwas einnahm, das entfernt worden war. Ein Phantomglied. Ein nagender Hunger namens Verlangen. (Seite 150)

Es ist eine alte Geschichte. Eine der ältesten. Sie hätten nicht so weit reisen müssen, um sie zu erleben: Lust – pure, unverhüllte Lust – muss benannt und bestraft werden. Wie sonst könnten wir hoffen, die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten? (Seite 217)

Menschen können sich Orten ebenso verwandt fühlen wie anderen Menschen. (Seite 247)

Solche Nächte gibt es, und wir überleben sie. Es geht darum, neben dem geliebten Leib zu schlafen, den du nicht länger lieben darfst oder magst. Egal, ob du diejenige bist, die sich trennt, oder diejenige, die verlassen wird; egal ob deine Arme diejenigen sind, die zurückweichen, oder diejenigen, die sich verlangend ausstrecken und sich dann im Bewusstsein, nicht länger erwünscht zu sein, zurückziehen. […] Körper, deren nächtliche Daseinsform dem anderen schon bald nicht mehr vertraut sein wird: Sie werden sich getrennt durch Jacken und Jeans und die abgekühlte Luft zwischen neuerlichen Bekannten berühren, wen so etwas zwischen Ex-Geliebten überhaupt möglich ist. (Seite 275)

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186 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 36 Rezensionen

fantasy, tod, russland, calder, seelenhüter

Seelenhüter

Laura Whitcomb , Sabine Thiele
Fester Einband: 361 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 26.04.2011
ISBN 9783426283325
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit 300 Jahren nun schon ist Calder ein Seelenhüter. Das heißt, er begleitet Seelen, die bereit sind ihr irdisches Leben zu verlassen, hinüber ins Leben nach dem Tod. 300 Jahre lang lief auch alles einigermaßen glatt und an sein früheres Leben, das er mit nur 19 Jahren verlassen musste, erinnert er sich kaum noch. Doch eines Tages ändert sich alles, als er am Bett eines todkranken Jungen plötzlich Mitleid mit dessen Mutter verspürt und diese für seine Seelenverwandte hält weshalb er den Jungen nicht mit sich nimmt. Das Schicksaal will es, dass Calder acht Jahre später erneut ans Krankenbett des Jungen beordert wird und wieder bleibt die Seele des Jungen gegen ihren Willen in seinem Körper. Und noch ein drittes Mal kehrt Calder zurück zur Mutter des Jungen ohne dabei an die Konsequenzen zu denken, die das Übertreten der Gesetze der Seelenhüter mit sich bringen können. Genau diese Konsequenzen sind es, die Calder in den folgenden 300 Seiten des Romans ausbaden muss.

Wie schon bei Laura Whitcombes Debüt “Silberlicht” bekommt man in “Seelenhüter” eine völlig andere Geschichte erzählt, als der Klappentext vermuten lässt. So bekommt man weder eine typische Engelgeschichte, noch eine besonders romantische Lovestory geboten. Vielmehr erwartet einen eine komplexe, stellenweise an die griechische Mythologie angelehnte Erzählung über den Übergang einer Seele von Leben ins Jenseits sowie über die Zarenfamilie Romanow. Beides ist allerdings leider kein Thema wofür ich mich besonders erwärmen kann.

Jedoch hat auch dieses Mal der wunderschöne, poetische Schreibstil der Autorin auch inhaltliche Wiederholungen und längere Durststrecken wieder wett gemacht. Fast märchenhaft schildert sie in schillernden Farben zunächst, was einen (vielleicht ;-) ) nach dem Tod erwartet und später die abenteuerliche Reise der Protagonisten ein Mal um die ganze Welt.

Deren Charaktere blieben für mich leider ein wenig blass, ich wurde einfach nicht warm mit ihnen; was vielleicht aber auch an der oben schon erwähnten Langatmigkeit liegen kann. Ich konnte nicht so richtig mitfiebern mit Calder und seinen Gefährten und ich fand stellenweise auch sein Verhalten nicht ganz schlüssig.

Die Idee, ein Stück Zeitgeschichte mit Fantasy und griechischer Mythologie zu vermischen war sehr mutig und ist durchaus gelungen. Nur muss man sich eben auch als Leser darauf einlassen können.

Das Cover finde ich fast so schön, wie das von Silberlicht. Auch hier merkt man wie üblich beim PAN-Verlag, dass sich jemand wirklich sehr viel Mühe gegen hat und mit Lust und Liebe dabei war.

Fazit: Wer sich für die Geschichte der Romanows interessiert und dabei eine komplexe Story mit historischen und Fantasyelementen nicht scheut, der sollte Seelenhüter unbedingt lesen!

Die Altersempfehlung des Verlags (12 – 17 Jahre) finde ich allerdings deutlich zu weit gefasst. Ich würde eher zu 16+ tendieren.

Zitate:
Eine gute Seele singt der Trauer ins Gesicht, steht auf und lebt bewusst jeden Morgen, den sie zur Verfügung hat. (Seite 315)

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