janett_marposnel

janett_marposnels Bibliothek

310 Bücher, 144 Rezensionen

Zu janett_marposnels Profil
Filtern nach
310 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

meditation, hier und jetzt, lebenshilfe, achtsamkeit, gegenwar

Jetzt! Die Kraft der Gegenwart

Eckhart Tolle
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, 15.03.2010
ISBN 9783899013016
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dieses schmale Buch mit seinen 235 Seiten ist äußerst kompakt geschrieben. Nicht ein einziges Wort ist Verschwendung. Eckhart Tolle nimmt sich keine Zeit für persönliche Geschichten oder kleine weise Anekdoten wie die meisten Autoren, die sich der Spiritualität widmen. Diese Episoden am Rande dienen eigentlich der Veranschaulichung des Beschriebenen, der Geist kann sich lockern und kurz Kreise ziehen. Nicht so in „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“, hier muss der Leser am Ball oder im Jetzt! bleiben, sprich im Moment oder in der Gegenwart, um keines der wertvollen Wörter, Sätze und Glieder der spirituellen Kette zu verlieren.

Ein Resultat, das ich für mich aus diesem Buch erarbeitet habe, ist, dass es keinen Zweck hat, gegen eine Situation, einen Schmerz oder eine Krankheit Widerstand zu leisten. Je mehr Widerstand wir leisten, umso negativer wird unser Denken und je negativer wir denken, umso aussichtsloser wird nicht nur unsere Situation, sondern alles lebende Drumherum ebenso.
Wir können diesem kräftezehrenden Kreislauf entfliehen, indem wir lernen, die Situation, den Schmerz oder die Krankheit anzunehmen, uns regelrecht hinzugeben, uns dem was ist einfach zu fügen. Erst, wenn wir lernen uns hinzugeben, werden wir mit jeder ausweglosen Situation Frieden schließen können. Aus diesem Frieden erwächst wie von selbst und ganz natürlich die Lösung unserer Probleme. Diese Lösung würde sich in einem negativen Modus niemals zu erkennen geben.

Wer solch ein glückliches, zufriedenes Leben führen möchte, muss lernen im Jetzt! zu leben, denn der Moment schließt jegliche Negativität aus. Im Moment bzw. im Jetzt! hören wir auf zu denken und wenn wir aufhören zu denken, entziehen wir unserem Ego die Nahrung. Wer bewusst lebt, wer achtsam lebt, der hat seine Gedanken im Griff und braucht nicht krampfhaft nach dem Lösungsschlüssel seiner Probleme zu suchen, er hält ihn bereits in der Hand.

  (0)
Tags: achtsamkeit, eckhart tolle, hier und jetzt, jetzt-zeit, meditation   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mentale kraft, meditation

Meditation für Dummies

Stephan Bodian
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Wiley-VCH, 18.05.2011
ISBN 9783527707539
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer oft denkt, dass ausgerechnet ihm ständig schlechte Dinge passieren, wird in diesem Buch erfahren, dass diese Wahrnehmung Blödsinn ist. Denn unser Geist spielt uns einfach einen Streich und wir fallen darauf herein.

Die meisten von uns sind ständig auf der Suche nach Glück, Zufriedenheit, Anerkennung. Das Groteske ist, dass wir das alles und noch viel mehr in uns selbst finden. Die Fessel ist, dass wir außerhalb von uns suchen und glauben, unser Glück in der Liebe, in Geld oder Macht zu finden. Die Lösung ist genauso einfach wie schwierig: Meditation. Dieses Buch hilft, den Schwierigkeitsgrad oder besser gesagt die Hemmschwelle zum Meditieren zu senken. An dieser Stelle lohnt es sich zu betonen, dass man beim Meditieren nichts falsch machen kann, es sei denn, man meditiert nicht!

Außerdem gibt „Meditation für Dummies“ Aufschluss darüber, dass unsere Gesellschaft unter dem Problem leidet, nicht geben zu können, ohne etwas haben zu wollen. Ein selbstlos handelnder Mensch versetzt uns oft in Erstaunen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand etwas ohne persönlichen Vorteil tut. Selbst in der Liebe geben wir nur, um von dem Anderen geliebt zu werden und Selbstliebe verwechseln wir oft mit Selbstsucht. Wenn wir etwas geben, erwarten wir etwas zu bekommen. Zug um Zug. Dieses Zug-um-Zug-Denken erzeugt Druck in uns, stresst uns. Es engt uns ein und sorgt dafür, dass wir stets auf der Suche sind. So komisch es klingt, aber ohne Erwartungen und Wünsche leben wir freier. Wir denken und handeln effizienter, wir sind gesünder, wir leben und lieben intensiver. Wir müssen uns keine Ziele setzen, die Ziele kommen von allein und das ganze Leben mit all seinen Höhen und Tiefen fühlt sich richtig an. Alles ergibt einen Sinn, egal, ob wir gerade auf der Sonnen- oder auf der Schattenseite stehen.

Dieses Buch ist zwar speziell für Anfänger geschrieben, aber für bereits Meditierende ebenso geeignet. Die Meditationserfahrenen berücksichtigt Stephan Bodian immer wieder, indem er darauf hinweist, dass dieses oder jenes Kapitel übersprungen werden kann.

„Meditation für Dummies“ erfreut sich einer klaren Gliederung und wirkt damit sehr übersichtlich auf den Leser. Es ist in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben und der Leser spürt die Empathie des Autors zwischen den Zeilen. Für die eigene Praxis werden viele brauchbare Meditationsübungen und wichtige Alltags-Übungen für zwischendurch (Meditation to go quasi) aus der buddhistischen Achtsamkeitslehre angeboten. Die Sitztechnik ist ein wesentlicher Bestandteil der klassischen Sitzmeditation, weshalb ihr ein ganzes Kapitel gewidmet wurde. Kleine, weise Geschichten umrahmen hin und wieder die Lektionen und steigern nicht nur das Lesevergnügen, sondern auch das Verständnis für uns selbst. 

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

asanas, entspannung, yoga-übungen, gesundheit, yoga

The Science of Yoga

William J. Broad , Maren Klostermann
Fester Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 01.04.2013
ISBN 9783451306853
Genre: Sachbücher

Rezension:

Am Anfang erfährt man etwas über die alte Geschichte des Yoga. Dieser Teil ist unterhaltsam geschrieben, wenn er auch nicht viel Neues bereithält. Dann kam Jagannath G. Gune, einer der ersten Yoga-Revolutionäre, und entmystifizierte Yoga. Er hob erstmals die rein gesundheitlichen Aspekte in den Vordergrund. Die geheimnisvollen Geschichten von Lebendbestattungen, das Anhalten des Herzschlages oder anderen übernatürlichen Yogi-Kräften widerlegte Gune erstmals in seiner umfassenden Studie von 1931.

Es bleibt mir ein Rätsel, warum der Autor über zig Seiten und Studien darüber berichtet, wie lange es dauerte wissenschaftlich festzustellen, dass Yoga keinen Beitrag zur aeroben Leistungsfähigkeit und kardiovaskulären Fitness leistet. Für den Leser wäre es verständlicher geworden, hätte er die vielen Studien zusammengefasst und ein detailliertes Resümee gezogen. Broad erzählt zwar individuell zu jeder Studie eine persönliche Geschichte über den Herausgeber der Studie, über deren Entstehung oder zu den Schwierigkeiten, die sie begleiteten, trotzdem war ich, auf Grund der Fülle der Studien, wenn er plötzlich zwanzig Seiten später von irgendeinem Forschungsleiter sprach, nicht in der Lage herauszufiltern, auf welche Studie er sich speziell bezog. Hinzu kommt, dass die Schreibweise durch das permanente Aufzählen von Studien, Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen, streckenweise trocken ist. Vielleicht liegt es daran, dass Broad Wissenschaftsjournalist ist.

Letztendlich ist es schwierig, einen Überblick über die vielen Recherchen des Autors zu behalten, da er gleichsam alle positiven und negativen Erkenntnisse aus unzähligen Studien rund um Yoga aufführt. Am Ende eines Kapitels stand ich oft da und fragte mich, was an der Asana eigentlich die Vor- und was die Nachteile sind. Durch die breite Palette an Informationen über die unzähligen Studien, blieb mir das Wesentliche oft nicht nur verborgen, sondern verunsicherte mich sogar.

Die Zeit um 2002 läutete insofern einen Wendepunkt in der bis dahin gesundheitlich unbedenklichen Yogawelt ein, als dass man es wagte, öffentlich über körperliche Verletzungen, Nervenschädigungen und Schlaganfälle zu sprechen.

Der Autor erwähnt, dass die meisten Verletzungen bei Yogalehrern selbst auftreten. In diesem Fall hat der Yogalehrer die Lehre des Yogas sozusagen nicht bis ins letzte Glied verstanden. Ein Yogi sollte seinen Verstand nicht mit auf die Matte nehmen. Bleibt er mit den Gedanken ausschließlich in seinem Körper, ist das Verletzungsrisiko äußerst gering, da er in diesem Zustand seinen Körper mit allem was sich richtig und falsch anfühlt, wahrnimmt. Beteiligt sich der Verstand an der auszuführenden Yogastellung, gesellt sich der Ehrgeiz dazu und das Ego gibt vor, wozu der Körper fähig ist und das Ego ist grundsätzlich unersättlich und treibt uns zu Idealen, die wir nicht erfüllen können, was wiederum zu Verletzungen führen kann.

Ein weiterer Punkt, um den es Broad in diesem Buch geht, ist die Tatsache, dass das moderne Yoga kommerziell vermarktet und für Wehwechen jeder Art angepriesen wird. Alle möchten vom Yogakuchen etwas abhaben, deshalb werden Yogalehrer und -Therapeuten am Fließband ausgebildet, ohne staatliche Kontrolle. Manche sogar mit fragwürdigem Doktortitel. Broad spricht speziell die Yogatherapeuten an, die schlimmes anrichten können, wenn Patienten mit einem bestimmten Leiden zu ihnen kommen und sie aus Unwissenheit die falschen Asanas mit dem Patienten ausüben. Yogatherapeuten sollten laut Broad die gleiche Ausbildung wie Physiotherapeuten durchlaufen, um sicher zu gehen, dass nur die guten Seiten des Yoga in die Welt getragen werden.

Zusammengefasst kann man sagen, sollten Sie an einen Yogalehrer geraten, der Ihnen versichert, dass es beim Yoga kein Verletzungsrisiko gibt, dass Yoga für mehr Sauerstoff im Blut sorgt und einen Beitrag zur aeroben Fitness leistet oder dass Yoga schlank macht, obwohl Yoga nachweislich den Stoffwechsel verlangsamt, dann sollten Sie den Yogalehrer wechseln.

Was Yoga wirklich kann, ist, unsere westliche Anspannung mit einer regelmäßigen Dosis östlicher Gelassenheit zu lindern. Unsere Stimmung hellt sich auf und wir fühlen uns durch Yoga ausgeglichener, was wiederum dazu beiträgt, dass das Bedürfnis nach Frust- und Lustessen wirklich nachlässt, weil uns Yoga (richtig ausgeführt)beruhigt und insgesamt bewusster leben lässt. Damit aber nicht genug, denn diese Bewusstheit befreit uns vom Stress und je stressfreier wir sind, umso kreativer und sexuell aktiver werden wir. Nachweislich. Obendrein dehnen und strecken wir unsere Muskeln und Sehnen, die sonst gerne verkümmern und uns im Alter krumm und steif werden lassen.

  (2)
Tags: asanas, entspannung, gesundheit, meditation, yoga, yoga-übungen   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ego, spiritualität, philosophie, lebenshilfe, erleuchtung

Ego

Osho
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.07.2004
ISBN 9783548741109
Genre: Sachbücher

Rezension:

Während wir in der westlichen Welt mit dem Fortschritt der Technik beschäftigt waren und unser Glück außerhalb von uns selbst suchten, kümmerte man sich in Fernost um die Innenwelt der Individuen. Die Folgen dessen sind, dass der westliche Mensch viel erreicht hat, aber nun von stressbedingten Krankheiten wie Burnout, Depression oder Demenz heimgesucht wird, während die Menschen im Osten zwar rückständig leben, aber zufriedener sind.

Das liegt unter anderem daran, dass uns von Kindesbeinen an erklärt wird, wir sollen ehrgeizig sein, wir sollen nach Idealen streben und wir sollen unsere Ziele niemals aus den Augen verlieren, um es im Leben zu etwas zu bringen. Was machen wir als Kinder? Wir hören auf unsere Eltern und auf die Lehrer, um ihnen zu gefallen und tun wie uns geheißen, weil es alle anderen ebenso tun. Wir lernen viel, wir wissen viel, wir erreichen viel. Aber niemand bringt uns, weder im Kindes- und noch weniger im Erwachsenenalter bei, wie wir zu uns selbst zurück finden können. Wo ist unser Innenleben? Ist da überhaupt etwas in unserem Inneren? Unzählige unter uns verwechseln Befriedigung mit reinem Bewusstsein und stürzen sich in jede erdenkliche Art von Ablenkung. Sei es Unterhaltung durch die mannigfaltige Bandbreite der Medien, sei es durch Freizeitstress oder gerne durch die Arbeit. Und wenn uns das nicht reicht, erfinden wir Probleme, ganz hausgemacht, und alles nur, weil wir Angst haben, unseren Wesenskern zu erforschen, so Osho.

Wir Westler legen viel Wert auf Hygiene, aber die Mentalhygiene, die Reinigung des Geistes, wird uns nicht gelehrt. Ganz im Gegenteil, wer sein Gehirn einmal täglich durch Meditation entleert, wird genauso schief angeguckt, wie jemand, der sich nur einmal am Tag die Zähne putzt (von dem Gebrauch der Zahnseide ganz zu schweigen). Über diesen Schwachsinn freut sich das Ego, auf diesem Nährboden kann es prächtig wachsen und gedeihen und je größer das Ego, umso mehr Ertrag für die Gesellschaft, denn was würde wohl mit unserer Wirtschaft passieren, wenn wir mit dem was wir haben glücklich wären? Wer würde dann noch Dinge kaufen, die er gar nicht benötigt? Was würden die vielen Therapeuten ohne ihre Kranken machen? Und die Politiker erst? Keiner interessiert sich mehr für ihre ungehemmten Machtspielchen, weil jeder zufrieden ist. Unvorstellbar! Unsere Gesellschaft würde zusammenbrechen. Genau darum und um vieles mehr geht es in diesem erhellenden Buch.

Der Übersetzer Ma Prem Rajmani schreibt in seinem Vorwort, dass es nicht einfach war, aus der Fülle von Tausenden von Vorträgen, die Osho im Laufe der Jahre über die komplexe Welt des Egos gehalten hat, das Wesentliche herauszusuchen. Für mein Dafürhalten ist ihm dies aber exzellent gelungen, denn der Inhalt jedes einzelnen Kapitels ist aufschlussreich und die ausgewählten Vorträge bauen methodisch aufeinander auf, sodass dieses Buch für alle, die auf der Suche nach sich sind und zahlreiche Fragen haben, ein lehrreicher Weggefährte ist. 

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

stralsund, 19. jahrhundert, anna, malen, berlin

Der Tanz der Kraniche

Judith Kern
Flexibler Einband: 570 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.04.2011
ISBN 9783426507650
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte der jungen Ida aus Stralsund, die auf Hiddensee ihr Glück sucht, lebt und atmet vor allem durch großartige Landschaftsbeschreibungen. Dass der Autorin die kleine Insel ans Herz gewachsen ist, spürt der Leser durch die Zeilen hindurch. Der Kontrast zwischen dem ungestümen Berlin und der ruhigen Insel hat mir besonders gefallen. Anscheinend war das vor einhundert Jahren nicht anders als heute.

Vor dem Hintergrund der Kunst des Malens geht es in diesem Buch um verschiedenartige Liebesbeziehungen, um bewegende Konflikte und um Emanzipation. Während ich die Figur sowohl von Idas Vater als auch von Herbert, Idas Idol aus der Kunstbranche, beim Lesen deutlich vor Augen hatte, fehlte es Ida als Protagonistin ein wenig an Authentizität und Farbe. Ida ist einerseits selbstbewusst genug, ihr Elternhaus zu verlassen und sich ihrem Vater zu widersetzen, um ihren Traum als Künstlerin leben zu können, aber in anderen Lebenssituationen ist sie ängstlich und überfordert. Das ist zwar echt, weil es uns im normalen Leben oft genauso ergeht, aber wir Leser möchten nichts Herkömmliches lesen, denn wir lesen, um unserem konventionellen Leben zu entfliehen. Wir möchten über die Hauptfigur staunen, sie bewundern oder hassen - egal, Hauptsache sie ist außergewöhnlich. Das fehlte mir ein wenig bei Ida. Streckenweise war sie mir etwas zu normal.

Darüber hinaus denke ich, dass gute einhundert Seiten weniger eine positive Wirkung auf die Geschichte gehabt hätten. Sie wäre dadurch straffer und somit spannender geworden. Aber das ist feinstes Jammern auf höchstem Niveau. Man kann dieses Buch mit den Romanen von Rosamunde Pilcher vergleichen und die waren sehr erfolgreich.

Ich würde gerne 3,5 Sterne vergeben, da das nicht möglich ist, vergebe ich vier, denn die Tendenz geht nach oben.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(626)

1.172 Bibliotheken, 54 Leser, 11 Gruppen, 56 Rezensionen

liebe, 1. weltkrieg, england, deutschland, krieg

Sturz der Titanen

Ken Follett , Rainer Schumacher , Dietmar Schmidt , Tina Dreher
Flexibler Einband: 1.038 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 30.03.2012
ISBN 9783404166602
Genre: Historische Romane

Rezension:

Obwohl ich ein großer Ken-Follett-Fan bin, muss ich zugeben, dass mir dieses Buch nicht gefallen hat. Ich fand weder einen Zugang zu der Geschichte, die im ersten Weltkrieg spielt, noch zu den drei Familien aus drei verschiedenen Ländern. Unzählige Male wollte ich das dicke Buch aus der Hand legen, aber mein ungestümes Vertrauen in Ken Folletts Schreibkunst sagte mir, dass es mit Sicherheit noch spannend werden wird. Fehlanzeige.

Die Handlung wurde immer wieder von Folletts persönlich ausgeklügelten, strategischen und schier endlosen Monologen aufgehalten. Vielleicht ist das eine gute Kriegstaktik für den Feind, aber für das Erzählen einer Geschichte ist diese Taktik ungeeignet, denn dadurch bleiben die Charaktere auf der Strecke und für meinen Geschmack sind es interessante Charaktere, die Ken Follett entwickelt hat. Jedoch unterbrach er die Verbindung zwischen den Akteuren und dem Leser solange und so oft, bis die Figuren sekundär und ihre Gefühle belanglos wurden. Inmitten des strategischen Geschwafels erfuhr der Leser irgendwann wie es mit den Personen weiterging, aber nicht lange, denn nun folgten seitenlange politische Ansichten des Autors durch die man sich lesend quälen musste wie die Soldaten durch den Schlamm auf Folletts fiktivem Schlachtfeld.

Im Grunde genommen ist es eine gute Geschichte, wenn da nicht diese mörderischen Monologe gewesen wären, die langsam, aber sicher jeden einzelnen Charakter dieser Geschichte getötet haben.

  (1)
Tags: der sturz der titanen, erster weltkrieg, ken follett, strategie, taktik   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

hermann hesse, roßhalde, familie, malerei, klassiker

Roßhalde

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 04.03.1980
ISBN 9783518368121
Genre: Romane

Rezension:

Roßhalde - so heißt das idyllische Anwesen, auf welchem ein Künstlerehepaar mit seinen Söhnen um 1910 lebt. Roßhalde ist so groß, dass sich das an Gefühlen vergrämte Ehepaar aus dem Weg gehen kann. Frau Adele wohnt mit dem kleinen Pierre im Haupthaus. Lediglich zu den Mahlzeiten kommt man zusammen. Albert, der die meiste Zeit im Internat verbringt, hat sich komplett von seinem Vater, dem bekannten Maler Johann Veraguth, abgewendet. Er spürt, dass die Mutter, die er über alles liebt, unter der abgestumpften Ehe leidet und gibt dem Vater die Schuld daran. Wenn Albert die Ferien auf Roßhalde verbringt, meiden sich Vater und Sohn genauso wie es die Eltern das ganze Jahr über tun.

Hermann Hesse beschreibt die unglückliche Ehe mit wenigen Worten, aber so sensibel, dass der Leser genau das empfindet, was die Entfremdeten füreinander fühlen oder besser gesagt nicht mehr fühlen. Der einzige, der etwas Licht und Freude in dieses trübe nebeneinanderher Leben bringt, ist der kleine Pierre. Johann überfällt immer wieder die Angst, auch Pierre an seine Mutter zu verlieren. So kämpfen Mutter und Vater tonlos um die Gunst des aufgeweckten und altklugen Pierres. Bis Pierre plötzlich erkrankt.

Wie kein anderer Autor vermag es Hermann Hesse, Gefühle bildhaft darzustellen. Die Fronten zwischen dem Ehepaar sind in solch einem Maße erkaltet, dass sie gar nicht wissen, wo und wann der emotionale Niedergang zwischen ihnen begonnen hat. Das ist oft so. Jeder kennt das oder hat davon gehört und Hermann Hesse ist in der Lage, dieses Gefühlsknäuel nicht nur aufzulösen, sondern in literarischer Feinheit so zu schildern, dass der Leser wahrlich berührt ist. Das gleiche gilt auch für die Landschaften, die er beschreibt. Das Anwesen Roßhalde gibt Hesse derart wirklichkeitsnah wieder, dass man glaubt, selbst im Garten von Roßhalde, an dem kleinen See oder im Atelier des Malers zu sitzen.

Auf Grund der Virtuosität mit der Hesse es versteht zu beschreiben, wirkt diese Geschichte bedrückend. Der Leser sollte sich bewusst sein, dass es um schwermütige Emotionen geht und dass der Autor durchaus im Stande ist, die Gefühle seiner Leser aufzuwühlen.

  (0)
Tags: beziehungsdrama, hermann hesse, künstler, malerei, roßhalde   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mittelalter, england, historisches, politische konflikte, bibel

Die Brillenmacherin

Titus Müller
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 13.12.2006
ISBN 9783746622880
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der Brillenmacherin Catherine Rowe wird im England 1387 übel mitgespielt. Um ihren ermordeten Ehemann Elias zu rächen, gerät sie unfreiwillig zwischen die Fronten der Kirche und eines Ritterbundes. Der Gegenstand der Auseinandersetzung ist die Übersetzung der Bibel ins Englische, die die Kirche mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Catherine ist jung und durchschaut das politische Spiel um Macht und Intrigen noch nicht, fällt diesem gefährlichen Kampf immer wieder zum Opfer und verliert so ziemlich alles, was man verlieren kann.

Durch die vielen, meist negativen Geschehnisse, denen Catherine ausgesetzt ist, ist die Handlung zwar kurzweilig, wirkte auf mich an einigen Stellen aber etwas unglaubwürdig. Vermutlich wäre das Buch stärker geworden, wenn der Protagonistin etwas weniger zugestoßen wäre.

Bemerkenswert sind die Bemühungen des Autors den besonderen Ausdruck zu suchen, zu finden und an passender Stelle zu positionieren. Die Geschichte der Brillenmacherin wird in einer ausgefeilten Sprache erzählt. Wofür andere Autoren mehrere Sätze benötigen, kommt Titus Müller mit einem treffsicheren Adjektiv aus. Manchmal sind es gewagte Adjektive, aber wenn der Autor die Gabe besitzt, sie anschmiegsam einzusetzen, rundet es das Leseerlebnis harmonisch ab. Und Titus Müller besitzt diese Gabe definitiv. 

  (0)
Tags: bibel, brillenmacher, england, mittelalter, politische konflikte   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

buddhismus, mbsr-methode, trainingspläne, achtsamkeit, meditationstechniken

Achtsamkeitstraining (mit CD)

Jan Eßwein
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Gräfe u. Unzer, 13.12.2010
ISBN 9783833818295
Genre: Sachbücher

Rezension:

Jan Eßwein stellt die MBSR-Methode, die er selbst unterrichtet, in diesem Buch vor. Man kann komplett nach diesem methodischen Programm trainieren, um Stress abzubauen und den Dingen des Alltags mit einem Lächeln, statt Sorgenfalten, zu begegnen – man kann sich aber auch einzelne Übungen zum täglichen Trainieren herauspicken, die allesamt in dem Buch ausführlich in Wort, begleitet von hervorragenden Fotos, sowie zusätzlich auf einer CD vorgestellt werden. Egal wofür man sich entscheidet - Hauptsache, man übt sich in Achtsamkeit, denn das ist der einzig wahre Weg zum Glücklichsein. Wer sich auf den Weg der Achtsamkeit begibt, spürt irgendwann das Leben in sich und um sich herum und jagt keinen Erlebnissen oder Erfolgen mehr nach, denn wir selbst sind der Erfolg und das Erlebnis, wonach wir ständig suchen. 

  (1)
Tags: achtsamkeit, buddhismus, mbsr-methode, meditationstechniken, trainingspläne   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(39)

84 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

robert gwisdek, selbstfindung, 100 tage, schuld, gwisdek

Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2014
ISBN 9783462046410
Genre: Romane

Rezension:

Mich bewegt die Frage, inwieweit der Autor Robert Gwisdek sich mit der Philosophie des Buddhismus beschäftigt, denn mit diesem Buch ist es ihm wunderbar gelungen, den buddhistischen Weg darzustellen. Wer verstanden hat, dass 1+1=1 ist, der versteht auch dieses Buch und die Lehre des Buddhismus, denn derjenige ist nicht eingeschränkt durch seine Gedanken, denjenigen treibt „sein Geist nicht mehr in enge Gassen“, wie Gwisdek es so schön beschreibt. Derjenige findet seinen Kreis, sprich sein inneres Gleichgewicht. Den Kreis können wir allerdings nicht durch unseren Verstand bezähmen, sondern nur über unser Herz erreichen, genau wie der Protagonist Igor es uns vormacht.

Hervorragend dargestellt ist unter anderem der furchteinflößende Koch mit den schwieligen Fingern und der Zustand des hungrigen Igors, der begreift, dass er eine Situation annehmen muss, wenn er nicht in der Lage ist, sie zu ändern und der erkennt, dass wir uns viel zu viel von Äußerlichkeiten leiten lassen, weil wir alles und jeden bewerten, was uns oft in die Irre führt. Ebenso erwähnenswert ist das Verhältnis Igors zu dem liebenswerten, in sich ruhenden Liftboy während der nicht enden wollenden Fahrstuhlfahrt, wo dieser, nur ALLEIN durch Igors negative Gedanken, plötzlich zu einem Massenmörder avanciert. Genau das spiegelt Buddhas Erkenntnis wider: Unser Geist erzeugt unsere Welt.

Eine weitere Anschauung des Buddhismus sind die drei Geistesgifte, unter denen die Menschheit leidet: Gier, Wut und Verblendung. Charakterisiert werden die drei Geistesgifte durch die drei Gefangenen, die Igor befreit und bittet mit ihm zu gehen. Auch diese Anschauung ist brillant umgesetzt.

Noch ein Wort zu dem angespannten Verhältnis zwischen den Kreisen und den Dreiecken. Der Kreis ist immer in Bewegung, denn alles ist im Fluss entsprechend des Buddhismus. Das Dreieck ist auf Stabilität aus, weil unsere Gesellschaft Stabilität braucht. Der Kreis symbolisiert den Menschen, der zu sich selbst gefunden hat und sich immer in seinem inneren Gleichgewicht befindet. Dieser Mensch ist in der Lage fast ohne die Gesellschaft auszukommen, weil er nahezu keine Bedürfnisse hegt. Ein Mensch ohne Bedürfnisse ist aber das Ende unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Der schwingende Kreis (Herz) kann also das stabile Dreieck (Verstand) ins Wanken bringen und damit das nicht passiert, müssen die Dreiecke die Kreise vernichten.

Mir gefällt bei Gwisdek, dass er seine Philosophie nimmt und eine Geschichte um sie herum baut, um so seine Philosophie teilen zu können. Ganz anders als bei Dostojewski in „Die Brüder Karamasow“, wo der Autor eine Geschichte erfindet und seine Philosophie solange in die Geschichte stopft bis die Geschichte vor Anomalie fast platzt. Gwisdek erreicht dadurch eine hervorragende Balance zwischen Literatur und Philosophie und die ausgefeilte Sprache, welcher sich Gwisdek bedient, lässt dieses Buch wie einen kleinen Stern am Literaturhimmel aufleuchten. 

  (2)
Tags: buddhismus, gesellschaft, gwisdek, philiosophie, selbstfindung   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(30)

75 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

russland, klassiker, dostojewski, die brüder karamasow, antipode

Die Brüder Karamasow

Fjodor M. Dostojewski , Swetlana Geier
Fester Einband: 1.280 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 04.11.2010
ISBN 9783100154057
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Familie Karamasow mit den Brüdern Dmitri, dem überspannten und verdächtigen Vatermörder, Iwan, dem studierten Agnostiker und Alexej, dem warmherzigen Novizen sowie deren nichtsnutziger und widerwärtiger Vater Fjodor stehen kurz gesagt für die damaligen gesellschaftlichen und politischen Missstände in Russland. Und nicht zu vergessen, Smerdjakow, der Halbruder der drei Halbbrüder, der eine gewichtige Rolle in diesem umfassenden Buch einnimmt.

Zugegebener Maßen ist die Dialektik in Dostojewskis Werk nicht zu übersehen, aber mir ist der kompakte Roman zu speziell-individuell, was wohl auch der Grund dafür ist, dass viele alte und neue Philosophen für „Die Brüder Karamasow“ schwärmen. Durch den überwiegend philosophischen Anteil kommt meiner Ansicht nach die literarische Seite zu kurz, sodass die Unterhaltung des philosophisch unbedarften Lesers bei Dostojewski auf der Strecke bleibt und dieses Werk in seiner ganzen Weite somit nur einem eingeschränkten Leserpublikum vorbehalten ist.

Für meinen Geschmack sind Dostojewskis Figuren so überspitzt dargestellt, dass sie schon unnatürlich wirken, fast wie eine Farce. (Wobei man bedenken sollte, dass Dostojewski genau das beabsichtigt haben könnte.) Das fängt bei der Sprache an und hört bei den manchmal schon schizophren wirkenden Handlungen auf. Tolstois „Anna Karenina“ wurde um die gleiche Zeit geschrieben und beschäftigt sich, großzügig betrachtet, ebenfalls mit dem damaligen russischen System, aber auf eine heiter-ironische Art und nicht wie bei Dostojewski in fahrig-wirrer Weise.

Auf den über 1000 Seiten gibt es vielleicht zwei Landschaftsbeschreibungen. Auch Häuser, Räume, geschweige denn Dörfer oder Städte werden so gut wie gar nicht oder irgendwie nur trist und dunkel am Rande beschrieben, sodass man beim Lesen immer in einen etwas depressiven Zustand verfällt. Bis auf den Gerichtssaal am Ende der Geschichte, als es endlich zu dem Prozess um den Vatermörder kommt, hier gibt sich der Autor plötzlich Beschreibungen in allerhöchstem Maße hin. Nicht nur der Gerichtssaal, auch die Personen werden in ausführlichster Weise beschrieben. Nehmen wir zum Beispiel Doktor Herzenstube, den der Leser im ersten Drittel des Buches kennenlernt und der sporadisch immer wieder Mal auftaucht, jedoch nie wirklich an der Geschichte beteiligt ist, dieser Doktor wird nun zum Schluss so detailliert beschrieben, als würde Dostojewski eine neue Figur einführen.

Oft hatte ich den Eindruck, Dostojewskis Romanpersonal springt kreuz und quer durch die Geschichte, was wahrscheinlich durch den Umstand begünstigt wurde, dass der Autor seine Figuren hervorholt und wieder verschwinden lässt, wie es ihm gerade passt, was dem Leser allerdings erschwert, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Die einzige Figur, mit der ich mich identifizieren konnte, war Alexej. Ohne ihn hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht zu Ende lesen können. Er war immer ein kleiner Lichtblick in diesem trostlosen Theater (auch das könnte durchaus von Seiten des Autors beabsichtigt gewesen sein).

Die unnatürlichen Dialoge, die mitunter in seitenweise Monologe ausufern, erschwerten zusätzlich meinen Lesefluss. Niemand, auch nicht in Russland um 1870, spricht so debil wie Dostojewskis Figuren. Nehmen wir nur einmal das Wort „Täubchen“, welches gefühlte 250 Mal im Buch vorkommt. Jeder wird von jedem wenigstens einmal als Täubchen betitelt. Und warum bedient sich ein Autor überhaupt unablässig des Diminutivs? Jedes fünfte Wort wird durch die Endung „chen“ künstlich verniedlicht. Härchen, Witwchen Augenblickchen, Nötchen,
Verschen etc.

Selbstverständlich spielt Gott in diesem philosophischen Drama eine große Rolle. Am interessantesten fand ich Kolja Krasotkins Einstellung zu Gott. Der fast vierzehnjährige, vollkommen überreife Junge, ist der Auffassung, dass Gott nur rein hypothetisch, aber trotzdem wichtig für die Menschen ist, denn sie brauchen ihn für ihre innere Ordnung und damit für die Weltordnung. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es sich zwar um ein großartiges Werk handelt, dass es Dostojewski allerdings nur eingeschränkt gelungen ist, eine Brücke zwischen Philosophie und Literatur zu schlagen. 

  (1)
Tags: die brüder karamasow, dostojewski, gesellschaftskritik, philosophie, russland, weltliteratur   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(271)

515 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

italien, liebe, oper, lucinda riley, musik

Das italienische Mädchen

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 10.03.2014
ISBN 9783442480098
Genre: Romane

Rezension:

Roberto Rossini, der gutaussehende Opernsänger, verführt jede attraktive Frau mittels seines Charmes und seiner Zärtlichkeit. Bei Rosanna, deren außergewöhnliche Stimme er entdeckte, als sie elf Jahre alt war, gestaltet sich das spätere Verführen als erwachsene Frau allerdings viel schwieriger, was den singenden Gockel natürlich nur noch mehr reizt und so kommt es wie es kommen muss: Die beiden heiraten und alle haben Angst um das zarte Küken Rosanna. Die meisten Sorgen macht sich ihr warmherziger Bruder Luca, der sich, anstelle der Eltern, die nur mit sich und ihrem Café in Neapel beschäftigt sind, ihre Gesangsstunden in seiner Jugend vom Munde abspart und immer ihr Fels in der Brandung ist.

Ehemann Roberto hingegen liebt das Extreme und so ist seine Liebe zu Rosanna ebenfalls extrem. Extrem egoistisch und extrem hingebungsvoll. Die sensible Rosanna taumelt zwischen den Extremen und verliert die Orientierung. Robertos Empfindungen für Rosanna, aber auch für all die anderen Frauen, sind nachvollziehbar und abstoßend zugleich beschrieben, denn die Autorin versteht es, die, aus den Gefühlen resultierenden Beziehungen, authentisch und ohne, dass es schmalzig wird, darzustellen.

Die Geschichte ist wahrlich nicht anspruchsvoll: Unglückliche Lieben, ungeplante Kinder, überraschende Tode gepaart mit Macht, Sex und Karriere, aber Lucinda Riley besitzt die Gabe, dem Leser die Klischees unaufdringlich und in sich schlüssig durch viele Nebenstränge unterzujubeln. Man fühlt sich sogar in der Opern-Welt heimisch, selbst wenn einem das Faible für Opern fehlt. Außerdem entführt sie den Leser geschickt an den jeweiligen Schauplatz der Geschichte und verleiht ihm das Gefühl mittendrin, statt nur dabei, zu sein.

Durch ihre sanfte, souveräne Art zu erzählen, hält Riley den Leser nicht nur bei der Stange, sondern weckt sogar seine Neugier, sodass die Geschichte zu keiner Zeit langatmig wird - an der einen oder anderen Stelle jedoch vorhersehbar ist, was sich bei der Fülle der Klischees allerdings nur schwer vermeiden lässt. Trotzdem glaube ich, dass dieses Buch nicht nur für eingefleischte Romantiker lesenswert ist und interessanterweise erwartet den Leser fürwahr kein Happyend im klassischen Sinne.  

  (0)
Tags: liebesroman, opern, romantik, schürzenjäger, unglückliche ehe   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

weltressourcen, öl, andreas eschbach, erdölbohrung, thriller

Ausgebrannt

Andreas Eschbach
E-Buch Text: 753 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 13.11.2010
ISBN 9783838706030
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was passiert eigentlich, wenn uns Bewohnern dieser Erde das Öl ausgeht? Der Autor Andreas Eschbach ist dieser Frage nachgegangen und herauskam eine Geschichte, die so mannigfaltig ist, dass bei mir zu keiner Zeit lange Leseweile aufkam.

In unserer zivilisierten, schnelllebigen Welt geht fast nichts ohne Öl, aber niemandem ist diese Tatsache bewusst und so leben wir verschwenderisch vor uns hin. Genau wie es das Romanpersonal von Andreas Eschbach mit dem Protagonisten Markus Westermann tut, der von einem Bürotower in Amerika träumt, auf dessen Glasfassade sein Name prangt. Der einzige Unterschied zu uns - Markus und der Rest der Welt müssen sich in diesem Buch augenblicklich was einfallen lassen, um zukünftig ohne Erdöl existieren zu können und das tun sie nach Anleitung des Autors dann auch. Ob es nun mehrere Mitglieder aus Markus Familie sind oder der nicht studierte österreichische Ölspezialist Karl Walter Block, ob es Markus asiatische Geliebte Amy-Lee ist oder die CIA oder die Saudis oder, oder ... Es gibt reichlich Charaktere in diesem Buch und allesamt wirkten sie in diesem Öl-Szenario authentisch auf mich. Umso mehr war ich über den etwas abrupten Ausstieg einiger Akteure überrascht. Ich hatte das Gefühl, dass der Autor, ab einem gewissen Zeitpunkt, die umfangreiche Geschichte willkürlich zum Ende bringen musste.

Trotz der vielen Seitenstränge und Zeitebenen bleibt die Handlung immer logisch und nachvollziehbar. Mitunter überfiel mich zwar die Angst, den roten Faden rund um das schwarze Gold zu verlieren, aber Andreas Eschbach nimmt seine Leser vertrauensvoll an die Hand und führt sie souverän durch die Geschichte der Geschichten, bis sie sich vereinen – die Geschichten. Dazu tragen sicherlich die klare Schreibweise und kurzen, übersichtlichen Kapitel sowie die Bemühung, Infodump weitgehend zu vermeiden, jeweils ihren Teil bei.

Zusammengefasst kann ich sagen: „Ausgebrannt“ ist ein dickes Buch mit einem fetten Thema, ich welchem sich die Spannung auf fast keiner Seite verdünnisiert.

  (0)
Tags: andreas eschbach, ausgebrannt, erdölbohrung, thriller, weltressourcen   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(486)

787 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 35 Rezensionen

schach, klassiker, novelle, nationalsozialismus, gefangenschaft

Schachnovelle

Stefan Zweig
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.1987
ISBN 9783596215225
Genre: Klassiker

Rezension:

Es ist erstaunlich, wie Stefan Zweig es auf so wenigen Seiten schafft, Charaktere von solch umfassender Größe darzustellen. Auf etwas über fünfzig Seiten erzählt er die Geschichte zweier Menschen so knapp und doch so tiefschürfend, dass sie einen ergreifenden, nachhaltigen Eindruck bei dem Leser hinterlässt.

Der amtierende, unbeliebte Schachweltmeister Mirko Czentovic verkörpert mit seinem einfältigen Scharfsinn, der sich obendrein mit habgieriger Arroganz paart, den Schachinator in diesem intelligenten Intermezzo. Der gelehrte und sensible Dr. B aus Österreich ist sein Gegenspieler par excellance. Er wurde während seiner Gefangenschaft von den Nazis durch das dunkle und allumfassende „Nichts“ in einem Hotelzimmer geistig ausgesaugt bis sich ihm endlich, nach einem halben Jahr der völligen Isolation, die Gelegenheit bot, aus der Manteltasche einer NS-Uniform ein Schachbuch zu stehlen. Von nun an malträtiert er heimlich seinen eingesperrten Geist mit Schachpartien aus diesem Buch bis er in einen schizophrenen Schachkampf zwischen Schwarz und Weiß fällt.

Meiner Meinung nach zeigt die „Schachnovelle“ einige autobiographische Züge Stefan Zweigs auf, denn der österreichische Autor sah sich durch seine Emigration nach Brasilien, wo die „Schachnovelle“ entstand, gleichermaßen wie Dr. B in seinem vergitterten Hotelzimmer, als ein Gefangener in einem scheinbar goldenen Käfig. Die Umgebung der Gefangenschaft befand sich von außen betrachtet natürlich in einem wertbeständigen Zustand, aber im Inneren fühlte Stefan Zweig wahrscheinlich wie Dr. B das allumfassende Nichts, weil ihm Heimat und Freunde fehlten und weil ihm der Glaube an Kunst und Menschheit durch den Krieg verloren gegangen war. Zweigs Freunde berichteten immer wieder, dass die Situation während des 1. Weltkrieges bereits an den Kräften des feinfühligen Autors zehrte. Der 2. Weltkrieg jedoch mit der Judenverfolgung, der Verbrennung seiner Bücher und der Vertreibung aus seiner europäischen Heimat, hatte ihm nicht nur den Boden unter den Füßen weggerissen, sondern ihn förmlich entwurzelt.

Genau wie Dr. B am Ende der Geschichte den eisernen Entschluss fasst, sich nie wieder dem strategischen Brettspiel zu widmen, um sein schwarzes und sein weißes Ich im wahrsten Sinne des Wortes in Schach zu halten, um somit dem sonst vorhersehbaren Wahnsinn zu entgehen, so sehe ich hier Parallelen zu der traurigen, persönlichen Resolution Stefan Zweigs für seinen Freitod im Februar 1942. 

  (1)
Tags: gefangenschaft, nationalsozialismus, schach, schizophrenie, stefan zweig   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

denken, buddhismus, stressbewältigung, meditation, gedankenwelt

Die Kunst des Nichtdenkens

Ryunosuke Koike , Nora Bierich
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 16.04.2013
ISBN 9783866123540
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Volkskrankheit namens Denken macht uns unwissend und senil und nicht nur das, wir vergeuden auch noch viel zu viel Zeit mit ihr. Daher fragen wir uns am Ende eines Ereignisses oft, wo die Zeit geblieben ist. Sie ist in unserem Denken oder „Rauschen“, wie Koike es nennt, untergegangen, denn unser fortwährendes Denken überlagert oder überrauscht alle unsere Sinne. Man könnte auch sagen, wir denken kreisförmig, wie in einem Karussell, das wir nicht anhalten können. Ein Reiz trifft auf den anderen und setzt die nächste Karussellrunde bzw. Denkkette in Gang und der Karussellbetreiber, sprich die Gesellschaft, freut sich über das gute Geschäft mit der Denksucht der Menschen, die laut dem Autor des Buches durch die drei Geistesgifte Wut, Gier und Verblendung angestachelt wird.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten aus dem Karussell des Leidens auszusteigen und das „Rauschen“, sprich den Fahrtwind des Karussells, zu stoppen, sodass sich unsere Gedanken nicht mehr in einem Kreis befinden, sondern auf einer geraden Strecke, wo sie ruhig in Reih und Glied stehen und einer nach dem anderen geordnet zu uns kommen kann, wenn wir es erlauben.

Der junge Mönch und Autor Ryunosuke Koike zeigt in seinem Buch den buddhistischen Weg, um von der Krankheit Denken zu genesen. Als erstes sollten wir damit beginnen, unsere fünf Sinne wieder zu aktivieren, also uns in Achtsamkeit üben, denn diese Maßnahme holt uns ins die Gegenwart zurück und wir denken weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft und aktivieren somit den sechsten, buddhistischen Sinn, den Sinn der Geisteskraft. Aber wir sollten nicht nur auf uns achten, sondern auch auf den Umgang mit anderen Menschen, denn wenn wir Gutes für unsere Mitmenschen tun, tun wir auch Gutes für uns.

Und an dieser Stelle bin ich ins Stolpern geraten, denn in dem Kapitel, in welchem es um das Anhäufen von Besitz und des Loslassens des Besitzes geht, erzählt der Autor, dass er sein Fahrrad stets im Garten abstellt und es dort hin und wieder gestohlen wird. Da ihn der Verlust nicht berührt, denkt er gar nicht daran, es künftig abzuschließen. Wenn ich allerdings die buddhistische Lehre für mich richtig verstanden habe, geht es darum, nicht nur die eigenen Leiden, sondern auch die Leiden unserer Mitmenschen zu verringern. Ein unabgeschlossenes Fahrrad ist jedoch eine Verlockung für den Dieb, wenn nicht sogar eine Aufforderung, und ruft ein Ansteigen seines Leidens, dem Leiden der Gier, hervor, was nach meinem Verständnis wiederum nicht im buddhistischen Sinne ist. Aber das ist nur mein persönliches Empfinden und schwächt den Inhalt des Buches in keiner Weise ab.

Manchmal bedient sich Ryunosuke Koike einer etwas frappanten Ausdrucksweise. Vielleicht um die alten Lehren zeitgemäßer an den Leser zu bringen. Für diese Theorie spricht auch das Kapitel, welches sich mit dem Umgang von E-Mails und dem Verhalten in sozialen Netzwerken beschäftigt. Alles in allem hat der Autor eine moderne Anleitung zum Glücklichsein nach alten Lehren unter zeitgenössischen Bedingungen verfasst.

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Ich finde, auch optisch wirkt es wertvoll durch seine fast quadratische Form mit den rot eingeschlagenen Innendeckeln, den japanischen Schriftzeichen auf jeder Seite und dem goldenen Lesebändchen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für die Lehren des Buddhismus interessiert oder wieder zurück zu sich selbst finden möchte.

  (3)
Tags: buddhismus, denken, gedankenwelt, meditation, stressbewältigung   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2.401)

2.563 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

jakobsweg, hape kerkeling, humor, pilgern, spanien

Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling
Fester Einband: 405 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.09.2010
ISBN 9783492259736
Genre: Sachbücher

Rezension:

In den beschwerlich schönen Stunden auf dem 600 Kilometer langen Fußmarsch von Frankreich bis Spanien denkt Hape Kerkeling, der bekannte deutsche Entertainer mit dem natürlichen Charme, viel über sich, über den Tod und über den Sinn des Lebens nach und kommt dabei letztendlich stets auf Gott zurück - wer oder was auch immer Gott sein soll. Der Leser darf an all diesen von amüsant bis tief gehenden Gedanken und selbst an der Auseinandersetzung mit seinem Ego teilhaben.

Auf dem Jakobsweg grenzt sich Hape Kerkeling ein wenig aus, indem er komfortable Hotelzimmer den Pilgerherbergen mit Gemeinschaftsschlafsälen vorzieht. Bei Tage lernt er auf seinem Marsch zwar ein paar Pilger kennen, aber meistens sind diese nicht nach seinem Geschmack. Auf jeden Fall sind die Kontakte mit anderen Pilgern unterhaltsam beschrieben, sodass es für den Leser an keiner Stelle langweilig wird. Sogar seinem Schatten, der aus Remscheid stammt, begegnet der Autor auf seiner Pilgerreise und sofort hat er den passenden Namen gefunden: Schnabbel. Aber den ersten Teil des Weges verbringt er eben häufig allein und sehnt sich nach Bekanntschaften mit für ihn interessanten Menschen, welche er letzten Endes natürlich finden wird.

Allein die Tatsache, dass nur 15 Prozent der Pilger den Jakobsweg bis zum Ende laufen, sagt viel über den Weg aus, denn man wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit allein bewältigen müssen, auch wenn der Beginn der Reise zu zweit oder in einer Gruppe angetreten wird. Früher oder später trennen sich die meisten Paare auf dem Weg, manche sogar für den Rest ihres Lebens. Es scheint ein Tribut des Camino de Santiago zu sein, wenigstens einen Teil der Strecke allein zu beschreiten.

Immer wieder hört man, dass der Jakobsweg den Menschen verändert. Wer pilgert, der denkt. Der Pilger, hier namentlich Hans-Peter Kerkeling, aber auch im Allgemeinen, lernt seinen Körper kennen, lernt seinen Geist kennen und lernt beides in Einklang zu bringen. Er lernt seine Grenzen kennen und diese zu verschieben. Das Pilgern ist eine intime Achterbahnfahrt durch sämtliche Gefühle, körperlicher oder geistiger Natur. Da kommen Emotionen hoch, von denen man gar nicht wusste, dass diese in einem schlummern. Auf dem holprigen Pilgerpfad entdeckt man nicht nur die Schönheiten der Natur, sondern auch sich selbst ganz neu.

Der Autor hat jedem Etappenziel ein einzelnes Kapitel mit Datum und Ort gewidmet. Neben den hier beschriebenen physischen Schmerzen und philosophischen Erkenntnissen geschehen manchmal aber auch wahrhaft wahnwitzige Ereignisse und am Ende eines jeden Kapitels folgt immer die „Erkenntnis des Tages“, sodass das Buch in kurzweiliger Art und Weise zum Nachdenken anregt und mit Sicherheit Spuren beim Leser hinterlässt. 

  (4)
Tags: hape kerkeling, herausforderung, jakobsweg, liebe zu gott, selbstfindung   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(81)

156 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 7 Rezensionen

jane austen, klassiker, liebe, england, frauen

Gefühl und Verstand

Jane Austen , Erika Gröger
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 25.06.1991
ISBN 9783257219647
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Epoche, in der „Verstand und Gefühl“ geschrieben wurde, war eine Zeit, die einem heute nur schwer zugänglich und wenig verständlich erscheint. In der damaligen englischen Mittelschicht drehte sich alles ausschließlich um Geld, um gesellschaftliches Ansehen und um erfolgreiches Heiraten. Marianne, die jüngere der heiratsfähigen Schwestern Dashwood verkörpert in dieser Geschichte die Frau mit dem Hang zu überschwänglichen, unkontrollierbaren Gefühlen, denen sie sich nur allzu gerne hingibt. Den Gegensatz dazu stellt ihre Schwester Elinor, der von der Autorin die Rolle des personifizierten Verstandes zugeteilt wurde, dar. Jane Austen verleiht beiden Schwestern viel Sympathie - umso mehr trifft es den Leser, dass sowohl Marianne als auch Elinor von den zur Heirat auserkorenen Männern schwer enttäuscht werden. Ein großer Teil des Buches besteht darin, dem Leser die feinen und zugleich gravierenden Unterschiede des Umganges mit dem gleichen Los der Schwestern zu zeigen.

Die gestelzte, alte Schreibweise verlangte höchste Konzentration, was mein Lesevergnügen stark beeinträchtigte. Da fehlte jede Lebendigkeit im Satz, weil die vielen Substantive die armen Sätze förmlich im Passiv erdrückten. Manche Sätze erstreckten sich über die Länge einer halben Kindle-Seite. Ich konnte mich leider viel zu oft nicht auf die Charaktere einlassen, da ich häufig damit beschäftigt war, den Sinn einzelner Sätze zu erfassen. Aber ich wollte das Buch unbedingt lesen, da ich daran interessiert war, zu erfahren, welche Art von Problemen die Leute, insbesondere die Frauen, vor über 200 Jahren bewältigen mussten. Es ist erstaunlich, wie viel die Menschen damals eingefädelt oder sich zusammengereimt haben, wenn es ums Heiraten ging. Ohne etwas von dem anderen zu wissen, geschweige denn mit dem oder der Auserwählten über eine eventuell anstehende Hochzeit offen zu sprechen, wurde hinter dem Rücken der jungen Leute angeblich etwas beobachtet, vermutet oder dazu gedichtet. Die Auserwählten bemerkten die Reaktion der sie umgebenden Gesellschaft und nach Abwägen der finanziellen Situation des Paares mit positivem Ergebnis, stand der jungen Liebe nichts mehr im Weg und alle waren glücklich, weil nun getan werden konnte, was getan werden musste. Sollte sich jemand den ausbaldowerten Plänen jedoch widersetzen, so drohte ihm das gesellschaftliche Aus.

Viel Freude hatte ich an der Nebenfigur der Mrs. Jennings. Diese köstlich beschriebene alte Klatschtante mit einem Mund, der genauso groß ist wie ihr Herz, verfügte über die gesamte Bandbreite von possierlich bis schrullig und brachte die damaligen Gegebenheiten der Gesellschaft in ihrer Rolle deutlich zum Ausdruck.

Zwischen den verschachtelten Passivsätzen, die wohl der damaligen Zeit zuzuschreiben sind, spürt der Leser trotzdem deutlich Jane Austens feines Gespür für Menschen. Es geht zwar nur um Liebe, ums Heiraten und um Gefühle, aber der Roman ist keinesfalls schnulzig. Allerdings hätten es für meinen Geschmack ein paar Landschaftsbeschreibungen mehr sein können, um die gesellschaftskritische Geschichte noch ein wenig aufzulockern. Jane Austen war mit Sicherheit eine gute Schriftstellerin, aber ich tue mich leider mit der Schreibweise schwer, sodass ich die Verfilmung ihrer Bücher vorziehe. 

  (4)
Tags: ehe, gefühl, gesellschaftskritik, jane austen, verstand   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

74 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

freundschaft, hermann hesse, deutschland, männer, klassiker

Narziss und Goldmund

Hermann Hesse

Erschienen bei Im Bertelsmann Lesering
ISBN 978B000ERSM69
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieses Buch über die Freundschaft zwischen dem scharfsinnigen Menschenkenner Narziss und dem anmutigen Goldmund beginnt für meinen Geschmack etwas blumig, was daran liegen könnte, dass ich mich an die überschwängliche und bisweilen schwer anmutige Ausdrucksweise Hermann Hesses erst gewöhnen musste. Jedenfalls wurde die Geschichte für mich ab der fünfzigsten Seite interessant, als Narziss seinen Freund und Schüler Goldmund vor Augen hält, dass er im Begriff ist, ein falsches, unaufrichtiges Leben, nämlich das Leben in einem Kloster, führen zu wollen. Nach diesen scheinbar anklagenden, jedoch ehrlichen Worten fällt Goldmund in Ohnmacht, findet danach aber zu sich selbst und verlässt den keuschen Weg, den sein Vater für ihn vorgesehen hatte.

Er flieht aus dem dunklen Kloster und beginnt ein buntes, abwechslungsreiches Leben, welches er in vollen Zügen genießt, während sich Narziss in Askese übt, indem er bis zur Selbstaufgabe fastet und betet, um seinen Weg als Mönch antreten zu können. Goldmund indessen liebt die Frauen genauso wie die Wanderschaft von Ort zu Ort und das Umherstreifen zwischen Wiesen und Wäldern. Er will und kann nicht sesshaft werden. Die Sesshaften denken immer nur an die Zukunft und an ihre Sicherheit, Goldmund aber lebt im Hier und Jetzt und bringt kein Verständnis für das nie enden wollende Streben der Anderen auf.

Mitunter nehmen aber auch bedrückende Gedanken von Goldmund Besitz. Hin und wieder fühlt er sich vom Leben genarrt. Es stört ihn, dass der Mensch nicht alles haben kann. Entweder lebt man mit allen Sinnen - so wie es der Wanderer tut, aber in solch einem Leben ist alles Schöne vergänglich, denn der Vagabund schafft keine bleibenden Werte. Oder man wird sesshaft, büßt seine Freiheit, die Fülle und Lust des Lebens ein, baut sich dafür ein Denkmal, indem man Unvergängliches wie Kinder, Haus oder Kunst schafft, so wie Meister Niklaus, Goldmunds Lehrmeister, es getan hat.

Durch Meister Niklaus entdeckt Goldmund sein Künstlerherz und ist seitdem von der Idee beseelt, Figuren mit Gefühl zu schnitzen, die tief aus seinem Innersten kommen, und es gelingt ihm hervorragend. Jetzt hat er eine Möglichkeit gefunden, Unvergängliches zu schaffen. Durch die Kunst lernt er sich selbst zu verwirklichen. So wie es sich sein Freund Narziss, der geradlinige Denker, einst für ihn erhofft hat.

Narziss, der das vollkommene Sein nur im Denken zu finden glaubte und die Kunst für Spielerei hielt, erfährt durch seinen Freund, dass gelebte Kunst etwas sinnliches, etwas freies und lebensbejahendes sein kann und für kurze Zeit zweifelt er an seinem, ihm jetzt borniert vorkommenden, eingeschlagenen Weg als Denker und Asket. Im Nachhinein aber ist er froh, dass sein Freund Goldmund ihm den Liebreiz der Kunst vermitteln konnte und er durch ihn lernen durfte, auch diesen berauschenden Weg zu verstehen. Mehr kann man von einer Freundschaft nicht erwarten und von Hermann Hesse auch nicht, der in diesem Werk so wunderbar leise und doch so stark nach dem Sinn des Lebens sucht.

  (3)
Tags: denken, freundschaft, hermann hesse, kloster, kunst, sinnsuche, vagabundenleben   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

london, charles dickens, klassiker, waisenkind, oliver twist

Oliver Twist

Charles Dickens
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bibliographisches Institut, 06.10.2014
ISBN 9783411160471
Genre: Klassiker

Rezension:

Der arme kleine Oliver kommt als Waisenkind zur Welt. Von Geburt an wird er herumgestoßen, lebt im Dreck und leidet Hunger, weil sich in England Anfang 1800, jeder, wo er nur kann, mit allen Mitteln in irgendeiner Art und Weise in großem oder kleinem Stil bereichert. Also wird in den Armen- und Waisenhäusern, in denen Oliver seine ersten neun Jahre verbringt, in erster Linie am Essen, an Kleidung und an Fürsorge gespart. Der Leser hungert und leidet mit dem Waisenjungen, der für sein Alter viel zu klein ist, vom Pech verfolgt wird, aber sein Schicksal trotzdem tapfer auf den schmächtigen Schultern trägt.

Es gibt sogar Lichtblicke in Olivers Leben, doch Charles Dickens ist hart, denn diese hellen Augenblicke voller Fürsorge und Wärme halten nicht lange an und der Leser muss miterleben, wie Oliver zurück in die schmutzige und gnadenlose Welt gestoßen wird. Er gerät wieder in die Fänge der Diebesbande mit dem jüdischen Anführer Fagin, dessen nervender Dialekt mir das Lesen an manchen Stellen leider ziemlich erschwert hat.

Am Ende der Geschichte, als es um die Auflösung sämtlicher verwandtschaftlicher Verstrickungen rund um Oliver geht, wurde es leicht verwirrend und dazu gesellte sich der Eindruck, dass der Autor einmal zu oft den Zufall bedienen musste, um ein gutes Ende herbeizuführen. Dieses Handicap nimmt der ansonsten rührenden und zugleich gesellschaftskritischen Geschichte ein wenig die Glaubwürdigkeit, aber es ist trotzdem eine herzbewegende Erzählung, wie man sie von Charles Dickens kennt. Zu guter Letzt möchte ich anmerken, dass die hübschen, alten Zeichnungen in dem E-Book mein Lesen sehr bereichert haben. 

  (4)
Tags: charles dickens, diebesbande, familiendrama, london, oliver twist, waisenkind   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

bad oeynhausen, krimi, alkohlismus, familienprobleme, homosexualität

Sonntags Tod

Carla Berling
E-Buch Text: 205 Seiten
Erschienen bei null, 26.09.2013
ISBN 9783955774103
Genre: Sonstiges

Rezension:

Richard bringt erst seine alkoholabhängige Frau Verena um und anschließend sich selbst. Ira, freie Journalistin und ehemalige Freundin der verstorbenen Verena, kehrt zur Beerdigung des Ehepaars in ihre alte Heimatstadt zurück und dringt, anfänglich aus beruflichen Gründen, tief in die tragische Familiengeschichte ein.

Es ist möglich, dass man „Sonntags Tod“ von Carla Berling nicht ohne größere Pausen lesen sollte, weil man sonst dem Verlauf der Handlung mit den zahlreichen Familienmitgliedern, Verstrickungen und anderen Bewohnern von Bad Oyenhausen nicht mehr folgen kann. Dieses Problem löst sich aber von selbst, denn die Geschichte ist so unterhaltsam und flott geschrieben, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen will und wenn es unbedingt sein muss, dann nur für kurze Zeit.

Was diese Geschichte sympathisch macht, ist der Umstand, dass der Leser eine konkrete Vorstellung, die man fast schon voyeuristisch bezeichnen kann, vom Flair der Stadt erhält, sodass man sich in Bad Oyenhausen irgendwie heimisch fühlt beim Lesen. Aber nicht nur die Ortsbeschreibungen tragen zur Authentizität des Kriminalromans bei, auch die Figuren werden hervorragend zum Leben erweckt. Die Autorin macht es dem Leser leicht, sich in das Leben der mitwirkenden Charaktere hineinzuversetzen und schafft es nahezu mühelos, sich mit ihnen verbunden zu fühlen. Besonders die alten Schwestern vom Hof Eskendor Tante Friedchen und Tante Sophie mit dem Zigarrenstummel im Mundwinkel und dem ostwestfälischen Dialekt auf den spröden Lippen sind mir ans Herz gewachsen. Stets schmunzelnd hatte ich die beiden gestandenen Bäuerinnen haargenau vor Augen.

Den letzten Schliff erhält der Krimi durch die gut gelungene Auseinandersetzung mit dem Verdrängen und Todschweigen unangenehmer Tatsachen innerhalb der eigenen Familie. Immer nach dem Motto: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wahrscheinlich ist diese fragwürdige Taktik in vielen Familien üblich, sodass die meisten Leser sich gut in die geschilderte Situation hineinversetzen können und somit noch stärker in die Handlung gezogen werden.

Alles in allem bekommt der Leser ein breites Spektrum an Unterhaltung geboten: Von Mord über Familientwist bis hin zu knisternder Liebelei ist alles dabei. Da bleibt einem nichts weiter übrig, als viel Spaß beim Lesen und Erleben zu wünschen.

  (4)
Tags: alkohlismus, bad oeynhausen, carla berling, familienprobleme, homosexualität, krimi   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

klassiker, hermann hesse, sinnsuche, meditation, siddhartha

Siddharta - Eine indische Dichtung

Hermann Hesse
Flexibler Einband
Erschienen bei Suhrkamp Verlag, 01.01.2002
ISBN B002RFTGG0
Genre: Klassiker

Rezension:

Siddharta folgt als Kind den Lehren seines Vaters, der Brahmanen und verlässt sein Elternhaus, um sich den Lehren der asketisch lebenden Samanas zu widmen. Drei Jahre verbringt er mit seinem Freund Govinda mittellos im Wald und nimmt den Glauben der Samanas bis zur Vollendung an - bis die beiden Freunde endlich Gotama Buddha, dem Erhabenen begegnen. Dort trennen sich die Wege der Gefährten. Während sich Govinda Gotamas Lehren ganz und gar hingeben möchte, gewinnt Siddharta die Überzeugung, dass ihn kein weiterer Unterricht voranbringen wird, weil er fühlt, dass man den letzten Schritt zur Erkenntnis nur in sich selbst erfahren wird. Kein Lehrmeister der Welt kann einen auf diesem Weg unterstützend begleiten und so verabschiedet er sich von allem, um allein nach dem Pfad der Erleuchtung zu suchen.

Was er allerdings findet, ist eine Kurtisane, die verspricht ihn in der Liebeskunst zu unterrichten, wenn er sie dafür bezahlt. Da Siddharta nichts weiter gelernt hat außer denken, fasten, dichten und auf Almosen angewiesen ist, vermittelt ihm die schöne Kamala einen Broterwerb bei dem Kaufmann Kamaswami. Dort erlernt Siddharta die Kunst des Handels und verfügt von nun an über eigenes Geld, welches ihm ein nie zuvor gekanntes Leben mit allen Sinnen zwar eröffnet, aber nicht die gewünschte Erleuchtung bringt.

Er nimmt Gewohnheiten an, die er vorher verabscheut hat und nach viel zu vielen Jahren der Fülle, des Überflusses und des Überdrusses, packt ihn plötzlich der Ekel vor sich selbst, vor den Menschen und vor der Stadt - er flieht zurück in den Wald, wo ihm der Fluss, in welchen er sich eigentlich lebensmüde stürzen wollte, plötzlich einer Eingebung folgend, das Leben rettet.

Nach einem langen Weg der Einigkeit und Zerrissenheit, der Freude und Trauer, Liebe und Tod bei dem alten und weisen Fährmann Vasudeva erreicht Siddharta im hohen Alter doch noch die Vollendung. Am Ende der Geschichte erklärt er seinem Freund Govinda, dass die Suchenden, so wie Govinda einer ist, sich selbst die Möglichkeit des Findens nehmen, weil sie immer nur nach einem Ziel streben. Wer ständig sucht, kann nichts finden, denn das permanente Suchen führt unbewusst zu Engstirnigkeit. So paradox es auch klingt, aber nur wer nichts sucht, frei und offen für alles und jeden ist, wird finden. Das hat Siddharta selbst erfahren dürfen. Und hier schließt sich nun der Kreis der Erzählung, denn wie Siddharta als junger Mann bereits vermutet hat, kann man Weisheit und Erleuchtung nicht lehren, man kann beides nur finden. Für Govinda ist diese Ansicht albern und verrückt. Ein Nachteil, den Weisheit oft mit sich bringt, dass man zwar für närrisch oder ein wenig einfältig gehalten wird, aber auf Grund der vollkommenen Ruhe, des inneren Strahlens und des festen Selbstbewusstseins trotzdem einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Letztendlich ist es so und das hat Hermann Hesse in seiner kleinen, aber feinen Geschichte wunderbar herausgearbeitet, wer zu viel Zeit mit seinen Gedanken verbringt, statt sich auf seine Intuition zu verlassen, wird nie weise werden. Solange der Mensch keinen Abstand zu Vergangenheit und Zukunft gewinnt und lernt sich vorwiegend im Jetzt aufzuhalten, solange wird er immer ein Suchender bleiben und nie finden. In diesem Sinne: Hört auf zu suchen und Ihr werdet finden. Om.

  (2)
Tags: hermann hesse, klassiker, meditation, siddhartha, sinnsuche   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

erziehung, deutsche literatur, 21. jahrhundert, gerald hüther, neuroplastizität

Was wir sind und was wir sein könnten

Gerald Hüther
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.02.2013
ISBN 9783596188505
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wenn wir auf die Welt kommen, ist das Gehirn bei allen Menschen gleich groß. Der sich später ergebende Unterschied liegt darin, dass alles was wir gehirntechnisch nicht zu nutzen wissen, abstirbt. Wie die Ressourcen des Gehirns ausgeschöpft werden, hängt von unserer Sippe ab. Je nachdem was für Beziehungserfahrungen wir machen, strukturiert und formt sich unser Gehirn. Im Grunde genommen ist es ein Sozialorgan. Als Säuglinge und Kleinkinder achten wir auf das was unsere Familienmitglieder tun und ahmen ihnen vieles nach. Wenig später beginnt die Gruppe uns nach ihren Idealen zu formen. Wir werden gelobt oder gescholten und wir machen alles mit, weil wir dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit nicht nachgeben können. Um zur Gruppe zu gehören, verbiegen und verstellen wir uns und tun das was von uns erwartet wird. In dieser Phase der Anpassung verlieren wir nach und nach unsere natürlichen Instinkte, denn wir fangen an Gefühle zu verstecken oder zur Schau zu stellen, um unserer Gemeinschaft zu gefallen. Es kommt zu einem Widerspruch in uns und um dieser seelischen Belastung standzuhalten, trennen wir unser Gefühl von unserem Verstand und unseren Körper von unserem Gehirn. Wir fangen an zu funktionieren. Thomas Mann hat dieses Phänomen in den „Buddenbrooks“ bereits vor über einhundert Jahren auf den Punkt gebracht: „Durch die Gitterfenster seiner Individualität starrt der Mensch hoffnungslos auf die Ringmauern der äußeren Umstände.“

Je nach gesammelter Erfahrung und Erziehung bahnen wir uns nun einen Weg, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Diesen Weg verankern wir in unserem Gehirn und umso ausgelatschter der Weg, desto besser funktionieren wir wie Maschinen. Die Gefühle werden abgeschaltet und wir sehen die Welt nicht so wie sie tatsächlich ist, sondern so wie wir sie uns individuell vorstellen. Die Vorstellung basiert auf den angelegten Gehirnstrukturen, die wir aus unseren erlebten Erfahrungen im Gehirn verankert haben. Das Ende vom Lied – wir funktionieren nur noch und leben nicht mehr, denn das rationale Denken ist in unserer Gesellschaft wichtiger als das Fühlen. Die fragwürdige Kunst des Abtrennens unseres Denkens von unserem Fühlen hat die Menschheit in der Vergangenheit zweifelsohne viel erreichen lassen, aber mittlerweile ist dieses Verhalten nicht mehr folgenlos. Wir befinden uns in einer Sackgasse, die sich Depression, Demenz oder Burn-Out nennt.

Gerald Hüther sagt in seinem Buch weiterhin, dass wir aus dieser Sackgasse nur durch die Fackel der Begeisterung am eigenen Entdecken und Gestalten, so wie es Kleinkinder tun, herauskommen, indem wir aufhören nur unsere Ressourcen zu nutzen und anfangen, unser Potenzial zu entfalten. Im letzten Kapitel zeigt er Wege zum Ausstieg aus unserem vermeintlich sicheren Hamsterrad auf. In dem Unterkapitel „Wir könnten gesünder und zufriedener sein“ spricht er auf Seite 134 die Ausübung von Yoga an, anschließend geht er zur Achtsamkeitslehre über und beendet das Kapitel mit dem Hinweis auf die Vorteile der Meditation, ohne weder die eine noch die andere Form dieser Praktiken namentlich zu erwähnen.

Leider ist das gesamte letzte Kapitel im Konjunktiv geschrieben. Die Wahl dieser Zeitform steht für mich im Gegensatz zu einem Mutmacher, welcher dieses Buch laut Aufdruck sein möchte. Ein Mutmacher sollte direkt auf seine Leser zugehen und nicht als eine Form der Möglichkeit in Erscheinung treten. Außerdem erschwert diese passive Schreibweise das Lesen und wenn dazu noch Schachtelsätze mit eingestreuten Fachbegriffen kommen, unterbricht das meinen Lesefluss, weil ich an einigen Stellen doch mal kurz mit den Augen rollen muss. Für das Augenrollen gibt es zwar einen Stern weniger, aber ansonsten ist es ein aufschlussreiches Buch über uns Menschen und unser Gehirn, insofern man sich für dieses Thema interessiert.

  (4)
Tags: erziehung, gehirnforschung, gerald hüther, neuroplastizität, stressbewältigung   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

osho, religion, priester, meditation, gott

Der Gott, den es nicht gibt

Osho , Michael Görden , Renate Schilling (Übers.)
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.10.2008
ISBN 9783548741604
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das ist mein erstes Buch von Osho und ich bin begeistert von der klaren Offenheit, der bestechenden Logik und der rebellischen Intelligenz des Professors. Osho selbst hat nie ein Buch geschrieben. Es sind seine Vorträge, die in Büchern zusammengefasst wurden und so liest sich das Buch auch. Nach einem Vorwort werden drei Fragen pro Kapitel gestellt, die Osho ausführlich beantwortet und am Ende einiger Kapitel gibt Osho eine Anleitung zum Meditieren.

Was in diesem Buch immer wieder zum Ausdruck kommt, ist die Bewunderung und Verehrung Oshos für Friedrich Nietzsche. Osho bezeichnet und erkennt Nietzsche als Genie an, denn kein anderer Philosoph ist mittels des Verstandes dem Zustand über den Verstand hinauszugehen, jemals soweit wie Nietzsche gekommen. Jedoch die eigene Erkenntnis, dass es keinen Gott gibt, hat Nietzsche den Boden unter den Füßen weggezogen und Osho ist der Meinung, hätte Nietzsche meditiert, wäre er nicht wahnsinnig geworden.

In diesem Buch bekommt jeder sein Fett weg. Nicht nur die Götter, die Kirche oder die Religionen, auch die Gesellschaft, die Philosophen bis hin zur Ehe stellt Osho vieles in Frage. Über sein Heimatland Indien schreibt er, dass es ein sehr religiöses Land ist, welches mehr auf Gott als auf Zement vertraut, was zur Folge hat, dass in Indien ständig irgendwelche Brücken einbrechen. Aber bleiben wir bei den Philosophen, welche nach Oshos Auffassung, die Welt nie richtig verstehen werden, weil sie nicht in der Lage sind, über den Verstand hinauszugehen, denn der eigene Verstand ist ihr Kapital, aber der Verstand ist nun mal begrenzt und allein mit dem Verstand kann man die Existenz nicht erklären, man muss das innere Ich fühlen, dann braucht man keine Antworten mehr, weil man keine Fragen hat. Alles ist klar und erklärt sich von selbst, aber ohne Meditation kommt der Mensch nicht in solch einen Zustand und überfordert nur sich selbst (siehe Nietzsche).

Oshos Auffassung über Jesus ist auch wenig schmeichelnd. Für ihn war Jesus ein armseliger Schwachsinniger, der einen Psychologen gebraucht hätte und keine Kreuzigung. Noch nicht mal einen Vater hatte er, denn Maria war bereits schwanger als sie Joseph heiratete und somit musste der Heilige Geist, statt des unheiligen Nachbarn, erfunden werden. Was übrig bleibt sind die Priester und die machen mit der Angst der Menschen und deren Sehnsüchten ein dickes Geschäft. Sie sind diejenigen, die genau wissen, dass es keinen Gott gibt, aber mit einem Gott klingeln die Kirchenkassen lauter und die Menschen brauchen jemanden, der sie führt, der ihnen Halt gibt, der sie unterjocht und wer könnte das wohl besser als (der nicht existierende) Gott.

Immer wieder belegt Osho in seinen Vorträgen auf logische, nachvollziehbare und unterhaltsame Art und Weise, dass es keinen Gott geben kann. Seiner Meinung nach hat, wer an Gott glaubt nicht alle Latten am Zaun. Die einzig wahre Religion findet jeder nur in sich selbst, in seinem tiefsten Inneren. Dort kann man seinen eigenen Buddha entdecken, Ruhe und Klarheit finden und sich mit der Existenz verbunden fühlen. Wer Zen praktiziert, braucht keinen Gott. Es ist höchste Zeit für die Menschheit sich selbst durch Meditation zu finden, ansonsten wird die Menschheit einen globalen Selbstmord begehen, so Osho. Wir stehen kurz einem Kollaps. Schaut man sich um, muss man Osho Recht geben. Überall wimmelt es von depressiv Kranken, an Allzheimer erkrankten Menschen und an zunehmenden Burnoutpatienten. Die einzige Methode, die die Menschheit retten kann, wieder Mensch zu werden, ist Meditation. Sie entstresst den Geist, gibt uns Gewissheit, Lebensfreude und nimmt uns unsere Ängste. 

  (5)
Tags: gott, meditation, osho, priester, religion   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.174)

1.279 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 19 Rezensionen

klassiker, familie, thomas mann, deutschland, verfall

Buddenbrooks

Thomas Mann
Flexibler Einband: 848 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 05.04.2012
ISBN 9783596904006
Genre: Klassiker

Rezension:

Der Leser begleitet die Familie Buddenbrook auf über 700 Seiten durch ihre Geschichte und wird Zeuge des schleichenden Verfalls dieser angesehen Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Was bleibt, ist die Frage, worin die eigentliche Ursache des Unterganges der Familie liegt.

Die Buddenbrooks leben vor allem für die Gesellschaft, weil die Gesellschaft maßgeblich für den Erfolg der Familie verantwortlich ist, aber die Gesellschaft verändert sich konträr zu den Idealen der Familie und irgendwann beginnen die Buddenbrooks, an ihrem selbst auferlegten Erfolgsdruck zu ersticken. Vor allem Thomas Buddenbrook, denn nach dem Tod der alten Buddenbrooks, bleibt die ganze Verantwortung an ihm hängen. Sein Bruder Christian pflegt seine eingebildeten Krankheiten und hat überhaupt keinen Geschäftssinn. Seine Schwester Antonie liebt den Reichtum und die Anerkennung und getrieben von diesen eingeengten Ansichten, geht sie die erste Ehe mit einem Betrüger und die zweite mit einem Taugenichts ein. Statt die Tragik dahinter zu erkennen, zieht sie es vor, sich nach dem Scheitern beider Ehen zu bemitleiden und schafft es obendrein, dass ihre Tochter Elisabeth ebenfalls einen fragwürdigen Mann ehelicht. Thomas Buddenbrooks Frau Gerda ist zwar schön, aber unnahbar. Sie liebt die Musik, aber nicht ihren Mann. Endlich erblickt der langersehnte Sohn Hanno das Licht der Welt, aber er entspricht überhaupt nicht dem Buddenbrook-Ideal. Er ist schwächlich und fühlt sich von seinem beharrlichen Vater überfordert und sucht, genau wie seine Mutter, Zuflucht in der Musik.

Zurück bleibt ein erschöpfter Thomas Buddenbrook und Thomas Mann hat für den innerlichen Zerfall Thomas Buddenbrooks ein schönes Bild erschaffen, denn je mehr sein Inneres zerbricht, umso mehr Aufwand betreibt er mit der Pflege seines Äußeren. Am Ende ist er in sich gefangen und diese innerliche Gefangenschaft erniedrigt ihn, erdrückt ihn und raubt ihm alle Kraft zum Weitermachen. Sie schnürt ihm die Kehle zu, sodass ihm die Luft zum Atmen, zum Leben ausgeht.

Manchmal hat man als Leser das Gefühl, dass die detailverliebten, nicht enden wollenden Beschreibungen des Autors dem Werk an einigen Stellen die Energie entzieht. Man glaubt, die Handlung käme ins Stocken und hinge an einem seidenen Faden, was die Lust am Weiterlesen mitunter beeinträchtigt. Aber man muss bei Thomas Mann auf der Hut sein, denn hinter jedem seiner Worte steckt mehr als eine simple Beschreibung. Es sind empathische Intelligenz und Weitblick verbunden mit Sprachgewalt, die dieses Werk schlussendlich zu einem Meisterwerk machen.

  (8)
Tags: die buddenbrooks, familienchronik, lübeck, roman-klassiker, thomas mann   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9.305)

11.274 Bibliotheken, 172 Leser, 6 Gruppen, 840 Rezensionen

liebe, sterbehilfe, behinderung, jojo moyes, unfall

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Romane

Rezension:

Louisa Clark und Will Traynor sind so unterschiedlich wie ein Paar nur sein kann. Die arbeitsuchende Louisa, Mitte zwanzig, liebt die kleine englische Stadt, in der sie mit ihren Eltern seit jeher unter einem Dach wohnt und ist zufrieden mit dem was sie hat. Der erfolgreiche, gutaussehende und reiche Mittdreißiger Will hatte alles, was man sich wünschen kann, ist aber seit seinem Unfall nicht nur an den Rollstuhl gefesselt, sondern auch auf ständige Unterstützung angewiesen, um sein behindertes Leben überhaupt leben zu können. Es kommt wie es kommen soll: Louisa übernimmt die gut bezahlte, aber für ein halbes Jahr befristete Stelle als Pflegekraft, für den unzufriedenen und ständig zynischen Will. Als sie erfährt, dass er in einem halben Jahr einen Termin in der Schweiz hat, um seinem Leben dort ein Ende zu setzen, erwachen mit der Zeit eine Kraft und Entschlossenheit in ihr, die bisher völlig untypisch für ihr Leben waren, nur um Will in seinem Entschluss umzustimmen. In ihren ganzen Bemühungen um Will, bemerkt Louisa gar nicht, wie Will sie zunehmend dahingehend manipuliert, eine andere Sichtweise für ihr eigenes kleines Leben zu entwickeln.

Alles in allem haben wir es hier mit einem Buch im Schafspelz zu tun. Man glaubt eine romantische Liebesgeschichte zu lesen, jedoch ist dieses Buch weit mehr als das, denn die Autorin beschäftigt sich mit einem ernsten Thema, das immer wieder die Gemüter erhitzt. Aber Jojo Moyes bettet die Problematik des begleitenden Freitodes in eine Geschichte voller Gefühl mit sympathischen Protagonisten, authentischen Figuren und witzigen Dialogen, sodass sich der Leser, sensibel von der Autorin geführt, mit diesem Thema gewollt oder nicht gewollt hin- und hergerissen auseinandersetzt. Und das auch noch Tage später, nachdem man das Buch bereits zu Ende gelesen hat. 

  (3)
Tags: behinderung, england, liebe, schweiz, sterbehilfe   (5)
 
310 Ergebnisse