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Schwarzes Gold aus Warnemünde

Harald Martenstein , Tom Peuckert
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632827
Genre: Romane

Rezension:  
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freibeuter, pirat, francis drake, england, historischer roman

Der Pirat

Mac P. Lorne
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426517482
Genre: Historische Romane

Rezension:

Abenteuer! Piraten!  Francis Drake! 

Irgendwann in der Kinder- und Teenagerzeit gab es mal eine Fernsehserie. Francis Drake, ausgerüstet mit einem Kaperbrief der englischen Königin segelt furchtlos über die Meere. Unzählig vermutlich die Bücher, die ihn mindestens erwähnen. Die Abenteuer des Jan Kuna – genannt Marten. Das war auch so ein Abenteuerbuch. Geschrieben von dem Polen Janusz Meissner. Dem polnischen Piraten begegnet die Golden Hind, das Schiff des Engländers. Marten hilft dem Engländer aus einer Bedrängnis gegen spanische und portugiesische Karavellen. Das Buch, ich habe gerade nachgesehen, stammt aus dem Militärverlag der DDR. Und Jan Kuna, genannt Marten, wird es am Ende gehen wie Klaus Störtebeker.

Ungefährlich war es nicht, das Leben auf See im 16. Jahrhundert. Auch dem zum Sir erhobenen Francis Drake wird der Tod in Form von schwerer Krankheit auf See ereilen.


Ich glaube eher nicht, dass ich zum Buch Der Pirat von Marc P. Lorne gegriffen hätte. Aber da hat so ein bekannter Blogger von geschwärmt. Er erwähnte dummerweise das Buch Der Meister des siebten Siegels von Johannes K. Soyener und Wolfram zu Mondfeld. Da wurde ich hellhörig. Wie war das doch gleich? Das Geheimnis Löfflerscher Bronzekanonen bringt dem Königreich der angeblich jungfräulichen Königin den militärischen Vorteil gegenüber dem Reich ihres Schwagers Philipp. Die sieben Siegel öffnet ein entfernter Verwandter des Gießereibesitzers Löffler und flieht mit diesem Wissen um die Welt um dann in England auf Matthew Baker und Francis Drake zu stoßen, denn die Kanonen brauchen auch innovative Schiffe. Und Baker kann das. Da kommt ihm der Adam Dryling gerade recht. Aber war es der Dreyling? Adam Dryling hatte wirklich familiäre Verbindung zum besten Geschützgießer dieser Zeit in Schwaz. Und ein Hans Dreyling der Ältere († 1573) war ein Bergbaufachman aus Böhmen mit politischen Kontakten, der etwa 1530 nach Schwaz (Tirol) kam. [1]
 

Der Roman von Soyener und Mondfeld scheint gut recherchiert zu sein. Auf jeden Fall hat man sich, wohl auf Grund des Romans sehr um Adam Dreyling „gekümmert“ – Auch eine Dokumentation kann man dazu ansehen. [2]

Oder war es ein Jude namens Joachim Gans? Ein Bergbauexperte aus Prag? Konnte ein Jude im 16. Jahrhundert solches Wissen erlangen? Keine Ahnung. Außerdem widersprechen sich die Autoren. In der deutschen Wikipedia ist Gans zwar als vermutlich erster Jude in Amerika aufgeführt (mit Sir Walther Raleigh nach Virginia) Nun glaube ich allerdings nicht, dass ein jüdischer Meister ausgerechnet im habsburgischen Reich bei dem berühmten Gregor Löffler dessen Gießergeheimnisse erlangen konnte.

Seltsam, dass Mac P. Lorne nun die Dryling-Geschichte direkt ablehnend erwähnt. Lorne hat nun im sehr informativen Nachwort erklärt, dass nur die Rückholung des Gans aus Amerika durch Drake nachgewiesen ist, trotzdem bedient er sich der abenteuerlichen Geschichte um die Fahrt nach Venedig im Auftrag eines gewissen Sir Francis Walsingham.

Nun, es geht ja aber gar nicht um den Schwazer Adam Dryling, es geht ja um den von Elisabeth I. zum Sir erhobenen Francis Drake. Schließlich handelt der Roman von ihm. Maßgeblich zum späteren Erfolg trugen sicherlich die Schiffe Matthew Bakers bei, auch die Änderung und Vereinheitlichung der Schiffsartillerie waren Grundlage dafür. Jedoch aber erwarb sich der älteste Sohn eines Bauern und Pastoren in früheren Jahren die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihn dann berühmt machten. Letztlich wurde er bekannt durch die Aufbringung einer Reihe von portugiesischen und spanischen „Schatzschiffen“, die aus der Neuen Welt nach Europa zurückwollten. Die Freibeuterei hätte ihn auch den Kopf kosten können, hätte sich Elisabeths langjähriger Berater Lord Burghley durchgesetzt – immer in Angst, die Übermacht der Spanier würde zur Invasion Englands führen.


Doch vor dem Erfolg kommt der Schweiß. Und so macht uns der Autor im Prolog mit dem jugendlichem Francis Drake bekannt, der an Europas Küsten lernt zu schmuggeln. Sodann allerdings kommt er von großer Fahrt zurück, während der er einen der adeligen Begleiter hat hinrichten lassen, wegen Insubordination. Nun, im Roman kann man dann schon mal behaupten, dass der Delinquent sich des Kapitäns angetrauter Ehefrau unziemlich genähert habe. Der Karriere Drakes tut dies keinen Abbruch, schließlich hat er noch seine große Mission zu erfüllen, die Große Armada an der Invasion Englands zu hindern.

* * *
Mich nervt es, wenn ein historischer Roman nicht einfach nachzuvollziehen ist. Ich weiß, dies ist eigentlich unsinnig. Lorne hat ja kein historisches Sachbuch oder eine Biografie seines Helden nieder geschrieben. Aber ich muss auch sagen, dass es schon spannend war und ein Genuss, hinter den Bau der neuen Flotte, maßgeblich vom Roman (und historischen) Helden beeinflusst. Eine Reihe Romane aus dieser Zeit, die ich bereits las, erzählen von den handelnden Personen, trotzdem war auch dieser hier ein gutes Ding. Hat mir sehr gefallen.

                                                               * * *

Abenteuerlich auch das Leben des Autors. Er hat eben nicht Geschichte, sondern Veterinärmedizin studiert. Er floh 1988 in die Bundesrepublik. Mit Das Herz des Löwen (2011) schrieb er sein erstes Buch (Trilogie) um Robin von Loxley und Richard Löwenherz. (Wenn man so will die "Vorgeschichte" zum Film mit Kevin Kostner.


► DNB / Droemer Knaur /  ISBN: 978-3-426-51748-2 / 656 S.

Mit weiteren Beiträgen und Links unter

http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/lorne-mac-p-der-pirat.html

© KaratekaDD

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Tags: armad, drak, elisabeth i., englan, spanien   (5)
 

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193 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 105 Rezensionen

dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon einmal hat der Dresdner Frank Goldammer seine Heimatstadt als zerstörte Stadt beschrieben. Während aber FELDWEBEL sich durch ein (fast) menschenleere Stadt bewegte, und der Blogger hier den Weg ohne Stadtplan mitverfolgte, atemlos, stellt er nun fest, atemlos ist etwas Anderes. FELDWEBEL war Science Fiction, war Fantasy, ein Genre, was Frank gern bediente…

 

„Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt?

Der erste Fall für Kriminalinspektor Max Heller.“

 

DER ANGSTMANN. Ich gebe zu, da war ein klein wenig Skepsis. Was habe ich hier in den Händen? Wirklich „nur“ einen Kriminalroman, oder ist da noch etwas, etwas, das nicht von dieser Welt ist, vorhanden? Wer oder was mordet sich da durch das von Flüchtlingen überfüllte Dresden Ende 1944, Anfang 1945?

Wer mich kennt, weiß, dass ich dem fantastischen Genre nicht übermäßig zugeneigt bin. Dem schreibendem Maler- und Lackiermeister schon.

Wenige Seiten nach Beginn hatte ich die Befürchtung vergessen. Sie kam kurz wieder, verschwand aber auch schnell.

Max Heller, Soldat des 1. Weltkrieges, nun Kriminalist in Dresden: Kriminalinspektor. Verheiratet. Zwei Söhne im Krieg. Leben sie noch? Parteilos. Organisationslos. Ein Ausnahmefall, weil die Kriminalpolizei doch in der Hand der sogenannte Schutzstaffel stand. Schwarz uniformiert sein Chef. Dienstgrad Obersturmbannführer.

Heller scheint ein guter Ermittler zu sein. Vorsichtig. Überlegend. Gerufen zu einem grausigen Mord an einer Frau, weitere werden folgen. Besonders extrem einer, bei der das Opfer, dem die Organe förmlich freigelegt wurden, noch lebt… Langsam kommt er auf die Spur des ANGSTMANNES. So wird eine unheimliche Erscheinung von den Dresdnern genannt. Immer wieder wird Heller behindert von Klepp, dem Chef. Abkommandiert an den Stadtrand zur Koordinierung der Flüchtlingsströme aus dem Osten:

„Als er das erste Mal hier im Flüchtlingslager war, war er entsetzt, was für ein Anblick sich ihm bot. Wie aus einer anderen Welt wirkten die Menschen, heimatlos, gejagt, desillusioniert, dreckig, auf die niedersten Instinkte reduziert, ihre Notdurft da verrichtend, wo sie gerade standen, immer vorangetrieben von dumpfer Angst und der Hoffnung, ein großes Übel gegen ein kleineres tauschen zu können.

Und doch waren auch das Landsleute von ihnen, Deutsche, die Frauen mit ihren Kopftüchern genau wie die Männer in Fellstiefeln, zahnlos, halb verhungert, stumpf im Gesicht, ausdruckslos. Vor ihren Wagen hatten sie Klepper gespannt, die nur noch nicht wussten, dass sie tot waren, sonst wären sie auf der Stelle umgefallen.“ (Seite 49)

Fernsehbilder von irgendwo auf der Welt von heute, verlegt an den Stadtrand von Elbflorenz. Noch hat Max Heller einen Ausweg, es ist erst der 18. Dezember 1944.

„Jeden Abend verließ er diese Welt, um zurückzukehren in ein warmes Heim, mit einer warmen Mahlzeit. Tag für Tag mit einem schlimmeren Gefühl der Hoffnungslosigkeit, denn der Strom der Menschen riss nicht ab. Waren ein paar hundert abgefertigt und zu ihrem neuen Bestimmungsort losgeschickt, so kamen hunderte, tausende neue Flüchtlinge nach. Ihre Sprache wurde fremder und der Wille der Einheimischen, sie aufzunehmen, sie als Landsleute anzuerkennen, wurde schwächer und schwächer, denn sie waren Konkurrenten um die wenigen Lebensmittel, um den Wohnraum, um die Kleidung. Die Angst, selbst nicht genug zu bekommen, wurde dafür stärker…“ (Seite 50)

Plötzlich soll er nachts auf Streife gehen. Die Luftschutzalarme berühren kaum. Bis jetzt flogen die Bomberverbände immer vorüber. Der ANGSTMANN macht auch dem Klepp zu schaffen.

Da kristallisiert sich ein Tatverdächtiger heraus. Heller schießt, doch er kann entkommen. Es ist der 13. Februar 1945 und die hier folgenden Seiten sind von einer Eindringlichkeit, dass es einem sprachlos macht. Der Feuersturm, reduziert auf eine Person, auf Max Heller und wenige Begegnungen mit anderen Menschen, die Orientierungslosigkeit, die Hitze, das Gedröhn der Bomber… Heller findet zu seiner Frau, die kurz davor war, sich in ein Feuer zu stürzen, wie sie später erzählt.

Nie las ich so von dieser Bombennacht.

Doch die Angst vorm ANGSTMANN, die ist noch nicht vorbei. So endet der erste Teil.

 

* * *

16. Mai 1945. Der Krieg ist vorbei. Und der ehemalige Polizist ermittelt weiter. Ohne die Rote Armee geht nichts in der Stadt. Krach, Lärm, Schüsse, betrunkene Soldaten, Flüchtlinge, Vergewaltigungen, Verhaftungen aber auch Lebensmittel und der Aufbau einer Art Verwaltung, das bringt die Rote Armee. Anerkennung erwirbt er nach und nach von einem jungen sowjetischen Kommissar.

Er kommt dem Mörder näher, gemeinsam mit Alexej Saizev. Gleich wird er ihn haben den ANGSTMANN, er weiß schon, wer er ist. Und doch: Ist er auch der Mörder der Frauen?

 

* * *

DER ANGSTMANN ist der erste Roman um einen Kriminalisten, der im Leben steht. Zwei Kriege. Zerstörung, Wiederaufbau. Vier verschiedene Deutschland.  Sein einziger Knacks das Trauma einer Verschüttung im ersten großen Krieg. Ein aufrechter, ein sehr ehrlicher Mann. Ein Charakter, den die Krimilandschaft schon lange nicht mehr hervorgebracht hat.

 

„Sind sie ein Nazi? Oder sind sie jetzt Kommunist?“ – „Ich bin Max Heller.“

 

* * *

Frank Goldammer ist angekommen. Nun erobert er sich die großen Verlage. Wir wünschen es ihm. Er hat es sich schreibend erarbeitet. Mit bereits vielen Büchern. Den Max Heller empfehle ich meiner und eurer Beobachtung. Frank wird mir, so wir uns im November auf der SCHRIFTGUT sehen hoffentlich viele Fragen beantworten.

© KaratekaDD

auch unter http://litterae-artesque.blogspot.de/2016/10/goldammer-frank-der-angstmann.html

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Tags: bombennacht, dresde, drittes drittes, nationalsozialismu   (4)
 

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krimi, havel, toni sanftleben, berlin, potsdam

Kalte Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783740800017
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... mit mir und diesem Roman.

Das richtige Buch für mich (?). Nicht einfach ein Krimi. Eine runde Geschichte als Fortsetzung des ersten Falls des Toni Sanftleben, Urgroßenkel (?) des Otto von Sanftleben, Kriminologe an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Kriminalist ist nicht Tonis Traumberuf gewesen. In DUNKLE HAVEL arbeitet er als Teamleiter in der Mordkommission und sucht nach seiner verschollenen Frau. Seit sechszehn Jahren nun schon. Nachdem er sie gefunden hat, lässt er sich erst mal beurlauben.

Nach siebzehn weiteren Monaten steigt er wieder ein. Eine Staatsanwältin hat arrangiert, dass der beurlaubte trockene Alkoholiker unmittelbar wieder einsteigen kann, denn sie nimmt an, dass ihr Sohn, der sechzehn Jahre alte Alexander entführt wurde. Dessen Freund Hendrik ist tot und mit diesem, leicht durchgeknallten, autonomen Ideen nachhängenden Sohn reicher Eltern war Alexander zuletzt zusammen.

Die Tatorte: Die Beelitzer Heilstätten, das olympische Dorf von 1936, die Havel. Akribisch hat Tim Pieper wieder heimatliche Landschaft und Gegend aufgeklärt und liebevoll die handelnden Personen hineinversetzt. Die Figuren sind wirklich sehr unterschiedlich, aber wirklichen Zugang fand ich zu kaum einer. Hendrik und seine Eltern waren mir ziemlich schnell ziemlich egal, Alexander hat auch gleich noch einen unmöglichen Juraprofessor als Vater, seine pubertären Schwierigkeiten nach der Trennung der Eltern zwar verständlich, aber anderseits wundert es mich schon, denn die Handlungen des Vaters, der die Ermittlungen bzw. die Suche nach seinem Sohn kaum unterstützt, lassen doch nicht vermuten, dass er seinen Sohn in erster Ehe verständnisvoller behandelt hat.

Am meisten interessierte mich da das Schicksal von Toni und Sofie. Sechszehn Jahre war sie verschollen, lag lange infolge eines Autounfalls im Koma nun pflegt ihr Mann sie, die noch ziemlich schwach ist. Erschrocken über möglich Handlungsmuster, die sich wiederholen könnten, fieberte ich hier am meisten mit und verstand dann doch die Frau, die sich in eine Welt „Jahre danach“ versetzt sieht und einem Mann, den sie zwar liebt, aber dessen Entwicklung sie nie mittragen konnte. Was wird aus diesen beiden?

Tim Pieper hat hier auf jeden Fall die Grundlage für einen weiteren Roman gelegt, der dann zwangläufig in meinem Regal landen wird. Das hat gar nichts damit zu tun, dass ich mir den Otto Sanftleben eher wünschen würde.

Schon längere Zeit hege ich den Wunsch, die Beelitzer Heilstätten mit der Fotoknipse zu besuchen und den Baumwipfelpfad zu bewältigen. Es macht wie immer Spaß, den Dingen während und nach dem Lesen auf den Grund zu gehen. Das wird mich noch eine Weile beschäftigen. Ein Besuch ist noch nicht festgelegt, wird aber stattfinden.

Und doch, diesmal riss mich der Roman nicht vom Hocker, was mir leidtut. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich das Gefühl hatte, die Polizeidienststelle, die Kollegen, der Chef alles irgendwie nicht so wirklich. Gibt es zwar alles, aber das war es eben auch. Chef doof, Staatsanwältin bringt den Polizeipräsidenten dazu, den Ermittler sofort und plötzlich in eine leitende Funktion einzusetzen – aber bei meinem Beruf stehe ich Roman- und Filmbullen skeptisch gegenüber. Bei DUNKLE HAVEL war das nicht so der Fall. Mir sind auch solche Typen suspekt: Abitur gut, Studium angefangen, Alle Anlagen da und dann solche unmögliches Verhalten und Ansichten, wie bei Paule und Hendrik. Wer zum Teufel hat die zum Studium zugelassen? So etwas regt mich auf, in diesem Fall waren mir die Typen relativ egal.

Tim Pieper hat alles richtiggemacht. Diesmal leider nicht für mich.

KaratekaDD

Hier gibt es noch die LITERAE-ARTESQUE Version

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Tags: beelitzer heilstätten, brandenbur, havel, krimi   (4)
 

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vatikan, abenteuer, wien, nostradamus, thriller

Der Nostradamus-Coup

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 796 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404174256
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bücherraupe schaut da mal etwas betrübt auf die Flieger eines gewissen John Finch, der hier in diesem Blog bereits mehrfach eine Rolle spielte. Das schicke Wasserflugzeug ging ja leider in HEISS zu Bruch, bekannt war das Teil durch DIE UNENTBEHRLICHEN geworden, da flog das Ding ein "italienischer Hengst." John Finch aber ist ein Vollblutflieger, der diese Leidenschaft von seiem Vater hat. Seit dem flog er alles: Waffen, Spione, Sklaven, Drogen (?) von überallher und überallhin. Meist auf der Seite der Guten, wobei fraglich ist, auf welcher Seite er sich im Faklandkrieg befand, die Rolle Englands hierbei soll aber nun erst einmal nicht Thema sein. Allerdings wird klar, warum der Kerl auch mit Militärmaschinen klar kommt

Aber die DC-3 ist ja auch ganz schön, unser Abenteurer kauft sich so ein Teil auf einem in einer westlichen Ecke Lybiens liegenden Flugplatz. Dass er dabei unfreiwillig Passagiere mitnehmen muss, behagt ihm gar nicht, einen davon entsorgt er nach gefährlichem Flugmanöver, welches selbst seine coole Copilotin nicht so gelassen hinnehmen kann wie sie tut, infolge Genickbruchs durch Hinauswurf. Passagier 2 landet bei tunesischen Sicherheitsbehörden und spielt dann keine Rolle mehr, der Typ hieß Gaddafi. Aha.

Passagier 1 hatte allerdings ein Notizbuch und in Folge dessen geht es um einen gewissen Michel de Nostradamé, bekannt als Nostradamus und seine Prophezeihungen. Dieses Notizbuch wechselt mehrfach die Besitzer, dank moderner Elektronik kann man sich auch ohne dieses mit dem Inhalt beschäftigen. Das dieses geschieht, dafür sorgt ein anderer Typ in Old England, Anne hatte in einer ihrer Rezensionen bereits das Erkennungszeichen in dessen Vorgarten aufgeklärt.

Der Autor meinte auch in diesem Buch, dass er seine Leserinnen und Leser in verschiedene Zeitebenen führen muss, eine davon ist 1939. In diesem Jahr sucht eine Gruppe des sogenannten Ahnenerbes e.V. nach einem Schatz. Kenner wissen, da steckt der Reichsführer SS dahinter, man sucht nach verschollenen Dokumenten im Zusammenhang mit einem bekannte Spruch: ET IN ARCADIA EGO. Der Blogger hier bekam fast einen Herzkasper, denn seinerzeits hatte er es mit dem heiligen Gral und über diesem kam man ziemlich oft mit den Gemälden eines Nicolas Poussin in Berührung. Himmel dachte er, wo führt das hin? Himmler war doch auch immer scharf auf den Gral, und dass dieser mit dem Schatz der RITTER ZUM HEILIGEN GRAB, den Tempelrittern zusammenhängt, weiß inzwischen ja auch jeder, den diese teilweise gewaltigen Lügengeschichten faszinierten. Aber Gerd Schilddorfer schloss dann die Prieure de Sion schon mal aus. GOTT SEIS GEDANKT.

Jedenfalls spielen noch mit, ein Graf von Falkenstein, der sich als Kaiser Joseph II entpuppt, ein Fürst von Ligne, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ebenfalls ziemlich bekannt, ein Kunstdieb der Kategorie Robin Hood, die Graue Eminenz und Chef des vatikanischen Geheimdienstes, die amtierende Chefin der Loge P4, welche mit ihrer wenig erfolgreichen Leibwächterin schläft, ein Paar computerbesessene mönchische Zwillinge,  Professoren und Professorinnen, von denen mehrere durch Gewaltanwendung zu verschiedenen Zeiten ihr Leben lassen, ein Pabst incognito, ein Papagai, zwei Tempelritter und ein ehemaliger Gamnasiallehrer, welcher eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird, was er allerdings nicht wissen kann. Und der, der im British Empire immer noch die Fäden, die Geheimdienstfäden, zieht. Wie schon in FALSCH und in HEISS. Den IS darf man auch nicht vergessen, der mordet sich auch durch diese Länder, allerdings bleiben die Typen namentlich anonym.

Das Ganze spielt sich in England, Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten und Lybien ab. Ach ja und es endet in Belgien auf überraschende Weise, wobei der Autor dem geneigten Leserkreis unterschlägt, was denn da nun am Ende im Vatican und im British Museum eingelagert wird.  Daher bin ich so dumm wie zu der Zeit, als ich mit DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN erstmals mit solchen Geschichten in Berührung kam.

Ursache dafür ist wohl auch, dass die beiden Typen Finch und Lewellyn gerade mit einem LYNX AH-7 unterwegs sind und ein Attentat verhindern müssen. Man muss schon Finch heißen und den Gartenzwergtyp in der Hinterhand haben, um dieses auch nicht mehr ganz so junge Fluggerät auf einer amerikanischen Äir Base von einer sommersprossigen First Lieutenant zu erhalten.

* * *
Zu was führt die Lektüre von Gerd Schilddorfer? Sie führt zum Beispiel zu Whisky. Zu besonders torfigem. Und Gerd ist nicht unschuldig daran, dass ich seit einigen Monaten einen Schrankkoffer besitze, der mit solchen Dingen gefüllt ist. Schuld daran ist eine Szene aus FALSCH, in der besagter Finch in einer Bar im brasilianischen Urwald sitzt und torfigen Laporaigh schlürft. Gerade schlürf ich einen Talisker, der ist aber nicht ganz so torfig, oder doch?. Oder der Autor hatte noch eine andere Sorte parat. Ich merke, dieses Thema lenkt ab.

Zum anderen führt Gerd Schilddorfer meist zu einer Leserunde, welche wesentlich länger andauert als die Lektüre. Mal sehen, ob das nach HEISS mit NOSTRADAMUS auch so wird.

Jedenfalls zeigt Gerd Schilddorfer wiederholt, dass er viele Leser in seinen Bann ziehen kann. In einer literarischen Mischung aus Indiana Jones, The Extendables, James Bond und anderen führt er seine Leserschaft in viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten, aus der Gegenwart in die Geschichte und wieder zurück. Nach jedem Kapitel lässt er Verwirrte zurück, deren Sinnen  nach einem Whisky und nach weiterschmökern steht. Es kommt dem Österreicher zu Gute, dass er eigentlich Journalist ist, dabei hat er vermutlich das Recherchieren gelernt, die Art und Weise Fäden zu spinnen, auseinander- und wieder zusammenzuführen scheint mit besonders schätzenswertes Talent zu sein. Einen Beweis gibt es hier.



Er hat versprochen, dass die alten Säcke Major Lewellyn und John Finch noch eine Weile weitermachen. Ich aber lege jetzt eine Pause ein und träume davon in Rom in einer Pizzeria mit den beiden, einem Kardinal und dem amtierenden Pabst eine solche zu verspeisen, höchst geheim natürlich, und höchstens unterbrochen von einem Papagei namens Sparrow.

 * * *
Was tut es da noch, dass ich hoffe, dass Gerd im nächsten "Finch" auf (mir) unbekanntem Terrain stöbern wird? Es, das Thema,  kann ja meinetwegen "archäologisch" sein, oder so etwas Interessantes wie die  KALASHA in Pakistan aufwerfen, die waren mir vollkommen unbekannt, aber keine Templer und ähnliches bitte. Davon werde ich immer noch und immer wieder neu infiziert.

* * *  

Gerd Schilddorfer
wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist. (siehe Verlag) - Das Angebot mit ihm mal Wien zu durchstreifen werde ich unbedingt verwirklichen. Vielleicht vor, vielleicht nach dem nächsten Finch.
Es grüßt alle Fans und in die Leserunde

► DNB / Bastei Lübbe / München 2016 / ISBN: 978-3-404-17425-6 / 796 S.

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Tags: abenteuerroman, admont, is, loge p4, nostradamu, rom, templerorden, vatikan, wien   (9)
 

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vatikan, abenteuer, wien, nostradamus, thriller

Der Nostradamus-Coup

Gerd Schilddorfer
Flexibler Einband: 796 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404174256
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bücherraupe schaut da mal etwas betrübt auf die Flieger eines gewissen John Finch, der hier in diesem Blog bereits mehrfach eine Rolle spielte. Das schicke Wasserflugzeug ging ja leider in HEISS zu Bruch, bekannt war das Teil durch DIE UNENTBEHRLICHEN geworden, da flog das Ding ein "italienischer Hengst." John Finch aber ist ein Vollblutflieger, der diese Leidenschaft von seiem Vater hat. Seit dem flog er alles: Waffen, Spione, Sklaven, Drogen (?) von überallher und überallhin. Meist auf der Seite der Guten, wobei fraglich ist, auf welcher Seite er sich im Faklandkrieg befand, die Rolle Englands hierbei soll aber nun erst einmal nicht Thema sein. Allerdings wird klar, warum der Kerl auch mit Militärmaschinen klar kommt

Aber die DC-3 ist ja auch ganz schön, unser Abenteurer kauft sich so ein Teil auf einem in einer westlichen Ecke Lybiens liegenden Flugplatz. Dass er dabei unfreiwillig Passagiere mitnehmen muss, behagt ihm gar nicht, einen davon entsorgt er nach gefährlichem Flugmanöver, welches selbst seine coole Copilotin nicht so gelassen hinnehmen kann wie sie tut, infolge Genickbruchs durch Hinauswurf. Passagier 2 landet bei tunesischen Sicherheitsbehörden und spielt dann keine Rolle mehr, der Typ hieß Gaddafi. Aha.

Passagier 1 hatte allerdings ein Notizbuch und in Folge dessen geht es um einen gewissen Michel de Nostradamé, bekannt als Nostradamus und seine Prophezeihungen. Dieses Notizbuch wechselt mehrfach die Besitzer, dank moderner Elektronik kann man sich auch ohne dieses mit dem Inhalt beschäftigen. Das dieses geschieht, dafür sorgt ein anderer Typ in Old England, Anne hatte in einer ihrer Rezensionen bereits das Erkennungszeichen in dessen Vorgarten aufgeklärt.

Der Autor meinte auch in diesem Buch, dass er seine Leserinnen und Leser in verschiedene Zeitebenen führen muss, eine davon ist 1939. In diesem Jahr sucht eine Gruppe des sogenannten Ahnenerbes e.V. nach einem Schatz. Kenner wissen, da steckt der Reichsführer SS dahinter, man sucht nach verschollenen Dokumenten im Zusammenhang mit einem bekannte Spruch: ET IN ARCADIA EGO. Der Blogger hier bekam fast einen Herzkasper, denn seinerzeits hatte er es mit dem heiligen Gral und über diesem kam man ziemlich oft mit den Gemälden eines Nicolas Poussin in Berührung. Himmel dachte er, wo führt das hin? Himmler war doch auch immer scharf auf den Gral, und dass dieser mit dem Schatz der RITTER ZUM HEILIGEN GRAB, den Tempelrittern zusammenhängt, weiß inzwischen ja auch jeder, den diese teilweise gewaltigen Lügengeschichten faszinierten. Aber Gerd Schilddorfer schloss dann die Prieure de Sion schon mal aus. GOTT SEIS GEDANKT.

Jedenfalls spielen noch mit, ein Graf von Falkenstein, der sich als Kaiser Joseph II entpuppt, ein Fürst von Ligne, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ebenfalls ziemlich bekannt, ein Kunstdieb der Kategorie Robin Hood, die Graue Eminenz und Chef des vatikanischen Geheimdienstes, die amtierende Chefin der Loge P4, welche mit ihrer wenig erfolgreichen Leibwächterin schläft, ein Paar computerbesessene mönchische Zwillinge,  Professoren und Professorinnen, von denen mehrere durch Gewaltanwendung zu verschiedenen Zeiten ihr Leben lassen, ein Pabst incognito, ein Papagai, zwei Tempelritter und ein ehemaliger Gamnasiallehrer, welcher eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird, was er allerdings nicht wissen kann. Und der, der im British Empire immer noch die Fäden, die Geheimdienstfäden, zieht. Wie schon in FALSCH und in HEISS. Den IS darf man auch nicht vergessen, der mordet sich auch durch diese Länder, allerdings bleiben die Typen namentlich anonym.

Das Ganze spielt sich in England, Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten und Lybien ab. Ach ja und es endet in Belgien auf überraschende Weise, wobei der Autor dem geneigten Leserkreis unterschlägt, was denn da nun am Ende im Vatican und im British Museum eingelagert wird.  Daher bin ich so dumm wie zu der Zeit, als ich mit DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN erstmals mit solchen Geschichten in Berührung kam.

Ursache dafür ist wohl auch, dass die beiden Typen Finch und Lewellyn gerade mit einem LYNX AH-7 unterwegs sind und ein Attentat verhindern müssen. Man muss schon Finch heißen und den Gartenzwergtyp in der Hinterhand haben, um dieses auch nicht mehr ganz so junge Fluggerät auf einer amerikanischen Äir Base von einer sommersprossigen First Lieutenant zu erhalten.

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Zu was führt die Lektüre von Gerd Schilddorfer? Sie führt zum Beispiel zu Whisky. Zu besonders torfigem. Und Gerd ist nicht unschuldig daran, dass ich seit einigen Monaten einen Schrankkoffer besitze, der mit solchen Dingen gefüllt ist. Schuld daran ist eine Szene aus FALSCH, in der besagter Finch in einer Bar im brasilianischen Urwald sitzt und torfigen Laporaigh schlürft. Gerade schlürf ich einen Talisker, der ist aber nicht ganz so torfig, oder doch?. Oder der Autor hatte noch eine andere Sorte parat. Ich merke, dieses Thema lenkt ab.

Zum anderen führt Gerd Schilddorfer meist zu einer Leserunde, welche wesentlich länger andauert als die Lektüre. Mal sehen, ob das nach HEISS mit NOSTRADAMUS auch so wird.

Jedenfalls zeigt Gerd Schilddorfer wiederholt, dass er viele Leser in seinen Bann ziehen kann. In einer literarischen Mischung aus Indiana Jones, The Extendables, James Bond und anderen führt er seine Leserschaft in viele Länder zu unterschiedlichen Zeiten, aus der Gegenwart in die Geschichte und wieder zurück. Nach jedem Kapitel lässt er Verwirrte zurück, deren Sinnen  nach einem Whisky und nach weiterschmökern steht. Es kommt dem Österreicher zu Gute, dass er eigentlich Journalist ist, dabei hat er vermutlich das Recherchieren gelernt, die Art und Weise Fäden zu spinnen, auseinander- und wieder zusammenzuführen scheint mit besonders schätzenswertes Talent zu sein. Einen Beweis gibt es hier.



Er hat versprochen, dass die alten Säcke Major Lewellyn und John Finch noch eine Weile weitermachen. Ich aber lege jetzt eine Pause ein und träume davon in Rom in einer Pizzeria mit den beiden, einem Kardinal und dem amtierenden Pabst eine solche zu verspeisen, höchst geheim natürlich, und höchstens unterbrochen von einem Papagei namens Sparrow.

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Was tut es da noch, dass ich hoffe, dass Gerd im nächsten "Finch" auf (mir) unbekanntem Terrain stöbern wird? Es, das Thema,  kann ja meinetwegen "archäologisch" sein, oder so etwas Interessantes wie die  KALASHA in Pakistan aufwerfen, die waren mir vollkommen unbekannt, aber keine Templer und ähnliches bitte. Davon werde ich immer noch und immer wieder neu infiziert.

* * *  

Gerd Schilddorfer
wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist. (siehe Verlag) - Das Angebot mit ihm mal Wien zu durchstreifen werde ich unbedingt verwirklichen. Vielleicht vor, vielleicht nach dem nächsten Finch.
Es grüßt alle Fans und in die Leserunde

► DNB / Bastei Lübbe / München 2016 / ISBN: 978-3-404-17425-6 / 796 S.

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der KaratekaDD

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Tags: abenteuerroman, admont, is, loge p4, nostradamu, rom, templerorden, vatikan, wien   (9)
 

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geschichte, wilder westen, indianer, sachbuch, nordamerika

Das große Buch der Indianer

Thomas Jeier
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 31.01.2011
ISBN 9783800016136
Genre: Kinderbuch

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cheyenne, indianer, weiße, krieg, überleben

Im fahlen Licht des Mondes

Kerstin Groeper , James Ayers
Flexibler Einband: 578 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 13.11.2015
ISBN 9783941485488
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Schlacht am Little Bighorn ist geschlagen. Brevet General G.A. Custer ist tot. Es wird der letzte große Sieg der vereinigten Stämme der Lakota und Cheyenne sein, den die 7th. Cavalry schwört Rache. Die Cheyenne haben sich in ihr Winterlager zurückgezogen. Zu der Gruppe gehört auch Moekaé. Gerade verheiratet mit Hekovetse, einem jungen Krieger, der den Blue Soldiers angehört. Nein das sind nicht die Blauröcke, dies ist ein Kriegerbund. Plötzlich schlagen Kugeln in ihr Tipi. So beginnt die erste Flucht. Die Tochter von Moekaé´s Schwester, das kleine Mädchen Rotes Blatt muss sie mitnehmen. Doch bald werden sie gestellt und so beginnt der lange Marsch der Cheyenne, der in eine weit entfernte Reservation in ungewohntem Klima führt. Oklahoma legt sehr weit südlich von der Heimat entfernt.

Die Häuptlinge Little Wolf und Dull Knife haben eine schwere Aufgabe. Als die Zustände immer schlimmer werden, insbesondere die Verpflegung der Indianer ist zu wenig, beschließen sie, zurückzukehren in den Norden. Doch in Fort Robinson, nördlich des North Platte River müssen sie sich ergeben. Doch auch dort geht es den Menschen schlecht. Die durch eine Vergewaltigung hochschwangere Moekaé wagt mit anderen erneut einen Ausbruch. Verfolgt von Soldaten und weißen Siedlern trifft sie eine Kugel im Schneesturm.

Doch sie wird gerettet. Von weißen Farmern. Bei denen wird sie vorerst bleiben. Mit dem kleinen Mädchen Rotes Blatt und dem bald Neugeborenen…

 

* * *

Historischer Roman steht auf dem Buchdeckel. Ja, es ist ein historischer Roman, auch wenn die Hauptfiguren fiktiv sind. Aber die grundlegende Geschichte beruht auf Tatsachen. Dies lässt sich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich auf die Spuren von Dull Knife begibt. Die Geschichte seiner Familie hat Joe Starita nieder geschrieben in Häuptling Dull Knife – Die Geschichte einer Indianerfamilie. [1]  Darin ist die Geschichte erzählt, wie die beuden Häuptlinge den Zug ins sogenannte Indianer-Territorium nach Oklahoma nicht verhindern konnten und wie sie 1878 beschlossen, ihr Volk wieder in den Norden zu führen. Auch die Flucht aus Fort Robinson ist da so beschrieben, wie sie Kerstin Groeper aus Sicht ihrer Heldin erzählt.

In der weiteren Geschichte sieht Moekaé die Häuptlinge wieder, sie bestärken sie, bei der Farmerfamilie zu bleiben. Die Gruppen der verfolgten und zerstreuten Cheyenne leiden Hunger. Bisons gibt es nur noch wenige. Dull Knife wird später in der Lakota Reservation Pine Ridge unterkommen, seine Frau ist eine Lakota und Verbindungen zwischen diesen beiden Stämmen gab es öfter.

Als ich Im Licht des fahlen Mondes las, stutzte ich mehrmals und zog dann die genannte Familiengeschichte aus dem Regal. Manches kam mir bekannt vor. Von Dull Knife und seinen Nachkommen wird in diesem Blog noch zu sprechen sein.

 

* * *

Kerstin Groeper erzählt also eine duale Geschichte. Die schwere Arbeit der Siedler, der Prärie ein Stück Farmland abzutrotzen um dort Rinder, Pferde und später Bisons zu züchten beschreibt sie genaus so präzise und bildhaft, wie das Schicksal derer, die von eben diesem Land auf Reservationen vertrieben wurden. Auch das Zusammentreffen der Religionen ist ein Thema, wenn es zum Beispiel um das Bestatten geht.

Kerstin Groeper möchte mit ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Wissenswertes vermitteln, schreibt sie in einem historischen Abriss, den sie dem Roman angehängt hat. Dabei beschäftigte sie sich viel mit den Cheyenne.

Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ [2]

Ich lernte die sympathische Autorin am Stand des Traumfänger-Verlages auf der Buchmesse 2016 in Leipzig kennen. Der Verlag war mir damals noch unbekannt. Eigentlich seltsam. Im Programm stehen sehr verschiedene Arten von Indianerliteratur. Vom Krimi, über historische Romane, Jugendbücher und Sachliteratur zum Thema. Ein Verlag, den es im Auge zu behalten gilt.

 Bebildert und vollständig unter Litterae-artesque

► DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 1.2015 / ISBN: 978-3-941485-48-8 / 582 S.

© KaratekaDD

[1] Siehe Starita, Joe: Häuptling Dull Knife… / Droemer Knaur / München 1996 / ISBN: 3-426-26758-6

[2] Vgl. http://www.traumfaenger-verlag.de/index.php/kerstin-groeper.html, 02.08.2016, 15:30 Uhr

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verschwörung, kaiserreich, alternativwelt, lübeck

Kaisertag

Oliver Henkel
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag Guido Latz, 30.12.2013
ISBN 9783864021053
Genre: Fantasy

Rezension:

Im Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war.  Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich.

Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver Henkel.  Um das letztgenannte Buch aus dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.

Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden Attentats geworden wäre?

Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher, wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.

Science-Fiction [ˌsaɪəns ˈfɪkʃən̩] (engl. science „Wissenschaft“, fiction „Fiktion“) ist ein Genre der Literatur und des Films, aber auch anderer Bereiche wie etwa der bildenden Kunst oder der Videospiele, das den Einzelnen, die Gesellschaft oder die Umwelt in (oft radikal) alternativen Konstellationen betrachtet. Science-Fiction entwirft – häufig in die Zukunft verlegte, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen und beschreibt deren Auswirkungen. Dabei werden reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen angereichert. [1]

Zukunft. Aha. Meist jedenfalls. Wir aber schauen mit Henkel zurück. Zuerst einmal in das Jahr 1914. Also. Ferdinand ist nicht ermordet wurden, Weltkrieg 1 und 2 fanden nicht statt. Das Dritte Reich war auch kein Thema, dafür regiert im Jahr 1988 Kaiser Wilhelm V. – ziemlich jung auf den Thron geraten, Vater, älterer Bruder und Großvater segneten zu schnell das Zeitliche.

Das Kaiserreich hat sich ziemlich langsam entwickelt. Es gibt noch Autos mit mechanischen Blinkern, äh, Winkern. Kutschen, Pferdefuhrwerke sind auch noch allgegenwärtig. Die Soldaten tragen immer noch den unbequemen Waffenrock und die Pickelhaube. Das Offizierskorps scheint immer noch ziemlich abgehoben zu sein. Zeppeline sind das Reisemittel, z.B. in die Kolonien.

Den Privatdetektiv Friedrich Prieß sucht eine junge Dame auf, deren Mann, ein Oberst des Reichsministeriums für Aufklärung (Militärgeheimdienst) sich das Leben genommen haben soll. Sie glaubt nicht richtig dran und da das Entgelt ansprechend ist, sagt Fritz zu.  Der Hamburger muss also nach Lübeck. Und diese Hansestadt weist eine Besonderheit auf. Sie hat nämlich eine Polizeipräsidentin. Unverheiratet. Protegiert von einem Senator. Alexandra ist die Ex-Verlobte von Fritz. Und wegen der endete seine Militärkarriere bereits als Leutnant. Denn (zukünftige) Offiziersgattinnen hatten, bzw. haben nicht zu arbeiten. Punkt. Andernfalls müsse er den Dienst quittieren. Er quittiert, denunziert von einem Kameraden.

Wie gesagt, das Deutsche Kaiserreich ist ziemlich entschleunigt wurden. Die Polizeipräsidentin, in der Beschreibung verfügt sie aber nur über den Personalbestandes eines kleinen Reviers, hat eine gewaltige Aufgabe: Der KAISERTAG steht bevor. Seine Majestät besucht die Freie und Hansestadt Lübeck. Und plötzlich steht der Fritz wieder vor ihr. Der erste Abend geht schrecklich aus. Da der Oberst aber wohl tatsächlich ermordet oder zum Selbstmord gezwungen wurde, kommt es zu einer Zusammenarbeit der beiden, die nicht so richtig in die vorherrschende Gesellschaft zu passen scheinen. Das ungleiche Pärchen sticht in ein Wespennest: Zwei geheime Gruppen bekämpfen sich im Deutschen Kaiserreich, das gerade mitgeteilte, dass es die Atombombe entwickelt hat. Testgebiet – man hat ja Kolonien. Und Krieg ist der Vater aller Dinge. Oder so. Und Großmachtstreben gibt’s auch.

Was kann ich noch verraten?

Diverse Namen kommen schon vor. Ein E. Presley leitet die New Yorker Philharmonie. Generalfeldmarschall Erwin Rommel ist ein Graf von Kai-Feng, er hat den Großen China-Krieg gewonnen. Das war im Jahr 1944. Der greise Held tritt selten in die Öffentlichkeit. Alexandra Dühring vernimmt einen gewissen Feldmann, der durch Bildergeschichten das deutsche Handwerk „verunglimpft“. Freunde würden ihn „Brösel“ nennen, erklärt er in der Vernehmung. Die Bildergeschichten sind in der Jugend ziemlich beliebt…

Arno Wyzniewski[2] spielt im Kino immer den Großen Friedrich, ein Bürokopierer kostet 4000 Mark. Soviel wie ein Opel-Benz. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Autos sind teuer, die Bürger sollen nicht so viel rumkutschen. Geschickter Weise hat Henkel das Jahr 1988 gewählt. Computer waren damals noch nicht so sehr verbreitet ;) – Hier verzichten wir gleich mal ganz darauf.

Ein General Göring hat vor Jahrzehnten das Maul zu voll genommen, so gewann der militärisch-industrielle Zeppelin-Komplex das Rennen und Jagdflugzeuge braucht man zwar, aber besonders wichtig scheinen sie nicht. Bomben kann man auch mit Luftschiffen. 

Und diverse weitere Anspielungen, die einen schmunzeln lassen.

 

* * *

Am Ende ist es ein spannender Spionagekrimi und weniger ein Science-Fiction-Roman der Marke WAS WÄRE WENN? Aktuell der Umstand, die Türkei mischt ein klein wenig mit. Für Verschwörungstheoretiker ist das Buch auch eine Fundgrube. Antisemitismus diverser unangenehmer Personen ist gelegentlich vorhanden.

Verblüffend ist letztlich, dass, so wie die Gesellschaft beschrieben wird, diese Alexandra Dühring tatsächlich Polizeichefin einer Hansestadt werden kann. Vorbotin einer neuen Zeit ist sie damit noch nicht. Da fällt auch schon mal der Begriff „Suffragette“. Das Ende erinnert an Robin Hood. Den mit Sean Connery als König Löwenherz.

Oliver Henkel hat sich auch schön selbst auf die Schippe genommen. Der Friedrich Prieß findet bei der Alexandra einen Roman. Von Richard Harris. Vaterland. Und schüttelt den Kopf ob der Frage, wer sich denn solch abstrusen Unsinn ausdenken konnte: „Ein Regime massenmordender rassistischer Wahnsinniger, angeführt ausgerechnet von einem messiasartig verehrten österreichischen Postkartenmaler, der nicht nur den [2.] Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, sondern auf dessen Befehl hin auch Millionen von Menschen in monströsen Tötungslagern ermordet worden waren.“ (Seite 182)

Aber auch wenn dies auf dieser Zeitebene nicht stattgefunden hatte: Verbrechen sind auf der Skala nach oben wohl keine Grenzen gesetzt. Auch nicht unter Wilhelm V. im Jahr 1988.

So eben fand ich in der Beschreibung eines weiteren Buches von Oliver Henkel, Die Fahrt des Leviathan, einen Begriff, den wohl der Atlantis-Verlag für solche Bücher geprägt hat: Alternativwelt-Roman. Das gilt auch für den Roman Die Zeitmaschine Karls des Großen. Ebenfalls von Henkel. Der Verlag hat sich auf Science Fiction und Fantasy spezialisiert und ist bestimmt eine Fundgrube für Liebhaber solcher Geschichten.

Wenn Geschichte auf SF oder Fantasy stößt, dann finde ich dies schon mal interessant. Hier zum Beispiel. Und hier.

Henkel wurde im Jahr 1973 in Lübeck geboren. In der Informatikbranche arbeitend verblüfft die Computerlosigkeit seiner Geschichten. Zweimal wurde er mit dem Deutschen-Science Fiction-Preis ausgezeichnet. Seine Bücher handeln alle in derartigen Alternativwelten. Sicher eine seltene Form von Geschichtsrezeption, aber diese könnte mir gelegentlich gefallen.

 

► DNB / Atlantis-Verlag / Stolberg 2014 / ISBN: 978-3-86402-105-3 / ca. 366 S.

 

© KaratekaDD


[1] Seite „Science-Fiction“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Juli 2016, 06:23 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Science-Fiction&oldid=156492562 (Abgerufen: 1. August 2016, 14:16 UTC)

[2] Das hat er auch in „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ getan

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spionage, alternativwelt, deutsches reich

Walkürenritt

Heiger Ostertag
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 01.07.2014
ISBN 9783944264448
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Walküren. Schlacht- und Schildjungfern. Weibliches Geistwesen aus den Gefolge Odins. Sie führen die ehrenvoll Gefallenen vom Schlachtfeld nach Walhall.

Operation Walküre. Oder Unternehmen Walküre. Plan der deutschen Wehrmacht zur Unterdrückung von Aufständen der Zivilbevölkerung. Der Plan wurde in Teilen verwendet bzw geändert für das Attentat auf Hitler am 20. Juni 2044.

Ritt der Walküren. Orchesterwerk von Richard Wagner. Vorspiel zum dritten Akt der Oper Die Walküre. Bekannt geworden auch aus dem Film Apocalypse Now, als Begleitmusik für einen Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf.

Walkürenritt: Alternativwelt-Roman von Heiger Ostertag.

Vorgestellte Alternativwelt-Romane auf unserem Blog:

Kaisertag von Oliver Henkel / Alles bleibt anders von Siegfried Langer.

 

Stellen wir uns vor: Unternehmen Walküre gelingt. Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg platziert nicht nur die Bombe unter dem Tisch zur Lagebesprechung in der Wolfsschanze. Nachdem der Sprengsatz explodierte, läuft ihm der Führer vor die Pistole. Stauffenberg schießt und stirbt selbst. Der Führer ist tot. Witzleben, Goerdeler und die anderen übernehmen die Führung des Reiches. Aber weder Churchill noch Stalin wollen den Krieg beenden. Doch da gibt es noch den Professor Heisenberg. Drei V2 werden mit Atomsprengköpfen bestückt. Eine wird auf der Kanalinsel Jersey niedergehen. Eine andere trifft statt Minsk die sowjetische Hauptstadt Moskau. Die gesamte sowjetische Führungsspitze kommt um. Der Krieg ist aus. Deutschland ist um einiges größer als das Dritte Reich 1939. Wo eigentlich ist die dritte Atomwaffe abgeblieben?

Im Juni 2015 ist Europa in die westeuropäische Union und die großdeutsche Union geteilt. Für Europa wird die Türkei gefährlich. Ein neues osmanisches Reich? Nordafrika gehört schon dazu. Und der Staat Israel entstand, weil die Türken nach Rauswurf der Engländer aus Palästina, das Land den aus Europa geflüchteten Juden schenkte. Aber ist wirklich die Türkei der mächtige Feind?

In Berlin treffen sich die Staatsführer Europas. Mit Anschlägen der islamistischen Türkei ist zu rechnen. Aber für den jungen Oberst Harald Reithagen vom Reichsschutz wird es ein Walkürenritt. Als er die Führung einer Sondergruppe zum Schutz des Gipfels übernimmt, ahnt er nicht, wohin ihn das führen wird. Zum Beispiel zur Befreiung zweier seiner Gruppenangehörigen aus der Festung Spandau. Ein Kommandounternehmen.  

 

* * *

Das geschilderte Deutsche Reich ist ein seltsames Reich. Sehr groß, einschließlich der Ukraine. Die Entnazifizierung fand so statt, wie man das, mit allen ihren Unzulänglichkeiten aus der Geschichte der Bundesrepublik kennt. Auch die ehemaligen Politikergrößen (Adenauer, Schumacher, Brandt…) werden in Rückblicken erwähnt. Das Militär spielt eine große Rolle. Die KSK ist auch im Inneren so etwas wie die GSG 9.

Ein gewaltiges „Durcheinander“ von Spionage, Gegenspionage, vermeintlichem und tatsächlichem Verrat, Verfolgung, Flucht, Totschlag, Verschwörung hat Dr. Heiger Ostertag hier präsentiert. Man sagt, Pläne, auch militärische, sollten nicht übermäßig kompliziert sein. Zu viele Fehlerquellen. Auch sagt man, dass ein solcher Plan kurz nach Beginn der Umsetzung nicht mehr stimmt. Aber spannend ist der Roman schon.

* * *

Interessant ist, dass der Autor, geboren im Jahr 1953, als Historiker in Forschung und Lehre tätig ist, der auch Fachliteratur veröffentlichte. Seine belletristischen Werke sind im Südwestbuch-Verlag erschienen. Außerdem weiß er wohl, von was er schreibt, als ehemaliger Oberstleutnant der Luftwaffe. Der Autor wird mich wohl weiter beschäftigen, seine Webseite zeigt sehr interessante Dinge auf. Außerdem ist die Anzahl seiner Veröffentlichungen enorm. Dazu zählen über zwanzig Romane, in denen nicht nur Militärgeschichte und Fiktionales eine Rolle spielt.

Ostertag allerdings schreibt nicht nur Geschichte „um“. Er, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem Offizierskorps im deutschen Kaiserreich beschäftigte, scheint mit solchen Themen seinen schriftstellerischen Schwerpunkt gefunden zu haben.

Schon bei der Rezension zu KAISERTAG (O. Henkel) stieß ich auf den Begriff des Alternativweltromans. Ich glaube nicht, dass diese Art von SF-Literatur nun zum Hauptgegenstand meiner Buchbetrachtungen werden wird. Aber gelegentlich ist das Genre schon zu genießen.

 

► DNB / SWB-Verlag / Stuttgart 2014 / ISBN: 9783944264448

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iran, revolution, teheran, flüchtlinge, debüt

Nachts ist es leise in Teheran

Shida Bazyar
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048919
Genre: Romane

Rezension:

Manchmal „schiebt“ man nicht nur Bücher vor sich her, auch die Rezensionen müssen gegebenenfalls etwas warten. So war das auch bei diesem Buch, welches ich während der Buchmesse in Leipzig 2016 am Stand von Kiepenheuer & Witsch erhielt. NACHTS IST ES LEISE IN TEHERAN. So heißt das Buch der 1988 geborenen Shida Bazyar.

Vierzig Jahre umspannt diese ungewöhnliche Familienchronik, in der im Abstand von jeweils 10 Jahren Vater, Mutter, Tochter, Sohn zu Wort kommen. Das Ganze beginnt in Teheran 1979. Es herrscht eine revolutionäre Stimmung, denn der Schah musste abdanken. Der erste Erzähler ist Behsad, ein kommunistischer junger Revolutionär. Seine Freunde und er wollen eine neue, eine fortschrittliche Ordnung. Doch die Macht erhält Ajatollah Chomeini, der eine Regentschaft der Geistlichkeit einführte und eine islamische Republik ausrief. Kein besonders gutes Feld für junge idealistische säkulare Revolutionäre.

Behsad, der im Kreise dieser jungen Leute die literaturdurstige schöne Nahid findet, die Liebe seines Lebens, geht außer Landes. Chomeini, das eigentliche Symbol des Kampfes gegen die Monarchie, setzt auch Gewalt gegen anders Denkende ein. Behsad und Nahid gehen mit ihren Kindern Laleh und Morad nach Deutschland.

1989. Nahid erzählt von ihrem Leben in Deutschland. Sie haben Freunde aus der westdeutschen linken Szene, die irgendwie vom Mauerfall überrascht sind und wirken, als wüssten sie nicht mehr so richtig, wo sie stehen sollen. Sie hängen oft am Radio um Nachrichten aus der Heimat zu empfangen. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Was gibt es neues aus der Heimat? Zwei Revolutionen erlebt. Die zu Hause und nun den Mauerfall im Exil, einem Land, in das sie nicht so richtig zu gehören scheinen. Tragisch erscheint das vor allem für Nahid. Von der lernenden, lesebesessenen jungen Frau scheint nicht viel übrig geblieben zu sein. Sie kümmert sich um Familie und Mann, lernt nicht so gut Deutsch und entspricht äußerlich wohl viel dem Klischee, dass viele Menschen von Muslima haben, dabei ist sie gar keine. Die Kontakte, dies sie mit Deutschen hat beschränken sich auf wenige Personen. Bindeglied sind die noch kleinen Kinder. Arbeit? Kinder und die Wohnung. In ihr zeigt sich dem Leser das Elend des Exils.

Zehn Jahre später. 1999. Den Faden spinnt jetzt Laleh weiter. Den Hauptteil ihrer Erzählung nimmt eine Reise mit ihrer Mutter nach Teheran ein. Das Mädchen kommt in eine für sie fremde Kultur. Sie trifft auf eine große, eine herzliche, freundliche Verwandtschaft. Laleh bringt diese neuen Erlebnisse mit ihren Kindheitserinnerungen nicht richtig zusammen. Es ist schwer für das Mädchen, inmitten der Frauen und Mädchen sich über Geheimnisse und Schönheitsrituale zu unterhalten und dabei sich auf der Straße verhüllen zu müssen. Lalehs Sprache ist ganz anders als die ihrer Eltern. Hier merkt man die offene Gesellschaft in der neuen Heimat – für Laleh hat der Begriff Exil wenig Bedeutung. Sie ist es, die feststellt, dass es tagsüber laut, in der Nacht aber leise ist in Teheran.

Schwieriger wird es für ihren Bruder Morad. Der ist weitere zehn Jahre, im Jahr 2009,  ein ziemlich lotterhafter Student, eher Feten und Bierdosen zugeneigt als dem ernsthaften Studium. Mo hat wiederum eine andere, eine schon sehr differenzierte Sicht auf seine Eltern und dazwischen steht die ältere Schwester, trennendes und bindendes Glied. Mo besteht beide nicht richtig. Mutter und Vater hören immer noch ständig Nachrichten aus dem Iran. Laleh ist „mehr“ Iran als er. Der Freund des Vaters aus Jugendtagen ist wohl umgebracht worden, Behsad hadert mit sich, dass er in der Fremde ist, weil er vermutet, immer noch gesucht zu werden.

Shida Bazyar hat literarisches (kreatives) Schreiben studiert, mehrfach Stipendien erhalten und vor diesem ersten Roman Kurzgeschichten und Anthologien veröffentlicht. Dass sie schreiben kann, merkt die Leserin bzw. der Leser vor allem an der sich ändernden Sprache oder besser Erzählweise, bei der die Generationen sehr gut getroffen sind. Autobiografische Züge hat der Roman wohl auch. Shida ist wie Tara, das ist die jüngste Tochter von Behsad und Nahid bereits in Deutschland geboren. Auch Shidas Eltern kamen nach der islamischen Revolution nach Europa. Insofern hat sie die hier niedergeschriebene Geschichte sicherlich in Teilen zu Hause oder bei Bekannten erlebt. Ich halte nicht nur deswegen das Buch für sehr gelungen.

Für Tara ist der Iran viel weiter weg. Einige Jahre später ist sie mit ihrer Nichte unterwegs. Aber plötzlich ist der Iran wieder in aller Munde. Der Westen nähert sich an, der Gottesstaat wird offener – Ein Symbol gegen den Terror in der Region? Wenige Seiten schließen die Geschichte mit Taras Worten und doch beginnt sie von neuem. Wird sie gut? Hoffen wir, dass dies wirklich so sein wird.

© KaratekaDD

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indiane, lakot, oglal, oglalla, dakot

Die Söhne der Großen Bärin. Band 1: Harka

Liselotte Welskopf-Henrich
Fester Einband: 693 Seiten
Erschienen bei Mitteldeutscher Verlag, 01.01.1982
ISBN B0000EAURG
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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kambodscha, lesereise, bambus und rattan, kurzgeschichten, im dschungel

Lesereise Kambodscha

Erik Lorenz
Fester Einband: 132 Seiten
Erschienen bei Picus Verlag, 16.02.2015
ISBN 9783711710574
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein schmales Buch. Betitelt mit Lesereise Kambodscha. Untertitel: Ein Tuk-Tuk in Angkor. Der Autor: Erik Lorenz. Ein Globetrotter, der mit seinen knapp 30 Jahren schon ganz schön rungekommen ist. Eigentlich haben wir uns über „Indianer“ kennen gelernt und nun schau ich mir gern seine Reisebücher an. 

* * *

Kambodscha. Ein Reiseland? Das bekannteste Wahrzeichen ist die Tempelanlage von Angkor Wat. Das einzige Bild des vor mir liegenden Büchleins zeigt diese gewaltige Tempelstadt. Erik Lorenz erzählt in elf Kapiteln von seiner Tour.

Die Geschichte des Landes erzählt ihm zu Beginn Yim Savy, der unter den Roten Khmer als Kind harte Feldarbeit leisten musste, später dann in Phnom Penh Abitur machte und in Rostock sein Ingenieursstudium aufnahm, wo von er heute seine Familie nicht ernähren könnte. Doch die Fremdsprache Deutsch, die kann er gut gebrauchen. Er hat im wahrsten Sinne „um sein Leben gelernt.“

Die Kunstszene. Erik Lorenz macht uns mit Malern, Bildhauern bekannt und in einem späteren Kapitel mit Kindern, die typisch kambodschanischen Lederbilder der Kleinen Engel herstellen. Aus dem Schatten in das Licht sind diese Kinder gekommen, die, oftmals Waisen hier etwas für sich und ihre Familien verdienen können. In diesem Fall ging es wohl weniger um Kinderarbeit, die sicher sonst weit verbreitet ist. Auch von der schlimmsten Form erzählt Erik, von den Müllsammlern, von Im Eath. Man glaubt dem Autoren seine Betroffenheit ob des Schmutzes, der Armut, dem Elend.

Jahre des Bürgerkrieges haben auch in Kambodscha dafür gesorgt, dass Millionen von Minen, Munition und Blindgängern „herumliegt“. Ein ehemaliger deutscher Oberstleutnant leitet den Mienenräumverband 6. Nicht etwa eine militärische Gruppe von Soldaten, aber ein ähnlich geführter und von der UN bezahlter „Truppenteil“. Etwas skurril in den militärischen Verhaltensweisen seiner Angehörigen, aber vielleicht rettet diese Disziplin tatsächlich Leben. Hautnah erlebt Erik das Minenräumen. Jeder Hektar geräumter Boden wird sofort von den Bauern vereinnahmt und genutzt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ja, die gibt es in Kambodscha und betroffen ist davon eine vietnamesische Minderheit. Um das zu verstehen, immerhin haben die Vietnamesen mit den „killing Fields“ der Roten Khmer Schluss gemacht, muss man wohl weit in die indochinesische Geschichte zurückschauen, bis in das 19. Jahhundert. Erik Lorenz spricht mit Unterstützern von Sam Rainsy, einem Oppositionsführer („Nicht alle Vietnamesen sind schlecht“) und der erinnert in seinen Äußerungen sehr aktuell an diverse Rechtspopulisten in Europa. In Kambodscha führt das gelegentlich noch zu Mord und Todschlag.

Amüsant am Ende ist die Dschungelwanderung. Erik wollte wohl erstens „dreckig“ werden und zweitens „verrücktes Zeug“ essen. Dies ermöglicht ihm sein Begleiter Nara, der zeitweise den Eindruck macht, dass er sich auch nicht übermäßig auskennt. Jedenfalls kommt Erik Lorenz voll auf seine Kosten. 

So erzählt er von einem Land, dass „zu neuem Leben erwacht“. In diesem schmalen Büchlein schafft er es auf 130 Seiten tatsächlich einen ernsten bis humorigen Bogen zu Geschichte, Politik, Kunst, Land und Leute eben zu schlagen. Dies alles ohne Bilder. Eigentlich schade, aber es war ja eine Lesereise.

 * * *

Das Buch erschien im österreichischem Picus Verlag. Dieser hat das Thema "Lesereisen" direkt als eine seiner Rubriken, seiner Themengebiete im Programm.  Auch das Buch Lesereise Laos - Vom Schwinden der Silberfäden von Erik erschien in diesem Verlag. Auch so ein schmales Bändchen, genau wie Hongkong - Ein Flugloch für den Drachen.

Was ist mein Fazit? Nicht nur, dass ich neugierig werde aud die anderen Veröffentlichungen, nein, mit diesem Autor, den ich wegen gänzlich anderer Themen bekannt wurde, würde ich schon mal eine Weltreise machen. Sympatisch ist er nämlich auch. Danke Erik für dieses Buch, welches ich mit großer Freude las und nun darüber schrieb.

© KaratekaDD

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portugal, wellington, napoleo, england

Tod den Franzosen

Cecil S. Forester
Flexibler Einband
Erschienen bei Ullstein TB
ISBN 9783548210926
Genre: Romane

Rezension:

C.S. Forester (1899 – 1966) schrieb 1932 den Roman Death to the French. Unter dem Titel Tod den Franzosen brachter der Ullstein Verlag diesen Roman im Jahr 1988 heraus. Ein schmales Taschenbuch von gerade einmal 159 Seiten. Was den Schriftsteller geritten hat, den Kampf zwischen den Truppen des Duke of Wellington und Napoleons Armee im Jahr 1810 zu erzählen, weiß ich nicht. Ein paar Jahre später mussten Franzosen und Engländer jedenfalls (zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert) Verbündete werden.

* * *

Der Roman erzählt davon, wie der Scharfschütze Matthew Dodd von seinem 95. Regiment abgeschnitten wird, während sich Wellingtons Truppen auf Lissabon zurückziehen müssen. Er versucht natürlich Anschluss an die britischen Truppen zu gewinnen, jedoch dauert dieses Unterfangen Monate. Die verbringt er mit portugiesischen Freischärlern. Die Bauern, schlecht ausgerüstet und militärisch völlig unerfahren führen unter seiner Führung einen Partisanenkrieg gegen die Franzosen.

Es ist ein französisches Linienregiment das in der Gegend, inzwischen auch nur noch mit Fetzen bekleidet und wegen fehlendem Nachschub hungernd, umherzieht. Sergeant Godinot führt eine Gruppe, deren Angehörige durch dieses „Gespenst“ den Scharfschützen Dodd immer mehr dezimiert werden. Am Ende werden die Bauern von den Franzosen, Dodd befindet sich gerade auf einem Aufklärungsgang, hingemetzelt.

Es bleibt am Ende nur die Frage: schafft es Dodd zurück zu den Rotröcken? Überlebt der erfahrene französische Sergeant den portugiesischen Krieg?   

 

* * *

Der Roman lebt nicht allein von der Geschichte dieses hervorragenden Soldaten im grünen Rock der Sharpshooters, die im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber handelnde französische Gruppe, die am untersten Ende der Nahrungskette steht, gibt das Salz des Romans. Vor allem deshalb, weil sie sich immer fast in die Augen sehen können. Der Szene, in der die Franzosen versuchen eine Brücke über den Tejo zu schlagen unter englischem Kanonenbeschuss ist sehr eindringlich und zeigt, Krieg hat vielleicht gelegentlich Helden, aber eben nichts Heldenhaftes.

 

* * *

Mich erinnerte der Roman an eine englische Serie mit Sean Bean, Sharpshooters. Bean verkörperte darin den Scharfschützen Richard Sharpe. Auch so ein Typ, ähnlich wie Dodd, ebenfalls im 95th. Rifle Regiment, auch in Portugal (und an vielen anderen Kriegsschauplätzen) eingesetzt. Sharpe allerdings schafft es bis zum Offizier, weil er Wellington das Leben rettet.

 

* * *

Cecile Scott Forester ist der Erfinder des fiktiven englischen Seehelden Horatio Hornblower.

© KaratekaDD

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london, zeugen jehovas, richterin, england, verantwortung

Kindeswohl

Ian McEwan , Werner Schmitz
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257243772
Genre: Romane

Rezension:

Ian McEwan, geboren 1948, hat bisher seltsamerweise nur einen Post in unserem Blog erhalten. Sein Roman ABBITTE wurde ein Weltbestseller und mit Keira Knightley auch verfilmt.

Vor einigen Monaten suchte ich nach einem passenden Geschenk für „engere Verwandtschaft“ und stieß, in Erinnerung auf ABBITTE nun auf KINDESWOHL.

 

„In jeder Frage der Sorge für die Person eines Kindes … hat das Wohl des Kindes dem Gericht als oberste Richtschnur zu dienen.“                                                                                                                          (Abschnitt 1 (a) des britischen Children Act 1989)

 

Ian McEwan erzählt von Fiona Maye, einer Londoner Familienrichterin. Sie spricht Recht am High Court, Scheidungen, Sorgerecht, Fragen zum KINDESWOHL sind ihr Arbeitsgebiet. Selber haben Jack und Fiona keine Kinder und momentan hat sich eine Ehekrise angebahnt, denn Jack will noch mal den „großen Kick“.  Er macht ihr den schockierenden Vorschlag und verlang die Freigabe für einen Seitensprung. Noch einmal Sex in „wilder Extase“, so wie früher. Er wäre jetzt 59 und da wird es wohl Zeit.

Adam heißt ein gerade noch Siebzehnjähriger, der mit Leukämie und guten Heilungschancen im Krankenhaus liegt. Zwei der notwendigen Medikamente erfordern allerdings Bluttransfusionen, denn die vorgeschlagene Therapie zur Bekämpfung der Leukämie ruft erst einmal eine Anämie hervor. Der Junge und seine Eltern sind Mitglieder einer Gemeinde der Zeugen Jehovas und die empfinden Bluttransfusionen als einen satten Verstoß gegen Gottes Wort.

Es ist die Klinik, die das Gericht anruft, sie will den Jungen retten. Fiona Maye entschließt sich, den schwerkranken Jugendlichen im Krankenhaus zu besuchen, die Zeit eilt. Die Ärzte rechnen bereits in den nächsten vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden mit einer zunehmenden Verschlechterung seines bereits schon von Schwäche und Atemnot gekennzeichneten Zustandes.

Nach dem Besuch fährt sie zurück in das Gericht und spricht ihr Urteil…

 

* * *

Das ist, wenn man so will, Teil Eins. Sie hat zu entscheiden zwischen dem Glauben von Eltern und Sohn, die bisherige Rechtsprechung verlangt, dass der Wille eines fast Erwachsenen zu werten ist wie der eines eben Erwachsenen. In der Tat, Adam ist ein weit entwickelter junger Mann, der die Richterin, Mylady, beeindruckt hat. 

Sie kommt aber zu dem Schluss, dass ein Siebzehnjähriger kaum „Gelegenheit gehabt [hat], sich auf dem unüberschaubaren Feld religöser und philosophischer Ideen genauer umzusehen. Es gibt in dieser christlichen Sekte, deren Mitglieder sich selbst – mit Recht, wie manche meinen – als >die anderen Schafe< bezeichen, keine Kultur der offenen Diskussion oder des Widerspruchs. Ich glaube nicht, das A.´s Denken und seine Ansichten ganz und gar seine eigenen sind. Er wurde in seiner Kindheit pausenlos und einseitig einer rigorosen Weltanschauung ausgesetzt und muss daher zwangsläufig von ihr geprägt sein. Es kann nicht seinem Wohl dienen, einen qualvollen, unnötigen Tod zu erleiden und zum Märtyrer seines Glaubens zu werden.“ (Seite 130 f)

KINDESWOHL. Und Adam ist von Rechts wegen doch noch ein Kind. Daher…

 

* * *

Doch der Besuch im Krankenhaus hinterlässt noch andere Spuren, denn eben die Konfrontation mit anderen Ansichten löst bei dem Jungen noch mehr aus. Er schreibt Mylady, sie lässt die Briefe unbeantwortet, sie hat Recht gesprochen, Zuneigung ist nicht vorgesehen.

Sie fährt mit einigen anderen Richtern quer durch England und spricht in verschiedenen Orten Recht. Sehr interessant – erinnert an die Reisekaiser und Reisekönige die von Pfalz zu Pfalz reisten und dort auch Recht sprachen. England eben. Das Rechtssystem ist sehr traditionell, die Achtung vor den Gerichten ist vermutlich viel größer als bei den Deutschen, die zwar Recht und Ordnung wollen, selbst aber nicht davon berührt sein möchten.

Doch die unmittelbare Vergangenheit holt sie ein. Was wird aus dem Jungen werden? Was wird aus ihrer Ehe?

* * *

Wie weit geht das Recht des Einzelnen? Kann ein noch nicht Volljähriger über sein Leben frei entscheiden? Wie doktrinär sind solche Religionsgemeinschaften oder gar Sekten?

Interessant das Recht des Einzelnen: Jack und Adam, in jedem Fall geht es um das Recht des Einzelnen, beide eng verbunden mit der eigentlichen Hauptfigur, die zweimal schwere Entscheidungen ohne Hilfe von außen zu treffen hat.

IanMc Ewan hat einen sehr guten Roman geschrieben, der die Leserin, den Leser in die Geschichte bannt. Meisterhaft baut er die Spannung des Dramas auf. Der Leser ahnt zwar, dass die Handlung auf ein Drama zusteuert, trotzdem wird sie, wird er vom Ende überrascht.

Mehr allerdings kann hier wirklich nicht verraten werden…

 

* * *

Es sind keine allzu dicken Romane, die Ian McEwan, dessen Bücher meist im Diogenes Verlag herausgebracht werden, inhaltlich ist das nun mein zweiter sehr tief gehender Roman, von dem durch die Königin geadelten (Commander oft he British Empire) Schriftsteller, der seine Professsion auch richtig studiert hat. Er studierte englische und französische Philologie und englische Literatur. Ein Kurs zu kreativem Schreiben während des Studiums machte ihn, der auch unterrichtete, später dann ab 1975 zum freien Schriftsteller.

Es ist bestimmt nicht der letzte McEwan – Roman, den ich gelesen habe.

© KaratekaDD

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napoleon, waterloo, schlacht bei leipzig, elsas, grande armée

Ein Soldat Von 1813 / Waterloo

Erckmann - Chatrian
Flexibler Einband
Erschienen bei Aufbau Verlag, 01.01.1985
ISBN B002ORTFH6
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Soldat von 1813
& Waterloo.
Das Autorenduo Emile
Erckmann
(1822 – 1899) und Alexandre
Chatrian
(1826 – 1890), beide im Elsass geboren, erzählen die
Geschichte des jungen Joseph Bertha, einem Uhrmacherlehrling zu
Pfalzburg. Sein Lehrmeister, Vater Gulden, ist ein glühender Verfechter der
Französischen Republik, er schaut aber skeptisch auf die Eroberungszüge des
Kaisers – Krieg ist ihm seit seiner eigenen Soldatenzeit letztlich verhasst.

Joseph liebt Catherine, die bei ihrer Mutter Gredel lebt. Es
ist das Jahr 1813. Die Grande Armeé flutet geschlagen aus Russland zurück. Sie
braucht dringend Verstärkung aus dem französischen Mitterland, zu dem
Elsaß-Lothringen gehört. Joseph muss, obwohl etwas schwächlich und etwas schief
gewachsen in den Krieg. Und so marschiert er denn auch, inzwischen braucht der
Empereur auch sonst untaugliche Soldaten mit dem 6. Linienregiment bis vor
Leipzigs Tore.

Der Leser begibt sich förmlich mit auf den Marsch durch
Hitze und Staub, durch Matsch und Regen. Er trinkt mit den Rekruten mal Wein
und mal das Wasser aus den Pfützen. Er steht in der Linie, stürmt die Schanzen
und watet durch das Blut der Leichen über die er stolpert. Er liest von Mut,
Angst und Rache auf eine Art und Weise, wie er es erstaunlicher Weise für das
19. Jahrhundert nicht erwartet hätte. Er lernt die Lazarette kennen, hört die
Sägen knirschen, bangt mit Joseph und seinen Freunden. Er lernt, dass die
französische Armee anscheinend eine andere ist als die der stehenden Heere
Preußens. Und er lacht und weint mit Joseph, als der wieder nach Pfalzbourg
kommt – Der Kaiser sitzt derweil auf Elba fest.

Doch „der doppelköpfige Autor historischer Romane der
französischen Literaturgeschichte“ [1]     muss die Geschichte natürlich zu Ende
erzählen: Joseph muss noch einmal los. 
Inzwischen ist er mit Catherine verheiratet und arbeitet, da nicht
demobilisiert worden war, auf dem Arsenal. Es wird nichts mit der Fortsetzung
dieser Arbeit auf dem Arsenal in Metz, er marschiert mit seinem Freund aus
Leipziger Tagen, Zepedäus, bis nach Belle-Alliance, gemeinhin als Waterloo
bekannt.

Es ist als ob das Schlachten noch schlimmer geworden ist.
Dem Leser wird die Bedeutung des Wortes sehr eindringlich klargemacht:
Schlacht. Pardon? Wird nicht gegeben. Die Franzosen nicht, weil die Verbündeten
des Kaisers Friedensangebotes nicht annehmen und die Preußen und Engländer
nicht, weil Bonaparte es gewagt hat, erneut auf der Klaviatur der europäischen
Politik zu erscheinen.

So eine Schlacht kann Tage dauern. Nichts zu fressen, nichts
zu saufen: Karotten, Steckrüben, ein Schluck Branntwein aus der Flasche eines
gerade erledigten englischen Rotrocks, die, weil aus Metall, im Licht förmlich
funkelte. – VERLOREN. RÜCKZUG. Joseph und der Bauernbursche Jean Buche, der vor
dem Krieg immer nur Kartoffen zum Essen bekam und nun Fleisch kennengelernt hat,
kommen nach Hause. Kameraden, Freunde sind sie geworden ohne die man einen
mörderischen Krieg nicht überleben kann, es reicht dafür nicht, der tödlichen
Kugel, dem Säbel der englischen Dragoner, den preußischen Kartätschen zu
entgehen.

Wer soll denn vom Krieg erzählen, wenn nicht solche
Veteranen?

Mit „Hurra“ stürmen sie bei Ligny und vor Belle-Alliance die
Stellungen der Gegner. Sie schreien wo es geht in donnerndem Chor: „Vive la
Empereur!“ – Und im Gegensatz zu den Feldherren der Verbündeten erscheint der
Kaiser selbst viel öfter in den vorderen Reihen. Er, der verhasste Eroberer,
der seine Franzosen in Russland verbluten ließ und doch der Bewahrer
republikanischen Freiheiten, oder deren Reste ist, wie man zwischen 1814 und
1815 unter Ludwig dem XVIII. erfahren muss. Nachdem Bonaparte auf St. Helena
sitzt, werden die heimkehrenden Soldaten bespuckt, beleidigt von den Bürgern,
die doch ebenso kräftig noch einmal „Vive le Empereur!“ geschrien hatten.

* * *

Kriegsbücher im 19. Jahrhundert.  Dieses hier ist von einer Eindringlichkeit,
die durchaus verblüfft.  Nicht zu
vergleichen mit Tolstois Krieg und Frieden, aber das betrachtet den Krieg in
Russland ja auch aus ganz anderer Sicht und ist doch ebenso auch ein
Anti-Kriegsbuch.

„Man stelle sich vor,
wie wir da im strömenden Regen im Getreide hockten, zitternd vor Kälte, doch
mit der Absicht, unsere Mitmenschen niederzumachen und glücklich waren über
eine Rübe, eine Wurzel oder dergleichen. Ist das ein menschenwürdiges Leben?
Hat Gott uns dafür erschaffen? Ist es nicht furchtbar, wenn ein König oder
Kaiser, statt sein Land zu regieren, den Handel zu fördern, Erziehung, Freiheit
und gutes Beispiel zu geben, seine Untertanen in eine solche Lage bringt? Ich
weiß zwar, man nennt das den Ruhm -  aber
was sind die Völker dumm, wenn sie solche Menschen verherrlichen!“
[2]



Der Schluss eine Rede an die geschlagene und niedergeschlagene
Große Nation: „Unser armes Vaterland liegt schwer danieder. Als Napoleon in
Frankreich die Macht ergriff, war es die größte, freieste und mächtigste aller
Nationen, und die übrigen Völker bewunderten uns. Jetzt sind wir besiegt,
ruiniert und ausgesogen, der Feind sitzt in unseren Festungen, und, was
Frankreich noch niemals erlebt hat… : der Fremdling war Herr unserer
Hauptstadt.. Das sind die Folgen, wenn ein Land seine Freiheit, seine Ehre,
sein Schicksal in die Hand eines Ehrgeizigen legt.“ [iii]

* * *

Das Autorenduo schrieb diese Romane 1864 und 1865. Im
Vorwort kann man lesen, dass beide „in ihrer geistigen Kultur sowohl im
demokratischen französischem Denken als auch in der deutschen Erzähltradition
verwurzelt sind.“ Den Erzählungen von Erckmanns Vater und Chatrains Onkel
folgend, sind die Romane gekennzeichnet durch „gerühmte dokumentarische Treue und Genauigkeit.“ Außerdem schauen
aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes auf das Weltgeschehen. Die rückblickende
Erzählung des gemeinen Soldaten Joseph beinhaltet dann auch Hinweise und
Geschehnisse, die der Junge auf dem Schlachtfeld wohl noch nicht haben konnte,
die aber eben diese Dokumentationsgenauigkeit ermöglichen.

„Joseph Bertha, unser
einfältiger Held und Soldat wider Willen, irrt im Grunde mit ähnlicher
Ratlosigkeit wie Stendhals Fabrizio durch das Gemetzel der Schlacht von
Waterloo, und auch er ist fasziniert von der Gestalt Napoleons. Nur erlebt er
den Krieg noch grausiger, viel wirklicher das Leid der Menschen und der
gemarterten Natur, und es ist für ihn, den Mann aus dem Vierten Stand, der
Friede zum Leben und Arbeiten weit wichtiger als für den jungen Aristokraten –
so daß sein tiefer Friedenswille seinen Patriotismus wie auch sein Napoleonbild
am Ende bemerkenswert verändert.“

Zola meinte, er „kenne
kein schöneres Plädoyer gegen den Krieg als diese ergreifenden Seiten“
, [iv]
und das waren sie auch für mich: erstaunlich und ergreifend.


[1] Vgl.
Erckmann-Chatrian, Ein Soldat…, Buchrücken

[2] Vgl.
Ebenda, Waterloo, Seite 255

[iii] Vgl.
Ebenda, Seite 294

[iv] Vgl.
Ebenda, Seite 1

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Tags: elsas, grande armée, napoleon, schlacht bei leipzig, waterloo   (5)
 

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indianer, sitting bull, lakota, usa, tatanka iyotake

Die Geschichte des Sitting Bull.

Erik Lorenz , Claudia Lieb
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Palisander Verlag, 21.03.2016
ISBN 9783938305959
Genre: Romane

Rezension:

Biografien können so anders verschieden sein. Die klassische Biografie gleicht einem Lebenslauf. Sachlich und doch auch gelegentlich spannend, abenteuerlich. Ein biografischer Roman setzt mehr auf den Menschen und beachtet die historischen Ereignisse (hoffentlich) genau. Hier aber haben etwas Anderes. Das Leben des Häuptlings der Hunkpapa Lakota, Tatanka Iyotake wird gleichsam in Episoden erzählt. Chronologisch zwar, aber in Fortsetzungen. Ein Großvater erzählt seinem Enkel, beide selbst Lakota, von einem der größten Indianerführer des 19. Jahrhunderts. Der Enkel ist sehr „modern“, die traditionelle Erzählweise spricht ihn trotzdem an. So die Rahmenhandlung.

Vielen Lesern, auch den „indianerkundigen“ sind die Details von Kindheit und Jugend, die ersten Jagden und Kämpfer, der erste Sonnentanz des wohl eher nachdenklichen und grüblerischen Häuptlings nicht so sehr bekannt. Die Bekanntheit tritt ein mit den Indianerkriegen nach Ende des amerikanischen Bürgerkrieges. Die Indianerschlacht am Little Bighorn, die Flucht nach Kanada und die Rücker in die USA und in das Reservat.

Der Urenkel des Häuptlings, dessen englischer Name Sitting Bull lautet und der auch als Tatanka Yotanka bezeichnet wurde, hat eine solche erzählerische Biografie geschrieben. Erik Lorenz sagt selbst, es ging ihm ganz sicher nicht um eine weitere Biografie oder gar um den Ersatz bereits bestehender. Er wollte ein anderes Buch machen. Schön erzählt und mit kleinen Erläuterungen. Am wichtigsten aber waren die Illustrationen, die Claudia Lieb anfertigte. Diese sind sehr gut gelungen. Mal eher stilistisch, an indianische Malereien erinnernd, mal detailreich, nie überladen und meist nur mit den Grundfarben auskommend.

Das Buch ist rund rum gelungen. Es ist ein schönes Buch und wann kann man das den schon mal von einem Buch behaupten. Und so ist dem Autoren, der Illustratorin und dem Palisander-Verlag zu danken, für dieses bibliophile Produkt.


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Tags: biografie, geistertanz, indianerkriege, lakota, little bighor, tatanka iyotak, usa   (7)
 

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lakota, urenkel, sioux, häuptling, krieger

Sitting Bull, sein Leben und Vermächtnis

Ernie LaPointe , Martin Krueger , Rudy Ramos
Fester Einband: 140 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 14.03.2011
ISBN 9783941485075
Genre: Historische Romane

Rezension:

... stammt dieses biografische Buch.

* * *

Einer der Hauptgründe für den diesjährigen Besuch der Leipziger Buchmesse, war die Vorstellung des Buches DIE GESCHICHTE DES SITTING BULL von Erik Lorenz. Zu diesem Buch wird es demnächst noch manches zu schreiben geben, jetzt und hier ist aber erst mal ein anderes Buch dran: SITTING BULL – SEIN LEBEN UND VERMÄCHTNIS. Geschrieben hat dies ein Urenkel des großen Medizinmannes und Häuptlings der Hunkpapa Lakota, Tatanka Iyotake. Oder Tatanka-Yotanka wie ich den Namen zwar falsch, aber trotzdem in Erinnerung behalten werde.

Dies ist letztlich kein Zufall, denn der Weg durch die Messe führte mich durch die vielen Stände auch zum Traumfänger-Verlag, zu Kerstin Groeper, auf die ich erst kurz vorher aufmerksam geworden war. Im Regal des auf Indianerthemen spezialisierten Verlages sah ich das hier nun vorzustellende Buch. Es lag nahe, dies unmittelbar, fast gemeinsam, mit dem Buch von Erik Lorenz zu lesen, zumal Erik es auch in der Bibliografie erwähnt.

Doch nun erst einmal zu Sitting Bull, dem „Bisonbullen, der im Begriff ist, sich hinzusetzen“ – Tatanka Iyotake.

„Mein Name ist Ernie LaPointe. Mein Lakota Name ist Kangi Sie (Crowfoot). Ich bin eines von vier Urenkelkindern von Sitting Bull (Tatanka Iyotake). Ich schreibe dieses Buch über die Familiengeschichten – traditionell mündliche Überlieferungen – die mir, meiner ältere Schwester Marlene Andersen sowie meiner Nichte und meinem Neffen von meiner Mutter Angelique Spotted Horse-LaPointe erzählt wurden. Dieses Buch ist keine Biografie, weil ich nur die Geschichten wiedergebe, die mir meine Mutter über meinen Urgroßvater erzählte… meine Schwester Marlene hat mir die rechtliche Vollmacht gegeben, die Angelegenheiten, die unseren Urgroßvater betreffen, zu regeln. Wir sind die direkten Nachkommen von Sitting Bull.“ [1]

Der Urenkel erzählt das Leben seines Urgroßvaters in Geschichten. Und er erzählt auch die Familiengeschichte. 

Im Jahr 1831 wird einem Paar der Hunkpapa Tiatunwan Lakota (von den Weißen Teton ausgesprochen), namens Her Holy Door Woman und Returns Again ein Junge geboren, der den Namen Jumping Badger erhält: Springender Dachs. Dieser unterschied sich von den anderen Jungs durch Zurückhaltung und Nachdenklichkeit. Und er sollte doch einer der größten Krieger, Häuptlinge und Medizinmänner werden, einer der bekanntesten Prärieindianer Nordamerikas. [2]

Mit 14 Jahren nimmt er erstmals an einem Kriegszug teil. In Folge dessen überträgt der Vater seinen Namen, Tatanka Iyotake auf den Sohn. Selbst nennt er sich nun Jumping Bull, einer von vier „Bison“-Namen, die ihm ein weißer Bison übermittelt hat. [3] Tatanka Iyotake wird dann Mitglied im Kriegerbund der Starken Herzen. Im weiteren erzählt LaPointe, was die Lakota unter „Verwandschaft machen“ verstehen, das ist die Geschichte eines Jungen der eigentlich verfeindeten Assiniboine, sie werden Hunka-Brüder, eine „Verbindung die tiefer und wichtiger als die Beziehung zwischen Blutsverwandten“ [4] ist.

LaPointe erzählt von Zeremonien wie dem „Zurückhalten der Seele“ Verstorbener und von den Beziehungen zu Frauen und Kindern. Zum Beispiel gehört das Tipi der Frau. Der Mann durfte nur beim Aufstellen z.B. helfen, wenn sie ihn darum bat. Kindern wurde die beste Führsorge entgegengebracht, das ganze Dorf war daran beteiligt. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete er gleich zwei Frauen, trennt sich aber später von einer, weil er sich der anderen wohl stärker hingezogen fühlte und die erste wohl eifersüchtig war. [5]

Tatanka Iyotake nahm mehrmals am Sonnentanz teil, die Zeremonie wird detailreich beschrieben. [6]

Im Weiteren werden die ersten Begegnungen und Kämpfe mit den weißen Amerikanern beschrieben. Tatanka Iyotake glaubt nicht an die Nachhaltigkeit von Friedensverträgen, verfolgt aber eine Politik der Vermeidung von Angriffen, wenn die Lakota in Ruhe gelassen werden.

Der Häuptling der Hunkpapa, Tatanka Iyotakes Onkel Four Horns, entscheidet sich für die Notwendigkeit einer neuen Führung der Lakota. Infolge dessen werden Tatanka Iyotake und Crazy Horse zu deren Anführern.

„Vier Häuptlinge gingen zu Tatanka Iyotakes Tipi und führten ihn hinaus. Sie brachten ein Büffelfell mit und hießen ihn, sich daraufzusetzen. Dann trugen sie ihn zum Ratszelt, um die Zeremonie durchzuführen… [Four Horns] teilte allen mit, dass es nun in [Tatanka Iyotakes] Verantwortung läge, die Ernährung und die Verteidigung der Titunwan Lakota zu gewährleisten… ‚Wenn du uns sagst, dass wir kämpfen sollen, werden wir unsere Waffen erheben, und wenn du uns sagst, wir sollen Frieden schließen, dann werden wir sie niederlegen. Jetzt wollen wir Cannunpa Wakan rauchen, die Heilige Pfeife, damit Wakan Tanka unsere Entscheidung segnen möge.‘“ – Jedoch stimmten nicht alle Lakota Abteilungen, zum Beispiel die Oglala unter Red Cloud der Wahl zu. [7]

Die folgenden Kapitel erzählen dann von den Kämpfen mit der US-Armee.

Der Häuptling wird nach der Schlacht am Little Bighorn (1876) mit seiner Stammesgruppe nach Kanada wandern, sich aber nach fünf Jahren doch den US-Truppen ergeben: für eine solche große Gruppe von hunderten von Familien gibt es dort kein auskommen. Landwirtschaft können sie noch nicht, Bisonherden gibt es kaum noch und die Jagdgründe geben für so viele nicht genug her. Hunger und Heimweh sind auch Beweggründe, die zur Rückkehr führen – in die Standing Rock Reservation.

Tatanka Iyotake bleibt der nachdenkliche Führer, der aber doch nicht alle Stammesangehörigen auf dem „alten“ Glaubensweg behalten kann. Er kommt bis nach Washington, reist mit William Cody (Buffalo Bill) im Zirkus durch die Städte der USA und versucht, um Verständnis für sich und sein Volk zu werben.

Am 15. Dezember 1890 wird er ermordet, maßgeblich von eigenen Stammesangehörigen, Verrat übte auch ONE BULL, sein eigener Neffe. Die unmittelbare Familie flieht und kommt in die Pine Ridge Reservation. Dem ging die sogenannte Geistertanzbewegung voraus, vor der die Reservationsagentur viel Angst hatte. Da sich Tatanka Iyotake deren Gebote nicht beugen wollte, galt er ihnen als Aufrührer.

* * *

Im Buch geht es aber nicht nur um das Leben und die Wirkung des Häuptlings. Einen großen Teil nimmt die Geschichte ein, wie Ernie LaPointe den Nachweis um die Nachkommenschaft führte, da andere Indianerfamilien ebenfalls Ansprüche erhoben.[8] Diese Ansprüche gingen seltsamerweise einher mit einerseits der Werbung mit dem Namen Sitting Bull auf der Standing Rock Reservation und andererseits mit der Diffamierung als Aufrührer zum Beispiel.

Im Gegensatz zu anderen Autoren haben wir hier einen, der „indianisch“ schreibt. Der amerikanische Herausgeber schreibt im Vorwort über die Schwierigkeit, die Form der mündlichen Überlieferungen, die sich von den üblichen Standardbiografien sehr unterscheiden, mit eben der Biografieform zu verschmelzen. Er erzählt auch von Übersetzungsschwierigkeiten und unterschiedlichen Weltanschauungen. [9] Und so haben wir ein Buch vor uns liegen, welches sich unterscheidet von sonstigen Biografien, da es von den Lebenserfahrungen der Lakota, gepflegt von den Nachkommen eines der wichtigsten Lakotahäuptlingen, aber eben auch von deren Glauben, deren Weltanschauungen erzählt. Manches davon erscheint uns fremd, Die Begriffe von Ehre und Mut im Kampf, wenn in einem solchen auf Leben und Tod mit anderen Indianergruppen dem sogenannten Coup, dem Berühren eines feindlichen Kriegers ohne ihn zu verletzen oder zu töten eine solche Bedeutung zukommt. Unseren Werten wie Leben und Freiheit setzt Ernie LaPointe, der als Soldat in Vietnam gewesen ist und mit diesen sicherlich etwas anzufangen weiß, Werte wie Ehre, Respekt, Demut und Mitgefühl hinzu.

Das Buch fördert auf eine bisher weniger bekannte Art und Weise das Verständnis für die Geschichte aber auch die heutige Lage der Lakota.

Kleine Kritik von nicht übermäßiger Bedeutung: Der einzige Name, der transkribiert wurde und damit auf „Lakota“ gedruckt, ist Tatanka Iyotake. Alle anderen werden auf Englisch wiedergegeben. Dies verwundert doch ein wenig. Tatanka Iyotake bedeutet soviel wie „Bisonstier, der im Begriff ist, sich hinzusetzen“. Nicht einfach Sitzender Bisonbulle, wie Sitting Bull einfach übersetzt werden kann. Dies führt auch bei Crazy Horse, Tȟašúŋke Witkó zu vermutlichen Widersprüchen, man kennt ihn eigentlich nicht als „verrücktes Pferd“, sondern eher als „Geheimnispferd“.

 

* * *

 

Der Traumfänger Verlag stellte das Buch auf der Buchmesse im Jahr 2011 vor und hatte Ernie LaPointe dabei auch zu Gast. Kerstin Groeper, Autorin und Verlegerin des kleinen Verlages macht sich seit Jahren verdient und eine Indianerliteratur, die durchaus besonders ist, auch weil sie teilweise von Indianern selbst verfasst wurde. Zudem kommt noch der Umstand, dass es nicht nur um historische Geschichten geht, aktuelle Jugendbücher, Krimis, Thriller zählen ebenso zu den Angeboten des Verlages.

Ich danke Kerstin Groeper für die Überlassung des Buches, der Traumfängerverlag bleibt seit dem Kennenlernen auf der letzten Buchmesse in Leipzig in ständiger „Beobachtung“.


© KaratekaDD


[1] Siehe LaPointe, Ernie: Sitting Bull… ; Traumfänger Verlag, Hohenthann 2011, ISBN: 978-3-941485-20-4, Seite 14

[2] Vgl. Ebenda, Seite 21

[3] LaPointe erzählt den und durch den Glauben seiner Vorfahren.

[4] LaPointe, Sitting Bull, Seite 36

[5] Vgl. Ebenda, Seite 41ff, Kapitel „Frauen und Kinder“ / Eine zweite Frau war gelegentlich üblich, da deren Familee ja versorgt werden musste, wenn der Mann zum Beispiel im Kampf gefallen war.

[6] Auch Ernie LaPointe ist ein Sonnentänzer, die Zeremonie wird auch heutzutage durchgeführt.

[7] Vgl. Ebenda Seite 52/53

[8] Vgl. Ebenda, Seite 14: Vier Wege zur Ermittlung der Abstammungslinie. Überlieferungen, Dokumente, eine heilige Zeremonie, aber auch die DNA Bestätigung auf Grund einer Haarlocke.

[9] Vgl. Ebenda Seite 10ff


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153 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

science fiction, sience fiction, invasion, weltall, krabbler

Enders Spiel

Orson Scott Card , Karl-Ulrich Burgdorf
Flexibler Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.12.2012
ISBN 9783453314207
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gelegentlich unterhält man sich ja auch in der Verwandtschaft über Bücher. Und Verwandtschaft hat beileibe nicht, oder nicht immer, oder meist nicht den gleichen Lesegeschmack.

Letztens suchten wir den Roman PLANET DES TODES von Stanislaw Lem. Zuerst fanden wir nur GAST IM WELTRAUM von ebendiesem polnischen Autoren. Den Film DER SCHWEIGENDE STERN, die Geschichte des PLANET DES TODES sahen wir dann von einer DVD. Filmmaterial aus den sechziger Jahren. Man siehe, wenn nicht zu Hand irgendeine folge aus der ersten STAR TREK Serie.

Im Zuge der Diskussion, was denn eigentlich Sience-Fiction wäre, was utopisch und was wissenschaftlich-fantastisch ging es plötzlich um ENDERS GAME. Oder auf Deutsch ENDERS SPIEL von Orson Scott Card.

Vermutlich wäre es interessant, die vergangenen Ausgaben (1977, 1985,1991) mal zu vergleichen, hier bleibt nun aber erstmal nur die Besprechung der deutschen Ausgabe von 2012 aus dem Heyne Verlag mit Hinweisen auf die Verfilmung im Jahr 2013.

 

* * *

Die Geschichte:

Vor rund 70 bis 80 Jahren wurde die Erde von Außerirdischen, den ameisenähnlichen Krabblern angegriffen. In mehreren Invasionskriegen gelang es, die Angriffe zurückzuweisen und die Krabbler zu schlagen. Als großer Held steht Mazer Rackham immer noch im Rampenlicht.

Diese Krabbler verfügen über außergewöhnliche „Echtzeitkommunikation“ und können sich äußerst schnell auf neue Gegebenheiten, Waffen, Taktiken und mehr einstellen. Doch die „Königin“ der Krabbler führt absolut zentral. Es gibt nur die eine Zentrale.

Die Erde ist (wieder einmal) in zwei Pakte zerfallen. Noch arbeiten die Staaten in der I.F. (International Forces) zusammen. Aber der Anführer der Staaten, der HEGEMON gehört dem westlichen Bündnis an, der POLEMARCHOS, der Oberbefehlshaber ist wohl Russe. Außerdem gibt es noch den STRATEGOS, den Heerführer – Die Staaten leiten die Titel ihrer Führer aus der griechischen Antike ab, sie wollen wohl darstellen, das von der Demokratie etwas übrig wäre.

Beschrieben wird allerdings eher eine Diktatur und in dieser lebt die Familie Wiggins. Zwei Kinder, Peter und Valentine waren bereits auf der sogenannten Kampfschule der I.F. Peter allerdings ist ein brutaler, über Leichen gehender Typ, Valentine´s Sanftmut passte den Vorgesetzten auch nicht ins Konzept. So durften die Eltern einen (in der Gesellschaft verachteten) „DRITT“ bekommen, denn die Intelligenz der älteren Geschwister war einzigartig. Der DRITT ist Andrew, genannt ENDER. Dessen Geschichte wird nun auf 465 Seiten erzählt.

Oberst Graff und Major Anderson sind Lehrer und Erzieher an der Kampfschule, die der sechsjährige Ender nun kennenlernt. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, insbesondere sein Können, die „Computerspiele“ viel schneller als andere zu durchschauen, führen zu Beförderungen: Er verlässt das START-Team viel schneller, setzt sich im Kommando der Salamander gegen den Kommandanten durch, kommt in ein weiteres Team und bekommt danach als jüngster dann ein eigenes Team, die DRACHEN. Mit denen zeigt er seine Führungseigenschaften, er setzt auf Eigeninitiative, Variantenreichtum und auf die Fähigkeiten der Untergebenen.

So kommt es, dass er die Kampfschule bereits mit elf Jahren verlässt und mit Oberst Graff auf die Kommandoschule auf einem ehemaligen Krabbler-Stützpunkt, dem Asteroiden Eros fliegt. Er ist der, welcher die vermutlich bevorstehende erneute Invasion der Krabbler abwehren und diese vernichten soll. Wird er es schaffen, gemeinsam mit Mazer Rackman, mit Alai, dem Freund aus der Startergruppe, mit Petra, die, selbst Außenseiterin, mit ihm im Kampfraum trainierte und mit Bean, ebenfalls einem kleinerem Jungen, der ihm bei den Drachen zugeteilt wurde?...

 

Die Geschwister:

Der ältere brutale Peter hat den jüngsten, den verachteten „Dritt“ gequält und gedemütigt. Beschützt wurde er von der Zweitgeborenen, von Valentine. Sie spielt eine wichtige Rolle in der jahrelangen Ausbildung ihres jüngeren Bruders. In einer Ausbildungskrise Enders gewinnt Oberst Graff Valentine dafür, ihren Bruder von der Sinnhaftigkeit seiner Ausbildung zu überzeugen. Eine „kleine“ Erpressung ist im Spiel: Peter und Valentine haben sich, obwohl noch Kinder, in den größten Computernetzen der Erde zu bekannten Kolumnisten entwickelt. Der nach Macht strebende Peter schreibt als Locke (nach dem bekannten Menschenrechtler) und Valentine als Demosthenes (athenischer Redner und Staatsmann). Während Peter selbst an die Spitze der Weltregierung will (Hegemon), aber auch den drohenden Krieg der Gesellschaftssysteme verhindern möchte, hetzt Valentine als Gegenpart demagogisch gegen zweiten Warschauer Pakt. Sie ist hin und her gerissen: Sie kennt die Abscheulichkeiten Peters (z.B. Tierquälerei), meint aber auch, dass er anders geworden ist. Beide besetzen mit ihren Kolumnen eigentlich die Person des jeweils anderen.

Valentin liebt Ender immer noch, trotz jahrelang unterbrochenen Kontaktes, sämtliche Kommunikation wir durch Graff und Co verhindert. Valentine wird am Ende erneut der wichtigste Partner für Ender; ob Peter sein Ziel erreichen wird?

Ender hat Angst, denn bereits zweimal hat er brutal andere Schüler zusammengeschlagen (dass er sie getötet hat, weiß er gar nicht) und meint, wie Peter zu sein. Valentine gesteht er, dass er aber nur eines möchte: Auch von Peter geliebt zu werden.

Die Gesellschaft:

Es ist nicht ganz klar, was für eine Art Gesellschaft sich auf der Erde entwickelt hat. Die Art und Weise, wie das Militär befähigte Kinder aus den Familien wegholt um sie als Raumpiloten und Kommandeure auszubilden, die Verhinderung jeglicher Kommunikation, die Darstellung der bisherigen Krabbler-Invasionen gegenüber der „nicht eingeweihten“ Menschen, lassen auf eine Diktatur schließen, in der sich zwei, auch kriegsbereite Staatengemeinschaften gegenüberstehen. Der Begriff des Zweiten Warschauer Paktes ist vermutlich der Überarbeitung der Ausgaben geschuldet, in der ersten Ausgabe gab es den „ersten“ ja noch wirklich. Von einer NATO als solcher wird gar nicht gesprochen. Das Ziel der vollständigen Vernichtung des außerirdischen Lebens zeigt den Hang zum Völkermord. Im Zusammenhang mit seiner Angst, so zu werden wie sein Bruder, lehnt Ender am Ende eine solche Lösung selber ab.

Das Militär:

Kampf- und Kommandoschule unterrichten einerseits durch Drill, andererseits zeigen auch Graff und Anderson, dass sie sich mit den Eigenschaften der anvertrauten Kindersoldaten intensiv beschäftigen und diese keinesfalls als Kanonenfutter sehen. Major Anderson geht dabei weiter als Graff, der seinen Vorgesetzten, die erst am Ende als solche sichtbar werden, berichten muss. Andererseits ist es seltsam, dass sie Jungs als Kommandeure einsetzen, die augenscheinlich und eindeutig nicht als solche geeignet sind. Es steht wohl die ziemlich verzweifelte Suche nach dem EINEN Flottenkommandeur dahinter, auf den man hofft. Die im Buch gezeigten Widersprüche scheinen diesbezüglich unlösbar. Warum eigentlich schult man Kinder?

Die Lösung, die Ender am Ende seiner Abschlussprüfung auf der Kommandoschule, zeigt, erinnert ein wenig an den Kobayashi-Maru-Test aus dem zweiten Star Trek Film DER ZORN DES KHAN: Nun unter großen Opfern oder Selbstvernichtung ist der Sieg möglich.

 

Computerspiele:

Im Jahr 1977, als die Geschichte als Kurzgeschichte erstmals veröffentlicht wurde, aber auch im Jahr 1985, als der Roman erschien, waren Computerspiele in der Regel zweidimensionale „Spielereien“. Zumindest für die „allgemeinen“ Computerspieler, die sich ein solches Gerät schon mal leisten konnten. Die beschriebenen äußerst komplexen Spiele und Simulationen dürften eine Spannung aufgebaut haben, die wahrhaftig fantastisch wirkte.

Heute sind viele solcher Dinge bereits vorhanden. Die Komplexität scheint noch nicht erreicht zu sein, doch viele Schritte fehlen wohl nicht. Das Psychospiel, welches Ender immer wieder versucht, zeigt in den fortgeschrittenen Levels plötzlich „Eigenleben“, die Psyche des Spielers wird unmittelbar vom „Spiel“ verwendet.

Warum Kindersoldaten? Der Autor spielt wohl, und das ist für die Entstehungszeit des Romans bemerkenswert, auf deren Leistungsfähigkeit an, die es ermöglicht, spielerisch komplexe Situationen zu erfassen und Lösungen zu finden. Heute wäre es wohl eher denkbar, aus den besten „Spielerkindern“ einige herauszufinden, deren Leistungsfähigkeit für die Lösung solch komplexer Situationen gegeben ist. Ob dies Erwachsenen gleichwohl möglich wäre?

Der Film:

Harrison Ford spielt den Oberst Graff, Ben Kingsley den Mazer Rackham und Viola Davis Major Anderson. Anders als im Buch spielt die Handlung nicht während mehrerer Jahre, sondern nur in Monaten oder Wochen. Dadurch wird die Ausbildung und Entwicklung des Ender Wiggins allerdings ziemlich unglaubwürdig. Die gesellschaftlichen Gegebenheiten auf der Erde wurden ausgeblendet, alles konzentriert sich auf den Kampf gegen die Außerirdischen. Die Rollen von Peter und Valentine wurden auf die Geschwisterrolle reduziert. Dass die Krabbler nun Formics heißen, spielt keine Rolle.

Die Erläuterung des Produzenten, Card selbst, hilft da weiter. Die Konzentration erfolgte noch stärker auf Ender. Dem Film dürfte so besser zu folgen sein, bekannter Weise sollte man ja eh nicht annehmen, dass solch komplexe Romane gleichermaßen verfilmt werden könnten.

 

* * *

Buch wie Film waren einerseits durchaus lesenswert und spannungsreich. Das Buch mit seinen Hintergründen und Nebengeschichten natürlich noch mehr. Die Botschaft allerdings erachte ich als ziemlich fragwürdig. Das betrifft natürlich zuerst das Thema Kindersoldaten, denen eingetrichtert wird, dass sie die militärischen Retter der Menschheit werden sollen. Dem Ziel, der Vernichtung der Menschheit zu entgehen, wird sehr viel untergeordnet. Da lässt man schon mal ungeeignete Jungs in Führungspositionen um herauszufinden, wie diese auf andere wirken. Dass dies nicht öfter in Mord und Totschlag (nur einmal) endet, wirkt ebenfalls unglaubwürdig.

Welche Gegensätze auf der Erde wirken, ein Krieg zwischen den Pakten wird nach der Abwehr der möglichen Krabbler-Invasion als sehr wahrscheinlich angesehen, wird kaum erklärt. Während die Fähigkeit von Kindern, unkonventionelle Lösungen für Videospiel zu finden noch verständlich erscheint, so ist die Manipulation, welche die Kinder Peter als Kolumnist LOCKE und Valentine als DEMOSTHENES erreichen, trotz ihres brillanten Verstandes nicht nachzuvollziehen. Denn dies ist kein Spiel.

Die Kritiken reichen von Ablehnung wegen Verherrlichung des Kriegsspieles der Kindersoldaten und kritiklose Nichtbeantwortung moralischer Fragen bis zur Attestierung eines gewissen Unterhaltungswertes.

Der Roman selbst wirkt wesentlich gesellschaftskritischer als der Film, bei dem das Kriegsspiel bei weitem überwiegt.

SPRECHER DER TOTEN und ENDERS SCHATTEN könnte man daher vielleicht für Fans empfehlen.

 

* * *

 

Der 1951 geborene US-amerikanische Schriftsteller Orson Scott Card schreibt wohl hauptsächlich Science Fiction und wurde mit DAS Große spiel bekannt. Der Roman erhielt mehrere Auszeichnungen, ebenso wie der Nachfolger SPRECHER FÜR DIE TOTEN. Laut Wikipedia wird er eher als rechts-konservativ eingeschätzt, was Buch und Film aus meiner Sicht eher bestätigen.

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226 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 86 Rezensionen

thriller, norwegen, auftragskiller, killer, oslo

Blood on Snow - Der Auftrag

Jo Nesbø ,
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 25.09.2015
ISBN 9783550080777
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

BLOOD ON SNOW. Ein Farbenspiel beschreibt Olav, der Profikiller mit ausgesprochener Leseneigung und der Neigung Geschichten zu erfinden. Das alles mit einer ausgeprägten Lese- und Rechtschreibschwäche.

Olav hat einen AUFTRAG. Er soll die Frau seines Chefs umbringen. Was macht ein Profikiller? Er mietet sich gegenüber ein und beobachtet erst mal: Was ist das da für ein Typ, der sie erst schlägt und dann fast vergewaltigt? Olav führt den Auftrag aus, wenn auch nicht so wie verlangt. Was macht ein Profikiller, wenn er die falsche Person umlegt und nun um sein Leben bangen muss? Er geht zum Feind. Dass der Chef und dessen Feind die Drogenbosse in Oslo sind, das ist eigentlich totale Nebensache.

Es ist Winter. Nicht nur täglich, neun stündlich, eigentlich von Seite zu Seite wird es immer kälter. Auch bekommt der Titel der neuen Serie von Jo Nesbø immer neue Nahrung: Roter Schnee. Besonders gut kommt das Blut in eisigem Pulverschnee zur Geltung.

„Das Blut [des Mannes, dem ich gerade in Brust und Hals geschossen hatte,] tropfte vom Hemdkragen in den Schnee… irgendwo habe ich gelesen, dass Schneekristalle, die sich bei extremer Kälte bilden, ganz anders sind als die von Schneematsch und Graupel. Die Struktur der Kristalle und die Trockenheit des kalten Schnees sorgen dafür, dass das Hämoglobin im Blut seine tiefrote Farbe behält. Ich jedenfalls musste beim Anblick des Schnees unter ihm an die Robe eines Königs denken, Purpur und Hermelin…

Ich dachte, das Blut würde an der Oberfläche des Schnees gefrieren, doch stattdessen sog der Schnee es tief in sich auf und versteckte es, als habe er damit irgendetwas vor. Auf dem Nachhauseweg stellte ich mir vor, wie sich ein Schneemann aus der Wehe erhob, unter dessen leichenblasser Eishaut die Adern zu sehen waren.“ (Seite 5-7)

Kommt Olav an sein Ziel?

* * *

Es ist eine Mischung aus DER SOHN und, hoffentlich übertreibe ich jetzt nicht, Jean Reno. Leon. Der Milchtrinker der sich am unteren Rand der Gesellschaft als Auftragskiller rumtreibt und dann Natalie Portman als „Mündel“ aufnimmt. Doch Olav kümmert sich nicht um kleine Mädchen, es sind zwei Frauen, die in seinem Leben während der Tage des Romans eine Rolle spielen werden. Aber er kommt mir ein wenig so naiv vor, wie wir Jean Reno in LEON – DER PROFI kennen lernten. Erst nach und nach bemerkt der Leser, dass er sich einem ebensolchen Profi gegenüber „liest“, wie im Film von 1994. Aber einem belesenen Profi, einem der Geschichten erfindet. Geschichten für sich und andere. Zum Beispiel für Maria. Bis zum Schluss…

* * *

Ein Buch. Keine 200 Seiten. Etwas für 70 Seiten pro Tag. Wann hatte ich dieses Erlebnis zum letzten Mal? Ein echter Nesbø. Spannung pur, gruslig schöne Bilder – es schüttelt einen beim hinschreiben dieser Worte.

* * *

Der zweite Teil mit dem Titel BLOOD ON SNOW – DAS VERSTECK macht uns dann mit dem Geldeintreiber Ulf bekannt. Doch diese Geschichte hat den Weg noch nicht zu mir gefunden. Wird sie aber wohl müssen.

 

© KaratekaDD

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Tags: nesbø, norwegen, oslo, profikiller   (4)
 

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kinderbuch, witze, oskar, kinderbuc, frechheiten

Gestatten - Oskar

Peter Brock , Eberhard Binder
Fester Einband: 159 Seiten
Erschienen bei LeiV, 01.03.2008
ISBN 9783896033048
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die unpünktlichen Lehrer

„Mama, ich zische ab.“
„Warte, Junge.“
„Du hast gesagt, ich soll pünktlich…“
„Du wartest!“

Stöhnend blieb Oskar an der Wohnungstür stehen und kraulte seinem Titus, der ihm freundlich die Hand leckte, das Fell.

Jetzt ging die Fragerei wieder los! Und das seit der letzten Elternversammlung, wo Frau Kühlewind wieder mal mächtig gegen ihn gewettert hatte. Jeden Morgen ging nun ein strenges Verhör los. Und immer die gleichen lästigen Fragen. Er kannte sie schon alle auswendig.

„Keine Schularbeiten vergessen?“
„Nein, Mama.“
„Taschentuch mit?“
„Ja, Mama.“
„Keine Knallerbsen, keinen Frosch mit?“
„Nein, Mama.“
„Dreh die Taschen um.“
Er tat es.

(Quelle)

* * *

Ich weiß es nicht, woher der Spruch "Frech wie Oskar" kommt. Als Kind nahm ich an, dass er von diesem Buch käme.

Erinnern kann ich mich aber sehr gut, dass Oskar und sein Kumpel nach einer Geheimsprache für den Unterricht und zwischendurch suchten. Ihre Lehrerin verblüfft die beiden, denn sie kennt diese Sprache und sprcht im Unterricht:

"Kroklokwafzi? Semmememmi!
Seiokrontro - prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemmi:
quasti basti bo...
Lalu lalu lalu lalu la!

Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lala la!

Simarar kos malzipempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!  (Quelle)


Teile davon kann ich heute noch auswendig, Christian Morgenstern lernte ich erst später kennen.

* * *

Schön dass man bestimmte Kinderbücher auch heute noch findet.

© KaratekaDD

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indianer, reservat, lakota, pferde, lakot

Die Farben der Sonne, die Geschichte der Steinpferde auf der Pine Pidge Indianerreservation

Brita Rose Billert
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 14.03.2013
ISBN 9783941485198
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Steinpferde. Eine Weile glaubte ich bei der Lektüre dieses Buches, dass dies eine bestimmte Rasse von Pferden, eine bestimmte Art von Mustangs wäre. Aber es nicht so lang gedauert, da war klar, dies sind die Pferde der Stone Horse Familie auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota, von der schon öfter auf Litterae-Artesque die Rede war.

* * *

Die Farben der Sonne – Die Geschichte der Steinpferde auf der Pine Ridge Reservation von Brita Rose-Billert, lässt vom Titel her ja auch ein Sachbuch schlieen, aber hier handelt es sich um einen schön geschriebenen Jugendroman.

Blue Light Shadow nennt sich ein Dreizehnjähriger in Chikago, der sich obdachlos durch das Leben kämpft. Die Mutter, eine Lakota, die von seinem Vater, einem weißen Rechtsanwalt geschieden ist, starb vor einiger Zeit, seine kleine Schwester Bonnie lebt bei Pflegeeltern. Der Großvater sucht nach ihm und bittet den Vater um das Sorgerecht. So muss sich Frank McKenzie plötzlich wieder seiner „ehemaligen“ Familie widmen. Er bringt den Sohn in die Reservation zu Wayton Stone Horse, dem Großvater. Auch die Schwester kommt zu den Großeltern.

Schule gibt es auch auf der Reservation und außerdem gibt es Mitch. Und beizeiten eine Prügelei. Eines Tages ist die Pferdeherde der Steinpferd-Familie ausgebrochen. Blue, sein Cousin Mitch, dessen Vater Joe und einige Freunde machen sich auf die Suche. Werden sie die Pferde wiederbekommen?

* * *

Die Rolle des Großvaters ist eine Doppelrolle. In ihr wird der Glaube der Lakota an Tunkashila, den Großvater, der mit Wakan Tanka, dem Großen Geheimnis, zusammenhängt, deutlich. So kommt nicht nur der alte Lakota zu Blue nach Chikago, sein Geist bleibt auch bei dem Jungen, dem der Alte nicht mehr aus dem Kopf geht, auch wenn er ihn ablehnt. Dies symbolisiert, dass Blue den Lakota in sich noch nicht ganz abgelegt hat, auch wenn er kein Indianer sein will. Vorerst. Großvater Stone Horse ist in seiner Weisheit ähnlich einem Medizinmann. Er hält die Familie zusammen und erzählt den Jungen die Geschichte der Steinpferde und wie die Lakota zu diesen fanden. Auch Frank McKenzie wird die Farben der Sonne wiederfinden.

* * *

Brita Rose-Billert erzählt auch von den immer noch sehr ärmlichen Zuständen auf der Reservation und dass die Lakota immer noch nicht frei über ihre Arbeit und Wirtschaft entscheiden können.

Im ersten Moment erschien mir das Buch wie viele andere auch. Wodurch sticht es hervor? Überzeugt hat mich weniger die Geschichte um die Pferdeherde, es ist die Geschichte um den Großvater und seine Bedeutung in der Familie. Die Autorin, im Hauptberuf Krankenschwester und Pflegerin, pflegt engen Kontakt zu ihren indianischen Freunden vor allem in Kanada. Westernreiten ist ihr Hobby.

Sie schreibt über Indianer. Zum Beispiel auch Krimis. Eine indianische Ärztin ist ebenfalls unter ihren Helden. Damit bedient sie ein doch ziemlich breites Romanspektrum, welches aber immer irgendwie ihrer Helden der eigenen Kindheit in den Fokus rückt. Die Farben der Sonne ist ein schönes Buch und stellt sicherlich ein schönes Geschenk für junge Leute dar.

Ich konnte Brita Rose-Billert auf der Leipziger Buchmesse am Stand des Traumfänger-Verlages kennen lernen und denke, das war das erste Buch, welches ich von ihr las. Lieben Dank für das Rezensionsexemplar.


► DNB / Traumfängerverlag / Hohenthann 2013 / ISBN: 978-3-941485-19-8 / 238 S.


© KaratekaDD

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Tags: chikago, indianer, lakota, mustang, pferd, pine ridge, tunkashila, usa   (8)
 

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germanien, römer, chauken, zeitreise, fantasy

Runenzeit 1: Im Feuer der Chauken

Mark Bredemeyer
E-Buch Text: 476 Seiten
Erschienen bei Aeternica Verlag, 01.11.2012
ISBN B00A0XIRIO
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wie lernt man Geschichte, wie blickt man zurück, wenn man eigentlich ein totaler Fantasy-Leser ist und Geschichte in der Schule irgendwie öde fand? Im Falle germanischer Geschichte, der um den Beginn unserer Zeitrechnung, kann Man das mit RUNENZEIT probieren. RUNEN aus der Vergangenheit führen in der Gegenwart zur Zeitreise des Studenten Leon, zurück in die Zeit des beginnenden Kampfes germanischer Stämme gegen die Römer.

Bei Chauken taucht der Student in Jeans und Treckingschuhen auf, er findet zum Glück bei einem Schmied Unterkunft, dem er bei der Entwicklung der Schmiedekunst mit bereits etwas verschütteten Werkstoffkunde-Wissen weiter.

Ungewollt wird er zum Helden der Chauken, mit etwas „unlauteren“ Mitteln, wie „dem Feuer, das nicht brennt“. Doch ist er allein in der Zeit?

Die erste Direktive der Sternenföderation lautet sinngemäß, dass man sich die Geschicke fremder Planeten und deren Völker nicht einmischen soll. Aus anderen Filmen von jenseits des atlantischen Ozeans wissen wir, dass man die Zukunft in der Vergangenheit nicht verändern sollte, dies könnte gefährlich werden. Leon beschreitet einen gefährlichen Pfad mit einem eroberten „Götterblitz“, dem Wotan gleich…

* * *

Es ist glücklicherweise keine Zeitmaschine, die diesen Leon Hollenbeck in die Vergangenheit katapultiert. Er wird förmlich in die Vergangenheit geholt.  Verursacher sind die HAGEDISEN, altgermanische Hexen, die verzweifelt nach Hilfe gegen die römische „Schlange“ suchen. Trotzdem gäbe es Kritisches anzumerken, wenn dies nicht zu einem gewaltigen Spoiler führen würde.

Ganz hervorragend allerdings sind die Beschreibungen des Stammeslebens der Chauken und der römischen Kultur und Kriegskunst. (Meines Wissens spricht ein römischer Legat seine Centurionen aber nicht mit „Sie“ und „Meine Herren Offiziere“ an. Das Lateinische kennt doch gar kein „Sie“, oder?) Die Suche nach dem Rasenerz, die Waffenherstellung, die Unterkünfte und das Zusammenleben der Germanen sind sehr gut beschrieben. Die erzählte Abenteuergeschichte macht Hunger auf mehr. Trotz Zeitreise…

* * *

Der erste Band der mittlerweile fünfbändigen Reihe, im Herbst erscheint der sechste Band, ist kurzweilig und spannend erzählt. Noch erscheinen einige Figuren etwas blass, aber dies wird sich vermutlich in hunderten weiteren Seiten ändern. In einigen Jahren wird Leon auf einen gewissen Armin treffen. Diese Begegnung macht mir etwas Angst. Siehe Sternendirektive…

* * *

Dirk Salomon vom Dresdner Buchverlag hat mir die Geschichte am Verlagsstand der Leipziger Buchmesse 2016 schmackhaft gemacht. Ausgangspunkt war durchaus das Thema „Fantasy für Nicht-Fantasy-Leser“. Er hat es geschafft und trotz kritischer Ansichten des Bloggers ist diese Geschichte zu empfehlen. Auf Grund gewisser brutaler Kampf- und Vergewaltigungsszenen aber erst für ältere Jugendliche oder eben junge Erwachsene.

* * *

Die Geschichte passt zum Autor Mark Bredemeyer. Der 1971 in Bremen geborene Wirtschaftswissenschaftler und IT-Berater hat damit Zukunft und Vergangenheit, mit seiner „Leidenschaft für germanische Geschichte“ verbunden.

(c) KaratekaDD

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ddr, sozialismus, utopie, diktatur, erdöl

Schwarzes Gold aus Warnemünde

Harald Martenstein , Tom Peukert ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 21.08.2015
ISBN 9783351036072
Genre: Romane

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dante, gra, ec

Die Geschichte der legendären Länder und Städte

Umberto Eco , Barbara Schaden , Martin Pfeiffer
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 21.08.2015
ISBN 9783423348560
Genre: Sachbücher

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