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36 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

fantasy, philosophie, phantasie, der ursprung des bösen, verlust

Beatrice - Rückkehr ins Buchland

Markus Walther
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 02.09.2016
ISBN 9783862823734
Genre: Fantasy

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

piet, kirschkernspuckerbande, freunde, warmherzig, adoption

Die heldenhaften Jahre der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2013
ISBN 9783426510650
Genre: Romane

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Tags: freundschaft, jugend, kindheit, kirschkernspuckerbande   (4)
 

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

freunde, freundschaft, liebe, kindheit, hamburg

Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2001
ISBN 9783426618929
Genre: Romane

Rezension:


Da sitzt ein gewisser Piet Lehmann, 41, bei einem jungen Schnösel von Kulturjournalisten beim NDR. Er, selbst Redakteur, ist zum Interview geladen. Sein Roman Kirschkernspucker ist das Thema. TOTAAL langweilig findet der Schnösel die Geschichte von sechs im Jahr 1960 gebornen Freunden. Gelesen hat er sie auch nicht. Er hat sich, selbst kaum dem Volontariat entwachsen, von einer Volontärin einen kurzen Überblick geben lassen.

„Er schien sich nicht vorstellen zu können, dass das Leben für Menschen über vierzig noch irgendwas bereithielt. Wahrscheinlich dachte er, alles was Männern meines Alters noch blieb, waren die alljährlichen Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchungen und sporadische Ü40-Partys, auf denen wir zu den Klängen von Status Quo und Cindy Lauper unsere arthritischen Gelenke schüttelten.
‚Doch, doch. Es geht immer weiter, das Leben‘, bekräftige ich.
‚Sicher‘, sagte Klein-Dominik. ‚So ist das wohl.‘“  (Seite 19)

All das geht Piet an seinem 50sten Geburtstag durch den Kopf. Der war 2010. Meiner war drei Jahre später. Und mir schwant, dieses Buch ist vor allem was für Leute, die noch in richtige Baumwollwindeln gesch... haben, Seifenkisten bauten, gleich alleine zur Schule gingen, und denen in den letzten Schuljahren die Benutzung von Taschenrechnern noch verboten wurde, weil nicht alle einen hatten. Also zumindest in Dresden war das um 1980 so, ob Letzteres in Hamburg ebenso war, weiß ich nicht genau. Vielleicht.

All das habe ich soeben den ersten Seiten aus DIE HELDENHAFTEN JAHRE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE entnommen. Daraus folgt, es geht gar nicht um dieses Buch, sondern um DIE DENKWÜRDIGE GESCHICHTE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE. Band EINS von Gernot Gricksch. Band 2 wird noch gelesen und wenn alles klappt, werden Anne und ich uns gemeinsam darüber amüsieren. Sie wird das Küken sein, denn sie ist noch mal um einiges jünger. Aber uns eint mit Piet, Petra, Bernhardt, Sven, Susann und Dilbert: Wir sind alle im siebenten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren und haben alle noch in Baumwollwindeln... usw.

* * *
»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.« (Seite 7)

Wer da in das Loch auf dem Friedhof in Ohlsdorf heruntergelassen wurde, ist nicht klar, nur soviel, einer von sechs wird es schon gewesen sein. Wenn im Epilog diese Szene wiederholt wird, hat man schon einen leicht verschleierten Blick, denn während man meist lachen musste bei der Lektüre, hier ist die Geschichte so was von traurig, da darf man schon mal ein Tränchen verdrücken. Im Übrigen zeigt Piet Lehmann, der Erzähler ja des Öfteren, dass Mann auch mal heulen darf. Ohne heulen hätte er seine bessere Hälfte nicht, verraten, ob die nun Petra, Susann oder ganz anders heißt, wird hier nicht.

Sven ist der Erste, den Piet kennenlernt. Sozusagen im Laufstall. Bei einer Art Ghostbuster-Spiel kommt ein neuer Junge dazu. Petra. „‚Petra?‘, rief ich entsetzt. ‚Du bist´n Mädchen??‘ ‚Ja.‘ Petra funkelte mich wütend an. ‚Aber ich bin stärker als du!‘ Ich sagte lieber nichts mehr. Wahre Führer wissen, wann es klüger st, einen temporären Rückzug anzutreten.“ (Seite 23) Und dann trennen sich Svens Eltern, es wird dauern, bis die Leser den Grund dafür erfahren.

1966 gab es Schultüten. Und zu dem Trio stoßen der stille Bernhardt und der Rüpel Dilbert hinzu. Bernhardt sitzt neben Piet, Dilbert gehört auch in diese Klasse. Sven hat eine Banknachbarin namens Susann. Und um das mal richtig zu erklären, was den Unterschied von Petra und Susann ausmacht und warum sich neben ein Mädchen zu setzen eine große Dummheit ist, gebe ich mal folgende Erklärung. „Wenn Mädchen so waren wie Petra – permanent schmutzig, mit aufgeschlagenen Knien und einer Rauferei nie abgeneigt – , dann konnte man vielleicht mal eine Ausnahme machen, aber so ein richtiges Mädchen, eins mit Zöpfen, mit einem Kleid!“ (Seite 36)

Bernhard dagegen: „W-wollt ihr Sch-schokolade?“ – Ach, Bernhard. Der ist der Schlaukopf. Total belesen, Geografie-As würden wir sagen. Besitzer zweier Alkoholiker-Eltern. Stotternd, schüchtern, außer in dieser nun kompletten Clique, die auch in der Schule vollständig wird, nachdem Petra es geschafft hatte, von ihrer Mädchenschule zu fliegen. Piet, Sven, Petra, Bernhard, Susann und Dilbert.

Überspringen wir mal ein paar Jahre. 1972, da wird die Rasselbande zwölf. Petra hat den Dilbert des öfteren im Schwitzkasten und Piet hat Susann´s beginnende Brüste wohl zu lange angeschaut. Und „Susann bemerkte alles, was ich tat“.

„Ich lag also da, zwölf Jahre alt und dachte an Susanns Lippen und an ihre Minibrust... Und da war sie dann: Meine erste Erektion. Halleluja! Ohne dass es mir jemand erklärt hätte, fand ich sehr schnell heraus, wie man so eine Erektion wieder loswird.“ (Seite 71)

* * *
Überspringen wir erneut ein paar Jahre und auch die Phase, in der Dilbert meint: „So viele Weiber! So wenig Zeit!“ – Überspringen wir überhaupt den ganzen Rest, der nur spoilerhaft wirken würde und kommen wir mal zu einem Fazit:

Da lese ich nun einen „Wessi-Roman“ und finde mich doch wieder. Nicht unbedingt in Hamburg-Altona-Reeperbahn und LSD-WG, auch nicht an der Startbahn-West und in Brokdorf, als deren Vertreter besagter Piet seine kurzen Ausführungen dazu bringt. Ich will da mal was ganz Profanes erwähnen: Cat Stevens - Morning has brocken. Was verbindet Ost und West damit, wenn man zwischen 1960 und ein paar Jahren später geboren ist? Natürlich: Den Engtanz. Den in der Klassendisko. Näher kam man ja in einem bestimmten Alter an die Busen der Mädchen nicht heran. Aber jetzt gleite ich schon wieder zurück in die pubertären Erinnerungen. Dabei wird doch dieses Buch zunehmend ernst und nicht erst, als die Freunde (teilweise) Eltern werden.

Übrigens war es wohltuend, nichts, aber auch gar nichts zum Thema Ost/West zu lesen. Keine Tante, kein Onkel, keine Carepakete und Ostreisen. Ein einziges Mal die Erwähnung der Geschehnisse von 1989.

Für Anne Parden „war das wie eine Reise durch meine eigene Kindheit und mein Leben. Ereignisse, die ich längst verdrängt hatte, politische Bewegungen, besondere Augenblicke kamen wieder zum Vorschein, Gegenstände, Ausdrücke, Mode und Musik im Wechsel der Jahre - ein herrliches Wiedertreffen!“ wie sie in ihrer Rezension schrieb.

Oder auch ganz kurz bei Droemer-Knaur: „Frischt Kindheitserinnerungen auf, herrlich unpathetisch und unsentimental, und doch auf ganz eigene Art berührend. Tolles Buch!“

Geht mir genauso, auch wenn ich mir, ähnlich der nebenstehenden Jahrgangsbücher auch eine Ost-Variante der Kirschkernspuckerbande vorstellen könnte. Aber schade ist letztendlich nur, dass ich diesen denkwürdigen Roman einer denkwürdigen Gruppe fast Gleichaltriger nicht schon eher in die Hände bekam, denn Gernot Gricksch schrieb den bereits 2001.

Die eingangs erwähnte Fortsetzung, also „unsere“ heldenhaften Jahre, erschien „erst“ 2013. Nun ist die Geschichte schon etwas ernsthafter, darüber wird noch zu schreiben sein.

PS: Bei Droemer-Knaur steht, Gernot Gricksch ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren. Das war mir bisher ebenso wenig bekannt, wie seine beiden Romane über die Kirschkernspuckerbande. Aber das wird nicht so bleiben.

© KaratekaDD


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Tags: freundschaft, jugend, kindhei, kirschkernspucker, sechziger jahre   (5)
 

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weihnachtsgeschichte, drei weisen, morgenlan

Drei Kinder und ein Stern

Luise Rinser , Imke Sönnichsen
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Gabriel ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 03.10.2016
ISBN 9783522304542
Genre: Kinderbuch

Rezension:

... für Kinder schreiben, kommt in diesem Fall eine Weihnachtsgeschichte raus, die sich mal anders anhört obwohl Melchior, Balthasar und Kaspar nach dem kleinen Friedenskönig suchen und hierbei einem Stern folgen. Kennt man ja.
Allerdings sind es hier die Kinder der drei Weisen aus dem Morgenland. Der 12jährige Melchior ist ein Königssohn aus dem Zweistromland, Balthasar der Prinz von Syrien (spielt ja keine Rolle, dass es ein solches Reich damals nie gab) und Kaspar heist Kaspierina, das kohlrabenschwarze Mädchen ist die Tochter eines Gelehrten aus Alexandria. Sie folgen den Karawanen ihrer Väter, die sie nicht mitgenommen haben.
Gemeinsam bestehen sie eine Reihe Abenteuer bevor sie auf die Familie stoßem nach deren Kinde alle suchen, da in Palästina.

Was das Angenehme ist bei diesem Buch? Nirgends ist von irgendeinem Gott oder Gottes Sohn die Rede. Klar der Stern weißt ihnen den Weg und das Reich des neuen Königs ist nicht von dieser Welt. Das wird ihnen sinngemäß erklärt.

Es ist eine menschliche Geschichte, alt und neu zugleich.

Luise Rinser: Eigentlich wird sie als Schriftstellerin bezeichnet, schrieb viel philosophische und auch theologische Schriften und Bücher. Ich habe bereits ja "Mirjam" rezensiert. Sie schreibt irgendwie faszinierend, verständlich und hier eben sehr schön für Kinder. Für alle Kinder, egal welcher Konfession oder ohne, DIE GLEICHE GESCHICHTE. 


© KaratekaDD

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Tags: drei weisen, morgenlan, weihnachtsgeschichte   (3)
 

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giebele, mobbing, schule, alltag, gymnasiu

GYMNASIUM

Susanne Giebeler
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei tredition, 07.03.2017
ISBN 9783734582158
Genre: Romane

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buch, virginia, krimi, fbi, usa

Das Komplott

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Bea Reiter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2014
ISBN 9783453418028
Genre: Krimi und Thriller

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

verfahre, handschriftlic, testament, haushälterin, pla

Die Erbin

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Kristiana Dorn-Ruhl , Bea Reiter
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 03.03.2014
ISBN 9783837124804
Genre: Krimi und Thriller

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konklave, vatikan, thriller, rom, papst

Konklave

Robert Harris , Wolfgang Müller
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 31.10.2016
ISBN 9783453270725
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wahlen bestimmen (mehr oder weniger) die Politik in einem Staat. In aller Regel dauert so eine Wahl für ein Parlament auch nur einen Tag, plus Auszählung der Stimmen ein wenig länger. Bei Staaten, deren Territorium sich über mehrere Zeitzonen erstreckt, kann es auch mehrere Tage dauern. Dann kommt es hier und da zu Überprüfungen der Wahlen bezüglich der korrekten Durchführung. Diverse Gerichte beschäftigen sich dann mit der möglichen Wiederholung. Außerdem gibt es unter den Staaten auch noch Diktaturen, in denen Wahlen von vorn herein fragwürdig erscheinen

Letztlich gibt es noch einen Staat, in dem ist alles anders. Dies ist der Vatikanstaat. Da kommt das „Wahlvolk“ aus allen Teilen der Welt in die Stadt am Tiber. Man könnte die Wahlteilnehmer auch Wahlmänner nennen. Diese Wahlmänner wurden nie gewählt, sie wählen kraft ihres Amtes ihr Oberhaupt. Das ist der Pontifex Maximus. Dessen Vor- oder auch Vorvorgänger hat die Wahlmänner mal in diese Funktion ernannt. Nach der Ernennung nennen sie sich Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalis. Die Kardinäle, nie mehr als 120, wählen manchmal tagelang das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Sie wählen geheim - denkt man. Außerdem werden sie eingeschlossen, damit sie von außerhalb nicht beeinflusst werden können. Aber schon zu Zeiten des Rodrigo Borgia, bekannt geworden als Papst Alexander VI. (1431 - 1503), gab es Mittel und Möglichkeiten, dieses Gebot zu umgehen. Rodrigo Kardinal Borgia kommunizierte mit einem Spiegel mit der Außenwelt um den „Kollegen“, die damals nur einfachste Speisen erhielten, mit einem Brathuhn etwas „Gutes“ zu tun: Im Brathuhn waren diverser geldwerte Versprechungen eingebacken.

Ein wenig davon scheint heute noch vorhanden zu sein, die Teilnehmer am KONKLAVE können im gleichnamigen Roman von Robert Harris die Fenster ihrer Unterkunft nicht öffnen. Jedoch hat der Kardinaldekan ein paar Helfer, die sowohl innerhalb als auch außerhalb wirken und so ganz sind die spekulativen Berichte der Medien doch nicht ohne Grundlage. Es ist die fiktive Beschreibung der möglicherweise nächsten Papstwahl

Kardinal Lomeli ist der Dekan des Kardinalkollegiums und als höchster Kardinalbischof primus inter pares. Lomeli wird eines Nachts an das Totenbett des Heiligen Vaters gerufen, einige der Kollegen sind schon da. Einmal Kardinal Bellini, Staatssekretär, der Camerlengo Kardinal Tremblay und Kardinal Adeyemi, oberster Beichtvater im Vatikan. Tremblay ist Kanadier, Adeyemi ist Nigerianer. Tremblay zerbricht den Fischerring: „Sede vakante!“ Es fehlt in dieser Runde noch Kardinal Tedesco, der Patriarch von Venedig. Alle fünf wären unter Umständen Anwärter auf den Bischofsitz in Rom. Lomeli wird das Konklave leiten müssen, eine mühsame Aufgabe. Kurz bevor die Türen geschlossen werden, erreicht ein unbekannter Priester den Vatikan. Keiner kennt den Erzbischof von Bagdad, Kardinal in pectore, ernannt vom Herzen des Heiligen Vaters her. Benítez ist Philippiner. Das Konklave kann beginnen...

Der Heilige Vater gleicht in seiner Beschreibung ein wenig (?) dem Papst Franziskus. Er hat auf die päpstliche Wohnung verzichtet, wie auch auf die roten Schuhe, seine Gewänder sind zwar weiß aber von schlichter Einfachheit. Er war umstritten und die gezeigte Armut wurde ihn schon mal als Hochmut ausgelegt. Nun ist er beerdigt. Und die Kardinäle fangen an zu wählen...

Hauptfigur ist der Kardinaldekan, der sich plötzlich mit Informationen versehen sieht, die die aussichtsreichsten Anwärter auf den Stuhl Petri diskreditieren. Er fühlt sich gezwungen, diese mit ihren Verfehlungen zu konfrontieren. Immer mehr Stimmen fallen auf ihn. Auch dieser unbekannte Kardinal bekommt einige... Am Ende steigt weißer Rauch auf und Lomelis Gebete scheinen gefruchtet zu haben: Er bleibt der Dekan des Kollegiums. Und doch: Ein Gespräch steht nun noch aus ...

* * *

Robert Harris führt uns in die Sixtinische Kapelle und in die Casa Santa Marta, das vatikanische Gästehaus. Der gesamte Roman handelt in und zwischen diesen beiden Orten. Er durfte mit Genehmigung des Vatikans vor Ort recherchieren. So werden die Bilder lebendig und authentisch.

Die Kurie, der Vatikan bilden seit Jahrzehnten den Stoff für Stories, Verschwörungen, Verbrechen. Warum starb Johannes Paul I. bereits nach 33 Tagen (1978) im Amt? Warum hing der Chef der Banco Ambrosiano 1982 an einer Londoner Brücke und was verband ihn mit der Vatikan Bank? Gegenstand ständiger Diskussionen ist die Rolle der Kirche und Pius XII. im Zweiten Weltkrieg und und und... Dieser Roman bedient derartige Verschwörungstheorien nicht. Er zeigt, dass die Diener Gottes vor allem eines sind: Menschen mit allen ihren Stärken und Schwächen. Die große Weltpolitik spielt gar keine Rolle, wobei allerdings das Konklave plötzlich darüber sprechen muss, wie es mit einer Reihe von Terroranschlägen in Rom und München umgehen soll. Wohl aber spielt eine Rolle, wie integer, wie unantastbar ein Oberhaupt der katholischen Kirche sein muss, etwas worüber die Medien in jeder Sedisvakanz hemmungslos spekulieren.

Ein interessanter Roman, der die aktuellen Probleme der römisch - katholischen Kirche betrachtet und bestimmte Eigenheiten und Eigenschaften des amtierenden Papstes hierbei mit einbezieht. Harris schildert die Mühen und die Intrigen und „gestaltet eine große Parabel über die Versuchung der Macht.“ Der Leser meint am Ende vermutlich, ja, so könnte das nächste Konklave ablaufen.

Die Macht ist schon sehr lange das Thema des Autors Robert Harris. Seine Romane über das Römische Reich oder über das Dritte Reich (siehe Vaterland) wie auch aktuellere Themen zeigen die Formen der Macht als „Treibstoff der Geschichte“. Das inst in diesem hier besprochenen Roman nicht anders. Die älteste noch nach alten Riten ausgeübte Wahl der Welt, 700 Jahre alt, geheim und mächtig, bildet den Stoff, aus dem solche fesselnden Romane entstehen. Hier wählen wenige alte Männer ein Kirchenoberhaupt, welches 1,2 Milliarden Menschen repräsentiert.

„Nach Harris ist Macht wie Plutonium und die ganze Menschheitsgeschichte besteht in dem Bemühen, diesen Sprengstoff unter Kontrolle zu behalten. Keiner darf zu viel davon haben und er muss in den richtigen Händen liegen.“

* * *

Schon immer mal wollte ich einen Robert Harris, der ursprünglich Journalist war, lesen. Sein Erfolg zeigt sich auch darin, dass Vaterland, sein erster Roman, es ihm ermöglichte, sich ein zu ständigen Schreiben inspirierendes, imposantes Grundstück zuzulegen.

Mit diesem Roman ist der Grundstein für weitere Lektüre unbedingt gelegt.


© KaratekaDD

http://litterae-artesque.blogspot.de/2017/01/harris-robert-konklave_48.html

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Tags: ro, vatika   (2)
 

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ruhrpot, bochu, potsdam, mord, dresden

Ruhrzaster

Uwe Wittenfeld
Flexibler Einband: 290 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 01.11.2016
ISBN 9783946686095
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Studienrat im Münsterland, geboren im „äußersten Zipfel Ostwestfalens, ein Ruhrpottstudent der Elektrotechnik und Spzialpädagogik hat das Schreiben für sich entdeckt und auch seine Gruppe von Helden entwickelt.

Bereits zum zweiten Mal sind Hugo, Jenny, Olga und Karl gemeinsam mit Erwin unterwegs, diesmal auf Spuren des Geldes, welches dem Finanzamt vorenthalten werden soll. Na eigentlich haben zwei IT-Sicherheitsexperten, Herbert und Sabine, Schutz gesucht, sie haben die Daten bei einer Züricher Bank abgezweigt und dies scheint jemandem nicht zu gefallen. Olga Paschke hat gerade erst angefangen als Privatdedektivin, sie arbeitet mit Erwin Bosetzky zusammen, einem Anwalt in Bochum, der sich seine Skrupel bewahrt hat, sie zog der Liebe wegen nach Bochum. Aus Bochum stammt auch Hugo, der mit der Dresdnerin Jenny liiert ist. Und immer wenn Hugo Koslowsky in die Szene tritt, erzählt er (Uwe Wittenfeld) selbst.

Wer macht noch so mit?

Olaf Müller, ein Schwarzfahrer, der mehr weiß als er sagt und stirbt. Hinzu kommt Magdalena Moneto, deren Nachname und Spitzname, die Eiskönigin, Programm ist. Aber sie ist lernfähig. Das Spielkind Klaus Kipowski gerät in ein tödliches Spiel, sein Tod wird im Havelgebiet sicherlich Legende werden. Eine unkonventionelle Staatsanwältin ist Susanne Vries, die keine Steuersünder mag. Dann gibt es noch den Stadtrat Meyers, der nicht nur seine Stadt mag, sondern auch zusätzliches Geld. Angeblich zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört Dr. Schulz. Allerdings stellt er in deren Namen allzu seltsame Fragen, so dumm sind eigentlich nicht mal Geheimdienstmitarbeiter. Ebenfalls korrupt ist ein Dieter Kreimeier, dessen Leben auch nicht lange dauern wird. Gleichermaßen auf Zuverdienst erpicht ist ein Holger Schibulsky. Ein Jannick Gustavson ist der Oberschurke und dann kommen da noch so einige hinzu. Zum Beispiel ist einer aus dem Gefängnis entlassen wurden, den Jenny, Hugo, Karl und Erwin einst hineingebracht haben. Das war das Ergebnis von Mauerzwillingen, den ersten Roman Wittenfelds. Der sucht nun nach Sabine und Herbert.

Alles in allem also ziemlich verzwickt und wenn nicht ein Baum durch einen Sturmentwurzelt worden wäre, dann hätte diese Eiskönigin nie eine Privatdedektivin gebraucht.

 

* * *

Bereits in Mauerzwillinge arbeitete der Autor mit verblüffenden Zeitsprüngen und Rückblenden. Hier nun waren diese sogar noch undurchsichtiger.  Der Leser ahnt eigentlich auch nur, wer da nun die Mordaufträge erteilt hat, kann aber nicht unbedingt nachvollziehen, wer denn die Aufträge tatsächlich übernommen hat. Das ist ein kleines Manko, welches ich anmerken möchte.

Dem Autor wurde auf der Buchmesse SCHRIFTGUT in Dresden von diversen Besuchern vorgehalten, er könne ja als Nichtdresdner gar kein Dresdenbuch schreiben. Oh doch, er kann. Und er kenn tsich in Dresden wie in Leipzig und in der Gegend um Potsdam auch gut aus. Dass ihm diese Orte gefallen, das erzählte er mir bei unserer Begegnung vor einigen Wochen. Uwe Wittenfeld hat auch Spaß daran diese Orte mit seiner Heimat, dem Ruhrgebiet zu verknüpfen, was hoffentlich Appetit auf „gegenseitige“ Besuche macht.

Möge Uwe Wittenfeld mal wieder in den Koslowsky-Modus geraten.

 

► DNB / swb-media-publishing / Waiblingen 2016 / ISBN: 978-3-946686-09-5 / 278 S.

© KaratekaDD

 

 

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italien, politiker, polize, komplott, palio

Der Palio des toten Politikers

Kerstin Groeper , Giuseppe Bruno
Flexibler Einband: 265 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 10.11.2016
ISBN 9783941485518
Genre: Romane

Rezension:

Was macht ein indianischer Traumfänger auf dem Deckel eines Buches, auf dem (vermutlich) ein Italiener und ansonsten ein paar mittelalterlich gekleidete Trommler und sbandieratori „Fahnenschwinger – eher Tänzer) zu sehen sind?

Ist er noch geheim, wenn der Mitautor am Ende des Krimis aus der Toskana-Stadt Siena al „geheimer Informant der Nobile Contrada dell´ Aquila“ bezeichent wird?

Und wie kommt eine deutsche Autorin, die doch eher mit Romanen über die indianischen Völker Nordamerikas bekannt geworden ist, dazu, ebenfalls zu den Nobili, den Edelleuten des Stadtteiles Aquila in Siena, zu zählen?

Und überhaupt, warum habe ich einen Roman gelesen, den ich nie im Leben selber aus einem Buchregal gezogen hätte?

Fragen…

* * *

Fangen wir einmal an, diese zu beantworten.

DER PALIO DES TOTEN POLITIKERS – Der Titel wird sich als ein gewisser Irrtum herausstellen, denn der PALIO, zweimal jährlich in Siena ausgetragen, hat mit dem toten Angehörigen einer deutschen Delegation nur gemein, dass der Mord während des Volkfestes ausgetragen wird. Ansonsten ist Commissario Luca Marchetti absolut nicht einverstanden, dass ihm dieser (sein erster) Fall während der Vorbereitung auf wohl eines der verrücktesten Pferderennens der Welt aufgedrückt wird. Immerhin hat er in der Contrada dell´ Aquila eine nicht unwesentliche Rolle übernommen.

Überhaupt: COMMISSARIO MARCHETTIS ERSTER FALL lautet der Untertitel und der Blogger liest ganz sicherlich keine BRUNETTI – Kopien.[1] Und sein erster Fall ist es sowieso nicht. Allerdings ist es der erste seiner Fälle, der in einem Roman präsentiert wird. Von einer Münchnerin – von Kerstin GROEPER.

Zurück zur Handlung:

MARCHETTI rennt also immer hin[2] und her zwischen den CONTRADIOLOS und der QUESTURA (Polizeipräsidium), dem Tatort und überhaupt durch eine Stadt im Ausnahmezustand. Und nun kommt auch noch dieser TEDESCO dazu, der ihn unterstützen soll. Ein riesiger Hauptkommissar aus München. Das hat ihm noch gefehlt. Zum Glück wird sich der als kompetenter und liebenswürdiger Zeitgenosse erweisen, welcher stellvertretend für die adlige Kerstin GROEPER die Stirn runzeln darf, zum Beispiel die Sicherheitsvorkehrungen eines Pferderennens durch die Innenstadt betreffend. Kerstin Groeper darf ja nicht meckern, sie muss (samt ihrer Familie) die CONTRADA mit dem Doppeladler als Symbol unterstützen.

Gemeinsam fangen sie an zu ermitteln und kommen einem ziemlich großem „bilateralem“ Korruptionsskandal auf die Spur, die zuerst allerdings ins Rotlichtmilieu führt, denn der Tote mag es, im zugeführte Damen schwer zu verprügeln. Aber warum findet man die dazu verwendete Reitgerte mit offensichtlichen Spuren? Und warum hat man den Toten so in einer Mülltonne abgeladen, dass er auf jeden Fall gefunden werden muss?[3]

Und im Ende hat der Roman doch eine gewisse Ähnlichkeit mit einigen der BRUNETTI – Geschichten, aber das liegt nicht an Kerstin Groeper, das liegt an Italien und so wie sie schreibt, kennt sie sich damit aus. Die Szene, in der sich Marchetti mit einem Carabinieri anlegt, weil die ihn einer Kontrolle unterziehen wollen und das Ganze beim Rotwein endet, ist bezeichnend. A propos Rotwein: Vor allem kennt sich die Autorin mit der Seneser Küche aus. Da läuft einem beim Lesen das Wasser genauso im Mund zusammen, wie es einem in der beschriebenen Sommerhitze vom Scheitel rinnt.

Genug verraten.

 

* * *

Wie kam ich nun zu diesem Buch? Kerstin Groeper drückte es mit während der Dresdner Schriftgut in die Hand. Ich verbarg meine bereits erwähnte Skepsis ob des Titels nicht. Aber nun bin ich wirklich begeistert, denn ein Roman zwischen Mord und Volksfest dieser Art kam mir noch nicht unter die Finger. Aber wenn man wie sie dort im Sommer seit 20 Jahren förmlich beheimatet ist und der Sohn sogar ein sbandieratore, dann hat man das Flair schon verinnerlicht. Man muss nur noch schreiben können. So wie Kerstin Groeper zum Beispiel.

Übrigens: Die gefährlichsten Szenen entstehen durch das Pferderennen (Bilder) polizeilich ist da nicht „viel los“. Mit einem Schmunzeln liest man vom Umgang italienischer Polizisten untereinander.

Die Spannung fällt nach dem Palio etwas ab. Persönlich kommt mir der Roman so dicht und abgeschlossen vor, dass ich mir einen zweiten Fall gar nicht so richtig vorstellen kann. Wir werden also sehen.

 

© KaratekaDD

 

 

 


[1] In Anspielung auf die nunmehr fünfundzwanzigbändige Reihe der in Venedig lebenden Amerikanerin Donna Leon, die im Untertitel heißt: COMMISSARIO Brunettis 25. FALL

[2] Er ist Chef der squadra mobili – einer mobilen Kriminalpolizeienheit und Commissario, vermutlich eher Commissario Capo – also Erster Polizeihauptkommissar

[3] Einen Zusammenhang mit dem Palio gibt es aber eher nicht, dazu hätte die „Täterschaft“ wissen müssen, dass der ermittelnde Commissario Seneser durch und durch ist

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Mauerzwillinge

Uwe Wittenfeld
Flexibler Einband: 239 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag, 01.06.2014
ISBN 9783845911830
Genre: Krimi und Thriller

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

warnemünde, ddr-geschichte, satirische utopie, harald martenstein, dd

Schwarzes Gold aus Warnemünde

Harald Martenstein , Tom Peuckert
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632827
Genre: Romane

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pirat, england, francis drake, mac p. lorne, historischer roman

Der Pirat

Mac P. Lorne
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426517482
Genre: Historische Romane

Rezension:

Abenteuer! Piraten!  Francis Drake! 

Irgendwann in der Kinder- und Teenagerzeit gab es mal eine Fernsehserie. Francis Drake, ausgerüstet mit einem Kaperbrief der englischen Königin segelt furchtlos über die Meere. Unzählig vermutlich die Bücher, die ihn mindestens erwähnen. Die Abenteuer des Jan Kuna – genannt Marten. Das war auch so ein Abenteuerbuch. Geschrieben von dem Polen Janusz Meissner. Dem polnischen Piraten begegnet die Golden Hind, das Schiff des Engländers. Marten hilft dem Engländer aus einer Bedrängnis gegen spanische und portugiesische Karavellen. Das Buch, ich habe gerade nachgesehen, stammt aus dem Militärverlag der DDR. Und Jan Kuna, genannt Marten, wird es am Ende gehen wie Klaus Störtebeker.

Ungefährlich war es nicht, das Leben auf See im 16. Jahrhundert. Auch dem zum Sir erhobenen Francis Drake wird der Tod in Form von schwerer Krankheit auf See ereilen.


Ich glaube eher nicht, dass ich zum Buch Der Pirat von Marc P. Lorne gegriffen hätte. Aber da hat so ein bekannter Blogger von geschwärmt. Er erwähnte dummerweise das Buch Der Meister des siebten Siegels von Johannes K. Soyener und Wolfram zu Mondfeld. Da wurde ich hellhörig. Wie war das doch gleich? Das Geheimnis Löfflerscher Bronzekanonen bringt dem Königreich der angeblich jungfräulichen Königin den militärischen Vorteil gegenüber dem Reich ihres Schwagers Philipp. Die sieben Siegel öffnet ein entfernter Verwandter des Gießereibesitzers Löffler und flieht mit diesem Wissen um die Welt um dann in England auf Matthew Baker und Francis Drake zu stoßen, denn die Kanonen brauchen auch innovative Schiffe. Und Baker kann das. Da kommt ihm der Adam Dryling gerade recht. Aber war es der Dreyling? Adam Dryling hatte wirklich familiäre Verbindung zum besten Geschützgießer dieser Zeit in Schwaz. Und ein Hans Dreyling der Ältere († 1573) war ein Bergbaufachman aus Böhmen mit politischen Kontakten, der etwa 1530 nach Schwaz (Tirol) kam. [1]
 

Der Roman von Soyener und Mondfeld scheint gut recherchiert zu sein. Auf jeden Fall hat man sich, wohl auf Grund des Romans sehr um Adam Dreyling „gekümmert“ – Auch eine Dokumentation kann man dazu ansehen. [2]

Oder war es ein Jude namens Joachim Gans? Ein Bergbauexperte aus Prag? Konnte ein Jude im 16. Jahrhundert solches Wissen erlangen? Keine Ahnung. Außerdem widersprechen sich die Autoren. In der deutschen Wikipedia ist Gans zwar als vermutlich erster Jude in Amerika aufgeführt (mit Sir Walther Raleigh nach Virginia) Nun glaube ich allerdings nicht, dass ein jüdischer Meister ausgerechnet im habsburgischen Reich bei dem berühmten Gregor Löffler dessen Gießergeheimnisse erlangen konnte.

Seltsam, dass Mac P. Lorne nun die Dryling-Geschichte direkt ablehnend erwähnt. Lorne hat nun im sehr informativen Nachwort erklärt, dass nur die Rückholung des Gans aus Amerika durch Drake nachgewiesen ist, trotzdem bedient er sich der abenteuerlichen Geschichte um die Fahrt nach Venedig im Auftrag eines gewissen Sir Francis Walsingham.

Nun, es geht ja aber gar nicht um den Schwazer Adam Dryling, es geht ja um den von Elisabeth I. zum Sir erhobenen Francis Drake. Schließlich handelt der Roman von ihm. Maßgeblich zum späteren Erfolg trugen sicherlich die Schiffe Matthew Bakers bei, auch die Änderung und Vereinheitlichung der Schiffsartillerie waren Grundlage dafür. Jedoch aber erwarb sich der älteste Sohn eines Bauern und Pastoren in früheren Jahren die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihn dann berühmt machten. Letztlich wurde er bekannt durch die Aufbringung einer Reihe von portugiesischen und spanischen „Schatzschiffen“, die aus der Neuen Welt nach Europa zurückwollten. Die Freibeuterei hätte ihn auch den Kopf kosten können, hätte sich Elisabeths langjähriger Berater Lord Burghley durchgesetzt – immer in Angst, die Übermacht der Spanier würde zur Invasion Englands führen.


Doch vor dem Erfolg kommt der Schweiß. Und so macht uns der Autor im Prolog mit dem jugendlichem Francis Drake bekannt, der an Europas Küsten lernt zu schmuggeln. Sodann allerdings kommt er von großer Fahrt zurück, während der er einen der adeligen Begleiter hat hinrichten lassen, wegen Insubordination. Nun, im Roman kann man dann schon mal behaupten, dass der Delinquent sich des Kapitäns angetrauter Ehefrau unziemlich genähert habe. Der Karriere Drakes tut dies keinen Abbruch, schließlich hat er noch seine große Mission zu erfüllen, die Große Armada an der Invasion Englands zu hindern.

* * *
Mich nervt es, wenn ein historischer Roman nicht einfach nachzuvollziehen ist. Ich weiß, dies ist eigentlich unsinnig. Lorne hat ja kein historisches Sachbuch oder eine Biografie seines Helden nieder geschrieben. Aber ich muss auch sagen, dass es schon spannend war und ein Genuss, hinter den Bau der neuen Flotte, maßgeblich vom Roman (und historischen) Helden beeinflusst. Eine Reihe Romane aus dieser Zeit, die ich bereits las, erzählen von den handelnden Personen, trotzdem war auch dieser hier ein gutes Ding. Hat mir sehr gefallen.

                                                               * * *

Abenteuerlich auch das Leben des Autors. Er hat eben nicht Geschichte, sondern Veterinärmedizin studiert. Er floh 1988 in die Bundesrepublik. Mit Das Herz des Löwen (2011) schrieb er sein erstes Buch (Trilogie) um Robin von Loxley und Richard Löwenherz. (Wenn man so will die "Vorgeschichte" zum Film mit Kevin Kostner.


► DNB / Droemer Knaur /  ISBN: 978-3-426-51748-2 / 656 S.

Mit weiteren Beiträgen und Links unter

http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/lorne-mac-p-der-pirat.html

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Tags: armad, drak, elisabeth i., englan, spanien   (5)
 

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dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon einmal hat der Dresdner Frank Goldammer seine Heimatstadt als zerstörte Stadt beschrieben. Während aber FELDWEBEL sich durch ein (fast) menschenleere Stadt bewegte, und der Blogger hier den Weg ohne Stadtplan mitverfolgte, atemlos, stellt er nun fest, atemlos ist etwas Anderes. FELDWEBEL war Science Fiction, war Fantasy, ein Genre, was Frank gern bediente…

 

„Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt?

Der erste Fall für Kriminalinspektor Max Heller.“

 

DER ANGSTMANN. Ich gebe zu, da war ein klein wenig Skepsis. Was habe ich hier in den Händen? Wirklich „nur“ einen Kriminalroman, oder ist da noch etwas, etwas, das nicht von dieser Welt ist, vorhanden? Wer oder was mordet sich da durch das von Flüchtlingen überfüllte Dresden Ende 1944, Anfang 1945?

Wer mich kennt, weiß, dass ich dem fantastischen Genre nicht übermäßig zugeneigt bin. Dem schreibendem Maler- und Lackiermeister schon.

Wenige Seiten nach Beginn hatte ich die Befürchtung vergessen. Sie kam kurz wieder, verschwand aber auch schnell.

Max Heller, Soldat des 1. Weltkrieges, nun Kriminalist in Dresden: Kriminalinspektor. Verheiratet. Zwei Söhne im Krieg. Leben sie noch? Parteilos. Organisationslos. Ein Ausnahmefall, weil die Kriminalpolizei doch in der Hand der sogenannte Schutzstaffel stand. Schwarz uniformiert sein Chef. Dienstgrad Obersturmbannführer.

Heller scheint ein guter Ermittler zu sein. Vorsichtig. Überlegend. Gerufen zu einem grausigen Mord an einer Frau, weitere werden folgen. Besonders extrem einer, bei der das Opfer, dem die Organe förmlich freigelegt wurden, noch lebt… Langsam kommt er auf die Spur des ANGSTMANNES. So wird eine unheimliche Erscheinung von den Dresdnern genannt. Immer wieder wird Heller behindert von Klepp, dem Chef. Abkommandiert an den Stadtrand zur Koordinierung der Flüchtlingsströme aus dem Osten:

„Als er das erste Mal hier im Flüchtlingslager war, war er entsetzt, was für ein Anblick sich ihm bot. Wie aus einer anderen Welt wirkten die Menschen, heimatlos, gejagt, desillusioniert, dreckig, auf die niedersten Instinkte reduziert, ihre Notdurft da verrichtend, wo sie gerade standen, immer vorangetrieben von dumpfer Angst und der Hoffnung, ein großes Übel gegen ein kleineres tauschen zu können.

Und doch waren auch das Landsleute von ihnen, Deutsche, die Frauen mit ihren Kopftüchern genau wie die Männer in Fellstiefeln, zahnlos, halb verhungert, stumpf im Gesicht, ausdruckslos. Vor ihren Wagen hatten sie Klepper gespannt, die nur noch nicht wussten, dass sie tot waren, sonst wären sie auf der Stelle umgefallen.“ (Seite 49)

Fernsehbilder von irgendwo auf der Welt von heute, verlegt an den Stadtrand von Elbflorenz. Noch hat Max Heller einen Ausweg, es ist erst der 18. Dezember 1944.

„Jeden Abend verließ er diese Welt, um zurückzukehren in ein warmes Heim, mit einer warmen Mahlzeit. Tag für Tag mit einem schlimmeren Gefühl der Hoffnungslosigkeit, denn der Strom der Menschen riss nicht ab. Waren ein paar hundert abgefertigt und zu ihrem neuen Bestimmungsort losgeschickt, so kamen hunderte, tausende neue Flüchtlinge nach. Ihre Sprache wurde fremder und der Wille der Einheimischen, sie aufzunehmen, sie als Landsleute anzuerkennen, wurde schwächer und schwächer, denn sie waren Konkurrenten um die wenigen Lebensmittel, um den Wohnraum, um die Kleidung. Die Angst, selbst nicht genug zu bekommen, wurde dafür stärker…“ (Seite 50)

Plötzlich soll er nachts auf Streife gehen. Die Luftschutzalarme berühren kaum. Bis jetzt flogen die Bomberverbände immer vorüber. Der ANGSTMANN macht auch dem Klepp zu schaffen.

Da kristallisiert sich ein Tatverdächtiger heraus. Heller schießt, doch er kann entkommen. Es ist der 13. Februar 1945 und die hier folgenden Seiten sind von einer Eindringlichkeit, dass es einem sprachlos macht. Der Feuersturm, reduziert auf eine Person, auf Max Heller und wenige Begegnungen mit anderen Menschen, die Orientierungslosigkeit, die Hitze, das Gedröhn der Bomber… Heller findet zu seiner Frau, die kurz davor war, sich in ein Feuer zu stürzen, wie sie später erzählt.

Nie las ich so von dieser Bombennacht.

Doch die Angst vorm ANGSTMANN, die ist noch nicht vorbei. So endet der erste Teil.

 

* * *

16. Mai 1945. Der Krieg ist vorbei. Und der ehemalige Polizist ermittelt weiter. Ohne die Rote Armee geht nichts in der Stadt. Krach, Lärm, Schüsse, betrunkene Soldaten, Flüchtlinge, Vergewaltigungen, Verhaftungen aber auch Lebensmittel und der Aufbau einer Art Verwaltung, das bringt die Rote Armee. Anerkennung erwirbt er nach und nach von einem jungen sowjetischen Kommissar.

Er kommt dem Mörder näher, gemeinsam mit Alexej Saizev. Gleich wird er ihn haben den ANGSTMANN, er weiß schon, wer er ist. Und doch: Ist er auch der Mörder der Frauen?

 

* * *

DER ANGSTMANN ist der erste Roman um einen Kriminalisten, der im Leben steht. Zwei Kriege. Zerstörung, Wiederaufbau. Vier verschiedene Deutschland.  Sein einziger Knacks das Trauma einer Verschüttung im ersten großen Krieg. Ein aufrechter, ein sehr ehrlicher Mann. Ein Charakter, den die Krimilandschaft schon lange nicht mehr hervorgebracht hat.

 

„Sind sie ein Nazi? Oder sind sie jetzt Kommunist?“ – „Ich bin Max Heller.“

 

* * *

Frank Goldammer ist angekommen. Nun erobert er sich die großen Verlage. Wir wünschen es ihm. Er hat es sich schreibend erarbeitet. Mit bereits vielen Büchern. Den Max Heller empfehle ich meiner und eurer Beobachtung. Frank wird mir, so wir uns im November auf der SCHRIFTGUT sehen hoffentlich viele Fragen beantworten.

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auch unter http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/goldammer-frank-der-angstmann.html

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Tags: bombennacht, dresde, drittes drittes, nationalsozialismu   (4)
 

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krimi, havel, berlin, toni sanftleben, potsdam

Kalte Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783740800017
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... mit mir und diesem Roman.

Das richtige Buch für mich (?). Nicht einfach ein Krimi. Eine runde Geschichte als Fortsetzung des ersten Falls des Toni Sanftleben, Urgroßenkel (?) des Otto von Sanftleben, Kriminologe an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Kriminalist ist nicht Tonis Traumberuf gewesen. In DUNKLE HAVEL arbeitet er als Teamleiter in der Mordkommission und sucht nach seiner verschollenen Frau. Seit sechszehn Jahren nun schon. Nachdem er sie gefunden hat, lässt er sich erst mal beurlauben.

Nach siebzehn weiteren Monaten steigt er wieder ein. Eine Staatsanwältin hat arrangiert, dass der beurlaubte trockene Alkoholiker unmittelbar wieder einsteigen kann, denn sie nimmt an, dass ihr Sohn, der sechzehn Jahre alte Alexander entführt wurde. Dessen Freund Hendrik ist tot und mit diesem, leicht durchgeknallten, autonomen Ideen nachhängenden Sohn reicher Eltern war Alexander zuletzt zusammen.

Die Tatorte: Die Beelitzer Heilstätten, das olympische Dorf von 1936, die Havel. Akribisch hat Tim Pieper wieder heimatliche Landschaft und Gegend aufgeklärt und liebevoll die handelnden Personen hineinversetzt. Die Figuren sind wirklich sehr unterschiedlich, aber wirklichen Zugang fand ich zu kaum einer. Hendrik und seine Eltern waren mir ziemlich schnell ziemlich egal, Alexander hat auch gleich noch einen unmöglichen Juraprofessor als Vater, seine pubertären Schwierigkeiten nach der Trennung der Eltern zwar verständlich, aber anderseits wundert es mich schon, denn die Handlungen des Vaters, der die Ermittlungen bzw. die Suche nach seinem Sohn kaum unterstützt, lassen doch nicht vermuten, dass er seinen Sohn in erster Ehe verständnisvoller behandelt hat.

Am meisten interessierte mich da das Schicksal von Toni und Sofie. Sechszehn Jahre war sie verschollen, lag lange infolge eines Autounfalls im Koma nun pflegt ihr Mann sie, die noch ziemlich schwach ist. Erschrocken über möglich Handlungsmuster, die sich wiederholen könnten, fieberte ich hier am meisten mit und verstand dann doch die Frau, die sich in eine Welt „Jahre danach“ versetzt sieht und einem Mann, den sie zwar liebt, aber dessen Entwicklung sie nie mittragen konnte. Was wird aus diesen beiden?

Tim Pieper hat hier auf jeden Fall die Grundlage für einen weiteren Roman gelegt, der dann zwangläufig in meinem Regal landen wird. Das hat gar nichts damit zu tun, dass ich mir den Otto Sanftleben eher wünschen würde.

Schon längere Zeit hege ich den Wunsch, die Beelitzer Heilstätten mit der Fotoknipse zu besuchen und den Baumwipfelpfad zu bewältigen. Es macht wie immer Spaß, den Dingen während und nach dem Lesen auf den Grund zu gehen. Das wird mich noch eine Weile beschäftigen. Ein Besuch ist noch nicht festgelegt, wird aber stattfinden.

Und doch, diesmal riss mich der Roman nicht vom Hocker, was mir leidtut. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich das Gefühl hatte, die Polizeidienststelle, die Kollegen, der Chef alles irgendwie nicht so wirklich. Gibt es zwar alles, aber das war es eben auch. Chef doof, Staatsanwältin bringt den Polizeipräsidenten dazu, den Ermittler sofort und plötzlich in eine leitende Funktion einzusetzen – aber bei meinem Beruf stehe ich Roman- und Filmbullen skeptisch gegenüber. Bei DUNKLE HAVEL war das nicht so der Fall. Mir sind auch solche Typen suspekt: Abitur gut, Studium angefangen, Alle Anlagen da und dann solche unmögliches Verhalten und Ansichten, wie bei Paule und Hendrik. Wer zum Teufel hat die zum Studium zugelassen? So etwas regt mich auf, in diesem Fall waren mir die Typen relativ egal.

Tim Pieper hat alles richtiggemacht. Diesmal leider nicht für mich.

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Hier gibt es noch die LITERAE-ARTESQUE Version

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Tags: beelitzer heilstätten, brandenbur, havel, krimi   (4)
 

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nostradamus, vatikan, rom, abenteuer, thriller

Der Nostradamus-Coup

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404174256
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bücherraupe schaut da mal etwas betrübt auf die Flieger eines gewissen John Finch, der hier in diesem Blog bereits mehrfach eine Rolle spielte. Das schicke Wasserflugzeug ging ja leider in HEISS zu Bruch, bekannt war das Teil durch DIE UNENTBEHRLICHEN geworden, da flog das Ding ein "italienischer Hengst." John Finch aber ist ein Vollblutflieger, der diese Leidenschaft von seiem Vater hat. Seit dem flog er alles: Waffen, Spione, Sklaven, Drogen (?) von überallher und überallhin. Meist auf der Seite der Guten, wobei fraglich ist, auf welcher Seite er sich im Faklandkrieg befand, die Rolle Englands hierbei soll aber nun erst einmal nicht Thema sein. Allerdings wird klar, warum der Kerl auch mit Militärmaschinen klar kommt

Aber die DC-3 ist ja auch ganz schön, unser Abenteurer kauft sich so ein Teil auf einem in einer westlichen Ecke Lybiens liegenden Flugplatz. Dass er dabei unfreiwillig Passagiere mitnehmen muss, behagt ihm gar nicht, einen davon entsorgt er nach gefährlichem Flugmanöver, welches selbst seine coole Copilotin nicht so gelassen hinnehmen kann wie sie tut, infolge Genickbruchs durch Hinauswurf. Passagier 2 landet bei tunesischen Sicherheitsbehörden und spielt dann keine Rolle mehr, der Typ hieß Gaddafi. Aha.

Passagier 1 hatte allerdings ein Notizbuch und in Folge dessen geht es um einen gewissen Michel de Nostradamé, bekannt als Nostradamus und seine Prophezeihungen. Dieses Notizbuch wechselt mehrfach die Besitzer, dank moderner Elektronik kann man sich auch ohne dieses mit dem Inhalt beschäftigen. Das dieses geschieht, dafür sorgt ein anderer Typ in Old England, Anne hatte in einer ihrer Rezensionen bereits das Erkennungszeichen in dessen Vorgarten aufgeklärt.

Der Autor meinte auch in diesem Buch, dass er seine Leserinnen und Leser in verschiedene Zeitebenen führen muss, eine davon ist 1939. In diesem Jahr sucht eine Gruppe des sogenannten Ahnenerbes e.V. nach einem Schatz. Kenner wissen, da steckt der Reichsführer SS dahinter, man sucht nach verschollenen Dokumenten im Zusammenhang mit einem bekannte Spruch: ET IN ARCADIA EGO. Der Blogger hier bekam fast einen Herzkasper, denn seinerzeits hatte er es mit dem heiligen Gral und über diesem kam man ziemlich oft mit den Gemälden eines Nicolas Poussin in Berührung. Himmel dachte er, wo führt das hin? Himmler war doch auch immer scharf auf den Gral, und dass dieser mit dem Schatz der RITTER ZUM HEILIGEN GRAB, den Tempelrittern zusammenhängt, weiß inzwischen ja auch jeder, den diese teilweise gewaltigen Lügengeschichten faszinierten. Aber Gerd Schilddorfer schloss dann die Prieure de Sion schon mal aus. GOTT SEIS GEDANKT.

Jedenfalls spielen noch mit, ein Graf von Falkenstein, der sich als Kaiser Joseph II entpuppt, ein Fürst von Ligne, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ebenfalls ziemlich bekannt, ein Kunstdieb der Kategorie Robin Hood, die Graue Eminenz und Chef des vatikanischen Geheimdienstes, die amtierende Chefin der Loge P4, welche mit ihrer wenig erfolgreichen Leibwächterin schläft, ein Paar computerbesessene mönchische Zwillinge,  Professoren und Professorinnen, von denen mehrere durch Gewaltanwendung zu verschiedenen Zeiten ihr Leben lassen, ein Pabst incognito, ein Papagai, zwei Tempelritter und ein ehemaliger Gamnasiallehrer, welcher eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird, was er allerdings nicht wissen kann. Und der, der im British Empire immer noch die Fäden, die Geheimdienstfäden, zieht. Wie schon in FALSCH und in HEISS. Den IS darf man auch nicht vergessen, der mordet sich auch durch diese Länder, allerdings bleiben die Typen namentlich anonym.

Das Ganze spielt sich in England, Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten und Lybien ab. Ach ja und es endet in Belgien auf überraschende Weise, wobei der Autor dem geneigten Leserkreis unterschlägt, was denn da nun am Ende im Vatican und im British Museum eingelagert wird.  Daher bin ich so dumm wie zu der Zeit, als ich mit DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN erstmals mit solchen Geschichten in Berührung kam.

Ursache dafür ist wohl auch, dass die beiden Typen Finch und Lewellyn gerade mit einem LYNX AH-7 unterwegs sind und ein Attentat verhindern müssen. Man muss schon Finch heißen und den Gartenzwergtyp in der Hinterhand haben, um dieses auch nicht mehr ganz so junge Fluggerät auf einer amerikanischen Äir Base von einer sommersprossigen First Lieutenant zu erhalten.

* * *
Zu was führt die Lektüre von Gerd Schilddorfer? Sie führt zum Beispiel zu Whisky. Zu besonders torfigem. Und Gerd ist nicht unschuldig daran, dass ich seit einigen Monaten einen Schrankkoffer besitze, der mit solchen Dingen gefüllt ist. Schuld daran ist eine Szene aus FALSCH, in der besagter Finch in einer Bar im brasilianischen Urwald sitzt und torfigen Laporaigh schlürft. Gerade schlürf ich einen Talisker, der ist aber nicht ganz so torfig, oder doch?. Oder der Autor hatte noch eine andere Sorte parat. Ich merke, dieses Thema lenkt ab.

Zum anderen führt Gerd Schilddorfer meist zu einer Leserunde, welche wesentlich länger andauert als die Lektüre. Mal sehen, ob das nach HEISS mit NOSTRADAMUS auch so wird.

Jedenfalls zeigt Gerd Schilddorfer wiederholt, dass er viele Leser in seinen Bann ziehen kann. In einer literarischen Mischung aus Indiana Jones, The Extendables, James Bond und anderen führt er seine Leserschaft in viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten, aus der Gegenwart in die Geschichte und wieder zurück. Nach jedem Kapitel lässt er Verwirrte zurück, deren Sinnen  nach einem Whisky und nach weiterschmökern steht. Es kommt dem Österreicher zu Gute, dass er eigentlich Journalist ist, dabei hat er vermutlich das Recherchieren gelernt, die Art und Weise Fäden zu spinnen, auseinander- und wieder zusammenzuführen scheint mit besonders schätzenswertes Talent zu sein. Einen Beweis gibt es hier.



Er hat versprochen, dass die alten Säcke Major Lewellyn und John Finch noch eine Weile weitermachen. Ich aber lege jetzt eine Pause ein und träume davon in Rom in einer Pizzeria mit den beiden, einem Kardinal und dem amtierenden Pabst eine solche zu verspeisen, höchst geheim natürlich, und höchstens unterbrochen von einem Papagei namens Sparrow.

 * * *
Was tut es da noch, dass ich hoffe, dass Gerd im nächsten "Finch" auf (mir) unbekanntem Terrain stöbern wird? Es, das Thema,  kann ja meinetwegen "archäologisch" sein, oder so etwas Interessantes wie die  KALASHA in Pakistan aufwerfen, die waren mir vollkommen unbekannt, aber keine Templer und ähnliches bitte. Davon werde ich immer noch und immer wieder neu infiziert.

* * *  

Gerd Schilddorfer
wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist. (siehe Verlag) - Das Angebot mit ihm mal Wien zu durchstreifen werde ich unbedingt verwirklichen. Vielleicht vor, vielleicht nach dem nächsten Finch.
Es grüßt alle Fans und in die Leserunde

DNB / Bastei Lübbe / München 2016 / ISBN: 978-3-404-17425-6 / 796 S.

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Tags: abenteuerroman, admont, is, loge p4, nostradamu, rom, templerorden, vatikan, wien   (9)
 

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nostradamus, vatikan, rom, abenteuer, thriller

Der Nostradamus-Coup

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404174256
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bücherraupe schaut da mal etwas betrübt auf die Flieger eines gewissen John Finch, der hier in diesem Blog bereits mehrfach eine Rolle spielte. Das schicke Wasserflugzeug ging ja leider in HEISS zu Bruch, bekannt war das Teil durch DIE UNENTBEHRLICHEN geworden, da flog das Ding ein "italienischer Hengst." John Finch aber ist ein Vollblutflieger, der diese Leidenschaft von seiem Vater hat. Seit dem flog er alles: Waffen, Spione, Sklaven, Drogen (?) von überallher und überallhin. Meist auf der Seite der Guten, wobei fraglich ist, auf welcher Seite er sich im Faklandkrieg befand, die Rolle Englands hierbei soll aber nun erst einmal nicht Thema sein. Allerdings wird klar, warum der Kerl auch mit Militärmaschinen klar kommt

Aber die DC-3 ist ja auch ganz schön, unser Abenteurer kauft sich so ein Teil auf einem in einer westlichen Ecke Lybiens liegenden Flugplatz. Dass er dabei unfreiwillig Passagiere mitnehmen muss, behagt ihm gar nicht, einen davon entsorgt er nach gefährlichem Flugmanöver, welches selbst seine coole Copilotin nicht so gelassen hinnehmen kann wie sie tut, infolge Genickbruchs durch Hinauswurf. Passagier 2 landet bei tunesischen Sicherheitsbehörden und spielt dann keine Rolle mehr, der Typ hieß Gaddafi. Aha.

Passagier 1 hatte allerdings ein Notizbuch und in Folge dessen geht es um einen gewissen Michel de Nostradamé, bekannt als Nostradamus und seine Prophezeihungen. Dieses Notizbuch wechselt mehrfach die Besitzer, dank moderner Elektronik kann man sich auch ohne dieses mit dem Inhalt beschäftigen. Das dieses geschieht, dafür sorgt ein anderer Typ in Old England, Anne hatte in einer ihrer Rezensionen bereits das Erkennungszeichen in dessen Vorgarten aufgeklärt.

Der Autor meinte auch in diesem Buch, dass er seine Leserinnen und Leser in verschiedene Zeitebenen führen muss, eine davon ist 1939. In diesem Jahr sucht eine Gruppe des sogenannten Ahnenerbes e.V. nach einem Schatz. Kenner wissen, da steckt der Reichsführer SS dahinter, man sucht nach verschollenen Dokumenten im Zusammenhang mit einem bekannte Spruch: ET IN ARCADIA EGO. Der Blogger hier bekam fast einen Herzkasper, denn seinerzeits hatte er es mit dem heiligen Gral und über diesem kam man ziemlich oft mit den Gemälden eines Nicolas Poussin in Berührung. Himmel dachte er, wo führt das hin? Himmler war doch auch immer scharf auf den Gral, und dass dieser mit dem Schatz der RITTER ZUM HEILIGEN GRAB, den Tempelrittern zusammenhängt, weiß inzwischen ja auch jeder, den diese teilweise gewaltigen Lügengeschichten faszinierten. Aber Gerd Schilddorfer schloss dann die Prieure de Sion schon mal aus. GOTT SEIS GEDANKT.

Jedenfalls spielen noch mit, ein Graf von Falkenstein, der sich als Kaiser Joseph II entpuppt, ein Fürst von Ligne, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ebenfalls ziemlich bekannt, ein Kunstdieb der Kategorie Robin Hood, die Graue Eminenz und Chef des vatikanischen Geheimdienstes, die amtierende Chefin der Loge P4, welche mit ihrer wenig erfolgreichen Leibwächterin schläft, ein Paar computerbesessene mönchische Zwillinge,  Professoren und Professorinnen, von denen mehrere durch Gewaltanwendung zu verschiedenen Zeiten ihr Leben lassen, ein Pabst incognito, ein Papagai, zwei Tempelritter und ein ehemaliger Gamnasiallehrer, welcher eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird, was er allerdings nicht wissen kann. Und der, der im British Empire immer noch die Fäden, die Geheimdienstfäden, zieht. Wie schon in FALSCH und in HEISS. Den IS darf man auch nicht vergessen, der mordet sich auch durch diese Länder, allerdings bleiben die Typen namentlich anonym.

Das Ganze spielt sich in England, Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten und Lybien ab. Ach ja und es endet in Belgien auf überraschende Weise, wobei der Autor dem geneigten Leserkreis unterschlägt, was denn da nun am Ende im Vatican und im British Museum eingelagert wird.  Daher bin ich so dumm wie zu der Zeit, als ich mit DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN erstmals mit solchen Geschichten in Berührung kam.

Ursache dafür ist wohl auch, dass die beiden Typen Finch und Lewellyn gerade mit einem LYNX AH-7 unterwegs sind und ein Attentat verhindern müssen. Man muss schon Finch heißen und den Gartenzwergtyp in der Hinterhand haben, um dieses auch nicht mehr ganz so junge Fluggerät auf einer amerikanischen Äir Base von einer sommersprossigen First Lieutenant zu erhalten.

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Zu was führt die Lektüre von Gerd Schilddorfer? Sie führt zum Beispiel zu Whisky. Zu besonders torfigem. Und Gerd ist nicht unschuldig daran, dass ich seit einigen Monaten einen Schrankkoffer besitze, der mit solchen Dingen gefüllt ist. Schuld daran ist eine Szene aus FALSCH, in der besagter Finch in einer Bar im brasilianischen Urwald sitzt und torfigen Laporaigh schlürft. Gerade schlürf ich einen Talisker, der ist aber nicht ganz so torfig, oder doch?. Oder der Autor hatte noch eine andere Sorte parat. Ich merke, dieses Thema lenkt ab.

Zum anderen führt Gerd Schilddorfer meist zu einer Leserunde, welche wesentlich länger andauert als die Lektüre. Mal sehen, ob das nach HEISS mit NOSTRADAMUS auch so wird.

Jedenfalls zeigt Gerd Schilddorfer wiederholt, dass er viele Leser in seinen Bann ziehen kann. In einer literarischen Mischung aus Indiana Jones, The Extendables, James Bond und anderen führt er seine Leserschaft in viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten, aus der Gegenwart in die Geschichte und wieder zurück. Nach jedem Kapitel lässt er Verwirrte zurück, deren Sinnen  nach einem Whisky und nach weiterschmökern steht. Es kommt dem Österreicher zu Gute, dass er eigentlich Journalist ist, dabei hat er vermutlich das Recherchieren gelernt, die Art und Weise Fäden zu spinnen, auseinander- und wieder zusammenzuführen scheint mit besonders schätzenswertes Talent zu sein. Einen Beweis gibt es hier.



Er hat versprochen, dass die alten Säcke Major Lewellyn und John Finch noch eine Weile weitermachen. Ich aber lege jetzt eine Pause ein und träume davon in Rom in einer Pizzeria mit den beiden, einem Kardinal und dem amtierenden Pabst eine solche zu verspeisen, höchst geheim natürlich, und höchstens unterbrochen von einem Papagei namens Sparrow.

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Was tut es da noch, dass ich hoffe, dass Gerd im nächsten "Finch" auf (mir) unbekanntem Terrain stöbern wird? Es, das Thema,  kann ja meinetwegen "archäologisch" sein, oder so etwas Interessantes wie die  KALASHA in Pakistan aufwerfen, die waren mir vollkommen unbekannt, aber keine Templer und ähnliches bitte. Davon werde ich immer noch und immer wieder neu infiziert.

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Gerd Schilddorfer
wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist. (siehe Verlag) - Das Angebot mit ihm mal Wien zu durchstreifen werde ich unbedingt verwirklichen. Vielleicht vor, vielleicht nach dem nächsten Finch.
Es grüßt alle Fans und in die Leserunde

DNB / Bastei Lübbe / München 2016 / ISBN: 978-3-404-17425-6 / 796 S.

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geschichte, wilder westen, indianer, sachbuch, nordamerika

Das große Buch der Indianer

Thomas Jeier
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 31.01.2011
ISBN 9783800016136
Genre: Kinderbuch

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cheyenne, indianer, weiße, krieg, überleben

Im fahlen Licht des Mondes

Kerstin Groeper , James Ayers
Flexibler Einband: 578 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 13.11.2015
ISBN 9783941485488
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Schlacht am Little Bighorn ist geschlagen. Brevet General G.A. Custer ist tot. Es wird der letzte große Sieg der vereinigten Stämme der Lakota und Cheyenne sein, den die 7th. Cavalry schwört Rache. Die Cheyenne haben sich in ihr Winterlager zurückgezogen. Zu der Gruppe gehört auch Moekaé. Gerade verheiratet mit Hekovetse, einem jungen Krieger, der den Blue Soldiers angehört. Nein das sind nicht die Blauröcke, dies ist ein Kriegerbund. Plötzlich schlagen Kugeln in ihr Tipi. So beginnt die erste Flucht. Die Tochter von Moekaé´s Schwester, das kleine Mädchen Rotes Blatt muss sie mitnehmen. Doch bald werden sie gestellt und so beginnt der lange Marsch der Cheyenne, der in eine weit entfernte Reservation in ungewohntem Klima führt. Oklahoma legt sehr weit südlich von der Heimat entfernt.

Die Häuptlinge Little Wolf und Dull Knife haben eine schwere Aufgabe. Als die Zustände immer schlimmer werden, insbesondere die Verpflegung der Indianer ist zu wenig, beschließen sie, zurückzukehren in den Norden. Doch in Fort Robinson, nördlich des North Platte River müssen sie sich ergeben. Doch auch dort geht es den Menschen schlecht. Die durch eine Vergewaltigung hochschwangere Moekaé wagt mit anderen erneut einen Ausbruch. Verfolgt von Soldaten und weißen Siedlern trifft sie eine Kugel im Schneesturm.

Doch sie wird gerettet. Von weißen Farmern. Bei denen wird sie vorerst bleiben. Mit dem kleinen Mädchen Rotes Blatt und dem bald Neugeborenen…

 

* * *

Historischer Roman steht auf dem Buchdeckel. Ja, es ist ein historischer Roman, auch wenn die Hauptfiguren fiktiv sind. Aber die grundlegende Geschichte beruht auf Tatsachen. Dies lässt sich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich auf die Spuren von Dull Knife begibt. Die Geschichte seiner Familie hat Joe Starita nieder geschrieben in Häuptling Dull Knife – Die Geschichte einer Indianerfamilie. [1]  Darin ist die Geschichte erzählt, wie die beuden Häuptlinge den Zug ins sogenannte Indianer-Territorium nach Oklahoma nicht verhindern konnten und wie sie 1878 beschlossen, ihr Volk wieder in den Norden zu führen. Auch die Flucht aus Fort Robinson ist da so beschrieben, wie sie Kerstin Groeper aus Sicht ihrer Heldin erzählt.

In der weiteren Geschichte sieht Moekaé die Häuptlinge wieder, sie bestärken sie, bei der Farmerfamilie zu bleiben. Die Gruppen der verfolgten und zerstreuten Cheyenne leiden Hunger. Bisons gibt es nur noch wenige. Dull Knife wird später in der Lakota Reservation Pine Ridge unterkommen, seine Frau ist eine Lakota und Verbindungen zwischen diesen beiden Stämmen gab es öfter.

Als ich Im Licht des fahlen Mondes las, stutzte ich mehrmals und zog dann die genannte Familiengeschichte aus dem Regal. Manches kam mir bekannt vor. Von Dull Knife und seinen Nachkommen wird in diesem Blog noch zu sprechen sein.

 

* * *

Kerstin Groeper erzählt also eine duale Geschichte. Die schwere Arbeit der Siedler, der Prärie ein Stück Farmland abzutrotzen um dort Rinder, Pferde und später Bisons zu züchten beschreibt sie genaus so präzise und bildhaft, wie das Schicksal derer, die von eben diesem Land auf Reservationen vertrieben wurden. Auch das Zusammentreffen der Religionen ist ein Thema, wenn es zum Beispiel um das Bestatten geht.

Kerstin Groeper möchte mit ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Wissenswertes vermitteln, schreibt sie in einem historischen Abriss, den sie dem Roman angehängt hat. Dabei beschäftigte sie sich viel mit den Cheyenne.

Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ [2]

Ich lernte die sympathische Autorin am Stand des Traumfänger-Verlages auf der Buchmesse 2016 in Leipzig kennen. Der Verlag war mir damals noch unbekannt. Eigentlich seltsam. Im Programm stehen sehr verschiedene Arten von Indianerliteratur. Vom Krimi, über historische Romane, Jugendbücher und Sachliteratur zum Thema. Ein Verlag, den es im Auge zu behalten gilt.

 Bebildert und vollständig unter Litterae-artesque

► DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 1.2015 / ISBN: 978-3-941485-48-8 / 582 S.

© KaratekaDD

[1] Siehe Starita, Joe: Häuptling Dull Knife… / Droemer Knaur / München 1996 / ISBN: 3-426-26758-6

[2] Vgl. http://www.traumfaenger-verlag.de/index.php/kerstin-groeper.html, 02.08.2016, 15:30 Uhr

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verschwörung, kaiserreich, alternativwelt, lübeck

Kaisertag

Oliver Henkel
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag Guido Latz, 30.12.2013
ISBN 9783864021053
Genre: Fantasy

Rezension:

Im Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war.  Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich.

Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver Henkel.  Um das letztgenannte Buch aus dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.

Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden Attentats geworden wäre?

Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher, wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.

Science-Fiction [ˌsaɪəns ˈfɪkʃən̩] (engl. science „Wissenschaft“, fictionFiktion“) ist ein Genre der Literatur und des Films, aber auch anderer Bereiche wie etwa der bildenden Kunst oder der Videospiele, das den Einzelnen, die Gesellschaft oder die Umwelt in (oft radikal) alternativen Konstellationen betrachtet. Science-Fiction entwirft – häufig in die Zukunft verlegte, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen und beschreibt deren Auswirkungen. Dabei werden reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen angereichert. [1]

Zukunft. Aha. Meist jedenfalls. Wir aber schauen mit Henkel zurück. Zuerst einmal in das Jahr 1914. Also. Ferdinand ist nicht ermordet wurden, Weltkrieg 1 und 2 fanden nicht statt. Das Dritte Reich war auch kein Thema, dafür regiert im Jahr 1988 Kaiser Wilhelm V. – ziemlich jung auf den Thron geraten, Vater, älterer Bruder und Großvater segneten zu schnell das Zeitliche.

Das Kaiserreich hat sich ziemlich langsam entwickelt. Es gibt noch Autos mit mechanischen Blinkern, äh, Winkern. Kutschen, Pferdefuhrwerke sind auch noch allgegenwärtig. Die Soldaten tragen immer noch den unbequemen Waffenrock und die Pickelhaube. Das Offizierskorps scheint immer noch ziemlich abgehoben zu sein. Zeppeline sind das Reisemittel, z.B. in die Kolonien.

Den Privatdetektiv Friedrich Prieß sucht eine junge Dame auf, deren Mann, ein Oberst des Reichsministeriums für Aufklärung (Militärgeheimdienst) sich das Leben genommen haben soll. Sie glaubt nicht richtig dran und da das Entgelt ansprechend ist, sagt Fritz zu.  Der Hamburger muss also nach Lübeck. Und diese Hansestadt weist eine Besonderheit auf. Sie hat nämlich eine Polizeipräsidentin. Unverheiratet. Protegiert von einem Senator. Alexandra ist die Ex-Verlobte von Fritz. Und wegen der endete seine Militärkarriere bereits als Leutnant. Denn (zukünftige) Offiziersgattinnen hatten, bzw. haben nicht zu arbeiten. Punkt. Andernfalls müsse er den Dienst quittieren. Er quittiert, denunziert von einem Kameraden.

Wie gesagt, das Deutsche Kaiserreich ist ziemlich entschleunigt wurden. Die Polizeipräsidentin, in der Beschreibung verfügt sie aber nur über den Personalbestandes eines kleinen Reviers, hat eine gewaltige Aufgabe: Der KAISERTAG steht bevor. Seine Majestät besucht die Freie und Hansestadt Lübeck. Und plötzlich steht der Fritz wieder vor ihr. Der erste Abend geht schrecklich aus. Da der Oberst aber wohl tatsächlich ermordet oder zum Selbstmord gezwungen wurde, kommt es zu einer Zusammenarbeit der beiden, die nicht so richtig in die vorherrschende Gesellschaft zu passen scheinen. Das ungleiche Pärchen sticht in ein Wespennest: Zwei geheime Gruppen bekämpfen sich im Deutschen Kaiserreich, das gerade mitgeteilte, dass es die Atombombe entwickelt hat. Testgebiet – man hat ja Kolonien. Und Krieg ist der Vater aller Dinge. Oder so. Und Großmachtstreben gibt’s auch.

Was kann ich noch verraten?

Diverse Namen kommen schon vor. Ein E. Presley leitet die New Yorker Philharmonie. Generalfeldmarschall Erwin Rommel ist ein Graf von Kai-Feng, er hat den Großen China-Krieg gewonnen. Das war im Jahr 1944. Der greise Held tritt selten in die Öffentlichkeit. Alexandra Dühring vernimmt einen gewissen Feldmann, der durch Bildergeschichten das deutsche Handwerk „verunglimpft“. Freunde würden ihn „Brösel“ nennen, erklärt er in der Vernehmung. Die Bildergeschichten sind in der Jugend ziemlich beliebt…

Arno Wyzniewski[2] spielt im Kino immer den Großen Friedrich, ein Bürokopierer kostet 4000 Mark. Soviel wie ein Opel-Benz. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Autos sind teuer, die Bürger sollen nicht so viel rumkutschen. Geschickter Weise hat Henkel das Jahr 1988 gewählt. Computer waren damals noch nicht so sehr verbreitet ;) – Hier verzichten wir gleich mal ganz darauf.

Ein General Göring hat vor Jahrzehnten das Maul zu voll genommen, so gewann der militärisch-industrielle Zeppelin-Komplex das Rennen und Jagdflugzeuge braucht man zwar, aber besonders wichtig scheinen sie nicht. Bomben kann man auch mit Luftschiffen. 

Und diverse weitere Anspielungen, die einen schmunzeln lassen.

 

* * *

Am Ende ist es ein spannender Spionagekrimi und weniger ein Science-Fiction-Roman der Marke WAS WÄRE WENN? Aktuell der Umstand, die Türkei mischt ein klein wenig mit. Für Verschwörungstheoretiker ist das Buch auch eine Fundgrube. Antisemitismus diverser unangenehmer Personen ist gelegentlich vorhanden.

Verblüffend ist letztlich, dass, so wie die Gesellschaft beschrieben wird, diese Alexandra Dühring tatsächlich Polizeichefin einer Hansestadt werden kann. Vorbotin einer neuen Zeit ist sie damit noch nicht. Da fällt auch schon mal der Begriff „Suffragette“. Das Ende erinnert an Robin Hood. Den mit Sean Connery als König Löwenherz.

Oliver Henkel hat sich auch schön selbst auf die Schippe genommen. Der Friedrich Prieß findet bei der Alexandra einen Roman. Von Richard Harris. Vaterland. Und schüttelt den Kopf ob der Frage, wer sich denn solch abstrusen Unsinn ausdenken konnte: „Ein Regime massenmordender rassistischer Wahnsinniger, angeführt ausgerechnet von einem messiasartig verehrten österreichischen Postkartenmaler, der nicht nur den [2.] Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, sondern auf dessen Befehl hin auch Millionen von Menschen in monströsen Tötungslagern ermordet worden waren.“ (Seite 182)

Aber auch wenn dies auf dieser Zeitebene nicht stattgefunden hatte: Verbrechen sind auf der Skala nach oben wohl keine Grenzen gesetzt. Auch nicht unter Wilhelm V. im Jahr 1988.

So eben fand ich in der Beschreibung eines weiteren Buches von Oliver Henkel, Die Fahrt des Leviathan, einen Begriff, den wohl der Atlantis-Verlag für solche Bücher geprägt hat: Alternativwelt-Roman. Das gilt auch für den Roman Die Zeitmaschine Karls des Großen. Ebenfalls von Henkel. Der Verlag hat sich auf Science Fiction und Fantasy spezialisiert und ist bestimmt eine Fundgrube für Liebhaber solcher Geschichten.

Wenn Geschichte auf SF oder Fantasy stößt, dann finde ich dies schon mal interessant. Hier zum Beispiel. Und hier.

Henkel wurde im Jahr 1973 in Lübeck geboren. In der Informatikbranche arbeitend verblüfft die Computerlosigkeit seiner Geschichten. Zweimal wurde er mit dem Deutschen-Science Fiction-Preis ausgezeichnet. Seine Bücher handeln alle in derartigen Alternativwelten. Sicher eine seltene Form von Geschichtsrezeption, aber diese könnte mir gelegentlich gefallen.

 

► DNB / Atlantis-Verlag / Stolberg 2014 / ISBN: 978-3-86402-105-3 / ca. 366 S.

 

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[1] Seite „Science-Fiction“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Juli 2016, 06:23 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Science-Fiction&oldid=156492562 (Abgerufen: 1. August 2016, 14:16 UTC)

[2] Das hat er auch in „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ getan

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spionage, alternativwelt, deutsches reich

Walkürenritt

Heiger Ostertag
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 01.07.2014
ISBN 9783944264448
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Walküren. Schlacht- und Schildjungfern. Weibliches Geistwesen aus den Gefolge Odins. Sie führen die ehrenvoll Gefallenen vom Schlachtfeld nach Walhall.

Operation Walküre. Oder Unternehmen Walküre. Plan der deutschen Wehrmacht zur Unterdrückung von Aufständen der Zivilbevölkerung. Der Plan wurde in Teilen verwendet bzw geändert für das Attentat auf Hitler am 20. Juni 2044.

Ritt der Walküren. Orchesterwerk von Richard Wagner. Vorspiel zum dritten Akt der Oper Die Walküre. Bekannt geworden auch aus dem Film Apocalypse Now, als Begleitmusik für einen Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf.

Walkürenritt: Alternativwelt-Roman von Heiger Ostertag.

Vorgestellte Alternativwelt-Romane auf unserem Blog:

Kaisertag von Oliver Henkel / Alles bleibt anders von Siegfried Langer.

 

Stellen wir uns vor: Unternehmen Walküre gelingt. Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg platziert nicht nur die Bombe unter dem Tisch zur Lagebesprechung in der Wolfsschanze. Nachdem der Sprengsatz explodierte, läuft ihm der Führer vor die Pistole. Stauffenberg schießt und stirbt selbst. Der Führer ist tot. Witzleben, Goerdeler und die anderen übernehmen die Führung des Reiches. Aber weder Churchill noch Stalin wollen den Krieg beenden. Doch da gibt es noch den Professor Heisenberg. Drei V2 werden mit Atomsprengköpfen bestückt. Eine wird auf der Kanalinsel Jersey niedergehen. Eine andere trifft statt Minsk die sowjetische Hauptstadt Moskau. Die gesamte sowjetische Führungsspitze kommt um. Der Krieg ist aus. Deutschland ist um einiges größer als das Dritte Reich 1939. Wo eigentlich ist die dritte Atomwaffe abgeblieben?

Im Juni 2015 ist Europa in die westeuropäische Union und die großdeutsche Union geteilt. Für Europa wird die Türkei gefährlich. Ein neues osmanisches Reich? Nordafrika gehört schon dazu. Und der Staat Israel entstand, weil die Türken nach Rauswurf der Engländer aus Palästina, das Land den aus Europa geflüchteten Juden schenkte. Aber ist wirklich die Türkei der mächtige Feind?

In Berlin treffen sich die Staatsführer Europas. Mit Anschlägen der islamistischen Türkei ist zu rechnen. Aber für den jungen Oberst Harald Reithagen vom Reichsschutz wird es ein Walkürenritt. Als er die Führung einer Sondergruppe zum Schutz des Gipfels übernimmt, ahnt er nicht, wohin ihn das führen wird. Zum Beispiel zur Befreiung zweier seiner Gruppenangehörigen aus der Festung Spandau. Ein Kommandounternehmen.  

 

* * *

Das geschilderte Deutsche Reich ist ein seltsames Reich. Sehr groß, einschließlich der Ukraine. Die Entnazifizierung fand so statt, wie man das, mit allen ihren Unzulänglichkeiten aus der Geschichte der Bundesrepublik kennt. Auch die ehemaligen Politikergrößen (Adenauer, Schumacher, Brandt…) werden in Rückblicken erwähnt. Das Militär spielt eine große Rolle. Die KSK ist auch im Inneren so etwas wie die GSG 9.

Ein gewaltiges „Durcheinander“ von Spionage, Gegenspionage, vermeintlichem und tatsächlichem Verrat, Verfolgung, Flucht, Totschlag, Verschwörung hat Dr. Heiger Ostertag hier präsentiert. Man sagt, Pläne, auch militärische, sollten nicht übermäßig kompliziert sein. Zu viele Fehlerquellen. Auch sagt man, dass ein solcher Plan kurz nach Beginn der Umsetzung nicht mehr stimmt. Aber spannend ist der Roman schon.

* * *

Interessant ist, dass der Autor, geboren im Jahr 1953, als Historiker in Forschung und Lehre tätig ist, der auch Fachliteratur veröffentlichte. Seine belletristischen Werke sind im Südwestbuch-Verlag erschienen. Außerdem weiß er wohl, von was er schreibt, als ehemaliger Oberstleutnant der Luftwaffe. Der Autor wird mich wohl weiter beschäftigen, seine Webseite zeigt sehr interessante Dinge auf. Außerdem ist die Anzahl seiner Veröffentlichungen enorm. Dazu zählen über zwanzig Romane, in denen nicht nur Militärgeschichte und Fiktionales eine Rolle spielt.

Ostertag allerdings schreibt nicht nur Geschichte „um“. Er, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem Offizierskorps im deutschen Kaiserreich beschäftigte, scheint mit solchen Themen seinen schriftstellerischen Schwerpunkt gefunden zu haben.

Schon bei der Rezension zu KAISERTAG (O. Henkel) stieß ich auf den Begriff des Alternativweltromans. Ich glaube nicht, dass diese Art von SF-Literatur nun zum Hauptgegenstand meiner Buchbetrachtungen werden wird. Aber gelegentlich ist das Genre schon zu genießen.

 

► DNB / SWB-Verlag / Stuttgart 2014 / ISBN: 9783944264448

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iran, revolution, teheran, debüt, flüchtlinge

Nachts ist es leise in Teheran

Shida Bazyar
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048919
Genre: Romane

Rezension:

Manchmal „schiebt“ man nicht nur Bücher vor sich her, auch die Rezensionen müssen gegebenenfalls etwas warten. So war das auch bei diesem Buch, welches ich während der Buchmesse in Leipzig 2016 am Stand von Kiepenheuer & Witsch erhielt. NACHTS IST ES LEISE IN TEHERAN. So heißt das Buch der 1988 geborenen Shida Bazyar.

Vierzig Jahre umspannt diese ungewöhnliche Familienchronik, in der im Abstand von jeweils 10 Jahren Vater, Mutter, Tochter, Sohn zu Wort kommen. Das Ganze beginnt in Teheran 1979. Es herrscht eine revolutionäre Stimmung, denn der Schah musste abdanken. Der erste Erzähler ist Behsad, ein kommunistischer junger Revolutionär. Seine Freunde und er wollen eine neue, eine fortschrittliche Ordnung. Doch die Macht erhält Ajatollah Chomeini, der eine Regentschaft der Geistlichkeit einführte und eine islamische Republik ausrief. Kein besonders gutes Feld für junge idealistische säkulare Revolutionäre.

Behsad, der im Kreise dieser jungen Leute die literaturdurstige schöne Nahid findet, die Liebe seines Lebens, geht außer Landes. Chomeini, das eigentliche Symbol des Kampfes gegen die Monarchie, setzt auch Gewalt gegen anders Denkende ein. Behsad und Nahid gehen mit ihren Kindern Laleh und Morad nach Deutschland.

1989. Nahid erzählt von ihrem Leben in Deutschland. Sie haben Freunde aus der westdeutschen linken Szene, die irgendwie vom Mauerfall überrascht sind und wirken, als wüssten sie nicht mehr so richtig, wo sie stehen sollen. Sie hängen oft am Radio um Nachrichten aus der Heimat zu empfangen. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Was gibt es neues aus der Heimat? Zwei Revolutionen erlebt. Die zu Hause und nun den Mauerfall im Exil, einem Land, in das sie nicht so richtig zu gehören scheinen. Tragisch erscheint das vor allem für Nahid. Von der lernenden, lesebesessenen jungen Frau scheint nicht viel übrig geblieben zu sein. Sie kümmert sich um Familie und Mann, lernt nicht so gut Deutsch und entspricht äußerlich wohl viel dem Klischee, dass viele Menschen von Muslima haben, dabei ist sie gar keine. Die Kontakte, dies sie mit Deutschen hat beschränken sich auf wenige Personen. Bindeglied sind die noch kleinen Kinder. Arbeit? Kinder und die Wohnung. In ihr zeigt sich dem Leser das Elend des Exils.

Zehn Jahre später. 1999. Den Faden spinnt jetzt Laleh weiter. Den Hauptteil ihrer Erzählung nimmt eine Reise mit ihrer Mutter nach Teheran ein. Das Mädchen kommt in eine für sie fremde Kultur. Sie trifft auf eine große, eine herzliche, freundliche Verwandtschaft. Laleh bringt diese neuen Erlebnisse mit ihren Kindheitserinnerungen nicht richtig zusammen. Es ist schwer für das Mädchen, inmitten der Frauen und Mädchen sich über Geheimnisse und Schönheitsrituale zu unterhalten und dabei sich auf der Straße verhüllen zu müssen. Lalehs Sprache ist ganz anders als die ihrer Eltern. Hier merkt man die offene Gesellschaft in der neuen Heimat – für Laleh hat der Begriff Exil wenig Bedeutung. Sie ist es, die feststellt, dass es tagsüber laut, in der Nacht aber leise ist in Teheran.

Schwieriger wird es für ihren Bruder Morad. Der ist weitere zehn Jahre, im Jahr 2009,  ein ziemlich lotterhafter Student, eher Feten und Bierdosen zugeneigt als dem ernsthaften Studium. Mo hat wiederum eine andere, eine schon sehr differenzierte Sicht auf seine Eltern und dazwischen steht die ältere Schwester, trennendes und bindendes Glied. Mo besteht beide nicht richtig. Mutter und Vater hören immer noch ständig Nachrichten aus dem Iran. Laleh ist „mehr“ Iran als er. Der Freund des Vaters aus Jugendtagen ist wohl umgebracht worden, Behsad hadert mit sich, dass er in der Fremde ist, weil er vermutet, immer noch gesucht zu werden.

Shida Bazyar hat literarisches (kreatives) Schreiben studiert, mehrfach Stipendien erhalten und vor diesem ersten Roman Kurzgeschichten und Anthologien veröffentlicht. Dass sie schreiben kann, merkt die Leserin bzw. der Leser vor allem an der sich ändernden Sprache oder besser Erzählweise, bei der die Generationen sehr gut getroffen sind. Autobiografische Züge hat der Roman wohl auch. Shida ist wie Tara, das ist die jüngste Tochter von Behsad und Nahid bereits in Deutschland geboren. Auch Shidas Eltern kamen nach der islamischen Revolution nach Europa. Insofern hat sie die hier niedergeschriebene Geschichte sicherlich in Teilen zu Hause oder bei Bekannten erlebt. Ich halte nicht nur deswegen das Buch für sehr gelungen.

Für Tara ist der Iran viel weiter weg. Einige Jahre später ist sie mit ihrer Nichte unterwegs. Aber plötzlich ist der Iran wieder in aller Munde. Der Westen nähert sich an, der Gottesstaat wird offener – Ein Symbol gegen den Terror in der Region? Wenige Seiten schließen die Geschichte mit Taras Worten und doch beginnt sie von neuem. Wird sie gut? Hoffen wir, dass dies wirklich so sein wird.

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indiane, lakot, oglal, oglalla, dakot

Die Söhne der Großen Bärin. Band 1: Harka

Liselotte Welskopf-Henrich
Fester Einband: 693 Seiten
Erschienen bei Mitteldeutscher Verlag, 01.01.1982
ISBN B0000EAURG
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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kambodscha, lesereise, bambus und rattan, kurzgeschichten, im dschungel

Lesereise Kambodscha

Erik Lorenz
Fester Einband: 132 Seiten
Erschienen bei Picus Verlag, 16.02.2015
ISBN 9783711710574
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein schmales Buch. Betitelt mit Lesereise Kambodscha. Untertitel: Ein Tuk-Tuk in Angkor. Der Autor: Erik Lorenz. Ein Globetrotter, der mit seinen knapp 30 Jahren schon ganz schön rungekommen ist. Eigentlich haben wir uns über „Indianer“ kennen gelernt und nun schau ich mir gern seine Reisebücher an. 

* * *

Kambodscha. Ein Reiseland? Das bekannteste Wahrzeichen ist die Tempelanlage von Angkor Wat. Das einzige Bild des vor mir liegenden Büchleins zeigt diese gewaltige Tempelstadt. Erik Lorenz erzählt in elf Kapiteln von seiner Tour.

Die Geschichte des Landes erzählt ihm zu Beginn Yim Savy, der unter den Roten Khmer als Kind harte Feldarbeit leisten musste, später dann in Phnom Penh Abitur machte und in Rostock sein Ingenieursstudium aufnahm, wo von er heute seine Familie nicht ernähren könnte. Doch die Fremdsprache Deutsch, die kann er gut gebrauchen. Er hat im wahrsten Sinne „um sein Leben gelernt.“

Die Kunstszene. Erik Lorenz macht uns mit Malern, Bildhauern bekannt und in einem späteren Kapitel mit Kindern, die typisch kambodschanischen Lederbilder der Kleinen Engel herstellen. Aus dem Schatten in das Licht sind diese Kinder gekommen, die, oftmals Waisen hier etwas für sich und ihre Familien verdienen können. In diesem Fall ging es wohl weniger um Kinderarbeit, die sicher sonst weit verbreitet ist. Auch von der schlimmsten Form erzählt Erik, von den Müllsammlern, von Im Eath. Man glaubt dem Autoren seine Betroffenheit ob des Schmutzes, der Armut, dem Elend.

Jahre des Bürgerkrieges haben auch in Kambodscha dafür gesorgt, dass Millionen von Minen, Munition und Blindgängern „herumliegt“. Ein ehemaliger deutscher Oberstleutnant leitet den Mienenräumverband 6. Nicht etwa eine militärische Gruppe von Soldaten, aber ein ähnlich geführter und von der UN bezahlter „Truppenteil“. Etwas skurril in den militärischen Verhaltensweisen seiner Angehörigen, aber vielleicht rettet diese Disziplin tatsächlich Leben. Hautnah erlebt Erik das Minenräumen. Jeder Hektar geräumter Boden wird sofort von den Bauern vereinnahmt und genutzt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ja, die gibt es in Kambodscha und betroffen ist davon eine vietnamesische Minderheit. Um das zu verstehen, immerhin haben die Vietnamesen mit den „killing Fields“ der Roten Khmer Schluss gemacht, muss man wohl weit in die indochinesische Geschichte zurückschauen, bis in das 19. Jahhundert. Erik Lorenz spricht mit Unterstützern von Sam Rainsy, einem Oppositionsführer („Nicht alle Vietnamesen sind schlecht“) und der erinnert in seinen Äußerungen sehr aktuell an diverse Rechtspopulisten in Europa. In Kambodscha führt das gelegentlich noch zu Mord und Todschlag.

Amüsant am Ende ist die Dschungelwanderung. Erik wollte wohl erstens „dreckig“ werden und zweitens „verrücktes Zeug“ essen. Dies ermöglicht ihm sein Begleiter Nara, der zeitweise den Eindruck macht, dass er sich auch nicht übermäßig auskennt. Jedenfalls kommt Erik Lorenz voll auf seine Kosten. 

So erzählt er von einem Land, dass „zu neuem Leben erwacht“. In diesem schmalen Büchlein schafft er es auf 130 Seiten tatsächlich einen ernsten bis humorigen Bogen zu Geschichte, Politik, Kunst, Land und Leute eben zu schlagen. Dies alles ohne Bilder. Eigentlich schade, aber es war ja eine Lesereise.

 * * *

Das Buch erschien im österreichischem Picus Verlag. Dieser hat das Thema "Lesereisen" direkt als eine seiner Rubriken, seiner Themengebiete im Programm.  Auch das Buch Lesereise Laos - Vom Schwinden der Silberfäden von Erik erschien in diesem Verlag. Auch so ein schmales Bändchen, genau wie Hongkong - Ein Flugloch für den Drachen.

Was ist mein Fazit? Nicht nur, dass ich neugierig werde aud die anderen Veröffentlichungen, nein, mit diesem Autor, den ich wegen gänzlich anderer Themen bekannt wurde, würde ich schon mal eine Weltreise machen. Sympatisch ist er nämlich auch. Danke Erik für dieses Buch, welches ich mit großer Freude las und nun darüber schrieb.

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portugal, wellington, napoleo, england

Tod den Franzosen

Cecil S. Forester
Flexibler Einband
Erschienen bei Ullstein TB
ISBN 9783548210926
Genre: Romane

Rezension:

C.S. Forester (1899 – 1966) schrieb 1932 den Roman Death to the French. Unter dem Titel Tod den Franzosen brachter der Ullstein Verlag diesen Roman im Jahr 1988 heraus. Ein schmales Taschenbuch von gerade einmal 159 Seiten. Was den Schriftsteller geritten hat, den Kampf zwischen den Truppen des Duke of Wellington und Napoleons Armee im Jahr 1810 zu erzählen, weiß ich nicht. Ein paar Jahre später mussten Franzosen und Engländer jedenfalls (zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert) Verbündete werden.

* * *

Der Roman erzählt davon, wie der Scharfschütze Matthew Dodd von seinem 95. Regiment abgeschnitten wird, während sich Wellingtons Truppen auf Lissabon zurückziehen müssen. Er versucht natürlich Anschluss an die britischen Truppen zu gewinnen, jedoch dauert dieses Unterfangen Monate. Die verbringt er mit portugiesischen Freischärlern. Die Bauern, schlecht ausgerüstet und militärisch völlig unerfahren führen unter seiner Führung einen Partisanenkrieg gegen die Franzosen.

Es ist ein französisches Linienregiment das in der Gegend, inzwischen auch nur noch mit Fetzen bekleidet und wegen fehlendem Nachschub hungernd, umherzieht. Sergeant Godinot führt eine Gruppe, deren Angehörige durch dieses „Gespenst“ den Scharfschützen Dodd immer mehr dezimiert werden. Am Ende werden die Bauern von den Franzosen, Dodd befindet sich gerade auf einem Aufklärungsgang, hingemetzelt.

Es bleibt am Ende nur die Frage: schafft es Dodd zurück zu den Rotröcken? Überlebt der erfahrene französische Sergeant den portugiesischen Krieg?   

 

* * *

Der Roman lebt nicht allein von der Geschichte dieses hervorragenden Soldaten im grünen Rock der Sharpshooters, die im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber handelnde französische Gruppe, die am untersten Ende der Nahrungskette steht, gibt das Salz des Romans. Vor allem deshalb, weil sie sich immer fast in die Augen sehen können. Der Szene, in der die Franzosen versuchen eine Brücke über den Tejo zu schlagen unter englischem Kanonenbeschuss ist sehr eindringlich und zeigt, Krieg hat vielleicht gelegentlich Helden, aber eben nichts Heldenhaftes.

 

* * *

Mich erinnerte der Roman an eine englische Serie mit Sean Bean, Sharpshooters. Bean verkörperte darin den Scharfschützen Richard Sharpe. Auch so ein Typ, ähnlich wie Dodd, ebenfalls im 95th. Rifle Regiment, auch in Portugal (und an vielen anderen Kriegsschauplätzen) eingesetzt. Sharpe allerdings schafft es bis zum Offizier, weil er Wellington das Leben rettet.

 

* * *

Cecile Scott Forester ist der Erfinder des fiktiven englischen Seehelden Horatio Hornblower.

© KaratekaDD

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