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53 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

Jessica Fellowes , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 04.09.2018
ISBN 9783866124523
Genre: Romane

Rezension:

Objektiv betrachtet war dieses Buch nicht besonders gut - voller klischeehafter Charaktere und mit einem übermäßig konstruierten Kriminalfall, der nur durch eine ganze Reihe von Glück und Zufällen gelöst werden konnte, und wenig bis nichts mit dem Ermittlungsgeschickt der Hauptfiguren zu tun hatte. Darüber hinaus gab es dann natürlich auch noch die obligatorische überflüssige Romanze, es ist ja schließlich ein historischer Roman mit einer weiblichen Hauptfigur ... aber trotz allem hat mich das Buch sehr gut unterhalten, vielleicht gerade weil es so flach und klischeehaft war, dass es irgendwie schon wieder Unterhaltungswert hatte? Ich weiß es nicht. Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft, nicht zuletzt aufgrund der Nähe der Autorin zu Downton Abbey (mit der ja auch fröhlich geworben wurde), aber an das Niveau der Serie, jedenfalls der frühen Staffeln, kommt das Buch nicht heran. Trotzdem war es unterhaltsam und flott durchzulesen.

Prinzipiell bin ich ein großer Fan von Büchern, die real existierende Ereignisse literarisch verarbeiten. Über die Mitford-Schwestern habe ich nur einen ganz groben Überblick, deshalb kann ich schlecht beurteilen, wie gut oder schlecht sie in diesem Buch getroffen worden sind, aber wie die Autorin (laut eigener Aussage) ein Buch mit jeweils einer von ihnen als Protagonistin schreiben will, das ist mir ziemlich schleierhaft. In diesem Buch war es die älteste Tochter, Nancy, die als spätere Schriftstellerin und politisch weniger kontroverse Figur noch relativ einfach zu verarbeiten ist. Das zweite Buch um Pamela Mitford kann ich mir auch noch vorstellen, aber wie die späteren Bände um Unity und Diana Mitford, die beide bekannte geworden sind als Faschistinnen und glühende Verehrerinnen von Hitler und der Nationalsozalistischen Idee, Heldinnen in Kriminalromanen werden sollen - da bin ich dann, vorsichtig ausgedrückt, eher skeptisch. Zumindest wenn ich den Stil aus diesem Buch, das mehr eine wenig kontroverse feelgood-Attitude hatte, zugrunde lege. Man darf gespannt sein.

Dieses Buch hier ist jedenfalls wohl nicht zu empfehlen für Leser, die ein gutes Bild der Zeit oder der realen Personen erhalten wollen (den Mordfall gab es wohl auch, er wurde in der Realität aber nie aufgeklärt), aber als leichte Sommerlektüre bei über 30 Grad im Schatten, wenn man nicht viel denken möchte, eignet es sich tatsächlich ziemlich gut.

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215 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

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Kleine Feuer überall

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281560
Genre: Romane

Rezension:

Ich hatte von diesem Buch schon viel Gutes gehört, hatte also entsprechend hohe Erwartungen, und wurde nicht enttäuscht!
Wir befinden uns in einer typischen amerikanischen (vorwiegend von Weißen bewohnten) Vorstadtgegend und unsere Hauptfiguren sind das Ehepaar Richardson mit ihren vier Kindern im Teenager-Alter, die Alleinerziehende Mia mit ihrer Tochter Pearl, das Ehepaar McCoullogh und die chinesische Einwanderin Bebe. Diese Charaktere sind allesamt sehr fein ausgearbeitet und haben entsprechend unterschiedliche Lebensentwürfe und Einstellungen zum Leben im Allgemeinen, die zu diversen Problemen und Spannungen führen, wo diese Welten entweder direkt aufeinander treffen, oder sich Leute ganz einfach untereinander nicht verstehen können.
Daneben werden eine ganze Reihe von Themen aufgegriffen und verarbeitet (Familie, Freundschaft, Liebe, Rassismus, Erwachsenwerden, gesellschaftliche Konformität und die Ironie des scheinbar perfekten Vorstadtlebens...), ohne dass das Buch mit Subtext überladen wirkt.
Viele der Themen sind natürlich universell, trotzdem ist das Buch in seiner Essenz sehr amerikanisch. Trotzdem habe ich mich auch als Mitteleuropäerin absolut mitgenommen gefühlt und kann es nur empfehlen!

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164 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 96 Rezensionen

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Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton , Peter Knecht
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458363293
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch folgt drei verschiedenen Frauen, Odelle im London der 60er Jahre und Olive und Teresa im Spanien der 30er Jahre, deren Lebensweg nicht unerheblich mit einem bestimmten Gemälde zusammenhängt, das in Spanien entstand in etwa 30 Jahre später in London wieder auftaucht.
Die Stärke des Buches sind definitiv die interessanten, komplexen, diversen Charaktere und deren Entwicklung, nicht nur in ihrem Verhältnis untereinander (und zu den anderen Personen ihrer Umgebung) sondern auch im Kontext der politischen Lage ihrer Zeit. Teresa und Olive finden sich mitten im spanischen Bürgerkrieg wieder, während Odelle als karibische Immigrantin mit völlig anderen Problemen zu kämpfen hat, viele davon bedint durch den subtilen Alltagsrassismus (und -sexismus), dem sie sich ausgesetzt sieht. Thematisch beschäftigt sich die Geschichte aber nicht nur damit, sondern auch mit Familie, Freundschaft, Liebe (und deren schwimmende Grenze zur Obsession), und die Auswirkungen von Geheimnissen und Vertrauensbruch auf diese.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen (und schaue es auch gern an, denn das Cover ist auch sehr hübsch, wenn auch der deutsche Titel etwas arg kitschig daherkommt) und kann es jedem empfehlen, der mit charakterbasierten Büchern etwas anfangen kann!

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(70)

82 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

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Die Affäre Carambol

Stefan Lehnberg
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503548
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das erste Buch dieser Reihe steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste - nun habe ich dieses zweite zuerst bekommen, das macht aber überhaupt nichts, denn es lässt sich absolut ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen.
Das Konzept, Goethe und Schiller im Stile einer Sherlock-Holmes Geschichte Kriminalfälle lösen zu lassen, finde ich grandios, und es funktioniert auch erstaunlich gut. Die Holmes-Inspiration ist in den Charakteren, dem Stil und der Art, wie die Handlung konstruiert ist, sehr deutlich, und trotzdem hat das Buch seinen eigenen Charme.
Es war vielleicht nicht das spannendste Buch, was ich in meinem Leben gelesen habe, aber es ließ sich schnell und flüssig lesen und war ausgesprochen unterhaltsam. Ich würde es nicht als absolutes must-read bezeichnen, aber für jemanden, der eine kurzweilige, charmante Geschichte für Zwischendurch (ich hatte sie in 3-4 Stunden durch) sucht, absolut zu empfehlen. Den ersten Band werde ich mir über kurz oder lang mit Sicherheit noch zulegen!

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(28)

30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

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Das Vermächtnis des Künstlers

Gordon McBane
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Midnight, 09.03.2018
ISBN 9783958199323
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Leseprobe und der Klappentext dieses Buches klangen ja durchaus interessant, und vor allem das Venedig-Setting hat mich überzeugt, aber ... nein. Ich kann es leider nicht empfehlen.

Die Grundidee der Geschichte ist gut. Wir folgen einem Parapsychologen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, rationale Erklärungen für übernatürliche Phänomene zu finden. Als eine Serie von Unglücksfällen in Europa mit einem Bilderzyklus in Verbindung zu stehen scheint, macht er sich auf die Suche nach den Hintergründen. Klingt spannend, ist es aber leider nicht.

Der Schreibstil ist oftmals sehr hölzern (wobei ich nicht sicher bin, ob das am Autor liegt oder ob die Übersetzung es schlimmer macht?), und die Dialoge lassen einen angesichts der Menge an flachen Platitüden auch meistens nur mit den Augen rollen. Der Autor verliert sich häufig in Beschreibungen unnötiger Details und Hintergrundgeschichten, die mit der Handlung (zumindest in diesem ersten Band) nichts zu tun haben und nur den Lesefluss und den Fortgang der Handlung aufhalten. Stellenweise kommt durchaus auch mal Spannung auf, aber das hält leider nie besonders lange an, und wird immer wieder dadurch gebremst, dass die beiden Hauptfiguren sich oft einfach auch nur verdammt dämlich anstellen.

Und dann hört das Buch einfach mitten in der Handlung auf??? Mir war nicht bewusst, dass das hier Teil einer Trilogie ist, okay, aber selbst bei einem mehrbändigen Buch erwarte ich bei jedem Band eine Art vernünftigen Abschluss. Stattdessen wirkte es, als hätte der Autor eine Geschichte geschrieben, und sie einfach an wahllosen Stellen geteilt, um mehrere Bände daraus zu machen. Leider hat mich das Buch aber mit Abstand nicht genug gepackt, um an den weiteren Bänden noch interessiert zu sein. Keine Empfehlung von meiner Seite.

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(60)

81 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 56 Rezensionen

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Der Mann, der nicht mitspielt

Christof Weigold
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051032
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, da das Setting und die ganze Idee - basierend auf einem realen Kriminalfall im Hollywood der 1920er - ausgesprochen interessant erschienen. Das Konzept ist gut und die Aufmachung und Einbandgestaltung sind sehr hübsch, aber das ist leider auch schon alles, was ich positives über dieses Buch sagen kann.

Mein Hauptproblem: Die Hauptfigur, der Ermittler, bleibt das ganze Buch über ausgesprochen unsympathisch und erscheint mir eher wie die persönliche James-Bond-Phantasie des Autors, komplett mit arroganter Attitüde, überkandidelten Actionszenen mit diversen Nahtoderfahrungen und heißer Affäre mit einer ach-so-geheimnisvollen und natürlich überirdisch attraktiven femme fatale. Dabei ist er sexistisch (jede einzelne Frau in diesem Buch wird sofort in eine Attraktivitäts-Skala eingeordnet und von unserem Protagonisten Hardy dann entsprechend behandelt) und latent homophob, was vermutlich beides dem Bemühen um zeitgeschichtliche Authentizität geschuldet ist, leider aber das Buch mitsamt seiner Hauptfigur kein Stück besser macht. Andere Identifikationsfiguren gibt es nicht, der einzige halbwegs sympathische Charakter ist Hardys Kumpel Buck, der aber mehr als eine Art deus-ex-machina-Figur für hilfreiche Informationen oder Kontakte fungiert als sonst irgendetwas.

Die Story an sich hätte Potential, zieht sich aber oft unnötig in die Länge und verliert sich in einer Reihe von Nebenschauplätzen und seltsamen Windungen, die das ganze am Ende dann auch irgendwann so konfus machen, dass mich dann irgendwann die Aufklärung des Verbrechens nicht mehr wirklich interessiert hat.

Leider kann ich das Buch nicht weiterempfehlen, spätestens ab der 2/3 Marke habe ich die meiste Zeit beim lesen nur noch mit den Augen gerollt. Da konnte der Einband leider nicht halten, was er versprach - sieht aber immerhin ausgesprochen hübsch im Regal aus!

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89 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

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Die amerikanische Prinzessin

Annejet van der Zijl , Marianne Holberg
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.01.2018
ISBN 9783806234824
Genre: Biografien

Rezension:

Dieses Buch handelt von Allene Tew, einer Frau, von der ich bislang noch niemals etwas gehört hatte. Sie lebte um die Jahrhundertwende, wuchs mit dem Vorbild des amerikanischen Traums in ihrer Verwandtschaft auf, durchlebte zwei Weltkriege und fünf Ehen, und brachte es letztendlich von einem mittelmäßig privilegierten Mädchen in einer amerikanischen Kleinstadt zu einem unermesslichen Vermögen inklusive europäischem Prinzessinnen- und Gräfinnen-Titel.

Als Biographie funktioniert dieses Buch sehr gut, denn Annejet van der Zijl hat wirklich intensiv recherchiert und Allenes Lebensgeschichte entsprechend rekonstruiert. Wir können allen Stationen ihres Lebens detailreich folgen, und bekommen zur Illustration sogar noch ein paar Fotos aus der Zeit dazu.

Da liegt allerdings auch die Schwäche des Buches: Wir bekommen klinisch alle Details geliefert, aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass ich den Charakter "Allene" wirklich greifen kann. Objektiv gesehen weiß ich, was in ihrem Leben passiert ist, aber als Mensch bleibt sie mir leider eher ungreifbar.
Dazu kommt, dass mit die Einordnung in den zeitgeschichtlichen Kontext manchmal etwas zu kurz kam. Ja, sie findet statt, aber nicht in dem Ausmaß, wie ich sie mir bei einer Lebensgeschichte auf zwei Kontinenten, während zwei Weltkriegen, einer Weltwirschaftskrise etc. erwarten würde. Am ausführlichsten passierte dies noch am Anfang, als wirklich gut und tief auf das Umfeld eingegangen wurde, in dem Allene in ihrer Kleinstadt aufwuchs - ähnlich hätte ich mir das auch für andere Geschehnisse gewünscht.

Trotzdem war das Buch durchaus unterhaltsam und interessant, denn es bewegt sich schon sehr stark außerhalb der Art Biographie, die ich normalerweise lesen würde. Es war interessant, etwas über diese Frau zu erfahren, über die in der Zeitgeschichte wohl sonst eher nichts berichtet worden wäre, maximal in einer Fußnote.

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(70)

88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

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Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

Beate Sauer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289571
Genre: Historische Romane

Rezension:

(Hinweis: Das Buch wurde mir vom Verlag für eine ehrliche Rezension kostenfrei zur Verfügung gestellt.)
Ich habe von dem Buch einen Krimi erwartet, der ein bisschen vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit spielt. Nicht mehr und nicht weniger.

Bekommen habe ich aber wesentlich mehr, denn die Krimi-Handlung war zwar durchaus spannend, aber die Charaktere und die Art, wie die Autorin mit dem gesamten Setting umgeht, haben das Buch auf eine ganz andere Ebene gehoben!
Wir haben die beiden Hauptfiguren Friederike Mathée und Richard Davis, die gemeinsam einen Mord aufzuklären versuchen, und beide sind ausgesprochen interessante, authentische, komplexe Charaktere mit reichen, gut durchdachten Hintergrundgeschichten, Eigenschaften und Schwächen. Beide sind auf verschiedene Art vom Krieg bzw. dem Nazi-Regime gezeichnet, und das auf eine Weise, die - soweit ich das beurteilen kann - absolut realistisch ist, ohne (und das hat mich am meisten begeistert) in Klischees abzudriften. Wir haben auch einen großen Fokus auf den unverarbeiteten Traumata, die für die Charaktere daraus entstanden sind, wie sie damit (wenig erfolgreich) umzugehen versuchen, und wie sie als Personen dadurch definiert sind. Positiv ist mir außerdem aufgefallen, dass wir hier keine klischeehafte Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren vorfinden, wie ich das zu Anfang befürchtet hatte.

Der historische Hintergrund kommt mir (als Laie) sehr gut recherchiert vor, und die Autorin hat viele Details einfließen lassen, die das Setting absolut realistisch und echt wirken lassen. Die direkte Nachkriegszeit ist eine Epoche, über die ich bisher nur selten bis gar nicht Romane gelesen habe. Es ist eine Zeit, die aus heutiger Sicht schwer greifbar und unglaublich komplex ist (alte Nazis, neue Besatzer, viele Mitläufer, zerstörte Städte, Hungersnot, riesiger Schwarzmarkthandel, Entnazifizierung, etc...), aber die Autorin berührt fast alle diese Themen und Probleme und zeigt diese Komplexität, ohne den Leser mit der Moralkeule zu erschlagen. Die Aufarbeitung von Krieg und Holocaust sind ein großes Thema im Buch, und die Figuren gehen sehr authentisch absolut unterschiedlich damit um. Es entsteht oft eine beklemmende Atmosphäre, die trotz aller dramatischen Ereignisse aber nicht immer nur düster und depressiv daher kommt. Die Figuren verfolgen eine Art Pragmatismus, denn trotz allem musste das Leben ja irgendwie weitergehen, und diese Stimmung spürt man als Leser auch im Buch.

Insgesamt denke ich, dass das Genre "historischer Krimminalroman" dem Buch nicht ganz gerecht wird. Ja, es gibt einen Kriminalfall, der aufgeklärt werden soll, aber die große Stärke des Buches sind eigentlich die Haupt- und Nebencharaktere und das Setting. Darin ist der Kriminalfall eingebettet. Ich hoffe, das Buch ist der Start einer Serie, und wenn das so ist bin ich beim zweiten Teil sehr gern wieder dabei!
Der Roman hat mich insgesamt sehr beeindruckt und bewegt, und ich kann es nur uneingeschränkt weiterempfehlen!

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

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Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Lena Greiner , Carola Padtberg
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783548377490
Genre: Humor

Rezension:

Dieses Buch ist gleichzeitig urkomisch und irgendwie traurig.

Ich arbeite selbst zwar "nur" ehrenamtlich mit Kindern in der Nachmittagsbetreuung und habe dabei nur selten mit den Eltern zu tun, bezweifle aber keinen Moment, dass die Anekdoten in diesem Buch sich genau so abgespielt haben. Meine limitierte eigene Erfahrung sowie der Kontakt mit diversen befreundeten Lehrern und Erziehern überzeugen mich davon sofort.

Die gesammelten Anekdoten wurden wirklich gut ausgewählt, übersichtlich zusammengetragen sowie unterhaltsam, realistisch und manchmal mit dem nötigen Augenzwinkern kommentiert. Leider ist es manchmal traurig zu lesen, was manche Eltern da veranstalten und damit nicht nur den Lehrern, Erziehern, Krankenschwestern etc, sondern vor allem auch ihren eigenen Kindern damit antun.
Trotzdem war das Buch ausgesprochen kurzweilig zu lesen und ich musste einige Male wirklich laut lachen. Ich denke jeder, der entweder selbst Kinder hat oder beruflich mit deren Eltern zu tun bekommt, wird darin mit Sicherheit eine ganze Menge bekannter Situationen wiederfinden. Da kann man dann gerne drüber schmunzeln, oder sich zumindest gedanklich mit den beruflichen Leidensgenossen solidarisieren.

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126 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

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Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O´Brien
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462048841
Genre: Romane

Rezension:

"Der Frauenchor von Chilbury" ist ein sehr charmantes Buch, das ich ich sehr gerne gelesen habe! Es ist als Briefroman verfasst, wir sehen die Handlung hauptsächlich aus Briefen und Tagebucheinträgen von vier sehr unterschiedlichen Frauen (mit gelegentlichen Einschüben aus Briefen anderer Charaktere), die in einer englischen Kleinstadt während des zweiten Weltkrieges jede mit ihren eigenen Problemen und Schicksalsschlägen zu kämpfen haben, bis sie am Schluss als gestärkte, gefestigte Personen daraus hervorgehen.
Dabei hilft ihnen der Frauenchor, durch den die Frauen des Dorfes in einer Zeit, in der die meisten Männer im Krieg sind, zu neuem Selbstbewusstsein und zur Liebe zur Musik finden.

Die Handlung war spannend und hat mich ohne große Mühe bei der Stange gehalten, wenn auch das ein oder andere Ereignis im Seifenoper-Stil ein wenig überdramatisiert worden sein mag. Die Nutzung eines Chors als zentralen Punkt spricht mich als langjährige Hobbysängerin natürlich besonders an, und war sicherlich einer der Hauptgründe, wieso ich mich so schnell in das Buch einfinden konnte (auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob die Autorin wirklich viel von Chorarbeit versteht, aber die Details können auch absichtlich heruntergespielt worden sein.)

Bei meiner Ausgabe handelte es sich um ein unkorrigiertes Arbeitsexemplar, was sich auch an diversen Tippfehlern im Text zeigte, diese "Kinderkrankheiten" dürften dann aber in der Kauf-Ausgabe mit Sicherheit ausgeräumt sein!

Insgesamt kann ich das Buch empfehlen, auch als Sommerlektüre. Es spielt im zweiten Weltkrieg, daher ist es sicher nicht überraschend, dass auch Tod und seelisches Leid eine große Rolle spielen, der Grundton ist jedoch hoffnungsvoll und positiv!

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69 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

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Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Jaroslav Kalfar , Barbara Heller
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Tropen, 05.08.2017
ISBN 9783608503777
Genre: Romane

Rezension:

Es mag daran gelegen haben, dass ich von diesem Buch etwas völlig anderes erwartet habe als es war, aber ich konnte damit letztendlich leider wenig anfangen.

Wir folgen Jakub Procházka, der als erster tschechischer Raumfahrer Proben von der geheimnisvollen Chopra-Wolke im Weltall einsammeln soll. Er wird binnen kürzester Zeit zum Helden der Nation und von allen Seiten gefeiert, glleichzeieitg verlässt ihn jedoch seine Frau und er glaubt während seiner wochenlangen Einsamkeit im Raumschiff langsam verrückt zu werden.

Ich hatte eine spannende Raumfahrt-Geschichte erwartet mit einem leicht verrückten Stil und sarkastischem Unterton (ein bisschen wie der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand vielleicht), stattdessen habe ich ein Buch bekommen, das aus relativ wenig Handlung, dafür aber viel ernsthafter Introspektive besteht. Was an sich ja nicht schlecht ist, wenn der Autor vermocht hätte, mir den Charakter Jakob von Anfang an näher zu bringen, doch leider blieb er mir von Anfang bis Ende unsympathisch. Zudem bleib die ernsthafte Introspektive leider für meine Begriffe immer zu sehr an der Oberfläche und war daher für mich leider nicht besonders interessant.

Insgesamt ist es sicher kein Zufall, dass ich mehrere Wochen gebraucht habe, um das Buch zu beenden, denn es hat sich über weite Strecken leider wirklich einfach nur gezogen. Es sind viele kreative Ideen und gute Ansätze darunter (die Beschäftigung mit der eigenen Identität von Jakub und der Identität des Staates Tschechien, die Begegnung mit der Kreatur Hamus, etc.), aber leider ist für meinen Geschmack zu wenig davon zu Ende gedacht und so hinterlässt das Buch bei mir leider nicht wirklich einen besonders bleibenden Eindruck.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

berlin, dorf, dorftratsch, eigen, famielendrama, familienroman, fliegenplage, frassek, freundschaft, gefangenschaft, krimi, kriminalroman, martin schult, österreich, steiermark

Dem Kroisleitner sein Vater

Martin Schult
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.07.2017
ISBN 9783550081743
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Zusammenfassung und die Leseprobe dieses Buches hatten mir gut gefallen und Lust auf mehr gemacht. Leider konnte das gesamte Buch meine Erwartungen nicht wirklich erfüllen und lässt mich etwas enttäuscht zurück.

Das liegt einerseits daran, dass das Buch sich nicht wirklich entscheiden kann, was es ist, und sich am Ende irgendwo zwischen Kriminalroman, Heimatroman, Mytery-Thriller und Familiendrama einsortiert. Der Schreibstil ist dabei nicht das Problem, der ist flüssig und treibt die Handlung in einem guten Tempo voran. Insgesmt hat der Autor jedoch versucht, zu viele verschiedene Handlungsstränge (ein Kriminalfall, ein Vater/Tochter-Drama, alte Geheimnisse aus den Weltkriegen, Selbstmorde und Sterbehilfe, Identitätsprobleme einer berühmten Sängerin, vertauschte Kinder, eine Vergewaltigung, ungeklärte Vaterschaften und noch mehr) auf zu wenigen Seiten unterzubringen, sodass am Ende keiner davon wirklich zur Geltung kommt und ich als Leser teilweise einfach nur verwirrt davon war, was hier nun konkret passiert und was dabei wichtig ist.
Dazu kommt noch, dass keiner der Charaktere wirklich besonders sympathisch war und teilweise moralisch äußerst fragwürdige Dinge passiert sind, die weder innerhalb der Handlung aufgearbeitet, noch zur Charakterisierung der Figuren oder als Denkanstoß für den Leser benutzt wurden. Darin steckt eine Menge verschenktes Potenzial, die das Buch um einiges spannender und tiefgründiger hätten machen können. So, wie es jetzt ist, sorgte es bei mir nur für eine gerunzelte Stirn und Abneigung gegen so ziemlich alle handelnden Personen.

Zu Anfang war ich noch sehr interessiert und absolut an Bord mit den Geschehnissen, nur leider wurden diese im Verlaufe des Buches immer verwirrender und damit auch langweiliger, sodass ich es spätestens ab etwa 2/3 der Seiten einfach nur noch fertig gelesen haben wollte. Leider kann ich keine Empfehlung für dieses Buch aussprechen, da es für meine Begriffe nicht gut erzählt war und sich in zu vielen Nebenschauplätzen verstrickt hat, als dass daraus eine spannende, unterhaltsame Lektüre geworden wäre, die mich als Leser bei der Stange hält.      

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Tags: heimatroman, krimi   (2)
 

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

depressionen, emanzipation, familie, feminismus, frauenpower, freundschaft, hormone, kapstadt, kreativ, liebe, nicht alles ist ein zauberspiel, pubertät, single, starke frauen, südafrika

Nicht alles ist ein Zauberspiel

Dianne Case , Bettina Weiss
Flexibler Einband: 214 Seiten
Erschienen bei kalliope paperbacks, 01.03.2006
ISBN 9783981079807
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch schildert aus der Ich-Perspektive das Leben einer Frau, die von ihrem Mann betrogen und verlassen wurde, und in dieser Zeit allerlei Kämpfe mit sich selbst und ihrer Depression sowie den Erwartungen ihrer Umwelt ausfechten.

Thematisch hat mir das Buch jedoch gut gefallen. Es handelt von der Emanzipation einer Frau, die sich bisher nur über ihren Ehemann definiert hat, und nun nach dem Scheitern ihrer Ehe eine neue Beziehung für sich selbst und eine Wertschätzung für sich selbst finden muss. Wir begleiten sie dabei, wie sich sich von ihrem Exmann löst und zu einer eigenständigen Person wird, die durchaus nicht blind ist für ihre eigenen Fehler und Schwächen, aber dennoch ein neues Selbstbewusstsein findet. Sucht sie zu Anfang noch die Schuld für die Affäre ihres Mannes bei sich, so löst sie sich im Laufe der Zeit davon und kann sich distanzieren und die Schuld dorthin platzieren, wohin sie gehört.
Trotzdem ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, sondern die Depressionen sind selbstverständlich noch immer da und auch die Zukunft ist nicht sicher, aber das ist auch etwas, was das Buch realistisch macht.

Der Grund, wieso ich dennoch vergleichsweise lange für dieses Buch gebraucht habe lag darin, dass der Schreibstil des Buches nicht besonders mein Fall war - Bücher aus der Ich-Perspektive gehen generell schwer an mich, auch wenn ich sagen muss, dass es für die Geschichte und die Art, wie sie erzählt wurde, durchaus passend war. Oftmals war mir aber die Erzählung etwas zu wenig zusammenhängend und hat mich als Leser emotional nicht erreicht. Die Hauptfigur Jenny steht als Stand-In für viele Frauen in ihrer Situation. Diese Funktion erfüllt sie sehr gut und ihre inneren Kämpfe konnte ich gut nachvollziehen, jedoch kam sie leider darüber hinaus nicht als eigenständiger Charakter, über den ich gerne mehr lesen würde, zur Geltung.

Das Buch ist vermutlich keines, an das ich mich noch in Jahren besonders gut erinnern werde, ich halte es aber für guten Lesestoff, insbesondere wenn man sich für feministische Literatur interessiert. Einen großen Spannungsbogen sollte man nicht erwarten, aber doch einige gute Gedanken und Inhalte, mit denen sich viele Frauen sicher gut identifizieren können.

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Tags: depressionen, emanzipation, feminismus, südafrika   (4)
 

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98 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

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Gefährlicher Lavendel

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783548289069
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Krimi ist der dritte in einer Reihe um den Rechtsmediziner Docteur Leon Ritter. Ich habe die ersten beiden Teile nicht gelesen, hatte aber beim Lesen nicht das Gefühl, dass mir wichtige Informationen gefehlt hätten, der Einstieg war unproblematisch.

Wir begleiten den Rechtsmediziner Leon Ritter, tätig in einem Krankenhaus in der Südprovence, bei der Lösung eines Falls: Er bekommt einen Toten zur Obduktion, der mit den Anzeichen schlimmster Folter aufgefunden wird. Kurze Zeit später folgen diesem toten Mann noch weitere, ebenfalls auf schärfte gefoltert und umgebracht. Gemeinsam mit seiner Freundin, einer Polizistin, macht sich Ritter auf die Suche nach dem Mörder kommt dabei einem Verbrechen auf die Spur, das schon mehr als 20 Jahre zurück liegt.

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam, und ich konnte jederzeit den Geschehnissen folgen, was man ja leider nicht von jedem Krimi behaupten kann. Remy Eissen jedoch schafft es, den Leder jederzeit mitzunehmen und an den Geschehnissen teilhaben zu lassen. Der Fall ist spannend erzählt, und die Auflösung winkt auch noch nicht schon zu Anfang um die Ecke, sondern der Weg dahin ist tatsächlich interessant und die Auflösung in gewissem Maße auch überraschend. Zum Schluss wurden die Geschehnisse etwas stark melodramatisch und hollywoodreif für meinen Geschmack (bzw. für den Stil des Buches bis dahin), aber trotzdem habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt und kann das Buch für den geneigten Krimileser sehr empfehlen.
Auch das Setting in Südfrankreich kam gut rüber. Es war nicht nur irgendein Setting, sondern der Autor arbeitet mit der dortigen Lebensart und bindet sie angenehm in das Gesamtkonzept des Buches ein.

Nicht ganz überzeugt war ich von den Charakteren im Buch. Auch ohne den Titel zu sehen hätte ich geschworen, dass dieses Buch von einem Mann geschrieben worden ist, denn alle weiblichen Charaktere im Buch waren in ihrer Charaktersisierung leider recht unterentwickelt, und wurden zum überwiegenden Teil ausschließlich über ihre Beziehung zu männlichen Figuren charakterisiert, sei diese nun positiv oder negativ. Das gilt für Ritters Freundin Isabelle, deren Tochter Lilou, die Sanitäterin Carole, die Patientin Nathalie (eine, wie ich fand, auch absolut überflüssige Nebenhandlung), allen Frauen der Opfer sowie die Kellnerin in Ritters Lieblings-Café. Auch allgemein wurde viel mit Klischees gearbeitet (da gibt es die pubertierende Tochter, die ihre Eltern belügt um auf Parties zu gehen, oder den ewig grantigen Chef, der die Ermittlungen nur nach politischen Gesichtspunkten fördert oder stoppt, etc.), und die Hauptfigur Leon war dann derjenige, der anscheinend als einziger mit einem guten Bauchgefühl sowie Kombinationsgabe gesegnet war (nicht zu reden von Kenntnissen in der Erziehung von Jugendlichen) und den Tag retten konnte.

Wer ein großartiges Buch sucht, dessen Plot und/oder Charaktere einen auch auf längere Sicht hin gefangen nehmen, für den ist Gefährlicher Lavendel wohl eher nicht die richige Wahl. Als Sommer-Krimi für ein spannendes Leseerlebnis allerdings kann ich das Buch aber absolut empfehlen, ich habe es schnell und gerne gelesen!

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Tags: gerichtsmediziner als hauptfigur, krimi, provence, serienmorde, südfrankreich   (5)
 

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110 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

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Lost in Fuseta

Gil Ribeiro
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 31.03.2017
ISBN 9783462048872
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein europäisches Austauschprogramm für Polizisten bringt den deutschen Leander Lost nach Fuseta in Portugal. Sein erster gemeinsamer Fall mit seinen neuen Kollegen Carlos und Graciana dreht sich um einen ermordeten Privatdetektiv, der sich offenbar nicht nur mit Eifersuchtsdramen beschäftigt, sondern Kriminelle eines anderen Kalibers gegen sich aufgebracht hat.

Der Krimi-Aspekt des Buches ist durchaus spannend und wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf. Die Lösung des Falls ist nachvollziehbar, folgt einem guten Tempo, und erscheint im Zusammenhang mit den beteiligten Charakteren absolut glaubwürdig.

Das Setting des Buches trägt viel zum positiven Gesamteindruck bei. Wir befinden uns in einer kleinen portugiesischen Küstenstadt, und der Autor verwendet viel Energie darauf, dem Leser den Ort und das entsprechende Lebensgefühl zu vermitteln, was ihm auch wunderbar gelingt, denn ich ziehe ab sofort Portugal durchaus als künftiges Urlaubsziel in Betracht! Es ist zwar aus dem Schreibstil heraus teilweise sehr offensichtlich, dass das Buch von einem Deutschen für den deutschen Markt geschrieben wurde, da manchmal die portugiesischen Eigenarten doch sehr stark von Grund auf erläutert werden, das tut aber dem positiven Gesamteindruck keinerlei Abbruch.

Die große Stärke des Romans sind aber nicht zuletzt die Charaktere! Da ist zuallererst Leander Lost, der deutsche Austauschpolizist. Er ist ein Mann mit Asperger-Syndrom, was ich persönlich in einem Krimi (außerhalb vielleicht von Sherlock Holmes, je nach Version) so noch nie gelesen/gesehen habe. Er hat diverse herausregende Begabungen (photographisches Gedächtnis, streng logische Denkweise, hohe Intelligenz, überragende sprachliche Fähigkeiten), auf der anderen Seite aber Probleme mit sozialen Interaktionen, da er beispielsweise die Mimik anderer Menschen nicht interpretieren kann, und nur tatsächlich gesagtes gedanklich verarbeitet (d.h. zum Beispiel Ironie und Subtext sind für ihn schwer bis gar nicht erkennbar).
Ich bin mit den Syndrom nicht vertraut genug, um beurteilen zu können, wie akkurat es hier dargestellt wurde, aber ich hatte in jedem Fall den Eindruck, dass respektvoll damit umgegangen wurde, und das Syndrom tatsächlich in den Charakter und die Handlung eingebunden war, anstatt nur für platten Humor zu sorgen. Entstanden ist eine spannende, liebenswerte, gut charakterisierte Figur, die das Buch trägt und aus dem Krimi-Einheitsbrei hervorsticht.

Aber nicht nur Leander ist liebenswert, auch die übrigen Charaktere sind es: Die Kollegen Graciana und Carlos sind Menschen mit Stärken und Schwächen, die auch Fehler machen oder sich unpassend verhalten. Sie haben jedoch ihr Herz am rechten Fleck und sich gute Polizisten - zwei sehr realistische Figuren, die gut zusammenpassen! Das gilt ebenso auch für die weiteren Figuren Soraia und Zara, die zwar nur Nebenrollen spielen, aber ebenfalls mit viel Sorgfalt und Gespür charakterisiert werden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Buch ein grundsolider Krimi ist, der einen gewissen Spannungsfaktor hat, der aber erst durch seine liebenswerten und gut durchdachten Charaktere sowie das wunderschöne Setting an der Küste Portugals seinen besonderen Charme bekommt. Der Autor hat in jedem Fall seinen Fokus auf die wichtigen Aspekte gelegt und meinen Geschmack damit getroffen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, und ich freue mich auf hoffentlich erscheinende weitere Bände dieser Reihe um Leander, Graciana und Carlos!

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Tags: aspergersyndrom, krimi, portugal   (3)
 
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