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689 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 113 Rezensionen

fantasy, königin, erika johansen, die königin der schatten, magie

Die Königin der Schatten

Erika Johansen , Kathrin Wolf
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 15.06.2015
ISBN 9783453315860
Genre: Fantasy

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Es hat etwas gedauert, aber nun habe auch ich mich von den überwiegend positiven Rezensionen zum Lesen von "Die Königin der Schatten" verleiten lassen - und jetzt bin ich süchtig. Die Auftakt hat es mir angetan (Band 2 liegt schon griffbereit), was dem atmosphärischen Erzählstil der Autorin, dem fantastischen mittelalterlich-anmutenden Setting, den komplexen, abwechslungsreichen Figuren und dem zugrundeliegenden Plot, der bisher noch alles offen lässt, zu verdanken ist. Kurzum: Das Gesamtpaket ist einfach gelungen. Anfangs hat mich die Story ein klitzekleines bisschen an Sophie Jordans "Königreich der Schatten" erinnert, von dem ich leider nicht besonders überzeugt war. Aber nach nur wenigen Seiten war klar, dass Erika Johansen einen ganz anderen Weg beschreitet - zum Glück!
Ich finde, eine Geschichte steht und fällt (mal abgesehen vom Plot) mit ihren Figuren. Hier hat Johansen ein gutes Gespür bewiesen, denn sie liefert sehr vielschichtige und damit interessante Charaktere, allen voran Kelsea. Zunächst einmal war es erfrischend für mich, mal keine umwerfende Schönheit als Protagonistin zu haben, sondern eine optisch unscheinbare junge Frau. Dafür hat sie andere Qualitäten: Sie ist ein faszinierender Mix aus kindlich-jugendlicher Unerfahrenheit, Naivität und Übermut sowie majestätischer Erhabenheit und entsprechendem Durchsetzungsvermögen. Sie ist nicht gerade auf den Kopf, geschweige denn auf den Mund gefallen, hat Feuer und beweist Kampfesgeist und Rückgrat. Die Weitsicht fehlt ihr allerdings zuweilen, denn gleich ihre erste Aktion als (noch ungekrönte) Königin ist zwar unglaublich human und zeigt ihren einfühlsamen, gütigen Charakter, aber sie ist auch recht unbedacht, wie sie schon bald feststellen wird. Sie hat es zwar damit geschafft, das Volk für sich einzunehmen, aber die Konsequenzen, die ihr Handeln auf Dauer nach sich ziehen wird, sind von katastrophalem Ausmaß. Es wird sich zeigen, ob ihre Entscheidung so klug war und ob und wie sie sich und ihre Untertanen aus der Misere befreien kann. Für mich ist aber schon jetzt klar, dass sie das Potenzial zu einer wahren Herrscherin und echten Heldin hat.
Auch von Mace, dem Anführer ihrer Eskorte, bin ich ein absoluter Fan, wenngleich es ein wenig länger gedauert hat, bis er mein Herz erweichen konnte. Er ist wortkarg, grummlig und nicht besonders humorvoll, aber scharfsinnig und wachsam und verteidigt Kelsea mit seinem Leben. Er ist wie der Vater, den sie nie hatte (und vielleicht ist er das ja auch - wer weiß?!). Auch die übrigen Soldaten, beispielsweise Kelseas Leibwache Pen, finde ich soweit vielversprechend.
Neben Kelseas Perspektive gibt es noch die der Roten Königin, die ich - unnötig es zu sagen - nicht ausstehen kann, aber bei der es mich gleichzeitig interessiert, was es mit ihr auf sich hat, sowie des Torwächters Javel. Bei ihm bin ich besonders gespannt, welche Rolle er noch spielen wird. Die Rote Königin ist übrigens nicht die Einzige, die eine Bedrohung für Kelsea darstellt, denn sie hat sich schon jetzt ein paar widerliche, blutrünstige Feinde gemacht. Ich denke, sowohl die omnipräsente Lebensgefahr (bisweilen geht es ziemlich blutig zu) als auch die diversen Überraschungsmomente haben erheblich dazu beigetragen, dass ich voll und ganz auf den Roman fokussiert war. Ich muss allerdings zugeben, dass mir der Anfang weniger zugesagt hat, aber das Durchhalten hat sich wirklich gelohnt, weil es, nachdem einmal Bewegung in die Handlung gekommen ist, fast immer etwas für Kelsea zu tun gab. Wenn sie sich nicht gerade um Komplotte gegen sie sorgen muss, muss sie sich eine Strategie zurecht legen, um das wirtschaftlich zugrunde gerichtete Land wieder zum Erblühen zu bringen. In der Hinsicht gab es noch nicht allzu viel zu erfahren, aber die Grundsteine sind schon gelegt.
Zum Schluss sei noch erwähnt: Es gibt keine Liebesgeschichte - zumindest noch nicht. Somit lenkt auch nichts vom Wesentlichen (der Besteigung des Throns und der Vernichtung der Roten Königin) ab. Ich gebe zwar gerne zu, dass ich es ganz gerne mag, wenn ein bisschen Romantik und Herzschmerz enthalten sind, aber sie sollten - gerade in solchen Geschichten - eine untergeordnete Rolle spielen. Die rührenden Loyalitätsbeweise ihrer Garde, speziell die von Mace, waren für mich hier vollkommen ausreichend. Wer braucht da schon Liebesbekundungen?!

Fazit
Johansen hat einen spannenden, blutigen, dynamischen Auftakt mit starken Charakteren und massig Entfaltungsmöglichkeiten geschaffen, der mich so gefangen genommen hat, dass ich unbedingt weiterlesen will.

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210 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 38 Rezensionen

salzburg, thriller, krimi, mord, entführung

Schatten

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 10.03.2017
ISBN 9783805250634
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Der Einstieg in die Handlung kreiert schon die richtige Atmosphäre für einen Thriller. Wie für die Kaspary-Reihe üblich beginnt der Roman mit der Tat selbst, die in diesem Fall aus der Sicht des Mörders geschildert wird. Allerdings wird dabei - logischerweise - dessen Identität verschleiert. Für mich persönlich ist so ein direkter Einstieg gelungen, denn dadurch bin ich a) neugierig und werde b) gleich in die passende Stimmung versetzt. Die Handlung, die sich auf den folgenden Seiten entfaltet, zählt für mich zu den stärksten der Kaspary-Reihe. Der Fall war diesmal doppelt interessant, weil er einen persönlichen Bezug zu Bea hat. Endlich kommt Licht ins Dunkel, was vor sechzehn Jahren mit ihrer besten Freundin Evelyn passiert ist. Vorher wurde dieses prägende Ereignis immer nur knapp erwähnt, aber nicht umfassend beleuchtet, da der Mord ungeklärt geblieben ist. Schon in den vorigen Bänden hätte ich gerne mehr dazu erfahren und nun ist dieser Wunsch endlich in Erfüllung gegangen. Ich kann jetzt nicht unbedingt behaupten, dass das Bild, das Poznanski von Evelyn gezeichnet hat, zu einem positiven Charakterurteil meinerseits geführt hat. Evelyn war, gelinde gesagt, eine fordernde, anstrengende, egozentrische Drama-Queen, zumindest geht das aus dem Tagebuch hervor, das sie geführt hat. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass ich solche Menschen lieber meide. Dass Bea zu ihren besten Freunden zählte, ist aus jetziger Sicht nicht ganz nachvollziehbar, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, wie die beiden miteinander auskommen sollten. Aber Bea war damals einfach ein anderer Mensch. Ich fand es sehr aufschlussreich, in Erfahrung zu bringen, wie Bea als Studentin war. Die aktuelle Mordserie hängt also mit jener Tragödie von damals zusammen, so viel wird Bea recht schnell klar, und auch, dass der Verantwortliche ein intelligenter, mit Kalkül vorgehender Irrer ist, der gerne Psychospielchen mit seinen Opfern spielt. So sehr ich im wahren Leben solche Menschen verabscheue, so muss ich natürlich gestehen, dass sie sich in einem Thriller als "perfekte" Gegner erweisen. Schließlich brauchen die Ermittler ja eine Herausforderung. Bei keinem der vorigen Teile habe ich so stark mitgerätselt, wer der Täter ist, wie hier und ich muss sagen, dass meine Kombinationen und Schlussfolgerungen gar nicht mal so verkehrt waren. Ich war mir allerdings auch bis zuletzt nie hundertprozentig sicher, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag. Genau das hat den Roman so unglaublich fesselnd gemacht. Man erhält die einzelnen Hinweise am Tatort, liest die kryptischen Tagebucheinträge von Evelyn mit und wird quasi in die Schlussfolgerungen des LKA bzw. denen von Bea eingeweiht, wodurch man ihre Gedankengänge gut nachvollziehen kann. Aber in den entscheidenden Momenten, sprich: wenn gerade wieder etwas Schlimmes passiert oder es um den konkreten Namen des Mörders geht, wechselt entweder die Szenerie oder Poznanski enthält einem die Information vor. Man fühlt sich der Lösung zum Greifen nah, aber kann sie doch nicht fassen. Ich war wirklich versucht, bis zum Schluss zu blättern, konnte mich aber gerade noch beherrschen - ein gutes Zeichen! Allerdings hätte das Finale noch ein bisschen spektakulärer ausfallen dürfen.
Abgesehen vom Fall selbst bereitet auch Beas Privatleben ihr allerhand Probleme, denn - oh Wunder! - Armin ist nicht über Nacht zu einem einfühlsamen, verständnisvollen und sich vernünftig verhaltenden menschlichen Wesen geworden. Er zickt Bea an, wann immer er kann, und hetzt sogar die Kinder gegen sie auf. Damit treibt er mich noch immer zur Weißglut, daran haben auch die Ereignisse in diesem Band nichts geändert, wenngleich ich gegen Ende ein klein wenig Mitleid mit ihm bekommen habe. Auch ihre gemeinsame Tochter Mina hat bisweilen aufgrund ihrer Kaltschnäuzigkeit und ihren vor Sarkasmus triefenden Kommentaren an meinen Nerven gezehrt, was auf Dauer sehr anstrengend beim Lesen war. Erfreuter war ich aber umso mehr, dass - trotz der wideren Umstände - die Beziehung von Bea und Florin einen Satz nach vorne gemacht hat. Sie bringt immer ein wenig Licht in die Düsternis. Man durfte sogar einen Abstecher in Florins Gedankenwelt machen, was eine nette Abwechslung war.

Fazit
Meiner Meinung nach ist "Schatten" der beste Teil der Kaspary-Reihe. Die persönliche Involviertheit von Bea, die gut portionierten Hinweise sowie das gewiefte Vorgehen des Mörders, dessen Identität bis zum Schluss nicht aufgedeckt wird, haben dafür gesorgt, dass das Spannungslevel immer relativ hoch geblieben ist und ich entsprechend gefesselt war.

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

liebesroma, rainbowrowell, landline, rowel, lyx

Landline

Rainbow Rowell , Frauke Lengermann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 11.11.2016
ISBN 9783736303287
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Rainbow Rowell ist dem ein oder anderen durch "Eleanor & Park" ein Begriff - zumindest war das bei mir der Grund, warum ich beim Blick ins Regal inne gehalten habe. Zwar war ich damals von dem Roman nicht vollkommen hin und weg, aber der Schreibstil der Autorin ist mir durchaus positiv im Gedächtnis geblieben. Dieser Eindruck hat sich in diesem Fall erneut bestätigt. Rowells Stärke sind die Konversationen ihrer Charaktere. "Landline" lebt quasi von den unterhaltsam-spritzigen, herzzerreißenden und/oder auf unkonventionelle Art romantischen Dialogen, von denen es - angesichts des Inhalts und Georgies Beruf wenig überraschend - eine Menge gibt.
Neal und Georgie miteinander zu beobachten, war einfach herzerwärmend. Selbst in ihren ernsteren, tragischen Momenten waren ihre Worte und ihre Gesten zuckersüß. Mit jeder Erinnerung habe ich mich ein Stück mehr in die zwei verliebt, ob nun aufgrund ihrer zaghaften Annäherung, die eine gewisse Spannung aufgebaut hat, oder wegen ihrer teils mündlich, teils comicbasierten Art der Kommunikation. Ja, selbst ihre Eifersuchtsszenen hatten etwas für sich. Wäre sie Charaktere in einem TV-Drama, wären sie dieses Pärchen, das man nicht von Anfang an hat kommen sehen, bei denen man aber, sobald es erste Anzeichen gab, die ganze Zeit mitfiebert, bis sie zueinander finden - das typische "Shipping"-Material.
Ich mochte aber auch Seth ganz gerne, auch wenn er ihrem Glück immer ein Stück weit im Weg stand - ob nun beabsichtigt oder nicht. Er ist witzig, charmant, fürsorglich und er versteht Georgie blind. Okay, vielleicht ist er etwas eitel, aber wenigstens ist er nicht arrogant. Georgie und er sind ganz klar ein eingespieltes Team, die eine ganz andere, aber nicht weniger unterhaltsame Dynamik haben als sie und Neal. Weil ich ihn nicht hassen konnte, fehlte mir persönlich jemand, auf den ich meine Antipathien projizieren konnte.
Man kann natürlich kritisieren, dass der Plot an sich nicht sonderlich komplex und reichhaltig ist, da im Prinzip nur ein Thema von Relevanz ist: Georgies Liebes- und Familienleben. Es geht ausschließlich um Neal und sie und Seth als Störfaktor. Ich bin ja normalerweise eine der Ersten, die sich an einer Story mit nur wenigen Handlungssträngen stößt. Bei jedem anderen Figurenkonstellation hätte ich das wohl auch getan, aber Rainbow Rowell hat mit hier so wunderbare Charaktere geschaffen, die sich in ihren Gegensätzen so perfekt ergänzen, dass es mir eigentlich fast egal war, dass kaum etwas anderes beschrieben wurde als Flashbacks, Telefonate und Georgies Innenleben. Selbst, dass es für das “magische Telefon“ keine Erklärung gab, hat mich nur peripher tangiert. Die Handlung selbst hat also nicht viel spannungsreiche Elemente geboten, dafür war sie aber unterhaltsam und schön mitzuverfolgen.

Fazit
Wer sich nicht an einem wenig komplexen, dafür aber mit wunderbaren, fast spielerisch-dynamischen, schön formulierten Dialogen ausgestatteten Plot stört und gewillt ist, über das magische Telefon als surreales Element hinwegzusehen, der könnte - wie ich - bei "Landline" auf seine Kosten kommen.

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243 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 78 Rezensionen

dystopie, jugendbuch, gene, zukunft, perfektion

Die Perfekten

Caroline Brinkmann , Caroline Brinkmann
Fester Einband: 587 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 25.08.2017
ISBN 9783846600498
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Gleich zu Beginn möchte ich sämtliche Bedenken ausräumen: Trotz des ähnlichen Titels, der Grundidee einer nach Perfektionismus strebenden Gesellschaft und dem Genre haben "Die Perfekten" und die "Flawed/Perfect"-Reihe von Cecelia Ahern nicht viel gemeinsam. Vergleiche könnte man zwar durchaus zu anderen Dystopien ziehen (etwa Tribute von Panem), aber diese Geschichte weißt so viele neuartige, eigenständige Elemente auf, die sie deutlich von anderen Genrevertretern abhebt. Umso mehr Spaß hat es gemacht, sich mit diesem (futuristischen und technikgetriebenen) Weltentwurf vertraut zu machen und hinter die Funktionsweise des Systems zu steigen. Wie funktioniert die Hierarchie? Wer regiert das Land? Wie ist es aufgebaut? Welche Rolle ist den jeweiligen Bevölkerungsgruppen zugedacht? Welche Sektoren sind wichtig? All diese Aspekte werden nach und nach erläutert. Das Tolle hierbei ist, dass man fast alle Gesellschaftsschichten/-gruppen von innen heraus kennenlernt und damit die einzelnen Perspektiven viel besser versteht.

Anfangs standen nur wenige Charaktere im Zentrum des Geschehens, aber je mehr sich die Story entfaltete, desto mehr interagierten sie miteinander bzw. mit anderen, sodass sich das Ensemble stetig vergrößert hat. Man hat also eine relativ große Auswahl an potenziellen Sympathie- und Antipathieträgern, wobei mir die Kategorisierung wahrlich nicht leicht gefallen ist. Ich wurde permanent herausgefordert, musste meine Position und Charaktereinschätzungen überdenken. Mit einem Schwarz/Weiß-Denken kommt man hier eindeutig nicht weit, denn fast jede Figur hat wenigstens eine Eigenschaft, die sozusagen "ausbricht". In den meisten Fällen ist Vorsicht geboten, denn Schein und Sein gehen in dieser Geschichte oft getrennte Wege. Man sollte außerdem vorsichtig sein, an wen man sein Herz hängt - ich zumindest musste mehr als einmal heftig schlucken, war enttäuscht oder deprimiert angesichts der Entwicklung einiger Figuren. Für mich als Leserin war das pure Folter und ich fühlte mich häufiger vor den Kopf geschlagen. An einem Punkt wäre ich fast auf die Barrikaden gegangen, aber Caroline Brinkmann wusste das auf den letzten Drücker noch zu verhindern (sozusagen). Ich muss aber auch betonen, dass es durchaus positive Wandlungen zu beobachten gab, sodass meine Hoffnungen nicht vollkommen zerschlagen wurden. Auf jeden Fall bin ich für Teil 2 nun definitiv vorgewarnt und auf einige liebsame und unliebsame Überraschungen gefasst.

Ab dem zweiten Drittel kam ich jedenfalls fast nicht mehr zum Luftholen, weil der Spannungsbogen so rapide anstieg. Meine Nerven und Gefühle wurden ganz schön strapaziert, denn in kürzester Zeit folgte ein schockierendes Ereignis auf das nächste. An Action mangelt es definitiv nicht. Auch Langatmigkeit kann man dem Roman nicht vorwerfen, denn selbst die ruhigeren Passagen waren für die Handlung von Relevanz und haben sie vorangebracht. Klasse waren in der Beziehung vor allem die gesellschaftspolitischen Überlegungen bspw. zur Notwendigkeit von Hierarchien und Klassenbildung, zum Verhältnis von Kontrolle und Freiheit, zur moralischen Vertretbarkeit von radikalen Handlungen usw. Es gab kaum einen Bereich, der nicht angesprochen wurde. Nicht nur zeigt das, wie viele Gedanken sich die Autorin zu ihrer dystopischen Welt gemacht hat, sondern man wird als Leser selbst zum Nachdenken angeregt. Da der Schwerpunkt deutlich auf den soziopolitischen Entwicklungen liegt, bleibt nicht viel Platz für amouröse Verwicklungen, aber um ehrlich zu sein, habe ich diese auch nicht vermisst. Für Teil 2 wären sie ein netter Zusatz (einige Andeutungen wurden durchaus gemacht), aber sie sind auch kein Muss.

Fazit

Bei kaum einem Roman, den ich in letzter Zeit gelesen habe, trifft die Formulierung "Achterbahn der Gefühle" so gut zu wie auf "Die Perfekten". Von Euphorie über Depristimmung bis hin zu Entsetzen war im Grunde alles dabei - so fesselt man den Leser!
Die volle Punktzahl gibt es eigentlich nur deswegen nicht, weil ich a) auf ein, zwei Schocker durchaus hätte verzichten können, und ich b) glaube, dass Caroline Brinkmann ihr Pulver noch nicht verschossen hat und ich mir für den zweiten Band noch eine Steigerung offen halten will.

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36 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

liebe, vorwärts küssen rückwärts lieben, berlin, suche nach traumprinz, chaotische protagonistin

Vorwärts küssen, rückwärts lieben

Sybille Hein
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 28.08.2017
ISBN 9783764505790
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Manche Buchtitel provozieren es nahezu, dass man ihnen verstärkt Aufmerksamkeit zukommen lässt. Sybille Heins Roman gehört da definitiv dazu. Es klingt ein bisschen wie die typische Chick-Lit, aber das ist der Roman ist bei Weitem nicht, was zum Großteil mit dem Schreib- bzw. Erzählstil und dem Aufbau zu tun hat.
Das Tempo der Geschichte entspricht eher dem einer TV-Serie statt dem eines Spielfilms. Soll heißen: es geht eher gemütlich voran, da sich Hein genügend Zeit nimmt, ihre Figuren einzuführen und Zusammenhänge zu erklären. Man rauscht also nicht unbedingt von einem Höhepunkt zum nächsten, dafür hat man aber auch eher das Gefühl, die Charaktere auf einer persönlichen Ebene kennenzulernen. Zuweilen kam es mir sogar so vor, als würde ich einen Blick in den Haushalt von Bekannten oder Freunden werfen und ihnen bei ihrem täglichen Treiben zuschauen. Man erfährt einfach unglaublich viel zu ihnen: ihre Macken, ihre Lebensweisen, ihre Vergangenheit (besonders, wie sich Pias und Eddis Freundschaft entwickelt hat), ihre Jobs, ihre Vorlieben und Abneigungen sowie Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Stärken und Schwächen. Es ist, als würde man mit jedem einzelnen von ihnen auf ein Date (oder mehrere) gehen und Stück für Stück sämtliche Informationen aus ihnen herauskitzeln. Natürlich war ich nicht über alle Facetten ihrer Persönlichkeiten begeistert, aber bei wem ist man das schon? Pia zum Beispiel lässt sich sehr schnell von Äußerlichkeiten blenden, was auch zum zentralen Thema im Roman wird. Besonders Eddi kritisiert sie in dem Punkt sehr häufig und auch Pia wird immer deutlicher bewusst, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Mal abgesehen davon mochte ich ihre muntere, manchmal aber auch kratzbürstige, chaotische Art ganz gerne und ihr selbstbewusstes Auftreten hat mir schon imponiert. Auch Eddi hat sich sofort in mein Herz gespielt, zum einen aufgrund seines Ehrgeizes und seiner nüchternen Sicht auf die Dinge, zum anderen, weil er sich nicht ziert, Pia knallhart seine Meinung ins Gesicht zu sagen. Letzteres klingt erstmal ziemlich gemein, aber seine guten Absichten (d.h. Pias Wohlergehen und Glück) werden immer sehr deutlich, sodass man zwar erstmal heftig schlucken muss, aber ihm nicht böse sein kann. Ein weiterer zentraler Charakter ist natürlich Pias neuestes Liebesob- bzw. -subjekt August. Ich muss zugeben, dass ich ihn anfangs schon irgendwie charmant fand. Besonders die Art und Weise, wie er Pia um ein Date gebeten hat, war originell und süß, weshalb er schon einige Pluspunkte sammeln konnte. Auch im Verlaufe der Beziehung tat ich mich schwer, ihm gegenüber eine Abneigung zu entwickeln. Dafür habe ich die dann aber umso heftiger empfunden. Zusätzlich zu den genannten Drei gibt es noch eine Fülle von Nebenfiguren, die eine mehr oder weniger handlungsrelevante Rolle spielen. Der ein oder andere erschien mir zwar überflüssig, aber es ist mir lieber, dass zu viele Personen auftauchen als zu wenige, denn so läuft die Geschichte nicht so schnell Gefahr, zu eintönig und eindimensional zu werden.
Der zuvor angesprochene ausschweifende Erzählstil hat jedoch auch seine Tücken, denn manche Passagen haben sich sehr gestreckt. Ich habe ziemlich lange auf den Knackpunkt der Story gewartet, der dann in einem Gewand daher kam, das ich nicht erwartet hätte: ein nicht ganz reales Flashback-Traum-Szenario mit einer pummeligen Fee (man möge mir nachsehen, dass ich hier eine giftgrüne Absinth-Fee vor Augen hatte, aber das Ganze war einfach so surreal als befände sich Pia im Alkoholrausch) - ein ziemlicher Bruch mit der sehr nah an der Realität orientierten Handlung zuvor. Abgesehen von der Fee fand ich den Part aber ziemlich gelungen, denn ab da hat die Geschichte an Tempo zugelegt. Außerdem war es Pias ganz eigene Version einer Therapie. Manche Aspekte fand ich zwar etwas kryptisch formuliert, aber im Großen und Ganzen war die Botschaft klar - und sie ist auch angekommen. Bei allem, was danach passiert, kann man natürlich über die Wahrscheinlichkeit der Ereignisse diskutieren, man kann es aber auch lassen. Ich habe mich für letztere Option entschieden, wodurch ich mich mit dem Verlauf bis zum Ende sehr gut anfreunden konnte.
Zuletzt seien noch die beigefügten Zeichnungen und Listen von Eddi (eine seiner Macken) lobend erwähnt, da sie dem Roman einen noch liebenswerteren Touch verleihen.

Fazit

Die Stärke des Romans sind definitiv seine authentischen Charaktere, die mit viel liebe zum Detail beschrieben werden, deren innige Beziehung zueinander sowie die kritische Reflexion über die scheinbare Oberflächlichkeit der Protagonistin Pia bei der Auswahl ihrer Partner. Getrübt wird mein positiver Eindruck lediglich von einigen langatmigen Passagen im ersten Teil, die meiner Lesemotivation abträglich waren.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Tage wie Zimt und Zucker

Jessica Topper
E-Buch Text: 528 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 21.08.2017
ISBN 9783641176679
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich muss ehrlich gestehen, dass mir der Anfang einige Schwierigkeiten bereitet hat, da ich nicht so recht wusste, an welchem Punkt der internen Zeitachse das anfängliche Geschehen gerade angesiedelt ist. Basierend auf dem Klappentext hatte ich angenommen, Danis Begegnung mit dem mysteriösen Fremden würde noch ausstehen, aber wie sich herausgestellt hat, liegt dieses Aufeinandertreffen bereits in der Vergangenheit und wird in diversen Flashbackbruchstücken über den gesamten Roman hinweg erzählt, sodass man allmählich das Geschehen rekonstruieren kann. Ich bin mir nicht sicher, ob diese anfängliche Verwirrung sich nur bei mir eingestellt hat oder ob es anderen Lesern auch so geht... Jedenfalls habe ich, nachdem ich dieses Problem dann bewältigt hatte, immer mehr Gefallen an der Story gefunden. Das lässt sich zum einen mit Jessica Toppers sehr frischen, aufgeweckten, lebendig-schwungvollen Schreibstil begründen, zum anderen auch mit der Protagonistin Dani, deren Persönlichkeit die Eigenschaften des Schreibstils widerspiegeln (oder ist es umgekehrt?), sowie mit dem Kontext der Geschichte. Danis Arbeit als Masseuse (aus irgendeinem Grund ein sehr seltener Beruf in Romanen) verschlägt sie auf ein Rock-Festival - eine Idee, die mir persönlich sehr zugesagt hat. Dort nimmt das Geschehen an Fahrt auf, da sie dort Nash Drama kennenlernt (kleine Kritik meinerseits: der Nachname ist schrecklich). Auf den ersten Blick erfüllt er so ziemlich jedes Klischee eines (von Dämonen geplagten) Rockstars mit seinen anzüglichen Bemerkungen, seinem bewegten Liebesleben, seinem arrogant-selbstgefälligen Verhalten und einem Leiden, das er vor der Außenwelt geheim hält. Deshalb war ich zunächst wenig begeistert von ihm und etwas skeptisch hinsichtlich des Handlungsverlaufs. Zum Glück hat die Autorin aber beständig einzelne Schichten seines Charakters freigelegt, die ihn mir immer sympathischer gemacht haben, und hat auch sonst einen etwas anderen Weg eingeschlagen, als ich angenommen hatte. Letzteres hatte seine Vor- und Nachteile, denn so wurden zwar einige Überraschungseffekte ausgelöst, aber nicht immer haben deise bei mir Anklang gefunden.
Im ersten Drittel wird man überwiegend mit Dani und Nash bekannt gemacht, der ominöse Fremde (Mick) spielt aber auch eine wesentliche Rolle. Zum einen ist er konsequent in Danis Gedankenwelt präsent, zum anderen entpuppt er sich als zweite Erzählinstanz (womit mehr oder weniger klar ist, worauf das Ganze wohl zusteuern wird). Beide Erzählstränge werden schließlich durch die Fahrt in Nashs Heimatort zusammengeführt, denn Mick ist - wie es der Zufall so will - ein langjähriger Freund von Nash. Da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert, zumal es neben der vermeintlichen Dreiecksbeziehung noch einige andere Liebeswirren bzw. (sehr unterschiedlich angelegte) Pärchenkonstellationen gibt. Langweilig wird es also nicht. Das klingt soweit recht positiv, allerdings haben mir einige der amourösen Entwicklungen widerstrebt. Mir fehlte irgendwie der Zugang zu den beiden Erzählern Dani und Mick - zumindest zu den beiden in Kombination. Das Zweiergespann war nicht annähernd so grandios wie Laney und Noah in "Ich bin verliebt, ich darf das!", was vor allem daran lag, dass meiner Meinung nach zwischen Mick und Dani eine reine körperliche Anziehung besteht, aber nichts mit Substanz. Eine wirklich tiefergehende, auf einem vernünftigen Fundament aufbauene Beziehung hatte sie meines Erachtens eher mit Nash. Zugegeben: er ist ein Aufreißer und Macho, wie er im Buche steht, aber im Gegensatz zu Mick unterhält er sich tatsächlich mit Dani und zieht sie nicht nur mit seinen Blicken aus. Das hat es mir wirklich schwer gemacht, Micks und Danis Szenen zu genießen, was sich wiederum - da sie zentraler Bestandteil der Story sind - negativ auf meinen Gesamteindruck ausgewirkt hat. Ich muss fast sagen, dass mich der Part auf dem Festival ein wenig mehr angesprochen hat. Ich hatte letztlich das Gefühl, dass bei allem, was danach passiert ist, ein bisschen die Luft raus war.

Fazit

Jessica Toppers zweiter Roman konnte mich nicht ganz so begeistern wie "Ich bin verliebt, ich darf das!". Sie bindet zwar auch hier ein paar weniger standardgemäße Elemente ein und lenkt die Geschichte in eine (zumindest ganz am Anfang) für mich nicht ganz absehbare Richtung, aber meiner Meinung nach hat die Chemie beim zentralen Pärchen nicht gestimmt. Das hatte negative Konsequenzen für mein Leseerleben.

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freundschaft, liebe, krimi, humor, entführung

Digby #02. Zu cool zum Sterben

Stephanie Tromly , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.03.2017
ISBN 9783789148101
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich hätte es kaum für möglich gehalten, aber Band 2 der Digby-Reihe war sogar noch fantastischer als der erste Teil - und von dem war ich nun wirklich über die Maßen begeistert! Nach dem Cliffhanger am Ende von "Digby #01" stand ich unter Strom und wollte unbedingt weiterlesen und - was noch viel wichtiger ist - ich hatte sogar das Bedürfnis, den Roman noch einmal zu lesen (etwas, was in letzter Zeit nicht besonders häufig bei mir vorkommt). Genauso erging es mir mit Teil 2. Was also liebe ich an diesem Buch?

Erstens wären da die Charaktere: Digby und Zoe sind alles andere als 08/15-Protagonisten. Digby mit seinen direkt-bis-unhöflichen Kommentaren, seiner dreisten Missachtung persönlicher Grenzen und seinem Talent dazu, sich und andere in Schwierigkeiten hineinzumanövrieren, ist eine echte Herausforderung für jeden, mit dem er Kontakt hat. Und doch besticht er durch Charisma und einen unkonventionellen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Mir jedenfalls ist es unmöglich, ihn nicht toll zu finden. Ich bleibe zwar bei meiner Meinung, dass ich im realen Leben nicht mit jemandem wie ihm befreundet sein könnte, weil er mich in den Wahnsinn treiben würde. Als Charakter in einem Buch jedoch ist er einfach fantastisch, weil ebendiese Eigenschaften ihn zu einer erinnerungswürdigen Person machen. Zoe, die Erzählerin, ist dagegen weitaus weniger anstrengend, und doch entspricht sie nicht ganz dem typischen Teenager. Natürlich schlägt sie sich mit denselben hormonellen Gefühlsschwankungen herum, aber das definiert sie nicht als Charakter. Sie ist nicht von denselben Unsicherheiten geplagt wie so manch anderer. Auf erfrischende Weise scheint sie sich weitgehend zu akzeptieren, was von einem gewissen Selbstbewusstsein zeugt (auch wenn sie gelegentlich auch mal ein paar Selbstzweifel hat). Außerdem schätze ich ihren Sinn fürs Abenteuer, ihre Loyalität, ihren Ehrgeiz und ihren Sarkasmus. Ihre beste "Qualität" ist allerdings, dass sie die Einzige zu sein scheint, die weiß, wie sie mit Digby umgehen muss und tatsächlich auch etwas Einfluss auf ihn hat. Die zwei zusammen sind einfach grandios. Ihre Dynamik macht einen Großteil des Lesevergnügens aus. Es gibt noch eine ganze Reihe von Nebencharakteren, die für die Geschichte relevant und nicht einfach bloß Statisten (d.h. entsprechend gut ausgearbeitet) sind. In Teil 2 kommen zum einstigen Ensemble einige neue Figuren dazu (z.B. Austin) bzw. werden einige mehr in den Fokus gerückt (Sloane), wofür teilweise andere vernachlässigt wurden (Henry, Bill). Bei manchen fand ich das schade, bei manchen war ich allerdings auch froh darüber.

Zweitens sorgt der Mix aus typischer Contemporary-/Coming-of-Age-Story mit den üblichen jugendlichen Problemchen und Liebeswirren und dem kriminalisitischen Subplot für ein dauerhaft fesselndes, unterhaltsames Leseerlebnis. Die Spannung baut sich folglich auf zwei verschiedenen Ebenen auf. Die diversen zu lösenden Mysterien haben für Action, Abenteuer und (mehr oder weniger starken) Nervenkitzel gesorgt, aber auch die zwischenmenschlichen Komplikationen haben zum Aufbau der Dramatik beigetragen. Diesmal nehmen die Entwicklungen in Zoes Liebesleben wesentlich mehr Platz ein: zum einen, weil sie jetzt einen festen Freund (Austin) hat, zum anderen, weil es zwischen ihr und Digby heftig knistert. Vielleicht erachtet der ein oder andere diesen Handlungsstrang für unnötig, ich gehöre aber definitiv nicht dazu. Über die Rivalität zwischen Austin und Digby konnte ich mich einfach nur amüsieren und jedes Mal, wenn Digby und Zoe so etwas wie "einen Moment" hatten, war ihre Anziehung fast physisch spürbar. Klar, das Hin und Her war auch etwas zermürbend, aber dadurch habe ich nur umso mehr der Auflösung der Spannung entgegengefiebert - auf beiden Ebenen.

Drittens sind Tromlys Schreibfähigkeiten einfach grandios: witzig, clever, jugendlich-spritzig und immer auf den Punkt genau - passend zu ihren Protagonsiten. Abgesehen davon entfaltet sie die Handlung im rechtigen Tempo und kreiert (wie oben schon angemerkt) authentische, eigenwillige bzw. ungewöhnliche Charaktere, die der Handlung gewachsen sind.

Das sind die wesentlichen Punkte, warum die Digby-Reihe quasi offene Türen einrennt, wobei ich die Liste sicherlich noch fortführen könnte.

Fazit
Summa summarum: "Digby #02" hat mich vollkommen überwältig. Ich hatte Dank des genialen ersten Teils sehr hohe Erwartungen und entsprechend Angst, enttäuscht zu werden - aber das war vollkommen unnötig. Tromly knüpft nahtlos an ihren mitreißenden Reihenauftakt an und setzt sogar noch einen drauf. "Digby #02" landet definitiv in meiner Top-10-Liste der diesjährigen Neuerscheinungen!

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

italien, aquila, ursula poznanski, jugendthriller, hörbuch

Aquila

Ursula Poznanski , Tom Appl , Laura Maire , Caroline Neven Du Mont
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 14.08.2017
ISBN 9783844527056
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Geschichte und Erzählstil:

Ich muss es sicherlich nicht nochmal betonen, dass ich ein absoluter Fan von Ursula Poznanski und ihren Büchern bin. Bisher waren ihre Werke meiner Meinung nach immer überdurchschnittlich gut, weshalb ich mit der Lektüre ihrer Neuerscheinungen nie ein großes Risiko eingehe. "Aquila" hat diese Einschätzung erneut bestätigt.

Lesern, die normalerweise extreme und/oder verstörende Thriller lesen, wird "Aquila" möglicherweise vergleichsweise harmlos erscheinen, aber für mich als Gelegenheitsthrillerleserin war es genau das richtige Maß an Nervenkitzel. Dem Geschehen haften eine gewisse Grausamkeit und psychotischer Wahnsinn an, aber man kann es gut verdauen - zumindest hatte ich keine Albträume nach dem Lesen. Das liegt daran, dass zwar ein kryptisches Verbrechen, eine spannende Spurensuche sowie eine Verfolgungsjagd im Zentrum stehen, es aber immer wieder "lichte" Momente gibt, in denen der Fokus auf alltäglichen (zwischen-)menschlichen Komplikationen liegt. Dadurch ist zwar stets eine mysteriöse, bedrohliche Aura präsent, aber die Story ist nicht düster oder blutig-brutal. Angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Jugendthriller handelt, finde ich das durchaus angemessen.

Zur Spannung tragen zwei Aspekte bei. Zum einen die Rekonstruktion der Ereignisse der vergangenen Tage basierend auf den wenigen rätselhaften Hinweisen, die Nika zur Verfügung stehen und sie auf eine abenteuerliche Suche durch Siena schicken. Zum anderen - was ein wiederkehrendes Element in Poznanskis Romanen ist - steht immer die Frage im Raum, wem sie trauen kann, wobei sie auch die Reliabilität ihres eigenen Gedächtnisses anzweifelt. Beides hat dafür gesorgt, dass mein Interesse an der Geschichte nicht abgeebbt ist und meine Aufmerksamkeit ständig gefordert war, damit ich kein (möglicherweise wichtiges) Detail verpasse.

Anders als bei anderen Thrillern zögert Urusla Poznanski die Auflösung des Verbrechens nicht bis zum Ende des Romans hinaus. Schon nach dem zweiten Drittel wird man als Leser erleuchtet (sofern man nicht schon seine eigenen, richtigen Schlüsse gezogen hat). Wer jetzt denkt, dass damit die Spannung zum Erliegen kommt, der irrt sich. Im Gegenteil resultiert daraus ein anders gearteter Nervenkitzel: der Beweis von Nikas Unschuld. Denn auch wenn sie die meisten Puzzleteile zusammengesetzt hat, stehen alle Zeichen gegen sie. Sämtliche Spuren führen zu ihr, weshalb man es dem zuständigen Kommissar kaum verübeln konnte, dass er entsprechende Schlüsse zieht.

Getragen wird die Geschichte hauptsächlich von Nika, aber mit vorschreitender Handlung auch von ihrer Mitbewohnerin Jenny, die vermisst wird. Nika verfügt über die Persönlichkeitsmerkmale, die für einen Jugendthriller geeignet sind. Sie kombiniert die jugendliche "Ich bin nur einmal jung und will was erleben"-Mentalität mit einer gewissen erwachsenen Reife. Zudem handelt sie meistens clever und gut überlegt, wenngleich sie gelegentlich auch emotional reagiert - was sie nur umso sympathischer macht. Ihre Gedankengänge wurden immer ausgesprochen authentisch und nachvollziehbar dargelegt, sodass ich zuweilen das Gefühl hatte, in ihrem Kopf herumzuspazieren. Dadurch hatte ich auch keine Schwierigkeiten, eine gewisse Nähe zu ihr aufzubauen,w as natürlich super ist. Zu Jennys Person erfährt man eigentlich nur in der Retrospektive etwas, allerdings genügt das für ein umfassendes Bild von ihr. Ich will nicht allzu viel zu ihr sagen, nur so viel: Sie ist ein facettenreicher Charakter, der für einige Überraschungen gut ist. Für ein wenig amouröses Gefühlschaosist durch diverse männliche Nebenfiguren auch gesorgt, wenngleich dieser Aspekt (zum Glück) nie die Handlung dominiert. Wer einen romantischen Subplot in Thrillern weniger zu schätzen weiß, dürfte sich davon also nicht (allzu) gestört fühlen.

Ich möchte außerdem noch positiv hervorheben, wie penibel Poznanski (oder das Lektorat) darauf geachtet hat, dass die Sprachbarriere nicht vernachlässigt wird. Man kennt das ja aus Filmen: Zwei Leute unterschiedlicher Muttersprachen kommunizieren problemlos miteinander, obwohl sie sich - mangels eines gemeinsamen Sprachschatzes - überhaupt nicht verstehen dürften, aber keiner geht darauf ein. Hier spielen die Kommunikationsdifferenzen immer wieder eine Rolle, weshalb extra eine Dolmetscherin bei den Gesprächen zwischen Nika und dem commissario herangezogen wird, damit sämtliche Informationen ohne Verlust ausgetauscht werden können. Ohne sie läuft nichts. Wann immer Nika außerdem mit nicht deutsch- oder englischsprechenden Einheimischen in Kontakt tritt, greift sie auf ihre laienhaften Italienischkenntnisse zurück. Wie gsagt, ich fand es toll, dass man das konsequent mitbedacht und in die Story eingearbeitet hat.


Sprecherin:

Mit Laura Maires Stimme bin ich bei Hörbüchern bereits seit geraumer Zeit vertraut. Überwiegend empfinde ich sie als äußerst angenehm, da man ihr ihre Professionalität anmerkt. Sie verleiht den Sätzen durch angemessene Betonung die richtige Gewichtung, hetzt nicht durch den Text (auch wenn sie an den spannungsgeladeneren Passagen auch mal das Tempo etwas anzieht) und hat auch sonst eine für Hörbücher geeignete Stimme (soll heißen: sie ist vergleichsweise melodisch und nervt mich nicht). Lediglich die Stellen, wenn sie die ständig wiederkehrenden Textzeilen aus dem Nirvana-Song "Smells Like Teen Spirit" gesungen hat, war ich weniger begeistert. Ich schätze es sehr, dass sie Melodie und Lyrics möglichst anschaulich vermitteln wollte, aber mir persönlich wäre es lieber gewesen, man hätte darauf verzichtet. Das hat allerdings meine Gesamtbewertung nicht negativ beeinflusst (schließlich kann nun mal nicht jeder super singen).

Fazit

Ursula Poznanski hat mich mal wieder nicht enttäuscht: "Aquila" ist eine spannend erzählte, dynamische Verbrechensgeschichte, die einen selbst zum Miträtseln animiert und mich fast durchweg fesseln konnte. Laura Maire hat ihre Arbeit als Sprecherin gewohnt professionell und storyadäquat ausgeführt. Insgesamt ein tolles, gut umgesetztes (Hör-)Erlebnis.

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liebe, victoria van tiem, popcorn, herz, liebesroman

Herzkonfetti und Popcornküsse

Victoria Van Tiem , Ira Panic
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.07.2017
ISBN 9783956496820
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Bei "Herzkonfetti und Popcornküsse" haben mich sowohl Titel als auch Leseprobe geködert, die sofort mein Interesse geweckt haben. Bereits die ersten Seiten haben einen umfassenden Eindruck von Kenzi, ihrer Familie und ihrer internen Dynamik vermittelt. Kenzi ist definitiv das, was man gemeinhin als "schwarzes Schaf" bezeichnet. Egal, was sie macht, es ist nie gut genug, wird nicht gewürdigt oder gerät nach kurzer Zeit schon wieder in Vergessenheit. Permanent wird ihr das Scheinwerferlicht von ihrem Bruder und dessen Ehefrau gestohlen. Man kann eigentlich nur Mitleid mit ihr haben. Aber wie wir alle wissen, sind es die Underdogs, die am Ende solcher Geschichten das Lachen haben werden. Umso mehr habe ich mich auf exakt diesen Moment gefreut (und er kam tatsächlich)! Ungerecht fand ich ihre Behandlung besonders im Hinblick darauf, dass sie eigentlich in ihrem Gebiet (Creative Director in einer Werbeagentur) sehr erfolgreich und entsprechend kreativ ist - was natürlich keine so noble Berufung wie Arzt ist. Mich persönlich regt es immer extrem auf, wenn Abstufungen bzw. Unterschiede bei der Anerkennung von Fähigkeiten gemacht werden. Jedes Individuum hat nunmal andere Talente und Interessen. Wäre ja langweilig, wenn wir alle gleich wären, oder? Nun gut, das Thema steht hier nicht zur Debatte, also zurück zum Wesentlichen.

Was mich an Kenzi beeindruckt hat, war ihre Direktheit bzw. Offenheit. Sie macht keinen Hehl daraus, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt (auch wenn ihrer Familie das egal ist) bzw. sie mit etwas nicht zufrieden ist und scheut sich nicht vor Konfrontation. Sie packt die Dinge an, auch wenn sie ihr etwas Angst einjagen. Im Kontrast dazu steht ihr ausgeprägter Sinn vor Romantik (fast schon Kitsch) und die daraus resultierende utopische Vorstellung von einer idealen (nicht zu sagen: märchenhaften) Beziehung. Meistens mochte ich diese widersprüchlichne Persönlichkeitsmerkmale an ihr, gelegentlich hatte ich damit aber auch meine Probleme (worauf ich später zu sprechen komme).

Was ihren Verlobten Bradley betrifft, war ich natürlich nicht ganz so begeistert. An sich ist er schon okay, aber zuweilen hätte ich ihn am liebsten einen Tritt in den Hintern verpassen wollen. Zwar behandelt er Kenzi nicht, als wäre sie ihm unterlegen oder Ähnliches, aber dafür scheint er absolut nicht zu verstehen, warum Kenzi sich von ihrer Familie mies behandelt fühlt. Das ist jedoch nicht der einzige Makel, der sich im Laufe der Zeit an ihm offenbart hat. Eine wirkliche Abneigung konnte ich jedoch letztlich nicht gegen ihn entwickeln, wenngleich er nicht zu den Leuten gehört, mit denen ich gerne mal einen Kaffee trinken würde.

Bei Shane dagegen war es genau andersherum. Zu ihm hat sich mein parasoziales Verhältnis stetig verbessert. Bei seinem ersten Auftritt musste ich nämlich erstmal die Mine verziehen. Er kam meines Erachtens arrogant und etwas rücksichtslos rüber. Es hat einige Kapitel gedauert, bis er in meiner Gunst gestiegen ist. Meinen Geschmack eines romantischen Helden entspricht er zwar nicht, aber viele Leser/innen werden sicherlich angesichts seiner Gesten und Worte verzückt sein.

Fantastisch war für mich wiederum, dass ich in diesem Roman endlich mal wieder so etwas wie eine Hassfigur hatte, auf die ich meine negativen Gefühle projizieren konnte - wider Erwarten war das nicht Bradley. Ich persönlich bin nämlich der Meinung, dass ohne einen Antagonisten eine Story schnell Gefahr läuft, fad zu werden (natürlich nicht immer). Abgesehen von ihrer Familie hat sich Kenzi also noch gegenüber einer anderen Person zu behaupten, wodurch in der Geschichte jede Menge los gewesen (Hochzeitsvorbereitungen, damiliäre Missstimmungen, berufliche Herausforderungen usw.) ist. Die Spannung ist also nie gänzlich auf einen Tiefpunkt gesunken, sondern durch kleine Wellen ist ein gewisses Niveau aufrecht erhalten geblieben.

Jetzt kommt allerdings das große "Aber": Selbst nach reiflicher Überlegung bin ich mir noch nicht sicher, wie ich zu dem "Liebe wie im Film"-Konzept stehen soll. Einerseits war die Nachstellung der romantischen Filmszenen eine ausgesprochen niedliche, wundervolle, nahezu rührende Geste, denn - sein wir ehrlich - ein Großteil der (weiblichen) Bevölkerung hat sich mindestens einmal vorgestellt, selbst die Hauptfigur in einer solchen Szene zu sein. Toll fand ich auch die Auswahl der Romantic Comedies, da zwar absolute Klassiker dabei waren, aber auch ein, zwei Titel, die mir bisher unbekannt waren. Andererseits stößt es mir ein bisschen sauer auf, dass Kenzi permanent ihr "reales" Liebesleben mit dem in Filmen vergleicht und daher unzufrieden ist. Auf Menschen mit einem solch verzerrten Weltbild reagiere ich eher allergisch und mehr als ein Kopfschütteln und hochgezogene Augenbrauen habe ich normaleweise nicht für sie übrig. Positiv ist daran nur, dass sie sich wenigstens im Klaren ist, dass sie das "Verliebtsein (wie) im Film" der alltäglichen (und damit weniger dramatischen bzw. romantisch-kitschigen, dafür aber vergleichsweise bodenständigeren, "langweiligeren") Liebe vorzieht. Tagträumereien sind das eine, wenn sie zum Lebenswunsch werden finde ich das jedoch befremdlich. Auch wenn Kenzi (bzw. die Autorin) betont, dass es ihr nicht um eine Entscheidung zwischen zwei Männern geht, sondern darum, welche Person Kenzi ist bzw. sein will, wollte sich dieses Gefühl nicht ganz bei mir einstellen.

Fazit

Die Konstellation Protagonistin-Verlobter-Ex ist zwar nicht neu, sie wird aber von Victoria van Tiem in eine ansprechende, unterhaltsam bis aufregende Hülle gepackt. Das Nachstellen verschiedener romantischer Filmszenen ist ein cleverer Aufhänger, der Erinnerungen wachruft, Emotionen heraufbeschwört und die Fantasie beflügelt. Dort draußen gibt es jede Menge Frauen, die zu gerne einmal mit den Heldinnen ihrer Lieblingsfilme die Plätze tauschen würden. Das "Liebe wie im Film"-Konzept hatte zwar auch seine Schattenseiten, allerdings werden viele über diese gut hinwegsehen können.

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marie vareille, liebe, paris, trennung, manchmalistesschoendassdumichliebst

Manchmal ist es schön, dass du mich liebst

Marie Vareille , Gabriele Lefevre
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101444
Genre: Romane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Es hat schon etwas Tragisch-Ironisches, wenn eine hübsche junge Frau, wie Chloé eine ist, theoretisch jeden haben könnte, aber in der Praxis ihr Herz an einen Typen verloren hat, der sie im Grunde nur ausnutzt. Von meiner Seite gab es dafür aber gleich die ersten Sympathiepunkte, weil es gleich das Wesentlichste über sie offenbart hat: Hinter ihrer coolen Facade und ihrer Ich-komme-gut-alleine-zurecht-Ausstrahlung verbirgt sich ein weiches Herz. Ich hatte zuerst etwas Mitleid mit ihr angesichts der vertrackten Situation, in der sie sich befand: Sie liebt noch immer ihren Ex Guillaume, hat sogar eine Affäre mit ihm, aber heiraten wird er eine andere (am Ende wird dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt, da man noch ein heikles Detail zu dieser Dreiecksbeziehung erfährt). Aber relativ schnell wird klar, dass Chloé auf dieses Mitleid überhaupt nicht angewiesen ist. Sie bringt ihre Luftblase selber zum Platzen und zieht sich von Guillaume zurück, indem sie sich ihrer (noch nicht existenten) Schriftstellerkarriere widmet. An dem Punkt dachte ich: Jetzt geht's richtig los! Im Grunde stimmte das auch: Trotz der Überschaubarkeit des Dorfes, in das sie fährt, kann sie sich nicht über Langeweile in ihrem Leben beklagen. Sie ist immer beschäftigt und lernt neue Leute kennen - allen voran ihr Nachbar Vincent, mit dem sie sich gleich bei ihrem ersten Treffen in die Haare bekommt. Ich kann nicht genau benennen, woran es lag, aber trotzdem wollte mich dieser Part ihres Handlungsstrangs nicht recht mitreißen. Ich würde nicht behaupten, dass zwischen Chloé und Vincent die Chemie nicht stimmt, aber aufgrund der Vorhersehbarkeit, worauf das Ganze zusteuert, wirkte ihr Katz-und-Maus-Spiel weniger reizvoll für mich.
Als Kontrastprogramm zu Chloé gab es noch einen zweiten Handlungsstrang: den von Constance. Wenngleich ich im Hinblick auf ihre Unsicherheiten gelegentlich die Augen verdrehen musste, habe ich an ihrem Plot aber letztlich etwas mehr Gefallen gefunden als an Chloés. Vielleicht lag es daran, dass ich mich im Endeffekt mehr mit ihr identifizieren konnte. Jedenfalls empfand ich die Entwicklungen ihrer Persönlichkeit sowie in ihrem Liebesleben interessanter und süßer mitzuverfolgen. Zunächst erschien es mir sehr merkwürdig, dass Tristan zwar Constances Love-Interest ist, aber nie zugegen war (er taucht erst gegen Ende auf). Dadurch konnte man sich überhaupt kein Bild von ihm machen. Im Endeffekt war ich aber nicht sonderlich traurig darüber, denn ich hatte bereits einen anderen Mann auf dem Schirm, der perfekt zu ihr gepasst hat. Die Anzeichen waren zwar sehr subtil, aber gerade deswegen war ihre Annäherung so zauberhaft. Es war eher ein zaghaftes Herantasten, das zunächst mehr wie freundschaftliche Zuneigung denn wie Liebe wirkte, aber genau deshalb bestand immer eine gewisse Unsicherheit meinerseits, ob die Autorin die beiden am Ende doch zusammenführen würde oder nicht.
Neben den amurösen Entwicklungen bei den beiden stand aber auch ihre Freundschaft zueinander im Vordergrund. Ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten haben häufig für Reibereien und ein angespanntes Verhältnis gesorgt. Es war immer ein unterschwelliger Neid bzw. eine gewisse Rivalität spürbar, weshalb es nur eine Frage der Zeit war, bis es zur Explosion kam. Diese wurde letztlich aber mehr von einer Reihe Missverständnisse ausgelöst und hat den letzten Kapiteln nochmal etwas Würze verliehen. Wenngleich ihr Miteinander also nicht immer besonders harmonisch ist, merkt man dennoch, dass sie einander schätzen. Sie würden niemals etwas tun, das der anderen bewusst wehtun würde, auch wenn ihr jeweiliges Verhalten unter Umständen von der anderen fehlinterpretiert wird. Hier ist der Leser durch die beiden Perspektiven klar im Vorteil, da er sich über die jeweiligen Intentionen im Klaren ist. Allerdings hat es auch etwas Frustrierendes, wenn man ihnen nicht direkt sagen kann, dass sie die Situation falsch einschätzen. Vielleicht ist es angesichts dessen ganz gut, dass Chloé und Constance die meiste Zeit getrennt voneinander verbringen und überwiegend per Mail oder telefonisch kommunizieren. Mir persönlich wäre jedoch ein wenig mehr Face-to-Face-Interaktion lieber gewesen, wenngleich ich mir bewusst bin, dass die Häufigkeit von gemeinsamen Treffen nichts über die Qualität einer Freundschaft aussagt.

Fazit

Vareilles Debut ist kurzweiliger, ansprechend geschriebener Roman über Liebe und Freundschaft. Doch obwohl beide Subplots sympathische Charaktere aufwiesen und keine uninteressanten Wege eingeschlagen haben, habe ich nicht das unbändige Gefühl verspürt, unbedingt weiter lesen zu müssen. Ich bin mir jedoch sicher, dass es vielen Leser/innen in der Beziehung anders ergehen wird.

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liebe, das glück und wir dazwischen, taylor jenkins reid, paralleluniversum, schicksal

Das Glück und wir dazwischen

Taylor Jenkins Reid , Babette Schröder
Flexibler Einband
Erschienen bei Diana, 26.06.2017
ISBN 9783453291775
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Nach einem neuen Roman von Taylor Jenkins Reid habe ich bewussst Ausschau gehalten, nachdem ich "Neun Tage und ein Jahr" von ihr gelesen und es mir soweit ganz gut gefallen hatte. Im Prolog keimte bei mir zwar die Befürchtung, dass es mir nicht ganz zusagen würde (das lag daran, dass ich es nicht leiden kann, wenn Personen wildfremden Menschen ihre halbe Lebensgeschichte erzählen, auch wenn das hier dazu dienen sollte, Hintergrundinformationen zur Protagonstin Hannah zu sammeln), aber schon bald konnte ich diese Ängste hinter mir lassen. Wenngleich ich also nicht sofort hin und weg von Hannah gewesen bin, so konnte ich doch auch keine Abneigung gegen sie entwickeln. Im Gegenteil: Mit jedem Satz, jeder Entscheidung, jeder neu offenbarten Facette ihres Wesens ist sie sozusagen in meiner Gunst gestiegen - vollkommen unabhängig davon, welche "Version" ich gerade vor der Nase hatte. Falls ihr euch jetzt fragt, was ich mit "Version" meine: Der Clou von "Das Glück und wir dazwischen" sind die zwei Handlungsverläufe. Gleich am Anfang wird der Roman in zwei Geschichten, die zeitgleich stattfinden, separiert. In beiden ist Hannah die Protagonistin, nur wird sie in der ersten Version von einem Auto angefahren, während sie in der zweiten Version davon verschont bleibt. Das Tolle daran ist, dass es zwar durchaus Überschneidungen in den Ereignissen und in den Figurenkonstellationen (Gabby, Ethan, Mark und Henry kommen in beiden "Sub"-Geschichten vor) gibt, aber sie im Wesentlichen vollkommen andere Wege beschreiten - vor allem, was Hannahs Liebesleben betrifft. Beide Lebensentwürfe fand ich super gelungen, da sie beide turbulent sind, einige Höhe- sowie einige Tiefpunkte aufweisen und insbesondere, weil sie gleichwertig nebeneinander standen. (Vorsicht - Mini-Spoiler: Es gibt in diesem Fall am Ende keine "einzige Wahrheit", d.h. beide Verläufe sind gleichermaßen real. Es gibt kein "Entweder ... oder", sondern die Versionen präsentieren im Sinne der Paralleluniversen-Theorie [von der ich ein großer Fan bin] sogar gerade einmal zwei von unendlich vielen Möglichkeiten. Die Autorin hätte also noch wesentlich mehr Alternativen niederschreiben können.)
Im Großen und Ganzen war ich also positiv vom Roman überrascht. Ich bin allerdings der Meinung, dass die Spannungskurve noch etwas steiler hätte verlaufen können, denn die ein oder andere Länge war durchaus dabei und die Enden waren zwar befriedigend, aber auch nicht spektakulär.
In Bezug auf die Charaktere bleibt mir noch zu sagen, dass sie (besonders Hannah und Gabby) umfangreich dargestellt wurden, sodass man ein gutes Bild von ihren Persönlichkeiten bekommt. Keiner von ihnen ist perfekt, wodurch sie authentisch auf mich wirkten. Einen Antagonisten gibt es nicht direkt, allerdings gibt es Figuren, die ich mehr oder weniger gut leiden konnte. Auch, was Hannahs Love-Ineterests betrifft, hatte ich einen klaren Favoriten, was mich aber nicht daran gehindert hat, beide Versionen gleichermaßen zu genießen.

Fazit

Nach anfänglicher Skepsis meinerseits hat sich Reids aktueller Roman - dank tollen Charakteren und guter Plots (Plural!) mich schließlich doch in seinen Bann gezogen. Kleinere Schwächen sind zwar vorhanden gewesen, aber nicht weiter störend. Mir persönlich gefiel er sogar besser als "Neun Tage und ein Jahr".

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krankheit, liebe, tod, kelly rimmer, hoffnung

So blau wie das funkelnde Meer

Kelly Rimmer , Astrid Finke
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 13.06.2017
ISBN 9783764505691
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Den ersten Pluspunkt konnte Kelly Rimmer durch die Beschreibung von Callums und Lilahs Kennenlernen für sich verbuchen. Die Begegnung auf einer Fähre ist mal etwas anderes bzw. nicht so weit im Liebesromansegment verbreitet. Warum sich Callum sofort in Lilah, die ihm einen ziemlich leidenschaftlichen Vortrag darüber hält, was er für ein Snob/Macho ist, verliebt, ist mir zwar schleierhaft, aber Gefühle kann man ja bekanntlich nicht steuern. Zumindest wusste er gleich, woran er mit ihr ist.

Zwar schätze ich starke Frauen als Protagonistinnen sehr, mit Lilah hatte ich persönlich ein paar Problemchen. Phasenweise empfand ich sie als sehr anstrengend, wahrscheinlich weil sie mir in manchen Aspekten sehr ähnlich ist: Sie ist rechthaberisch, eigensinnig, gelegentlich kühl und abweisend, ein Kontrollfreak, weigert sich, jemanden um Hilfe zu bitten, und kann es nicht leiden, von jemanden (emotional) abhängig zu sein. Wie man es mit solchen Menschen aushalten kann, ist mir schleierhaft. Aufgrund dieser Eigenschaften lief die Beziehung auch zu keinem Punkt Gefahr, romantisch oder gar kitschig zu werden, da zumindest Lilah jede Sentimentalität im Keim erstickt bzw. ihre Gefühle eher selten zur Schau gestellt hat. Dadurch lasen sich einige Passagen auch für meinen Geschmack etwas zäh, denn es fehlte ihren Momenten der Zweisamkeit an Leichtigkeit, sodass ich sie nur bedingt genießen konnte. Callum brachte wenigstens etwas Wärme in ihr Miteinander, aber das gelang nicht immer. Manchmal wusste selbst er nicht, wie er am besten mit Lilah umgehen sollte. Trotz des Mangels an romantischen Momenten - oder gerade deswegen - habe ich zu keinem Zeitpunkt daran gezweifelt, dass die beiden einander lieben. Denn warum sonst sollte man sich diesen Strapazen aussetzen?

Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten waren natürlich nicht die einzigen Hürden, die ihrem jungen Glück im Weg standen. Der Klappentext lässt bereits vermuten, dass die Geschichte, die Kelly Rimmer hier erzählt, nicht zur Erheiterung gedacht ist. Man ahnt bereits, dass etwas nicht mit Lilah stimmt. Ich verrate nicht, was das ist, aber soviel sei gesagt: Krebs ist es nicht - und darüber, so makaber das auch klingen mag, bin ich froh gewesen. Dadurch war zumindest in der Beziehung etwas Abweschlung gegenüber anderen dramatischen Texten gegeben, denn besagtes Thema ist in den letzten Jahren zu einem Trend geworden, der langsam Überhand nimmt. Obwohl Lilahs Geheimnis die Stimmung getrübt und mir auf den Magen geschlagen hat, war ich nicht zu Tränen gerührt. Das hängt mit großer Wahrscheinlichkeit mit den oben genannten Punkten zusammen. Ich muss aber auch anmerken, dass ich mit fortschreitender Handlung ein immer besseres Gespür für Callum und Lilah und für ihre ganze eigene Dynamik entwickelt habe. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, sämtliche Facetten der beiden Figuren herauszuarbeiten. Realistisch und authentisch waren sie also allemal. Angesichts dieses Talents zu einer umfamgreichen Charakterskizzierung fand ich es dann ein wenig schade, dass es wirklich unglaublich wenige Nebencharaktere gab. Der Fokus liegt nahezu vollständig auf Lilah und Callum, die kaum mit anderen interagieren. Das lässt die (soziale) Welt des Romans sehr eindimensional und trist wirken. Ich persönlich bin nämlich der Meinung, dass man Menschen am besten durch ihren Umgang mit anderen Personen und an der Wahl ihrer Freunde kennenlernt - ganz nach dem Motto "Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist!"

Abschließend jedoch noch eine positive Anmerkung: Auf Seite 158 hatte ich tatsächlich so etwas wie eine Erleuchtung bzw. eine Erkenntnis über meine eigene Person. Das passiert mir wirklich, wirklich selten. Dass ich inspiriert bin oder eine Lebensweisheit aus einer Geschichte entnehmen kann, kommt häufiger vor, aber dass ich mich selbst dadurch besser verstehe, ist nun wirklich alles andere als alltäglich.

Fazit

"So blau wie das funkelnde Meer" ist der Beweis dafür, dass man tragische Geschichten durchaus ohne Kitsch und übetriebene Melancholie erzählen kann. Lilahs und Callums Beziehung wirkt objektivbetrachtet wenig herzlich und emotional. Die Intimität und Intensität ihrer Liebe klingt eher unterschwellig durch. Trotzdem waren am Ende des Romans meine Augen nach wie vor trocken, was zum Großteil an meinem angespannten Verhältnis zur Protagonistin Lilah lag.

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liebe, melissa pimentel, familie, piper, ruby

Die Schwester der Braut

Melissa Pimentel , Ulrike Laszlo
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.06.2017
ISBN 9783442486298
Genre: Romane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich bin mir noch nicht vollkommen sicher, wie ich zu diesem Roman stehen soll. Einerseits haben mich Inhalt, Narration und die meisten Figuren durchaus angesprochen, andererseits gibt es ein paar Punkte, die mich persönlich nicht zufriedenstellen konnten.
Der Handlungsverlauf ist von Anfang an weitgehend klar gewesen, was - wie ich immer wieder betone - an sich nichts Schlechtes ist. Denn genau deshalb habe ich mir den Roman auch herausgesucht. Ich liebe einfach Geschichten, bei denen Liebende nach Jahren der Trennung wieder zueinanderfinden. Für mich hat es etwas Magisches, wenn das geschieht, und (auch wenn das Geschehen natürlich fiktiv ist) lässt selbst mich Zynikerin das an das Schicksal glauben.
Leider hatte ich aber hier (wie bei fast allen Liebesromanen, die ich in letzter Zeit gelesen habe) das Problem, dass die Liebesgeschichte im Ansatz stecken geblieben ist. Mir konnte - trotz wechselnder Perspektiven und Zeitsprüngen - nicht ganz die vermeintlich tiefempfundene Liebe zwischen Ruby und Ethan vermittelt werden. Man möge mich bitte nicht missverstehen: Ich erwarte (und möchte) keineswegs eine Lovestory epischen Ausmaßes mit kitschigen Liebesbekundungen oder Ähnlichem, da mir durchaus bewusst ist, dass das nicht der Realität entspricht (und ich Kitsch verabscheue). Aber dafür, dass ihre Gefühle so viele Jahre der Trennung überdauert haben, wurden sie in manchen Momenten vergleichsweise nüchtern rübergebracht. Der Ethan der Gegenwart erschien mir des Öfteren gleichgültig gegenüber Ruby, was vielleicht den Leser (und Ruby) in die Irre führen sollte, aber es lässt seinen Sinneswandel ziemlich willkürlich erscheinen. Es gab eigentlich kaum Indizien, durch die man auf seine Zuneigung hätte schließen können. Bedeutsame Momente der Zweisamkeit waren ziemlich rar gesät - abgesehen von potenziell verliebten Blicken, die genauso gut als solche fehlinterpretiert worden sein konnten. Der Ethan der Vergangenheit erschien mir dagegen wie ein Softie, was ihn zwar liebenswert und auch ein Stück weit sympathischer gemacht hat, allerdings fehlten mir da ein wenig die Ecken und Kanten. Wahrscheinlich habe ich die beiden Versionen aufgrund ihrer unterschiedlichen Charakterisierungen als distinkte Personen wahrgenommen. Insgesamt fehlte mir also eine gewisse Dynamik zwischen ihm und Ruby im gegenwärtigen Geschehen.
Die gewünschte Romantik musste ich also aus einer anderen Quelle beziehen. Glücklicherweise fand ich mein Vorzeigepärchen in Gestalt von Rubys Vater Alec und ihrer Stiefmutter Candace. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich normalerweise Beziehungen zwischen älteren Menschen nicht wirklich ansprechen (wahrscheinlich, weil ich mich noch nicht mit ihnen identifizieren kann), aber die beiden waren einfach zauberhaft zusammen. Ihre Ehe ist alles andere als perfekt und sie sind definitiv nicht immer glücklich, aber ihre Liebe ist bedingungslos und das merkt man.
Abgesehen von den diversen Liebesbeziehungen in verschiedenen Stadien gibt der Plot allerdings auch nicht viel her und ist deshalb - abgesehen von einer einzigen Ausnahme - nicht sonderlich spannend. Im Grunde plätschert das Geschehen vor sich hin und von der bevorstehenden Hochzeit beispielsweise hätte ich gerne mehr mitbekommen.

Fazit

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, vielleicht war ich nicht in der richtigen Stimmung. Woran auch immer es lag: Der Funke wollte bei mir nicht überspringen. Trotz schöner Erzählweise und netten/sympathischen Charakteren fehlten mir ein paar Highlights in den Persönlichkeiten und im Plot.

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meg cabot, zweite chance, familie, liebe, erste liebe

Erste Liebe, zweite Chance

Meg Cabot , Claudia Geng
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.04.2017
ISBN 9783956497131
Genre: Romane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Von Meg Cabot kannte ich bisher nur Jugendromane, welche ich überwiegend positiv in Erinnerung behalten habe. Deshalb war ich umso neugieriger darauf, wie sich ihre Romane für ein erwachseneres Publikum lesen lassen. Dieses Buch allerdings in die Finger zu bekommen, war eine kleine Odyssee, deren Details ich an dieser Stelle auslasse. Meine Freude darüber, es endlich in den Händen halten zu können, war entsprechend groß und floss sicherlich auch unbewusst zu Beginn in mein Leseerlebnis mit ein. Die erste positive Überraschung war der Stammbaum der Familie Stewart vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte. Wenngleich die Zahl der relevanten Personen nicht sonderlich groß war und das Beziehungsgeflecht keineswegs die Komplexität eines Jane-Austen-Romans erreicht hat, war es doch hilfreich für den Einstieg, da man dadurch bereits einen Überblick über die Charaktere bekommen hat. Weiterhin gefiel mir der Aufbau der Geschichte bzw. deren Erzählform. Die Ereignisse werden über Mails, SMS/WhatsApp-Nachrichten, Zeitungsartikel, Produktrezensionen (welche mir als einzige völlig unpassend erschienen, denn was dadrin stand schreibt man einfach nicht in eine Produktbewertung) und Interviewtranskripte vermittelt. Die Vorteile daran waren erstens, dass man rasend schnell im Roman vorankam, zweitens, dass das Geschehen dadurch sehr dynamisch war, und drittens, dass multiple Perspektiven zur Verfügung standen. Für mich persönlich hatte das aber auch den Nachteil, dass mir das Geschehen gelegentlich zu episodenhaft anmutete und eine gewissen Distanz zu den Charakteren bestand, da einem dadurch Details wie etwa Gestik und Mimik größtenteils verwehrt blieben. Die wesentlichen Persönlichkeitsmerkmale sind jedoch sehr gut dargestellt worden, weshalb ich ein recht klares Bild von allen Charakteren bekommen und mich aufgrund der meist recht spritzig geschriebenen Unterhaltungen gut unterhalten gefühlt habe.

Möglicherweise liegt in der Darstellungsform auch die Ursache begründet, warum mich die Liebesgeschichte zwischen Reed und Becky nicht recht berührt hat. Das heißt keineswegs, dass es nicht niedlich gewesen wäre, wie die zwei wie unsichere Teenager umeinander herumgeschlichen sind, aber mir fehlte auch etwas Feuer bzw. waren mir die Schilderungen ihrer gemeinsamen Momente nicht ausreichend emotional aufgeladen. Wie gesagt, glaube ich, dass es daran lag, dass sie den "Filter" eines Mail-/Nachrichten-Austauschs durchlaufen haben. Denn welche SMS oder WhatsApp-Nachricht kann schon eins zu eins die Bandbreite von Gefühlen wiederspiegeln?

Zum Glück gab es abgesehen von der Liebesgeschichte aber noch ein weiteren Handlungsschwerpunkt: das merkwürdige Verhalten von Reeds Eltern, das ihn überhaupt erst zur Rückkehr in seine Heimatstadt bewegt hat. Die Frage, warum Reeds Eltern in dieser misslichen Lage landen konnten, hat mich deutlich mehr beschäftigt und angesprochen als die amourösen Verwicklungen. Bis zu einem gewissen Punkt war ich in Bezug auf die Ursache ihres Bankrotts ziemlich ahnungslos. Auch wenn ich unbewusst einen Verdacht gehegt hab, war ich von der Auflösung doch relativ erschüttert. Allerdings wurde mir dieser Aspekt zu kurz abgehandelt. Für meinen Geschmack hätte es durchaus noch etwas mehr böses Blut geben können.

Fazit

Die Erzählform ist Stärke und Schwäche des Romans zugleich: Er ist leicht und angenehm zu lesen und aufgrund der multiplen "Erzählstimmen" sehr abwechslungsreich. Dennoch stellte die Vermittlung über Mails und Handynachrichten eine Hürde dafür dar, mich emotional auf die Charaktere einzulassen. Die Liebesgeschichte konnte mein Herz leider nicht erweichen, allerdings hat das Rätsel um den Bankrott der Stewarts dieses Manko größtenteils wett machen können.

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231 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 56 Rezensionen

liebe, hochzeit, the one, liebesroman, maria realf

The One

Maria Realf , Sabine Längsfeld
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499273148
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Der Anfang von "The One" war soweit sehr gut und ansprechend, sodass nach nur wenigen Seiten mein Interesse geweckt war. Der Stoff ist natürlich nicht das absolute Novum, weshalb im Wesentlichen der Verlauf recht vorhersehbar war. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es ein/zwei Sachen gab, mit denen ich nicht in dieser Form gerechnet hätte. Auch finde ich an sich Geschichten, bei denen man in etwa weiß, worauf sie hinauslaufen, nicht weiter problematisch, denn manchmal ist das genau das, was man braucht. Dass mich "The One" letztlich nicht vom Hocker gerissen hat, liegt weder in der Vorhersehbarkeit der Handlung noch im Schreibstil der Autorin (der an sich gelungen ist) begründet, sondern überwiegend in meinem mangelnden Bezug zu den Charakteren und fehlender Detailspannung (im Sinne von kleineren Spannungsepisoden).

Erzählt werden die Ereignisse in zwei verschiedenen Zeitebenen: das gegenwärtige Geschehen kurz vor der Hochzeit und das vergangene Geschehen zehn Jahre zuvor. Dadurch bekommt man einen Einblick in Lizzies Beziehung mit Josh und Lizzies Beziehung mit Alex. Letztere erscheint bis zu einem bestimmten Punkt nahezu märchenhaft-perfekt. Eigentlich war das ganz süß, aber durch die bruchstückhafte Rekapitulation ihrer gemeinsamen Geschichte wollte bei mir der Funke nicht überspringen. Daran konnte auch ihre erneute Annäherung nichts ändern, welche trotz Lizzies anfänglicher Weigerung, sich mit Alex zu treffen und eines kleinen Disputs, nahezu unproblematisch verlief. Lizzie verzeiht ihm ziemlich schnell, was wohl auch mit Alex' Bekanntgabe zusammenhängt. Aus mir unerfindlichen Gründen hat mich das gestört. Auch im weiteren Verlauf wollte sich bei mir nicht das Gefühl einstellen, dass die zwei die einzig wahre Liebe miteinander verbindet.

Bei der Konstellation Lizzie/Josh fehlte mir jegliche Leidenschaft und Magie, was wahrscheinlich auch als Kontrastprogramm zu Alex gedacht war. Dadurch wirkten sie mehr wie Freunde auf mich, die aufgrund ihrer ähnlichen Persönlichkeitsmerkmale sehr gut miteinander harmoniert haben. Josh ist - ebenso wie Lizzie - einer von den "Guten". Ich empfand es einerseits als angenehm, dass Josh nicht im Verlauf der Handlung mit immer mehr Fehlern attribuiert worden ist, sodass sein Konkurrent Alex eindeutig als die bessere, passendere Wahl erschien. Im Gegenteil verhält sich Josh meines Erachtens die ganze Zeit über großartig, da er verständnisvoll auf Alex' Rückkehr reagiert, anstatt ein Eifersuchtsdrama zu inszenieren, und auch sonst ist er ein relativ ausgeglichener, liebevoller Mensch bzw. Verlobter. Sein einziger Makel ist vielleicht, dass er sehr viel Zeit in das Training seiner Kinderfußballmannschaft steckt, anstatt sich um die Hochzeitsvorbereitungen zu kümmern. Aber es hat nie die Dimension angenommen, dass ich persönlich davon genervt gewesen wäre. Andererseits reicht genau das der Geschichte zum Nachteil, denn dadurch fehlt ein Antagonist oder zumindest eine Hassfigur, die dem Ganzen etwas Würze verliehen hätte. Der Einzige, der negativ aufgefallen ist, war Alex' Bruder Connor, der sich wie ein störrisches, beleidigtes Kleinkind verhalten hat. Damit ist er zwar zum Auslöser allen Übels geworden, aber er war insgesamt so selten präsent, dass es dem Ganzen etwas den Wind aus den Segeln genommen hat.

Fazit

Vom Prinzip her ist "The One" ein guter romantisch-tragischer Roman, der sogar ein/zwei Überraschungen für mich im Petto hatte. Ich bin mir sicher, dass er bei vielen Leser/innen auf positive Resonanz stoßen wird. Mir persönlich fehlte es insgesamt jedoch an Highlights - sowohl im Plot als auch in den Charakterisierungen - sodass ich nicht mit dem Herzen dabei war.

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london, sophie kinsella, liebe, frag nicht nach sonnenschein, landleben

Frag nicht nach Sonnenschein

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442485505
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Zu Romanen von Sophie Kinsella greife ich eigentlich immer sehr gerne, da sie für mich ein Garant für leichte, unterhaltsame Lektüre ist, bei der die Protagonistinnen immer etwas abgedreht und/oder chaotisch und daher Turbulenzen vorprogrammiert sind. Im Großen und Ganzen hat "Frag mich nicht nach Sonnenschein" diese Kriterien erfüllt - und doch war ich nach dem Lesen des letzten Satzes nicht ganz so zufrieden wie ich hätte sein können. Dafür gibt es exakt zwei Gründe.

Zum einen konnte ich das Verhalten der Protagonistin Katie im zweiten Teil des Buches nur missbilligen. Anfangs hatte ich nichts an ihr auszusetzen, da ich sie als kreativ, engagiert, liebenswürdig und verständnisvoll, maximal vielleicht etwas naiv eingeschätzt habe. Im Grunde stimmt das ja auch. Allerdings hat sich Katie nach dem Verlust ihres Jobs nicht gerade von ihrer Schokoladenseite gezeigt. Zwar mochte ich es, wie direkt sie ihre Meinung kundgetan hat, anstatt stillschweigend gedemütigt das Feld zu räumen; auch habe ich Verständnis für ihre Wut und Verweiflung angesichts der Tatsache, dass ihr ohne Job keine bzw. kaum finanzielle Mittel zur Verfügung stehen und sie bei ihrer Familie unterkommen muss - rosige Aussichten sind das wahrlich nicht. Allerdings rechtfertigt das keineswegs ihren persönlichen Rachefeldzug. Bei ihrem Umgang mit ihrer ehemaligen Chefin Demeter ist sie zu weit gegangen, weil sie einfach nur fies und verbittert war - als wäre sie ein vollkommen anderer Mensch. In diesen Momenten konnte ich sie wirklich nicht ausstehen. Gerade weil mir Demeter - so merkwürdig es klingen mag - keineswegs so biestig erschien, wie Katie und ihre Kollegen sie immer dargestellt haben. Von Anfang an hatte ich eher Mitleid mit ihr, weil sie einen zerstreuten, verwirrten Eindruck auf mich gemacht hat. Insbesondere nachdem ich gesehen habe, wie schrecklich sich ihre Kinder ihr gegenüber benommen haben, konnte ich sie nicht hassen. So etwas dermaßen Undankbares (die Kinder, nicht Katie) habe ich selten erlebt! Zu meiner großen Erleichterung war Katie nicht durchgängig so zickig, da sie sich ihres Fehlverhaltens bewusst geworden ist und ihre Rachepläne auf Eis gelegt hat. Die Katie, die in der Lage ist, zu verzeihen, war die Person, die mir zu Beginn gefallen hat. Ihr Kleinkrieg hat letztlich auh auch einen positiven Nebeneffekt gehabt, den ich hier jedoch nicht auflösen möchte.

Der Name "Kinsella" steht für mich außerdem in Verbindung mit romantischen Begegnungen und Annäherungen. Allerdings ist mir - Kritikpunkt Nr. 2 - diese Lovestory nicht unter die Haut gegangen, weil ich einfach kein Feuer zwischen Katie und Alex gesehen oder gespürt habe. Ihr erstes Kennenlernen hat mir nicht genügend Anhaltspunkte geliefert, die ihre Anziehung füreinander nachvollziehbar gemacht hätte (abegesehen von Alex' hübschen Äußerem natürlich), woran auch die weiteren Treffen nichts ändern konnten. Katies Gefühle für ihn sind so schnell aufgekeimt, dass ich an ihrer Tiefe meine Zweifel hatte. Zudem war er mir als Charakter einfach zu flach und zu glatt. Es gab nichts an ihm, das ihn für mich interessant gemacht hätte. Er war eine nette Beigabe, aber auch nicht mehr - so leid es mir tut. Deswegen war ich letztlich auch nicht allzu traurig darüber, dass der romantische Handlungsstrang von geringerer Bedeutung war als Katies berufliche Karriere bzw. der Konflikt mit ihrer Chefin. Wie sie quasi aus dem Nichts den Hof ihrer Familie in ein erfolgreiches Glamping-Unternehmen verwandelt hat, war vielleicht nicht unbedingt realistisch, aber ich war von ihrem Marketing-Wissen und -Können und dem Ideenreichtum sehr beeindruckt. Ich persönlich kann dem Pseudo-Camping nur wenig abgewinnen, da mir schleierhaft ist, warum man das tun sollte. Entweder ich gehe campen und verzichte auf den Luxus oder ich quartiere mich in ein (Wellness-) Hotel mit allen Schikanen ein - aber nun gut, das muss jeder selbst wissen. Als Plotidee fand ich es durchaus erfrischend und amüsant. Genau solche Einfälle machen einen Kinsella-Roman für mich immer zu etwas Besonderem.

Fazit

Im Prinzip sind alle Elemente enthalten gewesen, die einen Kinsella-Roman für mich ausmachen: Chaos, witzige Situationen, keine 08/15-Charaktere und die ein oder andere neuwertige Idee. Überschattet wurden diese positiven Aspekte jedoch partiell von meinem Missfallen an Katies Charakterentwicklung im zweiten Teil und einer für meinen Geschmack sehr platten Liebesgeschichte. Meines Erachtens also nicht ihr bestes Werk.

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liebe, cottage, gästebuch, küss mich noch ein erstes mal, neuanfang

Küss mich noch ein erstes Mal

Holly Martin , Claudia Geng
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 15.05.2017
ISBN 9783734102936
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Holly Martins "Wenn du mich fragst, sag ich für immer" ist mir ausgesprochen positiv in Erinnerung geblieben, weshalb ich unbedingt einen weiteren Roman aus ihrer Feder lesen wollte. Leider stieß Küss mich noch ein erstes Mal auf weniger positive Resonanz. Durch die Rezensionen der Bloggerinnen "Magnificent Meiky" und "Nine im Wahn" war ich bereits vorgewarnt, dass das Konzept des Romans einige Schwierigkeiten bei der Rezeption bereiten kann. Die Geschichte wird in Form von Gästebucheinträgen wiedergegeben. An sich eine schöne und zu einem Feriencottage passende Idee. Allerdings muss ich mich den Einschätzungen meiner Blogger-Kolleginnnen anschließen, dass diese Erzählweise nicht wirklich logisch und daher unglaubwürdig ist. Wer breitet schon detailliert sein Privatleben und intime Momente vor völlig Fremden aus? Es ist okay, wenn man von seinen Eindrücken von der Unterkunft und von seinen täglichen Aktivitäten berichtet, aber muss man wirklich seine persönlichen Probleme darin für die Nachwelt festhalten? Ich hatte manchmal das Gefühl, die Gäste würden das Buch mit einem Therapeuten verwechseln. Zwar wird in einigen Einträgen darüber reflektiert, dass derlei Ausführungen im Gästebuch nichts zu suchen hätten, aber das macht es in meinen Augen nur umso merkwürdiger, dass die Urlauber es trotzdem nicht unterlassen. Vielleicht wäre dieser Aspekt weniger störend gewesen, wenn der Roman ein Kompilation aus persönlichen Blogeinträgen und Chat-/SMS-/WhatsApp-Nachrichten der jeweiligen Urlauber gewesen wäre, besonders angesichts der Kürze einiger Einträge und den dialogischen Aufbau. Natürlich wäre das nicht so innovativ gewesen wie ein Gästebuch, aber es hätte mehr Sinn ergeben.
Es ist schade, dass sich die Erzählform so negativ auf den Gesamteindruck auswirkt, denn eigentlich erzählt Holly Martin viele und vor allem auch abwechslungsreiche Geschichten. Nicht nur Annie Butterworths Leben und das ihres prominenten Schwagers, dem Krimiautoren Oliver Black, stehen im Fokus, sondern eben auch das ihrer Gäste. Dadurch, dass einige von ihnen häufiger zu Besuch kommen, kann man ihre Entwicklungen über einen längeren Zeitraum mitverfolgen. Meine Favoriten waren Imogen und Dan sowie Familie Meecham. Trotzdem hat die Episodenhaftigkeit verhindert, dass man vollkommen in das Geschehen abtauchen und eine Bindung zu den Charakteren aufbauen konnte (nicht mal zu Annie, bei der ich immer zwischen Desinteresse und Entnervung geschwankt bin). Bei Urlaubern lag das aber auch daran, dass sie weniger liebreizend und herzlich gewesen sind (z.B. Mrs. Applecott).
Allerdings gefiel es mir, dass sich Holly Martin im Ton weitgehend den schreibenden Personen angepasst hat. Es melden sich sowohl ältere Damen als auch Männer und Frauen "in der Blüte ihres Lebens" und kleine Kinder zu Wort, die sich in ihrer Ausdrucksweise (und ihren Persönlichkeiten) deutlich voneinander unterscheiden. Manche Passagen waren zwar etwas gestelzt formuliert und lasen sich dadurch holprig, aber im Großen und Ganzen haben sich die Einträge gut und flott lesen lassen. Manches war dramatisch und bedrückend, manches kitschig und manches humorvoll. Ollys Mordideen bzw. die Dialoge über seine Einfälle haben besonders zu Beginn die Atmosphäre aufgelockert. Letztlich verlief der Spannungsbogen meines Erachtens aber eindeutig zu flach - da kann auch der Twist gegen Ende der Geschichte nichts ändern (zumal mir dieser etwas unpassend erschien).

Fazit

Zu meinem Bedauern konnte Holly Martin nicht an ihren gelungenen Debütroman anknüpfen. Die Geschichte war etwas fad, der Aufbau unlogisch, die Charaktere zu eindimensional, dabei hätten all diese Aspekte durchaus Potenzial gehabt. Ich hoffe, ihr nächstes Werk wird wieder besser - ich weiß, dass sie es kann!

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muslima, liebesroman, autorin, london, beziehung

Ausgerechnet du und ich

Ayisha Malik
E-Buch Text: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641207175
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Für romantische Komödien hatte ich ja schon immer viel übrig, den Ausschlag hat jedoch der kulturelle Hintergrund der Khan-Familie gegeben: Sie sind Inder. Ich erfahre sehr gern etwas mehr über andere Kulturen und multikulturelle Geschichten (die Khans leben in England und die Iren und Schotten werden auch noch thematisiert) finde ich besonders faszinierend.

Von Sofia war ich bereits nach den ersten Seiten angetan, denn mir war sofort klar, dass es mir mit ihr nicht langweilig werden würde: Erst schleudert sie mit bissigen Kommentaren um sich, die sie zynisch wirken lassen, dann wiederum hat sie Momente, in denen sie verletztlich und empfindsam oder aber witzig und lebensfroh daherkommt. Es war diese Mischung, die dafür gesorgt hat, dass ich gar nicht anders konnte, als sie zu lieben! Ayisha Malik hat dadurch nämlich eine äußerst facettenreiche Protagonistin geschaffen, die darüberhinaus klug, manchmal nahezu weise gewesen ist. Am meisten jedoch habe ich sie für ihren Glauben bewundert, dafür, dass sie diszipliniert mehrmals am Tag gebetet, immer konsequent gefastet, keinen Alkohol getrunken und ihren Hidschab getragen hat - vollkommen gleichgültig gegenüber dem, was andere wohl von ihr halten mochten. Wie viel ihr ihre Religion bedeutet, hat sie mehr als einmal deutlich herausklingen lassen, ohne dabei fanatisch zu wirken und sich anderen aufzuzwingen. All diese Eigenschaften machen sie für mich zu einem wunderbaren Menschen.

Auch ihre Familie ist auf ihre Art ziemlich abgedreht. Sie entsprechen genau dem Typ "große, chaotische, laute indische Familie", die man aus Bollywood-Filmen kennt. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Sofias Eltern in vielen Punkten nicht so vehement auf Traditionen pochen und offen für Neuerungen sind. Sofias Familienmitglieder sind alle nicht ganz einfach zu handhaben, haben irgendwelche Macken, von denen man im realen Leben sicherlich schnell genervt ist, aber man merkt auch an der Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, dass sie einander lieben.

Was nun die Männer in Sofias Leben betrifft, war ich mal mehr, mal weniger begeistert. Imran habe ich schon nach den ersten Seiten abgeschrieben, da eindeutig nicht mit Sofia kompatibel ist: Sie ist die aufbrausende, freiheitsliebende Powerfrau und er das sensible Muttersöhnchen. Das wäre einfach nicht gut gegangen. Naim war mir anfangs etwas suspekt, dann mochte ich ihn, weil er witzig und charmant ist und die beiden auf einer Wellenlänge sind, und schließlich kam ich an denselben Punkt wie Sofia: Seine Sprunghaftigkeit war ungemein nervenaufreibend, weil man einfach nie weiß, woran man bei ihm ist. Ihre übrigen Dates gingen vergleichsweise unter und hatte durch Sofias Schwärmerei für Naim auch keine reelle Chance - abgesehen von "dem Einen" natürlich (ich nenne ihn so, weil ich seine Identität nicht enthüllen möchte). Er war von Anfang an mein Favorit, was wohl daran gelgen hat, dass seine Persönlichkeit der von Sofia so ähnlich ist und er sie immer wieder in ihrem Denken herausgefordert hat. Die beiden sind das perfekte Paar!

Nachdem ich nun so ausführlich von den tollen Figuren geschwärmt habe, hier noch einige Worte zur Handlung und der schriftstellerischen Leistung: Die Geschichte hat viele Auf und Abs, fantastische Dialoge, viele Wechsel zwischen einem humorvollen und einem ernsten, nachdenklichen Ton, wird mal sentimental, aber nie kitschig, und hält einige Ereignisse bereit, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Malik hat mich auf jeder Seite bestens unterhalten, hat mich in Sofias Welt gezogen und in mir den Wunsch geweckt, hautnah am Geschehen teilzuhaben. Mein Wunsch/Vorschlag: Bitte macht daraus einen Film!

Fazit

Ich bin immer noch vollkommen überwältig angesichts dieses grandiosen Romans, der mehr Tiefgang, mehr Witz und mehr Abwechslung beinhaltet hat, als ich vermutet habe. Die Charaktere sind bezaubernd, die Handlung ereignisreich und der Schreibstil wahnsinnig angenehm. Alles in allem (nahezu) perfekt!

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landliebe, wein, jana lukas, heyne, winzer

Landliebe

Jana Lukas
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453421950
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Zum Roman:

Nach dem Lesen des Klappentextes war ich zugegebenermaßen erst unschlüssig, ob ich dem Roman eine Chance geben wollte, aber letzlich meine Entscheidung dafür nicht bereut. Die Story versprach süße, kurzweilige Unterhaltung gespickt mit einigen hitzigen Momenten und unzähligen Missverständnissen. Ich habe daher keine bahnbrechend innovative Handlung erwartet - das ist im Liebesromangenre wohl auch recht schwer, da es hier mittlerweile fast alles schon einmal gegeben hat. Gerade deswegen haben mich einige Entwicklungen und Einfälle positiv überrascht, sodass ich mich letztlich sogar noch besser unterhalten fühlte, als ich angenommen hatte.

Zunächst einmal ist Ellie als Protagonistin klasse: klug, witzig, einfühlsam und bodenständig. Ironischerweise wird sie von den Produzenten der TV-Show zum dummen, naiven Blondchen stilisiert, das außer einem schönen Körper nichts vorzuweisen hat. Tom fällt darauf natürlich sofort herein - was mir dann den Moment versüßt hat, als er herausfindet, dass Ellie keine oberflächliche, zimperlich Großstadttussi mit dem IQ einer Erbse ist. Ich liebe einfach solche Szenen, in denen voreingenommene Personen eines besseren belehrt werden! Allerdings war die Erkenntnis, dass sein Co-Star nicht auf den Kopf gefallen ist und sich vor harter (körperlicher) Arbeit nicht scheut, eher ein schleichender Prozess als eine plötzliche Offenbarung. Allerdings frage ich mich, warum ihm der Gedanke, ihr Image wäre nur eine Farce, nicht eher gekommen ist. Schließ haben auch Tom - und vor allem sein Haus - ein gewöhnungsbedürftiges Make-Over erhalten, auch wenn ert hinsichtlich seiner Fernsehpräsenz etwas besser weggekommen ist als Ellie. In der Beziehung (und auch in Bezug auf andere Aspekte) erweist er sich als Sturkopf sondersgleichen, was ihn mir temporär leicht unsympathisch gemacht hat. Die Fehleinschätzungen waren aber notwendig, damit es zwischen den beiden ordentlich kracht und dramatisch wird, denn sonst wäre es ja langweilig geworden. Wobei das natürlich nicht das einizge zu beseitigende Hindernis gewesen ist. Wie so oft gibt es nämlich auch in Landliebe einen Antagonisten, der die Annäherung der Protagonisten torpediert und dem Happy End in mehr als einer Hinsicht im Weg steht.

Es gibt natürlich noch eine Reihe nicht unwesentlicher Nebencharaktere, die die Story vorantreiben und Abwechslung hineinbringen: angefangen bei der Film-Crew (z.B. der sehr leicht reizbare Weidenmann) über Freunde und Ortsansässige bis hin zu Toms Bruder Erik und seiner Frau Rina. Letztgenannte waren als Sidekicks einfach großartig. Sie haben Ellie mit offenen Armen empfangen und sie super unterstützt - und sind dafür ihrem Bruder bzw. Schwager quasi in den Rücken gefallen. Die zwei waren unglaublich süß zusammen, sodass ich mehr über ihre Beziehung erfahren wollte, und - wenn ich ganz ehrlich bin - mochte ich Erik vom Charakter her sogar mehr als Tom. Und Rina hat diese wunderbare resolute Art, gegen die Erik und Tom einfach machtlos sind. Ich liebe Powerfrauen einfach!

Darüber hinaus gefiel mir der Blick hinter die Kulissen von Landliebe und vergleichbaren Sendungen sehr gut. Wir alle wissen natürlich, dass im Show-Biz nichts (oder fast nichts) der Realität entspricht. Trotzdem ist es gut, wenn einem hin und wieder die Künstlichkeit der Fernsehwelt so offensichtlich ins Bewusstsein gerückt wird wie hier. Für mich war das wieder eine Bestätigung für meine Weigerung, mir Casting- und Datingshows anzusehen.

Das Konzept und die Figuren sowie die Dialoge und der locker-humorvolle Ton haben sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt und lassen auf mehr aus Jana Lukas' Feder hoffen.

Zur Sprecherin:

Zunächst einmal finde ich klasse, dass man für die Vertonung ein bekanntes Gesicht/eine bekannte Stimme gewonnen hat. Diana Amft kennt man ja aus diversen Filmen und TV-Serien, in denen sie hauptsächlich das auf den ersten Blick tollpatschige Blondchen verkörpert. Allein deswegen ist sie die richtige Sprecherin für diesen Roman, denn genau mit diesen Vorurteilen sieht sich ja auch Ellie konfrontiert. Abgesehen vom passenden Image steuert Diana Amft aber auch eine angenehme Vorlesestimme bei. Ich für meinen Teil denke, dass sie ihren Job ziemlich gut gemacht hat, was angesichts ihrer Schauspielerfahrung kein Wunder ist. Sie liest klar und deutlich, ruhig (d.h. es gab keine nervigen Sprünge in der Intonation) und gleichförmig (in dem Sinne, dass der Sprechrhythmus weder zu schnell noch zu langsam war) und verleiht durch ihre Betonung dem Inhalt die entsprechende Bedeutung. Ein weiteres Plus ist für mich, dass sie nicht für die einzelnen Sprecher ihre Stimme verstellt hat. Davon bin ich nämlich kein großer Fan. Ganz besonders mochte ich allerdings, dass man ihr den Spaß am (Vor-)Lesen angemerkt hat. Hin und wieder hat man herausgehört, dass sie über einen Satz schmunzeln musste und sie sich amüsiert hat. Das akustische Erlebnis war also mehr als zufriedenstellend.

Fazit

Mit "Landliebe" hat Jana Lukas ein vielversprechendes schriftstellerisches Debüt geschaffen, das zwar nicht ganz auf Klischees verzichtet, aber in dem die Charaktere öfter einen anderen Weg einschlagen, als ich vermutet hätte. Das und Diana Amfts Leistung als Sprecherin haben Landliebe für mich zu einem schönen Hörerlebnis werden lassen.

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437 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 101 Rezensionen

1001 nacht, liebe, magie, fluch, orient

Rache und Rosenblüte

Renée Ahdieh , Martina M. Oepping
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.03.2017
ISBN 9783846600405
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Teil 1 der Dilogie war letztes Jahr eines meiner absoluten literarischen Highlights, weshalb ich die Veröffentlichung von "Rache und Rosenblüte" sehnlichst erwartet habe. Widererwarten gestaltete sich der Einstieg etwas schwieriger als gedacht und es dauerte ein wenig länger, bis ich in die richtige Stimmung versetzt war. Es war also dieses Mal nicht Liebe auf den ersten Blick. Nachdem ich wieder das vergangene Geschehen rekapituliert und die Namen einsortiert hatte, wurde es allerdings besser, wenn auch nicht in Gänze. Es gab einige Stellen, an denen ich Probleme hatte, mich auf die Handlung zu konzentrieren und es war auch nie so, dass ich (nach Lesepausen) ungeduldig dem Moment entgeggen gefiebert hätte, an dem ich weiterlesen konnte. Die Ereignisse waren keineswegs uninteressant oder irrelevant - neben der "Rettungsmission" stehen auch Shahrzads Magietraining sowie politisch motivierte Intrigen und Aufstände im Fokus - aber sie haben mich nicht gänzlich mitgerissen. Möglicherweise lag das daran, dass mir durch die räumliche Trennung von Shahrzad und Chalid einfach ihr Zusammenspiel gefehlt hat, das mich in Zorn und Morgenröte so begeistern konnte. Andererseits war es schön mitzuverfolgen, wie Shahrzad in ihrer eigentlichen Heimat im und mit dem Kreis ihrer Freunde und Familie agiert. Auch die Tatsache, dass ihre Schwester eine größere Rolle eingenommen hat, gefiel mir gut. Von allen Nebencharakteren mochte ich jedoch Artan, mit dem Shahrzad trainiert, trotz seiner Überheblichkeit und seiner direkten, fast unhöflichen Art am liebsten. Zwischen den beiden gab es einige feurige Wortgefechte und Reibereien, die vor allem daher rühren, dass sie sich (wie Artan selbst so treffend gesagt hat) in ihrem Wesen so ähnlich sind. Ihre sich allmählich entwickelnde Freundschaft konnte mich ein wenig über die fehlende Interaktion zwischen Chalid und Shahrzad hinwegtrösten. Mit einigen Figuren konnte ich jedoch nicht ganz warm werden, allen voran Shahrzads Vater, dessen Verhalten ich absolut nicht nachvollziehen konnte.

Ungefähr im letzten Drittel hat Renée Ahdieh dann so ziemlich alles aufgeholt, was mir am Anfang an Spannung und Dynamik gefehlt hat. Angesichts der vielzähligen Turns war ich so fassungslos, dass ich plötzlich kaum noch Luft zum Atmen hatte. Es gab mehrere Momente, in denen ich nur dachte: holy crap, das kann nicht wahr sein! Macht euch also auf vollkommen unvorhersehbare Enthüllungen gefasst, die euch emotional aufwühlen. Eine Stelle hat mich sogar so kalt erwischt, dass ich am liebsten das Buch erzürnt von mir geschmissen hätte. Gott sei Dank habe ich es nicht getan, denn nur wenige Augenblicke später konnte ich wieder erleichtert aufatmen. Diese geballte Ladung Action zum Schluss hat meinen Eindruck dann noch zum Positiven verändert.

Fazit

Ein mäßig packender Start hat meinem Lesevergnügen einen kleinen Dämpfer verpasst und ich war schon ein wenig enttäuscht, dass sich bei mir nicht dasselbe Feeling wie beim ersten Band einstellen wollte. Das letzte Drittel jedoch hat mich dann so in den Bann gezogen, dass ich weitgehend über diesen Aspekt hinwegsehen kann. Ahdieh hat mich in den letzten Kapiteln auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt: von Entsetzen über Trauer bis hin zu Erleichterung war alles dabei.

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liebe, coffeeshop, hamburg, liebesroman, zimt

Liebe, Zimt und Zucker

Julia Hanel
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2016
ISBN 9783548287881
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Als ich damals Julia Hanels Debütroman "Zwei fürs Leben" gelesen hatte, war für mich klar, dass ich sie als Schriftstellerin im Auge behalten würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vom Erscheinen von "Liebe, Zimt und Zucker" erfahren hatte (auch wenn es bis zum tatsächlichen Lesen doch etwas gedauert hat). Ich fand "ZfL" damals toll, aber "Liebe, Zimt und Zucker" spielt in einer ganz anderen Liga. Der folgende Wortschwall stellt einen Versuch dar, meine Begeisterung in Worte zu fassen.

Ich wusste ja bereits durch ihren Debütroman, dass Julia Hanel mit viel Witz schreibt und ausgesprochen wortgewandt ist (da macht sich ihr Germanistik-Studium bemerkbar), aber "Liebe, Zimt und Zucker" hat meine künsten Erwartungen bei Weitem übertroffen. Zum einen sind - wie ich es bereits gewohnt war - die Dialoge fantastisch. Nicht nur die spielerischen Neckereien und verbalen Retourkutschen, die vor Esprit sprießen und mich bestens unterhalten haben, sondern auch die ernsten Gespräche haben es mir angetan. Am liebsten würde ich sie ausdrucken und damit meine Wand pflastern. Das Gleiche gilt für die Mails, die sich Marit mit dem (zuerst anonymen) USB-Stick-Besitzer schreibt. Ich wünschte, mir würden auch öfter so gute Antworten einfallen.

Theoretisch wäre der Roman auch schon aufgrund dieser Gespräche und Mails lesenswert, aber er hat darüber hinaus auch eine tolle Handlung zu bieten. Zwar ist es nicht so aufregend und nervenaufreibend wie ein Krimi, aber Marits Leben ist definitiv nicht langweilig (trotz des überschaubaren, etwas verschlafenen Örtchens, in dem sie sich aufhält). Zum ersten Mal seit langem hat mich ein literarisches Werk wieder um notwendige Schlafstunden gebracht, da das Weiterlesen einfach zu verlockend war.

Zum anderen war für mich auch eindeutig eine Steigerung in ihrem schriftstellerischen Können bemerkbar. Während ich bei ihrem vorigen Roman bemängelt hatte, dass es zu wenige, zu oberflächlich dargestellte Nebencharaktere gab, habe ich in dieser Hinsicht bei ihrem zweiten Werk nichts auszusetzen. Natürlich liegt der Fokus auf Marit und - mit fortschreitender Handlung - auf Moritz. Sie werden am umfangreichsten beleuchtet, aber auch für andere Figuren wie etwa Tessa, Heike und Toby (trotz seiner mangelnden physischen Präsenz) bekommt man ein sehr gutes Gespür und schließt sie - meistens - ins Herz.

Marit als Protagonistin ist ganz nach meinem Geschmack gewesen: Zwar ist ihre derzeitige Situation ein einziges Chaos (vom Freund verlassen und hintergangen sitzt sie in einer ihr unbekannten Stadt fest, in der seine Person quasi omnipräsent ist) und sie hängt gewissermaßen in den Seilen, aber sie macht das Beste aus ihrer Lage und verkriecht sich nicht. Trotz allem hat sie sich ihren sarkastischen Humor bewahrt und ist offen für neue soziale Kontakte und Unternehmungen. Zudem ist sie ambitioniert, weiß, was sie kann (und meistens auch was sie will), und nimmt Rücksicht auf die Gefühle anderer. Ihr Talent dafür, in Fettnäpfchen zu treten, hat sie mir schließlich vollends sympathisch gemacht. Marits einziges Manko ist, dass sie so stark an ihrem Schubladendenken festgehalten hat: Moritz war für sie einfach ein Charmeur und Womanizer und damit nicht bindungsfähig und unzuverlässig. Jegliche Beweise des Gegenteils hat sie ignoriert oder sich irgendwie zurechtgelegt, dass ihr Bild von ihm intakt bleibt. Damit konnte ich einfach nicht umgehen und hab mich extrem darüber aufgeregt. Zumal ich Moritz von Seite zu Seite besser leiden konnte. Ich mochte seine Sicht auf die Welt, dass er alles etwas ruhiger und entspannter angeht und ganz besonders seine Schlagfertigkeit. Allerdings teile ich Marits Unverständnis dafür, dass er niemals das Bedürfnis hat aus einer Kleinstadt wie Altberg wegzuziehen.

Zu kritisieren habe ich insgesamt lediglich, dass ich bei einigen Nebenhandlungen das Gefühl hatte, es würde noch mehr dahinter stecken bzw. es gäbe noch mehr zu erzählen, als Julia Hanel tatsächlich tut.

Fazit

Mit diesem Roman hat sich Julia Hanel zendgültig in mein Herz geschrieben. Für mich ist sie der aufsteigende Stern am deutschen Liebeskomödien-Himmel, denn ihre bisherigen Werke sind wortgewandt, humorvoll und authentisch. Marits (Leidens-)Weg hat sowohl meine Lachmuskeln beansprucht als auch mein Schlafpensum erheblich reduziert. Der einzige Schönheitsfehler sind nach meinem Empfinden ein oder zwei lose Enden zum Schluss, ansonsten ist ihr zweiter Roman top!

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

hochzeit, liebe, romantik

Ich bin dann mal verliebt

Lauren Layne , Sonia Savic
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.04.2017
ISBN 9783956496769
Genre: Liebesromane

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Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Die Geschichte beginnt - für mich überraschend - mit Seth und nicht mit Brooke und damit, wie ihm seine kleine Schwester die geplante Hochzeit mit Neil eröffnet. Ich mochte Seth eigentlich auf Anhieb, auch wenn er ein kleiner (oder großer) Kontrollfreak und recht mürrisch ist (wahrscheinlich, weil ich das auch bin). Ich empfand es zum Beispiel eine nette Abwechslung, dass er zwar als sehr attraktiv dargestellt wurde, aber nicht der typische Playboy ist, der von Bett zu Bett hüpft Dass er verletztlich, aber dennoch für andere der Fels in der Brandung ist, wann immer sie es brauchen, und weil er (scheinbar als einziger) eine gute Intuition in Bezug auf Menschen hat. Auch die Beziehung zu seiner Schwester finde ich löblich, denn es ist wirklich offensichtlich gewesen, wie sehr er sich um sie sorgt und dass er sie glücklich sehen will. Diese wunderbaren Eigenschaften haben jedoch einen Haken: Er weiß absolut nicht, wie er diese softe, warme Seiten nach außen kehren soll. Genau deshalb wirkt er auf andere - wie etwa Brooke - kühl, arrogant und versnobt. Es entsteht also das klassische Szenario, in dem der unnahbare, gut aussehende (Geschäfts-)Mann und die quirlige, aufgeweckte, nicht minder schöne junge Frau miteinander kollidieren und sich - gegen ihren Willen - zueinander hingezogen fühlen. Soweit also nichts Neues, allerdings wäre es wohl auch langweilig, wenn die beiden sofort BFFs geworden wären (das will ja keiner lesen, oder?). Mir persönlich kam die gegenseitige Abneigung phasenweise etwas forciert vor, aber die Wortgefechte und die hitzigen Diskussionen haben mir dennoch sehr gefallen, weil sie dabei selten den spielerischen Unterton verloren haben. Das wäre aufgrund des geschäftlichen Verhältnisses auch sehr unprofessionell von Brooke gewesen. Schon beim ersten Treffen liegt eine elektrisierende Spannung in der Luft, was Brooke zunächst in Panik versetzt, weil sie Seth fälschlicherweise für den Bräutigam in spe hält. Die Anziehung ist zunächst rein körperlicher Natur und erst nachdem sie (ob gewollt oder nicht) mehr Zeit miteinander verbringen, entwickeln sich Gefühle, die darüber hinaus gehen. Allerdings hat mir Layne diese emotionale Komponente der Beziehung nicht ganz glaubwürdig vermitteln können, weil sämtliche intime Momente immer sexuell aufgeladen waren.

Was mich bezüglich der Charaktere (etwa Brookes Kolleginnen sowie Maya, Neil und Grant) außerdem ein wenig genervt hat, war, dass sie durch die Bank weg gut aussehend und nahezu ausnahmlos nett gewesen sind, was mir einfach etwas zu unrealistisch und utopisch erschien. Die einzige Ausnahme in Bezug auf die optische Idealisierung bildet Seths etwas ältere Assistentin, welche ich grandios fand und die wesentlich mehr Auftritte verdient hätte. Allgemein erfährt man aber einfach viel zu wenig über Maya & Co., die schon fast zu Statisten degradiert werden. Außerdem hat es mich besonders überrascht, dass Clay (Brookes Ex-Verlobter) nicht einmal einen Auftritt hat, obwohl er so prägend für ihr Leben gewesen ist und ständig thematisiert wird. Ich hatte nicht das Gefühl, als wäre dieser Konflikt gelöst worden.

Das führt mich zum nächsten Punkt, der mir nicht so gut gefallen hat: Es gibt eigentlich eine Fülle an Nebensträngen, die sehr interessant und für den Fortgang der Geschichte auch relevant gewesen sind. Sie wurden aber vollkommen vernachlässigt, weil sie etwa ab der Hälfte des Romans der Fokus sehr stark auf Sex verlagert hat. Ich hatte fast den Eindruck, die Charaktere würden sich mit nichts anderem beschäftigen. Vom Prinzip her habe ich nichts dagegen, wenn sich Figuren auf diese Weise "austoben", aber es hatte den Anschein, dass im Geschehen Überhand genommen hat. Dabei hätten die anderen Storylines dem Ganzen wesentlich mehr Tiefe geben können. Es geht eigentlich nur um Brooke und Seth und ihr gegenseitiges Verlangen und nur hin und wieder werden auch Brookes Vergangenheit sowie Seths Boykott von Mayas Hochzeit thematisiert, die übrigen Handlungsstränge werden lediglich angerissen. Vielleicht schaffen sie es in einen zukünftigen Roman?!

Trotz aller Kritikpunkte bin ich wahnsinnig schnell mit dem Buch voran gekommen. Der angenehme, leichte Schreibstil der Autorin sorgt dafür, dass man nahezu durch das Buch fliegt, sodass während des Lesens kaum auffällt, dass im Grunde nichts Wesentliches passiert. Diese Erkenntnis kam bei mir erst im Nachhinein.

Fazit

Der Roman hatte unglaublich viel Konfliktpotenzial: Betrügerei(en), traumatische Familienereignisse, verborgene Gefühle und vieles mehr. Das geht angesichts der Fokussierung auf die körperliche Anziehung der beiden Protagonisten jedoch stark unter. Die leichte, bissig-humorvolle Schreibweise der Autorin konnte mich darüber jedoch teilweise hinwegtrösten.

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liebe, freundschaft, dani atkins, familie, trauer

Der Klang deines Lächelns

Dani Atkins , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2016
ISBN 9783426519356
Genre: Romane

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mich der Beginn des Romans nicht wirklich begeistert hat. Das lag weniger an dem Geschehen, sondern vielmehr an der Tatsache, dass die im Prolog agierenden Personen anonym sind, somit immer nur von "dem Mann" bzw. "ihm" die Rede ist. Das mag ich nur in äußerst wenigen Fällen - hier jedenfalls nicht. Zu meiner großen Erleichterung wurde diese Erzählweise nicht beibehalten (wäre auch sehr merkwürdig). Nicht nur wird "aufgelöst", wer die beiden Männer sind, sondern der Schwerpunkt wird außerdem auf die beiden eigentlichen Protagonistinnen verlagert: Ally und Charlotte, welche durch ihre Liebe zu David miteinander verbunden sind. An die zwei musste ich mich emotional Stück für Stück herantasten - und als mir das schließlich gelungen war, steckte ich in einer Zwickmühle: Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche von beiden ich lieber mochte. In den meisten Fällen ist es ja so, dass man eine Heldin hat und die "andere Frau" zur Antagonistin stilisiert wird. Dani Atkins legt jedoch beide Perspektiven abwechselnd dar und hat es mir dadurch unmöglich gemacht, Antipathie zu empfinden. Denn auch wenn Charlotte Ally sozusagen den Freund ausgespannt hat, ist sie keineswegs die Böse in der Geschichte, denn die Lage ist etwas komplizierter als sie zunächst den Anschein machte. Es gibt keinen hetfigen Zickenkrieg. Stattdessen gehen sie sehr erwachsen und reif mit dem Konflikt um, wodurch ich Verständnis für beide Parteien entwickeln konnte. Ebensowenig konnte ich David hassen, auch wenn meine Bindung zu ihm nicht so stark war wie zu Charlotte oder Ally. Das liegt wohl auch daran, dass er nicht die Möglichkeit hatte, aus seiner Sicht zu erzählen. Man bekommt lediglich Beschreibungen seiner Persönlichkeit und seines Aussehens, was mir einen direkten Zugang zu ihm verwehrte. Das Bild, das man von ihm erhält, ist das eines freundlichen, attraktiven, rücksichtsvollen reichen jungen Mannes, der versucht, das Richtige zu tun - also keineswegs ein betrügerischer Feigling, wie man vielleicht erwartet hätte. Atkins hat also bewusst auf Stereotype verzichtet, um zu zeigen, dass es in einer Drecksbeziehung drei Perspektiven, drei Wahrheiten gibt, und dass man keine rational-moralischen Maßstäbe ansetzen kann, sobald Liebe im Spiel ist. Das hat mich positiv überrascht.

Ebenfalls muss ich der Autorin zugute halten, dass sie im Plot nicht jedes Klischee bedient und sie der Handlung einige Wendungen gegeben hat. Zwar waren sie nicht allesamt vollkommen unerwartet und überraschend, aber besonders der Schluss war dann doch anders als von mir vermutet.

Allerdings hat sich nach einer Weile dasselbe Problem breitgemacht, das ich schon bei Die Achse meiner Welt hatte: Atkins kann die Spannung nicht ganz aufrecht erhalten. Sie schreibt zwar schön und hat gute Ideen, aber irgendwann kam der Moment, an dem ich das Interesse allmählich verlor. Ich habe das gewisse Extra vermisst, das eine Geschichte unvergesslich macht, wodurch sie einem unter die Haut geht und einem selbst das Herz schmerzt, weil man so mit den Figuren mitleidet. Darüber hinaus fehlten meiner Meinung nach entscheidende Puzzleteile, um ein schönes Gesamtbild zu ergeben. Zum Beispiel war mir Allys und Joes Vorgeschichte nicht ausführlich genug geschildert. Ich hatte permanent das Gefühl, als hätte mir die Autorin die Highlights ihrer Beziehung vorenthalten - aber genau die machen für mich eine wunderbare Liebesgeschichte aus. Außerdem blieb Joe dadurch ein wenig konturenlos.

Fazit

Trotz einiger guter Ansätze, hat mich Atkins Roman nicht überwältigt. Ich schätze es zwar sehr, dass sie auf Clichés bei der Charaktersierung und beim Handlungsverlauf verzichtet hat, aber der dramatische Spannungsbogen verläuft viel zu flach, als dass er dauerhaftes Interesse bei mir hätte wecken können.Ich vermute, die Geschichte wird sich nicht längerfristig in mein Gedächtnis einbrennen.

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berlin, kurzgeschichten

Kein Elch. Nirgends

Sebastian Lehmann
Flexibler Einband: 204 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.08.2014
ISBN 9783746630847
Genre: Humor

Rezension:

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich habe bereits diverse Male angemerkt, dass ich gerne wortgewandten, intelligenten Rednern zuhöre, soll heißen: Poetry Slammer. Speziell solche, die mich trotz eines philosophischen Tenors zum Lachen bringen können - und Sebastian Lehmann ist einer davon. Typisch für humoristische Texte von Poetry-Slammern wie ihn ist die überspitzte Darstellung der Ereignisse. Darauf war ich eigentlich auch gefasst, allerdings kam der Humor nur bedingt bei mir an. Das Übertriebene und Skurrile, das ich normalerweise mag, funktionierte in reiner Textform nicht in Gänze. Damit, dass Sebastians fiktives Alter Ego eng mit Vin Diesel befreundet ist und dass diverse Nebenfiguren Reinkarnationen von Philosophen (z.B. Nietzsche) darstellen, kam ich noch klar. Auch die Beschreibungen eines "typischen" überfreundlichen US-Amerikaners oder eines hyperintelligenten, gut aussehenden Schweden konnte ich gut verkraften. Diese Passagen konnten mir sogar das ein oder andere Schmunzeln entlocken. Mit dem Thema Tod als Running Gag hatte ich allerdings herbe Probleme. Gefühlt jede dritte seiner Kurzgeschichten endet mit seinem (grausamen) Ableben. Das war mir spätestens nach dem fünften Mal einfach zu viel. Aber immerhin ist er sich dessen bewusst und hat das selbstreflexiv an sich bzw. seinen Geschichten kritisiert. Jetzt beim Schreiben überlege ich außerdem, ob er vielleicht auch Kritik an dem heutigen "Trend" üben wollte, Geschichten (ob schriftlich, mündlich oder audiovisuell vermittelt) mit einem (tragischen) Tod enden zu lassen. Es ist lediglich eine Vermutung meinerseits, aber wenn ich es aus der Perspektive betrachte, würde meine Kritik bedeutend schwächer ausfallen. Wahrscheinlich wäre mir das permanente Sterben nicht so negativ auffallen, wenn ich längere Pausen bei der Lektüre gehabt und nur hin und wieder ein paar der sehr kurzen Kapitel gelesen hätte. Für mich als "Binge-Leser" war das jedoch oftmals anstrengend. Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, ich hätte mich überhaupt nicht amüsiert, denn das stimmt nicht. Es gab durchaus lustige Passagen und an sich hat mir auch der lockere Ton zugesagt. Allgemein mag ich Sebastian Lehmann von seiner Art her (zumindest die, die er der Öffentlichkeit vermittelt - ich kenne ihn ja nicht persönlich), da ich mich mit einigen seiner Ansichten bzw. mit seiner Lebenseinstellung gut identifizieren kann, weshalb ich das Buch auch nicht abgebrochen habe.

Ich schätze, im Endeffekt fehlte mir schlicht die auditive Komponente: Beim Vortragen kann man ganz andere Akzente setzten, den Sprechrythmus situativ anpassen, Pausen einbauen, um eine bessere Wirkung zu erzielen usw. Das entfaltet eine ganz andere Wirkung als ein "starrer" Text. Daher ziehe ich seine Auftritte in Zukunft vor, da er dort für mich angenehmer zu konsumieren ist.

Fazit

Die Texte können leider nicht die Wirkung eines Live-Vortrages entfalten und waren daher statt unterhaltsam eher anstrengend. Insofern man (im Gegensatz zu mir) die Kapitel in kleinen Portionen mit ausreichend großen Pausen rezipiert, könnte dieser negative Effekt jedoch abgemildert oder gänzlich umgangen werden.

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liebe, krankheit, nicola yoon, jugendbuch, leben

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Nicola Yoon
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Dressler, 17.09.2015
ISBN 9783791525402
Genre: Jugendbuch

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Rezension auf Buntes Tintenfässchen

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" betrifft. Einerseits fand ich das Buch bezaubernd und zuckersüß, andererseits hatte ich mir etwas mehr davon erhofft.

Zauberhaft war es aufgrund der Protagonisten Madeline und Olly und ihrer Dynamik sowie aufgrund der liebevollen Gestaltung des Romans. Madeline gefiel mir auf Anhieb, weil sie a) eine Büchernärrin ist und b) sie trotz ihrer Krankheit ein einfühlsames, bemerkenswert starkes, "unweinerliches" Mädchen ist. Zudem ist sie intelligent, natürlich und uneitel. Insgesamt verfügt sie also fast ausschließlich über Eigenschaften, die ich mag. Was mich jedoch ein wenig störte, war, dass sie zeitweise einen wesentlich jüngeren Eindruck als ihre 17 bzw. 18 Jahre auf mich gemacht hat. Ich schätze, das liegt primär an dem etwas simpel gehaltenen Schreibstil. Das klingt etwas harsch, aber ich meine damit lediglich, dass Yoon eine recht klare Linie beim Schreiben verfolgt und man nicht nach einem doppeldeutigem Sinn suchen muss.

Von den Wesenszügen hat mich Olly ein wenig mehr interessiert als Madeline, da er trotz einiger Ähnlichkeiten doch von einem ganz anderen Kaliber ist. Er umgibt diese Aura einer verschlossenen, grüblerischen, geheimnisvollen, verwundeten Seele, aber auf der anderen Seite hat er diese lichten, unbeschwerten Momente, in denen er seinen Charme sprühen lässt. Zudem repräsentiert er aufgrund seiner sportliche Aktivität (er läuft Parcour) für Madeline die beiden Dinge, die ihr verwehrt sind: Freiheit und Abenteuer. Aufgrund dessen ist ihre Faszination mit ihm sehr gut verständlich. Was sich mir persönlich nicht so ganz erschlossen hat, waren jedoch die Gründe, warum Olly überhaupt Kontakt zu Madeline aufgenommen hat. Die Begründung, dass sie nebeneinander wohnen und er sie am Fenster hat stehen sehen und hübsch fand, ist für mein Dafürhalten nicht ausreichend genug. So richtig wird das auch nicht klar, denn trotz ihrer häufigen Dialoge (welche entsprechend der Kommunikationsform als Chat- oder Mailverlauf oder als schriftliche Fenster-zu-Fenster-Kommunikation wiedergeben sind) erfährt man vergleichsweise wenig über Olly, wie ich finde. Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch bezüglich der beiden anderen Personen, die noch von mehr oder minder großen Relevanz sind: Madelines Mutter und ihre Pflegerin Carla. Man lernt zwar auch einige ihrer Charakterzüge und (Welt-)Ansichten kennen, aber auch ihnen gegenüber habe ich eine gewisse Distanz empfunden.

Womit man von Vornherein rechnen sollte, ist die Tatsache, dass sich die Action in Grenzen hält, da Madeline aufgrund ihrer Krankheit ortsgebunden ist. Das Setting ist entsprechend wenig abwechslungsreich und - wie oben bereits angedeutet - ebenso ist der Personenkreis, mit dem Madeline persönlichen Kontakt hat, sehr eingeschränkt. Dadurch ergeben sich besonders in der ersten Hälfte einige Längen, über die mich lediglich die humorvollen, süßen Dialoge und die kreative Umsetzung der Beschreibungen von Madelines Alltag in Form von eingebundenen Zeichnungen hinwegtrösten konnten. Die Handlung wird zwar gelegentlich dynamischer, aber nicht in solchem Maße, dass es mich in atemlose Spannung versetzt hätte (allerdings ist es ja kein Thriller, also ist das nicht zwangsläufig notwendig). Auch der Schluss hat mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen bzw. überrascht, da im Endeffekt meine Vermutung zum Großteil bestätigt wurde. Die Lösung des Konflikts erschien mir logisch, wenngleich sie meiner Meinung nach im Anbetracht der Schwere der Problematik doch relativ rasch abgehandelt wurde.

Gut wiederum fand ich, dass neben Maddys Immunkrankheit noch andere schwierige, komplexe Themen verarbeitet (oder eher angerissen) wurden. Sie werden hier sehr einfach aufbereitet, sodass man sie leicht verdauen kann. Das mag nicht jedem willkommen sein, sofern man Wert auf eine tiefgründige, ergreifende, sämtliche Gefühlsebenen ausschlachtende Darstellung legt. Auch ich selbst hätte mir diesbezüglich etwas mehr Dramatik gewünscht, aber letzlich finde ich es der Zielgruppe angemessen und so vermittelt der Roman ein positiveres, optimistischeres Gefühl beim Leser, auch wenn es mich doch nachdenklich gestimmt hat.

Insgesamt kam ich sehr schnell mit dem Buch voran, da es wie gesagt leicht verständlich und verdaulich sowie oft (aufgrund der Dialoge) humorvoll geschrieben und zudem in sehr kurze Kapitel portioniert ist. Dadurch konnte ich es auch leicht einmal beiseite legen, ohne Probleme bei der Rekapitulation vergangener Ereignisse gehabt zu haben.

Fazit

Ich bin nicht vollends zufrieden oder gar überwältigt von Nicola Yoons Roman, da mir persönlich einige Aspekte zu eindimensional und oberflächlich dargestellt erschienen. Dennoch hat er sich sehr gut lesen lassen und das Konzept und die Charaktere haben mich angesprochen, sodass ich extrem Lust auf den Film bekommen habe, um zu sehen, wie er die Romanvorlage umsetzt.

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