Leserpreis 2018

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Mord im alten Pfarrhaus

Jill McGown , Barbara Först
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 13.09.2018
ISBN 9783832198848
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich hatte mich sehr auf den diesjährigen Weihnachtskrimi des Verlages gefreut, weil ich "Ein Mord zu Weihnachten" im letzten Jahr sehr genossen habe. Leider wurde ich total enttäuscht und zwar gleich auf verschiedenen Ebenen. Zum einen gab es zu viele Wechsel in der Perspektive und zu viele Personen, was an sich nicht schlimm gewesen wäre, hier aber schlichtweg nicht gut umgesetzt war. Die Akteure waren recht eindimensional, sodass es schwierig war, sich richtige Menschen darunter vorzustellen, geschweige denn ihre Namen gleich wieder zuordnen zu können. Es wurden einige Liebesverwicklungen eingebaut, aber nicht besonders berührend, sondern eher trocken.

Die Dialoge waren leider oft sehr merkwürdig und nicht im Fluß, als wäre etwas falsch übersetzt worden. Das hat das Lesevergnügen stark geschmälert, weil die Dialoge nun mal wichtig sind. Da wurden zum Beispiel in einem späteren Satz mal angeblich gerissene Witzchen erwähnt, die gar nicht da waren (zumindest im Deutschen nicht). Und wenn jemand auf die direkte Rede eines anderen geantwortet hat, bin ich oft so vor dem Buch gesessen: WHAT???


Der Fall war spannend und hielt einen trotz den Schwachstellen bei der Stange. Jeder hatte seine eigenen Geheimnisse und machte in seinen Kapiteln Andeutungen, war in irgendeine Sache verstrickt. All das wurde nur nach und nach aufgeklärt, was natürlich die Wissbegierde steigerte. Leider jedoch war mir die Auflösung dann gar zu konstruiert und das Ende war von einer Gefühlskälte durchzogen, die einen das Buch mit einem Kopfschütteln zuklappen ließ. Statt die Geschehnisse zu betrauern, wie man es bei einem anderen Roman tun würde, war man einfach nur sauer. Über die Entwicklungen, das schnelle Abhandeln einer großen Sache und die Gedanken der Charaktere, von denen die meisten fast schon einen Hang zum psychopathischen hatten - natürlich wurde alle Schuld einer einzigen Person zugeschoben, was ... ACHTUNG SPOILER ... besonders schlimm wird, wenn die geschlagene Ehefrau ihren Mann verteidigt, weil der ja nicht anders gekonnt habe, so wie ihre Mutter ihn behandelt hat ... Da konnte man nur fassungslos auf die Zeilen starren.

Alles in allem war "Mord im alten Pfarrhaus" also kein Lesevergnügen und ich kann keine Empfehlung aussprechen. Dazu kommt, dass es im Englischen der zweite Teil einer dreizehnteiligen Serie ist, die sich um das Ermittlerpärchen Lloyd und Hill dreht. Das wurde besonders spürbar, weil man manchmal das Gefühl hatte, etwas versäumt zu haben bzw. auch über das Buch hinaus noch etwas zu versäumen. Zum Beispiel wurde angesprochen, dass Lloyd nie beim Vornamen genannt wurde und dann war eine ganze Szene zwischen ihm und seiner Geliebten einer Unterhaltung über seinen Namen gewidmet. Erfahren hat man ihn letztendlich nie. Es war mir dann aber auch egal, wie der Chief Inspector heißt. Wir werden uns nicht mehr über den Weg laufen.

Leider ein totaler Reinfall mit zu vielen und zu hölzernen Charakteren, richtig miesen Dialogen und einem Ende, das zusammengeschustert und unbefriedigend war. Eineinhalb Sterne gibt es für die Spannung, welche die Autorin gut rübergebracht hat.

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Tags: flop, keineempfehlung, krimi, kriminalroman, reinfall, weihnachtskrimi   (6)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton , Karolina Fell
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.11.2018
ISBN 9783499291487
Genre: Romane

Rezension:

Manche Bücher schaffen es einfach, nicht nur einen Protagonisten zu begleiten, sondern einem das Fühlen und Leben eines ganzen Dorfes, einer ganzen Gemeinschaft näher zu bringen. Graham Norton gelingt es wunderbar, eine fast filmische Atmosphäre zu schaffen, eine Bühne zu bereiten für seine Akteure, denen man vom ersten Moment an nahe steht.
Allen voran natürlich der nicht nur dicke, sondern fette Sergeant PJ Collins, der so liebenswert unbeholfen agiert und dennoch einen echten Bullen in sich trägt, der sich in einem Fall verbeißen kann (wenn auch aus ein bisschen Eigennutz) und diesen zu lösen versucht.

Die Story ist spannend, lud zum Miträtseln ein und überraschte mit vielen stimmigen, aber unerwarteten Wendungen. Wohl durchdacht und höchst authentisch, als hätte der Autor die Geschichte aus der Realtität entnommen.

Die flüssige und bildhafte Sprache machen dieses Buch zu einem besonderen Diamanten. Der schwarze Humor, der einen zum lauten Lachen bringt, gepaart mit dem empathischen Einfühlen in die Charaktere, die alle ihre Lasten und Laster zu tragen haben, sorgen für eine zauberhafte Mischung und lassen einen noch lange über das Buch nachdenken, nachdem man es nach der letzten Seite bedauernd aus der Hand gelegt hat.

Es war auch richtig toll, einmal einen Helden zu erleben, der nicht den gängigen Idealen und Klischees entspricht, sondern seine Schwächen, sein Gewicht und eine große Portion Menschlichkeit mit sich trägt. PJ Collins und ganz Duneen wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Deshalb gibt es eine Leseempfehlung mit einem riesigen Ausrufezeichen von mir!

Mein Fazit

Spannend, authentisch, voll Melancholie und schwarzem Humor! Ein Kriminalroman, der begeistert, und ein Autor, der ein wahnsinniges Können besitzt! Hut ab und unbedingt lesen!

Eine Lektüre, die man nicht aus der Hand legen kann!

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Tags: authentisch, dorfatmosphäre, fetter polizist, graham norton, highlight, hoffnung, irish crime, irland, kein klischee, krimi, kriminalroman, liebe, lieblingsbuch, mord, schwarzer humor, spannend   (16)
 

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Der Klügere lädt nach

Castle Freeman , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 29.01.2018
ISBN 9783312010585
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem ich "Männer mit Erfahrung", "Auf die sanfte Tour" und vor allem den lakonischen Sheriff Lucian Wing heiß und innig liebe, musste auch der dritte Teil der losen Reihe bei mir einziehen. Und ich habe es keinen Buchstaben lang bereut. Castle Freeman ist ein Meister, der es versteht, seine Leser bei der Zeile zu halten :)

Meine Meinung
 
Was für ein fulminanter dritter Teil der Reihe um den gemächlichen Sheriff Wing!

Seine geliebte Clemmie hat sich einem anderen Mann zugewandt und sogar er selbst wird kräftig umworben, was dem Leser das ein oder andere breite Grinsen ins Gesicht treibt. Das Verbrechen schläft natürlich auch nicht und diesmal kann sich Lucian nicht wie gewohnt mit seiner ruhigen, abwartenden Art bis zur Auflösung des Falles kämpfen ... Diesmal arbeitet nämlich DAS GESETZ gegen ihn bzw. seine Überzeugungen.

Ich möchte eigentlich gar nicht zu viel von der Handlung verraten, weil man das Buch einfach selbst gelesen haben muss! Ich sage nur, dass alte Bekannte zurückkehren und noch mal einen ganz großen, bedeutenden Auftritt bekommen. Man erfährt einmal mehr etwas über Lucians Vergangenheit und wie er zu seinem Posten als Sheriff kam. Das war herzerwärmend und höchst amüsant zu lesen. Ich liebe die Dynamik zwischen den Agierenden und ich liebe Sheriff Wingate. Hoffentlich kommt da noch mehr!

Geschrieben ist es in Freemans gewohnt lakonischer Art, die mir so gut gefällt. Und wieder gibt es lustige Dialoge zwischen den Alten, die sich wie ein Film vor dem geistigen Auge abspielen. Da wird zackig geliefert, ähnlich Pistolenschüssen. Ob wirklich geschossen wird, müsst ihr selbst nachlesen!

Bewertung und mein Fazit zu "Der Klügere lädt nach"
 
Ein fulminanter dritter Teil, der noch mehr Einblicke in Sheriff Lucian Wings Werdegang gibt und mit einer spannenden Handlung aufwartet, die sich in einem ganz großen Knall löst! Wie immer herrlich amüsant, spannend und liebevoll geschrieben! ABSOLUT LESENSWERT!

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Tags: alte männer, castle freeman, detektiv, gemütlich, krimi, kriminalroman, lakonie, roman, romantisch, sheriff lucian wing, spannung   (11)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Friedhof der Unschuldigen

Andrew Miller , Nikolaus Stingl
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2015
ISBN 9783423143974
Genre: Romane

Rezension:

Wir begleiten den jungen Ingenieur Jean-Baptiste Baratte während eines Auftrages, den er vom Minister des Königs höchstpersönlich bekommt. Er soll den Friedhof der Unschuldigen leeren und das ganze umliegende Viertel von dessen Gasen und Geruch befreien.

Der Autor schafft es ganz wunderbar, einen in das alte Paris zu entführen. Er weiß, wie man Beschreibungen formuliert, die einem Bilder des Schlosses Versailles, der schmutzigen Gassen, des Marktes, des Friedhofes und der Kirche in den Kopf zaubern. Es gelingt ihm auch, den Leser mit seinem beiläufigen Humor einige Male zum Lachen zu bringen. Die Charaktere sind allesamt liebevoll gezeichnet, wenngleich man ihnen auch niemals so richtig nahe kommt. Man ist eher ein außenstehender Beobachter, denn ein Teilhaber am Geschehen, was durch die wunderschöne, erschaffene Umgebung allerdings nicht weiter schlimm ist.

Ich war anfangs höcht begeistert von der überwältigenden Atmosphäre, die Andrew Miller geschaffen hat, doch in den letzten paar Abschnitten wurde alles ein wenig mau. Der große Knall blieb irgendwie aus, dennoch kann man das Buch nicht aus der Hand legen, weil man mit der Handlung mittreiben möchte, wie auf sanften Wellen, die in den Sonnenuntergang gespült werden. Man wird immer getrieben von dieser unterschwelligen Spannung.

"Friedhof der Unschuldigen" ist ein wundervoller Roman, der vieles in sich birgt. Dem Leser begegnen Leid und Liebe, Lust und Verlangen, Schicksal und Trauer. Jean-Baptiste ist die meiste Zeit ein sympathischer Begleiter durch das alte Paris und bekommt mit dem charmanten Organisten Armand, der undurchschaubaren Hure Héloïse, dem wissbegierigen Arzt Guillotin und einer Reihe weiterer Charaktere eine ganze Riege an interessanten Nebendarstellern an die Seite gestellt.


Was es sonst noch zu sagen gibt

Ich bin hin und weg von dem zauberhaften Umschlagbild. Es ist nämlich hervorragend passend und schafft es, dass einem die Sache mit dem neuen Anzug noch trauriger vorkommt. Aber lasst euch überraschen!


Bewertung und mein Fazit
 
Alleine seiner ausgezeichneten Sprache wegen, wird das nicht mein letztes Buch von Andrew Miller bleiben. In diesem Roman begegnet man Leid und Liebe, Lust und Verlangen, Schicksal und Trauer. Man darf einen jungen Mann begleiten, der unfreiwillig als Metapher für etwas viel Größeres dient.

Ein lesenswerter Roman, der mit atmosphärischer Sprache und liebevoll gezeichneten Charakteren in das alte Paris entführt.

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Tags: andrew miller, frankreich, historischer roman, könige, liebevoll, revolution, roman, versailles   (8)
 

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Der Pflegefall

Olivia Monti
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei epubli, 30.04.2018
ISBN 9783746720524
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich ging ganz unvoreingenommen an das Buch herangegangen und wurde mit einer flüssigen und spannenden Geschichte überrascht, die mich einen Nachmittag lang sehr gut unterhalten hat. Zwar konnte ich mich nicht wirklich in die Protagonistin hineinversetzen, was vielleicht auch am Altersunterschied lag, doch ich mochte es, Anna auf ihrem Weg/in dieser Episode ihres Lebens zu begleiten.

Die restlichen auftretenden Charaktere waren interessant beschrieben, wenn auch vielleicht manchmal etwas einseitig, doch das ist vermutlich Annas Perspektive geschuldet. Sie lernt diese Leute in jener Situation kennen, die der Klappentext beschreibt und hat dadurch natürlich einen gewissen, vielleicht auch voreingenommenen  Blickwinkel auf die Menschen um sich herum.

Spannend wurde die Geschichte dadurch, dass man lange nicht wusste, wer im Recht und wer im Unrecht ist. Ist Brunt nun ein Monster oder das Opfer? Natürlich lehne ich Selbstjustiz im realen Leben strikt ab, doch es war nervenaufreibend, sich nicht sicher zu sein, ob der alte Mann seines Geldes wegen vergiftet wird - oder ob er überhaupt vergiftet wird!

Interessant waren die kleinen Einblicke in das Leben einer Hauspflegerin. Das war - meiner Meinung nach - recht authentisch beschrieben und ließ Anna umso menschlicher und realer wirken. Es gab in diesem Roman traurige, nachdenkliche und auch dramatische Momente, die ihn einfach zu einem angenehmen Lesevergnügen gemacht haben.

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Tags: authentisch, hauspflegerin, krimi, kriminalroman, roman, selbstjustiz   (6)
 

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392 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 102 Rezensionen

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Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

Mich hat das Buch schwer beeindruckt. Schon von der ersten Zeile an fällt einem der besondere Schreibstil ins Auge, der dem Roman eine selten erreichte Authentizität verleiht. Allein das Leben auf dem Bauernhof ist so direkt und mitreißend beschrieben, dass man das Buch mit allen Sinneseindrücken wahrnimmt. Die Sprache ist einfach, enthält sich vieler Satzzeichen und kommt ohne markierte direkte Rede daher. Der Grund dafür ist jener, dass Mary uns ihre Gesichte selbst erzählt.

Dies ist mein Buch und ich schreibe es eigenhändig. Es ist das Jahr achtzehnhundertundeinunddreißig und ich bin fünfzehn geworden und sitze an meinem Fenster und kann viele Dinge sehen. Ich kann Vögel sehen die den Himmel mit ihren Schreien füllen. Ich kann Bäume sehen und die Blätter. Und jedes Blatt hat Adern die über seine Oberfläche laufen. Und die Rinde jedes Baumes hat Risse. Ich bin nicht sehr groß und mein Haar hat die Farbe von Milch.

Während in meinem Kopf der Film ablief, den mir Mary vor Augen führte, hörte ich ihre Stimme aus dem Off. Eine unverblümte junge Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und trotz ihrer geringen Bildung, die ihrem Stand und ihrem Geschlecht zuzuordnen ist, besitzt sie eine Intelligenz, die einen staunen lässt. Sie durchschaut die Dinge, wie sie sind, und scheut sich nicht, die Wahrheit auszusprechen, auch wenn viele sie nicht hören wollen.

Mary lebt mir ihren Eltern, dem gebrechlichen Großvater und drei Schwestern auf einem Hof. Als der Vater ein bisschen Geld wittert, schickt er Mary in den Haushalt des Dorfpfarrers. Mary liebt ihren Hof und ihre Familie, auch wenn diese nicht immer gut zu ihr ist, und so kann sie sich schwer mit ihrem Schicksal abfinden. Da zur damaligen Zeit einer Frau jedoch kaum Rechte zugestandne wurden, muss sie sich dem strengen Vater mit der schlagenden Hand fügen und wird Hausmädchen.

Recht viel mehr möchte ich zur Geschichte an sich eigentlich nicht sagen, denn ich habe bemerkt, dass ich es sehr genossen habe, nicht genau zu wissen, was auf mich zukommt. Mary ist ein bewundernswerter Charakter, den man gerne verfolgt und zuhört. Sie erkämpft sich im Laufe des Buches so einiges, doch die Preise, die sie dafür zahlen muss, sind hoch. Ist man erst mal auf der letzten Seite angelangt, lässt einen der Roman doch etwas sprachlos zurück.



Bewertung und mein Fazit zu"Die Farbe von Milch"

Ein auf berührende und schaurige Weise wundervolles Buch über das Heranwachsen als Frau zu einer Zeit, in der es für Frauen keine Rechte gab. Gepaart mit einer Protagonistin, die ihre Geschichte so zu erzählen weiß, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, bis das Ende gekommen ist.

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Tags: bauernhof, die farbe von milch, drama, frauen, frauenrechte, heranwachsen, missbrauch, roman   (8)
 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Dreck

Garry Disher , Frank Nowatzki
Flexibler Einband: 270 Seiten
Erschienen bei PULP MASTER, 01.01.2012
ISBN 9783927734258
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem sein letzer Coup ja gehörig schief ging, wie man in "Gier" nachlesen kann, begleiten wir Wyatt in die Wüste. Sechs Wochen sind vergangen, seit er in Melbourne jemandem auf die Füße getreten ist. Jetzt wird er gesucht. Und zwar nicht nur von der Polizei ...

Klasse fand ich, dass die Handlung an den ersten Teil anschloss und die Geschehnisse (wie es in anderen solchen Reihen oft nicht der Fall ist) auch eine direkte Auswirkung auf Gegenwart und Zukunft haben. Auch dieser Roman endet damit, dass man weiß, wohin es geht und wie der nächste Coup aussehen wird - den gibt es dann in Band 3 zu lesen. Allerdings lege ich hier erst mal eine Wyatt-Pause ein. Warum?

Nun, der Schreibstil war wie gewohnt knapp und prägnant, was ich ganz angenehm finde. Der Plot hat auch recht interessant begonnen. Mit den Charakteren tat ich mir schon wieder schwerer, weil einach so gar niemand dabei war, den man irgendwie ins Herz schließen konnte. Klar, es ist ein Gangsterroman, aber auch da kann ich jemanden mögen. Was hier nicht wirklich der Fall war.

Erzählt wir natürlich aus Wyatts Perspektive, dann noch aus der des Hitmans Letterman - ein Ex-Bulle und Anzugträger - und auch der Ganove Raymond Trigg kommt des Öfteren zu Wort.

Bis zum zweiten Drittel war das Buch halbwegs spannend, dann passierte jedoch etwas Unerwartetes und der Rest war eher als antiklimatisch zu beschreiben. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, weil ich sonst spoilern müsste, aber auch in Band 1 ist mir aufgefallen, dass die Spannung ab einem bestimmten Punkt rasant abnimmt, so als wären die Cliffhanger falsch gesetzt. Es kristallisiert sich ja heraus, dass die Wyatt-Reihe eine Serie ist, die man nahtlos weiterlesen kann und sollte. Vielleicht hätte man das anders gestalten können, um es spannender zu machen. So war irgendwann ganz plötzlich der Wind aus den Segeln und ich überflog den Rest der Seiten nur noch, anstatt fingernägelkauend die Hitze Australiens im Rücken zu spüren.


Bewertung und mein Fazit

Von mir gibt es diesmal nur 3 Sterne, da mir die Spannung zu schnell abfiel und die kleinen Minuspunkte sich ansammelten. Ob ich die Reihe weiterverfolgen werde? Ich weiß es noch nicht. Jetzt gönne ich mir erst mal eine Auszeit vom eiskalten Wyatt.

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Tags: australien, gangster, garry disher, krimi, kriminalroman   (5)
 

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320 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 62 Rezensionen

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In Liebe, Brooklyn

Lisa Schroeder , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 02.11.2011
ISBN 9783785570579
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Genau ein Jahr ist es her, seit Brooklyn ihre erste große Liebe durch einen schrecklichen Autounfall verloren hat. Als sich der Fahrer des Wagens nach diesem Jahr das Leben nimmt, werden alte Wunden wieder aufgerissen und Brooklyn fängt langsam an, sich dem Schmerz zu stellen. Dabei hilft ihr ausgerechnet Luccas Bruder Nico, der ebenso schwer getroffen ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die langsam zu mehr wird. Aber darf das sein? Und was hat es mit den geheimnisvollen Botschaften auf sich, die Nico von seinem toten Bruder zu bekommen scheint?


Meine Meinung

 

Ich wusste nicht, was mich erwartet und habe einen wahren Schatz gefunden. Schon auf der ersten Seite zog die Geschichte um Brooklyn und Nico und auch Lucca mich in ihren Bann. Die ungewöhnliche Weise, in der die Story erzählt wird, lässt einen nur so durch die Handlung fliegen, auch wenn man ab und an innehalten muss, um schwer zu schlucken oder Tränen aus den Augenwinkeln zu tupfen. Erzählt wird nämlich in winzig kleinen Abschnitten in der Ich-Form, die einen direkt in die Gefühlswelten der beiden Protagonisten eintauchen lassen, genug verraten, um sich hineinzuversetzen, und vor allem genug weglassen, um sich selbst Gedanken zu machen.

Eine schöne Umrahmung bildeten die Leidenschaften der beiden jungen Menschen. Bei Nico war es der Sport, bei Brooklyn das Zeichnen, das sie für lange Zeit aufgegeben hat. Bis Nico ihr vor Augen führt, dass es sich noch immer zu leben lohnt - und wofür.

Die zarte Annäherung zwischen den beiden war schlicht rührend zu lesen. Wie sie sich beide zurück ins Leben geholt haben, war einfach magisch. Wie alte Narben erst aufgerissen und manche davon auch endgültig verschlossen wurden - vor allem bei Nico, mit dem ich durch seine Selbstzweifel und sein Leben im Schatten des charmanten, kleinen Bruders so gelitten und den ich für seine Tapferkeit ins Herz geschlossen habe. Seine freundliche, zuvorkommende und humorvolle Art, die auch Brooklyn bemerkt und liebgewonnen hat, war herzerwärmend.

Die Mystery-Elemente waren zwar durch die geheimen Botschaften und einen kleinen Traum vorhanden, nahmen aber nicht Überhand und fügten sich perfekt in die Geschichte ein. Es kann wohl alles auch logisch erklärt werden, wenn man darauf erpicht ist. Ich habe nicht so viel darüber nachgedacht, weil ich diesen ganz besonderen Zauber auf mich wirken lassen wollte.

Einfach ein wunderschönes Buch, von außen wie von innen. Ihr werdet es nicht mehr aus der Hand legen können, wenn ihr es einmal aufgeschlagen habt.



Bewertung und mein Fazit

 

Einfach ein wunderschönes Buch, von außen und von innen. Ihr werdet es nicht mehr aus der Hand legen können, wenn ihr es einmal aufgeschlagen habt. Es geht um Liebe, Freundschaft, Trauer und so vieles mehr. Lest es, ihr werdet es nicht bereuen.

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Tags: jugend, jugendbuch, liebe, liebesroman, trauer, young adult   (6)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

australien, berufsverbrecher, drogen, einbruch, gangster, garry disher, geld, krimi, kriminalroman, lakonisch, melbourne, pulp master, syndikat, wyatt, wyatt-reihe

Gier

Garry Disher , Gabriele Bärtels
Flexibler Einband: 270 Seiten
Erschienen bei PULP MASTER, 01.01.2015
ISBN 9783927734104
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Garry Disher ist mittlerweile bekannt für seine Kriminalromane, die hauptsächlich aus der Sicht der "Guten" spielen. Doch er kann nicht nur Cops, sondern auch Bösewichte, wie er mit "Gier" beweist.

Der Schreibstil ist noch etwas unausgereifter, als in seinen neueren Romanen, was aber nicht schlecht ist. Er kommt sofort zum Punkt und obwohl er seiner Linie treu bleibt und auch den Alltag ein wenig miteinbezieht, geht die Handlung extrem flott voran. Da ist kein Wort zuviel in die Zeilen gepackt.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven geschildert, wobei unser eiskalter Gangster Wyatt einen Großteil übernimmt, doch auch der übermütige, nicht gerade als übermäßig intelligent zu bezeichnende Sugarfoot Younger übernimmt einen wichtigen Part, indem er Wyatt und seinen Komplizen aus Rachsucht und Gier in die Parade fährt und somit für Chaos sorgt.
Daneben begleiten wir den südafrikanischen Troubleshooter Bauer bei seiner Arbeit in Melbourne - der Mann ist ein Arschloch vor dem Herrn, doch liefert wichtige Anhaltspunkte.

Die Story hält ein paar überraschende Wendungen bereit, die es spannend machten, aber teilweise plump eingesetzt wurden, indem man den Leser einfach über gewisse Dinge im Dunkeln tappen ließ oder gleich in die Irre führte. Dennoch war die Geschichte spannend und durchaus ein paar gemütliche Lesestunden wert. Gegen Ende hin waren mir dann doch etwas zu viele Schilderungen und im gesamten Roman blieben mir die Gefühle ein wenig auf der Strecke - so ganz kalt mag ich's dann auch nicht. Dennoch ein solider Kriminalroman mit Gangsterfeeling.

Bewertung und mein Fazit

Von mir gibt es 3,5 Sterne für Wyatt und seinen ersten Coup, der nicht ganz so lief, wie er sollte. Kein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann, das aber für eine gemütliche Lesestunden sorgt.

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Tags: australien, gangster, garry disher, krimi, kriminalroman, lakonisch, soft boiled, wyatt   (8)
 

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124 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

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Geheimnis in Rot

Mavis Doriel Hay , Barbara Heller
Fester Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 28.10.2018
ISBN 9783608961898
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie der Klappentext schon verrät, trifft sich Großfamilie Melbury an den Weihnachtsfeiertagen, um sie gemeinsam 'zu feiern' und hintergründig ein paar Pluspunkte einzuheimsen, um in Sir Osmonds Testament bedacht zu werden. Den guten Sir hat niemand wirklich lieb und so kommt es, dass erst einmal alle verdächtig erscheinen, als er inmitten des Trubels tot aufgefunden wird.

Die Geschichte um das verhängnisvolle Weihnachten, das keiner der Beteiligten vergessen wird, wird dem Leser von verschiedenen Personen erzählt. Die Verwandschaft um den ermordeten Sir Osmond ist sehr vielfältig und vielschichtig. Es gibt einige Sympathieträger und viele schwarze Schafe, die das Bild authentisch machen und einen lange miträtseln lassen, wie es denn nun gelaufen sein könnte.

Sehr flairig sind die Umgebung und die Moralvorstellungen, die zur Zeit der Erstveröffentlichung passen, die ganze Sache aber leider auch ein wenig steif gestalteten. Die meisten Charaktere waren recht verschlossen und wirkten irgendwie prüde, was sich auf die Handlungen und den gesamten Plot auswirkte. Wer so etwas gerne mag, ist hier genau richtig!

Es gab Intrigen, ein winziges bisschen Romantik (wenn man ein feines Gespür dafür hat) und natürlich passend zum Genre viel Krimi, der schön cozy war. Genau richtig für ein paar Abende vor dem Kamin, oder eine ganze Nacht, wenn man's nicht erwarten kann.

Mir hat dennoch irgendwie das gewisse Etwas gefehlt, was man auch daran merkt, dass ich zu diesem Buch leider nicht viel zu sagen habe. Es hat keine Ecken und Kanten, lässt sich gut lesen und eigent sich perfekt für eine durchgelesene Nacht vor dem Kamin. Der entscheidende Funke ist aber leider nicht übergesprungen. Trotzdem gibt es 4 verdiente Sterne für das angenehme und spannende Lesevergnügen!


Am Rande erwähnt


Mit der Karte vorne und hinten im Buch kam man sich ein wenig vor, als würde man Cluedo spielen. Man konnte genau eruieren, wer sich von wo nach wo in welchem Zeitraum bewegt hat, was ganz spannend war. Leider hatte die deutsche Karte einen Fehler, der bei mir erst mal für Verwirrung sorgte. Da ist nämlich statt dem SALON (DRAWING ROOM) auf der linken Seite ein zweites Esszimmer (Dining Room) verzeichnet. Vielleicht könnte man das in einer nächsten Auflage korrigieren.


Bewertung und mein Fazit

Ein netter Kriminalroman mit interessantem Setting und einer Familie, die einen wie im Klappentext versprochen tatsächlich von den eigenen Problemen rund um das Weihnachtsfest ablenkt!

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Tags: 40er jahre, cozy krimi, krimi, kriminalroman, weihnachten   (5)
 

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(54)

66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

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Schwarzer Abgrund

Patricia Walter
E-Buch Text: 276 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 08.01.2018
ISBN 9783960873303
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Klappentext versprach ein aufregendes, spannendes Leseerlebnis, doch konnte das Versprechen leider nicht halten.

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und gerade am Anfang erschweren viele Wortwiederholungen, Rechtschreibfehler und unnötige Ausführungen das Eintauchen in die Geschichte. Die Autorin erklärt dem Leser Dinge, die sich aus dem Text ergeben, und zeigt damit, dass sie ihren Lesern nicht genug zutraut. Sowas finde ich immer schade. Auch Jugendliche brauchen nicht alles vorgekaut bekommen.

Mit den Charakteren konnte ich mich ebenfalls nicht anfreunden. Sie waren durchwegs unsympathisch, ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar und es kamen keine richtigen Emotionen rüber. Es waren mehr Klischees denn echte Personen. Besonders Laras Bruder Florian wurde dargestellt wie ein 10-Jähriger, obwohl er schon 15 Jahre alt sein soll. Das hat einfach nicht gepasst.

Spannung ist zwar vorhanden, flaut aber an manchen Stellen durch zu viele Schilderungen zu sehr ab.

Alles in allem konnte mich "Schwarzer Abgrund" leider nicht überzeugen.

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Tags:  
 

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2000, alltag, australien, drogen, garry disher, hal challis, highlight, kittyhawk, krimi, kriminalroman, mord, nur gut;, pam murphy, polizei, südaustralien

Flugrausch

Garry Disher , Peter Torberg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 15.03.2007
ISBN 9783293203884
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

LEICHTE SPOILER ZU BAND 1

Es geht weiter! Diesmal hat unser Inspektor Challis nicht nur mit seinem Liebesleben zu kämpfen, das von den Umtrieben seiner Exfrau gestört wird, sondern mit einigen Verbrechern, die vor nichts zurückschrecken und die für ganz schön viel Chaos und Blut sorgen. Wir lernen dabei ein paar Seiten an ihm kennen, die uns im ersten Teil noch verborgen geblieben sind. Sein Charakter gewinnt also zunehmend an Tiefe und er bei mir an Sympathie.

In Band 2 erfahren wir auch mehr über 'Kitty' Casement, die neben Challlis im Hangar an ihrer Kittyhawk schraubt und mit Fotoaufnahmen aus der Luft ihr Geld verdient. Dabei hat sie jedoch etwas fotografiert, was sie nicht hätte sollen, und sticht direkt in ein gefährliches Wespennest...

Sergeant Ellen Destry kämpft um ihre Ehe, während ihre Tochter die erste große Liebe erfährt. Der Vater ihres ersten Freundes ist jedoch ein sehr seltsamer Kauz und sorgt bei Destry für Kopfzerbrechen.

Pam Murphy und John Tankard fahren weiter zusammen Streife und WOW, entwickelt sich diese Sache in eine gefährliche Richtung. Während Pam durch ihre wirklich naive Art an einen Kredithai gerät, dessen Forderungen sie um Kopf und Karriere bringen könnten, schwankt Tank zwischen Verliebtheit und Hass, der beängstigende Ausmaße annimmt. Man kann nicht anders, als mitzufiebern, wie sein Charakter sich formen wird. Kriegt er die Kurve oder kriegt er sie nicht? Ich muss sagen, dass ich die beiden in diesem Teil fast am Spannendsten fand.

Für eine tragikomische Note sorgt 'der Einmischer', der in seiner Freizeit nichts besseres zu tun hat, als seine Nachbarschaft zu beobachten und jeden ihrer Fehler beim dafür zuständigen Amt anzuprangen. Seine Passagen brachten mich oft zum Lachen, bis dann irgendwann der Spaß vorbei war und bitterer Ernst daraus wurde.

Wie immer sind es bei Garry Disher auch die kleinen, schön eingewobenen Alltagsbegebenheiten, die die Protagonisten so authentisch wirken lassen, weil wir sie alle kennen. So ist für genug Gelegenheiten zum Schmunzeln oder Augenverdrehen gesorgt. Es gibt keine strahlenden Helden oder ausnahmslos abgrundtief böse Verbrecher - der Autor versteht es hervorragend, in allen Grauschattierungen der menschlichen Seele zu malen.

Disher greift auch ein momentan wieder aktuelles Thema auf - Flüchtlinge - und schafft es, ohne den Zeigefinger zu erheben, zu kritisieren, wie sehr manche Menschen auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, ohne sich um die Bedürftigen zu scheren. Wie viele nach Reichtum streben und dabei auf das gieren, was die anderen ihrer Meinung nach in den Schoß geworfen bekommen. Der Autor zeigt gekonnt Richtung Neid und Missgunst auf die Ärmsten der Armen und macht einen nachdenklich.

"Wir sind eine Gemeinde von Kleingeistern mit leeren Herzen und leeren Taschen, wenn es um die Asylbewerber geht."


Bewertung und mein Fazit zu 'Flugrausch' von Garry Disher

Tja, was soll ich sagen? Garry Disher ist ein Meister seines Fachs. Auch dieser Band der Reihe um Hal Challis ist perfekt geplant und ausgearbeitet, Disher spielt mit den Emotionen des Lesers, wie ein Musiker die Klaviertasten anschlägt, und weiß, wie man Spannung aufbaut und bis zum Schlussakkord hält. Zugabe bitte!

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Tags: australien, garry disher, hal challis, highlight, krimi, kriminalroman   (6)
 

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Geheimnis in Weiß: Kriminalroman

J. Jefferson Farjeon
E-Buch Text: 282 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 15.10.2016
ISBN 9783608100167
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Güte, war das ein Knaller! Meine Erwartungen waren hoch und wurden noch übertroffen, denn der Autor weiß es wirklich, den Leser zu unterhalten.

Die Charaktere waren so vielfältig in ihren Macken und Stärken, in ihren Handlungs- und Denkweisen, dass es eine wahre Freude war, jeden von ihnen zu begleiten.
Allen voran ist da Mr. Edward Maltby von der Königlich-Parapsychologischen Gesellschaft, der in seiner großen Weisheit stets in Rätseln spricht und die Situation meist in den Händen hält. Ihm gegenüber ein alter Nörgler, der auf jede Anmerkung ein 'Quatsch' parat hat und der heimlich die Revuetänzerin Jessie anbetet, die ihr ganz eigenes Los zu tragen hat und die Geschichte mit den Einträgen in ihr Tagebuch bereichert. Daneben sind da noch Lydia mit ihrem herrlichen Sarkasmus und ihr Bruder David mit dem nervigen Beschützerinstinkt und dem damals üblichen Glauben, Frauen gehören behütet und beschützt. Am Rande gibt es auch noch Mr. Thomson ohne p, der zur Handlung auf seine ganze eigene Weise beiträgt, die einem Lachtränen in die Augen treiben können.
Im Laufe des Romans stoßen noch weitere Personen dazu, aber hier überlasse ich es Mr. Farjeon, sie dem Leser vorzustellen.

Obwohl es ein Kriminalroman ist, der einen fragen lässt, ob man es doch nicht eher mit Mystery (in White) zu tun hat, bis die geniale Auflösung naht, musste ich alle paar Seiten lachen, weil die Charaktere einfach urkomisch waren - manche gewollt, manche ungewollt.

Geheimnis in Weiß ist in Wahrheit viel mehr als ein Krimi. Es ist ein Stück in 27 Kapiteln, ein humorvolles Werk, dessen Schaffer intelligent mit der Sprache spielt und einen am Geschehen teilhaben lässt, als würde man durch die Augen eines Bildes überm Kaminsims das Tun der Protagonisten beobachten.


Am Rande

 

Ich bin der British Library sehr sehr dankbar dafür, dass sie diesen Krimiklassiker entdeckt und neu aufgelegt haben! Der Klett-Cotta Verlag hat im Übrigen ein wunderschönes, gebundenes Exemplar erschaffen, das perfekt in der Hand liegt, mit einem hochwertigen Leineneinband aufwartet und ein Schmuckstück in jedem Bücherregal ist.


Bewertung und mein Fazit

 

Eine wahnsinnig gelungene Mischung aus Krimi, Humor und vielfältigen Charakteren! Geheimnis in Weiß ist sehr zu empfehlen und wegen des vielen Schnees eignet es sich hervorragend als Kaminfeuerlektüre! Der Autor weiß sich auszudrücken und so ist jedes Wort am richtigen Platz. Ein wahrer Lesegenuss für jedermann.



Ein absolutes Highlight!

Mit Schnee, Charme und Krimi hat Farjeon mein Herz erobert!

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Tags: britisch, cozy, cozy crime, england, farjeon, humorvoll, krimi, mystery, weihnachten, weihnachtskrimi   (10)
 

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Geheimnis in Weiß

J. Jefferson Farjeon , Eike Schönfeld , Martin Edwards
Fester Einband: 282 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 30.10.2017
ISBN 9783608961027
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Güte, war das ein Knaller! Meine Erwartungen waren hoch und wurden noch übertroffen, denn der Autor weiß es wirklich, den Leser zu unterhalten.

Die Charaktere waren so vielfältig in ihren Macken und Stärken, in ihren Handlungs- und Denkweisen, dass es eine wahre Freude war, jeden von ihnen zu begleiten.
Allen voran ist da Mr. Edward Maltby von der Königlich-Parapsychologischen Gesellschaft, der in seiner großen Weisheit stets in Rätseln spricht und die Situation meist in den Händen hält. Ihm gegenüber ein alter Nörgler, der auf jede Anmerkung ein 'Quatsch' parat hat und der heimlich die Revuetänzerin Jessie anbetet, die ihr ganz eigenes Los zu tragen hat und die Geschichte mit den Einträgen in ihr Tagebuch bereichert. Daneben sind da noch Lydia mit ihrem herrlichen Sarkasmus und ihr Bruder David mit dem nervigen Beschützerinstinkt und dem damals üblichen Glauben, Frauen gehören behütet und beschützt. Am Rande gibt es auch noch Mr. Thomson ohne p, der zur Handlung auf seine ganze eigene Weise beiträgt, die einem Lachtränen in die Augen treiben können.
Im Laufe des Romans stoßen noch weitere Personen dazu, aber hier überlasse ich es Mr. Farjeon, sie dem Leser vorzustellen.

Obwohl es ein Kriminalroman ist, der einen fragen lässt, ob man es doch nicht eher mit Mystery (in White) zu tun hat, bis die geniale Auflösung naht, musste ich alle paar Seiten lachen, weil die Charaktere einfach urkomisch waren - manche gewollt, manche ungewollt.

Geheimnis in Weiß ist in Wahrheit viel mehr als ein Krimi. Es ist ein Stück in 27 Kapiteln, ein humorvolles Werk, dessen Schaffer intelligent mit der Sprache spielt und einen am Geschehen teilhaben lässt, als würde man durch die Augen eines Bildes überm Kaminsims das Tun der Protagonisten beobachten.


Am Rande

 

Ich bin der British Library sehr sehr dankbar dafür, dass sie diesen Krimiklassiker entdeckt und neu aufgelegt haben! Der Klett-Cotta Verlag hat im Übrigen ein wunderschönes, gebundenes Exemplar erschaffen, das perfekt in der Hand liegt, mit einem hochwertigen Leineneinband aufwartet und ein Schmuckstück in jedem Bücherregal ist.


Bewertung und mein Fazit

 

Eine wahnsinnig gelungene Mischung aus Krimi, Humor und vielfältigen Charakteren! Geheimnis in Weiß ist sehr zu empfehlen und wegen des vielen Schnees eignet es sich hervorragend als Kaminfeuerlektüre! Der Autor weiß sich auszudrücken und so ist jedes Wort am richtigen Platz. Ein wahrer Lesegenuss für jedermann.



Ein absolutes Highlight!

Mit Schnee, Charme und Krimi hat Farjeon mein Herz erobert!

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Tags: britischer humor, humor, klassiker, krimi, trockener humor, weihnachten, weihnachtskrimi   (7)
 

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Der Galgenvogel

Antonia Hodgson , Katharina Volk , Sonja Rebernik-Heidegger
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.11.2016
ISBN 9783426653463
Genre: Historische Romane

Rezension:

Tom Hawkins hat es nicht lange ausgehalten, die Füße still zu halten.
Kaum hat er sich von seinem Aufenthalt im Marshalsea-Gefängnis und den Ereignissen dort erholt, befällt ihn an seinem Schreibtisch im Cocked Pistol eine ganz grauenvolle Langeweile und er sehnt sich nach Abwechslung. Man will ja nicht alt und rostig werden, in so jungen Jahren, nicht wahr? Ein paar falsche Wort reichen aus und er soll für den gefährlichsten Verbrecher der Stadt einen Auftrag erledigen. Das kann nicht gut gehen... und ehe er sich's versieht, befindet er sich mitten in einer Mordermittlung. Und weil Tom eben Tom ist - und sich nicht nur mit seinem losen Mundwerk oft in Gefahr bringt - steht er schnell in Verdacht, selbst der Mörder seines gottesfürchtigen Nachbarn zu sein. Somuss er alles daran setzen, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen, eheihm der Boden unter den Füßen fortgezogen wird...


Meine Meinung

Ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen. Die Autorin schreibt so flüssig und mitreißend, dass man nicht genug bekommt und ganz in diese historisch gut recherchierte und lebhaft geschilderte Geschichte eintaucht.

Tom Hawkins, den Ich-Erzähler seines eigenen Schicksals, muss man - trotz seiner kleinen Fehlerchen - einfach lieben. Er hat einen
köstlichen Sinn für Humor und seine Selbstgespräche und Gedankengänge entlocken einem unweigerlich ein Schmunzeln nach dem anderen.

Seine Liebste, Kitty Sparks, die wir schon aus dem ersten Band kennen, hält ihn ganz schön in Atem und schafft es, dass der Leser sie unweigerlich in sein Herz schließt. (Allein die Dialoge der beiden!)

Und mit dem jungen Sam Fleet hat Antonia Hodgson einen weiteren
spannenden Charakter geschaffen, bei dem man sich ständig fragt, woran man denn nun ist.

Der Krimi ist wahnsinnig spannend, weil man irgendwann so verzweifelt nach dem Schuldigen sucht, dass man jeden verdächtig und sich die wildesten Motive und Tathergänge einfallen lässt. Man konnte mitraten und den ein oder anderen Erfolg verbuchen, um sich wie ein Detektiv zu fühlen, doch Antonia Hodgson wartet wie immer mit genug Überraschungen und Wendungen auf, damit niemals Langeweile aufkommt!


Die Kulisse ist perfekt ausgearbeitet und man folgt Tom, Kitty und Sam durch den Palast der Königin und in die schmutzigen Gassen Londons, ohnezu bemerken, dass es nur Worte in einem Buch sind und einem nicht wirklich der Gestank der Gosse in die Nase fährt. Antonia Hodgson hat ein Gespür dafür, Fantasie mit Historie zu verweben und den Leser damit in den Bann zu ziehen.


Bewertung und mein Fazit

Wahnsinnig tolle Charaktere, eine spannende Geschichte, ein mitreißender Schreibstil und Humor der feinsten Art machen diesen Roman zu einem absolut lesenswerten Thrillergenuss! Ich freue mich schon wahnsinnig aufden nächsten Band... aber wird es einen geben? Oder landet Tom doch noch am Galgen? Lest selbst! 

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Tags: 18. jahrhundert, antonia hodgson, historischer krimi, krimi, kriminalroman, london, tom hawkins   (7)
 

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Imani

Mia Couto , Karin von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 24.07.2017
ISBN 9783293005228
Genre: Romane

Rezension:

In diesem Roman erzählen Imani und der portugiesische Sargento Germano de Melo einen Ausschnitt aus ihrem Leben in Mosambik 1894/95. Imani in der Ich-Perspektive, Germano in Form von Briefen, die er an seinen Oberen schreibt. Schon von der ersten Seite an, übt dieser Roman eine mächtige Sogwirkung auf den Leser aus und man kann nicht anders, als sich in das damalige Mosambik fallen zu lassen und zu lauschen, wenn Imani uns ihr Leben, ihre Kultur, ihre Sichtweise näher bringt. Überschattet wird all das von den Unruhen und Kämpfen um die Vorherrschaft, die der damalige König der Provinz Gaza, Ngungunyane, mit der portugiesischen Obrigkeit ausfechtet.

Imani
ist ein junges Mädchen und vom Autor sehr authentisch
beschrieben. Sie ist gutherzig, sympathisch und versucht, sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten.

Mich fürchteten die Männer und die Frauen. Die Männer fürchteten
mich, weil ich eine Frau war. Die verheirateten Frauen fürchteten mich, weil ich jung und schön war. Die unverheirateten Frauen beneideten mich,weil ich zu der Welt der Weißen gehörte. Ich war, was sie niemals würden sein können.


Doch auch für Imani ist es nicht immer leicht, ein Kind zweier Welten,
zweier Kulturen zu sein. Sie fühlt sich oft nirgends dazugehörig und
fehl am Platz, was ich gut nachvollziehen konnte. Denn geht es nicht
allen jungen Menschen an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben so? Wie viel schwerer muss diese Emotion sich in einem regen, wenn man tatsächlich auf zwei Drahtseilen zugleich balancieren muss?

Mit Germano hatte ich ab und an meine Probleme, da er zeitweise ein wenig schwierig ist und seine Ansichten mich manches Mal geärgert haben.Aber auch ihn habe ich in mein Herz geschlossen, als ich merkte, dass Imani es längst getan hat.

Die Nebenfiguren wie etwa Imanis Eltern, ihre beiden Brüder, die
unterschiedlicher nicht sein könnten und auf die Weise auch die zwei
Herzen, die in Imanis Brust schlagen, verkörpern, waren gut ausgebaut. Imanis Großvater Tsangatelo hat es mir ebenfalls angetan. Ich verehre seinen Mut, sich aus dem Leben zu reißen, dass ihm nicht mehr behagt, und ein gänzlich neues zu beginnen. Man kann mutmaßen, ob sein jetziger Wegbegleiter aus Einsamkeit erwählt wurde oder ob Tsangatelo schon immerein Gefangener war, der nun ausgebrochen ist und sein Glück findet. Ichbevorzuge letztere Theorie.


Die Sprache ist sehr bildhaft und metaphernlastig, was auch Germano einmal anmerkt, als er nicht begreift, was Imani ihm sagen will. Es sind Kleinigkeiten, die einen zum Schmunzeln bringen, denn der Rest des Romans ist eher von Traurigkeit überschattet, doch da ist noch so viel mehr Gefühl zwischen den Zeilen. Es geht um Krieg und Frieden, um Leben und Tod und alles dazwischen. Dabei verliert der Roman jedoch nie an Unterhaltungswert. Er kommt nicht richtend oder belehrend daher, sondern einfach berührend. Mia Couto hat ein Händchen (Federchen) dafür,große Dinge zu Papier zu bringen. Wie die Musik der Marimbas ist 'Imani' eine Ballade über die Schönheit Afrikas, ein Apell gegen die Zerstörung und das Verderben, das wir in unserer Besitz- und Machtgier über die Natur bringen.


Was es sonst noch zu sagen gibt

Eine Erwähnung, die nichts mit dem Meisterwerk an sich zu tun hat, muss ich hier tun: Ich las ein Interview, das mich etwas verärgert hat. Der Interviewer ging darin nur auf den großen Ngungunyane ein und obwohl ich verstehe, dass diese bedeutende Figur der Geschichte einen am meisten reizt, geht es doch in Mia Coutos Roman um so vieles mehr - Zerstörung, Ausbeutung, Rassismus.
Vor allem auch um Imani und die Stellung der Frau in jener Zeit und
Kultur, in der die Geschichte ihren Platz findet. So empfand ich die
Fragen als ein Herabsetzen der Leiden der im Interview so betitelten
'kleinen Leute' und die Nicht-Erwähnung Imanis sogar als ein
Vorbeischrammen an einem großen, wichtigen Thema des Buches, das Mia Couto so fabelhaft umgesetzt hat. Immerhin ist sie die Frau, die diesem Buch im Deutschen ihren Namen gibt. Und auch der Autor selbst wählte als Titel 'Mulheres de Cinza' - Aschefrauen, Frauen von/aus Asche. Daher kann ich die komplette Nichtbeachtung überhaupt nicht nachvollziehen.

Wer das Interview selbst nachlesen möchte, kann das *hier* tun.

Jedenfalls hoffe ich auf eine baldige Übersetzung der weiteren Bände der Reihe und bin gespannt, ob esmit Imani und Germano (sowie der kleinen Gruppe um sie herum) weitergeht oder ob Mia Couto einen anderen Blickwinkel gewählt hat. Ich bleibe neugierig und freue mich auf weitere Werke.


Ein paar Worte zum Autor

Mia Couto, geboren 1955 als Sohn portugiesischer Einwanderer in Beira, Mosambik, gehört zu den herausragenden Schriftstellern des
portugiesischsprachigen Afrika. Mehrere Jahre war er als Journalist und Chefredakteur der Zeitungen Tempo und Notícias de Maputo
tätig. Seit 1983 veröffentlicht er Romane, Erzählungen und Gedichte.
Für sein Werk wurde Couto mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2013 mit dem Prémio Camões und mit dem renommierten Neustadt-Literaturpreis 2014. MiaCouto lebt in Maputo.

Sein bürgerlicher Name lautet António Emílio Leite Couto. Sein Künstlername Mia stammt von seinem Bruder, der als Kleinkind den Namen „Emílio“ nicht aussprechen konnte.


Bewertung und mein Fazit zu 'Imani' von Mia Couto

Ein Roman, den man einfach gelesen haben muss, wenn man kein Meisterwerkder Literatur und Geschichte versäumen möchte. Wie die Musik der Marimbas ist 'Imani' eine Ballade über die Schönheit
Afrikas, ein Apell gegen die Zerstörung und das Verderben, das wir in
unserer Besitz- und Machtgier über die Natur bringen. Ein wundervoller Roman über Krieg und Frieden, Unterdrückung und Freiheit, Liebe und Abneigung geschrieben von der Feder eines wahren Meisters.

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Tags: 1894, imani, meisterwerk, mia couto, mosambik, ngungunyane, starke frauen   (7)
 

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Der Nebelmann

Donato Carrisi , Karin Diemerling
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Atrium Verlag, 04.08.2017
ISBN 9783855350162
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Donato Carrisi hatte mich von der ersten Seite an. Der Schreibstil ist einfach, aber bildlich und einprägsam. Die Art, Personen - insbesondere Frauen - zu beschreiben, war etwas klischee- bzw. schablonenhaft, aber man wurde ausgiebig dafür entschädigt. Der Autor sorgt für eine kalte, düstere Atmosphäre in dem Alpenort Avechot, in dem inmitten von religiösem, bedrückendem Fanatismus und Bergbau, der die einen arm und die anderen reich macht, ein junges Mädchen spurlos verschwindet. Man schickt den Ermittler Vogel los, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte wird aus mehreren Sichten erzählt und fesselt den Leser gekonnt. Die Handlung beginnt mit dem Psychiater Flores, bei dem Vogel zweiundsechzig Tage nach Anna Lous Verschwinden mit blutverschmiertem Hemd sitzt. Dann werden wir - niemals chaotisch - durch die Zeiten geworfen und mit anderen Personen bekannt gemacht. Das Geschick, mit dem Donato Carrisi zwischen den einzelnen Kapiteln, Zeiten und Charakteren wechselt, kann man nur als meisterhaft beschreiben. 

"Der Kriminalbeamte, der hinter Ihnen her ist, heißt Vogel. Ich würde ihn nicht gerade als erstklassigen Ermittler oder gar Spürhund bezeichnen. Er hat keine große kriminologische Befähigung, und Dinge, wie kriminaltechnische Beweismittel, DNA und so weiter, interessieren ihn nicht. Er ist einer, der sich der Medien bedient, um ans Ziel zu gelangen."

Und genau das - genau dieser Protagonist und dessen hervorstechendster Charakterzug - macht das Buch so besonders und meines Erachtens nach wichtig. Vogel ist zwar ein ziemliches Arschloch, doch in seiner Genialität auch recht bewundernswert. Ich schwankte zwischen Zu- und Abneigung, die sich gegen Ende des Buches in so etwas wie Liebe verwandelte.

"Ausgelöst wurde sie von einem kleinen O, mit Kuli auf einen linken Unterarm gemalt. Als ich die Stelle zum ersten Mal in Anna Lous Tagebuch las, dachte ich nicht an den armen Oliver. Erst später ist er mir wieder in den Sinn gekommen. Dieser Junge hat etwas verloren. Er genauso wie die anderen - ihre Familie und alle, die sie kannten."

Borghi, der junge Polizist, der ihm zur Seite gestellt wird, ist unbedarft und leichtgläubig, was ihn sympathisch hätte machen können, wären da nicht die Gedanken bezüglich seiner Frau, die mich nur den Kopf schütteln ließen. Er war sehr unleidlich, was ich ebenfalls als einen Meisterstreich des Autors, weil jeder andere eine gänzlich andere Figur aus ihm gemacht hätte.

Etwas später kommt dann noch ein weiterer Point of View hinzu, über den ich nicht zu viel verraten möchte. Ihr seht: Ihr müsst diesen Roman unbedingt zur Hand nehmen!

Donato Carrisi schafft es tatsächlich, dass man alles hinterfragt, jede Aussage anzweifelt und jeden Menschen verdächtigt. Er verschweigt nichts, sagt aber auch nicht alles. Ein sehr gekonnter Kniff, um den Leser in seinen Bann zu ziehen und in Atem zu halten, bis sich auf der letzten Seite alles auflöst und man das Buch mit einem mulmigen Gefühl im Bauch zuklappt.

Es sind die Bösen, die eine Geschichte ausmachen. Denkt daran: Es ist der Schurke, der die Mittelmäßigkeit annehmbarer mach, er ist es, der die Geschichte ausmacht.

Das Interessante für mich war allerdings, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt des Rätsels Lösung klar vor Augen hatte und dennoch für keine Sekunde das Interesse verloren habe oder das Buch zur Seite legen konnte. Ich war bloß entsetzt und auch etwas stolz auf mich, da Carrisi ein Meister des Versteckspiels ist und ich ihn dennoch entlarven konnte. Ich habe das Buch sofort an meinen Freund weitergereicht, mit dem Befehl, es zu lesen. Er wiederum hat die kleinen Anzeichen nicht bemerkt, also kann ich euch beruhigen und euch sagen, dass jeder von euch anders mit den Hinweisen umgehen wird, aber jeder sein höchstes, bedrückendes Vergnügen erleben wird.

Das Leben hinter Gittern wurde in allen Einzelheiten durch Formulare, Vorschriften und Zustätze geregelt. Jede Entscheidung war bereits von jemand anderem getroffen worden, und um persönlichen Kontakt auf ein Minimum zu beschränken, wurde jede Handlung standardisiert und vorgegeben. Entmenschlicht. Auf diese Weise gab es keinen Spielraum für Emotionalität, Mitgefühl oder Verständnis. Man war allein mit sich selbst und seiner Schuld.

'Der Nebelmann' ist sehr gesellschaftskritisch. Die Sensationsgier und eine ganze Reihe anderer menschliche Schwächen werden angeprangert und man fühlt sich des ein oder anderen Verbrechens selbst schuldig. In diesem Werk messen alte und neue Meister des Metiers ihre Kräfte miteinander, verwoben in einem perfiden Spiel, das seine Opfer fordern wird. Für mich war das Buch ein absolutes Highlight, das mich mehrere Tage lang nicht losgelassen hat und sofort weitergereicht wurde, was bei mir selten passiert. Mir ist oft der Atem weggeblieben, während ich vor Schock Augen und Mund aufgerissen habe und mein Herz wie verrückt klopfte.


Was es sonst noch zu sagen gibt

 

Eine kleine Sache muss ich zur deutschen Titelwahl loswerden. Im Original heißt das Buch La ragazza nella nebbia - Das Mädchen im Nebel . In Anbetracht folgenden Zitates aus dem Werk kann ich nur hoffen, dass der deutsche Titel 'Der Nebelmann' ironisch gewählt worden ist. Etwas unpassend finde ich ich dennoch.

"Ted Bundy, Jeffrey Dahmer, Andrei Tschikatilo ... Wir erinnern uns an die Namen der Täter, aber kaum jemand weiß noch die der Opfer. Haben Sie sich mal gefragt, warum? Es sollte doch eigentlich umgekehrt sein. Wir behaupten, Mitleid mit den Ermordeten zu empfinden, Mitgefühl, doch dann vergessen wir schnell. Achten Sie mal darauf ..."


Bewertung und mein Fazit

 

Ein Meisterwerk, das einem den Atem raubt und vor Entsetzen. Es ist ein Kräftemessen zwischen Gut und Böse, wobei man nicht unterscheiden kann, wer auf welcher Seite steht. Kurz gesagt ist 'Der Nebelmann' ein echtes Highlight, das viele aktuelle Themen und Problematiken anspricht.

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Tags: ermittler vogel, gesellschaftskritik, krimi, kriminalroman, medienkritik   (5)
 

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Hard Revolution

George Pelecanos , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 20.06.2017
ISBN 9783869137667
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Kriminalroman, den ich eher als gesellschaftskritische Erzählung beschreiben würde, verfolgt verschiedene Menschen bzw. Grüppchen durch eine lange Zeit ihres Lebens.

Es beginnt mit einem der Hauptcharaktere, Derek Strange, dessen Kindheit wir ein Weilchen begleiten dürfen. Wir erfahren, wie er (mit seinen Eltern und seinem Bruder Dennis, sowie seinem engen, griechischen Freund Billy) aufwuchs und aus welchen Gründen er Polizist wurde. Dieser Teil war sehr schön ausgearbeitet, obwohl ich Derek im Laufe des Buches immer weniger leiden konnte.

"Einmal haben wir zusammen einen kleinen Ladendiebstahl gemacht, lange her." "Haben sie euch erwischt?" "Mich. Ihn nicht." "Sein Glückstag", sagte Peters. "Nein", sagte Strange. "Meiner."

Wir erfahren bereits um Dereks 'Beziehung' zu Dominic Martini, einem italienisch-stämmigen Jungen, der im Laufe des Buches Teil einer der erwähnten Gruppen wird. Auch mit ihm lernt man zu fühlen, da er es nicht leicht hat bzw. es sich auch nicht gerade leicht macht. Er gerät an die falschen 'Freunde' und das Schicksal nimmt gnadenlos seinen Lauf.

Dann gibt es da noch Frank Vaughn, einen Polizisten, der mit Derek mehr als durch den Beruf verbandelt ist. Ein Netz, das sich enger webt, umso weiter die Handlung voranschreitet. Er war eigentlich ein ziemliches Arschloch, hatte aber auch seine guten, sympathischen Seiten. Eigentlich muss ich gestehen, dass er einer der für mich interessantesten Charaktere war.

Im Grunde genommen behandelt das Buch zwei Kriminalfälle in geschichtlichem Setting. Der eine von ihnen entwickelt sich erst spät und hat mir Tränen in die Augen getrieben, während wir immer weiter auf den unvermeidlichen Abgrund zuwanderten und mich schließlich zum Weinen gebracht. Lest bitte auf keinen Fall den inneren Klappentext des Buches, um euch in dieser Hinsicht nicht zu spoilern. Ihr würdet etwas sehr Emotionales verpassen.

Kommen wir zu den Gründen für meinen Punkteabzug: Viele Kapitel beginnen mit geschichtlichen Fakten, die zwar - beim Film würde ich sagen - gut geschnitten waren, doch mir ein wenig zu viel wurden. In wenigen Sätzen wurde vieles umrissen, das für die Handlung an sich nicht unbedingt von Nöten zu wissen war. Wer wo ist und was er gerade macht. Das war an sich eine tolle Idee, wurde mir aber etwas zu exzessiv benutzt.
Auch gab es gefühlt hunderte Anspielungen auf die Musik der damaligen Zeit (wieder mit vielen Fakten), das für jemanden, der nicht in den 60er in den Staaten aufgewachsen ist, schlichtweg langweilig wird, weil es überladen wirkte.
Gerade auf der Zielgeraden wurde zu viel von den Umständen gesprochen und zu wenig von den Gefühlen der Charaktere.Wer sich allerdings für Martin Luther King und dessen Ermordung bzw. die Ereignisse drumherum interessiert, wird hier mit guter Recherche bedient. Man bemerkt, dass es dem Autor wichtig ist, den Leser ins Geschehen zu zerren, was ja wiederum eine gute Sache ist.

Das Ende des Protagonisten Derek hat mir leider nicht zugesagt. Für mich verdarb seine Einstellung im Nachhinein ein wenig die Geschichte. Er war wie eine Fahne im Wind, konnte sich nicht entscheiden - weder in der Wahl seiner Frauen noch in jenen Fragen, die seine Zukunft betrafen. Vielleicht bin ich zu hart. Vermutlich sind alle jungen Menschen wie Derek und natürlich hat er viel durchgemacht, aber ich habe trotzdem das Gefühl, ich wäre mit einem anderen 'Hauptdarsteller' glücklicher geworden. Seinen Bruder Dennis zum Beispiel habe ich trotz weitaus mehr moralischer Makel sehr ins Herz geschlossen.

Von meinen Kritikpunkten abgesehen war der Erzählstil des Autors wirklich toll und der Aufbau sehr passend gewählt. Man hat gelitten, mitgefiebert, gehasst und geweint. Dabei gab es auch berührende Momente wie etwa zwischen den Brüdern Strange, sowie Derek und dessen Partner Troy Peters, der in dieser Geschichte seine Berechtigung dadurch hat, weil er zeigt, dass Rassismus nicht nur in eine Richtung, sondern in sehr viele gehen kann.

Kurzum: George Pelecanos weiß, ein Buch zu schreiben und er wählte ein wichtiges, aktuelles Thema, welches jedoch nicht zu 100 % perfekt umgesetzt wurde. Dennoch ist Hard Revolution ein durchaus lesenswerter Roman, denn was ist schon perfekt?

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Tags: gesellschaftskritik, hard revolution, rassismus, revolution, usa   (5)
 

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Das Sündenhaus

Antonia Hodgson , Sonja Rebernik-Heidegger
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur, 21.08.2017
ISBN 9783426654408
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nachdem mich die ersten beiden Teile der Reihe um Tom Hawkins sehr begeistert haben, wurde ich hier bitter enttäuscht. Mit einem Klick auf das jeweilige Bild kommt ihr zu meiner Rezension zu den lesenswerten Vorgängern!


"London ist ein überaus niederträchtiger Ort. Und ich vermisse es ganz furchtbar."
Vielleicht war es auch das. Vielleicht war es der Umstand, dass wir nicht in Londons Gassen und Gossen wanderten, der mich dieses Mal so unberührt ließ. Wer weiß. Aber fangen wir von vorne an:
Die Übersetzung war leider nicht gut gelungen, da versucht wurde, einen altertümlichen Touch reinzubringen, was jedoch in zu vielen und nervigen Wortwiederholungen mündete.
Die Beziehungen zwischen den Charakteren ließen zu wünschen übrig. Es lief alles oberflächlich ab und man konnte kaum Nähe zu den agierenden Personen aufbauen. Besonders fiel mir das zwischen Tom und seiner Angebeteten auf, die in den ungünstigsten Momenten der Fleischeslust frönten und mich immer wieder den Kopf schütteln ließen.
Einige der anderen Protagonisten agierten wie fleischgewordene (oder ja eben nicht) Klischees, was mit den Seiten langweilig und spröde wurde. Gut gelungen ist hingegen Metcalfe Robinson, der mich an Samuel Fleet erinnerte und mein Herz ein bisschen höher schlagen ließ. Samuel Fleet und die Geschehnisse der Vergangenheit wurden eingeflochten, was an sich ganz schön war, aber irgendwann zu viel des Guten wurde.
Wie mein Lieblingscharakter Sam - der Neffe meines geliebten Samuel Fleet - hier behandelt wurde, hat mich oft zu Tränen gerührt. Er ist ein ganz besonderer Charakter, den ich fest in mein Herz geschlossen habe und der dort ungehindert herumschleichen darf. Er hat viel erlebt und viel getan, aber er ist trotz allem ein Kind und Tom und Kitty verhielten sich ihm gegenüber die meiste Zeit einfach nur schändlich. Während Tom zwischen Zuneigung und verantwortungsloser Gleichmut schwankt, lehnt Kitty den Jungen schlichtweg ab. Gegen Ende wurde das relativiert, was eine Fortsetzung erahnen lässt, aber es hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Besonders Kitty war mir noch nie recht sympathisch und in der Sache hat sie den Vogel abgeschossen.
Positiv zu erwähnen ist der humorvolle Stil von Antonia Hodgson, den sie auch hier beibehält und der einen öfter zum Schmunzeln oder gar zum Lachen bringt. (Allerdings zeigt es auch, dass Tom sich in seiner Persönlichkeit kaum weiterentwickelt.) Die Autorin hat wie gewohnt gut recherchiert und erzählt am Ende des Buches ein wenig über die Orte des Geschehens, die historischen Hintergründe, die Personen und deren reale Gegenparts.
Die Spannung innerhalb der Story konnte allerdings nicht gehalten werden, weil mich die meisten Charaktere zu wenig interessierten, um mit ihnen zu fühlen und mich für ihr Schicksal zu interessieren. Ich hoffe sehr auf eine bessere Fortsetzung, sofern es eine geben wird, denn ich weiß, dass die Autorin mehr draufhat, als sie hier zeigt.

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Tags: historisch, historischer krimi, historischer kriminalroman, südseeblase, tom hawkins   (5)
 

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australien, drachenmann, garry disher, halbinsel, hal challis, krimi, kriminalität, literarischer realismus, melbourne, neoliberalismus, polizeiarbeit, polizeiroman, serienmörder, thriller

Drachenmann

Garry Disher , Peter Friedrich
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 16.02.2012
ISBN 9783293205604
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wieder einmal hat Garry Disher es geschafft, mich völlig für seine Charaktere und seine Geschichten zu begeistern. Und das Beste daran ist diesmal, dass es eine ganz Reihe um Inspektor Hal Challis und seine Leute gibt, von denen jeder Roman einzeln gelesen werden kann! Aber das wird man nicht wollen, weil man schnell einen Narren an Garry Dishers Büchern frisst!

Garry Disher ist ein Meister darin, seine Kriminalgeschichten mit dem Alltag der Polizisten, Bösewichte und einfachen Leute zu verweben und etwas zu schaffen, in dem man gänzlich versinken kann. Der Autor bringt dem Leser den australischen, heißen Sommer um Weihnachten ebenso nahe, wie die Verbrechen und die Protagonisten, die er beschreibt.

Inspektor Challis selbst ist ein Mann, der auf die 40 zugeht, und mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. In Form seiner Frau, von der er unter schwierigen Umständen getrennt lebt, lässt ihn eben diese Vergangenheit nicht ruhen und wird stetig wieder aufgewühlt, um sein Privatleben zu beeinflussen.

"Weihnachten. Mit etwas Glück würde jemand eine Leiche entdecken und ihm Weihnachten ersparen."

Seine Kommentare zu Weihnachten und dem Single-Dasein sind Gold wert und lockern charmant jede Untersuchung eines Mordfalles auf. Er ist ein Inspektor durch und durch, der in seiner Arbeit aufgeht - oder von ihr verschlungen wird. Man ist sich noch nicht sicher. Auf jeden Fall ist er ein Mann, den man gern hat. Seine Leidenschaft für Flugzeuge und besonders die De Havilland Dragon Rapide, die er restauriert, um sie eines Tages fliegen zu können, ist perfekt eingeflochten. Der Titel des Buches rührt von dem Spitznamen, den man Challis gegeben hat und der auf sein Flugzeug anspielt - Drachenmann (The Dragon Man). 

Dann gibt es noch Sergeant Ellen Destry, die mit ihren Familienproblemen zu kämpfen hat, Constable Scobie Sutton, der ständig von seiner kleinen Tochter redet und den Kollegen (und dem Leser) damit fast beide Ohren abkaut. Und da sind noch Pam Murphy und John Tankard, zwei Streifenpolizisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Murphy versucht, aus der Uniform und zur Kriminalpolizei zu kommen, indem sie Spürsinn beweist, hat Tank gänzlich andere Interessen, aber lest selbst... Zahlreiche Nebencharaktere wie die Reporterin Tessa Kane oder Kees van Alphen sorgen zusätzlich für Spannung!

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wobei auch der Frauenmörder selbst zu Wort kommt, der in diesem Buch sein Unwesen treibt. Ich hatte relativ schnell einen Verdächtigen, doch langweilig wurde mir trotzdem nicht. Vermutlich, weil sich der Autor etwas ganz besonders Dämonisches ausgedacht hat, um es spannend zu machen.

Ich mochte auch die Einschübe, in denen Challis (oder ein anderer der höheren Cops) vor den Leuten steht und alle auf den neuesten Stand bringt. Hier hat man gemerkt, wie gut Disher recherchiert hat, was jedoch in keinster Weise ermüdend wirkte. Die gelangweilten Bullen und spitzen Bemerkungen so manchen Zuhörers lockerten die Stimmung stets im richtigen Moment.

Viele kleine und große Begebenheiten ergeben ein fein und genial gewobenes Spinnennetz, dem man sich nicht entziehen kann. Ich habe es selten erlebt, dass ein Krimi so dermaßen gut durchdacht ist, und hatte meine helle Freude daran. Kaum hatte ich 'Drachenmann' beiseitegelegt, musste ich 'Flugrausch' in die Finger bekommen, um die Reihe fortzuführen. Und ich sage euch ganz im Geheimen, dass ich auch mit diesem Band schon durch bin und sehnsüchtig auf den dritten Teil warte, der bald eintrudelt!

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