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israel, naher osten, palästina, staatsbiografie

Israel

Andrea Treuenfeld
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 26.03.2018
ISBN 9783579087115
Genre: Sachbücher

Rezension:

Gibt es noch einen Staat, bei dessen Gründung alle Nachbarstaaten ihre Armeen sofort in einen Landstrich, ungefähr so groß wie Hessen einmarschieren ließen? Wie haben dass diese Israelis überlebt? 
Dies ist nur eine Frage, der man auf den Grund gehen kann, liest man dieses Buch. 

Was ist das: Aalyiah?  Was ist das für ein Staat, den man als die einzige, westlich geprägte Demokratie im Nahen Osten bezeichnet? Wer prägte ihn? Was sind seine Wahrzeichen? Wer seine Gegner? Wo sind Friedensnobelpreisträger oft Generale gewesen? Oder wie wird ein ehemaliger Terrorist Ministerpräsident und dann auch noch Friedensnobelpreisträger?

Andrea von Treuenfeld hat ein Buch geschrieben, das zum stöbern einlädt, man muss es nicht, man kann es aber auch von von bis hinten lesen. Vieles erkennt der Leser wieder, der sich mit der Materie schon beschäftigt, in das Land gereist ist.  Den "Neuling" können die vielen Infos allerorten fast erschlagen. Nicht so, dieses Buch, denn kurz und prägnant erzählt die Autorin chronologisch 70 Jahre in kurzen Episoden. Eben biografische Momente. 

Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, ein Buch dass seinen Beitrag zum Verstehen der Umstände im Nahen Osten hervorragend leisten kann.

© KaratekaDD

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krimi, havel, mord, drogen, rache

Tiefe Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783740802851
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es passt. Mal ist es kalt, dann mal dunkel und dann mal tief im Seelenleben des Kriminalhauptkommissars Toni Sanftleben Großneffe eines faszinierenden Kriminologen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, doch von Otto will ich hier nicht erzählen.

Ich weiß nicht ob die Havel, an deren Gestaden der KHK der Potsdamer Kriminalisten seine Fälle löst, tatsächlich am Tatort kalt, dunkel oder tief ist. Aber kalt läuft es einem den Rücken herunter, besieht man sich diverse Klientel, dunkel ist es in der Seele des Helden gelegentlich, ebenso erhält man tiefe Einblicke und ist entsprechend berührt. Ist er doch zur Polizei gekommen, um nach seiner Frau zu suchen, die spurlos im Dunkel der Havel verschwand, damals vor etwas mehr als sechzehn Jahren. Er hat sie wiedergefunden, aber wie tief ist ihre Liebe zu ihm?
Sofie wohnt nicht mehr auf dem alten Hausboot, sie ist ausgezogen und lebt mit einer Freundin zusammen. So wird die „familiäre Linie“ des Romans weitergesponnen, bis es genau in diesem Zusammenhang zu einem dramatischen Finale kommt, welches als filmreif beschrieben werden darf.

So viel erst einmal zur Hauptfigur des inzwischen dritten „Havel-Romans“ im emons: Verlag von Tim Pieper. 

Im Prolog springt ein Unbekannter auf einen Frachtkahn, der da auf der Havel fährt und nähert sich dem Schiffer. Dieser greift sich eine Signalpistole und...
... verliert. 
Sein Leben, welches etwas schwierig geworden war. 

Frau und Sohn starben in Folge eines illegalen Autorennens. Die Enkeltochter ist schwer krank. Einzige Rettungsmöglichkeit ist eine sauteure Operation im Land der unbegrenzten (medizinischen) Möglichkeiten. Dass der Brückenspringer aus eben diesem Land kommt, hat nichts mit der Enkeltochter, wohl aber mit der Geldbeschaffung für das somit auch nicht legale Vorhaben des nunmehr toten Schiffers zu tun. Doch den Auftrag dazu bezog der Springer aus einem anderen Land hinter dem Großen Wasser. 
Es hätte ja klappen können, was der Schiffer und sein Neffe, der keine weiße, soll heißen strafrechtlich saubere, Weste besitzt, da vorhaben. Der Neffe hat einen „Freund“ aus Knasttagen. Der mag ihn auf besondere Art und Weise, ist ziemlich durchgeknallt und kann seltsamerweise ganz mühelos mit dem Internet umgehen. Aus diesem hat er sich nämlich einen guten Pferdeverstand angeeignet. Das allerdings hilft ihm bei seinem geizigen Arbeitgeber nicht weiter.
Kurz, diese Umstände führen dazu, dass am Ende der Schiffer nicht der einzige Tote im Roman ist. 

Der psychisch angeknackste Sandro wird letztlich für den Showdown sorgen, der ein klitzekleinwenig an das Remake von DER SCHAKAL mit Bruce Willis und Richard Gere erinnert. Keine Ahnung, ob Tim Pieper den im Sinn hat, als das SEK beim Lösen einer Geiselllage...

Aber verraten wir mal nicht zuviel.

Tim Piepers Geschichten zeichnen sich unter anderem aus durch Regionalität. Regionalkrimis gibt es so viele wie TATORTE. Die Tatorte von Pieper liegen nun mal an der Havel, denn er lebt in Potsdam. Daher kommt es, dass er die Landschaft wirkungsvoll beschreibt, man sieht die Niederungen des Flusses förmlich vor sich, auch wenn diese Beschreibungen diesmal nicht so vielfältig sind wie in den vorangegangenen Büchern.

Dafür aber bekommt der Leser gewinnbringend recherchierte und nicht zu umfangreiche Einblicke in tiermedizinische sowie juristische und ermittlungstechnische „Sachverhalte“. „Polizeifachlich“ hat er sich wirklich weiter entwickelt.

Die Geschichte ist fortlaufend fesselnd und treibt auf den Höhepunkt unaufhaltsam zu. Ein Teil dieses Höhepunktes war zwischendurch zu erwarten, da es eine Begegnung zwischen Personen gab, die „dramaturgisch“ zwangsläufig eine Bedeutung erhielt.

Wieder einmal fährt Tim Pieper aber Figuren auf, die auf mich nicht so erfreulich wirkten. Gleichsam irre und einfallsreich, liebevoll und gewalttätig. Diesen Umstand hatte ich in KALTE HAVEL noch viel mehr wahrgenommen. Dass der Chefermittler mit Alkohol ein Problem hat, ist hier mal ein Punkt, den ich akzeptiere. Normalerweise mag ich die vielen Ermittler, die da im Laufe ihres Berufslebens einen Knacks bekommen haben und zum Beispiel Alkoholiker sind, in abgerissenen Klamotten rumlaufen und ständig ihre eigenen „Ermittlungsvorschriften“ aufweisen, nicht so gern. Die meisten Kriminalisten arbeiten bekanntlich eher normal und verbringen zwangsläufig mehr Zeit im Büro. Nun ja, da aber in heutigen Romanen die tatsächliche Kriminalstatistik nicht abgebildet wird, muss man vermutlich damit leben. Zumal der Blogger hier ja durchaus von einen gewissen Harry Hole angetan ist, ein Typ gegen den Schimansky ein Waisenknabe war. 

Und jetzt hat Toni Sanftleben sein Hausboot vom Kai gelöst und schippert samt Sohn und dessen Freundin durch die Lande. Wo schippert er hin? Er denkt an französische Gerichte, an seine E-Gitarre...

„Er würde bleiben, wo es ihm gefiel, er würde weiterziehen, wenn ihn das Fernweh packte... Er war für vieles offen, aber nichts konnte den Schmerz lindern, der ihn ständig und überall begleitete. Toni umfasste das Steuerrad fester und schaute auf die glitzende Wasseroberfläche, die ständig in Bewegung war. Momentan wusste er nicht viel. Momentan wusste er nur eines: Er würde sie immer lieben.“ 

Was bleibt vorerst? Ich mag die Romane von Tim Pieper und würde mir wünschen, dass dieser Toni Sanftleben irgendwo eine Mappe mit außergewöhnlichen Fällen seines Großonkels findet - Verbindung zu einem generationsübergreifenden Roman und eine Möglichkeit, den alten Otto wieder auftreten zu lassen.

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Tags: drogen, havel, kartell, krimi, mord, pieper   (6)
 

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historischer roman, kingsbridge, england, ken follett, religion

Das Fundament der Ewigkeit

Ken Follett , Dietmar Schmidt , Rainer Schumacher , Markus Weber
Fester Einband: 1.200 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.09.2017
ISBN 9783785726006
Genre: Historische Romane

Rezension:

Kingsbridge – Die Saga. Erinnern wir uns. Da gibt es einen Steinmetz, der strebt nach „Säulen der Erde, die sich in den lichten Himmel recken“. Tom Builder wird Baumeister und errichtet mit Hilfe von Prior Philipp in Kingsbridge eine Kathedrale. Die Leser fiebern mit dem Schicksal Toms und seiner Familie, und mit Aliena, der Grafentochter. Es ist ein Spitzenroman, der da 1989 veröffentlicht wird, er erreicht laut einer ZDF-Umfrage im Jahr 2004 in Deutschland Platz drei der meistgelesenen Bücher (1. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe; 2. Die Bibel) und wurde 23 Millionen mal weltweit verkauft.
Im Jahr 2007, achtzehn Jahr nach DIE SÄULEN DER ERDE, schreibt Follett die Geschichte fort. Zweihundert Jahre später im fiktivem Kingsbridge setzt die Handlung von DIE TORE DER WELT wieder ein. Diesmal steht die von Tom und Jack Builder gebaute Kathedrale auf etwas wacklig gewordenen Säulen, Merthin, ein Nachfahre von Jack, muss das „reparieren“, während sein Bruder ein Ritter werden will. Caris, die Wollweberin, wäre gern Ärztin, die Tagelöhnerin Gwenda möchte nur ihrer Liebe folgen und Godwyn, ihr Vetter plant, koste es, was es wolle, Prior von Kingsbridge zu werden. „Ehrgeiz und Liebe, Stolz und Rache werden den Weg dieser Menschen bestimmen. Pest und Krieg werden ihnen das Liebste nehmen, was sie besitzen. Glück und Unglück werden sie begleiten Doch sie werden die Hoffnung niemals aufgeben. Und immer wird der Schwur sie verfolgen, den sie an jenem schicksalhaften Tage leisteten.“
Das Fundament der Ewigkeit. Zehn Jahr später setzt Ken Follett die Kingsbridge-Saga wiederum fort und die Leser begeben sich in das sogenannte „Goldene Zeitalter“ einer jungfräulichen Königen. Elisabeth, die Erste ihres Namens erwehrt sich im protestantischen, im puritanischen England gegen das katholische „Festland“. Ned Willard, Sohn einer Händlerin aus Kingsbridge, wird ihr dabei zur Seite stehen. Wir schreiben das Jahr 1558.Es ist die Zeit der Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken, vor allem im Königreich England. Heinrich VIII. hat die englischen Kirche vom Pabsttum abgekoppelt, seine Tochter, Thronfolgerin Maria, hat den Katholizismus wieder zur Staatsreligion erhoben. Doch im eben diesem Jahr stirbt die Königin und ihre Halbschwester wird als Elisabeth I. gekrönt. Sie ist der Auffassung, dass die Gläubigen in ihrer Regionsausübung frei sein sollten, doch wenn Religion auf Staat trifft und wenn andere Königreiche die Religion für ihre Machtinteressen betonen, dann ist die aufgeklärte Königin in ihrem absoluten Machtanspruch ebensowenig bereit, ohne jegliche Gewalt zu agieren.Neben Sir William Cecil und Sir Francis Walsingham hilft Ned Willard der Königin letztlich 46 Jahre auf dem englischen Thron zu verbleiben.
Besuchen wird der Leser vor allem Frankreich, die Niederlande, Spanien und Schottland. Die Leserin trifft auf den Herzog von Guise und mehrere französische Könige, Maria Stuart und andere historische Figuren. Mit Barney, Neds Bruder segeln wir gegen die spanische Armada und mit Sylvie schmuggeln wir protestantische Bücher nach Paris. Wir erleben die Grausamkeit der Bartholomäusnacht und die Hinrichtung der schottischen Königin und die Vernichtung der Armada – große, schon oft erzählte Geschichte aus dem 16. Jahrhundert.
Kingsbridge ist der Ausgangspunkt für besagten Ned Willard und seine Familie, Freunde und Feinde. Margery, die Geliebte aus einer katholischen Familie, die Neds Mutter ruiniert, heiratet in die Grafenfamilie derer von Shiring ein, ihr Buder Rollo wird ein Meisterspion. Das fiktive Kingsbridge ist der Punkt, in dem alles immer wieder seinen Ausgangspunkt nimmt, das Zusammentreffen von Margery und Ned und den Nachkommen der Shirings. Die Kathedrale. Gelegentlich stehen wir vor den „Säulen der Erde“ und der ehemaligen Priorei, in welcher dann ein Markt entsteht. Es ist eine protestantische Kirche geworden und die Katholiken bezahlen eine Strafsteuer von 30 Pfund, wenn sie die Messe nicht besuchen. Sie wird ihre Bedeutung bekommen im Roman.
Das Buch. Erwartet hatte ich an sich eine Geschichte, in der die Stadt Mittelpunkt des Romans bleibt. Stadtentwicklung quasi. Rund um die „Säulen der Erde“ folglich. Handelte der erste Roman der sogenannten Kingsbridge-Saga vom Kathedralenbau und der zweite von einer Art Bausicherung und Rekonstruktion, so hat die Kathedrale „nur“ eine bindende Rolle zwischen den Bewohnern und ist Ausgangspunkt für ein schreckliches Unglück. Es scheint, als wäre es erforderlich, dass ein britischer Schriftsteller einmal im Leben vom „goldenen Zeitalter“ und von der „jungfräulichen Königin“ schreibt. Das gilt vielleicht ebenso für die Seeschlacht gegen die Spanier und den Mord an Maria Stuart, Königin von Schottland. Es sind laufende Regalmeter nicht nur britischer Sach- und Romanliteratur, die davon handeln, letztlich erst, am 12.10.2016, schrieb ich über den Roman DER PIRAT von Mac P. Lorne. Selbstverständlich hat auch Francis Drake bei Follett eine kleine Rolle. 
Der Autor ist einer der bekanntesten Schriftsteller der letzten 20 und mehr Jahre. Mit diesem Roman wird er seinem Ruf gerecht. Nicht unbedingt der beste seiner Romane, aber eine würdige Fortsetzung einer bekannten und verfilmten Geschichte
© KaratekaDD

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Tags: elisabeth i., englan, follett, hogenotten, religion, spionage   (6)
 

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japan, bogenschießen, kyudo, christoph niemann, budo

Der Weg des Bogens

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann , Christoph Niemann , Christoph Niemann
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 27.09.2017
ISBN 9783257069488
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buch im Design des Diogenes-Verlages. Ein kleines Buch. Darauf ein sparsames, skizzenhaftes Bild. Kyudo – Die Kunst des Bogens. So heißt dann das Büchlein: Der Weg des Bogens. Von Paulo Coelho. Ein Brasilianer schreibt „japanisch“. Ein Meister des Bogens lehrt einen Jungen. Und doch: „Ein Meister ist nicht derjenige, der etwas lehrt, sondern jemand, der seinen Schüler dazu anregt, sein Bestes zu geben, um ein Wissen zu entdecken, das er bereits in seiner Seele trägt.“ (S.25)
Coelho hat den „japanischen“ Weg gewählt, um die Leserinnen und Leser mit seinen Gedanken vorwärts zu bringen. Das Ziel, der Bogen, der Pfeil, die Haltung, der Abschuss, der Flug des Pfeils: So heißen einige der Artikel, doch ist das erste Kapitel das wichtigste. Die Verbündeten. In diesem geht es um die Menschen. Das man „Menschen erst anhören muss, eh man über sie urteilt“, in heutiger Zeit, eine leider zu oft in Verlust geratene Weisheit. Der Autor, in der Gestalt des Kyudo-Meisters Tsetsuya, fordert seinen Schüler auf: „Suche dir verbündete – Menschen, die sich für das interessieren, was du tust.“ Er erklärt weiter, dass dies „Menschen sind, die keine Angst davor haben, sich zu irren und es daher auch tun. Aus diesem Grund wird ihre Arbeit nicht immer anerkannt.“ (S.33/35)
Natürlich darf das Büchlein hier nicht zu Ende sein, aber allein diese Zeilen waren es wert, es in die vielen anderen Bücher im Regal einzureihen. Das der Band zudem wunderschön gestaltet ist, die Bilder von Christoph Niemann die Gedanke Coelhos blendend unterstreichen, ist ein weiterer Pluspunkt. 
Dies war mein erster Coelho, auf den ich vor einiger Zeit durch Ute Lemper, dem Weltstar des Musicals und des Chansons aufmerksam wurde. Lemper wurde durch „Die Schriften von Accra“ zu ihrem musikalischen Programm „The Nine Secrets“ inspiriert. Nicht leicht zu begreifen. Auf jeden Fall aber ein entscheidender Hinweis, nach dem „Der Weg des Bogens“ zu weiteren Werken des Autors führen wird.
© KaratekaDD

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Tags: coelho, japan, kyudo, lemper   (4)
 

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venedig, kin, gemischt, commissario brunetti, brunetti

Das goldene Ei

Donna Leon ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.10.2015
ISBN 9783257243369
Genre: Krimi und Thriller

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sabine ebert, schwert und krone, der junge falke, ebert, meißen

Schwert und Krone - Der junge Falke

Sabine Ebert
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.11.2017
ISBN 9783426654132
Genre: Historische Romane

Rezension:

1.  Die Geschichte
Wieder einmal begibt sich Sabine Ebert in das Mittelalter. Seit Jahren macht sie das konsequent und sie hat sich auf das 12. Jahrhundert spezialisiert. Gelegentlich passiert es, dass Autoren sich nach Abschluss eines Romans und einer Romanreihe an die Vorgeschichte setzen. Mit ihrer Mittelaltersaga über die Hebamme Marthe ging das Sabine Ebert genauso vor.

Daher hat sie nach den Büchern über die Hebamme mit SCHWERT UND KRONE in zwei dicken Bänden die mittelalterliche deutsche Geschichte vor der Krönung Barbarossas zum König und dann zu Kaiser erzählt. Im Teil 1, DER MEISTER DER TÄUSCHUNG berichtet sie zuerst einmal wie nach dem Tod von König Lothar die Staufer mehr und mehr an die politische Spitze des Deutschen Reiches drängen. 

„Dezember 1137: Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg – und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen – und auch so manche Frau.“ (Webseite Droemer-Knauer)

Nun also das Hörbuch zum Teil 2, Der junge Falke – das erzählt, wie Lothars Neffe Friedrich mit dem rotblonden Bart, daher der spätere Name Barbarossa, die Fürsten dazu bringt, ihn zum König zu wählen. 

„Anfang 1147 sorgen Hungersnot und Weltuntergangspropheten in deutschen Landen für Verzweiflung. Fast alle großen Adelshäuser rüsten für zwei Kreuzzüge. Unter König Konrad wollen Zehntausende ins Heilige Land, während die östlichen Fürsten planen, mit ihrem „Wendenkreuzzug“ slawische Gebiete an Elbe, Havel und Küste zu erobern. Bevor sie aufbrechen, werden strategische Ehen geschlossen. Friedrich von Staufen, der Neffe des Königs und künftige Barbarossa, heiratet die von ihm ungeliebte Adela von Vohburg, der Meißner Markgrafensohn Dietrich eine gefühlskalte polnische Herzogstochter. Fast alle Männer ziehen in den Krieg – und die Frauen müssen allein mit Hungersnot, Missernten und Angriffen fertig werden.Auf dem Weg ins Heilige Land macht sich der junge Friedrich einen Namen als militärischer Anführer. Doch der Kreuzzug scheitert katastrophal. Nur wenige kehren heim. Zu den Heimkehrenden gehört der schwer erkrankte König Konrad von Staufen. Die nie erloschenen Machtkämpfe entflammen von neuem. Konrad stirbt wenige Tage vor der Wahl und Krönung seines erst achtjährigen Sohnes zum Mitregenten.Das ist der Moment, in dem Friedrich von Staufen entschlossen nach der Krone greift. Er will das Reich umgestalten - und eine neue Frau, eine bessere Partie als Adela.“ (Webseite Droemer-Knauer)

Die große, die weltpolitisch bedeutsame Geschichte bekommt ihre parallelen Stränge. Eine ist die der Adela von Vohberg, deren Rolle hier die der Erzieherin der Söhne Konrads von Staufen ist und die, verheiratet mit Friedrich von diesem später wegen angeblicher Unfruchtbarkeit geschieden wird. Es ist die Gelegenheit, höfisches Leben zu erzählen durch die (fiktive) Geschichte der Kunigunde von Plötzkau, deren Mann, Graf Bernhard, auf dem 2. Kreuzzug ums leben kam. Kunigunde, Gunda, ist im Roman eine Freundin Adelas, sie wurde dann die Geliebte Dietrichs von Landsberg.

Ein anderer Strang ist den Leserinnen und Lesern von Sabine Ebert vertrauter, dies ist die Geschichte der Wettiner, der Markgrafen von Meißen – bekannt aus der genannten Hebammensaga. Doch nicht nur erfahren wir mehr von Konrad, Otto und Dietrich, es geht um einen kleinen Knappen, Waise inzwischen, dessen Herkunft der Markgraf Konrad geheim hält. Christian heißt der Kleine, dessen Vater der MEISTER DER TÄUSCHUNG ist, welcher in grausamer Art und Weise hingerichtet wurde. Wer die Ursachen der Freundschaften und Feindschaften des späteren ministerialen und dann freien Ritters Christian von Christiansdorf, erzählt in den Hebammensaga, erforschen möchte, der findet sie hier.

2.  Das Buch
Mit dem Leben von  Adela und Kunigunde sowie des fiktiven Ritters Christian schafft es die Autorin wiederholt, große Geschichte und die Lebensweise der hohen Fürsten bis zum niederen Adel, durch Christians Eltern bis in das Volk zu erzählen. Wiederum gilt hier, dass dadurch ein echter historischer Roman entsteht, nicht nur eine Abenteuer- oder Liebesgeschichte, die in das Mittelalter verpflanzt wurde und in jeder anderen Zeit hätte spielen können.Nicht erst mit SCHWERT UND KRONE reiht sich die Sabine Ebert immer mehr in die Gruppe ausgezeichneter Verfasserinnen und Verfasser historischer Romane ein. Sie bewies das ja mit ihrem Meisterwerk 1813 – Kriegsfeuer und 1815 – Blutfrieden, in denen sie das Mittelalter in Richtung 19. Jahrhundert verließ.Hervorzuheben ist meiner Auffassung nach, dass die wundersamen Heilkräfte, das „zweite Gesicht“ welches bei Marthe in der Hebamme doch deutlich betont wurde, hier weniger eine Rolle spielt. Bei aller Sympathie für die heilenden, die weisen Frauen, welche als Hebammen Gefahr liefen, zur Hexe gebrandmarkt zu werden, es war ein wenig zu viel „Geheimnis“, zuviel „Wunder“ dabei. Ein Umstand, welcher in den letzten historischen Romanen keine Rolle mehr spielte.Gleichwohl, das zeigt, dass sich Sabine Ebert treu bleibt, sind die Frauen ihre eigentlichen Helden(innen) einer männerdominierenden Geschichte. Sie steht ihnen bei vor allem eben bei den Geburten, die oft tödlich ausgingen. So erzählt sie vom Burgfräulein Isa, der Gunda von Plötzkau bis in die letzte qualvolle Stunde beisteht, gedrängt von einem Priester, der der Lebendgeburt des Kindes weit höhere Bedeutung zumisst, dem das Leben der Mutter, da diese ja bereits getauft, letzlich völlig egal ist.

Man kann sich an einen solchen Wälzer als Hörbuch gewöhnen, wenn er so gut gelesen wird, wie von Gabriele Blum.

3.  Die Autorin
Drei Bände sollen es werden und sicher findet sich dann wieder ein nahtloser Übergang zum Beginn des Schaffens von Sabine Ebert. Als sie nach dem Studium der Sprach- und Lateinamerikawissenschaften nach Freiberg kam, faszinierte sie die Geschichte des erzgebirgischen Silbers. „Also beschloss ich, diese Geschichte in einem Roman zu verarbeiten. Damals glaubte ich noch, den von Anfang an auf dreißig Jahre konzipierten Handlungsbogen in einem Buch unterbringen zu können. Nach 650 Seiten war ich gerade einmal drei Jahre weit in der Handlung vorangekommen, so dass die Einsicht in mir reifte, den Stoff doch besser auf mehrere Bücher zu verteilen. Fünf, um genau zu sein.“ Wenn wir diesen Maßstab an SCHWERT UND KRONE anlegen, dann wird mittendrin der Markgraf von Meißen, genannt Otto der Reiche einem jungen ministerialen Ritter den Befehl geben, Siedler aus dem Brandenburgischen in den dunklen Wald zu holen. Doch bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Zumindest bis zum Herbst 2018.

KaratekaDD

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Tags: barbarossa, ebert, meißen, mittelalte, stauferkaiser   (5)
 

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humor, satire, jesusmariaundjosef, lustig, maria

Jesusmariaundjosef!

Ralf Günther , ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2013
ISBN 9783499257179
Genre: Humor

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theater, shakespeare, ida hahn-hahn, orient, reiseliteratur

Die Theatergräfin

Ralf Günther
Flexibler Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.12.2006
ISBN 9783548606934
Genre: Historische Romane

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83 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

norwegen, thriller, jo nesbo, krimi, winter

Schneemann

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783548290096
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit September bereits steht ein neues Buch im Regal. Dies ist natürlich nichts ungewöhnliches. Aber dieses Buch erinnert an so einige seines Autors vorher. Der Autor ist Jo Nesbø und die Hauptfigur der bekannte Harry Hole. Im Jahr 1999 betrat Harry Hole erstmals die Literaturbühne. Seither entstanden elf Romane um den trinkenden, eigenwilligen Kriminalkommissar.
Der siebente Roman ist Schneemann. Der Spiegel schrieb im Jahr 2008 was vom „vielleicht besten Krimi des Jahres“ und im Jahr 2010, Buchgesichterzeit, begeisterte der Osloer Typ auch uns. 
Der Schneemann ist ein Serienmörder, der es auf junge Mütter abgesehen hat, deren Ehen nicht ganz so laufen, wie sie laufen sollten. Sein Zeichen ist ein Schneemann, den er am Tatort zurücklässt, die Morde geschehen immer im Winter. Die neue Kollegin von Harry ist Katrine Bratt. Die Kinder der Mütter haben eine seltene Erbkrankheit – ist der Mörder vielleicht Arzt? Je tiefer die beiden Ermittler in die Geschichte eindringen desto mehr tritt der Mörder aus dem Schatten. Sowohl Katrine wie auch Harry stehen in Beziehung zum Schneemann. Und obwohl Harry mit seiner geliebten Rakel und deren Sohn Oleg nicht zusammenlebt, geraten auch diese in den Fokus des Mörders.
Bis zuletzt tappt der Leser im Dunkeln und rätselt hin und her, wer denn nun der Schneemann sein könnte. Spannend, aufreibend, brutal und blutig: Warum nur immer lesen wir solches Zeug? 
Nun gab es den Schneemann im Kino. Beim Durchblättern des Buches wird deutlich, die Grundstory blieb natürlich enthalten, das Buch ist mal wieder viel dichter und enthält auch einige Handlungsstränge mehr. Die Rolle des korrupten Bullen in Bergen ist im Film etwas verworren und außerdem spielt plötzlich ein Industrieller, der sich um die Bewerbung Oslos für die Olympischen Winterspiele bemüht eine Rolle. Etwas moderner ist die Polizei auch geworden, die Ermittler benutzen ein etwas sperriges Tablett für alle Arten von „Ermittlungsnotizen“, etwas, wovon wir hier noch weit entfernt zu sein scheinen. Nicht alles ist schlüssig, das Tablett führt außerdem zu einem weiteren brutalen Gewaltakt, da der noch unbekannte Täter den Zugang zu diesem braucht.
 Harry Hole Fans gehen bestimmt sofort ins Kino, jedoch könnten sie dieses enttäuscht wieder verlassen. Zumindest dann, wenn man vom Film die exakte Romanwiedergabe verlangt, was sowieso meist nicht eintrifft. Selbst hatte auch ich mir etwas mehr versprochen. Die Filmkritik ist vernichtend, eine Reihe hochkarätiger Schauspieler reist die Mittelmäßigkeit des Thrillers nicht raus. Trotzdem könnte man sich Michael Fassbender (Harry Hole) und Charlotte Gainsbourgh (Rakel) als erneutes Filmpaar vorstellen, mit einem anderen Regisseur, der nicht (nach eigenen Angaben) versucht, dem Film norwegische Attribute wie Geschäftsnamen oder die Beschriftung auf Polizeiautos zu entziehen um den Film mehr „Internationalität“ zu verleihen (wikipedia). Ansonsten ist der Thriller „skandinavisch ruhig“, was der beabsichtigten Spannung nichts nimmt.
Gespannt dürfen wir sein, denn die Filmrechte für „Der Sohn“ und die neue Reihe „Blood on the Snow“ sind bereits verkauft.
(c) KaratekaDD

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Tags: harry hole, jo nesbo, norwegen   (3)
 

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49 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

china, triaden, berlin, geheimdienst, stasi

Der Zerberus-Schlüssel

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2017
ISBN 9783404175956
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: eismeer, stasi, thrille   (3)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

fantasy, hörbuch

Das Lied von Eis und Feuer 7

George R. R. Martin
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 24.10.2008
ISBN B0085XL80K
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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283 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

harry hole, norwegen, oslo, thriller, krimi

Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

rom, arminiu, germanien, fantasy forum, zeitrese

Runenzeit 5

Mark Bredemeyer
Fester Einband: 552 Seiten
Erschienen bei salomo publishing, 01.10.2015
ISBN 9783941757486
Genre: Fantasy

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Tags: arminiu, fantasy,z, germanie, rom, zeitreise.   (5)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

rom, germanien, runenzeit, varusschlacht, geschichte

Runenzeit 6

Mark Bredemeyer
Fester Einband: 524 Seiten
Erschienen bei salomo publishing, 01.07.2017
ISBN 9783941757516
Genre: Fantasy

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berlin, streik, arbeiter, zigeune, gewerkschaf

Ede und Unku

Alex Wedding , Heike Makatsch
Audio CD: 123 Seiten
Erschienen bei MEDIA Net-Edition, 07.12.2015
ISBN 9783939988083
Genre: Romane

Rezension:

Hörbücher. Manchmal macht man da einen Fund, den man nicht erwartet hätte. Diesmal ist es ein Kinderbuch uns meiner Kinderzeit. EDE UND UNKU, von Alex Wedding, gelesen von Heike Makatsch. Es ist ein schmales Kinderbuch und nch etwas mehr als drei Stunden war das Hörvergnügen schon vorbei.

Die Geschichte ist schon ziemlich alt, sie wurde 1931 geschrieben: Der Arbeiterjunge Ede Sperling lebt mit Vater, Mutter und Schwester Lisa in Berlin. Sein bester Kumpel ist Max Klabunde. Edes Vater allerdings hat mit Kommunisten nichts am Hut und so will er, plötzlich arbeitslos geworden, die Freundschaft der Jungs beenden. Herr Sperling hat Verbesserungsvorschläge in der Metallbude gemacht, in filge dessen er nun wegrationalisiert wurde. Da kann auch der Herr Posthauptsekretär nichts ändern, der Herrn Sperling Arbeit bei der AEG verschaffen will, dass er als Streikbrecher in den Betrieb gelangen soll, sagt er ihm nicht. Vor den Toren der Fabrik steht als Streikposten auch Herr Klabunde.

Ede will nun Zeitungsausträger werden, um der Familie zu helfen und außerdem tritt ihm Unku in den Weg, ein Zigeunermädchen, deren Familie am Stadtrand lebt. In einem Pferdewohnwagen. Mit Zigarre rauchender Großmutter, was Ede nebenbei Ohrfeigen vom Vater einbringt. Unku wird ihm helfen, beim Fahrradkauf, beim Suchen nach einem Fahrraddieb, sie steht sogar Schmiere, als Ede Maxens Vater hilft...

Noch geht alles gut aus und Herr Sperling mag lieber Streikbrecher als Streikposten sein. Noch, aber in drei Jahren wird das Buch auf Scheiterhaufen landen wie andere Bücher der Autorin Grete Weißkopf auch. Und Unku´s Familie der Sinti und Roma wird ebenfalls der kommenden zwölf Jahre dauernden Verfolgung ausgesetzt sein. Bücher vollumfänglich zu vernichten ist letztlich unmöglich gewesen und so finden sich der Arbeiterjunge Ede und das Zigeunermädchen Unku in vielen Ausgaben im Kinderbuchverlag der DDR wieder.

Die Politik zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts spielt im Buch keine große Rolle, sie beschränkt sich auf Arm und Reich und den Streik der Arbeiter um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Max´ Vater erzählt den Jungs allerdings in einer Geschichte vom Fischen, dass es nicht das Netz ist, was zur Armut führt sondern der, der das Netz nur für seine eigene Fischerei einsetzt.

Grete Weißkopf (geb. 1905) lebte ab 1925 in Berlin. Sie war in der KPD aktiv und arbeitete als Sekretärin der sowjetischen Handelsvertretung. Verständlich, dass sie der arbeitenden Bevölkerung, den Proletariern zugeneigt war, was ihr erstes Kinderbuch, Ede und Unku, deutlich zeigt. Schon ihr Pseudonym weist darauf hin: Alex steht für den Alexanderplatz, Wedding für das Arbeiterviertel im Westen Berlins. In einer Szene spielen die Zeitungsjungen einmal Demonstration und singen dazu: „Links! Links! Links! – der rote Wedding marschiert...“ Zudem beruht das Buch auf persönlichen Erlebnussen: Ede wie Unku haben ein reales Vorbild.

Heike Makatsch scheint mir eine für solche Bücher besonders geeignete Vorleserin zu sein. Zwar arbeitet sie nicht so sehr mit der Modulation der Stimme für die einzelnen Figuren aber die einzelnen Spannungsbögen trifft sie sehr gut.

Ich glaube ja nicht, dass dieses Buch mal wieder in den Schulunterricht einzieht, aber gut ist, dass es wieder gelesen, gehört werden kann.

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krimi, venedig, venedi, umweltverschmutzung, commisssario brunetti

Stille Wasser

Donna Leon , Werner Schmitz
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.05.2017
ISBN 9783257069884
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist des Commissario Brunettis inzwischen sechsundzwanzigster Fall.

"Wer wusste schon, was jemand sah? Oder fühlte. Jeder Mensch war ein Universum für sich, mit unendlich vielen Möglichkeiten und Fähigkeiten." - und Geheimnissen und Abgründen, möchte ich ergänzen. (Seite 333)


Brunetti ist kaputt. Es ist zwar ein fingierter Schwächeanfall während einer brisanten Vernehmung, aber im Ospedale merkt Guido, dass er wirklich auf dem Zahnfleisch kraucht. Krank!


Paola, Guidos Frau, erscheint wutentbrannt, eher aber wohl besorgt, am Krankenbett. Der junge Kollege, den Guido mit dem Anfall aus der Patsche half, stand plötzlich in der Universität in Uniform vor ihr. 


Nun verhilft sie ihm zur Erholung in einer Villa auf Sant´ Erasmo.Verwaltet von Davide Casati. Der kannte Guidos Vater von einer gemeinsam gewonnenen Ruder-Regatta. Das verbindet. Und so fängt die Erholung an: Lesen, Rudern, Schlafen... 


Doch Casati, scheint schwer an einem Problem zu brüten. Er hält Bienenstöcke auf den Inselchen in der Lagune. Erschütternd und geheimnisvoll. der vernarbte Rücken des Lagunen-Imkers.
Bald ahnt der Leser, das Sterben der Bienen könnte durch ein Umweltverbrechen verursacht wurden sein...


Und dann findet Brunetti mit den Kollegen auf Sant´ Erasmo die Leiche des Freundes in dessen Boot. Ein Unfall?




* * *

Es ist nicht das erste Mal, dass Donna Leon sich italienischer Umweltverbrechen annimmt. Diesmal aber ist es nicht vordergründig die Gier von Firmen, welche diese begehen, hier geht es um die Menschen, die darin verwickelt werden. Und so wird Brunetti daran erinnert: "...die wenigsten denken an die Folgen ihres Tuns. Die eigenen Wünsche rechtfertigen alles." (Seite 332)


In dieser Geschichte ist also die Suche nach Tätern nicht der Zweck des Handelns von Guido Brunetti, der diesmal mi seiner Kollegin Griffoni ermittelt, unterstützt von Signorina Elettra, die in jedem Hackerclub würde unterkommen können und bemerkenswert wenig gestört vom Vice Questore Patta. Aber vielleicht stört der ja nicht, weil es gerade irre warm ist in Venezia.



* * *



Donna Leon bleibt der Art und Weise ihrers Schreibens treu. Ich mag diese Figur, wenn sie ihn an die mahnenden Worte seiner Mutter denken lässt, "dass er von anderen nicht verlangen konnte, die dinge so zu sehen wie er selbst." (Seite 330)


Oder wenn sie einer Figuren über Männerfreundschaften sagen lässt: "Männer haben keine Freunde,... Männer haben Kameraden und Kumpels und Kollegen, aber die wenigsten haben Freunde. Und wenn doch, sind es meistens Frauen, manchmal sogar die eigene." (Seite 233) Und jetzt, wo ich den Klebezettel entferne, merke ich, das ist eigentlich ein "Schlüsselspruch", dessen "Wahrheit" sich am Ende der Geschichte bestätigt.


Es sind die gewohnt leisen Töne eines besonderen Polizisten (in der Literatur), wenn der, die Tochter des Davide Casati nach der Bienenpflege befragend zur Antwort erhält:



"'Ich habe es nie gelernt. Jahrelang habe ich ihn zu den Bienen begleitet und ihm zugesehen, trotzdem weiß ich nicht, was oder wann etwas zu tun ist, oder womit sie im Winter gefüttert werden. Ich habe nicht richtig aufgepasst. Er hat versucht, mir alles zu erklären, aber es hat mich nicht interessiert. Ich wollte nur den Honig.' Sie seufzte.
Immer sind es die kleinen Tücken, die uns aus der Bahn werfen, dachte Brunetti. Trauer liegt in uns vergraben wie eine Landmine: Schwere Schritte stapfen folgenlos daran vorbei, während andere, die kaum den Boden berühren, sie zur Explosion bringen." (Seite 225)


Und so findet man in den Romanen der amerikanischen Venezianerin ganz viele Dinge, die einen anhalten, einhalten lassen beim lesen.

* * *


Ganz am Schluss betrachtet der Commissario Dottore Guido Brunetti ein Tatortfoto noch einmal ganz genau... 


Mögen es doch bitte mehr als dreißig Fälle werden.



* * *



Im Jahre 1981 zog die im Jahr 1942 geborene Amerikanerin nach Venedig. Hier wurde sie mit den Brunetti-Romanen weltberühmt. Die meisten wurden in Deutschland und in den USA verkauft. Sie soll mal gesagt haben, wenn die auf den italienischen Markt kämen, müsste sie das Land verlassen.



► DNB / Diogenes / Zürich 2017 / 978-3-257-06988-4 / 343 Seiten
► Donna Leon Webseite
► Donna Leon: Unsere Autorenseite
► Das Brunetti Projekt
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Tags: brunett, donna leon, krimi, mensch & umwelt, umweltschutz, venedi   (6)
 

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jerusalem, israel, 1967, jerusalm, judentum

Ein Leben für Jerusalem

Teddy Kollek , Amos Kollek , Werner Peterich , Jizchak Barsam
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.1992
ISBN 9783596112692
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags: israel, jerusalm, sechstagekrieg (1967)   (3)
 

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moritzburg, dresden, kommune1, atemnot, freudsche lehre

Die Badende von Moritzburg

Ralf Günther
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 19.05.2017
ISBN 9783463406862
Genre: Romane

Rezension:

Novelle – Novella – Novelette. Kürzere Erzählung. Kurzepik in Prosaform. Sie hat „eine mittlere Länge, was sich daran zeige, dass sie in einem Zug zu lesen sei.“ (wikipedia)

Aha. Aber eigentlich will ich mich gerade nicht in „literaturwissenschaftlichen Betrachtungen“ ergehen, obige zwei Zeilen habe ich außerdem soeben in der bekannten Online-Enzyklopädie nachgeschlagen. Aber es passt. In einem Zug zu lesen, zumindest, wenn man rechtzeitig am Tage damit anfängt. 

Eine Sommernovelle namens DIE BADENDE VON MORITZBURG. Wir begeben uns zurück in das Jahr 1910 und begleiten die Bürgerstochter Clara Schimmelpfenninck auf den Dresdner Weißen Hirsch, wo das Lahmann-Sanatorium zu finden ist. Die junge Frau leidet an hysterischen  Anfällen und soll sich beruhigen. Dazu gehört viel frische Luft beim sogenannten Luft- und Sonnenbaden. Dazu tragen die Damen das sogenannte Luftbadehemd.

„Darin fühlte sie sich kaum weniger als nakt. Es musste ohne Unterwäsche getragen werden, der Baumwollstoff fiel locker um den Leib, damit möglichst viel Luft auf die Haut ventiliert wurde. Weich schmiegte er sich an ihren Körper und verwies dezent auf ihre Formen. Über die Schulter floss das rötlich blonde Haar, offen, wie sie es auf der Straße niemals zu tragen wagen würde.“ (Seite 9)

Der junge Dr. Maximilian Brandstetter vertritt den behandelnden Arzt und ist ein Anhänger Sigmund Freuds. Daher landet Clara auf der Couch, muss Fragen beantworten und nicht nur das. Brandstetter lädt sie ein, die Kur an einem Wochenende in Moritzburg fortzusetzen. Nach etwas Gezeter und Ziererei, der Max ist durchaus auch attraktiv, willigt Clara ein.

Moritzburg
„Da lichtete sich unerwartet das Grün, die Schienen blitzten in der Sonne, das Schnaufen der Lok wurde leichter, und die Räder sammelten neue Kraft, als der Zug endlich auf die weite Moritzburger Ebene gelangte. Die Wälder wurden zu Gehölzen, die Wiesen und Felder gaben den Blick frei bis zum Horizont, und bald gesellten sich die Teiche dazu, die der Landschaft ihren Namen gaben. Wie runde Himmelsspiegel lagen sie im Grün der Ebene. Teils zogen sie offen an Clara vorbei, teils waren sie ihren Blicken durch breite Schilfgürtel verborgen und wurden erst sichtbar, wenn eine Windböe die Halme weit genug hinabbog. Solch Anmut und Ruhe der Landschaft kannte Clara nur von der Ostsee. Und sie wollte aufjauchzen vor Glück, da sie ihr seit Kindesbeinen vertraut war. Ihre Brust fühlte sich - zum ersten Mal seit ihrer Abreise von Berlin - leicht und unbeschwert an. Clara machte sich einen Spaß daraus, so tief und weit zu atmen, dass die Stangen ihres Korsetts knarrten.“ (Seite 34)

Erinnert das nicht an RHEINSBERG oder SCHLOSS GRIPSHOLM? Das ist echter „Novellentext“. Zumal man das noch heute so erleben kann im „Lößnitzdackel“. Die mitfahrenden Damen tragen allerdings kein knarrendes Korsett mehr und das Lahmann-Institut, welchesmit dem Luftbadehemd etwas positiv befreiendes für die Damen gefunden zu haben scheint, weicht heute einem Luxuswohnviertel. Aber es geht noch freier, denn Clara trifft auf die Künstlergruppe DIE BRÜCKE.

Am See stutzt die junge Frau, denn sie trifft auf schier Unschickliches. Völlig unbekleidete Männer und Frauen und sie trifft auf Ernst Ludwig Kirchner – ein Maler, dessen Bild Drei badende Frauen auf dem Cover abgebildet ist. Außerdem lernt sie Erich Heckel sowie Max Pechsteinkennen und die Leserinnen und Leser lernen mit ihr etwas über den Anfang einer Malerei, die später expressionistisch genannt werden wird. Ernst Ludwig Kirchner ist der Hauptakteur dieser Szenen da am Moritzburger Teich.

Die Künstlergruppe wollte ihr Modelle natürlich vor sich sehen. Spielend. In Bewegung und nicht stundenlang sitzend vor den Pulten der Studenten in den Kunstakademien.

„Wir malen unsere Modell nicht nur‘, getraute sich Heckel, ‚wir leben, tanzen, schwimmen, schäkern mit ihnen. Wir teilen unser Leben, denn wir teilen die Kunst. Mit unserer Kunst wollen wir den Kern des Menschen erfassen, nicht bloß die Oberfläche.‘ Sein Blick wanderte über den See. ‚Aber zum Kern müssen wir erst einmal vordringen. Und das geht nur in einem natürlichen Rahmen, der nicht von Konventionen eingekastelt ist.‘ “...
„Wir fangen... das Modell in seinem lebhaftesten Moment ein und zwingen es nicht zu unnatürlichen Posen.“ (Seite 50/51)

Gefangen ist auch Clara und die Geschichte nimmt so anders ihren Lauf und kommt doch zu dem hier nicht zu verratenden Ende, welches sich für eine Sommernovelle gehört.

* * *
Es ist die Zeit fortschreitender Industrialisierung, aber es regen sich auch neue Formen. „ Die Bewegung der sogenannten Lebensreformer war ein bunter Haufen von mal mehr mal weniger seriösen Gesundheitsaposteln, Austeigern, Anarchisten, Nudisten und Puristen, die in einem Punkt übereinkamen: Sie wollten die Existenz der Menschen in all ihren Aspekten so organisieren, dass sie seiner Natur besser entsprach.“ So erklärt das der Autor unserer Sommernovelle, Ralf Günther, in seinem Nachwort. Die Künstlergruppe DIE BRÜCKE tat das auf ihre Art.

Hier trifft nun zudem Wissenschaft und Kunst aufeinander. Die offenherzigen Maler und die modernen Behandlungsmethoden a la Sigmund Freud, der sich dem Thema Sexualität ebenfalls sehr widmete. Brandstetter wird der Clara dann den Grund für ihre Erstickungsanfälle nennen können, nach ihrer Begegnung mit DER BRÜCKE.

Meine Heimatstadt, die heute, da stimme ich Ralf Günter durchaus zu, irgendwie konservativ erscheint, wies vor dem ersten Weltkrieg fortschrittliche, sehr moderne Tendenzen auf, zum Beispiel die Gartenstadt Hellerau. In dieser konnte man da schon mal einen Gärtner im Adamskostüm Unkraut jäten sehen. Die Offenheit und die Suche nach neuen Formen des Lebens und Zusammenlebens erfasste auch die Kunst. (Vgl. Seite 102/103). Ein ganz kleiner Ausschnitt ist oben bereits erwähnt.

* * *
Es war wieder ein Genuss, dieses Büchlein von Ralf Günther, der Kölner, der Jahre in Dresden lebte und den es nach einer Stipvisite in Hamburg wieder nach Sachsen zog. Nicht nur seine Romane haben es in sich, auch diese Erzählung hier war sehr schön. Über Josi, die Dresdner Bloggerin, erreichte mich dieses schmale Bändchen. Ein Weg wird mich beim nächsten Dresden Besuch wohl in das Albertinum führen.  Die Neuen Meister gilt es neu zu entdecken. Und nach Hellerau muss ich auch.


► DNB / Kindler Verlag (Rowohlt) / Reinbek 2017 / ISBN: 978-3-463-40686-2

PS: Ist das nicht wieder der Beweis für den Namen dieses Blogs: LITTERAE-ARTESQUE? 

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Tags: dresden, impressionismus, kirchne, moritzburg   (4)
 

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fantasy, buchland, büchse der pandora, beatrice, buch über bücher

Beatrice - Rückkehr ins Buchland

Markus Walther
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 02.09.2016
ISBN 9783862823734
Genre: Fantasy

Rezension:  
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kirschkernspuckerbande, piet, freunde, freundschaft, berührend

Die heldenhaften Jahre der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2013
ISBN 9783426510650
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: freundschaft, jugend, kindheit, kirschkernspuckerbande   (4)
 

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freunde, freundschaft, liebe, kindheit, hamburg

Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2001
ISBN 9783426618929
Genre: Romane

Rezension:


Da sitzt ein gewisser Piet Lehmann, 41, bei einem jungen Schnösel von Kulturjournalisten beim NDR. Er, selbst Redakteur, ist zum Interview geladen. Sein Roman Kirschkernspucker ist das Thema. TOTAAL langweilig findet der Schnösel die Geschichte von sechs im Jahr 1960 gebornen Freunden. Gelesen hat er sie auch nicht. Er hat sich, selbst kaum dem Volontariat entwachsen, von einer Volontärin einen kurzen Überblick geben lassen.

„Er schien sich nicht vorstellen zu können, dass das Leben für Menschen über vierzig noch irgendwas bereithielt. Wahrscheinlich dachte er, alles was Männern meines Alters noch blieb, waren die alljährlichen Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchungen und sporadische Ü40-Partys, auf denen wir zu den Klängen von Status Quo und Cindy Lauper unsere arthritischen Gelenke schüttelten.
‚Doch, doch. Es geht immer weiter, das Leben‘, bekräftige ich.
‚Sicher‘, sagte Klein-Dominik. ‚So ist das wohl.‘“  (Seite 19)

All das geht Piet an seinem 50sten Geburtstag durch den Kopf. Der war 2010. Meiner war drei Jahre später. Und mir schwant, dieses Buch ist vor allem was für Leute, die noch in richtige Baumwollwindeln gesch... haben, Seifenkisten bauten, gleich alleine zur Schule gingen, und denen in den letzten Schuljahren die Benutzung von Taschenrechnern noch verboten wurde, weil nicht alle einen hatten. Also zumindest in Dresden war das um 1980 so, ob Letzteres in Hamburg ebenso war, weiß ich nicht genau. Vielleicht.

All das habe ich soeben den ersten Seiten aus DIE HELDENHAFTEN JAHRE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE entnommen. Daraus folgt, es geht gar nicht um dieses Buch, sondern um DIE DENKWÜRDIGE GESCHICHTE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE. Band EINS von Gernot Gricksch. Band 2 wird noch gelesen und wenn alles klappt, werden Anne und ich uns gemeinsam darüber amüsieren. Sie wird das Küken sein, denn sie ist noch mal um einiges jünger. Aber uns eint mit Piet, Petra, Bernhardt, Sven, Susann und Dilbert: Wir sind alle im siebenten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren und haben alle noch in Baumwollwindeln... usw.

* * *
»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.« (Seite 7)

Wer da in das Loch auf dem Friedhof in Ohlsdorf heruntergelassen wurde, ist nicht klar, nur soviel, einer von sechs wird es schon gewesen sein. Wenn im Epilog diese Szene wiederholt wird, hat man schon einen leicht verschleierten Blick, denn während man meist lachen musste bei der Lektüre, hier ist die Geschichte so was von traurig, da darf man schon mal ein Tränchen verdrücken. Im Übrigen zeigt Piet Lehmann, der Erzähler ja des Öfteren, dass Mann auch mal heulen darf. Ohne heulen hätte er seine bessere Hälfte nicht, verraten, ob die nun Petra, Susann oder ganz anders heißt, wird hier nicht.

Sven ist der Erste, den Piet kennenlernt. Sozusagen im Laufstall. Bei einer Art Ghostbuster-Spiel kommt ein neuer Junge dazu. Petra. „‚Petra?‘, rief ich entsetzt. ‚Du bist´n Mädchen??‘ ‚Ja.‘ Petra funkelte mich wütend an. ‚Aber ich bin stärker als du!‘ Ich sagte lieber nichts mehr. Wahre Führer wissen, wann es klüger st, einen temporären Rückzug anzutreten.“ (Seite 23) Und dann trennen sich Svens Eltern, es wird dauern, bis die Leser den Grund dafür erfahren.

1966 gab es Schultüten. Und zu dem Trio stoßen der stille Bernhardt und der Rüpel Dilbert hinzu. Bernhardt sitzt neben Piet, Dilbert gehört auch in diese Klasse. Sven hat eine Banknachbarin namens Susann. Und um das mal richtig zu erklären, was den Unterschied von Petra und Susann ausmacht und warum sich neben ein Mädchen zu setzen eine große Dummheit ist, gebe ich mal folgende Erklärung. „Wenn Mädchen so waren wie Petra – permanent schmutzig, mit aufgeschlagenen Knien und einer Rauferei nie abgeneigt – , dann konnte man vielleicht mal eine Ausnahme machen, aber so ein richtiges Mädchen, eins mit Zöpfen, mit einem Kleid!“ (Seite 36)

Bernhard dagegen: „W-wollt ihr Sch-schokolade?“ – Ach, Bernhard. Der ist der Schlaukopf. Total belesen, Geografie-As würden wir sagen. Besitzer zweier Alkoholiker-Eltern. Stotternd, schüchtern, außer in dieser nun kompletten Clique, die auch in der Schule vollständig wird, nachdem Petra es geschafft hatte, von ihrer Mädchenschule zu fliegen. Piet, Sven, Petra, Bernhard, Susann und Dilbert.

Überspringen wir mal ein paar Jahre. 1972, da wird die Rasselbande zwölf. Petra hat den Dilbert des öfteren im Schwitzkasten und Piet hat Susann´s beginnende Brüste wohl zu lange angeschaut. Und „Susann bemerkte alles, was ich tat“.

„Ich lag also da, zwölf Jahre alt und dachte an Susanns Lippen und an ihre Minibrust... Und da war sie dann: Meine erste Erektion. Halleluja! Ohne dass es mir jemand erklärt hätte, fand ich sehr schnell heraus, wie man so eine Erektion wieder loswird.“ (Seite 71)

* * *
Überspringen wir erneut ein paar Jahre und auch die Phase, in der Dilbert meint: „So viele Weiber! So wenig Zeit!“ – Überspringen wir überhaupt den ganzen Rest, der nur spoilerhaft wirken würde und kommen wir mal zu einem Fazit:

Da lese ich nun einen „Wessi-Roman“ und finde mich doch wieder. Nicht unbedingt in Hamburg-Altona-Reeperbahn und LSD-WG, auch nicht an der Startbahn-West und in Brokdorf, als deren Vertreter besagter Piet seine kurzen Ausführungen dazu bringt. Ich will da mal was ganz Profanes erwähnen: Cat Stevens - Morning has brocken. Was verbindet Ost und West damit, wenn man zwischen 1960 und ein paar Jahren später geboren ist? Natürlich: Den Engtanz. Den in der Klassendisko. Näher kam man ja in einem bestimmten Alter an die Busen der Mädchen nicht heran. Aber jetzt gleite ich schon wieder zurück in die pubertären Erinnerungen. Dabei wird doch dieses Buch zunehmend ernst und nicht erst, als die Freunde (teilweise) Eltern werden.

Übrigens war es wohltuend, nichts, aber auch gar nichts zum Thema Ost/West zu lesen. Keine Tante, kein Onkel, keine Carepakete und Ostreisen. Ein einziges Mal die Erwähnung der Geschehnisse von 1989.

Für Anne Parden „war das wie eine Reise durch meine eigene Kindheit und mein Leben. Ereignisse, die ich längst verdrängt hatte, politische Bewegungen, besondere Augenblicke kamen wieder zum Vorschein, Gegenstände, Ausdrücke, Mode und Musik im Wechsel der Jahre - ein herrliches Wiedertreffen!“ wie sie in ihrer Rezension schrieb.

Oder auch ganz kurz bei Droemer-Knaur: „Frischt Kindheitserinnerungen auf, herrlich unpathetisch und unsentimental, und doch auf ganz eigene Art berührend. Tolles Buch!“

Geht mir genauso, auch wenn ich mir, ähnlich der nebenstehenden Jahrgangsbücher auch eine Ost-Variante der Kirschkernspuckerbande vorstellen könnte. Aber schade ist letztendlich nur, dass ich diesen denkwürdigen Roman einer denkwürdigen Gruppe fast Gleichaltriger nicht schon eher in die Hände bekam, denn Gernot Gricksch schrieb den bereits 2001.

Die eingangs erwähnte Fortsetzung, also „unsere“ heldenhaften Jahre, erschien „erst“ 2013. Nun ist die Geschichte schon etwas ernsthafter, darüber wird noch zu schreiben sein.

PS: Bei Droemer-Knaur steht, Gernot Gricksch ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren. Das war mir bisher ebenso wenig bekannt, wie seine beiden Romane über die Kirschkernspuckerbande. Aber das wird nicht so bleiben.

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Tags: freundschaft, jugend, kindhei, kirschkernspucker, sechziger jahre   (5)
 

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weihnachtsgeschichte, drei weisen, morgenlan

Drei Kinder und ein Stern

Luise Rinser , Imke Sönnichsen
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Gabriel ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 03.10.2016
ISBN 9783522304542
Genre: Kinderbuch

Rezension:

... für Kinder schreiben, kommt in diesem Fall eine Weihnachtsgeschichte raus, die sich mal anders anhört obwohl Melchior, Balthasar und Kaspar nach dem kleinen Friedenskönig suchen und hierbei einem Stern folgen. Kennt man ja.
Allerdings sind es hier die Kinder der drei Weisen aus dem Morgenland. Der 12jährige Melchior ist ein Königssohn aus dem Zweistromland, Balthasar der Prinz von Syrien (spielt ja keine Rolle, dass es ein solches Reich damals nie gab) und Kaspar heist Kaspierina, das kohlrabenschwarze Mädchen ist die Tochter eines Gelehrten aus Alexandria. Sie folgen den Karawanen ihrer Väter, die sie nicht mitgenommen haben.
Gemeinsam bestehen sie eine Reihe Abenteuer bevor sie auf die Familie stoßem nach deren Kinde alle suchen, da in Palästina.

Was das Angenehme ist bei diesem Buch? Nirgends ist von irgendeinem Gott oder Gottes Sohn die Rede. Klar der Stern weißt ihnen den Weg und das Reich des neuen Königs ist nicht von dieser Welt. Das wird ihnen sinngemäß erklärt.

Es ist eine menschliche Geschichte, alt und neu zugleich.

Luise Rinser: Eigentlich wird sie als Schriftstellerin bezeichnet, schrieb viel philosophische und auch theologische Schriften und Bücher. Ich habe bereits ja "Mirjam" rezensiert. Sie schreibt irgendwie faszinierend, verständlich und hier eben sehr schön für Kinder. Für alle Kinder, egal welcher Konfession oder ohne, DIE GLEICHE GESCHICHTE. 


© KaratekaDD

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Tags: drei weisen, morgenlan, weihnachtsgeschichte   (3)
 

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giebele, mobbing, schule, alltag, gymnasiu

GYMNASIUM

Susanne Giebeler
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei tredition, 07.03.2017
ISBN 9783734582158
Genre: Romane

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buch, fbi, grisham, justiz, krimi

Das Komplott

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Bea Reiter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2014
ISBN 9783453418028
Genre: Krimi und Thriller

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selbstmord, pla, verfahre, kinder, gericht

Die Erbin

John Grisham , Imke Walsh-Araya , Kristiana Dorn-Ruhl , Bea Reiter
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 03.03.2014
ISBN 9783837124804
Genre: Krimi und Thriller

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