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123 Bibliotheken, 22 Leser, 2 Gruppen, 45 Rezensionen

fantasy, his dark materials, über den wilden fluss, prequel, alethiometer

Über den wilden Fluss

Philip Pullman , Antoinette Gittinger
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 17.11.2017
ISBN 9783551583932
Genre: Jugendbuch

Rezension:

           Schon beim Hineinschnuppern in die Leseprobe war mir klar - das wird eine ganz wunderbare Sache! Die Bernstein-Trilogie von Pullman habe ich vor vielen Jahren sehr geliebt und dass es jetzt eine Vorgeschichte dazu gibt, hat in mir große Vorfreude hervorgerufen.
Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht - die Geschichte ist spannend, wunderschön vielschichtig und magisch, sie führt zurück in eine schon damals großartig konzipierte Welt.
Wir erfahren die Geschichte eines Jungen namens Malcolm und wie er sich plötzlich als Hüter der kleinen Lyra wiederfindet, die er nicht nur vor der Kirche und ihren Geheimorganisationen, sondern auch vor ihrer leiblichen Mutter und vor einem irren Wissenschaftler retten muss - inmitten einer sintflutartigen Überschwemmung.
Auch die Daemonen, die tierischen Wesen, die ein Teil der Persönlichkeit ihrer menschlichen Gefährten sind, gibt es in der Vorgeschichte und sie sind genauso faszinierend und bezaubernd wie in den drei bereits bekannten Büchern.
Und das schönste: am Ende steht "Fortsetzung folgt..." und ich bin sicher, dass damit nicht die schon lange am Markt erschienenen Bücher sind, sondern, dass es noch eine Prequel-Geschichte geben wird. Zu viele Fragen sind noch offen...
       

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(167)

265 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 143 Rezensionen

fantasy, palast, horror, expedition, abenteuer

Palast der Finsternis

Stefan Bachmann , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257300550
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Idee klingt ja spannend und geheimnisvoll: fünf Jugendliche, alle offenbar hochbegabt, werden für ein besonderes Projekt ausgewählt, sie sollen einen unterirdischen Palast in Frankreich erforschen. Zu dem Zweck werden sie mit größtmöglichem Luxus von den USA nach Frankreich geholt, im oberirdischen Teil des Schlosses untergebracht und gehätschelt. Gehätschelt bis zum ersten Abendessen...
Ab dann wird die Geschichte etwas absurd, die Gastgeber und Initiatoren des Projekts entpuppen sich plötzlich als mehr als feindlich, die jungen Leute werden unter Drogen gesetzt und in den unterirdischen Palast gebracht.
Dort begegnen sie derart vielen verschiedenen, sich teilweise untereinander bekämpfenden Gruppen, verlieren sich im Labyrinth, finden Seltsamkeiten und noch größere Seltsamkeiten, stolpern von einer Todesgefahr in die nächste, begegnen mysteriösen Gruselgestalten und weder sie noch der Leser kann sich in den widerstreitenden Gruppen zurechtfinden und einen Sinn erkennen oder ein Ziel.
Erzählt wird auf zwei Ebenen: eine Ebene ist aus der Perspektive von Anouk, einer "Heldin" mit großen persönlichen Problemen, die ihre Wurzeln in ihrer prekären Familiengeschichte haben und sie zu einem depressiv-aggressiven, unleidlichen Miststück machen. Die zweite Ebene spielt in der Zeit der französischen Revolution und wird aus der Sicht von Aurélie de Bessancourt erzählt, die sich ebenfalls im Palast der Finsternis aufhalten muss.

Die Zusammenführung der Erzählungsstränge war dann aber doch ziemlich vorhersehbar, nachdem die Zielführung unentwegte Ablenkungen in Form von "noch ein Problem/ ein weiterer Gewaltakt/ die nächste Katastrophe" erfahren hat. Insgesamt zu viel, sogar bei einer Mystic Fantasy-basierten Geschichte.

Die übrigen Protagonisten bleiben seltsam blass und blutleer (und das nicht nur, weil sie in den diversen Kämpfen ziemlich viel davon verlieren), die sind flach gezeichnet und uninteressant. Der Autor scheint selber keine große Wertschätzung für seine Figuren zu haben, sonst hätte er ihnen mehr Leben eingehaucht.

Fazit: Für Jugendliche vermutlich ganz spannend, aber trotzdem irgendwie blutarm, wenn auch eher blutrünstig... Kann man lesen, muss man nicht.

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(60)

86 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

japan, tod, trauer, geister, nahtoderfahrung

Lebensgeister

Banana Yoshimoto , Thomas Eggenberg
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257300420
Genre: Romane

Rezension:

          Es ist ein Buch, das nachdenklich macht und das berührt. Es geht um den Tod und das Weiterleben nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Die Sprache ist sehr direkt, manchmal geradezu schnoddrig und trotzdem von einer zart poetischen Kraft.
Worum geht es? Sayoko und ihr Geliebter Yoichi haben auf der Heimfahrt von einem schönen Ausflug einen Autounfall. Yoichi stirbt sofort, Sayoko bleibt schwer verletzt, dem Tode ganz nahe, zurück. Eine Eisenstange hat sich durch ihren Bauch gebohrt. An der Schwelle des Todes sieht sie zuerst ihren schon vor längerer Zeit gestorbenen Hund, dann ihren toten Großvater, der sie "ins Leben zurückschickt".
Wieder gesund, bleibt ihr eine seltsame Wahrnehmungsfähigkeit: sie sieht Geister. Allerdings ist nichts davon bedrohlich oder verstörend - im Gegenteil. Sie lernt, dass es in beiden Welten gut sein kann, dass Leben und Tod zusammengehören. Sayoko verändert sich, sie kann dem Augenblick, dem Hier und Jetzt viel mehr abgewinnen.
Mag sein, dass es an der unterschiedlichen Kultur Asiens liegt, dass Sayoko sich so "leicht" im Leben zurechtfindet, dass sie so viele Glücksmomente erkennen kann, vielleicht liegt es aber auch an ihrer Nahtoderfahrung. Auf alle Fälle hat Banana Yoshimoto ein beeindruckendes Portrait einer jungen Frau und ein irgendwie tröstliches Buch geschaffen.
       

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326 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 99 Rezensionen

finnland, familie, liebe, vergangenheit, helsinki

Liebten wir

Nina Blazon
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 26.06.2015
ISBN 9783548285771
Genre: Romane

Rezension:

Was mich zunächst einmal an diesem Buch interessiert hat, war das Sujet. Nina Blazon ist mir bisher nur als Autorin von Fantasygeschichten bekannt, vorzugsweise für junge Leserinnen. Dass sie in ein vollkommen anderes Genre wechselt, hat mich neugierig gemacht
Die Geschichte beginnt mit der jungen Moira, genannt Mo, einer Fotografin. Mo lebt mit Leon zusammen, einem jungen Mann, dem Familie über alles geht. Als er sie überredet, nicht nur zum Geburtstagsfest seines Vaters mitzukommen, sondern auch noch ihre Schwester Danae kennenlernen will, stimmt Mo widerwillig zu. Denn sie hat ein großes Problem mit Familien, vor allem mit ihrer eigenen...
Auf dem Fest eskaliert die Situation, Mo, deren Familienproblem darin liegt, dass sie in ihrem ganzen bisherigen Leben immer nach Familien gesucht hat, in die sie schlüpfen konnte,weil ihre eigene so kaputt war, flieht, als Leons Schwester und ihre eigene Schwester sie bloßstellen.
Mit ihr flieht Aino, Leons finnische Großmutter, alt, gebrechlich, im Rollstuhl sitzend, aber von unbeugsamem Willen getrieben. Sie zwingt Mo, mit ihr nach Finnland zu reisen und der Familie zu verheimlichen, was sie vorhat und wohin sie will.
Es beginnt eine Reise in der Art von Thelma und Louise, eine Flucht zweier ungleicher Frauen, die doch etwas gemeinsam haben. Mo flieht vor der Vergangenheit, vor ihrer Kindheit, dem Tod der Mutter, dem Aufwachsen bei einer Stiefmutter, die vom Vater verlassen wurde, vor dem Bruch mit der Schwester, vor... vielen Dingen, die sie nicht sehen will. Aino flieht vor ihrer Zukunft, in der Entmündigung droht, endgültiges Abgeschobenwerden ins Pflegeheim und Tod.
Das sind die vordergründigen Motive, Aber es steckt noch mehr dahinter. Aino hat einen ganz bestimmten Grund, nach Helsinki zurückzukehren, sie hat dort noch etwas zu tun, Dinge zu klären und alte Rechnungen zu begleichen. Für Mo wird es eine Reise, die ihr die Augen öffnet. Über Aino, über die Vergangenheit, den Weltkrieg,die Menschen in Finnland und über sich selbst. Vor allem über sich selbst, die es bisher nie gewagt hat, den Blick auf ihre Umgebung ohne den Schutz ihrer Kamera zu richten. Und dabei entdeckt sie in ihrer Familiengeschichte ebenfalls Erstaunliches...

Das Buch hat mich absolut mitgerissen, so faszinierend ist die Geschichte der beiden Frauen und die Entwicklung zum "Showdown" ist spannend und großartig! Ein Kompliment an die Autorin, die auch in einem vollkommen anderen Genre wunderbar erzählen kann und ihre Figuren präzise und liebevoll gestaltet! Große Empfehlung!

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101 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

frankreich, bücher, buch, buchbinder, dorf

Mathilde und der Duft der Bücher

Anne Delaflotte , Christian Kolb
Fester Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Kindler, 08.03.2011
ISBN 9783463405933
Genre: Romane

Rezension:

Mathilde, knapp unter Dreißig, rothaarig und hübsch, kehrt ihrer Arbeit als Jungdiplomatin im Außenministerium den Rücken, um in der Kleinstadt Montlaudin das geistige Erbe ihres Großvaters anzutreten. Sie lässt sich als Buchbinderin und Restaurateurin nieder. Ihr Haus und die Werkstatt stehen in einer Gasse, in der es noch Handwerker gibt und schnell wird sie ein von den meisten Nachbarn geschätztes Mitglied des Viertels.
Eines Tages taucht ein seltsamer junger Mann bei ihr auf, der ein noch seltsameres Buch zum Restaurieren bringt. Kurz danach stirbt der junge Mann und Mathilde versucht, die Identität des Buchbesitzers zu klären. Das führt zur Entdeckung alter und vergessener Geheimnisse und bringt sie beinahe um ihre berufliche Existenz…
Interessant sind die Beschreibungen der Buchbindekunst, auch für absolute Laien. Anne Delaflotte schildert unkompliziert und anschaulich, wie man Bücher restauriert, welche Teile es wie zu bearbeiten gilt und welche Werkzeuge man dabei verwendet. Diese Passagen sind auch überzeugend und gelungen.
Schön und im Fluss sind auch die Erinnerungen Mathildes an ihre Kindheit, an den Großvater, an seine Liebe zu seinem Handwerk und zu Cyrano de Bergerac, die er Mathilde ebenso vererbt hat wie seine Werkzeuge.
Der Rest ist…verschenkt. Die Sprache oft holprig und ungelenk, manchmal wie eine Nacherzählung. Manchmal hätte ich mir eine Auflockerung durch ein paar Dialoge mehr gewünscht.
Außerdem ist der Verlauf der Handlung für mich dann etwas unrealistisch und gewaltsam zurechtgebogen. Etwa die Begegnung mit Sylvain, der Grund, warum Mathilde in Ohnmacht fällt, das war für mich ein „bitte nicht, das ist zu plakativ“-Erlebnis. Viele Stränge werden mir zu schnell zu einem gemeinsamen Ende der Geschichte hingebügelt, das finde ich bedauerlich, weil es nicht notwendig gewesen wäre.
In Summe: eine nette Zwischendurchlektüre mit interessanten Informationen über die Buchbinderei, eingebettet in eine leicht plätschernde Handlung.

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