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Teneriffa

Jan Drees , Maurycy
Geheftet
Erschienen bei SuKuLTuR, 01.06.2013
ISBN 9783955660031
Genre: Romane

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musik, kassette, kassettendeck, mixtape, kassetten

Kassettendeck

Jan Drees , Christian Vorbau
Flexibler Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 15.03.2011
ISBN 9783821866147
Genre: Sachbücher

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trennung, liebe, leben

Letzte Tage, jetzt

Jan Drees
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 01.02.2006
ISBN 9783821857770
Genre: Romane

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oberstufenschüler, depression, drogen, schluss machen, ferien

Staring at the sun

Jan Drees
Flexibler Einband: 106 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 01.09.2007
ISBN 9783821858241
Genre: Romane

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Rainald Goetz - Irre als System

Jan Drees
Flexibler Einband: 100 Seiten
Erschienen bei Arco, 15.12.2010
ISBN 9783938375303
Genre: Sachbücher

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iran, galerie, teheran, revolution, hamburg

Softcore

Tirdad Zolghadr , Johann Christoph Maass
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.04.2008
ISBN 9783462040067
Genre: Romane

Rezension:

Die rauschende Schah-Party wurde 1979 von der islamischen Revolution im Iran gecrashed. Aus dem dekadenten 1001-Nacht-Märchen, das ebenso schillernd wie scho-nungslos agierte, formte sich jenes Staatsgebilde, das 2002 vom US-Präsident George Bush zur "Axis of Evil" - zur Achse des Bösen - gerechnet wurde. 25 Jahre nach besagter Revolution geht das unterbrochene, unter dunklen Schleiern erstickte Fest weiter. In Tirdad Zolghars heißem Debütroman "Softcore" eröffnet ein junger, globalisierter Iraner seine It-Kunstgalerie in der Hauptstadt Teheran. Ungewöhnlich? "Heutzutage findet man Food Courts, West-Coast-Hip-Hop, internationale Filmfestivals, Nike und Puma und Swatch und Longines neben einer Heavy-Metal-Szene, Pizza Burger, Jim-Jarmusch-Retro-spektiven…" – im Iran! Softcore kippt mit popkulturell auf-geladenen Szenen die ermüdenden Terror-, Atomkriegbilder, ohne beschönigend zu wirken. Softcore ist: mutig, re-volutionär, regimekritisch, mittelpunktsfähig, cool. Warum?

Die Antwort lautet: Ironie. Tirdad schreibt, beschreibt selbst die ungeheuerlichsten Begebenheiten mit ironisch-en Mitteln. Eine Horde Geheimagenten argwöhnt, dass ei-ne private CD-Sammlung Informationen für Mudschaheddin-Kameraden im Untergrund erhalten, sie "sitzen um den Couchtisch herum und hören nach dem Zufallsprinzip Lieder von Dr. Dre und Vanessa Paradis."

Der junge Held muss in Einzelhaft. und er kann sich glücklich schätzen, Journalist zu sein: "Mein eigener Trakt ist picobello und bietet unbegrenzte Mengen an heißem Tee, frischen Früchten und Gerichten wie Hühnchen in Granatapfel-Walnuss-Soße, hat aber keinen Hof, und die grellen Neonlampen sind vierundzwanzig Stunden am Tag einge-schaltet." In diesem Ton werden üblicherweise All-Inclusive-Hotels auf Mallorca rezensiert. Als der Mann später freigelassen ist, kümmert er sich erst einmal um seine Kör-perhygiene: Stirn peelen, Achselhöhlen rasieren, Schläfen massieren, Nägel feilen. Der Terror ist außen vor und ge-rade deshalb omnipräsent. Nach Deo riecht nur der eige-ne Leib, draußen lauert ein stinkender Tod. Man kann nur absurden Visionen frönen, in solchen Zeiten: "Die Amerikaner sollen rüberkommen, ich schwöre a'n jad, sie sollten alles besetzen. Zwei Vorteile. Passt auf. erstens. Wir wer-den alle arabischen Führer los. Zweitens. Sind die Amerikaner erst mal am Boden, können wir sie abknallen."

Der 1973 geborene Tirdad Zolghadr lebt als Kurator, Filmemacher und Kritiker in Berlin. Er schreibt für verschiede-ne Tageszeitungen und Kunstmagazine, unter anderem für das renommierte "Frieze Magazine", das 2003 die bekannte Kunstmesse "Frieze Art Fair" im Londoner Regent's Park begründet hat. Tirdads Roman, der bis jetzt nur in Deutschland erhältlich ist, erscheint nicht im Original: "Softcore" wurde von Johann Christoph Maass aus dem Englischen übersetzt.

Das komplette Buch erinnert an einen anderen großen, globalisierten, genialischen, auf Deutsch und Englisch schreibenden Schriftsteller. Dieses Buch erinnert an Christian Kracht, der im Herbst endlich, endlich seinen neuen Roman "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" vorlegen wird. Und eben dieser Christian Kracht bietet sich als fulminanter "Softcore"-Laudator an: "Man möchte wilde Blumen pressen, am Feuer stehen, dem jungen Schriftsteller Tridad Zolghadr immer wieder mechanisch die Hand schütteln für diesen großartigen Roman. Ihn zu lesen, bedeutet die Rituale einer absurden Komödie in einem leeren Theater in Teheran beobachten zu dürfen. Softcore ist kalt, präzise und gerade deshalb unglaublich unterhaltsam."

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wien, österreich, schriftsteller, alkohol, thomas glavinic

Das bin doch ich

Thomas Glavinic
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.08.2007
ISBN 9783446209121
Genre: Romane

Rezension:

Ein erfolgloser Schriftsteller hat gerade sein Romanprojekt "Die Arbeit der Nacht" abgeschlossen. Das Buch soll bald erscheinen und der Schriftsteller fällt ins künstlerische Kindbettfieber, in ein kreatives und emotionales Loch. Als hätte man einem trotzigen Kleinkind das Lieblings-spielzeug weggenommen, den Lolli aus dem Mund geris-sen. Während sein Kumpel Daniel Kehlmann die Bestsel-lerlisten mit "Die Vermessung der Welt" rockt und neueste Verkaufszahlen per SMS mitteilt, lungert der Held auf langweiligen Literaturveranstaltungen rum und ist selbst der größte Langweiler. Er ödet internationale Starautoren mit gelalltem Englisch an und wankt dann heim, um lediglich seine Emails zu checken, um seine Kleinfamilie zu nerven, um "Civilization" am Rechner zu spielen, um sich selbst zu bemitleiden. Er fühlt sich krank, irgendwie. Der Schriftsteller, von dem Thomas Glavinic in seinem aktuellen Meisterwerk erzählt, heißt: Thomas Glavinic! Vorsicht ist geboten bei hypochondrischen Helden, die wie ihr Autor heißen, den gleichen Beruf ausüben, in der selben Stadt wohnen und vermutlich genauso ausssehen. Das ist wie eines dieser überkonstruierten Alibis, die am Anfang vieler Kriminalfilmermittlungen stehen. Sie schauen passgenau aus, sollen aber Verwirrung stiften, ablenken. Die Wahr-scheinlichkeit ist also groß, dass die Romanfigur Thomas Glavinic wenig mit ihrem Schöpfer Thomas Glavinic gemein-sam hat, und der Schriftsteller bestätigt diesen Verdacht am Telefon. "Das ist ein Roman!", sagt er, "das bin ich nicht." - "Warum dann der gleiche Name, die gleichen Freunde, der gleiche Wohnort, warum ist alles gleich?" - "Es geht um ein Spiel." "Civilization" ist übrigens nur eines dieser Spiele. Der ganze Roman besteht aus billigen, leicht lösbaren Spielsituationen. Der Witz entsteht, weil "Das bin doch ich"-Held Thomas Glavinic dennoch verliert, unverschuldet und mit Anlauf. Nimmt er ein Taxi, muss er 25 Minuten vor einer geschlossenen Bahnschranke war-ten, weil der nächtliche Güterverkehr just in diesem Mo-ment abgefertigt wird. Auf Zugreisen sitzen grundsätzlich schmatzende, stinkende, nervige Mitpassagiere neben ihm. In der Autowerkstatt blamiert er sich, nachdem ein Mechaniker fragt, ob die Winterreifen mit oder ohne Felgen im Kofferraum liegen. "Natürlich steckt da etwas an den Reifen, dieses Metallzeug, das ich als Felgen bezeich-nen würde", denkt er. "Aber wer weiß, vielleicht nennt man das eben nicht Felgen." Zum Romanende, "Die Arbeit der Nacht" ist gerade erschienen, sitzt  Thomas Glavinic in einem Radiostudio und beantwortet gemeine  Zuhörer-fragen. "...laber ...drön... Was rede ich da?", ermahnt er sich selbst. "Wie komme ich von diesem Blödsinn wieder runter?" Wenn der Held wüsste, dass er im selben Moment Teil eines meisterhaften Romans ist, er würde nachsichtiger mit sich umgehen.

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liebe, prag, wien, türkei, leidenschaft

Liebesbrand

Feridun Zaimoglu
Fester Einband: 374 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.02.2008
ISBN 9783462039696
Genre: Romane

Rezension:

"Es wurde dunkel, es wurde hell, dann aber starb ich." Mit einem großen Busunglück beginnt Feridun Zaimoglus Roman "Liebesbrand". - Man hörte das schwere Uhrenband klirren, als Feridun Zaimoglu Anfang März 2009 im Rahmen der lit.Cologne las. Der früher rockstarposende Kieler führte seinen gestikulieren-den Arm nah am Mikrofon. In die Liebesgeschichte mischte sich dieses Rasseln und Klimpern, während Feridun über seinen Helden, den Ex-Börsenmakler David, berichtete. Die Lesung war elektrisch, elektrisierend, ein weiteres Kapitel der unglaublichen Erfolgsgeschichte dieses wun-derbaren Schriftstellers: Inzwischen hat "Liebesbrand" vordere Plätze in verschiedenen Bestsellerlisten erklom-men. Es gab, von "Liebesbrand" ausgehend, eine große Feuilletondebatte über die neue Romantik in der deut-schen Literatur. Mit Feridun Zaimoglu besucht Freitaga-bend einer der größten Gegenwartsschriftsteller den 1LIVE-Salon. Das sind keine Vorschusslorbeeren. Das ist die längst belegte Wahrheit.

Crash-Test!

Für Ex-Börsenmakler David beginnt die Pilgerfahrt zum Lebensglück mit einem Massenunfall in der fernen Türkei. Der Reisebus verunglückt. 15 Menschen werden sterben. "Es wurde hell." Und aus dem Licht schimmert die Silhouette einer jungen Frau, die den verunglückten Mann versorgt, bevor sie engelsgleich verschwindet. Zurück bleiben Davids Sehnsüchte, ein Nummernschild und die Erinnerung an den blau leuchtenden Ring dieser traumschönen Heilerin.

Er ist gestorben. Und er ist wiedergeboren. Sein Herz ist blutgefüllt und heiß. Der Man ist verliebt. Es folgt Davids Genesung im türkischen Krankenhaus. Er wird mit derben, dunkel raunenden Orientalen konfrontiert, die lodernden "Liebesbrand" im flammenden Herzen tragen. Aber "ich war im Westen verdorben, ich war ein durch und durch degenerierter Mann des Abendlandes und von der Tradition der orientalischen Frauenanbetung hatte ich keine Ahnung." Gibt es sie noch, die tiefe, dunkle, romantische Liebe in Blackberry-Zeiten, kann man dichten, während Empfindungen inzwischen als SMS-Abkürzungen kursieren?

Zurück in Deutschland, von Narben gezeichnet, reist David seiner Traumfrau hinterher. Er fügt sich ein in die "Tradition der orientalischen Frauenanbetung". Der Mann gelangt zuerst in die deutsche Provinz, fährt dann weiter Richtung Prag und Wien, trifft fremde Menschen, erfährt Abenteuer und begegnet immer wieder seiner Geliebten, in anderen Städten, in anderen Zimmern. - Es wird eine wahnsinnige, sprachlich satt gestaltete Tour, ein atemloser Lebens- und Liebesweg, der im romantischen Sinne nur ein Ziel kennt: Erlösung.

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erzählungen, kurzgeschichten, deutsche literatur, außenseiter, buchpreis leipziger buchmesse 2008

Die Nacht, die Lichter

Clemens Meyer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 12.02.2008
ISBN 9783100486011
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt Katastrophen, die kündigen sich überraschend zaghaft an: "Es begann damit, dass sein Hund plötzlich anfing zu humpeln und dann ganz stehen blieb", heißt es im neuen Erzählungsband "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer. So etwas muss nicht zwangsläufig im großen Niedergang enden. Humpeln ist nicht tödlich. Aber weil Rolf, Held der Kurzgeschichte "Von Hunden und Pferden", einen mickrigen Hartz-IV-Satz bezieht, fehlen die 3000 Euro für eine rettende, für eine lebensrettende OP. Und der Tod, die Katastrophe, steht scheinbar unausweichlich vor ihm und seinem treuen Kameraden. Gibt es wirklich keine Chance?

Tostlose Liebe, Tod und Tiere

Es ist diese Frage, die aus dem drohenden Tod des Tieres ein existenzielles Problem für seinen Besitzer macht. 200 Seiten weiter, in einer ganz anderen Geschichte, muss ein alter Bauer sein Vieh erschießen, weil niemand den Hof kaufen, weil kein Mensch dieses angebrochene Leben weiterführen will. Und trostlos erscheint auch der dicke, verschwitzte, einsame Mathelehrer ("Der Dicke liebt"). Dieser Mann findet an seinem Arbeitsplatz, in der Schule, die unnahbare, reine Liebe. Er findet sie in Juli, seiner kleinen Schülerin und ab da wird es ziemlich ekelig. "Ist es verboten, mit Juli Eis essen zu gehen?" Ist es verboten, ein bisschen Freude festhalten zu wollen?

Rücken zur Wand

Die Menschen in Clemens Meyers 16 "Stories" sind arme Schweine. Manchmal erscheinen sie als gefallene Kämpfernaturen, sie sind immer müde Recken und lebensfertige Außenseiter, die ihr letzten Spiel mit dem Rücken zu Wand ausfechten. Die Nacht ist ihr Biotop, Lichter scheinen woanders, weit weg von Knastzellen, Lagerhallen, Kaschemmen, weit weg von ihnen, von ihrer schummrigen Restexistenz. Fernab aller Chancen: Allein Rolf, der Hundefreund, hat für einen kurzen Moment Glück. Durch Zufall gewinnt er nämlich viereinhalbtausend Euro beim Pferderennen. Wie trunken taumelt er, die Scheine in der Jackentasche, weiter Richtung Stadtrand, Richtung Osten, wo er wohnt, und er sieht nicht die drei Männer, die hinter ihm laufen... Hier bricht der Text ab. Aber im Kopf bleibt die Geschichte doch, tagelang. Wie schafft Clemens Meyer das?

Das Abschreiben der Welt

Als er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, sprang Clemens Meyer wie ein Boxchampion auf, die geballte Faust nach oben gereckt. Wo andere Autoren artig ihren Dichterschemel verlassen, um dankbeflissen Richtung Bühne zu schlurfen, kippte der Leipziger erst einmal ein Bier und sagte: "Ich hatte mir viel Unsinn überlegt, den ich hier sagen wollte. Ich habe aber heute schon genug Unsinn erzählt, also sage ich nichts und schreibe weiter Bücher." Es soll Menschen geben, die behaupten, allein der Text sei wichtig, der Autor habe keine Relevanz. Clemens Meyer, der ehemalige Bauhelfer, Möbelträger, Wachmann und Sozialhilfeempfänger beweist das Gegenteil. Seine Geschichten bleiben im Kopf, weil das Bild des tätowierten, kraftmeiernden Meyers dazugehört, Erinnerungsstütze ist. Clemens Meyer ist ein Genie, in jeder Hinsicht - was er schreibt, das bleibt.

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drogen, sex, alkohol, pubertät, frankreich

Ich dich auch nicht

Sacha Sperling , Carina von Enzenberg
Fester Einband: 211 Seiten
Erschienen bei Piper, 11.03.2011
ISBN 9783492053853
Genre: Romane

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liebe, ehe, lugano, hund, dreiecksbeziehung

Bestattung eines Hundes

Thomas Pletzinger
Fester Einband: 345 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.03.2008
ISBN 9783462039689
Genre: Romane

Rezension:

"Als wir das erste Mal miteinander schliefen war ich überrascht von ihrem Pornogesicht." Thomas Pletzinger hat einen interessant beobachtenden Helden fürs Debüt erfunden: Daniel Mandelkern ist Mitte 30, infantil, intellektuell und schwer verwirrt: Daniel Mandelkern ist studierter Ethnologe und Kulturjournalist. "Ethnologie ist eine Wissenschaft, es geht um das Auge eines Fremden auf Menschengruppen", erklärt er im Buch. Für eine Wochenzeitung soll er den öffentlichkeitsscheuen Kinderbuch-Bestsellerautor Dirk Svensson am Luganer See (auf der italienischen Seite) besuchen, mit dem Auge eines Fremden auf einen Menschen blicken, als teilnehmender Beobachter. "Was man nicht festhält, verschwindet." Das Ganze schaut erst mal nach Urlaub aus, nach Erholung vom Streit mit Elisabeth, seiner Freundin und Wochenzeitungs-Chefin, nach freier Zeit. Svensson lädt Daniel auf eine Bootsreise ein, gemeinsam mit einer schönen jungen Frau, ihrem Sohn und einem dreibeinigen Hund ("wie wegretuschiert"). Die Geschichte schneidet, Daniels Gedanken folgend, nun zwischen den Erlebnissen am bzw. auf dem See, Erinnerungen an Elisabeth und einem Reisetagebuch Svenssons, der 2001 in New York lebte, Brasilien bereiste und schmutzige Hahnenkämpfe suchte. Das sind etliche Themen, viele Ebenen. Aber alles wird eins, ein Blick, Daniels Blick, während es kreist, in seinem Kopf. Daniel beobachtet (am See), erinnert sich (Elisabeth in Hamburg), liest (das Reisetagebuch). Unheil zieht auf, aber es lässt die Dinge klarer werden. In dem Reisetagebuch häufen sich Todesfälle. Und im Roman werden vorher komplizierte Handlungen, zum Leben erweckt, verständlich. Am See überschlagen sich die Ereignisse, gruselig: Daniel leidet an einer Fischvergiftung. Etwas sträubt sich in ihm. Was ist es genau? Sein Übergeben ist ein "Nicht-einverstanden-sein" mit der Situation, ganz klar, aber fort kann er jetzt unmöglich, einen Rückzieher machen: Die Redaktion wartet auf diesen Artikel. - Was hilft im Chaos? Ordnung! Daniel Mandelkern ist sammelwütig, wie es sich für einen Ethnologen gehört. Er notiert die Pflegeartikel in Svenssons Badezimmer, Zeitungsüberschriften ("Risiko Kaiserschnitt"), sammelt Quittungen, sieben Postkarten, das bemalte Reisebuch-Cover, das auf Seite 163 abgedruckt wird: eine Achterbahn, Typ Cyclone, dazu Svenssons Schrift: "Erzählen hilft nicht. AUFHÖREN!". Daniel transkribiert typische Bestsellerautorenfragen, die er Svensson beim Kochen stellt: "Nehmen Sie in der Abgeschiedenheit dieses Hauses überhaupt Notiz vom Erfolg ihres Buches?" - "Ich lese keine Zeitungen, Mandelkern, ich besitze keinen Fernseher." Und er denkt nach: Über einen Kollegen, der zur gleichen Zeit einen Text über Urin und Moral (der Dopingskandal) ersinnen muss, über Tuuli, die alleinerziehende Mutter und Mätresse des Kinderbuchautors, über ihren Sohn, und über die Frage: "Ist das, was Svensson erzählt, erfunden?" Er hat 16.000 Zeichen für das Portrait und vier Tage, um sich nebenbei klar zu werden: "Wer ist Daniel Mandelkern?" Wer bin ich? - Das Reisetagebuch: Junge Menschen tragen in New York Shirts mit "Super-Gay "-Aufdruck, "einer kriegt das Koks, einer kriegt Tuuli", auf CNN (im Hintergrund) rauchen die Türme des World Trade Centers. Paaaarty! Der Kulturteil, für den Daniel Mandelkern schreibt, stellt einen Kinderbuchautor vor, aufwändig präsentiert, als sei Svensson der Wiedergänger von Bert Brecht. "Bestattung eines Hundes" handelt auch vom Spaß haben, obwohl längst Ernsthaftigkeit angesagt wäre. Thomas Pletzinger ist als Schriftsteller übrigens versiert genug, dem Leser keinen Spaß zu nehmen, während er über die Infantilisierung unserer Mitt-Dreißiger räsoniert (die Kinderbücher lieben, siehe "Harry Potter" als Erwachsenenausgabe mit ernstem Titelbild). Anyway: Wenn der Autor den Finger mahnend erhebt, kann das manchmal auch der Mittelfinger sein. Das ist erfrischend und der Autor vermeidet Oberflächlichkeit nicht nur, indem er weibliche Körperkonturen beschreibt. Er vermeidet Oberflächlichkeit, weil er, ethnologisch geschult wie sein Held, hinschauen, entdecken, beschreiben kann. "Bestattung eines Hundes" ist ein toller Roman, abwechslungsreich, ein bisschen avantgardistisch, mal PopPopPop, dann wieder Feuilletonzitat und Seminararbeit, dabei permanent blühend wie das Terrassenbäumchen auf dem schönen KiWi-Cover. Einmal haben Thomas Pletzinger und sein Kollege Saša Stanišić ("Wie der Soldat das Grammophon repariert") über das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig geschrieben. Es ging um den alten Vorwurf, Absolventen wie Thomas oder Saša würden blutarm über ihr eigenes Leben, nach Lehrbuchschema etc. schreiben. Stimmt: Die meisten Bücher, die Leipzig verlassen, folgen einem gut erdachten Bauplan. Zeitebenen werden nach absurden Mustern hintereinandergesetzt. Thomas Pletzinger hat in New York und Hamburg studiert, wie sein gleichaltriger Romanheld. "Bestattung eines Hundes" folgt einem Bauplan. Aber was ist daran verwerflich? Goethe hat über sich selbst geschrieben, selbstverständlich und ein Roman wie "Wahlverwandtschaften" ist (auch) Reißbrettliteratur. Es soll sogar Rockstars geben, die Lieder über sich, über ihre Welt verfassen, Stichwort "My Generation" oder auch (My) "Umbrella" (Ella ella eh eh eh), immer die gleichen Akkorde greifend. Jeder verdammte Kinofilm folgt einem identischen Muster - Ausnahmen gibt es quasi nicht. Maler malen Selbstportraits. Graffitikünstler taggen ihre Personality an Großstadtwände. Aber ständig halten es Leser mit Theodor W. Adorno und seiner Minima Moralia, wo steht: "Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen." Meinetwegen. Nein... Das war, glaube ich mich zu erinnern, doch völlig anders gemeint. Thomas Pletzinger darf das, er darf "ich" sagen. Auch im nächsten und übernächsten, in allen Romanen. Wenn jemand wie er "ich" sagt, ist das "uns" gleich mit ausgesprochen. Applaus.

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1982

Hausers Zimmer

Tanja Dückers
Fester Einband: 491 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 15.02.2011
ISBN 9783895610103
Genre: Romane

Rezension:

West-Berlin, 1982: Die 14-jährige Erzählerin Julika lebt mit ihren Öko-Eltern in einer Altbauwohnung nahe des Ku'damms. Es ist ein Leben zwischen Römertopf, hochpolitischen Diskussionen am Frühstückstisch, Joseph Beuys' Lied "Sonne statt Reagan" und Nachmittagen, in denen gemeinsam Care-Pakete für Polen-Kinder gepackt werden. Selbst beim Grand-Prix-Schlagerwettbewerb können Mama Wiebke und Papa Klaus nicht wirklich entspannen: "Natürlich gewann Nicole den Wettbewerb mit 'Ein bisschen Frieden'. - Wiebke echauffierte sich über den Sieg (egal, worum es ging, deutsche Siege waren ihr grundsätzlich suspekt): "Diese weiße Gitarre und hinten das weiße Klavier, das ist doch wirklich biedermeierlich. und warum nur 'ein bisschen' Frieden?" - Wenn Geschäftsmänner aus Russland (damals noch Feindland) aus der Peepshow kommen, muss man unweigerlich an die dekadenten Turbokapitalisten von Moskau von St. Petersburg denken, die sich nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" breit gemacht haben. Und Afghanistan galt 1982 noch als aufstrebendes Tigerstaaten-Land, das laut Julikas Bruder Falk schon bald den Nahen Osten abhängen würde. - Als Der Ex-SPDler Manfred Coppik damals eine neue Linkspartei (die "Demokratischen Sozialisten") gründete, behauptet Papa Klaus, dass man von diesem Experiment schon in 30 Jahren nicht mehr sprechen würde. Seit 2008 ist Coppik stellvertretender "Die Linke"-Landesvorsitzender in Hessen.

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Number9dream

David Mitchell
Flexibler Einband: 418 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton General Division, 04.04.2002
ISBN 9780340747971
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der britische Autor David Mitchell schreibt Epen, die aus mehreren einzelnen Romanen bestehen, kassiert dafür in Reihe die renommiertesten Preise und setzt mit seinem neuen Werk dem Ganzen die Krone auf. "number9Dream" erzählt auf 540 Seiten, wie ein junger Japaner, der sich für die Reinkarnation von John Lennon hält, in Tokio herumirrt und seinen Vater sucht, den er nie persönlich getroffen hat. Um diese Vatersuche spinnt Mitchell nun die wahnsinnigsten (Traum-)Szenen. Computerzombien, Klonmenschen und Videostripperinnen, die Mah-Jongg spielen tauchen auf. Geboten wird dazu eine "Pornosafari", mehrere Cyber-Space-Jagden und ein Hippie, der mit seinem psychedelischen Surfbrett vom Himmel herabsaust. "number9Dream" ist angelehnt an den gleichnamigen Song von John Lennon. Der Beatles-Star war Zeit seines Lebens von der Zahl 9 fasziniert - er wurde am 9. Oktober geboren. Die Beatles sind an einem 9. Februar das erste Mal in der Ed Sullivan Show aufgetreten. Der Beatles-Song "Revolution 9" stieg auf Platz 9 der US-Charts ein... Und wenn im Buch die "9" auftaucht - als Zimmernummer, Quersumme oder als Uhrzeit dann ist der Held stets ein Computer- bzw. Traum-Level weiter, dann findet er einen neuen Hinweis, dann weiss er: Ich bin meinem Vater auf der Fährte. Es ist wie beim Topfschlagen. Die "9" bedeutet, ab hier wird es "heiss". Gilt übrigens fürs komplette Buch.

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