joergmcfly

joergmcflys Bibliothek

26 Bücher, 16 Rezensionen

Zu joergmcflys Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
26 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der Altmann ist tot

Frl. Krise , Frau Freitag , ,
Audio CD: 5 Seiten
Erschienen bei Argon, 20.06.2013
ISBN 9783839812488
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Für Uneingeweihte nur eine kurze Vorbemerkung: “Frl. Krise” und “Frau Freitag” sind Lehrerinnen an einer sogenannten “Problemschule”. Ihre Erfahrungen mit “der Jugend von heute” sammeln und verarbeiten sie nicht nur beim gemeinsamen Kaffeepläuschchen sondern vor allem in ihren jeweiligen Blogs; Sammlungen von Blogartikeln sind bereits in Buchform erschienen. Nachdem “Frl. Krise” schon darauf hingewiesen hatte, dass sie überhaupt erst wegen ihrer Freundin “Frau Freitag” angefangen hat zu bloggen, wurde es offenbar Zeit für ein gemeinsames Projekt. Die Bücher respektive Blogs der beiden ähneln sich inhaltlich – manchmal auch sprachlich-stilistisch ebenfalls sehr; zumindest ich war mir bei der Lektüre von “Frl. Krises” gesammelten Werken nicht immer sicher, ob ich nicht vielleicht doch das heimliche dritte “Frau-Freitag”-Buch in Händen hielt.
Worum geht es? Am ehesten kann man die Handlung des Buches beschreiben als von Lokalkolorit (Berlin!) geprägte Anekdoten aus der Schule, in die eine Krimihandlung eingeflochten wurde. Das funktioniert nicht immer gleichermaßen gut; ein Problem dürfte es vor allem für diejenigen Hörer/Leser sein, die bereits andere Werke der Autorinnen kennen bzw. regelmäßig deren Blogs verfolgen: Irgendwann wird es halt arg gleichförmig… Ebenso werden regelmäßige Krimi-”Konsumenten” (zu denen zähle ich mich explizit nicht, denke aber, zumindest ausreichend viele gelesen zu haben, um ein gewisses “Muster” zu erkennen) feststellen, dass das klassische Mitfiebern und vor allem -kombinieren beim Falllösen nicht so recht klappen will; eine zu große Rolle spielt der Zufall bei der Handlung. Ein bisschen offen bliebt der Schluss ohnehin dann noch…
Carolin Kebekus und Joseline Gassen, Schauspielerinnen mit Komödien- und Medienerfahrung, hauchen in dieser ungekürzten Hörbuchfassung, bestehend aus 5 regulären Audio-CDs, “Frl. Krise” respektive “Frau Freitag” Leben ein. Ich gehe mal davon aus, dass die “echten” Damen (authentisch scheinen sie ja bis zu einem gewissen Grad zu sein) die Zeit zum Sich-selbst-Verkörpern nicht hatten oder es einfach zur Bewahrung ihrer Geheimidentität etc. nicht ratsam erschien. Als Lehrerinnen sollten sie ja zumindest das publikumswirksame Sprechen beherrschen 8) Stimmlich und artikulatorisch scheinen sie mir auch zu passen – zumindest kann ich mir die zwei Blogger- bzw. Lehrerinnen, die verschiedenen Generationen angehören, auch in den “älteren” Texten, die ich schon gelesen habe, gut mit diesen Stimmen vorstellen. Die Umsetzung ist dabei allerdings technisch nicht immer optimal: Natürlich werden, so ist es der traditionelle Stil, verschiedene Passagen von “Frl. Krise” respektive “Frau Freitag” in einer Art Tagebuch geschildert (“Blog” steht ja bekanntlich für “Web-Log”, also “Internet-Tagebuch”), aber wäre es denn, wenn man schon zwei Sprecherinnen für die beiden Protagonistinnen engagiert, zuviel verlangt gewesen, Dialoge tatsächlich mit verteilten Rollen zu sprechen statt von der jeweiligen Tagebuchführerin die Aussagen jeweils beider Figuren vorlesen zu lassen? Ein noch "technischeres" Problem betrifft "Frl. Krises" S-Laute: Liegt es an der Aufnahme oder der Sprecherin selbst, dass ich hier immer wieder ein leichtes Lispeln heraushöre?
Es ist wirklich schwierig, hier eine Empfehlung für den/die potenzielle(n) Käufer(in)auszusprechen – einerseits kann es von Vorteil sein, die beiden Charaktere bereits “kennen- und liebengelernt” zu haben, wie es so schön heißt, um das (Hör-)Buch als eine weitere (wenn auch wesentlich fiktivere) Folge ihrer bekannten Abenteuer gut zu finden; andererseits ist es vielleicht gerade von Vorteil, noch nicht “Krise/Freitag-übersättigt” zu sein, wodurch das ganze Konzept einfach frischer wirkt, weil man eben die anekdotenhaften Schulalltagsszenen noch nicht so häufig gehört/gelesen hat. Ich hatte erst vor, 3 1/2 Sterne zu vergeben (was dann auf 4 aufzurunden gewesen wäre), mich aber dann doch entschlossen, bei den Dreien zu bleiben: Irgendwie knirscht mir hier doch zu viel im Getriebe.
Ich bedanke mich auf jeden Fall beim Argon-Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar und wieder einmal BloggDeinBuch.de für die Vermittlung.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

steven spielberg, zeitreisen, zeitreise, zurück in die zukunft, delorean

Zurück in die Zukunft

Tobias Hohmann
Fester Einband: 104 Seiten
Erschienen bei Medien-, Publikations- und Werbegesellschaft Knorr Martens, 20.11.2013
ISBN 9783942621236
Genre: Sachbücher

Rezension:


Über einen Mangel an Publikationen zum Thema “Zurück in die Zukunft” konnte man sich in letzter Zeit in der Tat nicht beschweren. Da gab es die Essay-Sammlung 'The Worlds of Back to the Future: Critical Essays on the Films' von Sorcha Ni Fhlainn, ein Buch aus der Reihe “BFI Film Classics” ('Back to the Future' von Andrew Shail & Robin Stoate) und – erst kürzlich erschienen – die Chronologie 'Back in Time: The Unauthorized Back to the Future Chronology' von “Hasslein Books” (eine Anspielung auf 'Timeline Of The Planet Of The Apes: The Definitive Chronology', ihr Erstlingswerk über “Planet der Affen”), die ein wenig früher mit 'A Matter of Time: The Unauthorized Back to the Future Lexicon' auch ein Lexikon von Personen und Begriffen herausgebracht haben.
Das nun vorliegende Buch, das unter der Ägide der Kino-Zeitschrift “Moviestar” erschienen ist, beschäftigt sich zunächst mit den Karrieren der Hauptbeteiligten, wobei ich mich darüber gefreut habe, dass auch einmal der Kameramann Dean Cundey (der bekanntlich auch eine Gastrolle in Teil 3 hatte) dabei ist. Auch die Kurzbiographien der Herren Zemeckis, Spielberg, Fox, Lloyd und Wilson sowie von Ms. Thompson sind goldrichtig (Bob Gales Bio taucht komischerweise erst später in einer Textbox auf, dagegen sind Kathleen Kennedy und Frank Marshall noch vorne vertreten). Besonders schön fand ich in diesem Teil die Inklusion des “Question Song” von Tom Wilson, der selbstironisch davon berichtet, wie nervig er manche Interviewfragen findet, bei denen er immer auf die Rolle des “Biff” reduziert wird. Eine deutsche Übersetzung wäre hier aber sinnvoll gewesen, nachdem es sich ja jetzt endlich einmal um das lange überfällige Buch für den deutschen Markt handelt.
Ab S. 40 (von knapp über 100) geht’s dann erst mit den Kapiteln über die Filme los, wobei auch hier noch einzelne Biografien nachgereicht werden, u.a. auch vom ursprünglichen Marty McFly Eric Stoltz. Teil 1 und 2 bekommen dabei je ca. 20 Seiten, Teil 3 nur noch ca. 10, was unter anderem wohl der bekannten “Back to back”-Produktionsweise von Teil 2 und 3 geschuldet sein dürfte, für die es ursprünglich ja ein gemeinsames Drehbuch namens “Paradox” gab, auf das das Buch auch hinweist. Das Kapitel “Abseits der Filme” hätte man – gerne auf Kosten des 40-seitigen Einleitungs-Teils mit den Bios – etwas ausführlicher gestalten können: Zur Zeichentrickserie und den Comicheften gibt es definitiv mehr zu berichten, und auch “The Ride” sowie das Drumherum in den Universal Studios gäben mehr her (Douglas Trumbull, anyone?). Auch ein paar Worte über die im angeschlossenen Souvenirladen (aber eben nicht nur dort) erhältlichen Merchandising-Produkte wären in diesem Zusammenhang, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, möglich und angebracht gewesen. Eher angetackert und fast ein wenig lieblos wirkt die Doppelseite über “andere Zeitreise-Filme”, wo man sich zumindest die Mühe hätte machen können, bei allen, nicht nur bei zweien von fünf, Querverbindungen zu ZidZ explizit festzustellen – Michael J. Fox hat für ein Promo-Video ja z.B. schon in der Zeitmaschine aus dem Film von George Pal gesessen...
Generell muss ich auf jeden Fall das Caveat einiger der Vorrezensenten wiederholen: Etwas grundlegend Neues enthält das Buch nicht. Natürlich könnte man einwenden, inzwischen sei auch alles gesagt, aber es ist schade, dass nicht wenigstens neue Interviews geführt wurden – angeboten hätten sich, wenn man an die Herrschaften aus Hollywood nicht so leicht rankommt, für den deutschen Markt vor allem auch ZidZ-bezogene mit den Synchronsprechern, wie ich sie fürs Hill Valley Blog bereits persönlich geführt habe (mit Thomas Petruo, Ernst Jacobi sowie Lutz Mackensy und Sven Hasper). Aber auch Claudia Wells, die ursprüngliche Jennifer, ist wieder “verfügbar”, nachdem sie sich sehr lange aus dem Filmgeschäft herausgehalten hatte – ich halte es für eine inhaltliche Lücke, dass sie zwar erwähnt wurde, aber im Gegensatz zu Elisabeth Shue keine eigene Kurzbiographie-Seite bekommen hat.
Der Autor bedient sich größtenteils sattsam bekannter, aber aus eben diesem Grund auch sehr solider Quellen – die Interviews aus dem Bonusmaterial der DVDs/Blu-rays machen dabei meiner Erinnerung nach einen größeren Anteil aus als es die lange Linkliste am Ende des Buches vermuten lässt, was mit ein Grund dafür ist, dass dem ZidZ-Enthusiasten nicht wirklich Neues geboten wird. Dennoch ist und bleibt das Buch in seiner Zusammenstellung einzigartig, enthält durchaus ein paar nette “Bonbons” und lohnt sich meiner Meinung nach auch für den-/diejenige(n), der/die bereits alles, was dort zu lesen ist, einmal anderswo gelesen hat – und sei es nur zum angenehmen Zeitvertreib oder zur Erinnerung, zum Auffrischen des vorhandenen Geek-Wissens. Davon abgesehen gehört es schon deswegen in die Sammlung, weil es, wie gesagt, einen längst überfälligen Lückenschluss auf dem deutschsprachigen Markt darstellt.
Auch sprachlich ist es angenehm zu lesen und wirkt – anders als beispielsweise der “Zurück in die Zukunft”-bezogene Beitrag (und andere) aus dem Sonderheft “Die besten Sci-Fi-Filme und TV-Serien” nicht nur mittelmäßig übersetzt bzw. aus Internetquellen (in jenem Fall tatsächlich auch von meiner eigenen ZidZ-Seite!) ge-copy-pastet. Grobe inhaltliche Fehler habe ich praktisch nicht gefunden, allerdings schon ein paar Stellen, bei denen offenbar das Lektorat / die Endkontrolle geschlampt hat. Ja, Johnny B. Goode wird wirklich mit einem “e” am Schluss geschrieben ;) und auch der von einem Rezensenten-Kollegen monierte Zahlenfehler – der ursprüngliche Zeitsprung ging nur über 30 Jahre, von 1955 nach 1955 sind es 60 Jahre, sodass die auf S. 84 behaupteten Vielfachen von 50 so nicht passen – ist in meiner Ausgabe noch enthalten…
Ich komme zum Schlusswort: Hätte ich andere Schwerpunkte gesetzt, an bestimmten Stellen bestimmte andere / zusätzliche mir interessant vorkommende Hintergrundinfos integriert? Sicherlich. Ein paar Beispiele, wo ich irgendwie das Gefühl hatte, etwas Wichtiges würde fehlen, habe ich ja bereits genannt (Synchronsprecher, Claudia Wells, The Ride, The Animated Series. Merchandising…). Aber das alles ist, ich muss es hier noch einmal betonen, nur ein ganz persönliches Gefühl und tut der Gesamtqualität des Buches meiner Einschätzung nach keinen Abbruch! Wer sich noch nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt hat wie Fanboys meines Schlages (und da gibt es bei Weitem noch “schlimmere”, wie ich ebenfalls betonen muss ;) ), dem würde so etwas wahrscheinlich – nach Homer Simpson – sowieso “too much information” sein. Ich möchte dem Werk daher trotz allem (von 3,5 “aufgerundete”) 4 von 5 Rezensions-Sternchen erteilen.
Herzlichen Dank an den Autoren Tobias Hohmann, der mir persönlich ein Rezensionsexemplar zukommen ließ.

  (0)
Tags: delorean, film, steven spielberg, zeitreise, zeitreisen, zurück in die zukunft   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

20 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

krimi, zeitschleife, michael schröder, mord, elmar kreuzer

Jeder Tag endet mit dem Tod

Michael Schröder
Buch: 376 Seiten
Erschienen bei EPIDU, 01.03.2011
ISBN 9783942584081
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um eines gleich vorwegzuschicken: So eine Geschichte ist schon oft erzählt worden - als Kurzgeschichte, als Komödie, als High-Tech-Krimi - und doch: So sehr hineingezogen hat mich lange keine mehr, vermutlich auch deswegen, weil die Form des 90-Minuten-Films, der Kurzgeschichte oder der TV-Miniserie das einfach nicht zulassen und nur ein ordentlicher, altmodischer Roman das kann. Und wenn er dafür schon im Taschenbuchformat über 400 Seiten braucht, die man trotz einer berufsbedingt ankonditionierten Abneigung gegen allzu 'dicke Wälzer' nicht mehr aus der Hand legen kann, dann ist das ein verdammt gelungener Roman. Ich rede von 'Jeder Tag endet mit dem Tod' von Michael Schröder, einer Entdeckung der 'Community' des EPIDU-Verlags, den ich mir zunächst mit dem Stempel '''...und täglich grüßt das Murmeltier' als Krimi" im Kopf und daher 'nur' einer durch mein Blog-Fachgebiet begründeten Neugier habe schicken lassen, der es aber rückblickend ganz eindeutig verdient hat, sich ein eigenes und umfassenderes Bild zu machen. Regelmäßige Leser des Hill Valley Blogs wissen natürlich, dass ich die Art von Geschichte (Zeitreisen / Zeitschleifen) sehr gerne mag, weswegen ich immer wieder aufs Neue gespannt bin, wie sich andere, neue Figuren in der mir sehr vertrauten Situation verhalten werden, in die ich mich auch schon öfters selbst hineingedacht habe. Mithin bin ich nicht vorurteilsfrei und Teile dieser 'Vorurteile' sind durchaus von gewissem Wohlwollen geprägt; man möge diese Rezension also keineswegs als den Versuch ansehen, ein gänzlich objektives Urteil abzugeben - was aber wohl auch nicht notwendigerweise die Absicht einer solchen ist... Aber Moment: Zeitsprung an den Anfang.
(...)
Gibt das Titelbild des Buches in seinen Parallelen zu - wieder einmal! - diversen Zeitschleifenfilmpostern etwas über die Handlung preis, so verrät der Titel selbst sogar schon ein wenig etwas über das Zustandekommen der Zeitschleife selbst - in diesem Fall eine Parallele beispielsweise zu Ken Grimwoods "Replay" (vgl. meine Lieblingsbuchempfehlung anderenorts). Auch die Inhaltsangabe des Buches hatte ich natürlich vorher gelesen, und nachdem es das ist, was quasi das Kaufargument für diesen Krimi ausmacht, ist es deren SchreiberIn(nen) natürlich nicht gelungen, auf den entsprechenden Hinweis zu verzichten - so ist der 'Spoiler' diesbezüglich immerhin nicht mir anzulasten, der ich es ja auch schon verraten habe'. Was an der Sache etwas störend wirkt: Weiß man dieses kleine Detail im Voraus, wartet man die ganze Zeit darauf, dass 'es' endlich passiert, aber es dauert in der Tat an die 140 Seiten, bis die Original-Geschichte endet.
Netter Nebeneffekt für den Protagonisten: Elmar Kreuzer muss nicht, wie er ursprünglich befürchtet hat, seinen wertvollen Urlaub für die Lösung eines Mordfalles außerhalb seines Zuständigkeitsgebiets nutzen, bei dem laut der Tochter des Opfers (sie kennt ihn aus der Zeitung als Ermittler, der ganz im Gegensatz zu ihrer Dorfpolizei nie aufgibt) einiges 'nicht rund ist'. Kreuzer stellt bald fest, dass sie damit wohl recht hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen. Der Teil der Story firmiert tatsächlich unter dem Motto 'so weit, so konventionell' - denn auch den Protagonisten hat man in ähnlicher Form natürlich schon mal gesehen. Doch weiß man nicht erst seit dem neuen Gyllenhaal-Film "Source Code", dass es kaum etwas Besseres als eine Zeitschleife gibt, um ein Verbrechen aufzuklären, bei dem jeder verstrichene Tag sinkende Chancen auf Aufklärung bedeutet. Wer hat noch nicht den Ermittler eines Krimis sagen hören "Wenn wir doch mehr Zeit hätten' - Elmar Kreuzer HAT. Dummerweise ist er nicht allein damit, wie auch der Leser bald feststellen darf, der immer tiefer in die Tücken der Zeitschleife hineingezogen wird'...
Dies ist auch der Figurenzeichnung des Autoren zu verdanken, die ich als sehr plastisch empfunden habe - man kann sich Haupt- aber auch Nebenfiguren nicht nur gut vorstellen und sich in sie hineinversetzen, weil der Autor ihre Gedanken und Gefühle transparent macht, sondern es geht noch diesen einen kleinen Schritt über das bloße 'Sich-vorstellen-können' hinaus: Man empfindet genau das richtige Quantum an Sym- und Antipathie, das der Autor den Personen beimisst und das sie wie lebendige Menschen erscheinen lässt, obwohl sie nur auf dem Papier existieren. Das tröstet über gelegentliche trotz insgesamt sauberem Lektorat verbleibende sprachlich-inhaltliche Schwächen (auch kleine Rechtschreib- und Kommafehler, die dem Deutschlehrer in mir trotzdem noch aufgefallen sind, übersehe ich 'mal großzügig) hinweg, etwa die meiner Meinung nach zu früh einsetzende väterliche Liebe des Kommissars zu seiner jungen Auftraggeberin oder das ' zwar beabsichtigte, aber nicht immer überzeugende - Pendeln letzterer zwischen kindlicher Naivität (oft wird ihr diese vom Protagonisten in Gedanken explizit vorgeworfen) und allzu erwachsen wirkendem Zynismus. Ab und an gibt es etwas aufgesetzt wirkende schildernde Elemente - wenn sich eine Tür "dem Schlüssel ergibt" oder ein Motor "seinen eigenen Tod stirbt", hört man schon den Schriftsteller-Workshop trapsen. Von anderen Rezensenten festgestellt wurde bereits die Tatsache, dass der 'wissenschaftlichen' Seite, den möglichen Ursachen des Zeitsprungs, hier ebenso wenig nachgegangen wird wie in ''und täglich grüßt das Murmeltier', wo Phil nur feststellt, er sei wohl "ein Gott" (womit Bill Murray und Harold Ramis vielleicht sogar auf ihren großen Erfolg "Ghostbusters" anspielen, aber das ist eine andere Geschichte). Kreuzer nimmt die Sache nach kurzer Zeit einfach als gegeben hin ' der Leser braucht vielleicht ein bisschen länger, sich daran zu gewöhnen, als der Protagonist, ist dann aber fast dankbar, dass am Schluss nicht doch noch ein deus ex machina hervorgezaubert wird. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Elmar Kreuzer als Figur noch in zwei bis drei weiteren Abenteuern von der seltsamen Fähigkeit profitieren kann, einfach "nicht totzukriegen" zu sein...
Mein Fazit: Es gelingt dem Autoren von "Jeder Tag endet mit dem Tod" trotz der z.T. recycelten Grundideen seines Romans, ihn lesenswert und spannend zu machen. Es kommt eben doch auf die Kombination der Zutaten an, dann können auch Nudeln mit Soße oder Kartoffeln mit sonstwas immer wieder lecker schmecken, obwohl man ja wahrlich weiß, wie Nudeln mit Soße oder Kartoffeln mit sonstwas schmecken - oder eben Zeitschleifen.
Danke an den EPIDU-Verlag und BloggDeinBuch Punkt DE für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Immer dieselben Witze

Steven Bloom , Silvia Morawetz
Fester Einband: 231 Seiten
Erschienen bei Residenz
ISBN 9783701711871
Genre: Romane

Rezension:

Brooklyn, kurz vor Ausbruch des Koreakriegs. Wie gewöhnlich sitzen Izzy und seine Stammtischfreunde in Bald Sam's Diner und filosofieren über Baseball, die Atombombe, den Kommunismus. Am laufenden Band erzählen sie sich Witze, zumeist jüdische, die ihnen helfen, ihre von den Schatten des Holocaust gezeichneten Leben vor dem endgültigen Zusammenbruch zu bewahren. Izzy, erst Boxer, dann Soldat, muss sich inzwischen als Straßenmusikant durchschlagen. In seinem Kopf blieben vom Krieg nicht nur Granatsplitter, sondern auch die Erinnerung an die Schrecknisse der Judenpogrome in Europa, die seinen Vater das Leben kosteten. Er vermutet zu Recht, er habe darüber alle seine Emotionen und den Bezug zur Aussenwelt verloren. In der Tat wirkt er oft in seine eigene Welt zurückgezogen, derweil seine Freunde Archie Feinstein und Jack Goldfarb in dem Lokal Frauenwitze zum Besten geben, Benny Kubbleman sich um seinen Job im Lagerhaus sorgt und der väterliche Meyer Woolf versucht, Izzy mit seiner alternden Nichte Celia zu verkuppeln...

Es mag ja angehen, dass einem nicht-Amerikanischen Leser ganz einfach der kulturelle Hintergrund fehlt, um zu einem tieferen Verständnis zu gelangen.
Dennoch scheint die Form des Romans nicht immer glücklich gewählt: Er vermittelt in verschiedenen Passagen den Eindruck, als ob der Autor ursprünglich eine Witzesammlung zu veröffentlichen plante und sich dann entschied, eine Romanhandlung darum zu konstruieren.
Das Werk schafft seine Balance zwischen grimmig-pessimistischer Weltsicht und comic relief oft in Sprüngen, die Filmschnitten ähneln. Die Dialoge haben stellenweise unerwarteten Tiefgang und stellen die zwischen Realitätsannahme und Realitätsflucht pendelnden Charaktere sehr überzeugend dar. Manchmal dagegen wirkt das Konzept der eingestreuten Witze unglaubwürdig - besonders beispielsweise bei Izzys intimer Begegnung mit einer Frau, der er auf einer seiner Hinterhofmusik-Touren begegnet: Sie teilt sie die Angewohnheit Izzys und seiner Freunde, unvermittelt Witze in den Raum zu werfen.
Störend wirkt sich gelegentlich auch die typisch Amerikanische Variantenarmut bei den Verben des Sprechens aus. Die beabsichtigte Wirkung, nämlich das Gesagte für sich selbst stehen zu lassen, wird oft durch entnervende Wiederholung beeinträchtigt. Dass diese stilistische Kleinigkeit oft so ablenkend wirken kann, liegt natürlich an der Dialoglastigkeit des Textes an sich.
Dennoch: Für Nicht-Amerikaner kann das Buch eine sehr fesselnde Einführung in mehr als nur die darin zitierten ethnisch-jüdischen Witze sein. Anschaulich werden auch in die Sorgen einer Generation in der Schwebe zwischen zwei Kriegen gemacht, zumal der Autor das damalige Zeitgeschehen mit einbindet und seine Charaktere darauf reagieren lässt. Der 1942 in Brooklyn geborene Steven Bloom, der mit "Immer dieselben Witze" seinen Debütroman veröffentlicht, liefert trotz aller Kritik ein insgesamt doch interessantes Bild des Nachkriegs-New York ab.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

ungekürzt, hörspiel, jürgen fritsche, kinderbuch, hörbuch

Merlin der Magier - Episode 1

Richard J. Lionheart , Jürgen Fritsche
Audio CD
Erschienen bei ZYX Music, 23.12.2011
ISBN 9783865499042
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Merlin kennt jeder - und Richard Löwenherz wahrscheinlich auch (Robin Hoods angebliche Geschichte ist ja nun auch schon ein paarmal verfilmt worden). Da müsste doch was zu machen sein, dachte sich offenbar der ZYX-Hörbuchverlag (genau, ein Ableger des bekannten Musiklabels) und engagierte Richard J. Lionheart, Ph.D. (Pseudonym oder nicht, das ist hier die Frage) für eine neue Serie über das Thema Zeitreisen, deren ersten Teil ich mir - dank der Vermittlung von BloggDeinBuch PUNKT de - als Rezensionsexemplar anhören durfte. Das Ganze macht richtig Spaß, was meiner Meinung nach nicht einmal so sehr der locker-flockigen, aber nicht ganz klischeefreien Schreibe des Autoren zu verdanken ist, sondern woran der offenbar hochmotivierte und talentierte Sprecher Jürgen Fritsche Hauptanteil hat. Er bringt nicht nur einen lebendigen Erzähler aufs Tapet, sondern verleiht auch den einzelnen Personen (allen voran dem fast etwas arg selbstbewussten Welt- und Zeitbürger Merlin) stimmlich Charakter - wenn er vielleicht kein Rufus Beck ist, es macht wirklich Freude, ihm zuzuhören.
Die Altersempfehlung spricht von '8-88 Jahren', und in der Tat handelt es sich eher um ein Hörspiel für Kinder als für Erwachsene. Das hinderte mich nicht daran, es dennoch amüsant zu finden, weil es - ganz passend zur heutigen Remix-Kultur - einige bekannte Figuren zu einem neuen Geschichte(n)-Cocktail zusammenmischt. Ab und an werden auch 'Kinder der 80er' sich ganz speziell angesprochen fühlen, etwa wenn Merlin feststellt: "Houdini? David Copperfield? Rumburak? Gandalf? Ha, alles Amateure! Na ja, Gandalf war nicht ganz untalentiert. Hatte irgendwie Stil. Aber dennoch: nicht meine Liga." - ob wohl die 'Märchenbraut'-Serie unter den heutigen Kids immer noch so viele Fans hat wie in meiner Generation, dass sie noch von Rumburak gehört haben?
Der Hauptpunkt ist natürlich das Durchstreifen der (Welt-)Geschichte, und wenn man dabei auch noch ein paar tatsächliche historische Fakten lernt, umso besser. Anteil daran hat auch das ausführliche Begleitbüchlein (neudeutsch 'CD-Booklet'), wo man verschiedene Daten und Personeninfos nochmals nachlesen kann (für die jüngere Zielgruppe sollte man vielleicht über eine Großdruck-Ausgabe nachdenken, aber dann würde besagtes Büchlein wohl zu dick). Lobenswert finde ich, dass man - obwohl man wohl nicht umhin kam, einen englischen Zauberer als Hauptperson zu wählen und die Legende von Robin Hood zumindest per Anspielung im Autorennamen zu streifen - tatsächlich zuallererst in die deutsche Vergangenheit reist, nämlich zu (Vorsicht, schon wieder ein Wortspiel) Rheinhardt von Rüdesheim in die Zeit des 30jährigen Krieges, statt der Versuchung zu erliegen, in der Hoffnung auf ein internationaleres Publikum die sattsam bekannten anglo-amerikanischen Volkssagen und Historien zum x-ten Mal neu zu interpretieren. Nebenbei werden hier natürlich auch Grundzüge von Zeitreisetheorien gestreift - hier mag sich der in Zeitreisedingen erfahrene Hörer ein wenig langweilen, schließlich hört er höchstwahrscheinlich nicht zum ersten Mal vom Großvater-Paradox oder ähnlichen Problemen. Nehme ich das Hörspiel aber für das, was es ist - eben für ab 8-jährige geeignet - kann ich mir gut vorstellen, eines Tages damit meine(n) zukünftigen (!) Sohn/Tochter zum ersten Mal mit meinem Lieblingsthema zu konfrontieren. Wenn ich dem Werk also hier volle Punktzahl (5 Sterne) gebe, bleibt das als caveat emptor durchaus stehen: Nicht mit Erwachsenen-Maßstäben messen; natürlich ist die Idee nicht die allerneueste (daher meine Überschrift: es hat einen gewissen 'Bart')' Und ich bin ja immer noch eher ein Fan der Techno-Variante 'Unterwegs nach Atlantis', wo nicht etwa mit Pseudo-Magie und dreimal schwarzem Kater (bzw. 'Tempus fugit, hora ruit, time travel is easy, you just have to do it', wie Merlin mit bemühtem englischen Akzent eine Kreuzung aus Doctor Who und Harry Potter gibt) zeitgereist wurde, sondern mit einer handfesten UFO-artigen Zeitmaschine.
Aber egal - ich bin schon sehr gespannt auf die angekündigte(n) Fortsetzung(en), vor allem auch der digitalen Art: Zusätzlich zu den Episoden will ZYX auch in den sozialen Medien die Interaktion mit seinen Hörspielgestalten ermöglichen und auch gelegentlichen 'exclusive content' wie Interviews mit den Figuren, Kreativ-Wettbewerbe zur Mitgestaltung der Episoden etc. zur Verfügung stellen, wie zu erfahren ist.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

japan, fukushima, reisebericht, atomkraftwerk, mülltrennung

Der kleine Japaner

Martin Niessen
E-Buch Text
Erschienen bei dotbooks Verlag, 20.12.2012
ISBN B00AQWA3MC
Genre: Sonstiges

Rezension:

“Gute Elektronik kommt doch nur aus Japan”, bemerkt Marty in der deutschen Synchronfassung von "Zurück in die Zukunft" – was nicht ganz so weit greift wie das in der Überschrift genannte Originalzitat. Nicht nur Sushi, Mangas und japanische Motorräder erfreuen sich hierzulande berechtigter Beliebtheit, sondern auch die japanische Lebens- und Denkweise weckt in diesem Zusammenhang (und bei 80er-Jahre-Retro-Fans nicht nur wegen “Karate Kid”) gesteigertes Interesse im “Westen”. Filme wie “Black Rain” mit Michael Douglas oder “Die Wiege der Sonne” mit Sean Connery haben ebenfalls ein fasziniertes Publikum gefunden, obwohl sie natürlich auch immer nur einzelne Facetten herausgegriffen und dramatisiert haben.
In diese Kerbe schlägt und eine diesbezügliche Marktlücke füllt nun “Der kleine Japaner”, ein Buch von Martin Niessen, das ich nach einer von genau wegen der oben genannten Werke geweckten Neugier vorgenommenen Bewerbung bei bloggdeinbuch PUNKT de vom Verlag als ePub-Version zum Rezensieren zur Verfügung gestellt bekommen habe.
Das ganze ist ähnlich wie die inzwischen berühmten “Frau Freitag“-Bücher o.ä. ein Tagebuch bzw. Blog (ursprünglich wöchentlich erschienene Beiträge) in Buchform, das die tagtäglichen Erlebnisse des Autors/Erzählers mit aktuellen Ereignissen (Fukushima nimmt natürlich eine nicht unwichtige Rolle ein) und vor allem mit dem “Japan-Filter” vor besagten Ereignissen berichtet. Fast nebenbei lernt man schmunzelnd und aus erster Hand über kulturelle Kontraste zwischen “uns” und “denen” kennen. Das Thema “Mülltrennung” beispielsweise… die Sache hat mich irgendwie an eine Geschichte von Ephraim Kishon erinnert, der in der Schweiz vergeblich nach einem öffentlichen Papierkorb sucht & ihn dann doch nicht nutzen kann, weil er – so der herbeieilende Ordnungshüter – noch neu sei und deshalb sauber gehalten werden müsse. Herrlich auch die Bemerkung über sprechende Elektrogeräte – der Aufzug, der hofft, dass man sich in ihm wohlfühlt, könnte auch “Per Anhalter durch die Galaxis” entsprungen sein (man denke an die elektronischen Türen der “Herz aus Gold” und Eddie, den Bordcomputer…)
Mein Eindruck insgesamt: Ich bin ja nun auch begeisterter Blogleser und nicht nur -schreiber, weil mir einfach das Format – die ideale Balance zwischen persönlich und journalistisch – so gefällt, und da hat dieses Buch bzw. der Autor (der übrigens “ganz offiziell” für das ZDF in Japan tätig war, also kein Amateur ist) schon stilistisch meinen Geschmack getroffen. Und selbst wenn einige der satirisch-überspitzt dargestellten Fakten auch eine andere Interpretation zuließen, wie ein Amazon-Rezensent bemerkt – es mag schon sein, dass Japan doch ganz anders ist (diesbezüglich kann ich eh nicht mitreden bzw. den Autor des Buchs widerlegen), aber das Buch will sichtlich in erster Linie unterhalten und stellt ganz selbstverständlich nicht “die ganze Wahrheit” dar, sondern einen Bericht, wie manche Gebräuche dort auf “uns Westler” eben WIRKEN. Klar, dass da noch immer Aufklärungsbedarf bleibt, aber ich muss sagen, dass ich auch gar nicht erwartet hätte, dass die japanische Kultur hier komplett für uns enträtselt wird, sondern eher Denk- und Nachforschungsanstöße gegeben. Und davon abgesehen ist doch sowieso nichts erfrischender, als festzustellen, dass andere auch so ihre liebe Not im Leben haben, in Fettnäpfchen tapsen etc. (muss man sich ja nur mal die ganzen “Pleiten-Pech-und-Pannen-Videos bei YouTube anschauen). Ich jedenfalls habe das Buch mit großem Genuss gelesen und empfehle es mit gutem Gewissen weiter
Herzlichen Dank an den Verlag “dotbooks” und wie immer an BloggDeinBuch PUNKT de für die Vermittlung eines kostenlosen Rezensionsexemplars!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

zeitgeist, erinnerungen, kurze geschichten, sachbuch, gute unterhaltung

Jäger des verlorenen Zeitgeists

Frank Jöricke
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Solibro Verlag, 04.03.2013
ISBN 9783932927553
Genre: Sachbücher

Rezension:

“Wer sich an die 60er Jahre erinnert, hat sie nicht erlebt” – so oder ähnlich lautet ein Spruch, den ich mal gehört/gelesen habe und der wohl auf den lockeren Umgang mit Sex, Drogen und Rock’n'Roll (naja, vielleicht auch nicht) anspielen soll. Bei meiner Generation sieht das schon ganz anders aus – jeder erinnert sich an die 80er und 90er, selbst diejenigen, die nachweislich nicht dabei waren: Die Retro-Welle in der Öffentlichkeit und in den Medien ist unübersehbar und wie üblich war früher alles besser. In diese Kerbe schlägt das Buch von Frank Jöricke, dessen Klappentext dem Leser nicht weniger in Aussicht stellt als die Vermessung, pardon, die Erklärung der Welt (die Indiana-Jones-Anspielung auf dem Titelbild passt ja irgendwie eher zu Ersterem). Vonstatten geht selbige sehr häufig, indem Jöricke personale Ikonen der Popkultur exemplarisch seziert (ja, ich versuche gerade, möglichst viele Fremdwörter in eine Aussage zu packen) – von Burt Reynolds bis Bettina Wulff, von Madonna bis Harald Schmidt sind sie alle dabei – und natürlich James Bond in seinen Inkarnationen, der (ähnlich wie es ein Blogger-Kollege schon bezüglich Superman und anderer Über-Helden festgestellt hat) früher die Macht hatte und jetzt nur noch einen Hau.
Aber wer braucht dieses Buch überhaupt? Dessen ist es sich selbst offenbar nicht so ganz sicher. Da wird einerseits das sattsam bekannte Trivial-Pursuit-Wissen über die Zeit abgespult, immerhin nicht unkommentiert und unkritisch, andererseits einige Dinge für derart selbstverständlich genommen und eben nicht unbedingt “erklärt” sondern allenfalls kommentiert und kritisiert, dass es eher darum zu gehen scheint, den “Kindern der 80er/90er” ein Wackeldackelkopfnicken zu entlocken, gepaart mit einem “Ja, ja, so war das” und dem dazugehörigen tiefen Seufzer. Ich will nicht ungerecht sein – Werbetexter Jöricke hat einen verdammt guten Stil und das Buch zu lesen ist durchaus angenehm unterhaltsam, gerade wegen dieses Wiedererkennungseffekts. Aber ich bezweifle, dass jeder Leser dieses Buches, der eben nicht sprichwörtlich “dabei war”, “uns” danach wesentlich besser verstehen wird. Vielleicht war das auch gar nicht das Ziel und ich verstehe die Intention falsch – vielleicht geht es eher darum, uns selbst zu erklären, warum wir so (manchmal jedenfalls) unerträglich nostalgisch auf die Zeit reagieren, die uns – unter anderem – AIDS, Tschernobyl und die Challenger-Katastrophe, aber natürlich auch Heimcomputer, Zurück in die Zukunft und die Wiedervereinigung der beiden Deutschlands geschenkt hat. Uns dazu zu bringen, ein paar Dinge einmal kritisch zu hinterfragen, sich bewusst zu werden, dass die nostalgische Verklärung eben nicht angebracht ist. Aber auch diesbezüglich hatte jedenfalls ich das Gefühl, nicht wirklich etwas Neues zu erfahren. Hey, wir wissen doch selbst, dass in Wirklichkeit früher nicht alles besser war (sollte der geneigte Leser zu der Gruppe von Menschen gehören, die das wirklich noch nicht bemerkt haben, bitte ich hiermit in aller Form um Verzeihung für die schonungslose Desillusionierung). Daher auch mein Fazit: Ein Buch, das ideal zur Selbstbestätigung der Kinder der 80er und 90er funktioniert und durchaus erfolgreich auf die richtigen Knöpfe für dieses warme, kuschelige Gefühl drückt – somit eine wohlwollende, aufgerundete Bewertung von “3 von 5 Sternen”. Kann man schon mal reingucken.
(mit Dank an den Solibro-Verlag und BloggDeinBuch PUNKT de für die Vermittlung eines kostenlosen Rezensionsexemplars)

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ganz grosses Kino

Philipp Jahner
Buch: 92 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 01.05.2006
ISBN 9783833450198
Genre: Humor

Rezension:

Dieses Buch mit filmbezogenen Cartoons hatte ich mir nicht nur wegen der Thematik sondern auch wegen des Mit-Coburgers Christian Bögle alias "Chrismart" gekauft, dessen Humor mir sehr gefällt (sein "kleiner" Bruder Thomas - als "T00nTom" auch auf deviantART vertreten - zeichnet(e) darüber hinaus die Comics für unsere Coburger Schülerzeitung - Augen offen halten, aus dem könnte auch noch was Größeres werden ;) ). Dass "ganz nebenbei" auch Zurück in die Zukunft bei den Filmparodien dieses stellenweise sehr Star-Wars-lastigen Sammelbandes enthalten ist, hatte ich als ZidZ-Fan und -Blogger allerdings stark gehofft und es ist bei dem Bekanntheitsgrad der Trilogie nicht wirklich ein Wunder. Der Cartoon von Michael Holtschulte beleuchtet die (offensichtlichen) Folgen, die zu erwarten wären, wenn Docs DeLorean mit Windows als Betriebssystem laufen würde. Aber auch die anderen Beiträge sind teilweise zum Schreien - Kaufempfehlung vom Hill Valley Blog!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

tv-serie, hintergrundinformation, fanbuch, deutschland, film

40 Jahre STAR TREK

Thomas Höhl , Mike Hillenbrand
Flexibler Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Heel, 29.09.2006
ISBN 9783898806688
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Buch zum 40jährigen Jubiläum des Star Trek-Phänomens von Mike Hillenbrand und Thomas Höhl schafft es IMHO, dem Anspruch der Autoren gerecht zu werden, nicht einfach nur zusammenzufassen (und damit zu wiederholen) was an anderer Stelle schon gesagt wurde, nur eben in einer anderen Sprache (dem klingonischen, pardon, englischen Original - Star Trek alias "Raumschiff Enterprise" ist nun einmal eine amerikanische Serie, so dass Sekundärliteratur, Interviews etc. bevorzugt zunächst in englischer Sprache erscheinen). Es ist vielmehr ein eigenständiges Werk, das Vertrautes wie nur am Rande bekanntes und sogar noch ein Quäntchen Neues zum Thema zu bieten hat und wie kaum ein anderes Werk auf dem Sektor das wahre Fan-Gefühl vermittelt. Dies geschieht nicht nur dadurch, dass auf jeder Doppelseite mindestens ein solcher mit eigenen Star Trek - Erinnerungen zu Wort kommen darf. Nein, man merkt dem Buch an, dass es den Autoren darum ging, eine persönliche Beziehung zum Star-Trek-Universum mit der den Fans eigenen Neugier nach Blicken hinter die Kulissen verwachsen zu lassen. So stellt das Buch weniger ein reines Sachbuch mit Fakten, Fakten, Fakten dar, sondern liest sich eher wie eine Biographie, bei der die Autoren ein freundschaftliches Gespräch mit der Person geführt haben, um die es gehen sollte, und dieses dann in einer angenehm zu lesenden Form aufarbeiten. Diese folgt zwar grob einer chronologischen (!) Reihenfolge, ohne aber eben den Fehler mancher derartiger Arbeiten zu wiederholen, sich wie ein langweiliges Geschichtsreferat anzuhören ("Im Jahre 1959 heiratete er seine große Liebe von der Highschool, 1960 kam seine erste Tochter zur Welt, 1961 veröffentlichte er seinen vom Publikum am meisten geschätzten Roman, 1962 zog seine Familie nach Connecticut, 1963 starb der Goldhamster der Kinder, der erst 1965 durch zwei Meerschweinchen ersetzt wurde...").

Was hat nun dieses Buch im Hill Valley Blog zu suchen, das sich mit allem irgendwie mit der ZidZ-Trilogie verbundenen Themen beschäftigt? Hier muss man gar nicht erst auf die im Star Trek - Universum zahlreich stattfindenden Zeitreisen verweisen (einer meiner Favoriten ist hier eindeutig "Gefahr aus dem 19. Jahrhundert", wo "Tom Sawyer"- und "Huckleberry Finn"-Erfinder Mark Twain alias Samuel Clemens auftritt). Sympathisch wird Zurück in die Zukunft - Fans das Buch bestimmt auch aus einem anderen Grund sein, zitieren doch die Autoren in ihrer Einleitung Doc Brown und beweisen damit einmal mehr, wie sehr auch die ZidZ-Trilogie Teil der Popkultur geworden ist:

Thomas: Wusstet ihr schon, dass "Perry Rhodan" und "Star Trek" am gleichen Tag Geburtstag feiern (...)? Wie meinte doch Doc Brown in "Zurück in die Zukunft II": "Das kann nur bedeuten, dass diese Zeit von Natur aus eine kosmische Signifikanz in sich birgt. Es ist beinahe so, als wäre sie der temporale Knotenpunkt für das gesamte Raum-Zeitkontinuum."
Mike: Ich erinnere mich. Dann fügte er aber hinzu: "Doch andererseits kann das auch nur ein dummer Zufall sein."
Thomas: Solche Zitate hätte ich am liebsten vor jedem Kapitel.
(Zitate von Seite 15 f.)

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

kinderbuch, krimi, albert einstein, zeitreise, flucht in die zukunft

Die drei ??? Kids 5 - Flucht in die Zukunft

Ulf Blanck , Stefanie Wegner
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.04.2005
ISBN 9783423709095
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die drei Fragezeichen in der Überschrift sind nicht zufällig dort gelandet: Auch wenn die vom Kosmos-Verlag gestartete Buchserie "Drei Fragezeichen Kids" von einigen Fans abgelehnt und generell als "Non-Canon" empfunden wird, hat der Titel des Buches meine Neugier als Zurück-in-die-Zukunft- und Zeitreise-Fan geweckt: Dort stoßen die jüngeren Ichs von Justus (der dort tatsächlich noch so heißen darf), Peter und Bob nämlich auf die rätselhafte Zeitmaschine eines Erfinders namens John Smith (eine sehr bekannte Gestalt in der englischsprachigen Literatur und Geschichte, wie man nicht gänzlich ironiefrei anmerken muss). Wie die "Kids" ermitteln, hat er sich offenbar versehentlich ins Jahr 1864 katapultiert und ihre Aufgabe ist es nun, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen, um ihn zurückzuholen. Und dann taucht Mr.Zarkow von der Geheim-Organisation "Das Dritte Auge" auf...

Eine kleine Anspielung auf "Zurück in die Zukunft" steckt tatsächlich in dem Buch: Wie Smith in seinem Tagebuch erklärt, darf vor seinem Selbstversuch mit der Maschine erst einmal sein Hund sie testen - und der heißt zwar nicht wie Doc Browns Hund Einstein, aber immerhin Albert!

Sicherlich ist die Schreibe eher kindgerecht und die Tatsache, dass die "Dr3i" auch mal so jung und kindlich gewesen sein müssen, zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Bücher dieser Reihe sind auch insgesamt knapper gehalten als ihre großen Vorbilder, wohl wegen der eingeschränkten Lesekenntnisse der Zielgruppe. Das bewirkt, dass man keine allzu große inhaltliche Tiefe erwarten kann. Aber mit dem "erwachsenen" Maß darf ich dieses Buch ohnehin nicht messen, und so bleibt auf jeden Fall eine für Zeitreise-interessierte Leser unterhaltsame Handlung (neudeutsch: "Storyline"), die auch jungen Krimifans einige Rätsel aufgibt.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

medizinthriller, thriller, cern, islandthriller, schweiz

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

Hermann Stefánsson , Richard Kölbl
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei litteraturverlag roland hoffmann, 02.09.2011
ISBN 9783940331076
Genre: Romane

Rezension:

Das "Sagenhafte Island" war 2011 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse; in diesem Zusammenhang hatte blogg-dein-buch PUNKT de in letzter Zeit überdurchschnittlich viele isländische Werke im Angebot der zu rezensierenden Bücher. Eines davon hat mich - wie auch bei der letzten Runde - wegen meines Lieblingsthemas "Zeitreise" besonders angesprochen; ich durfte inzwischen tatsächlich ein Rezensionsexemplar des Romans mit dem oben genannten Titel genauer unter die Lupe nehmen.
Hermann Stefánsson hat mit dem Roman "Algleymi" (Originaltitel) 2008 offenbar bereits das dritte Buch herausgebracht, das von den Protagonisten Guðjón Ólafsson und Helena erzählt. In diesem Roman hat Guðjón nach einem Unfall - oder war es ein Überfall? - sein Gedächtnis und zunächst auch seine Sprachfähigkeit verloren. Nach und nach muss er sich sein Leben wieder erschließen. Seine Freundin Helena, in deren Perspektive regelmäßig gewechselt wird, kommt mit alledem nicht klar und zieht sich in ihrem Job als Übersetzerin aufs Land zurück wo eine krimiartige Nebenhandlung eröffnet wird, die sich erst um einiges später wieder etwas unmittelbarer mit Guðjóns Erzählfaden verknüpft. Er dagegen wird Teil (oder ist er es bereits geworden? Raum- und Zeitverwirrung greifen hier sehr leicht auf den Leser über...) eines bizarren Experiments, verbunden u.a. mit der umstrittenen Urknall-Forschung im Schweizer CERN-Labor, das schon einmal für einen Zeitreise oder vielmehr "-Stillstand"-Roman herhalten musste ("42" von Thomas Lehr). Er erlebt dabei Visionen bzw. Erfahrungen und Erinnerungen aus Sicht von geschichtlichen Personen... bis in die Zeit Jesu Christi!
Zu bemerken ist, dass der Verlag mit dem deutschen Titel einen "Spoiler" produziert hat - das kann man auch dem Klappentext anlasten: Die Hinweise, dass es nämlich im Grunde nicht nur um die Geschichte eines Mannes mit Gedächtnisverlust geht, der - aus welchen Gründen auch immer - "Erinnerungen an die Vergangenheit" anderer Menschen hat, sondern eben um ein beabsichtigtes Zeitreiseexperiment, sind im Text sehr subtil verborgen. Ab und an streuen die Figuren, mit denen Ólafsson interagiert, das Thema ein, und auch er selbst philosophiert unter anderem über die Zeit und diesbezügliche physikalische Experimente - aber doch meistens eher durch das Gedankenwirrwar in seinem Gehirn motiviert: Dass da wirklich ein Zusammenhang besteht zwischen den Spritzen seines Arztes und den Experimenten im CERN, und dass es dabei wirklich um Bewusstseins-Zeitreisen geht, wird erst in der zweiten Hälfte des Romans so richtig klar - aber der Effekt dieser langsamen Erkenntnis wird durch den sperrigen deutschen Titel m.E. verdorben. Zum Vergleich: Das Original hieß, wie ja schon erwähnt, einfach und kurz "Algleymi", was soviel bedeutet wie "Entzücken", "Euphorie", im englischen Titel des Buches - ebenfalls nur in einem Wort - auch als "Nirvana" oder "Vergessen(heit)" übersetzt. Ansonsten kann die erst 2011 erschienene deutsche Fassung aber in jeder Hinsicht glänzen: Der Übersetzer Richard Kölbl schafft es meiner Ansicht nach, sowohl wissenschaftliche Sprache als auch kulturelle Anspielungen ebenso wie die Sprachspielereien - ja zu Beginn auch einfach Sprachfetzen zu nennen, die unter anderem die Tatsache illustrieren, dass Guðjón Ólafssons Sprachzentrum durch den Unfall gelitten hat - mit einer Leichtigkeit ins Deutsche zu übertragen, die einen vergessen lässt, dass es sich nicht um einen Originaltext handelt. Das Buch mag nicht immer einfach zu "verdauen"/verstehen sein, aber für mich als Bewunderer auch experimenteller sprachlicher Finesse war es auf der Bahnfahrt, während der ich es gelesen habe, definitiv mehr Genuss als Anstrengung. Dennoch möchte ich mit meiner 4- statt 5-Sterne-Wertung zum Ausdruck bringen, dass mir bewusst ist, dass das durchaus nicht für jeden Leser so sein mag - auch hier noch einmal der Verweis auf "42", das manchen Leser vor ähnliche Probleme stellt.
Der Roman wird auf dem Klappentext übrigens als "Ideen-Thriller" bezeichnet, was insofern treffend ist, als neben der Haupthandlung eben immer wieder philosophiert wird, sei es über das Verständnis der Menschen von ihrer Geschichte oder das Wesen der Zeit allgemein - eins der Beispiele hat es mir besonders angetan, stellt der Autor doch den Vergleich zwischen einem Spiegel als Fenster in die unmittelbare Vergangenheit (schließlich brauchen Licht- und Nervensignale ja ein bisschen Zeit, bis sie in den Spiegel und wieder hinaus respektive von den Augen ins Gehirn gewandert sind und ich mein Spiegelbild wahrnehmen kann) und der leichten Zeitverzögerung, mit der Rundfunksender ihre Ausstrahlungen versehen, um gegebenenfalls z.B. verbale "Ausrutscher" ihrer Moderatoren abfangen zu können - meine Erfahrungen mit der entsprechenden Vorrichtung habe ich bereits selbst in einer Kurzgeschichte verarbeitet, die im Hill Valley Blog unter dem Suchbegriff "Beruhend auf wahren Gegebenheiten" nachzulesen ist.
In der Kritik wird, wie netzseitig zu lesen ist ("Sagenhaftes Island" hat eine eigene Website) und, wie ich denke, ganz zu Recht, die Qualität des "avantgardistischen Werkes" in der isländischen wie auch "egozentrischen Literatur" und damit verbunden Hermann Stefánssons feiner Sinn für Humor einhellig gelobt. Von der Erwähnung stark Science-Fiction-lastiger Passagen abgeschreckte Leser vorliegender Rezension mögen beruhigt sein, denn sie können jenen m.E. in der Summe nicht ersticken.
Ich bedanke mich bei BloggDeinBuch PUNKT de sowie beim Litteraturverlag (sic) Roland Hoffmann für die Vermittlung bzw. Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

lustig, mann

Überman (DAISY Edition)

Tommy Jaud , Tommy Jaud
Audio CD
Erschienen bei Argon, 13.12.2012
ISBN 9783839851333
Genre: Romane

Rezension:

Der “Vollidiot” war ja schon immer die Lektüre für Fremdschämer – Tommy Jaud hat das wirklich drauf, auch in seinen anderen Romanen, deren Kauf meinerseits er anfangs dem Lokalbonus verdankte (er ist selbst Franke & baut Anekdoten und Orte immer wieder mal ein; “Resturlaub” wurde sogar teilweise in meiner Lieblingsstadt Bamberg verfilmt). Über die Verfilmung kann man sich sicherlich streiten, auch der zweite Teil “Millionär” kam mir etwas langatmig vor, aber die kürzlich erschienene Fortsetzung “Überman” habe ich mir trotzdem wieder gekauft. Über den Rezensionsexemplar-Service von bloggdeinbuch PUNKT de bin ich jetzt auch an die Hörbuchfassung geraten, die mich in den letzten Wochen auf Spaziergängen und Autofahrten begleitet hat.
Einige Rezensenten vermissen an dieser Ausgabe vor allem einen: Christoph Maria Herbst, der bis jetzt dem “Vollidioten” und auch Pitschi Greulich seine Stimme geliehen hat (und, das ist angesichts des Erdmännchens in Jauds “Hummeldumm” bestimmt kein Zufall, kürzlich dem Erdmännchen-Krimi “Ausgefressen” von Moritz Matthies).
Das kann ich so nicht in allen Belangen nachvollziehen – ja, CMH ist wirklich genial und hat ein fantastisches, genau passendes Stimmenrepertoire (und ich schmeiß’ mich immer noch weg, wenn ich ihn im Abspann zu “Hui Buh” hallervordensch parlieren & “hö, hö” machen höre). Aber wenn ich statt seiner eine Lesung durch den Autoren persönlich bekomme, der selbstverständlich nicht nur ganz genau weiß, wie er sich welche Textpassage gedacht & welche Stimme er dabei in seinem Kopf gehört hat, sondern das auch wirklich nicht untalentiert rüberbringt (nicht alle Autoren sind ja bekanntlich mit der Gabe gesegnet, ihre höchsteigenen Texte auch adäquat zu Gehör zu bringen), da – ich muss eine der fränkischsten aller Redensarten und das höchste Lob aus unseren Landen doch mal anbringen – “ko mer doch nix sog’n, des basst scho’”.
Worum geht’s nun eigentlich? Genau genommen um nichts anderes als den Weltuntergang 2012. Ach richtig, der ist ja ausgefallen. Diesbezüglich kann man Tommy Jaud geradezu prophetische Qualitäten attestieren, denn (und ich glaube, das kann man verraten, ohne dass es als “Spoiler” gelten muss) auch in dem Roman geht die Welt nicht unter. Nicht so wirklich jedenfalls. Aber das bedeutet nicht, dass man nicht geradewegs auf die Katastrophe zusteuert & sich das auch so anfühlt… Doch von vorn: Nachdem ihn sein griechischer Finanzberater in die Misere gesteuert hat (OK, das ist natürlich nicht ganz vorurteilsfrei) muss der somit Ex-Millionär Simon Peters wieder in die schwarzen Zahlen kommen – das Finanzamt will auch noch eine nicht unbeträchtliche Nachzahlung, und Simons Liebchen Annabelle eine Fortbildung zur Weinfachfrau finanziert haben. Über ein paar missglückte Versuche & logische Verwindungen läuft das Ganze nicht nur darauf hinaus, dass man Jamie Oliver verklagen muss, weil bei seinen 30-Minuten-Menüs schon die Besorgung der Zutaten tagelang dauern kann – sondern auch darauf, dass Simon, um die Gunst seines Freundeskreises wiederzuerlangen, den er sich diesmal wirklich gründlich verprellt, nichts anderes tun muss als sie in einer Wahnsinnsaktion in einen Weinkeller einzubunkern, damit sie den Weltuntergang überleben – ob sie nun wollen oder nicht. Klingt kompliziert? Natürlich ist es das. Aber alles kein Problem dank der Überman-Technik (Thomas Alva Edison! Nikola Tesla! Leonardo Da Vinci! Simon Peters!), mit der man nur 2 Stunden Schaf pro Tag benötigt, die mehr oder minder geschickt über den Tag zu verteilen sind… Die Tour de Force, in die einen der Autor so mit seinem Protagonisten hineinreitet, lebt außerdem vom Wiedersehen mit der Stammbesetzung, z.B. Simons Reinigungsfachkraft Lala (die Beschreibung ihrer Fleischtaschen macht mich neugierig auf den zufällig bei mir um die Ecke neu eröffneten Pleskavica-Stand, obwohl Simons Kommentare eher geschäftsschädigend wirken dürften) oder dem seine Patienten in der 3. Person anredenden Dr. Parisi.
Was Jaud noch immer nicht so im Griff hat, sind dagegen die logischen Übergänge zwischen den aberwitzigsten Einfällen – was bei Douglas Adams, der in seinen (Anhalter-)Romanen ähnlich assoziativ vorgegangen ist, wirklich gut funktioniert, wirkt bei Tommy Jaud doch oft “nur” bemüht. Dennoch zünden genügend Pointen, dass man sich doch recht gut unterhalten fühlen kann – wenn man sich eben vorher bewusst macht & darauf einlässt, es hier nicht mit einer allzu stringenten Handlung zu tun zu haben, sondern einer Reihe von “Momentaufnahmen”.
Mein Fazit: Mit dem richtigen Sinn für Humor durchaus aufgerundete 4 von 5 Sternen (meiner – ebenfalls nicht mit allen Rezensenten geteilten – Meinung nach besser als der “Millionär”, dem ich nur 3 bis 3,5 geben würde - liegt vielleicht daran, dass ich ihn damals an Thommie Bayers wirklich gelungener "Kleinen Geschichte vom Glück" - ebenfalls mit "Plötzlich Millionär"-Thematik - gemessen habe).
Vielen Dank wie immer an bloggdeinbuch PUNKT de und den Argon-Verlag für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

jungmann, epidu, drachen, liebe, herz

Das Herz des Abwun

EM Jungmann
Buch: 359 Seiten
Erschienen bei EPIDU, 01.10.2011
ISBN 9783942584104
Genre: Fantasy

Rezension:

Nein, hier geht es (noch) nicht um den neuen 'Planet der Affen'; vielmehr ist diese Bezeichnung das, was die Kgenmar in den Menschen sehen. Die Kgenmar sind reptil-humanoide Wesen, die - so behaupten sie es zumindest immer wieder - von ihrer Gottheit, dem Abwûn (Nominativ: das Abwûn, übrigens auch das aramäische 'Vater Unser'), auf die Erde gesandt wurden, um den Planeten und mit ihm die Menschheit, die sich und ihn durch Kriege und Umweltverschmutzung an den Rand des Kollaps gebracht haben, zu retten. 'Das Herz des Abwûn', so der Titel des Debütromans von E.M. Jungmann, der eine weitere Entdeckung der epidu-Community darstellt, ist dabei zunächst die sprichwörtliche Schlangengrube: Mit grausamer Effizienz gehen die Kgenmar ihrer angeblichen Berufung nach, es gibt kaum ein menschliches 'Fehl'-Verhalten, das nicht um irgendeine Ecke zur Todesstrafe führte, und die Menschen werden zwar nicht direkt versklavt, aber buchstäblich 'an der kurzen Leine gehalten' (die Haustiermetapher wird schmerzlicher offenkundig, als die Protagonistin beim Abendessen einen Bissen Brot zugeworfen bekommt und die Fleischreste von einem Knochen nagen darf, die ihr 'Herr' übrig gelassen hat). Der Leser begleitet die junge Ellen aus Dachnat-Kgenmar, die, wie es die Tradition verlangt, mit Einsetzen der Pubertät in die 'Dienste' der Besatzer zu treten hat, auf einer 'Reise' (vgl. Untertitel des Buches), die das Verhältnis zwischen Menschen und Kgenmar auf eine neue Ebene heben soll - unter anderem, indem sie zunächst widerwillig mit deren (zukünftigem) Anführer vermählt wird.
Die Autorin schafft hier erfolgreich eine neue Welt mit einer eigenen Sprache und Religion und fesselt den Leser durchaus mit einem gerüttelten Maß an Innovation, obwohl es natürlich mit jedem erscheinenden Fantasyroman schwieriger wird, nicht irgendwelche Anklänge an andere bekannte Werke zu wecken. So war meine erste Assoziation bei den die Menschen auf ihrem eigenen Planeten zur zweitklassigen Lebensform werden lassenden Kgenmar die Situation, die John Christopher in der bekannten Trilogie um die 'Dreibeinigen Herrscher' beschreibt (die ihrerseits bekanntlich im Design an H.G. Wells' Marsianer-Tripoden aus 'Krieg der Welten' erinnern). Andere Passagen ließen mich an Frank Herberts 'Wüstenplaneten' denken, insbesondere wenn die Autorin - im Glossar immerhin vorbildlich erklärte und in sich schlüssige - religiöse Vorstellungen der Kgenmar einfließen ließ; ich hätte mich zeitweise kaum gewundert, auch noch irgendwo den Begriff 'Kwisatz Haderach' zu lesen'
Womit ich leider eher Schwierigkeiten hatte, war die Behandlung eben jener religiös-mystischen Gründe für die Besatzung der Erde durch die Kgenmar und der daraus resultierenden Philosophie. Der Infotext zum Buch, das tatsächlich als 'mystischer Fantasyroman' und damit keineswegs unter falscher Flagge daherkommt, spricht davon, dass sich die Autorin durch aktuelle Diskussionen und Konflikte unserer Welt habe inspirieren lassen, sodass ich davon ausgehe, dass auch religiöser Fanatismus bzw. das Vorschieben der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt, dessen sich beispielsweise heutige Islamisten bedienen, zu diesen Themen gehört. Aber obwohl die Autorin ihrer Protagonistin eine gewisse kritische Distanz zugesteht, habe ich - trotz aller Rechtfertigungsversuche und Sympathiewerbung - immer wieder auch das Gefühl gehabt, Ellen fiele möglicherweise auf einen kaum hinterfragten Mystizismus herein, lasse sich am Ende auch durch diverse an Gehirnwäsche erinnernde Methoden (neben tatsächlicher Telepathie mit Tendenz zur Gedankenkontrolle ist da auch mehrmals von einem 'reinigenden Gefühl' die Rede, das einen beispielsweise beim Durchschreiten eines - elektronischen? - Eingangstores überkommt) inklusive eines 'bewusstseinserweiternden' Getränks (das natürlich ' auch hier haben wir nur die Aussage des herrschenden Kgenmar - keineswegs Alkohol enthält oder irgendwie derartige Berauschung verursacht...) einlullen. Ich schaffe es leider auf lange Sicht nicht, es als gegeben hinzunehmen, dass Ellen schließlich die große Wahrheit und die Liebe der Gottheit hinter all der Misshandlung, erniedrigender und entwürdigender Behandlung der Menschheit - selbst wenn diese durch ihr Verhalten eine Art Strafe auf sich herabgerufen haben mag - so erkennt und akzeptiert, dass sie mit dem früheren Feind, der ja nur das Beste will, ins Bett steigt, um eine 'Prophezeihung' zu erfüllen' Wenn besagte 'Reise' nicht nur die Protagonistin sondern auch den Leser zur Erkenntnis bringen sollte, dass die mystische Schicksals- und Berufungs-Idee der Kgenmar tatsächlich nicht nur eine Rechtfertigungslüge ist, sondern dass es diese überirdische Macht wirklich gibt, die voll Liebe die Welt in die Richtung lenkt, wohin sie sich gemäß ihres göttlichen Willens zu bewegen hat, hat es bei mir (trotz der eindeutig übernatürlichen Ereignisse vor allem auch gegen Ende der Geschichte) leider nicht richtig funktioniert. Mag sein, dass man mir vorwerfen kann, ich hätte eben das Buch nicht verstanden, aber ich habe es bis zum Schluss nicht geschafft, diesen ekligen Nachgeschmack ganz loszuwerden.
Insgesamt machte das auf epidu PUNKT de verfügbare 'Versucherli', das auch den Ausschlag zur Wahl in die Liste der zu veröffentlichenden Bücher gab, und die inspirierte Lesung eben jener ersten Seiten/Kapitel durch die sympathische Autorin mir das Buch wesentlich schmackhafter, als es die ganze 'Mahlzeit' dann einlösen konnte: 'Die Reise' wurde mir - eben wohl deswegen, weil ich mit erwähnter grundlegender Philosophie einfach nicht klar kam - insgesamt doch zu lang (während der unvermeidliche Endkampf mit 'der Bösen' potterig schnell vorbei ist).
Das Buch wird auf dem Klappentext nicht eindeutig als Jugendbuch beworben, zumindest die 'Vorschauversion' beinhaltete allerdings eine diesbezügliche Bemerkung. Ich schraube daher zur Be-Sternung meinen Anspruch auf 'objektive' Überzeugungskraft des Mystizismus in diesem Buch ein wenig herunter, wobei ich damit nichts über leichter beeinflussbare Jugendliche gesagt haben will' Nachdem die Autorin einerseits sichtlich ihr Handwerk beherrscht, ich aber andererseits mit dem Buch auf lange Sicht nicht ganz glücklich geworden bin, vergebe ich vorsichtige 3 von 5 Sternen.
Übrigens, im Epilog des Romans bin ich dann übrigens doch (wieder) irgendwie auf dem Planeten der Affen gelandet: Der mögliche Fortsetzungsband scheint mir, wie hier angedeutet wird, zumindest eine Gemeinsamkeit mit dem zweiten Teil der klassischen 'Planet der Affen'-Filme zu besitzen - die Mutanten aus der Verbotenen Zone stehen bereit... Ob E.M. Jungmann am Ende auch eine Kobaltbombe zünden wird?
Ich bedanke mich wieder einmal beim epidu-Verlag und bei BloggDeinBuch PUNKT de für die Vermittlung und Zurverfügungstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kinderbuch

Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit

Tobias Elsäßer , Stefanie Reich
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 07.03.2013
ISBN 9783596811571
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ob ein Buch interessant genug ist, es sich zulegen und lesen zu wollen, entscheidet sich oft über einen originellen Titel. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, und Übersetzungen können da auch einiges versauen: Hätte ich beispielsweise nicht gewusst, dass 'Level X' von David Ambrose ('Der letzte Countdown', 'D.A.R.Y.L. ' der Außergewöhnliche') in Wirklichkeit 'The Man Who Turned Into Himself' heißt, hätte ich es wahrscheinlich nicht so attraktiv gefunden. Na, jedenfalls könnt ihr euch denken, warum ich mir 'Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit' vom Sauerländer-Verlag (gehört übrigens zur gleichen Verlagsgruppe wie der legendäre DUDEN) für die nächste Rezension im Hill Valley Blog ausgesucht habe.
Es handelt sich hierbei um den ersten Teil einer neuen (und der ersten) Kinderbuch-Reihe des Autors Tobias Elsäßer, Jahrgang 1973 (dazu sag' ich jetzt mal nix, sonst grenzt das an Eigenlob). Im Mittelpunkt steht eine ganze Familie Lindbergh, die - der Name lässt es erahnen - im Schatten des Towers des Flughafens Kesselheim wohnt und praktisch komplett aus Erfindern ' mehr oder weniger 'verrückt' ' besteht. Klar, dass die auch eine Zeitmaschine in der Sammlung haben (und einen Roboter, dessen Kleidungsstil mich auf den Illustrationen irgendwie an einen gewissen Doktor Emmett Brown erinnert).
Linus Tizian Lindbergh selbst hat allerdings bis jetzt mit seinen Erfindungen weniger Erfolg gehabt, ist dafür aber ein umso begeisterter Tester der Gerätschaften seines Großvaters. Überhaupt lebt das Buch von den teilweise schrägen, teilweise irre nützlichen Erfindungen, die der Autor in die Handlung einfließen lässt.
Elsäßer pflegt einen erfrischend humorvollen Stil, ohne dabei ' wie bei manchen Kinder- und Jugendbüchern üblich ' das sprachliche Niveau allzusehr 'herunterschrauben' zu müssen.
Man merkt dem Buch aber doch an, dass es als erster Teil einer Trilogie (nächster Band im Herbst 2012?) gedacht ist ' es muss eine Menge Exposition geleistet, die Charaktere erst einmal richtig zum Leben erweckt werden, und einige wichtige Handlungsfäden sollen wohl erst später wieder aufgenommen werden, darunter die Suche nach einer so zentralen Figur wie Linus' 'im Zeitstrom verschollenen' (oder vielmehr im titelgebenden Zeitriss hängengebliebenen) Papa. Die Haupthandlung des ersten Bandes dreht sich um die Freundschaft Linus' mit Riana von Waldenfels, neu in seiner Klasse und laut Charakterbeschreibung 'jüngste Gedankenarchitektin des Universums', und die Aufnahmeprüfung für eine Geheimorganisation ('DIE AGENTur'), die so geheim ist dass angeblich nicht einmal Linus' Eltern wissen, dass ihr jeweiliger Partner Mitglied ist. Linus steht von Anfang an unter Beobachtung und ist ein Beitrittskandidat, obwohl er ja, wie gesagt, die Talente von Vater und Mutter zunächst nicht geerbt zu haben scheint. Die Prüfung stellt den vorläufigen Höhepunkt der Geschichte dar; das ansonsten offene Ende macht Lust auf mehr, könnte allerdings ' wie bereits ein anderer Rezensent bei Amazon festgestellt hat ' bei der jungen Zielgruppe auch Irritationen hervorrufen. Auch die in dem Kontext unvermeidbare, buchstäblich erfinderische Vielfalt (Mindgame? Traummaschine? Zeit anhalten? Wie hängt das alles zusammen?) muss man erstmal sortiert kriegen. Trotz gewisser Kritik: Eine Geschichte voller herrlich schräger Ideen und Personal mit viel Potenzial für die Zukunft (!), die sich in ihrer sprachlichen Gestaltung auch noch angenehm (vor-)lesen lässt (ich konnte vorerst nur den einen Teil richtig ausprobieren, mein Sohn muss erst noch geboren werden ) ' 4 von 5 Sternen auf jeden Fall!
P.S. Wieder einmal danke an Bloggdeinbuch PUNKT de und natürlich Sauerländer für die freundliche Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

conficker, internet, computerwurm

Worm

Mark Bowden , Thomas Pfeiffer
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 21.02.2012
ISBN 9783827010650
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Don't you know we got smart bombs, it's a good thing that our bombs are clever. Don't you know that the smart bombs are so clever, they only kill bad people now." (Oingo Boingo, "War Again")

Wer Mark "Black Hawk Down" Bowden ist und was "Conficker" für eine Bedeutung hat, dessen sollte man sich bewusst sein, damit man "Worm" nicht für ein Biologiebuch hält. Wobei es das irgendwie ja dann doch ist - denn die Krankheiten, mit denen sich unsere Vorfahren herumschlagen mussten, sind wohl gar nichts gegen die elektronischen Viren der Neuzeit, wo man nicht einmal mehr physikalisch irgendwohin reisen muss, um sich oder jemand anderen anzustecken.
Bowden als Wissenschaftsjournalist macht es sich hier also zur Aufgabe, dem interessierten (!) Laien zu verdeutlichen und überhaupt erst bewusst zu machen, wie die - für den Normalbürger eher nervige - Virenbedrohung speziell von Windows-Computern zustandekommt und was frei nach Goethe "die Virenwelt im Innersten zusammenhält" bzw. - daher der Untertitel "Der erste digitale Weltkrieg" - wie und wieso Computerviren eben nicht nur Computer, sondern tatsächlich die Menschheit als solche bedrohen. Er verfolgt dabei in semi-erzählenden Passagen die Bemühungen einzelner Mitglieder der "Kabale" (nicht im alten Sinne von "Intrige", sondern hier anglo-amerikanisch für eine "verschworene Gemeinschaft" gebraucht) von Ideal- und Spezialisten, die dem "Conficker"-Wurm (offenbar der zum Zeitpunkt gefährlichste Computervirus in freier Wildbahn) auf den Fersen sind. Eine treffende Pointe, die mir in diesem Zusammenhang positiv im Gedächtnis geblieben ist: Nach ungefähr der Hälfte kommt der Autor auf die interessante Feststellung, dass die Leute, die sich ehrenamtlich (!) darum kümmern, dass die Virenprogrammierer nicht gewinnen, die wahren Superhelden à la X-Men sind: Sie sind nicht nur "Mutanten" in dem Sinne, dass sie in vielerlei Hinsicht keine "Normalbürger" (mehr) sind, sie erfüllen damit sogar das Kriterium der unspektakulären Reallebens-identitäten, die sich viele Superhelden zulegen bzw. aus denen sie hervorgegangen sind und die sie zwischendurch wieder annehmen (müssen).
Dieses Buch ist für alle, die einmal über den "ich-brauch-Computer-nur zum Arbeiten, aber wie sie funktionieren ist mir prinzipiell wurscht"-Tellerrand hinweg gucken wollen, eine durchaus spannende Lektüre, aber in besonderem Maße natürlich für diejenigen, die zumindest schon eine kleine Affinität zur Geekigkeit besitzen. Man muss zwar nicht unbedingt Vorwissen haben, aber der im Buch mehrfach zitierte "Blick" (wenn ein Spezialist über sein Fachgebiet referiert, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass der Zuhörer nicht unbedingt vom Fach ist) stellt sich, denke ich, ansonsten auch beim Leser ein. Da ist es doch ganz praktisch, das der Reportage-Erzählung nicht nur ein Personenverzeichnis voran- sondern auch ein Glossar der wichtigsten Begriffe nachgestellt wurde. Gelegentlich merkt man dem Buch nicht nur wegen der englischen Fachbegriffe (die sind auf dem behandelten Gebiet einfach unvermeidlich, es sei denn, man geht den Weg der Franzosen und nenn Computer konsequent "ordinateur", die Software "logiciel" und die Spice Girls "Leh Spiss Schirl") gelegentlich an, dass es aus dem Englischen übersetzt wurde, aber die sprachliche Gestaltung geht insgesamt schon in Ordnung.
Vor allem ist das Buch ein faszinierender Blick hinter die Kulissen des Internets (auch einige geschichtliche Details, die mir noch nicht bekannt waren, habe ich gelernt) - ob die Bedrohung nun wirlich so dramatisch ist, dass man das ganze als "Weltkrieg" verkaufen muss, wird sich vielleicht noch herausstellen. Dass der Autor das Ganze ein wenig dramatisiert und man sich bei dem Text stilistisch nicht immer sicher ist, ob man ein Sachbuch oder einen Thriller vor sich hat, liegt in der Natur der Sache, kann manchmal aber auch irritieren.
Was ich seit langer Zeit gerne einmal nachvollziehbar und befriedigend beantwortet hätte, weil es den "Info-Krieg" tatsächlich zu einem weltbedrohlichen machen könnte: Warum muss die entsprechende Infrastruktur überhaupt ans "zivile" WWW angeschlossen sein? Den prinzipiellen Sinn der Vernetzung von Krankenhäusern sehe ich ja noch ein, aber muss man ein Atomkraftwerk (überspitzt ausgedrückt) unbedingt mit dem Internet Explorer von zu Hause aus steuern können? Klar, dass da nicht unbedingt Ziel und Aufgabe des Buchs ist, aber man wird ja schon mal fragen dürfen...
Eine Zurück-in-die-Zukunft-Verbindung fürs Hill Valley Blog (dort erschien diese Rezension erstmalig) hab' ich als übrigens auch noch gefunden: Phil Porras, der erste "Held" der Geschichte, ging nämlich auf die Whittier High School - wer's nicht weiß: Das ist nicht nur die Schule von Ex-Präsident Richard Nixon, sondern auch die Kulisse der Hill Valley High gewesen...

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(111)

206 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

zeitschleife, science fiction, zeitreise, reinkarnation, zeit

Replay - Das zweite Spiel

Ken Grimwood , Norbert Stöbe
Flexibler Einband: 411 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.01.2005
ISBN 9783453520103
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Gerade frage ich mich, warum ich im HVB nicht schon längst einmal etwas über mein absolutes Lieblingsbuch auf dem Zeitreisesektor geschrieben habe (inzwischen nachgeholt ;) ). Nun ja, eine Neuheit ist es nicht, andererseits ist so eine Buchempfehlung ohnehin im wahrsten Sinne des Wortes "zeitlos". Den Titel "Replay" - vielleicht bekannt durch das "R"-Zeichen bei (Zeitlupen-)Wiederholungen von Höhepunkten sportlicher Ereignisse im Fernsehen - nehme ich dabei so wörtlich, dass ich auch das Buch immer wieder mal lese - abwechselnd auf Deutsch und Englisch.

Was die Geschichte für mich besonders reizvoll macht: Sie verknüpft im Prinzip die Idee paralleler bzw. alternativer Universen mit Zeitreisen, indem sie den Protagonisten in kleiner werdenden Zeitschleifen einen Teil seines Lebens wieder und wieder neu durchmachen und verändern lässt. Jeff Winston nutzt das zunächst- wie naheliegend - zum Geldscheffeln aus und investiert nach Pferdewetten in moderne Technologien, besinnt sich dann aber auf immaterielle Werte. Auf dem Weg ein Stück begleitet wird er von Pamela Phillips - ebenfalls eine "Wiederholerin" - auf die er bei einem "Neudurchlauf" seines Lebens aufmerksam wird, weil sie mit den noch unbekannten Filmgenies Lucas und Spielberg einen Film produziert, den es in "seiner" Fassung der Welt bis jetzt nicht gegeben hat. Der Versuch, mit "offizieller" Hilfe etwas über die Gründe der Zeitschleife herauszufinden, endet allerdings in einem Desaster und wird nicht wiederholt. Auch der ebenso naheliegende Gedanke, Weltverbesserung à la Sam Beckett zu betreiben und z.B. die Ermordung Kennedys verhindern zu wollen, wird aufgegriffen (wäre das Buch nach 9-11 geschrieben, hätte Jeff vielleicht die Anschläge an jenem Tag zu verhindern versucht). Doch schließlich findet Jeff heraus, dass es um so etwas gar nicht geht...

Der Autor Ken Grimwood, der mit dem Buch ganz offensichtlichen Einfluss auf Filme wie "...und täglich grüßt das Murmeltier" sowie "12:01" hatte, ist leider im Jahre 2003 verstorben, was umso bedauerlicher ist, als er gerade an einer Fortsetzung dieses fantastischen Romans arbeitete.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Nachrichten aus der Luft, m. Audio-CD

Nora Gomringer
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Voland & Quist, 30.08.2010
ISBN 9783938424537
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

lyrik, slam-poetry, deutschland, gedichte

Sag doch mal was zur Nacht

Nora Gomringer
Flexibler Einband: 78 Seiten
Erschienen bei Greinus, Leif, u. Sebastian Wolter, 01.11.2006
ISBN 9783938424131
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

BRAINFUCK

Alfred Berger
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 16.05.2013
ISBN 9783943408140
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

kurzgeschichten, thriller, liebesgeschichten, rezension, spannung

Hinter Türen

Anja Ollmert
E-Buch Text: 251 Seiten
Erschienen bei BookRix GmbH & Co. KG, 14.05.2013
ISBN B00C18VKTY
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Letzte seiner Art: Kurzgeschichten Anthologie

Scott Nicholson , Jörg Weese
E-Buch Text: 204 Seiten
Erschienen bei mysteria Verlag, 28.01.2013
ISBN B00B7E1EQC
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Telefon!

Stefan Lehner , Katrin Langmuth , Petra Winter , Jörg Weese
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 13.03.2013
ISBN 9781482760477
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Telefon!: Anthologie

Stefan Lehner (Herausgeber) , Jörg Weese
E-Buch Text
Erschienen bei Phantastik-Buch, 14.03.2013
ISBN B00BYM0N1Y
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Letzte seiner Art: Kurzgeschichten Anthologie

Scott Nicolson , Claudia Mech , Jörg Weese , Hans P. Holzer
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 28.01.2013
ISBN 9781480196773
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Rohrfrei

Fred Ink , Fabiana Fabulus , Jörg Weese , Anja Ollmert
Flexibler Einband
Erschienen bei Pundschus, Angela, 01.10.2012
ISBN 9783981552201
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 
26 Ergebnisse