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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Telluria

Vladimir Sorokin , , ,
Fester Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.08.2015
ISBN 9783462048117
Genre: Romane

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Das Liebesleben des Nathaniel P.

Adelle Waldman ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Liebeskind, 15.06.2015
ISBN 9783954380480
Genre: Romane

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13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

gegenwartsliteratur

Irma

Tex Rubinowitz , ,
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 06.03.2015
ISBN 9783498057992
Genre: Romane

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

Die Farbe der Nacht

Madison Smartt Bell , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Liebeskind, 18.02.2013
ISBN 9783954380053
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Manche Bücher verlangen dem Leser viel ab. Man nimmt sie in die Hand, beginnt in ihnen zu blättern, bleibt an einzelnen Textpassagen hängen und spürt, es wird nicht leicht werden. Dennoch übt das Geschriebene eine Faszination aus, die verhindert, dass man das Buch weglegt. Dann, immer wieder während des Lesens, fragt man sich, warum tue ich mir das an? Und wenn man die letzte Seite gelesen hat, das Buch schließt, ist man auf eine Art erschüttert, die tief geht. Man streicht nicht über den Buchrücken, mit dem Gefühl einen neuen Freund kennengelernt zu haben. Vielmehr hat man das Gefühl, etwas Dunklem begegnet zu sein.

Zugegeben, solche Bücher sind selten und was ich hier beschreibe, ist absolut subjektiv, doch „Die Farbe der Nacht“ von Madison Smartt Bell ist für mich ein solches Buch.

Der Plot: Mit 16 reißt Mae von zu Hause aus und landet in San Francisco. Es ist der Höhepunkt der Hippiebewegung. Sie gerät in die Fänge der Sekte „das Volk“. Der Anführer D. lässt sich mit seinen Anhängern in einer Region nördlich von L.A. nieder. Von dort aus führt er „das Volk“ in einen Kreislauf aus Raub, Drogen, Orgien, Prostitution und Gewalt. Dort lernt Mae auch Laurel kennen. Sie werden ein Paar. Mae und Laurel bringen ihre eigenen Geschichten aus erfahrener und verübter Gewalt mit und sie folgen D. und seinem Partner O. auf deren immer brutaler werdenden Pfad. Als die Situation auf verschiedenen Ebenen eskaliert, schaffen es die beiden, zu fliehen, doch ihre Wege trennen sich. Dreißig Jahre später entdeckt Mae Laurel im Fernsehen. Sie erkennt sie, als diese auf einer Straße in New York kniend, vom Staub der eingestürzten Türme bedeckt, die Hände gen Himmel reckt. Und alles holt sie wieder ein.

„Die Farbe der Nacht“ geht in vielerlei Hinsicht an die Grenzen des Vorstellbaren und auch des Erträglichen. Das Grundthema ist Terror. Bell spiegelt den Terror auf drei Ebenen. Im vermeintlich geschützten Raum der Familie, innerhalb einer Sekte und als ultimativen Anschlag. Im Zentrum dieser drei Ebenen steht Mae. Sie ist Täter und Opfer zugleich. Bell lässt ihre Geschichte wie ein Film vor den Augen des Lesers ablaufen. Dabei wechselt er in kurz gehaltenen Episoden immer wieder die Zeitebenen und die Orte. Was sich zunächst verwirrend liest, ergibt schnell Sinn. Es ermöglicht dem Leser, Mae und die Geschehnisse um sie herum in ihrer gesamten Komplexität wahrzunehmen. Die Wurzeln ihres Verhaltens stehen direkt neben den Konsequenzen und den daraus resultierenden Handlungen ohne dass sie direkt aufeinander bezogen werden. Tatsächlich liegen teilweise Jahre und Jahrzehnte dazwischen. All das ergibt jedoch am Ende das dichte Bild einer gestörten, kaum fassbaren Persönlichkeit.

Sprachlich lässt der Autor durch szenische Beschreibungen dichte, intensive Bilder vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. Ihm gelingt dabei eine äußerst anschauliche Darstellung der jeweiligen Zeit und des entsprechenden Landstrichs. Auf diese Weise webt er die persönliche Geschichte der Mae in einen gesellschaftlichen Kontext und spürt so, ohne es konkret zu benennen, auch der Entwicklung der USA nach. Die Sprache gleitet dann ins Verschlüsselte ab, wenn Drogen und/oder Gewalt das Szenario bestimmen. Man hat jedoch nicht das Gefühl, das Bell sich dahinter versteckt, sich scheut die Details in ihrer Klarheit zu benennen, sondern vielmehr vermittelt er dem Leser einen Eindruck der geistigen Verfassung der Protagonistin. Diese Passagen sind es auch, die einen besonders fordern. Immer wieder fragt man sich, ob das, was man in die Bilder hinein liest, dem Geschehen entspricht oder ob man in die Falle der (Un)tiefen des Geistes der Protagonistin beziehungsweise des eigenen Geistes tappt. Nur Stück für Stück wird der Autor konkreter und erst gegen Ende werden bestimmte Geschehnisse aus der Andeutung heraus gelöst und klar benannt. Diese Art des Erzählens entwickelt einen ganz eigenen Sog. Man hat als Leser das Gefühl, von Bell provoziert zu werden. Wie weit gehst Du als Leser, wie viel hältst Du aus?

Ich habe alles ausgehalten. Ich habe das Buch zu Ende gelesen und ich bin froh darüber. Abgesehen davon, dass das Ende an sich großartig ist und mir noch ein letztes Keuchen entlocken konnte, ist „Die Farbe der Nacht“ tatsächlich äußerst spannend. Bell fordert seinen Leser, zwingt ihn, seine geistige und seelische Komfortzone zu verlassen, um ihn an etwas heranzuführen, dass – hoffentlich – weit jenseits der eigenen geistigen Verfassung liegt. Mir persönlich liegt das, aber man sollte sich fragen, warum liest man, bevor man diesen Roman in die Hand nimmt. Liest man, um sich besser zu fühlen, dann ist dieses Buch sicher nicht das Richtige. Liest man aber, um vielleicht an innere und äußere Orte zu gelangen, die einem im wahren Leben vermutlich verschlossen bleiben werden, dann rate ich, sich diesem Buch zu stellen. Es ist eine Lektion, es ist aber auch Erkenntnis.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

familie, freundschaft, jugendroman, schwangerschaft, liebe

Alles Liebe, deine Lise

Brigitte van Aken , Birgit Erdmann
Fester Einband: 206 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 01.08.2014
ISBN 9783944572130
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als ich im letzten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse „Alles Liebe, deine Lise“ am Stand des Mixtvision Verlags entdeckte, war ich sofort neugierig. Zwei heikle Themen, Teenager-Schwangerschaft und Abtreibung, eingebunden in einen Briefroman – ein ungewöhnliches Format. Jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit, das Buch zu lesen und was soll ich sagen? Dieses Buch ist wieder einmal der Beweis, dass auch in den Katalogen der kleinen Verlage wahre Perlen schlummern.

Zum Inhalt: Lise lernt den Nachbarsjungen Nishan kennen als sie acht und er zehn ist. Jeden Mittwoch, wenn sie bei ihrer Oma ist, spielen sie zusammen. Je älter sie werden, desto näher kommen sie sich. Nishan wird Lises große Liebe. Als Lise mit 15 schwanger wird, ändert sich alles. Sie lässt das Kind abtreiben und kommt auf ein Internat. Von dort aus beginnt sie, sich mit ihrer Oma via Email auszutauschen. In der Vertrautheit des Schreibens öffnet sich auch die Oma und erzählt Lise von ihrer ersten Liebe und dem Verlust, den sie erlitten hat.

Als ich damals den Klappentext las, fragte ich mich sofort, wie nähert man sich wohl einem solchen Thema. Welchen Weg muss ein Autor beschreiten, um Jugendliche und auch ihre Eltern zu erreichen? Der erhobene Zeigefinger sowie übertriebene Moralvorträge sollten sich wohl verbieten, ebenso das Dramatisieren.

Brigitte van Aken verzichtet tatsächlich auf all das. Zum Glück! Stattdessen lässt sie die Protagonistin Lise das Geschehene im geschriebenen Dialog mit ihrer Oma aufarbeiten. Lässt sie reflektieren darüber, was passiert ist, wie es dazu kommen konnte und welche Konsequenzen all das nach sich zog und zieht. Da ist die Belastung für ihre junge Liebe, das nicht immer leichte Verhältnis zu ihrer Mutter, die Entscheidung, sich auf einer neuen Schule verstärkt auf den eigenen Weg jenseits ihrer Gefühle und der Geschehnisse zu konzentrieren. Dies alles erzählt die Autorin mit viel Einfühlungsvermögen, lässt Raum für die widerstreitenden Gefühle von Bedauern, Verlust, Wut, aber auch Erleichterung. Die Figur der Oma dient dabei als Spiegel. Ebenso wie ihre Enkelin wechselt sie den Wohnort, muss sich in einem neuen Umfeld zurecht finden. Beide lassen gute Freunde und ein Haus voller Erinnerungen zurück. Stattdessen lernen sie neue Menschen kennen, die es ihnen nicht immer leicht machen. Darüber tauschen sie sich in ihren Emails ebenso aus, wie über Geschehenes. Durch all die Veränderungen und die Dinge, die ihrer Enkelin widerfahren, beginnt die Oma zurück zu blicken, auf die Zeit als sie selbst ein Teenager war, in den fünfziger Jahren in einem Kloster lebte und sich in den Bäckersjungen verliebte – ihre erste große Liebe. Sie beginnt sich ihrer Enkelin gegenüber zu öffnen und erzählt eine Geschichte, die außer den Beteiligten niemand je zu hören bekam. Und so verarbeiten zwei Frauen unterschiedlicher Generation gemeinsam, was das Schicksal für sie bereit hielt und hält.

Brigitte van Aken durchbricht den Briefwechsel der beiden Hauptprotagonisten durch eingeschobene Telefonate von Lise mit ihrer Mutter, die als unkommentierte Dialoge dargestellt werden und SMS-Wechsel zwischen Lise und Nishan. Aus all diesen Ebenen lässt sie das authentische Bild eines jungen Mädchens entstehen, das im Begriff ist, erwachsen zu werden. Das lernt, mit Verlust umzugehen, begreift, dass seine Handlungen Konsequenzen haben, und das beginnt nach vorn zu schauen und sich auf den eigenen Weg zu machen. All das wird mit viel Einfühlungsvermögen, aber auch spannend und unterhaltsam erzählt. Mich persönlich hat das gute sprachliche Niveau gefreut, das in Jugendbüchern nicht immer selbstverständlich ist. Öfters blieb ich an Formulierungen hängen, die wie kleine poetische Schlenker den Lesefluss aufbrechen und mich lächeln ließen.

„Alles Liebe, deine Lise“ ist kluges, sensibles und wichtiges Buch. Brigitte van Aken ist es gelungen, den Themen Teenager-Schwangerschaft und Abtreibung ausgewogen und differenziert zu begegnen. Dies tut sie mit angemessener Leichtigkeit und mit viel Herz für ihre Figuren. Sie vermeidet dabei jede Art von Schuldzuweisung oder moralischem Überbau. Stattdessen spürt sie den tatsächlichen und emotionalen Konsequenzen einer solchen Entscheidung nach. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch eine Brücke für manch eine Mutter zu ihrer Tochter sein kann, um zwei alles andere als einfache Fragen anzuschneiden und einen Dialog entstehen zu lassen, der über die „technischen“ Details hinausgeht.

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17 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

david foster wallace, biografie;, postmoderne

Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte

Daniel Max , Eva Kemper
Fester Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462046717
Genre: Biografien

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57 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

noir, thriller, texas, sozialkritik, krimi noir

Galveston

Nic Pizzolatto , Gunter Blank
Fester Einband
Erschienen bei WALDE + GRAF bei Metrolit, 18.08.2014
ISBN 9783849300975
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Syndikats-Killer Roy Cady erfährt, dass er Lungenkrebs hat. Gleichzeitig will sein Boss ihn wegen einer Eifersuchtsgeschichte umbringen lassen. Roy, der glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben, kämpft – zu seiner eigenen Überraschung – dennoch um sein Leben. Als er einen Anschlagsversuch überlebt, flüchtet er. Im Schlepptau ein junges Mädchen, das zwischen die Fronten geraten ist. Und plötzlich regen sich in ihm, der in seinem ganzen Leben nie auf jemand anderen als sich selbst aufgepasst hat, Beschützerinstinkte. Für ihn, dessen Ende absehbar ist, geht es nun nur noch darum, das Mädchen in Sicherheit zu bringen und versorgt zu wissen.

Der Autor Nic Pizzolatto hatte hierzulande seinen Durchbruch als genialer Drehbuchautor und Entwickler der HBO-Serie True Detectives, die Anfang des Jahres in Amerika für Aufregung sorgte und im Frühjahr auch deutsche Fernseher und Köpfe erhellte. Tatsächlich schrieb Pizzolatto den Roman Galveston schon drei Jahre zuvor und als Metrolit die Rechte für die deutsche Übersetzung kaufte, zeichnete sich noch gar nicht ab, dass sein Name schon bald in aller Munde sein würde. Glück für den Verlag. Als der Roman im August auf dem deutschen Markt erschien, stand der Name des Autors trotz Debüt schon für Inhalte voller Spannung, Rohheit, menschlicher Abgründe, heruntergekommener Schauplätze und intensiver Dialoge.

Und so ist auch die Story von Galveston: heftig – die sozialen Umstände sind übel, die Orte der Handlung verwahrlost, die Darstellung der Gewalt bildlich. Die Sprache ist eindeutig, cool und rau. Dennoch lässt Pizzolatto immer wieder etwas aufblitzen – keine Hoffnung – eher Momente der Erkenntnis, die in diesem so unwirtlichen Plot fast schön wirken. Sprachlich ebenso wie in ihrer Lektion.

Auch die Beschreibungen Louisianas und Texas, die sinnliche Darstellung der Gegend, das alles macht diesen speziellen Landstrich greifbar und gibt dem Plot die spezielle Atmosphäre. Da schmeckt man das Metall der von der Schwerindustrie verpesteten Luft, wird geblendet von dem gleißenden Licht des Südens, das von den Sümpfen reflektiert wird, aus denen knorrige Bäume wie Mahnmale ragen. Pizzolatto, der in dieser Gegend aufgewachsen ist, seziert die Gegend seiner Kindheit – und zeigt, wie dicht das Schöne und das Hässliche beieinander liegen.

Als ein relativ neuer Anhänger des Genres sind meine Vergleichsmöglichkeiten sicher noch begrenzt, doch würde ich behaupten, Nic Pizzolatto hat mit Galveston den fast perfekten Gangsterroman im Stil des Noir geschrieben. Fast sage ich, weil mir ein, zwei Kniffe doch zu offensichtlich waren und die Geschichte deswegen nicht komplett überraschen konnte. Dennoch liest sich das Buch intensiv, mit manch einem Bild feiert man ein Wiedersehen, wenn man zuvor schon die unglaublich gut fotografierte Serie True Detectives gesehen hat. Doch hat das nicht den Charakter der Ideenlosigkeit, vielmehr wirkt es vertiefend. Und man ahnt, dass Nic Pizzolatto zu dem (Be)Schreiber des Südens der USA werden kann.

Galveston ist roh, hart, spannend, atmosphärisch. Metrolit kündigt in einem Nachwort eine Noir-Reihe an, die mit ein bis zwei Büchern pro Jahr ständig erweitert werden soll. Haben die kommenden Bücher eine ähnliche Qualität wie Galveston, können sich nicht nur die Fans des Genres freuen.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

The Doors und Dostojewski

Susan Sontag , Jonathan Cott , Georg Deggerich
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 12.08.2014
ISBN 9783455503302
Genre: Biografien

Rezension:

Susan Sontag – The Doors und Dostojewski
Susan Sontag ist drei Jahre alt, als sie lesen lernt. Mit sechs liest sie die Biografie von Madame Curie – das erste Buch, das sie wirklich fasziniert, wie sie sagt. Sie liest alles, was zu Hause so rumliegt. Mit dreizehn sind es Mann, Gide, Eliot, Kafka. Mit vierzehn trifft sie sich mit Thomas Mann, um mit ihm über den Zauberberg zu diskutieren. 1950 heiratet sie mit 17 den Soziologen Philip Rieff. Mit 19 bringt sie ihren Sohn David zur Welt. 1958 lässt sie sich scheiden und geht nach Paris. Fortan nennt sie zwei Städte ihr Zuhause – New York und Paris. Sie publiziert, schreibt Romane, inszeniert Stücke, dreht Filme, reist, um davon zu berichten. Unter anderem 1968 nach Hanoi. Das Leben einer Hochbegabten auf der intellektuellen Überholspur. Sie lebt, um zu denken – denkt, um zu leben - meint man, wenn man beginnt, sich mit ihrem Leben und ihrem Werk auseinander zu setzen. Sie ist regelrecht bildungssüchtig und sie scheut sich nicht, eine Meinung zu haben und sie zu vertreten. Auch wenn diese kontrovers ist oder im Widerspruch zu früher geäußerten Gedanken steht. Sie entwickelt sich weiter. Sie gestattet sich Perspektivwechsel. Ebenso wie sie sich gestattet, Kafka zu lieben und zu Bill Hailey zu tanzen. 

Als ich das erste Mal in “The Doors und Dostojewski” reinschnupperte, war mir Susan Sontag natürlich ein Begriff - als Autorin per se – aber, wenn ich ehrlich bin, eher als Lebenspartnerin der Fotografin Annie Leibovitz. Über Sontags Werk, ihr Leben, ihre Rolle als streitbare Intellektuelle der amerikanischen Gesellschaft wusste ich so gut wie nichts. Doch nach wenigen Sätzen war klar, dass dieses schmale Buch für mich Pflichtlektüre sein würde. Themen wie Musik, Literatur, Fotografie, Ästhetik, Moral, Ideologie und vieles mehr griffen Jonathan Cott und Susan Sontag auf, als sie sich im Jahre 1978 zweimal für ein Interview trafen, das Cott im Auftrag des Rolling Stone führen sollte. Für den ersten Teil kamen die beiden in Paris zusammen. Nach drei Stunden brach Sontag das Gespräch ab, da sie noch verabredet war, doch bat sie Cott, sie doch bald in New York zu treffen, da sie noch einiges zu sagen hätte. Sontag mochte Interviews. Diese Art des Dialogs lag ihr, denn auch aus dem Austausch bezog sie Inspiration. Und so sahen sie und Cott sich im November 78 wieder und redeten bis spät in den Abend. Am Ende wurde 1979 ein Drittel dieses Gesprächs im Rolling Stone veröffentlicht und 2014, zehn Jahre nach dem Tod Susan Sontags, erscheint das ungekürzte Interview - man möchte sagen „Endlich!“ - auch auf Deutsch. 

„The Doors und Dostojewski“ ist der perfekte Einstieg, um sich mit Susan Sontag und ihrem Werk in einem ersten Schritt vertraut zu machen. Sie schaffte es, eine Brücke zwischen Hoch- und Popkultur zu bauen. Sie extrahierte aus ihrem persönlichen Lebensweg so allgemeingültige Erkenntnisse, dass sie jenseits der persönlichen Betroffenheit neue Perspektiven boten - insbesondere, wenn man an ihre Essays „Krankheit als Metapher“ oder „Über Fotografie“ denkt. Beide Werke entstanden Mitte der siebziger Jahre und bilden den Gesprächsschwerpunkt im Interview. Sontag schrieb sie in einer Zeit, als sie den Krebs das erste Mal in ihrem Leben bekämpfen musste. Als sie sich mit Cott traf, hatte sie den Krebs so gut wie besiegt, dennoch war sie nach wie vor in Behandlung. Die Unmittelbarkeit dieser Erfahrung wird im Gespräch immer wieder spürbar, jedoch wirkt Sontag dabei distanziert, beobachtend und man beginnt zu ahnen, wie sehr sie vom Akt des Denkens durchdrungen ist - immer auf der Suche nach Zusammenhängen und neuen Erkenntnissen, egal in welcher Situation.

Meine persönliche Erkenntnis nach der Lektüre dieses Buches: Für mich bleibt Sontag auch zehn Jahre nach ihrem Tod ein faszinierender Charakter. Ihre Äußerungen sind auch 36 Jahre nach ihrem Gespräch mit Jonathan Cott noch immer von bestechender Logik, eingefühlt, differenziert und reflektiert. Susan Sontag war eine hochintelligente Persönlichkeit, die das Leben einer Gelehrten lebte, und dennoch greifbar blieb - weit davon entfernt, in einem Elfenbeinturm über den Dingen zu schweben. Und ihre Gedanken sind auch nach so vielen Jahren kein bisschen unmodern.



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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Es bringen

Verena Güntner
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 14.08.2014
ISBN 9783462046922
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Luis ist sechzehn Jahre alt und hat alles im Griff. Er lebt zusammen mit seiner jungen Mutter im fünfzehnten Stock einer Hochhaussiedlung. Sein bester Freund Milan und er haben ein paar Jungs um sich geschart, mit denen sie gemeinsam die Gegend unsicher machen, “Kurze” abkassieren, gemeinsam saufen und Mädels klar machen. Alles läuft. Die Regeln sind klar, die Hierarchien auch. Und den Dingen, die Luis versuchen, das Leben schwer zu machen – wie Sonnenuntergänge oder die Höhe – denen begegnet er, indem er sich ihnen stellt. Immer wieder.
Doch als Milan die Regeln bricht, muss Luis erkennen, dass er die Dinge weit weniger unter Kontrolle hat, als er annimmt.

Die Autorin Verena Güntner ist hauptberuflich Schauspielerin. Und das spürt man, wenn man Es bringen liest. Knapp und präzise sind die Schilderungen, rasant die Szenenwechsel und die Sprache ist Straßenjargon und Poesie. Die Figur des Luis ist intensiv, zart und hart zugleich. Man liebt mit ihm, man lacht mit ihm, man leidet mit ihm. Auch wenn er sich gemeinsam mit seinen Jungs alkoholisch „raufdichtet“. Auch wenn er den Dicken der Gruppe vorführt oder das dritte Mädchen an einem Tag abschleppt, um sich durch die Fickwetten das Geld für das Tattoo seiner Träume zu verdienen. Denn seine Absichten sind, so grausam das manchmal wirkt, gut – oder zumindest nicht schlecht.

Aber man liebt nicht nur mit ihm, man liebt ihn. Als alles zusammenbricht, ist jeder seiner Schritte, so sinnlos und verworren sie erscheinen mögen, nachvollziehbar. Er, der glaubte, alles im Griff zu haben und das Leben zu kennen, muss erleben, dass nicht alles bleibt wie es ist, dass sich Gefühle nicht an die Regeln halten, weder seine noch die der anderen und dass es manchmal leichter ist, nicht in den Ring zu steigen, sondern loszulassen und zu akzeptieren.

Es bringen ist ein Buch, das ich schon nach wenigen Seiten in mein Herz geschlossen habe. Die Derbheit der Sprache wirkt nie aufgesetzt. Der Rohheit wird grammatikalische Präzision und sprachliches Einfühlungsvermögen entgegengesetzt, die den Grundton nie billig oder gewollt erscheinen lässt. Luis ist trotz Herkunft und Lebensstil eine Figur voller Sensibilität und ich konnte mich ihm sehr schnell nicht mehr entziehen. Ebenso wenig seiner Mutter und seinem besten Freund Milan. Luis ist voller Liebe und Respekt für die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben. Diese Liebe wirkt an manchen Stellen ungewöhnlich intensiv.
Ich fand das ungeheuer spannend, ließ es doch einiges in diesem so konkreten Buch im Unkonkreten. Doch stellte sich mir die Frage: Ist dieses Buch ein Jugendbuch oder nicht? Sind diese Gefühle für Jugendliche nachvollziehbar oder ist das zu abstrakt. Ich habe bisher keine Antwort gefunden. Vom Verlag wird das Buch als Roman eingestuft, Lovelybooks ordnet Es bringen der Jugendliteratur zu. Und ich? Ich verspüre den großen Drang, das ausdiskutieren zu wollen. Vielleicht wagt ja jemand eine Einschätzung?

Aber jenseits dieser Frage bleibt nur zu sagen, die Autorin Verena Güntner hat mit Es bringen ein tolles Debüt geschrieben – intensiv, derb, komisch, sensibel. Gut geeignet, das „Oberstübchenmaterial“ auch längerfristig zu bereichern.

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

freundschaft, liebe, trauer, real life, wuli highlights

Die Interessanten

Meg Wolitzer , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.08.2014
ISBN 9783832197452
Genre: Romane

Rezension:

Als Julie Jacobsen 1974 mit sechzehn nach dem Tod ihres Vaters in das Sommercamp Spirit-in-the–Woods kommt, fehlt ihr das Gefühl der Zugehörigkeit in ihrem Leben. Doch in diesem Sommer wird sie Teil einer kleinen Gruppe, die sich halb ironisch „Die Interessanten“ nennt. Alle Mitglieder stammen aus New York City. Sie, die aus dem kleinen Kaff Underhill am Rande New Yorks kommt, bildet die Ausnahme, wird aber auf Grund ihrer Schlagfertigkeit und ihres Humors in die Gruppe aufgenommen. Das erste Mal hat sie das Gefühl, sich in einem Kreis aus Gleichgesinnten zu bewegen. Alle Mitglieder haben künstlerische Ambitionen. In diesem Sommer wird aus Julie Jules.

Die Freundschaft besteht über das Camp hinaus. Zwischen den Sommern fährt Jules so oft es geht nach New York, um sich mit den anderen zu treffen. Das Labyrinth, wie das Zuhause von Ash und Goodman genannt wird, wird der Treffpunkt der Gruppe und für Jules werden die Wolfs zu einer zweiten Familie – die Familie, die sie ihrer Ansicht nach hätte haben sollen. Die Jahre vergehen. Es folgen Studium und die ersten beruflichen und künstlerischen Gehversuche. Die Gruppe erlebt aber auch erste Prüfungen ihrer Freundschaft und muss den Verlust zweier Mitglieder verkraften. Doch der Kern bleibt bestehen und alle stehen, trotz der unterschiedlichen Wege, die die einzelnen Mitglieder im Laufe der nächsten vierzig Jahre einschlagen werden, weiterhin in engem Kontakt und nehmen Anteil am Leben der anderen.

Meg Wolitzer greift in „Die Interessanten“ unterschiedliche Themen auf. Es geht um die Definition der eigenen Identität - gemessen an den eigenen Möglichkeiten, aber auch im Vergleich zu anderen. Es geht um das Erarbeiten und das Loslassen von Träumen und Vorstellungen seiner selbst. Es geht um Geheimnisse, Moral, Loyalität, Freundschaft und Familie.

Doch Wolitzers Hauptthema ist die Kunst selbst und die beleuchtet sie in all ihren Facetten. Jede einzelne Figur besetzt dabei einen klassischen Archetypus der Kunstszene: Ethan Figman, das Ausnahmetalent, dem nichts geschenkt wird und der, so sehr er seine Familie liebt, doch nur in seiner Arbeit das Gefühl von Vollständigkeit und Sinn findet. Ash, die talentierte Tochter aus gutem Hause, die nie die existenzielle Frage ihres Handelns stellen muss und trotz ihres Talents ihren begrenzten Ehrgeiz hinter der Förderung ihres Mannes versteckt. Jules, deren Drang dazuzugehören eine realistische Sicht auf ihr begrenztes Talent und ihre körperliche Durchschnittlichkeit lange nicht zulässt. Jonah, der Sohn einer berühmten Folksängerin, dessen herausragende musikalische Begabung in seiner Kindheit durch einen Showbiz-Kollegen seiner Mutter missbraucht wird. Kathy, die mit viel Talent und Ehrgeiz gesegnet ist und als Tänzerin an ihrer körperlichen Entwicklung scheitert. Goodman, der Blender, depressiv, geheimnisvoll, intensiv – jedoch ohne spezielles Talent. Und nicht zuletzt Edie und Manny Wunderlich, die Besitzer und Leiter des Camps, die für die Förderung und den Glauben an den Ausdruck und die Kreativität stehen.

Die Tatsache, dass der Roman einen Zeitraum von vierzig Jahren umfasst, erlaubt zusätzlich zu der persönlichen Perspektive der Protagonisten einen Blick auf den Kunstmarkt und dessen Kommerzialisierung im Laufe der Jahrzehnte. Immer wieder fügt Wolitzer Passagen ein, die sowohl die Entwicklung der Stadt New York und ihren Einfluss auf die Kunst zeigen, als auch die sich wandelnden Ansprüche an die Kunst und die Künstler durch die Sammler und Konsumenten. Wolitzer eröffnet dadurch die grundsätzliche Sicht auf ein Thema, welches in seinem kreativen Akt scheinbar individuell und frei ist und doch immer wieder dem Zeitgeist unterliegt.

Stilistisch erinnert „Die Interessanten“ an Autorenkollegen wie Franzen, Eugenides oder Buwalda. Aus wechselnden Perspektiven der dritten Person erlebt der Leser das Scheitern, den Neid und die Selbsterkenntnis ebenso wie den Erfolg und den damit verbundenen fast irrwitzigen Reichtum einzelner Protagonisten, deren Fäden immer wieder voneinander gelöst werden, um an anderer Stelle erneut miteinander verknüpft zu werden.

Ich persönlich liebe solche Geschichten und natürlich war Meg Wolitzer für mich Pflicht. Doch blieb das Buch etwas hinter meinen, zugegebenermaßen sehr hohen, Erwartungen zurück. Einen Zeitraum von vierzig Jahren umreißen zu wollen, ist ehrgeizig. Auf der einen Seite ist das sehr spannend zu lesen, da es ein umfassendes Bild entsteht, auf der anderen Seite fehlte es mir hin und wieder an Tiefe und Intensität. Vor allem in den letzten Jahren.

Dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht, „Die Interessanten“ zu lesen. Es ist ein wirklich gutes Buch, das ich unbedingt allen Fans zeitgenössischer amerikanischer Literatur empfehlen möchte.

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75 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

angst, liebe, ada, roman, fische

Wurfschatten

Simone Lappert
Fester Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Metrolit Verlag, 18.07.2014
ISBN 9783849300951
Genre: Romane

Rezension:

Ada ist eine 25-jährige Bühnenschauspielerin. Sie ist auf ihre Art schön, sie ist talentiert, sie hat Freunde und ein kleines Engagement. Und sie hat Angst. Angst vor Krebs, Angst vor Naturkatastrophen, Angst vor Unfällen – Angst vor dem Tod in jeder Form. Und Angst vor der Angst. Das bestimmt ihr Leben.
Das kleine Engagement ist so klein, dass Ada kaum genug Geld zum Leben verdient, doch ignoriert sie diese Tatsache. Sie hat sich in der Angst eingerichtet, hat Strategien entwickelt, mit ihr umzugehen. Nach außen bemüht sie sich um den Anschein von Normalität. Ihre Freunde wissen von nichts. Doch ihre Situation verschlechtert sich von Tag zu Tag, wird in jeder Hinsicht existenziell.
Irgendwann wird das Geld so knapp, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen kann. Doch der ihr gewogene Vermieter findet eine Lösung. Statt zu räumen, bekommt Ada einen Mitbewohner – Juri, seinen Enkel. Adas mühsam erschaffenes Gefühl von Kontrolle wird auf eine harte Probe gestellt.
Das Chaos, das Juris Anwesenheit bei Ada anrichtet, zwingt sie zum Handeln. Die Strategien greifen nicht mehr, neue müssen her. Doch wie? Und wer ist der Kerl überhaupt? Die beiden umkreisen sich, ohne sich zu begegnen. Plötzlich konzentriert Ada sich auf etwas anderes als sich selbst. Doch ihre subtilen Versuche, ihn zu vergraulen, scheitern. Als Juri die Gelegenheit auslässt, Ada vor ihren Freunden bloßzustellen, kommen die beiden endlich ins Gespräch.

Simone Lappert hat mit Wurfschatten ein physisch schmales Buch geschrieben, das inhaltlich jedoch alles andere als dünn ist. Im Zentrum stehen Ada und ihr Leben in Angst. Lappert liefert dabei keine Erklärung für Adas Zustand. Stattdessen zeigt sie konsequent aus Adas Perspektive, wie es ist, wenn einem das Urvertrauen abhanden kommt. Wie es ist, in einer Welt aus Scham, Angst und Verwirrung gefangen zu sein.

Auch wenn Lappert von der ersten Seite an ihren klaren, bildhaften Stil voll von poetischer Kraft entfaltet, muss ich zugeben, dass es mir schwer fiel, mich auf die enge, graue Welt der Angst und der Abgeschnittenheit einzulassen. Am Ende ignorierte ich jedoch meine 20-Seiten-Regel und blieb auf Grund der Sprache und der Ahnung, dass das nicht alles sein konnte. Und ich wurde belohnt – mit einer der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem lesen durfte.

Der Plot ist dabei im besten Sinne kurzweilig, hat bei aller Zartheit auch seine komischen Momente. Simone Lappert gelingt es dennoch, sich von jeglichem Klischee fernzuhalten, Bilder sprechen zu lassen, die kein bisschen plakativ sind und die Tiefe der Gefühle sprachlich auszuloten ohne auch nur einmal ins Formelhafte abzugleiten. (Ich bin nicht sicher, aber ich meine, dass Wort Liebe fällt nicht einmal zwischen den beiden Protagonisten) Dabei schafft sie zwei Charaktere, die in ihrer Verletzlichkeit nahe gehen, die, so unterschiedlich sie sind, den Schmerz des anderen erkennen und zulassen.

Ada und Juri sind das Paar einer Generation, die in einer Zeit der schwindenden Grenzen und der maximalen Möglichkeiten und Freiheiten lebt – und der daraus entstehenden Entwurzelung. Erst als sie die Erwartungen ihrer Zeit loslassen, sich selbst und die jeweiligen Situationen, in denen sie sich befinden, akzeptieren, sind sie fähig, den nächsten Schritt zu gehen.

Und das tun sie gemeinsam. Und das berührt.

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160 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

liebe, erste liebe, freundschaft, trennung, jugendbuch

43 Gründe, warum es AUS ist

Daniel Handler , Maira Kalman , Birgitt Kollmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.07.2013
ISBN 9783446243132
Genre: Jugendbuch

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(7)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Einsame Tiere

Bruce Holbert , Peter Torberg
Fester Einband
Erschienen bei Liebeskind, 25.08.2014
ISBN 9783954380343
Genre: Romane

Rezension:

Nespelem, Washington State, in den 1930er-Jahren. Ein Serienkiller versetzt die Gegend in Unruhe. Seine Taten zeichnen sich durch Grausamkeit und Zurschaustellung aus. Der ehemalige Sheriff Russell Strawl, der für seine Verbissenheit und seine Grausamkeit berüchtigt ist, wird von drei Countys gemeinsam gebeten, sich des Falls anzunehmen. Selbst gerade in einer finanziellen Krise und froh, von Hof und Familie weg zu kommen, sattelt er noch einmal sein Pferd, um sich an die Fersen eines Mörders zu heften. Bei der Überprüfung der Verdächtigen hinterlässt er eine Spur der Gewalt, die seinem Ruf entspricht und viele glauben lässt, er jage im Grunde nur seinen eigenen Schatten. Als Strawl jedoch bei einem Pokerspiel seinen Pflegesohn Elijah trifft, schließt dieser sich ihm an. Gemeinsam machen sie sich daran, den immer kleiner werdenden Kreis von Verdächtigen zu überprüfen. Doch der Mörder ruht nicht.

Bruce Holbert beschreibt in Einsame Tiere neben der Kriminalhandlung vor allem eine Zeit des Umbruchs. Als Strawl sich noch einmal auf sein Pferd setzt, um einen Mörder zu jagen, ist er 63 Jahre alt und fast schon ein Anachronismus. Wandel und Zivilisation dringen selbst in seinen Lebenswinkel – einen der letzten rauen der Vereinigten Staaten – vor. Autos verdrängen Pferde, Staudämme werden gebaut, Regionen werden zu Naturparks erklärt.
Das Gesetz und der Staat nehmen immer mehr Einfluss. Die Feindbilder verlieren an Klarheit. Waren es die Indianer, die es zu Strawls Zeiten zu bekämpfen galt, leben diese nun in zugewiesenen Reservaten, kontrolliert von der BIA, dem Bureu of Indian Affairs. Sie finden ihren Platz in der neuen Ordnung jedoch genauso wenig wie die Alten, die noch in den Indianerkriegen gekämpft haben.

Die Alten, wie Strawl einer ist, sind wie Tiere, instinktgesteuert, mit ausgeprägten Sinnen und einem weiten Blick, an Einsamkeit und die unmittelbare Grausamkeit der Natur gewöhnt. Daraus resultieren ihre Härte, ihre Wortkargheit. Und doch ziehen die Grausamkeiten in ihrem Leben nicht spurlos an ihnen vorbei. Ihr Handeln leitet sich davon ab. Es geht ums Überleben, das Aushalten und die Entscheidungen, die man trifft. Strafverfolgung und Verurteilung werden weniger nach Recht und Gesetz vorgenommen, eher nach Ermessen und Notwendigkeit. Dabei zählt ein Leben nur so viel, wie es für die Gemeinschaft wert ist.

Einsame Tiere ist ein grausames Buch. Ein Buch voller Härte, Rohheit und Entmenschlichung. Und dennoch ist es auch ein Buch voller Gefühl, Verwundung und Schmerz. Bruce Holbert zeigt bei aller Unbarmherzigkeit eine hohe Sensibilität für seine Protagonisten, macht diese, so schwer es manchmal scheinen mag, nachvollziehbar. In Rückblenden zeichnet er Strawls Lebenslauf und den seiner Familie nach und spiegelt auf diese Weise auch die Geschichte und die Gesellschaft eines weiten, kaum bezwungenen Landes, das niemandem etwas schenkt und allen alles abverlangt.

Mich persönlich hat vor allem beeindruckt, wie Holbert durch seine präzisen Beschreibungen Bilder dieser längst vergangenen Zeit und der Weite der Natur aufgehen lässt. Natürlich lässt er dabei alle Schlüsselszenen eines Western einfließen – das Pokerspiel, die Lagerfeuerromantik, die Saloon-Szene, wortkarge Begegnungen, die sich über Stunden hinziehen. Dennoch wirkt das nie klischeehaft. Man kann sich die Typen, die Gegend, die Kargheit der Menschen und der Natur unglaublich gut vorstellen. Dabei vernachlässigt er nur selten das Tempo und lässt genug Raum für überraschende Wendungen und tiefe emotionale Eindrücke, deren Nachhall den Leser betroffen zurücklassen.

Was dieses Buch aber zu einem der besten Bücher macht, die ich dieses Jahr bisher lesen durfte, ist Bruce Holberts Stil. Er streut immer wieder sehr geschickt Passagen von philosophischen und emotionalen Erkenntnissen in die Handlung ein, die sich wie kleine Sprachbomben lesen. Beim ersten Lesen zünden sie und man hält für einen Moment inne. Was war das? Man liest sie ein zweites, vielleicht ein drittes Mal und dann gehen sie hoch in ihrer ganzen Wucht. Es sind vor allem diese Passagen, die auf mehr hoffen lassen von dem Debütanten Bruce Holbert.

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

dystopie, 2. weltkrieg, parallelwelt, sally gardner, anderer lauf der geschichte

Zerbrochener Mond

Sally Gardner , Ingo Herzke
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.08.2014
ISBN 9783551583079
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist das Jahr 1959. Ein totalitäres Regime beherrscht einen Großteil der Welt. Standish Treadwell ist 15 Jahre alt und lebt mit seinem Großvater in Zone 7, einem Sektor des Mutterlandes. Seine Eltern sind verschwunden.

Es gab viele Vermisste: Nachbarn und Freunde, die wie meine Eltern einfach ausradiert waren, ihre Namen einfach ausradiert, jede Kenntnis von ihnen von den Behörden verleugnet. Damals war mir klar geworden, dass die Welt voller Löcher war, in die man fallen konnte, ohne je wieder aufzutauchen.
Er kann weder Lesen noch Schreiben und seine Augen haben zwei verschiedene Farben. Im Grunde ist es ein Wunder, dass er noch immer da ist und zur Schule gehen darf. Von seinen Mitschülern und Lehrern wird er misshandelt.

Das einzige, was ich lesen konnte, war das riesengroße Wort quer über dem Bild vom Mond. Das haute einem direkt aufs Maul, das Wort. MUTTERLAND. Weil ich dumm war und nicht richtig auf liniertes Papier passte, saß ich schon so lange hinten in der Klasse, dass ich so gut wie unsichtbar geworden bin. Bloß wenn Mr. Gunnells Panzerarme mal wieder ein bisschen Training brauchten, rückte ich ins Blickfeld.
Das ändert sich, als die Lushs in sein Leben treten. Die Familie, vom Mutterland wegen Verweigerung in Zone 7 verbannt, schließen sich Standish und seinem Großvater an. In Hector, dem Sohn der Lushs findet Standish einen Verbündeten, der ihn schützt und ihm bereitwillig folgt auf seinen Reisen zum Phantasieplaneten Juniper.

Ich hatte keine Nacht durchgeschlafen, seit meine Eltern weg waren…Nur wegen Hector fing ich wieder richtig zu schlafen an….Gramps und ich, Hector und Mr. und Mrs. Lush fingen an, gemeinsam zu essen, und allmählich verbrachten wir immer mehr Zeit zusammen. Wir waren eine gute Familie.

Alles ändert sich, als Hector heimlich die verbotene Zone betritt, um einen verschossenen Ball zu suchen. Er findet nicht nur diesen, sondern öffnet auch dem größten Geheimnis des Mutterlandes die Tür.

„Zerbrochener Mond“ ist eine Dystopie. Es wird mit der Idee gespielt, was gewesen wäre, wäre der Zweite Weltkrieg anders ausgegangen. Aber vor allem ist es die Geschichte eines Jungen, der anders ist und versucht, in einer Welt zu überleben, in der Andersartigkeit gnadenlos verfolgt und im Zweifel mit dem Tod bestraft wird. Dennoch bleibt er bei sich und geht seinen Weg – Menschen um ihn herum schützen ihn, so gut sie können. Doch Spießgesellen, Blattläuse und Ledermänner verfolgen ihn, zwingen ihn, buchstäblich einen Pfad einzuschlagen, an dessen Ende unerwartete Möglichkeiten, aber auch das Schicksal liegen.

Sally Gardner wählt die Ich-Perspektive und lässt Standish seine Geschichte in knappen Kapiteln und Rückblenden erzählen. Das sorgt für ein rasantes Erzähltempo und immer wieder für überraschende Wendungen. Aber vor allem lässt diese Struktur viel Raum für das Nachklingen kluger Gedanken und wunderschöner Formulierungen. Es ist unglaublich berührend, wenn man die Hingabe erkennt, mit der Standish an die guten Menschen um sich herum und an eine bessere Welt glaubt. Wie offen sein Herz trotz aller gemachten Erfahrungen ist – ohne dabei jedoch Naiv zu sein.

„Zerbrochener Mond“ ist ein äußerst spannendes, überraschendes, gefühlvolles und poetisches Buch, das einen auf eine Reise mitnimmt, an die man sich noch lange erinnern wird und an deren Ende man sich wünscht, ein bisschen mehr wie Standish Treadwell zu sein.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

agonie, schriftsteller, drogen, new york city

Taipeh

Tao Lin , Stephan Kleiner
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.08.2014
ISBN 9783832197667
Genre: Romane

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

glücksspiel, casino, roman, kanada, ehe

Die Chance

Stewart O'Nan , Thomas Gunkel ,
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 18.07.2014
ISBN 9783498050429
Genre: Romane

Rezension:

Als ein letzter Akt ihrer fast dreißig Jahre währenden Ehe fahren Art und Marion Fowler, typische Vertreter des amerikanischen Mittelstandes, noch einmal zu den Niagara Fällen, dem Ort ihrer Flitterwochen. Doch jetzt stehen sie vor der Scheidung. Das Haus steht zum Verkauf und beide haben keinen Job mehr. Die Privatinsolvenz droht. Sie kratzen ihr letztes Geld zusammen - eigentlich kann man schon lange nicht mehr von ihrem Geld sprechen – um ein paar gemeinsame Tage vor der Scheidung miteinander zu verbringen und im Casino alles auf eine Karte zu setzen.

Stewart O‘Nan schildert drei Tage eines Paares in den Fünfzigern, das vor den Scherben seiner Existenz steht. Dabei ist dieses Paar selbst, ebenso wie die Geschichte der fast dreißig gemeinsamen Jahre, von erschütternder Durchschnittlichkeit. Es gibt zwei Kinder, ein Haus, gemeinsame Reisen, Wünsche, gute und schlechte Entscheidungen, Fehltritte, Alltag. Man bekommt schnell das Gefühl, nicht nur die Geschichte von Art und Marion zu lesen sondern die des amerikanischen Mittelstands. Schnörkellos, schonungslos.

Der Weg, den die beiden wählen, um sich dem Lauf der Dinge zu stellen, ist jedoch alles andere als durchschnittlich. Statt sich in Verbitterung zu ergehen und die Schuld dem System, dem Partner oder den Umständen zu geben, erkennen sie, jeder für sich, die eigenen Fehler an und verschaffen sich eine letzte Chance, um das eigene Schicksal zu ändern. Sie reisen zu den Niagara Fällen, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Während Art hofft, durch die gemeinsamen Tage retten zu können, was noch zu retten ist, sind sie für Marion die Möglichkeit, versöhnlich abzuschließen, um danach allein weiter zu machen. 

Durch die Perspektive des allwissenden Erzählers, der jedoch in szenischen Wechseln mal bei ihr, mal bei ihm, mal im Allgemeinen verweilt, entsteht ein Bild des Loslassen, doch ebenso ein Bild des –schon langjährigen - Ringens um eine Beziehung zweier Menschen, die bei aller Unterschiedlichkeit auch immer gemeinsame Ziele verfolgten. 

Stewart O’Nans Gabe ist es, seine Figuren – manchmal fast bis zur Unerträglichkeit - glaubwürdig darzustellen. Auch in „Die Chance“ zeigt er wieder sein ganzes Können. Marion und Art sind keine Helden. Sie sind Wir. Sie sind nur ein Spiegelbild von uns allen -frei von Poesie und mit all den Ambivalenzen, die Leben und Sein mit sich bringen. Und sie ergreifen eine letzte Chance.

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

freundschaft, musik, 2014, gitarre, band

Echo

Jan Christophersen
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 11.03.2014
ISBN 9783866482043
Genre: Romane

Rezension:

Die 17-jährige Gesa und der 15-jährige Tom kennen SICH flüchtig, als sie 1989 gemeinsam an einem Austauschprogramm ihrer Schule teilnehmen. In Polen vertieft sich die Verbindung der beiden an sich so gegensätzlichen Menschen und eine Freundschaft entsteht.

Die Jahre vergehen. Gesa bleibt in Flensburg, studiert Pädagogik und lebt mit ihrer Jugendliebe Sascha zusammen, mit dem sie, zehn Jahre nach der Polenreise ihr erstes Kind bekommt. Sie ist geerdet, „eingenordet“, in ihrer vertrauten Umgebung eingebunden – so braucht sie es. Tom hingegen, der in Polen seinen „Sound“ als Musiker gefunden hat, entscheidet SICH für ein Leben in der Schwebe. Immer unterwegs, zuerst noch mit seinen Bandkollegen aus Schulzeiten. Doch nach einem traumatischen Erlebnis trennen sich ihre Wege und Tom schlägt sich von da an allein als Musiker durch. Für ihn, den Unnahbaren, den In-Sich-Gekehrten, ist Gesa der Fels, das Zuhause, seine Vertraute. Das zwischen den Beiden trotz aller Gegensätzlichkeit von Beginn an etwas Tieferes mitschwingt, wird von beiden geflissentlich übersehen – bis zu Gesas Hochzeit.

Jan Christophersen schildert in „Echo“ anhand von drei Episoden, die sich über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren erstrecken, die Geschichte einer Freundschaft, die von tiefem Verständnis und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Dabei wählt er konsequent Gesas Perspektive, um die Geschichte zu erzählen. Durch sie erfahren wir von Tom, seinem Leben, seinen REISEN, seiner Musik, seinen Ambitionen, die so ganz anders sind als ihre eigenen. Verbunden sind die Beiden durch ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse des Anderen und die Liebe zur Musik. Gesa lernt durch Tom, Musik zu hören. Schon in Polen begreift sie instinktiv, dass der so verschlossene Tom über Klang ausdrückt, was er nicht in Worte fassen kann. Er spürt, dass sie das respektieren kann und öffnet SICH ihr, hält Kontakt, sucht ihren Rat. Immer wieder schickt er ihr von unterwegs Postkarten. Gedankenfragmente, die seine Stimme in der Geschichte  sind, unkommentiert eingeflochten, mit denen dem Leser ein Tom jenseits von Gesas Wahrnehmung gezeigt wird.

Man fragt sich als Leser jedoch schon sehr früh, ob „Echo“ tatsächlich nur die Geschichte einer Freundschaft ist. Zwischen den beiden Protagonisten schwingt von Beginn an so etwas wie Sehnsucht mit. Eine Sehnsucht, die zum Mythos zwischen zwei Menschen werden kann, wenn sie nicht eingestanden wird.

Tom und Gesa verstricken sich – und in dieser Hinsicht sind sie sich bei aller Gegensätzlichkeit ähnlicher als es ihnen gut tut – darin, dem anderen bloß nicht zu nahe zu treten. Sie lesen aus den Reaktionen und Gesten des anderen heraus, wie er tickt, was man ihm zumuten kann und was man lieber ungesagt lässt. Daraus leiten sie ihr eigenes Handeln ab, und nur noch in MIKROSKOPISCHEN Gesten und Blicken wird aufgezeigt, was möglich sein könnte, wenn nur einer diesen „Pfad der Tugend“ verlassen würde.

Nichtoffenbarte Gefühle – im Grunde ein Klassiker unter den Plots, doch Jan Christophersen erzählt diese Geschichte vielschichtig und mit einem feinen Gespür für die Zwischentöne. Er bedient SICH dabei einer Sprache, die unmittelbar mit dem emotionalen Aspekt des Beschriebenen verbunden ist. Knappe Sätze, stakkatoartige Aufzählungen im Wechsel mit verschachtelten Beschreibungen lassen den Leser spüren, was sich die Hauptfiguren nicht einmal selbst eingestehen wollen.

„Echo“ ist ein Buch, das ich mit Spannung gelesen habe. Das mag daran liegen, dass mich Geschichten über Möglichkeiten, ob eingelöst oder nicht, besonders reizen. Der Autor schafft es jedoch darüber hinaus, dem selbst von ihm Ungesagten eine Stimme zu geben und dies in einer Intensität, dass man noch lange, nachdem man die letzte Seite gelesen hat, darüber nachdenkt , Möglichkeiten durchspielt, Gesten neu deutet oder Zusammenhängen nachspürt.

Wer das mag, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fantasie, 2. weltkrieg, wal, august locher, wald

Grimms Erben

Florian Weber , Kai Büschl
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei WALDE + GRAF bei Metrolit, 20.08.2012
ISBN 9783849300005
Genre: Romane

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92 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

tod, familie, verlust, roadtrip, freundschaft

Zweiundzwanzig

Jean-Philippe Blondel , Sophia Hungerhoff
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 04.02.2014
ISBN 9783866481848
Genre: Romane

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Marienbilder

Tamara Bach
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.01.2014
ISBN 9783551582997
Genre: Jugendbuch

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15 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

dandy, morphin, warschau, expressionistisch

Morphin

Szczepan Twardoch , Olaf Kühl ,
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 07.03.2014
ISBN 9783871347795
Genre: Romane

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

fischer, verbrechen, erwachsenwerden, coming-of-age, seefahrt

Der Himmel über Greene Harbor

Nick Dybek ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 12.02.2013
ISBN 9783866481602
Genre: Romane

Rezension:

Cal ist 14 Jahre alt, als er von heute auf morgen erwachsen werden muss. Er lebt als Sohn eines Fischers in Loyalty Island, einem kleinen Fischerort auf der Olympic-Halbinsel an der Küste von Washington State.

"Loyalty Island – das war der Gestank von Hering, Lackfarbe und fauligem Seetang an Anlegestellen und auf Stränden. Der Geruch von Kiefernnadeln, die sich am Boden braun verfärbten. Das Rumpeln von Außenbordmotoren, von Windböen und Eismaschinen, das Heulen hydraulischer Winschen. Es war graues Dämmerlicht, das morgens und abends kam und ging – wie Ebbe und Flut."

Das Leben dort ist geprägt von der Krebsfischerei. Zur Fangsaison fahren die Männer raus aufs Meer, nach Alaska, und kehren erst ein halbes Jahr später wieder heim. Während die Männer auf hoher See sind, einzelne Gliedmaßen oder auch das Leben aufs Spiel setzen im winterlichen Pazifik, kümmern sich die Frauen darum, dass es an Land weitergeht, allein auf sich gestellt, isoliert vom Rest der Welt, immer auch in der Erwartung schlechter Nachrichten. Dieser Rhythmus prägt die Menschen von Loyalty Island seit Generationen.

"Die Zurückbleibenden igelten sich ein. Den ganzen Herbst, den ganzen Winter lebten wir – so kam es uns vor – an der Grenze zum richtigen Leben, das sich woanders abspielte. Es schien, als ob wir die Abwesenden waren, nicht die anderen, dass wir diejenigen waren, die sich verabschiedet hatten."

Doch 1986 droht sich alles zu ändern. John Gaunt, Besitzer der Fangflotte, Inhaber der Fischereirechte und der verarbeitenden Industrie vor Ort, stirbt. Richard, sein einziger Sohn, wird Universalerbe. Doch Richard denkt nicht daran, dass Erbe seines Vaters fortzuführen. Die Beziehung zu seinem Vater und seiner Heimat ist von Hass geprägt. Er hat in seinem ganzen Leben keinen Fuß auf ein Fischerboot gesetzt. Als die Fischer, deren Boss Richard nun ist, erkennen, dass dieser ihnen droht, durch den Verkauf der Fangrechte die Existenzgrundlage zu entziehen, sehen sie sich gezwungen zu handeln.

Nick Dybek hat in meinen Augen mit „Der Himmel über Greene Harbor“ ein unglaublich gutes Buch geschrieben. Vielschichtig sind die Themen: Erwachsenwerden, Väter und Söhne, Loyalität, Freundschaft, Verantwortung, moralische Integrität und die Frage, wie weit man als Einzelner, aber auch als Gemeinschaft gehen würde, um die Existenz zu sichern.
Konsequent erzählt er die Geschichte aus der Sicht des 14-jährigen Cal, Sohn eines der Skipper. Ein Kniff Dybeks, den ich aus unterschiedlichen Gründen großartig finde: Er erlaubt damit dem Leser eine unschuldige Sicht auf die Vorgänge. Es sind lediglich Puzzleteile, Gespräche, die Cal belauscht, Erlebnisse und Beobachtungen, die ein Bild der Vorkommnisse ergeben. Ob dieses Bild mit den tatsächlichen Geschehnissen übereinstimmt, welche Entscheidungen wer getroffen hat und wohin genau diese führen, man weiß es nicht. Die Dinge entwickeln sich, sie widerfahren Cal, denn sein Leben wird natürlich noch von den Handlungen der Erwachsenen bestimmt - er muss die Konsequenzen tragen.
Doch ein 14-Jähriger fängt an, sich eigene Gedanken zu machen, sich von seinen Eltern zu distanzieren und ihre Handlungen zu hinterfragen. Und so beginnt auch Cal seinen eigenen Weg auszuloten.

"Offensichtlich war mir klar, dass es für mich ein Leben jenseits von Loyalty Island geben könnte. Ich hatte nur keine Ahnung, wie anders die Welt auf der anderen Seite des Pudget Sounds und des Kaskadengebirges aussah. Mir war nicht klar, was es bedeutete, in Loyalty Island zu bleiben und mir einen Platz auf den Schiffen bei meinem Vater zu erarbeiten. Es hieß nicht etwa, alles erreicht zu haben – es bedeutete vielmehr, unermesslich viel verpasst zu haben."

Bemerkenswert ist für mich, wie glaubwürdig und sensibel Dybek diese Entwicklung schildert. Die Aufsässigkeit, die Herzlosigkeit gegenüber der Mutter, die einen selbst überrascht, der Trotz aber auch die Verwirrung. Der Wunsch, das Richtige zu tun und die Erkenntnis, nicht mehr sicher zu wissen, was das Richtige ist. Für 320 Seiten war ich wieder 14 Jahre alt.

Aber jenseits davon hat mich vor allem Dybeks sprachliche Wucht beeindruckt. Die Art, mit der er das Leben der Fischer beschreibt, die Entbehrungen, die Gefahren, aber auch die Gründe dafür, all das immer wieder aufs Neue auf sich zu nehmen. Man riecht das Salz, hört die Möwen über sich kreischen, rast mit dem Krabbenkorb in die Tiefe, wird von einem Brecher über das Deck geschleudert.

"Wenn sie arbeiten, gibt es weder Tag noch Nacht. Keine Zeit zu essen, keine Zeit zu schlafen, keine Arbeitszeit, keine Zeit zu spielen, keine Ruhezeit. Es ist alles eine einzige große Schmiere. Sie haben alles plattgemacht, die Zeit zerfetzt. Aber sie machen alles gemeinsam. Ich glaube, das ist es, was Liebe bedeutet, dieses Ding, das Zeit zerstört. Man braucht keine Zeit mehr."

Mit „Der Himmel über Greene Harbor“ hat Nick Dybek ein Debut geschrieben, das alles hat, was eine gute Geschichte haben muss - es ist spannend, überraschend, vielschichtig, sensibel, klug.
Herausragend wird dieses Buch aber für mich - zum einen - durch die sprachliche Eindringlichkeit, die Intensität seiner Beschreibungen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich die Luft angehalten, geseufzt oder Laute der Überraschung oder des Schrecks von mir gegeben habe. Zum anderen gelingt dem Autor eine thematische Tiefe und Vielfalt ohne das Buch zu überfrachten. Nachdem ich die letzte Seiten gelesen hatte, dachte ich noch Tage lang über die Geschichte nach und stellte dabei immer wieder neue Zusammenhänge her.

„Der Himmel über Greene Harbor“ ist eines der ganz wenigen Bücher, das ich noch einmal lesen möchte. Zu sagen „Unbedingt Lesen!“ reicht nicht. Ich gehe soweit und sage, ein Verlust für jeden, der es nicht liest. 

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478 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

freundschaft, japan, liebe, finnland, haruki murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 03.01.2014
ISBN 9783832197483
Genre: Romane

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(281)

427 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 23 Rezensionen

liebe, einsamkeit, mathematik, italien, magersucht

Die Einsamkeit der Primzahlen

Paolo Giordano , Bruno Genzler
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2010
ISBN 9783453408012
Genre: Romane

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(3)

14 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Der Garten der Dissidenten

Jonathan Lethem , Ulrich Blumenbach
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Tropen, 21.02.2014
ISBN 9783608501162
Genre: Romane

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