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Private - Eine von euch

Kate Brian , Karla Hahndorf
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei cbt, 10.09.2018
ISBN 9783570312100
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf den Beginn der "Private"-Reihe habe ich schon seit Monaten hingefiebert. Für mich klang es wie ein Mix aus "Gossip Girl", "Mean Girls" und einen Hauch "Pretty Little Liars" - alles Produktionen, die ich zur gegebenen Zeit überaus gern geschaut habe und es jetzt gelegentlich auch noch tue. Entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Den Anfang fand ich absolut gelungen: Kate Brian führt den Leser langsam zum eigentlichen Geschehen hin und macht ihn bzw. sie mit der Protagonistin Reed und ihrer neuen Heimat vertraut. Im Verlauf des Romans bin ich aber auf zwei essenzielle Probleme gestoßen.
Problem Nr. 1: Die Handlung hat mich nicht mitgerissen. Basierend auf dem Klappentext, speziell den erwähnten dunklen Geheimnissen, hatte ich mir das Ganze deutlich spannender vorgestellt. Vielleicht kam es nur mir so vor, aber die Story hat nicht richtig Fahrt aufgenommen. Es gibt zwar immer wieder neue Konflikte für Reed zu bewältigen, aber an keiner dieser "Baustellen" wird vernünftig gearbeitet. Soll heißen: Entweder ist der Konflikt rasch bewältigt oder er wird nicht in dem Umfang ausgeführt, wie er es erfordern würde. Speziell was Reeds familiären Hintergrund betrifft, hätte ich mir deutlich mehr Input gewünscht. Gut, es handelt sich um den Auftakt einer Reihe, daher kann (und sollte) man als Schriftsteller/in hier nicht sein ganzes Pulver evrschießen. Trotzdem fehlte mir hier ein ums andere Mal ein dramatischer Höhepunkt.
Problem Nr. 2: Ich konnte mit keinem der Charaktere etwas anfangen, weder mit den Billings-Girls noch mit Constance, Missy & Co. aus Reeds eigenem Trakt und auch nicht mit Thomas. Sie waren entweder unnahbar oder undurchschaubar. Warum? Ganz einfach: Außer zu ihrem (wirklich gut und teilweise wortgewandt beschriebenem) Äußeren erfährt man kaum etwas über sie. Bei den Billings-Girls verstehe ich das zum Teil sogar, da es Teil ihrer mysteriösen (und damit für Reed so faszinierenden) Aura ist. Bei ihren Mitbewohnerinnen kann ich es mir nur damit erklären, dass Reed einfach kein Interesse an ihnen hat, weil sie so auf die Billings-Girls fixiert ist. Über Thomas erfährt man zumindest Grundlegendes. Allerdings gingen mir bei deren Beziehung die Entwicklungen etwas zu rasant vonstatten. Außerdem war ich mir bei ihm immer unsicher, ob man ihm trauen konnte bzw. er es ernst meint. Insgesamt kommen sie alle für mich nicht über den Status eines Statisten hinaus. Die einzige Ausnahme bildet Reed, über die man als Protagnostin deutlich mehr erfährt als über jede andere Person. Dennoch war sie diejenige, die ich am wenigsten verstehen konnte, weil sie einfach so widersprüchlich war. Sie ist weder dumm noch mangelt es ihr an Mumm oder einer klaren Meinung zu gewissen Dingen. Gerade diese Attribute werfen bei mir unweigerlich die Frage auf, warum in Gottes Namen Reed unbedingt zu den Billings-Girls gehören will und dafür alle anderen links liegen lässt. Sie selbst ist der Meinung, dass Noelle, Ariana und Taylor sie nicht besonders nett behandeln, und doch hat sie nahezu nichts anderes im Kopf, als Teil der Gruppe zu werden. Sind die vermeintliche Bewunderung und Ehrfurcht, die man als Mitglied der Clique entgegengebracht bekommt, wirklich mehr wert als echte Verbundenheit? Von meiner Seite ein klares Nein! Meiner Meinung nach muss man schon eine masochistische Ader haben, um sich "Freunde" zu suchen, die einen mehr schikanieren als den Rücken zu stärken. Wer möchte denn einen Freundeskreis haben, in dem man sich nicht wohl fühlt? Kurz und bündig: Reeds Verhalten war mir einfach schleierhaft.
Man kann sich nun fragen, warum ich denn nun weitergelesen habe. Zum einen, weil ja immer die Möglichkeit bestand, dass sich tatsächlich etwas Aufregendes ereignet. Zum anderen ist man auch ruck, zuck mit dem ersten Band durch. Trotz der genannten Probleme zieht sich der Roman nämlich glücklicherweise nicht wie Kaugummi, was zu einem kleinen Teil an den recht kurzen Kapiteln liegt und zu einem wesentlich größeren Teil an der Narration. Kate Brian geht den - für mein Dafürhalten angenehmen - goldenen Mittelweg: nicht zu blumig, nicht zu nüchtern, nicht zu detailliert und nicht zu abstrakt. Es gibt keine Stolpersteine, die einen aus dem Leserhythmus bringen, oder Formulierungen, die einem komisch vorkommen, und man kann der Handlung sehr gut folgen. Es bildet sich beim Lesen kein Knoten im Hirn wie bei komplexeren Stilen à la Kazuo Ishiguro. Darüber hinaus finde ich, dass sie das innere Chaos einer Jugendlichen authentisch eingefangen hat. Rein sprachlich also eine gelungene Arbeit der Autorin und des Lektorats. Das reicht aber leider letztlich für mich nicht dafür aus, auch dem Folgeband eine Chance zu geben.

Mein Fazit

Rein sprachlich kann ich an "Private - Eine von euch" nicht herummeckern: Kate Brians Geschichte lässt sich flüssig und angenehm lesen - ohne Frage. Probleme hatte ich allerdings mit dem Inhalt. Bei mir wollte weder ein Spannungsgefühl aufkommen noch hatte ich genug Möglichkeiten, bei den Figuren "anzudocken", da es den meisten an einer umfassenderen Charakterisierung fehlte. Dadurch war es mir nicht möglich, mich richtig auf die Geschichte einzulassen. Wenngleich mir die grobe Richtung gefällt, in die die Story verläuft, werde ich die Reihe wohl nicht weiterverfolgen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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Dein Lächeln an diesen verdammten Tagen

Katie McGarry , Lisa Maria Rust , Carolin Liepins
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.04.2018
ISBN 9783841505118
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist immer ein sehr gutes Zeichen, wenn man sich auf den ersten Seiten schon mehrfach nicht eines Grinsens erwähren kann. Dadurch wusste ich sofort, dass ich sowohl den Schreibstil von Katie McGarry toll finde als auch Echos Denkweise. Die Narration hat - besonders am Anfang - eine wunderbar sarkastische Färbung. Genau genommen trieft er aus jedem dritten Satz, womit man bei mir immer punkten kann. Der Beginn liefert gleich eine Fülle von Informationen zur weiblichen Protagonistin, angefangen bei ihrem angespannten Verhältnis zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, ihrer Trauer um ihren verstorbenen Bruder Aires (die Namenswahl von McGarry ist wirklich klasse!) über die Art von Mensch, die Echo einst war und der sie jetzt ist, bis hin zu den Gedächtnislücken, die sie aufgrund traumatischer Ereignisse hat und deretwegen sie in Therapie ist. Trotzdem nimmt die Autorin nicht gleich zu viel vorweg und hat damit meine Neugier entfacht. McGarry hat so, zumindest für mein Dafürhalten, die perfekte Basis für eine parasoziale Beziehung zu Echo gebildet. Im Laufe des Romans habe ich eine Person kennengelernt, die sich ihre eigene Meinung bildet, verzeihen kann und Menschen eine Chance gibt, die von anderen bereits abgeschrieben wurden, die witzig und melancholisch, sanftmütig und aufbrausend sowie verletztlich und stark sein kann. Das macht sie zu einem komplexen, plastischen Charakter, der der Geschichte Leben einhaucht. Zwar habe ich ihr Verhalten und ihre Entscheidungen nicht immer gutgeheißen, aber ich konnte ihre Wut, ihre Unsicherheiten, ihre Trauer, eigentlich die gesamte Palette ihrer Emotionen, sehr gut nachvollziehen.
Der zweite Ich-Erzähler ist Noah, der (wie könnte es auch anders sein?) das Klischee des missverstandenen, mysteriösen Troublemakers erfüllt, dessen düstere Aura einen sowohl abschreckt als auch magisch anzieht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von diesem Schema immer weniger angetan bin, einfach, weil es inzwischen viel zu häufig Einzug in Romane hält. Es ist aber auch noch nicht so, dass sich mir die aNackenhaare aufstellen, sobald es mir in einer Geschichte begegnet. (Außerdem kann ich mich nicht wirklich darüber aufregen, schließlich zwingt mich keiner dazu, diese Bücher zu lesen.) Wie es in den meisten Fällen ist, steckt auch bei Noah unter der harten Schale ein weicher Kern. Je näher Echo und er sich gekommen sind, desto mehr ist er in meinen Augen zum Softie mutiert, auch wenn mir zum Glück schwülstige Liebensbekundungen erspart geblieben sind. Für meinen Geschmack wirkte er ein bisschen zu sehr auf Echo fixiert bzw. schienen sich seine Gedanken fast nur noch um sie zu drehen. Ich hatte fast schon das Gefühl, als wäre er einzig allein dazu da, um Echos Ego wieder aufzubauen. Für meinen Geschmack hat er auch ein paar mal zu häufig erwähnt, wie sexy sie ist. Ich verstehe zwar, dass es wichtig ist, zu vermitteln, dass auch Menschen mit auffälligen Narben noch schön sind, aber es war auf Dauer nervtötend. Wesentlich mehr hat mich an ihm eigentlich seine eigene Familiensituation interessiert, denn die ist ebenso konfliktreich und dramatisch wie die von Echo. Daher hätte ich mir gewünscht, dass das Potenzial ein bisschen mehr ausgeschöpft worden wäre.
Im Großen und Ganzen kann ich mich aber nicht über die Ereigniskette und die Erzählweise beklagen. McGarry hat durch das bewusste Vorenthalten der Informationen, was Echo zugestoßen ist, bis zur Auflösung Spannung erzeugt. Die hat mich übrigens auch nicht enttäuscht. Allerdings hat man den Spannungsabfall danach recht deutlich beim Lesen gemerkt. Statt einen abrupten Cut zu machen, hat sich McGarry Zeit genommen, die Geschichte (vernünftig) auslaufen zu lassen. Man wird also nicht im Regen stehen gelassen, was ich persönlich sehr begrüße.

Mein Fazit

"Dein Lächeln in diesen verdammten Tagen" hat mir einen fantastischen ersten Eindruck vermittelt, da Schreibstil und Protagonistin bei mir voll ins Schwarze getroffen haben. Dieser Eindruck hat sich auch im weiteren Verlauf bestätigt, wenngleich meine Begeisterung minimal nachgelassen hat, nachdem der erste "Rausch" verflogen ist. Das lag teils an klischeehaften Personendarstellungen und (in meinen Augen) unzureichenden Ausführungen, was Noahs Familiengeschichte betrifft, teils auch daran, dass der Roman bisweilen etwas ins Kitschig-Schmalzige abgedriftet ist, was mir persönlich nicht wirklich gefällt. Trotzdem ist es ein toller, emotionsgeladener Jugendroman, den ich auch für andere Fans des Genres kaufen würde!

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich

Cleo Leuchtenberg , Andrea Pieper , Claudia Brendler , Andrea Pieper
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.08.2018
ISBN 9783789108525
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mein erster Eindruck vom Buch war ausgesprochen positiv. Ich bin sehr gut in die Geschichte reingekommen und war entsprechend zum Weiterlesen motiviert. Ich habe gleich ein gewisses Mitgefühl für Lilly entwickelt, da sie offensichtlich gerade unter dem Ende einer Beziehung leidet. Der Erzählstil passte da auch meiner Meinung nach sehr gut: relativ kurze Hauptsätze, fast schon sachliche Schilderungen des Geschehens, vermischt mit Lillys Gedanken und Gefühlen. Auf mich persönlich hat das so gewirkt, als würde für Lilly gerade alles unwirklich sein, als könne sie das Geschehen nur portionsweise verarbeiten, Stück für Stück. Als würde sie unter Schock stehen. Das hat mich sofort gepackt und in die Geschichte hineingesogen. Nun folgt jedoch gleich das große Aber: So lobenswert ich diesen Stil auch empfunden habe, gegen Ende hatte er eher den gegenteiligen Effekt auf mich. Die kurzen Sätze, die teilweise nicht zu Ende geführt wurden, und daher wie lose Gedanken in der Luft schwebten, haben meinen Leserhythmus zunehmend beeinträchtigt. Es wirkte abgehackt, gehezt, hart und eben auch unvollständig. Bei einem Thriller oder einer actiongeladenen Geschichte hätte ich das ganz passend gefunden (bei Rick Yancey hat das zum Beispiel wunderbar zur Atmosphäre beigetragen), bei dieser Lovestory hat es aber in den "wichtigen" Momenten verhindert, dass bei mir romantische Stimmung aufkam. Ich steh dem sprachlichen Ausdruck also mit gemischten Gefühlen gegenüber.
Aber zurück zu den Protagonisten. Ich empfand es etwas paradox, wie introvertiert und unsicher Lilly war, wenn man bedenkt, dass sie Schauspielerin ist. Ich möchte nicht behaupten, dass (überspitzt ausgedrückt) Schauspieler/innen generell geltungsbedürftige Egomanen sind, aber für ein Leben im Rampenlicht sollte man doch zumindest ein gesundes Selbstvertrauen haben, oder sehe ich das falsch? Abgesehen davon empfand ich Lilly aber als angenehmen Charakter: zwar kein herausragender, aber sie hat mich auch nicht in den Wahnsinn getrieben. Dafür hatte ich ja Ben. Eigentlich fand ich auch ihn unmittelbar am Anfang okay. Was ich aber gar nicht an ihm leiden konnte, waren seine Vorurteile gegenüber Lilly und die damit verbundene passiv-aggressive Art. Natürlich zieht das darauf ab, dass zwischen den beiden erst mal dicke Luft herrscht und es so viel interessanter mitzuverfolgen ist, wie die beiden umeinander herumschleichen. Trotzdem hat er mit diesem Verhalten des Öfteren meine Nerven strapaziert. Auch, nachdem ich seinen Background kannte, mangelte es mir manchmal an Verständnis für ihn. Das ging mir aber tatsächlich nur so, wenn er mit Lilly zusammen war. Wenn er auf sich allein gestellt war, hatte ich keine Probleme mit ihm.
Lange Zeit erschien mir die Chemie zwischen den beiden also nicht zu stimmen. Zum Glück kam ich dann doch noch an den Punkt, an dem ich das anders empfunden habe, und so haben sie irgendwann in der zweiten Hälfte dann doch noch mein Herz erweicht. Vielleicht, weil ich ab da überzeugt war, dass ihre Gefühle wirklich Zeit zum Wachsen und eine Grundlage hatten und nicht rein auf "magischer Anziehung" basierten. Trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass Lilly und Ben für mich auch am Ende kein Paar gewesen sind, das mir unter die Haut gekrochen ist.
Was ich aber wirklich ohne Wenn und Aber klasse fand, war das ganze Drumherum. Speziell die detaillierten Informationen zum Handwerk eines Synchronsprechers, den Casting- und Tagesabläufen und den Sprech- und Stimmtechniken waren toll. Das war a) aufschlussreich und b) hat es sehr viel Authentizität vermittelt. Da merkt man, dass eine Hälfte des Autorenduos aus der Branche kommt. Dieser Part ist also wirklich super gelungen! Da wünscht man sich direkt mehr Bücher über Synchronsprecher (außerdem weiß ich ihre Arbeit jetzt deutlich mehr zu würdigen).

Mein Fazit

Angefangen bei den Protagonisten bis hin zum Schreibstil hat ILYHNLNILD bei mir sehr viele konträre Gefühle ausgelöst: Von absoluter Begeisterung bis Frustration war fast alles dabei. Die jeweiligen Hintergründe von Ben und Lilly fand ich zum Beispiel ganz interessant und als individuelle Charaktere mochte ich sie ganz gerne. Nur mit den beiden als Pärchen habe ich lange Zeit gehadert, weil die Chemie zwischen den beiden auf mich forciert wirkte. Meine persönlichen Pros und Kontras halten sich letztlich die Waage, deswegen werde ich den Roman zwar nicht in die Riege meiner Lieblingsbücher aufnehmen, einen Fehlgriff habe ich damit aber ganz sicher auch nicht gemacht.

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Das Herz im Glas

Katharina V. Haderer , Katharina V. Haderer
Flexibler Einband: 424 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 25.03.2017
ISBN 9783959913317
Genre: Fantasy

Rezension:

Beginnen wir wie immer mit dem Einstieg in die Handlung. Der hat sich für mich diesmal als etwas holprig entpuppt. Nicht, weil er schlecht geschrieben wäre, sondern weil ich erstmal das Gefühl hatte, mir würde eine komplette Vorgeschichte fehlen. Das ist ja an sich nicht unüblich, aber mir ist es hier etwas stärker aufgefallen, ganz so, als hätte ich ein paar Kapitel verpasst. Erst nach einer Weile erfährt man, wie das Herz im Glas, um das es die ganze Zeit geht, in Aennes Besitz gelangt ist und wieso sie mit ihrem Bruder Caedes überhaupt auf Reisen ist. Bis zu diesem erhellenden Moment fehlte mir völlig die Handlungsmotivation der beiden.
Diese kleine Wissenslücke hat sich aber nicht negativ auf mein allgemeines Interesse am Geschehen ausgewirkt. Das liegt zum einen an dem Ereignisreichtum, den stetig wachsenden Charakterstab und dem sonstigen Informationsinput, die keine Langeweile aufkommen lassen. Zum anderen lag es auch an dem Erzählstil der Autorin an sich. Sie schreibt sehr gut, sodass die Sätze flüssig zu lesen waren, und geht bei wichtigen Szenen auf entsprechende Aspekte detaillierter ein, damit man sich die Ereignisse oder Menschen gut vorstellen kann. Besonders habe ich beim Lesen geliebt, dass ich fast durchgängig dieses typische Rollenspiel-Feeling hatte, das ich sonst bei Videospielen wie Dragon Age & Co. bekomme. Das geht mir (selbst bei anderen Fantasy-Romanen) nicht allzu häufig so, deswegen habe ich das hier besonders genossen. An der ein oder anderen Stelle war die Ausdrucksweise nicht ganz zeitgemäß. Ich bezweifle z.B., dass es in dieser mittelalterlich anmutenden Welt tatsächlich Wörter wie "schwul" existieren. Das war aber eher die Ausnahme als die Regel und natürlich ist es kein Historien-, sondern ein Fantasyroman, weshalb ja prinzipiell alles möglich ist. Daher ist dieser Punkt auch nicht in meine Bewertung mit eingeflossen.
Selbst die vereinzelten gedichteten Passagen waren angenehm zu lesen und gut gereimt. Das will tatsächlich was heißen, denn normalerweise bin ich von Gedichten innerhalb von Prosa wenig begeistert.
Über die Handlung und die Akteure will ich eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren, weil ich anderen Lesern nicht so viel vorwegnehmen möchte. Man sollte sich allerdings darauf gefasst machen, dass man von diversen Figuren überrascht wird. Manche überschätzt man, manche wird man wohl unterschätzen. Und ein reines Schwarz-Weiß-Denken wird einen wohl nicht weiterbringen. Ebenso abwechslungsreich und überraschend war auch die Ereigniskette. Die Autorin hat mich das ein oder andere Mal auf die falsche Fährte gelockt und mich immer wieder zum Zweifeln gebracht, ob ich denn gerade den richtigen bzw. die richtige Person verdächtige. Rohe Gewalt und Intrigen nehmen eine große Rolle in der Handlung ein - zwar nicht im Umfang von GoT, aber doch nicht wenig. Manche Szenen waren blutig bis hin zu ekelerregend, was mich viel Überwindung gekostet hat, um die Passagen nicht zu überspringen. Ich hatte Angst, sonst wichtige Details zu verpassen, denn sie waren tatsächlich relevant für den weiteren Verlauf. (Anmerkung: In der Beziehung bin ich aber auch eine Mimose - bei blutigen Folterszenen bin ich raus.)
Wirklich nicht überzeugt war ich von der bereits im Klappentext angedeuteten Liebesgeschichte. Das lag aber auch daran, dass mir eine der beiden Parteien bis kurz vor Schluss schlichtweg unsympathisch war, weshalb ich beim Lesen jedes Mal genervt war, wenn sie aufgetreten ist (und das war leider sehr häufig).

Mein Fazit

Ich bin ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass "Das Herz im Glas" bei mir so viel Begeisterung hervorrufen würde. Nachdem sich die anfängliche Verwirrung gelegt bzw. meine Wissenslücken ausreichend gefüllt waren, war ich komplett gefangen von den Ereignissen in Terra Talioni. Die Autorin hat einfach die richtige Atmosphäre kreiert und genügend Spannung erzeugt. Lediglich der ein oder andere Charakter sowie einige wenige Längen haben mir ein paar Schwierigkeiten bereitet, ansonsten war es super!

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Die Oberfläche des Glücks

Claire Kells , Ralf Schmitz
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK , 14.07.2016
ISBN 9783863960964
Genre: Romane

Rezension:

Der Einstieg in die Geschichte ist mir unglaublich leicht gefallen: zum einen aufgrund des Schreibstils, der meinen ganz persönlichen Geschmack getroffen hat, zum anderen aufgrund der Protagonistin Avery, zu der ich auf Anhieb einen Draht hatte. Sie ist nicht der Typ für pubertäre Dramatik oder fürs Luftschlösserbauen, eher die Sorte "Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isses". Genau das hat sich auch während des Flugzeugabsturzes bzw. unmittelbar danach ausgezahlt. Sie hat zwar Angst gehabt, hat sich oftmals ratlos gefühlt, aber sie hat sich zusammengerissen, von Moment zu Moment gelebt und das beste aus der Situation gemacht. Diese Eigenschaften habe ich an ihr sehr gemocht, weshalb mich ihr innerer Kampf auch nicht kalt gelassen hat.
Die Entscheidung, die Geschichte nicht chronologisch zu erzählen, war prinzipiell eine gute Lösung, hatte aber auch seine Tücken. Ich mochte den Wechsel zwischen dem gegenwärtigen Geschehen und der Rückblende zum traumatischen Flugzeugabsturz bzw. den Ereignissen danach. Dadurch war die Frage, ob sie überleben, von Anfang an vom Tisch und man musste nicht befürchten, dass man am Ende einen herben Verlust zu verkraften hat. Mich hat das sehr beruhigt. Stattdessen stand ständig die Frage im Raum, was denn nun auf der Insel passiert ist. Genau das hat für mich während des Lesens den Reiz ausgemacht. Allerdings (und das ist der Knackpunkt) war die Auflösung selbst nicht so spektakulär, wie man aufgrund von Averys Schweigen vielleicht vermutet hätte. Das war für mich letztlich das Zünglein an der Waage, warum ich nicht restlos begeistert vom Buch begeistert war. Die Struktur hat zwar neugierig auf den Ursprung, das Davor, gemacht. Da aber der Knalleffekt mit dem Flugzeugabsturz schon von Anfang an bekannt war und sich letzten Endes auch als der einzige erwiesen hat, hat man retrospektiv das Gefühl, als wäre die Story danach etwas unaufgeregt vor sich hingeplätschert.
Neben der Verarbeitung der Katastrophe gibt es noch einen zweiten thematischen Schwerpunkt: das Liebesdreieck zwischen Avery, Colin und Lee. Man mag sich jetzt vielleicht fragen, ob das denn wirklich nötig gewesen wäre. Höchstwahrscheinlich war es das nicht. Es hat der Geschichte allerdings auch nicht direkt geschadet. Da die Autorin teilweise auch zurück zum Kennenlernen von Avery, Colin und Lee springt, kann man ihre Entwicklung mitverfolgen. Dadurch war es für mich einfacher, ein Gefühl für die drei als Individuen zu entwickeln und mir ein Bild von dieser unglücklichen Dreiecksgeschichte zu machen. Klischees sind zwar auch hier vorhanden, aber nicht in einem Umfang, dass sie mich gestört hätten. Zumal sich Lee auch nicht als "der Böse" entpuppt hat, wie das in den meisten Fällen ja ist und durchaus ein paar glanzvolle Momente hatte. Es war auch nicht sonderlich schwer, Sympathien für Colin zu entwickeln: Er ist ein Sonnyboy durch und durch, noch dazu höflich, rücksichts- und aufopferungsvoll und selbst in schwierigen Situationen positiv denkend. Und natürlich sieht er klasse aus (für mich persönlich war das schon wieder zu viel des Guten, aber sei´s drum). Dadurch konnte ich gut nachvollziehen, warum Avery zwischen den beiden hin- und hergerissen war. Ich bin auch sehr froh gewesen, dass die Autorin einem die übertriebene Melodramatik einer pubertären Lovestory erspart hat. Ich hatte zumindest das Gefühl, dass die drei doch etwas erwachsener mit dem Problem umgegangen sind.

Mein Fazit

"Die Oberfläche des Glücks" hat die meisten meiner Erwartungen erfüllt, aber letztlich nicht alle. Claire Kells bringt das Bedrückende, die Ernsthaftigkeit, der Thematik gut rüber, ohne den Leser zu erdrücken. Die unchronologische Ereigniswiedergabe sorgt für Dynamik, hat aber retrospektiv einen Schönheitsfehler: der Höhepunkt steht am Anfang und bekommt kein entsprechendes Pendant zum Schluss. Mich persönlich hat das etwas unbefriedigt zurückgelassen.

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294 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Für immer Blue

Amy Harmon ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei INK , 01.10.2015
ISBN 9783863960766
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich weiß nicht ganz, was es über mich aussagt, dass mich an "Für immer Blue" neben der Autorin vor allem das Thema "verbotenes Lehrer-Schüler-Verhältnis" gereizt hat. Gleichzeitig hatte ich einige Bedenken, denn das Thema kann - wenn man es falsch angeht - schnell anstößig bzw. abstoßend und/oder oberflächlich geraten. Das war hier zum Glück nicht der Fall. Harmon beweist viel Fingerspitzengefühl, geht auf ihre Charaktere ein, sodass man sie versteht, lässt Gefühle nur zaghaft wachsen und vor allem lässt sie Blue Darcy sich in Zurückhaltung üben. Sie verbringen zwar viel Zeit miteinander und führen Gespräche, die man eher als privat einstufen würde, aber sie überschreiten lange Zeit nicht die Grenze zu etwas Romantischem. Annäherungsversuche gibt es in dem Sinne nicht. Über weite Strecken (über die Hälfte des Buches) spielen körperliche Nähe oder Lustgefühle eigentlich keine Rolle. Man erlebt keinen liebeskranken Teenager, der sich nach Aufmerksamkeit verzehrt und aus einer Schwärmerei mehr macht, als sie ist. Stattdessen lernt man eine junge Frau kennen, die mit einer Menge Mist in ihrem Leben zu kämpfen hatte und noch zu kämpfen hat und endlich jemanden gefunden hat, der ihr die Zuversicht gibt, dass ihr die Welt offen steht. Das Ganze spielt sich - zumindest zu Beginn - auf rein emotionaler Ebene ab. Geborgenheit und gegenseitiges Verständnis sind viel wichtiger. Harmon hat mir hier etwas vermittelt, was mir Colleen Hoover mit ihrer Will-und-Layken-Geschichte nicht vermitteln konnte: Intimität, die rein gar nichts mit Lust zu tun. Vielleicht habe ich Blue und Darcy deswegen ihre Gefühle deutlich mehr abgekauft und habe wesentlich mehr mit ihnen mitgefiebert.
Letzten Endes klingt der Klappentext aber auch weitaus skandalöser, als der Inhalt tatsächlich ist. Zum einen wird das Heikle dadurch abgeschwächt, dass Blue zwar noch Schülerin ist, aber bereits 19 oder 20 Jahre alt (ja, das ist aufgrund ihrer vertrakten Familienverhältnisse möglich); und Darcy Williams ist zwar ihr Lehrer, aber gerade mal 22 Jahre alt (das wiederum hat mit seiner Intelligenz zu tun). Zum anderen (Vorsicht Mini-Spoiler!) erfolgt nach einem Drittel des Buches eine Art Cut, als Blue die Highschool beendet und somit das Lehrer-Schüler-Verhältnis aufgelöst wird. Die beiden verbringen dennoch viel Zeit miteinander, weil Darcy Blue aufgrund ihrer misslichen Lage unter die Arme greift. Ab diesem Moment ist ein deutlicher Wandel im Gefühlsleben, aber auch in Harmons Erzählstil spührbar. Zumindest habe ich ihn als etwas erwachsener empfunden.
Dass Blue und Darcy rein rechtlich nichts mehr im Weg steht, bedeutet aber nicht, dass sie es sich nicht schwerer machen, als es sein müsste. Es folgen lange Wartezeiten, Phasen, in denen sie sogar auf Abstand gehen, Vorwürfe und Streitereien. Aus der Distanz betrachtet wirkt es wie eine unnötige Herauszögerung des Unvermeidlichen, beim Lesen empfindet man es aber keineswegs so. Das Tempo war vollkommen angemessen, insbesondere da Blue auch noch ganz andere Dinge zu verarbeiten hat. Das wiederum bringt mich zum nächsten Punkt.
Um hier keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Es geht nicht ausschließlich um Liebe. Viel wichtiger sind eigentlich die Themen Familie, Identitätsfindung und Selbstakzeptanz, die sich durch das ganze Buch ziehen. Wie oben erwähnt sind Blues familiäre Verhältnisse sehr vertrakt, da sie nicht weiß, wer ihre Eltern sind und bei diversen Pflegeeltern aufgewachsen ist. Diese Ungewissheit nagt an ihr und beeinflusst all ihre Entscheidungen, auch jene, die mit Darcy in Verbindung stehen. Im Grunde ist das der Hauptkonflikt der Story, was sie in meinen Augen weitaus vielschichtiger macht, als sie es ausschließlich mit dem Liebesdilemma gewesen wäre.

Mein Fazit

Einer der Gründe, warum ich Amy Harmons Bücher so gerne lese, ist, dass ihre Geschichten zwar im Kern immer um dieselben Themen kreisen (Liebe und Selbstliebe), aber auch immer eine ganz eigene Note haben. Die Plotentwürfe ähneln sich allenfalls entfernt, jeder ihrer Charaktere ist einzigartig und gut ausgearbeitet, dass man sich als Leser in die Figur und die Story hineinfühlen kann. Deswegen werde ich ihrer Werke auch nicht überdrüssig. "Für immer Blue" bildet da keine Ausnahme.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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338 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

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Unendlich wir

Amy Harmon , Jeanette Bauroth , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei INK , 02.04.2015
ISBN 9783863960803
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Jetzt steht es endgültig für mich fest: Amy Harmon gehört jetzt ebenfalls auf die Liste meiner Lieblingsautoren/-innen, denn mit "Unendlich wir" hat sie sich nun endgültig in mein Herz geschrieben. Zwar hat "Undendlich wir" im Vergleich nicht ganz dieselbe Sogwirkung auf mich ausgeübt wie zuvor "Vor uns das Leben", aber trotzdem hat es mir von Anfang bis Ende ein wunderbares Lebeerlebnis beschert.
Dass die Wirkung etwas weniger stark ausgefallen ist, lag aber nicht daran, dass ich die Charaktere nicht mochte oder die Ereigniskette nicht interessant fand. Es hing eher damit zusammen, dass mir die Passagen, in denen es um die Gefühlswelt von Bonnie und Clyde ging, für meinen Geschmack des Öfteren zu melodramatisch formuliert waren. Ich bin eher der "dezente" Typ, d.h. es ist mir lieber, wenn ich mir die Intensität der Gefühle über kleine Gesten, Blicke, Aussagen usw. erschließen muss und sie mir nicht förmlich ins Gesicht geschleudert werden. Mir ist klar, dass nicht jeder diese Präferenz teilt und es entsprechend Leser gibt, die genau diese Passagen lieben (werden). Für mich war es aber ein Störfaktor. Das heißt natürlich nicht, dass ich Bonnie und Clyde als Paar nicht super und ihre Gefühle nicht glaubwürdig gefunden hätte. Ihre Beziehung hat sich zwar ziemlich rasant entwickelt, aber das ist unter den Umständen ihres Kennenlernens und auch aufgrund ihrer ähnlichen Erfahrungen vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich. Das Wichtigste ist letztlich wohl, dass sie einander verstehen, wissen, was der andere braucht, und die Schönheit in den Schwächen und Fehlern des anderen sehen. Und das war hier definitiv der Fall (besonders das Wortspiel mit Finns Namen ist einfach zum Dahinschmelzen süß).
Auch als Einzelcharaktere haben sie mir gut gefallen: auf der einen Seite Bonnie als die junge Frau, die ihren Traum lebt und doch unglücklich ist und sich unvollständig fühlt, auf der anderen Seite Clyde, der am unteren Ende der Sozialpyramide steht und dessen Leben ein Scherbenhaufen ist. An Bonnie mochte ich ihre Impulsivität ihre Fähigkeit, Menschen ohne Vorurteile zu begegnen, und ihre Liebe zur Musik, an Finn seine Bodenständigkeit, die beruhigende Wirkung, die er auf Bonnie hat, und seine Liebe zur Mathematik, die ihm das Gefühl von Ordnung in einer chaotischen Welt gibt. Es ist hier wohl die Gegensätzlichkeit der beiden, die den Reiz ausmacht. Einen weiteren Pluspunkt gibt es übrigens auch dafür, dass Finn zwar den Stempel des Exhäftlings aufgedrückt bekommt, aber nicht als Bad Boy dargestellt wird. Ich würde ihn zwar nicht unbedingt als sensibel bezeichnen, aber er ist der umsichtige, nachdenkliche Typ und hat definitiv seine Softie-Momente.
Zum Rest der Geschichte kann ich mich ebenfalls fast nur lobend äußern. Zum einen fand ich die Idee, die Handlung in Anlehnung an die Geschichte von Bonnie Parker und Clyde Barrow zu entwickeln, grandios. Road-Trip-Storys bzw. Geschichten, bei denen man viel unterwegs ist, haben ja immer ihre ganz eigene Dynamik, weil man ständig in Bewegung ist und immer etwas Neues erlebt. Daher wurde es für die beiden Protagonisten und auch für mich als Leserin nicht langweilig (ich habe direkt Lust bekommen, den Film zu schauen). Da die Reise aber eher einer Flucht entsprach, hat die Handlung noch einmal an Tempo und Spannung gewonnen. Hinzu kommen das familiäre und (untrennbar damit verknüpfte) berufliche Drama in Bonnies Leben, Finns kriminelle Vergangenheit, die Trauer der beiden und natürlich die romantischen Gefühle, die ziemlich bald aufkeimen. Die Summe dieser Einzelteile macht diese Geschichte so fesselnd und berührend, nicht zu vergessen natürlich die sprachliche Umsetzung (mit oben erwähnten kleinen Abstrichen).

Mein Fazit

Erwartet habe ich vom Roman eine toll geschriebene, turbulente, intensive Liebesgeschichte. Bekommen habe ich genau das - aber auch die Geschichte von zwei Seelen, die einen Teil ihrer Selbst verloren haben und mit diesem Verlust zu kämpfen haben. Dadurch sind Fynn und Bonnie auch als Einzelcharaktere sehr interessant gewesen. Lediglich einige zu melodramatisch formulierte Passagen haben mich stärker gestört, gegen die ich im Allgemeinen eine ziemich heftige Abneigung habe.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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110 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Nur einen Klick entfernt

Kira Gembri
E-Buch Text: 252 Seiten
Erschienen bei null, 31.01.2016
ISBN B01BCM64FO
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als inoffizielles Mitglied von Kira Gembris Fanclub musste ich natürlich auch dieses Selfpublisher-Werk von ihr lesen. Ich habe bisher all ihre Jugend- und New Adult-Romane geliebt, auch wenn - oder gerade weil - sie immer einem festen Schema folgen und ich immer weiß, was mich erwartet. Nur einen Klick entfernt war da überraschend anders - auf gute Weise!
Die Umsetzung des Romans als Mail- und Chataustausch ist natürlich nicht mehr neu, aber nicht jedem gelingt es, eine Handlung in eine solche Form zu gießen (man muss z.B. sämtliche Deskriptionen von Ereignissen, Mimik, Gestik etc. möglichst natürlich in einen Dialog einfließen lassen). Kira Gembri ist das meiner Meinung sehr gut gelungen. Zumindest konnte ich mir Luna und Tom beim Schreiben bzw. allgemein als Personen gut vorstellen. Gembri hat es auf jeden Fall geschafft, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Tom und Luna waren für mich so greifbar und präsent, dass ich zu keinem Zeitpunkt weitere Charaktere vermisst habe. Manchmal habe ich mich (vor allem bei Tom) zwar schon gefragt, wie das Leben außerhalb der Onlinekorrespondenz aussieht, aber Gembri hat durchaus ihre Gründe, warum sie den Leser gerade diesbezüglich im Unklaren lässt. Toms Geheimniskrämerei ist wesentlicher Teil des zentralen Konflikts. An der Stelle muss ich aber gleich meinen (einzigen) Kritikpunkt anbringen: Aus dramatischer Sicht schlägt der Roman eher kleine Wellen, wirklich "aufregend" wird es in dem Sinne eher nicht. Es gibt ein paar kleinere Aufreger, aber keine markerschütternden Enthüllungen oder melodramatische Momente. Trotzdem war Toms und Lunas Annäherung, angefangen vom Kennenlernen unter ziemlich ungewöhnlichen Umständen bis hin zum Finale, sehr süß mitzuverfolgen, denn man kommt nicht umhin, die beiden ins Herz zu schließen.
Obwohl das Ensemble gerade mal aus diesen zwei Personen besteht, hat der Unterhaltungswert des Buches darunter keineswegs gelitten. Zwischen den beiden entspinnt sich ein witziger, intelligenter, zuckersüßer, aber auch mal bitterböser Wortaustausch, bei dem Kira Gembri ihre Wortgewandtheit unter Beweis stellen kann. Die Sätze reihen sich nahezu spielerisch und leichtfüßig aneinander, wodurch man gar nicht merkt, wie beim Lesen die Zeit verfliegt. Man mag natürlich darüber diskutieren können, ob zwei Fremde in der Form im wahren Leben tatsächlich so miteinander kommunizieren würden (speziell die Komplimente waren für meinen Geschmack manchmal etwas over the top), aber das ist bei Fiktion für mich kein (bzw. selten ein) Bewertungskriterium.

Fazit

Wer Kira Gembri liebt, wird auch diesen Roman mögen. Er ist gewohnt gut - und gleichzeitig ungewohnt, weil es nicht dem üblichen Schema ihrer Jugend-/New Adult-Romanen entspricht. Der Fokus auf Herzensangelegenheiten bleibt, die Struktur ist aber anders, was wiederum eine ganz andere Dynamik herbeiführt. Der größte Pluspunkt ist, dass Gembri einfach toll und (überwiegend) amüsant schreibt, wodurch mir das Lesen einfach Spaß gemacht hat.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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115 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

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Clean

Juno Dawson , Christel Kröning
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.06.2018
ISBN 9783551583826
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gleich zu Beginn meiner Rezension möchte ich anmerken, dass ich Schriftsteller/innen bewundere, die sich in ihren Romanen mit Suchtproblemen auseinandersetzen. Das Innenleben eines Süchtigen adäquat abzubilden, ohne den Leser zu überfordern oder zu verprellen, und die Gefahren von Drogen- und Alkoholkonsum so darzustellen, dass man sich ihrer gewahr ist und sie verinnerlicht, sich aber nicht belehrt fühlt, sind sicherlich eine große Herausforderung beim Schreiben. Ich bin froh, dass es immer mehr Autoren/-innen gibt, die sich an solch brisante Themen wagen, gerade wenn sich ihre Werke an eine jugendliche Zielgruppe richten.  Lange Rede, kurzer Sinn: Bei mir stehen solche Bücher hoch im Kurs. Der Plot von "Clean" klang äußerst vielversprechend und die Ausgangssituation hat in meinen Augen viel Konfliktpotenzial geboten. Die Umsetzung selbst hat mir dann allerdings beim Lesen Schwierigkeiten bereitet.
Genau genommen hatte ich nur ein einziges Problem, das sich aber leider durch den gesamten Leseprozess gezogen hat: die Charaktere bzw. meine Unfähigkeit, mich mit ihnen zu identifizieren und/oder Verständnis für sie aufzubringen. Ich habe weder einen Zugang zu Protagonisitn Lexi noch zu den übrigen Patienten gefunden. Bei Letzteren liegt das vorwiegend daran, dass man nur grob darüber informiert wird, weswegen sie behandelt werden, und daran, dass die Momente der Interaktion immer nur von kurzer Dauer sind. Ich hatte nie das Gefühl, bei ihnen tiefer vorzudringen und konnte daher nicht Anteil an ihren Problemen nehmen oder mich in irgendeiner Weise betroffen fühlen. Das ist bei einem Roman, der Suchtkrankheiten und Neurosen behandelt und damit den Fokus auf die Person legt, wirklich schade. Bei Lexi wiederum würde ich meine Distanz darauf zurückführen, dass mir speziell am Anfang ihre Attitüde nicht gefallen hat. Sie erscheint sehr abweisend, unfreundlich, respektlos und bisweilen etwas hochnäsig - wie ein "klassischer" aufmüpfiger, defensiver Teenager, wenn man so will (was aber nicht zutreffend ist). Ihre passive Aggressivität lässt sich wohl vor allem mit ihrer Drogensucht begründen, weshalb ich ihr ihr Verhalten nachsehen konnte. Aber selbst, als sie sich auf dem Weg der Besserung befand, hat sich meine Leserbeziehung zu ihr nur bedingt verbessert. Sie hat zwar Sympathiepunkte dafür gesammelt, dass sie deutlich freundlicher und mitfühlender aufgetreten ist und sich einsichtig gezeigt hat. Aber auch dann hatte ich fortwährend den Eindruck, sie würde selbst eine Barriere zwischen sich und dem Leser errichten. Letztlich hat die Summe dieser Teilkomponenten dazu geführt, dass die gesamte Gruppe und auch Lexis Freundeskreis außerhalb in meinen Augen leider "nur" ein paar priveligierter Jugendlicher mit zu viel Geld und zu viel Langeweile blieben - selbst jene, bei denen die Krankheiten offenbar tiefere Wurzeln haben.
Wie glaubhaft die Drogensucht bzw. der Entzug dargestellt wurde, kann ich mangels persönlicher Erfahrung nur eingeschränkt beurteilen. Während des Lesens kam mir die Entwicklung, die Lexi gemacht hat, etwas rasant vor, wobei ich diese Aussage aufrund der späteren Ereignisse nach Beendigung des Buches relativieren muss (an der Stelle keine Spoiler meinerseits). Auch das Tempo von mancher Beziehung, die Lexi im Verlauf ihres Klinikaufenthalts aufgebaut hat, habe ich persönlich als zu schnell empfunden. Speziell bei einer Person hatte ich den Eindruck, als würden sie direkt von 0 auf 100 durchstarten, sodass ich nicht genug Zeit hatte, ein entsprechendes Gefühl für sie zu entwickeln. Die Bindung kam mir einfach etwas forciert vor.
Positiv möchte ich mich allerdings zum sprachlichen Aspekt äußern. Ich denke, dass Juno Dawson den Ton einer jungen Erwachsenen (in diesen gesellschaftlichen Kreisen und unter diesen speziellen Umständen) gut getroffen hat. Ich mag zwar nicht immer begeistert von Lexis Haltung und ihrer Ausdrucksweise gewesen sein, aber zielgruppengerecht waren sie durchaus.

Mein Fazit

Die Geschichte entsprach vom Aufbau und vom inaltlichen Input im Großen und Ganzen meinen Erwartungen, mein Problem bestand eigentlich nur auf zwischenmenschlicher Ebene. Sowohl die Protagonistin als auch die übrigen Patienten sind nach Beendigung des Buches Fremde, allenfalls entfernte Bekannte für mich gewesen, sodass ich von ihren Leidenswegen nicht sonderlich ergriffen war. Angesichts der Thematik war das beim Lesen ein großes Hindernis, das meinen Gesamteindruck leider negativ beeinflusst hat.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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Vor uns das Leben

Amy Harmon , Jeannette Bauroth , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei INK , 02.10.2014
ISBN 9783863960735
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe noch nicht allzu viele Romane von Amy Harmon gelesen, aber es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie sich langsam, aber sicher zu einer meiner Lieblingsautorinnen mausern wird. Der Inhalt von "Vor uns das Leben" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen, weil es thematisch und stilistisch genau meins war und die Charaktere genau meinem Geschmack entsprachen.
Der Roman startet wie die typische Hässliches-Entlein-verliebt-sich-in-Märchenprinzen-Geschichte, denn Fern himmelt den Rugby-Star ihrer High School, Ambrose Young, aus der Ferne an, während er jedoch ein Auge auf ihre beste Freundin Rita geworfen hat. Weil Fern eine tolle Freundin ist, versucht sie dem potenziellen Liebesglück auf die Sprünge zu helfen, obwohl es ihr selbst das Herz bricht: Sie schreibt in Ritas Namen Briefe und kleine Notizen an Ambrose - Stoff für eine romantische Komödie also. Aber das ist "Vor uns das Leben" keineswegs. Im Gegenteil lastet auf der Geschichte eher eine gewisse Schwere, weil die Jugendlichen so viel durchmachen müssen. Das verleiht dem Roman so viel mehr Tiefgang. Ich will bzgl. der Handlung gar nicht so sehr in die Tiefe gehen, um niemandem zu viel zu verraten. Nur so viel: Als Leser hat man nicht nur eine einzige Tragödie zu verkraften. Ebenso wie die Protagonisten hat man selbst ziemlich viel zu verarbeiten und bekommt einiges zum Nachdenken. Wie im wahren Leben gibt es Höhen und Tiefen, die ich mal mehr, mal weniger intensiv miterlebt habe. Wenngleich viele der aufgegriffenen Themen eher negativ behaftet sind (z.B. Selbsthass, Gewalt, Verlust, Trauer, Schuldgefühle), werden sie letztlich auf eine Weise verarbeitet, durch die man mit einem positiven, hoffnungsvollen Gefühl das Buch zuklappt. Das liegt u.a. auch an den heiteren, nahezu komischen Momenten, die gelgentlich die Stimmung auflockern.
Wie ich oben schon erwähnt habe, fand ich die Charaktere einfach wundervoll. Harmon hat eine spezielle Art, Personen in die Geschichte einzuführen und sie auf ihrem Weg zu begleiten, sodass man die Figuren wirklich kennenlernt. Sie haucht ihnen Leben ein, indem sie sämtliche (oder zumindest einen Großteil ihrer) Facetten herausarbeitet und dem Leser Einblicke in deren Gedanken und Emotionen gewährt. Durch die drei wechselnden Erzähler (Fern, Ambrose und Bailey) hat man außerdem die Möglichkeit, die Protagonisten aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Zum einen erfährt man, wie sie sich selbst sehen, zum anderen, wie andere sie wahrnehmen. All das führt dazu, dass man sich ihnen sehr nahe fühlt, was unglaublich wichtig ist, damit man sich auf die Geschichte einlassen kann und Anteil nimmt.

Zum einen wäre da Fern, die zurückhaltende, unauffällige Tochter des Pastors. (Anmerkung: Wer befürchtet, dass der Roman geprägt ist von Bibelzitaten und Predigten, den kann ich beruhigen: Glaubensfragen werden zwar thematisiert, aber Harmon drängt niemandem ihre religiösen Ansichten auf und mit dem, was gesagt wird, gehe ich als Atheistin durchaus konform.) Sie ist unglaublich gütig, rücksichtsvoll, loyal und kann zur Furie werden, wenn es darum geht, ihre Freunde zu verteidigen. Einen solchen Menschen hat man gerne um sich. Ambrose wiederum entsprach meiner favorisierten Version einer männlichen Hauptfigur: der starke, schweigsame Typ. Gut, er zerfließt für eine Weile in Selbstmitleid und schottet sich ab, was ein bisschen anstrengend - aber angesichts der Umstände auch verständlich - war. Sobald er dann erstmal sein Schneckenhaus verlassen hat, gewinnt man ihn für seinen Beschützerinstinkt, seine Rücksichtnahme, sein großes Herz und für seinen Sinn für Literatur lieb. Und dannn wäre da natürlich noch Bailey. Bailey, der so erfrischend anders, so direkt und - trotz seines Handicaps - so beeindruckend unbekümmert und selbstbewusst ist. Von den dreien ist er wahrscheinlich der charakterstärkste, weil er sich von nichts und niemandem unterkriegen lässt. Er ist auf seine ganze eigene Weise mutig und genau das hat mir beim Lesen so imponiert. Zu sehen, wie sich das Duo Bailey und Fern einerseits und Ambrose andererseits einander annähern, würde ich fast schon als herzerwärmend beschreiben. Es ist einfach toll zu sehen, wie drei so unterschiedliche Charaktere einander ergänzen. Auch die Liebesgeschichte war toll und glaubhaft dargestellt, was das Gesamtbild abgerundet hat.

Mein Fazit

Bei "Vor uns das Leben" stimmt das Gesamtpaket: Die Figuren sind vielschichtig und greifbar und ihre jeweiligen Geschichten gehen einem nahe, sodass man sich mit ihnen freut und mit ihnen leidet. Noch dazu ist der Roman gefühlvoll und ansprechend geschrieben. Ich hatte nie das Gefühl, es gäbe überflüssige Längen in der Handlung. In meinen Augen ist es eine ausgesprochen gelungene schriftstellerische Leistung.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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Vollendet - Der Aufstand

Neal Shusterman , Ute Mihr , Anne Emmert
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 22.08.2013
ISBN 9783737367189
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich kann immer noch nicht ganz fassen, wie lange es gedauert hat, bis ich auf Neal Shusterman als Autor gestoßen bin. Dank "Scythe" ist er in (fast) aller Munde, ich persönlich bin aber durch das Lesen des ersten Bandes seiner "Vollendet"-Reihe auf seinen Geschmack gekommen. Zum einen weiß er sich auf eine Weise auszudrücken, die Interesse weckt, weder zu komplex noch zu schlicht oder zu detailverliebt ist. Außerdem schätze ich es sehr, dass er nicht zu melodramatisch, zu schmalzig oder pathetisch wird und immer Platz für den ein oder anderen sarkastischen Kommentar lässt. Dadurch gestaltet sich für mich der Leseprozess sehr angenehm. Zum anderen stellt er seinen Einfallsreichtum immer wieder durch gute Plottwists unter Beweis - das gilt definitiv auch für "Vollendet - Der Aufstand".
Dennoch konnte ich emotional nicht nahtlos dort anknüpfen, wo ich nach Band 1 aufgehört habe. Die Fortsetzung war aufschlussreich und hat die Story, besonders zum Ende hin, ein gutes Stück vorangebracht, aber mein Leserherz war nicht in dem Umfang dabei, wie es das beim ersten Band war. Das lag unter anderem an meinem geringeren Bezug zu den Charakteren. Shusterman gewährt wieder Einblicke in die Perspektiven diverser Personen beider Parteien, d.h. sowohl von EAs (flüchtigen Wandlern) als auch von (Ex-)JuPos und Wandlern bzw. dem Verbundmenschen Cam, was eine gewisse Sprunghaftigkeit in der Erzählung zur Folge hat. Auch die Hauptfiguren Connor, Risa und Levi sind zu meiner großen Freude wieder zentrale "Helden", da sie mir im ersten Roman ans Herz gewachsen sind. Allerdings empfand ich diesmal eine gewisse Distanz zu ihnen, denn für meinen persönlichen Geschmack wurde ihr Innenleben zu wenig beleuchtet. Außerdem habe ich ihre Gruppendynamik vermisst, weil sie (erneut) getrennte Wege gehen. Es treten eine Reihe neuer Charaktere auf den Plan (z. B. löst Starkey Roland als - ich kann es nicht anders ausdrücken - Kotzbrocken ab), die ich mehr oder weniger gut leiden konnte. Bei manchen von ihnen würde ich mir wünschen, mehr über sie zu erfahren bzw. dass sie tragendere Rollen zugewiesen bekommen (das gilt natürlich auch für einige bereits bekannte Flüchtlinge auf dem Flugzeugfriedhof). Ich bin gespannt, was Shusterman für sie alle noch in petto hat.

In Bezug auf die Storyline war ich soweit zufrieden: Es gab einige Überraschungen und Neuerungen und man erfährt allmählich etwas zum historischen Hintergrund, d.h. wie es überhaupt zum Wandlungsgesetz gekommen ist. Shusterman baut dazu wieder fiktive und reale Zeitungsartikel, Bekanntmachungen etc. ein, aus denen man Informationen zu den aktuellen und vergangenen Ereignissen in der restlichen Welt entnehmen kann. Ich finde diese Methode super, weil der Leser so im Bilde ist, ohne dass er aus der Haupthandlung herausgerissen wird. Trotz des interessanten Geschehens hielt sich die Spannung aber eher auf einem moderaten Level. Gegen Ende spitzen sich die Ereignisse zwar zu, aber es mangelt für meinen Geschmack noch an handfester Action und einem gewissen Thrill (mit einigen Ausnahmen). Band 2 legt eher das Fundament für fulminantere Ereignisse, die (dessen bin ich mir sicher!) künftig kommen werden.

Mein Fazit

Shusterman konnte mich auch mit dem zweiten Band seiner Reihe im Großen und Ganzen überzeugen. Die Story ist nach wie vor fesselnd und es gelingt Shusterman immer wieder, mich zu überraschen, sodass ich den Ausgang der Geschichte bzw. den Weg dorthin bisher nicht erahnen kann. Aber: Wenngleich ich die Handlung mit Interesse mitverfolgt habe, wollte sich bei mir über lange Strecken kein rechtes Spannungsgefühl aufbauen. Mir fehlte hier diesmal der Knalleffekt. Ich habe eher den Eindruck, als würde Band 2 auf einschneidendere Ereignisse im dritten Teil vorbereiten, was bei Reihen nicht unüblich ist. Aus der Perspektive betrachtet ist es eines der gelungeneren "Brückenbücher", weshalb ich Band 3 mit Freuden entgegenblicke.

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Liebe in Reihe 27

Eithne Shortall , Janine Malz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diana, 11.06.2018
ISBN 9783453359802
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die ersten Seiten eines Romans sind für mich (mit wenigen Ausnahmen) das A und O: Wenn dort nicht mein Interesse geweckt wird, dann finde ich in der Regel auch später keinen wirklichen Zugang zur Story und/oder den Figuren. Bei "Liebe in Reihe 27" war der Einstieg genau so, wie ich ihn mir gewünscht habe. Es gibt keine lange Vorgeschichte, sondern man wird sofort mit dem Aufhänger der Geschichte, Coras "Flugzeug-Dating-Service", vertraut gemacht, indem Cora ihre erste (unfreiwillige) Kandidatin auserwählt. Ich war sofort neugierig, ob die Kuppelaktion erfolgreich sein wird und welche weiteren Personen noch in den Genuss von Coras Amor-Aktivitäten kommen würden. Genau dieser Aspekt hat mich auch im Verlauf der Handlung immer wieder zum Weiterlesen motiviert, Coras Privatleben war für mich da, um ehrlich zu sein, schon fast zweitrangig. ich fand es toll, dass ich als Leserin sozusagen mehrere Geschichten zum Preis von einer bekommen habe. Jeder Passagier, der in Reihe 27 positioniert wird, kommt zu Wort. Man erfährt etwas über sein bzw. ihr bisheriges Leben, was sie machen und welcher Typ Mensch sie sind. Man lernt also viele verschiedene (Neben-)Charaktere kennen, was viel Abwechslung in das Buch bringt. Bei manchen fand ich es etwas schade, dass man nicht mehr von ihnen erfährt bzw. keine Informationen bekommt, wie es denn nach dem Flug mit den jeweiligen erfolgreich verkuppelten oder nicht verkuppelten Individuen weitergeht (besonders gut hat mir die Episode mit der Lehrerin und der Schulklasse gefallen, weil ich finde, dass sie da ein paar sehr gute Punkte angesprochen hat). Von daher wäre ich gegenüber einem Sequel nicht abgeneigt. Auf dem Papier hat mich die Flugzeug-Partnerbörse also überzeugt, ganz ohne Vorbehalte stehe ich ihr jedoch nicht gegenüber. Als Romanidee ist sie super, ich weiß allerdings nicht, ob ich es im wahren Leben gutheißen würde, wenn sich jemand ungefragt in mein Liebesleben einmischt.
Das bringt mich zu meinem Problem mit der Protagonistin Cora: Mich hat es gestört, dass Cora teilweise etwas impertinent und egoistisch (speziell in ihrer Freundschaft mit Nancy) rübergekommen ist. Ich weiß, dass sie nur die besten Absichten hat, aber auf Dauer fand ich ihre Obsession mit ihrem Projekt etwas anstrengend, besonders wenn ich mich in die Lage ihres Gegenübers hineinversetzt habe. Besänftigt hat mich allerdings der Umstand, dass sie ein sympathischer und rücksichtsvoller Mensch ist, wenn sie ihr "Dating-Unternehmen" mal für ein paar Minuten (oder Stunden) außen vor lässt. Das hat sie zum Beispiel in ihrem Umgang mit Ray und Charles, zwei Flughafen-Mitarbeitern, gezeigt.
Weil so viel um Cora herum geschieht, lässt die im Klappentext angekündigte Lovestory in ihrem eigenen Leben ziemlich lange auf sich warten, denn sie läuft erst ab der zweiten Hälfte an. Cora wehrt sich anfangs heftig gegen jegliche Verkupplungsversuche seitens ihrer Arbeitskollegin und Freundin Nancy. Dafür gibt es aber auch einen bestimmten Grund, über den man im Laufe der Handlung immer mehr erfährt: ein gebrochenes Herz. Ein großer Teil ihrer eigenen Liebesgeschichte beschäftigt sich mit der Rekapitulation einer gescheiterten Beziehung. Es ist wohl unnötig zu sagen, dass sie selbst seitdem den Männern abgeschworen hat. Je mehr ich darüber erfahren habe, desto mehr habe ich allerdings zu schätzen gewusst, dass sie trotz allem nicht verbittert oder zynisch ist, sondern ihre romantische Ader dadurch auslebt, dass sie anderen zu ihrem Liebesglück verhelfen möchte. Zu den Entwicklungen in Coras Liebesleben will ich lediglich so viel sagen: Es wäre (auch ohne Klappentext) nicht sonderlich schwer zu erraten, wer Coras Herzblatt sein wird. Vielleicht fand ich es aber auch gerade dadurch schön mitzuverfolgen, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat, weil ich wusste, worauf es hinausläuft. Ich fand es gut, dass die Gefühle nicht vollkommen aus dem Nichts kamen, sondern Shortall sich Zeit genommen hat, damit sie sich in angemessenem Tempo einander annähern und sich tatsächlich kennen lernen.
Was für mich letztlich den Unterschied zwischen einer 4- und einer 5-Sterne-Bewertung gemacht hat, war, dass ich das Gefühl hatte, die Handlung würde über weite Strecken nur vor sich hinplätschern. Ich habe mich zwar keinesfalls gelangweilt, aber mir fehlte ein wirklich einprägsamer zentraler Konflikt, der zu einem spürbar an- und absteigenden Spannungsbogen geführt hätte. Es gab einige kleinere Probleme und Zerwürfnisse, die behoben werden mussten, aber sie waren nie von dem Ausmaß, dass ich sie als besonders gravierend empfunden hätte. Das konnten leider auch die vielzähligen eingebetteten Erzählungen nicht vollständig kompensieren.

Mein Fazit

Die Idee einer Partnerbörse über den Wolken fand ich von Anfang super, da ich dadurch so viele verschiedene Persönlichkeiten kennenlernen durfte. Letztlich fehlte mir aber ein wenig der Pfiff in der Haupthandlung, um mich vollends vom Hocker zu hauen.

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Wie man mit Wäscheklammern sein Leben auf die Reihe bekommt

Kimberley Unger , Felix Michels
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.05.2018
ISBN 9783548377575
Genre: Humor

Rezension:

Ich bin ganz ehrlich: Bevor ich dieses Buch gelesen habe, habe ich nicht ein einziges Video von "So geht das" gesehen (bzw. als solches nicht bewusst wahrgenommen). Möglicherweise war das sogar von Vorteil, denn so war für mich der Neuigkeitswert des Inhalts viel größer.
Wie der Untertitel schon verrät, findet man in diesem Sachbuch Lifehacks, Antworten auf Fragen, die man sich (oder vielleicht auch nie) gestellt hat, und Alltagstipps.
Entsprechend bietet es eine große thematische Vielfalt, z. B. aus den Bereichen Fitness, Schule und Uni, Auto, Beauty, Basteln, Dating, Beziehungen, Haushaltsführung, Finanzen usw., sodass für fast jeden etwas dabei ist. Für mich waren besonders die Lifehacks interessant, da ich immer auf der Suche nach Inspirationen bin, wie ich mir den Alltag auf kreative Weise einfacher gestalten kann. Ich bin jedes Mal erstaunt, wie einfallsreich manche Menschen sind. Leider waren davon nicht annähernd so viele enthalten, wie ich mir gewünscht hätte. Allerdings war das letztlich in Anbetracht der Fülle an Informationen, die dem Leser/der Leserin an die Hand gegeben werden, nicht allzu problematisch. Ich persönlich habe mir über die meisten Dinge, die in dem Buch angesprochen werden, noch nie wirklich Gedanken gemacht, aber ich finde es nicht verkehrt, nun darüber Bescheid zu wissen. Allgemeinbildung hat schließlich noch keinem geschadet. Ich habe beim Lesen Überraschendes erfahren, etwa zur Evolutionsbiologie oder Rechte im Schüler/Lehrer-Gefüge (ich hätte mir wirkich gewünscht, schon zu Schulzeiten gewusst zu haben, was meine Lehrer dürfen und was nicht). Es gab natürlich auch Sachen, die für mich persönlich weniger von Bedeutung waren (bspw. das Kapitel Frauen), aber das bleibt nicht aus, wenn sich die Autoren querbeet durch die Themengebiete arbeiten. Bei manchen Kapiteln muss ich jedoch auch die Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit infrage stellen. Beispielsweise finde ich es inkonsequent, erst zu betonen, dass Lügen (zumindest große Lügen) nicht in Ordnung sind, und dann gleich im nächsten Abschnitt Tipps zum "richtigen" Lügen zu geben. Gleiches gilt für das Thema "Spicker schreiben".
Den Aufbau des Buches fand ich im Großen und Ganzen sinnvoll: Es gliedert sich zunächst thematisch entsprechend der einzelnen Oberbegriffe (siehe oben) und ist dann auf untergeordneter Ebene in kurze (max. zweiseitige) Abschnitte aufgeteilt. Wie gesagt: Das war soweit schlüssig; man könnte gegebenenfalls nochmal die Reihenfolge der Kapitel überdenken. Der Content ist gut portioniert, sodass man die Informationen leicht verarbeiten kann, und übersichtlich gestaltet, sodass man sich spielend leicht zurechtfindet und je nach Gusto zu den relevanten Sektionen springen kann. Manchmal gibt es als optisch auflockerndes Feature in einer Sprechblase einen zusätzlichen Kommentar von Kim oder Felix. Der Ton der einzelnen Abschnitte ist locker und die Formulierungen sind eher umgangssprachlich gehalten, da das Buch eher für eine jüngere Zielgruppe (Schul- und Studentenalter) zugeschnitten ist (für mich also noch passend). Gut gefallen hat es mir vor allem, dass die Leser in den Texten häufig direkt angesprochen werden - ganz so, als würde man sich ein YouTube-Video anschauen. Meiner Meinung nach ist dieser Dialog auf Augenhöhe ein sehr guter Weg, Wissen zu vermitteln, ohne die Leser anzuöden oder den Eindruck einer (Schul-)Lektion zu erwecken.

Mein Fazit

Hinter dem skurillen und dadurch aufmerksamkeitserregenden Titel verbirgt sich ein thematisch vielfältiges Sachbuch für den Alltag. Neben Lifehacks und Rezepten werden Antworten auf (manchmal merkwürdige) Fragen geliefert, sodass jeder allgemeininteressierte Leser auf seine Kosten kommt. Es bleibt angesichts der Bandbreite aber nicht aus, dass einige Kapitel weniger relevant sind als andere und man bei manch gestellter Frage mal die Augenbraue hochziehen muss. Gelungen fand ich vor allem die für jedermann verständliche Art der Wissensvermittlung (besonders für jüngere Generationen), sodass bei mir die ein oder andere Information hängen geblieben ist. Im Endeffekt ist das Buch nicht nur für Fans von "So geht das" eine gute Lektüre, sondern Leute, die von Felix´ und Kims YouTube-Kanal vorher noch nie gehört haben und einfach Spaß daran haben, Neues in Erfahrung zu bringen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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The Promise - Der goldene Hof

Richelle Mead , Susann Friedrich
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ONE, 29.09.2017
ISBN 9783846600504
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Inhalt klingt erstmal so, als würde man Aschenputtel mit einer Folge von The Bachelor kombinieren. Elizabeth gehört zur Aristokratie, steht aber finanziell vor dem Ruin und soll einen entfernten Vetter heiraten, um sich selbst vor der Armut zu retten. Elizabeth ergreift die erste (und einzige) Gelegenheit, der Zwangsheirat zu entkommen, indem sie mit ihrer Zofe Adelaide die Rollen tauscht und an den Goldenen Hof zieht. Der Goldene Hof ist (nett ausgedrückt) eine Bildungseinrichtung für Frauen gewöhnlicher Herkunft, in der sie zu kultivierten Damen erzogen werden, die dann mit den Self-Made-Männern des neuen Adels in Adoria verheiratet werden sollen. Damit soll die Vergrößerung der Kolonien gesichert werden. Am Goldenen Hof durchläuft Elizabeth/Adelaide das ganze "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Prozedere, zumindest die mädchenhafte, romantisierte Version davon. Zusammen mit anderen jungen, schönen Frauen aus ärmlichen Verhältnissen wird sie in gesellschaftlichen Umgangsformen, Tanz, Musik, Politik, Sprachen und dergleichen ausgebildet, darf fein gearbeitete Kleider und aufwendige Frisuren tragen. Das ganze Spektakel dient nur einem Zweck: die Aufmerksamkeit eines wohlhabenden Mannes zu erregen und eine möglichst gute Partie zu machen. Mancher Feministin stellen sich beim Lesen wahrscheinlich die Nackenhaare auf, weil Frauen augenscheinlich wieder nur auf ihr Äußeres reduziert werden, keinerlei Mitspracherecht haben und als "Ware" gehändelt werden. Wahrscheinlich würde ich in ihre Protestrufe einstimmen, wenn das tatsächlich der Kern der Geschichte wäre. Richelle Mead will aber auf etwas ganz anderes hinaus. Tatsächlich werden die Emanzipationsbemühungen deutlich stärker betont als das Märchenmotiv. Es gibt einige Personen, die eine gänzlich andere Auffassung vertreten. Lizzie/Ada ist eine von den fortschrittlich Denkenden. Mir kam es ein bisschen so vor, als würde man einer Disney-Prinzessin den Geist einer Jane-Austin-Heldin einpflanzen. Zugegeben: Anfangs hat sie einen eher arroganten Eindruck auf mich gemacht, was nicht verwunderlich ist, da sie schließlich mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen ist. Sie hat aber auch schon zu Beginn demonstriert, dass sie ihren eigenen Kopf hat und bereit ist, dafür zu kämpfen bzw. den schwereren Weg zu wählen. Es ist ihr ziemlich leicht gefallen, materielle Besitztümer zurückzulassen, solange sie dafür auch nur den Hauch einer Chance auf ihre persönliche Freiheit hat. Dass der Goldene Hof retrospektiv nicht unbedingt das Beste ist, was ihr passieren konnte, konnte sie ja vorher nicht ahnen. Dem Leser war das sicherlich schon vorher klar. Es kommt, was kommen musste: Ihre Situation verschlechtert sich ab einem Punkt rapide. Wahrscheinlich gehen die Vermutungen der meisten dahin, dass das schlimmste Szenario wäre, dass der Schwindel auffliegt und/oder sie einen Mann heiraten muss, den sie nicht will, während sie heimlich in einen anderen verliebt ist. Richtig? Falsch! Ich möchte hier niemandem die Überraschung verderben, daher sage ich an der Stelle nur so viel: Elizabeths Fall von der Spitze der Gesellschaftspyramide ist tief. Im Zuge dessen verschärft sich der sozialkritische Tenor zunehmends und auch politische und religiöse Fragen werden in die Storyline eingewoben, die ihr volles Potenzial schließlich in einem dramatischen Höhepunkt entfalten (der im Übrigen auh über den eher ruhigeren Mittelteil hinwegtröstet). Mit dieser Kombination ist es Mead gelungen, das ausgeleierte Band der Märchen-Kassette neu aufzuspulen. Der Inhalt ist zwar nicht revolutionär neu, aber auf gute Weise anders. Frei von Genre-Klischees ist der Roman natürlich nicht. Es gibt zum Beispiel auch hier die von Romeo und Julia inspirierte(!) Liebe, die nicht sein darf, aber wenn wir ehrlich sind, wären wir wohl fast alle enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Und wie gesagt: Das ist nicht Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, sondern liefert lediglich einen weiteren Motivationsgrund.
Neben Lizzie gibt es noch eine Reihe weiterer wichtiger Charaktere. zum engeren Kreis gehören ihre Mitstreiterinnen Mira und Tamsin sowie Cedric Thorn, der Sohn des Gründers des Goldenen Hofes. Ich mochte es, wie unterschiedlich die drei in ihrer Art sind, und dass durch Lizzies Freundschaft zu ihnen ihre eigene Vielschichtigkeit herausgearbeitet wurde. Mir persönlich war es allerdings schleierhaft, wie Mira und Elizabeth es mit Tamsin aushalten konnten, denn ich habe sehr stark mit ihrer Persönlichkeit gehadert. Ich mag zwar ambitionierte Menschen, aber bei ihr bin ich hart an meine Grenzen gestoßen, denn sie hat selbst ihre engsten Freundinnen (Elizabeth und Mira) mehr als Rivalinnen behandelt. Ich hätte sie wahrscheinlich besser leiden können, wenn sie etwas mehr Mitgefühl an den Tag gelegt hätte. Lediglich die Ereignisse auf den letzten Seiten lassen mich in Betracht ziehen, meine Meinung von ihr zu überdenken - vorausgesetzt sie macht einen starken charakterlichen Wandel durch. Miras Art dagegen mochte ich auf Anhieb. Bisher ist sie mir allerdings auch ein großes Rätsel, daher bin ich umso gespannter auf Band 2 der Reihe, der sich mit ihrer Story beschäftigen wird. Ich erhoffe mir, dort Antworten auf die vielen Fragen zu finden, die das Ende aufgeworfen hat.

Mein Fazit

Ich kannte von Richelle Mead nur die Vampire Academy-Reihe, The Promise schlägt demgegenüber einen ganz anderen Weg ein - einen, der mir wunderbar gefallen hat. Mead hat sich meiner Meinung nach als Schriftstellerin seitdem deutlich verbessert. Sie weiß mit Plottwists zu überraschen, gibt ihren Hauptfiguren genügend Möglichkeiten, um Stärken und Schwächen zu zeigen und so den Leser eine Zu- oder Abneigung ihnen gegenüber zu entwickeln, wodurch man automatisch mitfiebert, und liefert ein Ende, das Lust auf mehr macht. Mich konnte der Reihenauftakt definitiv begeistern!


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Sternschnuppengeflüster

Sofie Cramer
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.04.2018
ISBN 9783551651846
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Vor dem Lesen sollte man sich unbedingt bewusst machen, dass "Sternschnuppengeflüster" an eine Leserschaft ab 11 Jahren adressiert ist. Dementsprechend gestalten sich auch die Konflikte, der Ton und die Charaktere.
Die Probleme, mit denen sich Paula, Leni und Amelie herumschlagen, sind allerdings für jeden nachvollziehbar: Angst vor der Scheidung der Eltern, Liebeskummer, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder der Verwirklichung seiner Träume. Fast jeder hatte wohl an dem ein oder anderen Punkt in seinem Leben, an dem er ähnlich empfunden hat. Es sind einfach Themen, die in jeder Generation und für jedes Geschlecht eine Rolle spielen, wodurch sie auch für mich relevant waren.
Dennoch fiel es mir sehr schwer, mich mit Leni, Amelie und Paula als Personen zu identifizieren. Das mag zum Teil damit zu tun haben, dass ich mich inzwischen allgemein schlecht in Mädchen in diesem Alter hineinversetzen kann, zum Teil an ihren individuellen Persönlichkeiten. Speziell Leni hatte Momente, in denen ich ihr am liebsten eine Kopfnuss verpasst hätte. Sie ist sehr unsicher und übermäßig selbstkritisch, zwei Charakterzüge, die ich beim Lesen eher als anstrengend empfinde (obwohl - oder gerade weil - ich früher selbst nicht anders war). Wie gesagt: Ich verstehe sie vollkommen. Aber auf Dauer zehrt es an meinen Nerven, wenn sich jemand selbst runterputzt und neidisch auf andere ist. Paula und Amelie strotzen im Vergleich zu ihr nahezu vor Selbstvertrauen, was eine willkommene Abwechslung war. Ich hätte mir bei ihnen eine etwas facettenreichere Darstellung gewünscht (auch wenn ich nicht behaupten würde, dass sie vollkommen flach wären). Ich bin mir nicht sicher, ob es nur mein subjektiver Eindruck ist, aber mir kam es so vor, dass der Fokus mehr auf Leni lag und die anderen beiden dadurch etwas vernachlässigt wurden.
Den Inhalt an sich fand ich soweit gut. Das Thema "Wunscherfüllung" ist zwar im Storytelling nicht neu, aber den Einfall, dass dies eine App übernimmt, fand ich toll und es war auch der Anreiz für mich, dieses Buch zu lesen. Es passt einfach wunderbar ins digitale Zeitalter und vermittelt dadurch ein modernes, frisches Feeling. Was mir in dem Zusammenhang gefehlt hat, war eine Reflektion der Mechanik, die hinter der App steht. Möglicherweise spricht da die erwachsene Leserin aus mir, aber ich bin der Meinung, ein kritischer(er) Umgang mit der Technik hätte hier eine interessante Facette hinzugefügt. Tatsächlich hat das sogar Thriller-Potenzial - siehe die Serie Wishlist.
Der Handlungsverlauf bietet ein paar Aufs und Abs, sodass der Weg zur Wunscherfüllung kein Spaziergang ist, ohne übermäßig (gekünsteltelt) dramatisch zu werden. Ich mochte die Richtung, die die Geschichte eingeschlagen hat, und habe besonders Lenis Charakterentwicklung sehr begrüßt. Die Botschaft ist ausgesprochen positiv, was angesichts der jungen Zielgruppe auch Sinn macht. Schließlich will man sie nicht demoralisieren, sondern ihnen die Zuversicht geben, dass alles möglich ist, und ihnen ihre Zukunftsängste nehmen. Letzten Endes vermittelt einem der Roman, dass Freunde jede noch so schwierige Lebensphase besser machen. Wie könnte ich da widersprechen?
Eine Schlussbemerkung zur Narration allgemein: Sofia Cramer hat die drei Einzelperspektiven süß und überwiegend heiter erzählt. Selbst in den Momenten, in denen Amelie, Lenie und Paula gerade eine heikle Phase durchmachen, geht das Schwungvolle nicht gänzlich verloren. Dadurch ließ sich die Geschichte um die drei Mädchen ausgesprochen flüssig lesen.

Mein Fazit

Die Plotidee ist ausgesprochen reizvoll und die angesprochenenen Themen bieten genug Projektionsfläche für jedermann. Mich persönlich konnten die drei Protagonistinnen nicht vollständig überzeugen, was teilweise dem Altersabstand geschuldet sein mag. Auch eine kritischere Betrachtung der App wäre für mich wünschenswert gewesen. Letztlich ist "Sternschnuppengeflüster" aber ein gelungenes Gute-Laune-Wohlfühl-Buch für die jüngeren Generationen. Ich bin mir sicher, dass viele Mädchen da draußen sich mit Leni, Paula und Amelie identifizieren können.

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1.063 Bibliotheken, 16 Leser, 2 Gruppen, 143 Rezensionen

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Feuer & Flut

Victoria Scott , Michaela Link
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 25.05.2015
ISBN 9783570162934
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Aufgrund der gewaltigen Dimension, die das Dystopie-Genre inzwischen angenommen hat, ist es für Autoren schwer, etwas komplett Neues, Revolutionäres zu schaffen. Victoria Scott ist das meiner Meinung nach jedoch ziemlich gut gelungen. Natürlich erinnern einige Elemente an andere Titel des Genres (zum Beispiel der tödliche Wettkampf an Tribute von Panem oder Maze Runner) und die klassischen Machtstrukturen (die Puppenspieler und ihre vermeintlichen Marionetten) bleiben unangetastet. Trotzdem hebt sich "Feuer & Flut" in einigen Punkten von seinen Mitstreitern ab.
Das Brimstone Bleed beispielsweise ist in dieser Art und Konstellation für mich als Leserin neuartig gewesen, auch wenn natürlich Ähnlichkeiten zu den oben genannten Reihen bestehen. In der Anfangsphase war ich ein bisschen überfordert, da ich nicht genügend Informationen über die Welt und die Hintergründe des Wettrennens hatte. Es dauert ein wenig, bis man über das Konzept und das Warum aufgeklärt wird. Wesentlicher Bestandteil des Rennens sind die sogenannten Pandoras, genetisch veränderte Wesen (meistens in Tiergestalt), die aus einem Ei schlüpfen und verschiedene Fähigkeiten besitzen, mit denen sie ihren Besitzer beim Wettrennen hilfreich zur Seite stehen. Dieser Einfall hat mir sehr gut gefallen. Zum einen, weil die Teilnehmer so nicht allein sind und tatsächlich eine Überlebenschance haben (denn ganz ehrlich: Tella wäre wohl ohne ihren Pandora ziemlich aufgeschmissen gewesen). Zum anderen, weil sich dadurch vielfältige Möglichkeiten für die Geschichte ergeben. Die Pandoras sind nicht einfach nur ein nettes Accessoire, sondern spielen eine wesentliche Rolle im Storyverlauf, können gleichermaßen Waffen und Retter, Peiniger und Opfer sein, was sie zu komplexen Mitstreitern macht. Sie fügen der Geschichte eine interessante Facette hinzu.
Ein weiterer Unterschied zum typischen Dystopieverlauf ist, dass bisher noch keinen Kampf gegen die Initiatoren des Wettbewerbs stattgefunden hat. Es herrscht zwar ein Wir-gegen-Die-Gefühl vor, aber der Fokus liegt im ersten Band mehr auf dem Überlebenskampf in den verschiedenen Landschaften, die Teil des Wettrennens sind. Dadurch mutet der Auftakt eher wie ein Abenteuer-/Action-Roman an, denn wie eine Dystopie. Die Zeichen stehen aber gut, dass sich die Reihe in den Folgebänden in die gewohnte Richtung entwickelt.
Wenngleich man im Verlauf der Handlung eine Handvoll anderer Person näher kennenlernt (und damit meine ich nicht, dass Victoria Scott bei ihnen nur an der Oberfläche kratzt, sondern tatsächlich versucht, ihre Backstory, ihren Antrieb und ihre Wesenszüge herauszuarbeiten), beschränke ich mich in Bezug auf die Charaktere an der Stelle auf die beiden Hauptfiguren, Tella und Guy. Ich kann nicht genau bennenen, woran es lag, aber es hat ein wenig gedauert, ehe ich mit Tella warm geworden bin. Möglicherweise lag es daran, dass sie am Anfang eher einen oberflächlichen Eindruck auf mich gemacht hat. Sie ist eines dieser Mädchen, den Make-Up und Outfits sehr wichtig sind - oder zumindest war sie das Mal. Sobald sie aber in die Wildnis aufgebrochen ist, beweist sie innere Schönheit und Charakterstärke. Allein die Entscheidung, sich in Gefahr zu begeben, um ihrem Bruder zu helfen, zeugt von tiefem Mitgefühl, Loyalität, Mut und Kampfeswille. Ihr Verhalten während des Wettrennens holt diese Eigenschaften endgültig an die Oberfläche. Zwar schließt sie sich in erster Linie den anderen Wettstreitern an, um möglichst lange ihr eigenes Überleben zu sichern, aber sie gibt sich auch Mühe, ihre Teammitglieder kennenzulernen und zu verstehen. Sie setzt sich für sie ein, und das ist es, was am Ende zählt. Insgesamt hat mir ihr Wandel vom Prinzesschen zur Überlebenskünstlerin imponiert. Besonders süß fand ich, wie liebevoll sie mit ihrem Pandora umgegangen ist. Jemand, der eine solche Bindung zu einem anderen Lebewesen aufbaut, kann einfach kein schlechter Mensch sein.
Guy war als männlicher Protagonist ganz nach meinem Geschmack: Er ist der starke, schweigsame, distanzierte Typ, aber auch ebenso empathisch, intelligent und immer versucht, das Richtige zu tun - auch wenn es am Anfang nicht danach aussieht. Er ist ganz klar eine Heldenfigur und eben deswegen perfekt für die Story geeignet. Ich kann auch sehr gut verstehen, warum sich Tella so zu ihm hingezogen fühlt. Ich empfand es als angenehm, dass sich die beiden eher zaghaft einander annähern. Sie bauen zuerst Vertrauen zueinander auf, ehe wirklich etwas passiert, und es ist auch nicht so, dass sie ihre ganze Welt nur noch um einander dreht. Beide sind sich bewusst, was für sie auf dem Spiel steht, denn schließlich nehmen die zwei nicht grundlos an dem Wettrennen teil. Ich sehe da noch einiges an Konfliktpotenzial in der Zukunft.

Fazit
"Feuer & Flut" ist für einen Reihenauftakt super gelungen, denn der Roman verfügt über alle wichtigen Zutaten: eine kämpferische, unperfekte und damit sympathische Protagonistin, interessante Nebencharaktere, neuartige Dystopie-Elemente, einen guten Spannungsbogen mit größeren und kleineren Schockerlebnissen, etwas Romantik und der Andeutung eines Widerstandskampfes. Mich hat Victoria Scott damit auf jeden Fall geködert und meiner Meinung nach verdient die Reihe einfach mehr Aufmerksamkeit!

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

alice im wunderland, alice im wunderland adaption, fiktion, jugendbuch, lewis carroll, märchen, märchenadaption, maxi schilonka, mystery, psychische krankheit, psychische störung, selbstmord, suizid, unglückliche liebe, urban fantas

Alice = Alice

Maxi Schilonka
Flexibler Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783959623391
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bereits am Klappentext merkt man, dass "Alice = Alice" nicht einfach bloß eine moderne Neuerzählung von "Alice im Wunderland" ist. Maxi Schilonka bettet Lewis Carrolls Geschichte geschickt in eine Art Contemporary-Roman mit Mystery-/Fantasy-Elementen ein, bei dem der Schwerpunkt auf der “Detektivarbeit“ der jugendlichen Protagonistin liegt. Auf so ein Crossover muss man erst einmal kommen!
Der Roman beginnt bereits spektakulär mit Scarletts Sturz aus dem Fenster. Gerade weil mir als Leserin sämtliche Informationen fehlten, war ich sofort neugierig. Man fragt sich sofort, was geschehen ist, dass Scarlett an diesen Punkt gelangt ist. Nach dem Prolog wechselt die Perspektive zu ihrer Zwillingsschwester Alice, die fortan die einzige Erzählstimme bleibt. Erfrischend fand ich, dass hier nicht von dieser magischen Verbindung die Rede ist, die Zwillingen meist nachgesagt wird. Alice und Scarlett mögen zwar gleich aussehen und auch häufig miteinander telefonieren, aber sie sind auch grundverschiedene Persönlichkeiten und ihre Beziehung ist nicht so eng, dass sie wissen, was die andere gerade denkt, tut oder fühlt. Dass Alice Scarlett dennoch liebt, wird daran ersichtlich, wie sehr sie sich um sie sorgt. Nicht nur der Sturz selbst, sondern auch Scarletts verändertes Äußeres (starker Gewichtsverlust, andere Haar- und Augenfarbe) schockieren sie. Bei ihr schrillen sämtliche Alarmglocken, denn sie glaubt, Scarlett wäre vielleicht von ihren Mitschülern gemobbt worden. Deshalb fasst sie den Entschluss, verkleidet als Scarlett undercover in ihre Schule zu ermitteln. An dem Punkt war ich etwas zwiegespalten: Einerseits fand ich es gut, dass Schilonka den Entscheidungssprozess abgekürzt und gleich den Stein ins Rollen gebracht hat. Andererseits war es doch merkwürdig, wie wenig ihre Eltern gegen Alice' Plan protestiert haben und ein polizeiliches Eingreifen scheinbar gar nicht in Erwägung gezogen wurde. Das ist jedoch nur ein minimaler Kritikpunkt meinerseits.
Der Hauptteil ist nicht weniger ereignisreich wie die Einleitung. Erstens muss sich Alice mit Scarletts Umfeld vertraut machen, zweitens muss sie immer auf der Hut sein, dass ihre Tarnung nicht auffliegt (woran sie gleich am ersten Tag kläglich scheitert) und muss möglichst unauffällig nach Hinweisen und Anhaltspunkten suchen. Durch die Reise in Scarletts Unterbewusstsein (aka das Wunderland) machen ihre Ermittlungsarbeiten einen gewaltigen Sprung nach vorn. Hier kommen dann die fantastischen Elemente ins Spiel. Alice durchläuft die verschiedenen Stationen (Schrumpfszene, Teeparty, Spiel mit der Herzkönigin usw.) und begegnet den gleichen Figuren (Grinskatze, Hutmacher, Märzhase, Raupe usw.), die aus Lewis Carrolls Geschichte bekannt sind. Schilonkas Eigenleistung daran ist, dass sie alles, was im Wunderland geschieht, mit der realen Welt verknüpft. Zum Beispiel hat jeder Charakter in der Fantasiewelt einen Gegenpart im RL. Genau das macht die Adaption so spannend. All die Elemente, die einen als Kind früher so fasziniert und ins Staunen versetzt haben, werden neu interpretiert und erhalten im Kontext der Handlung eine ganz neue Bedeutung. Somit wurde es für mich als Leserin eine ganz andere Art von Entdeckungsreise, bei der Bekanntes in neuem Licht dargestellt wird. Ebenso wie Alice versucht man als Leser, das Knäuel zu entwirren - ein wenig Denkarbeit ist also auch nötig. Es gab zwar ein paar Stellen, die ich als etwas schwächer empfunden habe als andere, aber meiner Meinung nach kann man nicht von einem Roman erwarten, dass absolut jede Passage dramatisch und/oder emotional aufgeladen ist. Insgesamt war das Spannungsniveau konstant im oberen Bereich. Besonders das Ende ist Schilonka wunderbar gelungen. Die Enthüllung, wer sich hinter der Herzkönigin verbirgt, kam für mich überraschend, was bei einer solchen Story ein großer Pluspunkt ist.
Etwas gehadert habe ich mit dem inkonsistenten Erzählstil. Manchmal schleichen sich einige altmodische Formulierungen in die ansonsten moderne Ausdrucksweise. Ich weiß nicht genau, ob das auf den Einfluss der Originalgeschichte zurückzuführen ist oder einfach Schilonkas Schreibstil ist, jedenfalls hat mich das zu Beginn irritiert. Man gewöhnt sich allerdings mit der Zeit daran.
In Bezug auf die Akteure habe ich wenig zu bemängeln. Obwohl der Fokus eindeutig auf Alice liegt und man Scarlett nie in Aktion erlebt (schließlich liegt sie im Koma), bekommt man doch ein gutes Gespür für ihre Person. Getreu dem Motto "Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist" lernt man das meiste über Scarlett durch die Erzählungen ihres unmittelbaren Umfeldes (dass man sie als "Freunde" bezeichnen kann, sei mal so dahingestellt). Scarlett lässt sich wohl am besten als Alphaweibchen beschreiben: zielstrebig, charismatisch und auch etwas arrogant und manipulativ. Sie hat bei mir nicht gerade Sympathien geweckt. Alice war quasi die andere Seite der Medaille: deutlich bescheidener, zurückhaltender und bodenständiger und damit um einiges angenehmer. Die ein oder andere Figur wurde vielleicht etwas bei der Ausgestaltung vernachlässigt, aber in Anbetracht der Länge der Geschichte fand ich das weniger problematisch.

Fazit
Diese Adaption von "Alice im Wunderland" hat meine Erwartungen definitiv übertroffen. Durch die Einbettung in den Ermittlungskontext bekam die Originalgeschichte einen ganz anderen Sinngehalt und die Richtung, die Schilonka eingeschlagen hat, hat mir definitiv gefallen. Die Autorin hat mit diesem Werk sehr viel Kreativität und Einfallsreichtum bewiesen, wodurch Fans von Adaptionen jeder Art (wie ich) voll auf ihre Kosten kommen.

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24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Das Leben schmeckt nach Erdbeereis

Tamara Mataya , Lena Fink
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2018
ISBN 9783453421707
Genre: Liebesromane

Rezension:

Letztes Jahr hat mich Tamara Matayas Roman "Manche Tage muss man einfach zuckern" überaus positiv überrascht, weshalb ihr neuer Roman sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Inhaltlich klang es genau nach meinem Beuteschema, denn Mataya widmet sich einer ähnlichen Thematik wie zuvor: der heimlichen, jahrelangen und bisher unerwiderten Liebe zu einem Mann. Dieses Mal ist jedoch der besten Freund des Bruders der Protagonistin der Auserkorene und nicht der Bruder des Mitbewohners. Das klingt soweit nicht sonderlich innovativ, aber bei Liebesromanen finde ich das auch nicht zwingend notwendig. Zumal ich unheimlich gerne Geschichte dieser Art lese, aus dem einfachen Grund, dass ich mich so gut mit dieser Situation identifizieren kann. Bis dahin waren das die besten Voraussetzungen für ein optimales Lesevergnügen.

Probleme hat mir dann aber die tatsächliche Umsetzung bereitet (der nachfolgende Teil enthält minimale Spoiler). Mataya hält sich nicht lange mit der Einführung der Protagonisten auf und legt gleich ordentlich Tempo vor. Nach noch nicht einmal 100 Seiten kommt sie bzw. kommen ihre Hauptfiguren zur Sache. Das mag dem ein oder anderen entgegenkommen, ich persönlich bevorzuge jedoch eher ein längeres Katz-und-Maus-Spiel. Ich bin der Meinung, je länger man die Vorfreude aufbaut, desto schöner ist es, wenn die zwei dann tatsächlich zueinander finden. Es mag ja sein, dass Melanie und Blake quasi 10 Jahre "Vorspiel" gehabt haben (so lange ist Melanie schon in ihn verliebt), aber diese fehlen mir als Leserin. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass alles zu schnell ging. Ich muss allerdings an der Stelle auch positiv hervorheben, dass es Mataya dennoch gelungen ist, die innere Verbundenheit der beiden glaubhaft darzustellen. Für mich bestand kein Zweifel daran, dass sie perfekt zueinander passen, denn sie sind liebe- und verständnisvoll miteinander umgegangen und haben sich wirklich richtig kennen gelernt.

Das wiederum bringt mich zum zweiten Punkt, der mir ein bisschen sauer aufgestoßen ist: Die gesamte Beziehung ist für meinen Geschmack zu perfekt, zu harmonisch gewesen. Es herrscht zwar nicht durchweg eitel Sonnenschein, aber jede noch so kleine Meinungsverschiedenheit wird sofort im Keim erstickt, statt zu einem wirklichen Problem heranzureifen. Eine potenzielle Katastrophe wird abgewendet, ehe sie auch nur schärfere Konturen annehmen kann. Zumeist zerstreut Blake Melanies Selbstzweifel oder ihre Sorge um die Zukunft mit wenigen, einfühlsamen Worten, sagt ihr, wie schön und/oder stark und beeindruckend sie ist oder ist einfach nur für sie da. Klar vermittelt einem so viel Romantik und Harmonie ein positives Gefühl, aber mir fehlte eben auch der Konflikt. Ich habe mich während des Lesens permanent gefragt, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen soll und habe schon das Schlimmste für das Ende befürchtet. Ein Roman, der so positiv startet und nahezu unproblematisch verläuft, kann ja nur in einer Tragödie enden, oder? Zu einem gewissen Grad hatte ich mit meiner Vermutung auch recht. Zumindest gab es im letzten Viertel so etwas ähnliches wie einen Knall, aber der hatte ungefähr die Wucht einer Knallerbse. Lediglich die (zahlreichen) Sex-Szenen haben dem Roman etwas Würze gegeben. Auch der eigentliche Selbstfindungs-Plot baut nicht annähernd genug Spannung auf, dass er in mir das Bedürfnis, unbedingt weiterlesen zu müssen, ausgelöst hätte. Genauso wenig wie die Handlung haben die Nebencharaktere einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Melanies Familienmitglieder und losen Bekanntschaften bleiben zweidimensional, als wären sie vollkommen austauschbare Statisten. Das war mir einfach zu wenig, zumal ich durch ihr früheres Werk weiß, dass Mataya zu mehr fähig ist.

Nun aber noch ein Lob zum Schluss: Ich habe mich wahnsinnig über die Erwähnungen von Sarah und Jack aus "Manche Tage muss man einfach zuckern" gefreut. Ich liebe es einfach, wenn Autoren ihre Werke miteinander verknüpfen, weil sie dadurch Stück für Stück ein kleines literarisches Universum schaffen und man das Gefühl hat, ihre Geschichten sind mit der letzten Romanseite nicht beendet. Das kann gerne im nächsten Roman so beibehalten werden, den ich - in der Hoffnung auf eine erneute Steigerung - durchaus lesen werde.

Fazit
Summa summarum blieb Matayas zweiter Roman leider hinter meinen Erwartungen zurück. Die Autorin steuert ihre Protagonisten im Grunde ohne große Vorkommnisse durch seichte Gewässer. Die Story plätschert - abgesehen von diversen intimen Szenen - vor sich hin, was zwar ganz nett ist, aber mehr eben auch nicht. Ich wollte den Roman wirklich gerne mögen, aber er hat mich einfach nicht packen können.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Der Jahrbuchcode

Petra Mattfeldt
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 31.10.2014
ISBN 9783937357874
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Am Anfang war ich der Geschichte gegenüber eher skeptisch gestimmt, was vordergründig damit zusammenhing, dass ich die Kommunikation zwischen den Jugendlichen als unnatürlich empfand. Die Autorin erschien mir einfach zu bemüht, einen jugendlichen, hippen Jargon zu treffen. Zu meiner Erleichterung hat sich das im Laufe des Buches immer mehr gelegt. Nachdem ich diese Hürde überwunden hatte, ließ sich die Geschichte viel angenehmer lesen und ich bekam einen besseren Draht zu den Protagonisten. Im Vordergrund stehen in erster Linie Niklas, sein bester Freund Jonas und Lilly sowie vier Männer, welche alle mit dem Geheimnis um den unbekannten Jungen auf dem Foto im Zusammenhang stehen. Ich fand die Persönlichkeiten des jugendlichen Dreiergespanns soweit ganz sympathisch. Leider blieben die Charaktere aber insgesamt zu flach, sodass ich nach Beendigung des Buches nicht das Gefühl hatte, sie kennengelernt oder eine emotionale Bindung zu ihnen aufgebaut zu haben. Auch den vier Verdächtigen wurde nicht genug Zeit gewidmet, weswegen auch ich auch von ihnen ein recht unklares Bild habe.

Trotzdem war der Fall an sich interessant mitzuverfolgen. Zum einen fand ich es gut, dass die Autorin gleich zum Wesentlichen kommt: dem mysteriösen Jungen auf den Klassenfotos. Die Idee allein finde ich schon großartig und sie war natürlich auch der Hauptgrund, warum ich das Buch überhaupt lesen wollte. Zum anderen mochte ich, dass Niklas die vier Verdächtigen mehr oder weniger gut persönlich kennt. Dadurch wurde die Situation noch ein wenig prekärer. Auch die Richtung, die die Geschichte genommen hat, hat mir soweit gefallen. Es war zwar kein Krimi, bei dem die Nerven zum Zerreißen gespannt sind, aber ich habe mich auch definitiv nicht gelangweilt. Die Autorin hat die relevanten Informationen gut portioniert über den Roman verteilt. Dadurch, dass man immer auf demselben Ermittlungsstand wie Niklas war, blieb auch immer die Ungewissheit bestehen, die mich zum Weiterlesen animiert hat. Zudem nahm gegen Ende noch einmal die Dramatik zu - genauso wie es sich für einen Krimi gehört. Mit der Auflösung bin ich allerdings nur bedingt zufrieden. Zwar wird geklärt, was vor 20 Jahren passiert ist, aber einige Aspekte bleiben ungeklärt, um Spannung für den zweiten Teil zu erzeugen. Aus der Perspektive ist der Cliffhanger zwar verständlich, aber auch frustrierend.

Es gibt noch zwei kleine Ungereimtheiten, die mir aufgefallen sind. Über beide kann ich allerdings hinwegsehen, da sie nicht allzu schwerwiegend sind.

Fazit
Der Einstieg in die Geschichte war für mich etwas holprig, aber je mehr sich die Story entfaltet hat, desto besser ist sie meiner Meinung nach geworden. Der Roman hat zwar ein paar kleinere Schwächen, aber im Großen und Ganzen haben mir die Entwicklungen des Falls gefallen und auch das Ende hat mein Interesse für die Fortsetzung geweckt.

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fitness, functional, sport, südwest verlag, training krafttraining fitness muskelaufbau abnehmen zunehmen gesundheit ohne geräte körper, übungen, workout

Die H.I.T.-Bibel

Lisa Purcell
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Südwest, 19.03.2018
ISBN 9783517096292
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine kurze Anmerkung vorweg: Ich bin kein Profi und/oder Fitness-Coach. Das Buch nutze ich ausschließlich im Zuge meines persönlichen Trainigs, weshalb ich es auch nur aus dieser Perspektive bewerten kann.

Aufbau ★★★★★

Das Erste, was mir positiv aufgefallen ist, waren Inhaltsverzeichnis und Register. Beide sind bei 500 Übungen zwingend notwendig. Sämtliche durchnummerierte Übungen sind gelistet und ermöglichen dadurch eine einfache Navigation. Die Gliederung erfolgt in Basic-Übungen und Power-Übungen, welche intensiver sind, und werden sowohl im Verzeichnis als auch innerhalb des Buches visuell durch verschiedene Farben voneinander getrennt. Man kann jetzt darüber streiten, ob es im Inhaltsverzeichnis wirklich notwendig ist, jede Übungsnummer zu listen, da es sich bei vielen lediglich um Variationen der jeweiligen Grundübung handelt (siehe Informationsgehalt). Es gibt jedoch sicherlich viele Leser, die Wert auf Vollständigkeit legen.
Es folgen einige einleitende Bemerkungen zur Handhabung des Buches, bevor der Hauptteil beginnt. Die Binnenstruktur ist soweit logisch und folgt konsequent demselben Schema: Ein neues Kapitel beginnt mit einer Grundübung (meistens eine Seite füllend), dann folgen Abwandlungen derselben. Im Grunde ist das die einzig sinnvolle Anordnung, wenn man Chaos vermeiden will.
Beim Register fand ich besonders toll, dass die Übungen nach den zu trainierenden Körperpartien geordnet und dann alphabetisch sortiert sind. Das ist optimal für eine gezielte Suche.


Optik ★★★★☆

Ich finde es lobenswert, dass wirklich jede Übung mit entsprechenden farbigen Abbildungen versehen wurde. Überwiegend ist jeder Übung ein Foto zugeordnet, manchmal sind auch Bewegungsabläufe in mehreren Bildern dargestellt. Dadurch ist in der Regel das Verständnis sichergestellt. An sich sind Text und Illustrationen übersichtlich auf den Seiten verteilt. Es gibt eine Art Raster: links ist die Beschreibung der Ausführung, rechts das entsprechende Bild angeordnet. Gelegentlich habe ich aber auch das Gefühl gehabt, die Seiten wären etwas überfüllt, da mehrere Übungen (3-4, manchmal mehr) auf eine Seite komprimiert sind. Ich kann nachvollziehen, dass man bei so vielen Übungen Platz sparen will und auch muss (wer will schon in einem Trainingsbuch blättern, das die Dicke eines Dudens hat?), eine großzügigere Flächenverteilung hätte ich aber dennoch optisch ansprechender gefunden. Insgesamt also eine gute Visualisierung mit etwas Verbesserungspotenzial.


Informationsgehalt ★★★★☆

In Bezug auf den Content fällt meine Meinung nicht ganz so positiv aus. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Buch - wie im Klappentext beschrieben - wirklich auch für Einsteiger geeignet ist. Ich finde, dass es erst dann nützlich ist, wenn man bereits etwas Vorwissen mitbringt. Die Übungen werden soweit klar und ausreichend erklärt, sodass man weiß, für welche Körperpartien sie geeignet sind und ggf. welche typischen Fehler man vermeiden sollte. Hinzu kommt, dass es kapiteleinleitend jeweils eine anatomische Abbildung gibt, in der die beanspruchten Muskelgruppen markiert sind. Das hilft sehr bei der Auswahl der Übungen, wenn man gezielt trainieren möchte. Auch die Boxen mit Zusatzinformationen finde ich nützlich. Unter diesen Gesichtspunkten ist das Buch auch für Anfänger geeignet. Allerdings fehlen Empfehlungen bezüglich der Anzahl der Wiederholungen bzw. Dauer oder Kombinationen der Übungen. Letzteres wurde in der Einleitung damit begründet, dass man sich so ein individuelles und der eigenen Leistung entsprechendes Trainingsprogramm zusammenstellen kann, was für mich persönlich perfekt ist. Ein blutiger Anfänger könnte hier aber vollkommen ratlos sein, weil er oder sie zumindest ein paar Vorschläge oder Richtwerte bräuchte.
Mein zweiter "Kritikpunkt" bezieht sich auf den Neuigkeitswert. Viele Übungen (Plank, Squat, Liegestütz, Beinheben, Dips etc.) sind bereits bekannt. Natürlich dürfen sie nicht fehlen, schließlich haben sie sich bewährt und ohne sie wäre das Buch unvollständig. Ich hatte mir allerdings mehr unbekannte Übungen, die ich ausprobieren kann, erhofft. Ich wollte das Buch vordergründig dafür, mehr Abwechslung in meinen Trainigsablauf zu bekommen, weil ich mich schnell langweile. Wie der Klappentext schon sagt, liefert das Buch mehrere Grundübungen, deren Variation im Hinzufügen bzw. Wechseln der Fitnessgeräte (Sling-Trainer, Kurzhanteln, Kettlebell, Gymnastikball usw.) oder auch durch Veränderungen der Ausgangsposition besteht. Natürlich kann man dadurch die Intensität des Workouts ändern, aber für mich persönlich waren zu wenige neuartige Inspirationen dabei. Das sagt selbstverständlich nichts über die Effektivität der Übungen aus, denn diese (zumindest die, die ich verwende) sind anspruchsvoll und bringen einen zum Schwitzen. Ein Power-Workout kann man sich damit also durchaus zusammenbasteln.
Abschließend noch einen Kommentar zum Untertitel "500 hochintensive Übungen": Es sind wirklich 500 Einträge, aber ich würde nicht jede Abwandlung zwangsläufig als separate Übung werten. Ich verstehe, dass 500 Übungen wesentlich vielversprechender klingen als "xxx Übungen mit verschiedenen Variationen". Aus Marketingperspektive ist das einfach effektiver, aus Käuferperspektive aber ein bisschen irreführend.

Fazit
Pluspunkte gibt es für den leicht verständlichen, sehr übersichtlichen Aufbau sowie die Anzahl der Visualisierungen. Speziell die Einbindung anatomischer Illustrationen hat mir sehr gut gefallen. Auch den Anweisungen kann man gut folgen. In Bezug auf die Übungen sollte man nicht allzu viel Neues erwarten, effektiv sind sie aber allemal. Für Einsteiger ist das Buch meiner Meinung nach nicht optimal, da man bewusst auf Empfehlungen bzgl. Dauer, Anzahl der Wiederholungen und Kombinationsmöglichkeiten verzichtet hat. Zum Nachschlagen für etwas Fortgeschrittenere ist die "Bibel" super geeignet, für Anfänger, die einen vorgegebenen Trainigsplan suchen, wahrscheinlich eher nicht. Das Buch ersetzt natürlich kein professionelles, persönliches Coaching, aber ich denke, das ist auch nicht das Ziel gewesen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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163 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

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Fuck you Leben!

Non Pratt , Anja Galic
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2014
ISBN 9783423740074
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dass "Fuck you Leben!" keine rosarote Märchengeschichte werden würde, war nicht nur aufgrund des Titels von Vornherein klar. Die ersten Seiten beinhalten hauptsächlich Flüche, ausschweifende Partys, anzügliche Bemerkungen und sexuelle Handlungen. Nichts davon wirft ein positives Licht auf die Protagonistin Hannah, ihre beste Freundin Katie und deren Bekanntenkreis und hat mich dementsprechend weniger optimistisch für die weitere Handlung gestimmt. Wider Erwarten entpuppte sich die nachfolgende Story dann doch als grandiose Leseerfahrung: Hat man erstmal das gewöhnungsbedürftige Anfangsszenario hinter sich gelassen, bekommt man ein abwechslungsreiches, emotionales Coming-of-Age-Drama geboten, in dem die Figuren mit ihren guten und schlechten Eigenschaften brillieren.

Am Anfang sieht es so aus, als würde sich Hannah nur für Jungs und Sex interessieren, aber je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto deutlicher zeigt sich, wie vielschichtig, mitfühlend und auch sensibel sie in Wahrheit ist. Mit der Zeit habe ich sie einfach liebgewonnen. Zudem hat sie diese bewundernswerte Haltung, dass sie sich nicht bzw. kaum darum schert, was andere über sie reden. Genau solche Protagonisten brauchen meiner Meinung nach Jugendliche, weil sie großartige Vorbilder abgeben (abgesehen natürlich von der Schwangerschaft). Aaron war mindestens genauso fantastisch, wenn nicht sogar noch mehr. Ich meine, welcher Junge würde sich als Vater eines heranwachsenden Babys von jemandem ausgeben, den er erst sehr kurze Zeit kennt, obwohl er es nicht ist? Gut, er hat durchaus seine Gründe dafür, aber die sind alles andere als verwerflich. Viel mehr bestätigen sie das Bild, das ich mir bereits von ihm gemacht hatte: das eines einfühlsamen, fürsorglichen, loyalen und cleveren Jungen. Ihn nicht zu mögen, war schier unmöglich. Ich finde, Aaron und Hannah haben überwiegend eine unglaubliche Reife an den Tag gelegt. Bisweilen habe ich sogar vergessen, dass sie erst 15 bzw. 16 Jahre alt sind. Besonders wie die beiden zueinander gehalten haben, hat mir imponiert. Das war angesichts ihrer Widersacher (die typischen Mobber, die überall ihr Gift verspritzen, und auch Personen aus dem engeren Bekanntenkreis) auch bitter nötig. Neben diesen strahlen die beiden gleich doppelt so hell.

Wäre "Fuck you Leben!" eine Person, würde ich sie wohl als "bodenständig" bezeichnen. Non Pratt baut ihrer Hauptfigur keine Luftschlösser, sondern konfrontiert sie mit jeder Menge Schwierigkeiten, angefangen bei ihrem Ruf, leicht zu haben zu sein, der daraus resultierenden Schwangerschaft bis hin zu sozialer Ausgrenzung und der Identität des Erzeugers, die sie niemandem verraten will und der auch nichts mit ihr oder dem Baby zu tun haben möchte. So unschön das für einen Menschen auch sein mag, so hat es doch bewirkt, dass mir beim Lesen nicht langweilig geworden ist. Hannahs und Aarons Reise hat mich berührt, wütend gemacht, bestürzt, frustriert und auch mal selig lächeln lassen. Das kann ich nur von wenigen Romanen wahrhaftig behaupten. Noch dazu ist er toll geschrieben: mal nachdenklich und weise, mal mit beißendem Humor gewürzt, auf jeden Fall aber immer genau passend zur Situation. Dadurch hat Pratt immer die richtige Stimmung erzeugt bzw. den richtigen Ton getroffen. Von ihr möchte ich definitiv noch weitere Werke lesen.

Fazit
"Fuck you Leben!" ist eines dieser Bücher, an die ich mich noch lange Zeit erinnern werde. Die Ausgangssituation hat mich weniger optimistisch gestimmt, aber dann hat mich der Roman doch umgehauen. Non Pratt liefert zum einen eine dramatische, abwechslungsreiche Story. Zum anderen hat sie dazu passende, bewundernswerte, aber keineswegs fehlerfreie Protagonisten und gänzlich unsympathische Antagonisten, auf die ich meine Wut wunderbar projizieren konnte, entworfen. Beim Lesen habe ich nahezu die ganze Palette an Emotionen durchlebt - ein besseres Lob gibt es einfach nicht!

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533 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 157 Rezensionen

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Cold Princess

Vanessa Sangue
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.03.2018
ISBN 9783736304369
Genre: Liebesromane

Rezension:

Normalerweise gehören Romance-Bücher eher weniger zu meiner präferierten Lektüre, Cold Princess hat mich aber dennoch neugierig gemacht. Besonders dieVerortung im Mafia-Milieu hat mich an der Inhaltsbeschreibung gereizt, denn dadurch schien sich dieses Werk von anderen Genrevertretern abzuheben. Man assoziiert damit sofort Korruption, Intrigen, Geld und Gewalt. Diese Aspekte sind auch vorhanden, jedoch erwiesen sie sich beim Lesen für mich gelegentlich als Stolperstein.

Dass Saphira nicht gerade die herzlichste Person unter der Sonne ist, konnte ich mir bei einem Titel wie Cold Princess (Spitzname "Eisprinzessin") und aufgrund der Inhaltsangabe bereits denken. Daher überrascht es auch nicht, dass ich sie nicht auf Anhieb mochte. Sie macht insbesondere zu Beginn einen abgebrühten, zynischen und etwas arroganten Eindruck. Dieser ist von ihr, speziell wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegt, auch genau so beabsichtigt. Soweit fand ich das in Ordnung, da ein zahmes Kätzchen einfach kein respektables Mafiafamilien-Oberhaupt abgegeben hätte. Leider hatte das auch den unschönen Nebeneffekt, dass ich mich schlechter auf die Geschichte einlassen konnte, da es schwer war, eine Bindung zu Saphira aufzubauen. Ebenso erging es mir mit Madox. Mein Bild von ihm ist noch immer etwas unscharf, was primär daran liegt, dass mir sein Wechsel zwischen Brutalität und Sanftheit einfach nicht logisch erschien. Ich verstehe, dass es reizvoller zu lesen ist, wenn sich einer der Hauptfiguren in einem moralischen Zwiespalt befindet, aber der misste jeder Grundlage. Für mich war nicht nachvollziehbar, warum er plötzlich Gefühle für Saphira entwickelt hat, da sie im Grunde "nur" Sex hatten. Eine Interaktion auf tieferer Ebene hat in meinen Augen abseits des Schlafzimmers nicht stattgefunden, sodass sie sich kaum kennengelernt haben. Abgesehen davon entspricht Madox den bekannte Klischees (umwerfendes Aussehen, schweigsam, athletisch, Frauenheld). Vanessa Sangue bietet in der Beziehung also nichts wirklich Neues, aber in der Regel funktioniert diese Kombination ja wunderbar. Die wenigsten wollen von einem Verhältnis mit einem 08/15-Mann lesen, davon nehm ich mich selbst nicht aus. Mit der Zeit habe ich mich - trotz ihrer kühlen Auren - sowohl an Saphira als auch an Madox gewöhnt. Zu meinen Lieblingspersonen werden sie wohl nicht werden, vollkommen abgeschreckt bin ich aber auch nicht von ihnen.

Dass die beiden nicht nur nett plaudern und Tee trinken werden, dürfte von Vornherein klar gewesen sein. Allerdings war ich nicht ganz darauf gefasst, dass ihre intimen Szenen sado-masochistische Züge (Betonung liegt hier auf "Züge") aufweisen und sogar etwas blutig werden würden. Für meinen Geschmack war das too much. Mir ist auch aufgefallen, dass sich einige Formulierungen wiederholen bzw. sich stark ähneln - besonders bei den "Schlüsselszenen". Zudem haben sich einige "Lieblingswörter" herauskristallisiert, die ich persönlich nicht mag. Das in die Bewertung einfließen zu lassen, wäre allerdings sehr kleinlich.

Die Hauptschwierigkeit hat mir die Story an sich bereitet, deren Verlauf mich nicht überzeugen konnte. Dafür waren mir einige Aspekte des Plots nicht stichhaltig genug. Speziell den Rachehandlungsstrang fand ich persönlich zu schwach ausgearbeitet. Madox hat nicht wirklich nach Indizien dafür gesucht, dass Saphira für den Tod seines Vaters verantwortlich ist. Weder hat er "herumgeschnüffelt", noch hat er irgendeine Form der Befragung (ob nun subtil oder nicht) vorgenommen. Das hat mich an der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit des Unterfangens zweifeln lassen. Darüber hinaus hat das mir das Gefühl vermittelt, dass Madox' Vermutung lediglich als Vorwand dient, damit zwischen ihm und Saphira eine Hass-Liebe entstehen kann und um ein angespanntes Verhältnis zwischen den beiden zu schaffen. Ich will nicht abstreiten, dass das zum Teil auch sehr gut funktioniert hat. Wann immer die beiden aufeinander trafen, lag ein gewisses Knistern in der Luft (wenngleich ich das anfangs als forciert empfand), aber als wirklich gefährlich für Saphira habe ich Madox nie eingeschätzt. Auch von ihren anderen Feinden ging nur eine mäßige Bedrohung aus. Demzufolge mangelte es mir an Nervenkitzel, auch wenn es einige Spannungshöhepunkte gibt. *** Mini-Spoiler *** Erst auf den letzten Seiten kommt es dann aber zu einem richtigen Showdown, der urplötzlich mit einem Cliffhanger endet. Leider reicht das für mich nicht, um das Lesen von Band 2 ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Fazit
Geködert hat mich die Verortung in Mafia-Kreisen, da diese Idee noch recht unverbraucht ist. Leider war die Geschichte nicht so fesselnd, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Über die Distanziertheit der Charaktere kann man angesichts ihres familiären Hintergrund hinwegsehen, die Umsetzung des Ganzen war aber einfach nicht meins. Das Verhalten der Figuren war des Öfteren nicht nachvollziehbar, speziell was Madox' Rachepläne sowie die emotionalen Schwankungen von ihm und Saphira und ihrem Umgang miteinander betrifft. Möglicherweise gehöre ich auch schlichtweg nicht zur Zielgruppe, denn schlecht geschrieben ist der Roman auf jeden Fall nicht.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Ich hasse Menschen

Julius Fischer
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Verlag Voland & Quist, 17.03.2018
ISBN 9783863911966
Genre: Humor

Rezension:

Bei Julius Fischers Textbändchen werden sich höchstwahrscheinlich die Geister scheiden: Schon der Titel macht ihn bei einigen sicherlich nicht unbedingt sympathisch, bei anderen wiederum rennt er offene Türen ein. Ich gehöre zur letzteren Kategorie, denn mir spricht er mit diesem Satz aus der Seele. Ob nun Supermärkte, Buchmessen oder volle Einkaufsstraßen: Bei größeren Menschenaufläufen stoße ich an meine Grenzen und mein Geduldsfaden ist zum Zerreißen gespannt. Es ist irgendwie beruhigend zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin.

Man könnte jetzt schnell denken, "Ich hasse Menschen" sei eine reine Hasstirade, ein Affront gegen die gesamte Menschheit, aber ganz so durchweg menschenverachtend ist es gar nicht. Es ist nicht so, als würde Julius Fischer tatsächlich jeden einzelnen Menschen hassen. Es ist eher der Mensch im öffentlichen Kollektiv, das, wie er meint, die schlechtesten Eigenschaften der Individuen hervorbringt. Und da gebe ich ihm völlig recht. Ob intendiert oder nicht, in "freier Wildbahn" verkommen sie zu hirnlosen Primaten und/oder benehmen sich, als wären sie allein auf der Welt. Das Gute ist: Julius Fischer nimmt sich selbst nicht davon aus und genau das macht es mehr oder weniger in Ordnung, wenn er sich über andere aufregt. Wir alle haben nervtötende Eigenschaften, aber solange man sich dessen bewusst ist und diese mit Humor nehmen kann, kann man durchaus mal schriftlich Dampf ablassen. Zumindest ist das ein besseres Ventil als gewalttätig zu werden.

Wie darf man sich das Buch nun vorstellen? Im Prinzip handelt es sich um mehrere Einzelepisoden, die in einen erzählerischen Rahmen - eine Zugfahrt, bei der dem erzählerischen Ich ein Mann gegenübersitzt, der eine Möhre nach der anderen sehr laut und sehr langsam isst - eingebettet sind. Die einzelnen Geschichten variieren thematisch und hängen nicht wirklich miteinander zusammen. Der einzige rote Faden ist, dass sie immer darauf hinauslaufen, dass er irgendeine Sorte Mensch nicht besonders gut leiden kann. Der ein oder andere Auszug ist einigen regelmäßigen Poetry-Slam-Followern sicherlich schon bekannt, was sie aber nicht weniger unterhaltsam macht. Die Texte sind meistens zum Lachen, es sind aber auch diverse Abschnitte dabei, die einen etwas ernsteren Unterton haben - und das ist auch gut so! In beiden Fällen kann ich mich mit seiner Sicht- und Denkweise identifizieren. Das ist der Hauptpunkt, warum mir dieses Buch so gut gefallen hat.

Wichtig anzumerken wäre, dass man den Text unbedingt so lesen sollte, wie Julius Fischer ihn bei einem Live-Auftritt vortragen würde: mit passenden Tempowechseln und Betonungen und vor allem mit einem sarkastischen bzw. zynischen Unterton. Ansonsten fühlt man sich zum einen früher oder später mal beleidigt, zum anderen ist es dadurch einfach amüsanter und lebendiger. Ich würde also jedem raten, sich vorher wenigstens eine seiner Performances anzusehen, bevor man die Novelle liest.

Fazit
Auch wenn der Titel anderes suggeriert, ist "Ich hasse Menschen" keine reine Hasstirade, sondern in erster Linie eine pointiert und amüsant geschriebene, gelegentlich auch ernstere Töne anschlagende Betrachtung des menschlichen Verhaltens. Man kann sich hier auf den Schlips getreten fühlen, muss es aber nicht. Ich für meinen Teil habe mich ausgesprochen gut mit dem erzählerischen Ich identifizieren können. Das Buch ist vor allem für Fans von Julius Fischer empfehlenswert, für Leute, die schnell von ihren Mitmenschen genervt sind oder perfekt geeignet für eine etwas längere Zugfahrt ;-)

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2.088 Bibliotheken, 68 Leser, 6 Gruppen, 199 Rezensionen

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Throne of Glass - Die Erwählte

Sarah J. Maas ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.10.2015
ISBN 9783423716512
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es klingt sicher merkwürdig, aber von dem "Throne of Glass"-Hype habe ich mich in erster Linie aufgrund der schönen Fan Art, die ich gesehen habe, anstecken lassen. Ursprünglich hatte ich Abstand von der Reihe genommen, weil mich "Das Reich der sieben Höfe" der Autorin nicht so recht begeistern konnte. "Die Erwählte" hat mich zwar auch nicht vollends vom Hocker gerissen, aber ich der Auftakt hat bei mir deutlich mehr Interesse entfacht. Zum Teil lag das an den Charakteren der Geschichte.

Celaena hat alle Eigenschaften, die für die Protagonistin eines Fantasy-Abenteuers unabdinglich sind: Willensstärke, Gewitzheit, Mut, Neugier, Schlagfertigkeit, Empathievermögen und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ähnliches gilt für Chaol, der dem Typ "mürrischer, leidenschaftlicher Kämpfer mit einer soften Seite" und damit dem perfekten männlichen Gegenpart entspricht. Beide Wesenscocktails sind vielleicht nicht unbedingt innovativ, aber das ist ja nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. Im Gegenteil würde ich die einzelnen Komponenten eher als Erfolgszutaten werten. Der dritte im Bunde, Dorian, hebt sich dagegen deutlicher von den beiden ab. Auch wenn er als Frauenmagnet/-held in die Geschichte eingeführt wird, erschien er mir manchmal eher schüchtern und unsicher, statt forsch zu sein und gerne zu flirten. Daran ist an sich nichts einzuwenden - tatsächlich schätze ich das an ihm -, aber es hat ihn in meinen Augen als Love Interest für Celaena ungeeignet erscheinen lassen. Er hat durchaus seine Vorzüge (gutaussehend, charmant, klug), mir fehlte aber das Feuer in seiner Persönlichkeit und entsprechende Reibereien zwischen den beiden. Ich bin aber durchaus offen dafür, meine Meinung gegenüber ihm bzw. den zweien zusammen in den Folgebänden zu revidieren. Zum jetzigen Zeitpunkt favorisiere ich allerdings Chaol, da dort einfach die Chemie stimmt.

Abgesehen von der sich anbahnenden Dreiecksbeziehung hat der Reihenauftakt aber noch eine ganze Menge mehr zu bieten: nicht ganz ungefährliche Wettkampfherausforderungen, rätselhafte Mordfälle sowie Geheimnisse in Celaenas Vergangenheit. Alles zusammen sorgt dafür, dass die Seiten des Buches inhaltlich gut gefüllt sind und sich auf dem Spannungsbogen nur leichte Schwankungen abzeichnen. Dadurch habe ich mich nie gelangweilt, meine Nerven waren aber auch nicht zum Zerreißen gespannt. Das mag zum einen daran liegen, dass der Klimax sehr weit hinausgezögert wurde, zum anderen daran, dass ich nie wirklich um die Hauptfiguren gebangt habe. Bis jetzt ist einfach noch nichts passiert, was mich komplett überrascht oder schockiert hätte. Das Potenzial dazu sehe ich jedoch - angesichts der Entwicklungen am Ende - in den Folgebänden gegeben, auch wenn diese auch nicht von der Gestalt waren, dass ich sofort zur Fortsetzung greifen möchte.

Fazit
Alles in allem hat Sarah J. Maas mit dem Beginn der "Throne of Glass"-Serie vieles richtig gemacht: leidenschaftliche, starke Charaktere, eine Handvoll Liebe sowie eine Prise Mysterium und Action. Dennoch konnte er mich nicht vollkommen überwältigen, da mir noch einige Schock- und Überraschungsmomente fehlen. Ich bin in der Beziehung aber optimistisch für die weiteren Bände, weshalb ich gewillt bin, die Reihe weiterzuverfolgen.

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123 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 33 Rezensionen

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36 Fragen an dich

Vicki Grant , Astrid Finke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Heyne, 19.03.2018
ISBN 9783453271654
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Inhalt von Vicki Grants hat mich sofort angesprochen, da ich es prinzipiell spannend finde, wenn Protagonisten Versuchskaninchen in Sozialstudien oder Ähnlichem sind. Meine Euphorie hat jedoch gleich nach den ersten Seiten einen großen Dämpfer bekommen. Es hat mich über ein Drittel des Buches gekostet, ehe ich einen Zugang zu den Figuren gefunden bzw. sie nicht mehr gänzlich unsympathisch waren. Tatsächlich war die einzige Person, die ich anfangs mochte, Jeff, der Versuchsleiter, und der war leider nur im ersten Kapitel präsent. Paul und Hildy dagegen waren eine echte Herausforderung - sowohl füreinander als auch für mich. Paul erschien mir zu Beginn sehr passiv-aggressiv und großkotzig, Hildy dagegen war etwas steif und gleichzeitig total überdreht, was irgendwie nicht wirklich zusammenpassen wollte. Mehr als ein Stirnrunzeln und eine krausgezogene Nase hatte ich nicht für sie übrig. Ich war also ein bisschen frustriert, habe aber dennoch weitergelesen. Mein Durchhaltevermögen hat sich Gott sei Dank auch ausgezahlt. Die beiden werden zunehmend lockerer in ihrem Umgang miteinander, dadurch auch witziger und ehrlicher. Man merkt richtig, wie sie sich immer wohler mit dem anderen fühlen, und ebenso wie sie ein besseres Verständnis für den anderen entwickelten, habe ich sie auch besser verstehen gelernt. Letztlich habe ich beide in mein Herz geschlossen.

Ich bin allerdings trotzdem der Meinung, dass sie es sich selbst schwerer als nötig gemacht haben, weil sie bei gewissen Themen immer um den heißen Brei herumgeredet haben. Einerseits war es erfrischend, dass nicht gleich eine magische Verbindung zwischen den beiden bestanden hat, sondern sie die Distanz gewahrt haben - schließlich sind sie einander fremd. Andererseits hätte es bedeutend weniger Kommunikationsschwierigkeiten gegeben, wenn sie gleich reinen Tisch gemacht hätten. Das war auf längere Sicht etwas anstrengend, aber eben auch interessefördernd, weil man wissen wollte, was sie einem verschweigen.

Die titelgebenden 36 Fragen waren an sich interessant und vor allem knifflig. Man kommt automatisch ins Grübeln, wie man selbst die Fragen beantworten würde. Ich würde es sogar mal auf ein Experiment ankommen lassen und das selbst ausprobieren. Das Tolle daran ist, dass Hildy und Paul (aka Betty und Bob) entsprechend wenig Small Talk betreiben, was mir meistens sehr gut gefiel.

Die Geschichte wird überwiegend in einer Dialogstruktur ähnlich eines Drehbuchs wiedergegeben. Dadurch, dass mehr wörtliche Rede bzw. Chat-Nachrichten verwendet werden, lässt sich der Roman auch ausgesprochen flott lesen. Die Formulierungen empfand ich meistens als sehr natürlich, sodass ich das Gefühl hatte, alltägliche Gespräche mitzuverfolgen. Es gibt allerdings auch Zwischensequenzen in normaler Prosa, bei denen man Einblicke in Hildys Leben abseits des Experiments bekommt. Das sorgt für Abwechslung, allerdings war ich meistens mehr an den Fragen interessiert. Das mag wohl daran liegen, dass ich Hildys Eltern und auch ihre beste Freundin Xiu einfach anstrengend fand. Ebenso spielt hier herein, dass sie als Nebencharaktere ziemlich flach bleiben. Der Fokus liegt eindeutig auf Paul und Hildy, was angesichts der Länge des Romans und des Inhalts nicht weiter tragisch ist.

Fazit
Das erste Drittel des Romans war eine Herausforderung für mich, da ich mit den Hauptfiguren Hildy und Paul absolut nichts anzufangen wusste. Zum Glück blieb das nicht auf Dauer so, sodass ich doch noch mit ihnen warm geworden bin. Die überwiegende Dialogstruktur lässt sich angenehm lesen und humorvolle und ernste Momente wechseln sich ab, was dazu führte, dass ich den Roman ab dem zweiten Drittel sehr genossen habe.

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