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c.bertelsmann, chloé klein, dean reeve, detective chief inspector, dr. frieda klein, england, englischer krimi, ermittlung, french, frieda klein, london, mord, nicci french, spannung, thriller

Blutroter Sonntag

Nicci French , Birgit Moosmüller
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 30.10.2017
ISBN 9783570103166
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Blutroter Sonntag - da könnte es um einen knalligen Sonnenaufgang gehen. Oder einen romantischen Sonnenuntergang. Aber weit gefehlt. Es handelt sich um einen Krimi mit Mord und Totschlag. Also meint blutrot genau das, was es meinen soll: Blut und rot eben. Und der "Blutrote Sonntag" stellt das Ende einer Wochenserie dar, die mit "Blauer Montag" beginnt, als "Eisiger Dienstag" fortgesetzt wurde, über den "Schwarzen Mittwoch" zum "Dunklen Donnerstag" führte, der wiederum vom "Mörderischen Freitag" abgelöst wurde um Platz zu schaffen für den "Bösen Samstag".
Und ganz ehrlich - ich bin froh, dass die Woche nicht noch mehr Tage hat.
Auch wenn ich Montag bis Samstag nicht gelesen habe, so reicht der Sonntag, mir die gesamte Woche zu vergällen.

Abgesehen von Plot, der derart wirr ist, dass man als Leser eigentlich nur den Kopf schütteln möchte. Am liebsten den des Autoren. Und ja - den der Übersetzerin gleich mit.
Unter den Wohnzimmerdielen von Frieda Klein, ihres Zeichens Psychoanalytikerin, findet sich eine Leiche. Hä?
Und wie bitte, kam die dorthin? Das fragt sich nämlich keiner. Zumindest nicht auf den ersten 100 Seiten, die mir mehr Pein bereiteten als ein veganes Frühstück. Es scheint auch niemand zu interessieren. Ist halt so. Dann ist es ausgerechnet auch noch der Privatdetektiv, den die Klein beauftragt hatte, ihren Widersacher Dean Reeve ausfindig zu machen. Obwohl der nach herkömmlicher Auffassung längst tot ist. Einzig Frieda - weiß Gott, einen langweiligeren Namen zu finden, war wohl nicht möglich. Und dann noch Klein! - hält ihn am Leben. Im Denken, Fühlen, Handeln.

Nach dem Leichenfund, der die kleine Frieda keinesfalls davon abhält, wieder in ihr Haus zurückzukehren, werden ihre Angehörigen und Freunde drangsaliert und bedroht. Ach Gottchen. Tausendmal gelesen, tausendmal ist's gleiche passiert. So vorhersehbar. So platt. So phantasielos.

Was Nicci French da zusammengeschustert haben, tut in der Übersetzung manchmal richtig weh. Die Übersetzerin scheint manche Formulierungen eins zu eins ins Deutsche übertragen zu haben. Statt sich an das heilige Motto der Schreiberlinge aller Genres zu halten: "Bilder müssen stimmen", vergewaltigt sie die deutsche Bildsprache. Da "blitzen Kameras" ? NEIN! Kameras blitzen nicht. Es sind die Blitzgeräte.

Aber dann. Dieser Satz: "Hinter ihr folgten mehrere Anzug tragende Männer mit grimmigen, ernsten Mienen . . ." Bei so einem Satz gräbt sich mir die grimmige Miene einem Minenfeld gleich ins Gesicht.

Ist die Frau nicht in der Lage, einen vernünftigen deutschen Satz zu formulieren? Wenn jemand folgt, dann befindet derjenige sich . . . na sagen wir mal ganz vorsichtig . . . in 100 Prozent der Fälle HINTER demjenigen, dem er folgt. Und "Anzug tragende Männer. . ." da tragen also Männer Anzug. Mal unterstellt, jeder der Männer trägt jeweils einen und nicht alle habe sich in ein einziges Exemplar gezwängt, dann stellt sich die Frage: Woher haben sie ihn? Haben sie den Anzug von der Wäscherei geholt? Tragen sie ihn über dem Arm, der Schulter, in der Einkaufstüte?

Was die Autoren und auch ihre Übersetzerin sagen möchten, ist, dass die Männer mit Anzügen bekleidet sind. Aber, verdammt noch mal, warum sagen sie es dann nicht? Das sind nur einige Beispiele, deren Liste sich durchaus fortführen ließe.

Nicci French ist ein Autorenehepaar, deren Pseudonym sich aus dem Vornamen von Nicci Gerrard und dem Nachnamen von Sean French zusammensetzt. Beide sind studierte Literaturwissenschftler. Aber warum lieber Schuster, bist du nicht bei deinen Leisten geblieben?

Auf der Website des  Goldmann Verlags wird ihre Arbeitsweise angerissen: "Jeder der beiden schreibt für sich allein." Danach, so heißt es weiter, überarbeite der Partner die Kapitel seines Co-Autors.
Ehrlich gesagt merkt man davon nicht sehr viel. Vielmehr scheinen die Kapitel häufig aneinander geklatscht, ohne dass jemand auf Zusammenhänge achtete. Es stockt, es stottert; ein Lesefluss oder gar eine Leselust will bei diesem "Blutroten Sonntag" nicht aufkommen.



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Vaterland

Robert Harris , Hanswilhelm Haefs
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.03.2017
ISBN 9783453421714
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit "Vaterland" kam Robert Harris 1992 in Deutschland gar nicht gut an. Er wagte sich an ein Thema, das hierzulande tabu war, ist. Das Thema "was wäre wenn . . ." was wäre mit Europa, mit der Welt geschehen, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?

Bei Harris ist genau das passiert und Europa, England inklusive, das europäische Russland, Frankreich und Deutschlands Satellitenstaaten wie Italien, Spanien und Portugal sind faschistisch.

Es ist April 1964, die Vorbereitungen zu Führers 75. Geburtstag im von Hitlers Leibarchitekten Albert Speer gestalteten Berlin laufen, da wird eine Leiche im Wannsee gefunden. SS-Sturmbannführer Xaver März, Mordermittler der Berliner Kriminalpolizei, übernimmt den Fall und macht auch weiter, als die Gestapo ihm längst die Ermittlungen aus den Händen genommen hat.

Der Tote ist ein ehemaliger hochrangiger Nazi, sein Tod nur einer in einer langen Reihe von Todesfällen anderer einstiger Nazigrößen. Manche starben bei Unfällen, anderer scheinbar eines natürlichen Todes, andere brachten sich um. Alle hatten eines gemeinsam: Zusammen mit Gestapo-Chef Reinhard Heydrich (?) - ja bei Robert Harris lebt er noch, tatsächlich starb er am 4. Juni 1942 bei einem Attentat  in Prag - gehörten sie zu den Teilnehmern einer aus 15 hochrangigen Vertretern der nationalsozialistischen Reichsregierung und SS-Behörden bestehenden Gruppe, die sich am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee getroffen hatten. 

Dabei wurde in den Grundzügen die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten organisiert und die erforderliche Koordination sichergestellt. Eine Entscheidung, die der Bevölkerung in der Parallelwelt von Robert Harris Roman nicht bekannt ist, und die auch nicht bekannt werden soll. Denn grade beginnen die außenpolitisch verhärteten Fronten zwischen dem Deutschen Reich und der USA, die bisher im Kalten Krieg miteinander lebten, zu bröckeln. Schließlich hat US-Präsident Joseph Kennedy ein Treffen mit Adolf Hitler angekündigt. Sollte die Welt vom organisierten Völkermord an den Juden erfahren, wäre es ein Todesstoß für die bevorstehende Entspannungspolitik und womöglich sogar für das Bestehen des Großdeutschen Reiches.

Harris gelingt es, eine düstere Atmosphäre zu schaffen, in der sich der SS-Mordermittler (welch ein Widerspruch) Xaver März auf immer dünner werdenden Eis bewegt. Dabei schafft Harris keinesfalls, wie ihm bei Veröffentlichung dieses Debütwerkes vorgeworfen worden war, Deutschfeindlichkeit. Vielmehr scheint er bei seinen Beschreibungen über die Dikatatur und deren Herrschaft über jedes Individium bis hinein in die Familien, Studien in der DDR gemacht und Anleihen bei einem seiner berühmtesten schreibenden Landsmänner genommen zu haben: Bei George Orwell und seiner Zukunftsvision "1984".

Vieles in "Vaterland" erinnert an diesen berühmten Roman über die Vorgehensweise von Diktaturen, Geschichtsbegradigung und  Beeinflussung von Menschen. Und wer sich partout nicht zurechtbiegen lässt, wird eben umgebracht. So funktionieren Diktaturen.



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