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264 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

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Fallen Queen

Ana Woods
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Drachenmond Verlag GmbH , 20.06.2017
ISBN 9783959911047
Genre: Fantasy

Rezension:

Der ausschlaggebende Grund, warum ich Fallen Queen lesen wollte, war, dass ich Märchenadaptionen liebe. Ich finde es einfach toll, wenn die zweidimensionalen Stereotypen durch Hintergrundgeschichten plastischer werden und die Handlung einen neuen Twist bekommt. Im Wesentlichen ist das der Autorin auch gelungen. Die neue Sichtweise auf das Märchen Schneewittchen fand ich interessant und einfallsreich, vor allem weil ich es mag, wenn die übliche Gut-Böse-Differenzierung hinterfragt und auf den Kopf gestellt wird. Ich war zunächst etwas skeptisch, inwiefern es funktionieren würde, dass Eira (original Schneewittchen) und Nerina (original die Böse Königin) Schwestern sind. Aber nach einer Weile akzeptiert man diesen Umstand.
Die Umsetzung und Erzählstruktur hatte allerdings einige Tücken. Zum Beispiel empfand ich auf sprachlicher Ebene den Wechsel zwischen relativ moderner Prosa und altertümlich angehauchter wörtlicher Rede bis zum Schluss etwas gewöhnungsbedürftig. Mag sein, dass ich hier etwas übersensibel reagiere, aber in meinen Augen hat es einfach nicht richtig zusammengepasst.
Weiterhin habe ich - ungeachtet der Tatsache, dass ich die Storyeinfälle der Autorin und damit Nerinas zu beschreitenden Weg ganz gut fand - den Pepp in der Geschichte vermisst. Den hätte meiner Meinung nach ein umfangreicher Einblick in die Eiras Wirken am Hof und im Königreich Arzu gebracht. Leider sind lediglich zwei, drei kürzere Kapitel aus ihrer Sicht geschrieben. Dadurch bleibt man über ihr Innenleben, ihre Gedanken, Handlungen und die Motivation dahinter weitgehend im Unklaren. Auch ihre grausamen Taten werden allenfalls am Rande erwähnt. Dass sie der Bösewicht in der Story ist, wird sehr deutlich gemacht, aber ihre Bedrohlichkeit wird durch die unzureichende Darstellung meiner Meinung nach deutlich abgemildert. Retrospektiv hat es zwar mehr Sinn ergeben, dass Eira Sichtweise nicht so häufig geschildert wurde, weil sich zunächst einige Puzzleteile zusammensetzen mussten, aber beim Lesen selbst war mir dadurch der Spannungsfaktor zu gering.
Auch was die zwischenmenschliche Komponente betrifft, konnte mich der Reihenauftakt nicht vollkommen überzeugen bzw. emotional erreichen. Dadurch, dass Nerinas und Jalmaris Liebesgeschichte am Anfang im Schnelldurchlauf mit wenigen Details erzählt wurde, erschienen mir die Gefühle nicht glaubhaft genug. Die ersten Kapitel umfassen die komplette Spanne vom ersten kurzen Aufeinandertreffen zum Hochzeitstag. Es wird lediglich in groben Zügen umrissen, wie die beiden von A nach B gekommen sind. Ausgewählte gemeinsame Highlights ihrer Beziehung werden retrospektiv erzählt, aber sind meistens so kurz, dass ich auch dadurch nicht von der Tiefe ihrer Liebe überzeugt werden konnte. Deshalb hat sich meine Trauer über den (vermeintlichen?) Verlust auch sehr stark in Grenzen gehalten. Nerinas Verbundenheit mit Eira - trotz der gegebenen Umstände - waren für mich schon nachvollziehbarer, aber auch hier wurde meiner Meinung nach eher an der Oberfläche gekratzt. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass in den Folgebänden das schwesterliche Band viel mehr und vor allem auch tiefschürfender thematisiert wird. Allerdings hat mich der Reihenauftakt leider nicht genug in den Bann gezogen, dass ich die Reihe tatsächlich weiterverfolgen werde.

Mein Fazit

Den Plot finde ich soweit gelungen: Die Einfälle hauchen dem Märchen Schneewittchen frischen Wind ein und werfen ein gänzlich anderes Licht auf das Geschehen. Leider konnten mich Handlungsverlauf und Erzählstil nicht zu hundert Prozent überzeugen, weshalb es für mich fraglich ist, ob ich Band 2 ebenfalls eine Chance geben werde.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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81 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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Unter uns nur Wolken

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 07.12.2018
ISBN 9783746634302
Genre: Romane

Rezension:

"Unter uns nur Wolken" hatte nahezu alles, was ich mir vom Roman erhofft und gewünscht hatte: Eine runde Geschichte mit widersprüchlich veranlagten Charakteren, kleineren Reibereien sowie schönen beißenden Kommentaren und Wortgefechten, die für die nötige Würze gesorgt haben. Allein aus sprachlicher Sicht hat die Story bei mir ins Schwarze getroffen. Der Schreibstil besitzt eine spielerische Leichtigkeit, die schon in den Jugendromanen der Autorinnen sehr gut bei mir angekommen ist und der mich bisher immer problemlos durch die Geschichten getragen hat.
Man merkt in diesem Roman aber auch einen Umschwung, sobald sich das Autorenduo ernsteren Themen (d.h. der Alzheimererkrankung von Florian) widmet. Demenz und Alzheimer sind zwei Krankheiten, bei denen es mir jedes Mal die Kehle zuschnürt, von ihnen zu hören oder zu lesen. Insbesondere bei Menschen wie Florian, die eigentlich ordentlich Grips haben, trifft mich dieses Thema ziemlich hart. Daher war ich immer hin- und hergerissen zwischen Lachen und Weinen, wenn ich nicht genau einschätzen konnte, ob Florian seine Gedächtnislücke gerade vortäuschte oder ob er tatsächlich einen Aussetzer hatte.
Wie viele andere auch musste ich, bevor ich in die Geschichte abgetaucht bin, an Honig im Kopf denken. Mit dem Film hat der Roman aber im Endeffekt lediglich 3 Punkte gemeinsam: die thematisierte Krankheit, dass der Betroffene ein alter Mann ist, und den gelungenen Spagat zwischen Ernst und Spaß. Die Figurenkonstellation, der Storyline und Dynamik sind jedoch deutlich anders. Florian ist schon mal ein gänzlich anderer Typ als Amandus. Er hat z.B. bisweilen seine misslichen Gesundheitsstatus ordentlich ausgenutzt - und manchmal ist er auch eindeutig mit seinen Schikanen übers Ziel hinausgeschossen. Das hat seine Pflegerin Ani und seinen Enkel Tom ganz schön auf Trab gehalten. Wenn der alte Mann gerade mal nicht seine "Späßchen" mit Ani trieb und Gift verspritzte, war er aber ausgesprochen süß. Seine kauzige Griesgrämigkeit besaß einen gewissen Charme, dem sich Ani und ich nicht recht entziehen konnten. In diesen Momenten hatte ich besonders viel Verständnis für ihn bzw. die Schwierigkeit seiner Situation: Es muss einfach unglaublich hart sein, nicht mehr ganz Herr über seine geistige Fähigkeiten zu sein und sich als erwachsener Mensch entmündigen lassen zu müssen. Natürlich sträubt man sich dagegen! Aufgrund des inneren Konflikts und seiner widersprüchlichen Seiten hat Florian von den drei Protagonisten in meinen Augen einfach am meisten herausgestochen. Aber auch Tom und Ani sind keine blassen Charaktere. So stur, schlagfertig, streitlustig, aber unbestreitbar herzensgut, wie sie sind, wussten sie mich in ihrem Mit- (bzw. Gegen-)einander gut zu unterhalten. Schon nach dem ersten Zusammentreffen war klar: Hier haben sich Topf und Deckel gefunden! Die sich anbahnende Liebesgeschichte war also keine sonderliche Überraschung. Sie war allerdings auch nicht das Hauptaugenmerk der Autorinnen, was ich in diesem Fall sogar begrüßt habe.
Das einzige Manko in meinen Augen ist, dass die Geschichte zu schnell erzählt ist (zumindest kam es mir so vor). Ich hätte mir gewünscht, dass der ein oder andere Aspekt noch etwas "ausgeschlachtet" worden wäre, damit sich der volle Effekt entfalten kann.

Mein Fazit

Insgesamt hat mich "Unter uns nur Wolken" abwechselnd gut unterhalten und sehr nachdenklich bis traurig gestimmt. Das Autorenduo beweist wieder sein Händchen für pointierte, gewitzte Dialoge und gleichzeitig Fingerspitzengefühl für weniger spaßige Themen. Bei einer solch gelungenen Mischung dürfte der Roman auch gerne mehr Seiten umfassen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Songbird

Anna Rosina Fischer
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2019
ISBN 9783492705080
Genre: Romane

Rezension:

Die Inhaltsangabe von "Songbird" hat mich extrem neugierig gemacht, da sie mich vermuten ließ, dass mir diese Geschichte unter die Haut gehen würde. Das ist sie auch - allerdings auf gänzlich andere Weise, als ich es mir gewünscht hätte. Die Handlung hat mich nämlich - so leid es mir tut - aus diversen Gründen mehrfach maßlos aufgeregt.
Grund Nummer 1 ist die Liebesgeschichte, die mich nicht unbedingt vom Hocker gerissen hat. Zum Teil deshalb, weil mir die Beziehung zwischen Ella und Sam ein bisschen zu schnell ging. Nach nicht einmal einem Viertel des Romans war zwischen Ella und Sam fast schon alles Wesentliche passiert. Hätte ich den Klappentext nicht gelesen, dann hätte sich mir wohl die Frage gestellt, was denn jetzt bitte noch geschehen sollte - schließlich waren Sam und Ella augenscheinlich bereits am Ziel angekommen. Zugutehalten muss ich den beiden, dass sie in Bezug auf ihre Gefühle nicht allzu begriffsstutzig waren. Ihnen war sehr schnell klar, dass sie etwas füreinander empfinden - das etwas alberne, anstrengende Hin und Her bleibt dem Leser/der Leserin aber trotzdem nicht erspart. Erst verkünden sie, dass sie auf Abstand gehen sollten, um Sams beginnende Lehrerkarriere nicht zu gefährden (oder welch anderer Grund auch immer ihnen gerade eingefallen ist), nur um sich keine zwei Absätze später wieder knutschend in den Armen zu liegen. Ernst gemeinte Versuche sehen anders aus. Diese Inkonsequenz hat - zusätzlich zu den kitschigen Liebesbekundungen, von denen ich kein wirklicher Fan bin - an meinen Nerven gezehrt. Aber gut, das ist bei Liebesromanen nun mal nicht unüblich, weshalb ich damit hätte rechnen müssen.
Was ich nun aber wirklich absolut nicht nachvollziehen konnte, waren Ellas Abhängigkeit von Sam und ihre unerträgliche Unsicherheit. Gerade noch hat Sam ihr seine Liebe gestanden, aber kaum sagt er, dass sie vernünftigerweise auf Abstand gehen sollten, ist sie der felsenfesten Überzeugung, er würde sich nicht für sie interessieren. In solchen Momenten dachte ich mir nur: Leidet sie unter so herbem Gedächtnisverlust? War sie gerade eben nicht dabei? Hat sie ihm nicht zugehört? Warum glaubt sie so etwas?
Es tut mir wirklich leid, dass ich hier so harsch werde. Ich bin mir sicher, da draußen gibt es hunderte, wenn nicht gar tausende Leser/innen, die vor Verzückung laut seufzen, dahinschmelzen und schmachten werden, wenn sie diese Liebesgeschichte mitverfolgen. Aber ich gehöre nicht zu dieser Gruppe. Ich bevorzuge eigenständige Charaktere, die mir nicht permanent das Gefühl vermitteln, sie können ohne einander nicht existieren. Ich hätte es besser ertragen können, wenn ihr Miteinander ein bisschen mehr Biss gehabt hätte, vielleicht durch mehr Wortgefechte und (lieb gemeinte) Sticheleien. Vereinzelt gab es die, aber für mich persönlich einfach nicht genug.
Zudem haben sich Ella und Sam Probleme gemacht, wo keine waren, und da, wo wirklich Konfliktpunkte waren, ist die Autorin meiner Meinung nach etwas zu oberflächlich vorgegangen. (Vorsicht Spoiler!) Es wird relativ schnell offensichtlich, dass Ella an Anorexie leidet. Sie isst kaum was, wird immer dünner, wendet diverse Ablenkungsstrategien an, um nichts essen zu müssen - die ganze Palette. Im Klappentext wurde bereits angeteasert, dass sie ihr eigenes Leben riskiert. Was auch immer ich dabei erwartet hatte - das war es jedenfalls nicht. Von diesem Turn war ich zunächst positiv überrascht (sofern man das bei einem solchen Thema überhaupt sagen kann). Essstörungen werden einfach noch zu selten in literarischen Werken thematisiert. Gewichtsprobleme sind Gang und Gebe, aber die Subformen der psychomatischen Erkrankung stehen selten im Fokus. Und doch war ich nicht recht zufrieden mit der Art der Darstellung. Zum Beispiel habe ich es als störend empfunden, dass es keinen offensichtlichen Grund gibt, warum sich Ella allmählich zu Tode hungert: Niemand mobbt sie, sie wird geliebt, hat sogar gerade endlich ihren Traummann gefunden – da müsste sie doch am Leben bleiben wollen (wobei ich zugeben muss, dass Anorexie-Kranken oft nicht klar ist, dass sie das Hungern zu ihrem Tod führen wird). Auch das Ende konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Ich will nicht sagen, dass es immer einen einzigen Grund oder Auslöser für eine Essstörung gibt. Manchmal ist es auch ein Zusammenspiel mehrerer, nicht klar definierbarer Faktoren. Aber wenn man sie dann in einen Roman einarbeitet, dann sollte man die physischen Begleiterscheinungen - das ständige Frieren, die Erschöpfung, der kollabierende Kreislauf usw. - sowie die psychische Belastung besser bzw. mehr ausloten. All das erschien mir im Vergleich zu Ellas Liebeskarussell eher beiläufig bzw. zu selten erwähnt. Das heißt keineswegs, dass sich die Autorin dem Thema nicht auf ernsthafte Weise angenähert hätte, nur stand es nicht weit genug im Vordergrund, um die Tragik und Tragweite der Erkrankung in vollem Umfang begreiflich zu machen. Man kann hier argumentieren, dass es zum Teil dem Verdrängungsmechanismus der Ich-Erzählerin zuzuschreiben ist: Sie meidet das Thema Essen in jeglicher Hinsicht. Aber dann hätte zumindest ihr Umfeld stärker eingreifen müssen. Eine ähnliche Meinung habe ich auch zu Sams Konflikt mit seinem Vater: Er war mir viel zu unzureichend dargestellt. (Spoiler Ende)
Die oben genannten Punkte sind keine Kritik an Fischers schriftstellerischen Fähigkeiten - Formulieren kann sie nämlich gut. Sie und ich schätzen nur scheinbar recht unterschiedliche Charaktereigenschaften und teilen nicht ganz dieselben Romantikpräferenzen.

Mein Fazit

"Songbird" ist eine Liebesgeschichte, die sicherlich viele Aspekte vereint, nach denen viele Leser/innen suchen: intensive Gefühle, leidenschaftliche Szenen, größere und kleinere Hürden und jede Menge Liebesbeteuerungen. Die Geschichte war nur leider nicht das, wonach ich gesucht habe. Die Protagonistin Ella hatte einige Charaktereigenschaften, die ich persönlich nicht sonderlich schätze, und in puncto Romantik bin ich einfach der Meinung, dass weniger mehr ist. In meinen Augen war Ellas Problem der interessantere Part und hätte mehr Raum einnehmen sollen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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536 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 98 Rezensionen

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Nachtblumen

Carina Bartsch
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499291081
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich war ausgesprochen glücklich, dass ich auf "Nachtblumen" gestoßen bin, denn der Roman fällt genau in mein Beuteschema. Es passte einfach alles: ein Jugendroman mit eigenwilligen Protagnoisten, die einen Haufen Probleme mit sich rumschleppen - da ist ein emotional aufgeladenes Leseerlebnis quasi vorprogrammiert. Matte ich mit dieser Vermutung habe ich nur bedingt Recht behalten.
Positiv ist mir zu allererst der Erzählstil aufgefallen. Carina Bartsch kann sich wunderbar ausdrücken und ihr gelingt es sehr gut, Ereignisse miteinander zu verknüpfen und den Raum zwischen den Dialogen zu füllen. Manchmal hat sie nicht zu 100 Prozent den jugendlichen Ton getroffen - zumindest war das mein Eindruck -, aber das stört im Großen und Ganzen nicht. Auch wie sie die Geschichte ins Rollen gebracht hat, gefiel mir gut: Sie liefert genug Informationen um zu wissen, worum es geht, aber enthält dem Leser genug vor, dass mein Interesse geweckt wurde. Leider muss ich aber auch sagen, dass dieses Interesse nicht konstant bei mir aufrecht erhalten wurde. Das lag einfach daran, dass der Spannungsbogen recht flach verlaufen ist. Ich würde nicht direkt sagen, der Mittelteil hätte sich zäh lesen lassen. Aber er hatte definitiv etwas Behäbiges, Gemächliches. Von der Theorie her hätten die fünf WGler Jana, Collin, Lars, Tom und Vanessa auf der persönlichen Ebene ein gutes Kontrastprogramm bieten müssen. Großartige Abwechslung und Aufregung waren in der Praxis leider weniger gegeben. Ich konnte dass Gefühl nicht abschütteln, dass gerade Janas vorsichtiger, zurückhaltender Charakter die Handlung ein ums andere Mal ausgebremst hat, weil sie vor Interaktionen und Konfrontationen eher Angst hat. Gegen ende hat sich das wieder gebessert, da durch den Umschwung auf Blogeinträge die Story deutlich temporeicher wurde.
Aufgrund der vielen unterschiedlichen Figuren hatte ich außerdem erwartet, dass es ein Leichtes wäre, sich mit einem/r von ihnen identifizieren zu können. Die Probleme und Charaktersitika der Jugendlichen machten es allerdings etwas schwer, sich ihnen anzunähern. Sowohl Lars als auch Collin und Jana halten sich lieber im Hintergrund. Vanessa ist zwar ausgesprochen extrovertiert und melodramatisch, kann aber auch wahnsinnig schnell in die Luft gehen und dann alle anderen mit passiv-aggressivem Schweigen strafen. Deswegen habe ich auch zu keiner/m einen sofortige Verbundenheit gespürt. Um ehrlich zu sein, hat es sogar ausgesprochen lange gedauert, bis ich für jemanden außer Jana stärkere Zuneigung empfunden habe. Diesen Umstand würde ich - paradoxerweise - in diesem Fall nicht einmal direkt negativ bewerten. Im Gegenteil spricht es meiner Meinung nach sogar für Carina Bartsch als Autorin. Man nimmt das Geschehen komplett durch Janas Augen wahr, also sieht und weiß man nur das, was sie auch sieht und weiß. Jana sucht zwar die Nähe anderer Menschen, aber genauso sehr scheut sie sich, sich anderen gegenüber zu öffnen. Da wäre es einfach unpassend gewesen, wenn sie sofort einen Draht zu einem der anderen jungen Erwachsenen gehabt hätte. Einzig allein Dr. Flick hat Jana (und damit auch ich) sofort ins Herz geschlossen - was bei ihrer offenherzigen, lebhaften Art nun wahrlich kein Problem war. Trotzdem wäre es wohl förderlicher gewesen, wenn man etwas mehr über die einzelnen Personen in Erfahrung hätte bringen können. Gerade auch in das Leben von Klaas und Anke (das Ehepaar, das für die Wohngruppe verantwortlich ist) hätte ich gerne mehr Einblicke bekommen.

Mein Fazit

Carina Bartsch ist das Ganze beim Schreiben eher ruhiger angegangen. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, aber es hat mir dadurch auch nie unter den Nägeln gebrannt weiterzulesen. Wenngleich es viel Lobenswertes am Roman gibt, war es doch nicht die emotional durchrüttelnde Leseerfahrung, die ich mir erhofft hatte.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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103 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

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Die Vereinten

Caroline Brinkmann
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ONE, 28.09.2018
ISBN 9783846600672
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Wiedereinstieg verlief ohne Probleme. Die vergangenen Ereignisse waren mir noch recht frisch im Gedächtnis, zum einen, weil seit der Veröffentlichung von Band 1 noch nicht allzu viel Zeit vergangen ist. Zum anderen, weil der Auftakt einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Letztgenanntes hat natürlich bei mir auch entsprechend hohe Erwartungen an die Fortsetzung geweckt.
Caroline Brinkmann hat in sprach- bzw. schriftlicher Hinsicht nicht enttäuscht. Sie schreibt wahnsinnig toll, lässt durch wohldosierte dramatische Steigerungen Spannung aufkommen und weiß dadurch zu packen. Zudem beweist sie viel Einfallsreichtum. Nicht nur bei der Konzipierung ihrer Welt, sondern auch bei der Entwicklung des Handlungsstrangs. Schon im ersten Teil gab es eine Fülle an unvorhersehbarer Wendungen und Enthüllungen; Band 2 steht dem in nichts nach. Verräter, Rebellen und eine ganz neu eingeführte "Gruppierung" sorgen für Abwechslung, Action, Schockmomente und (unliebsame) Überraschungen. Besonders in der zweiten Hälfte wurde ich als Leserin in Atem gehalten. Genau diese Aspekte machen "Die Vereinten" bzw. die Dilogie so toll.
Und dennoch hat Teil 2 im Vergleich zum Vorgänger letztlich einen geringeren Sog auf mich ausgeübt. Es mag einfach daran liegen, dass der Rausch des Neuen, den der Erstkontakt mit einer unbekannten Welt mit sich bringt, bereits verflogen ist. Oder es liegt daran, dass manche Dinge in meinen Augen einfach zu oberflächlich gehandhabt wurden. Ich bin einfach der Meinung, dass bei einer so komplexen, vielfältigen Welt Potenzial verschenkt ist, wenn man sich nicht eingehender mit den außergewöhnlichen Bezirken (oder den Chimären) beschäftigt. Es geht primär um Aventin oder Grey, alle anderen Bezirke werden höchstens am Rande erwähnt. Das war einfach schade, denn ich hatte mich schon darauf gefreut, die übrigen Teile kennenzulernen. Ich glaube allerdings, dass Caroline Brinkmann Stapelweise Notizen zu diesen Gebieten hat, weshalb ich inständig hoffe, dass es in naher Zukunft eine Art Spin-Off in derselben Welt geben wird. Es gibt einfach noch so viel zu entdecken!
Eine ähnliche Meinung habe ich auch bzgl. der Nebencharaktere: Über Nife, Morpheus, Cassian, Wren & Co. hätte es noch so viel mehr zu erzählen gegeben. Ich bin mir selbstverständlich bewusst, dass man sich als Autor auf einige Charaktere beschränken muss, um sich nicht zu verzetteln und nicht zu sehr von der eigentlichen Handlung abzudriften, aber dadurch fiel es mir sehr schwer, irgendein Gefühl für sie zu entwickeln. Nife ist hier die einzige Ausnahme: Ihn habe ich schon im ersten Teil ins Herz geschlossen. Insgeheim hatte ich ja auf eine Romanze zwischen ihm und Rain gehofft, die aber nun mal Gefühle für Lark hat. Was mich auch gleich zum nächsten Punkt bringt: Ich finde zwar schon, dass Lark und Rain eine gewisse Chemie haben, aber bei ihrer Beziehung fehlt mir das gewisse Extra. Ja, es wird immer von Herzklopfen, Liebe und Sehnsucht gesprochen, aber diese Gefühle haben sich nicht auf mich übertragen. Außerdem wäre es mal eine nette Abwechslung gewesen, wenn nicht die beiden aus (zwischenzeitlich) oppositionellen Lagern das Liebespärchen gebildet hätten.

Mein Fazit

Caroline Brinkmanns Stärken als Schriftstellerin sind definitiv ihr Ideenreichtum in puncto Weltentwurf und Handlungsverlauf sowie ihre Fähigkeit, mit Worten Spannung zu kreieren. Das ist das A und O im Dystopie-Genre - Caroline Brinkmann gehört also genau dort hin! Verbesserungsbedarf besteht aus meiner Sicht in der Ausschmückung: Manche Aspekte (z.B. die Chimären und einige Nebencharaktere) empfand ich als bloßes Beiwerk, das gelegentlich Erwähnung fanden, und auch in die anderen Bezirke hätte ich gerne mehr Einblicke gewährt bekommen. Ich glaube nicht, dass mangelndes Material die Ursache dafür ist, sondern reiner Platzmangel. Hier wäre ich einem Spin-Off definitiv nicht abgeneigt!

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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108 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Zeit für Eisblumen

Katrin Koppold
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.09.2015
ISBN 9783499269868
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Zeit für Eisblumen" hatte in dem Moment meine volle Aufmerksamkeit, als ich sah, dass es in Irland spielt. Seit meinem Urlaub dort bin ich von der Grünen Insel mehr als angetan. Der Autorin Katrin Koppold scheint es ähnlich zu gehen. Stellenweise hat es sich wie ein sehr euphorischer (nicht allzu ausführlicher) Reisebericht gelesen, was für mich ein großer Pluspunkt war. Irland ist einfach eine großartige Insel, deshalb ist die Begeisterung auch absolut nachvollziehbar. Die Orte, die Koppold im Roman erwähnt, waren mir selbst bekannt und ihre bloße Erwähnung hat in mir sofort wieder Sehnsucht nach der Grünen Insel ausgelöst. An der Stelle folgt schon das große Aber: So sehr ich die Landschaftsbeschreibungen Irlands auch zu schätzen wusste, so konnte sie mich doch nicht über die mäßig spannende Handlung hinwegtrösten. Es fehlte der Story einfach an Pfiff. Dabei ist es nicht einmal so, dass nichts passieren würde. Im Gegenteil: Von Fees überstürztem Aufbruch über ihre unermüdliche Suche bis hin zum Finale passiert innerhalb kürzester Zeit eigentlich recht viel. Nur mangelte es an etwas Außergewöhnlichem, an irgendetwas, das in mir so viel Interesse geweckt hätte, dass ich unbedingt weiterlesen wollen würde, oder das mir nach dem Lesen noch im Gedächtnis bleiben würde.
Höchstwahrscheinlich hatte ich diese Gefühle nicht, weil ich von den Charakteren nicht sonderlich angetan war. Fee empfand ich phasenweise fast schon unsympathisch, da sie zu oberflächlich daherkam und mit allem und jeden unzufrieden war. Sie hat allerdings über ihr Fehlverhalten reflektiert, was wiederum ein Pluspunkt für sie war. Trotzdem bin ich weiterhin skeptisch, dass sie sich dadurch in Zukunft anders verhalten wird. Alle übrigen Charaktere waren - so leid es mir tut - farblos. Sam, David, Milla, ihre Schwestern - sie alle waren auf das Nötigste reduziert, sodass ich einfach kein Gefühl für sie entwickeln konnte. Da es sich allerdings um Teil 2 der "Sternschnuppen"-Reihe handelt, mag das auch daran liegen, dass mir zumindest zu Fees Familie wichtige Informationen aus Teil 1 fehlen. Für David gilt das jedoch nicht. Auf ihn hatte ich mich richtig gefreut, denn bei musikalischen Iren gerate ich automatisch ins Schwärmen - in der Beziehung bin ich wie Fee. Dass beide Eigenschaften jedoch nicht ausreichen, damit dieser Zustand von Dauer ist, war mir natürlich von vornherein klar. Aber zumindest stimmte der Ausgangspunkt. Leider hat David nun auch nicht über die Persönlichkeitsmerkmale verfügt, die mich vom Hocker gerissen hätten. Er war ganz nett, ja, aber mehr könnte ich auch nicht über ihn sagen. Sam wiederum hatte kaum eine Chance, in einem guten Licht dazustehen, da man ihn immer durch Fees Filter wahrgenommen hat und er deswegen nicht ganz so gut weggekommen ist. Deshalb hat mich keine der Konstellationen (Sam/Fee oder David/Fee) sonderlich für sich eingenommen. Da war kein Feuer, keine Leidenschaft, kurz: Der Funke wollte nicht auf mich überspringen. Für mich ist aber genau das bei einem Roman, in dem Liebe ein zentraler Aspekt ist, ein unbedingtes Muss.

Mein Fazit

Im Großen und Ganzen waren alle Zutaten vorhanden, um "Zeit für Eisblumen" für mich zu einem tollen Leseerlebnis zu machen: Irland als Handlungsort, ein guter Schreibstil, ein Liebesdilemma als Ausgangspunkt und die Aussicht auf ein romantisches Abenteuer. Leider war das Endprodukt nicht ganz nach meinem Geschmack: Die Handlung konnte mich nicht mitreißen und auch zu den Figuren fehlte mir weitgehend der Bezug.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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571 Bibliotheken, 43 Leser, 2 Gruppen, 74 Rezensionen

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Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara , Stephan Kleiner
Fester Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 30.01.2017
ISBN 9783446254718
Genre: Romane

Rezension:

Es fällt mir wahnsinnig schwer, dieses Buch zu bewerten. Normalerweise kann ich zwei, drei ähnliche Romane heranziehen und vergleichen, welche Aspekte mir an meiner aktuellen Lektüre besser, schlechter oder gleich gut/schlecht gefallen haben, um ein paar grobe Anhaltspunkte zu haben. Bei "Ein wenig Leben" ging das nicht. Denn die Bücher, die ich gelesen habe und die sich in Form und thematischer Ausrichtung "Ein wenig Leben" annähern, kann ich an einer Hand abzählen. Was aber macht "Ein wenig Leben" so anders?
Als erstes wäre der Handlungszeitraum zu nennen. Man lernt die vier Protagonisten Willem, JB, Jude und Malcom als junge Männer kennen und begleitet sie bis ins hohe Alter von über 60 Jahren. Entsprechend erstrecken sich die Ereignisse über mehrere Jahrzehnte, wobei auch einige größere Zeitsprünge gemacht werden. Das wirkte sich auch unweigerlich auf das Erzähltempo und den Rhythmus aus. Yanagihara erzählt die Geschichte auf eine weniger reißerische, dafür beständige, gemächliche Art und Weise, in etwa so, als würde sich die Puste für einen Marathon einteilen und nicht einen Sprint absolvieren wollen.
Zweitens: Die komplette Lektüre war eine Reise ins Ungewisse. Unmittelbar beim Lesen hat es sich so angefühlt, als würde Yanagihara auf ein konkretes Ziel zusteuern. Das soll nicht heißen, dass sie planlos geschrieben hätte (im Gegenteil: ihre Worte sind immer wohl überlegt). Mir erschien es so, als könne sich die Geschichte in alle Richtungen entfalten und als hätte sie keinen bestimmten dramatischen Höhepunkt im Sinn. Es war eher ein stetiges An- und Abschwellen der Dramatik, eine Aneinanderreihung mehrerer kleiner Höhepunkte (bzw. eher Tiefpunkte), die durch Beschreibungen alltäglicher Dinge oder innerer Monologe der Charaktere miteinander verbunden werden. Das war Fluch und Segen zugleich. Ein Segen war es, weil ich tatsächlich das Gefühl hatte, am Leben von Jude, Willem, JB und Malcom teilzuhaben. Die Möglichkeit, ihren Weg über Jahre hinweg mitverfolgen, zu sehen, zu welchen Menschen sie werden, hat sie für mich greifbarer gemacht. Ich habe es deshalb auch sehr bedauert, dass es zunehmend zu einer Zwei-Mann-Geschichte wurde. Ich habe schon am Anfang gemerkt, dass Yanagihara scheinbar zwei "Lieblinge" in der Gruppe hat, während die anderen beiden eher Sidekick-Charakter hatten, um das Quartett zu komplettieren. Das wurde mit jedem neuen Lebens- und Leseabschnitt deutlicher. Der negative Nebeneffekt des Erzählstils war, dass es streckenweise zu langatmig und zäh wurde und ich nicht immer das unbändige Bedürfnis verspürt habe weiterzulesen.
Letzteres hängt allerdings zu einem Großteil mit Punkt 3 zusammen: "Ein wenig Leben" ist ausgesprochen schwere Kost - nicht nur, weil es ein über 900 Seiten dicker Wälzer ist, sondern vor allem, weil der Yanagihara Themen verarbeitet, die nicht so leicht zu verdauen sind (Drogensucht und häusliche Gewalt sind da noch nicht mal die schlimmsten). Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage: Es war heftig! Es gab mehrere Momente, in denen ich ein beklommenes Gefühl hatte, ganze Passagen, in denen mir so schlecht wurde, dass ich sie nur überflogen habe (bestimmte Themen sind bei mir einfach unangenehme Trigger), Szenen, in denen ich mir machtlos vorkam. Es war erdrückend, frustrierend und nervenaufreibend. Aus dieser Lektüre geht man definitiv nicht mit einem positiven Lebensgefühl raus. Deswegen war ich fast schon froh, dass der Ton durch den Er-Erzähler relativ nüchtern ausfiel. So hatte ich wenigstens die Möglichkeit, noch etwas Distanz zu wahren, sodass mir die Geschichte(n) nicht noch mehr unter die Haut ging(en) als ohnehin schon. Yanagihara hat sich diesen brisanten Themen mit einer Ernsthaftigkeit angenommen und sie in all ihrer Hässlichkeit dargestellt. Dafür bewundere und respektiere ich sie als Schriftstellerin. Dennoch hätte ich mir - für meinen eigenen Seelenfrieden - ein paar lockerere, heiterere Momente gewünscht.

Mein Fazit

Insgesamt war es für mich eine Leseerfahrung, die ich zwar nicht missen wollen würde, für die aber meinerseits kein allzu baldiger Wiederholungsbedarf besteht. Die Themen sind schwer zu verarbeiten, niederschmetternd und demoralisierend, aber eben deshalb auch wesentlich realitätsnäher. Die 3-Sterne-Bewertung ist deshalb kein Ausdruck dessen, wie gut es mir gefallen hätte - denn ein solches Buch kann einfach nicht im klassischen Sinn "gefallen" -, sondern eher das Resultat der widersprüchlichen, schwer zu sortierenden Gefühle, die ich während und nach der Lektüre empfunden habe.

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Private - Eine von euch

Kate Brian , Karla Hahndorf
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei cbt, 10.09.2018
ISBN 9783570312100
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf den Beginn der "Private"-Reihe habe ich schon seit Monaten hingefiebert. Für mich klang es wie ein Mix aus "Gossip Girl", "Mean Girls" und einen Hauch "Pretty Little Liars" - alles Produktionen, die ich zur gegebenen Zeit überaus gern geschaut habe und es jetzt gelegentlich auch noch tue. Entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Den Anfang fand ich absolut gelungen: Kate Brian führt den Leser langsam zum eigentlichen Geschehen hin und macht ihn bzw. sie mit der Protagonistin Reed und ihrer neuen Heimat vertraut. Im Verlauf des Romans bin ich aber auf zwei essenzielle Probleme gestoßen.
Problem Nr. 1: Die Handlung hat mich nicht mitgerissen. Basierend auf dem Klappentext, speziell den erwähnten dunklen Geheimnissen, hatte ich mir das Ganze deutlich spannender vorgestellt. Vielleicht kam es nur mir so vor, aber die Story hat nicht richtig Fahrt aufgenommen. Es gibt zwar immer wieder neue Konflikte für Reed zu bewältigen, aber an keiner dieser "Baustellen" wird vernünftig gearbeitet. Soll heißen: Entweder ist der Konflikt rasch bewältigt oder er wird nicht in dem Umfang ausgeführt, wie er es erfordern würde. Speziell was Reeds familiären Hintergrund betrifft, hätte ich mir deutlich mehr Input gewünscht. Gut, es handelt sich um den Auftakt einer Reihe, daher kann (und sollte) man als Schriftsteller/in hier nicht sein ganzes Pulver evrschießen. Trotzdem fehlte mir hier ein ums andere Mal ein dramatischer Höhepunkt.
Problem Nr. 2: Ich konnte mit keinem der Charaktere etwas anfangen, weder mit den Billings-Girls noch mit Constance, Missy & Co. aus Reeds eigenem Trakt und auch nicht mit Thomas. Sie waren entweder unnahbar oder undurchschaubar. Warum? Ganz einfach: Außer zu ihrem (wirklich gut und teilweise wortgewandt beschriebenem) Äußeren erfährt man kaum etwas über sie. Bei den Billings-Girls verstehe ich das zum Teil sogar, da es Teil ihrer mysteriösen (und damit für Reed so faszinierenden) Aura ist. Bei ihren Mitbewohnerinnen kann ich es mir nur damit erklären, dass Reed einfach kein Interesse an ihnen hat, weil sie so auf die Billings-Girls fixiert ist. Über Thomas erfährt man zumindest Grundlegendes. Allerdings gingen mir bei deren Beziehung die Entwicklungen etwas zu rasant vonstatten. Außerdem war ich mir bei ihm immer unsicher, ob man ihm trauen konnte bzw. er es ernst meint. Insgesamt kommen sie alle für mich nicht über den Status eines Statisten hinaus. Die einzige Ausnahme bildet Reed, über die man als Protagnostin deutlich mehr erfährt als über jede andere Person. Dennoch war sie diejenige, die ich am wenigsten verstehen konnte, weil sie einfach so widersprüchlich war. Sie ist weder dumm noch mangelt es ihr an Mumm oder einer klaren Meinung zu gewissen Dingen. Gerade diese Attribute werfen bei mir unweigerlich die Frage auf, warum in Gottes Namen Reed unbedingt zu den Billings-Girls gehören will und dafür alle anderen links liegen lässt. Sie selbst ist der Meinung, dass Noelle, Ariana und Taylor sie nicht besonders nett behandeln, und doch hat sie nahezu nichts anderes im Kopf, als Teil der Gruppe zu werden. Sind die vermeintliche Bewunderung und Ehrfurcht, die man als Mitglied der Clique entgegengebracht bekommt, wirklich mehr wert als echte Verbundenheit? Von meiner Seite ein klares Nein! Meiner Meinung nach muss man schon eine masochistische Ader haben, um sich "Freunde" zu suchen, die einen mehr schikanieren als den Rücken zu stärken. Wer möchte denn einen Freundeskreis haben, in dem man sich nicht wohl fühlt? Kurz und bündig: Reeds Verhalten war mir einfach schleierhaft.
Man kann sich nun fragen, warum ich denn nun weitergelesen habe. Zum einen, weil ja immer die Möglichkeit bestand, dass sich tatsächlich etwas Aufregendes ereignet. Zum anderen ist man auch ruck, zuck mit dem ersten Band durch. Trotz der genannten Probleme zieht sich der Roman nämlich glücklicherweise nicht wie Kaugummi, was zu einem kleinen Teil an den recht kurzen Kapiteln liegt und zu einem wesentlich größeren Teil an der Narration. Kate Brian geht den - für mein Dafürhalten angenehmen - goldenen Mittelweg: nicht zu blumig, nicht zu nüchtern, nicht zu detailliert und nicht zu abstrakt. Es gibt keine Stolpersteine, die einen aus dem Leserhythmus bringen, oder Formulierungen, die einem komisch vorkommen, und man kann der Handlung sehr gut folgen. Es bildet sich beim Lesen kein Knoten im Hirn wie bei komplexeren Stilen à la Kazuo Ishiguro. Darüber hinaus finde ich, dass sie das innere Chaos einer Jugendlichen authentisch eingefangen hat. Rein sprachlich also eine gelungene Arbeit der Autorin und des Lektorats. Das reicht aber leider letztlich für mich nicht dafür aus, auch dem Folgeband eine Chance zu geben.

Mein Fazit

Rein sprachlich kann ich an "Private - Eine von euch" nicht herummeckern: Kate Brians Geschichte lässt sich flüssig und angenehm lesen - ohne Frage. Probleme hatte ich allerdings mit dem Inhalt. Bei mir wollte weder ein Spannungsgefühl aufkommen noch hatte ich genug Möglichkeiten, bei den Figuren "anzudocken", da es den meisten an einer umfassenderen Charakterisierung fehlte. Dadurch war es mir nicht möglich, mich richtig auf die Geschichte einzulassen. Wenngleich mir die grobe Richtung gefällt, in die die Story verläuft, werde ich die Reihe wohl nicht weiterverfolgen.

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Dein Lächeln an diesen verdammten Tagen

Katie McGarry , Lisa Maria Rust , Carolin Liepins
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.04.2018
ISBN 9783841505118
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist immer ein sehr gutes Zeichen, wenn man sich auf den ersten Seiten schon mehrfach nicht eines Grinsens erwähren kann. Dadurch wusste ich sofort, dass ich sowohl den Schreibstil von Katie McGarry toll finde als auch Echos Denkweise. Die Narration hat - besonders am Anfang - eine wunderbar sarkastische Färbung. Genau genommen trieft er aus jedem dritten Satz, womit man bei mir immer punkten kann. Der Beginn liefert gleich eine Fülle von Informationen zur weiblichen Protagonistin, angefangen bei ihrem angespannten Verhältnis zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, ihrer Trauer um ihren verstorbenen Bruder Aires (die Namenswahl von McGarry ist wirklich klasse!) über die Art von Mensch, die Echo einst war und der sie jetzt ist, bis hin zu den Gedächtnislücken, die sie aufgrund traumatischer Ereignisse hat und deretwegen sie in Therapie ist. Trotzdem nimmt die Autorin nicht gleich zu viel vorweg und hat damit meine Neugier entfacht. McGarry hat so, zumindest für mein Dafürhalten, die perfekte Basis für eine parasoziale Beziehung zu Echo gebildet. Im Laufe des Romans habe ich eine Person kennengelernt, die sich ihre eigene Meinung bildet, verzeihen kann und Menschen eine Chance gibt, die von anderen bereits abgeschrieben wurden, die witzig und melancholisch, sanftmütig und aufbrausend sowie verletztlich und stark sein kann. Das macht sie zu einem komplexen, plastischen Charakter, der der Geschichte Leben einhaucht. Zwar habe ich ihr Verhalten und ihre Entscheidungen nicht immer gutgeheißen, aber ich konnte ihre Wut, ihre Unsicherheiten, ihre Trauer, eigentlich die gesamte Palette ihrer Emotionen, sehr gut nachvollziehen.
Der zweite Ich-Erzähler ist Noah, der (wie könnte es auch anders sein?) das Klischee des missverstandenen, mysteriösen Troublemakers erfüllt, dessen düstere Aura einen sowohl abschreckt als auch magisch anzieht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von diesem Schema immer weniger angetan bin, einfach, weil es inzwischen viel zu häufig Einzug in Romane hält. Es ist aber auch noch nicht so, dass sich mir die aNackenhaare aufstellen, sobald es mir in einer Geschichte begegnet. (Außerdem kann ich mich nicht wirklich darüber aufregen, schließlich zwingt mich keiner dazu, diese Bücher zu lesen.) Wie es in den meisten Fällen ist, steckt auch bei Noah unter der harten Schale ein weicher Kern. Je näher Echo und er sich gekommen sind, desto mehr ist er in meinen Augen zum Softie mutiert, auch wenn mir zum Glück schwülstige Liebensbekundungen erspart geblieben sind. Für meinen Geschmack wirkte er ein bisschen zu sehr auf Echo fixiert bzw. schienen sich seine Gedanken fast nur noch um sie zu drehen. Ich hatte fast schon das Gefühl, als wäre er einzig allein dazu da, um Echos Ego wieder aufzubauen. Für meinen Geschmack hat er auch ein paar mal zu häufig erwähnt, wie sexy sie ist. Ich verstehe zwar, dass es wichtig ist, zu vermitteln, dass auch Menschen mit auffälligen Narben noch schön sind, aber es war auf Dauer nervtötend. Wesentlich mehr hat mich an ihm eigentlich seine eigene Familiensituation interessiert, denn die ist ebenso konfliktreich und dramatisch wie die von Echo. Daher hätte ich mir gewünscht, dass das Potenzial ein bisschen mehr ausgeschöpft worden wäre.
Im Großen und Ganzen kann ich mich aber nicht über die Ereigniskette und die Erzählweise beklagen. McGarry hat durch das bewusste Vorenthalten der Informationen, was Echo zugestoßen ist, bis zur Auflösung Spannung erzeugt. Die hat mich übrigens auch nicht enttäuscht. Allerdings hat man den Spannungsabfall danach recht deutlich beim Lesen gemerkt. Statt einen abrupten Cut zu machen, hat sich McGarry Zeit genommen, die Geschichte (vernünftig) auslaufen zu lassen. Man wird also nicht im Regen stehen gelassen, was ich persönlich sehr begrüße.

Mein Fazit

"Dein Lächeln in diesen verdammten Tagen" hat mir einen fantastischen ersten Eindruck vermittelt, da Schreibstil und Protagonistin bei mir voll ins Schwarze getroffen haben. Dieser Eindruck hat sich auch im weiteren Verlauf bestätigt, wenngleich meine Begeisterung minimal nachgelassen hat, nachdem der erste "Rausch" verflogen ist. Das lag teils an klischeehaften Personendarstellungen und (in meinen Augen) unzureichenden Ausführungen, was Noahs Familiengeschichte betrifft, teils auch daran, dass der Roman bisweilen etwas ins Kitschig-Schmalzige abgedriftet ist, was mir persönlich nicht wirklich gefällt. Trotzdem ist es ein toller, emotionsgeladener Jugendroman, den ich auch für andere Fans des Genres kaufen würde!

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I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich

Cleo Leuchtenberg , Andrea Pieper , Claudia Brendler , Andrea Pieper
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.08.2018
ISBN 9783789108525
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mein erster Eindruck vom Buch war ausgesprochen positiv. Ich bin sehr gut in die Geschichte reingekommen und war entsprechend zum Weiterlesen motiviert. Ich habe gleich ein gewisses Mitgefühl für Lilly entwickelt, da sie offensichtlich gerade unter dem Ende einer Beziehung leidet. Der Erzählstil passte da auch meiner Meinung nach sehr gut: relativ kurze Hauptsätze, fast schon sachliche Schilderungen des Geschehens, vermischt mit Lillys Gedanken und Gefühlen. Auf mich persönlich hat das so gewirkt, als würde für Lilly gerade alles unwirklich sein, als könne sie das Geschehen nur portionsweise verarbeiten, Stück für Stück. Als würde sie unter Schock stehen. Das hat mich sofort gepackt und in die Geschichte hineingesogen. Nun folgt jedoch gleich das große Aber: So lobenswert ich diesen Stil auch empfunden habe, gegen Ende hatte er eher den gegenteiligen Effekt auf mich. Die kurzen Sätze, die teilweise nicht zu Ende geführt wurden, und daher wie lose Gedanken in der Luft schwebten, haben meinen Leserhythmus zunehmend beeinträchtigt. Es wirkte abgehackt, gehezt, hart und eben auch unvollständig. Bei einem Thriller oder einer actiongeladenen Geschichte hätte ich das ganz passend gefunden (bei Rick Yancey hat das zum Beispiel wunderbar zur Atmosphäre beigetragen), bei dieser Lovestory hat es aber in den "wichtigen" Momenten verhindert, dass bei mir romantische Stimmung aufkam. Ich steh dem sprachlichen Ausdruck also mit gemischten Gefühlen gegenüber.
Aber zurück zu den Protagonisten. Ich empfand es etwas paradox, wie introvertiert und unsicher Lilly war, wenn man bedenkt, dass sie Schauspielerin ist. Ich möchte nicht behaupten, dass (überspitzt ausgedrückt) Schauspieler/innen generell geltungsbedürftige Egomanen sind, aber für ein Leben im Rampenlicht sollte man doch zumindest ein gesundes Selbstvertrauen haben, oder sehe ich das falsch? Abgesehen davon empfand ich Lilly aber als angenehmen Charakter: zwar kein herausragender, aber sie hat mich auch nicht in den Wahnsinn getrieben. Dafür hatte ich ja Ben. Eigentlich fand ich auch ihn unmittelbar am Anfang okay. Was ich aber gar nicht an ihm leiden konnte, waren seine Vorurteile gegenüber Lilly und die damit verbundene passiv-aggressive Art. Natürlich zieht das darauf ab, dass zwischen den beiden erst mal dicke Luft herrscht und es so viel interessanter mitzuverfolgen ist, wie die beiden umeinander herumschleichen. Trotzdem hat er mit diesem Verhalten des Öfteren meine Nerven strapaziert. Auch, nachdem ich seinen Background kannte, mangelte es mir manchmal an Verständnis für ihn. Das ging mir aber tatsächlich nur so, wenn er mit Lilly zusammen war. Wenn er auf sich allein gestellt war, hatte ich keine Probleme mit ihm.
Lange Zeit erschien mir die Chemie zwischen den beiden also nicht zu stimmen. Zum Glück kam ich dann doch noch an den Punkt, an dem ich das anders empfunden habe, und so haben sie irgendwann in der zweiten Hälfte dann doch noch mein Herz erweicht. Vielleicht, weil ich ab da überzeugt war, dass ihre Gefühle wirklich Zeit zum Wachsen und eine Grundlage hatten und nicht rein auf "magischer Anziehung" basierten. Trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass Lilly und Ben für mich auch am Ende kein Paar gewesen sind, das mir unter die Haut gekrochen ist.
Was ich aber wirklich ohne Wenn und Aber klasse fand, war das ganze Drumherum. Speziell die detaillierten Informationen zum Handwerk eines Synchronsprechers, den Casting- und Tagesabläufen und den Sprech- und Stimmtechniken waren toll. Das war a) aufschlussreich und b) hat es sehr viel Authentizität vermittelt. Da merkt man, dass eine Hälfte des Autorenduos aus der Branche kommt. Dieser Part ist also wirklich super gelungen! Da wünscht man sich direkt mehr Bücher über Synchronsprecher (außerdem weiß ich ihre Arbeit jetzt deutlich mehr zu würdigen).

Mein Fazit

Angefangen bei den Protagonisten bis hin zum Schreibstil hat ILYHNLNILD bei mir sehr viele konträre Gefühle ausgelöst: Von absoluter Begeisterung bis Frustration war fast alles dabei. Die jeweiligen Hintergründe von Ben und Lilly fand ich zum Beispiel ganz interessant und als individuelle Charaktere mochte ich sie ganz gerne. Nur mit den beiden als Pärchen habe ich lange Zeit gehadert, weil die Chemie zwischen den beiden auf mich forciert wirkte. Meine persönlichen Pros und Kontras halten sich letztlich die Waage, deswegen werde ich den Roman zwar nicht in die Riege meiner Lieblingsbücher aufnehmen, einen Fehlgriff habe ich damit aber ganz sicher auch nicht gemacht.

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Das Herz im Glas

Katharina V. Haderer , Katharina V. Haderer
Flexibler Einband: 424 Seiten
Erschienen bei Drachenmond Verlag GmbH , 25.03.2017
ISBN 9783959913317
Genre: Fantasy

Rezension:

Beginnen wir wie immer mit dem Einstieg in die Handlung. Der hat sich für mich diesmal als etwas holprig entpuppt. Nicht, weil er schlecht geschrieben wäre, sondern weil ich erstmal das Gefühl hatte, mir würde eine komplette Vorgeschichte fehlen. Das ist ja an sich nicht unüblich, aber mir ist es hier etwas stärker aufgefallen, ganz so, als hätte ich ein paar Kapitel verpasst. Erst nach einer Weile erfährt man, wie das Herz im Glas, um das es die ganze Zeit geht, in Aennes Besitz gelangt ist und wieso sie mit ihrem Bruder Caedes überhaupt auf Reisen ist. Bis zu diesem erhellenden Moment fehlte mir völlig die Handlungsmotivation der beiden.
Diese kleine Wissenslücke hat sich aber nicht negativ auf mein allgemeines Interesse am Geschehen ausgewirkt. Das liegt zum einen an dem Ereignisreichtum, den stetig wachsenden Charakterstab und dem sonstigen Informationsinput, die keine Langeweile aufkommen lassen. Zum anderen lag es auch an dem Erzählstil der Autorin an sich. Sie schreibt sehr gut, sodass die Sätze flüssig zu lesen waren, und geht bei wichtigen Szenen auf entsprechende Aspekte detaillierter ein, damit man sich die Ereignisse oder Menschen gut vorstellen kann. Besonders habe ich beim Lesen geliebt, dass ich fast durchgängig dieses typische Rollenspiel-Feeling hatte, das ich sonst bei Videospielen wie Dragon Age & Co. bekomme. Das geht mir (selbst bei anderen Fantasy-Romanen) nicht allzu häufig so, deswegen habe ich das hier besonders genossen. An der ein oder anderen Stelle war die Ausdrucksweise nicht ganz zeitgemäß. Ich bezweifle z.B., dass es in dieser mittelalterlich anmutenden Welt tatsächlich Wörter wie "schwul" existieren. Das war aber eher die Ausnahme als die Regel und natürlich ist es kein Historien-, sondern ein Fantasyroman, weshalb ja prinzipiell alles möglich ist. Daher ist dieser Punkt auch nicht in meine Bewertung mit eingeflossen.
Selbst die vereinzelten gedichteten Passagen waren angenehm zu lesen und gut gereimt. Das will tatsächlich was heißen, denn normalerweise bin ich von Gedichten innerhalb von Prosa wenig begeistert.
Über die Handlung und die Akteure will ich eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren, weil ich anderen Lesern nicht so viel vorwegnehmen möchte. Man sollte sich allerdings darauf gefasst machen, dass man von diversen Figuren überrascht wird. Manche überschätzt man, manche wird man wohl unterschätzen. Und ein reines Schwarz-Weiß-Denken wird einen wohl nicht weiterbringen. Ebenso abwechslungsreich und überraschend war auch die Ereigniskette. Die Autorin hat mich das ein oder andere Mal auf die falsche Fährte gelockt und mich immer wieder zum Zweifeln gebracht, ob ich denn gerade den richtigen bzw. die richtige Person verdächtige. Rohe Gewalt und Intrigen nehmen eine große Rolle in der Handlung ein - zwar nicht im Umfang von GoT, aber doch nicht wenig. Manche Szenen waren blutig bis hin zu ekelerregend, was mich viel Überwindung gekostet hat, um die Passagen nicht zu überspringen. Ich hatte Angst, sonst wichtige Details zu verpassen, denn sie waren tatsächlich relevant für den weiteren Verlauf. (Anmerkung: In der Beziehung bin ich aber auch eine Mimose - bei blutigen Folterszenen bin ich raus.)
Wirklich nicht überzeugt war ich von der bereits im Klappentext angedeuteten Liebesgeschichte. Das lag aber auch daran, dass mir eine der beiden Parteien bis kurz vor Schluss schlichtweg unsympathisch war, weshalb ich beim Lesen jedes Mal genervt war, wenn sie aufgetreten ist (und das war leider sehr häufig).

Mein Fazit

Ich bin ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass "Das Herz im Glas" bei mir so viel Begeisterung hervorrufen würde. Nachdem sich die anfängliche Verwirrung gelegt bzw. meine Wissenslücken ausreichend gefüllt waren, war ich komplett gefangen von den Ereignissen in Terra Talioni. Die Autorin hat einfach die richtige Atmosphäre kreiert und genügend Spannung erzeugt. Lediglich der ein oder andere Charakter sowie einige wenige Längen haben mir ein paar Schwierigkeiten bereitet, ansonsten war es super!

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Die Oberfläche des Glücks

Claire Kells , Ralf Schmitz
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK , 14.07.2016
ISBN 9783863960964
Genre: Liebesromane

Rezension:

Der Einstieg in die Geschichte ist mir unglaublich leicht gefallen: zum einen aufgrund des Schreibstils, der meinen ganz persönlichen Geschmack getroffen hat, zum anderen aufgrund der Protagonistin Avery, zu der ich auf Anhieb einen Draht hatte. Sie ist nicht der Typ für pubertäre Dramatik oder fürs Luftschlösserbauen, eher die Sorte "Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isses". Genau das hat sich auch während des Flugzeugabsturzes bzw. unmittelbar danach ausgezahlt. Sie hat zwar Angst gehabt, hat sich oftmals ratlos gefühlt, aber sie hat sich zusammengerissen, von Moment zu Moment gelebt und das beste aus der Situation gemacht. Diese Eigenschaften habe ich an ihr sehr gemocht, weshalb mich ihr innerer Kampf auch nicht kalt gelassen hat.
Die Entscheidung, die Geschichte nicht chronologisch zu erzählen, war prinzipiell eine gute Lösung, hatte aber auch seine Tücken. Ich mochte den Wechsel zwischen dem gegenwärtigen Geschehen und der Rückblende zum traumatischen Flugzeugabsturz bzw. den Ereignissen danach. Dadurch war die Frage, ob sie überleben, von Anfang an vom Tisch und man musste nicht befürchten, dass man am Ende einen herben Verlust zu verkraften hat. Mich hat das sehr beruhigt. Stattdessen stand ständig die Frage im Raum, was denn nun auf der Insel passiert ist. Genau das hat für mich während des Lesens den Reiz ausgemacht. Allerdings (und das ist der Knackpunkt) war die Auflösung selbst nicht so spektakulär, wie man aufgrund von Averys Schweigen vielleicht vermutet hätte. Das war für mich letztlich das Zünglein an der Waage, warum ich nicht restlos begeistert vom Buch begeistert war. Die Struktur hat zwar neugierig auf den Ursprung, das Davor, gemacht. Da aber der Knalleffekt mit dem Flugzeugabsturz schon von Anfang an bekannt war und sich letzten Endes auch als der einzige erwiesen hat, hat man retrospektiv das Gefühl, als wäre die Story danach etwas unaufgeregt vor sich hingeplätschert.
Neben der Verarbeitung der Katastrophe gibt es noch einen zweiten thematischen Schwerpunkt: das Liebesdreieck zwischen Avery, Colin und Lee. Man mag sich jetzt vielleicht fragen, ob das denn wirklich nötig gewesen wäre. Höchstwahrscheinlich war es das nicht. Es hat der Geschichte allerdings auch nicht direkt geschadet. Da die Autorin teilweise auch zurück zum Kennenlernen von Avery, Colin und Lee springt, kann man ihre Entwicklung mitverfolgen. Dadurch war es für mich einfacher, ein Gefühl für die drei als Individuen zu entwickeln und mir ein Bild von dieser unglücklichen Dreiecksgeschichte zu machen. Klischees sind zwar auch hier vorhanden, aber nicht in einem Umfang, dass sie mich gestört hätten. Zumal sich Lee auch nicht als "der Böse" entpuppt hat, wie das in den meisten Fällen ja ist und durchaus ein paar glanzvolle Momente hatte. Es war auch nicht sonderlich schwer, Sympathien für Colin zu entwickeln: Er ist ein Sonnyboy durch und durch, noch dazu höflich, rücksichts- und aufopferungsvoll und selbst in schwierigen Situationen positiv denkend. Und natürlich sieht er klasse aus (für mich persönlich war das schon wieder zu viel des Guten, aber sei´s drum). Dadurch konnte ich gut nachvollziehen, warum Avery zwischen den beiden hin- und hergerissen war. Ich bin auch sehr froh gewesen, dass die Autorin einem die übertriebene Melodramatik einer pubertären Lovestory erspart hat. Ich hatte zumindest das Gefühl, dass die drei doch etwas erwachsener mit dem Problem umgegangen sind.

Mein Fazit

"Die Oberfläche des Glücks" hat die meisten meiner Erwartungen erfüllt, aber letztlich nicht alle. Claire Kells bringt das Bedrückende, die Ernsthaftigkeit, der Thematik gut rüber, ohne den Leser zu erdrücken. Die unchronologische Ereigniswiedergabe sorgt für Dynamik, hat aber retrospektiv einen Schönheitsfehler: der Höhepunkt steht am Anfang und bekommt kein entsprechendes Pendant zum Schluss. Mich persönlich hat das etwas unbefriedigt zurückgelassen.

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Für immer Blue

Amy Harmon
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei INK , 01.10.2015
ISBN 9783863960766
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich weiß nicht ganz, was es über mich aussagt, dass mich an "Für immer Blue" neben der Autorin vor allem das Thema "verbotenes Lehrer-Schüler-Verhältnis" gereizt hat. Gleichzeitig hatte ich einige Bedenken, denn das Thema kann - wenn man es falsch angeht - schnell anstößig bzw. abstoßend und/oder oberflächlich geraten. Das war hier zum Glück nicht der Fall. Harmon beweist viel Fingerspitzengefühl, geht auf ihre Charaktere ein, sodass man sie versteht, lässt Gefühle nur zaghaft wachsen und vor allem lässt sie Blue Darcy sich in Zurückhaltung üben. Sie verbringen zwar viel Zeit miteinander und führen Gespräche, die man eher als privat einstufen würde, aber sie überschreiten lange Zeit nicht die Grenze zu etwas Romantischem. Annäherungsversuche gibt es in dem Sinne nicht. Über weite Strecken (über die Hälfte des Buches) spielen körperliche Nähe oder Lustgefühle eigentlich keine Rolle. Man erlebt keinen liebeskranken Teenager, der sich nach Aufmerksamkeit verzehrt und aus einer Schwärmerei mehr macht, als sie ist. Stattdessen lernt man eine junge Frau kennen, die mit einer Menge Mist in ihrem Leben zu kämpfen hatte und noch zu kämpfen hat und endlich jemanden gefunden hat, der ihr die Zuversicht gibt, dass ihr die Welt offen steht. Das Ganze spielt sich - zumindest zu Beginn - auf rein emotionaler Ebene ab. Geborgenheit und gegenseitiges Verständnis sind viel wichtiger. Harmon hat mir hier etwas vermittelt, was mir Colleen Hoover mit ihrer Will-und-Layken-Geschichte nicht vermitteln konnte: Intimität, die rein gar nichts mit Lust zu tun. Vielleicht habe ich Blue und Darcy deswegen ihre Gefühle deutlich mehr abgekauft und habe wesentlich mehr mit ihnen mitgefiebert.
Letzten Endes klingt der Klappentext aber auch weitaus skandalöser, als der Inhalt tatsächlich ist. Zum einen wird das Heikle dadurch abgeschwächt, dass Blue zwar noch Schülerin ist, aber bereits 19 oder 20 Jahre alt (ja, das ist aufgrund ihrer vertrakten Familienverhältnisse möglich); und Darcy Williams ist zwar ihr Lehrer, aber gerade mal 22 Jahre alt (das wiederum hat mit seiner Intelligenz zu tun). Zum anderen (Vorsicht Mini-Spoiler!) erfolgt nach einem Drittel des Buches eine Art Cut, als Blue die Highschool beendet und somit das Lehrer-Schüler-Verhältnis aufgelöst wird. Die beiden verbringen dennoch viel Zeit miteinander, weil Darcy Blue aufgrund ihrer misslichen Lage unter die Arme greift. Ab diesem Moment ist ein deutlicher Wandel im Gefühlsleben, aber auch in Harmons Erzählstil spührbar. Zumindest habe ich ihn als etwas erwachsener empfunden.
Dass Blue und Darcy rein rechtlich nichts mehr im Weg steht, bedeutet aber nicht, dass sie es sich nicht schwerer machen, als es sein müsste. Es folgen lange Wartezeiten, Phasen, in denen sie sogar auf Abstand gehen, Vorwürfe und Streitereien. Aus der Distanz betrachtet wirkt es wie eine unnötige Herauszögerung des Unvermeidlichen, beim Lesen empfindet man es aber keineswegs so. Das Tempo war vollkommen angemessen, insbesondere da Blue auch noch ganz andere Dinge zu verarbeiten hat. Das wiederum bringt mich zum nächsten Punkt.
Um hier keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Es geht nicht ausschließlich um Liebe. Viel wichtiger sind eigentlich die Themen Familie, Identitätsfindung und Selbstakzeptanz, die sich durch das ganze Buch ziehen. Wie oben erwähnt sind Blues familiäre Verhältnisse sehr vertrakt, da sie nicht weiß, wer ihre Eltern sind und bei diversen Pflegeeltern aufgewachsen ist. Diese Ungewissheit nagt an ihr und beeinflusst all ihre Entscheidungen, auch jene, die mit Darcy in Verbindung stehen. Im Grunde ist das der Hauptkonflikt der Story, was sie in meinen Augen weitaus vielschichtiger macht, als sie es ausschließlich mit dem Liebesdilemma gewesen wäre.

Mein Fazit

Einer der Gründe, warum ich Amy Harmons Bücher so gerne lese, ist, dass ihre Geschichten zwar im Kern immer um dieselben Themen kreisen (Liebe und Selbstliebe), aber auch immer eine ganz eigene Note haben. Die Plotentwürfe ähneln sich allenfalls entfernt, jeder ihrer Charaktere ist einzigartig und gut ausgearbeitet, dass man sich als Leser in die Figur und die Story hineinfühlen kann. Deswegen werde ich ihrer Werke auch nicht überdrüssig. "Für immer Blue" bildet da keine Ausnahme.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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338 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

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Unendlich wir

Amy Harmon , Jeanette Bauroth , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei INK, 02.04.2015
ISBN 9783863960803
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Jetzt steht es endgültig für mich fest: Amy Harmon gehört jetzt ebenfalls auf die Liste meiner Lieblingsautoren/-innen, denn mit "Unendlich wir" hat sie sich nun endgültig in mein Herz geschrieben. Zwar hat "Undendlich wir" im Vergleich nicht ganz dieselbe Sogwirkung auf mich ausgeübt wie zuvor "Vor uns das Leben", aber trotzdem hat es mir von Anfang bis Ende ein wunderbares Lebeerlebnis beschert.
Dass die Wirkung etwas weniger stark ausgefallen ist, lag aber nicht daran, dass ich die Charaktere nicht mochte oder die Ereigniskette nicht interessant fand. Es hing eher damit zusammen, dass mir die Passagen, in denen es um die Gefühlswelt von Bonnie und Clyde ging, für meinen Geschmack des Öfteren zu melodramatisch formuliert waren. Ich bin eher der "dezente" Typ, d.h. es ist mir lieber, wenn ich mir die Intensität der Gefühle über kleine Gesten, Blicke, Aussagen usw. erschließen muss und sie mir nicht förmlich ins Gesicht geschleudert werden. Mir ist klar, dass nicht jeder diese Präferenz teilt und es entsprechend Leser gibt, die genau diese Passagen lieben (werden). Für mich war es aber ein Störfaktor. Das heißt natürlich nicht, dass ich Bonnie und Clyde als Paar nicht super und ihre Gefühle nicht glaubwürdig gefunden hätte. Ihre Beziehung hat sich zwar ziemlich rasant entwickelt, aber das ist unter den Umständen ihres Kennenlernens und auch aufgrund ihrer ähnlichen Erfahrungen vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich. Das Wichtigste ist letztlich wohl, dass sie einander verstehen, wissen, was der andere braucht, und die Schönheit in den Schwächen und Fehlern des anderen sehen. Und das war hier definitiv der Fall (besonders das Wortspiel mit Finns Namen ist einfach zum Dahinschmelzen süß).
Auch als Einzelcharaktere haben sie mir gut gefallen: auf der einen Seite Bonnie als die junge Frau, die ihren Traum lebt und doch unglücklich ist und sich unvollständig fühlt, auf der anderen Seite Clyde, der am unteren Ende der Sozialpyramide steht und dessen Leben ein Scherbenhaufen ist. An Bonnie mochte ich ihre Impulsivität ihre Fähigkeit, Menschen ohne Vorurteile zu begegnen, und ihre Liebe zur Musik, an Finn seine Bodenständigkeit, die beruhigende Wirkung, die er auf Bonnie hat, und seine Liebe zur Mathematik, die ihm das Gefühl von Ordnung in einer chaotischen Welt gibt. Es ist hier wohl die Gegensätzlichkeit der beiden, die den Reiz ausmacht. Einen weiteren Pluspunkt gibt es übrigens auch dafür, dass Finn zwar den Stempel des Exhäftlings aufgedrückt bekommt, aber nicht als Bad Boy dargestellt wird. Ich würde ihn zwar nicht unbedingt als sensibel bezeichnen, aber er ist der umsichtige, nachdenkliche Typ und hat definitiv seine Softie-Momente.
Zum Rest der Geschichte kann ich mich ebenfalls fast nur lobend äußern. Zum einen fand ich die Idee, die Handlung in Anlehnung an die Geschichte von Bonnie Parker und Clyde Barrow zu entwickeln, grandios. Road-Trip-Storys bzw. Geschichten, bei denen man viel unterwegs ist, haben ja immer ihre ganz eigene Dynamik, weil man ständig in Bewegung ist und immer etwas Neues erlebt. Daher wurde es für die beiden Protagonisten und auch für mich als Leserin nicht langweilig (ich habe direkt Lust bekommen, den Film zu schauen). Da die Reise aber eher einer Flucht entsprach, hat die Handlung noch einmal an Tempo und Spannung gewonnen. Hinzu kommen das familiäre und (untrennbar damit verknüpfte) berufliche Drama in Bonnies Leben, Finns kriminelle Vergangenheit, die Trauer der beiden und natürlich die romantischen Gefühle, die ziemlich bald aufkeimen. Die Summe dieser Einzelteile macht diese Geschichte so fesselnd und berührend, nicht zu vergessen natürlich die sprachliche Umsetzung (mit oben erwähnten kleinen Abstrichen).

Mein Fazit

Erwartet habe ich vom Roman eine toll geschriebene, turbulente, intensive Liebesgeschichte. Bekommen habe ich genau das - aber auch die Geschichte von zwei Seelen, die einen Teil ihrer Selbst verloren haben und mit diesem Verlust zu kämpfen haben. Dadurch sind Fynn und Bonnie auch als Einzelcharaktere sehr interessant gewesen. Lediglich einige zu melodramatisch formulierte Passagen haben mich stärker gestört, gegen die ich im Allgemeinen eine ziemich heftige Abneigung habe.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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110 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Nur einen Klick entfernt

Kira Gembri
E-Buch Text: 252 Seiten
Erschienen bei null, 31.01.2016
ISBN B01BCM64FO
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als inoffizielles Mitglied von Kira Gembris Fanclub musste ich natürlich auch dieses Selfpublisher-Werk von ihr lesen. Ich habe bisher all ihre Jugend- und New Adult-Romane geliebt, auch wenn - oder gerade weil - sie immer einem festen Schema folgen und ich immer weiß, was mich erwartet. Nur einen Klick entfernt war da überraschend anders - auf gute Weise!
Die Umsetzung des Romans als Mail- und Chataustausch ist natürlich nicht mehr neu, aber nicht jedem gelingt es, eine Handlung in eine solche Form zu gießen (man muss z.B. sämtliche Deskriptionen von Ereignissen, Mimik, Gestik etc. möglichst natürlich in einen Dialog einfließen lassen). Kira Gembri ist das meiner Meinung sehr gut gelungen. Zumindest konnte ich mir Luna und Tom beim Schreiben bzw. allgemein als Personen gut vorstellen. Gembri hat es auf jeden Fall geschafft, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Tom und Luna waren für mich so greifbar und präsent, dass ich zu keinem Zeitpunkt weitere Charaktere vermisst habe. Manchmal habe ich mich (vor allem bei Tom) zwar schon gefragt, wie das Leben außerhalb der Onlinekorrespondenz aussieht, aber Gembri hat durchaus ihre Gründe, warum sie den Leser gerade diesbezüglich im Unklaren lässt. Toms Geheimniskrämerei ist wesentlicher Teil des zentralen Konflikts. An der Stelle muss ich aber gleich meinen (einzigen) Kritikpunkt anbringen: Aus dramatischer Sicht schlägt der Roman eher kleine Wellen, wirklich "aufregend" wird es in dem Sinne eher nicht. Es gibt ein paar kleinere Aufreger, aber keine markerschütternden Enthüllungen oder melodramatische Momente. Trotzdem war Toms und Lunas Annäherung, angefangen vom Kennenlernen unter ziemlich ungewöhnlichen Umständen bis hin zum Finale, sehr süß mitzuverfolgen, denn man kommt nicht umhin, die beiden ins Herz zu schließen.
Obwohl das Ensemble gerade mal aus diesen zwei Personen besteht, hat der Unterhaltungswert des Buches darunter keineswegs gelitten. Zwischen den beiden entspinnt sich ein witziger, intelligenter, zuckersüßer, aber auch mal bitterböser Wortaustausch, bei dem Kira Gembri ihre Wortgewandtheit unter Beweis stellen kann. Die Sätze reihen sich nahezu spielerisch und leichtfüßig aneinander, wodurch man gar nicht merkt, wie beim Lesen die Zeit verfliegt. Man mag natürlich darüber diskutieren können, ob zwei Fremde in der Form im wahren Leben tatsächlich so miteinander kommunizieren würden (speziell die Komplimente waren für meinen Geschmack manchmal etwas over the top), aber das ist bei Fiktion für mich kein (bzw. selten ein) Bewertungskriterium.

Fazit

Wer Kira Gembri liebt, wird auch diesen Roman mögen. Er ist gewohnt gut - und gleichzeitig ungewohnt, weil es nicht dem üblichen Schema ihrer Jugend-/New Adult-Romanen entspricht. Der Fokus auf Herzensangelegenheiten bleibt, die Struktur ist aber anders, was wiederum eine ganz andere Dynamik herbeiführt. Der größte Pluspunkt ist, dass Gembri einfach toll und (überwiegend) amüsant schreibt, wodurch mir das Lesen einfach Spaß gemacht hat.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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128 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

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Clean

Juno Dawson , Christel Kröning
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.06.2018
ISBN 9783551583826
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gleich zu Beginn meiner Rezension möchte ich anmerken, dass ich Schriftsteller/innen bewundere, die sich in ihren Romanen mit Suchtproblemen auseinandersetzen. Das Innenleben eines Süchtigen adäquat abzubilden, ohne den Leser zu überfordern oder zu verprellen, und die Gefahren von Drogen- und Alkoholkonsum so darzustellen, dass man sich ihrer gewahr ist und sie verinnerlicht, sich aber nicht belehrt fühlt, sind sicherlich eine große Herausforderung beim Schreiben. Ich bin froh, dass es immer mehr Autoren/-innen gibt, die sich an solch brisante Themen wagen, gerade wenn sich ihre Werke an eine jugendliche Zielgruppe richten.  Lange Rede, kurzer Sinn: Bei mir stehen solche Bücher hoch im Kurs. Der Plot von "Clean" klang äußerst vielversprechend und die Ausgangssituation hat in meinen Augen viel Konfliktpotenzial geboten. Die Umsetzung selbst hat mir dann allerdings beim Lesen Schwierigkeiten bereitet.
Genau genommen hatte ich nur ein einziges Problem, das sich aber leider durch den gesamten Leseprozess gezogen hat: die Charaktere bzw. meine Unfähigkeit, mich mit ihnen zu identifizieren und/oder Verständnis für sie aufzubringen. Ich habe weder einen Zugang zu Protagonisitn Lexi noch zu den übrigen Patienten gefunden. Bei Letzteren liegt das vorwiegend daran, dass man nur grob darüber informiert wird, weswegen sie behandelt werden, und daran, dass die Momente der Interaktion immer nur von kurzer Dauer sind. Ich hatte nie das Gefühl, bei ihnen tiefer vorzudringen und konnte daher nicht Anteil an ihren Problemen nehmen oder mich in irgendeiner Weise betroffen fühlen. Das ist bei einem Roman, der Suchtkrankheiten und Neurosen behandelt und damit den Fokus auf die Person legt, wirklich schade. Bei Lexi wiederum würde ich meine Distanz darauf zurückführen, dass mir speziell am Anfang ihre Attitüde nicht gefallen hat. Sie erscheint sehr abweisend, unfreundlich, respektlos und bisweilen etwas hochnäsig - wie ein "klassischer" aufmüpfiger, defensiver Teenager, wenn man so will (was aber nicht zutreffend ist). Ihre passive Aggressivität lässt sich wohl vor allem mit ihrer Drogensucht begründen, weshalb ich ihr ihr Verhalten nachsehen konnte. Aber selbst, als sie sich auf dem Weg der Besserung befand, hat sich meine Leserbeziehung zu ihr nur bedingt verbessert. Sie hat zwar Sympathiepunkte dafür gesammelt, dass sie deutlich freundlicher und mitfühlender aufgetreten ist und sich einsichtig gezeigt hat. Aber auch dann hatte ich fortwährend den Eindruck, sie würde selbst eine Barriere zwischen sich und dem Leser errichten. Letztlich hat die Summe dieser Teilkomponenten dazu geführt, dass die gesamte Gruppe und auch Lexis Freundeskreis außerhalb in meinen Augen leider "nur" ein paar priveligierter Jugendlicher mit zu viel Geld und zu viel Langeweile blieben - selbst jene, bei denen die Krankheiten offenbar tiefere Wurzeln haben.
Wie glaubhaft die Drogensucht bzw. der Entzug dargestellt wurde, kann ich mangels persönlicher Erfahrung nur eingeschränkt beurteilen. Während des Lesens kam mir die Entwicklung, die Lexi gemacht hat, etwas rasant vor, wobei ich diese Aussage aufrund der späteren Ereignisse nach Beendigung des Buches relativieren muss (an der Stelle keine Spoiler meinerseits). Auch das Tempo von mancher Beziehung, die Lexi im Verlauf ihres Klinikaufenthalts aufgebaut hat, habe ich persönlich als zu schnell empfunden. Speziell bei einer Person hatte ich den Eindruck, als würden sie direkt von 0 auf 100 durchstarten, sodass ich nicht genug Zeit hatte, ein entsprechendes Gefühl für sie zu entwickeln. Die Bindung kam mir einfach etwas forciert vor.
Positiv möchte ich mich allerdings zum sprachlichen Aspekt äußern. Ich denke, dass Juno Dawson den Ton einer jungen Erwachsenen (in diesen gesellschaftlichen Kreisen und unter diesen speziellen Umständen) gut getroffen hat. Ich mag zwar nicht immer begeistert von Lexis Haltung und ihrer Ausdrucksweise gewesen sein, aber zielgruppengerecht waren sie durchaus.

Mein Fazit

Die Geschichte entsprach vom Aufbau und vom inaltlichen Input im Großen und Ganzen meinen Erwartungen, mein Problem bestand eigentlich nur auf zwischenmenschlicher Ebene. Sowohl die Protagonistin als auch die übrigen Patienten sind nach Beendigung des Buches Fremde, allenfalls entfernte Bekannte für mich gewesen, sodass ich von ihren Leidenswegen nicht sonderlich ergriffen war. Angesichts der Thematik war das beim Lesen ein großes Hindernis, das meinen Gesamteindruck leider negativ beeinflusst hat.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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427 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 96 Rezensionen

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Vor uns das Leben

Amy Harmon , Jeannette Bauroth , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei INK , 02.10.2014
ISBN 9783863960735
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe noch nicht allzu viele Romane von Amy Harmon gelesen, aber es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie sich langsam, aber sicher zu einer meiner Lieblingsautorinnen mausern wird. Der Inhalt von "Vor uns das Leben" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen, weil es thematisch und stilistisch genau meins war und die Charaktere genau meinem Geschmack entsprachen.
Der Roman startet wie die typische Hässliches-Entlein-verliebt-sich-in-Märchenprinzen-Geschichte, denn Fern himmelt den Rugby-Star ihrer High School, Ambrose Young, aus der Ferne an, während er jedoch ein Auge auf ihre beste Freundin Rita geworfen hat. Weil Fern eine tolle Freundin ist, versucht sie dem potenziellen Liebesglück auf die Sprünge zu helfen, obwohl es ihr selbst das Herz bricht: Sie schreibt in Ritas Namen Briefe und kleine Notizen an Ambrose - Stoff für eine romantische Komödie also. Aber das ist "Vor uns das Leben" keineswegs. Im Gegenteil lastet auf der Geschichte eher eine gewisse Schwere, weil die Jugendlichen so viel durchmachen müssen. Das verleiht dem Roman so viel mehr Tiefgang. Ich will bzgl. der Handlung gar nicht so sehr in die Tiefe gehen, um niemandem zu viel zu verraten. Nur so viel: Als Leser hat man nicht nur eine einzige Tragödie zu verkraften. Ebenso wie die Protagonisten hat man selbst ziemlich viel zu verarbeiten und bekommt einiges zum Nachdenken. Wie im wahren Leben gibt es Höhen und Tiefen, die ich mal mehr, mal weniger intensiv miterlebt habe. Wenngleich viele der aufgegriffenen Themen eher negativ behaftet sind (z.B. Selbsthass, Gewalt, Verlust, Trauer, Schuldgefühle), werden sie letztlich auf eine Weise verarbeitet, durch die man mit einem positiven, hoffnungsvollen Gefühl das Buch zuklappt. Das liegt u.a. auch an den heiteren, nahezu komischen Momenten, die gelgentlich die Stimmung auflockern.
Wie ich oben schon erwähnt habe, fand ich die Charaktere einfach wundervoll. Harmon hat eine spezielle Art, Personen in die Geschichte einzuführen und sie auf ihrem Weg zu begleiten, sodass man die Figuren wirklich kennenlernt. Sie haucht ihnen Leben ein, indem sie sämtliche (oder zumindest einen Großteil ihrer) Facetten herausarbeitet und dem Leser Einblicke in deren Gedanken und Emotionen gewährt. Durch die drei wechselnden Erzähler (Fern, Ambrose und Bailey) hat man außerdem die Möglichkeit, die Protagonisten aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Zum einen erfährt man, wie sie sich selbst sehen, zum anderen, wie andere sie wahrnehmen. All das führt dazu, dass man sich ihnen sehr nahe fühlt, was unglaublich wichtig ist, damit man sich auf die Geschichte einlassen kann und Anteil nimmt.

Zum einen wäre da Fern, die zurückhaltende, unauffällige Tochter des Pastors. (Anmerkung: Wer befürchtet, dass der Roman geprägt ist von Bibelzitaten und Predigten, den kann ich beruhigen: Glaubensfragen werden zwar thematisiert, aber Harmon drängt niemandem ihre religiösen Ansichten auf und mit dem, was gesagt wird, gehe ich als Atheistin durchaus konform.) Sie ist unglaublich gütig, rücksichtsvoll, loyal und kann zur Furie werden, wenn es darum geht, ihre Freunde zu verteidigen. Einen solchen Menschen hat man gerne um sich. Ambrose wiederum entsprach meiner favorisierten Version einer männlichen Hauptfigur: der starke, schweigsame Typ. Gut, er zerfließt für eine Weile in Selbstmitleid und schottet sich ab, was ein bisschen anstrengend - aber angesichts der Umstände auch verständlich - war. Sobald er dann erstmal sein Schneckenhaus verlassen hat, gewinnt man ihn für seinen Beschützerinstinkt, seine Rücksichtnahme, sein großes Herz und für seinen Sinn für Literatur lieb. Und dannn wäre da natürlich noch Bailey. Bailey, der so erfrischend anders, so direkt und - trotz seines Handicaps - so beeindruckend unbekümmert und selbstbewusst ist. Von den dreien ist er wahrscheinlich der charakterstärkste, weil er sich von nichts und niemandem unterkriegen lässt. Er ist auf seine ganze eigene Weise mutig und genau das hat mir beim Lesen so imponiert. Zu sehen, wie sich das Duo Bailey und Fern einerseits und Ambrose andererseits einander annähern, würde ich fast schon als herzerwärmend beschreiben. Es ist einfach toll zu sehen, wie drei so unterschiedliche Charaktere einander ergänzen. Auch die Liebesgeschichte war toll und glaubhaft dargestellt, was das Gesamtbild abgerundet hat.

Mein Fazit

Bei "Vor uns das Leben" stimmt das Gesamtpaket: Die Figuren sind vielschichtig und greifbar und ihre jeweiligen Geschichten gehen einem nahe, sodass man sich mit ihnen freut und mit ihnen leidet. Noch dazu ist der Roman gefühlvoll und ansprechend geschrieben. Ich hatte nie das Gefühl, es gäbe überflüssige Längen in der Handlung. In meinen Augen ist es eine ausgesprochen gelungene schriftstellerische Leistung.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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450 Bibliotheken, 6 Leser, 4 Gruppen, 59 Rezensionen

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Vollendet - Der Aufstand

Neal Shusterman , Ute Mihr , Anne Emmert
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 22.08.2013
ISBN 9783737367189
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich kann immer noch nicht ganz fassen, wie lange es gedauert hat, bis ich auf Neal Shusterman als Autor gestoßen bin. Dank "Scythe" ist er in (fast) aller Munde, ich persönlich bin aber durch das Lesen des ersten Bandes seiner "Vollendet"-Reihe auf seinen Geschmack gekommen. Zum einen weiß er sich auf eine Weise auszudrücken, die Interesse weckt, weder zu komplex noch zu schlicht oder zu detailverliebt ist. Außerdem schätze ich es sehr, dass er nicht zu melodramatisch, zu schmalzig oder pathetisch wird und immer Platz für den ein oder anderen sarkastischen Kommentar lässt. Dadurch gestaltet sich für mich der Leseprozess sehr angenehm. Zum anderen stellt er seinen Einfallsreichtum immer wieder durch gute Plottwists unter Beweis - das gilt definitiv auch für "Vollendet - Der Aufstand".
Dennoch konnte ich emotional nicht nahtlos dort anknüpfen, wo ich nach Band 1 aufgehört habe. Die Fortsetzung war aufschlussreich und hat die Story, besonders zum Ende hin, ein gutes Stück vorangebracht, aber mein Leserherz war nicht in dem Umfang dabei, wie es das beim ersten Band war. Das lag unter anderem an meinem geringeren Bezug zu den Charakteren. Shusterman gewährt wieder Einblicke in die Perspektiven diverser Personen beider Parteien, d.h. sowohl von EAs (flüchtigen Wandlern) als auch von (Ex-)JuPos und Wandlern bzw. dem Verbundmenschen Cam, was eine gewisse Sprunghaftigkeit in der Erzählung zur Folge hat. Auch die Hauptfiguren Connor, Risa und Levi sind zu meiner großen Freude wieder zentrale "Helden", da sie mir im ersten Roman ans Herz gewachsen sind. Allerdings empfand ich diesmal eine gewisse Distanz zu ihnen, denn für meinen persönlichen Geschmack wurde ihr Innenleben zu wenig beleuchtet. Außerdem habe ich ihre Gruppendynamik vermisst, weil sie (erneut) getrennte Wege gehen. Es treten eine Reihe neuer Charaktere auf den Plan (z. B. löst Starkey Roland als - ich kann es nicht anders ausdrücken - Kotzbrocken ab), die ich mehr oder weniger gut leiden konnte. Bei manchen von ihnen würde ich mir wünschen, mehr über sie zu erfahren bzw. dass sie tragendere Rollen zugewiesen bekommen (das gilt natürlich auch für einige bereits bekannte Flüchtlinge auf dem Flugzeugfriedhof). Ich bin gespannt, was Shusterman für sie alle noch in petto hat.

In Bezug auf die Storyline war ich soweit zufrieden: Es gab einige Überraschungen und Neuerungen und man erfährt allmählich etwas zum historischen Hintergrund, d.h. wie es überhaupt zum Wandlungsgesetz gekommen ist. Shusterman baut dazu wieder fiktive und reale Zeitungsartikel, Bekanntmachungen etc. ein, aus denen man Informationen zu den aktuellen und vergangenen Ereignissen in der restlichen Welt entnehmen kann. Ich finde diese Methode super, weil der Leser so im Bilde ist, ohne dass er aus der Haupthandlung herausgerissen wird. Trotz des interessanten Geschehens hielt sich die Spannung aber eher auf einem moderaten Level. Gegen Ende spitzen sich die Ereignisse zwar zu, aber es mangelt für meinen Geschmack noch an handfester Action und einem gewissen Thrill (mit einigen Ausnahmen). Band 2 legt eher das Fundament für fulminantere Ereignisse, die (dessen bin ich mir sicher!) künftig kommen werden.

Mein Fazit

Shusterman konnte mich auch mit dem zweiten Band seiner Reihe im Großen und Ganzen überzeugen. Die Story ist nach wie vor fesselnd und es gelingt Shusterman immer wieder, mich zu überraschen, sodass ich den Ausgang der Geschichte bzw. den Weg dorthin bisher nicht erahnen kann. Aber: Wenngleich ich die Handlung mit Interesse mitverfolgt habe, wollte sich bei mir über lange Strecken kein rechtes Spannungsgefühl aufbauen. Mir fehlte hier diesmal der Knalleffekt. Ich habe eher den Eindruck, als würde Band 2 auf einschneidendere Ereignisse im dritten Teil vorbereiten, was bei Reihen nicht unüblich ist. Aus der Perspektive betrachtet ist es eines der gelungeneren "Brückenbücher", weshalb ich Band 3 mit Freuden entgegenblicke.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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134 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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Liebe in Reihe 27

Eithne Shortall , Janine Malz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diana, 11.06.2018
ISBN 9783453359802
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die ersten Seiten eines Romans sind für mich (mit wenigen Ausnahmen) das A und O: Wenn dort nicht mein Interesse geweckt wird, dann finde ich in der Regel auch später keinen wirklichen Zugang zur Story und/oder den Figuren. Bei "Liebe in Reihe 27" war der Einstieg genau so, wie ich ihn mir gewünscht habe. Es gibt keine lange Vorgeschichte, sondern man wird sofort mit dem Aufhänger der Geschichte, Coras "Flugzeug-Dating-Service", vertraut gemacht, indem Cora ihre erste (unfreiwillige) Kandidatin auserwählt. Ich war sofort neugierig, ob die Kuppelaktion erfolgreich sein wird und welche weiteren Personen noch in den Genuss von Coras Amor-Aktivitäten kommen würden. Genau dieser Aspekt hat mich auch im Verlauf der Handlung immer wieder zum Weiterlesen motiviert, Coras Privatleben war für mich da, um ehrlich zu sein, schon fast zweitrangig. ich fand es toll, dass ich als Leserin sozusagen mehrere Geschichten zum Preis von einer bekommen habe. Jeder Passagier, der in Reihe 27 positioniert wird, kommt zu Wort. Man erfährt etwas über sein bzw. ihr bisheriges Leben, was sie machen und welcher Typ Mensch sie sind. Man lernt also viele verschiedene (Neben-)Charaktere kennen, was viel Abwechslung in das Buch bringt. Bei manchen fand ich es etwas schade, dass man nicht mehr von ihnen erfährt bzw. keine Informationen bekommt, wie es denn nach dem Flug mit den jeweiligen erfolgreich verkuppelten oder nicht verkuppelten Individuen weitergeht (besonders gut hat mir die Episode mit der Lehrerin und der Schulklasse gefallen, weil ich finde, dass sie da ein paar sehr gute Punkte angesprochen hat). Von daher wäre ich gegenüber einem Sequel nicht abgeneigt. Auf dem Papier hat mich die Flugzeug-Partnerbörse also überzeugt, ganz ohne Vorbehalte stehe ich ihr jedoch nicht gegenüber. Als Romanidee ist sie super, ich weiß allerdings nicht, ob ich es im wahren Leben gutheißen würde, wenn sich jemand ungefragt in mein Liebesleben einmischt.
Das bringt mich zu meinem Problem mit der Protagonistin Cora: Mich hat es gestört, dass Cora teilweise etwas impertinent und egoistisch (speziell in ihrer Freundschaft mit Nancy) rübergekommen ist. Ich weiß, dass sie nur die besten Absichten hat, aber auf Dauer fand ich ihre Obsession mit ihrem Projekt etwas anstrengend, besonders wenn ich mich in die Lage ihres Gegenübers hineinversetzt habe. Besänftigt hat mich allerdings der Umstand, dass sie ein sympathischer und rücksichtsvoller Mensch ist, wenn sie ihr "Dating-Unternehmen" mal für ein paar Minuten (oder Stunden) außen vor lässt. Das hat sie zum Beispiel in ihrem Umgang mit Ray und Charles, zwei Flughafen-Mitarbeitern, gezeigt.
Weil so viel um Cora herum geschieht, lässt die im Klappentext angekündigte Lovestory in ihrem eigenen Leben ziemlich lange auf sich warten, denn sie läuft erst ab der zweiten Hälfte an. Cora wehrt sich anfangs heftig gegen jegliche Verkupplungsversuche seitens ihrer Arbeitskollegin und Freundin Nancy. Dafür gibt es aber auch einen bestimmten Grund, über den man im Laufe der Handlung immer mehr erfährt: ein gebrochenes Herz. Ein großer Teil ihrer eigenen Liebesgeschichte beschäftigt sich mit der Rekapitulation einer gescheiterten Beziehung. Es ist wohl unnötig zu sagen, dass sie selbst seitdem den Männern abgeschworen hat. Je mehr ich darüber erfahren habe, desto mehr habe ich allerdings zu schätzen gewusst, dass sie trotz allem nicht verbittert oder zynisch ist, sondern ihre romantische Ader dadurch auslebt, dass sie anderen zu ihrem Liebesglück verhelfen möchte. Zu den Entwicklungen in Coras Liebesleben will ich lediglich so viel sagen: Es wäre (auch ohne Klappentext) nicht sonderlich schwer zu erraten, wer Coras Herzblatt sein wird. Vielleicht fand ich es aber auch gerade dadurch schön mitzuverfolgen, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat, weil ich wusste, worauf es hinausläuft. Ich fand es gut, dass die Gefühle nicht vollkommen aus dem Nichts kamen, sondern Shortall sich Zeit genommen hat, damit sie sich in angemessenem Tempo einander annähern und sich tatsächlich kennen lernen.
Was für mich letztlich den Unterschied zwischen einer 4- und einer 5-Sterne-Bewertung gemacht hat, war, dass ich das Gefühl hatte, die Handlung würde über weite Strecken nur vor sich hinplätschern. Ich habe mich zwar keinesfalls gelangweilt, aber mir fehlte ein wirklich einprägsamer zentraler Konflikt, der zu einem spürbar an- und absteigenden Spannungsbogen geführt hätte. Es gab einige kleinere Probleme und Zerwürfnisse, die behoben werden mussten, aber sie waren nie von dem Ausmaß, dass ich sie als besonders gravierend empfunden hätte. Das konnten leider auch die vielzähligen eingebetteten Erzählungen nicht vollständig kompensieren.

Mein Fazit

Die Idee einer Partnerbörse über den Wolken fand ich von Anfang super, da ich dadurch so viele verschiedene Persönlichkeiten kennenlernen durfte. Letztlich fehlte mir aber ein wenig der Pfiff in der Haupthandlung, um mich vollends vom Hocker zu hauen.

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Wie man mit Wäscheklammern sein Leben auf die Reihe bekommt

Kimberley Unger , Felix Michels
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.05.2018
ISBN 9783548377575
Genre: Humor

Rezension:

Ich bin ganz ehrlich: Bevor ich dieses Buch gelesen habe, habe ich nicht ein einziges Video von "So geht das" gesehen (bzw. als solches nicht bewusst wahrgenommen). Möglicherweise war das sogar von Vorteil, denn so war für mich der Neuigkeitswert des Inhalts viel größer.
Wie der Untertitel schon verrät, findet man in diesem Sachbuch Lifehacks, Antworten auf Fragen, die man sich (oder vielleicht auch nie) gestellt hat, und Alltagstipps.
Entsprechend bietet es eine große thematische Vielfalt, z. B. aus den Bereichen Fitness, Schule und Uni, Auto, Beauty, Basteln, Dating, Beziehungen, Haushaltsführung, Finanzen usw., sodass für fast jeden etwas dabei ist. Für mich waren besonders die Lifehacks interessant, da ich immer auf der Suche nach Inspirationen bin, wie ich mir den Alltag auf kreative Weise einfacher gestalten kann. Ich bin jedes Mal erstaunt, wie einfallsreich manche Menschen sind. Leider waren davon nicht annähernd so viele enthalten, wie ich mir gewünscht hätte. Allerdings war das letztlich in Anbetracht der Fülle an Informationen, die dem Leser/der Leserin an die Hand gegeben werden, nicht allzu problematisch. Ich persönlich habe mir über die meisten Dinge, die in dem Buch angesprochen werden, noch nie wirklich Gedanken gemacht, aber ich finde es nicht verkehrt, nun darüber Bescheid zu wissen. Allgemeinbildung hat schließlich noch keinem geschadet. Ich habe beim Lesen Überraschendes erfahren, etwa zur Evolutionsbiologie oder Rechte im Schüler/Lehrer-Gefüge (ich hätte mir wirkich gewünscht, schon zu Schulzeiten gewusst zu haben, was meine Lehrer dürfen und was nicht). Es gab natürlich auch Sachen, die für mich persönlich weniger von Bedeutung waren (bspw. das Kapitel Frauen), aber das bleibt nicht aus, wenn sich die Autoren querbeet durch die Themengebiete arbeiten. Bei manchen Kapiteln muss ich jedoch auch die Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit infrage stellen. Beispielsweise finde ich es inkonsequent, erst zu betonen, dass Lügen (zumindest große Lügen) nicht in Ordnung sind, und dann gleich im nächsten Abschnitt Tipps zum "richtigen" Lügen zu geben. Gleiches gilt für das Thema "Spicker schreiben".
Den Aufbau des Buches fand ich im Großen und Ganzen sinnvoll: Es gliedert sich zunächst thematisch entsprechend der einzelnen Oberbegriffe (siehe oben) und ist dann auf untergeordneter Ebene in kurze (max. zweiseitige) Abschnitte aufgeteilt. Wie gesagt: Das war soweit schlüssig; man könnte gegebenenfalls nochmal die Reihenfolge der Kapitel überdenken. Der Content ist gut portioniert, sodass man die Informationen leicht verarbeiten kann, und übersichtlich gestaltet, sodass man sich spielend leicht zurechtfindet und je nach Gusto zu den relevanten Sektionen springen kann. Manchmal gibt es als optisch auflockerndes Feature in einer Sprechblase einen zusätzlichen Kommentar von Kim oder Felix. Der Ton der einzelnen Abschnitte ist locker und die Formulierungen sind eher umgangssprachlich gehalten, da das Buch eher für eine jüngere Zielgruppe (Schul- und Studentenalter) zugeschnitten ist (für mich also noch passend). Gut gefallen hat es mir vor allem, dass die Leser in den Texten häufig direkt angesprochen werden - ganz so, als würde man sich ein YouTube-Video anschauen. Meiner Meinung nach ist dieser Dialog auf Augenhöhe ein sehr guter Weg, Wissen zu vermitteln, ohne die Leser anzuöden oder den Eindruck einer (Schul-)Lektion zu erwecken.

Mein Fazit

Hinter dem skurillen und dadurch aufmerksamkeitserregenden Titel verbirgt sich ein thematisch vielfältiges Sachbuch für den Alltag. Neben Lifehacks und Rezepten werden Antworten auf (manchmal merkwürdige) Fragen geliefert, sodass jeder allgemeininteressierte Leser auf seine Kosten kommt. Es bleibt angesichts der Bandbreite aber nicht aus, dass einige Kapitel weniger relevant sind als andere und man bei manch gestellter Frage mal die Augenbraue hochziehen muss. Gelungen fand ich vor allem die für jedermann verständliche Art der Wissensvermittlung (besonders für jüngere Generationen), sodass bei mir die ein oder andere Information hängen geblieben ist. Im Endeffekt ist das Buch nicht nur für Fans von "So geht das" eine gute Lektüre, sondern Leute, die von Felix´ und Kims YouTube-Kanal vorher noch nie gehört haben und einfach Spaß daran haben, Neues in Erfahrung zu bringen.

Rezension auf Buntes Tintenfässchen

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474 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 134 Rezensionen

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The Promise - Der goldene Hof

Richelle Mead , Susann Friedrich
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ONE, 29.09.2017
ISBN 9783846600504
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Inhalt klingt erstmal so, als würde man Aschenputtel mit einer Folge von The Bachelor kombinieren. Elizabeth gehört zur Aristokratie, steht aber finanziell vor dem Ruin und soll einen entfernten Vetter heiraten, um sich selbst vor der Armut zu retten. Elizabeth ergreift die erste (und einzige) Gelegenheit, der Zwangsheirat zu entkommen, indem sie mit ihrer Zofe Adelaide die Rollen tauscht und an den Goldenen Hof zieht. Der Goldene Hof ist (nett ausgedrückt) eine Bildungseinrichtung für Frauen gewöhnlicher Herkunft, in der sie zu kultivierten Damen erzogen werden, die dann mit den Self-Made-Männern des neuen Adels in Adoria verheiratet werden sollen. Damit soll die Vergrößerung der Kolonien gesichert werden. Am Goldenen Hof durchläuft Elizabeth/Adelaide das ganze "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Prozedere, zumindest die mädchenhafte, romantisierte Version davon. Zusammen mit anderen jungen, schönen Frauen aus ärmlichen Verhältnissen wird sie in gesellschaftlichen Umgangsformen, Tanz, Musik, Politik, Sprachen und dergleichen ausgebildet, darf fein gearbeitete Kleider und aufwendige Frisuren tragen. Das ganze Spektakel dient nur einem Zweck: die Aufmerksamkeit eines wohlhabenden Mannes zu erregen und eine möglichst gute Partie zu machen. Mancher Feministin stellen sich beim Lesen wahrscheinlich die Nackenhaare auf, weil Frauen augenscheinlich wieder nur auf ihr Äußeres reduziert werden, keinerlei Mitspracherecht haben und als "Ware" gehändelt werden. Wahrscheinlich würde ich in ihre Protestrufe einstimmen, wenn das tatsächlich der Kern der Geschichte wäre. Richelle Mead will aber auf etwas ganz anderes hinaus. Tatsächlich werden die Emanzipationsbemühungen deutlich stärker betont als das Märchenmotiv. Es gibt einige Personen, die eine gänzlich andere Auffassung vertreten. Lizzie/Ada ist eine von den fortschrittlich Denkenden. Mir kam es ein bisschen so vor, als würde man einer Disney-Prinzessin den Geist einer Jane-Austin-Heldin einpflanzen. Zugegeben: Anfangs hat sie einen eher arroganten Eindruck auf mich gemacht, was nicht verwunderlich ist, da sie schließlich mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen ist. Sie hat aber auch schon zu Beginn demonstriert, dass sie ihren eigenen Kopf hat und bereit ist, dafür zu kämpfen bzw. den schwereren Weg zu wählen. Es ist ihr ziemlich leicht gefallen, materielle Besitztümer zurückzulassen, solange sie dafür auch nur den Hauch einer Chance auf ihre persönliche Freiheit hat. Dass der Goldene Hof retrospektiv nicht unbedingt das Beste ist, was ihr passieren konnte, konnte sie ja vorher nicht ahnen. Dem Leser war das sicherlich schon vorher klar. Es kommt, was kommen musste: Ihre Situation verschlechtert sich ab einem Punkt rapide. Wahrscheinlich gehen die Vermutungen der meisten dahin, dass das schlimmste Szenario wäre, dass der Schwindel auffliegt und/oder sie einen Mann heiraten muss, den sie nicht will, während sie heimlich in einen anderen verliebt ist. Richtig? Falsch! Ich möchte hier niemandem die Überraschung verderben, daher sage ich an der Stelle nur so viel: Elizabeths Fall von der Spitze der Gesellschaftspyramide ist tief. Im Zuge dessen verschärft sich der sozialkritische Tenor zunehmends und auch politische und religiöse Fragen werden in die Storyline eingewoben, die ihr volles Potenzial schließlich in einem dramatischen Höhepunkt entfalten (der im Übrigen auh über den eher ruhigeren Mittelteil hinwegtröstet). Mit dieser Kombination ist es Mead gelungen, das ausgeleierte Band der Märchen-Kassette neu aufzuspulen. Der Inhalt ist zwar nicht revolutionär neu, aber auf gute Weise anders. Frei von Genre-Klischees ist der Roman natürlich nicht. Es gibt zum Beispiel auch hier die von Romeo und Julia inspirierte(!) Liebe, die nicht sein darf, aber wenn wir ehrlich sind, wären wir wohl fast alle enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Und wie gesagt: Das ist nicht Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, sondern liefert lediglich einen weiteren Motivationsgrund.
Neben Lizzie gibt es noch eine Reihe weiterer wichtiger Charaktere. zum engeren Kreis gehören ihre Mitstreiterinnen Mira und Tamsin sowie Cedric Thorn, der Sohn des Gründers des Goldenen Hofes. Ich mochte es, wie unterschiedlich die drei in ihrer Art sind, und dass durch Lizzies Freundschaft zu ihnen ihre eigene Vielschichtigkeit herausgearbeitet wurde. Mir persönlich war es allerdings schleierhaft, wie Mira und Elizabeth es mit Tamsin aushalten konnten, denn ich habe sehr stark mit ihrer Persönlichkeit gehadert. Ich mag zwar ambitionierte Menschen, aber bei ihr bin ich hart an meine Grenzen gestoßen, denn sie hat selbst ihre engsten Freundinnen (Elizabeth und Mira) mehr als Rivalinnen behandelt. Ich hätte sie wahrscheinlich besser leiden können, wenn sie etwas mehr Mitgefühl an den Tag gelegt hätte. Lediglich die Ereignisse auf den letzten Seiten lassen mich in Betracht ziehen, meine Meinung von ihr zu überdenken - vorausgesetzt sie macht einen starken charakterlichen Wandel durch. Miras Art dagegen mochte ich auf Anhieb. Bisher ist sie mir allerdings auch ein großes Rätsel, daher bin ich umso gespannter auf Band 2 der Reihe, der sich mit ihrer Story beschäftigen wird. Ich erhoffe mir, dort Antworten auf die vielen Fragen zu finden, die das Ende aufgeworfen hat.

Mein Fazit

Ich kannte von Richelle Mead nur die Vampire Academy-Reihe, The Promise schlägt demgegenüber einen ganz anderen Weg ein - einen, der mir wunderbar gefallen hat. Mead hat sich meiner Meinung nach als Schriftstellerin seitdem deutlich verbessert. Sie weiß mit Plottwists zu überraschen, gibt ihren Hauptfiguren genügend Möglichkeiten, um Stärken und Schwächen zu zeigen und so den Leser eine Zu- oder Abneigung ihnen gegenüber zu entwickeln, wodurch man automatisch mitfiebert, und liefert ein Ende, das Lust auf mehr macht. Mich konnte der Reihenauftakt definitiv begeistern!


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99 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

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Sternschnuppengeflüster

Sofie Cramer
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.04.2018
ISBN 9783551651846
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Vor dem Lesen sollte man sich unbedingt bewusst machen, dass "Sternschnuppengeflüster" an eine Leserschaft ab 11 Jahren adressiert ist. Dementsprechend gestalten sich auch die Konflikte, der Ton und die Charaktere.
Die Probleme, mit denen sich Paula, Leni und Amelie herumschlagen, sind allerdings für jeden nachvollziehbar: Angst vor der Scheidung der Eltern, Liebeskummer, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder der Verwirklichung seiner Träume. Fast jeder hatte wohl an dem ein oder anderen Punkt in seinem Leben, an dem er ähnlich empfunden hat. Es sind einfach Themen, die in jeder Generation und für jedes Geschlecht eine Rolle spielen, wodurch sie auch für mich relevant waren.
Dennoch fiel es mir sehr schwer, mich mit Leni, Amelie und Paula als Personen zu identifizieren. Das mag zum Teil damit zu tun haben, dass ich mich inzwischen allgemein schlecht in Mädchen in diesem Alter hineinversetzen kann, zum Teil an ihren individuellen Persönlichkeiten. Speziell Leni hatte Momente, in denen ich ihr am liebsten eine Kopfnuss verpasst hätte. Sie ist sehr unsicher und übermäßig selbstkritisch, zwei Charakterzüge, die ich beim Lesen eher als anstrengend empfinde (obwohl - oder gerade weil - ich früher selbst nicht anders war). Wie gesagt: Ich verstehe sie vollkommen. Aber auf Dauer zehrt es an meinen Nerven, wenn sich jemand selbst runterputzt und neidisch auf andere ist. Paula und Amelie strotzen im Vergleich zu ihr nahezu vor Selbstvertrauen, was eine willkommene Abwechslung war. Ich hätte mir bei ihnen eine etwas facettenreichere Darstellung gewünscht (auch wenn ich nicht behaupten würde, dass sie vollkommen flach wären). Ich bin mir nicht sicher, ob es nur mein subjektiver Eindruck ist, aber mir kam es so vor, dass der Fokus mehr auf Leni lag und die anderen beiden dadurch etwas vernachlässigt wurden.
Den Inhalt an sich fand ich soweit gut. Das Thema "Wunscherfüllung" ist zwar im Storytelling nicht neu, aber den Einfall, dass dies eine App übernimmt, fand ich toll und es war auch der Anreiz für mich, dieses Buch zu lesen. Es passt einfach wunderbar ins digitale Zeitalter und vermittelt dadurch ein modernes, frisches Feeling. Was mir in dem Zusammenhang gefehlt hat, war eine Reflektion der Mechanik, die hinter der App steht. Möglicherweise spricht da die erwachsene Leserin aus mir, aber ich bin der Meinung, ein kritischer(er) Umgang mit der Technik hätte hier eine interessante Facette hinzugefügt. Tatsächlich hat das sogar Thriller-Potenzial - siehe die Serie Wishlist.
Der Handlungsverlauf bietet ein paar Aufs und Abs, sodass der Weg zur Wunscherfüllung kein Spaziergang ist, ohne übermäßig (gekünsteltelt) dramatisch zu werden. Ich mochte die Richtung, die die Geschichte eingeschlagen hat, und habe besonders Lenis Charakterentwicklung sehr begrüßt. Die Botschaft ist ausgesprochen positiv, was angesichts der jungen Zielgruppe auch Sinn macht. Schließlich will man sie nicht demoralisieren, sondern ihnen die Zuversicht geben, dass alles möglich ist, und ihnen ihre Zukunftsängste nehmen. Letzten Endes vermittelt einem der Roman, dass Freunde jede noch so schwierige Lebensphase besser machen. Wie könnte ich da widersprechen?
Eine Schlussbemerkung zur Narration allgemein: Sofia Cramer hat die drei Einzelperspektiven süß und überwiegend heiter erzählt. Selbst in den Momenten, in denen Amelie, Lenie und Paula gerade eine heikle Phase durchmachen, geht das Schwungvolle nicht gänzlich verloren. Dadurch ließ sich die Geschichte um die drei Mädchen ausgesprochen flüssig lesen.

Mein Fazit

Die Plotidee ist ausgesprochen reizvoll und die angesprochenenen Themen bieten genug Projektionsfläche für jedermann. Mich persönlich konnten die drei Protagonistinnen nicht vollständig überzeugen, was teilweise dem Altersabstand geschuldet sein mag. Auch eine kritischere Betrachtung der App wäre für mich wünschenswert gewesen. Letztlich ist "Sternschnuppengeflüster" aber ein gelungenes Gute-Laune-Wohlfühl-Buch für die jüngeren Generationen. Ich bin mir sicher, dass viele Mädchen da draußen sich mit Leni, Paula und Amelie identifizieren können.

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1.070 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 144 Rezensionen

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Feuer & Flut

Victoria Scott , Michaela Link
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 25.05.2015
ISBN 9783570162934
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Aufgrund der gewaltigen Dimension, die das Dystopie-Genre inzwischen angenommen hat, ist es für Autoren schwer, etwas komplett Neues, Revolutionäres zu schaffen. Victoria Scott ist das meiner Meinung nach jedoch ziemlich gut gelungen. Natürlich erinnern einige Elemente an andere Titel des Genres (zum Beispiel der tödliche Wettkampf an Tribute von Panem oder Maze Runner) und die klassischen Machtstrukturen (die Puppenspieler und ihre vermeintlichen Marionetten) bleiben unangetastet. Trotzdem hebt sich "Feuer & Flut" in einigen Punkten von seinen Mitstreitern ab.
Das Brimstone Bleed beispielsweise ist in dieser Art und Konstellation für mich als Leserin neuartig gewesen, auch wenn natürlich Ähnlichkeiten zu den oben genannten Reihen bestehen. In der Anfangsphase war ich ein bisschen überfordert, da ich nicht genügend Informationen über die Welt und die Hintergründe des Wettrennens hatte. Es dauert ein wenig, bis man über das Konzept und das Warum aufgeklärt wird. Wesentlicher Bestandteil des Rennens sind die sogenannten Pandoras, genetisch veränderte Wesen (meistens in Tiergestalt), die aus einem Ei schlüpfen und verschiedene Fähigkeiten besitzen, mit denen sie ihren Besitzer beim Wettrennen hilfreich zur Seite stehen. Dieser Einfall hat mir sehr gut gefallen. Zum einen, weil die Teilnehmer so nicht allein sind und tatsächlich eine Überlebenschance haben (denn ganz ehrlich: Tella wäre wohl ohne ihren Pandora ziemlich aufgeschmissen gewesen). Zum anderen, weil sich dadurch vielfältige Möglichkeiten für die Geschichte ergeben. Die Pandoras sind nicht einfach nur ein nettes Accessoire, sondern spielen eine wesentliche Rolle im Storyverlauf, können gleichermaßen Waffen und Retter, Peiniger und Opfer sein, was sie zu komplexen Mitstreitern macht. Sie fügen der Geschichte eine interessante Facette hinzu.
Ein weiterer Unterschied zum typischen Dystopieverlauf ist, dass bisher noch keinen Kampf gegen die Initiatoren des Wettbewerbs stattgefunden hat. Es herrscht zwar ein Wir-gegen-Die-Gefühl vor, aber der Fokus liegt im ersten Band mehr auf dem Überlebenskampf in den verschiedenen Landschaften, die Teil des Wettrennens sind. Dadurch mutet der Auftakt eher wie ein Abenteuer-/Action-Roman an, denn wie eine Dystopie. Die Zeichen stehen aber gut, dass sich die Reihe in den Folgebänden in die gewohnte Richtung entwickelt.
Wenngleich man im Verlauf der Handlung eine Handvoll anderer Person näher kennenlernt (und damit meine ich nicht, dass Victoria Scott bei ihnen nur an der Oberfläche kratzt, sondern tatsächlich versucht, ihre Backstory, ihren Antrieb und ihre Wesenszüge herauszuarbeiten), beschränke ich mich in Bezug auf die Charaktere an der Stelle auf die beiden Hauptfiguren, Tella und Guy. Ich kann nicht genau bennenen, woran es lag, aber es hat ein wenig gedauert, ehe ich mit Tella warm geworden bin. Möglicherweise lag es daran, dass sie am Anfang eher einen oberflächlichen Eindruck auf mich gemacht hat. Sie ist eines dieser Mädchen, den Make-Up und Outfits sehr wichtig sind - oder zumindest war sie das Mal. Sobald sie aber in die Wildnis aufgebrochen ist, beweist sie innere Schönheit und Charakterstärke. Allein die Entscheidung, sich in Gefahr zu begeben, um ihrem Bruder zu helfen, zeugt von tiefem Mitgefühl, Loyalität, Mut und Kampfeswille. Ihr Verhalten während des Wettrennens holt diese Eigenschaften endgültig an die Oberfläche. Zwar schließt sie sich in erster Linie den anderen Wettstreitern an, um möglichst lange ihr eigenes Überleben zu sichern, aber sie gibt sich auch Mühe, ihre Teammitglieder kennenzulernen und zu verstehen. Sie setzt sich für sie ein, und das ist es, was am Ende zählt. Insgesamt hat mir ihr Wandel vom Prinzesschen zur Überlebenskünstlerin imponiert. Besonders süß fand ich, wie liebevoll sie mit ihrem Pandora umgegangen ist. Jemand, der eine solche Bindung zu einem anderen Lebewesen aufbaut, kann einfach kein schlechter Mensch sein.
Guy war als männlicher Protagonist ganz nach meinem Geschmack: Er ist der starke, schweigsame, distanzierte Typ, aber auch ebenso empathisch, intelligent und immer versucht, das Richtige zu tun - auch wenn es am Anfang nicht danach aussieht. Er ist ganz klar eine Heldenfigur und eben deswegen perfekt für die Story geeignet. Ich kann auch sehr gut verstehen, warum sich Tella so zu ihm hingezogen fühlt. Ich empfand es als angenehm, dass sich die beiden eher zaghaft einander annähern. Sie bauen zuerst Vertrauen zueinander auf, ehe wirklich etwas passiert, und es ist auch nicht so, dass sie ihre ganze Welt nur noch um einander dreht. Beide sind sich bewusst, was für sie auf dem Spiel steht, denn schließlich nehmen die zwei nicht grundlos an dem Wettrennen teil. Ich sehe da noch einiges an Konfliktpotenzial in der Zukunft.

Fazit
"Feuer & Flut" ist für einen Reihenauftakt super gelungen, denn der Roman verfügt über alle wichtigen Zutaten: eine kämpferische, unperfekte und damit sympathische Protagonistin, interessante Nebencharaktere, neuartige Dystopie-Elemente, einen guten Spannungsbogen mit größeren und kleineren Schockerlebnissen, etwas Romantik und der Andeutung eines Widerstandskampfes. Mich hat Victoria Scott damit auf jeden Fall geködert und meiner Meinung nach verdient die Reihe einfach mehr Aufmerksamkeit!

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

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Alice = Alice

Maxi Schilonka
Flexibler Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783959623391
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bereits am Klappentext merkt man, dass "Alice = Alice" nicht einfach bloß eine moderne Neuerzählung von "Alice im Wunderland" ist. Maxi Schilonka bettet Lewis Carrolls Geschichte geschickt in eine Art Contemporary-Roman mit Mystery-/Fantasy-Elementen ein, bei dem der Schwerpunkt auf der “Detektivarbeit“ der jugendlichen Protagonistin liegt. Auf so ein Crossover muss man erst einmal kommen!
Der Roman beginnt bereits spektakulär mit Scarletts Sturz aus dem Fenster. Gerade weil mir als Leserin sämtliche Informationen fehlten, war ich sofort neugierig. Man fragt sich sofort, was geschehen ist, dass Scarlett an diesen Punkt gelangt ist. Nach dem Prolog wechselt die Perspektive zu ihrer Zwillingsschwester Alice, die fortan die einzige Erzählstimme bleibt. Erfrischend fand ich, dass hier nicht von dieser magischen Verbindung die Rede ist, die Zwillingen meist nachgesagt wird. Alice und Scarlett mögen zwar gleich aussehen und auch häufig miteinander telefonieren, aber sie sind auch grundverschiedene Persönlichkeiten und ihre Beziehung ist nicht so eng, dass sie wissen, was die andere gerade denkt, tut oder fühlt. Dass Alice Scarlett dennoch liebt, wird daran ersichtlich, wie sehr sie sich um sie sorgt. Nicht nur der Sturz selbst, sondern auch Scarletts verändertes Äußeres (starker Gewichtsverlust, andere Haar- und Augenfarbe) schockieren sie. Bei ihr schrillen sämtliche Alarmglocken, denn sie glaubt, Scarlett wäre vielleicht von ihren Mitschülern gemobbt worden. Deshalb fasst sie den Entschluss, verkleidet als Scarlett undercover in ihre Schule zu ermitteln. An dem Punkt war ich etwas zwiegespalten: Einerseits fand ich es gut, dass Schilonka den Entscheidungssprozess abgekürzt und gleich den Stein ins Rollen gebracht hat. Andererseits war es doch merkwürdig, wie wenig ihre Eltern gegen Alice' Plan protestiert haben und ein polizeiliches Eingreifen scheinbar gar nicht in Erwägung gezogen wurde. Das ist jedoch nur ein minimaler Kritikpunkt meinerseits.
Der Hauptteil ist nicht weniger ereignisreich wie die Einleitung. Erstens muss sich Alice mit Scarletts Umfeld vertraut machen, zweitens muss sie immer auf der Hut sein, dass ihre Tarnung nicht auffliegt (woran sie gleich am ersten Tag kläglich scheitert) und muss möglichst unauffällig nach Hinweisen und Anhaltspunkten suchen. Durch die Reise in Scarletts Unterbewusstsein (aka das Wunderland) machen ihre Ermittlungsarbeiten einen gewaltigen Sprung nach vorn. Hier kommen dann die fantastischen Elemente ins Spiel. Alice durchläuft die verschiedenen Stationen (Schrumpfszene, Teeparty, Spiel mit der Herzkönigin usw.) und begegnet den gleichen Figuren (Grinskatze, Hutmacher, Märzhase, Raupe usw.), die aus Lewis Carrolls Geschichte bekannt sind. Schilonkas Eigenleistung daran ist, dass sie alles, was im Wunderland geschieht, mit der realen Welt verknüpft. Zum Beispiel hat jeder Charakter in der Fantasiewelt einen Gegenpart im RL. Genau das macht die Adaption so spannend. All die Elemente, die einen als Kind früher so fasziniert und ins Staunen versetzt haben, werden neu interpretiert und erhalten im Kontext der Handlung eine ganz neue Bedeutung. Somit wurde es für mich als Leserin eine ganz andere Art von Entdeckungsreise, bei der Bekanntes in neuem Licht dargestellt wird. Ebenso wie Alice versucht man als Leser, das Knäuel zu entwirren - ein wenig Denkarbeit ist also auch nötig. Es gab zwar ein paar Stellen, die ich als etwas schwächer empfunden habe als andere, aber meiner Meinung nach kann man nicht von einem Roman erwarten, dass absolut jede Passage dramatisch und/oder emotional aufgeladen ist. Insgesamt war das Spannungsniveau konstant im oberen Bereich. Besonders das Ende ist Schilonka wunderbar gelungen. Die Enthüllung, wer sich hinter der Herzkönigin verbirgt, kam für mich überraschend, was bei einer solchen Story ein großer Pluspunkt ist.
Etwas gehadert habe ich mit dem inkonsistenten Erzählstil. Manchmal schleichen sich einige altmodische Formulierungen in die ansonsten moderne Ausdrucksweise. Ich weiß nicht genau, ob das auf den Einfluss der Originalgeschichte zurückzuführen ist oder einfach Schilonkas Schreibstil ist, jedenfalls hat mich das zu Beginn irritiert. Man gewöhnt sich allerdings mit der Zeit daran.
In Bezug auf die Akteure habe ich wenig zu bemängeln. Obwohl der Fokus eindeutig auf Alice liegt und man Scarlett nie in Aktion erlebt (schließlich liegt sie im Koma), bekommt man doch ein gutes Gespür für ihre Person. Getreu dem Motto "Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist" lernt man das meiste über Scarlett durch die Erzählungen ihres unmittelbaren Umfeldes (dass man sie als "Freunde" bezeichnen kann, sei mal so dahingestellt). Scarlett lässt sich wohl am besten als Alphaweibchen beschreiben: zielstrebig, charismatisch und auch etwas arrogant und manipulativ. Sie hat bei mir nicht gerade Sympathien geweckt. Alice war quasi die andere Seite der Medaille: deutlich bescheidener, zurückhaltender und bodenständiger und damit um einiges angenehmer. Die ein oder andere Figur wurde vielleicht etwas bei der Ausgestaltung vernachlässigt, aber in Anbetracht der Länge der Geschichte fand ich das weniger problematisch.

Fazit
Diese Adaption von "Alice im Wunderland" hat meine Erwartungen definitiv übertroffen. Durch die Einbettung in den Ermittlungskontext bekam die Originalgeschichte einen ganz anderen Sinngehalt und die Richtung, die Schilonka eingeschlagen hat, hat mir definitiv gefallen. Die Autorin hat mit diesem Werk sehr viel Kreativität und Einfallsreichtum bewiesen, wodurch Fans von Adaptionen jeder Art (wie ich) voll auf ihre Kosten kommen.

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Das Leben schmeckt nach Erdbeereis

Tamara Mataya , Lena Fink
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2018
ISBN 9783453421707
Genre: Liebesromane

Rezension:

Letztes Jahr hat mich Tamara Matayas Roman "Manche Tage muss man einfach zuckern" überaus positiv überrascht, weshalb ihr neuer Roman sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Inhaltlich klang es genau nach meinem Beuteschema, denn Mataya widmet sich einer ähnlichen Thematik wie zuvor: der heimlichen, jahrelangen und bisher unerwiderten Liebe zu einem Mann. Dieses Mal ist jedoch der besten Freund des Bruders der Protagonistin der Auserkorene und nicht der Bruder des Mitbewohners. Das klingt soweit nicht sonderlich innovativ, aber bei Liebesromanen finde ich das auch nicht zwingend notwendig. Zumal ich unheimlich gerne Geschichte dieser Art lese, aus dem einfachen Grund, dass ich mich so gut mit dieser Situation identifizieren kann. Bis dahin waren das die besten Voraussetzungen für ein optimales Lesevergnügen.

Probleme hat mir dann aber die tatsächliche Umsetzung bereitet (der nachfolgende Teil enthält minimale Spoiler). Mataya hält sich nicht lange mit der Einführung der Protagonisten auf und legt gleich ordentlich Tempo vor. Nach noch nicht einmal 100 Seiten kommt sie bzw. kommen ihre Hauptfiguren zur Sache. Das mag dem ein oder anderen entgegenkommen, ich persönlich bevorzuge jedoch eher ein längeres Katz-und-Maus-Spiel. Ich bin der Meinung, je länger man die Vorfreude aufbaut, desto schöner ist es, wenn die zwei dann tatsächlich zueinander finden. Es mag ja sein, dass Melanie und Blake quasi 10 Jahre "Vorspiel" gehabt haben (so lange ist Melanie schon in ihn verliebt), aber diese fehlen mir als Leserin. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass alles zu schnell ging. Ich muss allerdings an der Stelle auch positiv hervorheben, dass es Mataya dennoch gelungen ist, die innere Verbundenheit der beiden glaubhaft darzustellen. Für mich bestand kein Zweifel daran, dass sie perfekt zueinander passen, denn sie sind liebe- und verständnisvoll miteinander umgegangen und haben sich wirklich richtig kennen gelernt.

Das wiederum bringt mich zum zweiten Punkt, der mir ein bisschen sauer aufgestoßen ist: Die gesamte Beziehung ist für meinen Geschmack zu perfekt, zu harmonisch gewesen. Es herrscht zwar nicht durchweg eitel Sonnenschein, aber jede noch so kleine Meinungsverschiedenheit wird sofort im Keim erstickt, statt zu einem wirklichen Problem heranzureifen. Eine potenzielle Katastrophe wird abgewendet, ehe sie auch nur schärfere Konturen annehmen kann. Zumeist zerstreut Blake Melanies Selbstzweifel oder ihre Sorge um die Zukunft mit wenigen, einfühlsamen Worten, sagt ihr, wie schön und/oder stark und beeindruckend sie ist oder ist einfach nur für sie da. Klar vermittelt einem so viel Romantik und Harmonie ein positives Gefühl, aber mir fehlte eben auch der Konflikt. Ich habe mich während des Lesens permanent gefragt, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen soll und habe schon das Schlimmste für das Ende befürchtet. Ein Roman, der so positiv startet und nahezu unproblematisch verläuft, kann ja nur in einer Tragödie enden, oder? Zu einem gewissen Grad hatte ich mit meiner Vermutung auch recht. Zumindest gab es im letzten Viertel so etwas ähnliches wie einen Knall, aber der hatte ungefähr die Wucht einer Knallerbse. Lediglich die (zahlreichen) Sex-Szenen haben dem Roman etwas Würze gegeben. Auch der eigentliche Selbstfindungs-Plot baut nicht annähernd genug Spannung auf, dass er in mir das Bedürfnis, unbedingt weiterlesen zu müssen, ausgelöst hätte. Genauso wenig wie die Handlung haben die Nebencharaktere einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Melanies Familienmitglieder und losen Bekanntschaften bleiben zweidimensional, als wären sie vollkommen austauschbare Statisten. Das war mir einfach zu wenig, zumal ich durch ihr früheres Werk weiß, dass Mataya zu mehr fähig ist.

Nun aber noch ein Lob zum Schluss: Ich habe mich wahnsinnig über die Erwähnungen von Sarah und Jack aus "Manche Tage muss man einfach zuckern" gefreut. Ich liebe es einfach, wenn Autoren ihre Werke miteinander verknüpfen, weil sie dadurch Stück für Stück ein kleines literarisches Universum schaffen und man das Gefühl hat, ihre Geschichten sind mit der letzten Romanseite nicht beendet. Das kann gerne im nächsten Roman so beibehalten werden, den ich - in der Hoffnung auf eine erneute Steigerung - durchaus lesen werde.

Fazit
Summa summarum blieb Matayas zweiter Roman leider hinter meinen Erwartungen zurück. Die Autorin steuert ihre Protagonisten im Grunde ohne große Vorkommnisse durch seichte Gewässer. Die Story plätschert - abgesehen von diversen intimen Szenen - vor sich hin, was zwar ganz nett ist, aber mehr eben auch nicht. Ich wollte den Roman wirklich gerne mögen, aber er hat mich einfach nicht packen können.

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