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Der Zerberus-Schlüssel

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2017
ISBN 9783404175956
Genre: Krimi und Thriller

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hörbuch, fantasy

Das Lied von Eis und Feuer 7

George R. R. Martin
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 24.10.2008
ISBN B0085XL80K
Genre: Sonstiges

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harry hole, norwegen, thriller, oslo, krimi

Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

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rom, arminiu, germanien, fantasy forum, zeitrese

Runenzeit 5

Mark Bredemeyer
Fester Einband: 552 Seiten
Erschienen bei salomo publishing, 01.10.2015
ISBN 9783941757486
Genre: Fantasy

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Tags: arminiu, fantasy,z, germanie, rom, zeitreise.   (5)
 

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rom, germanien, runenzeit, varusschlacht, geschichte

Runenzeit 6

Mark Bredemeyer
Fester Einband: 524 Seiten
Erschienen bei salomo publishing, 01.07.2017
ISBN 9783941757516
Genre: Fantasy

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Tags: arminius, cheruske, fantasy, germanie, geschichte, rom, varusschlacht, zeitreise   (8)
 

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berlin, streik, arbeiter, zigeune, gewerkschaf

Ede und Unku

Alex Wedding , Heike Makatsch
Audio CD: 123 Seiten
Erschienen bei MEDIA Net-Edition, 07.12.2015
ISBN 9783939988083
Genre: Romane

Rezension:

Hörbücher. Manchmal macht man da einen Fund, den man nicht erwartet hätte. Diesmal ist es ein Kinderbuch uns meiner Kinderzeit. EDE UND UNKU, von Alex Wedding, gelesen von Heike Makatsch. Es ist ein schmales Kinderbuch und nch etwas mehr als drei Stunden war das Hörvergnügen schon vorbei.

Die Geschichte ist schon ziemlich alt, sie wurde 1931 geschrieben: Der Arbeiterjunge Ede Sperling lebt mit Vater, Mutter und Schwester Lisa in Berlin. Sein bester Kumpel ist Max Klabunde. Edes Vater allerdings hat mit Kommunisten nichts am Hut und so will er, plötzlich arbeitslos geworden, die Freundschaft der Jungs beenden. Herr Sperling hat Verbesserungsvorschläge in der Metallbude gemacht, in filge dessen er nun wegrationalisiert wurde. Da kann auch der Herr Posthauptsekretär nichts ändern, der Herrn Sperling Arbeit bei der AEG verschaffen will, dass er als Streikbrecher in den Betrieb gelangen soll, sagt er ihm nicht. Vor den Toren der Fabrik steht als Streikposten auch Herr Klabunde.

Ede will nun Zeitungsausträger werden, um der Familie zu helfen und außerdem tritt ihm Unku in den Weg, ein Zigeunermädchen, deren Familie am Stadtrand lebt. In einem Pferdewohnwagen. Mit Zigarre rauchender Großmutter, was Ede nebenbei Ohrfeigen vom Vater einbringt. Unku wird ihm helfen, beim Fahrradkauf, beim Suchen nach einem Fahrraddieb, sie steht sogar Schmiere, als Ede Maxens Vater hilft...

Noch geht alles gut aus und Herr Sperling mag lieber Streikbrecher als Streikposten sein. Noch, aber in drei Jahren wird das Buch auf Scheiterhaufen landen wie andere Bücher der Autorin Grete Weißkopf auch. Und Unku´s Familie der Sinti und Roma wird ebenfalls der kommenden zwölf Jahre dauernden Verfolgung ausgesetzt sein. Bücher vollumfänglich zu vernichten ist letztlich unmöglich gewesen und so finden sich der Arbeiterjunge Ede und das Zigeunermädchen Unku in vielen Ausgaben im Kinderbuchverlag der DDR wieder.

Die Politik zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts spielt im Buch keine große Rolle, sie beschränkt sich auf Arm und Reich und den Streik der Arbeiter um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Max´ Vater erzählt den Jungs allerdings in einer Geschichte vom Fischen, dass es nicht das Netz ist, was zur Armut führt sondern der, der das Netz nur für seine eigene Fischerei einsetzt.

Grete Weißkopf (geb. 1905) lebte ab 1925 in Berlin. Sie war in der KPD aktiv und arbeitete als Sekretärin der sowjetischen Handelsvertretung. Verständlich, dass sie der arbeitenden Bevölkerung, den Proletariern zugeneigt war, was ihr erstes Kinderbuch, Ede und Unku, deutlich zeigt. Schon ihr Pseudonym weist darauf hin: Alex steht für den Alexanderplatz, Wedding für das Arbeiterviertel im Westen Berlins. In einer Szene spielen die Zeitungsjungen einmal Demonstration und singen dazu: „Links! Links! Links! – der rote Wedding marschiert...“ Zudem beruht das Buch auf persönlichen Erlebnussen: Ede wie Unku haben ein reales Vorbild.

Heike Makatsch scheint mir eine für solche Bücher besonders geeignete Vorleserin zu sein. Zwar arbeitet sie nicht so sehr mit der Modulation der Stimme für die einzelnen Figuren aber die einzelnen Spannungsbögen trifft sie sehr gut.

Ich glaube ja nicht, dass dieses Buch mal wieder in den Schulunterricht einzieht, aber gut ist, dass es wieder gelesen, gehört werden kann.

© KaratekaDD

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Tags: arbeiter, berlin, gewerkschaf, streik, zigeune   (5)
 

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venedi, krimi, umweltverschmutzung, venedig, mensch & umwelt

Stille Wasser

Donna Leon , Werner Schmitz
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.05.2017
ISBN 9783257069884
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist des Commissario Brunettis inzwischen sechsundzwanzigster Fall.

"Wer wusste schon, was jemand sah? Oder fühlte. Jeder Mensch war ein Universum für sich, mit unendlich vielen Möglichkeiten und Fähigkeiten." - und Geheimnissen und Abgründen, möchte ich ergänzen. (Seite 333)


Brunetti ist kaputt. Es ist zwar ein fingierter Schwächeanfall während einer brisanten Vernehmung, aber im Ospedale merkt Guido, dass er wirklich auf dem Zahnfleisch kraucht. Krank!


Paola, Guidos Frau, erscheint wutentbrannt, eher aber wohl besorgt, am Krankenbett. Der junge Kollege, den Guido mit dem Anfall aus der Patsche half, stand plötzlich in der Universität in Uniform vor ihr. 


Nun verhilft sie ihm zur Erholung in einer Villa auf Sant´ Erasmo.Verwaltet von Davide Casati. Der kannte Guidos Vater von einer gemeinsam gewonnenen Ruder-Regatta. Das verbindet. Und so fängt die Erholung an: Lesen, Rudern, Schlafen... 


Doch Casati, scheint schwer an einem Problem zu brüten. Er hält Bienenstöcke auf den Inselchen in der Lagune. Erschütternd und geheimnisvoll. der vernarbte Rücken des Lagunen-Imkers.
Bald ahnt der Leser, das Sterben der Bienen könnte durch ein Umweltverbrechen verursacht wurden sein...


Und dann findet Brunetti mit den Kollegen auf Sant´ Erasmo die Leiche des Freundes in dessen Boot. Ein Unfall?




* * *

Es ist nicht das erste Mal, dass Donna Leon sich italienischer Umweltverbrechen annimmt. Diesmal aber ist es nicht vordergründig die Gier von Firmen, welche diese begehen, hier geht es um die Menschen, die darin verwickelt werden. Und so wird Brunetti daran erinnert: "...die wenigsten denken an die Folgen ihres Tuns. Die eigenen Wünsche rechtfertigen alles." (Seite 332)


In dieser Geschichte ist also die Suche nach Tätern nicht der Zweck des Handelns von Guido Brunetti, der diesmal mi seiner Kollegin Griffoni ermittelt, unterstützt von Signorina Elettra, die in jedem Hackerclub würde unterkommen können und bemerkenswert wenig gestört vom Vice Questore Patta. Aber vielleicht stört der ja nicht, weil es gerade irre warm ist in Venezia.



* * *



Donna Leon bleibt der Art und Weise ihrers Schreibens treu. Ich mag diese Figur, wenn sie ihn an die mahnenden Worte seiner Mutter denken lässt, "dass er von anderen nicht verlangen konnte, die dinge so zu sehen wie er selbst." (Seite 330)


Oder wenn sie einer Figuren über Männerfreundschaften sagen lässt: "Männer haben keine Freunde,... Männer haben Kameraden und Kumpels und Kollegen, aber die wenigsten haben Freunde. Und wenn doch, sind es meistens Frauen, manchmal sogar die eigene." (Seite 233) Und jetzt, wo ich den Klebezettel entferne, merke ich, das ist eigentlich ein "Schlüsselspruch", dessen "Wahrheit" sich am Ende der Geschichte bestätigt.


Es sind die gewohnt leisen Töne eines besonderen Polizisten (in der Literatur), wenn der, die Tochter des Davide Casati nach der Bienenpflege befragend zur Antwort erhält:



"'Ich habe es nie gelernt. Jahrelang habe ich ihn zu den Bienen begleitet und ihm zugesehen, trotzdem weiß ich nicht, was oder wann etwas zu tun ist, oder womit sie im Winter gefüttert werden. Ich habe nicht richtig aufgepasst. Er hat versucht, mir alles zu erklären, aber es hat mich nicht interessiert. Ich wollte nur den Honig.' Sie seufzte.
Immer sind es die kleinen Tücken, die uns aus der Bahn werfen, dachte Brunetti. Trauer liegt in uns vergraben wie eine Landmine: Schwere Schritte stapfen folgenlos daran vorbei, während andere, die kaum den Boden berühren, sie zur Explosion bringen." (Seite 225)


Und so findet man in den Romanen der amerikanischen Venezianerin ganz viele Dinge, die einen anhalten, einhalten lassen beim lesen.

* * *


Ganz am Schluss betrachtet der Commissario Dottore Guido Brunetti ein Tatortfoto noch einmal ganz genau... 


Mögen es doch bitte mehr als dreißig Fälle werden.



* * *



Im Jahre 1981 zog die im Jahr 1942 geborene Amerikanerin nach Venedig. Hier wurde sie mit den Brunetti-Romanen weltberühmt. Die meisten wurden in Deutschland und in den USA verkauft. Sie soll mal gesagt haben, wenn die auf den italienischen Markt kämen, müsste sie das Land verlassen.



► DNB / Diogenes / Zürich 2017 / 978-3-257-06988-4 / 343 Seiten
► Donna Leon Webseite
► Donna Leon: Unsere Autorenseite
► Das Brunetti Projekt
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Tags: brunett, donna leon, krimi, mensch & umwelt, umweltschutz, venedi   (6)
 

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jerusalem, israel, 1967, jerusalm, judentum

Ein Leben für Jerusalem

Teddy Kollek , Amos Kollek , Werner Peterich , Jizchak Barsam
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.1992
ISBN 9783596112692
Genre: Biografien

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Tags: israel, jerusalm, sechstagekrieg (1967)   (3)
 

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moritzburg, dresden, kommune1, atemnot, freudsche lehre

Die Badende von Moritzburg

Ralf Günther
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 19.05.2017
ISBN 9783463406862
Genre: Romane

Rezension:

Novelle – Novella – Novelette. Kürzere Erzählung. Kurzepik in Prosaform. Sie hat „eine mittlere Länge, was sich daran zeige, dass sie in einem Zug zu lesen sei.“ (wikipedia)

Aha. Aber eigentlich will ich mich gerade nicht in „literaturwissenschaftlichen Betrachtungen“ ergehen, obige zwei Zeilen habe ich außerdem soeben in der bekannten Online-Enzyklopädie nachgeschlagen. Aber es passt. In einem Zug zu lesen, zumindest, wenn man rechtzeitig am Tage damit anfängt. 

Eine Sommernovelle namens DIE BADENDE VON MORITZBURG. Wir begeben uns zurück in das Jahr 1910 und begleiten die Bürgerstochter Clara Schimmelpfenninck auf den Dresdner Weißen Hirsch, wo das Lahmann-Sanatorium zu finden ist. Die junge Frau leidet an hysterischen  Anfällen und soll sich beruhigen. Dazu gehört viel frische Luft beim sogenannten Luft- und Sonnenbaden. Dazu tragen die Damen das sogenannte Luftbadehemd.

„Darin fühlte sie sich kaum weniger als nakt. Es musste ohne Unterwäsche getragen werden, der Baumwollstoff fiel locker um den Leib, damit möglichst viel Luft auf die Haut ventiliert wurde. Weich schmiegte er sich an ihren Körper und verwies dezent auf ihre Formen. Über die Schulter floss das rötlich blonde Haar, offen, wie sie es auf der Straße niemals zu tragen wagen würde.“ (Seite 9)

Der junge Dr. Maximilian Brandstetter vertritt den behandelnden Arzt und ist ein Anhänger Sigmund Freuds. Daher landet Clara auf der Couch, muss Fragen beantworten und nicht nur das. Brandstetter lädt sie ein, die Kur an einem Wochenende in Moritzburg fortzusetzen. Nach etwas Gezeter und Ziererei, der Max ist durchaus auch attraktiv, willigt Clara ein.

Moritzburg
„Da lichtete sich unerwartet das Grün, die Schienen blitzten in der Sonne, das Schnaufen der Lok wurde leichter, und die Räder sammelten neue Kraft, als der Zug endlich auf die weite Moritzburger Ebene gelangte. Die Wälder wurden zu Gehölzen, die Wiesen und Felder gaben den Blick frei bis zum Horizont, und bald gesellten sich die Teiche dazu, die der Landschaft ihren Namen gaben. Wie runde Himmelsspiegel lagen sie im Grün der Ebene. Teils zogen sie offen an Clara vorbei, teils waren sie ihren Blicken durch breite Schilfgürtel verborgen und wurden erst sichtbar, wenn eine Windböe die Halme weit genug hinabbog. Solch Anmut und Ruhe der Landschaft kannte Clara nur von der Ostsee. Und sie wollte aufjauchzen vor Glück, da sie ihr seit Kindesbeinen vertraut war. Ihre Brust fühlte sich - zum ersten Mal seit ihrer Abreise von Berlin - leicht und unbeschwert an. Clara machte sich einen Spaß daraus, so tief und weit zu atmen, dass die Stangen ihres Korsetts knarrten.“ (Seite 34)

Erinnert das nicht an RHEINSBERG oder SCHLOSS GRIPSHOLM? Das ist echter „Novellentext“. Zumal man das noch heute so erleben kann im „Lößnitzdackel“. Die mitfahrenden Damen tragen allerdings kein knarrendes Korsett mehr und das Lahmann-Institut, welchesmit dem Luftbadehemd etwas positiv befreiendes für die Damen gefunden zu haben scheint, weicht heute einem Luxuswohnviertel. Aber es geht noch freier, denn Clara trifft auf die Künstlergruppe DIE BRÜCKE.

Am See stutzt die junge Frau, denn sie trifft auf schier Unschickliches. Völlig unbekleidete Männer und Frauen und sie trifft auf Ernst Ludwig Kirchner – ein Maler, dessen Bild Drei badende Frauen auf dem Cover abgebildet ist. Außerdem lernt sie Erich Heckel sowie Max Pechsteinkennen und die Leserinnen und Leser lernen mit ihr etwas über den Anfang einer Malerei, die später expressionistisch genannt werden wird. Ernst Ludwig Kirchner ist der Hauptakteur dieser Szenen da am Moritzburger Teich.

Die Künstlergruppe wollte ihr Modelle natürlich vor sich sehen. Spielend. In Bewegung und nicht stundenlang sitzend vor den Pulten der Studenten in den Kunstakademien.

„Wir malen unsere Modell nicht nur‘, getraute sich Heckel, ‚wir leben, tanzen, schwimmen, schäkern mit ihnen. Wir teilen unser Leben, denn wir teilen die Kunst. Mit unserer Kunst wollen wir den Kern des Menschen erfassen, nicht bloß die Oberfläche.‘ Sein Blick wanderte über den See. ‚Aber zum Kern müssen wir erst einmal vordringen. Und das geht nur in einem natürlichen Rahmen, der nicht von Konventionen eingekastelt ist.‘ “...
„Wir fangen... das Modell in seinem lebhaftesten Moment ein und zwingen es nicht zu unnatürlichen Posen.“ (Seite 50/51)

Gefangen ist auch Clara und die Geschichte nimmt so anders ihren Lauf und kommt doch zu dem hier nicht zu verratenden Ende, welches sich für eine Sommernovelle gehört.

* * *
Es ist die Zeit fortschreitender Industrialisierung, aber es regen sich auch neue Formen. „ Die Bewegung der sogenannten Lebensreformer war ein bunter Haufen von mal mehr mal weniger seriösen Gesundheitsaposteln, Austeigern, Anarchisten, Nudisten und Puristen, die in einem Punkt übereinkamen: Sie wollten die Existenz der Menschen in all ihren Aspekten so organisieren, dass sie seiner Natur besser entsprach.“ So erklärt das der Autor unserer Sommernovelle, Ralf Günther, in seinem Nachwort. Die Künstlergruppe DIE BRÜCKE tat das auf ihre Art.

Hier trifft nun zudem Wissenschaft und Kunst aufeinander. Die offenherzigen Maler und die modernen Behandlungsmethoden a la Sigmund Freud, der sich dem Thema Sexualität ebenfalls sehr widmete. Brandstetter wird der Clara dann den Grund für ihre Erstickungsanfälle nennen können, nach ihrer Begegnung mit DER BRÜCKE.

Meine Heimatstadt, die heute, da stimme ich Ralf Günter durchaus zu, irgendwie konservativ erscheint, wies vor dem ersten Weltkrieg fortschrittliche, sehr moderne Tendenzen auf, zum Beispiel die Gartenstadt Hellerau. In dieser konnte man da schon mal einen Gärtner im Adamskostüm Unkraut jäten sehen. Die Offenheit und die Suche nach neuen Formen des Lebens und Zusammenlebens erfasste auch die Kunst. (Vgl. Seite 102/103). Ein ganz kleiner Ausschnitt ist oben bereits erwähnt.

* * *
Es war wieder ein Genuss, dieses Büchlein von Ralf Günther, der Kölner, der Jahre in Dresden lebte und den es nach einer Stipvisite in Hamburg wieder nach Sachsen zog. Nicht nur seine Romane haben es in sich, auch diese Erzählung hier war sehr schön. Über Josi, die Dresdner Bloggerin, erreichte mich dieses schmale Bändchen. Ein Weg wird mich beim nächsten Dresden Besuch wohl in das Albertinum führen.  Die Neuen Meister gilt es neu zu entdecken. Und nach Hellerau muss ich auch.


► DNB / Kindler Verlag (Rowohlt) / Reinbek 2017 / ISBN: 978-3-463-40686-2

PS: Ist das nicht wieder der Beweis für den Namen dieses Blogs: LITTERAE-ARTESQUE? 

© KaratekaDD

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Tags: dresden, impressionismus, kirchne, moritzburg   (4)
 

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beatrice, büchse der pandora, buchland, fantasy, philosophie

Beatrice - Rückkehr ins Buchland

Markus Walther
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 02.09.2016
ISBN 9783862823734
Genre: Fantasy

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piet, kirschkernspuckerbande, freunde, warmherzig, adoption

Die heldenhaften Jahre der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2013
ISBN 9783426510650
Genre: Romane

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Tags: freundschaft, jugend, kindheit, kirschkernspuckerbande   (4)
 

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freunde, freundschaft, liebe, kindheit, hamburg

Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2001
ISBN 9783426618929
Genre: Romane

Rezension:


Da sitzt ein gewisser Piet Lehmann, 41, bei einem jungen Schnösel von Kulturjournalisten beim NDR. Er, selbst Redakteur, ist zum Interview geladen. Sein Roman Kirschkernspucker ist das Thema. TOTAAL langweilig findet der Schnösel die Geschichte von sechs im Jahr 1960 gebornen Freunden. Gelesen hat er sie auch nicht. Er hat sich, selbst kaum dem Volontariat entwachsen, von einer Volontärin einen kurzen Überblick geben lassen.

„Er schien sich nicht vorstellen zu können, dass das Leben für Menschen über vierzig noch irgendwas bereithielt. Wahrscheinlich dachte er, alles was Männern meines Alters noch blieb, waren die alljährlichen Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchungen und sporadische Ü40-Partys, auf denen wir zu den Klängen von Status Quo und Cindy Lauper unsere arthritischen Gelenke schüttelten.
‚Doch, doch. Es geht immer weiter, das Leben‘, bekräftige ich.
‚Sicher‘, sagte Klein-Dominik. ‚So ist das wohl.‘“  (Seite 19)

All das geht Piet an seinem 50sten Geburtstag durch den Kopf. Der war 2010. Meiner war drei Jahre später. Und mir schwant, dieses Buch ist vor allem was für Leute, die noch in richtige Baumwollwindeln gesch... haben, Seifenkisten bauten, gleich alleine zur Schule gingen, und denen in den letzten Schuljahren die Benutzung von Taschenrechnern noch verboten wurde, weil nicht alle einen hatten. Also zumindest in Dresden war das um 1980 so, ob Letzteres in Hamburg ebenso war, weiß ich nicht genau. Vielleicht.

All das habe ich soeben den ersten Seiten aus DIE HELDENHAFTEN JAHRE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE entnommen. Daraus folgt, es geht gar nicht um dieses Buch, sondern um DIE DENKWÜRDIGE GESCHICHTE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE. Band EINS von Gernot Gricksch. Band 2 wird noch gelesen und wenn alles klappt, werden Anne und ich uns gemeinsam darüber amüsieren. Sie wird das Küken sein, denn sie ist noch mal um einiges jünger. Aber uns eint mit Piet, Petra, Bernhardt, Sven, Susann und Dilbert: Wir sind alle im siebenten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren und haben alle noch in Baumwollwindeln... usw.

* * *
»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.« (Seite 7)

Wer da in das Loch auf dem Friedhof in Ohlsdorf heruntergelassen wurde, ist nicht klar, nur soviel, einer von sechs wird es schon gewesen sein. Wenn im Epilog diese Szene wiederholt wird, hat man schon einen leicht verschleierten Blick, denn während man meist lachen musste bei der Lektüre, hier ist die Geschichte so was von traurig, da darf man schon mal ein Tränchen verdrücken. Im Übrigen zeigt Piet Lehmann, der Erzähler ja des Öfteren, dass Mann auch mal heulen darf. Ohne heulen hätte er seine bessere Hälfte nicht, verraten, ob die nun Petra, Susann oder ganz anders heißt, wird hier nicht.

Sven ist der Erste, den Piet kennenlernt. Sozusagen im Laufstall. Bei einer Art Ghostbuster-Spiel kommt ein neuer Junge dazu. Petra. „‚Petra?‘, rief ich entsetzt. ‚Du bist´n Mädchen??‘ ‚Ja.‘ Petra funkelte mich wütend an. ‚Aber ich bin stärker als du!‘ Ich sagte lieber nichts mehr. Wahre Führer wissen, wann es klüger st, einen temporären Rückzug anzutreten.“ (Seite 23) Und dann trennen sich Svens Eltern, es wird dauern, bis die Leser den Grund dafür erfahren.

1966 gab es Schultüten. Und zu dem Trio stoßen der stille Bernhardt und der Rüpel Dilbert hinzu. Bernhardt sitzt neben Piet, Dilbert gehört auch in diese Klasse. Sven hat eine Banknachbarin namens Susann. Und um das mal richtig zu erklären, was den Unterschied von Petra und Susann ausmacht und warum sich neben ein Mädchen zu setzen eine große Dummheit ist, gebe ich mal folgende Erklärung. „Wenn Mädchen so waren wie Petra – permanent schmutzig, mit aufgeschlagenen Knien und einer Rauferei nie abgeneigt – , dann konnte man vielleicht mal eine Ausnahme machen, aber so ein richtiges Mädchen, eins mit Zöpfen, mit einem Kleid!“ (Seite 36)

Bernhard dagegen: „W-wollt ihr Sch-schokolade?“ – Ach, Bernhard. Der ist der Schlaukopf. Total belesen, Geografie-As würden wir sagen. Besitzer zweier Alkoholiker-Eltern. Stotternd, schüchtern, außer in dieser nun kompletten Clique, die auch in der Schule vollständig wird, nachdem Petra es geschafft hatte, von ihrer Mädchenschule zu fliegen. Piet, Sven, Petra, Bernhard, Susann und Dilbert.

Überspringen wir mal ein paar Jahre. 1972, da wird die Rasselbande zwölf. Petra hat den Dilbert des öfteren im Schwitzkasten und Piet hat Susann´s beginnende Brüste wohl zu lange angeschaut. Und „Susann bemerkte alles, was ich tat“.

„Ich lag also da, zwölf Jahre alt und dachte an Susanns Lippen und an ihre Minibrust... Und da war sie dann: Meine erste Erektion. Halleluja! Ohne dass es mir jemand erklärt hätte, fand ich sehr schnell heraus, wie man so eine Erektion wieder loswird.“ (Seite 71)

* * *
Überspringen wir erneut ein paar Jahre und auch die Phase, in der Dilbert meint: „So viele Weiber! So wenig Zeit!“ – Überspringen wir überhaupt den ganzen Rest, der nur spoilerhaft wirken würde und kommen wir mal zu einem Fazit:

Da lese ich nun einen „Wessi-Roman“ und finde mich doch wieder. Nicht unbedingt in Hamburg-Altona-Reeperbahn und LSD-WG, auch nicht an der Startbahn-West und in Brokdorf, als deren Vertreter besagter Piet seine kurzen Ausführungen dazu bringt. Ich will da mal was ganz Profanes erwähnen: Cat Stevens - Morning has brocken. Was verbindet Ost und West damit, wenn man zwischen 1960 und ein paar Jahren später geboren ist? Natürlich: Den Engtanz. Den in der Klassendisko. Näher kam man ja in einem bestimmten Alter an die Busen der Mädchen nicht heran. Aber jetzt gleite ich schon wieder zurück in die pubertären Erinnerungen. Dabei wird doch dieses Buch zunehmend ernst und nicht erst, als die Freunde (teilweise) Eltern werden.

Übrigens war es wohltuend, nichts, aber auch gar nichts zum Thema Ost/West zu lesen. Keine Tante, kein Onkel, keine Carepakete und Ostreisen. Ein einziges Mal die Erwähnung der Geschehnisse von 1989.

Für Anne Parden „war das wie eine Reise durch meine eigene Kindheit und mein Leben. Ereignisse, die ich längst verdrängt hatte, politische Bewegungen, besondere Augenblicke kamen wieder zum Vorschein, Gegenstände, Ausdrücke, Mode und Musik im Wechsel der Jahre - ein herrliches Wiedertreffen!“ wie sie in ihrer Rezension schrieb.

Oder auch ganz kurz bei Droemer-Knaur: „Frischt Kindheitserinnerungen auf, herrlich unpathetisch und unsentimental, und doch auf ganz eigene Art berührend. Tolles Buch!“

Geht mir genauso, auch wenn ich mir, ähnlich der nebenstehenden Jahrgangsbücher auch eine Ost-Variante der Kirschkernspuckerbande vorstellen könnte. Aber schade ist letztendlich nur, dass ich diesen denkwürdigen Roman einer denkwürdigen Gruppe fast Gleichaltriger nicht schon eher in die Hände bekam, denn Gernot Gricksch schrieb den bereits 2001.

Die eingangs erwähnte Fortsetzung, also „unsere“ heldenhaften Jahre, erschien „erst“ 2013. Nun ist die Geschichte schon etwas ernsthafter, darüber wird noch zu schreiben sein.

PS: Bei Droemer-Knaur steht, Gernot Gricksch ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren. Das war mir bisher ebenso wenig bekannt, wie seine beiden Romane über die Kirschkernspuckerbande. Aber das wird nicht so bleiben.

© KaratekaDD


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Tags: freundschaft, jugend, kindhei, kirschkernspucker, sechziger jahre   (5)
 

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weihnachtsgeschichte, drei weisen, morgenlan

Drei Kinder und ein Stern

Luise Rinser , Imke Sönnichsen
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Gabriel ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 03.10.2016
ISBN 9783522304542
Genre: Kinderbuch

Rezension:

... für Kinder schreiben, kommt in diesem Fall eine Weihnachtsgeschichte raus, die sich mal anders anhört obwohl Melchior, Balthasar und Kaspar nach dem kleinen Friedenskönig suchen und hierbei einem Stern folgen. Kennt man ja.
Allerdings sind es hier die Kinder der drei Weisen aus dem Morgenland. Der 12jährige Melchior ist ein Königssohn aus dem Zweistromland, Balthasar der Prinz von Syrien (spielt ja keine Rolle, dass es ein solches Reich damals nie gab) und Kaspar heist Kaspierina, das kohlrabenschwarze Mädchen ist die Tochter eines Gelehrten aus Alexandria. Sie folgen den Karawanen ihrer Väter, die sie nicht mitgenommen haben.
Gemeinsam bestehen sie eine Reihe Abenteuer bevor sie auf die Familie stoßem nach deren Kinde alle suchen, da in Palästina.

Was das Angenehme ist bei diesem Buch? Nirgends ist von irgendeinem Gott oder Gottes Sohn die Rede. Klar der Stern weißt ihnen den Weg und das Reich des neuen Königs ist nicht von dieser Welt. Das wird ihnen sinngemäß erklärt.

Es ist eine menschliche Geschichte, alt und neu zugleich.

Luise Rinser: Eigentlich wird sie als Schriftstellerin bezeichnet, schrieb viel philosophische und auch theologische Schriften und Bücher. Ich habe bereits ja "Mirjam" rezensiert. Sie schreibt irgendwie faszinierend, verständlich und hier eben sehr schön für Kinder. Für alle Kinder, egal welcher Konfession oder ohne, DIE GLEICHE GESCHICHTE. 


© KaratekaDD

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giebele, mobbing, schule, alltag, gymnasiu

GYMNASIUM

Susanne Giebeler
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei tredition, 07.03.2017
ISBN 9783734582158
Genre: Romane

Rezension:  
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buch, virginia, krimi, fbi, usa

Das Komplott

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Bea Reiter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2014
ISBN 9783453418028
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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verfahre, handschriftlic, testament, haushälterin, pla

Die Erbin

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Kristiana Dorn-Ruhl , Bea Reiter
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 03.03.2014
ISBN 9783837124804
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, vatikan, konklave, rom, papst

Konklave

Robert Harris , Wolfgang Müller
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 31.10.2016
ISBN 9783453270725
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wahlen bestimmen (mehr oder weniger) die Politik in einem Staat. In aller Regel dauert so eine Wahl für ein Parlament auch nur einen Tag, plus Auszählung der Stimmen ein wenig länger. Bei Staaten, deren Territorium sich über mehrere Zeitzonen erstreckt, kann es auch mehrere Tage dauern. Dann kommt es hier und da zu Überprüfungen der Wahlen bezüglich der korrekten Durchführung. Diverse Gerichte beschäftigen sich dann mit der möglichen Wiederholung. Außerdem gibt es unter den Staaten auch noch Diktaturen, in denen Wahlen von vorn herein fragwürdig erscheinen

Letztlich gibt es noch einen Staat, in dem ist alles anders. Dies ist der Vatikanstaat. Da kommt das „Wahlvolk“ aus allen Teilen der Welt in die Stadt am Tiber. Man könnte die Wahlteilnehmer auch Wahlmänner nennen. Diese Wahlmänner wurden nie gewählt, sie wählen kraft ihres Amtes ihr Oberhaupt. Das ist der Pontifex Maximus. Dessen Vor- oder auch Vorvorgänger hat die Wahlmänner mal in diese Funktion ernannt. Nach der Ernennung nennen sie sich Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalis. Die Kardinäle, nie mehr als 120, wählen manchmal tagelang das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Sie wählen geheim - denkt man. Außerdem werden sie eingeschlossen, damit sie von außerhalb nicht beeinflusst werden können. Aber schon zu Zeiten des Rodrigo Borgia, bekannt geworden als Papst Alexander VI. (1431 - 1503), gab es Mittel und Möglichkeiten, dieses Gebot zu umgehen. Rodrigo Kardinal Borgia kommunizierte mit einem Spiegel mit der Außenwelt um den „Kollegen“, die damals nur einfachste Speisen erhielten, mit einem Brathuhn etwas „Gutes“ zu tun: Im Brathuhn waren diverser geldwerte Versprechungen eingebacken.

Ein wenig davon scheint heute noch vorhanden zu sein, die Teilnehmer am KONKLAVE können im gleichnamigen Roman von Robert Harris die Fenster ihrer Unterkunft nicht öffnen. Jedoch hat der Kardinaldekan ein paar Helfer, die sowohl innerhalb als auch außerhalb wirken und so ganz sind die spekulativen Berichte der Medien doch nicht ohne Grundlage. Es ist die fiktive Beschreibung der möglicherweise nächsten Papstwahl

Kardinal Lomeli ist der Dekan des Kardinalkollegiums und als höchster Kardinalbischof primus inter pares. Lomeli wird eines Nachts an das Totenbett des Heiligen Vaters gerufen, einige der Kollegen sind schon da. Einmal Kardinal Bellini, Staatssekretär, der Camerlengo Kardinal Tremblay und Kardinal Adeyemi, oberster Beichtvater im Vatikan. Tremblay ist Kanadier, Adeyemi ist Nigerianer. Tremblay zerbricht den Fischerring: „Sede vakante!“ Es fehlt in dieser Runde noch Kardinal Tedesco, der Patriarch von Venedig. Alle fünf wären unter Umständen Anwärter auf den Bischofsitz in Rom. Lomeli wird das Konklave leiten müssen, eine mühsame Aufgabe. Kurz bevor die Türen geschlossen werden, erreicht ein unbekannter Priester den Vatikan. Keiner kennt den Erzbischof von Bagdad, Kardinal in pectore, ernannt vom Herzen des Heiligen Vaters her. Benítez ist Philippiner. Das Konklave kann beginnen...

Der Heilige Vater gleicht in seiner Beschreibung ein wenig (?) dem Papst Franziskus. Er hat auf die päpstliche Wohnung verzichtet, wie auch auf die roten Schuhe, seine Gewänder sind zwar weiß aber von schlichter Einfachheit. Er war umstritten und die gezeigte Armut wurde ihn schon mal als Hochmut ausgelegt. Nun ist er beerdigt. Und die Kardinäle fangen an zu wählen...

Hauptfigur ist der Kardinaldekan, der sich plötzlich mit Informationen versehen sieht, die die aussichtsreichsten Anwärter auf den Stuhl Petri diskreditieren. Er fühlt sich gezwungen, diese mit ihren Verfehlungen zu konfrontieren. Immer mehr Stimmen fallen auf ihn. Auch dieser unbekannte Kardinal bekommt einige... Am Ende steigt weißer Rauch auf und Lomelis Gebete scheinen gefruchtet zu haben: Er bleibt der Dekan des Kollegiums. Und doch: Ein Gespräch steht nun noch aus ...

* * *

Robert Harris führt uns in die Sixtinische Kapelle und in die Casa Santa Marta, das vatikanische Gästehaus. Der gesamte Roman handelt in und zwischen diesen beiden Orten. Er durfte mit Genehmigung des Vatikans vor Ort recherchieren. So werden die Bilder lebendig und authentisch.

Die Kurie, der Vatikan bilden seit Jahrzehnten den Stoff für Stories, Verschwörungen, Verbrechen. Warum starb Johannes Paul I. bereits nach 33 Tagen (1978) im Amt? Warum hing der Chef der Banco Ambrosiano 1982 an einer Londoner Brücke und was verband ihn mit der Vatikan Bank? Gegenstand ständiger Diskussionen ist die Rolle der Kirche und Pius XII. im Zweiten Weltkrieg und und und... Dieser Roman bedient derartige Verschwörungstheorien nicht. Er zeigt, dass die Diener Gottes vor allem eines sind: Menschen mit allen ihren Stärken und Schwächen. Die große Weltpolitik spielt gar keine Rolle, wobei allerdings das Konklave plötzlich darüber sprechen muss, wie es mit einer Reihe von Terroranschlägen in Rom und München umgehen soll. Wohl aber spielt eine Rolle, wie integer, wie unantastbar ein Oberhaupt der katholischen Kirche sein muss, etwas worüber die Medien in jeder Sedisvakanz hemmungslos spekulieren.

Ein interessanter Roman, der die aktuellen Probleme der römisch - katholischen Kirche betrachtet und bestimmte Eigenheiten und Eigenschaften des amtierenden Papstes hierbei mit einbezieht. Harris schildert die Mühen und die Intrigen und „gestaltet eine große Parabel über die Versuchung der Macht.“ Der Leser meint am Ende vermutlich, ja, so könnte das nächste Konklave ablaufen.

Die Macht ist schon sehr lange das Thema des Autors Robert Harris. Seine Romane über das Römische Reich oder über das Dritte Reich (siehe Vaterland) wie auch aktuellere Themen zeigen die Formen der Macht als „Treibstoff der Geschichte“. Das inst in diesem hier besprochenen Roman nicht anders. Die älteste noch nach alten Riten ausgeübte Wahl der Welt, 700 Jahre alt, geheim und mächtig, bildet den Stoff, aus dem solche fesselnden Romane entstehen. Hier wählen wenige alte Männer ein Kirchenoberhaupt, welches 1,2 Milliarden Menschen repräsentiert.

„Nach Harris ist Macht wie Plutonium und die ganze Menschheitsgeschichte besteht in dem Bemühen, diesen Sprengstoff unter Kontrolle zu behalten. Keiner darf zu viel davon haben und er muss in den richtigen Händen liegen.“

* * *

Schon immer mal wollte ich einen Robert Harris, der ursprünglich Journalist war, lesen. Sein Erfolg zeigt sich auch darin, dass Vaterland, sein erster Roman, es ihm ermöglichte, sich ein zu ständigen Schreiben inspirierendes, imposantes Grundstück zuzulegen.

Mit diesem Roman ist der Grundstein für weitere Lektüre unbedingt gelegt.


© KaratekaDD

http://litterae-artesque.blogspot.de/2017/01/harris-robert-konklave_48.html

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ruhrpot, bochu, potsdam, mord, dresden

Ruhrzaster

Uwe Wittenfeld
Flexibler Einband: 290 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 01.11.2016
ISBN 9783946686095
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Studienrat im Münsterland, geboren im „äußersten Zipfel Ostwestfalens, ein Ruhrpottstudent der Elektrotechnik und Spzialpädagogik hat das Schreiben für sich entdeckt und auch seine Gruppe von Helden entwickelt.

Bereits zum zweiten Mal sind Hugo, Jenny, Olga und Karl gemeinsam mit Erwin unterwegs, diesmal auf Spuren des Geldes, welches dem Finanzamt vorenthalten werden soll. Na eigentlich haben zwei IT-Sicherheitsexperten, Herbert und Sabine, Schutz gesucht, sie haben die Daten bei einer Züricher Bank abgezweigt und dies scheint jemandem nicht zu gefallen. Olga Paschke hat gerade erst angefangen als Privatdedektivin, sie arbeitet mit Erwin Bosetzky zusammen, einem Anwalt in Bochum, der sich seine Skrupel bewahrt hat, sie zog der Liebe wegen nach Bochum. Aus Bochum stammt auch Hugo, der mit der Dresdnerin Jenny liiert ist. Und immer wenn Hugo Koslowsky in die Szene tritt, erzählt er (Uwe Wittenfeld) selbst.

Wer macht noch so mit?

Olaf Müller, ein Schwarzfahrer, der mehr weiß als er sagt und stirbt. Hinzu kommt Magdalena Moneto, deren Nachname und Spitzname, die Eiskönigin, Programm ist. Aber sie ist lernfähig. Das Spielkind Klaus Kipowski gerät in ein tödliches Spiel, sein Tod wird im Havelgebiet sicherlich Legende werden. Eine unkonventionelle Staatsanwältin ist Susanne Vries, die keine Steuersünder mag. Dann gibt es noch den Stadtrat Meyers, der nicht nur seine Stadt mag, sondern auch zusätzliches Geld. Angeblich zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört Dr. Schulz. Allerdings stellt er in deren Namen allzu seltsame Fragen, so dumm sind eigentlich nicht mal Geheimdienstmitarbeiter. Ebenfalls korrupt ist ein Dieter Kreimeier, dessen Leben auch nicht lange dauern wird. Gleichermaßen auf Zuverdienst erpicht ist ein Holger Schibulsky. Ein Jannick Gustavson ist der Oberschurke und dann kommen da noch so einige hinzu. Zum Beispiel ist einer aus dem Gefängnis entlassen wurden, den Jenny, Hugo, Karl und Erwin einst hineingebracht haben. Das war das Ergebnis von Mauerzwillingen, den ersten Roman Wittenfelds. Der sucht nun nach Sabine und Herbert.

Alles in allem also ziemlich verzwickt und wenn nicht ein Baum durch einen Sturmentwurzelt worden wäre, dann hätte diese Eiskönigin nie eine Privatdedektivin gebraucht.

 

* * *

Bereits in Mauerzwillinge arbeitete der Autor mit verblüffenden Zeitsprüngen und Rückblenden. Hier nun waren diese sogar noch undurchsichtiger.  Der Leser ahnt eigentlich auch nur, wer da nun die Mordaufträge erteilt hat, kann aber nicht unbedingt nachvollziehen, wer denn die Aufträge tatsächlich übernommen hat. Das ist ein kleines Manko, welches ich anmerken möchte.

Dem Autor wurde auf der Buchmesse SCHRIFTGUT in Dresden von diversen Besuchern vorgehalten, er könne ja als Nichtdresdner gar kein Dresdenbuch schreiben. Oh doch, er kann. Und er kenn tsich in Dresden wie in Leipzig und in der Gegend um Potsdam auch gut aus. Dass ihm diese Orte gefallen, das erzählte er mir bei unserer Begegnung vor einigen Wochen. Uwe Wittenfeld hat auch Spaß daran diese Orte mit seiner Heimat, dem Ruhrgebiet zu verknüpfen, was hoffentlich Appetit auf „gegenseitige“ Besuche macht.

Möge Uwe Wittenfeld mal wieder in den Koslowsky-Modus geraten.

 

► DNB / swb-media-publishing / Waiblingen 2016 / ISBN: 978-3-946686-09-5 / 278 S.

© KaratekaDD

 

 

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italien, politiker, polize, komplott, palio

Der Palio des toten Politikers

Kerstin Groeper , Giuseppe Bruno
Flexibler Einband: 265 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 10.11.2016
ISBN 9783941485518
Genre: Romane

Rezension:

Was macht ein indianischer Traumfänger auf dem Deckel eines Buches, auf dem (vermutlich) ein Italiener und ansonsten ein paar mittelalterlich gekleidete Trommler und sbandieratori „Fahnenschwinger – eher Tänzer) zu sehen sind?

Ist er noch geheim, wenn der Mitautor am Ende des Krimis aus der Toskana-Stadt Siena al „geheimer Informant der Nobile Contrada dell´ Aquila“ bezeichent wird?

Und wie kommt eine deutsche Autorin, die doch eher mit Romanen über die indianischen Völker Nordamerikas bekannt geworden ist, dazu, ebenfalls zu den Nobili, den Edelleuten des Stadtteiles Aquila in Siena, zu zählen?

Und überhaupt, warum habe ich einen Roman gelesen, den ich nie im Leben selber aus einem Buchregal gezogen hätte?

Fragen…

* * *

Fangen wir einmal an, diese zu beantworten.

DER PALIO DES TOTEN POLITIKERS – Der Titel wird sich als ein gewisser Irrtum herausstellen, denn der PALIO, zweimal jährlich in Siena ausgetragen, hat mit dem toten Angehörigen einer deutschen Delegation nur gemein, dass der Mord während des Volkfestes ausgetragen wird. Ansonsten ist Commissario Luca Marchetti absolut nicht einverstanden, dass ihm dieser (sein erster) Fall während der Vorbereitung auf wohl eines der verrücktesten Pferderennens der Welt aufgedrückt wird. Immerhin hat er in der Contrada dell´ Aquila eine nicht unwesentliche Rolle übernommen.

Überhaupt: COMMISSARIO MARCHETTIS ERSTER FALL lautet der Untertitel und der Blogger liest ganz sicherlich keine BRUNETTI – Kopien.[1] Und sein erster Fall ist es sowieso nicht. Allerdings ist es der erste seiner Fälle, der in einem Roman präsentiert wird. Von einer Münchnerin – von Kerstin GROEPER.

Zurück zur Handlung:

MARCHETTI rennt also immer hin[2] und her zwischen den CONTRADIOLOS und der QUESTURA (Polizeipräsidium), dem Tatort und überhaupt durch eine Stadt im Ausnahmezustand. Und nun kommt auch noch dieser TEDESCO dazu, der ihn unterstützen soll. Ein riesiger Hauptkommissar aus München. Das hat ihm noch gefehlt. Zum Glück wird sich der als kompetenter und liebenswürdiger Zeitgenosse erweisen, welcher stellvertretend für die adlige Kerstin GROEPER die Stirn runzeln darf, zum Beispiel die Sicherheitsvorkehrungen eines Pferderennens durch die Innenstadt betreffend. Kerstin Groeper darf ja nicht meckern, sie muss (samt ihrer Familie) die CONTRADA mit dem Doppeladler als Symbol unterstützen.

Gemeinsam fangen sie an zu ermitteln und kommen einem ziemlich großem „bilateralem“ Korruptionsskandal auf die Spur, die zuerst allerdings ins Rotlichtmilieu führt, denn der Tote mag es, im zugeführte Damen schwer zu verprügeln. Aber warum findet man die dazu verwendete Reitgerte mit offensichtlichen Spuren? Und warum hat man den Toten so in einer Mülltonne abgeladen, dass er auf jeden Fall gefunden werden muss?[3]

Und im Ende hat der Roman doch eine gewisse Ähnlichkeit mit einigen der BRUNETTI – Geschichten, aber das liegt nicht an Kerstin Groeper, das liegt an Italien und so wie sie schreibt, kennt sie sich damit aus. Die Szene, in der sich Marchetti mit einem Carabinieri anlegt, weil die ihn einer Kontrolle unterziehen wollen und das Ganze beim Rotwein endet, ist bezeichnend. A propos Rotwein: Vor allem kennt sich die Autorin mit der Seneser Küche aus. Da läuft einem beim Lesen das Wasser genauso im Mund zusammen, wie es einem in der beschriebenen Sommerhitze vom Scheitel rinnt.

Genug verraten.

 

* * *

Wie kam ich nun zu diesem Buch? Kerstin Groeper drückte es mit während der Dresdner Schriftgut in die Hand. Ich verbarg meine bereits erwähnte Skepsis ob des Titels nicht. Aber nun bin ich wirklich begeistert, denn ein Roman zwischen Mord und Volksfest dieser Art kam mir noch nicht unter die Finger. Aber wenn man wie sie dort im Sommer seit 20 Jahren förmlich beheimatet ist und der Sohn sogar ein sbandieratore, dann hat man das Flair schon verinnerlicht. Man muss nur noch schreiben können. So wie Kerstin Groeper zum Beispiel.

Übrigens: Die gefährlichsten Szenen entstehen durch das Pferderennen (Bilder) polizeilich ist da nicht „viel los“. Mit einem Schmunzeln liest man vom Umgang italienischer Polizisten untereinander.

Die Spannung fällt nach dem Palio etwas ab. Persönlich kommt mir der Roman so dicht und abgeschlossen vor, dass ich mir einen zweiten Fall gar nicht so richtig vorstellen kann. Wir werden also sehen.

 

© KaratekaDD

 

 

 


[1] In Anspielung auf die nunmehr fünfundzwanzigbändige Reihe der in Venedig lebenden Amerikanerin Donna Leon, die im Untertitel heißt: COMMISSARIO Brunettis 25. FALL

[2] Er ist Chef der squadra mobili – einer mobilen Kriminalpolizeienheit und Commissario, vermutlich eher Commissario Capo – also Erster Polizeihauptkommissar

[3] Einen Zusammenhang mit dem Palio gibt es aber eher nicht, dazu hätte die „Täterschaft“ wissen müssen, dass der ermittelnde Commissario Seneser durch und durch ist

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Mauerzwillinge

Uwe Wittenfeld
Flexibler Einband: 239 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag, 01.06.2014
ISBN 9783845911830
Genre: Krimi und Thriller

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warnemünde, harald martenstein, satirische utopie, politiker, ddr-geschichte

Schwarzes Gold aus Warnemünde

Harald Martenstein , Tom Peuckert
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632827
Genre: Romane

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francis drake, pirat, england, mac p. lorne, historischer roman

Der Pirat

Mac P. Lorne
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426517482
Genre: Historische Romane

Rezension:

Abenteuer! Piraten!  Francis Drake! 

Irgendwann in der Kinder- und Teenagerzeit gab es mal eine Fernsehserie. Francis Drake, ausgerüstet mit einem Kaperbrief der englischen Königin segelt furchtlos über die Meere. Unzählig vermutlich die Bücher, die ihn mindestens erwähnen. Die Abenteuer des Jan Kuna – genannt Marten. Das war auch so ein Abenteuerbuch. Geschrieben von dem Polen Janusz Meissner. Dem polnischen Piraten begegnet die Golden Hind, das Schiff des Engländers. Marten hilft dem Engländer aus einer Bedrängnis gegen spanische und portugiesische Karavellen. Das Buch, ich habe gerade nachgesehen, stammt aus dem Militärverlag der DDR. Und Jan Kuna, genannt Marten, wird es am Ende gehen wie Klaus Störtebeker.

Ungefährlich war es nicht, das Leben auf See im 16. Jahrhundert. Auch dem zum Sir erhobenen Francis Drake wird der Tod in Form von schwerer Krankheit auf See ereilen.


Ich glaube eher nicht, dass ich zum Buch Der Pirat von Marc P. Lorne gegriffen hätte. Aber da hat so ein bekannter Blogger von geschwärmt. Er erwähnte dummerweise das Buch Der Meister des siebten Siegels von Johannes K. Soyener und Wolfram zu Mondfeld. Da wurde ich hellhörig. Wie war das doch gleich? Das Geheimnis Löfflerscher Bronzekanonen bringt dem Königreich der angeblich jungfräulichen Königin den militärischen Vorteil gegenüber dem Reich ihres Schwagers Philipp. Die sieben Siegel öffnet ein entfernter Verwandter des Gießereibesitzers Löffler und flieht mit diesem Wissen um die Welt um dann in England auf Matthew Baker und Francis Drake zu stoßen, denn die Kanonen brauchen auch innovative Schiffe. Und Baker kann das. Da kommt ihm der Adam Dryling gerade recht. Aber war es der Dreyling? Adam Dryling hatte wirklich familiäre Verbindung zum besten Geschützgießer dieser Zeit in Schwaz. Und ein Hans Dreyling der Ältere († 1573) war ein Bergbaufachman aus Böhmen mit politischen Kontakten, der etwa 1530 nach Schwaz (Tirol) kam. [1]
 

Der Roman von Soyener und Mondfeld scheint gut recherchiert zu sein. Auf jeden Fall hat man sich, wohl auf Grund des Romans sehr um Adam Dreyling „gekümmert“ – Auch eine Dokumentation kann man dazu ansehen. [2]

Oder war es ein Jude namens Joachim Gans? Ein Bergbauexperte aus Prag? Konnte ein Jude im 16. Jahrhundert solches Wissen erlangen? Keine Ahnung. Außerdem widersprechen sich die Autoren. In der deutschen Wikipedia ist Gans zwar als vermutlich erster Jude in Amerika aufgeführt (mit Sir Walther Raleigh nach Virginia) Nun glaube ich allerdings nicht, dass ein jüdischer Meister ausgerechnet im habsburgischen Reich bei dem berühmten Gregor Löffler dessen Gießergeheimnisse erlangen konnte.

Seltsam, dass Mac P. Lorne nun die Dryling-Geschichte direkt ablehnend erwähnt. Lorne hat nun im sehr informativen Nachwort erklärt, dass nur die Rückholung des Gans aus Amerika durch Drake nachgewiesen ist, trotzdem bedient er sich der abenteuerlichen Geschichte um die Fahrt nach Venedig im Auftrag eines gewissen Sir Francis Walsingham.

Nun, es geht ja aber gar nicht um den Schwazer Adam Dryling, es geht ja um den von Elisabeth I. zum Sir erhobenen Francis Drake. Schließlich handelt der Roman von ihm. Maßgeblich zum späteren Erfolg trugen sicherlich die Schiffe Matthew Bakers bei, auch die Änderung und Vereinheitlichung der Schiffsartillerie waren Grundlage dafür. Jedoch aber erwarb sich der älteste Sohn eines Bauern und Pastoren in früheren Jahren die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihn dann berühmt machten. Letztlich wurde er bekannt durch die Aufbringung einer Reihe von portugiesischen und spanischen „Schatzschiffen“, die aus der Neuen Welt nach Europa zurückwollten. Die Freibeuterei hätte ihn auch den Kopf kosten können, hätte sich Elisabeths langjähriger Berater Lord Burghley durchgesetzt – immer in Angst, die Übermacht der Spanier würde zur Invasion Englands führen.


Doch vor dem Erfolg kommt der Schweiß. Und so macht uns der Autor im Prolog mit dem jugendlichem Francis Drake bekannt, der an Europas Küsten lernt zu schmuggeln. Sodann allerdings kommt er von großer Fahrt zurück, während der er einen der adeligen Begleiter hat hinrichten lassen, wegen Insubordination. Nun, im Roman kann man dann schon mal behaupten, dass der Delinquent sich des Kapitäns angetrauter Ehefrau unziemlich genähert habe. Der Karriere Drakes tut dies keinen Abbruch, schließlich hat er noch seine große Mission zu erfüllen, die Große Armada an der Invasion Englands zu hindern.

* * *
Mich nervt es, wenn ein historischer Roman nicht einfach nachzuvollziehen ist. Ich weiß, dies ist eigentlich unsinnig. Lorne hat ja kein historisches Sachbuch oder eine Biografie seines Helden nieder geschrieben. Aber ich muss auch sagen, dass es schon spannend war und ein Genuss, hinter den Bau der neuen Flotte, maßgeblich vom Roman (und historischen) Helden beeinflusst. Eine Reihe Romane aus dieser Zeit, die ich bereits las, erzählen von den handelnden Personen, trotzdem war auch dieser hier ein gutes Ding. Hat mir sehr gefallen.

                                                               * * *

Abenteuerlich auch das Leben des Autors. Er hat eben nicht Geschichte, sondern Veterinärmedizin studiert. Er floh 1988 in die Bundesrepublik. Mit Das Herz des Löwen (2011) schrieb er sein erstes Buch (Trilogie) um Robin von Loxley und Richard Löwenherz. (Wenn man so will die "Vorgeschichte" zum Film mit Kevin Kostner.


► DNB / Droemer Knaur /  ISBN: 978-3-426-51748-2 / 656 S.

Mit weiteren Beiträgen und Links unter

http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/lorne-mac-p-der-pirat.html

© KaratekaDD

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dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon einmal hat der Dresdner Frank Goldammer seine Heimatstadt als zerstörte Stadt beschrieben. Während aber FELDWEBEL sich durch ein (fast) menschenleere Stadt bewegte, und der Blogger hier den Weg ohne Stadtplan mitverfolgte, atemlos, stellt er nun fest, atemlos ist etwas Anderes. FELDWEBEL war Science Fiction, war Fantasy, ein Genre, was Frank gern bediente…

 

„Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt?

Der erste Fall für Kriminalinspektor Max Heller.“

 

DER ANGSTMANN. Ich gebe zu, da war ein klein wenig Skepsis. Was habe ich hier in den Händen? Wirklich „nur“ einen Kriminalroman, oder ist da noch etwas, etwas, das nicht von dieser Welt ist, vorhanden? Wer oder was mordet sich da durch das von Flüchtlingen überfüllte Dresden Ende 1944, Anfang 1945?

Wer mich kennt, weiß, dass ich dem fantastischen Genre nicht übermäßig zugeneigt bin. Dem schreibendem Maler- und Lackiermeister schon.

Wenige Seiten nach Beginn hatte ich die Befürchtung vergessen. Sie kam kurz wieder, verschwand aber auch schnell.

Max Heller, Soldat des 1. Weltkrieges, nun Kriminalist in Dresden: Kriminalinspektor. Verheiratet. Zwei Söhne im Krieg. Leben sie noch? Parteilos. Organisationslos. Ein Ausnahmefall, weil die Kriminalpolizei doch in der Hand der sogenannte Schutzstaffel stand. Schwarz uniformiert sein Chef. Dienstgrad Obersturmbannführer.

Heller scheint ein guter Ermittler zu sein. Vorsichtig. Überlegend. Gerufen zu einem grausigen Mord an einer Frau, weitere werden folgen. Besonders extrem einer, bei der das Opfer, dem die Organe förmlich freigelegt wurden, noch lebt… Langsam kommt er auf die Spur des ANGSTMANNES. So wird eine unheimliche Erscheinung von den Dresdnern genannt. Immer wieder wird Heller behindert von Klepp, dem Chef. Abkommandiert an den Stadtrand zur Koordinierung der Flüchtlingsströme aus dem Osten:

„Als er das erste Mal hier im Flüchtlingslager war, war er entsetzt, was für ein Anblick sich ihm bot. Wie aus einer anderen Welt wirkten die Menschen, heimatlos, gejagt, desillusioniert, dreckig, auf die niedersten Instinkte reduziert, ihre Notdurft da verrichtend, wo sie gerade standen, immer vorangetrieben von dumpfer Angst und der Hoffnung, ein großes Übel gegen ein kleineres tauschen zu können.

Und doch waren auch das Landsleute von ihnen, Deutsche, die Frauen mit ihren Kopftüchern genau wie die Männer in Fellstiefeln, zahnlos, halb verhungert, stumpf im Gesicht, ausdruckslos. Vor ihren Wagen hatten sie Klepper gespannt, die nur noch nicht wussten, dass sie tot waren, sonst wären sie auf der Stelle umgefallen.“ (Seite 49)

Fernsehbilder von irgendwo auf der Welt von heute, verlegt an den Stadtrand von Elbflorenz. Noch hat Max Heller einen Ausweg, es ist erst der 18. Dezember 1944.

„Jeden Abend verließ er diese Welt, um zurückzukehren in ein warmes Heim, mit einer warmen Mahlzeit. Tag für Tag mit einem schlimmeren Gefühl der Hoffnungslosigkeit, denn der Strom der Menschen riss nicht ab. Waren ein paar hundert abgefertigt und zu ihrem neuen Bestimmungsort losgeschickt, so kamen hunderte, tausende neue Flüchtlinge nach. Ihre Sprache wurde fremder und der Wille der Einheimischen, sie aufzunehmen, sie als Landsleute anzuerkennen, wurde schwächer und schwächer, denn sie waren Konkurrenten um die wenigen Lebensmittel, um den Wohnraum, um die Kleidung. Die Angst, selbst nicht genug zu bekommen, wurde dafür stärker…“ (Seite 50)

Plötzlich soll er nachts auf Streife gehen. Die Luftschutzalarme berühren kaum. Bis jetzt flogen die Bomberverbände immer vorüber. Der ANGSTMANN macht auch dem Klepp zu schaffen.

Da kristallisiert sich ein Tatverdächtiger heraus. Heller schießt, doch er kann entkommen. Es ist der 13. Februar 1945 und die hier folgenden Seiten sind von einer Eindringlichkeit, dass es einem sprachlos macht. Der Feuersturm, reduziert auf eine Person, auf Max Heller und wenige Begegnungen mit anderen Menschen, die Orientierungslosigkeit, die Hitze, das Gedröhn der Bomber… Heller findet zu seiner Frau, die kurz davor war, sich in ein Feuer zu stürzen, wie sie später erzählt.

Nie las ich so von dieser Bombennacht.

Doch die Angst vorm ANGSTMANN, die ist noch nicht vorbei. So endet der erste Teil.

 

* * *

16. Mai 1945. Der Krieg ist vorbei. Und der ehemalige Polizist ermittelt weiter. Ohne die Rote Armee geht nichts in der Stadt. Krach, Lärm, Schüsse, betrunkene Soldaten, Flüchtlinge, Vergewaltigungen, Verhaftungen aber auch Lebensmittel und der Aufbau einer Art Verwaltung, das bringt die Rote Armee. Anerkennung erwirbt er nach und nach von einem jungen sowjetischen Kommissar.

Er kommt dem Mörder näher, gemeinsam mit Alexej Saizev. Gleich wird er ihn haben den ANGSTMANN, er weiß schon, wer er ist. Und doch: Ist er auch der Mörder der Frauen?

 

* * *

DER ANGSTMANN ist der erste Roman um einen Kriminalisten, der im Leben steht. Zwei Kriege. Zerstörung, Wiederaufbau. Vier verschiedene Deutschland.  Sein einziger Knacks das Trauma einer Verschüttung im ersten großen Krieg. Ein aufrechter, ein sehr ehrlicher Mann. Ein Charakter, den die Krimilandschaft schon lange nicht mehr hervorgebracht hat.

 

„Sind sie ein Nazi? Oder sind sie jetzt Kommunist?“ – „Ich bin Max Heller.“

 

* * *

Frank Goldammer ist angekommen. Nun erobert er sich die großen Verlage. Wir wünschen es ihm. Er hat es sich schreibend erarbeitet. Mit bereits vielen Büchern. Den Max Heller empfehle ich meiner und eurer Beobachtung. Frank wird mir, so wir uns im November auf der SCHRIFTGUT sehen hoffentlich viele Fragen beantworten.

© KaratekaDD

auch unter http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/goldammer-frank-der-angstmann.html

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krimi, havel, berlin, toni sanftleben, potsdam

Kalte Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783740800017
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... mit mir und diesem Roman.

Das richtige Buch für mich (?). Nicht einfach ein Krimi. Eine runde Geschichte als Fortsetzung des ersten Falls des Toni Sanftleben, Urgroßenkel (?) des Otto von Sanftleben, Kriminologe an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Kriminalist ist nicht Tonis Traumberuf gewesen. In DUNKLE HAVEL arbeitet er als Teamleiter in der Mordkommission und sucht nach seiner verschollenen Frau. Seit sechszehn Jahren nun schon. Nachdem er sie gefunden hat, lässt er sich erst mal beurlauben.

Nach siebzehn weiteren Monaten steigt er wieder ein. Eine Staatsanwältin hat arrangiert, dass der beurlaubte trockene Alkoholiker unmittelbar wieder einsteigen kann, denn sie nimmt an, dass ihr Sohn, der sechzehn Jahre alte Alexander entführt wurde. Dessen Freund Hendrik ist tot und mit diesem, leicht durchgeknallten, autonomen Ideen nachhängenden Sohn reicher Eltern war Alexander zuletzt zusammen.

Die Tatorte: Die Beelitzer Heilstätten, das olympische Dorf von 1936, die Havel. Akribisch hat Tim Pieper wieder heimatliche Landschaft und Gegend aufgeklärt und liebevoll die handelnden Personen hineinversetzt. Die Figuren sind wirklich sehr unterschiedlich, aber wirklichen Zugang fand ich zu kaum einer. Hendrik und seine Eltern waren mir ziemlich schnell ziemlich egal, Alexander hat auch gleich noch einen unmöglichen Juraprofessor als Vater, seine pubertären Schwierigkeiten nach der Trennung der Eltern zwar verständlich, aber anderseits wundert es mich schon, denn die Handlungen des Vaters, der die Ermittlungen bzw. die Suche nach seinem Sohn kaum unterstützt, lassen doch nicht vermuten, dass er seinen Sohn in erster Ehe verständnisvoller behandelt hat.

Am meisten interessierte mich da das Schicksal von Toni und Sofie. Sechszehn Jahre war sie verschollen, lag lange infolge eines Autounfalls im Koma nun pflegt ihr Mann sie, die noch ziemlich schwach ist. Erschrocken über möglich Handlungsmuster, die sich wiederholen könnten, fieberte ich hier am meisten mit und verstand dann doch die Frau, die sich in eine Welt „Jahre danach“ versetzt sieht und einem Mann, den sie zwar liebt, aber dessen Entwicklung sie nie mittragen konnte. Was wird aus diesen beiden?

Tim Pieper hat hier auf jeden Fall die Grundlage für einen weiteren Roman gelegt, der dann zwangläufig in meinem Regal landen wird. Das hat gar nichts damit zu tun, dass ich mir den Otto Sanftleben eher wünschen würde.

Schon längere Zeit hege ich den Wunsch, die Beelitzer Heilstätten mit der Fotoknipse zu besuchen und den Baumwipfelpfad zu bewältigen. Es macht wie immer Spaß, den Dingen während und nach dem Lesen auf den Grund zu gehen. Das wird mich noch eine Weile beschäftigen. Ein Besuch ist noch nicht festgelegt, wird aber stattfinden.

Und doch, diesmal riss mich der Roman nicht vom Hocker, was mir leidtut. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich das Gefühl hatte, die Polizeidienststelle, die Kollegen, der Chef alles irgendwie nicht so wirklich. Gibt es zwar alles, aber das war es eben auch. Chef doof, Staatsanwältin bringt den Polizeipräsidenten dazu, den Ermittler sofort und plötzlich in eine leitende Funktion einzusetzen – aber bei meinem Beruf stehe ich Roman- und Filmbullen skeptisch gegenüber. Bei DUNKLE HAVEL war das nicht so der Fall. Mir sind auch solche Typen suspekt: Abitur gut, Studium angefangen, Alle Anlagen da und dann solche unmögliches Verhalten und Ansichten, wie bei Paule und Hendrik. Wer zum Teufel hat die zum Studium zugelassen? So etwas regt mich auf, in diesem Fall waren mir die Typen relativ egal.

Tim Pieper hat alles richtiggemacht. Diesmal leider nicht für mich.

KaratekaDD

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nostradamus, vatikan, rom, abenteuer, thriller

Der Nostradamus-Coup

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404174256
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bücherraupe schaut da mal etwas betrübt auf die Flieger eines gewissen John Finch, der hier in diesem Blog bereits mehrfach eine Rolle spielte. Das schicke Wasserflugzeug ging ja leider in HEISS zu Bruch, bekannt war das Teil durch DIE UNENTBEHRLICHEN geworden, da flog das Ding ein "italienischer Hengst." John Finch aber ist ein Vollblutflieger, der diese Leidenschaft von seiem Vater hat. Seit dem flog er alles: Waffen, Spione, Sklaven, Drogen (?) von überallher und überallhin. Meist auf der Seite der Guten, wobei fraglich ist, auf welcher Seite er sich im Faklandkrieg befand, die Rolle Englands hierbei soll aber nun erst einmal nicht Thema sein. Allerdings wird klar, warum der Kerl auch mit Militärmaschinen klar kommt

Aber die DC-3 ist ja auch ganz schön, unser Abenteurer kauft sich so ein Teil auf einem in einer westlichen Ecke Lybiens liegenden Flugplatz. Dass er dabei unfreiwillig Passagiere mitnehmen muss, behagt ihm gar nicht, einen davon entsorgt er nach gefährlichem Flugmanöver, welches selbst seine coole Copilotin nicht so gelassen hinnehmen kann wie sie tut, infolge Genickbruchs durch Hinauswurf. Passagier 2 landet bei tunesischen Sicherheitsbehörden und spielt dann keine Rolle mehr, der Typ hieß Gaddafi. Aha.

Passagier 1 hatte allerdings ein Notizbuch und in Folge dessen geht es um einen gewissen Michel de Nostradamé, bekannt als Nostradamus und seine Prophezeihungen. Dieses Notizbuch wechselt mehrfach die Besitzer, dank moderner Elektronik kann man sich auch ohne dieses mit dem Inhalt beschäftigen. Das dieses geschieht, dafür sorgt ein anderer Typ in Old England, Anne hatte in einer ihrer Rezensionen bereits das Erkennungszeichen in dessen Vorgarten aufgeklärt.

Der Autor meinte auch in diesem Buch, dass er seine Leserinnen und Leser in verschiedene Zeitebenen führen muss, eine davon ist 1939. In diesem Jahr sucht eine Gruppe des sogenannten Ahnenerbes e.V. nach einem Schatz. Kenner wissen, da steckt der Reichsführer SS dahinter, man sucht nach verschollenen Dokumenten im Zusammenhang mit einem bekannte Spruch: ET IN ARCADIA EGO. Der Blogger hier bekam fast einen Herzkasper, denn seinerzeits hatte er es mit dem heiligen Gral und über diesem kam man ziemlich oft mit den Gemälden eines Nicolas Poussin in Berührung. Himmel dachte er, wo führt das hin? Himmler war doch auch immer scharf auf den Gral, und dass dieser mit dem Schatz der RITTER ZUM HEILIGEN GRAB, den Tempelrittern zusammenhängt, weiß inzwischen ja auch jeder, den diese teilweise gewaltigen Lügengeschichten faszinierten. Aber Gerd Schilddorfer schloss dann die Prieure de Sion schon mal aus. GOTT SEIS GEDANKT.

Jedenfalls spielen noch mit, ein Graf von Falkenstein, der sich als Kaiser Joseph II entpuppt, ein Fürst von Ligne, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ebenfalls ziemlich bekannt, ein Kunstdieb der Kategorie Robin Hood, die Graue Eminenz und Chef des vatikanischen Geheimdienstes, die amtierende Chefin der Loge P4, welche mit ihrer wenig erfolgreichen Leibwächterin schläft, ein Paar computerbesessene mönchische Zwillinge,  Professoren und Professorinnen, von denen mehrere durch Gewaltanwendung zu verschiedenen Zeiten ihr Leben lassen, ein Pabst incognito, ein Papagai, zwei Tempelritter und ein ehemaliger Gamnasiallehrer, welcher eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird, was er allerdings nicht wissen kann. Und der, der im British Empire immer noch die Fäden, die Geheimdienstfäden, zieht. Wie schon in FALSCH und in HEISS. Den IS darf man auch nicht vergessen, der mordet sich auch durch diese Länder, allerdings bleiben die Typen namentlich anonym.

Das Ganze spielt sich in England, Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten und Lybien ab. Ach ja und es endet in Belgien auf überraschende Weise, wobei der Autor dem geneigten Leserkreis unterschlägt, was denn da nun am Ende im Vatican und im British Museum eingelagert wird.  Daher bin ich so dumm wie zu der Zeit, als ich mit DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN erstmals mit solchen Geschichten in Berührung kam.

Ursache dafür ist wohl auch, dass die beiden Typen Finch und Lewellyn gerade mit einem LYNX AH-7 unterwegs sind und ein Attentat verhindern müssen. Man muss schon Finch heißen und den Gartenzwergtyp in der Hinterhand haben, um dieses auch nicht mehr ganz so junge Fluggerät auf einer amerikanischen Äir Base von einer sommersprossigen First Lieutenant zu erhalten.

* * *
Zu was führt die Lektüre von Gerd Schilddorfer? Sie führt zum Beispiel zu Whisky. Zu besonders torfigem. Und Gerd ist nicht unschuldig daran, dass ich seit einigen Monaten einen Schrankkoffer besitze, der mit solchen Dingen gefüllt ist. Schuld daran ist eine Szene aus FALSCH, in der besagter Finch in einer Bar im brasilianischen Urwald sitzt und torfigen Laporaigh schlürft. Gerade schlürf ich einen Talisker, der ist aber nicht ganz so torfig, oder doch?. Oder der Autor hatte noch eine andere Sorte parat. Ich merke, dieses Thema lenkt ab.

Zum anderen führt Gerd Schilddorfer meist zu einer Leserunde, welche wesentlich länger andauert als die Lektüre. Mal sehen, ob das nach HEISS mit NOSTRADAMUS auch so wird.

Jedenfalls zeigt Gerd Schilddorfer wiederholt, dass er viele Leser in seinen Bann ziehen kann. In einer literarischen Mischung aus Indiana Jones, The Extendables, James Bond und anderen führt er seine Leserschaft in viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten, aus der Gegenwart in die Geschichte und wieder zurück. Nach jedem Kapitel lässt er Verwirrte zurück, deren Sinnen  nach einem Whisky und nach weiterschmökern steht. Es kommt dem Österreicher zu Gute, dass er eigentlich Journalist ist, dabei hat er vermutlich das Recherchieren gelernt, die Art und Weise Fäden zu spinnen, auseinander- und wieder zusammenzuführen scheint mit besonders schätzenswertes Talent zu sein. Einen Beweis gibt es hier.



Er hat versprochen, dass die alten Säcke Major Lewellyn und John Finch noch eine Weile weitermachen. Ich aber lege jetzt eine Pause ein und träume davon in Rom in einer Pizzeria mit den beiden, einem Kardinal und dem amtierenden Pabst eine solche zu verspeisen, höchst geheim natürlich, und höchstens unterbrochen von einem Papagei namens Sparrow.

 * * *
Was tut es da noch, dass ich hoffe, dass Gerd im nächsten "Finch" auf (mir) unbekanntem Terrain stöbern wird? Es, das Thema,  kann ja meinetwegen "archäologisch" sein, oder so etwas Interessantes wie die  KALASHA in Pakistan aufwerfen, die waren mir vollkommen unbekannt, aber keine Templer und ähnliches bitte. Davon werde ich immer noch und immer wieder neu infiziert.

* * *  

Gerd Schilddorfer
wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist. (siehe Verlag) - Das Angebot mit ihm mal Wien zu durchstreifen werde ich unbedingt verwirklichen. Vielleicht vor, vielleicht nach dem nächsten Finch.
Es grüßt alle Fans und in die Leserunde

DNB / Bastei Lübbe / München 2016 / ISBN: 978-3-404-17425-6 / 796 S.

Hier geht es zur bebilderten Version

der KaratekaDD

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Tags: abenteuerroman, admont, is, loge p4, nostradamu, rom, templerorden, vatikan, wien   (9)
 
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