Leserpreis 2018

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Glocke im See

Lars Mytting , Hinrich Schmidt-Henkel
Fester Einband: 482 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 14.01.2019
ISBN 9783458177630
Genre: Romane

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Graue Nächte

Arnaldur Indriðason , Anika Wolff
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.12.2018
ISBN 9783785726297
Genre: Krimi und Thriller

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255 Bibliotheken, 20 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Magic Cleaning

Marie Kondo , Monika Lubitz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2013
ISBN 9783499624810
Genre: Sachbücher

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28 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Agathe

Anne Cathrine Bomann , Franziska Hüther
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 28.01.2019
ISBN 9783446261914
Genre: Romane

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Tags: 2019, hanser blau verlag, roman   (3)
 

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62 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Alles, was du fürchtest

Peter Swanson , Fred Kinzel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.12.2018
ISBN 9783734105432
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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(26)

46 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 10 Rezensionen

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Die Frau, die liebte

Janet Lewis , Susanne Höbel
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 29.03.2018
ISBN 9783423281553
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Sie sah, wie sie hilflos auf einer großen Welle der Missverständnisse und verfehlten Gelegenheiten nach vorn getragen wurde und im Begriff war, eine noch größere Sünde zu begehen als die, vor der sie sich gefürchtet hatte.“


Inhalt

Bertrande de Rols wird bereits als Kind mit Martin Guerre verheiratet, weil die Eltern diese Verbindung gutheißen und sich davon Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Sie hat das große Glück, sich sowohl mit ihren Schwiegereltern als auch mit dem Gemahl immer besser zu verstehen. Tatsächlich wird aus der Zweckverbindung eine große Liebesbeziehung, die bald schon mit einem gemeinsamen Kind gekrönt wird. Doch der junge Martin möchte selbstständig handeln und sich nicht mehr hinter die Wünsche und Vorhaben seines Vaters stellen. Eigenmächtig trifft er Entscheidungen, zu denen er nicht befugt ist und bespricht mit seiner Frau, dass er nun zumindest für eine Weile dem elterlichen Hof den Rücken kehren wird, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Bertrande verschweigt ihr Mitwissen und wartet sehnsüchtig auf Martins Rückkehr.

 Doch die Jahre vergehen und aus Hoffnung wird Betrübnis, allein muss sie nun den Sohn großziehen und ihr Geliebter ist wahrscheinlich im Kampf gefallen. Als schließlich der Hausherr verstirbt, kehrt plötzlich und unerwartet Martin zurück, merklich gealtert aber voller Elan an der Fortführung seines Haushalts. Mit offenen Armen wird der Zurückgekehrte empfangen, nur Bertrande beschleichen immer wieder Zweifel. Sie erkennt den Mann nicht wieder, ist sich unsicher, ob er es wirklich ist und bringt schließlich mit einer initiierten Gerichtsverhandlung den Stein ins Rollen. Und während die Richter sich alle Zeugenaussagen anhören, wird Bertrande klar, dass jedes Urteil in diesem Fall ihr persönlicher Untergang sein wird …


Meinung


Die 1998 verstorbene amerikanische Autorin Janet Lewis greift in diesem Roman einen der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs auf und beleuchtet mit einer fiktiven Geschichte die historischen Überlieferungen. Ein sehr gelungener Mix, der trotz seiner Unglaublichkeit in den Bann zieht. Bertrande de Rols wird dabei als eine starke, entscheidungsfreudige Frau dargestellt, die mit aller Macht an das Gute und an die Liebe glaubt, sukzessive wird dieses Urvertrauen jedoch unterwandert und aus der hoffnungsfrohen jungen Frau wird eine leidgeplagte Mittdreißigerin, die ihren Wünschen und Sehnsüchten nichts zu geben vermag. Die Autorin schafft genau die richtige Basis, damit der Leser sich der Protagonistin entsprechend nahe fühlt, und sich mit Tiefe und Empathie in deren Leben einfühlen kann.


Umso spektakulärer und erschütternder ist nun der Fortgang der Handlung, denn als gottgläubige Frau, die ihrem Gemahl treu ergeben ist, wäre ein Ehebruch eine Sünde und dann auch noch eine selbstverschuldete, da sie den neuen Mann zunächst durchaus willig aufgenommen hat und mit ihm ein weiteres Kind zeugte. Die Seelenqualen und Zweifel der jungen Frau sind spürbar und konsequent, so dass man sich als Leser tatsächlich eine Aufklärung erhofft.


Das besondere an dieser Erzählung ist die Perspektive, die der Leser einnimmt, denn obwohl man sehr genau die Zerrissenheit der jungen Frau wahrnimmt, bleibt das tatsächliche Verschwinden des Martin Guerre ziemlich schwammig. Mir drängte sich stark die Frage auf: „Warum ist er so lange fortgeblieben?“ oder „War es wirklich nur die Angst vor dem Zorn des Vaters, die ihn aufgehalten hat?“ vielleicht auch nur „Warum hat er Frau und Sohn, für die er doch starke Gefühle hegte, so ohne weiteres verlassen?“. Und da diese Hintergründe bis zum Schluss ungeklärt bleiben, komme ich nicht umhin, eine eher negative persönliche Meinung über Martin Guerre zu haben. Und auch das Ende lässt mich betrübt zurück, kann man doch davon ausgehen, dass die Liebe der Bertrande de Rols einfach nicht reichte, um Bestand zu haben.


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen höchst interessanten, dramatischen, historisch inspirierten Roman, der sich minutiös mit Gewissensfragen einer geplagten Seele beschäftigt. Der empathisch und ehrlich erzählt, wie es sich anfühlt, wenn man die eigene feste Überzeugung ziehen lassen muss und sich mit bitteren Wahrheiten konfrontiert sieht. Ein kleines, feines Büchlein für schöne Lesestunden, welches zu Fragen über den Bestand der Liebe anregt, über den willkürlichen Verlauf des Schicksals und die Kraft der Wahrheit. Ich kann es getrost weiterempfehlen, es hat mir gut gefallen, sowohl was den Unterhaltungswert anbelangt als auch die erzählerische Dichte.

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Tags: 2018, drama, ehe, enttäuschung, frankreich, gerichtsverhandlung, historisch, identität, roman, romane-challenge   (10)
 

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176 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 88 Rezensionen

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Die Unsterblichen

Chloe Benjamin , Norbert Möllemann , Charlotte Breuer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 29.10.2018
ISBN 9783442758197
Genre: Romane

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124 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 24 Rezensionen

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Mittagsstunde

Dörte Hansen
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 15.10.2018
ISBN 9783328600039
Genre: Romane

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46 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

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Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 28.02.2019
ISBN 9783608963380
Genre: Romane

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(1.025)

1.918 Bibliotheken, 23 Leser, 7 Gruppen, 171 Rezensionen

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Kalte Asche

Simon Beckett , Andree Hesse
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.2008
ISBN 9783499241956
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Ich hatte an genügend Brandermittlungen teilgenommen, um sehr genau zu wissen, was sie bedeuteten. Das Feuer war kein Unfall gewesen. Und dann kam mir ein noch schlimmerer Gedanke, einer, den ich bisher nicht einmal in Erwägung gezogen hatte.“


Inhalt


Der forensische Anthropologe David Hunter wird in seinem zweiten Fall auf die schottische Insel Runa berufen, um den dortigen Ermittlern Unterstützung zu gewähren, da es der übergeordneten Polizeibehörde auf dem Festland nicht möglich ist, ein komplettes Spurensicherungsteam loszuschicken.

Etwas widerwillig beginnt er mit der Arbeit an einer bis Unkenntlichkeit verkohlten Frauenleiche, die in einem alten Cottage gefunden wurde, welches vom Einsturz bedroht ist. Tatsächlich gelingt es ihm mittels Zahnüberprüfungen die Identität der Toten festzustellen, doch die Frau war eine Prostituierte, die mit der Insel selbst anscheinend nur in loser Verbindung stand. Immer mehr beschleicht David aber der Verdacht, dass der Täter unter den Bewohnern von Runa zu finden ist. Denn die zwischenmenschlichen Beziehungen sind alles andere als nett, außerdem sind es die Bewohner gewöhnt, unter sich zu bleiben und Fremden keinen Einblick in ihr Leben und ihre Geheimnisse zu gewähren. Der Grat zwischen Aggressionen und Leidenschaften ist sehr schmal, jeder könnte ein Motiv haben. Als kurze Zeit später die zweite Brandleiche gefunden wird, diesmal der junge Coroner der Polizei, der die Überreste der ersten Leiche bewachen sollte, wird deutlich, dass auf Runa ein Mörder zu Hause ist, dem es missfällt, dass David Hunter seinen Machenschaften zu nah gekommen ist …


Meinung


Dem englischen Autor ist mit seiner Reihe über den stillen, eher unbeteiligten Anthropologen David Hunter eine sehr atmosphärische, detaillierte Kriminalgeschichte gelungen, die in erster Linie durch ihr Setting besticht und die leise, bedrohliche Gefahr hinter der Fassade der Menschen. Er setzt sich intensiv mit sämtlichen Beziehungsmustern der handelnden Personen auseinander und erweckt damit den Eindruck, dass man selbst Teil der Geschichte ist und meint, die Protagonisten zu verstehen und ihre Handlungsmuster nachvollziehen zu können. Doch immer wieder nimmt die Spannung zu, da Andeutungen bald schon zu Gewissheiten werden und sich Grundsätzliches als vollkommen falsch entpuppt. Eine äußerst interessante Variante, die durch die eher klassische Erzählweise sehr gut unterstützt wird.


Fazit


Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen gelungenen Kriminalroman, der ein schaurig-schönes Intermezzo auf einer sturmgepeitschten, von der Außenwelt abgekapselten Insel thematisiert und mit zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen besticht.

Der Fokus der Erzählung liegt weniger auf einem actionreichen Handlungsverlauf, als vielmehr auf den Geheimnissen einzelner Personen, die alle in einer unerwarteten Verbindung zueinander stehen und weit mehr füreinander sind als die Nachbarn einer kleinen Gemeinde. Die Tötungsdelikte an sich, die sich hier größtenteils auf die Verbrennung von Leichen beschränken fand ich etwas einseitig, zumal ein Forensiker aus der kalten Asche weniger Spuren verwerten kann als aus der natürlichen Verwesung des menschlichen Körpers, deshalb kam hier die medizinische Komponente für meinen Geschmack etwas zu kurz. Wer intelligente, differenzierte Kriminalromane mag, kommt hier aber voll und ganz auf seine Kosten, deshalb mein Gesamturteil: empfehlenswert.

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Tags: band 2, brandopfer, david hunter, insel, rowohl verlag, thriller, verbrechen   (7)
 

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140 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

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Stella

Takis Würger
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 11.01.2019
ISBN 9783446259935
Genre: Romane

Rezension:

„Aus der Entfernung hatten die Deutschen groß gewirkt, aus der Nähe wirkten sie so klein wie ich. Groß waren nur die Kulissen, die Fahnen vor allem. Die deutschen Fahnen waren sehr groß. Ich nahm mir vor, bald weiterzureisen.“


Inhalt


Friedrich ist Schweizer und nimmt sich entgegen jeder Vernunft vor, im Jahre 1942 die Heimat zu verlassen und sich ins Zentrum Deutschlands, in die Großstadt Berlin zu begeben. Sein familiäres Zuhause hält ihn nicht, denn die Ehe seiner Eltern ist schon viele Jahre zerrüttet, die Mutter ist Künstlerin und darüber hinaus Alkoholikerin, der Vater schwimmt zwar in Geld, lebt aber sein ganz eigenes, irgendwie weltfremdes Leben.

 Schon kurz nach seiner Ankunft trifft Friedrich in einer Kunstschule eine junge Frau, die sich an seine Fersen heftet. Sie heißt Kristin und symbolisiert für ihn das blühende Leben, die so lang ersehnte Freiheit. Nicht nur ihr einnehmendes Wesen und die unkomplizierte Art imponieren ihm, nein auch ihr Mut, ihre Raffinesse, ihr Esprit – all jene Charaktereigenschaften, die ihm zu fehlen scheinen. Und aus Kristin und ihm wird ein Liebespaar.

Wenig später aber ist sie verschwunden und steht kurz darauf mit geschorenen Haaren, blauen Flecken und Tränen in den Augen vor ihm, um zu gestehen, dass sie eigentlich Stella heißt, eine Jüdin ist und sich gezwungen sieht für die Gestapo zu arbeiten, wenn sie sich selbst und das Leben ihrer Eltern retten will. Friedrich ist mit dem Geständnis überfordert, denn ihn stört zwar nicht die eingestandene Lüge aber doch, die nun drohende Alltagssituation. Immer wieder verschwindet Stella, geht ihren Aufträgen nach, lässt ihn auflaufen und entzieht sich mehr und mehr seinem Einfluss. Sein Unvermögen gegenüber der neuen Entwicklung treibt Friedrich zur Verzweiflung und ihm wird immer deutlicher bewusst, dass er die Gegenwart nicht mehr ertragen kann, das es eine Zukunft mit der Frau seiner Träume nicht geben wird und das es an ihm selbst ist, sein Leben zu ändern …


Meinung


Meine Erwartungshaltung an diesen Roman war sehr hoch, zum einen weil ich mich vom Schreibstil und der literarischen Umsetzung des Autors bereits in seinem Vorgängerroman „Der Club“ überzeugen konnte, zum anderen weil ich mit Vorliebe Literatur mit dem Handlungsschwerpunkt Nationalsozialismus bzw. Zweiter Weltkrieg lese und da schon sehr oft wahre Perlen gefunden habe.


 Und so gelingt es dem begabten Autor leider nicht, mich restlos von „Stella“ zu überzeugen und das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zunächst einmal hat mich hier der nüchterne, eher pragmatische Erzählton gestört, der es mir nicht möglich machte, mich in irgendeine der Personen tatsächlich einzufühlen. Eher im Gegenteil, ich habe mich stellenweise geärgert, wie ruhig und unbeteiligt die vermeintlichen Freunde zusammensitzen und dekadentes Essen genießen, sich ihrer Privilegien durchaus bewusst und nach wie vor zu Späßen aufgelegt. Es gibt ihn nicht, weder den Sympathieträger, noch den Bösewicht, auch nicht die Frau, die beschützt werden muss, noch nicht einmal den Protagonisten, der Ursachenforschung betreibt. Irgendwie schade, denn wenigstens eine Person hätte mich gerne an die Hand nehmen dürfen und durch den Text führen.


Der andere Kritikpunkt ist eine für mich uneinsichtige Argumentation bezüglich der Straftaten, die hier zwar immer wieder mittels Zeugenaussagen fokussiert werden, deren Ausübung oder vielmehr noch die Motive für die Handlungen der Stella Goldschlag aber im Dunkeln bleiben. Demnach lässt mir der Autor zu viel Spielraum für eigenes Ermessen und zu wenig emotionale Beteiligung an den Geschehnissen. Tatsächlich waren es diese Punkte, die inhaltlich wesentlich besser zu dem Roman „Der Club“ passten und ihn zu einem Highlight gemacht haben.


Dennoch mag ich die literarische Umsetzung auch hier, selbst wenn sie nicht meine persönlichen Lesevorlieben trifft. Es sind mehr die moralischen Punkte, die hier bedient werden, die innere Zerrissenheit eines liebenden Mannes, der sehr genau zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann und schmerzlich erfahren muss, dass er sich hier in einem persönlichen Dilemma befindet. Das Buch geht eher der Frage nach, ob man verzeihen kann, oder lieber die Augen verschließt, ob man unverzeihliche Fehler dennoch vergibt, eben weil man liebt oder wie weit die Integrität reicht.


Und ein weiterer Punkt auf der positiven Bewertungsseite ist die Glaubwürdigkeit der Einzelpersonen. Stella hasst den Teil ihrer Selbst, der andere ausliefert, um die eigene Haut zu retten. Tristan von Appen, Freund und Feind gleichermaßen und darüber hinaus ein hohes Tier bei der Gestapo, sonnt sich in seiner Macht und den Vorzügen seiner Stellung, doch würde es den Rahmen nicht geben, wäre auch er ein anderer. Und schließlich Friedrich, der stille Beobachter, der Unbeteiligte, der jederzeit gehen könnte und es doch nicht tut. Der auch später im Leben auf seine Zeit in Berlin zurückblickt und Stella niemals aus der Erinnerung streicht – diese zwiespältigen Verhaltensweisen in Anbetracht der historischen Hintergründe füllen diesen Roman mit einer erzählerischen Dichte, die mir ausgesprochen gut gefallen hat.


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen fiktiven doch historisch angelehnten Roman über das Leben der Jüdin Stella Goldschlag und ihrem Wirken im Rahmen des Nationalsozialismus. Eingebettet in tatsächliche Begebenheiten, untermalt mit echten Straftaten und belebt mit einer dramatischen Liebesgeschichte kann man hier in eine andere Zeit eintauchen, psychologische Aspekte menschlicher Verhaltensweisen hinterfragen und sich entspannt zurücklehnen. Etwas mehr Emotionalität hätte der Erzählung aus meiner Sicht gutgetan, ich habe sie aber auch gerne aus der pragmatischen Perspektive betrachtet, für die Wahl des Schauplatzes und der Zeit eine eher sachliche Herangehensweise. Vom Können des Autors bin ich überzeugt, er bringt Leser und Buch zusammen und schildert eindringlich und präzise seine Ausführungen.

 

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331 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 24 Rezensionen

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Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen

Mitch Albom , Andrea Ott
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.10.2005
ISBN 9783442460779
Genre: Romane

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37 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

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Die Tagesordnung

Éric Vuillard , Nicola Denis
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 28.03.2018
ISBN 9783957575760
Genre: Romane

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(333)

634 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 49 Rezensionen

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Totengrund

Tess Gerritsen , Andreas Jäger
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.05.2012
ISBN 9783442374816
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Er brauchte keine Kostümierung, keinen auffälligen Glitter und Tand, um die Aufmerksamkeit der Menge zu fesseln. Sein Blick allein, so durchdringend wie Röntgenstrahlen, zog unweigerlich jedes Augenpaar im Saal auf sich.“


Inhalt


Nach einem Ärztekongress beschließt die Rechtsmedizinerin Maura Isles mit ihrem Jugendfreund Douglas und dessen Bekannten einen kleinen Ausflug zu unternehmen, bevor sie sich wieder in den Flieger setzt und nach Hause zurückkehrt. Doch der Wintereinbruch in Wyoming macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, ihr Auto kommt auf der menschenleeren Straße nicht weiter und auf Grund der kalten Temperaturen müssen sie sich einen Unterschlupf suchen. Ganz in ihrer Nähe befindet sich die geschützte Siedlung Kingdom Come, in der seltsamerweise alle Häuser nicht nur gleich aussehen, sondern aus unersichtlichen Gründen leer stehen. Die Bewohner scheinen Hals über Kopf geflüchtet zu sein, nur ein erfrorener Hund ist auffindbar. Als Notunterkunft dienen die Häuser aber allemal. Erst als einer der Mitreisenden schwer verletzt wird, nachdem er mit seinem Bein unter die Schneeketten des Fahrzeugs geraten ist, und nach vielen Tagen immer noch keine Hilfe naht. Macht sich Maura notgedrungen mit Schneeschuhen auf den Weg in die nächste Stadt. Doch auch dort kommt sie nicht an, denn ein junger Mann, angepasst an ein Leben in der Wildnis, entführt sie auf ihrem Weg und behauptet er bewahre sie vor einer großen Gefahr – und tatsächlich, als Maura einige Zeit später auf die Siedlung einen Blick erhascht, sind dort alle Hütten verbrannt und ihr Entführer behauptet, das dies noch lange nicht das Ende einer groß angelegten Aktion sei …


Meinung


„Totengrund“ ist der nunmehr achte Band aus der Rizzoli-Isles-Reihe der Bestsellerautorin Tess Gerritsen und bringt, anders als sein Vorgänger, wieder richtig Leben in die Geschichte über die Rechtsmedizinerin Dr. Isles und ihre befreundete Polizistin Jane Rizzoli. Grund dafür ist das spannende Setting, welches hier gewählt wurde. Eine kleine Menschengruppe, gefangen im Schnee, angewiesen auf die Hilfe anderer, abgeschottet von der Außenwelt und in greifbarer Gefahr, selbst wenn der Leser diese zunächst mehr ahnt als tatsächlich erkennt.


 Der Handlungsaufbau konzentriert sich hier auf zwei Ebenen: zum einen die Erlebnisse von Maura vor Ort, die stellenweise sehr gruselig sind, zum anderen die fieberhafte Suche der Polizei nach den Vermissten, in einem Wettlauf gegen die Zeit. Im Nacken sitzt dem Leser dabei die latente Unruhe, dass all die Ereignisse geplant waren, das im Dunkeln noch das Böse lauert und die Gefahr sich ganz in der Nähe befindet und dennoch nicht sichtbar zeigt.


 Abgerundet wird die Geschichte um das Verschwinden und die Suche von einer immer detaillierter werdenden Bedrohung durch die Mitglieder einer Sekte. Genannt wird sie „Die Zusammenkunft“ und ihre Mitglieder waren die Bewohner der verkohlten Siedlung. Unter Führung ihres Propheten Jeremiah Goode scharen sich dort viele Frauen und junge Mädchen um nur wenige Männer, die sich unter ihnen ihre Seelenbraut aussuchen dürfen, oder auch gleich mehrere, wenn es sie danach gelüstet. Doch da keiner genau benennen kann, welche Verbrechen sich hinter der gut geschützten Fassade ereignet haben, gehen die Missbräuche im Inneren munter weiter. Nur Maura lernt mit ihrem jugendlichen Entführer im Schnee eine ganz andere Seite kennen, denn Julian Perkins, so sein offizieller Name, war einst ebenfalls Bewohner der Siedlung Kingdom Come …


Fazit


Ich vergebe sehr gute 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen temporeichen aber geheimnisvollen Thriller über die Abgründe hinter einer gut geschützten Fassade. Immer wieder besticht die Handlung durch unvorhersehbare Wendungen, so dass man als Leser das Gefühl hat, immer ganz kurz vor der Lösung zu stehen, um dann doch keine Antwort zu erhalten. Ein psychologisches Nervenspielchen zwischen den Betroffenen, den Drahtziehern im Hintergrund und den leicht verwirrten Lesern, die bald in jedem eine echte Bedrohung entdecken. Empfehlenswert ist das Buch für alle, die ein Faible für Sekten und die ganz spezielle Gruppendynamik haben und sich gern auf eine Entdeckungsreise zwischen Angst, dunkler Gefahr und latenter Bedrohung begeben. Das ideale Buch für winterliche Schmökerstunden mit Nervenkitzel.

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Tags: band 8, limes verlag, sekte, suche im schnee, thriller, verfolgung, verschwinden   (7)
 

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(471)

901 Bibliotheken, 78 Leser, 2 Gruppen, 164 Rezensionen

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Der Insasse

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Droemer, 24.10.2018
ISBN 9783426281536
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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(28)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Die Unversehrten

Tanja Paar
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 13.02.2018
ISBN 9783709934166
Genre: Romane

Rezension:  
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(3.972)

5.211 Bibliotheken, 33 Leser, 9 Gruppen, 128 Rezensionen

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Die Chemie des Todes

Simon Beckett , Andree Hesse
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2011
ISBN 9783499256462
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Eine solche Sache holt das Schlimmste aus jedem heraus. Manham ist ein kleiner Ort. Und kleine Orte erzeugen kleine Geister. Vielleicht bin ich übermäßig pessimistisch. Aber wenn ich du wäre, wäre ich auf der Hut.“


Inhalt


David Hunter flieht vor seinen schmerzhaften persönlichen Erinnerungen, die ihn immer wieder an den Unfalltod seiner geliebten Frau und der gemeinsamen Tochter erinnern von London in die Kleinstadt Manham. Dort möchte er an der Seite des ansässigen Allgemeinmediziners Henry Maitland Fuß fassen und ein neues Leben beginnen. Doch kurz nach seinem Erscheinen beginnt eine Mordserie, bei der es der Täter auf junge, attraktive Frauen abgesehen hat, die angeblich keine Feinde hatten. Bedächtig wählt er seine Opfer aus, und schickt ihnen kurz vor der Entführung eine kleine Warnung, indem er ihnen geschändete Tiere schenkt. Gegen seinen Willen wird David bald in die Mordermittlung involviert, nicht nur weil er die Opfer kannte, sondern vor allem wegen seiner beruflichen Qualifikation, die im Rahmen der Aufklärungsarbeit von höchster Bedeutung ist. Sein Wissen über die Verwesungsprozesse des menschlichen Körpers führen dazu, dass sich der mögliche Täterkreis weiter eingrenzt, doch von einem durchschlagenden Erfolg ist die Polizei noch weit entfernt. In der Zwischenzeit wird schon die nächste Frau entführt, und mit dieser hatte David gerade die Hoffnung auf eine neue Liebe entdeckt …


Meinung


Der britische Bestsellerautor Simon Beckett startet seine David-Hunter-Reihe mit einem bedrückenden, eher stillen und dennoch grausigen Geschehen, welches stellenweise sehr detailliert die Verwesungsvorgänge im Inneren eines menschlichen Körpers schildert, wenn dieser der Natur anheimfällt, nachdem ihm tödliche Verletzungen zugefügt wurden. Sehr umfassend und eindringlich beschreibt Beckett aber nicht nur den Tod, sondern auch die lebendigen Akteure seiner Geschichte. Der Schauplatz einer Kleinstadt bietet sich dafür hervorragend an, wachsen dort das Misstrauen und die latenten Feindschaften doch viel schneller als in großen Gemeinden, weil jeder jeden kennt und Fremde ganz genau unter die Lupe genommen werden.


Für Abwechslung sorgt die gewählte Erzählperspektive, denn obwohl David Hunter direkt an der Mordserie beteiligt ist, nimmt er weder die Rolle des Opfers, noch die des Täters ein und er ist auch nicht der leitende Polizist. Dieser Blickwinkel erlaubt ein gleichermaßen nahes, wie differenziertes Modell bezüglich der Mordserie und ihres Verlaufes. Als Leser ist man weder zu nah dran, um direkt zu erahnen, was der Täter möchte, noch sind einem die Hände gebunden, wie es manchmal aus Sicht der Beamten geschehen kann. Dadurch ergibt sich natürlich auch ein hoch dramatischer Handlungsverlauf, denn Zivilisten treffen nicht immer gute und sichere Entscheidungen, ganz besonders dann nicht, wenn die Opfer ihre besondere Aufmerksamkeit haben.


Dennoch gelingt es dem Autor alle Positionen deutlich zu charakterisieren, er fühlt sich in die aussichtlose Lage des Opfers ein, beleuchtet aber auch die verstörenden Gedankengänge des Täters und nimmt Teil am auseinanderbrechenden Gemeindeleben, bei dem der Pfarrer plötzlich zum Richter wird und die unscheinbare Hausfrau dunkle Vorahnungen hat.


Fazit


Ich vergebe 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen sehr stimmungsvollen, effektiven Thriller, der auf positive Art und Weise eine intensive, dunkle Geschichte erzählt, die sich immer nah an der Realität bewegt. Eine gut nachvollziehbare ausgereifte Handlung, die gleichermaßen Spannungs- wie Aufklärungsmomente hat und einen objektiven, ehrlichen Hauptprotagonisten, dem man seine Entscheidungen abkauft. Empfehlenswert für alle Leser, die gerne das Subtile mögen und fehlende Action nicht mit Spannungsarmut gleichsetzen, denn sowohl Menschen als auch ihre Interaktionen bilden den Kern der Geschichte und so sind es auch ihre Verfehlungen, die als Motivator für mörderische Aktivitäten dienen – keine Hetzjagd, keine Polizeigewalt, nur das langsame, stetige Voranschreiten einer ablaufenden Zeit …

 

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118 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

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Raumpatrouille

Matthias Brandt
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462045673
Genre: Romane

Rezension:

„Wenn ich schon nicht so leben konnte, wie ich fühlte, warum konnte ich dann nicht einfach so tun, als ob? Wäre das dann, wenn ich nur überzeugend genug wäre und fest an die Täuschung glaubte, nicht dasselbe wie die tatsächliche Erfüllung meiner Sehnsucht?“


Inhalt


Matthias, der Ich-Erzähler ist der Sohn des Bundeskanzlers Willi Brandt und wächst in einem durchaus behüteten Kosmos auf, der ihn hin und wieder daran erinnert, dass seine Jugend nicht zwangsläufig mit der seiner Klassenkameraden vergleichbar ist. Es gibt Tage, da drängt sich dieser Umstand mit Präsenz in seine Freizeit hinein, wenn er z.B. seinen Vater beim ungewohnten Fahrradfahren begleiten muss und dann scheint wieder alles normal, zwischen den Nachmittagen auf dem Bolzplatz und dem Anspruch nicht nur Briefmarken zu sammeln, sondern gleich noch Postbote als Berufswunsch zu entwickeln. Noch besser wäre aber eine Zukunft als Astronaut, jenseits der hiesigen Verpflichtungen, mit viel Spielraum für Ruhm und Ehre …


Meinung


In diesem kurzen Debütroman von Matthias Brandt, widmet sich der Autor kleinen Episoden aus dem Leben eines Heranwachsenden mit viel Humor und Fingerspitzengefühl. Bereits im Auftakt stimmt er den Leser auf die folgenden knapp 200 Seiten ein: „Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden.“ Damit wird deutlich, dass nicht unbedingt die wahrheitsgetreue Schilderung der Erlebnisse im Vordergrund steht, sondern vielmehr das Gefühl ein junger Mensch mit klaren Vorstellungen und motivierten Zielen zu sein. Und diesen Anspruch erfüllt das Buch auf jeden Fall.


Trotzdem erwartet man etwas mehr Besonderheiten, etwas weniger Unruhe und stellenweise größere Bedacht. Ausgeglichen wird dieser Umstand durch die vielen eindrücklichen, bildhaften Episoden, bei denen sich der Leser tatsächlich in den Kopf des Kindes hineinversetzen kann. Sei es bei der Vorstellung eines Lebens als gefeierter Fussballer, selbst wenn der Hauch jeder Begabung fehlt oder auch als magischer Zauberkünstler, dem dieser einfache, elementare Fehler einfach nicht passieren darf. Mit Matthias Brandt kann man wieder Kind sein und das macht für die wenigen Lesestunden, die man mit der Lektüre verbringt richtig Spaß.


Fazit


Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für diesen individuellen, unterhaltsamen Roman, der weniger tiefgründig und erhellend ist, als man sich das wünscht, dafür aber einen anderen Nerv trifft. Wer damit leben kann, kleine Bagatellen, Kinderweisheiten und scheinbar wahllos herausgegriffene Aspekte eines Heranwachsenden in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schmackhaft gemacht zu bekommen, der fühlt sich mit dieser Lektüre wohl. Wer auf Tiefgründigkeit und Weitsicht spekuliert und seine Prioritäten auf Eckpfeiler der wahren Ereignisse setzen möchte, der sucht vergebens. Ich schwanke zwischen beidem und vergebe daher eine mittlere Bewertung - doch kurzweilig ist das Buch definitiv.

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70 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

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Liebe ist die beste Therapie

John Jay Osborn , Jenny Merling
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.10.2018
ISBN 9783257070439
Genre: Romane

Rezension:

„Sie haben gemeinsam etwas geschaffen, und es ist ihnen sicher nicht in den Schoß gefallen. Sie haben eine Ehe aufgebaut. Und auf deren Seite bin ich, für sie spreche ich, weil von Ihnen niemand für dieses unsichtbare Gebilde einsteht, das Sie gemeinsam gebaut haben.“


Inhalt


Sandy ist Paartherapeutin und ihre derzeitigen Klienten sind die Mittdreißiger Charlotte und Steve. Deren Ehe steht kurz vor dem Aus, nachdem beide Affären hatten und sich offiziell getrennt haben, nur schade, dass sie jetzt um die Betreuung ihrer gemeinsamen Kinder streiten und um den Wert ihrer Beziehung überhaupt. Eine Scheidung möchten sie vorerst nicht, doch der Scherbenhaufen, vor dem sie stehen, lässt sie nicht mehr schlafen, lachen und leben. Die beiden begeben sich in die Hände der Therapeutin und erhoffen sich eine Einigung, wie auch immer diese aussehen mag.

Und Sandy bringt sie wöchentlich an einen Tisch, um gemeinsam mit ihnen über Bedürfnisse, Wünsche aber auch Ängste und Perspektiven zu sprechen. Denn als erfahrene Eheberaterin weiß sie, dass nur die wenigsten Ehen wieder zu dem werden, was sie einst waren – funktionierende Beziehungen. Doch während Charlotte einsieht, dass der neue, verheiratete Mann in der Fremde, nicht ihr nächster Partner werden wird, erkennt Steve, dass sein aufgesetztes, schönes Image nicht reicht, um seine Frau dauerhaft glücklich zu machen. Nach und nach arbeiten die drei die bestehende Situation auf und es stellt sich heraus, dass der unbesetzte grüne Sessel im Zimmer der Therapeutin sehr wohl eine Aufgabe erfüllt …


Meinung


Der US-amerikanische Schriftsteller John Jay Osborn greift in diesem Roman eine durchaus bekannte, nachvollziehbare Situation auf und bringt die Thematik einer verletzten Ehe, einer beinahe gescheiterten Beziehung auf einen neutralen Boden. Durch die Interaktion dreier Menschen, deren Verhältnis zueinander nur partiell belastet ist, kommt viel Licht in das Dunkel der Paarbeziehung.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der neutralen Therapeutin Sandy, die sich bemüht, beide Seiten anzuhören und sich die gegenseitigen Vorwürfe zu Herzen nimmt, ohne sie menschlich zu bewerten. Der resultierende Text ist ein intensiver Abriss, eine gewollt spezielle Auseinandersetzung mit einer anscheinend fast verlorenen Liebe. Der Wechsel zwischen rein erzählenden Passagen und der wörtlichen Rede, bringt Abwechslung und Unterhaltungswert in die Geschichte. Als Leser könnte man eigentlich auf dem leeren grünen Sessel im Zimmer Platz nehmen und der Situation direkt beiwohnen.

Sehr interessant finde ich den Gedankenansatz des Autors, der ganz bewusst keine Schuldigen sucht, sondern sich mehr auf die kleinen, unbewussten Verletzungen stützt, die in ihrer Summe dennoch so großen Schaden anrichten können. Diese Art der Argumentation setzt eine gewisse emotionale Intelligenz voraus, oder auch Empathie für diverse menschliche Verhaltensweisen. Das empfinde ich als das große Plus dieser Lektüre: Menschen, die nicht frei von Fehlern sind und dennoch bereit, füreinander sich selbst und ihre bisherigen Verhaltensweisen grundlegend zu überdenken. Und es gelingt dem Autor auch, seine Protagonisten irgendwie unverbindlich wirken zu lassen, was in diesem Falle gar nicht einmal schlecht ist, weil man sich dadurch mehr auf die Fakten und weniger auf Sympathien stützt.

Manchmal dreht sich die Geschichte aber etwas im Kreis. Zum Beispiel wenn Charlotte an ihren Abmachungen und Prinzipien festhält, die sie jedoch keinen Millimeter weiterbringen oder wenn Steve einfach nicht verstehen mag, dass Charlotte die Trotzreaktion als einzigen Lösungsweg sieht. Dann hadert Sandy mit beiden und das ermüdet in der Wiederholungsschleife den Leser, obwohl ich mir fast sicher bin, dass das so gewollt ist. Denn welche Veränderung wird schon freudejubelnd begrüßt, wenn sie doch bedeutet, sich von den Verhaltensmustern der Gegenwart zu distanzieren?


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für einen ungewöhnlichen Roman, der viele Facetten hat. Manchmal sind es Wiedererkennungswerte, dann wieder möchte man sich die Haare raufen, ob der Uneinsichtigkeit der Protagonisten. Aber immer bleibt die Objektivität erhalten, die Einsicht, dass es Gefühle geben muss, wenn man sich die Mühe macht, eine Paartherapie zu beginnen. Das Thema ist wunderbar unverbraucht und die Klischees zeigen sich deutlich, ohne überhaupt als solche zu gelten – die Lektüre arbeitet nicht mit Vorwürfen sondern mit Vorschlägen und positiven Lösungsansätzen. Ein unterhaltsamer, abwechslungsreicher Roman mit vielen Denkansätzen und der nötigen Abstraktheit gleichermaßen. Mir hat die Lektüre sehr gut gefallen, vor allem, weil ein Körnchen Wahrheit in ihrer Wirkung steckt.

 

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Tags: 2018, diogenes verlag, eheberatung, ehrlichkeit, liebe, paartherapie, roman, trennung, verhaltensmuster   (9)
 

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Grabkammer

Tess Gerritsen , Andreas Jäger
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.08.2011
ISBN 9783442372270
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Was immer in dieser Kammer auf sie wartete, hatte die Männer verstört, und ihr Schweigen ließ sie zögern. Sie konnte nicht hineinsehen, aber sie wusste, dass etwas Abscheuliches dort in der Dunkelheit lauerte – etwas, das hier so lange eingeschlossen war, dass die Luft drinnen modrig und beklemmend wirkte.“


Inhalt


Josephine Pulcillo arbeitet in einem Museum für Archäologie in Boston in dem durch Zufall eine Mumie entdeckt wird und wenig später der mumifizierte Schädel einer anderen Frau, nachdem die Polizei den Keller des Hauses durchkämmt hat und auf Geheimgänge gestoßen ist. Schon bald steht fest, dass die Leichen längst nicht so alt sind, wie vermutet, sondern maximal seit einem viertel Jahrhundert zu den Toten zählen. Und wenig später erhält auch die junge Museumsmitarbeiterin eine deutliche Botschaft, sie schwebt in Gefahr, denn der gesuchte Mörder nimmt sie als Nächste ins Visier seiner grausigen Sammlung. Allerdings stellt Jane Rizzoli fest, dass es Josephine Pulcillo gar nicht mehr gibt, denn diese ist bereits vor zwanzig Jahren verstorben, und die Frau, die nun ihren Namen trägt scheint ein dunkles Geheimnis zu hüten und selbst auf der Flucht vor der Polizei zu sein? Ist sie Opfer oder Täterin und warum führen alle Spuren an einen Ausgrabungsort in der Wüste Ägyptens? Jane Rizzoli versucht Licht in das Dunkel zu bringen, doch dann findet man schon die nächste Leiche …


Meinung


In ihrem 7. Band der Rizzoli-Isles-Reihe unternimmt die amerikanische Autorin Tess Gerritsen einen Ausflug in die Ägyptologie, hin zu geheimnisvollen Ausgrabungsorten, rituellen Bestattungszeremonien und teuflischen Mördern, die von ihren Opfern regelrecht besessen sind. Prinzipiell gefällt mir dieser Ansatz durchaus, haben doch gerade Mumien und alte Skelette immer einen mystischen Anklang und verbinden historische Taten mit den Möglichkeiten der heutigen Technik. Doch leider empfinde ich den Mix in diesem Roman viel zu spannungsarm und weder sehr okkult noch sonderlich spektakulär.


Gerade in der ersten Hälfte des Buches habe ich mich sehr gelangweilt, selbst wenn man dort schon auf Josephine aufmerksam wird, da sie der Dreh- und Angelpunkt des jüngsten Verbrechens zu sein scheint, doch die diversen Möglichkeiten, gewisse Leichenteile zu konservieren dominieren die eigentliche Kriminalhandlung und lassen wenig Platz für aufschlussreiche Ermittlungen. Zwar gewinnt das Tempo im zweiten Teil des Buches und auch die Figurenzeichnung wird deutlicher, doch mit Herzblut und Nervenkitzel hat der Text immer noch nichts am Hut. Einzig die Protagonistin Josephine bleibt lange das Geheimnis, welches man zu verstehen versucht.


Ebenfalls unglücklich würde ich die Zusammenarbeit zwischen Jane Rizzoli und Maura Isles bezeichnen. Denn Zweitere nimmt hier kaum am Geschehen teil und wenn, dann nur aus der Sicht einer Frau, die den Opfern sehr ähnlich sieht, mit der Ermittlung selbst hat sie keine Berührungspunkte und tritt viel zu weit in den Hintergrund, einmal abgesehen von ihrer unglücklichen Liebe zum Priester Daniel Brophy. Innerhalb einer geschlossenen Reihe würde ich es begrüßen, wenn man auch gleich viel Neues von den Akteuren erfährt.


Fazit


Ich vergebe 3 durchschnittliche Lesesterne für diesen Roman, der mich trotz seiner verheißungsvollen Thematik eher enttäuscht hat. Es ist ein bisschen von allem und dennoch nichts, was mir lange in Erinnerung bleiben wird, insbesondere wegen der unglücklichen Kombination aus persönlichem Schicksal, historischen Hintergründen und organisierten, vertuschten Verbrechen. Eindeutiges Urteil: Kann man lesen (insbesondere, wenn man die Buchreihe verfolgt), muss man aber nicht.

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Tags: 2009, ägypten, band 7, limes verlag, mumifizierung, thriller, verbrechen, verfolgung   (8)
 

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Loretta

Shawn Vestal , Verena Kilchling
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 24.01.2017
ISBN 9783036957456
Genre: Romane

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

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Achtzehn Hiebe

Assaf Gavron , Barbara Linner
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 26.02.2018
ISBN 9783630875637
Genre: Romane

Rezension:  
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Der Apfelbaum

Christian Berkel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.10.2018
ISBN 9783550081965
Genre: Romane

Rezension:  
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242 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 87 Rezensionen

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NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Andreas Eschbach
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.09.2018
ISBN 9783785726259
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„So also war es, wenn etwas ungeheuer Großes geschah, wenn etwas ungeheuer Bedeutsames sich vollzog. Man erhob sich aus seinem Bett wie an jedem gewöhnlichen Tag seines bisherigen Lebens, und auf einmal änderte sich alles, und man wusste, man würde in einer gänzlich veränderten Welt wieder zu Bett gehen.“


Inhalt


Im Nationalen Sicherheitsamt, kurz NSA in Weimar arbeiten Menschen, die mittels Datenüberprüfung all jene aufspüren, die sich in irgendeiner Weise den Anweisungen des Regimes unter Adolf Hitler widersetzen. Engagierten Programmstrickerinnen, wie der jungen Helene Bodenkamp, gelingt es durch die sinnvolle Abfrage von bedeutsamen Parametern, Anschläge zu vereiteln, Judenverstecke aufzuspüren und antifaschistische Propaganda zu unterbinden.

Doch während der Chef des Amtes immer mehr unter Druck gerät, weil dem Amt einschlägige Erfolge fehlen, die er nach Berlin melden kann, machen seine Mitarbeiter interessante Entdeckungen in Richtung Amerika, in dem sie sich Zugang zu den dortigen Komputern verschaffen, und auf Pläne zum Bau der Atombombe stoßen. Doch in erster Linie nutzen sowohl die versierte Angestellte Helene, als auch der erfolgreiche Analyst Eugen Lettke das Datennetz für private Zwecke.

Beide verschleiern ihre Anfragen, manipulieren Datensätze und verfolgen längst nicht die absolute Aufopferung für das Deutsche Volk, welche vom Führer verlangt wird. Und dadurch gefährden sie bald schon den Gesamterfolg ihres Arbeitgebers, doch wo kein Kläger, da kein Richter …


Meinung


Zunächst einmal bin ich auf diesen Roman durch einige sehr positive Rezensionen aufmerksam geworden, die Lust auf die Geschichte gemacht haben. Auch der Klappentext hat mich sofort angesprochen, denn die Idee, das digitale Zeitalter in die historische Epoche des Nationalsozialismus vorzuverlegen, hat schon was. Das klassische „Was-wäre-wenn“ Szenario wird förmlich impliziert und so konnte ich mich dazu motivieren, zu diesem Buch zu greifen, selbst wenn es dem Genre Science-Fiction zuzuordnen ist, welches ich normalerweise nicht konsumiere. Und dann noch geschrieben von einem erfolgreichen deutschen Autor, von dem ich immer mal wieder Bücher wahrgenommen habe, und bisher dennoch keines gelesen habe.


Und doch ist mir bei der Lektüre recht schnell die Lesefreude abhandengekommen, so dass ich mich stellenweise sehr motivieren musste, weiter zu lesen, um die Gedankengänge zu verfolgen.

Das größte Manko des Buches ist meines Erachtens eine viel zu persönliche, unrelevante Geschichte, die ausgehend von den beiden Hauptprotagonisten regelrecht ausgewälzt wird. Immer wieder taucht der Leser tief in die Gedanken des Eugen Lettke ein, der sich auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen empfange Schmach als Jugendlicher befindet und nun seine Peiniger verfolgt, um es ihnen heimzuzahlen und der doch sehr nervigen Helene Bodenkamp, die ihren fahnenflüchtigen Liebhaber versteckt, und von einer gemeinsamen Zukunft in Brasilien träumt. Leider, leider bleibt dabei die von mir erhoffte Geschichte gänzlich auf der Strecke.

In nur spärlichen Ansätzen geht der Autor auf die Arbeitsweise und die Hintergründe des NSA ein, er streift auch nur die historischen Geschehnisse, verändert sie fiktional, damit habe ich zwar gerechnet, nur passiert selbst das ausgesprochen oberflächlich. Dafür erfährt der Leser detailliert, warum Helene Kondome klaut und Eugen eine ganz spezielle Vorliebe für Nobelhotels und Fesselspiele hat.

Für die knapp 800 Seiten habe ich fast 3 Wochen Lesezeit benötigt und bin nur deshalb an der Lektüre drangeblieben, weil es ein Leserundenbuch war. Der etwas spannendere Mittelteil wird von einem allzu uninteressanten Start und einem wirklich an den Haaren herbeigezogenen Ende überdeckt, so das ich ziemlich froh bin, es geschafft zu haben.

Positiv möchte ich dennoch die Idee bewerten und auch die Umsetzung der vielen kleinen Parameter, die gut durchdacht in den Text integriert wurden. Im Ansatz kann ich auch Leser verstehen, die hier ein neues Lieblingsbuch finden, nur das man dazu etwas komplett anderes erwarten muss, als ich es getan habe. Der Schreibstil ist einfach aber prägnant, der Handlungsverlauf konstant und die Wendungen dazwischen manchmal sogar faszinierend, wenn man zum Beispiel erfährt, was es mit der Weiterentwicklung des NSA auf sich hat und wie vielschichtig und lückenlos die Betrachtungsweise der unpersönlichen Maschinen namens Komputern geworden ist.


Fazit


Ich vergebe nur 2,5 Lesesterne, die ich nach Empfinden eher zu zwei Sternen abrunden möchte. Die Ansprüche, die dieser Roman deckt, harmonieren nicht mit meiner persönlichen Vorstellung, die sich wesentlich mehr Geschichte, mehr Auseinandersetzung mit den Hintergründen und den technischen Dingen erhofft hat. Selbst das Faktum, das Maschinen den Menschen beherrschen kam nur unzureichend zur Sprache, denn Helene wiederrum gelingt es mühelos, das unerschöpfliche Überwachungsorgan auszutricksen. Der Autor macht mir mit diesem Buch nicht wirklich Lust, auf ein weiteres aus seiner Feder. Vermutlich habe ich ein Problem mit dieser Art der fiktionalen Literatur, denn er verbindet zu viel Wahres mit zu viel Erfundenem, eine striktere Trennung und eine weniger romanhafte Ausführungen, hätten mein eher negatives Urteil vielleicht abgemildert, so bleibt es als eines der schlechteren Bücher in Erinnerung.

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Tags: 2018, bastei lübbe, computer, datensammlung, fiktion, geheimnisse, nationalsozialismus, programmierung, spionage, überwachung, weimar   (11)
 

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103 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Der Report der Magd

Margaret Atwood , Helga Pfetsch
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.11.2017
ISBN 9783827013842
Genre: Romane

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