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322 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

thriller, mord, melanie raabe, die falle, falle

Die Falle

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei btb, 11.04.2016
ISBN 9783442714179
Genre: Krimi und Thriller

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65 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 32 Rezensionen

alter, sibirien, bäume, wald, freundschaft

Betrunkene Bäume

Ada Dorian
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 24.02.2017
ISBN 9783961010011
Genre: Romane

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

vater-sohn-beziehung, äußerlichkeiten, paris, bildung, suche

Mein Vater ist Putzfrau

Saphia Azzeddine , Birgit Leib
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803127617
Genre: Romane

Rezension:

In „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzeddine geht es um Paul, genannt Polo, der laut eigener Aussage ziemlich klein, hässlich, weiß und arm ist. In der Schule sind alle cooler als er und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. In seiner Freizeit hilft er seinem Vater beim putzen, doch er kümmert sich in einer Bibliothek nicht nur um den Staub auf den Büchern, sondern hat auch begonnen sie zu lesen und sich zu bilden.

„Zwischen den Taschenbüchern und den gebundenen Büchern, den bebilderten und den schlichten Buchdeckeln gab es Milliarden von Wörtern. Manche davon waren längst gescheitert, andere hatten viele erschüttert. Ich hatte Lust, sie auszuprobieren. Diese ganzen Bücher, wie sie da eines neben dem anderen militärisch, senkrecht und gerade aufgereiht standen, starrten mich an und forderten mich jedes Mal heraus, wenn ich an ihren vorüberging.“ (S. 8)

Als Leser begleitet man den pubertierenden Ich-Erzähler Polo ab seiner 8. Schulklasse und wird Zeuge seiner Gedankenwelt, die von finsterstem Sarkasmus, tiefster Verachtung seiner Familie und seiner Umwelt gegenüber, Neid, bitteren Sehnsüchten, zerbrechlicher Liebe, von den Zweifeln und der Unsicherheit eines Heranwachsenden und der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen geprägt ist.

„Wäre Tamimount ein Land, wäre sie die USA: Sie verteidigt sich immer, nachdem sie dich als Erstes angegriffen hat, vorbeugend verpasst sie dir eine Kopfnuss und glättet sich anschließend seelenruhig den Pony, der eine Narbe auf der Stirn verdeckt, weil ihr Vater sie verdrischt. Auch vorbeugend.“ (S. 41)

Nachdem ich zu lesen begonnen hatte, mochte ich nicht mehr aufhören. Es war interessant Polos Entwicklung anhand seiner Denkweise und Gefühlswelt zu folgen, die eine bunte Mischung aus tatsächlichem Erleben und Phantasie ist. Die Sprache ist bildhaft und eindringlich, rutscht aber auch schon mal in derbe und derbere Ausdrucksweisen ab, was den Charakter allerdings authentisch wirken lässt.

„-Was heißt enden wie du, Papa? -Das heißt öfter den Boden als den Himmel im Blick zu haben, was dich nicht daran hindert, trotzdem in die Scheiße zu treten…
Insgeheim musste ich ihm beipflichten. Mein Vater ist intelligent. Nur dass die Wörter in dem Schlamassel zu nichts taugen. Der Boden, der Himmel und die Scheiße, das fügte sich hier perfekt zusammen.“ (S. 66)

„Mein Vater ist Putzfrau“ ist eine liebevolle Vater-Sohn-Geschichte voller Situationskomik und Galgenhumor, die viel Stoff zum Nachdenken, schmunzeln und mitfühlen zu bieten hat. Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und deshalb wärmstens empfehlen kann.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

italien, kinderemigration, mailand, süditalie

Das Leben wartet nicht

Marco Balzano , Maja Pflug
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.02.2017
ISBN 9783257069839
Genre: Romane

Rezension:


Marco Balzano greift in dem Roman „Das Leben wartet nicht“, das Phänomen der Kinderemigration auf, das in der Zeit von 1959 bis 1962 noch ein letztes Mal heftig zunahm. Es handelte sich hierbei um Kinder aus armen oder sehr armen Familien, vorwiegend aus Süditalien. Der Autor interviewte zu diesem Thema fünfzehn Personen mit einer solchen Biographie und verwendete das Erzählte für sein Buch.


In zwei Erzählsträngen begleiten wir den den Protagonisten und Ich-Erzähler Ninetto durch diesen Roman. Zum einen befinden wir uns im Heute, wo Ninetto im Alter von Ende 50 nach mehreren Jahrzehnten Fabrikarbeit und einer verbüßten 10jährigen Haftstrafe versucht mit der auf sich geladenen Schuld zurechtzukommen und sich auch den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen stellen muss. Zum anderen begleiten wir ihn bei seinen Rückblicken in eine Zeit, die rund 50 Jahre zurück liegt.


Als seine Mutter einen Schlaganfall bekommt, geht der Sizilianer Ninetto, der in großer Armut aufwächst und dessen Spitzname pelleossa ist, was so viel wie „Haut und Knochen“ bedeutet, sofort von der Grundschule ab, um fortan auf dem Feld als Tagelöhner zu arbeiten. „Nach Zank, Tagen ohne Essen und unerträglichem Gekeife“ schließt er sich mit Zustimmung seines Vaters einem erwachsenen Kollegen an, um von seiner sizilianischen Heimatstadt nach Mailand auszuwandern – in eine Stadt, die damals durch das sogenannte Wirtschaftswunder aufblühte und in die Arbeiter aus allen Regionen Italiens kamen, weil sie auf ein besseres Leben hoffen ließ.


„Es war Ende 1959, ich war neun und in dem Alter möchte man immer lieber ins seinem Dorf bleiben, auch wenn es ein beschissenes Dorf ist und keineswegs das Schlaraffenland. Aber irgendwo hört’s auf, und wenn dir scheint, das Elend werde dich gleich verschlingen wie eine Sturzwelle, dann ist es besser, du packst dein Bündel und haust ab, Schluss aus.“ (S. 17)


In Mailand angekommen, findet Ninetto schon bald Arbeit als Botenjunge und arrangiert sich mit einer Welt, in der zwar immer noch Armut herrscht, die aber nun eine Umwelt aus beengten Mietskasernen und Fabrikschloten zu bieten hat. Einziger Lichtblick bleibt lange Zeit der 15. Geburtstag, der bedeutsam ist, weil er als Einstiegsalter für die Fabrikarbeit gilt. Denn eine Anstellung in einer Fabrik zu bekommen bedeutet eine regelmäßige Arbeit zu haben, die ein eigenes zu Hause und die Gründung einer Familie ermöglicht.


In diesem Zusammenhang erscheint mir auch das auf dem Buchcover gezeigte Bild von Ben McLaughlin mit dem Titel „The income of American Workers is not keeping pace with inflation, a survey has shown“ nicht nur vom Titel sondern auch von der Abbildung sehr passend ausgewählt.


Man fühlt aufgrund der bildhaften Beschreibungen mit dem vorwitzigen lebenshungrigen Ninetto mit. Und auch wenn es das Leben nicht immer gut mit dem Kleinen zu meinen scheint, erweckt dieser Roman nicht den Eindruck, als wolle er Mitleid für die harte Kindheit seines Protagonisten erhaschen. Ganz selbstverständlich und ohne zu klagen nimmt Ninetto sein Schicksal an und kämpft, wenn es nötig ist. Auch sieht er sich selbst nicht als Einzelfall an und begreift als Erwachsener seine Vergangenheit als ein Stück seiner Lebensgeschichte, auf die er mit einem gewissen Stolz zurückblickt.


„Kein Mensch weiß im voraus, wen er findet und wen er verliert und welche Wohnung und welche Fabrik Gott für ihn vorgesehen hat.“ (S. 151)


In melancholischer Stimmung führt Marco Balzano den Leser durch eine Handlung, von der man gerne wissen möchte, wie sie weiter geht. Doch dieser Roman ist nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken über die heutzutage wieder stattfindende Kinderemigration an und macht auch Auswanderungsgründe, die nicht ausschließlich mit Kriegen in Zusammenhang stehen, nachvollziehbar.

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Tags: italien, kinderemigration, mailand, süditalie   (4)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Junigewitter

Stefanie Gercke
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.12.2016
ISBN 9783453419995
Genre: Romane

Rezension:


Die junge Restauratorin Alice und ihr Mann Pierre wandern nach Südafrika aus und bauen sich dort ein neues Leben auf. Die Geburt ihres Sohnes Christoph krönt ihr Glück. Gemeinsam überstehen sie die Wirren und das Ende der Apartheid. Eines Tages verschwindet Christoph spurlos und als es Jahre später für Alice und Pierre endlich wieder bergauf zu gehen scheint, verschwindet auch Pierre. Daraufhin verlässt Alice Südafrika und kehrt zurück nach Lübeck zu ihrer Familie.


Die erste Hälfte des Buches erzählt vom Kennenlernen und Auswandern der Protagonistin Alice und ihrem Mann Pierre nach Südafrika. Als Leser erfährt man einiges über die südafrikanischen Gepflogenheiten und die Lebensweise, über die Armut und die hohe Kriminalität, über die Tier- und Pflanzenwelt und liest wunderbare Beschreibungen der Landschaft. Letzteres weckte in mir auch gleich die Sehnsucht, dieses wunderschöne aber zwiespältige Land irgendwann ein weiteres Mal bereisen zu wollen. Die Autorin verstand es, vor meinem geistigen Auge Bilder aufleben zu lassen und Zusammenhänge zwischen bereits Beobachtetem und im Buch Geschilderten zu entdecken. Auch den geschichtlichen Ausflug in die Zeit der Apartheid fand ich sehr interessant. Eingewoben in die Geschichte zeigte sich das alles noch ein wenig greifbarer.


„Der Zulu war ein Klotz von einem Mann, der nie lächelte. Ein Terrorist? Der Gedanke jagte ihr eiskalt durch die Adern. „Sie nennen sich Freiheitskämpfer“, flüsterte sie. „Die Münze hat zwei Seiten.“ (S. 110)


Bis zur Mitte dieses Romans war ich begeistert und glaubte schon in Stefanie Gercke eine neue Autorin für mich entdeckt zu haben, doch als sie ihre Protagonistin Alice schließlich nach Lübeck zu ihrer Familie zurückkehren lässt, kippt für mich die Geschichte.


„Alice legte das Messer zurück in die Schublade. Allmählich musste sie sich daran gewöhnen, dass dieses wohlgeordnete Land nichts mit dem wilden, aufregenden Afrika zu tun hatte, ihr hier niemand auf Schritt und Tritt nach dem Leben trachtete. Weder vierbeinig, zweibeinig noch schlängelnd ohne Beine. Hier war alles gemäßigt, nicht wild und ungezügelt. Zarte Aquarellfarben, nicht glühend wie van Gogh.“ (S. 258)


Plötzlich hatte ich das Gefühl einen beliebigen Familienroman zu lesen, in dem es ein unglaubwürdiges Familiengeheimnis zu lösen und einen Schatz zu bergen gilt, in den eine kitschige Liebesgeschichte eingewoben wurde und die weiteren handelnden Personen lieblos und oberflächlich irgendwelchen Klischees entsprungen sind. Die Charaktere bleiben flach und selbst mit Alice, die mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat, konnte ich nicht mitfühlen, sondern blieb immer ein distanzierter Beobachter. Auch habe ich einige Logikfehler in dem Buch entdeckt, die mir den Lesespaß genommen haben. Die Handlung wirkt konstruiert und ist meist vorhersehbar, weil man als Leser schnell erkennt, dass sich in diesem Teil des Buches einfach alles zum Positiven wenden muss.


Insgesamt ließ mich das Buch enttäuscht zurück. So sehr ich den ersten Teil des Buches gemocht und mit 4 von 5 Bewertungssternen versehen hätte, so schlecht fand ich den zweiten Teil, für den ich nur 2 Sterne vergeben hätte. Daraus ergibt sich eine Durchschnittsbewertung von 3 Sternen, mit der gefühlsmäßigen Tendenz zu 2.


Ich habe den Eindruck, dass die Autorin in diesem Buch zu viele Geschichten und Ideen unterbringen wollte. Mich hat sie damit nicht überzeugen können, weshalb ich das Buch leider nicht empfehlen kann.

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110 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

flughafen, lebensfragen, schizophrenie, roman, philosophie

Kosmetik des Bösen

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Flexibler Einband: 106 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.07.2005
ISBN 9783257234756
Genre: Romane

Rezension:


Der Name war mir zwar schön öfter begegnet, aber gelesen hatte ich von der Autorin Amélie Nothomb bislang noch nichts. Da mir "Kosmetik des Bösen" eines ihrer bekanntesten und am meisten gelobten Bücher zu sein schien, wollte ich die Schreibweise der Autorin, die ihre Romane vorzugsweise in Dialogform verfasst, dadurch kennen lernen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Diese Geschichte spielt im Wartesaal eines Flughafens, wo der Geschäftsmann Jérôme Angust erfährt, dass sein Flug um unbestimmte Zeit verschoben wurde. Als sich ein Mann neben ihn setzt, der sich als Textor Texel vorstellt, und ihm auf aufdringlichste Weise von seinem Leben erzählen will, versucht sich Jérôme erst sanft, dann jedoch immer unmissverständlicher zu entziehen. Nachdem auch ein Sitzplatzwechsel und Drohungen nicht helfen, ergibt er sich schließlich widerwillig in ein Gespräch voller seelischer Abgründe, in dem sein Gegenüber seine dunkelsten Seiten offenbart.

Als Leser durchlebt man mit Jérôme unterschiedlichste Gefühlszustände und kann einen spannenden Wandel dieses Charakters verfolgen. Die Verärgerung und das genervt sein von dem lästigen Sitznachbarn ist nachvollziehbar dargestellt und man kann über die Dreistigkeit des Textor Texel nur den Kopf schütteln. Man empfindet Mitleid für das vermeintliche Opfer, das mit einem erzwungenen Gesprächspartner gestraft ist, der Widerwärtiges und Abstoßendes über sich zu erzählen weiß und dazu noch einen gewalttägigen gewissenlosen Eindruck macht. Während Jérôme anfangs noch unbeeindruckt mit bösem Sarkasmus auf Textors Erzählungen reagiert, was beim Lesen doch das ein oder andere amüsierte Schmunzeln hervorruft, lässt er sich doch immer mehr auf einen Dialog ein, der schließlich eine überraschende Wendung bringt.

Allein durch das Gespräch dieser beiden Personen, die im Flughafen nebeneinander sitzen, wird diese Geschichte erfahrbar. Was auf den ersten Blick eintönig klingen mag, ist es auf keiner Seite dieses Buches. In flüssiger Schreibweise und durch interessante, lebendige und teils bösartige Dialoge erzählt die Autorin meisterhaft diese Geschichte von Vergewaltigung, Mord und tiefgehenden seelischen Abgründen. Als Leser fliegt man durch dieses Buch und folgt gespannt den überraschenden Entwicklungen.

Nach Beendigung dieses Romans habe ich ihn erstaunt durchgeblättert und einige Stellen gleich nochmal gelesen, um die Dialoge auf eine nun um die Hintergründe wissende Weise neu zu erfahren. "Kosmetik des Bösen" war für mich eine besondere Leseerfahrung und ich möchte unbedingt noch mehr von der Autorin lesen, weshalb ich für dieses Buch eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen kann.

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73 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

fliegen, pilotinnen, frauenbewegung, emanzipation, frauen

Unsere Hälfte des Himmels

Clarissa Linden
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519011
Genre: Romane

Rezension:


1935 geht es um Hanni und Amelie, zwei Freundinnen, die ihre Leidenschaft zum Segelfliegen fest zusammengeschweißt hat. Ihr großer Traum ist es, in Berlin gemeinsam als Pilotinnen ausgebildet zu werden und so als eine der ersten Frauen mit dem Fliegen Geld verdienen zu können. Zu der Zeit gab es zwar bereits einige wenige Fliegerinnen, aber die aufkeimende Emanzipation wurde vehement vom Regime unterdrückt. Frauen gehörten in dieser Zeit an den Kochtopf und sollten dem Führer viele Kinder schenken. Als für Hanni und Amelie die Verwirklichung ihrer Träume endlich in greifbare Nähe zu rücken scheint, lernen die beiden Freundinnen Felix kennen.


1971 erleidet Amelie einen schweren Unfall und fällt ins Koma. Uneigenständig und fast völlig von ihrem Mann abhängig reist ihre Tochter Lieselotte zu ihr, um ihr beizustehen. Dabei lernt sie Amelies Nachbarin und Freundin, eine junge Studentin, kennen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Amelies Vergangenheit und Lieselottes Vater. Doch hierbei erhält Lieselotte nicht nur die lange ersehnten Antworten auf ihre vielen Fragen, sondern lehnt sich endlich auch gegen ihren gefühlskalten despotischen Mann auf um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das Buch beginnt mit einem Personenverzeichnis, auf das ich allerdings nicht zurückgreifen musste, da die Zahl der handelnden Personen meines Erachtens übersichtlich blieb. Im Anhang gibt es ein Nachwort und einige interessante Hintergrundinformationen, wo unter anderem auch die Namen der Fliegerinnen aus früheren Zeiten aufgeführt sind, einige ausgewählte Ereignisse aus der Geschichte des (Frauen-)Fliegens genannt werden und weiterführende Literatur empfohlen wird.

Die Kapitel, in denen man sich im Jahr 1935 befindet, werden jeweils mit dem Zitat einer berühmten Fliegerin eingeleitet. Die Beschreibungen vom Fliegen sind so wunderbar beschrieben, dass man die Eindrücke bildlich vor Augen hat und am liebsten gleich selbst erleben möchte. Man atmet förmlich die Leidenschaft fürs Fliegen ein und auch vom Gefühl der tiefen Freundschaft zwischen Hanni und Amelie bleibt man nicht unberührt. Beim Blick auf das Cover des Buches, glaubt man eine Fotografie der beiden vertraut flüsternden fröhlichen jungen Frauen abgebildet zu sehen, die sich aufmachen werden, um ihre Hälfte des Himmels zu erobern.

„Frauen tragen die Hälfte des Himmels.“
(Chinesisches Sprichwort und Slogan der internationalen Frauenbewegung)

In diesem Buch geht es aber auch um Zeiten, in denen die Frau dem Mann unterstellt ist und ihr einziger Lebenszweck darin besteht, diesen zu bedienen und sich um die Kinder zu kümmern, die sie am besten zahlreich auf die Welt bringt. Noch in den 1970er Jahren durften Frauen in West-Deutschland nicht selbst entscheiden und mussten für viele Dinge noch die Genehmigung ihrer Ehemänner einholen. In meiner Kindheit befanden sich diese Strukturen bereits im Umbruch und es herrschte ein anderer Zeitgeist. Das Buch machte nachdenklich und ließ mich immer wieder innehalten um mich zu fragen, wie wohl meine Mutter und Großmutter diese Jahre erlebt hatten. Wie viel Energie hatten sie aufbringen müssen, um sich stückchenweise ihre Freiheiten zu erkämpfen? Und gegen welche Widerstände hat man als Frau heute noch zu kämpfen?

Dieser Roman ist auf unterschiedliche Arten emotional, aber dennoch nicht kitschig. Er ist berührend, machte mich teilweise wütend und wusste mich für sich einzunehmen. Ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Und doch hatte ich nach dem Lesen das Gefühl, dass mir etwas an der Geschichte gefehlt hat. Das lag wohl zum einen daran, dass die Zeitebenen nicht gut miteinander verknüpft waren und zum anderen für meinen Geschmack zu viele Klischees verwendet wurden: Die neugierige alte Nachbarin, der herrische gefühlskalte Ehemann, die aufmüpfige Studentin, das eingeschüchterte Hausmütterchen, die lieblose Mutter und so weiter. Das erzeugte trotz guter Beschreibungen eine gewisse Oberflächlichkeit.

Insgesamt hat mich das Buch jedoch gut unterhalten, zum nachdenken angeregt und mir einige interessante Aspekte über Frauen in der Geschichte des Fliegens aufgezeigt. Wer außerdem noch etwas über die Themen Freundschaft, Emanzipation der Frau und tragische Liebe lesen mag, dem könnte dieses Buch gefallen.

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Tags: berli, emanzipatio, fliege, frankfur, kasse, ns-zeit, pilotin   (7)
 

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Denn alles ist vergänglich

Irvin D. Yalom , Liselotte Prugger
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714735
Genre: Romane

Rezension:


Da ich von Irvin D. Yalom bereits die Romane „Die rote Couch“ und „Nietzsche weinte“ gelesen und die Verquickung von psychologischen und philosophischen Themen sehr gemocht hatte, war ich auf „Denn alles ist vergänglich“ sehr gespannt. Mit über 80 Jahren am Ende einer langen außergewöhnlichen Karriere angekommen nutzt der US-amerikanische Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Psychiater, emeritierte Professor für Psychiatrie an der Universität Stanford und Schriftsteller Irvin D. Yalom seine gesammelte therapeutische Erfahrung, um sich mit den zwei größten Herausforderungen des Menschseins auseinanderzusetzen: Wie es gelingen kann, ein sinnvolles Leben zu führen. Und wie sich die Tatsache ertragen lässt, dass dieses Leben ganz unvermeidlich ein Ende finden wird.


In zehn wahren Geschichten, in denen er Wiedererkennbares zum Schutz der Personen zum Teil verändert hat, legt Yalom den Fokus auf das Hier und Jetzt, wobei seine höchste Priorität auf der Entwicklung einer aufrichtigen, transparenten und heilsamen Bindung zwischen ihm und seinen Patienten liegt. Als Leser bekommt man Gelegenheit, Mäuschen in seinen Therapiesitzungen zu spielen und erhält Dank der Ich-Perspektive Einblick in seine empathische wohldurchdachte Gedankenwelt. Teils ist es erschreckend, wie schnell er unter Zeitdruck seine Patienten zu durchschauen vermag und sie scheinbar im Hauruck-Verfahren therapiert, andererseits sind die Gespräche aber auch gerade dadurch sehr intensiv und kommen schnell auf den Punkt. Oft ergeben sich durch die Erzählungen Themen, die einen das Buch beiseite legen lassen, und zum nach- und weiter denken anregen und im besten Fall für interessanten Gesprächsstoff mit einem ebenso nachdenklichen Mitmenschen sorgen.


„Ich musste daran denken, wie vollkommen unmöglich es doch war, jemals herausfinden zu wollen, wie Psychotherapie wirklich funktioniert. Wir Therapeuten bemühen uns so fieberhaft um Präzision in unserer Arbeit, wir streben danach, fein abgestimmte Empiriker zu sein, die versuchen, perfekt zugeschnittene Lösungen für die Bindungsschäden oder fehlerhaften DNA-Sequenzen unserer Patienten zu liefern. Doch die Realtitäten unserer Arbeit lassen sich nicht in dieses Modell zwängen, und oft ertappen wir uns beim Improvisieren, sobald wir uns gemeinsam mit unseren Patienten auf den holprigen Weg zur Gesundung machen.“ (S. 96)


Das macht den Autor sympathisch. Er hat keine Patentrezepte parat und gesteht sich auch Unsicherheiten und Fehler ein. Die Patienten in seinen Geschichten profitieren immer wieder auf eine Art und Weise, die er laut eigener Aussage unmöglich hätte voraussehen können. Und so erzählt er auf anschauliche Art und in einem flüssigen gut lesbaren Schreibstil von einem Patienten, für den es wichtig war, dass eine für ihn bedeutsame Person ihn als bedeutend erachtet; eine andere Patientin begreift, dass das wirkliche Leben im gegenwärtigen Augenblick gelebt wird; das Leben des nächsten Patienten ändert sich, weil Yalom ihm eine Haushälterin empfohlen hatte; eine Krankenschwester macht Bekanntschaft mit ihrem besseren Selbst; eine verstummte Schriftstellerin findet ihre Stimme wieder; die letzten Tage einer sterbenden Patientin füllen sich mit Sinn; eine Patientin erkennt, dass eine Diagnose das Verstehen beeinträchtigen und Verzerren kann; ein Patient findet sich selbst, indem er die Methode eines Denkers aus der Antike anwendet.


Dieses Buch ist keine leichte Kost und lässt sich nicht einfach so nebenher weglesen. Man hat Menschen und deren Gefühle und Problematiken vor Augen, was neben den Themen des Alterns und des Todes intensiv ist und nahe gehen kann. Gleichzeitig versteht Yalom es jedoch auch Hoffnung zu geben, indem er aufzeigt, welche Lösungen und Verhaltensweisen er gemeinsam mit seinen Patienten erarbeitet hat. Wenn man vor ernsten Themen nicht zurück schreckt und sich auf „Alles ist vergänglich“ von Irvin D. Yalom einlassen mag, kann man unter Umständen interessante Denkanstöße für sein eigenes Leben finden. Ein lohnenswertes Buch, wie ich finde.

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98 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

thriller, true-crime-autorin maggie rose, isle of wight, thrille, er liebt sie nicht

Er liebt sie nicht

Sharon Bolton , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 03.10.2016
ISBN 9783442547678
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Charismatisch, erfolgsverwöhnt, gut aussehend, intelligent und ein verurteilter Serienkiller, der vier stark übergewichtige Frauen umgebracht haben soll, ist Hamish Wolfe. Er beteuert jedoch seine Unschuld. Damit sein Fall neu aufgerollt werden kann, bittet er Maggie Rose, eine erfolgreiche knallharte Anwältin und True-Crime-Autorin, die schon mehrere verurteilte Straftäter wieder freibekommen konnte, um Hilfe. Sie widersetzt sich seinen Bitten, was dem Polizisten, der Hamish seinerzeit festgenommen hat, sehr recht ist. Dieser Thriller lebt davon, wie die Protagonisten miteinander umgehen und was sie sagen oder nicht sagen. Als Leser ist man ständig auf der Suche nach Hinweisen, die einem verraten können, was wirklich vorgefallen ist und wer hier falsch spielt.

Den deutschen Titel des Buches halte ich für gut gewählt, das Cover spricht mich allerdings nicht an und ich kann im nachhinein auch keinen Bezug zum Inhalt des Buches herstellen. Beim englischen Original finde ich das besser und ansprechender gelöst.

Der Thriller spielt im Südwesten Englands und wird aus personaler Erzählperspektive dargestellt, wobei teilweise eine recht bildhafte Sprache gewählt wird, die für eine gute Vorstellungskraft sorgt:

„Die Kammer ist riesig, als wäre die ganze Felswand hohl, und noch immer sehen die Felsen um sie herum aus wie lebendiges Gewebe. Fast könnte sie sich einbilden, im Bauch irgendeiner gigantischen Kreatur zu sein. Dass, wenn sie die Hand ausstreckt und die Wände berührt, diese warm wären, unter ihren Fingern nachgeben würden, dass Blut darin pulsieren würde.“ (S. 77)

Dennoch handelt es sich bei diesem Thriller um kein Buch, bei dem die unschön zu Tode gekommenen Opfer über Gebühr blutrünstig beschrieben werden oder ein Fokus auf gewalttätige Szenen gelegt wird.

Maggie und Hamish sind gut ausgearbeitete, aber auch sehr eigenwillige und ungewöhnliche Charaktere, deren scharfsinnige und kluge Denkweise wir aufgrund der Erzählperspektive mitverfolgen können. Ihre Art und Handlungsweise ist vor allem berechnend und manipulativ. Richtig sympathisch werden einem diese Personen nicht. So fiebert man zwar der Auflösung entgegen, die am Ende auch überraschend ist, aber durch die mangelnde Nähe zu den agierenden Personen fühlt man ansonsten nicht mit.

Die Handlung erschließt sich auf anschauliche und abwechslungsreiche Weise. Neben dem Erzähler erfahren wir durch handschriftliche Briefe zwischen Maggie und Hamish, Briefe von Hamish an eine Unbekannte, Briefe einer Unbekannten an Hamish, eMails, unterschiedlichste Zeitungs- und Online-Artikel, ein psychiatrisches Gutachten und nicht zuletzt durch Maggies Buchentwurf unterschiedlichste Details, die sich zu einem lückenhaften Gesamtbild zusammenfügen, bei dem die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt.

Wer einen spannenden Thriller mit ungewöhnlichen Protagonisten und einem überraschenden Ende lesen möchte, dem könnte „Er liebt sie nicht“ von Sharon Bolton gefallen.

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Tags: thrille   (1)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

performanc, autobiography, performance-kunst, kuns, art

Durch Mauern gehen

Marina Abramović , Charlotte Breuer & Norbert Möllemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 14.11.2016
ISBN 9783630875002
Genre: Biografien

Rezension:


Eine Frau, die an ihre physischen und psychischen Grenzen geht – und dabei die Grenzen der Kunst sprengt. Marina Abramovic erzählt von einem Leben jenseits eingefahrener Konventionen, beschreibt die Momente, die sie persönlich und künstlerisch geprägt haben: ihre privilegierte und doch einsame Kindheit im kommunistischen Jugoslavien, ihre ersten radikalen Performances, das unvergessliche Zusammentreffen mit Joseph Beuys. Ihre leidenschaftliche Beziehung mit dem deutschen Künstler Ulay, mit dem sie zwölf Jahre in einem umgebauten Citroen-Bus die Welt bereiste. Sie schildert, was ihr überraschender Erfolg auf der Biennale in Venedig und der Umzug nach New York auslösten. Und was ihr die Langzeit-Performances der letzten Jahre bedeuten, die Hunderttausende begeisterten.

Bereits das Cover mit dem ausdrucksstarken Portrait Marina Abramovics zog mich in seinen Bann noch bevor ich den Klappentext des Buches las. Perfomance-Kunst hatte ich bislang noch nicht vor Ort erleben dürfen und was ich bislang im Fernsehen anschaute, konnte mich nicht berühren. Dennoch machte es mich neugierig, welche Absicht eine Künstlerin damit verfolgt, wenn sie sich mit einer Glasscherbe ein Pentagramm in den Bauch ritzt, vier Tage lang bei glühender Hitze stinkende Rinderknochen schrubbt oder ein dreimonatiges Sit-In veranstaltet, bei dem die Besucher ihr gegenüber auf einem Stuhl platz nehmen und ihr in die Augen blicken. Skurril und fremdartig genug, bewegte es mich dazu, die Autobiografie Marina Abramovics lesen zu wollen.

Unaufgeregt erzählt sie von ihrem leidenschaftlichen Leben für die Kunst und ihre Performances. Sie lebt und leidet für die Kunst.

"Das ist mein Motto bei jeder Performance. Ich gebe alles, und dann passiert etwas oder auch nicht." (S. 189)

Man erfährt in dem Buch, aus welchen Ideen heraus einige ihrer Perfomances entstanden sind und wie sie entwickelt wurden. Es war unglaublich interessant einem Freigeist wie Marina Abramovic durch ihr bisheriges Leben folgen zu dürfen. Die zahlreichen Bilder machten dieses Buch zu etwas Persönlichem und halfen dabei, sich die Performances der Künstlerin besser vor Augen führen zu können, sofern man sie nicht kennt.

Da Marina Abramovic ein sehr spiritueller Mensch ist, führte sie ihr Lebensweg auch immer mal wieder zu Sufi Meistern und Philosophen nach Indien oder zu Schamanen nach Brasilien. Eher sachlich schildert sie teilweise Unglaubliches, doch ich hatte nicht den Eindruck, dass sie damit zum Glauben bekehren möchte, sondern dass sie einfach nur ihre Erfahrungen und Einflüsse mitteilt.

"Das alles erinnert mich sehr stark an das, was ich bei Langzeit-Performances erlebt habe. Die Stücke sind äußerst monoton und gleichförmig: Es gibt keine Überraschungen für den Körper, und so kann der Verstand sich abmelden. Auf diese Weise gelangt man in einen Zustand der vollkommenen Harmonie mit allem um einen herum..." (S. 180)

Als Leser scheint man ihr gegenüber Platz zu nehmen und sie einfach nur erzählen zu lassen. Ich habe mir immer wieder gern das Buch zur Hand genommen und der flüssige Schreibstil trug mich mit Leichtigkeit durchs Buch. Performance-Kunst ist mir dadurch zwar nicht näher gekommen, aber ich verstehe sie inzwischen als eine künstlerische Ausdrucksform, die ich persönlich zwar nicht immer nachvollziehen und gut finden kann, es aber auch nicht muss, da sie wohl von der Wirkung zwischen Publikum und Künstler vor Ort zu leben scheint.

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Tags: kuns, performanc, performance-kunst   (3)
 

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erzählunge, essays, schottland

Szenen aus Schottland

James Leslie Mitchell , Esther Kinsky
Fester Einband: 170 Seiten
Erschienen bei Guggolz Verlag, 01.03.2016
ISBN 9783945370063
Genre: Klassiker

Rezension:


James Leslie Mitchell (1901-1935) schrieb immer wieder über seine Heimat Schottland. In diesem Band mit Erzählungen und essayistischer Prosa ist seine literarische Kunst in komprimierter Form zu entdecken. Menschen, Gespräche, Landstriche, Jahreszeiten, Historie und Mythen werden in einer Sprache geschildert, die gleichermaßen sanft wie auch schroff ist und mit all ihren Eigenheiten der schottischen Landschaft selbst zu entsprechen scheint.

Eher schlicht von der Aufmachung kommt dieses 170 Seiten starke und mit zurückhaltenden Tuschezeichnungen versehene Büchlein daher. Bereits nach den ersten Sätzen steht jedoch fest, dass man hier einen kleinen Schatz in Händen hält, weil der Autor über ein Sprachgefühl und eine poetische Ausdrucksweise verfügt, vor der man sich als Leser einfach nur voller Hochachtung verneigen kann. Vor dem inneren Auge bauen sich stimmige schottische Bilderwelten auf, in denen ganz selbstverständlich und greifbar urig kauzige Protagonisten wandeln.

„…ich erinnere mich an die frühen Sommermorgen, die safrangetüpfelt über den Heuraufen von meines Vaters Hof heraufzogen, das Wispern und Knistern der Getreideähren, Grün, das zu Gelb wurde auf den langen Feldern, die sich vor unserer Haustür erstreckten, das Rumpeln und Quietschen des Aufsatzes eines vorüberfahrenden Kastenwagens, das muntere, etwas spöttische ‚He!‘ des Bauernburschen mit lachenden Augen, der unrasiert auf der Vorderkante des Kastens hockte…“ (S. 39)

So sehr ich die bemerkenswerten Beschreibungen von Landschaft, Natur und Menschen mit der von alten schottischen Wörtern durchsetzten Sprache in den insgesamt 4 Erzählungen genossen habe, so zwiespältig las ich die 3 Essays. Immer wieder musste ich mir die Frage stellen, ob mein geringes Vorwissen von der schottischen Mentalität und den geschichtlichen Begebenheiten in den 1930er Jahren tatsächlich ausreichte, um die Tragweite und den Sinn der journalistischen Texte, mitsamt der darin enthaltenen Ironie tatsächlich vollends erfassen zu können. Hier konnte jedoch das von der Übersetzerin Esther Kinsky verfasste Nachwort, das ich mir als Vorwort gewünscht hätte, weiter helfen. Darin erfuhr man von der sozialen Ungerechtigkeit in den Städten, vor allem von der Menschenunwürdigkeit der legendären Glasgower Slums und die daraus resultierende politische Einstellung Mitchells: Er blieb Zeit seines Lebens ein überzeugter, leidenschaftlicher Sozialist.

Insgesamt handelt es sich hierbei um ein Buch, das mich eher sprachlich zu bezaubern wusste, meinen Wunsch, irgendwann einmal Schottland besuchen zu wollen, aber dennoch verstärken konnte.

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Tags: erzählunge, essays, schottland   (3)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erzählungen, magischer realismus, kurzgeschichten, fantasy

Schlafanstalt für Traumgestörte

Karen Russell , Malte Krutzsch
Fester Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.03.2008
ISBN 9783036955131
Genre: Romane

Rezension:


Mit unbändiger Phantasie zaubert Karen Russell Welten aufs Papier, wo Wolfsmädchen in einem Umerziehungsheim zu wertvollen Gliedern der Gesellschaft zurechtgebogen werden, da verdient eine Familie ihren Lebensunterhalt mit Alligatorwrestling in einem Vergnügungspark, und orakelträumende Kinder werden von ihren Eltern in der Schlafanstalt für Traumgestörte abgegeben. Russells Geschichten aus den Sümpfen Floridas und den Inseln im Golf von Mexiko erzählen von Exzentrikern und Rastlosen. Nicht zuletzt geht es auch um Freundschaft und Initiation und uns wird auf souveräne Weise vorgeführt, wer wir sind und wie wir leben.

Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Buch durch Ilke von Buchgeschichten. Neben ihrer Beschreibung, konnte mich auch das Cover neugierig machen. Mir gefällt die Farbgestaltung und inzwischen weiß ich, dass die eigenartig anmutende Zeichnung zur letzten Geschichte des Buches gehört.

Aber auch der Inhalt konnte mich überzeugen. Mit großem Einfallsreichtum werden hier 10 Geschichten auf jeweils etwa 30 Seiten erzählt. Sofort wird man in Situationen mitgenommen, in die man sich aufgrund der schönen Sprache und der bildhaften Beschreibungen gut einfinden kann. Auf den ersten Blick scheint es sich hierbei schonmal um mehr oder weniger alltägliche Umstände zu handeln, doch immer wandeln sich die lebendigen und anschaulichen Erzählungen früher oder später zu surrealen Geschichten, die einen bis zum Schluss mitnehmen.

Es handelt sich hierbei um intensive Kurzgeschichten, die ich nicht hintereinanderweg lesen konnte und wollte. Jede wirkte auf ihre Art und es machte mir Spaß nach dem Lesen jeder einzelnen inne zu halten und das Gelesene zu überdenken – meist mit einem Lächeln auf den Lippen, weil diese Kurzgeschichten zu überraschen und zu bezaubern wissen.

„Es ist einer jener seltenen Augenblicke, da die Luft derart von Erinnerungen knistert und duftet, dass die Welt der Phantasie und die Wirklichkeit sich zu überlappen scheinen.“ (S. 85)

Wer magischen Realismus mag, dem möchte ich den Erzählband „Schlafanstalt für Traumgestörte“ von Karen Russel empfehlen. Wenn man dem Buch etwas vorwerfen möchte, dann dass manche Geschichten zu kurz waren, weil sie von der Atmosphäre dazu einluden, endlos weiterlesen zu wollen.

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Tags: erzählungen, magischer realismus   (2)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Flucht

Hakan Günday , Sabine Adatepe
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754762
Genre: Romane

Rezension:


Gazâ ist erst neun Jahre alt, als er erfährt, dass sein Vater Schleuser und Menschenhändler ist. Von da an muss er ihm helfen und hasst die Flüchtlinge dafür, dass er keine normale Kindheit haben kann. Für den Jungen sind sie nur eine verabscheuungswürdige Ware, die im Garten in einem „Depot“ zwischengelagert und irgendwann zur Ägäisküste weitertransportiert wird. Schon früh begreift er, welche Macht er über die Flüchtlinge hat und beginnt sie auszubeuten. Er installiert eine Kamera und spielt intrigante Spielchen mit ihnen, um sie zu beobachten und wissenschaftlich auszuwerten. Im Alter von 10 Jahren verschuldet Gazâ zum ersten Mal den Tod eines Flüchtlings und schreckt später auch nicht davor zurück, Frauen zu vergewaltigen. Sein Schicksal scheint sich erst zu wenden, als es zu einem Unfall kommt, bei dem sein Vater stirbt und er tagelang unter einem Berg von toten Flüchtlingen gefangen ist.

Das Cover finde ich interessant und passend gewählt. Der stilisierte Weg spiegelt das Thema Flucht wieder und mit etwas Phantasie erkennt man auf dem dreigeteilten Bild einen der Schauplätze aus dem Buch wieder.

Unterteilt ist das Buch ist in vier Abschnitte, die jeweils mit einer kleinen Erläuterung einer der vier Hauptmaltechniken der Renaissance eingeleitet werden. Sie lassen leise erahnen, wie der Autor seinen Protagonisten nachfolgend „zeichnen“ wird.

„Wäre mein Vater kein Mörder gewesen,…“ So beginnt der Roman und lässt einen fortan nicht mehr los. Gradlinig und sehr eindringlich erweckt Hakan Günday einen Protagonisten zum Leben, dessen Denken und Handeln der Leser in der Ich-Perspektive miterlebt. Das ist nicht immer angenehm, da der Autor so intensiv und bildhaft schreibt, dabei vom Ausdruck aber auch so unmissverständlich und brutal ist, dass ich beim lesen immer wieder schockiert innehalten musste. Auch kam es vor, dass mich das Beschriebene oder der Protagonist dermaßen angewidert hat, dass ich erstmal nicht weiterlesen mochte (Stichwort: Nekrophilie).

Immer dann, wenn die zwiespältigen Gefühle beim Lesen etwas abkühlen und man zum Teil nachvollziehen kann, warum Gazâ so geworden ist und in welche Schwierigkeiten ihn das gebracht hat, bekommt man im nächsten Moment die Bestätigung dafür, warum man es mit einem wirklich hassenswerten Charakter zu tun hat, für den man auf keinen Fall in irgendeiner Form Verständnis aufbringen kann.

Trotz alledem konnte der Roman mich immer wieder packen. Wohl wissend, dass es sich hierbei um eine fiktive Geschichte handelt, die man als düstere Phantasie werten könnte, waren dennoch Bezüge zur grausamen, längst in den Medien verbreiteten Realität erkennbar. Dass der Flüchtlings-Mensch als Ware gehandelt wird, dem teilweise übel mitgespielt wird, verdeutlicht das Buch schmerzhaft. Und doch hofft man beim Lesen immer wieder, dass das, was man da liest, pure Phantasie ist und keinen Funken Wirklichkeit enthält. Dabei ahnt man, dass die Realität oft an Grausamkeiten nicht zu überbieten ist. Aber so erschreckend und abstoßend Gazâs Denken und sein Verhalten ist, so interessant ist es auch, seinen Gedanken in die Welt der Politik und die Verhaltensforschung von Mensch und Tier zu folgen. Zur Abwechslung erlebt man hierbei Gazâs ebenso kluge, wie bedrückende und schockierende Gedanken. Hier erhält man viel Stoff zum nachdenken.

So erzählt Hakan Günday auf verstörend eindrucksvolle Weise in „Flucht“ davon, dass die Verzweiflung der einen, den Hass der anderen zur Folge haben kann. Es ist kein Buch für schwache Nerven, sondern einer der Romane, die man eigentlich weglegen möchte, es aber nicht kann – ein beeindruckendes Buch, das mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

bipolare störung, gavin extence, libellen im kopf, limes, psychiatrie

Libellen im Kopf

Gavin Extence , Alexandra Ernst
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Limes, 14.11.2016
ISBN 9783809026341
Genre: Romane

Rezension:


Nachdem Abby eines Abends ihren Nachbarn Simon tot in seiner Wohnung auffindet, gerät das Leben der unter einer Bipolaren Störung leidenden Mittzwanzigerin wieder mal aus dem Gleichgewicht. Schließlich führt ihr Absturz von euphorischen Glücksphasen in die tiefe Depression so weit, dass sie sich in eine geschlossene psychiatrische Abteilung einweisen lässt.

Das Buchcover fällt durch die farbenfrohe Gestaltung gleich ins Auge. Die abgebildeten Libellen greifen stilvoll den Titel des Buches auf und wiederholen sich auf schöne Art als Gestaltungselement bei den Kapitelüberschriften im Buch.

Bei diesem Roman handelt es sich um eine fiktive Geschichte, in die der Autor, der selbst an einer Bipolaren Störung (manisch-depressive Erkrankung) leidet, zum Teil seine eigenen Erfahrungen mit einfließen lässt. So erzählt er auf teils humorige Art die Geschichte von Abby und ihrem der Krankheit ausgeliefert sein, sowie ihrem späteren Umgang mit den daraus resultierenden Folgen.

So ernst dieses Thema auf den ersten Blick klingen mag, so unterhaltsam wurde es umgesetzt. Eine flüssige Schreibweise und ein Handlungsaufbau, der einen wie von selbst durch das Buch trägt, und man immer wissen möchte, wie die Geschichte weiter geht, sorgen dafür, dass man diesen Roman kaum aus der Hand legen mag.

Aber die Stärke dieses Buches liegt in den eindringlichen Schilderungen aus der Gefühlswelt und des Erlebens der Protagonistin mit dieser psychischen Erkrankung. Diese kommen der Realität recht nahe, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß. Der Autor hat hier die richtigen Worte gefunden, sodass man als Leser nachempfinden kann, was Abby gerade durchlebt. Auch die Gedanken und Gefühle ihres Lebenspartners werden beleuchtet und zeigen, was diese Erkrankung für die Beziehung bedeutet.

Besonders hervorheben möchte ich allerdings die Anmerkungen von Gavin Extence am Ende des Buches, in denen er auf wenigen Seiten sehr persönlich über seine Erkrankung schreibt. Diese fand ich eigentlich interessanter, als den Roman selbst. Denn obwohl der Autor Abby in der Ich-Form erzählen lässt, bleibt sie für mich eine fiktive Romanfigur, die mir nicht nahe kommt und trotz Gefühlsechtheit beim Lesen nur einen groben und doch eher oberflächlichen Einblick in die Kuriositäten und die Dramatik dieser Erkrankung bietet. Da es sich bei diesem Buch allerdings um einen Roman und nicht um ein Sachbuch handelt, empfinde ich dies auch als völlig ausreichend.

Empfehlen kann ich „Libellen im Kopf“ Lesern, die in erster Linie einen unterhaltsamen Roman über eine Mittzwanzigerin lesen möchten, deren Leben und Erleben durch ihre Bipolare Störung auf den Kopf gestellt wird.

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Tags: bipolare störung, manisch-depressiv   (2)
 

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

schizophrenie, asperger

Im Netz der Spinne (Maria Martinez 1)

Nikki Owen , Antonia Noris
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.05.2016
ISBN 9783442483297
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Die Chirurgin Dr. Maria Martinez leidet unter dem Asperger-Syndrom und findet sich im Zustand geistiger Verwirrung in einem Gefängnis wieder. Sie wurde zu einer langjährigen Haftstrafe für den Mord an einem Priester verurteilt – eine Tat, an die sie keine Erinnerung hat. Stattdessen sieht sie Bilder und wirre Szenen in ihrem Kopf. Je näher Maria der Wahrheit kommt, desto mehr gerät sie in Gefahr – in tödliche Gefahr, der sie im Gefängnis nicht entkommen kann.

Als Leser erleben wir die Gedankenwelt der Ich-Erzählerin Dr. Maria Martinez, die unter dem Asperger-Syndrom leidet. Ebenso wie ihr, fällt es dem Leser schwer, beziehungsweise es ist bis kurz vor Ende des Buches unmöglich zwischen Phantasie, Erinnerung und Realität zu unterscheiden. Durchwirkt wird die ganze Erzählung noch von Symptomen und Reaktionen, die zum Teil dem Asperger Syndrom und andere der Schizophrenie zugeordnet werden. Die Gedankenwelt und Empfindungen waren glaubhaft dargestellt und ich fand es interessant, einen Thriller aus dieser ungewöhnlichen Perspektive zu lesen.

Die Autorin hat im Laufe des Buches Marias Verstand immer weiter aufklaren lassen und mich als Leser dabei gerade noch rechtzeitig mitgenommen, bevor ich das Buch aufgrund eigener Verwirrung beiseite gelegt hätte. So bekommt man gegen Ende eine Ahnung davon, worum es in diesem Thriller überhaupt geht. Doch zeitgleich verliert Maria beinahe alle Eigenheiten und selbst ihre dem Asperger geschuldeten Verhaltensweisen treten in den Hintergrund. Damit verliert diese Geschichte für mich auch komplett ihren Reiz. Was übrig bleibt, ist verworren und wirkt so konstruiert, oberflächlich und unrealistisch, dass mich das Buch letztendlich nicht begeistern konnte.

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Tags: asperger, schizophrenie   (2)
 

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265 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 85 Rezensionen

stalker, stalking, thriller, you, caroline kepnes

YOU - Du wirst mich lieben

Caroline Kepnes , Katrin Reichardt
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei INK ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 07.05.2015
ISBN 9783863960797
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Als die Studentin Beck die Buchhandlung betritt, in der Joe arbeitet, ist er augenblicklich besessen von ihr. Da sie ihren Einkauf mit der Kreditkarte bezahlt, googelt und stalkt er sie virtuell und auch im wirklichen Leben. Als er schließlich ihr Handy an sich bringen kann, überwacht er auch ihre eMails und Socialmedia-Kontakte. Er inszeniert und manipuliert und bald kann Beck gar nicht mehr anders, als sich in den seltsamen, aber irgendwie charismatischen Typen zu verlieben, der wie für sie gemacht zu sein scheint. Joe räumt derweil jedes mögliche Hindernis aus dem Weg, das sich zwischen ihn und Beck drängt.

Hierbei handelt es sich nicht um einen typischen Stalker-Roman, bei dem beispielsweise der eine Ex-Partner nicht vom anderen lassen kann. Sondern wir erleben diesen Roman aus der Sicht und Denkweise des psychisch hochgradig gestörten Joe. Sein einziger Lebensinhalt neben seiner Arbeit darin besteht, eine überstarke Besessenheit für junge Frauen zu entwickeln, diese zu stalken um sie bis ins kleinste Detail kennenzulernen, damit er sie manipulativ für sich gewinnen kann.

Als Leser erlebt man alle Personen und durchlebt die Handlung einzig und allein in der Ich-Perspektive aus dem Blickwinkel von Joes Besessenheit. Sein Denken kreist unentwegt um das Objekt seiner Begierde und jede noch so kleine Kleinigkeit deutet er so, wie es gerade für ihn und seine teils völlig verklärte und manchmal rüde obszöne Gedankenwelt passt. So zieht er für sich völlig logische Schlussfolgerungen, die man als Leser teilweise nachvollziehen kann und doch gleichzeitig den Kopf schüttelt. Es war für mich befremdlich, dass ich darum auch diesen Stalker „verstehen“ konnte oder manchmal über seine Art von Humor schmunzeln musste.

Und genau das machte diesen Roman für mich aus, auch wenn schnell fest stand, dass dieser Protagonist äußerst gefährlich und verabscheuungswürdig ist. Die Autorin hat es geschafft, dass ich der von mir hochgradig verhassten Figur eines Stalkers ein gewisses Maß des Verstehens aufbringen konnte, das ich keinesfalls Verständnis nennen möchte. Diese Grundspannung erzeugte für mich einen unwiderstehlichen Sog, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Die Entwicklung und das Ende wurden ab einem gewissen Punkt vorhersehbar, was mich allerdings nicht enttäuschte, sondern letztlich nur eine logische Konsequenz im Handlungsverlauf war.

Mit "Hidden Bodies – Ich werde dich finden" hat Caroline Kepnes bereits im Juni 2016 eine Fortsetzung zu diesem Buch veröffentlicht, die ich in Kürze lesen werde.

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kalter krieg, sibirische steppe, sprachgenie, russisches forschungslabor, mikrobiologie

Der Rabe

Lionel Davidson , Walter Ahlers , Christian Spiel
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penguin, 12.09.2016
ISBN 9783328100027
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


„Inmitten der sibirischen Steppe liegt ein Geheimnis begraben, von dem nur eine Handvoll Menschen wissen: ein unterirdisches russisches Forschungslabor. Offiziell existiert es nicht, und wer einmal dort ist, wird es nie wieder verlassen. Doch der Biologe Rogatschow weiß, dass das, was dort geschieht, nicht im Eis verborgen bleiben darf. Er schickt einen verschlüsselten Hilferuf an den einen Mann, der die Wahrheit ans Licht bringen kann: Dr. Johnny Porter, eigenwilliger Einzelgänger indianischer Abstammung, Mikrobiologe und Sprachgenie, begibt sich auf die lebensgefährliche Mission nach Sibirien.“

So lautet der Klappentext, den ich hier komplett zitiere und der mich innerlich auf einen Thriller eingestimmt hat, der in der nahen Gegenwart spielt und von dem ich mir erhofft hatte, dass er mir eine spannende Geschichte über ein ominöses gefährliches unterirdisches Forschungslabor erzählen würde. Stattdessen wurde jedoch die lebensgefährliche abenteuerliche Geschichte von Johnny Porter erzählt, der sich zur Zeit des kalten Krieges auf den Weg macht, um die Geheimnisse dieses Forschungslabors ans Tageslicht zu bringen.

Der Schreibstil ist flüssig und schnörkellos. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um seinen Protagonisten darzustellen, ihn planen und handeln zu lassen. Das sorgt zwar stellenweise dafür, dass sich die Handlung zieht und man dem Buch die Bezeichnung Thriller aberkennen möchte, aber letztlich sorgt auch diese Genauigkeit in dem Aufbau des Charakters dafür, dass man ihm seine Taten schließlich auch zutraut. Alles ist logisch durchdacht und immer wieder gerät man darüber ins Staunen, wie ausgefeilt die Pläne des Protagonisten sind und wie wohl überlegt er zu jeder Zeit handelt.

Und doch habe ich während des Lesens immer der im Prolog kurz erwähnten Forschungsstation entgegen gefiebert. Nach knapp 2/3 des Buches war es schließlich so weit, aber dieser Teil wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren und war letztlich von diesem Teil der Geschichte eher enttäuscht.

Gegen Ende nimmt dieser Thriller dann allerdings nochmal richtig Fahrt auf und mündet in einem runden schlüssigen Ende, bei dem keine Fragen mehr offen bleiben. Obwohl mir das Buch letztlich nicht die Geschichte geliefert hat, die ich ursprünglich erwartet hatte, konnte es mich dennoch überzeugen und ich habe es trotz einiger Längen gerne gelesen.

Wer einen gut durchdachten und abenteuerlichen Thriller in Agenten-Manier lesen möchte, dessen Schauplatz überwiegend im eisig kalten Sibirien zur Zeit des kalten Krieges spielt, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

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42 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

europa, reisebericht, china, christoph rehage, chinesen

Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Christoph Rehage
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei MALIK, 17.10.2016
ISBN 9783890294353
Genre: Sachbücher

Rezension:


Christoph Rehage spricht fließend Mandarin und hat bereits einige Jahre in China gelebt, als er sich einer chinesischen Reisegruppe anschließt, um mit ihr gemeinsam auf eine vierzehntägige Busreise durch Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich zu gehen. Dabei will er herausfinden, was die Chinesen wirklich über Europa und seine Bewohner denken.

Das eher schlicht gehaltene Buchcover wirkt durch seinen Buchtitel, der auch gleich vermuten lässt, dass es in dieser Reisegruppe auch etwas zum Lachen geben wird. Beim Aufklappen sind am Anfang und am Ende des Buches insgesamt 16 Reise-Schnappschüsse zu entdecken, die vom Autor während der Tour gemacht wurden. Leider vermisse ich die Bilder der in der Schweiz auf dem Berg springenden Reisegruppe, aber das wird ja immerhin in schwarz-weiß auf dem Buchcover angedeutet und lässt mich im nachhinein noch schmunzeln.

Wie leicht es sich doch als Europäer reist, wurde mir erst beim Lesen dieses Buches wieder einmal bewusst. Chinesische Reisewillige müssen kurios wirkende Klauseln in ihren Vertragsunterlagen unterschreiben und Kautionen zahlen oder Bürgschaften vor Reiseantritt hinterlegen, wenn sie denn überhaupt ausreisen dürfen. Auch erfährt man manches über die chinesische Mentalität und natürlich wird auch das ein oder andere Klischee bedient. Hingegen kommen aus chinesischer Sicht einige europäische Verhaltensweisen eigenartig daher. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und angenehm zu lesen. Vergleiche oder Kritik an den unterschiedlichen Systemen oder der Lebensart erfolgen mit angenehmem Humor. Es wird lediglich die Andersartigkeit herausgestellt und nicht beurteilt, was nun besser oder schlechter ist.

„Aber wer einmal das verzerrte Gesicht eines Chinesen beim Verkosten von Lakritze gesehen hatte, der durfte sich wirklich gerächt fühlen. Gerächt für jeden Hühnerfuß, für jedes Entengedärm und für jedes Fischauge, mit dem er in China gequält worden war.“ (S. 84)

Man erlebt, wie Christoph Rehage in die Gruppe hineinwächst und insgeheim seinen Mitreisenden bezeichnende Spitznamen gibt. Das erleichtert das Lesen, da man nicht mit übermäßig vielen chinesischen Namen und Bezeichnungen konfrontiert wird. Teilweise verschmilzt der Autor mit der Gruppe und schildert die Geschehnisse in der Wir-Perspektive. Dadurch wird die chinesische Sichtweise und das Miterleben der Reise noch verstärkt. Ebenso wie Rehage, wachsen einem die Reisegäste nach und nach ans Herz und man ist fast ein wenig traurig, als schließlich der Rückflug nach Beijing ansteht.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass das Buch mit der Reise endet, aber Christoph Rehage hat sein beim Abschied gegebenes Versprechen wahr gemacht, und einige ehemalige Mitreisende drei Monate später in ihrem Heimatort besucht. Das war überraschend und besonders. Losgelöst von der Gruppe gab es dabei einiges Wissenswertes über die Personen und ihre persönlichen Reisehighlights zu erfahren. Das ließ die Reise in noch einem anderen Licht erscheinen.

Christoph Rehage ist mit „Neuschweinstein“ ein amüsanter Reisebericht gelungen, den ich gerne gelesen habe und jedem empfehlen kann, der gerne mal hinter die Kulissen der im Dauer-Selfie-Modus befindlichen chinesischen Reisegruppen schauen möchte.

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Tags: china, europa, reise, reisebericht   (4)
 

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

naturwissenschaft, wissenschaft, mathematik, physik, chemie

»Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie«

Ernst Peter Fischer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 22.08.2016
ISBN 9783328111115
Genre: Sachbücher

Rezension:


In seinem neuen Buch versammelt der renommierte Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer 50 Erkenntnisse aus der Naturwissenschaft und bietet dadurch einen Einblick in das Denken und Forschen berühmter Wissenschaftler.

Unterteilt ist das Buch in folgende Rubriken:

- Erkenntnisse aus Astronomie und Physik
- Erkenntnisse aus Mathematik und Informatik
- Erkenntnisse aus Naturforschung und Biologie
- Erkenntnisse aus Chemie und Medizin
- Erkenntnisse aus Molekularbiologie und Genetik
- Noch mehr Erkenntnisse.

Innerhalb der Rubriken folgen eingeleitet durch ein Zitat auf je knapp 4 Buchseiten die Erläuterungen zu dem jeweiligen Gelehrten. Gefallen hat mir hierbei, dass die Texte zum Teil mit kleinen Anekdoten gewürzt waren und doch, obwohl die Kapitel über die einzelnen Persönlichkeiten in sich abgeschlossen waren, zum Teil im darauf folgenden Kapitel aufgegriffen wurden. So entstand gelegentlich ein Sinnzusammenhang, der verdeutlichte, dass sich die Wissenschaftler gegenseitig inspiriert, zusammen gearbeitet und weiter entwickelt haben.

"Es macht einen besonderen Eindruck, wenn man die sehr unscheinbaren Knospen sieht, aus denen sich die ganze Wissenschaft entfaltet, den unbehilflichen Druck und die sehr unausgebildete Zeichensprache. Auch wenn man bedenkt, dass das, was einem jetzt wie das Stammeln eines Kindes vorkommt, seinerzeit nur den ersten Gelehrten verständlich war.“ (S. 57)

Nicht ohne Scham muss ich mir wohl eingestehen, dass meine vor mehr als 30 Jahren in der Schule erworbenen naturwissenschaftlichen Grundkenntnisse vermutlich vergleichbar mit denen eines stammelnden Kindes sind und einer dringenden Auffrischung bedürfen. Das ist mit diesem Buch, hinter dem ich dank des Titels/Untertitels eher eine eher populärwissenschaftliche Ausgabe vermutet hatte, nur zum Teil gelungen. Es war einiges Interessante in diesem Buch zu finden, aber teilweise konnte ich den Erläuterungen nicht folgen, da für mich zu viele Fachbegriffe enthalten waren. Das machte es für mich schwer, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Ich kann das Buch daher nur eingeschränkt empfehlen, bin aber der Ansicht, dass es Lesern mit großem naturwissenschaftlichem Interesse und besseren Vorkenntnissen als den meinen, viel Freude bereiten kann.

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Tags: astronomie, biologi, chemie, genetik, informati, mathematik, medizin, molekularbiologie, naturforschung, naturwissenschaft, physik   (11)
 

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264 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

thriller, ethan cross, gefängnis, ich bin der zorn, serienkiller

Ich bin der Zorn

Ethan Cross , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783404174218
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


In einer Strafanstalt in Arizona ereignet sich ein blutiger Amoklauf, bei dem ein Gefängniswärter scheinbar wahllos mehrere Häftlinge erschießt. Es stellt sich heraus, dass der Wärter von einem psychopathischen Killer erpresst wurde, der sich Judas nennt. Daraufhin ermittelt Marcus Williams außerhalb der Gefängnismauern und sein Bruder, der berüchtigte Serienkiller Francis Ackerman jr., undercover unter den Häftlingen. Doch der Judaskiller verfolgt weitaus größere Ziele, als nur ein paar Morde und bezieht sie schnell in sein Spiel mit ein.

Wie bereits bei den vorherigen Büchern dieser Reihe, ist das Buch schlicht einfarbig mit Prägedruck von Buchtitel und Autor gestaltet. Ansprechend finde ich dabei, dass der Buchschnitt in der gleichen Farbe gestaltet ist, wie das Cover. Das gibt dem Buch trotz Schlichtheit ein besonderes Aussehen.

Mit „Ich bin die Nacht“ legte Ethon Cross 2013 den Grundstein für die „Shepherd“-Reihe rund um den Ermittler Marcus Williams und sein Team. Es folgten „Ich bin die Angst“ und „Ich bin der Schmerz“.

Mit „Ich bin der Zorn“ ist der nun schon vierte Thriller dieser Reihe erschienen, den ich gelesen habe, ohne die anderen Bücher zu kennen. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck, dass mir die Vorgeschichte fehlt, auch wenn zur Erklärung immer mal auf Vergangenes zurückgegriffen und erläutert wird. Ich habe den Eindruck, dass es besser ist dieses Buch erst dann zu lesen, wenn man auch die anderen Teile kennt. Vielleicht wächst man dann eher mit den handelnden Personen zusammen, indem man sie über die einzelnen Bücher besser kennen lernt und ihr Handeln nachvollziehen und einschätzen kann.

So konnte ich für manche Protagonisten erst gegen Ende des Buches Verständnis oder sogar Sympathie aufbringen. Beim Lesen konnte ich oft nur mit dem Kopf schütteln und mit den Augen rollen. Mir liegen Superhelden und Alleskönner nicht und nach einigen Absätzen blieb mir als Gesamteindruck nur das Wort „unglaubwürdig“ übrig, weil die Handlung nicht nachvollziehbar oder dermaßen übertrieben und actionlastig war, dass es mir einfach zu viel wurde. Immer wieder ließ mich das beim Lesen innehalten, was meinen Lesespaß störte.

Den Schreibstil fand ich holprig und hatte das Gefühl, dass die Übersetzung an einigen Stellen nicht so richtig gelungen war. Auch fielen mir einige Wiederholungen unangenehm auf. So knackt beispielsweise Marcus Williams recht oft mit seinen Halswirbeln und man fragt sich als Leser irgendwann nur noch, was daran so wichtig sein kann, dass der Autor es immer wieder betonen muss.

Erschreckend gut beschrieben fand ich hingegen die kranken Gedankenwelten der hochgradig gefährlichen und brutalen Killer. Auch blutrünstiges dahinmetzeln wurde so bildhaft beschrieben, dass man sogar die geschilderten Gerüche beim Lesen in der Nase hatte.

So waren immer auch Passagen dabei, die spannend waren und bei denen ich den Thriller nicht aus der Hand legen mochte, auch wenn er mich insgesamt nicht begeistern konnte. Ich kann das Buch daher nur eingeschränkt und vor allem den Lesern empfehlen, die auch schon die drei vorherigen Bücher dieser Reihe gerne gelesen haben.

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Tags: thriller   (1)
 

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2 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Shantaram und Im Schatten des Berges

Gregory David Roberts , Sibylle Schmidt , Jürgen Holdorf
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 17.10.2016
ISBN 9783844523157
Genre: Romane

Rezension:  
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311 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 101 Rezensionen

thriller, genmanipulation, gentechnik, wissenschaft, marc elsberg

HELIX - Sie werden uns ersetzen

Marc Elsberg
Fester Einband: 648 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 31.10.2016
ISBN 9783764505646
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Bei der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden, das vermutlich durch Bakterien verursacht wurde. In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und -tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Ein inoffizielles privates Forschungsprogramm verspricht vom Kinderwunsch getriebenen Paaren besonders begabte Kinder. Als eines dieser Kinder verschwindet, deutet alles plötzlich auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt.

Im Normalzustand ist DNS in Form einer Doppelhelix aufgebaut, die sich hier auf dem Cover stilisiert um den Buchtitel „Helix“ windet. So wird der Leser in ansprechender Weise auf das Thema „Gentechnik“ vorbereitet, um das es hier geht. Dass einen dabei auch schon mal ein mulmiges Gefühl im Magen beschleichen kann, verstärkt die Ergänzung „Sie werden uns ersetzen“.

Da ich von dem Autor bereits „Blackout“ und „Zero“ begeistert gelesen habe, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch gesteckt. Und sie wurden nicht enttäuscht.

In kurzen Kapiteln streben abwechselnd vier Handlungsstränge, in denen es um genmanipulierte Tiere und Pflanzen, eine personalisierte Biowaffe, genmanipulierte Wunderkinder und ein kinderloses Ehepaar geht, unaufhaltsam aufeinander zu. Schnell entwickelt dieses Buch einen Sog, in dem es viel Interessantes über Genmanipulation, Biochemie und Medizinethik zu erfahren gibt. Und auch mit nur minimalen Vorkenntnissen in diesen Bereichen konnte ich den Schilderungen folgen, wobei ich für mich nicht den Anspruch erhebe, die Details bis ins kleinste verstehen und auf den Wahrheitsgehalt überprüfen zu müssen. Immerhin hatte ich von einigen Dingen bereits durch die Medien gehört, anderes war mir neu, konnte aber mein Interesse wecken und regte zum Nach- und Weiterdenken an.

Wie auch schon bei den anderen Büchern von Marc Elsberg gefällt mir die Nähe zum gegenwärtigen Stand der Technik und der Wissenschaft. Man hat das Gefühl so nah dran zu sein, dass genau das, was man als Fiktion im Buch liest, in der Realität möglich sein könnte. Dies erzeugt einen besonderen Nervenkitzel und ich war beim Lesen oft hin- und hergerissen zwischen dem, was Genmanipulation für die Menschen Positives bedeuten könnte und welche Gefahren sie auf der anderen Seite birgt.

Dabei wird dieses Buch allerdings auch nicht zu nachdenklich, sondern bleibt spannend und unterhaltend bis zur letzten Seite und hat zudem noch einige Szenen zu bieten, die sich als tauglich für jeden Actionfilm erweisen würden.

Marc Elsberg ist mit „Helix – Sie werden uns ersetzen“ ein spannender temporeicher Wissenschaftsthriller zum Thema Genmanipulation gelungen, den ich wirklich empfehlen kann.

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Tags: elsberg, genmanipulation   (2)
 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, anders, anita terpstra, entführt, vermisst

Anders

Anita Terpstra
E-Buch Text: 384 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783641171520
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet, sind die Meesters eine normale glückliche Familie. Sechs Jahre später meldet sich Sander Meester, der von einem Pädophilen entführt worden war, bei einer deutschen Polizeistation. Die Familie ist überglücklich und freut sich über Sanders Rückkehr, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel, ob der Junge wirklich ihr Sohn ist.

Auf dem Cover ist ein kleines Haus inmitten eines geheimnisvoll teilweise im Nebel gelegenen Herbstwaldes abgebildet, der sich ansprechend auf den Seiten der Klappenbroschur forsetzt. Die äußere Gestaltung spiegelt somit gekonnt eine Szene aus dem Inhalt des Buches wider.

Und der hat mich angenehm überrascht. Es handelt sich hierbei um einen Thriller, in dem es zwar stellenweise tödlich und grausam, aber nicht blutrünstig zugeht und der langsam an Fahrt aufnimmt, um eine immer düsterere Atmosphäre aufzubauen, die einen nicht mehr loslässt. Ein unaufgeregter, aber flüssiger Sprachstil sorgt mitsamt kurzen Kapiteln und einer rätselhaften Story dafür, dass man regelrecht durchs Buch fliegt.

In die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen, wodurch sich mir die gesamte Tragweite von Sanders Entführung eröffnen konnte. Die Gefühls- und Gedankenwelt der nach sechs Jahren wieder zusammengeführten Familie ist nachvollziehbar und berührend, gleichzeitig aber auch stellenweise verwirrend. Und genau das vermittelt einem auch den Eindruck, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Man beginnt beim Lesen zu rätseln, setzt nach und nach einzelne Puzzleteilchen zusammen, die aber doch irgendwie nicht zusammenpassen und will unbedingt wissen, wie sich diese Geschichte auflöst.

Das Ende war für mich überraschend und nicht vorhersehbar. Es rundete in gekonnter Weise einen für mich durchweg gelungenen Thriller der besonderen Art ab, den ich nur weiterempfehlen kann.

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profiling, thriller, mord, spannend, norwich

Die Profilerin - Am Abgrund seiner Seele

Dania Dicken
E-Buch Text: 356 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 03.10.2016
ISBN 9783732520398
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Seit Wochen werden Studentinnen auf dem Campus der Uni in Norwich überfallen und vergewaltigt. Nachdem die Psychologiestudentin Andrea Jahnke den Täter eines Abends bei einer Vergewaltigung stört, eskalieren seine Gewalttaten immer mehr und sie gerät schließlich selbst in die Schusslinie.

Das Buchcover stellt mit der verschwommenen schwarzweißen Abbildung eines Sees einen Bezug zum Inhalt des Buches dar und die blutrote leicht verzerrte Schrift unterstreicht im Zusammenhang mit dem Bild, dass die Seelenabgründe, um die es in dem Buch geht, eher finsterer Natur sind.

Und so schaut man recht bald dank allwissender Erzählperspektive dem Vergewaltiger über die Schulter, erhält Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt und in die des jeweiligen Opfers. Diese Passagen heben sich durch kursive Darstellung vom Rest des Textes ab. Die Schilderungen wirken realistisch und sind teilweise so grausam dargestellt, dass ich nicht mehr weiterlesen mochte. Ich war froh, dass auf die Beschreibung einzelner Details verzichtet worden war, was dann jedoch so explizit auffiel, dass ich mich beim lesen darüber wunderte. Auffällig war auch, dass diese kursiven Abschnitte gemeinsam mit den psychologischen Ausführungen innerhalb des Buches eine bessere sprachliche und inhaltliche Qualität hatten, als der Rest dieses Thrillers.

Und dieser Rest des Thrillers hat mir leider nicht gefallen. Obwohl sprachlich flüssig geschrieben, hatte ich den Eindruck, dass mühsam eine Geschichte um das Profiling und die psychologischen Details, die vermittelt werden sollten, drumherum konstruiert wurden. Bedauerlicherweise hatte sich die Autorin für eine Liebesgeschichte mit unreifen Protagonisten und den daraus resultierenden leichten Beziehungsrangeleien entschieden, die zudem noch nicht nachvollziehbare Sonderrechte bei der eher dümmlichen Polizei genießen. Waren anfangs die Ängste dieses Pärchens vor dem Vergewaltiger begreiflich und miterlebbar, so begannen sie irgendwann zu langweilen. Es schien sich alles immer und immer wieder zu wiederholen und unnötig in die Länge zu ziehen. Diesen Eindruck hatte ich selbst, als dieser Fall schließlich aufgelöst wurde. Für mich war an diesem Punkt eigentlich das Buch zu ende, aber es wollte einfach nicht aufhören und hängte dann noch ein anderes – in meinen Augen absolut überflüssiges – Ende hintendran.

Gehofft hatte ich auf einen spannenden Thriller, bei dem das Profiling einen großen Teil einnimmt. Auf eine schlechte Liebesgeschichte, die den gefühlt größeren Teil dieses Buches für sich beansprucht hat, war ich nicht vorbereitet und hätte sie auch nicht gewollt.

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geschichte, sachbuch, gehirn, geist

Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist

Matthias Eckoldt
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 12.09.2016
ISBN 9783570552773
Genre: Sachbücher

Rezension:


Der vielfach prämierte Wissenschaftsautor Matthias Eckoldt führt den Leser in „Eine kurze Geschichte von Gehirn und Geist – Woher wir wissen, wie wir fühlen und denken“ von der Antike bis ins heutige Internetzeitalter, vom „Lebensgeist“ der Griechen bis zu Spiegelneuronen und modernen Netzwerktheorien.

Beim Buchcover fällt sofort auf, dass es mit Längsrippen strukturiert ist, wodurch es sich besonders anfühlt. Optisch ist es ansprechend und modern gestaltet und liefert durch die abgebildeten Glühbirnen bereits einen deutlichen Hinweis auf die enorme Bedeutung der Elektrizität für die Hirnforschung. Aber auch ein Wirrwarr und daraus resultierende Ideen, die sich zu ‚Schmetterlingen‘ entwickeln können, stellen eine gelungene Überleitung zum Text her.

Das Buch gliedert sich in die Kapitel Antike, Mittelalter und Renaissance, Neuzeit, Moderne und Gegenwart. Gelegentlich wird der nüchtern und sachlich und mit zahlreichen im Anhang befindlichen Anmerkungen verfasste Text von einigen Skizzen zur jeweiligen Theorie unterbrochen. Ein befremdendes Zeugnis von dem, was seinerzeit der Forschung diente, liefern einige Fotografien, beispielsweise sind auf einer skurrile Instrumente abgebildet, mit denen in der Antike seziert wurde. Zum schnellen Nachschlagen, befindet sich im Anhang ein Register, in dem Namen und Begriffe den entsprechenden Seitenzahlen zugeordnet wurden.

Es gehört zur Tradition der Hirnforschung, dass sich das herrschende Erklärungsmodell jeweils am technisch höchsten Stand der Zeit orientierte, und so beginnt alles bei den Philosophen, deren Denkansätze im Materialismus schließlich aus den Laboratorien verbannt werden. Immer wieder gab es Tier- und auch Menschenversuche und für heutige Begriffe abstruse Theorien über die Funktion des Körpers, aus denen sich zum Teil aber auch wertvolle Ansätze herausbildeten, die weiterentwickelt wurden und bis heute Bestand haben.

„Weltweit agierende Forschergruppen publizieren am laufenden Band neue Arbeiten, die von Publikumsmagazinen gern aufgenommen, mit den spezifischen Methoden der Massenmedien zu spektakulären Entdeckungen stilisiert und mit bunten Hirnbildern der interessierten Öffentlichkeit dargeboten werden. Allein die Zeile ‚Hirnforscher von der Universität…haben herausgefunden, dass…‘ sorgt für Aufmerksamkeit und die beigegebenen Visualisierungen für Evidenz.“ (Seite 216)

Zu vorgenannter interessierter Öffentlichkeit gehöre ich und habe mich als Nicht-Wissenschaftler aufgrund des Klappentexts für dieses Buch interessiert. Beim Lesen habe ich viel Interessantes erfahren, hatte aber durch den überaus trockenen Schreibstil oft große Probleme, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Ich kann das Buch daher nur eingeschränkt empfehlen.

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