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zürich, krimi, lustig, intrigen, rezensionsexempla

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Susanne Mathies
Buch: 260 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 18.02.2015
ISBN 9783944264745
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Manche mögen’s echt heiß. Wenn ein Kriminalroman, dann mit der ersten Leiche gleich im ersten Kapitel! Es gibt jedoch merkwürdige Ausnahmen. Im Krimi von Susanne Mathies erscheint die Leiche erst in der zweiten Hälfte des Buches. Und zwar ganz unerwartet. Man könnte sogar vermuten, dass der Leichnam sofort verschwindet, ehe die Polizei zum Tatort kommt. Aber er bleibt zurück, auch ausnahmsweise, weil es in der Geschichte, die die Autorin so kurzweilig erzählt, so einige spontane Erscheinungen und Verschwindens-Aktionen gibt.

Die Personen der Handlung kommen und gehen. Die sind da und gleich wieder weg, als ob sie niemals existierten. Und plötzlich sind sie wieder da. Ein buntes Karussell! So auch das Schicksal der Hauptperson, Jacques Steiner, das ab einem bestimmten Moment beginnt, wahnsinnige Kreise zu drehen. Jacques begegnet einigen heiklen Umständen seines Lebens und entgeht ihnen unverletzt, ganz unbewusst. Nach langer erfolgreicher Arbeit in einer Logistik-Firma wird er mit sofortiger Wirkung gekündigt. Und gleich danach wird er bei einem großem Zürcher Unternehmen angestellt. Pech gehabt, Glück gehabt. Sein erstes Gespräch mit dem Chef der Firma beginnt damit, dass der Vorgesetzte einen Mitarbeiter blitzschnell feuert. „So schnell war sicher noch nie jemandem gekündigt worden...“ Der einzige Trost für Jacques Steiner: Diesmal war nicht er das Opfer. Umgekehrt: Er bekommt eine wichtige Ausgabe, seine eigene Berufsrolle in den elektronischen Lager-Verfahren flott zu konzipieren. Es wäre nicht schlecht, aber ihm sind keine Einzelheiten der Firmenverfahren bekannt. Ein Kollege verspricht Jacques Hilfe – und verschwindet. Natürlich spurlos. Ein Hauch von einer Spur führt dazu, das Jacques aufs Gleis fällt, beinahe unter die Räder eines Zuges. Er hat keine Zeit fürs Leiden, weil er dringend zu einem extraordinären Meeting mit den Vertretern der gleichhandelnden Firmen fahren muss, wo er seine Firma vertritt, obwohl er von ihrem Profil keine Ahnung hat. Der Einsteiger ist bereit zu einer klaren Niederlage, besteht jedoch dieses Ringen, und zwar ganz geschickt. Sofort muss Jacques dem Vorstand über seinen märchenhaften Sieg berichten, aber keiner hört ihm zu, weil in diesem Moment eine brisante Nachricht kommt, dass die Firma von einem Hacker erpresst wird und praktisch lahm gelegt ist. Immer wieder verändert alles sich mit der kleinsten Bewegung, wie ein Bild im Kaleidoskop.

Das könnte ein Kabarett-Stück sein, aber die erscheinende Leiche, die die kaleidoskopischen Veränderungen krönt, ist seriös. Noch seriöser ist die Tatsache, dass auf der Stelle dieses ermordeten Mannes Jacques Steiner selbst sein sollte. Schluss mit witzigem Burlesque, jetzt läuft er auf der scharfen Messerklinge. Gelingt es ihm, den weiteren Attentaten zu entgehen? Alle Geheimnisse seines wahnsinnig gewordenen Lebens zu lösen? Die Antwort erfährt der Leser in einem unerwarteten Finale.

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Tags: lustig, spannend   (2)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

frankfurt, detektivin, katja kleiber, frankfurt am main, dicker als blut: ein frankfurt-krimi

Dicker als Blut

Katja Kleiber
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Leinpfad Verlag, 25.09.2013
ISBN 9783942291590
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine ältere Dorfsehenswürdigkeit und Jungfrau, die zur scharfsinnigsten Detektivin geworden ist,  ist schon längst bekannt.

Eine ehemalige Soldatin und Pleite gegangene Businesswoman, die als Geheimagentin Glück gehabt hat, ist auch nicht besonders frisch.

Eine junge Punk-Dame (zumindest Ex-Punkerin), die als Privatdetektivin um ihren Platz unter der Sonne kämpft, ist etwas Ungewöhnliches. Diese Figur steht in der Mitte vom neuen Roman von Katja Kleiber „Dicker als Blut“, der nicht dicker als die Lieblingsklassiker von Agatha Christie & Co ist. Der auch so schnell während eines Abends gelesen werden kann und mehr Spaß, als kranke Gefühle bringt. Der gut ausgewogen zwischen Action, Psychologie, Soziologie und Humor ist. Der leicht verstanden wird, obwohl er auf einer Kette von richtig komplizierten Rätseln basiert. Der keine banalen Lebenserfahrungen beschreibt und keine klassische Kriminaltechnik unterrichtet, wie man ohne Formalitäten die Verbrecher sucht, findet, enthüllt und in Knast liefert.

Über die Autorin wissen wir noch nicht viel: Katja Kleiber ist das Pseudonym einer Frankfurterin, die Heavy Metal hört, in schwarzer Kleidung spazieren geht, schnelle Autos liebt und sich für abwegige Dinge interessiert. Ihre Heldin, Ex-Punkerin-Privatdetektivin Sandy, hat sich in die abwegigen Dinge vertieft, verbunden durch zwei ganz verschiedene Morde. Sie sucht nach gemeinsamen Motiven der Morde eines angesehenen Rechtsanwalts in der Frankfurter High Society und eines illegalen Immigranten im Untergrund. Weil sie sich in verschiedenen Lebensschichten gut auskennt, kann sie solche Verbindungen entdecken, die für die Polizei und die Presse unmöglich scheinen. Sie fühlt sich wie ein Fisch im Wasser unter Punks, Spontanbesetzern der Großstadtimmobilien, Immigranten usw. Sie kann ihnen zuhören und sie verstehen. Sie hat keine Vorurteile diesbezüglich. Deswegen wird eben von ihr – und nicht vom netten Polizeikommissar Matuschewski – das Rätsel des Doppelmordes geknackt. Natürlich ist die Lösung unerwartet, sowohl für den Polizeiprofi als auch für die Leser. Und natürlich, wenn es eine junge scharfsinnige Dame und einen alleinstehenden Polizisten gibt, läuft eine romantische Story an – möglicherweise für ein nächstes Buch.

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Tags: frankfurt   (1)
 

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174 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

thriller, berlin, martin krist, entführung, mord

Drecksspiel

Martin Krist
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.10.2013
ISBN 9783548285375
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der böse Bube unter den Krimi-Schreibern“ wurde Martin Krist von den Medien genannt. In seinem neuem Roman spielt der böse Bube ein hartes Puzzle-Spiel und der Leser darf gerne mitmachen. Die Handlung vom „Drecksspiel“ ist so auseinander geschnitten und vermischt, dass sie  als ein bunter Haufen von Puzzle-Stückchen scheint. Jedes Stück ist sehr interessant und verspricht, eine großartige Geschichte zu erzählen. Sobald wir in der Lage sind, dieser Geschichte zu folgen, fällt uns ein weiteres Stückchen von Puzzle, ganz anderer Form, ganz anderer Farbe, mit verlockenden Fäden von einer ganz anderen Geschichte. Okay, wir sind bereit, dem neuen Weg zu folgen. Aber aufpassen! Dieser Splitter der Geschichte ist sofort vorbei, an der Reihe ist ein weiteres Stück vom Puzzle, mit neuen Konturen und Farben, mit einem neuen Inhalt. Das heißt ein neues Rennen, das von Bedeutung für eine neue Geschichte ist. Aber wo war denn der Anfang? Und wohin führt das Ganze? Sehr spannend – aber der Sinn entgleitet immer wieder.

Eine Prostituierte wird brutal ermordet. Von wem und warum?

Ein heruntergekommener Polizeikommissar dreht und wendet sich zwischen Drogenmafia und Gesetz, mit einer Hand greift er kleine Kriminelle, mit der anderen wehrt er sich gegen Mafia-Walfische, vor denen er sooo schuldig ist.

Zwei kleine Kriminelle haben ein Luxusauto entführt und damit so viel Scheiß gebaut.

Zwei Geschäftspartner suchen ihr gestohlenes Luxusauto, mit einem großen, im Kofferraum verborgenen Geldversteck, und finden unzählige Arschtritte.

Eine wehrlose Frau mit einem kleinen Kind wird von einem Psyche überwältigt, das Leben von Mutter und ihrer Kleinen hängt auf einem dünnen Faden.

Ein Privatdetektiv sucht ein verschwundenes Mädchen, während seine Frau dem Tod in die Augen sieht.

Und so weiter und so fort.

Alles wechselt, alles rotiert mit schwindelerregender Geschwindigkeit. Irgendwo in der Nähe zum Finale macht das uns unsicher, ob es dem Autoren (und uns als Mittätern) eigentlich gelingt, das ganze Puzzle-Bild zusammenzusetzen? Die Zeit des Lesens läuft aus, das Buch kommt zum Ende – alles bleibt vereinzelt und ungeklärt, hat keinen gemeinsamen Sinn... Und dann zack! Auf den letzten Seiten wird alles klar, alles aufgeklärt, bis zum kleinsten Rätsel gelöst und vereinigt zu einem großen Rätsel, das auch gelöst wird. Und hier entsteht ein Gefühl, dass du gerade erfolgreich durch eine wahnsinnige Achterbahn durchgefahren bist.

Doch ein Meisterwerk der Spannung und des Handlungsaufbaus!

Dass Buch „Drecksspiel“ von Martin Krist würde ich einen der interessantesten Thrillers des Jahres nennen.

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Tags: polizeikommissar, thriller   (2)
 

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

masuren, liebe, polen, 2. weltkrieg, nationalsozialismus

Der Himmel ist ein Fluss

Anna Kaleri
Fester Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Graf Verlag, 05.10.2012
ISBN 9783862200320
Genre: Romane

Rezension:

Ein deutsches Mädchen, das vor dem zweiten Weltkrieg in Polen lebt, träumt nun davon, das Dorf zu verlassen und sich was Besseres zu gönnen. Minna ist zart, liebevoll, romantisch und schwärmerisch. Sie hat aber auch schon einiges in ihrem Leben durchmachen müssen.

Sie verliebt sich in Gwidon, einen Vogelkundler, polnisch, katholisch und verheiratet.

Die Zeit und der Ort für eine solche Beziehung sind allerdings falsch. Die Liebe zwischen einer Deutschen und einem Polen ist zu diesen Zeiten unmöglich, wenn sogar nicht gefährlich, es nähert sich dem tragischen Ende.

Das Thema „Deutsche außerhalb Deutschlands um die Kriegszeit“ interessiert mich sehr und ich habe gehofft, eine spannende Geschichte zu erfahren. Leider sind meine Hoffnungen bei diesem Buch nicht in Erfüllung gegangen. Der Klappentext hörte sich interessant an und hat mich auch viel mehr gefesselt, als die Lektüre selber. Die angepriesene Geschichte aus den dunklen Vorkriegszeiten ist ziemlich undeutlich und karg erzählt, ich habe nicht so genau verstanden, was da passierte. Dieser tragischen Seite der Deutschen in Masuren widmet sich die Autorin nur dürftig. Eher versucht sie uns eine Lovestory zu erzählen, was ihr aus meiner Sicht auch nicht ganz gelingt. Die Handlung ist so gut wie keine vorhanden, der kurze Roman lässt sich nicht fließend lesen. Trotz der Länge (ca. 200 Seiten) habe ich mich an manchen Stellen richtig gelangweilt und musste mich fast zwingen, das Buch bis zum Ende durchlesen. Die Sprache und die Handlung an sich fand ich gar nicht poetisch, sondern eklektisch und verworren. Die Autorin kannte ihre Großmutter nicht mal mit dem Vornamen, sie wagt es trotzdem, ihre kurze Geschichte zu wiedergeben, ihr Leben zu rekonstruieren, macht es aber ziemlich gefühllos, gleichgültig und kalt, ohne rührende Details und Gedanken wie aus ihrem Lebenslauf als auch aus den damaligen Geschehnissen. Die Charaktere sind nur oberflächlich ausgearbeitet, man hat keine lebendigen Personen vor dem Auge. Die politischen Hintergründe kommen auch leider zu kurz und werden nur allgemein erwähnt. So erscheint die Existenz der Großmutter der Autorin wirklich – „als hätte es sie nie gegeben“.

Mir hat es nicht gefallen. Ich fand das Buch weder als Liebesgeschichte noch als Roman aus dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte interessant. Nicht spannend, nicht ergreifend und nicht bewegend. Undefinierbar. Nicht Fisch nicht Fleisch.

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Tags: geschichte, krie, liebe, masure, polen   (5)
 

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venus, science fiction, venustransit, raumstation, weltraum

Venustransit

Lucas Edel
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Begedia Verlag, 21.05.2012
ISBN 9783981394665
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Keine Gnade bei der Göttin der Liebe

Das Datum des letzten Venustransits in unserem Jahrhundert ist der 5-6. Juni 2012. Aber „Venustransit“ von Lucas Edel ist pures Lesensabenteuer für jeden beliebigen Tag.
Das Meisterwerk der Krimimeisterwerke ist ein hermetischer Krimi. Also, die Mordsachen befinden sich in einem verschlossenen Raum. Wenn der Autor seine Leser nicht betrügt (anders gesagt, wenn der verschlossene Raum wirklich verschlossen ist), wird das Lesen eines solchen Buches zu einem großen Erlebnis. Und zu einem seltenen Erlebnis, weil es besonders schwer ist, einen echt hermetischen Krimi zu konstruieren.
Jetzt nehmen wir an: Wenn die Mordsachen auf einer Raumstation passieren, entsteht die hermetische Krimigeschichte des höchsten Grades. Was ist hermetischer, als eine besiedelte Space-Anlage?!
Die unglaublichen Mordfälle im Weltall muss Gus Hayden, ein Sicherheitsfachmann, klären. Das ist der Handlungsfaden des neuen Buches von Lucas Edel. Die Bühne: Eine wissenschaftliche Station, die über der Oberfläche von Venus schwebt. Das Weltall könnte man als spektakulären Hintergrund betrachten, aber auf was für eine heimliche und schreckliche Weise steuert er die Leute in der Venus-Station. Unter dieser Steuerung wirken sie manchmal paranoid, manchmal hysterisch, manchmal heroisch. Manchmal wie Menschen, manchmal wie Phantome. Einige Umstände sind freilich bekannt: Mal Solaris, mal Crichton’sche Andromeda, mal Le mystère de la chambre jaune, mal The Murders in the Rue Morgue, mal Odyssee im Weltraum, mal vielleicht Baron Münchhausen… Unter diesen Bekanntschaften findet man eine ganz brillante Neuigkeit: Die Konstellation der Himmelskörper als Antrieb der ganzen Handlung, raffinierte Mordfälle und einzigartige Ermittlungsmaßnahmen inklusive.
Dabei handelt es gar nicht um die Astrologie. Der Zusammenhang zwischen den Planeten, Umlaufbahnen und Leuten ist so sachlich dargestellt, wie z. B. zwischen einem Messer und der Hand eines Mörders. Ja, das Codewort aller Geschehnisse ist VENUSTRANSIT, der Durchgang der Venus vor der Sonnenscheibe. Was passiert, wenn Sonne, Venus und Erde exakt in einer Linie stehen? Die Antwort der Astronomen ist eher trocken: Die Formel und die Schemata der Planetenneigungen. Viel interessanter (und gleichzeitig unfassbarer) sind die psychologischen Schemata: Ob eine Gerade zwischen den Planeten gegen die Sonne die krummen Feldlinien zwischen den Leuten harmonisieren kann? Oder macht sie uns letztendlich kaputt? Und wenn diese kaputtgegangenen Seelenfeldlinien zu Morden führen, ob es dann eigentlich möglich ist, eine Lösung des kosmischen Krimirätsels zu finden? Gus Hayden wird beinahe selber zu Tode kommen, ehe die Sachlage vor seinen Augen etwas weniger trüb wird. Kein Sherlock Holmes, kein James Bond hatte bisher diese seltene Planetenkonstellation als Bedingung und Spielrahmen einer Mordserie, sogar als Motiv für die Verbrechensaktivitäten, als Werkzeug des Mordes.
Lucas Edel wurde bekannt dank seinen Kurzerzählungen, die paradoxerweise große Welten enthalten. Hier haben wir einen vollblütigen Roman, trotzdem bleibt die Erzählungsmanier vom Autor knapp, energisch, explosiv. Weil der Handlungsraum so groß ist, passieren unzählige Explosionen – wenn nicht im Weltall, dann bestimmt in den Vorstellungen der Leser. Dazu unglaubliche Vielfältigkeit der brisanten modernen Wissenschaftsmaterialen. Aber im Epizentrum stehen sowieso die Leute mit ihren Arbeiten, Forschungen, Hoffnungen, Verlusten, Stärken, Schwächen. Noch mehr: Mit ihren Todsünden, von Wollust an bis zur Völlerei mit einigen Besonderheiten der Verdauung und präzis angestimmten Mengen des ausgeschiedenen Methans. Vorsicht, hinter jeder dieser Sachen kann sich ein weiterer Leichnam befinden!

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Tags: science fiction, space-crime, weltraum   (3)
 

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118 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

israel, liebe, deutschland, krieg, tod

Der Russe ist einer, der Birken liebt

Olga Grjasnowa
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 06.02.2012
ISBN 9783446238541
Genre: Romane

Rezension:

Der Russe ist einer… oder zum Thema Stereotypen

Mascha, eine junge Frau, lebt in Frankfurt und weiß höchstwahrscheinlich selbst nicht ganz genau, wo ihre Heimat ist und ob es sie überhaupt gibt. Mit den Eltern als 11-jährige aus Aserbaidschan nach Deutschland geflohen, schon als Kind eigene tragische zwischenmenschliche Erfahrungen im Kriegsgebiet gemacht, auch in Deutschland mit den Integrationsproblemen auseinandergesetzt, wächst Mascha zu einer leicht verletzlichen, selbstbewussten und feinfühligen Frau auf. Ihren Charakter würde ich keinesfalls als einfach bezeichnen.
Wenn man die Kurzangaben zu der Autorin Olga Grjasnowa liest, erstellt man intuitiv viele Parallelen zwischen der Hauptfigur des Romans und der Schriftstellerin, weil sie viele Gemeinsamkeiten in ihren Biographien haben. Ob Olga das Buch aufgrund eigener Erfahrungen schreibt oder alles nur ihrer Fantasie entsprungen ist, spielt eigentlich keine Rolle, sobald die Story interessant und spannend erscheint. Jeder Autor hat eigene Geheimnisse. Aber der aufmerksame Leser identifiziert gleich die Protagonistin mit der Autorin und diese Zusammensetzung finde ich nicht immer angemessen, weil manche Episoden im Buch zu künstlich oder hingegen zu brutal wirken, was ich so einer zierlichen jungen Frau nicht zutrauen würde. So ist zum Beispiel die Szene mit dem armen Kaninchen aus meiner Sicht völlig unrealistisch. Oder die schreckliche Geschichte mit der Deutschlehrerin – da hatte ich das Gefühl, es könnte ein echter (Rache-)Traum des Mädchens sein, den es aber nie verwirklichen konnte. Und die Autorin präsentiert es uns Lesern als wahre Tatsache, die ein schüchternes Kind (noch dazu mit einem Migrationshintergrund) sich so ganz normal erlaubt.
Mascha ist eine Jüdin, fühlt sich aber manchmal russisch oder deutsch, sogar arabisch oder aserbaidschanisch und die meiste Zeit gar nationalitätslos. Sie hat viele Freunde, aber keine richtigen. Sie will keinem ihre Seele öffnen. Sie spricht mehrere Sprachen, macht es zu ihrem Beruf, kennt sich in vielen interkulturellen Sachen aus und kann trotzdem immer noch keinen Platz im Leben finden. Nach dem Tod ihres engen Freundes Elias versucht Mascha ihre innerliche Ruhe in einer anderen Welt zu finden. Sie tritt eine Arbeitsstelle in Israel an. Zwar beherrscht sie ausgerechnet die hebräische Sprache nicht, doch kann sie die Situation in den Nahen Osten von innen betrachten und versteht sie sehr gut. Hier kommt sie zum Entschluss, dass es auch nicht ihr Land ist.
Mit dem auffälligen Titel wollte uns die Autorin eigentlich sagen, dass es mehr als genug Stereotypen und Vorurteile gibt, wenn es um die Einsichten anderer Nationen und Mentalitäten geht. Jeder Mensch verdient es, als Mensch betrachtet zu werden und nicht als ein konkreter Vertreter irgendeiner Nation. (Hier muss ich in Klammern sagen, dass Mascha selber von einigen Vorurteilen nicht frei ist und ihre giftigen Bemerkungen manchmal so richtig nach Stereotypen riechen: wenn ein Deutscher, dann gleich mit einer Prise brauner Farbe; wenn sowjetische Vergangenheit, dann mit einer nostalgischen, aber ganz positiven Note.) Mit den Birken hat der Plot natürlich nichts zu tun, außer dass die Wörter von Tschechow als Epigraph zum Roman erwähnt wurden, um den Konzept des Titels zu unterstreichen.
Die Geschichte hat bei mir einen schweren Eindruck hinterlassen. Obwohl der Roman handwerklich sehr gut gemacht ist, der Schreibstil der Autorin recht angenehm und fließend zu lesen ist, vermittelt das Werk eine negative Atmosphäre. Ich fühlte ständig irgendeine innerliche Enttäuschung und sogar Lebensmüdigkeit sowie in Maschas Gedanken als auch in Erwägungen von Olga Grjasnowa. Von den ganzen (meist sehr seltsamen) Maschas Lovestorys ganz zu schweigen. In meinen Augen fallen sie aus der Reihe.
Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich die Idee des Buches richtig verstanden habe. Ob Mascha sich endlich gefunden hat? Ob ihre Welt jetzt auch unsere Welt ist? Ob sie noch lebt?

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Tags: debut, heimat, integration, migration, russen   (5)
 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 43 Rezensionen

erotik, laura lay, das geheimnis der flamingofrau, ebook, dominanz

Das Geheimnis der Flamingofrau

Laura Lay
E-Buch Text
Erschienen bei null, 25.02.2012
ISBN B007ECZ06G
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Die Geheimnisse eines Geheimnisses

Der eine schreibt erotische Erzählungen, der andere stellt Fragen, warum jemand erotische Erzählungen schreibt. Laura Lay hat eine Erzählung über eine erotische Erzählung geschrieben. Einigermaßen ist ihre Geschichte mehr oder weniger die Erforschung des Themas, warum man erotische Geschichten schreibt.
Hier gibt’s alles, was der Titel verspricht, und noch mehr dazu, Also gibt’s erotische Experimente, Flamingos in einem Zoo-Gehege, eine rätselhafte Frau daneben und ein Schriftsteller mit seinem Laptop, der einen Auftrag hat, diese Frau zu beobachten und die Ergebnisse als Inspiration für die Schöpfung einer erotischen Erzählung zu Benutzen. Alles scheint „streng geheim“ zu sein. Die geheime Flamingofrau, die mädchenhaft aussieht, obwohl sie bei näherer Betrachtung unerwartet reif erscheint. Der geheime Fensterladen, der anscheinend gemauert ist, trotzdem dient wahrscheinlich als die geheime Tür zum Jenseits. Die gar nicht so einfachen Aufgaben, die ein Schriftsteller von einer geheimen Auftraggeberin kriegt. Und die Erzählung selbst, die sozusagen Stück für Stück vor unseren Augen entsteht, erhält alle Rätsel ihres Erscheinens und auch nicht wenig eigene Rätsel. So müssen wir beim Lesen darüber nachdenken, ob das Material der frischgebackenen „Erzählung in der Erzählung“ die reine Spiegelung der erotischen Fantasien des Autors ist oder das stückweise beschriebene erotische Experiment von außen (z.B. von der anonymen Auftraggeberin) heikel programmiert wird. Bei der „inneren“ Erzählung handelt es um eine Sexsklavin, mit der man ziemlich verschnörkelt experimentiert. Aber wir fassen den Gedanken, ob der Autor auch zur Rolle vom Sexsklaven gezwungen wird, und zwar von der abwesenden Frau, der er niemals persönlich begegnet ist und die vielleicht gar nicht existiert. Und was ist eigentlich die Rolle der Sexpuppe? Zwangssache oder Wunschsache?
So viel psychoanalytische Fragen aus einem kleinen Sexspiel!
Solche Konstellation der Lust und der analytischen Libido-Fragen bedingt die Schlussbewertung der Erzählung, die Spitzinteressant für einige Leser und enttäuschend für andere sein kann. Für diejenigen, die gleichzeitig sowohl Intellekt als auch Einbildungskraft einschalten können, kann die Geschichte interessant und frisch sein. Für die Liebhaber der puren Erotik kann sie zum Großteil nicht viel erotischer als „Die Leiden des jungen Werthers“ scheinen. Andererseits kann sie für die Schätzer der feinen Prosa oder der harmlosen Liebeserzählungen zu naturalistisch bis brutal (zumindest im Sinne der Psychobrutalität) scheinen. Trotzdem finde ich „Das Geheimnis der Flamingofrau“ empfehlenswert, natürlich mit gewissen „FSK“-Einschränkungen.

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Tags: erotik, erzählung, frau, geheimnis   (4)
 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 32 Rezensionen

bonn, krimi, humor, agenten, agent

Spionin wider Willen

Mila Roth
E-Buch Text: 115 Seiten
Erschienen bei null, 12.04.2012
ISBN B007TVUOEA
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Null-Null-Was?

„Always expect the unexpected!“ („Erwarte stets das Unerwartete!“). Das steht als Motto am Anfang des ersten Romanes über die Abenteurer von Janna Berg und Markus Neumann. Gerade anstatt des „Sag niemals Nie!“ Anfang der neuen Spionagereihe von Mila Roth ist im irgendwelchen Sinne als (kl)eine Diskussion mit James-Bond-Reihe geschrieben. Nicht weniger witzig als Bond-Teile (an der Leinwand, niemals in Büchern von Ian Fleming, die zu seriös sind), aber mit einer anderen Ansicht über die Berufung von Spionen.
Also, der Geheimagent Markus Neumann sieht eher wie James Bond aus, einer von dem geschlossenen Club der außergewöhnlichen Gentlemen, die wahrscheinlich schon als Spione geboren wurden. Bei ihnen funktioniert alles perfekt: Die Fäuste, die Waffe, die unwiderstehliche Einwirkung auf die Frauen. Stets hat der Agent 007 eine weibliche Begleitung.
Aber die weibliche Kraft ist bei ihm eher nebensächlich, mehr fürs Bett als für den Kampf. Im Duo Janna Berg – Markus Neumann wirkt Markus selber eher als Begleitung, obwohl er ein starker Profi ist und Janna nur deswegen in die Welt der geheimen Operationen versunken ist, weil ihre Schwester keinen Direktflug aus Dubai zum Flughafen Köln-Bonn bekommen hatte. Wie so? Nämlich so!..
Ihr erstes Stellenangebot in einer Geheimdienstorganisation kriegte Janna auf 400-Euro-Basis. Einen schrecklichen Profi-Killer überwältigte sie mit einem bloßen Haushaltsgerät. Das große Rätsel einer CD-Datei, weswegen die ganze Schar von G-Agenten in kritischen Zustand geriet, löste Janna binnen fünf Minuten dank einem Lokalbesuch mit ihren kleinen Kindern.
Das war ihre persönliche Sondereinsatz-Akademie. Trotzdem entsteht unter uns Lesern die klare Meinung, dass im spontan gebauten Agentenpaar erst Janna zur entscheidenden Seite wird. Und die Frage, ob es bei ihr mit bondähnlichem Markus bis zum Bett geht, bleibt noch offen. Weit offen… Oder – always expect the unexpected?
Der neue Roman ist leicht, mit Spaß und guter Laune geschrieben. Die Handlung ist ungestüm, die Charaktere sind lebendig, die Zeit, die dem Lesen gewidmet ist, macht keinen Aufwand. Das Ende der Geschichte ist schon deshalb happy, weil es neue Treffen mit dem netten Agentenpaar verspricht.

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Tags: abenteuer, agent, pärchen, spion   (4)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

thriller, science fiction, endzeit, mystery, aliens

The Lost God

Gregor Spörri
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Münsterverlag, 03.04.2012
ISBN 9783905896336
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer fürchtet sich nicht vor den Aliens?

Ich habe das Buch bei einer Testleser-Aktion bei Facebook gewonnen.
Das Werk ist derart reichhaltig an Informationen und es gibt so viele parallele Handlungen, dass man erst nicht recht weiß, was und wie alles zusammenhängt.
Der österreichische Fotokünstler und Umweltschützer Maximilan Lindner macht seine Entdeckungen in den Wäldern Indonesiens, was ihm auch fast das Leben kostet.
Der australische Jungastronom Ned Kelly erblickt am Himmel ein neues Objekt, vermutlich einen Satelliten unbekannter Herkunft.
Die "hohen Tiere" wie Barack Obama oder Papst Benedikt XIV sind auch vertreten, allerdings machen sie im Roman nicht viel Lärm.
Besonders interessant fand ich die (angeblich) reale Geschichte aus dem Reisetagebuch des Schweizer Autors Gregor Spörri mit einem mysteriösen Fund in den ägyptischen Pyramiden und ihre Weiterentwicklung. Hier wünschte ich mir übrigens mehr konkrete und sachliche Erklärungen, was leider im Laufe des Lesens nicht passierte.
Die Ereignisse überschlagen sich. Auf den ersten Blick kann man diese verschiedenen Erzählstränge nicht miteinander verbinden. Und das ist auch nicht im Sinne des Autors. Obwohl es alles natürlich in einem (schockierenden) Zusammenhang bleibt, lässt Gregor Spörri die Leser erst ziemlich lange im Dunkeln tappen. Der Autor baut gekonnt die Spannung auf und hält die Leser immer auf Trab. Die ständig wechselnde Erzählperspektive trägt dazu bei.
Die Charaktere sind nicht besonders tief gestrickt, aber das ist auch nicht nötig für diesen Katastrophenthriller, wo im Zentrum des Sujets nicht die Personen, sondern die grausamen Ereignisse stehen. Es liest sich ohnehin schnell und ist fesselnd, man überfliegt die Seiten ohne es zu merken.
Der Autor beschreibt jede Einzelheit so detailliert (manchmal zu detailliert), dass es scheint, er hat das Thema sehr gut recherchiert und überhaupt viel zu viel über das Problem der Invasion der Fremden nachgedacht. Wie es auch sein soll, um die Leser überzeugen zu können.
Wer von uns hat sich in seiner Kindheit nicht vor Aliens gefürchtet? Aber die Vision von Gregor Spörri übersteigt alle möglichen Spekulationen zu diesem Horrorthema. Die Aliens kommen nicht plötzlich von irgendwo an, sie sind schon längst hier. Man hofft insgeheim, dass so was nie passieren würde. Der Schluss ist aber schonungslos.
Die Spannung bleibt bis zur letzten Seite bestehen. Die düstere Story ist grandios beschrieben, sie lässt einen in die Mitte der Geschehnisse einfühlen. Die vielen Dialoge der Protagonisten um die heutigen brennenden Situationen, die man auch als das Schwerpunkt-Programm des Autors bezeichnen könnte, machen einige schwierige politische Diskussionen einfacher und verständlicher.
Der Schreibstil ist flüssig, genauso interessant und leicht zu lesen, obwohl der Autor die vielen vielseitigen Informationen auch preisgibt. Das Glossar und einige Bilder zum Roman fand ich äußerst hilfreich. Es gibt auch eine Webseite zum Buch mit viel mehr interessanten Informationen.

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Tags: aliens, grausam, katastrophenthriller, spannend, zukunftvision   (5)
 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

akademie, geschichte, internat, abenteuer, fantasy

Die Akademie der Abenteuer - Die Knochen der Götter

Boris Pfeiffer
Fester Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Bibliographisches Institut, 19.07.2010
ISBN 9783411071043
Genre: Fantasy

Rezension:

Eine Reise durch die Zeit

"Die Knochen der Götter" ist das erste Buch aus der Serie "Die Akademie der Abenteuer" von Boris Pfeiffer. Es handelt von drei Jugendlichen, die in eine geheime Akademie eingeladen wurden, weil sie die Gabe besitzen, geschichtlichen Ereignissen 'live' beizuwohnen. Diese nennen sich Fluten und werden von Gegenständen der Akademie ausgelöst, um die Geschichte des Gegenstands zu erzählen. So finden sich No, Rufus und Filine – die drei Jugendlichen – unmittelbar nach ihrem Eintreffen in die Akademie umgeben von seltsamen Artefakten, interessanten Persönlichkeiten und weiteren Studierenden. Kurz nachdem sie ihre persönlichen Gegenstände zum Erforschen bekommen, wird auch unmittelbar eine weitere Flut ausgelöst. Gemeinsam machen sie sich auf, das Geheimnis der Flut zu erforschen und ihren Sinn zu erkennen. Natürlich geht das alles nicht ohne Zwischenfälle vonstatten, doch zum Schluss gibt es erwartungsgemäß ein Happy End.
Als ich das Buch in die Hände bekam und die ersten paar Seiten gelesen habe, wollte ich es schon fast weglegen. Das ganze klang mir ein bisschen nach Billig-Fantasy. Ich habe es natürlich trotzdem weitergelesen und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass es doch lesenswert war. Die Geschichte war nicht besonders originell und die Charaktere ließen etwas an Tiefe vermissen, allerdings lässt es sich auch damit erklären, dass das Buch nicht ein Werk für sich, sondern Teil eines ganzen ist. Vielleicht werden die verschiedenen Persönlichkeiten erst im weiteren Verlauf der Serie die entsprechenden Wandlungen erleben um somit mehr 'Dimension' erhalten. Was für mich ein Pluspunkt war, war die relativ gut geschilderte Atmosphäre während der Fluten und überhaupt das ganze Aufhängerthema – die Geschichte. In diesem Buch verschlug es die Abenteurer in das antike Ägypten um die Zeit von Echnaton – ein Thema das oftmals für Verschwörungsstoff gesorgt hat und oft romantisch verklärt betrachtet wird. Auch hier bekommt das Buch einen etwas romantischen Touch, was einer Fantasy-Geschichte gut tut und warum viele überhaupt diese Bücher lesen. Ich denke für das entsprechende Publikum – Teenager so im Alter von 12-13 Jahren – ist dieses Buch bestimmt gut zu lesen und würde vielen auch gefallen. Würde ich ein weiteres Buch aus der Serie in die Finger bekommen, würde ich es auch lesen.

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Tags: abenteuer, akademie, fantasy, geschichte, serie   (5)
 

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223 Bibliotheken, 4 Leser, 6 Gruppen, 68 Rezensionen

bayern, krimi, alpen, alpenkrimi, jennerwein

Oberwasser

Jörg Maurer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.02.2012
ISBN 9783596188956
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kein schöner (für Mafia) Land

„Wie lebst du in New York, wo es gar keine blühenden Orangenbäume gibt?“, sagte einmal ein alter sizilianischer Mafia-Don seinem kosmopolitischen Sohn. In Höllentalklamm gibt es auch keine blühenden Orangenbäume, trotzdem ist das Bergland von der Mafia auserwählt und einbelebt. Die Mafialeute führen hier ihre dunklen Geschäfte, verstecken die Leichen ihrer Feinde, lassen ihre verletzten Gangster in einer geheimen Klinik mitten in der Kurortlandschaft genesen und sich erholen. Kurz: Kein schöner Land in Mafiazeit.
Genau so erklärt uns Jörg Maurer die Sachlage in seinem neuen Alpenkrimi. Anhaltspunkt: Die Verschwendung von zwei BKA Coveragenten, die der Mafia auf der Spur waren. Die Suche nach den Verschwundenen wurde jedoch nicht den G-Männern, sondern dem Dorfpolizisten Hubertus Jennerwein beauftragt, der „mit ungewöhnlichen Methoden“ arbeitet, „aber er ist ein guter Mann“. Na ja, die Mafia alleine zu überlisten ist so gut wie unmöglich. Darum wird Kommissar Jennerwein durch ein Team der örtlichen Polizeibeamten verstärkt. Und um die Deckung der BKA-Aktivitäten zu erhalten, ist die Suchaktion getarnt als Jagd nach einem Gewaltlustigen Wilderer. Also, die ganze Sache wird zu einer Zwiebel: Schicht über Schicht. Und um den Lesern die kleinste Langseilensmöglichkeit hinterzulassen, Angesichts der Vermutung, dass nicht jeder oberbayrische Redensspezialitäten mag, ist die Alpenkrimigeschichte in noch eine Schicht eingehüllt: Das Geheimnis einer urseltenen Goldmünze mit kryptischen Zeichen, die irgendwo jenseits der Alpen (in Marokko) gefunden wurde und einen Numismatiker in die Kette unglaublicher Ereignisse verwickelt. Und dann kommen noch die Überraschungen.
Das Buch entsteht mit Witz und Spitz, wie ein Berg lächerlicher und dramatischer Missverständnisse, die zu einer logischen (welcher denn?!) Schlusslösung führen sollen. Aber bevor die Leser die Schlusserklärungen erfahren, sollen sie sich genug mit Bergbachsaroma sättigen und nicht wenig Adrenalin aus der Drüse herausspritzen lassen, weil Bergbach nicht nur schön, sondern auch extrem gefährlich sein kann.
Und dazu noch die Auftragskiller, die ihrem Opfer statt fünftausend Milligramm des tödlichen Gifts aus Versehen fünfhundert verabreichen können – oder aber auch genau umgekehrt.
Jedem, der die Erzählungsmanier von Jörg Maurer akzeptiert, bringt das Lesen pures Vergnügen. Die Manier ist jedoch nicht traditionell. Das liegt nicht unbedingt an den Dialektsätzen, die der Autor eher sparsam durchsetzt, sondern eher auf die Grenze zwischen Lächerlichem und Seriösem. Die Grenze ist nicht immer spürbar. Deswegen geraten die Leser ab und zu in die Fallen der Verarsche oder sogar in echte Fallen.
Interessant ist die Art der Psychologisierung der Handlung. Der Autor verrät uns niemals, wie Sinn und Seele der Personen funktioniert. Aber das das „Stillleben“ drumherum wird durch die persönliche Sicht der Personen gezeigt. So ragen die Berge über dem Kopf von einem Manager empor wie eine Graphik des Einkommens eines boomenden aber nicht stabilen Unternehmens. Dieselben Berge hinter dem Fenster einer Klinik scheinen wie die Temperaturgraphik eines Kranken mit galoppierendem Fieber. Weil die Sache mit dem gesuchten Wilderer als bayrische Komödie scheint, steckt der Autor (da er eigentlich Musikkabarettist ist) zwischen manchen Kapiteln die Textfetzen echter bayrischen Musikkomödie (echt witzig). Solche Kleinigkeiten machen das Buch noch frischer und origineller.
Ich vergebe dem Buch fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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externsteine, tempelritter, mittelalter, gral, reliquie

Der Parzival-Code und die Externsteine

Horst Burger , Achim Koeppen , Horst Burger , Gerhard Kroos
Flexibler Einband
Erschienen bei Burger, Horst, 01.10.2009
ISBN 9783000284755
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Höhle birgt ein Geheimnis: Story mit Potenzial

Der Archäologe Georg Lang arbeitet mit einem Detektor, der dank Gammastrahlen-Messungen einige tief liegende Geheimnisse durchleuchten kann. Allerdings will eine geheime (und nicht gerade gutmütige) Organisation diesen Detektor in eigenem Sinne nutzen und den Archäologen dazu zwingen, ihre schmutzigen Geschäfte wissenschaftlich zu unterstützen. Doch dazu kommt es natürlich nicht, denn Georg Lang mit seinen Freunden kann nicht nur den Boden durchleuchten, er hat auch gute Menschenkenntnis. Sie unternehmen eigene Forschungen und finden unglaubliche Fakten heraus.
Die Erzählung verläuft in zwei Strängen, einer davon spielt sich in Gegenwart und der zweite im Mittelalter ab. Es wird ganz schnell klar, was diese zwei Stränge verbindet. In der Gegenwart gibt es viel Action, viel Hinterlist, viel Zweideutigkeiten. Aber im 12. Jahrhundert ging es auch nicht anders. Allerdings scheinen mir die Charaktere, besonders die aus den heutigen Tagen, zu sehr schematisch beschrieben, ihre Taten zu vorhersehbar. Die Handlung hat somit keine Tiefe, was ich in erster Linie mit der Länge des Romans verbinde. Die Story hat Potenzial. Würde das Buch nicht 160 Seiten zählen, sondern doppelt so viele, könnte der Autor die Figuren besser ausarbeiten und mehr spannende Einzelheiten zum Sujet hinzufügen.
Zur Gestaltung des Buches möchte ich mich auch äußern. Der Roman sieht so aus, als ob es ein Sachbuch wäre. Diesen Eindruck ermitteln der Format, die beigefügten Fotos, die verwendete Schriftart und –größe (nach meinem Geschmack gibt es zu viel Kursiv, was das Lesen erschwert). Außerdem ist die Formatierung des Textes sehr misslungen, mehrere Seiten ziehen sich ohne einzelne Abschnitte. Sogar die Absätze fehlen.
Alles in allem finde ich die Hauptidee des Romans gut und interessant, die Umsetzung aber nicht so toll. Allerdings liest sich das Buch schnell, wer sich für die Reliquien des Christentums interessiert, dem wird das Buch wahrscheinlich gefallen.

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Tags: externsteine, gral, mittelalter, reliquie, tempelritter   (5)
 

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krimi, wilhelmshaven, mord, menschenhandel, paula rauwolf

Smaragdjungfer

Mara Laue
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Sutton, 16.08.2011
ISBN 9783866808706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rau wie ein Wolf

Nach langer Dienstpause kommt die Wilhelmshavener Kriminalkommissarin Paula Rauwolf wieder zur Dienstelle und erfährt, dass sie ihr Büro mit einem Neuling zu teilen hat. Zum Anfang ihrer Zusammenarbeit gibt Paula dem neuen Kollegen sehr merkwürdige Grundregeln:
„Erstens: Wenn Sie ein Problem mit mir haben, sprechen Sie es offen aus. Damit komme ich bestens klar. Darüber hinaus empfehle ich Ihnen zweitens, Ihre Kommentare und sonstigen Äußerungen ausschließlich auf unsere Arbeit zu beschränken und zu allem anderen den Mund zu halten.“
Auf solch einer Manier ist der ganze Roman geschrieben: Sofort zur Sache, rasch und energisch, kein überflüssiges Wort, jede weitere Seite bringt die Leser zu weiteren, noch brisanteren Ereignissen und Erlebnissen. Der Handlungsstoff ist echt explosiv. Die Polizeiermittlung wegen Mordes an einer Edelprostituierten regt das gehobene Milieu von Wilhelmshaven auf, das alles dafür tut, um den Fall zu vertuschen. In den Köpfen der vernünftigen Kripobeamten entstehen böse Verdachte: von Korruption über Menschenhandel bis zu möglicher Spionage in der Wilhelmshavener Marinenanlage. Das Schlimmste: Alle gefundenen Indizien und Beweise werden vom Polizeipräsidenten und der Oberstaatsanwalt ignoriert, von „ganz Oben“ kommen deutliche Anweisungen, die verdächtigen Personen in Ruhe zu lassen und in eine andere Richtung zu ermitteln. Ob über die Stadt eine Totalverschwörung herrscht?!
Die Mittel, um die Ermittler zu erschrecken und aus dem Fall zu entziehen, werden brutaler und brutaler: Mündliche Bedrohungen, Angriffe, Schiesserei. Hier haben wir praktisch ein vergessenes Genre des Polizeiromans im reinsten Sinne. Hart und Zielbestrebt. Die Hauptfiguren versinken nicht in Kleinigkeiten des Alltags, verlieren keine Zeit, um uns ihre Schwäche und Erschöpfung zu präsentieren, die reduzierten Leistungsfähigkeiten schön zu begründen. Sie machen ihre Arbeit, sie kämpfen um Gerechtigkeit, sie sind bereit, die Täter um jeden Preis zu fassen.
Eine besondere Antriebfeder im ganzen Aktionsmechanismus ist die Tatsache, dass der Härteste im Fall kein Dirty-Harry-Held ist, sondern eine zierliche Frau, der nur eine Wahl geblieben ist: Ihre Position rau wie eine Wölfin zu verteidigen. Es existieren Gerüchte, dass sie Schuld an Mord ihren ehemaligen Dienstpartner und Freund hat. Sie kriegt schweren Druck von dem Ermittlerleiter, dem Oberstaatsanwalt, dem sie einmal die Nase gebrochen hat. Sie wird von Kriminellen bedroht, niedergeschlagen und beschossen. Sie würde alles geben, um aufzugeben und den Fall zu begraben.
Aber.
Dieses „Aber“ hält uns in der Spannung bis zur letzen Seite. Verführerisch, spektakulär, atemberaubend.
Das Buch finde ich empfehlenswert für verschiedenste Leser. Für diejenigen, die auf „pure“ Krimis stehen. Oder auf den Roman noir. Oder auf Frauenkrimis. Oder auf psychologisierte Aktion. Oder auf politische Thriller. Oder auf das Milieu enthüllender Reportagen. Oder, oder, oder…

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Tags: korruption, krimi, kriminalkommissarin, spannend, wilhelmshaven   (5)
 

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liebe, psyche, geheimnis, selbstbewusstsein, ebook

Hinter deiner Tür

Sylvia M. Dölger
E-Buch Text
Erschienen bei Sylvia M. Dölger, 06.02.2012
ISBN B0076PHDAC
Genre: Sonstiges

Rezension:

Fünf Buchstaben der Welt

Liebe ist nicht nur eine Sache der Welt, sondern die ganze Welt. So denkt Lena Anders, die Hauptfigur vom Buch von Sylvia Dölger. Selbst die Welt ist in ihren Augen diesen fünf magischen Buchstaben (L.I.E.B.E.) gleich. Lernen wir Lena auf dem Höhepunkt des Frauenglücks kennen? Gar nicht! Die Sachlage um die junge Frau Anders ist nämlich anders dargestellt. Der höchste Wert der Liebe fällt ihr ein, als sie vom ihren Freund verlassen wird. Einsamkeit wird zur Ursache der schrecklichen Gefühle, die sie verfolgen, und der grotesken Geschehnisse, eher bösen als lächerlichen, die Lena vorübergehend ruinieren.
Also, die schrecklichen Gefühle verfolgen sie praktisch ihr ganzes Leben lang. Nicht nur „heute“, während die Handlung läuft. Immer. Die Angst, die hinter ihrer Tür steht. Das blendende Licht, das hinter einer Kellertür hervor blitzt. Jedoch konzentriert sich Lena in der Atmosphäre der Einsamkeit noch mehr auf ihre ewigen Ängste, bis die ganze Welt in ihren Augen verloren geht. Oder? Ob ihr ein winziger Fetzen Hoffnung bleibt? Ob jemand ihr irgendwelche Rettungsmittel mitbringt? Um das zu erfahren, muss man Lenas Geschichte bis zur letzten Seite durchlesen, bis zur letzten Zeile, bis zum letzten Punkt. Dazu muss man sagen, dass das für Leser keine „Pflicht“ ist, nur pures Vergnügen, weil sich das Buch leicht, verführerisch und schnell lesen lässt. Und weil Lenas Geschichte zum Teil als „eigene“ Geschichte von jedem beliebigen Leser (eher von jeder beliebigen Leserin) empfunden werden kann. Jeder hat ein Skelett in seinem Schrank, sagen die Engländer. Jeder hat unbewusste Ängste mit Selbstschuldgefühl, die unter Umständen drohen, ihn kaputt zu machen. Und wenn er, bewusst oder unbewusst, seine Ängste füttert statt sie vertreiben zu lassen, kann das ihn zur Übermenge des Schlafmittels als letztes Abendessen führen.
Andererseits – wie kann man die Irrationalität solcher Ängste vertreiben, um sich aus der Falle zu befreien? Keine leichte Frage. Lenas Geschichte ist schon deshalb interessant, weil sie die Schlüssel für solche Lösungen mitgibt. Wie wurde Lena durch ihre Ängste gejagt? Wie hat sie sie dann besiegt? Wer und wie hat ihr geholfen, das Rätsel um die dunklen Ängste zu lösen? Was will Thilo von Lena, dieser willenlose (bis einem bestimmten Punkt im Finale) und trotzdem irgendwie verdächtige Typ? Welchen Einfluss hat aufs Lenas Schicksal (oder umgekehrt was bekommt sie von ihr) die noch geheimnisvollere Anna, die voller Gegensätze zu Lena zu sein scheint (wenn Lena an Liebeskummer leidet, wirft sich Anna in fragwürdige Sexabenteuer mit ihren riskanten Bekanntschaften aus dem Internet)? Was für ein Knoten bindet diese drei anscheinend fremden Menschen zusammen? Die Fragen mehren sich, die Handlung nimmt man mit steigenden Spannung und Ungeduld wahr. Das Buch wirkt wie ein echter Thriller, obwohl manche klassische Elemente von Thriller von der Autorin (nicht ohne Absicht) ignoriert werden. Keine Opfer, keine Verbrecher, zumindest im Sinne des Strafgesetzbuchs. Und gleichzeitig sind alle so oder so geopfert, alle zählen im Selbstgefühl mehr oder weniger zu Verbrechern…
Trotzdem ist die Hoffnung noch nicht verstorben.

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Tags: geheimnis, geschichte, hoffnung, liebe, spannung   (5)
 

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jugendliche, pubertät, ratgeber, aufklärung, eltern

Du bist kein Werwolf

Ralph Caspers , Christine Henning , Daniel Westland , Lennart Andresen
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.12.2011
ISBN 9783499626340
Genre: Sachbücher

Rezension:

Kleine Tricks für die großen „Keinen“

Obwohl es etwa vierzig Namen des Penis und der Vulva (die die Autoren dieses Buchs nennen) gibt, gibt es nur ein Problem: Die Pubertät.
Die Pubertät als solcher Lebensabschnitt, in dem alle vierzig (wer kennt mehr?!) Namen die größte und die magnetischste Bedeutung haben.
Obwohl es unzählig viele Heilmittel gibt, gibt es keine Medizin gegen die besonders verbreitete Krankheit, an der jeder früher oder später leidet: Liebeskummer.
In der Pubertät scheint der Liebeskummer die schrecklichste und ewigste Sache in der Welt zu sein. Aber wenn nicht mal eine chemische Medizin gegen dieses sensible Leiden existiert, kann man das mindern, wenn du seine Natur, seine Ursachen, sein hormonelles Spiel und seine globale Häufigkeit kennst. Wichtige Kenntnisse bringt dazu die scharfsinnige Gebrauchsanweisung von Ralph Caspers und Christine Henning, die in ihrem Buch ausreichend, nicht oberlehrerhaft, sondern sehr zugänglich den Teenies aufklären, warum sie keine Werwölfe sind, obwohl gerade so gewaltige und katastrophale Selbstverwandlungen überleben. Keine Angst: jeder geht durch seine eigene „Vollmondpubertätsphase“. Oder schon durchgegangen.
Bei globaler Häufigkeit bleibt das Thema ziemlich kompliziert zum Erklären. Gerade die Betroffenen sind schmerzhaft empfindlich. Deswegen braucht man für die Sachen, die so leicht unter uns Erwachsenen besprochen werden, eine besondere und präzise Wortwahl, um die Jugendlichen über die echte Sachlage zu unterrichten und dabei keinen zu verletzen. Diese Aufgabe wird von den Autoren brillant gelöst. Das Buch ist leicht, verständlich und nicht schädlich. Keine Langweile, keine trockene Theorie. Alle Begriffe sind korrekt genannt, alle Prozesse sind genug erforscht, bei allen typischen Problemen werden die Ursachen gezeigt und die klaren Tippen angeboten. Dazu ist das ganze Material gut strukturiert: kleine konkrete Kapitelchen, kurze Einführungen und „sofort zur Sache“, dazu auch manche bemerkbare Ratgeberkästchen. Das Material ist lebendig illustriert von Lennart Andresen, die Bilder haben auch eine eigene Bedeutung, weil sie die Gestaltung des Jugendbuchs eben jugendlich machen.
Das Buch finde ich interessant und nützlich sowohl für Jugendliche wie auch für Erwachsene, derer Kinder (Enkel, Großenkel usw.) gerade in der oder vor der Pubertät stehen.

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Tags: jugendliche, liebeskummer, probleme, pubertät, sex   (5)
 

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satire, präsident, cleopatra, iintrige, ebook

Pfui Herr Präsident!

Thomas Herrmann
Flexibler Einband: 124 Seiten
Erschienen bei epubli, 02.05.2011
ISBN 9783844203226
Genre: Humor

Rezension:

Zum Pfui ein Piu

Bevor ich mit diesen Buch anfing, trank ich einen Schluck Wein. Ganz zufällig ausgewählt: ein Piu-Secco. Also, zum "Pfui" einen Piu. Klingt irgendwie symbolisch, kann jedoch purer Zufall sein. Als ich mit dem Buch fertig war, war Herr Christian Wulff auch fertig. Nicht mit einem Buch, jedoch mit dem Bundespräsidialamt. Auch Zufall? Schwer zu behaupten. Das Buch "Pfui Herr Präsident" ist gar nicht pathetisch, aber einiges an Pathos strahlt es aus, und zwar die pathetische Formel: Wenn es sie gibt, können sie im beliebigen Augenblick um einen weniger werden.
Wer "sie"? Die Allmächtigen unserer Welt. Sie gibt's – und Klick, einer weniger von ihnen. Also, das ist die Grundformel des Buchs von Thomas Herrmann, und daraus musste Herr Ex-Bundespräsident auch "die Konsequenzen ziehen". Weil die Zahl von Präsidenten bisher bisschen kleiner als die Zahl von Büchern bleibt, können die Bücher manchmal überwältigen; nicht wahr? Und weil solche "Gewaltgefahr" existiert, rät der Autor seinen Lesern, sich mit diesem Buch auf keinen Fall in der Öffentlichkeit zu zeigen. Leseprozess als Geheimdienst, wow!
Natürlich darf man manche Sachen nicht so laut nennen, wie es Cäsar im Buch ganz locker erläutet: "Es ist so einfach, seinen Feinden Feuer unterm Hintern zu machen und einen Präsidenten aus dem Amt zu jagen, wenn man weiß, wie es geht". Ja, der Cäsar, das Staatsoberhaupt des römischen Imperiums, ist eine von Hauptfiguren des Buchs. Sowie Kleopatra, ein Häuptling in Übersee namens Aboma, ein anderer Häuptling in Übersee – alter Casstro, ein gewisser Wim Wedeling – eigenwilliger Boss einer schwäbischen Sportwagenschmiede, ein Staatshäuptling aus demOsten (und gleichzeitig kasachischer Riese) – Walujeff, eine fromme germanische Chefin Angelie, ein kleiner Schurke und plötzlich ein
Oligarch – Abrämuowitsch und viele andere Helden der Antike, die natürlich fremd; fern und mit Gegenwart unverbunden sind, obwohl der Zeigefinger sofort in der Lage ist, auf die Originale zu zeigen.
Na ja, der Autor zeigt uns nicht so die Originalen, wie eher die "originellen" politischen Vorhaben und Aktionen. Alle Schritte der Allmächtigen sind so eng, dass sich die ganze globale Politik zum geselligen Trinken oder Vögeln verengt. Für die Antike war das üblich. Enge politische Aktionen laufen im winzigen antiken Kästchen, zwischen der Harvarder Akademikerschmiede, wo künftige Präsidenten geschmiedet werden, und der unendlichen Tajga, wo der durch billige Science-Fiction kaputt gemachter Walujeff ein riesiges spinnenartiges Netz aus vergoldeten Kupferdrähten weben lässt, um All (Überall!) zu belauschen. Das Kästchen wird überquollen mit unzähligen ko(s)mischen Geschehnissen, wie zum Beispiel die historisch bedingte Geschlechtsbegegnung der kleinen Angelie und des großen Seehoppers Hans...
Es gibt die breite Meinung, dass das Lachen heilen kann. Eine alternative Meinung: Das Lachen ist eine Waffe. Wer sich bewaffnen will, kann das Arsenal aus "Pfui Herr Präsident" benutzen. Wer dies nicht zur Absicht hat, kann sich einfach amüsieren. Und ein Schluck Piu passt natürlich gut dazu. Für die Konspiration, die vom Autoren vorgeschrieben (also, im Vorwort geschrieben) ist.

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Tags: ebook, macht, präsident, satire, waffe   (5)
 

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visionen, historischer roman, hessen, mainz, historisch

Schattenfehde

Alf Leue
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Sutton, 17.03.2009
ISBN 9783866804265
Genre: Historische Romane

Rezension:

Spannung bis zur letzten Seite

Die Geschichte vom Badisch-Pfälzischen Krieg war mir praktisch nicht bekannt, obwohl sie, wie es mir jetzt klar geworden ist, eine nicht gerade kleine und nicht nur regionale Bedeutung hatte. Sogar der Name Johannes Gensfleisch war für mich bedeutungslos, trotz meiner Liebe zu Büchern und zum Lesen.
Jetzt, dank der „Schattenfehde“ von Alf Leue, weiß ich viel mehr über die Mainzer Fehde und über damalige Mainzer. Sogar über diesen rätselhaften Gensfleisch, dessen Anwesenheit in der Handlung vom Buch fast spurlos ist. Fast, aber nicht ganz! Dieser bekannte Mainzer ist unter anderem auch präsent. Und weiterhin erfuhr ich, dass Adolf von Nassau im Jahre 1465 Herrn Gensfleisch zum Hofedelmann ernannte und ihm ein Hofkleid, 2180 Liter Korn und 2000 Liter Wein übersenden ließ. Das kommt nicht aus dem Roman, sondern aus meiner eigenen Recherche, die vom Buch inspiriert wurde. Und das zeigt zumindest, dass die Darstellung des Grafen Adolf von Nassau als nur machtgierige Person sicher vereinfacht wäre, wie es der Autor selber im Epilog unterstreicht.
Also, für das Wichtigste im Buch halte ich die Tatsache, dass Grund und Untergrund der Mainzer Erzstiftsfehde gar nicht vereinfacht gezeigt werden, obwohl es sich um einen Abenteuerroman handelt. Ein Buch über historische Abenteuer ist umso besser, je interessanter und vielfältiger die Historie dargestellt wird. Und das ist der Fall! Die Geschichte von der Reformation in Mitteleuropa ist breit bekannt. Manche Seiten von der Vorgeschichte dieser Geschichte – viel weniger bekannt. „Schattenfehde“ stellt eine dieser Seiten dar: Vorreformatorische Novationen vom Grafen Diether von Ysenburg und düsterer Druck auf ihn im Rahmen eines machtvollen Komplotts. Das ist sozusagen wissenschaftlicher Stoff, der die abenteuerliche Handlung (obwohl es dabei um die Taten von fiktiven Personen handelt) realistischer und überzeugender macht.
Der junge Hübnersohn Berthold Graychen, der nach einem Reitunglück mitsamt Behinderung auch eine rätselhafte Gabe zum Hellsehen gekriegt hat, überlebte viele Gefahren, Verfolgungen, Begegnungen mit außergewöhnlichen Leuten, von dem auf dem Scheiterhaufen verbrannten Wunderarzt Franz bis zum geheimen Legaten von Papst Sarreno di San Pietro, der als höchsten Punkt seiner Geheimmission das Auffangen des armen Jungen schätzt. Warum so viel schwarze Wolken über einem so armem Kopf? Was trägt Berthold so gefährliches für die einflussreichsten Häuser Europas in sich? Das erfährt er Schritt für Schritt, nach mehreren Verwandlungen zum gesunden Mann, zum scharfsinnigen Erforscher, zum geschickten Krieger.
Die Spannung der Handlung wirkt bis zur letzten Seite. Offenbarer Wert des Buchs ist auch die leichte, klare Erzählsprache. Der Autor vermeidet Imitation der altmodischen, dialektischen Sprache. Ein Glossar am Ende des Buchs wird für einige Begriffserklärungen genutzt, nicht für Übersetzung des Romantexts. Die Dialoge der handelnden Personen sind angemessen zeit- und ortsneutral: einerseits sind sie modern und hochdeutsch, andererseits kann man sich vorstellen, das auch die Leute vor 600 Jahren in der Gegend um Mainz irgendwie so sprachen.
Zum Schluss: Der Roman hat mir großes Lesensvergnügen bereitet, was ich auch anderen Leserinnen und Lesern wünsche.

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Tags: hessen, historisch, meinzer fehde, mittelalter, visionen   (5)
 

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kurzgeschichten, ebook, prügel, altenheim, kurgeschichten

Psyche. Welten.

Lucas Edel
E-Buch Text: 54 Seiten
Erschienen bei Edition Anna Perenna, 03.01.2012
ISBN B006TGST7A
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gespräche über Sinn und Unsinn der Existenz

In meiner Sicht wirken die Erzählungen von Lucas Edel wie Gedichte. Musikalisch, rhythmisch, lapidar, wortspärlich, umfassend.
Die Sammlung von Erzählungen, die ich gerade gelesen habe, heißt "Psyche. Welten" Obwohl es in der Sammlung genug vielversprechende Psychowellen gibt, ist die Tatsache, dass jede Erzählung in sich die ganze Welt einschließt, wertvoller.
Weil das Große im Kleinen eingeschlossen ist, sieht die Welt etwa unadäquat aus. Die Ferne wird zur Nähe, Nähe wird zum Riesen, die Geraden werden ungerade. Aber die Welt bleibt ganzheitlich und unendlich. Und die Unendlichkeit verspricht wieder neue Erfindungen.
Was für Erfindungen? Alles Mögliche. Vielleicht die andere Seite des Mondes. Vielleicht die andere Seite der Seele. Vielleicht eine schwindelige Transformation der Welt. Vielleicht Zerstörung.
Zum Beispiel die Weltzerstörung vor Augen des verwesenden Kriegsverbrechers ("Schöpfer"). Die Welt brennt vor ihm. Brennt buchstäblich, weil er im fremden Haus die Bücher samt allen Buchstaben verbrennen lässt. Um sich zu wärmen. Zu überleben. Und kommt plötzlich zur verrückten Entscheidung, fürs Überleben noch etwas zu lesen. Das Lesen als der rettende Lebenshaken. Einiges an Lesestoff bleibt ihm: Mathematische Formeln, ein Liebesroman auf Polnisch und griechische Grammatik. Das, was er gar nicht versteht. Und noch die Bibel dazu, die sowieso zu groß für sein gesamtes Verständnis ist. Er lernt alles auswendig, ohne Funk der Bedeutung im Kopf. Aber seine erweckende Tüchtigkeit ist noch nicht das Finale. Im echten Finale gerät er... Aber Stopp! Die Schlüsse der Geschichten sind immer noch eine große Überraschung. Da darf man vorher nicht verraten, was am Ende kommt. Wer es erfahren will, soll selber lesen.
So überraschend ist auch das Finale der gemütlichen Weihnachtsfeier im Hause von einem Wiener Straßenbahnschaffner, der binnen drei Tage auch ganze Welt verliert ("Drei Tage"). Trotzdem, an der Spitze des Grauens...
Es gibt scharfe Kontraste zwischen glatten Anfangsworten und nervigen Schlussworten der Erzählungen. Der starke Kontrast – eine beispielvolle Lektion mit dem Thema, warum Schweine besser als Menschen sind ("Von Menschen und Schweinen"). Lektion ist dem Zuhörer überzeugend vorgestellt, bevor ihm... Stopp, stopp, wer es liest, der erfährt es auch.
Also, Psyche und Welten. Was ist die Welt eines Psychopathen? Unter einigen Umständen kann er selbst erzählen, was und wie er fühlt ("Mit Sambal Oelek gepierct").
Was fühlt eine ehemalige Sängerin, die momentan stumm ist, aber trotzdem wieder singen und einen Chor leiten will ("Fräulein Rosig beschließt zu singen")? Wie gelingt es ihr, abgesehen vom Widerstand der ganzen Welt, der in diesem Fall zur strengen Verwaltung des Pflegeheims für Künstler geschrumpft ist?
Vor jeder Geschichte steht eine kurze Vorgeschichte, wo der Autor erzählt, wie ihm die Idee eingefallen ist. Natürlich können wir auch eigene Fäden zu den Geschichten benutzen.
Die ganze Sammlung schätze ich als sehr empfehlenswert. Zwar nicht für jeden beliebigen Leser. Aber umso mehr für Menschen mit Geschmack.

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Tags: ebook, erzählungen, kurzgeschichte, poetisch, welt   (5)
 

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

münchen, krimi, bayern, sandner, schwarzer humor

Der Sandner und die Ringgeister

Roland Krause
Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.09.2011
ISBN 9783492272605
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein etwas "ungewöhnlicher" Krimi

Roland Krauses "Der Sandner und die Ringgeister" ist bayerischer "Lokalkrimi" aus der Landeshauptstadt. Sandner, ein typischer Bayer, arbeitet als Hauptkommissar bei der Mordabteilung der Kripo München. Eines schönen Sonntagmorgens wird er aus dem Bett geklingelt, weil ein junger Musiker auf einem Friedhof brutal ermordet vorgefunden wird. Die Ermittlungen zwingen Sandner und sein Team in die Gothic-Szene um das Umfeld der Band zu durchleuchten, und fordern dunkle Geheimnisse zutage, die viel größere Steine ins Rollen bringen. Nebenbei wird Sandner von seinem Hauswart "beauftragt" herauszufinden, wer ihm mit einem geköpften Vogel an der Türschwelle drohen will. Viele Geschichten laufen am Ende zusammen und sorgen für ein Grande Finale, welches von vorne herein nicht unbedingt einsichtig ist.
Ich muss sagen, mir hat das Buch sehr gut gefallen. Was zunächst wie ein einfacher Krimi aus einer Serie daherkommt, entpuppt sich als ein ziemlich tiefgreifendes Werk, mit gut entwickelten Charakteren, einer durchdachten Geschichte und einer Spur Zynismus und Düsterheit, die allerdings erst zum Schluss durchkommt. Dazu im Kontrast steht der etwas saloppe Schreibstil des Autors – ernste Sachen werden teilweise banalisiert, alles wird ein bisschen verniedlichend dargestellt und lustig gemacht, eine gute Prise Ironie ist dabei. Einige Zeilen haben mir das eine oder andere Mal ein Lächeln entlocken können, auch wenn die angesprochenen Themen durchaus ernst waren. Die Mischung macht dieses Buch ein bisschen außergewöhnlich und hebt es von den "gewöhnlichen" Krimis ab. Von mir eine Empfehlung für jeden, der gerne Krimis liest und ein bisschen bayerisches Flair verträgt.

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Tags: bayern, düster, krimi, münchen, schreibstil   (5)
 

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niederkaltenkirchen, krimi, franz eberhofer, bayern, oma

Schweinskopf al dente

Rita Falk
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2011
ISBN 9783423248921
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dem Eberhofer sein dritter Fall

Der Eberhofer ist zurück! Und nach der dienstlichen Beförderung heißt er jetzt Kommissar Eberhofer. Fein! Zwar erlebt er am Anfang der Handlung nicht die besten Tage seines Lebens, weil es nämlich die Fastenzeit ist und sich die Oma mit ihrer sonst unschlagbaren Kochkunst streng daran hält, aber er wird es überstehen. Es gibt schließlich auch noch das ein oder andere Lokal in Niederkaltenkirchen, das sich um seine Stammkunden kümmert.
Ein Kriminalfall darf nicht fehlen. Er wird angedeutet, nimmt aber noch nicht viel Platz in der Erzählung ein und man kann noch nicht ahnen, wo er uns hinführen wird. Der Franz will den Fall erst auch nicht ernst nehmen. Er hat ohnehin viel zu tun, bekommt immer Besuche oder ist selber zu Besuch, muss babysitten oder mit der Oma und anderen Pilgern nach Altötting fahren. Da gibt es keine Zeit für Ermittlungen. Und der Verbrecher nutzt es völlig zu seinem Vorteil!
Alle Figuren haben etwas Komisches an sich und das ist gut so, so ist es im Sinne der Autorin. Es wird kein richtiger, blutiger und gewaltiger Krimi erzählt, sondern ein Regionalkrimi, mit allem, was dazu gehört: lokales Kolorit, buntes Boarisch, viel Bier und einfacher Humor. Der Fall selber läuft ganz am Rande. Ein Schweinskopf ist allerdings vorhanden, und zwar nicht als eins der Gerichte der Oma.
Aber es wird schon spannend, wie wir es aus den früheren Fällen kennen, die im verschlafenen Niederkaltenkirchen passierten und von Franz Eberhofer mit Bravour geknackt wurden.
Das Buch liest sich schnell und ist lustig. Das bayrische Flair finde ich einfach super! Auch die Szenen, wo fast das ganze Dorf einen Urlaub in Italien macht, und das nicht einfach so, sondern um Franz mit seiner Susi wieder zusammenzuführen, sind humorvoll und lebensgetreu geschrieben. Man sieht ja förmlich diesen alten VW-Bus, diesen vietnamesischen Bazar an der italienischen Grenze, diese tollen Disko-(Macho)Kerle.
Die Situation wird langsam spannend und sogar krimimäßig. Der Täter ist eben nicht zu unterschätzen. Aber der tapfere Eberhofer zeigte uns seine besten (Dienst-)Eigenschaften und der böse Küstner wurde besiegt! Es ging einfach nicht ohne einige Extras wie die K.O.-Tropfen auf der Pizza, die gefährliche Schießerei und eben alle Pipapo. Es war nicht leicht, aber der Franz hat es doch geschafft.
Das Buch hat mir gut gefallen. Unterhaltsam und witzig, echt bayrisch ;-)
Alle Charaktere sind eigenartig und zum Schmunzeln. Und die Oma hat natürlich die Hose an. Was wäre die ganze Geschichte ohne die anziehende Kraft ihrer Kochkunst?
Außerdem ist Susi zum Franz zurück, was auch voll erfreulich erscheint, gell. Die beiden haben ein romantisches Entspannungswochenende verdient und werden es wohl genießen. Vielleicht hören wir bald von ihrer Hochzeit? Allerdings wurde eine Fortsetzung fast versprochen, das ist ja gut und freut uns treue Leser! Dann warten wir auf den vierten Franz’ Fall und auf die weiteren unschlagbaren Rezepte von der Oma.

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Tags: bayern, eberhofer, oma, regionalkrimi, rezepte   (5)
 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

clockpunk, venedig, science fiction, uhrwerk, science-fiction

Uhrwerk Venedig

Susanne Wilhelm , T.S. Orgel , Dirk Ganser , Tom Wilhelm
Buch: 220 Seiten
Erschienen bei Burger, Ulrich, 07.10.2011
ISBN 9783943378016
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wo ist die Spannfeder versteckt?

Alles hat seinen Anfang. Die erste deutschsprachige Clockpunk-Anthologie heißt Uhrwerk Venedig. Das Buch ist thematisch ganz neu, zum Teil sogar irreführend. Alle, mit denen ich übers Phänomen Clockpunk sprach, erinnerten sich an Steampunk, obwohl das was anderes ist. Selbst der Herausgeber von Uhrwerk Venedig, Lucas Edel, erwähnt in seinem lapidaren Vorwort den Begriff Steampunk und präzisiert, dass das Suffix -punk im Zuge der „Steampunk“-Welle angefügt wurde. Man kann betonen: Im Zuge, aber nicht wegen der Gleichheit dieser zwei Begriffe. Andererseits gibt es Quellen, die beide Genres gleichsetzen, z.B.: „Der sogenannte Clockpunk (eine Wortschöpfung des Rollenspiels GURPS: Steampunk) ist eigentlich nur eine Konzentration des Steampunk-Themas, weg von der Dampfkraft, mehr hin zu Aufzieh- und Uhrwerkmechanismen“ (Wikipedia).
Also, kein Spaß, sich in die Diskussionen einzumischen. Hauptsächlich ist der Clockpunk die modernste Herausforderung des Retro-Futurismus, zu dem der früher geborene Steampunk auch gehört.
Steampunk ist ein Genre des Science-Fiction, das die Zukunft der Welt aus den Sichten des viktorianischen Zeitalters darstellt. Also Dampfmaschinen, Kohlenverbrennung und erste Versuche mit der Elektrizität als technischer Kern der grenzenlosen Eroberung des Alls und der Zeit.
Clockpunk hingegen ist ein Genre der Science-Fiction, das die Zukunft aus den Sichten der Renaissance darstellt. Und nicht umsonst, da praktisch alle revolutionären Erfindungen der Gegenwart, von Flugzeugen bis zu künstlichen Menschenorganen, schon in der Zeit von Leonardo da Vinci „geplant“ wurden. Und wie die Welt aussehen könnte, wenn alle diese Wundersachen schon damals geschöpft wären? Wenn sie genau als Tatsachen des historischen Abschnitts 1499-1599 funktioniert hätten?
Die Funktionsbasis der damaligen Mechanik waren energisch effiziente Spannfedern und schlaue Zahnräder. Also feinste Uhrwerke, die selbst in die Uhren, wie auch in allen möglichen Mechanismen bis Automaten hereingesteckt wurden. Darum scheinen sie anspruchsvoller, bunter und feiner, diese heutigen Versuche von Clockpunk-Autoren, die sämtliche Vielfältigkeiten des Lebens der Uhrmechanik unterzuordnen. Diese „Ur-Uhrmechanik“ der Renaissance ist mit Kunst und mit menschlicher Neugierde, menschlichen Ambitionen eng verbunden. Aus diesem Bund entsteht ein phantasie- und prachtvolles Bild der Welt, das auf den Seiten der ersten Clockpunk-Anthologie zu sehen ist. Die Zukunft in der Vergangenheit!
Was finden wir im Buch? Motorisierte Schiffe und U-Bote, atemberaubende Kampfmaschinen, angriffslustige Cyborgs, die ganz ohne Cybernetic entwickelt worden sind, chirurgische Roboter, die dem heutigen Roboter Da Vinci nur im kleinsten Sinne ähneln, nanomäßige Kunstwesen, die keine Ahnung von der Nanotechnologie haben, und so weiter und so fort. Und alles mit Spannfederantrieb. Kein Brennstoff drinnen. Mineralöl nur in den Öllampen, durch die die Wunderwelt beleuchtet wird.
Ja, Spannfederantrieb herrscht überall. „In dieser Stadt scheint nichts unmöglich, sobald Zahnräder und Federn im Spiel sind…“ In was für einer Stadt? In Venedig, selbstverständlich. In der Stadt, die in der beschriebenen Epoche ein Epizentrum der wissenschaftlichen und technischen Erfindungen war. Die Stadt wird zum spektakulären Spielplatz aller in die Anthologie eingeschlossenen Erzählungen verwendet.
Sechs Schriftstücke von sechs deutschsprachigen Autoren machen den Inhalt der Anthologie aus. Worum geht’s dort? Um den Bau eines mechanischen Flugzeuges (Flieg, Goliath von Emilia Dux). Um unerwartete Folgen der Benutzung einer Zeitmaschine (Das Tor von Dirk Ganser). Um den Krieg der bizarrer Kampfkünste, deren Grundlage „selbsttötende“ Bolzen sind (Narrheiten von T.S. Orgel). Um die Entwicklung einer automatischen (jeedoch feuerlosen) Waffe und nichtkybernetischer Cyborgs (Tränensplitter von Tom Wilhelm). Um mechanische „Nanochirurgen“, die den Menschen von innen heilen (Die zwei Seiten der Medaille von Susanne Wilhelm). Und um die Implantation eines künstlichen Herzens (Der Schlüssel von Lucas Edel). Nicht mehr und nicht weniger.
Übrigens sind die Charaktere dieser Geschichten nicht nur mit den Aufziehmechanismen beschäftigt. Sie „drängen sich in Gruppen zusammen, sprechen, husten, flüstern und intrigieren“. Die größten Intrigen sind zur Hauptsache beliebiger Geschichte der Anthologie. Erschütternde Spionagefälle, heimtückische Verschwörungen, berührende Lovestories, alles Mögliche. Und natürlich Leonardo da Vinci – nicht nur „Illustrator“ der Anthologie, sondern auch die Hauptfigur meister Erzählungen. Manchmal ist er traditionell als Genie aller Zeiten gebildet, manchmal als größter Betrüger, der sich die Ideen seiner talentierten Lehrlinge aneignete.
Im Kurzen: Diese relativ kleine Anthologie bereitet den Lesern großes Vergnügen. Letztendlich ist die Science-Fiction eine Literatur der Experimente und des Paradoxen. Daran erinnert man sich hier. Das Experiment mit dem „venezianischen Uhrwerk“ scheint gelungen.

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Tags: clockpunk, deutschsprachige anthologie, science-fiction, steampunk, uhrwerk   (5)
 

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124 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 30 Rezensionen

berlin, krimi, gereon rath, antisemitismus, sa

Goldstein

Volker Kutscher
Flexibler Einband: 573 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.10.2011
ISBN 9783462043235
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kommissar gegen Gangster

Berlin der frühen 30er Jahre, Unruhen auf den Straßen, die Situation zwischen links und rechts spitzt sich immer weiter zu. In diese Unruhe soll ein amerikanischer Profikiller anreisen, mit welchem Ziel ist unklar. Kriminalkommissar Gereon Rath wird mit der Überwachung des Gangsters betraut. Gerade zu dieser Zeit ereignen sich Morde an Polizisten und die Anführer der größten Ringvereine verschwinden spurlos. Dann auch noch verschwindet der Amerikaner spurlos. Rath steht vor der Aufgabe, eine große Verschwörung aufzudecken, die von Intrigen und Verrat nur so strotzt.
Alles in allem hat mir das Buch relativ gut gefallen, die Geschichte ist wirklich spannend, es ist auch nicht wirklich offensichtlich, wie alles enden wird. Viele Handlungsstränge führen den Leser durch ein Dickicht an Mord und Verrat, alle sind aber logisch aufgebaut und werden zum Schluss gut zusammengeführt, auch wenn es am Anfang noch gar nicht danach aussieht. Auch die Atmosphäre der Unterwelt wird treffend beschrieben. Die Charaktere gefallen mir auch, es gibt keine richtig flachen, stereotypen, jeder ist auf seine Art vielschichtig und mehrdimensional angelegt.
Das einzige, was mir nicht besonders gefallen hat, ist die Beschreibung der 30er Jahre. Es ist immerhin kurz vor der Machtübernahme Hitlers, die NSDAP wird bei der nächsten Wahl 40% der Stimmen bekommen, dafür lassen sich bemerkenswert wenige Menschen für das rechte Gedankengut begeistern... Überhaupt kommen NSDAP, SA und Ähnliches recht wenig vor. Die 30er fühlen sich generell – von den Umgangsformen und den Gesprächen – eher wie die 80er an. Aber vielleicht habe ich da einfach eine falsche Vorstellung...
Abgesehen davon ist das Buch aber richtig gut, und ich würde es jedem empfehlen, es zu lesen, am Besten gleich mit dem Rest der Serie.

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Tags: 30er, berlin, gangster, kommissar, spannend   (5)
 

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(15)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

paradox, ratgeber, sachbuch, richtig, falsch

Mach's falsch und du machst es richtig

Christian Ankowitsch
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 01.11.2011
ISBN 9783871347115
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Gerade aus dem Krummen

Der erste und praktisch unbekannte Roman von Nobelpreisträger John Steinbeck Cup of Gold (Eine Handvoll Gold) fand ich paradoxerweise interessanter als seine späteren Klassiker wie Früchte des Zorns. Der erste Roman von dem absolut unerfahrenen Schriftsteller ist im gewissen Sinne eine meisterhaft beschriebene Lebensgeschichte eines Seeräubers. Des englischen Freibeuters Henry Morgan. Der Höhepunkt der gesamten Geschichte sind nicht Piratenabenteuer (obwohl sie zu Genüge dargestellt wurden), sondern eine gelungene Enträtselung Morgans sensationeller Siege, einschließlich der Eroberung Panamas. Morgan war nicht deshalb unbesiegbar, weil er klüger, schlauer, härter oder glücklicher als seine Gegner war, sondern deshalb, dass alle seine Entscheidungen und Schritte scheinbar falsch waren, aber tatsächlich sehr entmutigend für die Gegner und resultativ für ihn selbst. Alles lief bei ihm spontan und unerwartet. Alles machte er „falsch“ und hatte „richtige“ Ergebnisse.
Der größte russische Feldherr Alexander Suworow verlor keine einzelne Schlacht. Seine Bewegungen waren auch paradox und unerwartet. Leo Tolstoi beschrieb im Krieg und Frieden ein Treffen des Suworow mit einem bissigen Hund in einem von Alpendörfer während des Zweiten Koalitionskriegs. Bedrohlich zeigte der Hund die Zähne, aber anstelle der Flucht oder der Abwehr mithilfe seines Degens fiel Suworow auf alle viere und bellte den Hund an. Das erschrockene Tier verließ das „Schlachtfeld“. Auch ein Stückchen von unzähligen Siegen von Suworow.
Immer war ich der Meinung, dass die Fähigkeit, absolut unerwartet zu handeln, ein „Privileg“ von nur besonders begabten Leuten ist. Dass das ein seltenes angeborenes Talent ist.
Aus dem Buch Mach’s falsch, und du machst es richtig von Christian Ankowitsch erfuhr ich (auch unerwartet!), dass man die paradoxe Lebensführung lernen kann. Prinzipiell ist das eine erreichbare Sache für Jedermann. Nur wenn man Interesse zeigt. Mit Interesse und Neugier kann man die Kunst der paradoxen Lebensführung tatsächlich erlernen. Das sagt der Autor. Dazu spricht er nicht nur die Behauptungen aus, dass die falschen Schritte zu richtigen Zielen führen können, sondern gibt die tiefen wissenschaftlichen Erklärungen, warum das Glück genau so funktioniert. Die wissenschaftliche Sachlage ist im Buch breit und vielfältig, von den Besonderheiten der Arbeit unseres Gehirns an bis zu Komplexität unserer Reflexe und Reaktionen. Und noch was: Unter vielen Bespielen der produktiven Lebensparadoxen lehrt der Autor seinen Lesern die Regeln und Gesetze der paradoxen Lebensführung. Deswegen ist das Buch genauso interessant wie nützlich. Letztendlich ist es ein großer Traum: Sein Leben radikal zu verändern oder von dem blanken Blatt wieder anzufangen. Na schön, aber wie?! Mit welchen Schritten und Instrumenten? Im Buch kann man die Antworten finden.
Trotzdem würde ich nicht empfehlen, dieses Buch wie einen Roman von der ersten Seite an bis zur letzten ohne Ablenkung durchzulesen. Lassen Sie sich Zeit, machen Sie Pausen zum Nachdenken und für den Vergleich der Beispiele aus dem Buch mit Ereignissen Ihres eigenen Lebens. Blättern Sie nicht alle Kapitel nacheinander durch. So rät der Autor nach erstem Kapitel zuerst das fünfte zu lesen, erst danach das zweite… Und folgen Sie nicht unbedingt jedem Rat, zumindest nicht buchstäblich. „Übertreiben Sie es nicht!“, betont der Autor ab und zu. Solch paradoxe Lesens- bzw. Unterrichtsmethode gehört wahrscheinlich auch zu den Paradoxen, die unser Leben logischer und konsequenter machen.

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Tags: ändern, falsch, lebensführung, paradox, richtig   (5)
 

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

selbstmord, musik, schule, band, trauer

Das Lied vom Tun und Lassen

Jan Böttcher , Anzinger und Rasp, München
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 16.09.2011
ISBN 9783498006587
Genre: Romane

Rezension:

Ein Lied wurde gesungen

Ein Mädchen ist vom Dach der Schule in den Tod gesprungen. So beginnt die Kurzbeschreibung zu dem Buch „Das Lied vom Tun und Lassen“. Wer aber hier eine spannende (Krimi)Geschichte erwartet, wird enttäuscht. Es gibt keine Action, keine Hintergründe oder Einzelheiten zu dieser tragischen Tat. Es handelt eher davon, wie die anderen nach diesem Selbstmord mit den eigenen Gefühlen und Gedanken diesbezüglich umgehen. Über Meret Kugler selber, die sich das Leben nahm, erfährt man kaum.
Das Buch ist in drei Stränge unterteilt. Drei verschiedene Personen erzählen uns in der Ich-Form über die eigenen Sorgen, über dieselben Ereignisse, aber jeweils aus der eigenen Sicht. Den Schreibstil des Autors finde ich sehr anspruchsvoll. So sind alle drei Abschnitte wirklich wie von drei verschiedenen Leuten geschrieben, ich würde sogar sagen, wie von drei verschiedenen Generationen. Das ist dem Autor ganz gut gelungen.
Der Musiklehrer Immanuel Mauss versucht immer noch, sich nach dem Tod seiner Frau in diesem Leben neu zu finden. Er schart die Schüler um sich, führt seinen Unterricht mit viel Innovation und Freiheit, was auch nicht immer positive Reaktionen von der Seite der anderen Lehrkräfte verursacht.
Der Schulpsychologe Johannes Engler kommt als Gutachter zur Schule, kann seine eigenen Probleme nicht los werden, beginnt eine Affäre mit Clarissa, die die Hauptperson des dritten Teils ist.
Clarissa Winterhof schreibt in ein Blog-Form über eine ausgedachte Tour ihrer Band nach Frankreich, erwähnt nebenbei Meret, die als noch lebendige nach ihrem Tod Clarissa besucht. Dieser Teil war für mich etwas verwirrend. Alleine Mauss Bemerkung im ersten Abschnitt, dass Clarissa einen fiktiven Blog führt, sorgt für Durcheinander. Es wird auch nicht ganz klar, wofür und warum Clarissa ist um diese Schreiberei bemüht, auch wenn die Ereignisse gar nicht stattfanden.
Es dreht sich viel um Musik, weil alle drei Protagonisten sie zu ihren Leidenschaften zählen.
Für mich war das Buch nicht so leicht zu bewältigen. Es lässt sich auf keinen Fall in einem Zug durchlesen. Selten brauchte ich so viel Zeit für eine Lektüre. Es gibt weniger Handlung, mehr Gedanken und Gespräche, oder einfach die Plauderei über nichts in Clarissas Blog. Der Roman ist zwar sehr atmosphärisch geschrieben und der Stil des Autors ist sehr eigenartig, aber ich kann mir gut vorstellen, dass manche Leser das Buch nach ein paar dutzend Seiten zur Seite legen. Es liest sich nicht einfach, nicht jeden kann es packen. Deswegen würde ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen.

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Tags: leidenschaft, musik, probleme, schule, selbstmord   (5)
 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

jonata, mittelalter, wiesbaden, historischer roman, roberta

Die Schwestern von Sunneck

Martina Frey
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 01.11.2011
ISBN 9783940855268
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mittelalterliche Frauengeschichte

„Die Schwestern von Sunneck“ ist ein packender historischer Roman, angesiedelt im 13. Jahrhundert. Die Rahmenhandlung ist ein (im Laufe der Geschichte immer wiederkehrende) Zwist zwischen dem Thron und Kirche. Beide Seiten werben Lehensmänner für einen großen Feldzug an. Als Heinrich von Nassau, ein Gefolgsmann des Mainzer Erzbischofs sich entschließt, die Seiten zu wechseln, und den Kaiser zu unterstützen, beginnt der Erzbischof Heinrichs Ländereien anzugreifen und zu plündern. Dafür bedient er sich unter anderem zweier brutaler „Raubritter“, den Brüdern Ulrich und Simon von Mechtheim.
Als der Herr von Sunneck, Ritter Gundrich, dem Erzbischof das Recht verweigert, die Truppen auf seiner Burg zu positionieren und mit ihm gegen die Nassauer zu ziehen, gerät auch sein Burg ins Zielkreuz der Mechtheimer. Die Burg wird angegriffen, Gundrich wird getötet, seine beiden Töchter – Jonata und Roberta – und einige Männer (darunter auch Jonatas Geliebter Lorentz, der allerdings im Auftrag des Erzbischofs unterwegs ist) werden gefangen genommen. Jonata – eine eigenwillige und mutige junge Frau, die unter anderem auch geschickt mit dem Bogen umgehen kann – schafft es, die Männer zu befreien, wofür sie als Strafe Ritter Ulrich heiraten muss.
In dieser Zeit muss sie sich auch um Ulrichs Bruder Simon kümmern, der beim Angriff von Jonatas Pfeil schwer verwundet wurde. Doch sie hat ambivalente Gefühle für Simon. Schon bald merkt sie, dass er nicht so ein grober Mensch zu sein scheint, wie er es vorgibt.
Lorentz strebt nach seiner Flucht danach, die Burg mithilfe des Erzbischofs zu befreien, muss ihn aber weiterhin bei Angriffen auf Nassauers Ländereien unterstützen. Erst langsam geht ihm auf, dass er auf der falschen Seite kämpft und so seine Geliebte ganz bestimmt nicht befreien kann. Er wendet sich vom Erzbischof ab, obwohl er von ihm die Ritterwürde erlangt hat. In einem früheren Opfer der Mechtheimer findet er einen Verbündeten, der mit ihm bereit ist, die Burg zurückzuerobern. Doch ab da entwickeln sich die Dinge ganz anders, als Lorentz es sich vorgestellt hat...
Martina Frey hat das Buch offensichtlich sehr gut recherchiert, davon zeugt nicht zuletzt die Tiefe der erzählten Welt, mit all ihren Figuren, Beziehungen, überhaupt der Atmosphäre. Dazu trägt auch ihr relativ angenehmer, gut zu lesender Schreibstil bei. Trotz der auffallend brutalen und action-geladenen Kampfintermezzos bleibt es aber eher ein „Frauenbuch“, das tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Hauptcharaktere erlaubt. Die Charaktere an sich sind gut dargestellt, einige von ihnen entfalten sich aber erst im Laufe der Zeit zu ihrer vollen Komplexität, wie z.B. Simon, andere wiederum bleiben eher platt und eindimensional (z.B. sein Bruder, der einfach nur das Böse in Person zu sein scheint)
Letzten Endes bleibt zu sagen, dass ich von dem Buch relativ angenehm angetan war. Das einzige, was mir wirklich nicht gefallen hat, war der Schluss, ich fand ihn irgendwie unpassend... Aber es sollte sich jeder am besten selbst eine Meinung bilden, indem man das Buch liest.

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Tags: frauenroman, gefühle, geschichte, mittelalter   (4)
 
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