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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

drachenmond verlag, julia seuschek, fantasy - dystopie, lovestory, dystopie

Straßenkötergene

Julia Seuschek
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 08.07.2017
ISBN 9783959912778
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Inhalt


In einer Welt, die von Genen bestimmt wird, gehört Lou Typ A an – ihr Blut ist reiner, wertvoller als das der niederen Typ B-Menschen. Doch als ihr Vater vom Königshaus ermordert wird, schwört sie Rache. Als Typ B-Diener verkleidet schleicht sie sich in den Palast, wo sie Jared kennenlernt – den Sohn des Königs und damit auch ihren Feind. Doch Lou und Jared begeben sich in ein gefährliches Katz und Maus Spiel, an dessen Ende sie nur noch Ungewissheit erwartet …


Meine Bewertung


Und da wären wir wieder bei: Bücher, die ich lieben wollte, die mich aber einfach nicht mitreißen konnten. Auf „Straßenkötergene“ von Julia Seuschek habe ich mich so lange gefreut, hatte ich schließlich schon vor der Veröffentlichung den Entstehungsprozess des Buchs immer wieder in den sozialen Medien verfolgt. Schon damals war offensichtlich, was für einen poetischen und unkonventionellen Schreibstil die Autorin hat. Doch leider verflog meine Begeisterung, je weiter ich las.


Fangen wir zunächst am Anfang an – und damit auch bei den positiven Eigenschaften des Titels. Straßenkötergene ist eine Dystopie und dreht sich um Lou, die in einem Zwei-Klassen-System großgeworden ist und in einer Welt, die von Kriegen und menschlicher Überheblichkeit entstellt ist. Dadurch kommt es zu den Mutationen – bis zu ihrer Pubertät weisen Kinder dieselben Merkmale auf, erst danach wird deutlich, welchem Gentyp sie angehören. So weit hat mir die Idee wirklich gut gefallen, auch wenn ich die Mutationen wissenschaftlich nicht ganz solide finde. Trotzdem war die Welt anfangs gut ausgearbeitet und hat interessanten Stoff bieten können, in den ich schnell reingefunden habe. Lou lebt zudem auf der Straße und versorgt sich, so weit sie kann, selbst.


Bis zu Lous Eintritt in den Palast war ich in der Geschichte drin und mochte die Protagonistin auch sehr – allerdings ist das komplette Worldbuilding danach einfach weggefallen. Denn sobald Lou sich verkleidet, ein Brauner wird und als Diener im Palast beginnt, kamen bei mir die Fragen auf. Und die erste ist: Wieso? Wieso glaubt sie daran, dass ihr leiblicher Vater vom Palast getötet wurde, wenn es ihr Bruder jahrelang nicht tat? Wieso muss sie ihn rächen? Wieso hat sie nicht andere Wege gefunden, der Brutalität ihres Stiefvaters zu entkommen (zumal sie zu dem Zeitpunkt schon mutiert war!), als auf der Straße zu leben? Und wieso verliebt sie sich in Jared?


Diese Liebesgeschichte nimmt danach wirklich den größten Teil des Buchs ein. Jared denkt, er sei schwul, Lou kann ihm nicht die Wahrheit sagen. Sie streiten sich, sie versöhnen sich, streiten sich wieder, werfen sich immer schrägere Spitznamen an den Kopf, Lou mutiert vom selbstbewussten, starken Mädchen mit dem Ziel, Geheimnisse des Königs zu finden und seine Macht zu stürzen, zu einem Mädchen, das … Ja, was eigentlich? Das allein dafür da ist, Jared schöne Augen zu machen? Das noch einmal im Palast schnüffeln geht, eigentlich nur durch himmelschreiendes Glück nicht entdeckt wird, und danach nie wieder auch nur an ihren Auftrag denkt. Die ganze Geschichte dreht sich nur noch um die Instalove zwischen den beiden. Und die kommt wirklich aus dem nichts.


Zudem gibt es einfach so unheimlich viele extreme Zufälle in dem Buch, dass es mich einfach nur genervt hat. Die treffen mit einigen Handlungssträngen zusammen, die angeschnitten, aber nie wieder oder nur sehr, sehr kurz thematisiert werden, weil sie sonst zu viel Platz von Lous und Jareds Seelenverwandtschafts-Liebesstory wegnehmen würden. Für die Kürze des Buchs war das einfach zu viel und gleichzeitig nicht genug. Das Ganze drumherum, die Rebellion, der sich Lous Bruder anschließt, ihre Mission, Jareds Hochzeit – alles wird auf wenigen Seiten abgehandelt. Keiner in diesem Buch scheint jemals ernsthaft etwas zu hinterfragen: Jared wird mit einem Hochverräter gefunden? Nein, interessiert keinen. Ein Adler, den Lou und ihr Bruder früher mal zufällig gefunden und gesund gepflegt und zur Brieftaube umfunktioniert haben, klopft ständig an ihr Fenster und überbringt ihr Nachrichten? Kümmert keinen im Palast!


Ich muss gestehen, ich war irgendwann einfach nur noch genervt. Zudem scheinen überdurchschnittlich viele Personen in diesem Buch pädophil und inzestuös zu sein. Und das wird ebenfalls auf wenigen Seiten abgehandelt und dient eher dazu, Lou und Jared zu verbinden, als wirklich mal darauf einzugehen, dass das ein Problem ist, mit dem sie kämpfen müssen!


Julia Seuscheks Schreibstil ist hingegen sehr angenehm. Aber: Zu einer Dystopie passt er für mich einfach nicht. Die Dialoge wurden für mich im Laufe des Buchs dermaßen unauthentisch, auch wenn sie schön geschrieben sind. Doch so redet keiner! Irgendwann klang es eher schwülstig und nicht mehr besonders. Ich hätte mich eher gefreut, wenn diese poetischen Zeilen ab und zu eingestreut gewesen wären, anstatt dass Jared einem anderen Mädchen vor den Latz knallt, dass er auf kartoffeliges Chaos steht. Ja, das mag ihm in dem Moment romantisch gegenüber Lou vorkommen. Aber für mich erschien es einfach sehr unauthentisch und seltsam, wie die zwei miteinander und auch mit anderen reden.


Wie ich bereits erwähnte, war für mich zu viel Handlung mit zu viel offenen Strängen in zu wenige Seiten und Kontext gepresst. Das Ende war abrupt, sollte überraschen, aber ich habe ähnliches schon erwartet, und es wurden längst nicht alle Fragen aufgeklärt. Für mich war es irgendwie unbefriedigend, da noch so viel offen war. Die Thematik des Buchs hätte locker Stoff für 500 Seiten geboten, aber hier musste einfach für die Liebesgeschichte zurückgesteckt werden – was für mich das Buch unvollständig und sehr, sehr klischeevoll gemacht hat.


So sehr ich es mir auch gewünscht habe, „Straßenkötergene“ konnte mich nicht überzeugen. Ich mag Julia Seuscheks Schreibstil und die Grundidee war auch echt cool, aber die gesamte Umsetzung hat für mich die Geschichte kaputtgemacht. Wer auf Liebesgeschichten mit kleinen dystopischen Aspekten steht: Hier. Wer stimmige Dystopien erwartet, in denen sich nicht alles um Seelenverwandtschaft auf den ersten Blick dreht: Nein. Da ich leider zur zweiten Gruppe gehöre, hat mich „Straßenkötergene“ nicht vom Hocker reißen können.

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169 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 101 Rezensionen

new york, kim nina ocker, liebe, hotel, lyx verlag

Nothing Like Us (Upper East Side-Reihe 1)

Kim Nina Ocker
E-Buch Text
Erschienen bei LYX.digital, 06.07.2017
ISBN 9783736305656
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt


Lena kann ihr Glück kaum fassen, als sie die Chance erhält, in New York ein Praktikum im berühmten West-Hotel zu absolvieren. Ihrem großen Traum, als Pâttisiere zu arbeiten, damit ein Stück näher, funkt ihr nur der mysteriöse Sander dazwischen. Durch ein peinliches Missverständnis hält sie den Sohn des Hotelbesitzers für einen einfachen Praktikanten wie sie – und in den wirren Verstrickungen haben beide ihre Gefühle nicht mehr im Griff …


Meine Bewertung


Es gibt Bücher, die will ich wirklich, wirklich mögen, sei es, weil ich den Autor persönlich kenne oder weil der Klappentext schon so gut klingt, dass ich mir eine tolle Story verspreche. Auch bei „Nothing like us“ war es so und ich war so gespannt auf dieses Buch von Kim Nina Ocker – wurde beim Lesen allerdings immer frustrierter und leider auch genervter.


Das ganze Buch geht echt gut los, als Lena noch schlagfertig ist und Sander prompt zum Aufräumen der Wäschekammer verdonnert, weil sie ihn für den Praktikanten hält, der ihr helfen soll. Der taucht aber nie auf, denn Sander ist eigentlich der Sohn des Hotelsbesitzers und damit schwerreich, gut bewacht, wenn er aus dem Haus geht, und mit eigenen Verpflichtungen gesegnet, da er auf das Geld seines Vaters angewiesen ist. Die beste Voraussetzung für eine prickelnde Liebesgeschichte gegen alle Grenzen, dachte ich. Aber leider hat sich das Buch nach dieser Szene trotz Kim Nina Ockers flüssigem Schreibstil unendlich gezogen.


Ich hatte nicht das Gefühl, dass es in der Handlung vorangeht – Lena zickt rum, Sander verrät natürlich nichts, macht kyrptische Anmerkungen, Lena überlegt, kommt zu keinem Schluss, das Spielchen geht von vorne los. Ich war spätestens in der Mitte des Buchs einfach nur noch genervt von den Dates der beiden. Ja, man kann sich die Zeit miteinander vertreiben, aber eigentlich weiß keiner wirklich etwas über den anderen und Sanders Stillschweigen hat mich einfach wütend gemacht. Denn immer wieder habe ich mich gefragt: Was hindert ihn denn daran, Lena einfach die Wahrheit zu sagen? Irgendwann wohl nur noch das schlechte Gewissen und die Hoffnung, sie dann nicht zu verlieren.


Lena hingegen hat sich an manchen Stellen echt selten dämlich angestellt. Es tut mir furchtbar leid, aber anfangs wurde sie so zielstrebig dargestellt und ein paar Kapitel später schneidet sie sich in den Finger, dass das Blut nur so spritzt, weil die Gedanken an Sander ihr Hirn vernebeln. Zudem weiß sie so gut wie alles über das Hotel, aber hat sich natürlich genau über die Besitzer nicht erkundigt? Das erschien mir so inkonsequent in ihrem Charakter. Außerdem braucht sie wirklich ewig, um zu durchschauen, was Sander da mit ihr spielt. So sarkastisch und energisch wie sie sonst dargestellt wird, hätte ich erwartet, dass sie ihm nach der wochenlangen Lüge einen Arschtritt verpasst und sich aus dem Staub macht.


Die Nebencharaktere fand ich hingegen alle ganz interessant, aber auch sehr blass gezeichnet. Bunt wurde es nur, als mit Klischees gearbeitet wurde – von Kaito, Lenas schwulem Mitbewohner, möchte ich lieber gar nicht erst anfangen. Sein Verhalten und auch sein Eindringen in Lenas Privatsphäre und ihre persönlichen Angelegenheiten waren unter aller Kanone. Nein, auch als schwuler Mann hat man keine Ausnahmegenehmigung, einfach die Wäscheschublade eines jungen Mädchens zu durchwühlen. Die ganzen Klischees, die im Buch verteilt waren, haben in Kaito ihren Höhepunkt gefunden und diese extreme stereotypische Darstellung hat mich einfach nur wütend gemacht – denn Kaito war nicht mehr als der Quotenschwule. Und das braucht eine gute Geschichte nicht.


Was mir insgesamt in dem Buch gefehlt hat, war der Sinn für Emotionen und angemessenes Verhalten. Viele Aktionen und Reaktionen der Charaktere waren für mich dermaßen widersprüchlich, schwer verständlich und einfach nur grotesk, dass ich das Buch nicht mehr ernst nehmen, aber auch nicht darüber lachen konnte. Im zweiten Band wird es um Lenas Freundin Lexie gehen, die mir wirklich gut gefallen hat im ersten Teil, weshalb ich der Fortsetzung noch eine Chance gebe. Allerdings war „Nothing like us“ für mich persönlich nicht tragbar.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kinderbuch, komische ideen

Ziemlich beste Schwestern - So ein Affentheater!

Sarah Welk
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 12.02.2018
ISBN 9783845821436
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt


Flo und Mimi – das sind die ziemlich besten Schwestern dieser Welt. Unsinn steht an der Tagesordnung, wenn die zwei einen Zoobesuch machen, einen Schneckenladen eröffnen oder Papas Handy im Kartoffelbeet einpflanzen. Zwischen dem normalen Geschwisterwahnsinn geht es auch mal hoch her – doch Mimi ist glücklich, eine Schwester wie Flo zu haben.


Meine Bewertung


Juhu, gleich neuer Lesestoff von den ziemlich besten Schwestern! Nachdem ich den ersten Teil ja schon echt niedlich fand und auch die Geschichten mochte, habe ich mich darauf gefreut zu erfahren, was Mimi und Flo wohl in „So ein Affentheater!“ anstellen.


Von den kleinen Geschichten her, die darin aufgeführt sind, hat mir dieser Teil sogar noch besser gefallen als der erste. Mimi und Flo waren wieder einmal sehr sympathisch, haben sich auch mal gezofft und es war keine vollkommen harmonische Geschwisterbeziehung – wie es eben auch im normalen Leben so ist. Wenn es aber darum geht, sich gegen ihre Eltern zu verschwören, dann halten sie zusammen. Ich mag die beiden sehr gern und finde, dass sich auch viele Geschwister mit ihnen identifizieren können.


Das Buch empfand ich als wesentlich verrückter als das erste. Flos Ideen sind einfach lustig und ich musste auch mehrfach lachen, nicht nur kleine Leser werden hierdran ihren Spaß haben. Auch die Eltern fand ich etwas besser dargestellt als in „Quatsch mit Soße“, so haben sie auch wesentlich lustigere Auftritte und sind nicht immer nur die Spaßbremsen.


Die Zeichnungen haben das Buch wieder unheimlich toll unterstützt, vor allem, wenn es um besondere Situationen ging. Die schrägen Ideen der Mädchen wurden aufgegriffen und gut umgesetzt, was dem Buch noch mehr Komik verliehen hat. Ich war auf jeden Fall sehr begeistert und bin gespannt, was die beiden Geschwister noch anstellen werden.

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223 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

liebe, jugendbuch, hochzeit, flughafen, punktlandung in sachen liebe

Punktlandung in Sachen Liebe

Jennifer E. Smith , Ingo Herzke
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.05.2013
ISBN 9783551312570
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Eigentlich will Hadley gar nicht sehen, wie ihr Vater eine andere Frau als ihre Mutter heiratet. Doch am Flughafen angekommen, kann sie nicht mehr zurück. Wie gut, dass ihr bei der Reise über den Pazifik Oliver Gesellschaft leistet – Oliver, der unmögliche Storys erzählt und Hadley aufheitert, als ihre Klaustrophobie zuschlägt. Doch gibt es Liebe auf den ersten Blick wirklich? Und was passiert, wenn sie in Heathrow landen – bleibt die Liebe über den Wolken zurück, als wäre sie nie da gewesen?


Meine Bewertung


Es ist nun schon eine Weile her, dass ich ein Buch von Jennifer E. Smith gelesen habe, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr mich damals „Dich immer wiedersehen“ berührt hat. Geschichten über Liebe auf den ersten Blick hat die Autorin echt drauf – dachte ich. Und da ich „Punktlandung in Sachen Liebe“ schon mit dem alten Titel „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ auf der Wunschliste hatte, konnte doch gar nicht mehr viel schiefgehen. Oder?


Vielleicht doch. Oder auch nicht. Ich weiß es ehrlich nicht. Gleichzeitig hat mich das Buch schon irgendwie mitgerissen, aber auch unbefriedigt zurückgelassen. Es gab so vieles, was mir gefallen hat, aber auch so viele Situationen, in denen ich die Protagonisten einfach gehasst habe.


Die Geschichte hat eigentlich eine echt gute Ausgangslage und hat mich gerade so neugierig gemacht. Hadley verpasst den Flug zur Hochzeit ihres Vaters in London um vier Minuten – vier Minuten, die ihr Leben verändern. Denn beim Warten auf den nächsten Flug trifft sie Oliver. Und so süß ich die Rahmenhandlung auch fand, hat sich das Ganze gezogen und gezogen und es passierte einfach nichts. Mir ist bewusst, dass Jennifer E. Smith viel mit Dialogen arbeitet und mit inneren Perspektiven ihrer Protagonisten, aber hier konnte es mich einfach nicht mitreißen und ich war zu oft gelangweilt. Im Flugzeug geht es weiter. Gerede über Entchenfilme. Über unterschiedliche Sprachen. Über Olivers komische Forschungen. Gähn. Auf den ersten 100 Seiten waren für mich die besten Stellen die, in denen beide geschlafen haben.


Tja, und dann kamen sie endlich in London an – und die Handlung ging voran. Ab dem Zeitpunkt hat mir das Buch sogar recht gut gefallen, denn Hadley versteht irgendwann auch Olivers Geheimnis. Alles in allem steigert sich die Story in der zweiten Hälfte wirklich enorm, kann aber meinen Unmut über die erste Hälfte, die unheimlich lahm war, einfach nicht besänftigen. Denn ganz ehrlich: Wer sich im Flugzeug fast küsst und Gelegenheit hat, über Entchen zu diskutieren, der kann ja wohl auch mal in einer Minute nach dem Nachnamen oder der Telefonnummer des Gegenübers fragen.


Hinzu kam leider auch der Umstand, dass Hadley für mich die wohl unsympathischste Person in diesem ganzen Buch war. Während ich bei Oliver damit zu kämpfen hatte, dass er so gewollt aus der Norm fiel und sich dabei für mächtig cool hielt – etwas, das ich schon in John Greens Büchern nicht leiden kann -, war Hadley einfach unausstehlich. Als Scheidungskind weiß ich, wie es ist, wenn die Eltern neue Partner finden. Aber Hadley hasst ihre Stiefmutter schon, bevor sie sie kennenlernt und verhält sich einfach nur wie ein zickiges Gör. Nein, sorry – das geht mir dezent auf die Nerven. Vor allem in ihrem Alter kann man auch erwachsener in so einer Situation sein und dem Gegenüber zumindest eine ernsthafte Chance geben, bevor man entscheidet, dass sie die böse Stiefmutter aus einem Disney-Film ist. Zum Glück hat sich Hadleys Art ein bisschen gebessert, als die Hochzeit dann endlich gekommen war, aber insgesamt bleibt sie mir leider als höchst unsympathische Protagonistin im Kopf.


Alles in allem hatte dieses Buch für mich nicht viel mit dem gemein, was ich bisher mit Jennifer E. Smiths Büchern verbunden habe. Der Schreibstil war wirklich schön, sie versteht es, mit Sprache umzugehen, aber das kann mich nicht über die Handlung und die Charaktere hinwegtrösten, die beide vor allem in der ersten Hälfte extrem lahmten. Obwohl das Buch so kurz ist, hat es mich ziemlich viel Kraft gekostet, und ich bin eher zwiegespalten, ob ich jetzt noch zu einem weiteren Buch der Autorin greife.

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27 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

Der Klang der Freiheit

Gill Lewis , André Mumot , Jo Weaver
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 12.02.2018
ISBN 9783845826011
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt


Ein kleines Boot auf hoher See. Der Motor ist ausgefallen, die Menschen kauern sich enger zusammen. Die Nacht schwebt über ihnen. Während sie Essen, Trinken und Wärme miteinander teilen, hat Rami nur eins zu geben – seine Musik. Die Geige war das Einzige, was er packen konnte, bevor er sich auf den Weg in ein neues Leben gemacht hat. In ein ungewisses Leben. Aber seine Geige spielt auch das Lied der Freiheit und bietet Hoffnung in einer Zeit, in der diese rar gesäht ist.


Meine Bewertung


Was für ein Buch. Wenn jemandem hier nicht die Tränen kommen, weiß ich auch nicht weiter. Schon seit der Frankfurter Buchmesse, auf der mir „Der Klang der Freiheit“ vorgestellt wurde, warte ich sehnlichst auf diesen Titel und kam nun endlich in den Genuss, ihn samt der wunderschönen Illustrationen zu lesen.


Obwohl das Buch für Heranwachsende gestaltet ist, beschäftigt es sich mit einer sehr ernsten Thematik, die ich allerdings gut umgesetzt finde. In dem Boot auf dem scheinbar endlosen Ozean trifft man auf eine kleine Gruppe an Flüchtlingen. Manche haben etwas zu essen dabei, andere ein wenig trinken. Einer bringt seinen Hund mit. Auch Rami ist dabei – der Junge mit der Geige und dem Schal seines Orchesterdirigenten um den Hals. Dieser gab ihm eine Aufgabe: Lauf fort, bring dich in Sicherheit, und trag den Schal, wo auch immer du spielst. Und Rami spielt – er spielt das Lied der Freiheit.


In diesem Buch sind zwei Geschichten miteinander verworben – die Hauptstory um die Menschen, die in diesem Boot zusammenkommen mit all ihren Erlebnissen, die sie nach und nach schildern, und die Geschichte, die Rami beim Klang der Musik seiner Geige erzählt. Es ist sehr beeindruckend, wie die in Blautönen gehaltenen Illustrationen diese beiden Geschichten verbinden und auffangen, wie viel mit wenig Worten gesagt wird. Und doch weiß man, was dort passiert und passiert ist, denn so gut wie jeder von uns hat in den letzten Jahren wohl einige Geschichten von Flüchtlingen gehört.


Dieses Buch ist ein Plädoyer an Menschlichkeit im Rahmen unbarmherziger Grausamkeiten. Es ist ein Zeichen, dass Freiheit siegt, weil es das kostbarste Gut ist, dass Musik überdauert und uns alle verbindet. Was in der heutigen Gesellschaft fehlt, wird hier vor Augen geführt – Verständnis. Wir müssen uns nicht alle lieb haben, aber die Geschichte des jeweils anderen zu hören, seine Gefühle und seine Erlebnisse, machen aus einem namenlosen Opfer plötzlich jemanden, mit dem man sich verbunden fühlt. Ich denke, das fehlt heutzutage einigen.


Alles in allem ist „Der Klang der Freiheit“ sehr berührend und hat mich ziemlich nachdenklich und auch traurig gestimmt. Die Erzählweise und die Illustrationen sind wunderschön, aber es schwingt eine Endgültigkeit in dem Titel mit, die mit der Hoffnung konkurriert. Gleichzeitig wollte ich weiterlesen und aufhören – und wenn mich schon ein Buch, das für Kinder konzipiert, so zum Weinen und Grübeln bringt, dann zeigt das doch, dass dies ein wichtiger Titel ist, den sich mehr Menschen zu Gemüte führen sollten.

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32 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

kinderbuch, komische ideen

Ziemlich beste Schwestern - Quatsch mit Soße

Sarah Welk , Sharon Harmer
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 12.02.2018
ISBN 9783845821382
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt


Mimi und Flo sind Geschwister. Und mit ihnen im Haus leben Mama und Papa, die Kaninchen Knolle und Bolle, der Kater Kalle und vier kleine Mäuse, die sie ihrem Cousin abgekauft haben. Doch von einem ruhigen Familienleben kann nicht die Rede sein – auch wenn ihr Dorf klein ist, geht es bei den frechen Schwestern immer rund!


Meine Bewertung


Der Auftakt der „Ziemlich beste Schwestern“-Reihe war auf jeden Fall ein sehr lustiges Buch, das mich oftmals zum Lachen gebracht hat. Ich wusste noch nicht so recht, was mich erwartet, als ich das E-Book begonnen habe, aber die niedlichen Illustrationen waren auf den ersten Blick total entzückend und haben das Leseerlebnis schon aufgewertet. Sie sind auf jeden Fall kindgerecht umgesetzt und unterstützen die Story sehr gut.


Das Buch ist dann schließlich in mehrere kleinere Geschichten gegliedert, die sich um die Schwestern Flo und Mimi drehen. Mimi erzählt darin von ihren Abenteuern und von ihrer Familie, wobei Themen wie Scheidung bewusst eingeflochten, aber als etwas absolut normales dargestellt werden. Ich empfand es als sehr angenehm, das man hier auch den Kleineren Patchwork-Familien nahebringt, ohne sie als etwas Ungewöhnlicheres als die „Mutter-Vater-Kind“-Beziehung darzustellen.


Die einzelnen Geschichten haben mich schließlich ziemlich gut unterhalten. Mimi ist eine sehr lustige Protagonistin, während ihre Schwester Flo noch etwas jünger ist. Natürlich fliegen zwischen ihnen auch mal die Fetzen, auch zwischen ihnen und ihren Eltern. Das war das Einzige, was mich an einigen Stellen aus der Bahn gebracht hat – ich weiß, es sollte humoristisch sein, aber so, wie die Familie in Streitsituationen miteinander umgeht, empfinde ich die Beziehung als sehr schwierig. Es wird gebrüllt, vor allem von Mutters Seite aus, gedroht und überhaupt nicht kindgerecht erklärt, wieso die Fehler, die Mimi und Flo gemacht haben, denn nun so falsch sind. Von diesen Stellen mal abgesehen fand ich die Darstellung aber für die Zielgruppe sehr passend.


„Ziemlich beste Schwestern – Quatsch mit Soße“ ist auf jeden Fall ein Buch, bei dem man an vielen Stellen aufgrund des Familienirrsinns schmunzeln muss, das aber aus meiner Sicht auch einige Male zu heftig ist. Auch Kinder werden an dem Werk von Sarah Welk mit leichten Anpassungen, wie es die Eltern für richtig halten, viel Freude haben.

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112 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

tod, humor, leben, knochenjob, zeit

Knochenjob!

Sarah Adler
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 31.08.2016
ISBN 9783959911924
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt


Der Tod hat die Nase gestrichen voll davon, dass seine Kollegen immer mehr Anerkennung bekommen als er. Vor allem dieses schreckliche Leben – nicht auszuhalten! So wie der Angeber herumprahlt, rollen sich einem ja die nicht vorhandenen Zehennägel auf. Also beschließt Tod, dem Sensemann-Image den Rücken zuzukehren. Zwischen Erste-Hilfe-Versuchen, unschönen Begegnungen mit Krankheit, Zufall, Schicksal und Glück, und einer irrwitzigen Suche nach einer Urlaubsvertretung, um sich bei der Zeit zu beschweren, muss Tod erst entdecken, was sich in der Geschichte der Evolution so alles zugetragen hat …


Meine Bewertung


Es gibt Bücher, die brauchen einfach ihre Zeit – „Knochenjob“ von Sarah Adler gehört definitiv dazu. Dieses Buch war so lange auf meinem Currently Reading-Stapel, weil ich entweder nicht in der Stimmung dafür war, weil ich nicht die Konzentration dafür hatte oder weil es sich einfach nicht richtig angefühlt hat. Dafür habe ich die letzten 100 Seiten gestern am Stück verschlungen. Wie gesagt – es braucht definitiv die richtige Stimmung, um den geballten Tod in seiner bedauernswerten Existenz zu ertragen.


Der erste Pluspunkt gleich vorweg: Fantasy ohne Liebesgeschichte. Yay! Dafür mit vielen Einsätzen bei Seelen, in ekligen Krankenhäusern, in noch ekligeren Mooren und in wunderschönen Sphären, die Sarah Adler meisterhaft beschreibt. Gerade die sehr irrwitzigen Behausungen ihrer Charaktere sind wirklich wundervoll beschrieben, allerdings muss man sich auf den Schreibstil als Gesamtwerk erst mal einlassen können, was mir mal besser, mal schlechter geglückt ist. Der Humor ist unheimlich schwarz, trocken und sarkastisch. Der Tod als ewiger Misanthrop und Pessimist kommuniziert seine Anmerkungen auch gern mal über Fußnoten, was ich hier passend empfand, mich aber in jedem anderen Buch genervt hätte.


Was mir in dem Buch aber ein wenig gefehlt hat, war der rote Faden. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb so lange dafür gebraucht, denn wenn man einmal drin ist, lässt es sich wirklich flüssig weglesen. Lange habe ich allerdings suchen müssen, was genau mir die Geschichte jetzt sagen soll und in welche Richtung wir uns eigentlich gerade bewegen. Dafür war die Auflösung wirklich all die „Vorrede“ wert. Es war so genial und ich hatte genau auf so etwas gehofft – keine dramatische Liebesgeschichte. Einfach nur ein Wohlfühlbuch, trotz all der Sticheleien und teilweise nicht gerade ästhetischen Charaktere (*hüstel* Krankheit).


Was ich besonders toll fand, war auch die Art und Weise, wie Sarah Adler Witz, Wortgewandtheit und so viele verschiedene Facetten in ihren Charakteren vereint. Alle waren zum Greifen nah, egal, wie oft oder selten sie auftauchten. Und ich könnte jetzt nicht mal genau sagen, ob es jemanden gab, den ich nicht mochte. Aber Glück und Tod werden wohl einen sehr besonderen Platz in meinem Herzen behalten. Hätte es eine Liebesgeschichte gegeben – die aber wohl ebenso absurd geworden wäre – dann hätte ich sie mir zwischen diesen beiden gewünscht. Die Dialoge zwischen den verschiedenen Erscheinungen waren herrlich, vor allem, wenn Tod Erste Hilfe leisten will und dabei Krankheit in die Quere kommt. Ich habe bis heute Sarah Adlers Stimme im Kopf, die diese Passage so herrlich vorträgt, und auch beim erneuten Lesen habe ich mich vor Lachen kaum noch einbekommen.


Alles in allem ist „Knochenjob“ kein Buch für jeden Leser, aber ich empfehle dringend, es anzutesten! Wenn euch der Humor und der Schreibstil gefallen – prima, lest weiter. Es lohnt sich. Ich finde es einfach sehr außergewöhnlich und liebenswert, weshalb ich darauf hoffe, dass mich auch die weiteren Bücher von Sarah Adler so überzeugen können.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

kiss of fay, krystal, feengeküsst, tadhg, emma

Kiss of Fay

Maria M. Lacroix , Anja Uhren
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.11.2017
ISBN 9783959912051
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt


Nachdem Emma aus den Fängen von Prinz Uisdean befreit wurde, ist sie seelisch gebrochen. Der dunkle Prinz der Unseelie hat ihre Lebensfreude geraubt. Doch Emma ist feengeküsst – und in in ihr steckt eine größere Kriegerin, als alle erwarten. Doch als der Prinz den Ex-Gott Tadhg anheuert, um sie umzubringen, spitzen sich die Ereignisse zu. Nur weiß keiner, dass Tadhg seine eigenen Motive hat, die Feengeküsste geheim zu halten …


Meine Bewertung


Bereits „Secrets“ von Maria M. Lacroix war für mich im letzten Jahr ein absolutes Highlight und hat meine Liebe zu Fay nur noch weiter angefacht. Dementsprechend stand für mich fest, dass der zweite Teil unbedingt bei mir einziehen muss. Und nun kam ich auch endlich dazu, diesen Band zu lesen … und ich will Teil 3. Bitte sofort, danke!


Wo fange ich nur an? Die Geschichte knüpft quasi direkt an den ersten Teil an und wir aus Emmas und Tadhgs Sicht erzählt. Wieder einmal war Marias Schreibstil unheimlich emotional, anfangs sehr bedrückend und später so stark und kraftvoll, zunehmend dynamischer, dass ich sofort hineingefunden habe und mit Emma mitgefiebert habe. Schon am Anfang sind ein paar Tränen geflossen, denn sie tat mir einfach unheimlich leid. In der Hinsicht ist das Buch doch sehr düster und schonungslos – auch Gewalt wird durchaus beschrieben und es geht hier nicht mit Samthandschuhen zu. Ich finde es so gut, dass die Autorin hier auch nicht vor davor zurückschreckt, einiges an Dunkelheit einfließen zu lassen.


Die Charaktere … Ich habe ja bereits Nessya und Cathal in Band 1 geliebt, aber Tadhg war einfach himmlisch. Hinreißend! Und Emma hat so viel durchgemacht, man hat mit ihr mitgelitten und gelacht, ihre Sprüche, ihre Erkenntnisse, alles war hautnah. Ich konnte mich mit Emma richtig schnell identifizieren und hatte wahnsinnigen Spaß dabei, ihre Geschichte zu begleiten.


Aber dann kam Krystal, Prinz Uisdeans jüngerer Bruder. Er hat eine sehr interessante Kraft, die ihn anfangs erst mal etwas seltsam macht, und keine Stimmbänder, dafür kann er mental kommunizieren. Und ich kann nicht fassen, wie er sich in mein Herz geschlichen hat. Ich liebe ihn und ich kann einfach nicht glauben, wie schnell das ging, denn wirklich große Auftritte hat er erst ab der Hälfte des Buches. Er war lustig, aufopferungsvoll und unheimlich interessant – so wie alle Charaktere in diesem Buch.


Die Geschichte war anfangs tatsächlich etwas ruhiger, was ich auch angenehm fand, denn so konnte man sich zunächst an den Stil anpassen und in die Charaktere hineinfinden. Meinetwegen hätte es dann aber noch gut und gerne 200 weitere Seiten geben können, denn der Showdown am Ende ging mir fast etwas zu schnell. Er war sehr intensiv und fesselnd, ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, aber ein paar weitere Details hätten mich doch noch interessiert. Allerdings war der Cliffhanger wieder sehr heftig und ich freue mich schon darauf, herauszufinden, wie es weitergeht.


Vor allem eine Sache gibt mir noch große Rätsel auf, somit besteht durchaus noch Konfliktpotenzial für Teil 3. Allerdings habe ich wirklich die Befürchtung, dass es einfach nicht mehr besser geht. Das dachte ich zwar schon nach „Secrets“, aber „Kiss of Fay“ hat durch die Charaktere, deren intensive Beziehungen und Verstrickungen untereinander und durch eine komplexe, interessante Storyline, die sich gut mit dem ersten Teil verknüpft hat, noch eine ordentliche Schippe draufgelegt. Ich liebe es. #TeamKrystal! Und ich bin unheimlich gespannt, wie es nun noch weitergehen wird!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Bestiarius 01

Masasumi Kakizaki , Constantin Caspary
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Egmont Manga, 02.07.2015
ISBN 9783770486090
Genre: Comics

Rezension:


Inhalt


Als Gladiator beweist Finn seine Fähigkeiten im fortwährenden Kampf, doch er träumt nur von der Freiheit, die er so schmerzlich vermisst. Nach dem Tod seines Vaters wurde er als Sklave genommen – doch in Rom erwartete ihn der Drache Durandal, sein Freund und Mentor. Während die Mythenwesen von Rom in die Knie gezwungen werden, findet Finn in Durandal eine neue Familie – doch kann er sich den Weg in die Freiheit erkämpfen?


Meine Bewertung


Wie, ein Manga? Ja, eigentlich ist das auch nicht so meine Ecke. Aber „Bestiarius“ klang einfach zu verlockend, da ich den Mix aus dem antiken Griechenland mit Fantasygeschöpfen sehr spannend fand. Dementsprechend habe ich mich mal rangewagt und den Manga aus dem Hause Egmont getestet. Allerdings bleibe ich etwas zwiegespalten zurück.


Der Zeichenstil ist auf jeden Fall sehr bildgewaltig und detaillastig. Obwohl ich das sehr gern mochte, hat es mir an manchen Stellen doch Schwierigkeiten bereitet, wenn die einzelnen Bilder zu klein waren und die Illustrationen so überdetailliert, dass ich im Endeffekt einfach kaum noch etwas erkennen konnte, weil die Striche alles eingenommen haben und Figuren kaum voneinander abzugrenzen waren. Allerdings haben die Zeichnungen auf jeden Fall die Geschichte getragen und ihr einiges an Emotionen verliehen, was ich wiederum positiv empfand. Die Absichten der Charaktere wurden meist schon auf den ersten Blick klar.


Die Geschichte … Ja, die war zwischendurch auch etwas verwirrend für mich. Wie bereits erwähnt befinden wir uns in einem antiken Setting in Rom (absoluter Pluspunkt!), wo es Gladiatorenkämpfe (yay!) gibt. Doch das römische Reich erobert nicht nur menschliche Gebiete, sondern auch die verschiedenster Fantasywesen. Dadurch bekommt es schließlich auch den Drachen Durandal in seine Klauen, der fortan zum Mentor und Trainer von Finn, einem jungen Sklaven wird, der sich aus der Arena freikämpfen will. Die Beziehung zwischen den beiden nimmt einen großen Teil der ersten Mangahälfte ein und hat mir auch sehr gut gefallen, wobei ich das Gefühl hatte, dass da nur sehr wenig Handlung und mehr Vorgeschichte dahintersteckte.


Was mich aber auch verwundert hat, war die Spaltung des Mangas. Etwa ab der Hälfte bricht Finns Geschichte ab, dafür gibt es einen Zeitsprung zurück und man erfährt die Geschichte des Kämpfers Xeno. Wie dieser schließlich mit Durandal verbunden ist, erklärt zwar Durandals Ansichten, hat mich aber ziemlich aus der Bahn geworfen, weil ich das zunächst gar nicht zuordnen konnte. Allerdings muss ich sagen, dass mir Xenos Geschichte sogar besser gefallen hat als Finns, und ich hoffe, dass sie im nächsten Band aufeinandertreffen, denn das wäre wohl ein ziemlich cooles Ereignis.


Die Antagonisten in beiden Geschichten fand ich eher schwach und extrem stereotyp. Die Motive waren klar, aber die Schwarz-Weiß-Zeichnung der ganzen Charaktere in diesem Manga hat mich irgendwann doch ein wenig genervt. Es gibt quasi nur gut und böse, Graustufen nicht wirklich.


Alles in allem war „Bestiarius“ ein nettes Leseerlebnis zwischendurch, doch ich bin noch unsicher, ob ich den nächsten Band holen werden. Trotz einiger Schwierigkeiten haben mir die Story und vor allem die Verbindungen unter den Charakteren gut gefallen, auch wenn ich manchmal Schwierigkeiten hatte, richtig zu folgen. Wer auf blutige historische Settings gemischt mit Fantasy und viel Detailtreue steht, wird hier sein Freude haben, es war allerdings nicht ganz mein Fall.

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comic, scifi, science-fiction

Paper Girls Volume 1

Brian K. Vaughan
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Image Comics, 05.04.2016
ISBN 9781632156747
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt


Halloween, 1988 – in einer Kleinstadt machen vier Mädchen eine Entdeckung, die die Grundfesten des Universums erschüttert. Als Erin beim morgendlichen Austragen der Tageszeitung von einigen Teenagern überrascht wird, eilen ihr drei weitere Zeitungsmädchen zur Hilfe. Doch als sie in einem leerstehenden Haus auf ein Artefakt stoßen, das nicht aus dieser Welt zu stammen scheint, verändern sich nicht nur ihre Leben für immer, sondern auch die Welt, in der sie leben …


Meine Bewertung


Ich muss ehrlich sagen – so oft ich den Comic „Paper Girls“ bisher auch gesehen habe, hatte ich kaum Ahnung, was mich genau erwartet, als ich den ersten Teil geholt habe. In diesem sind die ersten fünf Hefte vereint, wobei sich die Story sehr langsam aufbaut und viel Raum zum Wachsen braucht. Trotzdem wurde ich extrem überrascht und es hat mich auf jeden Fall echt mitgerissen.


„Paper Girls“ spielt in den 80er Jahren kurz nach Halloween. Dementsprechend sind in einer Kleinstadt noch einige schräge Gestalten unterwegs, als die Protagonistin Erin sich auf den Weg macht, um die Zeitungen auszutragen. Als sie in einen Streit mit einigen älteren Teenagern gerät, kommen ihr jedoch drei weitere Mädchen zu Hilfe, wodurch das Drama erst richtig startet. Als eine von ihnen feststellt, dass ihr Walkie-Talkie geklaut wurde, beschließen sie, es den Älteren zu zeigen – und geraten mitten in eine Alieninvasion, die auch noch mit Zeitreisen zusammenhängt.


Dieser Comic ist wirklich … schräg. Auf eine sehr interessante, trashige Weise hat er mich zum Weiterlesen gereizt und die Seiten sind förmlich an mir vorbeigeflogen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, denn die Handlung ist anfangs wahnsinnig undurchdringbar und man wird nicht so recht schlau aus allem. Was hat der Apfel aus Erins Traum ganz am Anfang mit dem zu tun? Woher kommen die Aliens mit ihren Laserwaffen, die auf Flugsauriern reiten, Apple-Zeichen tragen und wie Shakespeare gemischt mit Vong reden? Nein, kein Witz. Dieser Comic ist wirklich schräg. Und ich liebe jede Seite.


Auch die Mädchenclique rund um Erin hat mir sehr gut gefallen. Die Anführerin der Paper Girls, Mac, war absolut nicht auf den Mund gefallen, sollte keinesfalls Schusswaffen in die Hand kriegen (ganz doofe Idee mit viel Witzpotenzial!) und hat auch einen nicht ganz so schönen Familienhintergrund. Generell fand ich die Mädels alle sehr interessant, wobei auch die später eingeführten Nebencharaktere alle ihre eigene Persönlichkeit hatten und mir viele Emotionen entlocken konnten.


Der Zeichenstil war sehr schlicht gehalten und teilweise auch sehr düster, was mir gut gefallen hat. Er hat diesen 80er-Vibe gut rübergebracht und auch die Ausdrucksweise der Charaktere hat dazu gut gepasst. Ab und an hatte ich ein paar Probleme, die Mädchen auseinanderzuhalten, weil ihre Frisuren so ähnlich waren und in einigen Panels auf den ersten Blick schwer zu erkennen war, wer nun redet, aber abgesehen davon waren auch die Zeichnungen sehr ausdrucksstark und haben vor allem die Gefühle gut rübergebracht.


Alles in allem hat mich „Paper Girls“ echt gut unterhalten, und obwohl die Story mega abgedreht und schräg ist, finde ich den Comic bemerkenswert stark. Gefühlvoll, witzig, mit einem ganz eigenen Stil und dem Feeling der 80er Jahre hat mir die Geschichte rund um Erin und die anderen Zeitungsmädchen prima gefallen und ich bin gespannt auf Volume 2, die ich mir sicherlich bald holen werde, um zu erfahren, wie es nach dem üblen Cliffhanger am Ende weitergeht.

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new-adult, liebe, laura kneidl, verliere mich nicht, freundschaft

Verliere mich. Nicht.

Laura Kneidl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.01.2018
ISBN 9783736305496
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt


Mit Luca ging es Sage besser, doch ihre Vergangenheit kann nicht mal er aufhalten. Nachdem sie von den Schrecken ihrer Angststörung eingeholt wurde, kann Sage ihn trotzdem nicht aus ihren Gedanken verbannen. Luca war ihre Zuflucht, ihr Glück, ihr Anker – doch kann es für die beiden noch eine Chance geben? Und kann Sage endlich ihre Lasten ablegen, um ein freies Leben zu führen?


Meine Bewertung


Der erste Band der Reihe, „Berühre mich. Nicht.“ hat bereits eingeschlagen wie eine Bombe. Ich war am Ende völlig aufgelöst, hätte es aber auch nicht anders haben wollen. Dementsprechend war ich so gespannt darauf, ob mich „Verliere mich. Nicht.“ ebenso überzeugen kann, und tatsächlich – ich kann es nicht anders sagen. Das Buch hat mich berührt, meine Zuneigung ist nicht verloren gegangen und ich kann es nicht leugnen: Ich liebe es.


Was mich vor allem am ersten Band begeistert hat, war die Authentizität der Charaktere. Die ist auch in Band 2 nicht verloren gegangen, ich habe mich Sage gegenüber eher näher gefühlt. Teilweise fand ich ihre Entscheidungen auf den ersten Blick zwar etwas schwierig nachzuvollziehen, doch wenn man darüber nachdenkt, ergibt alles Sinn. Sie ist so realistisch gehalten, trifft auch dumme Entscheidungen und verspielt ihr Glück selbst, weil sie nunmal emotional und nicht nur rational handelt.


Auch Luca war wieder ein richtiger Traumtyp. In der ersten Hälfte habe ich über ihn einige Male die Augen verdrehen müssen, doch wie er sich für seine Freunde und seine Familie einsetzt, hat mir sehr gut gefallen und alles überwogen. Ich empfand seine Sensibilität gewissen Themen gegenüber als sehr vorbildlich, und auch sein Umgang mit Sage in der zweiten Hälfte des Buchs hat mir gut gefallen.


Allerdings muss ich sagen, dass einige Szenen, die zu Dramen geführt haben, schon etwas klischeebehafteter als im ersten Teil waren. Manches war sehr vorhersehbar, aber trotz allem interessant und spannend gestaltet. Und das Ende hat mich schließlich komplett überzeugen können, denn es war genau das, was ich mir gewünscht habe. Je näher man ihm kommt, desto mehr stauen sich die Gefühle und die Komplikationen auf, bis sie sich mit einem großen Knall entladen. Daher fand ich es auch schön, dass es nicht direkt so explosiv begonnen hat, sondern wieder diese Ruhe inne hatte, wie der erste Teil. Man kann so viel besser mit den Charakteren mitfühlen und hat Zeit, die emotionalen Bindungen aufzubauen, bevor die „großen“ Dramen losgehen.


Alles in allem hat mir „Verliere mich. Nicht.“ sehr viel Spaß beim Lesen bereitet und gerade das Ende war wundervoll. Spannung, Emotionen, Drama und der sensible Umgang mit schwierigen Themen kamen hier nicht zu kurz. Ich war sehr gerührt und freue mich schon auf weitere Werke von Laura Kneidl!

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

The Wicked + the Divine, Volume 2: Fandemonium

Kieron Gillen , Jamie McKelvie , Matt Wilson
Flexibler Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Image Comics, 21.07.2015
ISBN 9781632153272
Genre: Comics

Rezension:


Inhalt


Nach dem tragischen Tod einer Gottheit des Pantheons geht das Leben weiter – das sollte es zumindest. Doch Laura versinkt in ihrer Trauer, die nur noch gesteigert wird, da sie an sich selbst zweifelt. War es eine bloße Illusion? Eine Täuschung, die ihre Zigarette gezündet hat? Die 12 Götter erheben sich – und fallen mit der Verheißung des Prometheus …


Meine Bewertung


Der zweite Sammelband von „The Wicked + The Divine“ beinhaltet gleich sechs der einzelnen Hefte und ist damit seinem Vorgänger gegenüber noch besser gefüllt. Nach dem „Faust Act“ wollte ich sofort weiterlesen, und auch Fandemonium war für mich ein Sammelband, den ich kaum aus der Hand legen konnte.


In diesem Band hatte ich das Gefühl, dass zumindest Laura eine sehr große Charakterentwicklung macht. Man lernt die Schattenseiten ihres Lebens, aber auch der Leben der Götter kennen – nach Lucifers Ermordung ist nichts mehr so, wie es mal war. Das Pantheon zerbricht, bevor es überhaupt vollständig war, allerdings sind die neuen Götter nicht auf sich allein gestellt.


Laura war mir als Protagonistin in diesem Buch deutlich sympathischer. Sie ist kritisch, zerstört damit aber auch ihre eigenen Hoffnungen, die sie am Ende von „The Faust Act“ noch hatte. Ihre Recherchen führen sie tief hinab in die Dunkelheit des Pantheons, aber auch in die Dunkelheit in ihr selbst. Man merkt hier sehr klar, dass sie durchaus depressive Züge hat, deren Bekämpfung auch angedeutet wird. Alles, was sie will, ist dazuzugehören – dem Drängen in ihr Platz zu geben und mit den Göttern auf einer Stufe zu stehen. Ihre Motive dazu werden im zweiten Sammelband sehr viel klarer, aber auch ihre Stärke knickt durch alles, was sie bereits mit angesehen hat, ein wenig ein. Ihre Storyline empfand ich als unheimlich realistisch gestaltet, was die Emotionen angeht, und ich konnte sie sehr gut nachvollziehen.


Das Rätsel um die Götter bleibt weiterhin ein Mysterium, ebenso wie Ananke. Ein bisschen schade fand ich es, dass man in diesem Band nur wenige ins Scheinwerferlicht gedrückte Götter wirklich gesehen hat, denn ich hätte mir mehr von Amaterasu und Minerva gewünscht – die bleiben jedoch eher im Hintergrund. Dafür haben Baphomet und Inanna sehr starke, tragende Rollen, was einen sehr interessanten Konflikt ergeben hat, der am Ende einen gewaltigen Cliffhanger hinterließ.


Ananke, die Wächterin der Götter, ist für mich bisher immer noch am undurchschaubarsten. Ihr Charakter ist seltsam, widersprüchlich, und das soll auch so sein, damit sich keiner in Sicherheit wägen kann. Hier war für mich ganz viel Nervenkitzel zu spüren, sobald sie auftauchte, denn auch ihre Warnung vor der Prometheus-Gefahr war sehr drastisch und hat die Geschichte noch einmal in Fahrt gebracht. „Töte einen Gott, dann wirst du ein Gott“ – kann das wirklich stimmen? Ich bin immer noch am Zweifeln, aber es gibt so viele Interpretationsmöglichkeiten für die Charaktere und den Leser, dass es faszinierend ist, ins Rätseln zu versinken.


Die Zeichnungen fand ich in diesem Band noch außergewöhnlicher, faszinierender. Hier kommen so viele verschiedene Stile zusammen, mal sehr bunt, mal so düster – es passt zu den Figuren, zur ständig wechselnden Stimmung der Storyline, und ich bin fasziniert davon, wie gut dies umgesetzt wurde. Auch das Bonusmaterial am Ende hat mir unheimlich gut gefallen, gibt es doch auch einen Einblick in die Machart des Comics und die Hintergründe, mit denen sich die Entwickler beschäftigen.


Alles in allem war „The Wicked + The Divine, Vol. 2 – Fandemonium“ ein grandioser, epischer Fortsetzungsband zum ersten Teil und hat vom künstlerischen Aspekt her noch eins draufgesetzt. Auch wenn es handlungstechnisch nicht so schnell vorangeht wie in Band 1, war viel Charakterentwicklung dabei und der Cliffhanger am Ende ist wieder einmal nicht zum Aushalten. Ich freue mich schon auf den nächsten Band!

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

atemberaubend spannend

Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Steven Herrick , Uwe-Michael Gutzschhahn , Kerstin Schürmann Formlabor
Fester Einband
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.01.2018
ISBN 9783522202466
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


In einem kleinen Dorf in den 60ern wachsen zwei Brüder ohne ihre Mutter auf. Zwischen Unfällen, der ersten Liebe, der Flut und den Belangen des Alltags ist Freundschaft und Familie das Wichtigste für sie – doch der Klatsch des Dorfes kann grausam sein. Abschied und Schmerz bestimmen Harrys Leben. Doch findet er seinen Weg zu den Sternen?


Meine Bewertung


Nachdem ich von Steven Herrick bereits „Wir beide wussten, es war was passiert“ gelesen und geliebt habe, war ich bei seinem neuen Werk doch Feuer und Flamme – ich musste es haben. Auch wenn ich etwas Sorge hatte, dass dieser Titel nicht an das erste Buch heranreichen würde, habe ich mich auf eine poetische Geschichte und ihre Sogwirkung gefreut. Und wurde leider im Verlauf des Buches bitterlich enttäuscht.


Was mich hier am meisten gestört hat, war der fehlende rote Faden in der Handlung. Es sind Alltagsszenen auch Harrys Leben beschrieben, den sein Vater nach Harry Houdini benannt hat. Solche kleinteiligen Informationen sind über das ganze Buch verstreut und sollen den Charakteren wohl Tiefe geben – nur konnte ich damit nichts anfangen. Harrys Sicht war in kurzen Sätzen geschildert, die an das erste Buch erinnern, doch eine richtige Persönlichkeit konnte ich darin nicht erkennen. Er ist ein recht armer Junge aus dem Dorf mit wenigen Freunden, über die man ebenfalls kaum etwas erfährt, was zu einer Charakterisierung beitragen würde.


Ich bin mir nicht sicher, ob das Buch autobiographische Züge trägt, aber im Endeffekt hatte ich das Gefühl, dass der Autor hier wieder mit wenigen Worten viel zu erzählen versucht. Was bei seinem anderen Titel wunderbar geklappt hat, war hier aber deplatziert, denn so konnte ich keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen und auch kein richtiges Ziel in der Handlung feststellen. Alles dümpelte vor sich hin, man las dauernd vom Tod eines Mädchens, vom Klatsch im Dorf, von Wassermelonen und eingeschlagenen Fenstern – aber was das in Harry bewegt oder wieso das wichtig ist, kam bei mir einfach nicht rüber.


Der Verlag wirbt mit dem Spruch: „Eine poetische Geschichte über den Mut, nach den Sternen zu greifen.“ Nun, davon konnte ich herzlich wenig sehen. Denn wenn es mutig ist, sich wegen einer kleinkindlichen Schwärmerei strafbar zu machen, ist das für mich einfach keine Auszeichnung von Mut. Wo Harry im Buch nach den Sternen greift, ist auch an mir vorübergegangen, denn richtige Ambitionen konnte ich nicht erkennen.


Alles in allem kam mir das Buch zu gewollt vor und dabei leider einfach viel zu platt umgesetzt. Ich hatte nicht diese Momente wie bei Herricks vorangegangenem Titel, dass ich Passagen doppelt und dreifach lesen wollte, die Poesie kam diesmal nicht rüber, weil das Thema einfach plump runtererzählt und nicht mit den nachdenklichen Phrasen bestückt wurde.


Alles in allem war „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“ für mich ein absoluter Fehlgriff. Wer hier die Wortgewandtheit oder die mutige, philantropische Storyline von „Wir beide wussten, es war was passiert“ erwartet, ist leider an der falschen Stelle. Flache Charaktere und eine zusammengewürfelte Story haben mich nicht überzeugen können.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

traditionen, verfolgung, sidhe, küsse, prophezeiung

Elfenspiel (Enchanted 1)

Jess A. Loup
E-Buch Text: 396 Seiten
Erschienen bei Dark Diamonds, 21.12.2017
ISBN 9783646300857
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt


Zur Feier seiner Volljährigkeit darf sich Tyric einem besonderen Brauch des Lichten Volks der Sidhe fügen: In einer Hetzjagd wird er von ausgewählten Damen seines Volkes durch die Wildnis getrieben. Wer ihn überwältigen kann, gewinnt – und wird an seiner Seite Königin. Doch als eine dunkle Magie Tyric fortreißt und in die Gebiete der Menschen bringt, begegnet er der erblindeten Faye – und das Schicksal nimmt seinen Lauf.


Meine Bewertung


Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber sie stirbt. Und ich hatte so sehr gehofft, dass mich Jess A. Loups Titel aus dem Hause Dark Diamonds überzeugen kann, nachdem ich in letzter Zeit beim Label Impress dauernd danebengegriffen haben. Allerdings war das auch hier der Fall, und nicht einmal die Elfenthematik in „Enchanted – Elfenspiel“ hat für mich noch etwas an dem Buch retten können.


Begonnen hat mein Leseerlebnis damit, dass ich mich von einer Wand aus Text erschlagen sah. Ich bin nun eigentlich echt nicht der Mensch, der so was kritisiert, aber ja, auch das Setzen von Absätzen kann sehr viel für ein Buch tun. Hier verlor ich recht häufig die Zeile, weil die Abschnitte so lang waren, bis der nächste Absatz kam. Hinzu kam auch etwas, was mich noch mehr aus dem Lesefluss gerissen hat – die ausschweifenden Details. Alles wurde extrem lang und breit erklärt, wo sich welcher Topf befindet und welche versteckten Schränke es in der Hütte gibt, in der unsere Protagonisten den Großteil des Buchs verbringen. Mir war das einfach zu viel, es hat den Elan aus der Geschichte genommen und mich auch immer öfter Passagen überfliegen lassen.


Die Protagonisten waren für mich aber im Wesentlichen das, was das Buch ruiniert hat. Ich habe mich bei den Elfen schon auf brutalere und durchaus intrigante Wesen gefreut. Erst recht bei Prinz Tyric. Immerhin gehört er den Sidhe an, die sind nicht gerade dafür bekannt, Sonnenschein zu verbreiten. Allerdings war sein Charakter für mich einfach dermaßen widersprüchlich, dass ich damit absolut nicht klarkam. Bereits am Anfang gibt er zu, dass alle in seinem Volk denken, er würde bei der Hatz sowieso keine Stunde durchhalten. Allerdings ist er schon seit Tagen auf der Flucht, bevor er zu einem Fluss gelangt, mitgerissen wird und beim Primitivvolk – den Menschen – landet.


Man merkt an vielen Stellen sehr deutlich, wie verweichlicht er ist, so gibt er offen zu, dass er nicht jagen kann und sich deshalb von Wurzeln und Beeren ernähren musste, erlegt aber später eine Wildkatze, trägt ein paar Wunden davon und steht als glorreicher Held da. Außerdem ist er Faye, der weiblichen Protagonistin, die durch das Erwachen ihrer eigenen Magie erblindet ist, so fürchterlich angeberisch gegenüber, obwohl er sich schon an zwei Feuersteinen den Finger quetscht … Ich führe das jetzt nicht weiter aus. Allerdings erschließt sich mir auch die Logik nicht, warum man die Stärkste unter den weiblichen Sidhe suchen muss, wenn der Prinz bisher im goldenen Käfig gelebt hat und sich nie die Hände schmutzig machen musste.


Generell haben sich die Szenen schon sehr gezogen, und auch der Schreibstil wirkte mir an vielen Stellen zu gestelzt. Es wurde mehr erzählt als gehandelt, etwas, das ich gar nicht mag, denn so konnte ich mich auch in die Charaktere kaum reinfühlen. Tyric war mir so unsympathisch, weil es für ihn ab dem dritten Kapitel nur noch darum zu gehen scheint, wie er Faye ins Bett bekommt – und anregend fand ich seine ganze Art nicht. Am liebsten hätte ich Faye gepackt und sie irgendwo in Sicherheit vor ihm gesperrt. Allerdings gibt sie – abgesehen von einigen Sprüchen – auch nicht wirklich Kontra.


Die Hatz, von der eigentlich im Klappentext die Rede ist, wird nur so beiläufig abgehandelt, man bekommt aus anderen Perspektiven ab und zu Einblicke, wie die gerade abläuft. Dabei fehlt es der Story zwischen Faye und Tyric an Dynamik und Energie, ich hatte das Gefühl, dass da eine Fillerszene an die nächste gereiht wurde.


Alles in allem war „Enchanted – Elfenspiel“ für mich ein Buch mit zu vielen Schwächen. Unsympathische Protagonisten, deren Gefühlswelten mir fremd blieben, eine Story mit mehr Längen als Handlung und ein Schreibstil, der an vielen Stellen mit Klischees und ausschweifenden Erzählungen aufwartet – die Fortsetzung werde ich mit Sicherheit nicht mehr lesen.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Wicked + the Divine

Jamie Mckelvie
Flexibler Einband
Erschienen bei Diamond Comics, 25.11.2014
ISBN 9781632150196
Genre: Comics

Rezension:


Inhalt


Alle 90 Jahre werden 12 Götter in Jugendlichen reinkarniert. Sie sind Popstars, Musen, die Helden ihrer Zeit – und innerhalb von zwei Jahren tot. Als Laura im Jahr 2014 alle Konzerte ihrer Götterhelden abklappert, trifft sie auf Luci – und wird mitten hineingezogen in die grausame Welt der Götter ihrer Zeit. Doch Laura will nicht fort und helfen, Lucifers Unschuld an einem Mord zu beweisen. Doch die Uhr tickt gegen sie, und auch die übrigen Götter meinen es mit dem Fangirl nicht nur gut …


Meine Bewertung


Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei einer Rezension vor Aufregung gezittert habe. Am liebsten würde ich in die Welt hinausschreien, dass jeder diesen Comic lesen soll, denn ich habe ihn innerhalb weniger Stunden verschlungen und will mehr! Aber was habe ich von den Machern meiner bisherigen liebsten Comicserie, der „Young Avengers“, auch anderes erwartet?


Die Story um die 12 Götter, die alle 90 Jahre wiederbelebt werden und auf der Erde gefeiert werden, stand so lange auf meinem Wunschzettel, dass ich es richtig bereue, sie nicht früher ausgegraben zu haben. Was mir bei dem Comic als erstes ins Auge gesprungen ist, sind natürlich die wahnsinnigen Zeichnungen. Ich liebe es, dass die einzelnen Panels nicht zu klein geraten sind und sich auch der Textanteil in Grenzen hält, aber immer noch genug über die Story verrät. Die Bilder sind je nach Stimmung extrem farbenfroh oder auch mal sehr düster, haben aber immer etwas mystisches an sich. Das hat meiner Meinung nach gut zu den Göttern gepasst und das Thema hervorragend aufgegriffen.


Ich muss sagen, dass ich anfangs gar nicht so richtig wusste, was mich erwartet, was das Ganze aber umso spannender für mich gemacht hat. Und das soll es auch sein, denn der Comic lädt den Leser förmlich zum Miträtseln ein – und das auf mehreren Ebenen. Im Vordergrund steht natürlich Lucifer, die Reinkarnation des Teufels. Sie ist eine wahnsinnig coole Socke, schreckt nicht davor zurück, sich an brennenden Menschen mal eine Zigarette anzustecken, und verbringt den Großteil ihrer Zeit im Gefängnis, weil sie angeblich den Kopf eines Richters hat explodieren lassen – was sie aber bestreitet. Hier kommen auch die restlichen Gottheiten ins Spiel. Wer hat den Richter wirklich getötet? Und wer hat es darauf abgesehen, auch die Götter zu ermorden?


Ich empfand die gesamte Darstellung der skurrilen, aber faszinierenden Storyline als sehr komplex, weshalb man durchaus auch fundierte Englischkenntnisse haben sollte, um mitzukommen. Leider wurde der Comic (nach meinem Kenntnisstand) bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Das hindert aber nicht daran, die hervorragenden Wendungen mitzuerleben, verschiedenste Götter kennenzulernen und auch mal in andere Mythologien einzudringen. Meine Favoritin war neben Lucifer eindeutig Amaterasu, wobei ich Sakhmet und Morrigan auch sehr interessant fand. Alle haben sehr ausgeprägte, unterschiedliche Persönlichkeiten und gehen anders mit ihrer Göttlichkeit um, wobei sie ein Wissen verbindet: Innerhalb von zwei Jahren werden sie alle sterben. Denn der Preis ihrer Kräfte, mit denen sie Wunder wirken können (oder auch nicht?) ist ihr Tod. Um sie zu unterstützen, wacht Ananke über sie – eine sehr mysteriöse Figur, die durchaus auch mal ins Geschehen eingreift und es komplett wenden kann.


Was mich besonders fasziniert hat, waren neben der Storyline und den wahnsinnig schönen Zeichnungen (ja, ich schwärme, aber man sieht einfach die Arbeit, die reingeflossen ist, in jedem Panel!) die Trennseiten. In diesem Sammelband sind die ersten fünf Folgen zusammengefasst und zwischendurch mit einer großflächigen Zeichnung einer Gottheit abgetrennt. Außerdem werden zum Wechsel von Zeiten oder Handlungsorten auch Trenner verwendet, die in schlichtem Schwarz gehalten sind und die Symbole der jeweiligen Gottheiten beinhalten – wobei man über manche echt rätseln muss, wem sie gehören. Auch das hat mich noch stärker in die Story reingezogen und mitfiebern lassen, denn auf einem Schmierzettel habe ich inzwischen die einzelnen Gottheiten und ihre Symbole für mich festgehalten, da man leicht den Überblick verlieren kann.


Wen ich in dem ganzen Drumherum noch gar nicht erwähnt habe, ist Laura – die eigentliche Protagonistin. Man merkt, dass sie von ihrem Leben irgendwie angekotzt ist und mehr will. Trotzdem bleibt sie sehr undurchsichtig, was ich aber in diesem Fall wirklich faszinierend fand. Sie ist ein Fangirl der Götter und besucht jedes Konzert, macht auch einigen Teenagerklischees alle Ehre, aber trotzdem ist da etwas an ihr, das den Leser oft stocken lässt, weil man manchmal etwas länger braucht, um ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Doch ihr Ehrgeiz hat mich begeistert und auch ihre Denkweise war sehr faszinierend.


Alles in allem ist „The Wicked + The Divine, Vol. 1 – The Faust Act“ ein Comic, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Er ist stellenweise ziemlich blutig, aber hat eine sehr interessante Storyline, vielschichtige Charaktere und einige krasse Wendungen, die ich absolut nicht habe kommen sehen. Ich bin begeistert und habe mir direkt die nächsten Teile bestellt. Ein grandioses Highlight!

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fantasy, fae, das reich der sieben höfe, sarah j. maas, liebe

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.02.2017
ISBN 9783423761635
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Feyre kennt das glamouröse Leben nicht mehr, das ihre Familie einst in der Gesellschaft führte. Seit ihr Vater auf einen Schlag das gesamte Vermögen verlor, muss sie sich als Jägerin beweisen, um ihn und ihre zwei Schwestern durchzubringen. Doch als sie im Wald einen unnatürlichen Wolf erlegt, gerät sie in das Visier der Fae - und um dem uralten Pakt zwischen Menschen und Fae gerecht zu werden, muss sie über die Mauer ins Reich Prythian, um ihre Schuld zu begleichen ...


Meine Bewertung


Nach der "Throne of Glass"-Reihe von Sarah J. Maas war mir klar, dass ich auch "A Court of Thorns and Roses" lesen muss. Immerhin war das Buch 2017 auch im deutschsprachigen Raum in aller Munde, doch wie immer bei SJM habe ich das Buch lieber in der Originalsprache Englisch gelesen. Und meine Erwartungen waren hoch. Sollte Feyre tatsächlich meiner heißgeliebten Celaena Konkurrenz machen können?


Nach dem Lesen bin ich nun doch recht zwiegespalten, wie ich mit dem Buch umgehen soll. Könnte ich bloß die letzten 150 Seiten bewerten, wäre es ein klares Highlight - doch leider gab es auch den Anfang. Und ich muss sagen, dass es einige negative Punkte gab, die mir einfach nicht gefallen haben.


Feyre, unsere Protagonistin, ist nur darauf aus, ihre Familie zu schützen und ihnen durch den harten Winter zu helfen. Ihr Jagen und auch ihre Einstellung dazu hat mich doch sehr oft an Katniss aus "Die Tribute von Panem" erinnert, und auch sonst drängten sich einige Vergleiche durch die Handlung auf, da diese gerade in der ersten Hälfte des Buchs sehr klischeebeladen ist. So kommt es natürlich, wie es kommen muss, und Feyre wird nach Prythian verschleppt - ins Reich der Fae.


Von denen bekommt man aber anfangs recht wenig mit. Lediglich Tamlin, Lucien und Alis werden in den Vordergrund gerückt, wobei Tamlin für seine Stellung sehr zivilisiert und ruhig wirkt. Im Lauf der Geschichte erfährt man auch einiges über die Hintergründe seines Charakters, allerdings konnte ich zu ihm keine rechte Verbindung aufbauen. Sein Charakter hatte zu wenig Tiefe, er war eben da, weil es in den Plot gepasst hat, aber eine wirkliche Persönlichkeit konnte ich aus ihm nicht herauslesen. Das war dann schon eher bei Lucien der Fall, der mir sehr gut gefallen hat und Tamlin dadurch doch überschattete.


Wie bereits erwähnt finde ich die erste Hälfte des Buchs wirklich schwierig zu beurteilen - weil auch nicht viel passiert. Nach Feyres "Entführung" geschehen zwar manchmal ein paar merkwürdige Sachen am Spring Court, doch so richtig ein Gefühl für das Leben dort habe ich nicht bekommen. Feyre malt, Feyre isst, Feyre reitet aus. Damit lässt sich schon ein Großteil der Handlung zusammenfassen. Und der Schreibstil, den ich in "Throne of Glass" so wunderschön finde, hat hier auch nicht wirklich hingehauen, denn dass Feyre die ganze Welt in Farben und Licht sieht und wie sie diese am besten malen könnte, hat mich nach einer Weile einfach nur noch genervt.


Nun könnte man fragen, wieso ich dennoch durchgehalten habe. Und das ist eine berechtigte Frage. Zum einen habe ich von vielen gehört, dass sie Schwierigkeiten beim Einstieg hatten, es aber graduell besser werden soll, zum anderen wollte ich ihn treffen - Rhysand, über den alle schwärmen. Und das war auch gut so, denn das letzte Drittel hat mich einfach nur noch mitgerissen. Die Handlung schoss an Spannung endlich in die Höhe, und auch wenn ich da immer noch einige Probleme mit Klischees hatte, ist wenigstens etwas mehr passiert, als dass Feyre sich mit Farben austobt. Und Rhysand - ja, der hatte wenigstens Persönlichkeit! Sein starker Kontrast zu Tamlin und seine durchtriebene Art haben mir gut gefallen, und auch wenn ich viele Wendungen sehr vorhersehbar fand, hat das das Buch doch noch retten können. 


Insgesamt empfinde ich das Buch als mittelmäßigen Einstieg in die Welt Prythians, doch das Ende hat auch mich mitgerissen. Und obwohl es Durchhaltevermögen braucht, gab es doch ein paar schöne Zitate und ein paar gute Plotpunkte, die auch mich fesseln konnten. Allerdings freue ich mich extrem auf den zweiten Band, der durch die Ereignisse im ersten Teil viel besser zu werden verspricht, und bin gespannt, ob sich dieser auch von den Klischees des Genres lösen kann. Insbesondere loben möchte ich aber auch noch die Parallelen zum Originalmärchen von "Die Schöne und das Biest" - das war wirklich gut umgesetzt und hat mir auch gefallen. Trotzdem hoffe ich sehr, dass Spannung und Überraschungen im zweiten Teil deutlich zunehmen werden.

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558 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 124 Rezensionen

fantasy, magie, liebe, worte, amy harmon

Bird and Sword

Amy Harmon , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.10.2017
ISBN 9783736305489
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt


Ihrer Worte beraubt, nachdem ihre Mutter von dem tyrannischen König getötet wurde, verliert Lark im Kindesalter auch ihre Magie. Diese wird in Jeru streng geahndet, sodass sie ihre Worte ganz für sich behält. Doch als der Nachfolger des Königs, Tiras, sie von ihrem Vater befreit und mit sich in die Hauptstadt bringt, kann sie ihre Kräfte nicht länger geheim halten. Je mehr Wörter sie lernt, desto stärker werden Larks Fähigkeiten – und desto stärker ihr verzweifelter Wunsch, Tiras zu helfen …


Meine Bewertung


Schon am Beginn dieses Buches war ich mir so sicher, dass es ein absolutes Highlight werden würde. Ich habe zwar noch nichts von Amy Harmon gelesen, aber die ersten Kapitel haben mich dank ihres wundervollen Schreibstils sofort verzaubert und ich wollte unbedingt so schnell wie möglich weiterlesen.


Allerdings verflog der Zauber leider mit Fortschreiten der Geschichte, was mehrere Gründe hatte und mich nun auch ziemlich zwiegespalten und enttäuscht zurückgelassen hat. Lark, die Protagonistin, war mir anfangs noch sehr sympathisch, gerade ihre zurückhaltende, wohlüberlegte Art hat mir gut gefallen. Gleichzeitig waren ihre Kräfte wirklich außergewöhnlich – mit ihren Worten kann sie Wunder wirken und Gegenständen, sowie Tieren Befehle erteilen. Und ihr eigener Wille ist stark – zumindest bis zur Hälfte des Buchs.


Mir kam es nämlich so vor, als hätte die Autorin versucht, viele Handlungsstränge zu schaffen und diese zu verbinden, was ihr aber bei der Hälfte einfach nicht mehr geglückt ist. Tiras, der neue König und Love-Interest von Lark war für mich anfangs noch super – höflich, er sorgt sich um sie und passt auf sie auf – doch bald darauf musste ich feststellen, dass die Funken zwischen den Beiden einfach nicht fliegen. Lark sehnt sich nach ihm, und er macht ihr Hoffnungen, nutzt sie aber auch schamlos aus. Aber sobald er sie küsst oder sie intimer werden, ist das alles wieder vergessen, selbst wenn Lark Minuten zuvor noch stinksauer auf Tiras war. Eine gesunde Beziehung sieht definitiv anders aus als diese, und ich fand auch wirklich nichts Romantisches dran, wie Tiras Lark behandelt hat.


Das Wordbuilding hätte gut werden können, aber leider blieb es mir in vielen Teilen einfach zu vage. Ich mochte die Magie, das war auf jeden Fall ein großer Faktor in dem Buch, aber einige andere Erklärungen haben mir einfach gefehlt. Obwohl ein Krieg gegen die Volgar, monströse Vogelmänner herrscht, bekommt man davon größtenteils nichts mit, außer wenn es sich für den Plot gerade anbietet.


So schön ich den Schreibstil auch fand, hat gerade in der zweiten Hälfte die Action gefehlt. Irgendwann war ich die blumige Ausdrucksweise leid und auch der Plot hat sich träge dahingezogen, obwohl die Autorin wirklich versucht hat, viele Intrigen zu spinnen – aber die waren dermaßen durchschaubar, dass man als Leser nur an Larks Verstand zweifeln konnte. Naiv ist sie auf jeden Fall, und ich hätte mir doch eine stärkere Protagonistin gewünscht, denn sie bleibt in vielen Situationen einfach zu passiv.


Und dann das Ende. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass hier versucht wurde, alle Fäden zusammenlaufen zu lassen – aber es war einfach zu viel, und das in zu kurzer Zeit abgehandelt. Der Story fehlt es damit an vielen Stellen an Reife, und auch die Nebencharaktere, die doch eine wichtige Rolle im Buch einnehmen, waren sehr einseitig beschrieben und ihre Hintergründe kaum geklärt.


Alles in allem konnte mich „Bird & Sword“ trotz meiner anfänglichen Euphorie überhaupt nicht überzeugen. Auch den zweiten Band werde ich somit wohl eher nicht lesen, obwohl mir Amy Harmons Schreibstil gefällt – hier war einfach noch sehr viel zu unausgegoren und die Protagonisten konnten meine Sympathie nicht gewinnen.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der Kuss des Wandlers

Lena Klassen
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Eisermann Verlag, 20.11.2017
ISBN 9783961730568
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt


Kiara ist ein Wunderkind an der Geige. Zumindest behaupten das alle, doch sie selbst glaubt nicht daran. Umso überraschender kommt die Einladung einer Musikakademie in Prag, in der sie ihre Ferien verbringen soll. Doch Kiara weiß, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht – die Akademie ist nur die Tarnung für die Wandler des Skorpionclans, einem Volk, das vor langer Zeit aus seiner Heimat Wint Alamar vertrieben wurde und nun nach einem neuen König sucht. Und Kiara soll als Angehörige des Schlangenclans mitten hinein. Eine Spionageaufgabe, die nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr Herz gefährdet …


Meine Bewertung


Über Lena Klassens Bücher habe ich inzwischen so viel Positives gehört, dass ich mit sehr hohen Erwartungen an „Der Kuss des Wandlers“ rangegangen bin. Immerhin besticht das Buch mit einem genialen Äußeren und ich war wirklich gespannt, ob mich nur die x-te Gestaltwandlerstory oder etwas ganz Neues erwartet. Und glücklicherweise wurden meine Erwartungen um Längen übertroffen.


Der Einstieg war noch etwas langsam, man lernt zunächst viel über Kiara und ihre Art, sowie ihr Leben in Heidelberg. Sehr sympathisch fand ich, dass es sich bei ihr nicht um eine perfekte Spionin oder jemand besonders Auffälliges handelte. Sie war völlig durchschnittlich, aber dabei durch ihre Existenz als Wandlerin auch wieder ganz anders. Wenn man normalerweise an Gestaltwandlergeschichten denkt, hat man doch zum Großteil Wölfe im Kopf, weshalb ich auch die Idee mit der Akademie in Prag, einem sehr historisch angehauchten und schönen Schauplatz, sehr mochte. Dort trifft man Wandler aus aller Welt, die eins gemeinsam haben – sie wissen nichts über ihr Erbe und ihre Fähigkeiten.


Dies führt dann auch dazu, dass sich in den Reihen der Wandler die Hierarchien schnell einstellen. Die besonderen Ränge und Unterschiede zwischen den Skorpionen und Schlangen fand ich wirklich interessant, und Lena Klassens verträumter, aber gleichzeitig actionreicher Schreibstil hat mich dazu gebracht, das Buch kaum aus der Hand legen zu wollen. Gerade Kiaras Gefühle im Bezug auf das Wandeln waren so greifbar und nah, dass ich die Sehnsucht in ihr richtig spüren konnte, was mir auch Wint Alamar als alte Heimat nähergebracht hat.


Die Story ist auf jeden Fall sehr aufwühlend und wechselt zwischen romantischeren und spannenderen Teilen. Kiaras Doppelrolle nimmt einen großen Teil des Buchs ein, sowie die Suche nach dem Spion und Kiaras Rätselraten, wer die andere Schlange sein könnte, die mit ihr eingeschleust wurde. Als Leser kann man sich dabei auch nie sicher sein, sodass die Story mich in ihren Bann ziehen konnte.


Und dann ist da noch Jacques. Jacques hat seinen eigenen Absatz verdient, denn ihn einfach nur den Love-Interest zu nennen, würde seiner zynischen Art, der rebellischen Seite und den extremen Gefühlen, die er in mir hervorrief, nicht genug Respekt zollen. Der romantische Aspekt im Buch war mit solcher Leidenschaft rübergebracht, manchmal still zwischen den Zeilen, an einigen Stellen so herrlich ausgebaut, dass ich den Atem anhalten musste. Jacques ist einfach eine Nummer für sich und sorgt für ziemlich viele interessante Wendungen in der Geschichte.


Alles in allem hat mich vor allem das Ende absolut mitgerissen. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, immer wieder kommen neue Twists dazu, neue Intrigen, und ich konnte es kaum erwarten, wie es schließlich ausgeht. Für einen Reihenauftakt war „Der Kuss des Wandlers“ sehr gut gelungen und noch mein Highlight in diesem Jahr. Spannung, Fantasy und Liebe vereint – eine Geschichte, die man gelesen haben sollte!

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107 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

fantasy, götter, griechische mythologie, young adult, altigriechische mythologie

Das göttliche Mädchen

Aimée Carter
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671651
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Als Kate in das verschlafene Städtchen Eden zieht, hat sie nur einen quälenden Gedanken: Ihre Mutter wird sterben, und sie kann nichts dagegen tun. Doch ihr Schicksal ändert sich, als sie auf den geheimnisvollen Henry trifft. Was hat es mit Eden auf sich? Als auch noch ihre neue Freundin Ava stirbt, aber plötzlich wieder unter den Lebenden weilt, muss sich Kate entscheiden. Gibt sie Henry eine Chance und stellt sich den Prüfungen um ihre Unsterblichkeit – oder weist sie den Gott der Unterwelt ab?


Meine Bewertung


Das hier ist ein typisches Buch, das ewig auf meiner Wunschliste lag und durch die Neuauflage bei HarperCollins ya! endlich bei mir einziehen durfte. Ich habe mich schon ewig darauf gefreut, Aimée Carters „Das göttliche Mädchen“ zu lesen, weil es nach einer spannenden Geschichte mit vielen Verflechtungen der griechischen Mythologie klang.
Oh, wie ich mich täuschen sollte.


Fangen wir mal bei der Mythologie an, denn die war eigentlich der Hauptgrund, dass ich das Buch ins Auge gefasst habe. Griechische Götter, yay! Nur, dass sie in diesem Buch so ziemlich gar keinen Bezug zu ihrer Göttlichkeit haben. Sie alle besitzen sterbliche Formen und die 12 Olympier + Hestia + Hades bilden den Rat der Götter, werden fälschlicherweise aber auch als 14 Olympier gezählt. Na schön, meinetwegen. Es muss ja auch nicht alles hundertprozentig stimmig sein. Aber dass die Autorin den Göttern dermaßen hohe Moralvorstellungen andichtet, Hades zur Jungfrau erklärt, ihn nur schmachten und seufzen und seiner großen Liebe hinterhertrauern lässt, war einfach zu viel. Hier kam kein göttliches Feeling rüber, es werden so gut wie nie ernsthaft ihre Kräfte gezeigt und die Mythologie wird dermaßen verdreht, dass man sich fragt, ob die ganzen Änderungen nur vorgenommen wurden, um den abstrusen Plot zu erklären.


Unsere Protagonistin Kate hat hierbei den Status des göttlichen Mädchens, denn da Henry/Hades aus irgendeinem Grund ohne Persephone nicht in der Lage ist, sich aufzuraffen und seine Totenwelt am Laufen zu halten, soll sie ihm als seine Königin aushelfen. Dazu muss sie vor dem Rat der Götter sieben Prüfungen bestehen – die auf den sieben Todsünden beruhen. Wäre das Ganze nicht dermaßen abstrus, hätte ich echt lachen müssen, dass ausgerechnet die griechischen Götter zu Moralaposteln aufgezogen werden und sie in ihrer Keuschheit prüfen.


Generell waren die Prüfungen einfach enttäuschend. Ich hatte Spannung erwartet, echte Heldentaten, aber Kate verbringt einfach nur einen Herbst/Winter bei Henry auf Eden Manor, wird in hübsche Kleider gesteckt und lernt Mythologie. Mehr Handlung gibt das Buch kaum her. Plot-Twists waren extrem vorhersehbar, so auch der Mörder, der Kates Vorgängerinnen bei ihren Prüfungen sabotiert hat. Die laufen übrigens alle nur im Hintergrund ab, erst am Ende erfährt man, woraus sie bestanden. (SPOILER: Eine davon beinhaltet, dass Kate ihre Kleider teilt. Also, wenn ich damit Unsterblichkeit erlange, ist das wirklich ein winziges Opfer, eine Jeans meiner Freundin zu schenken.)


Das Einzige, was das Buch halbwegs retten konnte, war Kates Beziehung zu ihrer Mutter, die durch eine Krankheit im Sterben liegt. Wer im Prolog gut aufpasst, kann schon erahnen, worauf das hinausläuft, aber immerhin hat ihre Fürsorge Kate noch etwas Persönlichkeit verliehen. Schwächen hat sie, abgesehen von einer Wasserphobie, nämlich nicht. Sie ist gutherzig, kümmert sich um andere, opfert sich für andere auf, ist ehrlich, keusch … Realistisch sieht anders aus. Und es hat mir ernsthaft den Spaß am Buch verdorben, wie dermaßen perfekt Kate war. Da war nicht mal wirklich Spannung zwischen ihr und Henry vorhanden. Ich hätte mir eine badass Protagonistin erwartet, die heroisch ihre Aufgaben meistert, aber im Endeffekt muss Kate keinen Finger rühren, alles läuft im Hintergrund ab. Nicht zu vergessen, dass sie mit ihrer Moral hausieren geht, als wäre sie der Nabel der Welt. Slut-Shaming wird in diesem Buch hochgeschrieben, Ava trotz ihres Status als Kates beste Freundin für ihre Jungsgeschichten verurteilt und ihr die Schuld in die Schuhe geschoben, dass zwei Alpha-Männchen nicht die Fäuste bei sich behalten können.


„Das göttliche Mädchen“ ist für mich damit mal wieder ein Flop in der Sparte Mythologie-Adaption. Da ich von einer Freundin erfahren habe, wie es in den Fortsetzungen weitergeht, werde ich die auf jeden Fall nicht lesen, denn ernsthafte Charakterentwicklung oder Spannung ist auch nach diesem Buch nicht zu erwarten. Aimée Carter hat zwar einen netten Schreibstil, aber leider hat das diesen Titel auch nicht mehr retten können.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

freundschaft, kinderbuch, größter schatz, tiere, konopke

Paul und Konopke

Burger Christin
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Burger, Christin, 01.06.2017
ISBN 9783000565830
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt


Paul ist der schnellste Kanarienvogel im Wald – und leider auch der einzige. Dabei wünscht er sich doch nichts mehr als einen Freund. Aber seine ständige Angeberei kommt bei den Waldtieren nicht gut an, sodass Paul seine Tage einsam verbringt. Doch als der Ratte Xilvia ihr großer Schatz gestohlen wird, versteinert sie alle Tiere im Wald. Nur Paul kann gemeinsam mit dem Brummbär Konopke seine Nachbarn retten. Denn Brummbären haben viel mehr Liebe in sich, als versteinert werden könnte …


Meine Bewertung


Mit Kinderbüchern von Selfpublishern hatte ich es bisher noch überhaupt nicht zu tun, weshalb ich sehr gespannt auf „Paul und Konopke“ von Christin Burger war. Über ihre Werke hatte ich bisher eher im Fantasy-Bereich etwas gehört, aber an dem großartigen Hardcover, das mit seiner Farbenfrohheit lockt, kann man einfach nicht vorbeigehen, ohne einen näheren Blick drauf zu werfen.


„Paul und Konopke“ erzählt die Geschichte des Kanarienvogels Paul, der fürchterlich angeberisch ist und damit leider auch viele Tiere des Waldes vergrault. Bis diese seine Hilfe brauchen – eine interessante Wendung, die Kindern mit relativ viel, aber einfachem und verständlichem Text beigebracht wird. Ich empfand den Erzählstil als sehr angenehm, da dieser auch nicht belehrend klang. Besonders interessant war natürlich auch der Brummbär Konopke, vor dem man sich im ersten Moment fürchten mag, bevor man feststellt, dass die Dinge doch ganz anders sind, als sie zunächst erscheinen mögen. Anders als in vielen Kinderbüchern ist auch die Ratte Xilvia als Antagonist nicht grundlos böse, sondern kann den jungen Zuhörern viel eher beibringen, dass man manchmal gemeine Dinge tut, weil man selbst nicht verletzt werden möchte – eine Wendung, die mir gut gefallen hat und auch die Empathiefähigkeit trainiert.


Was mich besonders fasziniert hat, war auf jeden Fall die schöne Aufmachung des Buches. Auch jüngere Kinder werden hier ihren Spaß daran haben, denn man kann vor allem in den Illustrationen von Nicole Bertram so viele schöne Details entdecken, und die Holzoptik des Hintergrunds verleiht dem ganzen auch eine gewisse Wärme, Freundlichkeit und Naturverbundenheit. Sprache und Bilder ergänzen sich sehr gut, sodass ich auch eine Stunde lang darin gestöbert habe, um die vielen Details der Bilder wahrzunehmen, die man schnell mal beim Durchblättern übersieht. Dies ist also definitiv ein Kinderbuch, wofür man sich Zeit nehmen und es genießen sollte, gern auch in mehreren Häppchen, je nachdem, wie lang sich die Kinder konzentrieren können.


„Paul und Konopke“ besticht definitiv mit sympathischen Charakteren, wobei jedes Kind wohl mindestens einen kleinen Angeber wie Paul kennt. Es regt zu gegenseitigem Verständnis an und dazu, Liebe zu zeigen. Die Gestaltung ist auf jeden Fall ein dickes Plus und ich freue mich schon auf viele schöne Vorlesestunden mit meinem kleinen Bruder und „Paul und Konopke“.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die schönsten Märchen und Sagen

Günther Jakobs , Ulrike Sauerhöfer , Angelika Lukesch
Fester Einband
Erschienen bei Esslinger ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 19.09.2017
ISBN 9783480233991
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Inhalt


Bekannt und doch ganz neu: Dieses Buch vereint die spannendsten Märchen und Sagen, mit denen Kinder aufwachsen. Von Schneewittchen über die Bohnenranke bis hin zu dem Fels der Loreley – auch Sagen aus dem Volksmund werden von Günther Jakos, dem Erfolgsillustrator, bildhaft schön umgesetzt und für die Kleinsten aufbereitet.


Meine Bewertung


Ich liebe schön gestaltete Märchenbücher! Kein Wunder also, dass ich nicht an zauberhaften Schätzen wie dieser Textsammlung aus dem Hause Esslinger vorbeigehen konnte. Der Preis verspricht gemeinsam mit dem Klappentext viel, doch dafür bekommen die Leser auch einiges geboten, das mich wirklich überzeugen konnte.


Was mich schon beim ersten Stöbern neugierig gemacht hat, waren Günther Jakobs‘ Illustrationen. Ich finde sie wirklich perfekt für Kinder, da sie eindeutig detailreich, hochwertig und doch auch spielerisch umgesetzt sind, sodass sie nicht nur für Eltern, sondern auch deren Sprösslinge eine Freude zum Anschauen sind. Sie begleiten hier die Texte sehr anschaulich und tragen zum besseren Verständnis bei. Doch auch die restliche Qualität des Buchs lässt nicht zu wünschen übrig: Hochwertiges Papier, das auch stabiler ist, der Leinenband mit farblich passendem Lesebändchen und das stabile Hardcover machen ihrem Preis alle Ehre.


Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war die breite Auswahl an Märchen, die sich hier wiederfindet. Die Sprache ist an jüngere Kinder angepasst, sodass sich dieses Märchenbuch auch sehr gut zum Vorlesen eignet. Außerdem handelt es nicht nur die typischen bekannten Märchen ab, sondern auch mal einige, die schnell in Vergessenheit geraten. Und der Teil mit den Sagen hat mich besonders begeistern können. Mit Robin Hood, Wilhelm Tell und der Loreley verbindet man oftmals nur Stichworte, aber hier sind die Legenden in schöner Optik aufgefrischt und für Kinder aufbereitet worden. Gerade Jungs werden an den vielen Drachengeschichten und den Helden ihre Freude haben.


Alles in allem sind „Die schönsten Märchen und Sagen“ ein absoluter Volltreffer gewesen und werden sicherlich unter vielen Weihnachtsbäumen landen. Wer hochwertig aufbereitete Kindermärchen verschenken möchte, sollte hier zugreifen, denn das Gesamtpaket ist wahnsinnig stimmig und eine Bereicherung in jedem Regal!

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640 Bibliotheken, 19 Leser, 4 Gruppen, 51 Rezensionen

magie, throne of glass, liebe, fae, fantasy

Throne of Glass - Königin der Finsternis

Sarah J. Maas , Tanja Ohlsen
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 11.11.2016
ISBN 9783423717076
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Zurück in Rifthold, zurück in Adarlan – und mit jeder Menge neuer und alter Feinde im Gepäck. Celaena hat ihr Training überstanden, doch ohne ihre Magie, die in Rifthold immer noch unterdrückt ist, muss sie aus den Schatten heraus agieren. Gegen den König und gegen Arobynn – doch kann die Königin Terrasens auch ihren Hof retten? Derweil wird auch Manons grausame Welt auf den Kopf gestellt. Und ihre Entscheidungen erfordern Mut, Ungehorsam und Hoffnung – alles, was ihr seit ihrer Geburt ausgetrieben wurde …


Meine Bewertung


Ich weiß nicht, ob ich diese Rezension schreibe oder nur mein armer Geist, der sich von meinem Körper verabschiedet hat. Dass „Throne of Glass“ inzwischen zu meinen Lieblingsreihen zählt, ist im Laufe des Jahres klar geworden, aber der vierte Band von Sarah J. Maas‘ Erfolgsreihe hatte es einfach dermaßen in sich, dass ich immer wieder mein Herz stocken gespürt habe bei den Plot Twists, die mich erwarteten.


Ich kann auch kaum in Worte fassen, was diese Story letztendlich ausgemacht hat. Denn auf den 650 Seiten (englische Fassung) passiert dermaßen viel, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, von Handlung überrannt zu werden, während die Storylines weiter verknüpft wurden. Deshalb fange ich wohl am besten gleich beim ersten negativen Punkt an: Chaol. Sein Charakter war das halbe Buch über so verbohrt und verstockt, dass er mir wirklich auf die Nerven fiel. Ich hatte das Gefühl, dass es nur ein ewiges Gejammer von ihm war. Zum Ende hin hat sich das glücklicherweise endlich eingerenkt, aber ich bin sehr gespannt, wie er sich noch weiterentwickeln wird.


Wieder einmal sind uns natürlich auch neue Figuren begegnet, die das Spielfeld erweitert haben. Besonders bemerkenswert fand ich Elide Lochan, die eine besondere Verbindung zu Aelin aufweist, aber ihr Dasein in Morath fristet – wo es auch Manon und ihren Coven hin verschlagen hat. Die Storyline ist so düster, so brutal, und gleichzeitig so aufregend, dass ich gerade bei den Hexen extrem mitgefiebert habe und auch sehr gespannt bin, was das offene Ende im nächsten Buch für Auswirkungen im Bezug auf Elide haben wird.


Inzwischen kann ich auch mit gutem Gewissen raten, dass man definitiv vor „Königin der Finsternis“ auch „Celaenas Geschichte“ gelesen haben sollte. Gerade im Konflikt mit Arobynn geht sonst einiges unter, aber ich konnte die ganzen Details so genießen, die aus Aelins Vorgeschichte eingestreut wurden, dass ich mich vollkommen in dem Intrigenspielchen verloren habe. Lysandra und Evangeline haben da auch ihren großen Teil zu beigetragen, und gerade Lysandras Charakter hat so einen nachvollziehbaren, heftigen Sprung gemacht, dass sie mit zu meinen Favoriten in diesem Band gehört.


Trotz der vielen Feinde bleibt natürlich auch die zarte Liebesgeschichte nicht aus, die im Hintergrund weiterläuft. Gerade Aelin und Rowan waren gemeinsam einfach wieder grandios, haben mich zum Schmunzeln und zum Weinen gebracht. Unglaublich, was für Facetten beide auffahren können, wie gut sie sich ergänzen. Und auch Dorian, der es nach Band 3 nicht gerade leicht hat, entwickelt sich enorm weiter, was auch einer gewissen Hexe zu verdanken ist.


Sarah J. Maas Schreibstil, das Worldbuilding, das Verweben der einzelnen Handlungsstränge, bis alles am Ende mit einem großen Knall zusammenläuft – es ist meisterhaft. „Königin der Finsternis“ hat so enorm hochgestapelt und die Messlatte für alle künftigen Bücher hochgehängt, dass ich wirklich gespannt bin, was im fünften Teil auf uns zukommen wird. Jedes Wort, so viele wunderschöne Zitate, haben mich in die Welt eintauchen lasse, die ich heiß und innig liebe. Ein Genuss für alle Fans der Reihe!

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

liebe, weihnachten, santa claus, amor, weihnachtspost

Drei Dates mit Santa (Liebe, Chick-lit, Humor)

Saskia Louis , Julia Bohndorf , Julia Lalena Stöcken , Marie Weißdorn
E-Buch Text: 164 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 30.10.2017
ISBN 9783960872573
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt


Elly ist der größte Weihnachtsmuffel, den es gibt. Dumm nur, das die wichtigen Briefe der Kinder aus Deutschland an den Weihnachtsmann ausgerechnet über ihre Poststelle laufen. Als ob sie die Nerven dazu hätte, sich auch noch darum zu kümmern! Doch als Junior-Weihnachtsmann CJ sie kurz vor ihrem verhassten Fest zur Rede stellt, gibt sie ihm drei Chancen, ihr Weihnachten schmackhaft zu machen, um die Briefe zu bekommen. Dass dabei auch noch Amor mit Tarnjacke und Merry, CJs Weihnachtselfe, eine Rolle spielen, macht die Situation nur noch komplizierter …


Meine Bewertung


Hach, war das süß! Genau das ist der Satz, der mir durch den Kopf geht, wenn ich an das weihnachtliche Gemeinschaftsprojekt der kleinen Autorenfamilie zurückdenke. Ich konnte es nicht lassen und habe es direkt durchgelesen, statt als Adventskalender – und ich bin sehr glücklich drum, denn Elly und CJ waren in „Drei Dates mit Santa“ einfach so herrlich zum Schmunzeln!


Das Buch ist aus vier Perspektiven von vier verschiedenen Autorinnen geschrieben, was man auch ein wenig am Schreibstil merkt. Allerdings hat das gerade den Reiz ausgemacht, denn vor allem der Unterschied zwischen der Weihnachtselfe Merry, die pflichtbewusst ihrer Arbeit nachgeht und CJ, unseren Weihnachtsmann auf Probe, vom Verlieben abhalten will, zu Amor, dem Liebesgott, war wirklich gewaltig. Und trotzdem haben sich alle vier super ineinander gefügt und der Geschichte ihren Pepp gegeben. Noelle, bzw. Elly als Hauptfigur und Mittelpunkt des Weihnachtsdramas war auch unheimlich lustig, wenn sie über ihr Hassfest wetterte, aber man merkte schon, dass da noch mehr dahintersteckt als nur der Unmut über nervige Postkunden.


Die Geschichte an sich ist denkbar einfach, aber gleichzeitig auch herrlich skurril: Santa soll in Rente gehen und CJ, sein Sohn, schmeißt nun den Laden. Aber die Briefe aus Deutschland fehlen noch, was CJ, der eigentlich lieber seine 100 Klimmzüge machen würde, um ausgelastet zu sein, direkt zu Elly treibt. Und was passiert, wenn Weihnachtsmann und Familienfest-Hasserin aufeinandertreffen? Klar. Amor packt das Gewehr aus.


Die ganze Geschichte sprüht nur so vor skurrilen Einfällen, Situations- und Wortwitz. Ich habe mich die ganze Zeit über bestens unterhalten gefühlt, habe mit CJ und Elly mitgefiebert und bin richtig in Weihnachtsstimmung gekommen. Man merkt auch, dass die einzelnen Handlungsstränge gut miteinander verwoben sind, sodass kein Charakter allzu sehr untergeht oder sein eigenes Ding durchzieht. Besonders genial fand ich aber Amor und dessen Darstellung: Weg mit dem dicken kleinen Jungen. Ein Sixpack muss her. Am besten so eins wie CJs. Und wer benutzt heutzutage noch Pfeile, wenn er Handfeuerwaffen haben kann? Seine App hilft ihm natürlich auch dabei, das Perfect Match zu finden – selbst wenn sich das Perfect Match, also das perfekte Pärchen, gar nicht finden will.


Das Buch ist einerseits durch die Kürze, andererseits durch den Humor, den lockeren Schreibstil und die liebenswerten Charaktere wirklich schnell weggelesen und schafft einem rundum gutes Weihnachts-Feeling. Und Santa kann ruhig noch ein Weilchen auf Bali bleiben, ich nehme meine Geschenke dieses Jahr auch gern von CJ an!

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221 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

dystopie, totalitärer staat, frauen, der report der magd, science fiction

Der Report der Magd

Margaret Atwood , Helga Pfetsch
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492311168
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt


Kinder kriegen oder nicht – Desfred bleibt diese Wahl nicht. In einem totalitären Staat, der durch die „Augen“, seine Spione, jede Ungehorsamkeit mitbekommt, wird sie als Magd zur Gebärmaschine eines Kommandanten. In ihrem neuen Zuhause hat keine der Frauen, egal ob Ehefrau, Martha oder Magd, eine Wahl. Jegliche Rechte sind ihnen entsagt – so wie im gesamten Staat Gilead. Doch Desfred erzählt ihre Geschichte in der Hoffnung auf ein besseres Leben – ein freies Leben.


Meine Bewertung


Was für ein Kracher! Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich mich doch an Klassiker herantraue. Obwohl das Buch nur etwas über 30 Jahre alt ist, versteht Margaret Atwood es, die Krisen, die unsere Gesellschaft auch heute noch spalten, sehr geschickt in „Der Report der Magd“ zu verpacken. Ich bereue es absolut nicht, dass ich mich der anfangs etwas holprigen, ungewohnten Sprache gestellt und diese Dystopie ausprobiert habe.


In „Der Report der Magd“ geht es um Desfred, die im Haus eines Kommandanten lebt, aber auch noch die alten Tage miterlebt hat, die Zeit, bevor das totalitäre System ohne Frauenrechte eingesetzt wurde. Desfred beschreibt hier rückblickend, wie sie ihre Zeit im Regime erlebt hat, aber auch, wie es zustande kam. Das System ist geprägt von religiösem Fanatismus, der sich darin äußert, dass das Leben über allem steht – weshalb es in Zeiten der zunehmenden Unfruchtbarkeit Mägde wie Desfred gibt, die nur als leeres Gefäß gesehen und dabei als Zuchtvieh behandelt werden.


Ich empfand die Geschichte teilweise als sehr lang, aber das nicht im negativen Sinn. Man erfährt langsam mehr über die Lebenswelt der Protagonistin, kann sich sehr gut auf sie einstimmen und erkennt immer makabere Anwandlungen dieses Regimes, das einen sehr mitnimmt. Ich war mehrfach vor Ekel wirklich angewidert und musste überlegen, ob das in unserer heutigen Zeit so leicht möglich wäre, ein ähnliches System einzuführen. Doch die Erklärung kommt mir plausibel vor und beinhaltet trotz des Alters des Buchs viele Aspekte, die auch heute in unserer Gesellschaft wieder auftauchen. Wenn man bedenkt, wie heftig auch heute noch Abtreibungen diskutiert werden, wie die Geburtenrate sinkt und auch die Umweltverschmutzung und der Klimawandel geleugnet werden, bis es mal so richtig knallt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn versuchte Lebensmittel oder gewisse Pestizide durchaus mal Fruchtbarkeiten einschränken könnten.


Was mich hier auch stark beeindruckt hat, war Desfreds Art zu erzählen. Man weiß nie, ob sie lügt oder die Wahrheit sagt – manchmal gibt sie offen zu, dass sie sich vieles schönredet, manchmal erscheinen Szenen mehrfach in verschiedenen Variationen, weil sie versucht, ihre Situation selbst zu akzeptieren. Ihr altes Leben hat sie verloren, ihre Freiheit und ihre Familie, doch sie sehnt sich nach der Hoffnung, dass sie immer noch leben könnten, will aber gleichzeitig auch aufs Schlimmste gewappnet sein. Ihre Gedankengänge waren nicht immer leicht zu ertragen, aber doch auch interessant, und ihre „Sünden“ rückten für mich in den Hintergrund, da man ihre menschlichen Triebe gut nachvollziehen konnte.


Alles in allem ist „Der Report der Magd“ so ein vielschichtiges, komplexes Buch und behandelt so wichtige Themen, dass ich nicht weiß, ob ich dem in einer Rezension überhaupt gerecht werden kann. Für mich war es auf jeden Fall eine Lektüre, die sich gelohnt hat, und ich denke, wer sich auch für ältere Dystopien interessiert, deren Szenarien gar nicht so weit entfernt von heutigen Diskussionen sind, sollte sich „Der Report der Magd“ nicht entgehen lassen.

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1.263 Bibliotheken, 56 Leser, 0 Gruppen, 246 Rezensionen

liebe, laura kneidl, missbrauch, berühre mich. nicht., new-adult

Berühre mich. Nicht.

Laura Kneidl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.10.2017
ISBN 9783736305274
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt


Weit weg von zu Hause baut sich Sage ein neues Leben auf – mittellos, in ihrem Wagen schlafend, aber endlich frei. Frei von den Schatten, die sie seit Jahren verfolgen. Aber nicht frei von den Erinnerungen, die sie in Panik versetzen. Doch Sage ist eine Kämpferin. Als jedoch Luca in ihr Leben tritt und sie gemeinsam arbeiten müssen, sitzt der Schrecken bei Sage tief. Wie kann sie mit jemandem Zeit verbringen, der die schlimmsten Wunden in ihr aufreißt? Nur die Zeit kann helfen, sie zu heilen – und der Blick hinter Lucas Fassade …


Meine Bewertung


„Berühre mich. Nicht.“ ist derzeit in aller Munde. Und das zurecht. Trotzdem macht es mir das fast noch schwerer, zu erklären, wie ich mich bei diesem Buch aus Laura Kneidls Feder gefühlt habe – denn ich habe viel gefühlt. Sehr viel. Sages Weg mitzuverfolgen, hat mich auch an meine emotionalen Grenzen gebracht, und wäre ich nicht so neugierig gewesen, hätte ich wahrscheinlich länger an dem Buch geknabbert. Aber nun kann ich nur noch auf die Fortsetzung warten und derweil versuchen, die richtigen Worte für dieses schwierige Thema zu finden.


Denn das hat Laura Kneidl von Anfang an gut verstanden und umgesetzt: Die richtigen Worte finden. Ihr Schreibstil verliert sich nicht in ewig langen Beschreibungen der Muskeln an den Oberarmen des sexy Bad Boys. Nein, Sages Seelenleben steht im Vordergrund – die Panik, die sie erfüllt, wenn ihr ein männliches Wesen zu nahe kommt. Der Herzschlag, der sich beschleunigt, das Engegefühl, der Fluchtreflex. Es passiert selten, dass ich so schnell mit der Protagonistin mitfühlen kann, aber durch den intensiven, klaren Schreibstil wurde ich sofort mit in Sages Welt gezogen und habe wirklich mit ihr mitgelitten.


Anders als in vielen weiteren New Adult-Büchern wird hier ein Tabuthema aufgegriffen, das man schnell durchschaut, das aber auch sichtbare Spuren hinterlässt. Sages Angststörung kommt nicht einfach aus heiterem Himmel und verschwindet, als sie den Love Interest trifft. Liebe heilt nicht alle Wunden. Liebe kann helfen, sie zu lindern – aber den Weg der Heilung muss man selbst finden. Ich fand es sehr gut, wie hier mit dem Thema umgegangen wurde, auch Sages Selbstreflexion und ihre Suche nach professioneller Hilfe hat mich wirklich überzeugt. Die Geschichte war in so vielerlei Hinsicht realistisch, nicht nur durch Netflix-Abende und College-Partys, sondern vor allem durch eine Protagonistin, die offen zugibt, dass sie nicht stark genug ist, es allein zu schaffen, und auf die Hilfe von Experten vertraut. Mir hat es viel Mut gemacht, Sage auf diesem Weg zu begleiten und ihre langsame Heilung mitzuverfolgen, die selbstverständlich noch nicht abgeschlossen ist.


Das Buch lebt jetzt vielleicht nicht unbedingt vom Wortwitz oder besonders heißen Szenen, wie es in anderen Titeln dieses Genres der Fall ist. Aber „Berühre mich. Nicht.“ ist auf seine ganz eigene Art besonders. Es gibt einen Einblick in ein Tabuthema, das in der heutigen Gesellschaft immer noch kritisch betrachtet wird. Mach bloß nicht den Mund auf. Niemand wird dir glauben. Dazu haben auch die Charaktere beigetragen, die alle ihre einzelnen Facetten hatten und gut ausgearbeitet waren. Vor allem Luca, der mal so ganz anders ist, als ich anfangs vermutet hätte, war einfach zum Verlieben. Ich kann es nicht anders sagen: Ich wünsche allen jungen Mädchen da draußen einen Freund, der so auf sie Acht gibt und ihnen ihren Freiraum lässt, wie Luca es für Sage tut.


Besonders schön finde ich hier auch die fließenden Grenzen zwischen Freundschaft, Liebe und Familie. April, Sages neue Freundin am College, hilft ihr aus mancher Misere, ebenso Luca, der sowohl als Freund, als auch als Love Interest seine sensible Art Sage gegenüber beibehält. Es hätte so viele Szenen gegeben, die ganz anders hätten verlaufen können, in oftmals bekannten Klischees, aber die wurden meisterhaft umschifft. Ja, es gibt Klischees in „Berühre mich. Nicht.“, aber deren Umsetzung war immer noch gut eingebaut und hat somit gar nicht gestört. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich ein Buch lese, das ich mit veränderten Namen der Protagonisten schon zigmal in der Hand hatte. Es war etwas Neues, Besonderes, Rücksichtsvolles und gleichzeitig Schonungsloses.


Ich habe während des Schreibens dieser Rezension ewig hin und her überlegt, wie sehr für mich das Ende des Buchs ins Gewicht fällt. Nachdem so viele extreme Meinungen über den Cliffhanger kamen und ich wirklich gespannt darauf war, saß ich am Ende da und dachte: „Hm. Na gut. Habe ich kommen sehen. Und jetzt?“ So ein richtiger Schockmoment war nicht dabei, weder im positiven, noch im negativen Sinn. Ich finde eher, dass das Ende die Überleitung zum nächsten Band ist, aber die ganzen Szenen davor, Sages enorme Entwicklung und die Feinfühligkeit, mit der diese beschrieben wird, zählt für mich viel mehr. Man merkt, dass auch von Seiten der Autorin viel Fachkenntnis und Recherchearbeit reingeflossen sein muss, um so ein schwieriges Thema so sensibel aufarbeiten und darstellen zu können, ohne in Stereotypen zu verfallen.


Alles in allem hat mich „Berühre mich. Nicht.“ mitgerissen, begeistert, fasziniert und lässt mich nicht so ganz los. Es war ganz anders als erwartet, gleichzeitig habe ich mir schon lange gewünscht, dass endlich ein Buch kommt, das mich einfach durch den Umgang mit einem Tabuthema dermaßen begeistern kann. Ich freue mich wahnsinnig auf „Verliere mich. Nicht.“ und darauf, Sage auf ihrem Weg zu begleiten, der immer noch genug Stolpersteine bereithält.

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