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903 Bibliotheken, 12 Leser, 8 Gruppen, 181 Rezensionen

sarg, köln, thriller, psychothriller, mord

Der Sarg

Arno Strobel
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 17.01.2013
ISBN 9783596191024
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Arno Strobel war mir mir schon vorher als Autor spannender Psychothriller bekannt, und sein neuestes Werk "Der Sarg" reiht sich nahtlos in die Riege der Top-Thriller ein.
Hauptkommissar Bernd Menkhoff, bekannt aus dem Thriller "Das Wesen", hat sich aus privaten und beruflichen Gründen nach Köln zum KK11 versetzen lassen. Seine neuen Kollegen geben sich Mißtrauisch, und besonders KHK Udo Riedel beobachtet ihn mit Argusaugen. Und bei dem Fall, mit dem sie bald konfrontiert werden, ist sein ganzes Können gefragt: Inge Glöckner, reiche Erbin, wird lebendig begraben und stirbt quallvoll ion ihrem Sarg. Zur gleichen Zeit hat ihre Halbschwester Eva, zu der sie nie ein gutes Verhältnis hatte, immer wieder kehrende Alpträume - in denen sie lebendig begraben begraben ist. Wenn sie erwacht, kann sie die Male von den Fesseln noch spüren - und sehen. Ein Zufall? Menkhoff beginnt, ihr Umfeld in Augenschein zu nehmen, als eine weitere Frau verschwindet. Und auch diesmal war Eva im Geiste bei ihr. Ihre Freundin Wiebke überredet sie zu einem Termin bei dem Psychater Burghard Leienfeld. Liegt die Lösung des Problems in Evas Vergangenheit?
Ich habe "Der Sarg" aus der der Hand gelegt und emin erster Gedanke war "Wow". Ein sehr guter Thriller, der aber nicht zimperlich mit dem Leser umgeht und nichts für zarte Seelen ist - ein Thriller, der unter die Haut geht. Und dabei geht es nicht um besonders brutale Szenen, die der Autor bechreibt - es sind eher die nicht gesagten Dinge, die Andeutungen vom Horror, die mir unter die Haut gegangen sind. Und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, so groß war der Drang, zu Wissen, was passiert ist. Durch die recht einfache Schreibweise war ich schnell in der Geschichte versunken und konnte viele Seiten in einem Rutsch lesen.
Was "Der Sarg" von vielen anderen Thrillern unterscheidet ist die Konfrontation mit - im ersten Moment - unwahrscheinlichen Tatsachen. Solche Geschichten haben mir schon immer gut gefallen, das Verwischen von Fiktion und Realität. Warum träumt Eva immer zeitgleich mit den Morden? Woher kommen Evas Verletzungenbeim Erwachen? Selbst als geübter Krimileser bin ich erst kurz vor der tatsächlichen Auflösung dem Täter auf die Spur gekommen. Der Autor hat einige falsche Fährten gelegt, und erst nach und nach ist es mir gelungen, die verschiedenen Figuren und Ereignisse in einen Zusammenhang zu bringen.
Die einzig schon bekannte Figur im Buch war Bernd Menkhoff, der nach "Das Wesen" bei mir keinen beonders positiven Eindruck hinerlassen hatte. Daher war ich anfangs nicht wirklich begeistert, ihm hier in Köln wieder zu begegnen. Aber die Figur hat sich entwickelt, und ich hätte nichts dagegen, nochmal von ihm und den Kollegen vom KKH11 zu lesen. Auch die anderen Figuren des Buches waren gut gezeichnet, und zu fast jedem hatte ich ein klares Bild vor Augen. Arno Strobel hat nicht soviel Wert auf die Persönlichkeit der Mordopfer gelegt, sondern sich eher auf das Umfeld konzentriert. Besonders gut gefallen hat mir die Figur des "Dagger", der als Rocker mal nicht das "Bad Guy"-Image vertreten hat und anstatt Waffen und Drogen die Stadt Köln mit Torten versorgt.
Was lässt sich sonst noch zu dem Buch sagen? Arno Strobel muss sich längst nicht mehr hinter den Top-Thriller Autoren verstecken, sondern spielt in der oberen Liga mit. Als Thriller-Fan sollte man sich "Der Sarg" nicht entgehen lassen. Und auch das nächste Buch, zu dem schon eine Leseprobe im buch zu finden ist, wird auf meiner Wunschliste ganz oben stehen.

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761 Bibliotheken, 9 Leser, 13 Gruppen, 138 Rezensionen

aachen, thriller, mord, psychiater, psychothriller

Das Wesen

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.12.2010
ISBN 9783596186327
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Begriff Wesen bezeichnet den philosophischen Fachbegriff für das, was einer Sache/ Person ganz charakteristisch zu eigen ist. (Quelle: Wikipedia)
Jeder Mensch hat seinen Gegenspieler, und was für Batman der Joker ist, ist fernab der Kinoleinwand der Psychiater Joachim Licher für den Kommissar Bernd Menkhoff. 16 Jahre ist es her, seit Menkhoff und sein Kollege Seifert Joachim Lichner des Mordes an der kleinen Juliane beschuldigt und überführt haben. Und nun staunen sie nicht schlecht:: bei einer anonymen Vermisstenmeldung stehen sie auf einmal vor der Haustür von Dr. Lichner, der nicht weniger erstaunt als die beiden Polizisten zu sein scheint. Besonders heikel an der Sache ist, das Menkhoff kurz nach Lichners Inhaftierung eine Beziehung zu dessen ehemaliger Lebensgefährtin Nicole aufgenommen hat, die den Psychiater beim Prozess mit ihrer Aussage schwer belastet hat. Und nun soll Lichners Tochter Sara verschwunden – nur das dieser behauptet, keine Tochter zu haben. Doch es existieren Klinikunterlagen von der Geburt und eine amtliche Bescheinigung. Spielt Lichner ein falsches Spiel mit der Polizei, oder versucht tatsächlich jemand, ihn herein zu legen?
Ich lese sehr viel und sehr gerne, Thriller und Krimis gehören mit zu meiner bevorzugten Lektüre. Aber nur selten stosse ich auf wirklich gute, intelligente und vor allem unendlich spannende Geschichten, die sich deutlich von „Einheitsbrei“ abheben. „Das Wesen“ gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Das Buch lebt nicht von blutigen Splatter-Elementen oder billiger Effekt-Hascherei, sondern eher von dem, was nicht gesagt wird und nur im Kopf des Lesers statt findet. Das hat mir besonders gut an diesem Buch gefallen. Mit einem geschickten Mix aus den Ereignissen der Vergangenheit und dem aktuellen Fall in der Gegenwart wurde ich immer tiefer in die Handlung gezogen, in der die Grenze von realen Ereignissen und falschen Fährten fliessend ist. Auch die Charaktere sind authentisch beschrieben, sind nicht schwarz/weiss sondern haben alle ihre Ecken und Kanten und passen perfekt zur Handlung. Warum ich nur vier Sterne vergeben habe? Für meinen Geschmack hätten die Nebenschauplätze besser ausgearbeitet sein können, das heisst, ich hätte gerne mehr über die private Situation der Ermittler und des / der Täter erfahren, das hätte die Handlung rund gemacht. Der Plot ist gut durchdacht war auch relativ überraschend, aber mehr möchte ich dazu nicht verraten.
„Das Wesen“ ist – genauso wie sein Vorgänger „Der Trakt“ ein intelligent geschriebener Thriller, den man flüssig in einem Rutsch durchlesen kann (und auch wird). Die Leseprobe zu Arno Strobels neuem Buch am Ende macht Lust auf mehr, und so wird es sicherlich auch auf die Liste meiner Vorbestellungen landen.

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549 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 152 Rezensionen

freundschaft, liebe, mord, alice, tod

Die Wahrheit über Alice

Rebecca James , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Wunderlich, 21.10.2010
ISBN 9783805250030
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Wahrheit über Alice“ ist ein Buch, das die Bezeichnung Psychothriller mit Recht verdient: statt massenhaft Leichen und blutigen Details findet hier das Grauen nur im Kopf statt, es ist mehr der Hauch einer düsteren Ahnung als schreckliche Ereignisse, doch der hat es in sich.

Die Aura des geheimnisvollen umgibt Katherine: die 17-jährige lebt bei ihrer Tante Vivien, still und unauffällig, unsichtbar für die meisten ihrer Mitschüler. Das ändert sich aber schlagartig, als die quirlige Alice sie unter ihre Fittiche nimmt: das fröhliche Mädchen holt sie aus ihrem Schneckenhaus, und schnell fasst sie Vertrauen zu Alice und ihrem Freund Robbie. Doch nach und nach offenbart sich Alices wahrer Charakter, und so beginnt Katherine, sich von ihr zu distanzieren. Das hat fatale Folgen, denn ein Mädchen wie Alice schiebt man nicht so einfach ab ….....

Das Buch „Die Wahrheit über Alice“ hat das gehalten, was die Leseprobe versprochen ein: eine spannende Geschichte, flüssig zu lesen und ein echter Pageturner. Die Handlung ist mit System aufgebaut spielt in drei verschiedenen Zeitebenen: in der Gegenwart, in der die erwachsene Katherine in Ich-Form ihre Geschichte erzählt, und in der Vergangenheit – vor dem Tod ihrer Schwester Rachel und in der Zeit danach – der Zeit mit Alice. Die Abschnitte der verschiedenen Erzählungen sind geschickt plaziert, und jede endet sehr spannend und animiert so zum sofortigen Weiterlesen. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und wirken auch absolut glaubwürdig: die schuldbeladene Katherine, der vor lauter Liebe blinde Robbie und die extrovertierte Alice, die anfangs nur ab und zu das Biest durchschimmern lässt, aber nach und nach mehr von ihrem wahren Charakter offenbart. Die Dialoge, die zahlreich vorhanden sind, wirken sehr lebendig und machen in dem Buch eine Menge aus. Die Handlung lebt zum großen Teil von nicht ausgesprochenen Dingen und einem Hauch von Grauen, aber nicht nur davon allein: Themen wie Schuld, Freundschaft und Liebe machen die Geschichte weitaus komplexer. Die Autorin spielt mit ihren Figuren: es ist unglaublich, wie Alice es schafft, ihr Umfeld zu manipulieren und alle nach ihrer Pfeiffe tanzen zu lassen. Die Auflösung und das Ende sind sehr schlüssig, wenn auch nicht unbedingt glücklich zu nennen und hat noch die ein oder andere Überraschung bereit gehalten.

Dieses Buch ist eher von der stillen Sorte, was es aber um so besser wirken lässt: „Die Wahrheit über Alice“ sollte man nicht anfangen, wenn man am nächsten Tag dringende Termine hat, denn so schnell legt man es nicht wieder aus der Hand.

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129 Bibliotheken, 2 Leser, 5 Gruppen, 35 Rezensionen

berlin, drogen, norwegen, mord, thriller

Du

Zoran Drvenkar
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 28.09.2010
ISBN 9783550087738
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Es waren einmal fünf Mädchen, und ich war eine davon“.

In diesem Fall war ich nicht nur eine von fünf Freundinnen, sondern auch auch noch diverse andere Figuren - „Du“. Und die Schreibweise ist ist nicht das einzige ungewöhnliche an diesem Roman- es ist eine Mischung aus Roman, Road-Movie und Krimi. Kopfkino vom feinsten - ein Buch das geradezu danach schreit, verfilmt zu werden. Erzählt wird die Geschichte aus vielen Perspektiven, jede Figur bekommt die Chance, den Verlauf der Geschichte auf seine Weise darzustellen. Und das geschieht nicht in der handelsüblichen „Ich“-Perspektive, sondern der Autor spricht den Leser als Protagonisten mit „Du“ an, was der Geschichte eine sehr persönliche Note verleiht. Doch worum geht es genau? Da sind zum einen fünf Freundinnen, die alles füreinander tun würden und durch dick und dünn gehen. Und da ist Mirko, dessen Verliebtheit in eine der fünf sein Schicksal wird. Ragnar hat seinen Bruder verloren – Oskar sitzt steif gefroren mitten im Sommer am Swimmingpool. Und natürlich gibt es da noch den Reisenden – den Mann, der alle paar Jahre einen Berg Leichen hinterlässt. Was diese Figuren miteinander gemein haben, muss man selber heraus finden – in diesem Fall ist der Weg das Ziel, es geht nicht nur um einen spektakulären Plot, sondern in erster Linie darum, wie sich die verhängnisvollen Ereignisse ergeben haben. Dabei spielt die Vergangenheit eine ebenso grosse Rolle wie die Gegenwart. „Du“ ist anfangs nicht ganz einfach zu lesen, doch wenn man erst mal im Lesefluss ist, kommt man leider viel zu schnell zum Ende. Die meisten Figuren (ganz besonders die fünf Mädels) wecken trotz ihrer Fehler und Schwächen Sympathien, die rasante und originelle Handlung lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Besonders gut hat mir gefallen, das einige Szenen doppelt dargestellt wurden – jeweils aus Sicht einer anderen Person. Die verschiedenen Blickwinkel waren keinesfalls langweilig, sondern haben der Handlung eine besondere Note verliehen. Doch „Du“ ist viel mehr als eine gut geschriebene und spannende Geschichte. Einige Szenen und Dialoge sind schon beinah komisch, während es doch eigentlich um viel tiefgründigere Themen geht – Schuld, Moral, Freundschaft, Familie – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Das Buch ist keine einfache Lektüre, weder vom Inhalt her, noch von der Schreibweise. Man muss sich schon genug Zeit nehmen, und sich damit auseinander setzen – auf keinen Fall ist ein Happen für zwischendurch. Doch der Aufwand lohnt sich: mich hat „Du“ richtig beeindruckt, und es ist ein Buch, das man nicht so einfach aus der Hand legt, sondern das auch noch einige Zeit danach im Kopf präsent ist.

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88 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 32 Rezensionen

schweden, krimi, mord, nationalsozialismus, camilla läckberg

Engel aus Eis

Camilla Läckberg , Katrin Frey
Fester Einband: 503 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 09.09.2010
ISBN 9783471350157
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Katze lässt das mausen nicht .......

Und genauso wenig kann Patrick Hedström sich seiner Polizeidienststelle fernhalten – und das, obwohl er im Erziehungsurlaub ist. Und dort sind seine Kollegen mehr als Dankbar für seine Unterstützung: Erik Frankel, Experte für den Nationalsozialismus, wird tot in seinem Haus aufgefunden? Die Rache der aufkeimenden Neonazi-Bewegung oder war es ein Mord mit persönlichen Motiven? Und auch Patricks Frau Erika kannte den verstorbenen: der Jugendfreund ihrer Mutter wollte ein Erbstück von Elsy - einen Orden aus dem zweiten Weltkrieg- für sie untersuchen. Schon bald merken Patrick und seine Kollegen, das die Vergangenheit eine große Rolle bei ihren Ermittlungen spielt und sie erst vergangene Ereignisse klären müssen, um die Rätsel der Gegenwart zu lösen.

Obwohl ich die ersten vier Bände (Die Eisprinzessin schläft / Der Prediger von Fjällbacka / Die Töchter der Kälte / Die Totgesagten ) bis jetzt noch nicht kenne, hatte ich keine Schwierigkeiten, Zusammenhänge herzustellen und der Handlung im Hintergrund zu folgen. Ein tolles Buch, ein erstklassiger Krimi, spritzig geschrieben mit einem gewissen Humor, bei dem man die Zusammenhänge nicht direkt erahnen kann, sondern wirklich mit den Ermittlern rätseln muss. Die Handlung ist eine gelungene Mischung aus den Geheimnissen der Vergangenheit und einer Mordermittlung in der Gegenwart. Immer wieder schweift die Autorin in die Vergangenheit von 1944-1945, und so klärt sich langsam auch der Nebel der Gegenwart. Die Kriegserlebnis sind anschaulich, aber auch schonungslos geschildert, der Autorin gelingt es, ein Gefühl für die damalige Zeit zu vermitteln, so das man die Handlungen der einzelnen Personen (die in Friedenszeiten sicher manchmal anders ausgefallen wären) nachvollziehen kann. Durch die Ausflüge in die Vergangenheit hat sie sich selber ein ungeheures Potential geschaffen, die Entwicklung der Charaktere zu erklären – und das hat sie auch gut genutzt. So kann man sich beispielsweise die Kälte Elsys ihren Töchtern gegenüber und den brodelnden Hass in Frans erklären, wo am Anfang nur Abneigung und Unverständnis war. Außerdem ist das Buch flüssig zu lesen, auf den 512 Seiten gibt es keine langweiligen Passagen, wobei die Autorin nicht mit blutigen Details aufwarten muss, um die Leser bei der Stange zu halten. Das spannende und auch überraschende Finale krönt dann die schlüssige Geschichte um die sympathischen Ermittler.

„Engel aus Eis“ ist einfach ein Krimi, der sich beim Lesen gut anfühlt, in den man eintauchen kann und noch einige Zeit nachwirkt. Ich werde mir auf jeden Fall die ersten vier Bände besorgen, denn die Handlung und die Figuren haben mich zu 100% überzeugt.

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346 Bibliotheken, 3 Leser, 6 Gruppen, 85 Rezensionen

thriller, serienmörder, ohio, amisch, kate burkholder

Die Zahlen der Toten

Linda Castillo , Helga Augustin
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783596184408
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Zahlen der Toten“ von Linda Castillo ist der erste Teil um die smarte Ermittlerin Kate Burkholder, die in der örtlichen Amisch-Gemeinde aufgewachsen ist und dem zur Selbstzerstörung neigende BCI-Ermittler John Tomasetti. Beide schleppen eine Menge emotionales Gepäck und dunkle Geheimnisse mit sich herum, die die Ermittlungen im Falle des „Schlächters“ erschweren. Und sofort ist der Leser mitten drinn im grausamen Geschehen: eine junge Frau wird auf bestialische Art und Weise ermordet, ihre Leiche kurze Zeit später auf einer Kuhwiese gefunden. Die auf dem Bauch eingeritzte römische Ziffer erinnert an einen 16 Jahre zurück liegenden Fall: der „Schlächter“ hatte damals einige Frauen auf ähnliche Weise verstümmelt und gezeichnet. Doch er kann nicht zurück sein, das weiß Kate ganz genau – sie selber hat ihn als 14-jährige im Affekt erschossen. Hat er doch überlebt und ist zurück gekehrt? Oder ist ein Nachahmer am Werk? Zur Unterstützung reist der BCI-Ermittler Tomasetti an, der schon bald ahnt, das Chief Burkhold ein dunkles Geheimnis hat. Zwei verwundete Seelen mit einer schrecklichen Geschichte, die zusammen einen Serienkiller jagen müssen. Werden sie Erfolg haben? Obwohl das Buch einige Schwächen hat, kann sich die Gesamt-Geschichte durchaus sehen lassen. Einen Serienmörder in eine gemischte Englisch/Amisch-Gemeinde anzusiedeln ist der Autorin sehr gut und vor allem Glaubwürdig gelungen. Die verschiedenen Kulturen, die seit langer Zeit nebeneinander leben und doch immer wieder aufeinander prallen, erschweren die Ermittlungen, machen sie aber auch außergewöhnlich und interessant. . Weniger gut haben mir die Klischee-Figuren gefallen. Der Alkohol-Tabletten-Abhängige Ermittler, der ständig am Abgrund tanzt ist für meinen Geschmack schon etwas zu oft bemüht worden. Auch der Täter lässt sich schon relativ früh erahnen. Das tut dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch, denn hier ist der Weg das Ziel – die Ermittlungen sind interessant und auch die persönlichen Entwicklungen gefallen mir gut. Die Geschichte ist flüssig zu lesen (ich habe das Buch wirklich an einem Tag geradezu verschlungen), hat keine langatmigen Passagen und ist außerdem atmosphärisch dicht. Teilweise habe ich mich so gut in die Handlung eingefunden, das ich komplett in die kalte, schneebedeckte Welt eingetaucht bin. „Die Zahlen der Toten“ ist ein guter Thriller, über die wenigen Schwächen kann man locker hinweg lesen.

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143 Bibliotheken, 1 Leser, 5 Gruppen, 41 Rezensionen

mord, psychothriller, missbrauch, berlin, pädophil

Die Stille nach dem Schrei

Isolde Sammer , , ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783499253706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei dem Buch „Die Stille nach dem Schrei“ handelt es sich nicht um einen herkömmlichen Krimi, bei dem der Leser mit rätseln kann, wer denn nun der Täter ist – es ist eher ein ausgefeilter Psychothriller, bei dem die Rollen von Gut und Böse von Anfang an klar verteilt sind. Nur die einzelnen Zusammenhänge muß der Leser auseinander dröseln.
Einfach hat es Martin Werneck nicht gehabt: seine Mutter litt an postnatalen Depressionen und hat sich kurz nach seiner Geburt das Leben genommen, und in seinen ersten fünf Lebenjahren ist er von einem zum anderen geschoben worden. Bis sein Vater Irene kennen- und lieben gelernt hat. Von da an wuchs er in recht stabilen familiären Verhältnissen auf, vom Vater verwöhnt, von der „Omili“ verhätschelt, einzig Irene versucht, den problematischen Jungen an der Kandarre zu halten. Die Geburt seines Halbbruders Jonas macht es auch nicht gerade einfacher. Der Vater stirbt früh an einem Herzinfarkt, und so steht Irene alleine da mit den Jungen. Und dann geschieht das Unfassbare: Martin tötet Jonas im Affekt. Behauptet er. Er will beobachtet haben, wie der vierzehnjährige Jonas den etwas jüngeren Joey von einer Kirmes weg gelockt hat, um ihn zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Die ganze Sache sei aus dem Ruder gelaufen und Jonas habe Joey getötet – in dem Moment, in dem Martin die verlassenen Scheune betrat. Das hat in ihm Erinnerungen auf seinen eigenen Mißbrauch durch den Vater geweckt, und konfrontiert mit seinem eigenen Kindheitstrauma hat er Jonas im Affekt erschlagen und anschließend versucht, die Spuren mit einem Brand zu beseitigen. Wahrheit oder Lüge? Irene kann es nicht glauben, der ermittelnde Kommissar Schneider ebenfalls nicht. Doch der smarte Martin überzeugt Psychologen und Richter: er kommt frei. Auch die scheue Tina glaubt felsenfest an seine Unschuld und lässt sich auf seine Phantasien und Spiele ein. Derweil geben Irene und der Kommissar nicht auf, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das Netz zieht sich immer weiter zu, und bald ist nicht nur Tinas Bruder Benny in Gefahr …......
Nach der wirklich tollen Leseprobe hatte ich Großes erwartet – und bin nun, nachdem ich die ganze Geschichte gelesen habe, etwas enttäuscht. Das Buch war gut geschrieben und flüssig zu lesen, eines dieser leicht verdaulichen Werke und es hatte sicherlich auch spannende Momente. Aus der wirklich guten Idee hätte die Autorin allerdings etwas ganz anderes machen können. Die Geschichte war von Anfang an und blieb bis zum Ende voraussehbar und hat keine großartigen Wendungen und Überraschungen bereit gehalten. Dafür hat es die Autorin verstanden, die Atmosphäre und Stimmung des Buches an den Leser weiter zu reichen und die jeweiligen Stimmungen der Protagonisten authentisch zu beschreiben. So hatte ich als Leser zwar kein Verständnis für Tinas Handlungen, konnte sie aber ein Stück weit nachvollziehen. Sehr erfrischend fand ich, das die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen dem Opfer und dem Ermittler im Kein erstickt wurde und nicht zu einer never-ending-lovestory geworden ist. Auch die Hintergrundinformationen über den Zusammenhang zwischen Erziehung, Genen und Verbrechen waren gut recherchiert und sehr Informativ. Das Ende ist keine große Überraschung, aber endgültig und es bleiben keine Fragen offen. In dem Genre gibt es sicher spannendere Werke, aber als Erstlingswerk kann es sich durchaus sehen lassen und ich denke, die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

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(279)

473 Bibliotheken, 8 Leser, 9 Gruppen, 76 Rezensionen

thriller, internet, entführung, usa, mädchenfänger

Mädchenfänger

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz ,
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 16.07.2010
ISBN 9783805208925
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch hat gehalten, was die Leseprobe versprochen hat: „Mädchenfänger“ ist ein spannender Psychothriller, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Die 13-Jährige Elaine „Laney“ Emerson ist mit ihrem Leben nicht zufrieden: für die Mutter ist nur der Stiefvater und der kleine Halbbruder Bradley wichtig, ihre ältere Schwester Liza hat ihre eigenen Probleme. Da kommt der smarte Zach, blonder Schwarm aller Mädchen, mit seinem 1000-Watt-Lächeln gerade recht: zwar kennt sie ihn bis jetzt nur aus dem Chatroom, doch das soll sich jetzt bei einem Treffen ändern. Doch was der Leser schon ahnt, erfährt sie schmerzlich am eigenen Leib: „Zach“ ist nur ein virtuelles Phantom, und sie befindet sich in der Gewalt des „Mädchenfängers“. Der FBI-Agent Bobby „Shepherd“ Dees ist Spezialist im Auffinden verschwundener Kinder – nur seine eigene Tochter Katy konnte er nie nach Hause holen. Schon bald fängt der Mädchenfänger an, Kontakt mit ihm aufzunehmen – über den abgehalfterten Journalisten Mark Felding lässt er ihm Portraits verschwundener Mädchen zukommen, jeweils mit einem Hinweis auf den Fundort ihrer Leichen.Die Presse gibt ihm den Künstlernamen „Picasso“. Bobby und seinem Kollegen Zo bleibt nicht viel Zeit, um „Picasso“ zu stoppen und Laney zu finden …...
Diese Story ist nichts für schwache Nerven – und obwohl die Atmosphäre teilweise recht beklemmend ist, kann man das Buch kaum mehr aus der Hand nehmen. Schwachstelle sind meiner Meinung nach die etwas überbelasteten Klischees, die die Autorin verwendet – Laney entspricht haargenau dem Prototyp eines Teenagers, der sich aufgrund mangelndem Selbstbewustseins die Bestätigung aus dem Internet holt und der FBI-Agent Bobby, der alle Kinder finden kann, nur sein eigenes nicht. Und trotzdem ist die Thematik brandaktuell – Gefahren die aus dem noch relativ neuen Medium PC im Internet lauern, Pädophile, die einen neunen Jagdgrund gefunden haben, ohne ihre Identität preis geben zu müssen. Der flüssige Schreibstil der Autorin und die spannenden, teilweise dramatischen Wendungen wecken den Wunsch, Termine abzusagen und Schlafenszeiten zu ignorieren. Mir hat „Mädchenfänger“ wesentlich besser als die anderen Bücher der Autorin gefallen, die Story ist sehr viel komplexer und dieses Buch hat auch keine langatmigen Passagen, die man lieber überlesen möchte. Die Abkürzungen, der Chatslang, fand ich sehr passend gewählt – alles andere hätte eher altbacken gewirkt und nicht realistisch. Das Ende ist gut – wenn auch ab einem gewissen Punkt vorhersehbar und vielleicht etwas zu dick aufgetragen. „Mädchenfänger“ ist ein Buch, das ich bedenkenlos weiter empfehlen kann und das einige spannende Lesestunden garantiert.

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274 Bibliotheken, 1 Leser, 9 Gruppen, 62 Rezensionen

thriller, berlin, entführung, mord, kindesentführung

Die Spur der Kinder

Hanna Winter
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2010
ISBN 9783548282558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor zwei Jahren wurde für die Schrifstellerin Fiona Seeberg ein Alptraum Wirklichkeit: ihre kleine Tochter Sophie, 2 Jahre alt, verschwand spurlos von einem Spielplatz.Einziger Hinweis, den der Täter hinterließ, war eine durch einen Boten zugesandte weiße Lilie. Und noch mehr Kinder sind seitdem vom selber Täter entführt worden – auch von ihnen fehlt jede Spur. Kommissar Piet Karstens und seine neue Kollegin Frauke Behrendt suchen immer noch nach Spuren in diesem scheinbar unlösbaren Fall. Nachdem der kleine David entführt wurde, werden Fiona und ihr Verlobter Adrian Riedel nochmals befragt – eine Wendepunkt im Leben der jungen Frau, die seit der Entführung alkoholumnebelt auf einem nahen Spielplatz ihren Erinnerungen nachhängt, anstatt an einem neuen Roman zu arbeiten. Sie geht zu den anonymen Alkoholikern, dort lernt sie Theresa kennen, deren düsteres Geheimnis mit ihrem Leben verwoben zu sein scheint. Und plötzlich taucht da noch Jens auf, gegen den sie eine einstweilige Verfügung erwirkt hat. Und auch der Rentner aus dem nahe gelegenen Seniorenheim wirkt verdächtig. Als dann noch die kleine Luna Gracia verschwindet, ist höchste Eile geboten um das Leben des Kindes zu retten …...
Für ein Erstlingswerk ist „Die Spur der Kinder“ recht gut gelungen – ich sehe da jedoch noch eine Menge Entwicklungspotential. Die Schreibweise ist sehr einfach und erhebt keinen großen Lese-Anspruch, und trotzdem ist das Buch sehr spannend. Die Sympathien werden von Anfang an ganz klar verteilt – ob es nun beim undurchsichtigen, etwas aggressiv wirkenden Verlobten Adrian ist oder der auf eine Karriere hoffenden Frauke Behrendt. Auch der Fortgang der Randgeschichte lässt sich schnell erahnen, wobei ich aber finde, das die Autorin einige male über das Ziel hinaus geschossen ist. Die Dialoge wirken oft lebendig und nur an manchen Stellen etwas erzwungen. Einige Fäden verlaufen im Sande, so wundert es doch, das das Verschwinden eines Erziehers nicht mehr Aufsehen erregt. Es gibt viele verschiedene Spuren, viele Verdächtige, aber trotzdem ist die Auflösung schlüssig und am Ende doch eine Überraschung. Doch nicht alle Fragen werden geklärt, so hätte mich doch beispielsweise doch interessiert, was es mit den Kindern von Herrn Brommer auf sich hat. Auch einige Logikfehler haben mich etwas gestört: kann ein Kommissar der Polizei wirklich so einfach über den Aufenthaltsort einer Halbwaisen entscheiden, ohne das dies vorher überprüft worden ist? Noch dazu, wo die betreuende Person offensichtlich ein Problem mit Alkohol hat? Diese kleinen Schönheitsfehler haben mich zwar etwas gestört, mir den Spass am Buch aber nicht vermiest. „Die Spur der Kinder“ ist ein spannender, flüssig zu lesender Krimi, der kleine Schwächen hat, für einen Tag im Liegestuhl jedoch bestens geeignet ist.

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(165)

282 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 46 Rezensionen

norwegen, krimi, harry hole, oslo, kongo

Leopard

Jo Nesbø , Günther Frauenlob , Maike Dörries
Fester Einband: 698 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.01.2010
ISBN 9783550087745
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kein anderer Ermittler leidet so stilvoll wie er: Harry Hole ist wieder da. In seinem achten Fall „Leopard“ ist er ganz unten angekommen: er fristet sein Dasein in Hongkong, wo er von Glasnudeln und Opium lebt. Da taucht unerwartet eine neue Kollegin aus dem alten Ermittlerteam auf: Kaja Sollness hat den Auftrag, Harry wieder zurück nach Oslo zu bringen, wo er Jagd auf einen Serienmörder machen soll. Allein die Tatsache, das sein Vater schwer erkrankt im Hospital liegt vermag ihn zu überzeugen, wieder nach Hause zu fliegen. Dort angekommen muß er sich nicht nur mit den neuesten Mordfällen auseinandersetzen, sondern sich auch noch um die Zuständigkeit mit dem Kriminalamt schlagen. Bis dahin sind drei Frauen auf grauenvolle Weise ums Leben gekommen: zwei wurden mit einem sogenannten „Leopoldsapfel“ getötet, eine dritte wurde in einem alten Schwimmbad erhängt aufgefunden. Nach und nach gelingt es Harry, die Opfer miteinander in Zusammenhang zu bringen. Doch um dem Täter wirklich auf die Spur zu kommen, muss er sich seinem schlimmsten Alptraum stellen: dem Schneemann …...

Wer Harry Hole auf seinem steinigen Weg begleitet, muß wirklich hart im Nehmen sein: nicht nur seine Fälle sind außergewöhnlich, auch sein Privatleben und seine Sucht nach einem Rausch sind alles andere als einfach. Und obwohl Harry Hole eigentlich die Sorte Ermittler ist, die ich so gar nicht leiden kann, habe ich ihn trotzdem lieb gewonnen: wo seine Kollegen ihren Kummer schnöde in ihren eigenen vier Wänden im Alkohol ertränken, steht Hole zu seinem Versagen, zelebriert es geradezu. Auch die anderen Figuren entsprechen nicht den gängigen Klischees: wie auch im richtigen Leben schaut man ihnen nur vor den Kopf und ist auch hier vor Überraschungen und Enttäuschungen nicht gefeit, was aber gut zum Schreibstil und zur Handlung passt und sich nahtlos einfügt.

Wie auch schon in den Vorgänger-Romanen entwickelt Nesbo eine originelle Grundidee zu einer irrwitzigen Ereigniskette, die die Ermittler in verschiedene Teile der Welt schickt und den Leser atemlos vor Spannung zurück lässt. Hier geht es nicht um einen 08-15- who-done-it: der Autor verlangt von seinen Lesern Aufmerksamkeit und Köpfchen, ein schnelles Überfliegen geht nicht. Dafür wird man aber auch mit einem besonderen Krimi belohnt, der trotz seiner knapp 700 Seiten keine Längen kennt. Dabei legt er so viele Fährten und für uns auf so viel verschiedene Spuren, und doch ist am Ende alles anders als gedacht. Die Handlung ist spannend, der Erzählstil außergewöhnlich und der Kriminalroman (der diese Bezeichnung als einer der wenigen wirklich verdient hat) flüssig zu lesen.

Das einzige, was ich an dem Buch zu bemängeln habe, ist der Titel: der Originaltitel „Panserhjerte“ ist auf jeden Fall passender und stimmiger als der deutsche „Leopard“. Das stört das Lesevergnügen aber nicht wirklich.

Fazit: „Leopard“ ist kein Krimi für Zwischdurch, aber wer gut ausgefeilte Handlungen und keine Komplettlösungen mag, der sollte sich das Buch keinesfalls entgehen lassen.

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(77)

145 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 40 Rezensionen

berlin, einstein, albert einstein, amnesie, psychiatrie

Das Einstein-Mädchen

Philip Sington , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.06.2010
ISBN 9783423247832
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch „Das Einstein-Mädchen“ von Philip Sington ist zwar in eine ganz andere Richtung gegangen, als ich es erwartet habe, trotzdem bin ich begeistert!

Im Mai 1933 meldet Alma Siegel ihren Verlobten Dr. Martin Kirsch als vermisst. Wochenlang bemüht sie sich mit seinem Freund Robert, besucht regelmäßig die Stelle für vermisste Personen, jedoch leider erfolglos.
Zeitsprung: Im Jahr 1932 wir in Berlin / Caputh eine junge Frau gefunden, bewusstlos. Selbst als sie wieder bei Bewusstsein ist, kann sie sich nicht mehr an ihr bisheriges Leben erinnern. Aufgrund eines Zettels in ihrer Hand, die auf eine Veranstaltung vom großen Albert Einstein hinweist, wird sie von der Presse das „Einstein-Mädchen“ getauft. Der Psychater Dr. Martin Kirsch ist fasziniert von der jungen Frau: er hat sie kurz vor ihrem Auffinden kennen gelernt und sich als Elisabeth vorgestellt. Obwohl er sowieso um seine Stelle bangen muß, setzt er sich über alle Regeln hinweg, um mehr über die geheimnissvolle Frau zu erfahren. Inzwischen wird Adolf Hiltler zum Reichskanzler, und das Gesetz „Zur Verhütung von erbranken Nachwuchses“ wird vorbereitet.

Die Geschichte um Dr. Kirsch und dem Einstein-Mädchen ist nicht im herkömmlichen Sinne spannend, es ist eher wie ein verdröseltes Wollknäuel: Nach und nach offenbart sich dem Leser die Geschichte und das unausweichliche Schicksal der beiden jungen Leute, die Fäden werden entwirrt und die einzelnen Handlungsstränge zusammen geführt. Mir hat die Gratwanderung zwischen realer Geschichte und Personen und der fiktiven Handlung und Figuren dieses Romans sehr gut gefallen, die Mischung war sehr ausgewogen und wirkte nicht aufgesetzt oder gar konstruiert: Wahrheit und Phantasie haben gut miteinander harmonisiert. Auch die schrecklichen und teilweise grausamen Ereignisse dieser Zeit wurden gut wieder gegeben: der Autor hat sie zwar einfühlsam geschildert, ohne jedoch pathetisch zu werden. Was mich ein bisschen gestört hat (und deswegen gibt es auch einen Stern Abzug) waren die harten Brüche in der Handlung: ich musste öfters zurück blättern, um zu schauen, ob ich nicht ausversehen eine Seite überblättert habe, da einige Absätze so ganz mitten drinn aufgehört haben. Das hat den Lesefluss schon ganz schön gestört. Ansonsten war das Buch recht flüssig zu lesen, selbst die schwierigen Passagen die über Einsteins Arbeiten und Theorien gehandelt haben waren gut verständlich. Bei dem Ende der Geschichte handelt es sich nicht - wie sonst oft üblich – um ein großes Finale, sondern eher um einen stillen, würdigen Abschluss dieser schönen Geschichte. „Das Einstein-Mädchen“ war ein Lese-Erlebnis, kein Buch für zwischendurch, trotzdem sollte man es sich nicht entgehen lassen!

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1.733 Bibliotheken, 22 Leser, 17 Gruppen, 173 Rezensionen

krimi, taunus, mord, pia kirchhoff, oliver von bodenstein

Schneewittchen muss sterben

Nele Neuhaus
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.06.2010
ISBN 9783548609829
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Schneewittchen muss sterben“ ist nach „Eine unbeliebte Frau“, „Mordsfreunde“ und „Tiefe Wunden“ der vierte Taunuskrimi der deutschen Autorin Nele Neuhaus. Auch dieses Buch ist genauso überzeugend wie seine Vorgänger: neben einem interessanten Mordfall habe ich mit Spannung die privaten Verwicklungen der Hauptakteure verfolgt, die bei dieser Serie das Tüpfelchen auf dem i sind. Und auch beruflich müssen Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff starke Nerven beweisen: Tobias Sartorius wurde nach zehn Jahren aus der Haft entlassen und kehrt in sein Heimatdorf Altenhain zurück. Dem verurteilten Mädchenmörder wird die Resozialisierung nicht leicht gemacht: bei den Dorfbewohnern stösst er auf eine Mauer aus Ablehnung und Hass, allen voran natürlich der Vater der damals verschwundenen Laura. Nur seine alte Freundin Natalie, aus der in der Zwischenzeit die berühmte Schauspielerin Nadja von Bredow geworden ist, und die 17-jährige Amelie Fröhlich, die fataler Weise auf geradezu unheimliche Weise dem zweiten Opfer Stefanie „Schneewittchen“ Schneeberger gleicht, halten zu ihm. Als Amelie einige verräterische Zeichnungen von dem Nachbarssohn, dem autistischen Thies, erhält, verschwindet das Mädchen spurlos. Und auch diesmal kann Tobi sich nicht lückenlos an den Abend ihres Verschwindens erinnern ….... Und auch die beiden Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff plagen Sorgen: Olivers Frau verhält sich merkwürdig, und für Pias Bauernhof gibt es keine Baugenehmigung.
Diese Serie wird wirklich mit jedem Band besser: durch ihre lebhafte Schreibweise hat mir Nele Neuhaus die Figuren richtig nahe gebracht, und der spannende Handlungsablauf sorgt dafür, das das Buch nicht nur ein Zeitvertreib, sondern ein richtiges Leseerlebnis wird. Die Handlung ist logisch und gut aufgebaut, der Prolog ist schon ein Knaller und animiert zum Weiterlesen. Der Weg bis zum Plot ist eine Reihe gut gestellter Fallstricke und Wendungen, die auch geübte Krimileser bis (fast) zum Schluss über die wahren Hintergründe der Tat im Unklaren lassen. Schön war auch die Beschreibung des Dorfes und seiner Bewohner, die – meiner Meinung nach – zwar etwas Klischeehaft gezeichnet waren, aber trotzdem sehr authentisch gewirkt haben. Ihre Reaktion auf die Verbrechen und das Zusammenhalten / Auseinanderbrechen der Dorfgemeinschaft, das Leben mit der Schuld und dem Gewissen sind hier sehr gut beschrieben. Auch Schicksal der Familie Sartorius, die trotz der Anfeindungen im Dorf geblieben sind, hat mich eingenommen: Nele Neuhaus lässt keine Distanz zwischen dem Leser und ihren Figuren aufkommen. Was „Schneewitchen muss sterben“ (und auch seine Vorgänger) noch auszeichnet ist, das die Autorin auch ohne übertrieben brutale Szenen oder blutige Details auskommt und es trotzdem schafft, einen Pageturner zu schreiben, der sich nicht hinter „typisch amerikanischen“ Psychothrillern verstecken muss. Die Krimigeschichte kann man als Einzelband betrachten, wer allerdings auch die Entwicklungen im Hintergrund verfolgen und verstehen möchte, sollte auf jeden Fall die ersten drei Bände gelesen haben. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit dem Team um Bodenstein/ Kirchhoff weiter geht und hoffe, die Autorin lässt ihre Leser nicht so lange auf den Nachfolgeband warten.

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574 Bibliotheken, 1 Leser, 7 Gruppen, 150 Rezensionen

regensburg, thriller, psychothriller, münchen, identität

Der Trakt

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2010
ISBN 9783596186310
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gut, das ich gestern Nachmittag keine wichtigen Termine mehr hatte – die hätte ich nämlich glatt verpasst. Das Buch ist gestern Mittag mit der Post angekommen, ich habe es aufgeschlagen und bis tief in die Nacht in einem Rutsch durchgelesen! Die spannende und ungewöhnliche Geschichte fesselt von der ersten Seite an, auf der Sibylle Aurich aus einem Albtraum erwacht – nur um fest zu stellen, das sie sich auch im Wachzustand in einem befindet. Sie ist in einem Krankenhaus, in einem Zimmer, in dem es kein Fenster und keine Möglichkeit gibt, sich bemerkbar zu machen. Der Arzt, der sie kurz darauf untersucht, konfrontiert sie mit einer bizarren Wahrheit: ihr Sohn Lukas, dessen Gesicht mit der niedlichen Zahnlücke sie jedes mal vor sich sieht, wenn sie die Augen schliesst, existiert nicht. Aber so schnell gibt sie nicht auf: ihr gelingt die Flucht, wobei sie von einer fremden Frau, die sich als Rosie vorstellt, Hilfe bekommt. Doch auch zu Hause, bei ihrem Mann Hannes, läuft es anders als geplant: er erkennt sie nicht, und auch die Frau auf dem Hochzeitsfoto hat ein anderes Gesicht als sie. Ihre Sachen passen nicht richtig, und ihre beste Freundin ist ihr fremd. Überhaupt fühlt sich alles nicht richtig an. Und Hannes ruft sogar die Polizei. Doch wieder gelingt ihr die Flucht, und so schlüpft bei Rosie unter. Bei ihren Nachforschungen begegnet sie Christian Rössler, dessen Schwester vor ihrem spurlosen Verschwinden ebenfalls behauptet hat, Mutter eines Sohnes zu sein. Ist sie gar in ein langfristig angelegtes Komplott verwickelt worden? Wer will ihr wirklich schaden und wem kann sie noch vertrauen? Rosie, die zufällig immer vor Ort ist, wenn sie gebraucht wird? Oder Christian, der auch einiges vor ihr zu verbergen scheint? Und was viel wichtiger ist: kann sie sich selber trauen?
Dieses Buch ist wirklich der Hammer. Der flüssige Schreibstil des Buches gepaart mit dem spannenden Inhalt sorgt dafür, das man es wirklich schwer wieder aus der Hand legen kann. Die Handlung hat soviel Haken und Wendungen, das man bis kurz vor Schluss nicht erahnen kann, wer Gut und wer Böse ist, und was wirklich passiert ist. Und trotzdem ist sie logisch und gut nachvollziehbar. Was ist Einbildung, was ist Realität? Nichts ist, wie es scheint. Geschickt verwischt Strobel seine Spuren und lässt seine Protagonisten sowie auch den Leser im Dunklen. Erkenntnisse, die man getroffen hat, werden 3 Seiten später wieder über den Haufen geworfen und so bleibt es wirklich bis zum überraschendem Ende spannend. Beunruhigend ist, das der Thriller so realistisch geschrieben ist, das man wirklich denkt, es könnte jeden Tag irgendwo in Deutschland tatsächlich so passieren …...... An „Der Trakt“ kann man auch sehr schön sehen, das spannende Thriller nicht unbedingt etwas mit blutigem Splatter zu tun haben müssen – da kommt Arno Strobel nämlich ganz ohne aus. „Der Trakt“ ist auch so ein Garant für Spannung und Nervenkitzel bis zum letzten Wort, und Strobels Werk muß sich keinesfalls hinter seinen englisch sprachigen Konkurrenten verstecken.
Im Anschluss an das eigentliche Buch gibt es noch als Zugabe eine Leseprobe von Strobels nächstem Roman „Das Wesen“, das demnächst erscheint und das sicher auch in meinem Regal landen wird.

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151 Bibliotheken, 4 Leser, 7 Gruppen, 30 Rezensionen

internet, daemon, computer, thriller, usa

Daemon

Daniel Suarez , Cornelia Holfelder-von der Tann
Flexibler Einband: 638 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 17.03.2010
ISBN 9783499252457
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Thriller „Daemon“ von Daniel Suarez konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen – ich fand ihn zu technisch geschrieben und zu sehr in die Cyberwelt integriert, dadurch waren ganze Passagen sehr langatmig.
Der an einem Hirntumor verstorbene Chef von CyberStorm Entertainment, Mathew Sobol, tötet 2 zwei Mitarbeiter – anscheinend durch einen Computervirus, der von bestimmten Ereignissen aktiviert wird. Neben dem FBI ist Peter Sebeck für den Fall zuständig. Nach und nach wird das komplette Ausmaß des Computerprogramms ersichtlich – bei der Durchsuchung von Sobols Privatbesitz sterben 6 Beamte im Einsatz. Und auch an anderen Fronten hat er sich abgesichert: durch das von ihm entwickelte Computerspiel „Over the Rhine“ nimmt Sobol post mortem Kontakt seinen Spielern auf, die sein Vermächtnis zur Realität werden lassen sollen ….....
„Daemon“ war eines der wenigen Bücher, durch die ich mich wirklich durchbeissen mußte. Das lag an der trockenen Schreibweise des Autors, und so richtig Spannung kam für mich nicht auf. Zudem wurden viele Vorgänge erwähnt, mit denen ich nichts anfangen konnte. Ein fahrerloser Hummer, der Menschen tötet, Computerprogramme die nach der Weltherrschaft streben – für meinen Geschmack etwas zu futuristisch und deswegen ist dann auch schnell Langeweile aufgekommen. Mit den Personen konnte ich mich nicht recht anfreunden, sie blieben bis zum Ende des Buches blass und ohne Kontur. Das Ende war eigentlich kein solches, ich denke, da wird noch ein zweiter Teil folgen (müssen). Wer sich gut in der Cyberwelt auskennt und nichts gegen fantastische Horror-Szenarien hat, für den dürfte das Buch genau das richtige sein. Mich hat es nicht gepackt, und ich kann es leider nicht weiter empfehlen.

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358 Bibliotheken, 4 Leser, 7 Gruppen, 76 Rezensionen

thriller, mord, baby, schwangerschaft, phil brennan

Entrissen

Tania Carver , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 489 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 11.03.2010
ISBN 9783471350348
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Entrissen“ ist das erste Buch der Autorin Tania Carver. Es handelt sich dabei um einen spannenden Psychothriller, der nichts für schwache Nerven ist.
Ein Serienkiller hält nicht nur die Polizei in Atem: Claire Fielding ist bereits das dritte Opfer, die alle eins gemeinsam hatten: sie waren schwanger. Während bei den ersten beiden die Babys mit getötet wurden, ist das Baby von Claire allerdings verschwunden. DI Phil Brennan und seinem Team rennt die Zeit davon: mit jedem tag, der vergeht, sinken die Chancen des Neugeborenen zu überleben. So wird Marina Esposito zu dem Fall hinzugezogen: die Psychologin soll ein Täterprofil erstellen. Ihre frühere Beziehung zu Brennan machen die Zusammenarbeit nicht gerade einfacher, und als bekannt wird, das auch sie schwanger ist, gerät sie ins Visier des Killers …........
Dieser Psychothriller ist wirklich sehr spannend, und das schon von der ersten Seite an. Die Handlung ist gut aufgebaut und die Geschichte gut erzählt, was mich allerdings etwas gestört hat waren die „Splattereffekte“ - die blutigen Details, mit denen der Leser direkt von Anfang an konfrontiert wird. Die Protagonisten waren gut beschrieben, schnell bekommt man einen Einblick in die privaten Beziehungen, Gedanken und Gefühle. Die einzige Person, die für mich etwas unglaubwürdig geschildert war: „Fürst Floskel“ Ben Fenwick, der Marina erst um jeden Preis für den Fall gewinnen möchte, ihre Arbeit aber kurz darauf komplett ignoriert, das war für mich etwas unlogisch. Ansonsten waren die Personen klar strukturiert, die Dialoge alltagstauglich und das Buch allgemein gut zu lesen. Geradezu faszinierend waren die Einblicke in Hesters Seelnenleben und ihre Beziehung zu den Babys: der Leser kann in immer wieder an den Gedanken und verqueren Denkweisen teilhaben. Der Plot lässt sich erahnen, die Details bleiben allerdings im Dunklen, und so ist „Entrissen“ von Anfang bis Ende ein spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen.

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145 Bibliotheken, 2 Leser, 8 Gruppen, 39 Rezensionen

geister, eugenik, indianer, liebe, gespenster

Zeit der Gespenster

Jodi Picoult , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 463 Seiten
Erschienen bei Piper, 11.03.2010
ISBN 9783492054003
Genre: Romane

Rezension:

„Zeit der Gespenster“ hat mich sehr positiv überrascht – es handelt sich bei dem Buch um eine gute Mischung verschiedener Genres: ein alter Mordfall wird aufgeklärt, Geistererscheinungen sorgen für einen mystischen Einschlag, ein unschöner Teil der Geschichte der USA wird aufgearbeitet, und das ganze wird begleitet von einem tragsichen Schicksal und einer schönen Lovestory. Und obwohl die Geschichte der vielschichtig ist und eine Reihe verschiedener Themen umfasst, wirkt sie keineswegs überladen. Ross Wakeman ist einer der Hauptfiguren. Vor Jahren hat er seine Verlobte Aimee bei einem tragischen Autounfall verloren, schwebt seitdem zwischen den Welten und versucht vergeblich, sich das Leben zu nehmen um wieder mit seiner großen Liebe vereint zu sein. Doch es scheint, als würde eine unsichtbare Macht in an sein irdisches Leben fesseln – er ist „unzerbrechlich“ und überlebt selbst die schlimmsten Unfälle. Seine Schwester Shelby hat ganz andere Sorgen: ihr Sohn Ethan leidet an einer seltenen Krankheit, XP, er verträgt keine UV-Strahlen und hat eine sehr geringe Lebenserwartung.Auf einem nah gelegenen Grundstück soll ein Einkaufszentrum gebaut werden – die Indianer wollen das verhindern, da dort ein Indianerfriedhof sein soll. Ross wird vom Bauunternehmer engagiert, um Geistererscheinungen zu überprüfen. Dabei lernt er eines Nachts die schöne und geheimnisvolle Lia kennen – kann sie ihn über seinen tragischen Verlust hinweg trösten? Und was für eine Geschichte hat der angebliche Indianerfriedhof?
Erzählt wird das Buch aus zwei Perspektiven: im ersten und im letzten Teil ist der Leser Beobachter, der mittlere Teil spielt in der Vergangenheit und wird von Cecelia Pike in Ich-Form erzählt. Die Kombination erhöht die Spannung, und auch sonst ist das Buch flüssig geschrieben und fesselt den Leser von der ersten Seite an. Die Figuren sind sehr vielschichtig dargestellt, die Geschichte interessant und besonders der Konflikt zwischen Weissen und Indianern war gut ausgearbeitet. Haarsträubend – aber dafür umso realistischer – ist die Vergangenheitsbewältigung um die „Rassenkunde“, Stammbäume und die damit verbundene Zwangssterilisation. Die Informationen zu dem Thema und die Konflikte in den 20/30er Jahren waren geschickt in die Geschichte eingebaut und haben dem Buch eine besondere Note verliehen. Die Idee, die ganzen Themen miteinander zu kombinieren war richtig gut und für meinen Geschmack auch genau richtig dosiert. Auch die Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben dem Buch den richtigen Schwung gegeben. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat – und deswegen habe ich auch nur 4 Sterne vergeben - war das etwas dick aufgetragene Ende, da wäre weniger tatsächlich mehr gewesen und hätte etwas besser zum Inhalt des Buches gepasst.

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(144)

223 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 63 Rezensionen

mafia, krankenhaus, arzt, mord, zeugenschutzprogramm

Schneller als der Tod

Josh Bazell , Malte Krutzsch
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 05.03.2010
ISBN 9783100039125
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Schneller als der Tod“ umfasst eigentlich nur einen Tag im Leben des Dr. Peter Brown – aber der hat es in sich. Der Morgen fängt schon schlecht an: auf dem Weg zur Arbeit wird er überfallen – Pech für den Räuber, denn der ehemalige Mafiakiller wird mit so etwas natürlich spielend fertig. Und wenns einmal schief läuft, dann richtig: der neue Patient Sqillante entpuppt sich als ehemaliger Kollege: ein Mafiakiller, sowie Dr. Brown vor dem Zeugenschutzprogramm auch. Damals hieß er noch „Bärentatze“ Pietro Brwna, und durch seine Aussage wurde der Mafiaboss und Vater seines besten Freundes verurteilt. Erschwerend kommt noch hinzu, das er den Junior Skinflick aus dem fünften Stock geworfen hat. Doch tot gesagte leben länger, und so beginnt ein selbst für Dr. Browns Verhältnisse ungewöhnlicher Tag.
Das erste, was mir an dem Buch aufgefallen ist sind die ungewöhnlich skurillen Gestalten. Allen voran natürlich Bärentatze Dr. Brown, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Dabei schweift er immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, schildert sein Verhältnis zum Mob und besonders die familiäre Anbindung zu Skinflick und seinem Vater, die Begegnung mit seiner großen Liebe Magdalena und warum er letztendlich die Mafia verraten hat. Das ganze ist in einem lockeren Plauderton geschrieben, voll schwarz-humoriger und trockener Bemerkungen am Rande. Ein richtiger Krimi oder Thriller ist dieses Buch nicht, ich würde es eher als spannende Geschichte beschreiben, die dabei ungewöhnlich amüsant ist. Josh Bazell Erstling hat zwar keinen besonderen Tiefgang, aber er ist sehr unterhaltsam und genau das richtige für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa.

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185 Bibliotheken, 2 Leser, 8 Gruppen, 41 Rezensionen

mord, familie, vergangenheit, thriller, massaker

Finstere Orte

Gillian Flynn , Christine Strüh
Fester Einband: 527 Seiten
Erschienen bei Scherz, 19.02.2010
ISBN 9783502100959
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darkplace
Libby „Baby“ Day ist eine einsame Frau Anfang 30, ihre Mutter hätte sie wohl als „geknickt“ oder auch „trübsinnig“ bezeichnet. Doch ihre Mutter Patty ist seit 24 Jahren tot – genau wie ihre Schwestern Michelle und Debby, die zum Todeszeitpunkt zehn und neun Jahre alt waren. Ein Wahnsinniger hatte 1985 ihre Familie umgebracht, nur die siebenjährige Libby konnte sich in der eiskalten Januarnacht in den Garten retten. Schnell wurde ihr 15-jähriger Bruder Ben verdächtigt und auch verurteilt – über den Teenager kursierten schon vorher genug Gerüchte wegen Kindesmißbrauch und Teufelsanbetung, Libbys vernichtende Aussage war da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.. Auch als Erwachsene ist Libby nie über diese Nacht hinweg gekommen, durchlebt die Vergangenheit , die sie selber als „Darkplace“ bezeichnet, im Kopf wieder und wieder. Doch nun muss sie sich der Realität stellen: der Fond über 321.373 Dollar, den sie mit 18 Jahren ausgezahlt bekommen hat, ist so gut wie aufgebraucht. Da kommt das Angebot eines ominösen Vereins, der sich Kill Club nennt gerade recht: der Club besteht aus Leuten, die sich mit schrecklichen Verbrechen befassen und Souvenirs davon kaufen. Für einen Besuch soll sie 500 Dollar bekommen. Doch bei dem Besuch bleibt es nicht – nach und nach überzeugen die Mitglieder sie, das ihre Aussage damals falsch war und Ben unschuldig im Gefängnis sitzt. Doch je mehr sie in der Vergangenheit stöbert, um so unangenehmer wird es, sich den Tatsachen zu stellen …......
Das Buch hat schon einen sehr guten und spannenden Anfang, und so bleibt es auch die ganzen 523 Seiten lang. Die Sprache und die Wortwahl des Buches sind an das soziale Milleu, aus dem Libby stammt und das sie auch nie ganz verlassen konnte, angepasst und lassen die Geschichte um so authentischer wirken – man fühlt sich direkt in die ärmliche Farm – und Trailerpark-Gesellschaft hinein versetzt. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, Libbys Part aus der Gegenwart ist in der Ich-Form verfasst, die Ereignisse aus der Vergangenheit, die nur den letzten gemeinsamen Tag der Familie umfassen, aus Bens und Pattys Sicht in der dritten Person. Dabei wird schnell klar, wie die Gerüchte um den etwas seltsamen Jungen entstanden sind, die Geschichten dahinter sind gut geschildert. Libby entdeckt ihre Vergangenheit neu, wie eine Zwiebel schält sie Schicht für Schicht frei und muß sich mit einer völlig neuen Wahrheit auseinandersetzen. Auch die zart aufkeimende Freundschaft zwischen dem „Kill Club“ Vorsitzenden Lyle und der kontaktarmen Libby sind recht neu für sie. Das Ende kommt trotz zahlreicher Vermutungen, die man beim Lesen, originell und überraschend – ein guter Plot ist für einen Krimi die halbe Miete, und ich finde, die Autorin hat es gut gelöst. Freunde des klassichen „Who-done-it“-Krimis sollten sich „Finstere Orte“ auf keinen Fall entgehen lassen.

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87 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 31 Rezensionen

liebe, fantasy, dämonen, anna, carl weller

Dämonenherz

Julia Talbot
Fester Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Schroeder, Marion von, in Ullstein Buchverlage GmbH, 01.03.2010
ISBN 9783547711653
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Jagd nach den Sternen
Anna Sternberg ist lieb, aber ein typischer Looser – zusammen mit ihrer Freundin Vicky betreibt sie erfolglos eine PR-Agentur, der einzige Auftrag den sie ergattern kann, will ihre alte Schulfeindin Sandrine „der guten Gelegenheit wegen“ nicht bezahlen. Auch privat sieht es alles andere als rosig aus – finanziell ist sie am Ende, von ihrem Mann ist sie geschieden, und ihr Vater lebt in einem Abbruch-Haus, das einem Einkaufszentrum weichen soll. Als sie im Kurpark dem charismatischen Carl Weller begegnet, sieht sie ihre Chance kommen: sie befreit ihn aus einer mißlichen Situation und soll dafür seine persönliche PR-Beraterin werden. Schnell wird aus der beruflichen Beziehung eine private, doch Anna weiß nicht, worauf sie sich eingelassen hat - denn Carl ist nicht ganz der, für den er sich ausgibt, und auch Sandrine ist nicht nur eine ehemalige Klassenkameradin ….
Ich hatte eigentlich eine spannende Urban-Fantasy-Loverstory erwartet, und bin von dem Buch ein bisschen enttäuscht, denn die ganze Handlung bleibt eher flach. Anna Sternberg ist als Figur zwar ganz sympathisch, doch vor allen Dingen auch nervend naiv und man kann ihre Handlungen teilweise nicht ganz nach vollziehen. Auch ihr Vater wirkt eher wie ein gutmütiger Idiot, und man fragt sich, wie er überhaupt so lange ohne fremde Hilfe überleben konnte, Und auch die Wandlung Wellers vom eiskalten Manager zum unsterblich verliebten Mann, der sein Leben für Anna geben würde wirkt eher lahm und daher nicht so richtig glaubwürdig. Zudem neigt die Autorin zu pathetischen Dialogen, die sehr hölzern wirken und die so im normalen Leben nie statt finden würden. Wenn man den übernatürlichen Teil dieses Buches weg lässt, bleibt eine mittelmäßige Liebesgeschichte, die als Taschenbuchausgabe genau das richtige für einen verregneten Nachmittag gewesen wäre. So bleibt leider nur ein mittelmäßiges Buch, das in der Flut der weitaus besseren Urban-Fantasy-Literatur untergeht.

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292 Bibliotheken, 2 Leser, 10 Gruppen, 70 Rezensionen

thriller, mädchen, serienmörder, mord, profiler

Der Todesflüsterer

Donato Carrisi , Christiane von Bechtolsheim , Claudia Schmitt
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2010
ISBN 9783492257701
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich habe gerade den Thriller „Der Todesflüsterer“ von Donato Carrisi aus der Hand gelegt, und mein erster Gedanke war „Wow“. Ich habe selten so einen spannenden Thriller gelesen, dessen Ende mich wirklich überrascht hat. Der Leser steigt direkt von der ersten Seite an in die spannende Geschichte ein: In einer Waldlichtung finden zwei Jungen zufällig 6 linke Arme, die zu 5 kürzlich verschwundenen Mädchen passen könnten. Doch wer ist das 6. Mädchen, und warum wurde sie nicht vermisst gemeldet? Profiler Goran Gavila holt sich die Sonderermittlerin Mila Vazquez in sein Team: sie spürt verschwundene Kinder auf. Nach und nach tauchen die Leichen der vermissten Mädchen auf, und schon bald gelingt es dem Täter, die Saat des Mißtrauens in das Team zu säen …..

Das Buch ist noch viel besser, als ich von der Leseprobe erwartet habe: es ist überdurchschnittlich spannend, die Geschichte ist raffiniert und gut durchdacht, das Ende ein wirklicher Hammer. Mit den Ermittlern Goran und Mila hat der Autor ein ungewöhnliches Duo auf die Jagd gehen lassen: der Profiler ist allein erziehender Vater, seine Frau hat ihn verlassen. Mila hat ihre ganz eigene Art, mit den schrecklichen Ereignissen, mit denen sie in ihrem Beruf konfrontiert wird, fertig zu werden. Und auch die Charaktere um die beiden Hauptermittler sind sehr interessant und lebhaft geschildert. Die Wendungen der Handlungen sind sehr gelungen und vor allem auch glaubhaft, immer wenn man denkt dem Täter auf der Spur zu sein kommt es doch wieder anders. Der Thriller ist sehr flüssig geschrieben, und der Autor hält den Spannungsbogen von Anfang bis Ende aufrecht. Auch der kleine Ausflug mit der Nonne Nicla in die Welt des Paranormalen hat mir sehr gut gefallen.Mit „Albert“ hat Carisi einen Serienkiller geschaffen, der sich in keinerlei Hinsicht vor seinen literarischen Kollegen verstecken muss. Mit blutrünstigen Details protzen muß der Autor nicht – sein psychologisches Verwirrspiel zieht den Leser zu Genüge in seinen Bann. Mit „Der Todesflüsterer“ ist Carisi ein großes Erstlingswerk gelungen, und ich hoffe, in Zukunft noch mehr von dem Autor lesen zu können.

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1.001 Bibliotheken, 12 Leser, 14 Gruppen, 147 Rezensionen

dänemark, entführung, thriller, kopenhagen, rache

Erbarmen

Jussi Adler-Olsen , Hannes Thiess
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2009
ISBN 9783423247511
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Carl Mørk ist ein guter Ermittler, als Mensch und Kollege jedoch eher schwierig – und das auch schon vor dem unglücklichen Einsatz, bei dem sein Kollege Anker erschossen wurde und sein anderer Kollege Hardy querschnittgelähmt blieb. Das sehen wenigstens seine Mitstreiter und Vorgesetzten im Präsidium so. Als die Bildung einer neuen Sondereinheit geplant wird, die sich mit alten, ungeklärten Fällen befassen soll, ist das die Gelegenheit den unliebsamen Ermittler auf Eis zu legen: Mørk wird von seinem Chef Jacobsen „weg gelobt“ und als Leiter des neuen Dezernat Q eingesetzt. Anfangs sitzt Mørk seine Zeit im seinem neuen Büro im Keller des Präsidiums ab, doch mit seinem neuen Assistenten Assad kommt Bewegung in die Einheit: eine alte Akte erregt seine Aufmerksamkeit, das Verschwinden der Abgeordneten Merete Lynggaard vor fünf Jahren wurde nie aufgeklärt. Sie verschwand spurlos von einer Fähre zwischen Rødby und Puttgarden, als sie mit ihrem geistig behinderten Bruder Uffe auf dem Weg in den Urlaub war. Carl und Assad decken mit ihren etwas eigenwilligen Methoden schnell Lücken und Schlampereien in der damaligen Ermittlung auf, und nach und nach kommen sie dem Geheimnis auf die Spur.

Dieser Krimi lag etwas stiefmütterlich behandelt ganz unten in meinem SuB, aber ich muß sagen – völlig zu Unrecht! Es handelt sich bei Mørks ersten Fall um einen richtig gut geschriebenen und spannenden Psychothriller. Besonders gut fand ich die vom Autor eingesetzten Protagonisten: Mørk, eigenwillig und abgebrannt, aber nicht so depressiv und erschütternd nach 08-15-Schema anderer Autoren. Sein einziger Kollege: der „Harry-hol-schon-mal-den-Wagen“-Assistent Assad, ein kluger Kopf und unverzichtbar für die Ermittlungen, zusammen mit Mørk das Duo Infernale. Auch mit Mørks privaten Umfeld hat sich der Autor richtig viel Mühe gegeben – eine durchgeknallte fast Exfrau, ein Dauerstudent als Mitbewohner und einen mürrischen Stiefsohn. Das rundet das Bild um Mørk richtig ab. Zudem war der Fall Merete von der ersten Seite an richtig spannend, die Erzählung wechselt von Perspektive der Entführung 2002-2007 und den Ermittlungen 2007. Auch wenn die Handlung schon recht früh absehbar war, wirkte sie in keiner Weiser konstruiert, das Buch hatte keine Längen und konnte flüssig von Anfang bis Ende gelesen werden. Der Höhepunkt der fesselnden Geschichte war dann der äußerst rasante Plot, in dem der Autor nochmal ordentlich das Tempo anzieht. Und es gab nur eine einzige Frage, die für mich am Ende der Geschichte noch offen blieb: wann endlich erscheint der zweite Fall um den sympathischen Sonderermittler Carl Mørk ? Ich kann den Thriller nur wärmstens empfehlen und freue mich auf den Nachfolger "Schändung", der für September 2010 angekündigt ist.

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103 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 38 Rezensionen

schweden, krimi, mord, a-team, kerstin holm

Dunkelziffer

Arne Dahl , Wolfgang Butt
Fester Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2010
ISBN 9783492053501
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Richtig spannend ist der neue Roman „Dunkelziffer“ von dem schwedischen Autor Arne Dahl. Es der achte Fall für das A-Team, und auch diesmal hat der Autor ein brisantes Thema gewählt: Pädophilie. Auf einer Klassenfahrt verschwindet die 14-jährige Emily Flodberg spurlos. Besonders brisant: in der Gegend gibt es drei namentlich bekannte Pädophile. Gunnar Nyberg, Sara Svenhagen und Lena Lindberg vom A-Team reisen vor Ort, um rund um das Verschwinden des Mädchens zu ermitteln. Kerstin Holm und der des A-Teams ermitteln im häuslichen Umfeld. Dabei stossen sie auf allerlei Ungereimtheiten: warum wirkt die Mutter des Mädchens so gleichgültig? Und warum hielt es keine Freundin lange mit Emily aus? Zeitgleich verschwindet der Elektriker Steffe Willner. Seine Freundin Marja gibt eine Vermisstenanzeige bei Kerstin Holms Freund Bengt auf, der aber nicht so enthusiastisch reagiert, wie sie erwartet. Als kleines Druckmittel hängt sie ihm eine Klage wegen sexueller Belästigung an. Paul Hjelm, interner Polizeiermittler und erschwerender Weise auch Kerstins Ex-Liebhaber, muß gegen Bengt ermitteln.
Das Buch ist sehr gut, aber auch sehr ehrlich und an manchen Stellen sehr hart. Besonders bewusst ist mir das beim Verhör mit dem Pädophilen Carl-Olof Strandberg geworden, während dessen ich einige male Schlucken mußte und volles Verständnis für Polizeigewalt gehabt hätte. Arne Dahl verliert sich zwar nie in blutige Details, trifft aber stets den wahren Kern der Sache. Am Anfang sind es zwei Handlungsstränge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und am Ende doch zusammen finden. Und es passt: nichts dabei wirkt künstlich herbei gezerrt oder konstruiert. Auch das Privatleben der Ermittler spielt – wie in jedem Teil – eine große Rolle. Wie auch im richtigen Leben kann man als Leser willkürlich seine Sympathien verteilen, deswegen wirken die von Dahl beschriebenen Charaktere auch sehr lebensecht. Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben, man kann sie vom Anfang bis hin zum spannenden Finale in einem Rutsch lesen. Was mir nicht so gut gefallen hat war der Cliffhanger am Ende des Buches, und ich hoffe, der nächste Teil lässt nicht so lange auf sich warten. „Dunkelziffer“ ist nicht nur ein gut geschriebener Kriminalroman, sondern behandelt auch ein sehr brisantes Thema mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, das den Leser zwar betroffen, aber nicht verstört zurück lässt. Bei Freunden spannender Kriminalromane sollte dieses Buch nicht im Regal fehlen.

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76 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

familie, hongkong, krieg, kanada, vergangenheit

Der Tag, an dem Marilyn starb

Donna Milner , Sylvia Höfer
Fester Einband: 391 Seiten
Erschienen bei Piper, 24.02.2010
ISBN 9783492053730
Genre: Liebesromane

Rezension:

Wenn die Vergangenheit die Gegenwart trifft

Nach der Leseprobe hatte ich mir von Donna Milners Zweitling „Der Tag an dem Marilyn starb“ eine tiefgründige Familiengeschichte erhofft. Nachdem ich das Buch nun beendet habe bin ich doch ein kleines bisschen enttäuscht. Es ist zwar nicht schlecht geschrieben, aber die Handlung ist ziemlich seicht und leicht vorhersehbar. Hauptfigur ist die 11-jährige Ethie Coulter, aus deren Sicht das Buch auch geschrieben wurde. Ethie wohnt mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Kipper, der am Down Syndrom leidet, ihrem erwachsenen Bruder Frankie und den Eltern Howard und Lucy im Kanada der 60er Jahre. Lucy ist das Oberhaupt der Familie und für die praktischen Dinge zuständig, Ethies Vater Howard ist eher introvertiert und sucht nach schweren Kriegserlebnissen Trost im Alkohol. Ihre Mutter stirbt am 05. August 1962 – an dem Tag, an dem auch Marylin Monroe starb. Und wie bei Marylin sind die Todesumstände eher ungewöhnlich. Warum war Lucy nicht, wie verabredet, beim Poker spielen sondern bei ihrer Freundin Marlene auf dem Boot? Nach und nach werden die Geheimnisse der Vergangenheit aufgedeckt, doch wird die Familie es schaffen, die Probleme der Gegenwart zu lösen?
Um es vorweg zu sagen – das Buch ist trotz seiner Schwächen wirklich gut, nach der Leseprobe hatte ich allerdings viel mehr erwartet. Das Buch setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen: die Gegenwart wird in Ich-Form von Ethie erzählt, und der Autorin gelingt es wirklich gut, die Gefühle einer 11-jährigen nach dem Tod der Mutter zu schildern. Der zweite – und auch etwas langatmige – Handlungsstrang beschreibt Howards Einsatz während des Krieges in Hongkong, wo er mit Gordy, seinem Freund aus Kindertagen, stationiert ist. Die Vergangenheit und die Gegenwart werden am Ende gut miteinander verflochten, es bleiben keine offenen Fragen. Und obwohl die Geschichte sehr einfühlsam und schön geschrieben wurde, fehlt mir trotzdem der nötige Tiefgang: alles passiert irgendwie wahnsinnig schnell und für jedes Problem liegt die Lösung parat. Einige Figuren, wie die der Tante Mildred, wirken auch seltsam blass und Konturenlos, ihr Mann Sid geht in der Handlung völlig unter. Sehr positiv ist mir aufgefallen, das die Geschichte sehr flüssig geschrieben ist, und auch die Dialoge wirken lebendig. Ein Happy End ist in diesem Buch nicht wirklich möglich, doch gemessen an den Möglichkeiten hat die Autorin das beste heraus geholt. Das Buch ist wirklich nicht schlecht, aber der Funke ist bei mir nur Phasenweise übergesprungen, und so würde ich es zwar weiter empfehlen, aber für mich ist es sicher kein Must-Have.

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393 Bibliotheken, 3 Leser, 8 Gruppen, 95 Rezensionen

krimi, mord, münchen, familie, kinderarzt

In weißer Stille

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2010
ISBN 9783548268651
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schwere Zeiten erwarten Kommissar Dühnfort: Der angesehene pensionierte Kinderarzt Dr. Heckeroth wird tot in seinem Wochenendhaus aufgefunden – an die Heizung gebunden und qualvoll verdurstet. Handelt es sich um einen Raubüberfall, oder haben eher persönliche Gründe eine Rolle gespielt? Dühnfort und seine Kollegen tappen im dunkeln. Nach und nach offenbaren sich die Geheimnisse der ach-so-angesehenen Familie, in der nichts so ist, wie es scheint. Und auch privat läuft es für ihn nicht so, wie er es sich erhofft hat: seine Geliebte Agnes hält ihn auf Distanz und möchte keine Beziehung eingehen. Die Dinge spitzen sich zu, als man im nahen Umfeld des Mordopfers einen zweiten Toten findet …....

Nach „Der Sünde Sold“ ist „In weisser Stille“ der zweite Kriminalroman um den sympathischen Kommissar Dühnfort und sein Team. Und auch beim zweiten Teil handelt es sich um einen eher klassisch geschriebenen Krimi, der von der ersten Seiten an unheimlich spannend ist. Zudem ist er gut geschrieben – ein Buch, in das man von der ersten bis hin zur letzten Seite in einem Rutsch verschlingen kann. Die Hauptakteure sind sehr authentisch geschildert, die Sympathien nicht klischeehaft nach gut und böse sortiert, so konnte ich zum Beispiel wenig Mitleid mit dem Mordopfer empfinden. Den Täter hatte ich zwar anfangs im Visier, ihn aber zwischenzeitlich auch wieder aus den Augen verloren, so das der Plot keine echte Überraschung war, die Motive dafür allerdings schon. Durch geschickte Wendungen und gut verwischte Spuren ist es der Autorin gelungen, den Leser die ganzen 442 Seiten kontinuierlich bei der Stange zu halten, lahme Nebenhandlungen gibt es in diesem Buch nicht. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, das einige Handlungsstränge am Ende nicht befriedigend aufgelöst wurden, z.B. was mit dem verunglückten Mädchen passiert ist. Aber sonst kann man das Buch bedenkenlos weiter empfehlen, und ich freue mich schon auf weitere spannende Fälle für Dühnfort und Co.

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112 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 37 Rezensionen

archäologie, krimi, england, salzmoor, ruth galloway

Totenpfad

Elly Griffiths , Tanja Handels
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Wunderlich, 16.12.2009
ISBN 9783805208741
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Totenpfad“ von Elly Griffith ist der erste Fall für die etwas eigenwillige Archäologin Ruth. Schon der Anfang der Geschichte mit der sympathischen Heldin macht Lust auf mehr – einmal angefangen, habe ich das Buch n einem Rutsch durchgelesen. Ruth Galloway ist mit ihrem ruhigen, beschaulichen Leben am Rande des Salzmoores zufrieden. Das ändert sich schlagartig, als DCI Harry Nelson sie um Hilfe bittet: im Moor sind die Knochen eines Kindes gefunden worden, und er braucht Ruth, um deren Alter zu bestimmen. Handelt es sich bei der Toten etwa um die vor 10 Jahren verschwundene Lucy? Bald darauf verschwindet noch ein kleines Mädchen. Und der Mörder scheint sich einen Spaß daraus zu machen, anonyme Briefe an Nelson zu schicken. Und auch Ruth rückt bald in das Blickfeld seines Interesses …...

Die Idee ist toll, die Protagonisten sehr lebhaft dargestellt, die Handlung stimmt. Leider ist das ganze nicht so stimmig umgesetzt: teilweise wirkt alles sehr konstruiert, und so mancher Zufall ist etwas zu viel des guten – da wäre weniger mehr gewesen. Allerdings ist der Thriller auch ein echter Pageturner: flüssig geschrieben kann der Leser direkt in die Geschichte eintauchen und bleibt es eigentlich durchweg spannend, auch wenn die Geschichte manchmal an Tempo verliert. Auch der Plot kommt überraschend, auch wenn ich den Mörder eigentlich von Anfang an in Verdacht hatte. Und doch hat es die Autorin geschafft, so geschickt die Spur in eine andere Richtung zu lenken, das ich zwischenzeitlich völlig auf dem Holzweg war. Die privaten Eskapaden wer-wann-mit-wem der Hauptpersonen waren hingegen nicht so mein Fall, auch wenn sie zu der Entwicklung der Handlung beigetragen haben. „Totenpfad“ ist ein durchaus solides Erstlingswerk, und den zweiten Teil werde ich mir sicher nicht entgehen lassen!

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