himbeerbel

himbeerbels Bibliothek

458 Bücher, 25 Rezensionen

Zu himbeerbels Profil
Filtern nach
458 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Im Netz der Spinne

Nikki Owen , Antonia Noris
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.05.2016
ISBN 9783442483297
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(128)

244 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 84 Rezensionen

stalker, stalking, thriller, you, caroline kepnes

YOU - Du wirst mich lieben

Caroline Kepnes , Katrin Reichardt
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei INK, 07.05.2015
ISBN 9783863960797
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Als die Studentin Beck die Buchhandlung betritt, in der Joe arbeitet, ist er augenblicklich besessen von ihr. Da sie ihren Einkauf mit der Kreditkarte bezahlt, googelt und stalkt er sie virtuell und auch im wirklichen Leben. Als er schließlich ihr Handy an sich bringen kann, überwacht er auch ihre eMails und Socialmedia-Kontakte. Er inszeniert und manipuliert und bald kann Beck gar nicht mehr anders, als sich in den seltsamen, aber irgendwie charismatischen Typen zu verlieben, der wie für sie gemacht zu sein scheint. Joe räumt derweil jedes mögliche Hindernis aus dem Weg, das sich zwischen ihn und Beck drängt.

Hierbei handelt es sich nicht um einen typischen Stalker-Roman, bei dem beispielsweise der eine Ex-Partner nicht vom anderen lassen kann. Sondern wir erleben diesen Roman aus der Sicht und Denkweise des psychisch hochgradig gestörten Joe. Sein einziger Lebensinhalt neben seiner Arbeit darin besteht, eine überstarke Besessenheit für junge Frauen zu entwickeln, diese zu stalken um sie bis ins kleinste Detail kennenzulernen, damit er sie manipulativ für sich gewinnen kann.

Als Leser erlebt man alle Personen und durchlebt die Handlung einzig und allein in der Ich-Perspektive aus dem Blickwinkel von Joes Besessenheit. Sein Denken kreist unentwegt um das Objekt seiner Begierde und jede noch so kleine Kleinigkeit deutet er so, wie es gerade für ihn und seine teils völlig verklärte und manchmal rüde obszöne Gedankenwelt passt. So zieht er für sich völlig logische Schlussfolgerungen, die man als Leser teilweise nachvollziehen kann und doch gleichzeitig den Kopf schüttelt. Es war für mich befremdlich, dass ich darum auch diesen Stalker „verstehen“ konnte oder manchmal über seine Art von Humor schmunzeln musste.

Und genau das machte diesen Roman für mich aus, auch wenn schnell fest stand, dass dieser Protagonist äußerst gefährlich und verabscheuungswürdig ist. Die Autorin hat es geschafft, dass ich der von mir hochgradig verhassten Figur eines Stalkers ein gewisses Maß des Verstehens aufbringen konnte, das ich keinesfalls Verständnis nennen möchte. Diese Grundspannung erzeugte für mich einen unwiderstehlichen Sog, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Die Entwicklung und das Ende wurden ab einem gewissen Punkt vorhersehbar, was mich allerdings nicht enttäuschte, sondern letztlich nur eine logische Konsequenz im Handlungsverlauf war.

Mit "Hidden Bodies – Ich werde dich finden" hat Caroline Kepnes bereits im Juni 2016 eine Fortsetzung zu diesem Buch veröffentlicht, die ich in Kürze lesen werde.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kalter krieg, sibirische steppe, sprachgenie, russisches forschungslabor, mikrobiologie

Der Rabe

Lionel Davidson , Walter Ahlers , Christian Spiel
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penguin, 12.09.2016
ISBN 9783328100027
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


„Inmitten der sibirischen Steppe liegt ein Geheimnis begraben, von dem nur eine Handvoll Menschen wissen: ein unterirdisches russisches Forschungslabor. Offiziell existiert es nicht, und wer einmal dort ist, wird es nie wieder verlassen. Doch der Biologe Rogatschow weiß, dass das, was dort geschieht, nicht im Eis verborgen bleiben darf. Er schickt einen verschlüsselten Hilferuf an den einen Mann, der die Wahrheit ans Licht bringen kann: Dr. Johnny Porter, eigenwilliger Einzelgänger indianischer Abstammung, Mikrobiologe und Sprachgenie, begibt sich auf die lebensgefährliche Mission nach Sibirien.“

So lautet der Klappentext, den ich hier komplett zitiere und der mich innerlich auf einen Thriller eingestimmt hat, der in der nahen Gegenwart spielt und von dem ich mir erhofft hatte, dass er mir eine spannende Geschichte über ein ominöses gefährliches unterirdisches Forschungslabor erzählen würde. Stattdessen wurde jedoch die lebensgefährliche abenteuerliche Geschichte von Johnny Porter erzählt, der sich zur Zeit des kalten Krieges auf den Weg macht, um die Geheimnisse dieses Forschungslabors ans Tageslicht zu bringen.

Der Schreibstil ist flüssig und schnörkellos. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um seinen Protagonisten darzustellen, ihn planen und handeln zu lassen. Das sorgt zwar stellenweise dafür, dass sich die Handlung zieht und man dem Buch die Bezeichnung Thriller aberkennen möchte, aber letztlich sorgt auch diese Genauigkeit in dem Aufbau des Charakters dafür, dass man ihm seine Taten schließlich auch zutraut. Alles ist logisch durchdacht und immer wieder gerät man darüber ins Staunen, wie ausgefeilt die Pläne des Protagonisten sind und wie wohl überlegt er zu jeder Zeit handelt.

Und doch habe ich während des Lesens immer der im Prolog kurz erwähnten Forschungsstation entgegen gefiebert. Nach knapp 2/3 des Buches war es schließlich so weit, aber dieser Teil wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren und war letztlich von diesem Teil der Geschichte eher enttäuscht.

Gegen Ende nimmt dieser Thriller dann allerdings nochmal richtig Fahrt auf und mündet in einem runden schlüssigen Ende, bei dem keine Fragen mehr offen bleiben. Obwohl mir das Buch letztlich nicht die Geschichte geliefert hat, die ich ursprünglich erwartet hatte, konnte es mich dennoch überzeugen und ich habe es trotz einiger Längen gerne gelesen.

Wer einen gut durchdachten und abenteuerlichen Thriller in Agenten-Manier lesen möchte, dessen Schauplatz überwiegend im eisig kalten Sibirien zur Zeit des kalten Krieges spielt, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

31 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

europa, reisebericht, china, chinesen, kultur

Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Christoph Rehage
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei MALIK, 17.10.2016
ISBN 9783890294353
Genre: Sachbücher

Rezension:


Christoph Rehage spricht fließend Mandarin und hat bereits einige Jahre in China gelebt, als er sich einer chinesischen Reisegruppe anschließt, um mit ihr gemeinsam auf eine vierzehntägige Busreise durch Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich zu gehen. Dabei will er herausfinden, was die Chinesen wirklich über Europa und seine Bewohner denken.

Das eher schlicht gehaltene Buchcover wirkt durch seinen Buchtitel, der auch gleich vermuten lässt, dass es in dieser Reisegruppe auch etwas zum Lachen geben wird. Beim Aufklappen sind am Anfang und am Ende des Buches insgesamt 16 Reise-Schnappschüsse zu entdecken, die vom Autor während der Tour gemacht wurden. Leider vermisse ich die Bilder der in der Schweiz auf dem Berg springenden Reisegruppe, aber das wird ja immerhin in schwarz-weiß auf dem Buchcover angedeutet und lässt mich im nachhinein noch schmunzeln.

Wie leicht es sich doch als Europäer reist, wurde mir erst beim Lesen dieses Buches wieder einmal bewusst. Chinesische Reisewillige müssen kurios wirkende Klauseln in ihren Vertragsunterlagen unterschreiben und Kautionen zahlen oder Bürgschaften vor Reiseantritt hinterlegen, wenn sie denn überhaupt ausreisen dürfen. Auch erfährt man manches über die chinesische Mentalität und natürlich wird auch das ein oder andere Klischee bedient. Hingegen kommen aus chinesischer Sicht einige europäische Verhaltensweisen eigenartig daher. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und angenehm zu lesen. Vergleiche oder Kritik an den unterschiedlichen Systemen oder der Lebensart erfolgen mit angenehmem Humor. Es wird lediglich die Andersartigkeit herausgestellt und nicht beurteilt, was nun besser oder schlechter ist.

„Aber wer einmal das verzerrte Gesicht eines Chinesen beim Verkosten von Lakritze gesehen hatte, der durfte sich wirklich gerächt fühlen. Gerächt für jeden Hühnerfuß, für jedes Entengedärm und für jedes Fischauge, mit dem er in China gequält worden war.“ (S. 84)

Man erlebt, wie Christoph Rehage in die Gruppe hineinwächst und insgeheim seinen Mitreisenden bezeichnende Spitznamen gibt. Das erleichtert das Lesen, da man nicht mit übermäßig vielen chinesischen Namen und Bezeichnungen konfrontiert wird. Teilweise verschmilzt der Autor mit der Gruppe und schildert die Geschehnisse in der Wir-Perspektive. Dadurch wird die chinesische Sichtweise und das Miterleben der Reise noch verstärkt. Ebenso wie Rehage, wachsen einem die Reisegäste nach und nach ans Herz und man ist fast ein wenig traurig, als schließlich der Rückflug nach Beijing ansteht.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass das Buch mit der Reise endet, aber Christoph Rehage hat sein beim Abschied gegebenes Versprechen wahr gemacht, und einige ehemalige Mitreisende drei Monate später in ihrem Heimatort besucht. Das war überraschend und besonders. Losgelöst von der Gruppe gab es dabei einiges Wissenswertes über die Personen und ihre persönlichen Reisehighlights zu erfahren. Das ließ die Reise in noch einem anderen Licht erscheinen.

Christoph Rehage ist mit „Neuschweinstein“ ein amüsanter Reisebericht gelungen, den ich gerne gelesen habe und jedem empfehlen kann, der gerne mal hinter die Kulissen der im Dauer-Selfie-Modus befindlichen chinesischen Reisegruppen schauen möchte.

  (2)
Tags: china, europa, reise, reisebericht   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

wissenschaft, mathematik, biologie, entdecker, nobelpreisträgerin

»Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie«

Ernst Peter Fischer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 22.08.2016
ISBN 9783328111115
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(79)

190 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 67 Rezensionen

thriller, ethan cross, gefängnis, ich bin der zorn, psychothriller

Ich bin der Zorn

Ethan Cross , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783404174218
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


In einer Strafanstalt in Arizona ereignet sich ein blutiger Amoklauf, bei dem ein Gefängniswärter scheinbar wahllos mehrere Häftlinge erschießt. Es stellt sich heraus, dass der Wärter von einem psychopathischen Killer erpresst wurde, der sich Judas nennt. Daraufhin ermittelt Marcus Williams außerhalb der Gefängnismauern und sein Bruder, der berüchtigte Serienkiller Francis Ackerman jr., undercover unter den Häftlingen. Doch der Judaskiller verfolgt weitaus größere Ziele, als nur ein paar Morde und bezieht sie schnell in sein Spiel mit ein.

Wie bereits bei den vorherigen Büchern dieser Reihe, ist das Buch schlicht einfarbig mit Prägedruck von Buchtitel und Autor gestaltet. Ansprechend finde ich dabei, dass der Buchschnitt in der gleichen Farbe gestaltet ist, wie das Cover. Das gibt dem Buch trotz Schlichtheit ein besonderes Aussehen.

Mit „Ich bin die Nacht“ legte Ethon Cross 2013 den Grundstein für die „Shepherd“-Reihe rund um den Ermittler Marcus Williams und sein Team. Es folgten „Ich bin die Angst“ und „Ich bin der Schmerz“.

Mit „Ich bin der Zorn“ ist der nun schon vierte Thriller dieser Reihe erschienen, den ich gelesen habe, ohne die anderen Bücher zu kennen. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck, dass mir die Vorgeschichte fehlt, auch wenn zur Erklärung immer mal auf Vergangenes zurückgegriffen und erläutert wird. Ich habe den Eindruck, dass es besser ist dieses Buch erst dann zu lesen, wenn man auch die anderen Teile kennt. Vielleicht wächst man dann eher mit den handelnden Personen zusammen, indem man sie über die einzelnen Bücher besser kennen lernt und ihr Handeln nachvollziehen und einschätzen kann.

So konnte ich für manche Protagonisten erst gegen Ende des Buches Verständnis oder sogar Sympathie aufbringen. Beim Lesen konnte ich oft nur mit dem Kopf schütteln und mit den Augen rollen. Mir liegen Superhelden und Alleskönner nicht und nach einigen Absätzen blieb mir als Gesamteindruck nur das Wort „unglaubwürdig“ übrig, weil die Handlung nicht nachvollziehbar oder dermaßen übertrieben und actionlastig war, dass es mir einfach zu viel wurde. Immer wieder ließ mich das beim Lesen innehalten, was meinen Lesespaß störte.

Den Schreibstil fand ich holprig und hatte das Gefühl, dass die Übersetzung an einigen Stellen nicht so richtig gelungen war. Auch fielen mir einige Wiederholungen unangenehm auf. So knackt beispielsweise Marcus Williams recht oft mit seinen Halswirbeln und man fragt sich als Leser irgendwann nur noch, was daran so wichtig sein kann, dass der Autor es immer wieder betonen muss.

Erschreckend gut beschrieben fand ich hingegen die kranken Gedankenwelten der hochgradig gefährlichen und brutalen Killer. Auch blutrünstiges dahinmetzeln wurde so bildhaft beschrieben, dass man sogar die geschilderten Gerüche beim Lesen in der Nase hatte.

So waren immer auch Passagen dabei, die spannend waren und bei denen ich den Thriller nicht aus der Hand legen mochte, auch wenn er mich insgesamt nicht begeistern konnte. Ich kann das Buch daher nur eingeschränkt und vor allem den Lesern empfehlen, die auch schon die drei vorherigen Bücher dieser Reihe gerne gelesen haben.

  (1)
Tags: thriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Shantaram und Im Schatten des Berges

Gregory David Roberts , Sibylle Schmidt , Jürgen Holdorf
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 17.10.2016
ISBN 9783844523157
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

222 Bibliotheken, 47 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

thriller, genmanipulation, gentechnik, marc elsberg, wissenschaftsthriller

HELIX - Sie werden uns ersetzen

Marc Elsberg
Fester Einband: 648 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 31.10.2016
ISBN 9783764505646
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Bei der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden, das vermutlich durch Bakterien verursacht wurde. In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und -tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Ein inoffizielles privates Forschungsprogramm verspricht vom Kinderwunsch getriebenen Paaren besonders begabte Kinder. Als eines dieser Kinder verschwindet, deutet alles plötzlich auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt.

Im Normalzustand ist DNS in Form einer Doppelhelix aufgebaut, die sich hier auf dem Cover stilisiert um den Buchtitel „Helix“ windet. So wird der Leser in ansprechender Weise auf das Thema „Gentechnik“ vorbereitet, um das es hier geht. Dass einen dabei auch schon mal ein mulmiges Gefühl im Magen beschleichen kann, verstärkt die Ergänzung „Sie werden uns ersetzen“.

Da ich von dem Autor bereits „Blackout“ und „Zero“ begeistert gelesen habe, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch gesteckt. Und sie wurden nicht enttäuscht.

In kurzen Kapiteln streben abwechselnd vier Handlungsstränge, in denen es um genmanipulierte Tiere und Pflanzen, eine personalisierte Biowaffe, genmanipulierte Wunderkinder und ein kinderloses Ehepaar geht, unaufhaltsam aufeinander zu. Schnell entwickelt dieses Buch einen Sog, in dem es viel Interessantes über Genmanipulation, Biochemie und Medizinethik zu erfahren gibt. Und auch mit nur minimalen Vorkenntnissen in diesen Bereichen konnte ich den Schilderungen folgen, wobei ich für mich nicht den Anspruch erhebe, die Details bis ins kleinste verstehen und auf den Wahrheitsgehalt überprüfen zu müssen. Immerhin hatte ich von einigen Dingen bereits durch die Medien gehört, anderes war mir neu, konnte aber mein Interesse wecken und regte zum Nach- und Weiterdenken an.

Wie auch schon bei den anderen Büchern von Marc Elsberg gefällt mir die Nähe zum gegenwärtigen Stand der Technik und der Wissenschaft. Man hat das Gefühl so nah dran zu sein, dass genau das, was man als Fiktion im Buch liest, in der Realität möglich sein könnte. Dies erzeugt einen besonderen Nervenkitzel und ich war beim Lesen oft hin- und hergerissen zwischen dem, was Genmanipulation für die Menschen Positives bedeuten könnte und welche Gefahren sie auf der anderen Seite birgt.

Dabei wird dieses Buch allerdings auch nicht zu nachdenklich, sondern bleibt spannend und unterhaltend bis zur letzten Seite und hat zudem noch einige Szenen zu bieten, die sich als tauglich für jeden Actionfilm erweisen würden.

Marc Elsberg ist mit „Helix – Sie werden uns ersetzen“ ein spannender temporeicher Wissenschaftsthriller zum Thema Genmanipulation gelungen, den ich wirklich empfehlen kann.

  (3)
Tags: elsberg, genmanipulation   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

45 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

thriller, anders, entführt, vermisst, anita terpstra

Anders

Anita Terpstra
E-Buch Text: 384 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783641171520
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet, sind die Meesters eine normale glückliche Familie. Sechs Jahre später meldet sich Sander Meester, der von einem Pädophilen entführt worden war, bei einer deutschen Polizeistation. Die Familie ist überglücklich und freut sich über Sanders Rückkehr, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel, ob der Junge wirklich ihr Sohn ist.

Auf dem Cover ist ein kleines Haus inmitten eines geheimnisvoll teilweise im Nebel gelegenen Herbstwaldes abgebildet, der sich ansprechend auf den Seiten der Klappenbroschur forsetzt. Die äußere Gestaltung spiegelt somit gekonnt eine Szene aus dem Inhalt des Buches wider.

Und der hat mich angenehm überrascht. Es handelt sich hierbei um einen Thriller, in dem es zwar stellenweise tödlich und grausam, aber nicht blutrünstig zugeht und der langsam an Fahrt aufnimmt, um eine immer düsterere Atmosphäre aufzubauen, die einen nicht mehr loslässt. Ein unaufgeregter, aber flüssiger Sprachstil sorgt mitsamt kurzen Kapiteln und einer rätselhaften Story dafür, dass man regelrecht durchs Buch fliegt.

In die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen, wodurch sich mir die gesamte Tragweite von Sanders Entführung eröffnen konnte. Die Gefühls- und Gedankenwelt der nach sechs Jahren wieder zusammengeführten Familie ist nachvollziehbar und berührend, gleichzeitig aber auch stellenweise verwirrend. Und genau das vermittelt einem auch den Eindruck, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Man beginnt beim Lesen zu rätseln, setzt nach und nach einzelne Puzzleteilchen zusammen, die aber doch irgendwie nicht zusammenpassen und will unbedingt wissen, wie sich diese Geschichte auflöst.

Das Ende war für mich überraschend und nicht vorhersehbar. Es rundete in gekonnter Weise einen für mich durchweg gelungenen Thriller der besonderen Art ab, den ich nur weiterempfehlen kann.

  (2)
Tags: thriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(47)

62 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

profiling, thriller, mord, spannend, norwich

Die Profilerin - Am Abgrund seiner Seele

Dania Dicken
E-Buch Text: 356 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 03.10.2016
ISBN 9783732520398
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Seit Wochen werden Studentinnen auf dem Campus der Uni in Norwich überfallen und vergewaltigt. Nachdem die Psychologiestudentin Andrea Jahnke den Täter eines Abends bei einer Vergewaltigung stört, eskalieren seine Gewalttaten immer mehr und sie gerät schließlich selbst in die Schusslinie.

Das Buchcover stellt mit der verschwommenen schwarzweißen Abbildung eines Sees einen Bezug zum Inhalt des Buches dar und die blutrote leicht verzerrte Schrift unterstreicht im Zusammenhang mit dem Bild, dass die Seelenabgründe, um die es in dem Buch geht, eher finsterer Natur sind.

Und so schaut man recht bald dank allwissender Erzählperspektive dem Vergewaltiger über die Schulter, erhält Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt und in die des jeweiligen Opfers. Diese Passagen heben sich durch kursive Darstellung vom Rest des Textes ab. Die Schilderungen wirken realistisch und sind teilweise so grausam dargestellt, dass ich nicht mehr weiterlesen mochte. Ich war froh, dass auf die Beschreibung einzelner Details verzichtet worden war, was dann jedoch so explizit auffiel, dass ich mich beim lesen darüber wunderte. Auffällig war auch, dass diese kursiven Abschnitte gemeinsam mit den psychologischen Ausführungen innerhalb des Buches eine bessere sprachliche und inhaltliche Qualität hatten, als der Rest dieses Thrillers.

Und dieser Rest des Thrillers hat mir leider nicht gefallen. Obwohl sprachlich flüssig geschrieben, hatte ich den Eindruck, dass mühsam eine Geschichte um das Profiling und die psychologischen Details, die vermittelt werden sollten, drumherum konstruiert wurden. Bedauerlicherweise hatte sich die Autorin für eine Liebesgeschichte mit unreifen Protagonisten und den daraus resultierenden leichten Beziehungsrangeleien entschieden, die zudem noch nicht nachvollziehbare Sonderrechte bei der eher dümmlichen Polizei genießen. Waren anfangs die Ängste dieses Pärchens vor dem Vergewaltiger begreiflich und miterlebbar, so begannen sie irgendwann zu langweilen. Es schien sich alles immer und immer wieder zu wiederholen und unnötig in die Länge zu ziehen. Diesen Eindruck hatte ich selbst, als dieser Fall schließlich aufgelöst wurde. Für mich war an diesem Punkt eigentlich das Buch zu ende, aber es wollte einfach nicht aufhören und hängte dann noch ein anderes – in meinen Augen absolut überflüssiges – Ende hintendran.

Gehofft hatte ich auf einen spannenden Thriller, bei dem das Profiling einen großen Teil einnimmt. Auf eine schlechte Liebesgeschichte, die den gefühlt größeren Teil dieses Buches für sich beansprucht hat, war ich nicht vorbereitet und hätte sie auch nicht gewollt.

  (2)
Tags: thriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

geschichte, sachbuch, gehirn, geist

Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist

Matthias Eckoldt
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 12.09.2016
ISBN 9783570552773
Genre: Sachbücher

Rezension:


Der vielfach prämierte Wissenschaftsautor Matthias Eckoldt führt den Leser in „Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist – Woher wir wissen, wie wir fühlen und denken“ von der Antike bis ins heutige Internetzeitalter, vom „Lebensgeist“ der Griechen bis zu Spiegelneuronen und modernen Netzwerktheorien.

Beim Buchcover fällt sofort auf, dass es mit Längsrippen strukturiert ist, wodurch es sich besonders anfühlt. Optisch ist es ansprechend und modern gestaltet und liefert durch die abgebildeten Glühbirnen bereits einen deutlichen Hinweis auf die enorme Bedeutung der Elektrizität für die Hirnforschung. Aber auch ein Wirrwarr und daraus resultierende Ideen, die sich zu ‚Schmetterlingen‘ entwickeln können, stellen eine gelungene Überleitung zum Text her.

Das Buch gliedert sich in die Kapitel Antike, Mittelalter und Renaissance, Neuzeit, Moderne und Gegenwart. Gelegentlich wird der nüchtern und sachlich und mit zahlreichen im Anhang befindlichen Anmerkungen verfasste Text von einigen Skizzen zur jeweiligen Theorie unterbrochen. Ein befremdendes Zeugnis von dem, was seinerzeit der Forschung diente, liefern einige Fotografien, beispielsweise sind auf einer skurrile Instrumente abgebildet, mit denen in der Antike seziert wurde. Zum schnellen Nachschlagen, befindet sich im Anhang ein Register, in dem Namen und Begriffe den entsprechenden Seitenzahlen zugeordnet wurden.

Es gehört zur Tradition der Hirnforschung, dass sich das herrschende Erklärungsmodell jeweils am technisch höchsten Stand der Zeit orientierte, und so beginnt alles bei den Philosophen, deren Denkansätze im Materialismus schließlich aus den Laboratorien verbannt werden. Immer wieder gab es Tier- und auch Menschenversuche und für heutige Begriffe abstruse Theorien über die Funktion des Körpers, aus denen sich zum Teil aber auch wertvolle Ansätze herausbildeten, die weiterentwickelt wurden und bis heute Bestand haben.

„Weltweit agierende Forschergruppen publizieren am laufenden Band neue Arbeiten, die von Publikumsmagazinen gern aufgenommen, mit den spezifischen Methoden der Massenmedien zu spektakulären Entdeckungen stilisiert und mit bunten Hirnbildern der interessierten Öffentlichkeit dargeboten werden. Allein die Zeile ‚Hirnforscher von der Universität…haben herausgefunden, dass…‘ sorgt für Aufmerksamkeit und die beigegebenen Visualisierungen für Evidenz.“ (Seite 216)

Zu vorgenannter interessierter Öffentlichkeit gehöre ich und habe mich als Nicht-Wissenschaftler aufgrund des Klappentexts für dieses Buch interessiert. Beim Lesen habe ich viel Interessantes erfahren, hatte aber durch den überaus trockenen Schreibstil oft große Probleme, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Ich kann das Buch daher nur eingeschränkt empfehlen.

  (2)
Tags: gehirn, geist, geschichte, sachbuch   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(194)

303 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 155 Rezensionen

thriller, psychothriller, hamburg, melanie raabe, entführung

Die Wahrheit

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754922
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Aus heiterem Himmel erhält Sarah die Nachricht, dass ihr vor 7 Jahren bei einer Geschäftsreise verschwundener Ehemann am Leben ist. Doch der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht ihr Ehemann. Er droht ihr, dass sie ihren Sohn und ihr scheinbar perfektes Leben verlieren werde, wenn sie ihn bloßstellt.

Das Cover erzählt stimmungsvoll und optisch ansprechend von der Geschichte, die den Leser im Buch erwartet. Von einer Frau, die sich endlich entschließt von ihrer alten schmerzvollen Geschichte loszulassen und dies durch das Abschneiden ihres langen Haares und dem Wechsel zu einer modernen Kurzhaarfrisur unterstreicht. Tragisch, dass just zu diesem Zeitpunkt jemand auftaucht, der behauptet ihr Ehemann zu sein. Er weiß alles über sie und sie kennt ihn nicht.

Innerhalb von meist kurz gehaltenen Kapiteln wechseln sich die Ich-Perspektiven von Sarah und dem Mann ab, von dem schon recht früh für sie feststeht, dass er nicht ihr Mann ist. So tragen auch die Kapitel, in denen er aus seiner Sicht schildert, die Kapitelüberschrift "Der Fremde". Daneben gibt es zwei Kapitel, deren Bezeichnung Jahreszahlen sind. Diese heben sich zum einen durch ein anderes Schriftbild vom restlichen Text ab und zum anderen wechselt die Erzählperspektive zur dritten Person.

In einer zunächst deprimierenden und den Verlust ihrer idealisierten Beziehung betrauernden Grundstimmung, lässt sich die zerbrechliche Hoffnung der Protagonistin nachvollziehen, in der sie endlich beschließt, dass ihr Leben weitergehen soll. Als Leser platzt man in diese Aufbruchstimmung hinein und freut sich mit Sarah. Umso schmerzlicher muss man dann miterleben, wie sich dieser vermeintliche Betrüger in ihr Leben drängt. Obwohl wir seine Gedanken in der Ich-Perspektive mitlesen dürfen, wissen wir ebenso wenig wie Sarah, was er genau im Schilde führt. Aber es steht fest, dass er strategisch seine Ziele verfolgt und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht auf Sarah einzuwirken. Nachdem diese ihre Schockstarre verloren hat, nimmt sie den Kampf auf und erfährt schließlich auch, warum dieser Fremde handelt, wie er handelt. Dabei machen es sich die Protagonisten gegenseitig nicht leicht und als Leser kann man das Buch kaum aus der Hand legen, weil einen dieser von Anfang an nervenaufreibende aufwühlende Psychothriller nicht mehr los lässt.

Geradezu detektivisch versucht man mitzurätseln, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, doch als sich schließlich alles auflöst, war das für mich zwar nicht vorhersehbar, aber dennoch aufgrund der Einfachheit enttäuschend. Mit einem Mal ist die komplette Spannung raus und man fragt sich, ob das nun der Ernst der Autorin sei. Aber nachfolgend wird noch das Wieso-Weshalb-Warum schlüssig aufgeklärt, was mich dann wiederum versöhnlich stimmen konnte, weil das alles schließlich in einem nachvollziehbaren Ende mündet.

Melanie Raabe ist mit "Die Wahrheit" ein nervenaufreibender aufwühlender Psychothriller gelungen, den ich wirklich empfehlen kann.

  (3)
Tags: hamburg, psychothriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

irland, finanzkrise, roman

Die Gesichter der Wahrheit

Donal Ryan , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257069631
Genre: Romane

Rezension:


Der Autor Donal Ryan, geboren 1976 in Nenagh, im Süden Irlands wurde 2012 für diesen Roman (Originaltitel „The Spinning Heart“) mit dem Irish Book Award und dem Guardian First Book Award ausgezeichnet und erzählt in dem Buch auf ungewöhnliche Weise von den Menschen, die in einem kleinen Städchen in Irland wohnen. Im Strudel der irischen Finanzkrise hat sich Pokey Burke, vormals Chef der örtlichen Baufirma, die für Arbeit und Wohlstand sorgte, aus dem Staub gemacht, und die Menschen seiner Heimatstadt mit unbezahlten Gehältern, unfertigen Häusern und ohne soziale Absicherung im Stich gelassen. Als die Gewalt auflodert, ist jeder gefangen zwischen dem, was er nach außen vorgibt zu sein, und dem, was er sich in seinem Innersten wünscht.

In 21 Kapiteln schildern immer wieder andere Ich-Erzähler ihre Sicht der Dinge und lassen den Leser dabei in ihre Köpfe schauen. Die Personen kennen einander oder sind auf die ein oder andere Weise miteinander verbunden. Sie erzählen mitunter von Existenz- und Beziehungssorgen, von Mord und Kindesentführung und der Leser erlebt vermeintlich gleiche Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven. Immer erhält man dabei auch Einblick in die persönlichen Geschichten und Schicksale der einzelnen Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Leser schlüpft beispielsweise in die Rolle des Kindergartenkindes, eines hartgesottenen Bauarbeiters bis hin zu einer lesbischen Tochter.

So facettenreich die Personen sind, so unterschiedlich ist auch ihre Ausdrucksweise, die nicht gerade von sprachlicher Schönheit glänzt, die Charaktere jedoch sehr authentisch wirken lässt. Mit jedem inneren Monolog wird Unsicherheit und Verwirrung deutlich. Nebenbei entsteht immer auch eine neue Sichtweise auf die beteiligten Personen. So setzt sich nach und nach zum Ende des Buches ein Gesamtbild zusammen, das nur der Leser überblicken kann, da er als einziger alle Details kennt.

Trotz teilweise amüsanter Formulierungen handelt es sich hierbei um ein bedrückendes aber auch berührendes Buch, das einem durch die vielen ‚Gesichter der Wahrheit‘ den Unterschied zwischen Schein und Sein immer wieder aufzeigt, die Personen jedoch wie in einer Tretmühle gefangen hält.

  (3)
Tags: irland, roman   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(666)

1.233 Bibliotheken, 18 Leser, 3 Gruppen, 108 Rezensionen

dystopie, liebe, ich fürchte mich nicht, berührung, jugendbuch

Ich fürchte mich nicht

Tahereh H. Mafi , Mara Henke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.07.2014
ISBN 9783442478491
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

schreiben, autorin, roman, de vigan

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann , Martina Gedeck
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 22.08.2016
ISBN 9783837136418
Genre: Romane

Rezension:


Delphine de Vigan versteht es in ihrem atmosphärisch dichten Roman "Nach einer wahren Geschichte" den Leser zu fesseln, zum nachdenken zu bringen und schließlich verwirrt wieder sich selbst zu überlassen.

Die erfolgreiche, aber zurückhaltende Autorin Delphine lernt auf einer Party die faszinierende L. kennen, die als Ghostwriterin arbeitet. Delphine ist glücklich über die Gemeinsamkeiten und fühlt sich verstanden wie schon lange nicht mehr. Ungewöhnlich schnell entwickelt sie ein freundschaftliches Verhältnis zu der klugen eleganten Frau. Als sie L. gegenüber die Idee für ihr nächstes fiktives Buch preisgibt, reagiert diese ablehnend und fordert immer vehementer, dass Delphine über die Wahrheit schreiben müsse. Bald darauf gerät Delphine in eine massive Schreibblockade, in der ihr L. nicht von der Seite weicht und immer mehr Bereiche ihres Lebens übernimmt.

Ich entschied mich für das Hörbuch-Version dieses Romans und habe es nicht bereut. Gelesen wurde es von der Schauspielerin Martina Gedeck, die mit ihrer Stimme eindrucksvoll die immer dichter und bedrückender werdende Stimmung verdeutlichen konnte und die Protagonisten in den Dialogen authentisch lebendig werden ließ.

Das Cover zeigt auf rotem Hintergrund das stilvolle Profil einer jungen Frau, von der man sich fragt, ob dies eine echte Fotografie zu der laut Titel erwähnten "wahren Geschichte" ist. Da es sich bei diesem Buch jedoch ausgewiesenermaßen um einen Roman handelt, kann dies nur eine Vermutung sein, die im Laufe des Buches allerdings aufgrund des andersartigen Aussehens der im Buch agierenden Personen jedoch entkräftigt wird. So ist bereits das Cover ein erstes Verwirrspiel, das die Autorin hier beginnt.

Da die Protagonistin des Buches jedoch ihren Namen trägt, erweckt dieser Roman schnell den Eindruck, dass Delphine de Vigan hier auf eine sehr ruhige und unaufgeregte Weise von ihrem großen Erfolg „Das Lächeln meiner Mutter“ und ihrem Leben als Autorin, aber auch als Privatperson berichtet. Das alles geschieht in nachvollziehbarer und interessanter Weise, so dass man als Leser viel übers Schreiben erfährt und das Gefühl hat, die sympathische Autorin tatsächlich etwas besser kennenzulernen.

So ist es auch tragisch mitzuerleben, wie sich aus der scheinbar hilfsbereiten und vertrauenswürdigen L. immer mehr eine übergriffige, seltsame, besitzergreifende und neurotische Frau entwickelt, die von der faszinierenden Freundin schließlich zur unberechenbaren Kontrahentin wird.

Gleichzeitig erwecken Diskussionen zwischen Delphine und L., bei denen es um die Erwartungshaltung der Leser gegenüber dem Wahrheitsgehalt von Büchern geht, irgendwann Skepsis gegenüber des Buches, das man gerade liest und bei dem man von vornherein automatisch einen großen Wahrheitsgehalt vorausgesetzt hatte. So gerät man nebenher immer mehr ins Nachdenken und glaubt diesem Buch immer weniger, obwohl man mit Delphine mitfiebert. Die Autorin spielt hier gekonnt mit dem Leser, lässt schließlich auch noch an Delphine zweifeln und entwickelt dadurch einen Spannungsbogen, der einen unbedingt wissen lassen will, wie sich diese ganze Situation auflöst.

  (2)
Tags: autorin, de vigan, roman, schreiben   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

40 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

motorrad, reisebericht, christopher many, weltreise, overlander

Hinter dem Horizont rechts

Christopher Many
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 12.09.2016
ISBN 9783667105639
Genre: Sonstiges

Rezension:


1997 brach der 1970 geborene Christopher Many zu seiner ersten Overlandreise auf und glaubte nicht, dass er mehr als ein, zwei Jahre unterwegs sein würde. Mittlerweile sind jedoch 19 Jahre vergangen und er treibt sich noch immer in der großen weiten Welt herum. Auch 2012 schwang sich Christopher Many auf seine Yamaha Ténéré, und machte sich mit viel Optimismus im Gepäck und seiner Partnerin Laura Pattara, die auf dieser Reise erst mittels "Learning by doing" das Motorradfahren richtig erlernt hat, auf eine vierjährige Fahrt von Deutschland nach Australien. In "Hinter dem Horizont rechts" erzählt er von diesem Abenteuer.

Das Cover spiegelt gekonnt den Inhalt des Buches wider, indem es Christopher Many mitsamt vollgepacktem Motorrad bei einem übrig gebliebenen Schiffswrack im vertrockneten Teil des Aralsees zeigt - einem surreal wirkenden Bild, das vor dem Hintergrund einer der größten ökologischen Katastrophen dieser Welt, nachdenklich macht. So ist auch im Buch selbst immer wieder neben Abenteuerlust und Kuriosem, Raum zum Nachdenken und Hinterfragen von Umweltproblemen und politischen Themen. Die Einstellung des weltoffenen und unkomplizierten Authors wirkt hierbei jedoch überaus sympathisch und informativ und bleibt immer respektvoll.

Der Schreibstil ist erfrischend und natürlich, so dass sich dieser Reisebericht leicht und flüssig lesen lässt. 80 Farbfotos und 4 Karten lockern das Buch optisch auf und runden die geschilderten Erlebnisse perfekt ab. Kleine Anekdoten bringen zum Schmunzeln und immer wieder lassen die hautnah geschilderten Herausforderungen einen mitfiebern.

Überhaupt hatte ich beim Lesen des Buches den Eindruck, ich befände mich mit Christopher Many und seiner Gefährtin Laura auf Tour und er schildere mir gemütlich am Lagerfeuer seine zahlreichen Reiseerlebnisse. Und "zugehört" habe ich ihm gerne, weil er ein Mensch ist, der viel zu erzählen hat und immer auch Vergleiche zu früheren Reisen und dem dabei erlebten zieht.

Zugegebenermaßen hatte ich befürchtet, dass rund 500 Seiten zu viel für einen Reisebericht sein könnten, bin aber nach Beendigung des Buches traurig darüber, dass diese Reise schon zuende sein soll. Obendrein gibt der Autor zum Ende des Buches zahlreiche Denkanstöße und Tipps, so dass ich mich am liebsten gleich auf den Weg machen möchte, um selbst als Overlander mitsamt eigenem Motorrad die Welt zu erkunden. Da ich mich jedoch nicht nur aus gesundheitlichen Gründen bremsen muss, werde ich zum Ausgleich das Vorgängerbuch "Hinter dem Horizont links" lesen, in dem Christopher Many seine mit dem Land Rover zwischen 2002 und 2010 gemachte Reise beschreibt.

  (2)
Tags: motorrad, overlander, reise, reisen   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

graphic novel, depressio, bipolare störung, manisch-depressiv

Meine Tassen im Schrank

Ellen Forney , Johanna Wais
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Egmont Comic Collection, 02.10.2014
ISBN 9783770455119
Genre: Comics

Rezension:


Eine unterhaltsame, informative und autobiografische Graphic Novel der Künstlerin und Schriftstellerin Ellen Forney über ihren Umgang mit der manisch-depressiven Erkrankung.


Als ihre Therapeutin ihr eröffnet, dass bei ihr eine Bipolare Störung vorliegt, beginnt für Ellen Forney eine Reise in ihre eigene Psyche. Sie muss lernen, sich selbst kritisch zu beobachten und zeigt ihren Weg in dieser autobiografischen Graphic Novel auf.


Im Gegensatz zum farbenfrohen Cover sind die Zeichnungen im Buch durchgehend schwarz-weiß gehalten. Ellen Forneys Zeichenstil ist lebendig und frisch. Immer wieder finden sich kleine witzige Anmerkungen oder Zusatzdetails in den Bildern wieder, sodass es immer auch beim zweiten Hinsehen noch etwas zu entdecken gibt. Die Autorin geht informativ und offen mit ihrer Krankheit um. Sie hat die Stimmungsschwankungen, die unterschiedlichen Gefühlszustände, Befürchtungen und Ängste gut eingefangen und nachvollziehbar auf eine spielerische Art dargestellt. Sie zeigt den Zusammenhang von künstlerischer Kreativität und psychischen Erkrankungen auf und trotz ernster Thematik kommt auch der Humor in Form von Selbstironie und teilweise tragisch-komischen Ereignissen nicht zu kurz.


Nicht so gelungen finde ich einzig den deutschen Buchtitel (Original: „Marbles“), bei dem in der Ergänzung lediglich die Depressionen Erwähnung finden. Erst ein Blick auf die Rückseite und ins Buch selbst verrät, dass es darin um die Bipolare Störung geht.

  (3)
Tags: bipolare störung, manisch-depressiv   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

44 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

roman, deutscher buchpreis 2016, am rand, tod, österreich

Am Rand

Hans Platzgumer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 01.02.2016
ISBN 9783552057692
Genre: Romane

Rezension:

Beim Lesen des Klappentextes hatte ich eigentlich einen krimiähnlichen Roman erwartet, wurde stattdessen aber mit einer fesselnden Lebensbeichte der besonderen Art überrascht. Der 42jährige Südtiroler Gerold Ebner steigt frühmorgens auf den Bocksberg, um niederzuschreiben, was ihn dorthin geführt hat: Er erlöste seine Mutter von ihrem terrorisierenden Vater, seinen besten Freund von dessen Leiden und außerdem wurde ihm sein großes Glück vom Tod genommen. Fesselnd bis zum Schluss schildert der Ich-Erzähler die Ereignisse, die ihn seit seiner Kindheit an den Rand der Gesellschaft und schließlich zum Rand des Felsens geführt haben. Gleich zu Beginn wird man als Leser von dem oft lethargisch und dem Schicksal einfach nur ergeben wirkenden Ich-Erzähler persönlich angesprochen und ins Vertrauen gezogen. Ein Privileg, das man erst zu würdigen weiß, wenn man nach und nach den Protagonisten kennen und verstehen lernt – warum er sich von der Gesellschaft abgrenzt, kaum menschliche Nähe zulassen kann, mehr oder weniger funktioniert ohne Besonderes zu leisten oder dies anstreben zu wollen. Fast könnte man ihm verzeihen, dass er auch komplett aus der Rolle fallen und menschlichem Leben gewaltsam ein Ende setzen kann. Und doch fragt man sich, ob es sich hierbei tatsächlich um Mord oder doch eher einen Gefallen handelt. Aber es gibt in diesem Roman generell kein schwarz oder weiß, sondern viel Stoff zum Überlegen. So konnte Gerold Ebner rückblickend schließlich zwar auch Nähe zulassen, was in diesem von nachdenklicher grauer Stimmung geprägten Roman zwar ein Lichtblick ist, der aber wiederum nicht ohne Schatten daher kommt. Obwohl dieser Roman eher ernster Natur ist, lässt sich das Buch leicht lesen und entwickelt dabei trotz der ruhigen erzählweise einen Sog, der mich nicht mehr losgelassen hat. Mit „Am Rand“ hat es Hans Platzgumer auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 geschafft. Für alles weitere drücke ich beide Daumen! 

  (3)
Tags: deutscher buchpreis 2016, österreich   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

psychothriller, dastoteherz, rainerwürth, frauenmörde, spenderorgan

Das tote Herz

Rainer Würth
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442484508
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


„Das tote Herz“ von Rainer Würth ist insgesamt ein spannender Psychothriller in dem es auch schon mal blutig zugehen kann, der allerdings mit einigen Schwächen zu kämpfen hat.

Der erfolgreiche Architekt Kober erhält nach einem lebensgefährlichen Zusammenbruch ein Spenderherz und hat nachfolgend sonderbare Träume und Phantasien. Was er nicht weiß ist, dass ihm das Herz des sogenannten „Fotografen“ implantiert wurde – einem Frauenserienmörder, dessen letztes Opfer Solveig schwer verletzt den Autounfall überlebt hat und zu dem sich Kober nun stark hingezogen fühlt.

Die Kapitel und auch die Schreibweise sind knapp gehalten. Der Autor schreibt oft in sehr kurzen Sätzen, die beinahe schon abgehackt wirken. Dadurch liest sich das Buch allerdings auch teilweise recht rasant und baut schon durch diese Stilmittel ein gutes Tempo auf. Stellenweise ist mir Satzbau und Sprache jedoch zu umgangsprachlich, so dass mich das im Lesefluss leider manchmal etwas gestört hat.

Es finden viele Perspektivwechsel statt, die sich jedoch gut nachvollziehen lassen. Da sind zum einen unterschiedliche Ich-Erzähler, die den Leser in die Rollen dieser Personen schlüpfen lassen und den sich langsam steigernden Wahn hautnah miterleben lassen. Außerdem ist ein allwissender Erzähler vertreten, der interessante Einblicke in Kopf und Denkweise des Polizeipsychologen gewährt. Leider wird jedoch in keiner Perspektive verraten, wie sich Kober und Solveig überhaupt kennen lernen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass in dem Buch ein Kapitel fehlt, weil die beiden plötzlich und unerwartet zusammen sind.

Außerdem scheint sich Kober übertrieben schnell von der Herztransplantation zu erholen und der Polizeipsychologe über gespenstische Intuition zu verfügen. Wenn auch bereits beim Lesen des Klappentextes feststand, dass es sich bei diesem Psychothriller um eine fiktive Geschichte handeln würde, hätte ich mir für das Zusammentreffen mancher Protagonisten etwas mehr Raffinesse und Glaubwürdigkeit gewünscht.

  (3)
Tags: psychothriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(39)

91 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

elefanten, trauer, liebe, spiritualität, familie

Die Spuren meiner Mutter

Jodi Picoult , Elfriede Peschel
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 29.08.2016
ISBN 9783570102367
Genre: Romane

Rezension:


Wer einen spannenden Roman lesen möchte, in dem es viel über Elefanten und deren Verhalten zu erfahren und nachzudenken gibt, gewürzt mit einem Schuss Herzblut und einer guten Prise Übersinnlichem, der sollte unbedingt zu „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult greifen.

10 Jahre nachdem Alice nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire spurlos verschwand, macht sich ihre 13jährige Tochter Jenna auf die Suche nach ihr. Unterstützung erhält sie von dem Medium Serenity und dem Privatdetektiv Virgil, der seinerzeit mit den Ermittlungen in dem Fall betraut war. Eine spannende und tief bewegende Spurensuche beginnt – mit verblüffender Auflösung.

Geschmackvoll und schön gestaltet sind auf dem Buch die Elefanten auf goldenen Spuren abgebildet und stellen so bereits optisch einen schönen Bezug zum Titel „Die Spuren meiner Mutter“ her.

Der Roman wird wechselnd aus mehreren Ich-Perspektiven erzählt. Durchgehend schildert Alice ihre Geschichte, beginnend von ihrer Jugend und der schon frühen Begeisterung für Elefanten, der späteren Arbeit mit ihnen bis hin zur Gegenwart. Ich habe es dabei durchgehend genossen, die informativen und teilweise spannenden Erzählungen über diese intelligenten mitfühlenden Tiere zu lesen. Erschreckt hat mich die Unkenntnis und Rücksichtslosigkeit im Umgang mit den Elefanten, die diese zu gefährlichen „Bestien“ macht und ich konnte den Einsatz der Tierschützer für diese Tiere gut nachvollziehen. Mit diesem Buch hat die Autorin mein Herz für Elefanten geöffnet, die für mich den besonderen Charme dieses Buches ausmachen.

Sonderbar, aber nicht weniger interessant ist für mich das Medium Serenity, deren übersinnliche Fähigkeiten, so nachvollziehbar und für mich Ungläubige so glaubhaft dargestellt werden, dass ihr Handeln und Erleben beinahe greifbar wird.

Etwas schwer getan habe ich mich hingegen mit der 13jährigen Jenna, die mir an manchen Stellen doch etwas zu erwachsen für ihr Alter erschien.

Da sich die Erzählstränge von Tochter Jenna, dem Medium Serenity und des Detektivs Virgil bereits in der Gegenwart befinden, wohingegegen die Geschichte der Mutter Alice weit in der Vergangenheit beginnt, fiebert man während des Fortschreitens der Geschichte dem Zusammentreffen aller Personen in der Gegenwart entgegen. Doch als dieser Zeitpunkt zum Greifen nah ist, kommt ein großer Wendepunkt, an dem man alles Gelesene nochmal neu für sich überdenken muss. Da fällt nach und nach noch so mancher Groschen und vorher für unbedeutend erachtete Informationen, erhalten einen neuen Stellenwert. Ein Wendepunkt, der trotz schrecklicher Wahrheiten Spaß macht und die Grauen Zellen nochmal richtig zum Arbeiten bringt.

„Die Spuren meiner Mutter“ ist eine gelungene Mischung aus Information, Fiktion, Spannung, Herzblut und Mystery.

  (2)
Tags: elefanten, jodi picoult, picoult, roman, spirituelles medium, südafrika   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

tod, wachkoma, kamp, biografie, hospiz

Mascha, du darfst sterben

Antje May
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 25.04.2016
ISBN 9783579086347
Genre: Biografien

Rezension:


Das Schlimmste im Leben einer Mutter ist, wenn sie das Sterben ihres Kindes erlebt. Diese Erfahrung hat Antje May machen müssen und schildert in dem Buch „Mascha, du darfst sterben“ die letzte Zeit mit ihrer 17jährigen Tochter, die durch einen Verkehrsunfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt und im Wachkoma lag.

Als Leser durchlebt man hautnah den Schmerz und die Zerrissenheit der Mutter. Einerseits will sie, dass ihre Tochter lebt, doch andererseits sind die Umstände so aussichtslos, dass ein menschenwürdiges Weiterleben unter den Voraussetzungen nicht möglich ist. So segensreich der medizinische Fortschritt auch sein mag, stellt sich in dem Buch doch immer wieder die Frage, ob noch im Interesse des Patienten gehandelt wird, oder ob die Apparatemedizin im Fokus steht und der Sinn und Zweck die quantitative Verlängerung des Lebens ist.

„Mascha, du darfst sterben“ ist ein bewegender Erfahrungsbericht, der zum nachdenken anregt und sich trotz der ergreifenden Thematik leicht lesen lässt. Medizinische Fachbegriffe sind auch für den Laien interessant und verständlich erklärt. Anteilnahme und Auswirkungen im Familien- und Bekanntenkreis werden feinfühlig beschrieben. So sehr man sich anfangs gemeinsam mit der Mutter das Leben der Tochter wünscht, so sehr fiebert man schließlich doch dem Tod von Mascha entgegen, der, so traurig er auch sein mag, letztlich nicht nur für Mascha selbst, sondern für alle Beteiligten eine Erlösung ist. So hat das Buch auf den ersten Blick ein gutes Ende, auf den zweiten Blick bleibt jedoch weiterhin das Problem bestehen, dass Personalmangel und wirtschaftliche Interessen oft der Menschenwürde und Selbstbestimmung entgegen stehen. Ich für mich habe mich noch während des Lesens dieses Buches entschieden, dass es endlich Zeit wird, eine Patientenverfügung aufzusetzen, um mir ein möglichst würdiges Ableben zu sichern und die Formalitäten für meine Lieben etwas einfacher zu machen.

  (2)
Tags: apparatemedizin, leben, tod, wachkoma   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

56 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

japan, tod, trauer, geister, nahtoderfahrung

Lebensgeister

Banana Yoshimoto , Thomas Eggenberg
Buch: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257300420
Genre: Romane

Rezension:


Sayoko überlebt schwer verletzt einen Autounfall, bei dem sie ihren Lebensgefährten verliert. Sie macht eine Nahtoderfahrung, die auf dem Cover des Buches treffend bildlich umgesetzt wurde und von der es heisst:  "Wohin ich auch schaute - überall glitzerte und funkelte es, ich fühlte mich so wohl und so leicht, dass ich am liebsten immerfort vor mich hin geträllert hätte." Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus lebt die junge Frau in einer merkwürdigen Zwischenwelt, in der sie auch Geister wahrnimmt.

Es handelt sich hierbei um ein Buch mit einer Mischung aus Tradition und Moderne, worin das Bild einer jungen Frau gezeichnet wird, die nachdenklich und schmerzvoll, aber nichtsdestotrotz lebensbejahend den Tod ihres Lebensgefährten allmählich verarbeitet.

"Lebensgeister" von Banana Yoshimoto ist ein melancholischer Roman, der nachdenklich macht und berührt, ohne zu nah zu gehen.

  (2)
Tags: japan, leben, tod   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

76 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

unsterblichkeit, teufel, molekularbiologie, biologie, ewiges leben

Die Unglückseligen

Thea Dorn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Knaus, 26.02.2016
ISBN 9783813505986
Genre: Romane

Rezension:


Ansprechend gestaltet und durch das Cover des Buches stilvoll in Szene gesetzt, führt die Umarmung einer jungen Frau und eines Skelettes bereits bildlich zu der Thematik Leben und Tod in dem Roman „Die Unglückseligen“ von Thea Dorn hin. Die deutsche Molekularbiologin Johanna Mawet will darin durch genetische Manipulationen den unsterblichen Menschen schaffen und trifft eher zufällig in Amerika auf den 1776 geborenen Physiker Johann Wilhelm Ritter. Während der 240jährige hofft, dass die Wissenschaftlerin ihn von seiner Lebensodyssee endlich erlösen kann, will Johanna mit seiner Hilfe den Code der Sterblichkeit knacken. Von schwarzer Romantik und wissenschaftlichem Streben beseelt, führt beide der Weg zurück nach Deutschland und in eine ebenso verzweifelte wie besessene Suche nach Antworten.

„Die Unglückseligen“ ist ein nachdenklicher Wissenschaftsroman, der mich nebst liebevoller und ansprechender optischer Gestaltung auch durch teilweise humor- und gefühlvolle sowie gefühlsbetonte Sprache längst vergangener Zeiten zu begeistern wusste.

Jedes neue Kapitel ist mittels römischer Ziffern durchnummeriert und beginnt danach mit einem schmückenden Anfangsbuchstaben (Initial), was optisch das zumeist aus der Goethezeit stammende Sprachflair dieses Buches unterstreicht. Während Ritter und eine altertümlich anmutende Erzählstimme, die zwischendurch immer wieder kommentiert und bewertet, sich eine weitschweifige Darstellungs- und Erzählweise teilen, die an die Schriften der Romantiker erinnert, drückt sich Johanna Mawet in moderner Sprache aus. Bei Dialogen in Amerika, gestalten sich die Texte zu einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch. Auf eine Übersetzung wird hier verzichtet, was jedoch für mich den Lesefluss nicht gestört hat. Schwer getan habe ich mich hingegen mit Dialogen, die in bayrisch oder schwäbisch abgehalten wurden. Da half nur langsames lesen weiter, was dennoch Lesespaß bereitete , da dies die betreffenden Figuren lebhafter machte.

Für Auflockerung sorgten auch gelegentliche Einschübe von Briefen, Auszügen aus einem Lehrbuch oder der Wahrnehmung einer kleinen Fledermaus, die sich durch unterschiedliche Schriftarten vom normalen Text abgrenzten. Auch eine Szene wie aus einem Comic und ein mitsamt Noten abgedruckter Liedtext sorgen für Abwechslung. Endlose Buchstaben-, Zahlen- und Zeichenkolonnen machen die Genomfragmente als undurchschaubar erlebbar.

Insgesamt behandelt das Buch eine interessante Thematik, auch für Menschen, die weder der Molekularbiologie noch der Physik verfallen sind. Wurde es für mich persönlich zu wissenschaftlich und nicht verstehbar, tat dies dem Gesamtverständis des Buches dennoch keinen Abbruch. Wichtiger waren für mich die leidenschaftlichen Gespräche zwischen Ritter und Johanna, die die unterschiedlichen Standpunkte nachvollziehbar machten. Durch die Wechsel zwischen Realität und Erinnerung, klärte sich im Verlauf des Buches Ritters Vergangenheit zu Teilen auf. Wunderbar auch, wie nebenbei ein skuriles Gesellschaftsbild gezeichnet wurde, in dem nicht nur der Jugendwahn zweifelhaft ist.

„Die Unglücksseligen“ ist für mich ein durch und durch besonderes Buch, das sich nicht so nebenher lesen lässt, da es dem Leser doch einiges an Konzentration, Flexibilität und Sprachvermögen abverlangt. Etwas Vergleichbares habe ich bislang nicht gelesen und so wird es mir sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben.

  (2)
Tags: ewiges leben, genmanipulation, leben, molekularbiologie, thea dorn, tod   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(166)

343 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 33 Rezensionen

thriller, mord, berlin, rache, agentur

Sorry

Zoran Drvenkar
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2010
ISBN 9783548281834
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(329)

627 Bibliotheken, 8 Leser, 5 Gruppen, 26 Rezensionen

fantasy, der dunkle turm, revolvermann, stephen king, horror

Schwarz

Stephen King , Joachim Körber
Fester Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 23.02.2005
ISBN 9783453012134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 
458 Ergebnisse