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92 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

spione, kinderbuch, london, jugendbuch, gabe

Die Spione von Myers Holt - Eine gefährliche Gabe

Monica Meira Vaughan , Reiner Pfleiderer
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.09.2013
ISBN 9783423760805
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das Jugendbuch ist wohl als „Einstieg“ in eine Reihe angelegt und erzählt vom ersten Jahr, das Chris auf der Myers Holt-Akademie verbringt. Chris (Christopher Lane) ist ein 12-jähriger Junge dessen Alltag mit der seit dem Tod des Vaters depressiven Mutter eher trostlos ist. Bis Miss Sonata ihn bittet, an einem besonderen Test teilzunehmen. Er besteht den Test mit Bravour und wird – zusammen mit 5 weiteren Kindern – für die Myers Holt-Akademie zugelassen. An dieser Schule werden Kinder im Alter von 12 Jahren unterrichtet, da diese über eine besondere GABE verfügen, die es ihnen u.a. ermöglicht, in die Gedanken anderer Menschen einzudringen und deren Handeln zu bestimmen. Die Schule war vor vielen Jahren nach einem mysteriösen Vorfall geschlossen wurden und wird nun wieder zum Leben erweckt, weil das Leben einiger Menschen – scheinbar durch den Gebrauch der GABE – zerstört wurde.

Als Leser begleitet man Chris und seine Mitschüler Rex, Sebastian, Daisy, Lexie und Philip (die allesamt sehr detailliert charakterisiert werden, so dass man sich jeden Einzelnen sehr gut vorstellen kann) in ihrem Schulalltag, der so gar nicht alltäglich ist. Die Kinder werden im Gebrauch der GABE unterrichtet und haben dabei so manche Prüfung zu bestehen. Ein weiterer Handlungsstrang macht den Leser mit einem etwas merkwürdigen Geschwisterpaar Ernest und Mortimer bekannt, die ebenfalls den Gebrauch der GABE erlernen bzw. üben. Wie das alles zusammenhängt, erfährt man im durchaus spannenden „Showdown“ des Buches.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist sicher kein neuer Harry Potter, aber die Geschichte ist durchaus so originell und gut geschrieben, dass nicht nur junge Leser Freude an der Lektüre haben dürfen. Die Sprache ist detailliert, reich an Dialogen und z.T. sehr bildreich. Das Ende des Buches ist so gewählt, dass es wohl eine Fortsetzung geben muss. Auf die ich mich durchaus freue.

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34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

biografie, sven hannawald, skispringen, sportler, krankheit

Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben

Sven Hannawald
Fester Einband: 1 Seiten
Erschienen bei ZS Verlag GmbH, 01.09.2013
ISBN 9783898833875
Genre: Biografien

Rezension:

In seiner Autobiographie schildert Sven Hannawald (unterstützt durch Ulrich Pramann als Co-Autor) sein bisheriges Leben von der Kindheit, über den Höhepunkt seiner sportlichen Karriere bis hin zum Burn-Out und dem Weg zurück ins normale Leben. Das Buch ist teilweise wie ein Sachbuch gestaltet und enthält neben zahlreichen Fotos auch Interviews mit Wegbegleitern von Sven Hannawald und Exkurse zu verschieden Skisprungthemen, etwa der Entwicklung der verschiedenen Sprungstile.

Ich habe das Buch in kürzester Zeit (weniger als 2 Tage) gelesen und ich habe es sehr gern gelesen. Trotzdem bleibt nach der Lektüre ein ambivalentes Gefühl. Mir erscheint die Autobiographie etwas „unausgeglichen“ und vor allem anders als nach der Ankündigung erwartet. Einen sehr großen Raum nimmt die Darstellung der sportlichen Entwicklung in der Kindheit und Jugend ein, die zugleich eine detaillierte und sehr interessante Beschreibung der Sportförderung in der ehemaligen DDR ist. Selbst in der Ex-DDR aufgewachsen und etwa im gleichen Alter wie Sven Hannawald kann auch ich mich an die damalige Sichtung erinnern (ich wurde damals als für Fechten geeignet ausgewählt, habe aber tatsächlich nie einen Degen in der Hand gehabt, auch weil mir diese Sportart damals extrem „uncool“ erschien) . Allerdings konzentriert sich schon diese Beschreibung stark auf die Schilderung des äußeren Geschehens und man bekommt relativ wenige Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt des 12jährigen, der von seinen Eltern getrennt und auf ein Sportinternat geschickt wird. Im zweiten großen Teil des Buches, der Schilderung der sportlichen Karriere und deren Höhepunkt, dem (einmaligen) Gewinn aller 4 Springen der Vierschanzentournee, scheint Sven Hannawald etwas mehr Einblick in sein Gefühlsleben zu geben. Aber auch hier beschränken sich die Einblicke überwiegend auf Ausschnitte aus damaligen Interviews oder Zeitungsberichten Dritter. Ähnlich verhält es sich im vorletzten Teil des Buches, dem Bericht vom Burn-Out und anschließendem Klinikaufenthalt und der sich daran anschließenden Therapie. Einerseits finde ich es gut, dass die Therapeutin von Sven Hannawald so ausführlich zu Wort kommt, andererseits finde ich es sehr schade (und im Widerspruch zum Ankündigungstext zu dem Buch) das man so wenig von Sven Hannawald selbst über diese schwierige Zeit erfährt. Sicher, eine Autobiographie soll kein Seelenstriptease sein, aber etwas mehr Einblick wäre nicht nur der Ankündigung zu dem Buch eher gerecht geworden, sondern würde auch Betroffenen (oder Angehörigen von Betroffenen) mehr helfen. Gänzlich verunglückt erscheint mir der letzte Teil des Buches, der vom „Leben nach der Therapie“ berichtet. Beim Lesen hatte ich den Eindruck einer fast gehetzten Aufzählung all der Dinge, die das Leben für Sven Hannawald nun wieder lebenswert machen (der Motorsport, der Hund, die Freundin, der Sohn), aber auch das geschieht merkwürdig emotionslos. Ich hatte fast das Gefühl, dass mit dem Verlag nur ein 200-Seiten-Buch vereinbart war und nun am Ende die Geschichte ganz knapp erzählt werden musste, weil für die ausführliche Schilderung der Kindheit und Jugend schon zu viele Seiten verbraucht waren. Oder liegt es daran, dass Sven Hannawald einfach noch nicht genug Abstand zu dieser Zeit hat um ähnlich reflektiert darüber zu berichten?

Ich finde es jedenfalls sehr schade, dass das Potential dieses Buches nicht ausgeschöpft wird und kann mich nicht recht entscheiden, ob ich nun 4 Sterne vergeben soll (da ich das Buch wirklich gern gelesen habe und mich die Themen – sowohl die Skisprunggeschichte auch noch die Autobiographie – wirklich begeistert haben) oder doch nur 3 (eben wegen der vielen o.g. Kritikpunkte). Letztlich gewinnt der positive Gesamteindruck und auch die Dankbarkeit für ein paar Stunden wirklich gute Unterhaltung und ich vergebe 4 Punkte. Und wünsche Sven Hannawald von Herzen alles Gute für die Zukunft!

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74 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

spionin, felix bloch, italien, 20. jahrhundert, roman

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

Alex Capus
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2015
ISBN 9783423143745
Genre: Romane

Rezension:

In seinem Buch berichtet Alex Capus vom Leben dreier sehr unterschiedlicher Menschen in den Vorkriegs- und Kriegsjahren. Das Einzige, was diese Menschen (vielleicht) verbindet, ist eine mögliche Begegnung am Züricher Bahnhof im November 1924. Und die Tatsache, dass ihre Leben wohl anders verlaufen sind, als sie es sich damals im November 1924 erträumt haben mögen.
Zu Beginn des Buches werden ausführlich die drei Personen, deren Leben Gegenstand des Buches ist, vorgestellt. Da ist zum einen die damals 13jährige Laura d’Oriano, die mit ihren Eltern im Orient Express unterwegs war. Sie träumte davon Sängerin zu werden, aber eine bessere als ihre Mutter. Eine, die nicht ihre körperlichen Reize einsetzen muss, um Erfolg zu haben. Die zweite (und für mich interessanteste) Hauptfigur ist der damals 19jährige Felix Bloch, der am Züricher Bahnhof darüber grübelt, was er studieren soll. Sein Vater rät zu Maschinenbau, aber viel lieber würde er etwas „ganz und gar Nutzloses“ studieren. Auch, um nicht Teil dieser kriegerischen Maschinerie zu werden, die über Europa rollt und von der die Zeitungen berichten. Der dritte Protagonist schließlich ist der Maler Emile Gilliereon, der auf den Weg an den Genfer See, der Heimat seines Vater ist, um dort dessen Asche zu bestatten. Er ist, wie sein (gleichnamiger) Vater Zeichner und beide waren für berühmte Archäologen der damaligen Zeit tätig, der Vater für Heinrich Schliemann und der Sohn für Arthur Evans, der die Ausgrabungen in Knossos geleitet hat.

Im Laufe des Buches beschreibt der Autor bzw. der Erzähler jeweils wechselnd den Verlauf des Lebens dieser drei oder eigentlich vier Menschen (da auch ausführlich der Vater von Emile Gillieron dargstellt wird). Er erzählt von Felix, der zunächst dem Wunsch des Vaters folgt und Maschinenbau studiert, aber sich schließlich mit großer Begeisterung der Atomphysik zuwendet. Er berichtet von Laura, die ihre Gesangskarriere nach einem kurzen Paris-Aufenthalt zunächst abbricht und erst später wieder zum Broterwerb aufnimmt. Und er folgt den Spuren von Emile, der scheinbar wie selbstverständlich dem Vorbild seines Vaters folgt und eine Karriere als Zeichner für archäologische Funde beginnt, aber es bei seinen Zeichnungen mit der Wirklichkeit nicht so genau nimmt. Ich möchte nicht alle Details und Überraschungen der Lebenswege vorwegnehmen, aber wie bereits der Buchtitel verrät, gibt es im Leben aller drei Menschen schicksalshafte Brüche. Laura wird, nachdem sie wegen einer scheinbaren Trivialität ihre Familie (den Mann und zwei Töchter) in der Schweiz zurücklässt, scheinbar zufällig zur Spionin. Und Felix, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in die USA übersiedelt, arbeitet schließlich am Bau der Atombombe in Los Alamos mit. Und Emile? Er wird im Buch als „größter Kunstfälscher“ aller Zeiten beschrieben, aber ist für mich die Figur, die am ehesten dem vorbestimmten Lebensweg folgt.

Damit komme ich auch zum einzigen Kritikpunkt an dem insgesamt fabelhaften Buch: für mich „passt“ der Maler nicht so recht zu den anderen beiden Personen. Während ich bei Laura und Felix – trotz aller Unterschiede – gewisse Parallelen sehen kann (beide verändern mehrfach ihr Lebensumfeld und für beide hat der Ausbruch des zweiten Weltkrieges entscheidenden Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens), läuft Emile für mich eher „nebenher“. Das mag aber auch daran liegen, dass mein Interesse für Physik deutlich größer ist, als das für Archäologie.
In jedem Fall bin ich Alex Capus sehr dankbar dafür, dass er mich mit seinem relativ kurzen (ca. 280 Seiten) Buch mitgenommen hat, in das Leben dieser drei Menschen. Und dass er sehr detailreich die damalige Zeit und verschiedene geschichtliche Ereignisse beschreibt. Dadurch wird das Buch für mich auch zu einer Art „lebendigen Geschichtsbuch“. Mehr als einmal möchte ich nachlesen, was genau die Hintergründe bestimmter Ereignisse, die im Buch angedeutet werden, waren. Die Sprache des Buches ist sehr angenehm zu lesen, ein Erzählton, der den Leser eben mitnimmt in die damalige Zeit. Was mir allerdings aufgefallen ist: das Buch konzentriert sich auf die Beschreibung der äußeren Lebensereignisse, Gedanken und Gefühle der Protagonisten spielen eine relativ geringe Rolle. Und auch die Beziehungen zu anderen Menschen werden nur am Rande erwähnt, so dass ich manchmal den Eindruck habe, die Personen wären relativ „beziehungslos“. Aber dadurch kommt für mich auch ein Hauptgedanke, dass das Leben entscheidend von äußeren Geschehnissen und Zufällen beeinflusst wird, umso deutlicher zum Ausdruck.

Nach der Lektüre bin ich mir recht sicher, dass ich auch noch andere Bücher von Capus lesen möchte und noch mehr über die für mich spannendste Person, den Physiker Felix Block, erfahren möchte.

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

freundschaft, familie, kanada, quebec, kindheit

Ich und Monsieur Roger

Marie-Renée Lavoie , Norma Cassau , Andreas Jandl
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 29.07.2013
ISBN 9783446243842
Genre: Romane

Rezension:

Hauptperson und Ich-Erzählerin des Buches ist die (zu Beginn des Buches) 8jährige Helene, die sich Joe nennt und sich als 10jährige ausgibt, um durch das Austragen von Zeitungen etwas zum Unterhalt ihrer (desolaten) Familie beizutragen. Sie erzählt aus ihrem Alltag, von ihren Eltern (der resoluten Mutter und dem trinkenden Vater), von ihren Geschwistern und von verschiedenen, z.T. recht skurrilen, Personen aus der Nachbarschaft. Eine von diesen Personen ist der neue Nachbar, der 80jährige Roger. Er verfügt über ein endloses Repertoire an Schimpfwörtern, aber hat auch jede Menge Tipps zum Umgang mit Krankheiten u.ä.. Zwischen den beiden, Helene und Roger, entwickelt sich im Laufe des Buches eine ganz besondere Freundschaft. Eine weitere „Ebene“ des Buches ist Helenes Lieblings-Fernsehserie, mit dessen Heldin sie sich immer wieder identifiziert. So ist manchmal auch nicht ganz klar, ob die Begebenheiten, die Helene beschreibt, wirklich so dramatisch sind, wie beschrieben oder sie diese –ähnlich wie in Fernsehserien üblich – besonders dramatisiert. Klar ist aber, dass ihr Alltag kein einfacher ist.

Das Buch gibt keinen umfassenden Einblick in das Leben von Helene und den anderen Hauptfiguren, so kommen bspw. der schulische Alltag und Freundschaften mit Gleichaltrigen allenfalls am Rande vor. Ich finde das etwas schade, da ich gern noch tiefer in das Leben von Helene eingetaucht wäre. Trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen. Seine Stärke sind für mich die vielen kleinen, manchmal tragischen und manchmal tragikkomischen, Situationen die geschildert werden. Witzig ist bspw. die Beschreibung des Systems, was sich Helen zurechtbastelt, um in ihrem neuen Job als Aushilfskellnerin bestehen zu können. Tragikkomisch die Beschreibung des Pralinenessens mit dem betrunkenen Vater, der sich danach an nichts mehr erinnern kann. So gibt es noch viele weitere Begebenheiten, die das Buch zu einem besonderen machen. Ebenso wie die besondere Sprache, die zwar für eine 8jährige deutlich zu hoch gestochen ist (oder welche 8-Jährige denkt Dinge wie „Sie betrieb eine Art Stimmungs-Photosynthese, dank derer die Atmosphäre einigermaßen gut zum Atmen wurde.“). Sie ist jedoch sehr angenehm zu lesen und von einem feinen Humor durchzogen, der z.T. in krassem Widerspruch steht zu den „derben“ Verhältnissen, die beschrieben werden.

Von mir bekommt das Buch runde 4 Sterne, weil es zum einen die genannten Stärken hat, ich mich aber andererseits über eine stringentere Handlung und umfassendere Beschreibungen der einzelnen Personen noch mehr gefreut hätte. In jedem Fall eine angenehme (Spät)Sommerlektüre, die sich angenehm von den üblichen Frauenromanen abhebt.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

new york, roaring twenties, klassiker, gesellschaftssatire, high society

Dämmerschlaf

Edith Wharton , Andrea Ott , Verena Lueken
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Manesse, 26.08.2013
ISBN 9783717521723
Genre: Romane

Rezension:

Bei dem Buch handelt es sich um eine Neuübersetzung des Buches „Twilight Sleep“ von Edith Wharton. Die Autorin lebte von 1862 bis 1937 und war selbst Teil der New Yorker Uperclass. Eben jener Gesellschaftsschicht, die sie in diesem Buch (und einer Vielzahl weiterer) beschreibt. In diesem Buch gibt sie einen Einblick in das Leben der Familie Manford. Als Leser taucht man ein in den Alltag von Pauline, die einen so minutiös durchgetakteten Tagesplan hat, dass selbst ihre Tochter Nona für ein Gespräch mit ihrer Mutter einen Termin vereinbaren muss. Weitere Hauptfiguren sind Nonas geliebter Halbbruder Jim und dessen Frau Lita sowie die Väter von Nona und Jim. Das ist zum einen der Ex-Mann von Pauline, Arthur Wyant, den Pauline verlassen hat und zum anderen ihr aktueller Ehemann, der Scheidungsanwalt Dexter Manford. Der durchgetaktete Tagesplan von Pauline scheint gefüllt von mehr oder weniger belanglosen, aber für sie unglaublich wichtigen Terminen. Diese zwanghafte Geschäftigkeit, die man manchmal für ein besonderes Merkmal der heutigen (von Smartphone u.ä. geprägten) Zeit hält, gab es also auch schon im New York der 1920er Jahre. Und auch Lita, die von all dem nur unendlich gelangweilt scheint und andere Abwechslung sucht, scheint ein ganz und gar moderner Charakter.

Das Buch ist in einer klaren, aber sehr detailliert beschreibenden, Sprache verfasst. Die erste Hälfte des Buches konzentriert sich meines Erachtens recht stark darauf, ein Bild von den handelnden Personen zu zeichnen. Der Verlauf der Handlung erschien mir teilweise etwas zäh, aber die detaillierte Beschreibung en vieler Alltagsausschnitte (etwa Paulines Anti-Frustrations-Sitzungen, die mich unweigerlich an den aktuellen Yoga-Trend denken ließen) machen auch diesen Teil sehr lesenswert. Im zweiten Teil nahm die Handlung jedenfalls für mein Empfinden spürbar an Fahrt auf und ich folgte mit großem Interesse dem auf vielfache Weise verwobenen Schicksal der verschiedenen Personen. Dabei habe ich wegen der genauen Charakterisierung der Personen, der detaillierten Beschreibung der Situationen und der zahlreichen, sehr gelungenen, Dialoge immer wieder daran gedacht, dass dieses Buch wohl auch hervorragend in ein Theaterstück umzusetzen wäre. Ich hätte jedenfalls große Lust ein solches anzuschauen, gerade auch wegen der zahlreichen Parallelen die man zur „Jetzt-Zeit“ finden kann.

Und auch wenn ich Bücher nicht primär nach ihren äußeren Werten beurteile: die tolle Ausstattung (leinengebunden und mit Lesebändchen) sowie ein interessantes Nachwort und eine Erläuterung zum Titel der Neuübersetzung haben hier durchaus zum Lesegenuss beigetragen.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

Kochen ist die beste Medizin

Susanne Vössing , Bettina Snowdon , Hubertus Schüler , Justyna Krzyzanowska
Buch: 328 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 18.09.2014
ISBN 9783954530373
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Buch der (ehemals) jüngsten Sterneköchin Su Vössing ist halb Gesundheitsratgeber und halb Kochbuch, aber nach meiner Einschätzung beides nicht so richtig. Natürlich hat die Autorin recht, wenn sie schreibt, dass gute Ernährung ein wichtiger Baustein für allgemeines Wohlbefinden ist. Und sicher stimmt es auch, dass je nach Beschwerdebild andere Lebensmittel und Speisen besonders gut oder eben eher kontraproduktiv sind.
Trotzdem frage ich mich, an welche Zielgruppe sich das Buch eigentlich wendet. Nach einer kurzen allgemeinen Einleitung zu gesunder Ernährung werden auf immerhin 100 Seiten insgesamt 11 Beschwerdebilder beschrieben und dafür jeweils Ernährungshinweise gegeben. Dabei ist die Beschreibung eher oberflächlich, so dass jemand der unter einem der Beschwerden leidet, vermutlich nicht genügend Informationen erhält. Andererseits dürfte es (hoffentlich) nur wenige Menschen geben, die mehr als 2 der Beschwerdebilder zeigen, so dass dann eben ein Großteil der Informationen weniger interessant ist. Vermutlich hätte mir das Buch besser gefallen, wenn im Hauptteil ausführlicher die Grundsätze gesunder Ernährung dargestellt worden wären und dann z.B. nur in kurzen Exkursen auf die unterschiedliche Beschwerdebilder eingegangen worden wäre.
Noch gravierender finde ich, dass die enthaltenen Informationen z.T. widersprüchlich erscheinen, z.B. wenn es auf S. 34 heißt: „Servieren Sie auch öfters mal Hülsenfürchte (doch nicht unbedingt zu eisenreichen Lebensmitteln, da Hülsenfrüchte hemmend auf die Eisenaufnahme wirken).“ und einige Zeilen weiter „Besonders Linsen und Mungobohnen haben einen grandiosen Eisengehalt, aber auch andere Hülsenfrüchte haben in dieser Hinsicht etwas zu bieten“. Auch sprachlich überzeugt mich das Buch nicht. Formulierungen wie „Auch abends dürfen Sie sich an Vollkorn laben…“ oder „Wenn Sie sich gern mal eine Dose Thunfisch aufmachen…“ passen eher zu einem Verkaufssender, bei dem die Autorin auch tätig ist, und weniger in einen sachlichen Gesundheitsratgeber.
Nach der Vorstellung der Beschwerdebilder folgt ein kurzes Kapitel „Der 6-Wochen-Plan“, das jedoch, statt eines konkreten Plans, eher allgemeinen Hinweise für eine Ernährungsumstellung enthält. Danach folgen ab S. 132 endlich die Rezepte, die schlicht alphabetisch geordnet sind. Eine andere Einteilung wäre bei der großen Bandbreite an Rezepten (die bei mir auch etwas den Eindruck der Beliebigkeit weckt) auch kaum sinnvoll gewesen. Der Schwierigkeitsgrad der Rezepte reicht von einfacheren Rezepten wie z.B. „Hähnchenbrust mit Ananas und Basilikum zu feinen Nudeln“ bis zu aufwendigeren wie „Spinat-Quark-Nocken mit Schichtgemüsen und leichter Sojacreme“. Ausprobiert haben wir bisher erst ein Rezept, nämlich Bulgogi vom Rind, da wir gern koreanisch essen. Dabei fiel auf, dass die Rezeptbeschreibung nicht allzu präzise ist, z.B. fehlte ein Hinweis auf die Gardauer des Fleisches. Für Kochanfänger ist das Buch daher weniger geeignet. Zu jedem der Rezepte gibt ein ganzseitiges Foto – die Fotos sind sehr ansprechend gestaltet. Insgesamt ist die Ausstattung des Buches gelungen und sehr hochwertig.
Es gibt noch eine Hand voll weitere Rezepte, die wir sicher noch ausprobieren werden, aber eben nicht so viele, dass das Buch einen dauerhaften Platz in unserem Kochbuchregal bekommt.

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73 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

historischer roman, familie, natur, tahiti, amerika

Das Wesen der Dinge und der Liebe

Elizabeth Gilbert , Tanja Handels , Sabine Schwenk
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 10.11.2014
ISBN 9783833309892
Genre: Historische Romane

Rezension:

Um es vorweg zu nehmen: das 700-Seiten Buch ist für mich eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Elizabeth Gilbert, die ich schon als Autorin von Eat, Pray, Love kenne, widmet sich hier einem gänzlich anderen Thema. Sie erzählt die Geschichte von Alma, die im Jahre 1800 geboren wird. Ihr Vater ist durch ein botanisches Unternehmen zu großem Wohlstand gekommen und Alma wächst in einem für eine Frau der damaligen Zeit gänzlich ungewöhnlichen Umfeld auf. Von früher Kindheit erhält sie eine umfassende Bildung und hat Kontakt zu verschiedenen Persönlichkeiten, die in ihrem Elternhaus zu Besuch sind. So überrascht es kaum, dass sie selbst zu einer anerkannten Botanikerin wird. Doch so erfolgreich sie in diesem Bereich ist, so unerfüllt bleibt (zunächst) ihre Sehnsucht nach der großen Liebe und körperlicher Zärtlichkeit. Die weitere Handlung, die noch einige Überraschungen bereithält, möchte ich hier nicht vorwegnehmen um andere Lesern nicht den Lesegenuss zu trüben.

Ich jedenfalls war von der Geschichte ganz und gar gefesselt und habe mich immer sehr auf die abendliche Lektüre gefreut (zum Unterwegslesen ist das Buch aufgrund seines Umfangs leider nicht wirklich geeignet). Zu verdanken ist dies vor allem der fesselnden, aber keineswegs trivialen, Sprache der Autorin. Und der Tatsache, dass sie neben der ganz persönlichen Geschichte von Alma, auch zahlreiche Bezüge zu zeitgeschichtlichen Themen (etwa der Frage der Rassendiskriminierung, aber auch der Entwicklung der Naturwissenschaften) in diesen großartigen Roman eingeflochten hat. So kommt man als Leser der damaligen Zeit sehr nahe und hat den Eindruck, dass Alma auch eine reale Person gewesen sein könnte (was sie aber wohl nicht war).

Ein absolutes Must-Read für Fans opulenter Romane!

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160 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

weltreise, reise, walz, reisen, reisebericht

Journeyman: 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs

Fabian Sixtus Körner
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 11.11.2013
ISBN 9783864930140
Genre: Biografien

Rezension:

Ich mag Reiseberichte. Weil sie einen mitnehmen ins Leben eines Anderen (des Reisenden) und in andere - mehr oder weniger ferne – Welten. Zur Zeit scheinen Weltreisen in Mode; kurz bevor ich Journeyman gelsen habe, habe ich Maike Winnemuth auf ihrer Weltreise begleitet. Diese stand allerdings unter ganz anderen Vorzeichen als jene von „Journeyman“ Fabian Sixtus Körner. Während Frau Winnemuth eine halbe Million bei „Wer wird Millionär?“ gewonnen hat, die sie zu ihrer Reise veranlassten, versucht der Autor dieses Buches mit minimalen Mitteln (zu Beginn hat er ganze EUR 255 auf seinem Konto) um die Welt zu kommen.

Dies gelingt, da er an den verschiedenen Orten, die er bereist, für Kost und Logis arbeitet. Er kommt so häufig in engen Kontakt mit den Menschen an den bereisten Orten (auch wenn diese Menschen oft nicht repräsentativ für die Orte sind, die er bereist). Der Leser ist dabei „hautnah“ dabei, denn Fabian Sixtus Körner schildert anschaulich seinen Alltag, die Höhe- und Tiefpunkte seiner Reise. Gelegentlich bekommt man auch einen Eindruck in sein Gefühlsleben, etwa als er von der Trennung seiner Freundin berichtet. Tragikomisch auch die Beschreibung einer wahren „Rallye“ nach der Pille danach nach einem One-Night-Stand.

Ich habe das sehr lebendig geschriebene Buch sehr gern gelesen. Lieber als jenes von Maike Winnemuth, weil es mich irgendwie „tiefer“ hat eintauchen lassen in die bereisten Orte.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

backen, backbuch, süßes, cheesecake mit ziegenkäse, pie fries mit apfelmus

Zucker, Zimt und Liebe

Virginia Horstmann , Virginia Horstmann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hölker Verlag, 01.01.2014
ISBN 9783881179102
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich backe sehr gern und habe bereits so viele Backbücher, dass ich feststellen muss: meine „Lebensbackzeit“ wird nicht ausreichen, um auch nur einen Bruchteil der Rezepte zu backen (zumal man ja das eine oder andere Lieblingsrezept hat, dass immer wieder gebacken werden will). Trotzdem interessiere ich mich für die Neuerscheinungen auf dem Backbuch-Markt. Und gerade in den letzten Jahren gab es eine ganze Reihe von wirklich toll gestalteten Backbüchern mit jeder Menge interessanter Rezepte, manchmal Klassiker modernisiert und manchmal neue Trends, besonders aus dem angloamerikanischen Raum (Cupcakes, Whoopie Pies, Cake Pops… um nur einige zu nennen). Ein anderer Trend sind Koch- und Backbücher von Foodblog-Autoren (hier mag ich besonders das Buch Delicious Days von der Autorin des gleichnamigen Blogs). Nun also ein Backbuch, dessen Titel ebenfalls dem Blog-Namen entspricht: Zucker, Zimt und Liebe. Geschrieben von der Blog-Autorin Virginia Horstmann.

Alle drei Komponenten – Zucker , Zimt und Liebe - sind in dem Buch bzw. den Rezepten reichlich enthalten. Es besteht aus 5 Kapiteln (Kleine Sünden, Für den Kuchenteller, Aus der Keksdose, Französische Tartes & American Pies und Im Schokoladenhimmel). Über diese Kapitel verteilt gibt es insgesamt 76 Rezepte, die sich überwiegend recht schnell und ohne allzu exotische Zutaten umsetzen lassen. Die Gestaltung des Buches ist wirklich wunderschön. Jedes Rezept wird auf einer Doppelseite mit Text und ganzseitigem Foto dargestellt. Als kleines Manko empfinde ich jedoch, dass es außer einem recht persönlichen Vorwort kein einleitendes Kapitel mit grundlegend Tipps und Hinweisen gibt. Natürlich kann nicht jedes Backbuch ein Grundlagenbuch sein. Aber da sich das Buch explizit an Homebacker ohne „Patisserie-Diplom“ wendet, wären ein paar grundlegende Hinweise (z.B. Angaben zur Größe der verwendeten Eier, Hinweise zur Möglichkeit Mehlsorten oder Süssungsmittel zu variieren oder Tipps und Tricks für Standardteige) schön gewesen.

Nun aber zum wichtigsten an einem Backbuch, den Rezepten. Die Rezepte sind recht einfach gehalten, viele haben aber einen spannenden „Twist“ (z.B. Schoko-Shortbread mit Vanille-Salz). Die Rezeptbeschreibungen sind überwiegend klar und sachlich. Die darin enthaltenen persönlichen Kommentar finde ich sehr schön. Manche Mengenangaben erscheinen mir etwas merkwürdig (dazu unten mehr) und manche Zubereitungshinweise etwas fragwürdig. Z.B. irritiert bei dem Rezept für die Pasteis de Nata, dass ich die Blätterteigrolle nicht aufrollen sondern gleich in Scheiben schneiden soll. Zumindest bei meiner Blätterteig-„Marke“ wären die süßen Teilchen dann mit Backpapier durchzogen. ..

Ich habe bisher (leider erst) 4 Rezepte getestet. Essbar waren alle, wieder backen würde ich wohl zwei und recht begeistert war ich schließlich von nur einem. Mein erster Backversuch waren die Galettes des Rois. Die Füllung fand ich sehr lecker, aber mit dem Rezept hatte ich so meine Probleme. Ich hatte viel zu viel Füllung für den verwendeten Teig und die Angabe „großzügig die Mandelpaste daraufgeben“ war mir schlich zu ungenau. Eine Angabe in Esslöffeln, ein Hinweis ob flachgedrückt oder geschichtet? Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht, denn ich hatte nicht nur viel Füllung übrig, sondern auch das Problem dass aus diversen Teilchen die Füllung auslief obwohl ich meine die Teilchen recht sorgfältig verschlossen zu haben. Deutlich erfreulicher war der Versuch mit den Mohn-Vanille-Küchlein aus dem gleichen Kapitel. Ich habe diese in Muffinformen gebacken. Die Mengenangabe war passend und die Konsistenz der Teilchen wirklich super. Auch der Geschmack war recht gut, aber die Mohnmenge meines Erachtens viel zu gering (ich habe zwar die doppelte Menge genommen, aber trotzdem schien der Mohn eher optische als geschmackliche Akzente zu setzen). Fazit: das Rezept gibt es wieder, aber mit deutlich mehr Mohn. Nächstes Testobjekt war der Apfel-Schokoladen-Kuchen aus dem Schokokapitel. Geschmacklich prima, ganz so euphorisch wie die Autorin, die den Kuchen zum neuen Lieblingsapfel und Lieblingsschokokuchen kürt, bin ich aber nicht. Außerdem hatte ich auch hier wieder leichte Mengenprobleme: die Masse passte nur sehr knapp in die angegebene 20cm Form. Ein ähnliches Problem hatte ich aber auch schon mit einem anderen Rezept aus dem Blog. Möglicherweise ist meine (eigentlich Standard-) Form zu niedrig? Für meinen vorerst letzten Versuch – Jeannys Lieblingsmadeleines – habe ich mir extra eine Madeleines-Form zugelegt. Nun, vielleicht bin ich einfach kein Madeleines-Fan, aber ich empfand den Geschmack als relativ langweilig.

Trotz dieser etwas durchwachsenen Rezeptkritik: das Buch enthält noch viele Rezepte, die ich sehr gern nachbacken würde (aber s.o. – das Lebensbackzeitproblem und nun erstmal die Rezensionsfrist;-)). Deswegen und wegen der wirklich wunderschönen Aufmachung vergebe ich sehr gute 4 Sterne. Und freue mich auf das nächste Backbuch, dass es hoffentlich ganz bald bei Vorablesen geben wird!

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35 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

tourette, touretteshero, sachbuch, tourette;, behinderung

Sechs Millionen Kekse im Jahr

Jessica Thom , Cathrine Hornung ,
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Hogrefe, vorm. Verlag Hans Huber, 09.04.2014
ISBN 9783456853680
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sechs Millionen Kekse im Jahr lautet der außergewöhnliche Titel des Buches in dem die Autorin Jessica Thom aus ihrem außergewöhnlichen Leben erzählt, ein Leben mit Tourette. Es gibt eine Reihe von Büchern von und über Menschen mit (Asperger)-Autismus, aber dies ist das erste Sachbuch von einem Menschen mit Tourette geschriebene Buch, das ich kenne.

Nach einem sehr liebevollen Vorwort von Stephen Fry nimmt Jessica Thom den Leser mit in ihren Alltag. Das Buch ist nach Monaten unterteilt und jedes Kapitel beginnt mit einer Zeichnung der Autorin. Sie bezeichnet sich selbst als „Touretteshero“ und hat eine gleichnamige Organisation gegründet. In dem Buch, das aus einem Weblog entstanden ist, schildert sie ihren stark von Tourette beeinflussten Alltag und erzählt von den Menschen, die ihr wichtig sind und denen sie Tourette-bedingt ganz spezielle Spitznamen gegeben hat (Leftwing Idiot und Fat Sister z.B.). Die Schilderungen sind sachlich, oft humorvoll, aber manchmal auch sehr bitter. Zum Beispiel dann, wenn Menschen, von denen man eigentlich Unterstützung erwartet (Mitarbeitern der Verkehrsgesellschaft und Polizisten) besonders ablehnend auf Jessica und die Symptome ihrer Krankheit reagieren. Das macht sie – zu Recht – manchmal wütend, traurig und vor allem hilflos. Denn sie kann ihr Tourette-Syndrom nicht einfach „abstellen“ und so gehören eben tic-artige Bewegungen und unkontrolliertes Fluchen zu ihrer Person.

Umso beeindruckender ist, wie Jessica trotz dieser Einschränkungen ihren Alltag meistert, einem Beruf nachgeht und in eine neue Wohnung zieht, die besser für ihre Bedürfnisse geeignet ist, als die vorherige. In dem Buch erfährt man viel aus ihrem Alltag und „nebenbei“ auch einiges über das Tourette-Syndrom. Da Jessica ihren Alltag zum Teil durch Tonbandmitschnitte aufzeichnet, gibt sie auch immer wieder Kostproben von den (unkontrollierten) Wortsalven, die aus ihre herausbrechen. Anders als andere Rezensenten finde ich das keineswegs störend, sondern sehr interessant, auch weil noch ziemlich unerforscht ist, wie es zu diesen verbalen Ausbrüchen kommt.

Am Ende des Buches gibt es ein kurzes Kapitel, in denen die wichtigsten Fragen zu Tourette beantwortet werden und auch Adressen von Interessenverbänden angegeben sind.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, da man einerseits viel über das Leben mit Tourette erfährt, es andererseits aber auch sehr humorvoll geschrieben.

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desserts, kochbuch, dessert, nachtisc, nachspeisen

Lieblingsdesserts

Janneke Philippi
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Matthaes Verlag, 01.10.2014
ISBN 9783875154009
Genre: Sachbücher

Rezension:

Seit ein paar Wochen liegt das Buch „Lieblingsdesserts“ von Janneke Philippi bei mir abwechselnd im Wohnzimmer, der Küche oder gar dem Schlafzimmer. Und das liegt nicht nur daran, dass ich wegen der beachtlichen Größe (Format deutlich größer als A4) noch keinen passenden Platz für das Buch im Bücherregal gefunden habe, sondern vor allem daran, dass ich mich immer wieder durch die Rezepte und tollen Bilder blättere und eben auch koche bzw. backe.

Erschienen ist das Buch im Matthaes-Verlag, ein Verlag, in dem auch diverse gastronomische Fachbücher publiziert werden. In meinem Koch- und Backbuchregal gibt es bisher nur ein Buch aus diesem Verlag, ein Backbuch von Bernd Siefert. Auch dieses Buch ist inhaltlich und von der Ausstattung ähnlich überzeugend wie „Lieblingsdesserts“. Also zurück zu diesem…
Gegliedert ist das Buch in insgesamt 17 Kapital, die z.T. einer (Haupt-)zutat (darunter Standards wie Schokolade aber auch exotischeres, z. B. Kräuter), z.T. aber auch einfach einer Zubereitungsart (z.B. Puddings oder Gefrorenes) gewidmet sind. Die Anzahl der Rezepte je Kapitel variiert, recht umfangreich ist z.B. das Schokoladenkapitel mit mehr als 15 Rezepten. Allen Kapiteln gemein ist, dass es neben jeder Menge toller Rezept auch super schöne Fotos, oft mit einem individuellen Touch gibt. Ich hätte mich auch über eine noch etwas individuellere Note, etwa persönliche Vor- oder Anmerkungen zu einigen Rezepten gefreut. Aber auch ohne dieses hat mich das Buch total überzeugt.

Das liegt zum einen daran, dass wirklich jedes der bisher probierten Rezepte super gelungen ist und klasse geschmeckt hat. Zum anderen begeistert mich (als berufstätige Mutter eines Kleinkindes), dass viele Rezepte schnell zuzubereiten sind und ohne allzu exotische Zutaten auskommen. So habe ich auch schon 2 neue „schnelle“ Lieblingsrezepte gefunden, die ich inzwischen schon mehrfach gemacht habe: die Schokoladen-Rosmarin-Creme und Frische Zitronenmousse (auch in der Abwandlung mit Grapefruit)
Dank dieses Buches, das mir in meiner Kochbuchsammlung wirklich noch gefehlt hat, wird es künftig wohl öfter als bisher einen „süßen“ Menüabschluss geben. Vielen Dank an Vorablesen – ohne euch wäre mir dieser Schatz wahrscheinlich entgangen.

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kochbuch, österreichische küche, rezepte, bernie rieder, kochen

Österreichische Küche

Bernie Rieder
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 03.11.2014
ISBN 9783991001270
Genre: Sachbücher

Rezension:

Um es vorweg zu nehmen: Bernie Rieders „Österreichische Küche“ bekommt von mir 4 Sterne, obwohl sie – rein objektiv – wohl 5 verdient hätte. Aber Buchrezensionen sind nun mal nicht objektiv & das ist auch gut so.
Zunächst zu dem, was toll ist an dem Buch: Auf über 400 Seiten finden sich jede Menge Rezepte, darunter Klassiker der Österreichischen Küche, aber auch viele „Neuheiten“, die z.B. von asiatischen oder italienischen Einflüssen inspiriert sind. Aufgeteilt sind die Rezepte in 13 Kapitel von Vorspeisen über Salate, viel Gemüse, aber natürlich auch Hendl und Rind bis zum Süßen. Zu wirklich allen Rezepten gibt es Fotos (zu diesen später mehr) und die Rezeptbeschreibungen sind knapp, aber übersichtlich und ausreichend. Wirklich toll ist die Vielseitigkeit der Rezepte, so gibt es bei den Vorspeisen im Abschnitt „Carpaccio“ nicht nur das klassische Rindercarpaccio, sondern auch Rote Rüben-Carpaccio mit Ziegenkäse und Walnüssen. Beeindruckend auch das Salat-Kapitel, in dem es bei einer überschaubaren Anzahl an Grundrezepten jede Menge spannende Varianten gibt, z.B. verschiedenste Kartoffel… eh, pardon, wir sind in Österreich… Erdäpfel- und Gurkensalatrezepte. Auch das Gemüsekapitel überzeugt mich als 90%-Vegetarier sehr.
Nachgekocht habe ich bisher erst 2 Rezepte: sowohl die Herbstliche Kürbis-Orangen-Suppe mit Chili als auch der Gurkensalat mit Jamaika-Joghurt Maracuja waren überzeugende Bereicherungen unseres weihnachtlichen Speiseplans, beide bei überschaubarem Aufwand.
Zusammengefasst: die Idee und die Rezepte des Buches sind wirklich toll. Warum trotzdem „nur“ 4 Sterne? Nun, weil das Buch gestalterisch leider nicht ganz auf meiner Wellenlänge liegt. Insgesamt sehr modern, ein wenig erinnert es mich an Tim Mälzer-Bücher. Sehr knallige Farben, zum Teil „verwaschene“ Schrift bei den Überschriften und auch die eigentlich tollen Fotos überzeugen mich nicht immer. Wie erwähnt, rein subjektiv… Sicher hat der Stil auch seine Liebhaber. Ich mag es etwas klassischer oder zumindest reduzierter und finde die Vorstellung interessant, wie wohl meine Urenkel ein solches Buch in 50 Jahren betrachten würden (ich selbst finde meine „Wiener Küche“ aus dem Jahr 1906 jedenfalls immer noch toll).

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vegetarisch, kochen, österreich, mittagessen, backen

Eschi Fieges Mittagstisch

Eschi Fiege , Vanessa Maas , Vanessa Maas
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Brandstätter Verlag, 01.09.2014
ISBN 9783850336536
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie alle meine bisherigen Kochbücher aus dem Brandstätter Verlag ist das Buch sehr hochwertig ausgestattet. Es verfügt – statt eines Schutzumschlages, der bei Kochbüchern ohnehin nur stört – über einen schönen Leineneinband mit einer Papierbanderole, die einem Tischtuch bzw. Platzsetz nachempfunden ist. Außerdem sind alle Rezepte (dazu gleich mehr) wunderschön bebildert.

Nun aber zum Inhalt: Die Autorin kocht regelmäßig für Freunde und deren Freunde zu Hause ein dreigängiges Mittagsmenü. 25 dieser Menüs stellt sie in ihrem Buch vor. Bereits im  Vorwort erzählt Eschi Fiege mitreisend von ihrer Begeisterung für das Mittagessen „Eigentlich würde ich gerne alle Menschen zu einer täglichen Mittagspause verpflichten. Im Ernst! Ich glaube, dass ein wenig Entspannung, etwas Ruhe und Gelassenheit, die gemeinsames Essen mit sich bringt, in der wilden Betriebsamkeit unseres modernen Lebens, Platz schaffen für ein wenig mehr Achtsamkeit und Lebensfreude.“.

Da hat sie recht und auch bei anderen Aussagen muss ich bestätigend nicken, z.B. wenn sie schreibt: „Ich koche vegetarisch, weil ich wissen wollte, wie weit Gemüseküche gehen kann. Bunt, lebensfroh und leidenschaftlich sollte sie sein, und so schmecken, dass einem nichts fehlt.“

Die Gliederung des Rezeptteils folgt der klassischen Menüfolge, also Vorspeisen, Hauptspeisen und Nachspeisen. Die Rezepte sind recht vielfältig, gehen aber eher in Richtung „vegetarische Hausmannskost“. Obwohl zahlreiche Rezepte als vegan gekennzeichnet sind, wird auf Tofu, Pflanzenmilch u.ä. Ersatzprodukte erfreulicherweise gänzlich verzichtet. Auch exotischere Zutaten werden nur vereinzelt verwendet, so dass man nicht zwingend wie die Autorin den Naschmarkt vor der Tür haben muss, um die Zutaten zu beschaffen. Die Rezeptbeschreibungen sind klar verständlich, aber nicht unbedingt für absolute Anfänger geeignet, da gewisse Grundkenntnisse vorausgesetzt werden. Gelegentlich macht die Autorin auch ein paar persönliche Bemerkungen, etwa beim Mousse au Chocolat, wo es heißt („4 – 6 Portionen (außer ich bin dabei, dann reicht es nur für 3.)“. 

Natürlich bewerte ich kein Kochbuch ohne nicht zumindest ein paar Rezepte ausprobiert zu haben. Für ein ganzes Menü hat es leider noch nicht gereicht, aber die beiden getesteten Vorspeisen (Erbsensuppe mit Ingwer, Minze und Blätterteigstangen sowie Schmortomaten-Burschetta mit Ziegenkäse) überzeugten ebenso wie das probierte Hauptgericht (Kartoffelgulasch), bei dem ich lediglich die Menge der Sauren Sahne drastisch reduziert habe. Ich freue mich jedenfalls darauf, noch viele weitere Rezepte und bald auch ein erstes „Menü“ auszuprobieren. Und dass es diese bei uns eher am Abend als zu Mittag gibt, billigt die Autorin zum Glück gleich zu Beginn ihres Buches.

Zwischen den Rezepten und Fotos finden sich ein paar Koch- und Küchentipps, z.B. eine Seiten zum richtigen Würzen mit der sympathischen Überschrift „Assistent Nase“. Den Abschluss bildet das Register, in dem die Rezepte aller 25 Menüs aufgeführt sind. Die hierbei verwendeten unterschiedlichen Schriftarten, die wohl an „Menükarten“ erinnern sollen, sind sicher Geschmackssache. Mich irritieren sie eher. Aber das ist ein wirklich kleines Manko bei einem Buch, das insgesamt sehr überzeugend ist. Daher von mir klare 5 Sterne.

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