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186 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

selbstfindung, hermann hesse, bildungsroman, demian, jugend

Demian

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 293 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 18.06.2012
ISBN 9783518463536
Genre: Romane

Rezension:

Wie alle Protagonisten Hesses ist auch Emil Sinclair ein Suchender. Als sich Emil Sinclair im Alter von ungefähr zehn Jahren eine Suppe mit einem halbstarken Jungen einbrockt, die er allein nicht auslöffeln kann, wodurch seine Kindheit aus den Fugen gerät, kommt ihm sein Mitschüler Demian zu Hilfe. Demian ist anders als die anderen Kinder. Er wirkt sehr erwachsen sowie standfest und liefert sich mit den Lehrern oft intellektuelle Duelle. Von diesem Zeitpunkt an sind die beiden Jungen geistig miteinander verbunden, auch wenn sie sich physisch immer wieder aus den Augen verlieren.

Hesse selbst war zeit seines Lebens auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Vielleicht hat er sich zu sehr in seinem Wissen verbissen, sodass seine persönliche Suche letztendlich in einer Sackgasse endete. Das würde jedenfalls die Melancholie, die in seinen Büchern stets mitschwingt, erklären. Wahrscheinlich fehlte ihm trotz seines höheren Wissens und geistigen Empfindens, einfach eine Prise spiritueller Humor, um die letzte Stufe zur befreienden Selbstverwirklichung zu erklimmen.

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Tags: bewusstsein, demian, hermann hesse, höheres selbst, melancholisch, selbsterfahrung, selbstsuche, wahrheitsfindung, wahrheitssuche   (9)
 

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

spiritualität, identitätssuche, ram dass, yoga, meditation

Sei jetzt hier

Ram Dass , Matthias Wendt , Stewart Coltman
Flexibler Einband: 40 Seiten
Erschienen bei Sadhana Verlag, 01.01.2016
ISBN 9783922610007
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das erste Buch erzählt die kurze, interessante Geschichte wie und warum aus Dr. Richard Alpert später Ram Dass wurde.

Das zweite Buch enthält die tiefen Erkenntnisse des Ram Dass auf dem Weg zu sich selbst. Die gefühlvollen Botschaften, die von innen herauskommen, sind in diesem Buch auch nach außen hin spirituell dargestellt. Keine Seite gleicht der anderen. Weder von der Schrift her noch von den Zeichnungen, die die jeweilige transzendentale Lehre spielerisch untermalen. Und ganz nebenbei bin ich begeistert darüber, das „Magische Theater“ von Hermann Hesse aus dem Buch „Der Steppenwolf“ in Ram Dass zweitem Buch als Tor wiederzufinden, das sich zur Erleuchtung öffnet, nachdem man als letzten Schritt die Dualität verlassen hat.

Das dritte Buch ist das spirituelle Kochbuch mit allen Feinheiten und Raffinessen, mit denen man seinen Pfad zur Erleuchtung würzen kann. Jede Menge Zitate sind am Ende die Essenz des behandelten Themas und runden die geistigen Rezepte wirkungsvoll ab.

Dieses dreiteilige Buch-Ensemble ist für Suchende, die sich gerade erst auf den Weg begeben haben, nicht zu empfehlen, denn ein Teil der Leser könnte zu diesem Zeitpunkt von den hohen geistigen Aussagen in eine große Verwirrung gestürzt werden und die Reise zu sich selbst abbrechen, weil er überfordert ist. Der andere Teil könnte der Verführung unterliegen, Ram Dass Aussagen zu benutzen, um das eigene spirituelle Ego aufzublähen, um sich anschließend in einer Machtspirale zu verfangen und ewig dort stecken zu bleiben. Ich glaube, je bewusster der Leser bereits lebt, umso nützlicher wird dieses Buch für ihn sein.

Um die Reise zu sich selbst etwas leichter zu gestalten, sollte sich jeder Suchende das Resümee des Buches klar vor Augen führen: Der Weg zur Erleuchtung ist ein endloser, ein steiniger Weg mit vielen Höhen und Tiefen und das Ziel wird man (fast) nie erreichen, aber das Glück, die Freiheit, die Gelassenheit, die man von Stufe zu Stufe erfährt, gleichen diese paradoxe Grundwahrheit liebevoll aus.

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Tags: identitätssuche, meditation, ram dass, selbstfindung, spiritualität, yoga   (6)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

winter, illustriert, verrat, tapferkeit, frauen

Zwei alte Frauen. Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

Velma Wallis
Flexibler Einband: 141 Seiten
Erschienen bei Wilhelm Heyne, 01.01.1998
ISBN B002A079XE
Genre: Sonstiges

Rezension:

Diese Geschichte ist wirklich schön, aber schlecht erzählt, denn eine Erfahrung aus dem eigenen Leben oder aus dem Leben anderer Menschen ist noch lange kein Roman, auch wenn sie spannend ist. Wer einen Roman aus dem eigenen oder anderer Leben schreibt, entscheidet sich gegen die Wahrheit, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Gute Geschichten entstehen nicht über das Erinnern, wie in diesem Fall, sondern über das Erzählen. Die Erinnerung schafft zwar den Rahmen, aber die Autorin hat gegen eine wichtige Schreibregel verstoßen, indem sie das Buch nach der Frage: Was ist passiert? ausrichtete, statt der Frage: Was braucht die Erzählung? nachzugehen. Erst im Triumph des Erzählens über das Erlebte entsteht Literatur. Schade, schade, dadurch blieb am Ende nur eine schön schlecht erzählte Geschichte übrig.

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Tags: alte menschen, frauen, gruppenpsychologie, mut, natur, nomaden, tapferkeit, verrat, winter   (9)
 

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22 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

buddhismus, psychologie, achtsamkeit, kornfield, meditation

Das weise Herz

Jack Kornfield , Elisabeth Liebl
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Arkana, 03.11.2008
ISBN 9783442338122
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer erschöpft ist oder krank, unzufrieden oder seine Ängste respektive Süchte besiegen möchte, kann Heilung und Verständnis in der buddhistischen Psychologie finden. Als Hilfestellung für den tieferen Einblick in die Begriffe, vergleicht der Autor in seinem (Lehr)Buch hin und wieder die buddhistische Psychologie mit der westlichen Psychologie, wodurch dem westlich denkenden Menschen der Unterschied bewusster wird.

Im Laufe des Buches stellt der Autor nach dem Vorwort 26 buddhistische Prinzipien vor. Zur Einstimmung auf das Kapitel und auf die vor uns liegende buddhistische Regel gibt es zu Beginn jedes Kapitels zwei Zitate berühmter Persönlichkeiten. Trotz aller Regeln ist „Das weise Herz“ sehr praxisbezogen, denn es lebt von vielen selbst erfahrenen Geschichten, die der Autor im Laufe des Buches erzählt. Diese machen den theoretischen Teil leichter verständlich, unterstützen ihn liebevoll in seiner Aussage und heben die Weisheit des Gesagten demütig hervor. Außerdem bietet Kornfield am Ende jedes Kapitels eine Meditation als Praxisübung zur Vertiefung der behandelten buddhistischen Regel an, was den Inhalt wunderbar abrundet.

Sehr anschaulich empfand ich den persönlichen Vater-Sohn-Konflikt des Autors und dessen Lösung, der sich durch das gesamte Buch zieht und das spirituelle Wachstum des Autors und die spätere Reife im Umgang mit dem Geschehenen offenbart.

Ein absolut empfehlenswertes Buch für Suchende und Interessierte, denn „Das weise Herz“ ist genauso weise wie herzlich, da Jack Kornfields Empathie zwischen jeder Zeile leise mitschwingt. 

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Tags: buddhismus, herz, kornfield, liebe, meditation, mitgefühl, psychologie, ratgeber entspannung, seele, selbstfindung   (10)
 

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506 Bibliotheken, 18 Leser, 3 Gruppen, 17 Rezensionen

klassiker, hermann hesse, harry haller, selbstfindung, depression

Der Steppenwolf

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 421 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 18.06.2012
ISBN 9783518463550
Genre: Klassiker

Rezension:

Der introvertierte Intellektuelle Harry Haller raucht und trinkt zu viel und tanzt und lacht zu wenig. Mit seinen 48 Jahren ist er auf der Suche nach sich selbst und findet in seinem Inneren einen Steppenwolf. Er fasst den Entschluss, sich und den Steppenwolf umzubringen. Doch dann lernt er Hermine kennen und es beginnt eine turbulente Reise in einem magischen Theater.

Harry Haller forscht nach dem Sinn des Lebens und prallt dabei immer wieder auf sein Ego angestachelt von seinem rastlosen Geist. Es ist eine kunterbunte Achterbahnfahrt der Gefühle und am Ende ist alles und nichts wie vorher. Nicht umsonst warnt Hermann Hesse alias Harry Haller im Laufe der Geschichte in einigen Überschriften davor, dass dieses Buch „Nur für Verrückte“ ist.

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Tags: der steppenwolf, harry haller, hermann hesse, magisches theater, suche nach sich selbst   (5)
 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

entspannen, alltag, yoga, meditation, tantra

Yoga, Tantra und Meditation im Alltag

Swami Janakananda Saraswati , Cordula Seppmann , Jan Chmilewski , Chris Stuhr
Flexibler Einband
Erschienen bei Bindu Verlag, 16.11.2016
ISBN 9789197789462
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zu Beginn des Buches räumt Swami Janakananda mit der verdrehten Vorstellung von Yoga auf, dass der Yogapraktizierende sein Leben, seine Essgewohnheiten oder sein Verhalten ändern muss. Es bleibt alles so wie es ist, selbst rauchen, Wein trinken und Fleisch essen sind erlaubt, es kommt eben nur Yoga dazu.

Danach erklärt der Autor in kurzen Sätzen, ohne Schnörkel und absolut verständlich was Yoga ist, worum es geht und erläutert die verschiedenen Bereiche der Yogatradition.

Die folgenden Übungsanleitungen zu den einzelnen sich steigernden Übungsprogrammen in Verbindung mit verschiedenen Atemübungen sind so präzise wie ich sie in der Form noch nie gelesen oder gehört habe. Nicht ein Wort ist Verschwendung. Dazu kommen die vielen aussagekräftigen Fotos, die die Verständlichkeit der einzelnen Stellungen wunderbar abrunden.

Auch bei dem sich anschließenden Meditationsteil spürt man deutlich die erlebte Erfahrung des Autors mitschwingen. Dieser innere Weitblick trägt enorm zum besseren Verständnis bei. Dadurch ist dieses Buch ein sehr persönliches Lehrbuch und trotz aller Persönlichkeit oder gerade aus diesem Grund vollkommen logisch durchdacht. Herz und Verstand treffen sich in der Mitte.

Die meisten Menschen aus der westlichen Welt verstehen unter Yoga schlanke Körper in genialen Posen mit etwas spirituellem Klimbim und veganer Ernährung. Yoga hat aber mehr zu bieten, denn im Yoga geht es darum einen Weg zu finden, DEINEN Weg zu finden. Wie auch immer Dein individueller Weg aussehen mag, Yoga wird Dir helfen, ihn zu finden und ihn schrittweise zu gehen.

Wer Yoga in seiner wertvollen Ganzheit verstehen möchte, ob als Anfänger oder Fortgeschrittener, sollte dieses kostbare Buch lesen. 

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Tags: alltag, entspannen, meditation, tantra, yoga   (5)
 

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74 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

klassiker, mitleid, österreich, lähmung, loyalität

Ungeduld des Herzens

Stefan Zweig
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 20.09.1988
ISBN 9783596216796
Genre: Klassiker

Rezension:

Der alte Offizier Hofmiller mit den vielen Orden an der Brust erzählt in der Ich-Form wie er sich als junger Leutnant in den Wirren des Mitleids verfängt. Seine Geschichte räumt mit dem Makel des Mitleids, welches oft auf der Ungeduld des Herzens basiert, auf und appelliert an das Mitgefühl der Menschen. Wer sich von der Unruhe des Mitleids ergreifen lässt, kann darin untergehen - so die Botschaft des Buches. Dementsprechend herrscht ab der zweiten Hälfte des Buches auch eine gewisse depressive Grundstimmung vor.

Stefan Zweig war es wohl wichtig, den Unterschied zwischen echtem schöpferischen Mitgefühl und falschem schwachen Mitleid klar darzustellen. Das ist ihm durch die vielen kleinen Begebenheiten innerhalb der gesamten Geschichte, in welche sich der junge Hofmiller durch seine Freundschaft zu der wohlhabenden Familie Kekesfalva immer wieder verstrickt, hervorragend gelungen.

Durch die anschauliche Darstellung der einzelnen Affären und Ereignisse, die dem 25jährigen Leutnant widerfahren, vollbringt der Autor sogar das Kunststück, dass sich der Leser unbewusst fragt, empfinde ich gerade Mitgefühl oder Mitleid gegenüber dem Protagonisten. So lernt der Leser, während er die Geschichte verfolgt, unwillkürlich den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl kennen. Eine einfühlsame Meisterleistung, die für ein besseres menschliches Miteinander sorgen möchte.

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Tags: drama, mitgefühl, mitleid, stefan zweig, tragische liebe, ungeduld   (6)
 

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

hunde, hundetrainer, tierforschung, hundeverhalten, verhaltensbiologie

Ausdrucksverhalten beim Hund

Dorit Feddersen-Petersen , Dorit Feddersen-Petersen
Fester Einband: 493 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 08.10.2008
ISBN 9783440098639
Genre: Sachbücher

Rezension:

In diesem Buch steckt jahrelange Arbeit, enormes Wissen gepaart mit aufmerksamer Erfahrung und absoluter Hingabe. Das alles und noch viel mehr hat Frau Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen in ihr Buch investiert, um dem Menschen die Kommunikation mit seinem oder anderen Hunden und damit die Beziehung zwischen Mensch und Hund zu erleichtern oder zu vervollkommnen.

Allerdings erreicht die Autorin mit ihrem akademischen Werk nur eine kleine Zielgruppe, denn dieses Buch hat eine Wissenschaftlerin für Wissenschaftler geschrieben. Der konventionelle Hundeliebhaber dürfte mit dem Wortinhalt etwas überfordert sein. Besonders störend ist das ständige Jonglieren zwischen Fremdwörtern und wenig anschaulichen Fachausdrücken. Umso anschaulicher sind dafür wiederum die zahlreichen plastischen Fotografien.

Fazit: Dieses Buch hätte so viel mehr zu einer besseren Bindung zwischen Mensch und Hund beitragen können, wenn es mit einer am Menschenleben orientierten Sprache verfasst worden wäre. Schade um das verschenkte Potenzial.

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Tags: hunde, hundetrainer, kommunikation, mimik, verhaltensbiologie   (5)
 

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31 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

meditation, hier und jetzt, spirituelles training, lebenshilfe, spiritualität

Jetzt! Die Kraft der Gegenwart

Eckhart Tolle
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, 15.03.2010
ISBN 9783899013016
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dieses schmale Buch mit seinen 235 Seiten ist äußerst kompakt geschrieben. Nicht ein einziges Wort ist Verschwendung. Eckhart Tolle nimmt sich keine Zeit für persönliche Geschichten oder kleine weise Anekdoten wie die meisten Autoren, die sich der Spiritualität widmen. Diese Episoden am Rande dienen eigentlich der Veranschaulichung des Beschriebenen, der Geist kann sich lockern und kurz Kreise ziehen. Nicht so in „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“, hier muss der Leser am Ball oder im Jetzt! bleiben, sprich im Moment oder in der Gegenwart, um keines der wertvollen Wörter, Sätze und Glieder der spirituellen Kette zu verlieren.

Ein Resultat, das ich für mich aus diesem Buch erarbeitet habe, ist, dass es keinen Zweck hat, gegen eine Situation, einen Schmerz oder eine Krankheit Widerstand zu leisten. Je mehr Widerstand wir leisten, umso negativer wird unser Denken und je negativer wir denken, umso aussichtsloser wird nicht nur unsere Situation, sondern alles lebende Drumherum ebenso.
Wir können diesem kräftezehrenden Kreislauf entfliehen, indem wir lernen, die Situation, den Schmerz oder die Krankheit anzunehmen, uns regelrecht hinzugeben, uns dem was ist einfach zu fügen. Erst, wenn wir lernen uns hinzugeben, werden wir mit jeder ausweglosen Situation Frieden schließen können. Aus diesem Frieden erwächst wie von selbst und ganz natürlich die Lösung unserer Probleme. Diese Lösung würde sich in einem negativen Modus niemals zu erkennen geben.

Wer solch ein glückliches, zufriedenes Leben führen möchte, muss lernen im Jetzt! zu leben, denn der Moment schließt jegliche Negativität aus. Im Moment bzw. im Jetzt! hören wir auf zu denken und wenn wir aufhören zu denken, entziehen wir unserem Ego die Nahrung. Wer bewusst lebt, wer achtsam lebt, der hat seine Gedanken im Griff und braucht nicht krampfhaft nach dem Lösungsschlüssel seiner Probleme zu suchen, er hält ihn bereits in der Hand.

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Tags: achtsamkeit, eckhart tolle, hier und jetzt, jetzt-zeit, meditation   (5)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mentale kraft, meditation

Meditation für Dummies

Stephan Bodian
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Wiley-VCH, 18.05.2011
ISBN 9783527707539
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer oft denkt, dass ausgerechnet ihm ständig schlechte Dinge passieren, wird in diesem Buch erfahren, dass diese Wahrnehmung Blödsinn ist. Denn unser Geist spielt uns einfach einen Streich und wir fallen darauf herein.

Die meisten von uns sind ständig auf der Suche nach Glück, Zufriedenheit, Anerkennung. Das Groteske ist, dass wir das alles und noch viel mehr in uns selbst finden. Die Fessel ist, dass wir außerhalb von uns suchen und glauben, unser Glück in der Liebe, in Geld oder Macht zu finden. Die Lösung ist genauso einfach wie schwierig: Meditation. Dieses Buch hilft, den Schwierigkeitsgrad oder besser gesagt die Hemmschwelle zum Meditieren zu senken. An dieser Stelle lohnt es sich zu betonen, dass man beim Meditieren nichts falsch machen kann, es sei denn, man meditiert nicht!

Außerdem gibt „Meditation für Dummies“ Aufschluss darüber, dass unsere Gesellschaft unter dem Problem leidet, nicht geben zu können, ohne etwas haben zu wollen. Ein selbstlos handelnder Mensch versetzt uns oft in Erstaunen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand etwas ohne persönlichen Vorteil tut. Selbst in der Liebe geben wir nur, um von dem Anderen geliebt zu werden und Selbstliebe verwechseln wir oft mit Selbstsucht. Wenn wir etwas geben, erwarten wir etwas zu bekommen. Zug um Zug. Dieses Zug-um-Zug-Denken erzeugt Druck in uns, stresst uns. Es engt uns ein und sorgt dafür, dass wir stets auf der Suche sind. So komisch es klingt, aber ohne Erwartungen und Wünsche leben wir freier. Wir denken und handeln effizienter, wir sind gesünder, wir leben und lieben intensiver. Wir müssen uns keine Ziele setzen, die Ziele kommen von allein und das ganze Leben mit all seinen Höhen und Tiefen fühlt sich richtig an. Alles ergibt einen Sinn, egal, ob wir gerade auf der Sonnen- oder auf der Schattenseite stehen.

Dieses Buch ist zwar speziell für Anfänger geschrieben, aber für bereits Meditierende ebenso geeignet. Die Meditationserfahrenen berücksichtigt Stephan Bodian immer wieder, indem er darauf hinweist, dass dieses oder jenes Kapitel übersprungen werden kann.

„Meditation für Dummies“ erfreut sich einer klaren Gliederung und wirkt damit sehr übersichtlich auf den Leser. Es ist in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben und der Leser spürt die Empathie des Autors zwischen den Zeilen. Für die eigene Praxis werden viele brauchbare Meditationsübungen und wichtige Alltags-Übungen für zwischendurch (Meditation to go quasi) aus der buddhistischen Achtsamkeitslehre angeboten. Die Sitztechnik ist ein wesentlicher Bestandteil der klassischen Sitzmeditation, weshalb ihr ein ganzes Kapitel gewidmet wurde. Kleine, weise Geschichten umrahmen hin und wieder die Lektionen und steigern nicht nur das Lesevergnügen, sondern auch das Verständnis für uns selbst. 

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

asanas, entspannung, yoga-übungen, gesundheit, yoga

The Science of Yoga

William J. Broad , Maren Klostermann
Fester Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 01.04.2013
ISBN 9783451306853
Genre: Sachbücher

Rezension:

Am Anfang erfährt man etwas über die alte Geschichte des Yoga. Dieser Teil ist unterhaltsam geschrieben, wenn er auch nicht viel Neues bereithält. Dann kam Jagannath G. Gune, einer der ersten Yoga-Revolutionäre, und entmystifizierte Yoga. Er hob erstmals die rein gesundheitlichen Aspekte in den Vordergrund. Die geheimnisvollen Geschichten von Lebendbestattungen, das Anhalten des Herzschlages oder anderen übernatürlichen Yogi-Kräften widerlegte Gune erstmals in seiner umfassenden Studie von 1931.

Es bleibt mir ein Rätsel, warum der Autor über zig Seiten und Studien darüber berichtet, wie lange es dauerte wissenschaftlich festzustellen, dass Yoga keinen Beitrag zur aeroben Leistungsfähigkeit und kardiovaskulären Fitness leistet. Für den Leser wäre es verständlicher geworden, hätte er die vielen Studien zusammengefasst und ein detailliertes Resümee gezogen. Broad erzählt zwar individuell zu jeder Studie eine persönliche Geschichte über den Herausgeber der Studie, über deren Entstehung oder zu den Schwierigkeiten, die sie begleiteten, trotzdem war ich, auf Grund der Fülle der Studien, wenn er plötzlich zwanzig Seiten später von irgendeinem Forschungsleiter sprach, nicht in der Lage herauszufiltern, auf welche Studie er sich speziell bezog. Hinzu kommt, dass die Schreibweise durch das permanente Aufzählen von Studien, Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen, streckenweise trocken ist. Vielleicht liegt es daran, dass Broad Wissenschaftsjournalist ist.

Letztendlich ist es schwierig, einen Überblick über die vielen Recherchen des Autors zu behalten, da er gleichsam alle positiven und negativen Erkenntnisse aus unzähligen Studien rund um Yoga aufführt. Am Ende eines Kapitels stand ich oft da und fragte mich, was an der Asana eigentlich die Vor- und was die Nachteile sind. Durch die breite Palette an Informationen über die unzähligen Studien, blieb mir das Wesentliche oft nicht nur verborgen, sondern verunsicherte mich sogar.

Die Zeit um 2002 läutete insofern einen Wendepunkt in der bis dahin gesundheitlich unbedenklichen Yogawelt ein, als dass man es wagte, öffentlich über körperliche Verletzungen, Nervenschädigungen und Schlaganfälle zu sprechen.

Der Autor erwähnt, dass die meisten Verletzungen bei Yogalehrern selbst auftreten. In diesem Fall hat der Yogalehrer die Lehre des Yogas sozusagen nicht bis ins letzte Glied verstanden. Ein Yogi sollte seinen Verstand nicht mit auf die Matte nehmen. Bleibt er mit den Gedanken ausschließlich in seinem Körper, ist das Verletzungsrisiko äußerst gering, da er in diesem Zustand seinen Körper mit allem was sich richtig und falsch anfühlt, wahrnimmt. Beteiligt sich der Verstand an der auszuführenden Yogastellung, gesellt sich der Ehrgeiz dazu und das Ego gibt vor, wozu der Körper fähig ist und das Ego ist grundsätzlich unersättlich und treibt uns zu Idealen, die wir nicht erfüllen können, was wiederum zu Verletzungen führen kann.

Ein weiterer Punkt, um den es Broad in diesem Buch geht, ist die Tatsache, dass das moderne Yoga kommerziell vermarktet und für Wehwechen jeder Art angepriesen wird. Alle möchten vom Yogakuchen etwas abhaben, deshalb werden Yogalehrer und -Therapeuten am Fließband ausgebildet, ohne staatliche Kontrolle. Manche sogar mit fragwürdigem Doktortitel. Broad spricht speziell die Yogatherapeuten an, die schlimmes anrichten können, wenn Patienten mit einem bestimmten Leiden zu ihnen kommen und sie aus Unwissenheit die falschen Asanas mit dem Patienten ausüben. Yogatherapeuten sollten laut Broad die gleiche Ausbildung wie Physiotherapeuten durchlaufen, um sicher zu gehen, dass nur die guten Seiten des Yoga in die Welt getragen werden.

Zusammengefasst kann man sagen, sollten Sie an einen Yogalehrer geraten, der Ihnen versichert, dass es beim Yoga kein Verletzungsrisiko gibt, dass Yoga für mehr Sauerstoff im Blut sorgt und einen Beitrag zur aeroben Fitness leistet oder dass Yoga schlank macht, obwohl Yoga nachweislich den Stoffwechsel verlangsamt, dann sollten Sie den Yogalehrer wechseln.

Was Yoga wirklich kann, ist, unsere westliche Anspannung mit einer regelmäßigen Dosis östlicher Gelassenheit zu lindern. Unsere Stimmung hellt sich auf und wir fühlen uns durch Yoga ausgeglichener, was wiederum dazu beiträgt, dass das Bedürfnis nach Frust- und Lustessen wirklich nachlässt, weil uns Yoga (richtig ausgeführt)beruhigt und insgesamt bewusster leben lässt. Damit aber nicht genug, denn diese Bewusstheit befreit uns vom Stress und je stressfreier wir sind, umso kreativer und sexuell aktiver werden wir. Nachweislich. Obendrein dehnen und strecken wir unsere Muskeln und Sehnen, die sonst gerne verkümmern und uns im Alter krumm und steif werden lassen.

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Tags: asanas, entspannung, gesundheit, meditation, yoga, yoga-übungen   (6)
 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ego, spiritualität, philosophie, lebenshilfe, erleuchtung

Ego

Osho
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.07.2004
ISBN 9783548741109
Genre: Sachbücher

Rezension:

Während wir in der westlichen Welt mit dem Fortschritt der Technik beschäftigt waren und unser Glück außerhalb von uns selbst suchten, kümmerte man sich in Fernost um die Innenwelt der Individuen. Die Folgen dessen sind, dass der westliche Mensch viel erreicht hat, aber nun von stressbedingten Krankheiten wie Burnout, Depression oder Demenz heimgesucht wird, während die Menschen im Osten zwar rückständig leben, aber zufriedener sind.

Das liegt unter anderem daran, dass uns von Kindesbeinen an erklärt wird, wir sollen ehrgeizig sein, wir sollen nach Idealen streben und wir sollen unsere Ziele niemals aus den Augen verlieren, um es im Leben zu etwas zu bringen. Was machen wir als Kinder? Wir hören auf unsere Eltern und auf die Lehrer, um ihnen zu gefallen und tun wie uns geheißen, weil es alle anderen ebenso tun. Wir lernen viel, wir wissen viel, wir erreichen viel. Aber niemand bringt uns, weder im Kindes- und noch weniger im Erwachsenenalter bei, wie wir zu uns selbst zurück finden können. Wo ist unser Innenleben? Ist da überhaupt etwas in unserem Inneren? Unzählige unter uns verwechseln Befriedigung mit reinem Bewusstsein und stürzen sich in jede erdenkliche Art von Ablenkung. Sei es Unterhaltung durch die mannigfaltige Bandbreite der Medien, sei es durch Freizeitstress oder gerne durch die Arbeit. Und wenn uns das nicht reicht, erfinden wir Probleme, ganz hausgemacht, und alles nur, weil wir Angst haben, unseren Wesenskern zu erforschen, so Osho.

Wir Westler legen viel Wert auf Hygiene, aber die Mentalhygiene, die Reinigung des Geistes, wird uns nicht gelehrt. Ganz im Gegenteil, wer sein Gehirn einmal täglich durch Meditation entleert, wird genauso schief angeguckt, wie jemand, der sich nur einmal am Tag die Zähne putzt (von dem Gebrauch der Zahnseide ganz zu schweigen). Über diesen Schwachsinn freut sich das Ego, auf diesem Nährboden kann es prächtig wachsen und gedeihen und je größer das Ego, umso mehr Ertrag für die Gesellschaft, denn was würde wohl mit unserer Wirtschaft passieren, wenn wir mit dem was wir haben glücklich wären? Wer würde dann noch Dinge kaufen, die er gar nicht benötigt? Was würden die vielen Therapeuten ohne ihre Kranken machen? Und die Politiker erst? Keiner interessiert sich mehr für ihre ungehemmten Machtspielchen, weil jeder zufrieden ist. Unvorstellbar! Unsere Gesellschaft würde zusammenbrechen. Genau darum und um vieles mehr geht es in diesem erhellenden Buch.

Der Übersetzer Ma Prem Rajmani schreibt in seinem Vorwort, dass es nicht einfach war, aus der Fülle von Tausenden von Vorträgen, die Osho im Laufe der Jahre über die komplexe Welt des Egos gehalten hat, das Wesentliche herauszusuchen. Für mein Dafürhalten ist ihm dies aber exzellent gelungen, denn der Inhalt jedes einzelnen Kapitels ist aufschlussreich und die ausgewählten Vorträge bauen methodisch aufeinander auf, sodass dieses Buch für alle, die auf der Suche nach sich sind und zahlreiche Fragen haben, ein lehrreicher Weggefährte ist. 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

stralsund, 19. jahrhundert, anna, malen, berlin

Der Tanz der Kraniche

Judith Kern
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.04.2011
ISBN 9783426507650
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte der jungen Ida aus Stralsund, die auf Hiddensee ihr Glück sucht, lebt und atmet vor allem durch großartige Landschaftsbeschreibungen. Dass der Autorin die kleine Insel ans Herz gewachsen ist, spürt der Leser durch die Zeilen hindurch. Der Kontrast zwischen dem ungestümen Berlin und der ruhigen Insel hat mir besonders gefallen. Anscheinend war das vor einhundert Jahren nicht anders als heute.

Vor dem Hintergrund der Kunst des Malens geht es in diesem Buch um verschiedenartige Liebesbeziehungen, um bewegende Konflikte und um Emanzipation. Während ich die Figur sowohl von Idas Vater als auch von Herbert, Idas Idol aus der Kunstbranche, beim Lesen deutlich vor Augen hatte, fehlte es Ida als Protagonistin ein wenig an Authentizität und Farbe. Ida ist einerseits selbstbewusst genug, ihr Elternhaus zu verlassen und sich ihrem Vater zu widersetzen, um ihren Traum als Künstlerin leben zu können, aber in anderen Lebenssituationen ist sie ängstlich und überfordert. Das ist zwar echt, weil es uns im normalen Leben oft genauso ergeht, aber wir Leser möchten nichts Herkömmliches lesen, denn wir lesen, um unserem konventionellen Leben zu entfliehen. Wir möchten über die Hauptfigur staunen, sie bewundern oder hassen - egal, Hauptsache sie ist außergewöhnlich. Das fehlte mir ein wenig bei Ida. Streckenweise war sie mir etwas zu normal.

Darüber hinaus denke ich, dass gute einhundert Seiten weniger eine positive Wirkung auf die Geschichte gehabt hätten. Sie wäre dadurch straffer und somit spannender geworden. Aber das ist feinstes Jammern auf höchstem Niveau. Man kann dieses Buch mit den Romanen von Rosamunde Pilcher vergleichen und die waren sehr erfolgreich.

Ich würde gerne 3,5 Sterne vergeben, da das nicht möglich ist, vergebe ich vier, denn die Tendenz geht nach oben.

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1.274 Bibliotheken, 52 Leser, 11 Gruppen, 66 Rezensionen

england, 1. weltkrieg, liebe, deutschland, krieg

Sturz der Titanen

Ken Follett , Rainer Schumacher , Dietmar Schmidt , Tina Dreher
Flexibler Einband: 1.038 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 30.03.2012
ISBN 9783404166602
Genre: Historische Romane

Rezension:

Obwohl ich ein großer Ken-Follett-Fan bin, muss ich zugeben, dass mir dieses Buch nicht gefallen hat. Ich fand weder einen Zugang zu der Geschichte, die im ersten Weltkrieg spielt, noch zu den drei Familien aus drei verschiedenen Ländern. Unzählige Male wollte ich das dicke Buch aus der Hand legen, aber mein ungestümes Vertrauen in Ken Folletts Schreibkunst sagte mir, dass es mit Sicherheit noch spannend werden wird. Fehlanzeige.

Die Handlung wurde immer wieder von Folletts persönlich ausgeklügelten, strategischen und schier endlosen Monologen aufgehalten. Vielleicht ist das eine gute Kriegstaktik für den Feind, aber für das Erzählen einer Geschichte ist diese Taktik ungeeignet, denn dadurch bleiben die Charaktere auf der Strecke und für meinen Geschmack sind es interessante Charaktere, die Ken Follett entwickelt hat. Jedoch unterbrach er die Verbindung zwischen den Akteuren und dem Leser solange und so oft, bis die Figuren sekundär und ihre Gefühle belanglos wurden. Inmitten des strategischen Geschwafels erfuhr der Leser irgendwann wie es mit den Personen weiterging, aber nicht lange, denn nun folgten seitenlange politische Ansichten des Autors durch die man sich lesend quälen musste wie die Soldaten durch den Schlamm auf Folletts fiktivem Schlachtfeld.

Im Grunde genommen ist es eine gute Geschichte, wenn da nicht diese mörderischen Monologe gewesen wären, die langsam, aber sicher jeden einzelnen Charakter dieser Geschichte getötet haben.

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Tags: der sturz der titanen, erster weltkrieg, ken follett, strategie, taktik   (5)
 

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(24)

64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

hermann hesse, roßhalde, familie, malerei, klassiker

Roßhalde

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 04.03.1980
ISBN 9783518368121
Genre: Romane

Rezension:

Roßhalde - so heißt das idyllische Anwesen, auf welchem ein Künstlerehepaar mit seinen Söhnen um 1910 lebt. Roßhalde ist so groß, dass sich das an Gefühlen vergrämte Ehepaar aus dem Weg gehen kann. Frau Adele wohnt mit dem kleinen Pierre im Haupthaus. Lediglich zu den Mahlzeiten kommt man zusammen. Albert, der die meiste Zeit im Internat verbringt, hat sich komplett von seinem Vater, dem bekannten Maler Johann Veraguth, abgewendet. Er spürt, dass die Mutter, die er über alles liebt, unter der abgestumpften Ehe leidet und gibt dem Vater die Schuld daran. Wenn Albert die Ferien auf Roßhalde verbringt, meiden sich Vater und Sohn genauso wie es die Eltern das ganze Jahr über tun.

Hermann Hesse beschreibt die unglückliche Ehe mit wenigen Worten, aber so sensibel, dass der Leser genau das empfindet, was die Entfremdeten füreinander fühlen oder besser gesagt nicht mehr fühlen. Der einzige, der etwas Licht und Freude in dieses trübe nebeneinanderher Leben bringt, ist der kleine Pierre. Johann überfällt immer wieder die Angst, auch Pierre an seine Mutter zu verlieren. So kämpfen Mutter und Vater tonlos um die Gunst des aufgeweckten und altklugen Pierres. Bis Pierre plötzlich erkrankt.

Wie kein anderer Autor vermag es Hermann Hesse, Gefühle bildhaft darzustellen. Die Fronten zwischen dem Ehepaar sind in solch einem Maße erkaltet, dass sie gar nicht wissen, wo und wann der emotionale Niedergang zwischen ihnen begonnen hat. Das ist oft so. Jeder kennt das oder hat davon gehört und Hermann Hesse ist in der Lage, dieses Gefühlsknäuel nicht nur aufzulösen, sondern in literarischer Feinheit so zu schildern, dass der Leser wahrlich berührt ist. Das gleiche gilt auch für die Landschaften, die er beschreibt. Das Anwesen Roßhalde gibt Hesse derart wirklichkeitsnah wieder, dass man glaubt, selbst im Garten von Roßhalde, an dem kleinen See oder im Atelier des Malers zu sitzen.

Auf Grund der Virtuosität mit der Hesse es versteht zu beschreiben, wirkt diese Geschichte bedrückend. Der Leser sollte sich bewusst sein, dass es um schwermütige Emotionen geht und dass der Autor durchaus im Stande ist, die Gefühle seiner Leser aufzuwühlen.

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Tags: beziehungsdrama, hermann hesse, künstler, malerei, roßhalde   (5)
 

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mittelalter, england, historisches, politische konflikte, bibel

Die Brillenmacherin

Titus Müller
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 13.12.2006
ISBN 9783746622880
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der Brillenmacherin Catherine Rowe wird im England 1387 übel mitgespielt. Um ihren ermordeten Ehemann Elias zu rächen, gerät sie unfreiwillig zwischen die Fronten der Kirche und eines Ritterbundes. Der Gegenstand der Auseinandersetzung ist die Übersetzung der Bibel ins Englische, die die Kirche mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Catherine ist jung und durchschaut das politische Spiel um Macht und Intrigen noch nicht, fällt diesem gefährlichen Kampf immer wieder zum Opfer und verliert so ziemlich alles, was man verlieren kann.

Durch die vielen, meist negativen Geschehnisse, denen Catherine ausgesetzt ist, ist die Handlung zwar kurzweilig, wirkte auf mich an einigen Stellen aber etwas unglaubwürdig. Vermutlich wäre das Buch stärker geworden, wenn der Protagonistin etwas weniger zugestoßen wäre.

Bemerkenswert sind die Bemühungen des Autors den besonderen Ausdruck zu suchen, zu finden und an passender Stelle zu positionieren. Die Geschichte der Brillenmacherin wird in einer ausgefeilten Sprache erzählt. Wofür andere Autoren mehrere Sätze benötigen, kommt Titus Müller mit einem treffsicheren Adjektiv aus. Manchmal sind es gewagte Adjektive, aber wenn der Autor die Gabe besitzt, sie anschmiegsam einzusetzen, rundet es das Leseerlebnis harmonisch ab. Und Titus Müller besitzt diese Gabe definitiv. 

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Tags: bibel, brillenmacher, england, mittelalter, politische konflikte   (5)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

buddhismus, mbsr-methode, trainingspläne, achtsamkeit, meditationstechniken

Achtsamkeitstraining (mit CD)

Jan Eßwein
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Gräfe u. Unzer, 13.12.2010
ISBN 9783833818295
Genre: Sachbücher

Rezension:

Jan Eßwein stellt die MBSR-Methode, die er selbst unterrichtet, in diesem Buch vor. Man kann komplett nach diesem methodischen Programm trainieren, um Stress abzubauen und den Dingen des Alltags mit einem Lächeln, statt Sorgenfalten, zu begegnen – man kann sich aber auch einzelne Übungen zum täglichen Trainieren herauspicken, die allesamt in dem Buch ausführlich in Wort, begleitet von hervorragenden Fotos, sowie zusätzlich auf einer CD vorgestellt werden. Egal wofür man sich entscheidet - Hauptsache, man übt sich in Achtsamkeit, denn das ist der einzig wahre Weg zum Glücklichsein. Wer sich auf den Weg der Achtsamkeit begibt, spürt irgendwann das Leben in sich und um sich herum und jagt keinen Erlebnissen oder Erfolgen mehr nach, denn wir selbst sind der Erfolg und das Erlebnis, wonach wir ständig suchen. 

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Tags: achtsamkeit, buddhismus, mbsr-methode, meditationstechniken, trainingspläne   (5)
 

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89 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

robert gwisdek, selbstfindung, 100 tage, schuld, gwisdek

Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2014
ISBN 9783462046410
Genre: Romane

Rezension:

Mich bewegt die Frage, inwieweit der Autor Robert Gwisdek sich mit der Philosophie des Buddhismus beschäftigt, denn mit diesem Buch ist es ihm wunderbar gelungen, den buddhistischen Weg darzustellen. Wer verstanden hat, dass 1+1=1 ist, der versteht auch dieses Buch und die Lehre des Buddhismus, denn derjenige ist nicht eingeschränkt durch seine Gedanken, denjenigen treibt „sein Geist nicht mehr in enge Gassen“, wie Gwisdek es so schön beschreibt. Derjenige findet seinen Kreis, sprich sein inneres Gleichgewicht. Den Kreis können wir allerdings nicht durch unseren Verstand bezähmen, sondern nur über unser Herz erreichen, genau wie der Protagonist Igor es uns vormacht.

Hervorragend dargestellt ist unter anderem der furchteinflößende Koch mit den schwieligen Fingern und der Zustand des hungrigen Igors, der begreift, dass er eine Situation annehmen muss, wenn er nicht in der Lage ist, sie zu ändern und der erkennt, dass wir uns viel zu viel von Äußerlichkeiten leiten lassen, weil wir alles und jeden bewerten, was uns oft in die Irre führt. Ebenso erwähnenswert ist das Verhältnis Igors zu dem liebenswerten, in sich ruhenden Liftboy während der nicht enden wollenden Fahrstuhlfahrt, wo dieser, nur ALLEIN durch Igors negative Gedanken, plötzlich zu einem Massenmörder avanciert. Genau das spiegelt Buddhas Erkenntnis wider: Unser Geist erzeugt unsere Welt.

Eine weitere Anschauung des Buddhismus sind die drei Geistesgifte, unter denen die Menschheit leidet: Gier, Wut und Verblendung. Charakterisiert werden die drei Geistesgifte durch die drei Gefangenen, die Igor befreit und bittet mit ihm zu gehen. Auch diese Anschauung ist brillant umgesetzt.

Noch ein Wort zu dem angespannten Verhältnis zwischen den Kreisen und den Dreiecken. Der Kreis ist immer in Bewegung, denn alles ist im Fluss entsprechend des Buddhismus. Das Dreieck ist auf Stabilität aus, weil unsere Gesellschaft Stabilität braucht. Der Kreis symbolisiert den Menschen, der zu sich selbst gefunden hat und sich immer in seinem inneren Gleichgewicht befindet. Dieser Mensch ist in der Lage fast ohne die Gesellschaft auszukommen, weil er nahezu keine Bedürfnisse hegt. Ein Mensch ohne Bedürfnisse ist aber das Ende unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Der schwingende Kreis (Herz) kann also das stabile Dreieck (Verstand) ins Wanken bringen und damit das nicht passiert, müssen die Dreiecke die Kreise vernichten.

Mir gefällt bei Gwisdek, dass er seine Philosophie nimmt und eine Geschichte um sie herum baut, um so seine Philosophie teilen zu können. Ganz anders als bei Dostojewski in „Die Brüder Karamasow“, wo der Autor eine Geschichte erfindet und seine Philosophie solange in die Geschichte stopft bis die Geschichte vor Anomalie fast platzt. Gwisdek erreicht dadurch eine hervorragende Balance zwischen Literatur und Philosophie und die ausgefeilte Sprache, welcher sich Gwisdek bedient, lässt dieses Buch wie einen kleinen Stern am Literaturhimmel aufleuchten. 

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Tags: buddhismus, gesellschaft, gwisdek, philiosophie, selbstfindung   (5)
 

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73 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

russland, klassiker, dostojewski, die brüder karamasow, antipode

Die Brüder Karamasow

Fjodor M. Dostojewski , Swetlana Geier
Fester Einband: 1.280 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 04.11.2010
ISBN 9783100154057
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Familie Karamasow mit den Brüdern Dmitri, dem überspannten und verdächtigen Vatermörder, Iwan, dem studierten Agnostiker und Alexej, dem warmherzigen Novizen sowie deren nichtsnutziger und widerwärtiger Vater Fjodor stehen kurz gesagt für die damaligen gesellschaftlichen und politischen Missstände in Russland. Und nicht zu vergessen, Smerdjakow, der Halbruder der drei Halbbrüder, der eine gewichtige Rolle in diesem umfassenden Buch einnimmt.

Zugegebener Maßen ist die Dialektik in Dostojewskis Werk nicht zu übersehen, aber mir ist der kompakte Roman zu speziell-individuell, was wohl auch der Grund dafür ist, dass viele alte und neue Philosophen für „Die Brüder Karamasow“ schwärmen. Durch den überwiegend philosophischen Anteil kommt meiner Ansicht nach die literarische Seite zu kurz, sodass die Unterhaltung des philosophisch unbedarften Lesers bei Dostojewski auf der Strecke bleibt und dieses Werk in seiner ganzen Weite somit nur einem eingeschränkten Leserpublikum vorbehalten ist.

Für meinen Geschmack sind Dostojewskis Figuren so überspitzt dargestellt, dass sie schon unnatürlich wirken, fast wie eine Farce. (Wobei man bedenken sollte, dass Dostojewski genau das beabsichtigt haben könnte.) Das fängt bei der Sprache an und hört bei den manchmal schon schizophren wirkenden Handlungen auf. Tolstois „Anna Karenina“ wurde um die gleiche Zeit geschrieben und beschäftigt sich, großzügig betrachtet, ebenfalls mit dem damaligen russischen System, aber auf eine heiter-ironische Art und nicht wie bei Dostojewski in fahrig-wirrer Weise.

Auf den über 1000 Seiten gibt es vielleicht zwei Landschaftsbeschreibungen. Auch Häuser, Räume, geschweige denn Dörfer oder Städte werden so gut wie gar nicht oder irgendwie nur trist und dunkel am Rande beschrieben, sodass man beim Lesen immer in einen etwas depressiven Zustand verfällt. Bis auf den Gerichtssaal am Ende der Geschichte, als es endlich zu dem Prozess um den Vatermörder kommt, hier gibt sich der Autor plötzlich Beschreibungen in allerhöchstem Maße hin. Nicht nur der Gerichtssaal, auch die Personen werden in ausführlichster Weise beschrieben. Nehmen wir zum Beispiel Doktor Herzenstube, den der Leser im ersten Drittel des Buches kennenlernt und der sporadisch immer wieder Mal auftaucht, jedoch nie wirklich an der Geschichte beteiligt ist, dieser Doktor wird nun zum Schluss so detailliert beschrieben, als würde Dostojewski eine neue Figur einführen.

Oft hatte ich den Eindruck, Dostojewskis Romanpersonal springt kreuz und quer durch die Geschichte, was wahrscheinlich durch den Umstand begünstigt wurde, dass der Autor seine Figuren hervorholt und wieder verschwinden lässt, wie es ihm gerade passt, was dem Leser allerdings erschwert, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Die einzige Figur, mit der ich mich identifizieren konnte, war Alexej. Ohne ihn hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht zu Ende lesen können. Er war immer ein kleiner Lichtblick in diesem trostlosen Theater (auch das könnte durchaus von Seiten des Autors beabsichtigt gewesen sein).

Die unnatürlichen Dialoge, die mitunter in seitenweise Monologe ausufern, erschwerten zusätzlich meinen Lesefluss. Niemand, auch nicht in Russland um 1870, spricht so debil wie Dostojewskis Figuren. Nehmen wir nur einmal das Wort „Täubchen“, welches gefühlte 250 Mal im Buch vorkommt. Jeder wird von jedem wenigstens einmal als Täubchen betitelt. Und warum bedient sich ein Autor überhaupt unablässig des Diminutivs? Jedes fünfte Wort wird durch die Endung „chen“ künstlich verniedlicht. Härchen, Witwchen Augenblickchen, Nötchen,
Verschen etc.

Selbstverständlich spielt Gott in diesem philosophischen Drama eine große Rolle. Am interessantesten fand ich Kolja Krasotkins Einstellung zu Gott. Der fast vierzehnjährige, vollkommen überreife Junge, ist der Auffassung, dass Gott nur rein hypothetisch, aber trotzdem wichtig für die Menschen ist, denn sie brauchen ihn für ihre innere Ordnung und damit für die Weltordnung. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es sich zwar um ein großartiges Werk handelt, dass es Dostojewski allerdings nur eingeschränkt gelungen ist, eine Brücke zwischen Philosophie und Literatur zu schlagen. 

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Tags: die brüder karamasow, dostojewski, gesellschaftskritik, philosophie, russland, weltliteratur   (6)
 

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547 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

italien, liebe, oper, lucinda riley, musik

Das italienische Mädchen

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 10.03.2014
ISBN 9783442480098
Genre: Romane

Rezension:

Roberto Rossini, der gutaussehende Opernsänger, verführt jede attraktive Frau mittels seines Charmes und seiner Zärtlichkeit. Bei Rosanna, deren außergewöhnliche Stimme er entdeckte, als sie elf Jahre alt war, gestaltet sich das spätere Verführen als erwachsene Frau allerdings viel schwieriger, was den singenden Gockel natürlich nur noch mehr reizt und so kommt es wie es kommen muss: Die beiden heiraten und alle haben Angst um das zarte Küken Rosanna. Die meisten Sorgen macht sich ihr warmherziger Bruder Luca, der sich, anstelle der Eltern, die nur mit sich und ihrem Café in Neapel beschäftigt sind, ihre Gesangsstunden in seiner Jugend vom Munde abspart und immer ihr Fels in der Brandung ist.

Ehemann Roberto hingegen liebt das Extreme und so ist seine Liebe zu Rosanna ebenfalls extrem. Extrem egoistisch und extrem hingebungsvoll. Die sensible Rosanna taumelt zwischen den Extremen und verliert die Orientierung. Robertos Empfindungen für Rosanna, aber auch für all die anderen Frauen, sind nachvollziehbar und abstoßend zugleich beschrieben, denn die Autorin versteht es, die, aus den Gefühlen resultierenden Beziehungen, authentisch und ohne, dass es schmalzig wird, darzustellen.

Die Geschichte ist wahrlich nicht anspruchsvoll: Unglückliche Lieben, ungeplante Kinder, überraschende Tode gepaart mit Macht, Sex und Karriere, aber Lucinda Riley besitzt die Gabe, dem Leser die Klischees unaufdringlich und in sich schlüssig durch viele Nebenstränge unterzujubeln. Man fühlt sich sogar in der Opern-Welt heimisch, selbst wenn einem das Faible für Opern fehlt. Außerdem entführt sie den Leser geschickt an den jeweiligen Schauplatz der Geschichte und verleiht ihm das Gefühl mittendrin, statt nur dabei, zu sein.

Durch ihre sanfte, souveräne Art zu erzählen, hält Riley den Leser nicht nur bei der Stange, sondern weckt sogar seine Neugier, sodass die Geschichte zu keiner Zeit langatmig wird - an der einen oder anderen Stelle jedoch vorhersehbar ist, was sich bei der Fülle der Klischees allerdings nur schwer vermeiden lässt. Trotzdem glaube ich, dass dieses Buch nicht nur für eingefleischte Romantiker lesenswert ist und interessanterweise erwartet den Leser fürwahr kein Happyend im klassischen Sinne.  

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Tags: liebesroman, opern, romantik, schürzenjäger, unglückliche ehe   (5)
 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

weltressourcen, öl, andreas eschbach, erdölbohrung, thriller

Ausgebrannt

Andreas Eschbach
E-Buch Text: 753 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 13.11.2010
ISBN 9783838706030
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was passiert eigentlich, wenn uns Bewohnern dieser Erde das Öl ausgeht? Der Autor Andreas Eschbach ist dieser Frage nachgegangen und herauskam eine Geschichte, die so mannigfaltig ist, dass bei mir zu keiner Zeit lange Leseweile aufkam.

In unserer zivilisierten, schnelllebigen Welt geht fast nichts ohne Öl, aber niemandem ist diese Tatsache bewusst und so leben wir verschwenderisch vor uns hin. Genau wie es das Romanpersonal von Andreas Eschbach mit dem Protagonisten Markus Westermann tut, der von einem Bürotower in Amerika träumt, auf dessen Glasfassade sein Name prangt. Der einzige Unterschied zu uns - Markus und der Rest der Welt müssen sich in diesem Buch augenblicklich was einfallen lassen, um zukünftig ohne Erdöl existieren zu können und das tun sie nach Anleitung des Autors dann auch. Ob es nun mehrere Mitglieder aus Markus Familie sind oder der nicht studierte österreichische Ölspezialist Karl Walter Block, ob es Markus asiatische Geliebte Amy-Lee ist oder die CIA oder die Saudis oder, oder ... Es gibt reichlich Charaktere in diesem Buch und allesamt wirkten sie in diesem Öl-Szenario authentisch auf mich. Umso mehr war ich über den etwas abrupten Ausstieg einiger Akteure überrascht. Ich hatte das Gefühl, dass der Autor, ab einem gewissen Zeitpunkt, die umfangreiche Geschichte willkürlich zum Ende bringen musste.

Trotz der vielen Seitenstränge und Zeitebenen bleibt die Handlung immer logisch und nachvollziehbar. Mitunter überfiel mich zwar die Angst, den roten Faden rund um das schwarze Gold zu verlieren, aber Andreas Eschbach nimmt seine Leser vertrauensvoll an die Hand und führt sie souverän durch die Geschichte der Geschichten, bis sie sich vereinen – die Geschichten. Dazu tragen sicherlich die klare Schreibweise und kurzen, übersichtlichen Kapitel sowie die Bemühung, Infodump weitgehend zu vermeiden, jeweils ihren Teil bei.

Zusammengefasst kann ich sagen: „Ausgebrannt“ ist ein dickes Buch mit einem fetten Thema, ich welchem sich die Spannung auf fast keiner Seite verdünnisiert.

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Tags: andreas eschbach, ausgebrannt, erdölbohrung, thriller, weltressourcen   (5)
 

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789 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 35 Rezensionen

schach, klassiker, novelle, nationalsozialismus, gefangenschaft

Schachnovelle

Stefan Zweig
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.1987
ISBN 9783596215225
Genre: Klassiker

Rezension:

Es ist erstaunlich, wie Stefan Zweig es auf so wenigen Seiten schafft, Charaktere von solch umfassender Größe darzustellen. Auf etwas über fünfzig Seiten erzählt er die Geschichte zweier Menschen so knapp und doch so tiefschürfend, dass sie einen ergreifenden, nachhaltigen Eindruck bei dem Leser hinterlässt.

Der amtierende, unbeliebte Schachweltmeister Mirko Czentovic verkörpert mit seinem einfältigen Scharfsinn, der sich obendrein mit habgieriger Arroganz paart, den Schachinator in diesem intelligenten Intermezzo. Der gelehrte und sensible Dr. B aus Österreich ist sein Gegenspieler par excellance. Er wurde während seiner Gefangenschaft von den Nazis durch das dunkle und allumfassende „Nichts“ in einem Hotelzimmer geistig ausgesaugt bis sich ihm endlich, nach einem halben Jahr der völligen Isolation, die Gelegenheit bot, aus der Manteltasche einer NS-Uniform ein Schachbuch zu stehlen. Von nun an malträtiert er heimlich seinen eingesperrten Geist mit Schachpartien aus diesem Buch bis er in einen schizophrenen Schachkampf zwischen Schwarz und Weiß fällt.

Meiner Meinung nach zeigt die „Schachnovelle“ einige autobiographische Züge Stefan Zweigs auf, denn der österreichische Autor sah sich durch seine Emigration nach Brasilien, wo die „Schachnovelle“ entstand, gleichermaßen wie Dr. B in seinem vergitterten Hotelzimmer, als ein Gefangener in einem scheinbar goldenen Käfig. Die Umgebung der Gefangenschaft befand sich von außen betrachtet natürlich in einem wertbeständigen Zustand, aber im Inneren fühlte Stefan Zweig wahrscheinlich wie Dr. B das allumfassende Nichts, weil ihm Heimat und Freunde fehlten und weil ihm der Glaube an Kunst und Menschheit durch den Krieg verloren gegangen war. Zweigs Freunde berichteten immer wieder, dass die Situation während des 1. Weltkrieges bereits an den Kräften des feinfühligen Autors zehrte. Der 2. Weltkrieg jedoch mit der Judenverfolgung, der Verbrennung seiner Bücher und der Vertreibung aus seiner europäischen Heimat, hatte ihm nicht nur den Boden unter den Füßen weggerissen, sondern ihn förmlich entwurzelt.

Genau wie Dr. B am Ende der Geschichte den eisernen Entschluss fasst, sich nie wieder dem strategischen Brettspiel zu widmen, um sein schwarzes und sein weißes Ich im wahrsten Sinne des Wortes in Schach zu halten, um somit dem sonst vorhersehbaren Wahnsinn zu entgehen, so sehe ich hier Parallelen zu der traurigen, persönlichen Resolution Stefan Zweigs für seinen Freitod im Februar 1942. 

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Tags: gefangenschaft, nationalsozialismus, schach, schizophrenie, stefan zweig   (5)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

denken, buddhismus, stressbewältigung, meditation, gedankenwelt

Die Kunst des Nichtdenkens

Ryunosuke Koike , Nora Bierich
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 16.04.2013
ISBN 9783866123540
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Volkskrankheit namens Denken macht uns unwissend und senil und nicht nur das, wir vergeuden auch noch viel zu viel Zeit mit ihr. Daher fragen wir uns am Ende eines Ereignisses oft, wo die Zeit geblieben ist. Sie ist in unserem Denken oder „Rauschen“, wie Koike es nennt, untergegangen, denn unser fortwährendes Denken überlagert oder überrauscht alle unsere Sinne. Man könnte auch sagen, wir denken kreisförmig, wie in einem Karussell, das wir nicht anhalten können. Ein Reiz trifft auf den anderen und setzt die nächste Karussellrunde bzw. Denkkette in Gang und der Karussellbetreiber, sprich die Gesellschaft, freut sich über das gute Geschäft mit der Denksucht der Menschen, die laut dem Autor des Buches durch die drei Geistesgifte Wut, Gier und Verblendung angestachelt wird.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten aus dem Karussell des Leidens auszusteigen und das „Rauschen“, sprich den Fahrtwind des Karussells, zu stoppen, sodass sich unsere Gedanken nicht mehr in einem Kreis befinden, sondern auf einer geraden Strecke, wo sie ruhig in Reih und Glied stehen und einer nach dem anderen geordnet zu uns kommen kann, wenn wir es erlauben.

Der junge Mönch und Autor Ryunosuke Koike zeigt in seinem Buch den buddhistischen Weg, um von der Krankheit Denken zu genesen. Als erstes sollten wir damit beginnen, unsere fünf Sinne wieder zu aktivieren, also uns in Achtsamkeit üben, denn diese Maßnahme holt uns ins die Gegenwart zurück und wir denken weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft und aktivieren somit den sechsten, buddhistischen Sinn, den Sinn der Geisteskraft. Aber wir sollten nicht nur auf uns achten, sondern auch auf den Umgang mit anderen Menschen, denn wenn wir Gutes für unsere Mitmenschen tun, tun wir auch Gutes für uns.

Und an dieser Stelle bin ich ins Stolpern geraten, denn in dem Kapitel, in welchem es um das Anhäufen von Besitz und des Loslassens des Besitzes geht, erzählt der Autor, dass er sein Fahrrad stets im Garten abstellt und es dort hin und wieder gestohlen wird. Da ihn der Verlust nicht berührt, denkt er gar nicht daran, es künftig abzuschließen. Wenn ich allerdings die buddhistische Lehre für mich richtig verstanden habe, geht es darum, nicht nur die eigenen Leiden, sondern auch die Leiden unserer Mitmenschen zu verringern. Ein unabgeschlossenes Fahrrad ist jedoch eine Verlockung für den Dieb, wenn nicht sogar eine Aufforderung, und ruft ein Ansteigen seines Leidens, dem Leiden der Gier, hervor, was nach meinem Verständnis wiederum nicht im buddhistischen Sinne ist. Aber das ist nur mein persönliches Empfinden und schwächt den Inhalt des Buches in keiner Weise ab.

Manchmal bedient sich Ryunosuke Koike einer etwas frappanten Ausdrucksweise. Vielleicht um die alten Lehren zeitgemäßer an den Leser zu bringen. Für diese Theorie spricht auch das Kapitel, welches sich mit dem Umgang von E-Mails und dem Verhalten in sozialen Netzwerken beschäftigt. Alles in allem hat der Autor eine moderne Anleitung zum Glücklichsein nach alten Lehren unter zeitgenössischen Bedingungen verfasst.

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Ich finde, auch optisch wirkt es wertvoll durch seine fast quadratische Form mit den rot eingeschlagenen Innendeckeln, den japanischen Schriftzeichen auf jeder Seite und dem goldenen Lesebändchen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für die Lehren des Buddhismus interessiert oder wieder zurück zu sich selbst finden möchte.

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Tags: buddhismus, denken, gedankenwelt, meditation, stressbewältigung   (5)
 

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(2.397)

2.557 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

jakobsweg, hape kerkeling, humor, pilgern, spanien

Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling
Fester Einband: 405 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.09.2010
ISBN 9783492259736
Genre: Sachbücher

Rezension:

In den beschwerlich schönen Stunden auf dem 600 Kilometer langen Fußmarsch von Frankreich bis Spanien denkt Hape Kerkeling, der bekannte deutsche Entertainer mit dem natürlichen Charme, viel über sich, über den Tod und über den Sinn des Lebens nach und kommt dabei letztendlich stets auf Gott zurück - wer oder was auch immer Gott sein soll. Der Leser darf an all diesen von amüsant bis tief gehenden Gedanken und selbst an der Auseinandersetzung mit seinem Ego teilhaben.

Auf dem Jakobsweg grenzt sich Hape Kerkeling ein wenig aus, indem er komfortable Hotelzimmer den Pilgerherbergen mit Gemeinschaftsschlafsälen vorzieht. Bei Tage lernt er auf seinem Marsch zwar ein paar Pilger kennen, aber meistens sind diese nicht nach seinem Geschmack. Auf jeden Fall sind die Kontakte mit anderen Pilgern unterhaltsam beschrieben, sodass es für den Leser an keiner Stelle langweilig wird. Sogar seinem Schatten, der aus Remscheid stammt, begegnet der Autor auf seiner Pilgerreise und sofort hat er den passenden Namen gefunden: Schnabbel. Aber den ersten Teil des Weges verbringt er eben häufig allein und sehnt sich nach Bekanntschaften mit für ihn interessanten Menschen, welche er letzten Endes natürlich finden wird.

Allein die Tatsache, dass nur 15 Prozent der Pilger den Jakobsweg bis zum Ende laufen, sagt viel über den Weg aus, denn man wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit allein bewältigen müssen, auch wenn der Beginn der Reise zu zweit oder in einer Gruppe angetreten wird. Früher oder später trennen sich die meisten Paare auf dem Weg, manche sogar für den Rest ihres Lebens. Es scheint ein Tribut des Camino de Santiago zu sein, wenigstens einen Teil der Strecke allein zu beschreiten.

Immer wieder hört man, dass der Jakobsweg den Menschen verändert. Wer pilgert, der denkt. Der Pilger, hier namentlich Hans-Peter Kerkeling, aber auch im Allgemeinen, lernt seinen Körper kennen, lernt seinen Geist kennen und lernt beides in Einklang zu bringen. Er lernt seine Grenzen kennen und diese zu verschieben. Das Pilgern ist eine intime Achterbahnfahrt durch sämtliche Gefühle, körperlicher oder geistiger Natur. Da kommen Emotionen hoch, von denen man gar nicht wusste, dass diese in einem schlummern. Auf dem holprigen Pilgerpfad entdeckt man nicht nur die Schönheiten der Natur, sondern auch sich selbst ganz neu.

Der Autor hat jedem Etappenziel ein einzelnes Kapitel mit Datum und Ort gewidmet. Neben den hier beschriebenen physischen Schmerzen und philosophischen Erkenntnissen geschehen manchmal aber auch wahrhaft wahnwitzige Ereignisse und am Ende eines jeden Kapitels folgt immer die „Erkenntnis des Tages“, sodass das Buch in kurzweiliger Art und Weise zum Nachdenken anregt und mit Sicherheit Spuren beim Leser hinterlässt. 

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Tags: hape kerkeling, herausforderung, jakobsweg, liebe zu gott, selbstfindung   (5)
 

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(67)

154 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 7 Rezensionen

jane austen, klassiker, liebe, england, frauen

Gefühl und Verstand

Jane Austen , Erika Gröger
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 25.06.1991
ISBN 9783257219647
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Epoche, in der „Verstand und Gefühl“ geschrieben wurde, war eine Zeit, die einem heute nur schwer zugänglich und wenig verständlich erscheint. In der damaligen englischen Mittelschicht drehte sich alles ausschließlich um Geld, um gesellschaftliches Ansehen und um erfolgreiches Heiraten. Marianne, die jüngere der heiratsfähigen Schwestern Dashwood verkörpert in dieser Geschichte die Frau mit dem Hang zu überschwänglichen, unkontrollierbaren Gefühlen, denen sie sich nur allzu gerne hingibt. Den Gegensatz dazu stellt ihre Schwester Elinor, der von der Autorin die Rolle des personifizierten Verstandes zugeteilt wurde, dar. Jane Austen verleiht beiden Schwestern viel Sympathie - umso mehr trifft es den Leser, dass sowohl Marianne als auch Elinor von den zur Heirat auserkorenen Männern schwer enttäuscht werden. Ein großer Teil des Buches besteht darin, dem Leser die feinen und zugleich gravierenden Unterschiede des Umganges mit dem gleichen Los der Schwestern zu zeigen.

Die gestelzte, alte Schreibweise verlangte höchste Konzentration, was mein Lesevergnügen stark beeinträchtigte. Da fehlte jede Lebendigkeit im Satz, weil die vielen Substantive die armen Sätze förmlich im Passiv erdrückten. Manche Sätze erstreckten sich über die Länge einer halben Kindle-Seite. Ich konnte mich leider viel zu oft nicht auf die Charaktere einlassen, da ich häufig damit beschäftigt war, den Sinn einzelner Sätze zu erfassen. Aber ich wollte das Buch unbedingt lesen, da ich daran interessiert war, zu erfahren, welche Art von Problemen die Leute, insbesondere die Frauen, vor über 200 Jahren bewältigen mussten. Es ist erstaunlich, wie viel die Menschen damals eingefädelt oder sich zusammengereimt haben, wenn es ums Heiraten ging. Ohne etwas von dem anderen zu wissen, geschweige denn mit dem oder der Auserwählten über eine eventuell anstehende Hochzeit offen zu sprechen, wurde hinter dem Rücken der jungen Leute angeblich etwas beobachtet, vermutet oder dazu gedichtet. Die Auserwählten bemerkten die Reaktion der sie umgebenden Gesellschaft und nach Abwägen der finanziellen Situation des Paares mit positivem Ergebnis, stand der jungen Liebe nichts mehr im Weg und alle waren glücklich, weil nun getan werden konnte, was getan werden musste. Sollte sich jemand den ausbaldowerten Plänen jedoch widersetzen, so drohte ihm das gesellschaftliche Aus.

Viel Freude hatte ich an der Nebenfigur der Mrs. Jennings. Diese köstlich beschriebene alte Klatschtante mit einem Mund, der genauso groß ist wie ihr Herz, verfügte über die gesamte Bandbreite von possierlich bis schrullig und brachte die damaligen Gegebenheiten der Gesellschaft in ihrer Rolle deutlich zum Ausdruck.

Zwischen den verschachtelten Passivsätzen, die wohl der damaligen Zeit zuzuschreiben sind, spürt der Leser trotzdem deutlich Jane Austens feines Gespür für Menschen. Es geht zwar nur um Liebe, ums Heiraten und um Gefühle, aber der Roman ist keinesfalls schnulzig. Allerdings hätten es für meinen Geschmack ein paar Landschaftsbeschreibungen mehr sein können, um die gesellschaftskritische Geschichte noch ein wenig aufzulockern. Jane Austen war mit Sicherheit eine gute Schriftstellerin, aber ich tue mich leider mit der Schreibweise schwer, sodass ich die Verfilmung ihrer Bücher vorziehe. 

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Tags: ehe, gefühl, gesellschaftskritik, jane austen, verstand   (5)
 
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