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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Wer früher geht, verpasst den Schluss

P. I. Paris , Susanne Keller
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.10.2018
ISBN 9783866124400
Genre: Humor

Rezension:

Die mehr oder weniger rüstigen Rentner aus dem „Highland Home“ stehen vor einer großen Herausforderung. Die Gebühren des Seniorenheim wurden drastisch erhöht. Nun müssen sie dringend an Geld kommen, damit ihr ruhiger Alltag bestehen bleibt. Dabei entstehen allerhand skurriler Ideen. Unter anderem starten die Rentner eine Sexhotline.

Bücher mit rüstigen, älteren Menschen, die ihr Leben noch nicht aufgegeben haben, gefallen mir recht gut. Außerdem stelle ich mir das Leben in einem Seniorenheim witzig vor. Zumindest hat es mir meine Uroma immer so berichtet. Gleich zwei gute Gründe um zu „Wer früher geht, verpasst den Schluss“ zu greifen.

Doch leider wurde ich mit Miss Rose und Konsorten nicht so richtig war. Dennoch wollte ich wissen wie es ausgeht und habe das Buch streckenweise nur mehr überflogen.

P.I. Paris spricht ein ganzes Potpourri an Herausforderungen des Älterwerden an. Dabei scheut sie sich auch vor den ernsten Themen, wie dem Umgang mit Demenz und dem Tod nicht zurück. Letzten Endes kommt in „Wer früher geht,  verpasst den Schluss“ soviel zusammen, dass alle Themen nur oberflächlich überflogen werden.

Im Seniorenheim geht es richtig rund. Es gibt jede Menge Bewohner und einige Betreuer. Sowie bei der Anzahl der unterschiedlichen Themen ist es auch bei der Anzahl der unterschiedlichen Charaktere zu viel des Guten. Dabei hat jeder Bewohner beziehungsweise jede Bewohnerin zusätzlich ihre eigene Geschichte zu erzählen. So werden ebenfalls alle wieder oberflächlich erzählt ohne wirklich Spannung aufzubauen oder intensivere Beziehungen zu den einzelnen Charakteren zu ermöglichen.

Die Grundidee hinter „Wer früher geht, verpasst den Schluss“ ist ganz gut. Die Ideen zum Geld verdienen und auf ihr Leid aufmerksam zu machen sind teils sehr kreativ. Dennoch tut sich in der Geschichte viel zu viel und ich musste aufpassen, um nicht den Überblick zu verlieren.

Einziger Lichtblick in dem Buch ist Dorothy, die mit ihrer unschuldigen, naiven Art für den ein oder anderen Lacher sorgt.


Mehrfach war ich kurz davor das Buch abzubrechen. Irgendwie hoffte ich bis zum Schluss auf eine Besserung und wollte wissen wie es ausgeht. Deshalb habe ich nach gut einem Drittel angefangen, die Seiten nur mehr zu überfliegen.

Letzten Endes gibt es zu viele Charaktere, zu viele Probleme und Geschichten auf den 352 Seiten.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ein Weihnachtsfest in Småland

Stina Lund
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.10.2018
ISBN 9783499275487
Genre: Liebesromane

Rezension:

Dieses kleine Büchlein im Format 10,9 x 17 cm mit 128 Seiten ist wunderbar gestaltet. Das Cover zeigt stimmig eine weihnachtlich verschneite Landschaft. Lackierungen heben Details hervor und ergeben ein tolles haptisches Erlebnis.

Doch viel wichtiger als diese äußerlichen Details ist schließlich der Inhalt. Und auch der ist bei „Ein Weihnachtsfest in Smaland“ absolut gelungen.

Die Geschichte wird von einer tiefen melancholischen Traurigkeit getragen. Alva ist unzufrieden mit ihrem Leben. Sie führt seit 25 Jahren eine gute Ehe mit Martin. Doch ist „gut“ genug? Eigentlich könnte Alva glücklich sein. Und dennoch macht sich diese Unzufriedenheit in ihr breit.

Stina Lund lässt uns hervorragend an Alvas Gefühlswelt teilhaben. So gelang es mir gut mich in Alva und ihr scheinbar zufriedenes Leben hineinzuversetzen. Denn oftmals schaut von außen alles gut aus. Und selbst auf den zweiten Blick, ist ja auch alles gut. Eigentlich gibt es gar keinen Grund sich zu beklagen. Genau dieses „eigentlich“ ist es, was die Sache so gefährlich macht. Ständig werden wir dazu angehalten mehr aus unserem Leben zu machen. Ein Druck, der einen schon mal in eine kleine oder auch größere Lebenskrise stürzen kann.

Wie ein Damoklesschwert schweben die Fragen drohend über Alva „Ist das schon alles?“ und „Was wäre aus mir geworden, wenn…“.

Stina Lund erzählt mit viel Feingefühl, Alvas Geschichte. Ich wollte das Büchlein gar nicht mehr aus der Hand legen und habe es schließlich auch in einem Rutsch gelesen. Die schwere Last, die auf das Herz drückt und die hohen Erwartungen an ein besinnliches Weihnachtsfest, lassen den Leser nachdenklich zurück. Stina Lund rückt dem Leser den Kopf zurecht. Gibt uns einen Schubser in die richtige Richtung, um die Prioritäten zu überdenken und sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren.

Stina Lund hat mich mit „Ein Weihnachtsfest in Smaland“ begeistert. Es ist ein leises, melancholisches Buch, das sowohl äußerlich als auch innerlich wunderschön ist. Eine sanfter Aufruf auf das Herz zu hören und den wirklich wichtigen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken – sie weder mehr zu schätzen.

Das Buch spricht so viele Herausforderungen an vor die uns unsere Lebensweisen stellen. Es ist faszinierend, wie Stina Lund den Finger derart gezielt und schmerzhaft in jede noch so kleine offene Wunde legt.

„Ein Weihnachtsfest in Smaland“ ist meine Weihnachtshighlight der Neuerscheinung 2018. Auf diesen wenigen Seiten steckt so viel Tiefgründigkeit, die einen noch Tage nach dem Lesen beschäftigt.

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13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Weihnachten auf Samtpfoten

Lili Hayward , Susanne Keller
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2018
ISBN 9783492312554
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ein Weihnachtsbuch mit einer Katze am Cover und im Titel – wie könnte ich anders, als mir das gute Stück sofort auf meinen Reader zu laden. Ein ganz und gar wunderbares Cover, dass auf ein verträumtes, kitschiges Weihnachtsbuch hoffen lässt. Doch das ist es leider ganz und gar nicht. Ja, nicht mal die Katze sieht der schwarzen Perrin ähnlich.

Denn sowohl Jess‘ Roman als auch die Weihnachtsgeschichte werden in den Hintergrund gedrängt. Gut am Ende ist irgendwann Weihnachten, der Roman wird jedoch von der Rettung des Cottage dominiert.

Jess wird in dem kleinen Dorf Lanford alles andere als herzlich aufgenommen. Die Bewohner treten ihr höchst zurückhaltende, ja abweisend gegenüber. Das klassische Klischee wie sich Menschen auf dem Land Neuen gegenüber verhalten.

In dem kleinen Cottage gehen seltsame, magische Dinge vor sich. Immer wieder sieht Jess die Vergangenheit und erfährt so Stück für Stück was sich auf diesem historischen Boden zugetragen hat. Dabei handelt es sich um einen klassischen Zwist zwischen zwei großen Familien aus der Gegend. Alles in allem nichts Neues.

Die Geschehnisse der Vergangenheit fand ich leider ziemlich langweilig. Sie wurden unnötig in die Länge gezogen. Der Zwist liegt viele Generationen zurück. Im Schnellverfahren lesen wir die Geschichte einer jeden Generation. Das nimmt dem Roman die Spannung. Lieber weniger dafür detaillierter.

Auch die Liebesgeschichte, die in einem derartige Buch nicht fehlen darf, ist mehr als vorhersehbar.

Wir erleben die Geschichte aus Sicht von Jess als Ich-Erzählerin. Bei den Vision in die Vergangenheit wird zu einem auktorialen Erzähler gewechselt.

Letzten Endes rettet Perrin die Geschichte und die letzten gut 15-10% des Buches, in denen dann endlich die erhofften weihnachtlichen Erzählungen beginnen.

Zu wenig Weihnachten und zu viele Visionen der Vergangenheit. Langwierige Streitigkeiten, die über mehrere Generationen in die Vergangenheit reichen, konnten mich leider nicht begeistern.

Wer Konflikte zwischen zwei Familien mit einer Prise Magie sucht ist bei „Weihnachten auf Samtpfoten“ richtig. Wer sich in weihnachtliche Stimmung versetzen lassen möchte, sollte jedoch lieber zu einem anderen Buch greifen. Denn Weihnachtsstimmung ist bei mir nicht aufgekommen. Und dass, obwohl ich Weihnachtslieder neben dem Lesen gehört habe.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Das Stille Nacht Geheimnis

Manfred Baumann
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.10.2018
ISBN 9783839223390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Das Stille Nach Geheimnis“ schafft Manfred Baumann einen wunderbaren Weihnachtskrimi. Rund um das Jubiläum zu dem Weihnachtsklassiker schreibt er eine spannende Geschichte. Dabei gelingt es ihm, dass dies keinesfalls kitschig wird und er gibt dem Leser vieles über die Traditionen und die Entstehung des Liedes mit.

Als wäre das nicht schon genug, flechtet er auf wunderbare Arte und Weise, Missstände der aktuellen Zeit ein. Diese geben dem Buch eine enorme Spannung. Die kleinen Andeutungen, die er uns bereits recht früh präsentiert, schwirren dem Leser ständig im Hinterkopf.

Glücklicherweise wurde das „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 in Oberndorf bei Salzburg komponiert. So kann Manfred Baumann auf seine bewährten Ermittler aus seiner Salzburg-Krimi-Reihe zurückgreifen. Da die Polizei alles für einen Unfall hält, träten die Kommissare nur am Rande auf. So ist es nicht notwendig, dass man seine Salzburg-Krimis bereits gelesen hat. Für Fans von Baumann ist es jedoch ein willkommenes Wiedersehen.

In dem Krimi wird die personale Erzählsituation verwendet. Dabei wechselt der personale Erzähler in jedem Kapitel. Deutlich wird dies immer zu Beginn eines jeden Kapitels angezeigt. Meist sind die Kapitel circa 10-15 Seiten lang. Da Stella die Hauptprotagonisten ist, wird ein Großteil des Buches aus ihrer Perspektive erzählt. Das sorgt dafür, dass man als Leser gar nicht das Gefühl hat allzuoft die Perspektive zu wechseln. Das bringt eine gewisse Ruhe in das Buch.

Dennoch wird es in „Das Stille Nacht Geheimnis“ keineswegs langweilig. Die Geschichte spielt sich auf mehreren Ebenen ab und es gibt unterschiedliche Problemfelder. Manfred Baumanns sehr angenehmer, wenig effekthaschender Schreibstil ist ein wahre Lesefreude.

Die Gestaltung der Hardcover-Ausgabe ist sehr ansprechend. Das Cover zeigt die berühmte „Stille-Nacht-Kapelle“. Sie steht an jener Stelle wo einst die Kirche St. Nikola stand. In dieser Kirche wurde im Jahre 1818 das Weihnachtslied uraufgeführt. Das Vorsatzpapier glänzt hübsch goldenen. Dies lässt das Buch besonders edel und feierlich wirken.

Ein ganz wunderbarer Weihnachtskrimi. Manfred Baumann bietet spannende Lesestunden, die uns viel über das 200 Jahre alte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ verraten. Das Buch spielt in der heutigen Zeit und sorgt für Weihnachtsstimmung beim Leser.

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Gebrauchsanweisung für Iran

Bita Schafi-Neya
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2018
ISBN 9783492277181
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zu Beginn erzählt uns Bita Schafi-Neya viel über die Geschichte des Irans und vor allem die doch teils komplizierten Verstrickungen von Amerika und Großbritannien. Sieht man sich an wie das Land aufgrund von westlichen Machenschaften ins Chaos gestürzt wurde und wie vor allem Amerika heute mit dem Iran umgeht, bekomme ich Brechreiz. Die Autorin schafft es diese Verbindungen sehr gut und logisch aufzuzeigen. Sie verwendet dabei einfache Wörter, damit es auch wirklich für jedermann verständlich ist.

So sehr ich Bita Schafi-Neyas Fähigkeit bewundere diese politischen Verflechtungen einfach, strukturiert und spannend aufzubereiten, dauert dieses Kapitel für mein Empfinden zu lange. Viel mehr war ich auf eine Art Reiseführer eingestellt, der die Eigenheit der Iraner und ihrer Kultur aufzeigt.

Diese Dinge wie beispielsweise Taarof, die spezielle iranische Höflichkeit, oder auch wie Flirten in einem Land wie dem Iran funktioniert, oder die sieben Glücksbringer für das Nowruz (das iranische Neujahrsfest im Frühling) bleiben nicht unerwähnt.

Die Reisebeschreibungen und Hintergrundinfos zu den besuchten Ort sind ansprechend und kurzweilig geschrieben. Man lernt viel und wird dabei gut unterhalten.

Gefehlt hat mir eine Struktur oder ein roter Faden in „Gebrauchsanweisung für Iran“. So springt die Autorin von einem Ort zum anderen, ohne dass dabei für mich eine Route erkenntlich ist. Da Bita Schafi-Neya bereits viele Male im Iran war, berichtet sie von unterschiedlichsten Reisen in den unterschiedlichsten Konstellationen (alleine oder mit Familie und kleiner Tochter oder Freunden unterwegs). Nur selten ist für mich klar, mit wem bzw. in welcher Gruppe sie in der aktuellen Erzählung unterwegs ist.

Besonders irritierend fand ich, dass Bita Schafi-Neya plötzlich bei 68% des Buches eine Geschichte erzählt, wie sie im Jahr 2015 mit ihrem Mann und ihrer Tochter mit dem Auto von Deutschland aus in den Iran gereist ist. Dabei gibt es viele Infos, was man bei der Einreise mit dem eigenen Auto beachten muss. An sich eine interessante Geschichte. Allerdings völlig willkürlich mitten ins Buch geworfen.

In ihrer „Gebrauchsanweisung für Iran“ zeigt Bita Schafi-Neya wie vielfältig dieses wunderbare Land ist. Es macht mir Lust mich sofort in den Flieger zu setzen und all das zu besichtigen, dass ich noch nicht kenne. Die Salzwüste sowie das Wabendorf Kandovan klingen super spannend.

Der zu lange politische Abschnitt, aber vor allem die fehlende Struktur und die wild durcheinander gewürfelten Kapitel führen dazu, dass ich „Gebrauchsanweisung für Iran“ letzten Endes mit 3 von 5 Sternen bewerte.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Stille Nacht und das Geheimnis der Zauberflöte

Reinhard Schwabenitzky
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Tyrolia, 01.09.2018
ISBN 9783702237073
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Stille Nacht und das Geheimnis der Zauberflöte“ gibt tolle Einblicke in die Entstehung und die Geschichte dieses weltberühmten Weihnachtslied. Die Zeitreise des 12-jährigen Lucas aus dem heutigen Salzburg zurück ins Jahre 1818 ist sehr lustig beschrieben. Da Zeitreisen in Büchern oftmals für Verwirrung sorgen können, gleich einmal die Entwarnung. In dieser Weihnachtsgeschichte wird nicht wild durch die Zeiten gesprungen. So muss sich der Leser auch nicht von Kapitel zu Kapitel in eine andere Epoche einfühlen.

Dennoch war es sehr lustig, wie Lucas das Leben damals wahrnahm. Der Junge ist ein bisschen neunmalklug und bereits viel zu erwachsen für sein Alter. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir etwas mehr kindliche Naivität gewünscht. Irritierend fand ich seine Gefühle für ein junges Mädchen, die weiter über Freundschaft hinausgingen. Diese wurden penetrante betont, damit sie dem Leser auch ja nicht entgehen.

Der Trick mit der Zeitreise hat mir insofern sehr gut gefallen, da wir Josef Mohr (er hat den Text von „Stille Nacht, heilige Nacht“) und Franz Xaver Gruber, der Komponist der Melodie, besser kennen lernen konnten. „Stille Nacht und das Geheimnis der Zauberflöte“ wirkt sehr gut recherchiert. Man bekommt ein gutes Bild der beiden Künstler.

Vor allem Josef Mohr war mir sehr sympathisch. Der Vikar war für die damalige Zeit sehr weltoffen und ist für seine Mitmenschen eingetreten. Auch heute noch sind Menschen wie er eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Die ganze Geschichte bzw. die Zeitreise von Lucas ist in einen mysteriösen Kriminalfall der Vergangenheit eingebunden. Dieser bringt jedoch nicht immer die erhoffte Spannung und plätscherte zwischenzeitlich etwas zu ruhig vor sich hin. Auch das Agieren der Kinder war mir eine Spur zu erwachsen, selbstständig und vernünftig.

Das Buch ist sehr hübsch gemacht. Immer wieder finden sich zwischen den Kapitel kleine Zeichnungen von Lucas, der auf seiner Zauberflöte spielt. Außerdem hat die Hardcover-Ausgabe ein Lesebändchen, was ich immer sehr praktisch finde. Einziger Wermutstropfen ist für mich das Cover selbst. Das Mädchen mit den geschlossenen Augen und der Flöte auf dem Cover finde ich nur bedingt passend.

Der 200. Geburtstag von „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist Anlass genug, um diesem friedvollen Lied eine Geschichte zu widmen. Eingebettet in einen Krimi erfährt man viel über die tatsächliche Entstehungsgeschichte. Die schwarzen Flecken in der Geschichte schmückt der Autor aus und schafft so am Ende einen runden Weihnachtskrimi.

Am Ende des Buches sind die historischen Fakten kurz und knackig zusammengefasst. So kann der Leser klar zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Eine schöne Geschichte, die nicht nur im Jubiläumsjahr unterhaltsame Lesestunden verspricht.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Wie wir Plastik vermeiden

Will McCallum , Thomas Pfeiffer , Martin Bayer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783548060620
Genre: Sachbücher

Rezension:

Grob ist „Wie wir Plastik vermeiden … und einfach die Welt verändern“ in drei große Teile gegliedert. Zu Beginn legt Will McCallum sehr schlüssig dar, warum Plastik ein derartiges Problem ist. Dabei zeigt er auf, dass es bereits fünf vor zwölf ist und welche dramatischen Auswirkungen das Plastikproblem bereits angenommen hat.

Schockierend der Fakt, dass pro Minute eine ganze LKW-Ladung Plastik ins Meer gekippt wird. Selbst in den entlegensten Winkeln dieser Erde in der Antarktis wurden Rückstände von Mikroplastik gefunden.

Im zweiten Teil gibt er nach Räumlichkeiten (Bad, Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer) sowie für unterwegs und am Arbeitsplatz praktische Tipps und Tricks wo und wie ein jeder von uns Plastik vermeiden kann. Dabei nennt er Quellen, Marken und Adressen wo man diverse Artikel völlig plastikfrei beziehen kann.

Will McCallum warnt den Leser davor sich vorzunehmen auf einen Schlag völlig plastikfrei zu leben. Es ist eine Mamutaufgabe, die eine Umstellung des Lebens und der Gewohnheiten bedeutet. Ähnlich einem Neujahrsvorsatz sind derartige Rundum-Schläge meist zum Scheitern verurteilt. Deshalb rät McCallum dazu sich Schritt für Schritt Dinge zu suchen, die man plastikfrei in sein Leben und seinen Alltag integrieren möchte.

Nach dem Ende eines jedes Kapitel gibt es Checklisten mit den Dingen, die man durch eine plastikfreie Alternative ersetzen könnte. In einer Spalte ist der Leser aufgerufen sich zu notieren, wie er das jeweilige Produkt ersetzen möchte. Ich hab „Wie wir Plastik vermeiden“ als ebook gelesen. Es wäre schön diese Listen digital zum Download zur Verfügung zu stellen. So könnte man sie einerseits am Computer ausfüllen, andererseits sie auch ausdrucken, um sie im Haus aufzuhängen und ständig vor Augen zuhaben.

Im letzten Teil des Buches beschreibt Will McCallum wie man Kampagnen selbst aufsetzt, durchführt, nachbearbeitet und für die notwendige Berichterstattung sorgt. Als Head of Ocean bei Greenpeace UK hat Will McCallum damit jede Menge Erfahrung vorzuweisen. Dennoch empfand ich persönlich dieses Kapitel als übertrieben. Der unermüdliche Einsatz von Menschen, die derartige Kampagnen durchführen und was damit alles erreicht werden kann, ist beeindruckend. Im Zuge des Buches ging es mir dann jedoch einfach zu weit und hat den Fokus von dem „jeder kann unmittelbar etwas dagegen tun“ gelenkt.

Plastik ist eine enorme Herausforderung. Will McCallum legt das Problem hinter dem Material, das beinahe überall vorkommt, anschaulich dar. Viele Tipps sind praktikabel und schnell für jeden Einzelnen von uns umzusetzen.

Man muss aufpassen, dass man von der Fülle an Plastikvermeidungstipps nicht erschlagen wird. Dass man vor lauter Möglichkeit nicht in einer Schockstarre verharrt.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Die geheime Bibliothek von Daraya

Delphine Minoui , Nathalie Lemmens
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Benevento, 28.09.2018
ISBN 9783710900426
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als Delphine Minoui das erst Mal Bilder von dieser unterirdischen, so surreal erscheinenden Bibliothek zu Gesicht bekommt, ist sie sofort fasziniert. Sie schafft es Kontakt zu den jungen Männern herzustellen und wird eine wichtige Bezugsperson für sie. Sie flüchten sich in ein Stückchen Normalität und lassen Delphine Minoui an den Schrecken in der eingekesselten Stadt teilhaben.

So vielfältig die Bewohner von Daraya einst waren, so vielfältig ist nun der Lesestoff in der unterirdischen Bibliothek. Denn die Bücher wurden aus den Trümmern der zerbombten Häuser gerettet und hier gesammelt. Dabei legten die Männer wert darauf das Buch ihrem Besitzer eines Tages zurückgeben zu können. So findet sich in jedem Buch der Name seines ursprünglichen Besitzers. Eine wunderschöne Geste in dieser zerstörten Welt, in der sie jeden Tag ums bloße Überleben kämpfen.

Die Bücher geben Ihnen ein Stückchen Normalität zurück. Versunken zwischen zwei Buchdeckeln können sich die Männer, Frauen und Kinder, die in Daraya eingeschlossen sind, in eine andere Welt träumen. In eine Welt voller Hoffnung und Freiheit. 

Von jeher wurden Bücher auf den Index gesetzt oder systematisch verbrannt. Vor allem Diktatoren kennen diese Angst vor Büchern nur zu gut. Denn Bücher sind Massenbildungswaffen. Gebildete und kultivierte Menschen sind für derartige Regime immer eine Bedrohung. Es zeigt wie wichtig Bildung und vor allem das Erlernen von Lesen ist. Denn Bücher können recht einfach Menschen bilden, unterschiedliche Welten und Sichtweisen eröffnen und vor allem zum Denken anregen. Und denkende Menschen sind seit jeher eine Gefahr für die Ungerechtigkeit und der erste Schritt zur Freiheit.

Das alles zeigt sich auch gar wunderbar in dem Untertitel des Buches „Über die Macht der Bücher in Zeiten des Krieges“. Fantastisch gewählt!

Das 223 Seiten dicke Buch ist in einer sehr großen Schriftgröße gedruckt. Sehr angenehm für die Augen. Dadurch ist man allerdings auch schnell mit der Geschichte durch. Man fiebert mit den eingeschlossenen Menschen mit. Man spürt die Angst und Verzweiflung, die ihnen tagtäglich im Nacken sitzt. Doch zeitgleich wird man von ihrer Hoffnung und ihrem Glauben an eine bessere, gerechtere Welt angesteckt.

„Die geheime Bibliothek von Daraya“ lässt mich als Leser etwas mutlos zurück. Delphine Minoui legt die unglaubliche Brutalität des Assads-Regime dar. Eine andere Seite dieses Krieges, der uns in den Medien viel zu einseitig aufbereitet wird.

Zusätzlich zeigt Minoui die aussichtslosen, ja fast lächerlichen Hilfsaktionen der vereinten Nationen und was davon wirklich in Daraya ankommt bzw. welchen Schaden diese anrichten. 

Lies dieses Buch unbedingt. Lass dich mitreißen in eine faszinierende Welt der Bücher. Die Liebe und die Notwendigkeit des geschriebenen Wortes und die unglaubliche Macht, die ein paar sorgfältig aneinandergereihte Buchstaben entfalten können. All das vor dem Hintergrund eines schrecklichen, brutalen Kriegs.

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126 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 26 Rezensionen

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Unter der Drachenwand

Arno Geiger
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.01.2018
ISBN 9783446258129
Genre: Romane

Rezension:

Mit „Unter der Drachenwand“ hat es Arno Geiger sowohl auf die Longlist für den deutschen Buchpreis als auch für den österreichischen Buchpreis geschafft. Eine mehr als respektable Leistung.

In „Unter der Drachenwand“ erzählt er von der Verdrossenheit und von der Aussichtslosigkeit gegenüber dem Krieg. An der Front aus erster Nähe miterlebt, weiß Veit fernab von Propaganda was Tatsache ist. In der Heimat muss er sich Sprüche und Politisierung von überzeugten Nazis anhören, die selbst teilweise aus zweiter oder dritter Hand berichten. Und auch als Wien bereits in Trümmern liegt, lassen die Siegesüberzeugungen nicht nach.

Veit hat nicht nur mit körperlichen Verletzungen zu kämpfen, sondern auch mit psychischen Problemen. Ständig versucht der Krieg ihn einzuholen und ihm den Atem zu rauben. Die Angst eines Tages zurück an die Front zu müssen, überschattet sein Dasein.

Ich habe sehr schwer in „Unter der Drachenwand“ hineingefunden. Neben den Erzählungen aus Sicht von Veit, werden unterschiedliche Briefe von oder an Menschen in Mondsee wiedergegeben. Dabei wird nicht übersichtlich verdeutlich wer an wen schreibt. Romanartig entfallt sich die Geschichte und der Leser muss durch aufmerksames Lesen Rückschlüsse ziehen, wer denn nun an wen schreibt.

Das die Briefe sich zeitlich oftmals überschneiden, macht alles nur noch schwieriger, wenngleich auch realistischer. Schließlich war es damals so, dass Briefe verloren gingen, absichtlich zerstört wurden oder in der falschen Reihenfolge ankamen. Dennoch wurden fleißig weitere Briefe geschrieben.

So kommt es vor, dass wir mehrere Briefe von einer Person hintereinander zu lesen bekommen. Dabei werden diese wie eine endlose Litanei ohne eine optische Trennung aneinander gehängt. Dabei werden viele Nichtigkeiten erzählt, die einerseits die Verzweiflung der Menschen / der Zivilisten, die unter den Auswirkungen des Kriegs leiden, greifbar machen, in der Summe jedoch schlicht zu viel und zu langatmig waren.

Ich bin ein großer Freund von Arno Geigers Schreibstil, seiner sorgfältigen Wortwahl und seiner direkten, nicht effekthascherischen Schreibweise. Deshalb habe ich „Unter der Drachenwand“ trotz aller Kritikpunkte gerne gelesen.

Mit seinem gewohnt angenehmen Schreibstil nimmt uns Arno Geiger mit an den Mondsee. Quälend langsam schreiten die letzten Kriegsjahre und -monate voran. Getrieben von der Hoffnung auf ein normales Leben schleppen sich die Protagonisten durch die Tage. Ein Krieg unter dem alle litten.

 „Unter der Drachenwand“ zeigt einen weiteren Aspekt des Zweiten Weltkriegs ganz ohne KZ und Judenverfolgung und dennoch alles andere als lustige. Im Sinne von #WiderDasVergessen ist es wichtig, dass wir uns auch derartige Schicksale in Gedanken rufen, um zu zeigen, dass es niemanden gab der nicht unter der Situation gelitten hat, wenn selbstredend in ganz unterschiedlichen Aspekten und Abstufungen.

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

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Verdammt perfekt und furchtbar glücklich

Anneliese Mackintosh , Gesine Schröder
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.08.2018
ISBN 9783351050566
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich mag das Cover auf dem, alles andere als perfekt, wild herumgekritzelt und korrigiert wurde. Es erweckt den Eindruck eines unterhaltsamen Buches.

Anneliese Mackintosh hat einen leichten Schreibstil. Vor allem aufgrund der sehr offenen und direkten Art mit der Probleme und Tabus angesprochen werden, ist das Buch leicht zu lesen. Dem Leser wird einiges an Denkarbeit und das Lesen zwischen den Zeilen erspart. Man kann sich gedanklich direkt mit der eigentlichen Thematik beschäftigen. Dadurch hat die Geschichte von Ottilia McGregor mehr Tiefgang, als man im ersten Moment vermuten würden.

Es werden Probleme und Herausforderungen des alltäglichen Lebens angesprochen, die für viele Stolpersteine darstellen. Verhaltensweise in die man hineinstolpert und die schwer zu ändern ist. Oftmals ist man sich dem Problem gar nicht wirklich bewusst.

„Verdammt perfekt und furchtbar glücklich“ ist kein herkömmlicher Roman in Erzählform. Es werden SMS, Whats App Nachrichten und E-Mails abgedruckt. Wir bekommen Aushänge, Förderungsanträge und was der Protagonistin sonst so über den Weg läuft zu lesen. Dies gestaltet das Buch einerseits sehr kurzweilig. Andererseits gibt es immer wieder Abschnitte, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie nichts zur Geschichte beitragen.

Ich habe das Buch als ebook gelesen. Dabei war leider die Formatierung der unterschiedlichen Schriftstücke nicht immer optisch ansprechend und manchmal sogar etwas schwer zu lesen. Beispielsweise wurde die Schrift bei E-Mails viel zu groß dargestellt. Ich denke, dass ist in der gedruckten Form besser. Eine gekonnte Aufmachung kann das Buch von der Masse abheben.

Mir hat sehr gut gefallen, wie Ottilia ihr Alkoholproblem angeht. Dabei muss sie viele Hürden meistern. Man spürt förmlich selbst das Verlangen nach einem Drink, der so vieles wesentlich einfacher erscheinen lässt. Die Freundschaften, die plötzlich ihre Daseinsberechtigung verlieren, wenn das gemeinsam Party machen, das meist zwangsläufig mit zu viel Alkohol verbunden ist, wegfällt. Das Hinterfragen all dieser schädlichen Verhaltensmuster tut gut.

„Verdammt perfekt und furchtbar glücklich“ spornt dazu an sein eigenes Leben wieder einmal zu durchleuchten und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Was mache ich weil es so von mir erwartet wird? Mit welchem Verhalten schade ich mir mehr als das es mir gut tut? Welche Beziehungen sind schädlich für mich?

Mit ihrer ungewohnt direkten, offenen und klaren Sprache hat mich Anneliese Mackintosh für sich gewonnen. Dadurch werden die Probleme und Herausforderungen wesentlich intensiver aufgenommen.

Die Protagonistin Ottilia McGregor fasst einen mutigen Entschluss. Es macht Spaß sie auf ihrem Weg der Veränderung zu begleiten und regt dazu an das eigene Leben auf dringend notwendige Änderungen hin zu durchleuchten. Denn leider ist es oftmals der eigene Geist und der eigene Körper, an denen wir viel zu lange Schindluder betreiben.

In diesem Sinne, befreie dich von schädlichen Beziehungen und tue dir jeden Tag etwas gutes! Das klingt einfacher als gesagt. Ottilia gibt dir viele gute Ansatzpunkte, wie es funktionieren kann.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Der Bulle vom Ammersee

Ina May
Flexibler Einband: 441 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.07.2018
ISBN 9783839222959
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Setting klingt spannend und ich erhoffte mir Einblicke in die Dreharbeiten. Die sollte ich bekommen und zwar nicht zu knapp. Denn neben dem Erpressungsfall bekommen wir auch den Fall der Serie live mit. Von der Drehbesprechung am Vormittag über die einzelnen Szenen begleiten wir Viktor Lässig alias Hieronymus Hart.

Umständlich fand ich es, dass die Dreharbeiten chronologisch durchgeführt wurden. So musste das Filmteam immer wieder an einen Drehort fahren an dem es bereits ein paar Tage davor war. Ich weiß nicht ob es bei einem tatsächlichen Filmdreh ebenfalls derart abläuft. Vielleicht ist es notwendig damit sich die Schauspieler besser in ihrer Rolle hineinversetzen können. Allerdings erscheint mir dieses Vorgehen kompliziert und kostet viel Zeit, die mit herumfahren vergeudet wird.

Das Thema Essen zieht sich wie ein lästiger Faden durch die Geschichte. Klar das Frühstück ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Nicht nur um gut in den Tag zu starten, sondern auch für die Botschaften des Erpressers. Dennoch hätten die detaillierten Beschreibungen über das Frühstück, sowie das darauf folgende Hungergejammer des Protagonisten während der Dreharbeiten drastisch verkürzt werden können.

Und somit sind wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt angekommen. „Der Bulle vom Ammersee“ hat Potential zieht sich allerdings mit 441 Seiten in die Länge. Um 150 Seiten gekürzt, würde dem Leser vermutlich nichts abgehen und die Geschichte an Fahrt aufnehmen. Die viel zu detaillierten, inhaltlichen Beschreibungen des Fernsehkrimis ziehen die Geschichte unnötig in die Länge und sind mäßig spannend

Zusätzlich wäre die Autorin dann auch gezwungen verwirrende Ausschweifungen und komplizierte Sätze zu kürzen. Denn oftmals wird so schnell hin und her gesprungen, dass es schwer ist der Geschichte zu folgen. Manche Sätze musste ich mehrfach lesen und dennoch war mir die Bedeutung noch immer nicht ganz klar.

Schöne Idee, die jedoch leider unnötig aufgeblasen und in die Länge gezogen wurde. Schade denn nach einer drastischen Kürzung könnte „Der Bulle vom Ammersee“ ein richtiger Pageturner werden.

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10 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Frank Thelen – Die Autobiografie

Frank Thelen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Murmann Publishers, 27.08.2018
ISBN 9783867746113
Genre: Biografien

Rezension:

Als mehrfacher Gründer, immer mit techniklastigen Unternehmen, hat Frank Thelen jede Menge Erfahrung. Dabei zählt auch das Scheitern zu seinen Erfahrungen.

Das Cover ist sehr schön gearbeitet. Passend zu dem Untertitel „Startup-DNA“ verlaufen im Hintergrund sanfte Zahlen die hervorgehoben sind und eine tolle Haptik ergeben. Wenn es anstand des Dezimalsystem die Zahlen des Binärsystems wären, würde mein Technikherz vor Glück strahlen.

Natürlich bleiben in einer Biografie von einem Technik-Geek wie Frank Thelen diverse technische Fachbegriff nicht aus. Diese sind im Text fett hervorgehoben und werden direkt auf der Seite selbst, in kleinen Absätzen am Seitenrand erklärt. Das erspart lästiges hin und her blättern und macht optisch richtig was her. Auch wenn ich diese Erklärungen nicht gebraucht hätte, ist es sicherlich eine gute Hilfestellung für viele Leser.

Die Autobiografie ist sehr stark auf Franks berufliche Laufbahn fokussiert. Es gibt zwar einen kurzen Abriss wo und unter welchen Umständen er aufgewachsen ist und natürlich fehlt auch ein Kapitel zu seiner großen Liebe nicht. All das ist jedoch sehr kurz und knackig gehalten. Diese Schwerpunktsetzung finde ich gut.

Frank Thelen stellt viele seine Start-ups in die er investiert hat vor. Es zeigt sich für den Leser rasch, dass hinter den Investitionen eine groß angelegt Strategie steckt und Thelen nicht wahllos in vielversprechende Unternehmen investiert. Auch wenn er mehrmals betont, dass es keine Werbung sein soll und aus ihm tatsächlich die pure Begeisterung für diese Unternehmen spricht, bleibt eine Werbetouch unumstritten.

Die letzten rund 100 Seiten geben viel mehr einen Einblick in die modernen Techniken, die Frank Thelen nach dem Motto „Baukasten der Zukunft“ in den nächsten Jahren als relevant einstuft. Anschließend wird es politisch und Frank Thelen gibt seine Einschätzung, was sich in Deutschland und der Politik ändern muss, damit Deutschland zukünftig zu den großen Technologie-Nationen gehören wird.

Man muss Frank Thelen zu Gute halten, dass er es schafft, diese Techniken ohne großes Fachvokabular so einfach zu erklären, dass es ein jeder versteht und man schnell die Reichweite der neuen Möglichkeiten erahnen kann. Vor allem die super einfache und plakative Erklärung der Blockchain, gefällt mir sehr gut. Dennoch gerät dadurch die Biografie etwas in den Hintergrund.

Die weiterführenden Links im Buch sind sehr gut umgesetzt. Es wird auf QR-Codes oder gar Codes, für die eine spezielle App installiert werden muss, verzichtet. Derartiges empfinde ich immer als sehr lästig. Technik darf nie zum Selbstzweck werden und das hat Frank bzw. die Herausgeber der Biografie verstanden. Mit Shortlinks, die im Durchschnitt 10-15 Zeichen lang sind, wurde eine sehr einfache, unkomplizierte und gut funktionierende Technik gewählt.

Frank Thelen hat definitiv die Macht der (gedruckten) Bücher verstanden. So wie es zur Strategie jedes seiner Food Unternehmen, in die er investiert hat, gehört ein Kochbuch herauszubringen, veröffentlich er nun selbst ein Autobiografie. Das „Produkt“ oder der Experte Frank Thelen verdeutlich damit seinen Know-How und festigt seine Position als Experte.

Diese Positionierung seiner eigenen Person wird durch die Ausblicke in die Zukunft bekräftig. Dennoch sind es gerade diese Bereiche, die zwar toll und verständlich geschrieben sind, allerdings für mich eher in Buch über Zukunftsstrategie, Transformation und Co passen würden, als in eine Autobiografie.

Alles in allem ein wunderschön aufgemachtes Buch mit vielen interessanten Einblicken, das recht kurzweilig zu lesen ist.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Das Kafka-Manuskript

Raimund A. Mader
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.07.2018
ISBN 9783839222935
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verbrechen, die aufgrund eines Manuskripts, aufgrund von Literatur, verübt werden, klingt toll. Ich möchte glauben, dass die Leidenschaft für das geschriebene Wort die Täter antreibt, befürchte jedoch, dass am Ende Geld die Triebfeder ist.

Raimund A. Mader reist mit uns quer durch Europa – von Regensburg nach Wien, über Riva bis nach Tallinn. Dabei führt uns die Geschichte weit in die Vergangenheit.

Es hat mir gut gefallen, dass man in einen spannenden Roman verpackt einiges über Kafkas Leben erfahren hat. Allerdings war es schwer festzustellen, was denn nun der Realität entspricht und wo der Autor schwarze Flecken mit seiner Fantasie ausgeschmückt hat. Auch nach einer Internetrecherche ist dies für mich nicht immer ganz eindeutig.

Gewiss ist jedoch, dass viele von Kafkas Werken erst nach seinem Tod von seinem Nachlassverwalter Max Brod veröffentlicht wurden. Denn eigentlich hat Kafka verfügt, dass Max Brod nach seinem Tod alle seine Werke vernichten soll. Dieser hat sich jedoch darüber hinweggesetzt. Eine Geschichte, die natürlich jede Menge Raum zu Spekulationen gibt und die Vorlage für einen spannenden Krimi bietet.

„Das Kafka-Manuskript“ ist ein komplexer Kriminalroman mit vielen Irrungen und Wirrungen. Die Verbindungen zwischen den vielen Personen lösen sich auf und irgendwie passen mir die Puzzleteilchen dann doch etwas zu gut exakt. Der Autor ist hier etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Ich hatte das Gefühl, dass uns Raimund A. Mader mit seinem namenlosen Verwirrten, der durch die Stadt irrt an „Die Verwandlung“ von Franz Kafka erinnern möchten. Es gibt viele Andeutungen. Absätze oder ganze Kapitel sind gewollt verwirrend geschrieben. Sie tragen nichts zur Handlung bei und wirken wie wilde Drogenfahrten. Es wirkt alles eine Spur zu aufgesetzt.

Doch am meisten muss ich mich über die Geschlechterverteilung in „Das Kafka-Manuskript“ aufregen. Klar können die armen, unschuldigen Männer, die wie selbstverständlich ihre Frauen betrügen, nichts dafür wenn junge, reizvolle Damen sie umgarnen. Dieser Umgang und die Sichtweise auf die Beziehungen zwischen Mann und Frau ist mir zutiefst zuwider. Männer, die bereits bei einem Blick und einem kleinen Lächeln schon schwach werden. Als wären Männer schwache Wesen ganz ohne Gewissen, Verstand und Gegenwehr.

Das Bild von Regensburg auf dem Cover finde ich sehr ansprechend und es macht Lust die Stadt selbst einmal zu besuchen. Mit dem historischen Stadtkern passt es auch hervorragend zu der Geschichte. Mir gefällt, dass tatsächlich ein Bild einer Stadt verwendet wurde, die im Buch vorkommt. Nicht immer selbstverständlich, dass das Cover zum Inhalt passt.

In „Das Kafka-Manuskript“ hat sich Raimund A. Mader ein Stückchen Literaturgeschichte herausgepickt und rundherum eine spannenden Jagd nach einem verschwunden Manuskript gesponnen.

Für das zu gewollt-verwirrende Konstrukt und eine schrecklich Sichtweise auf die Rolle der Frau und des Mannes muss ich jedoch zwei Sterne abziehen.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Touchdown! Wie Unternehmen unschlagbar werden. Das Strategiebuch

Oliver Greiner
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Murmann Publishers, 18.07.2018
ISBN 9783867746090
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Marktemeister bezeichnet Oliver Greiner jene Unternehmen, die anders und besser als der Mitbewerb ist. Als jene Unternehmen deren konzeptionelle Stärke und deren Umsetzungsstärke größer ist.

Es geht als nicht nur darum ein Angebot für den Kunden zu haben, das sich vom Mitbewerb abhebt, sondern dieses auch besser umsetzen. Man merkt schnell, dass auch bloß besser als der Mitbewerb zu sein, für eine gewisse Zeit ausreichen kann, auf die Dauer ist das aber keine Strategie um der Meister seines Markts zu werden. Dennoch ist es wichtig nicht nur anders, sondern auch besser zu sein. Denn sobald es dem Mitbewerb gelingt die konzeptionell nach zu machen oder vielleicht sogar zu kopieren, kann man sich als Marktmeister für eine gewisse, begrenzte Zeitspanne mit dem besser sein schützen.

Denn eine Illusionen raubt uns Oliver Greiner gleich ganz zu beginn. Es reicht nicht sich einmal den Platz als Marktmeister gesichert zu haben. Denn wie es auch im American Football ist, folgt auf jeden Touchdown der erneute Kickoff. Und schon geht das Spielchen und die strategische Arbeit wieder von vorne los, bis der nächste Tochdown gelingt.

Mit dem 7K-Prinzip für konzeptionelle Stärke wird dieser Weiterentwicklung sorge getragen. Das 7K-Prinzip dient zur Beschreibung von Geschäftsmodellen und scheint mir vor allem für bereits bestehende Unternehmen praktikabel. Unter anderem wir darin ein „Konzept für die Zukunft“ gefordert. Die 7Ks beinhalten Grundsatzentscheidungen, also das Anders und Besser sein, und keine Zielentscheidungen.

Mit seiner jahrelangen Erfahrung als Strategieberater kennt Greiner die Schwächen von bestehenden Methodiken ganz genau. Schließlich hatte er selbst oft genug damit zu kämpfen. So ist die Balanced Scorecard zwar ein wunderschönes Modell mit KPIs, Zielen und im Idealfall auch Maßnahmen und Budgets. Dennoch wirkt die Balanced Scorecard auf mich oft sperrig und der Weg von der schönen Theorie und den Wunschvorstellungen bis hin zur tatsächlichen Umsetzung ist einer weiter an dem viele Scheitern.

Genau hier sehe ich die Stärke es „Touchdown“-Prinzips von Oliver Greiner. Es ist sehr auf praktikable Umsetzungsschritt und konkreter Handlungsaufforderungen bedacht, ohne dabei jedoch die Strategie aus den Augen zu verlieren. Den ebenjene Strategie stellt schließlich den Fahrplan auf.

Sehr plastisch werden Beispiel aus den unterschiedlichsten Branchen gebracht, um die Theorie zu verdeutlichen. Dabei nimmt Oliver Greiner sowohl große bekannte Unternehmen, die ein jeder von uns kennt und arbeitet mit öffentlich zugänglichen Daten. Er gewährt aber auch immer wieder Einblick in eigene Erlebnisse und berichtet von eigenen Fehlern und den Herausforderungen. Dabei zeigt er auch immer Lösungswege.

Während mir große Teile des Buches wirklich mehr als ausgezeichnet gefallen haben, wird es zum Ende hin etwas abstrakter und austauschbarer. Vor allem Kapitel 8 beinhaltet Aussagen und Ideen, die auf der Hand liegen und die man bereits in zahlreichen Management- oder Strategie-Büchern gelesen hat. Schade und passt eigentlich so gar nicht zum Rest des Buches mit viel Mehrwert und „Andersartigkeit“.

Last but not least sein erwähnt, dass  „Touchdown! Wie Unternehmen unschlagbar werden“ wundbar gestaltet ist. Es gibt ein einheitliches Farbkonzept, dass nicht zu sehr vom Inhalt ablenkt und auch nicht schrill ist. Es macht richtig Spaß damit zu arbeiten. Die wichtigsten Bausteine und Kernaussagen sind farblich herausgehoben und manche eine schnelle Orientierung beim Nachschlagen möglich.

Doch das beste ist das grafische Inhaltsverzeichnis. Hier werden die 4 Kerntools visualisiert und die Kernbotschaft ist für alle die das Buch gelesen haben, schnell wieder abrufbar. Sollte man dennoch die Bedeutung des ein oder andern Baustein nachlesen wollen, ist das mit der Seitenangabe schnell möglich. Wir dieses Visualisierte Inhaltsverzeichnis nicht mag, bekommt man natürlich die klassische Auflistung oben drauf.

Ich habe das Gefühl mit „Touchdown“ endlich ein Buch in die Hand zu bekommen, das nicht nur dabei Hilft Strategie sinnvoll und zielgerichtet zu formulieren, sondern auch die tatsächliche Umsetzung zu meistern. Praxisbezogen, umsetzungsfreundlich und dazu noch kurzweilig geschrieben.

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

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Das Verschwinden des Josef Mengele

Olivier Guez , Nicola Denis
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 10.08.2018
ISBN 9783351037284
Genre: Romane

Rezension:

Oliver Guez begibt sich auf die Spuren des Todesengel Josef Mengele. Diesen Menschen mit einem „Engel“ wenn auch einen Engel des Todes in Verbindung zu setzen, finde ich perfide. Es wirkt wie eine Verniedlichung seiner unsagbaren Verbrechen.

Viel wurde bereits über den Verbleib von Josef Mengele und vor allem sein Leben in Südamerika spekuliert. In den 60igern erhielt Mengele fast schon Kultstatus und die Jagd auf ihn wurde medienwirksam inszeniert.

Mit dem umfangreichen Wissen, dass wir nun haben, hat Oliver Guez die Südamerika-Jahre von Josef Mengele in einen spannenden Roman gepackt. Einzelne Szenen, die im Dunklen liegen und Details, um aus den Fakten einen runden, mitreißenden Roman zu manchen, hat der Autor mit literarischer Freiheit ausgeschmückt.

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Mengeles schreckliche Taten werden in dem Buch lange Zeit gar nicht wirklich angesprochen. Es gibt lediglich Andeutungen und es wird vom Leser ein gewisses Vorwissen erwartet. Dadurch nimmt man allerdings eine viel zu positive, freundschaftliche Beziehung zu Mengele ein. Der Leser ist mit Mengeles Schwierigkeiten sich in das fremde Land zu integrieren und Anschluss zu finden konfrontiert. Und plötzlich, als er beginnt sich einzuleben und wohlzufühlen, beginnt die Jagd.

Ich habe mit Mengele mitgefiebert. Wird ihm die Flucht gelingen? Wir der Polizei und dem Nazi-Jäger entwischen? Eine seltsam verquere und falsche Situation und ein schlicht unangenehmes Gefühl.

Und plötzlich konfrontiert Oliver Guez den Leser mit einigen wenigen Beispielen  – der ganzen Brutalität und Grausamkeit. Angewidert wendet man die Augen ab und kann nur schwer weiterlesen. Hatte dieser Mensch jemals Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen?

Oliver Guez berichtet von Alpträumen die Mengele in seinen letzten Jahren heimgesucht haben. Offen bleibt ob es sich bei diesen Traumsequenzen lediglich um einen Versuch handelt, Josef Mengele, der in seinen späteren Lebensjahren immer unausstehlicher wurde, so etwas wie eine menschliche Komponenten zu verleihen oder ob tatsächlich derartige Alpträume überliefert sind.

Oliver Guez gibt dem Leser in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ einen gut Abriss über die politischen Entwicklungen in Südamerika. Im Detail in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese erfordern Aufmerksamkeit vom Leser vor allem, wenn man viele der Namen noch nicht kennt. Dennoch schafft er es die Geschicht und vor allem auch die politischen Interessen um  Nazi-Flüchtlinge aufzunehmen gut darzustellen.

Zusätzlich zu den vielen Politikern kommen die vielen Nazis, die in Südamerika Unterschlupf gefunden haben und sich regelmäßig treffen. Diese vielen Personen nicht durcheinander zu bringen war eine Herausforderung für mich. Vor allem da ich die Namen der großen Nazi- und SS-Persönlichkeiten nicht derartig verinnerlicht habe.

„Das Verschwinden des Josef Mengele“ bringt den Leser in eine unbequeme Position. Man fiebert mit Josef Mengele mit und drückt ihm fast schon die Daumen, dass ihm die Flucht gelingt und er endlich ein ruhiges Leben führen kann. Dabei fühlen sich derartige Empfindungen schlicht falsch an. Als Oliver Guez dann auch noch einige wenige, dafür umso grausamere Gräueltaten wiedergibt, fühlt man sich als Leser mit der zarten, entstehenden Sympathie für das Monster Mengele ertappt und schuldig.

Viele, viele Namen machen es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Es steckt viel politisches und geschichtliches Wissen in dem Buch. Der Leser erhält einen guten Überblick über Argentinien, Paraguay und Brasilien nach dem Zweiten Weltkrieg.

NetGalley und der Aufbau Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Die Schwarze Witwe von Wien

Monika Buttler
Flexibler Einband: 249 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.08.2018
ISBN 9783839223031
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Schwarze Witwe von Wien: Die Morde der Elfriede Blauensteiner“ erzählt die wahre Geschichte der Elfriede Blauensteiner. Die Österreicherin wird von der Presse mit einer Schwarzen Witwe verglichen, da diese Spinnenart das Männchen nach der Trauung bzw. dem Geschlechtsakt einfach auffrisst.

1931 wird Elfriede in einem Wiener Arbeiterbezirk in ärmlichen Verhältnissen geboren. Es wird versucht Elfriedes Lebens in den Kontext der damaligen Zeit zu setzten. Somit liest man viele Ereignisse rund um die österreichische Geschichte. Diese werden jedoch alle nur kurz erwähnt ohne näher ins Detail zu gehen. Es ist notwendig sich im Vorhinein diesbezüglich Wissen anzueignen oder sich im Zuge des Buches immer wieder zusätzliche Quellen zu widmen. Nur so kann man das Gelesene vollumfänglich verstehen.

Hunger steht an der Tagesordnung. Mit psychischen Tricks (ob bewusst oder unbewusst) halten die Mutter und der Stiefvater die für Elfriede schädliche Beziehung aufrecht. Als es ihr endlich gelingt auszubrechen, schlittert Elfriede Blauensteiner mit ihrem ersten Mann in den nächsten katastrophalen Lebensabschnitt. Bis sie schließlich die Gelegenheit beim Schopf packt und ihren Mann hingebungsvoll pflegt. Zu Tode pflegt.

Selbst ist sich Elfriede keiner Schuld bewusst. Aufopferungsvoll ordnet sie ihr Leben der Pflege unter. Bewunderung und Anerkennung von außen für ihre Opferbereitschaft und ihre uneigennützign Hilfsleistungen sind ihr höchster Lohn. Auf perfide Weise wird deutlich welche Einschränkungen es mit sich bringt, wenn man zu sehr auf Bestätigung von Außen angewiesen ist.

Journalistisch gibt Monika Buttler das Leben der Elfriede Blauensteiner wieder. Mit diesem nüchternen Schreibstil bleiben Emotionen oder gar ein Hineinfühlen in die Protagonistin leider aus.

Aufgebaut ist das Buch um den fiktiven Journalisten Felix Moser, der für eine österreichische Boulevardzeitschrift eine ausführliche Reportage über „Die Schwarze Witwe von Wien“ schreiben soll. Die Sinnhaftigkeit diese Kunstkniffs erschließt sich mir bis zum Schluss nicht.

Felix liest diverse Vernehmungsprotokolle und die von Elfriede selbst verfassten Memoiren während diese bereits im Gefängnis sitzt. Es macht den Anschein, als wäre ein Großteil des Buches eine Zusammenfassung dieser Memoiren. Allerdings habe ich die Memoiren nicht selbst gelesen.

Die psychologischen Urteile aufgrund des Verhaltens von Elfriede werden direkt wiedergegeben und dabei auf die Gefühle oder Auswirkungen einzugehen. Ganz so als würde man in die gerichtlichen Unterlagen hineinschnuppern.

Felix Moser erscheint als Randfigur und reißt den Leser immer wieder aus dem ohnehin recht schwerfälligen Lesefluss, denn ich in dem reportageartigen Schreibstil begründet sehe. Denn eine Information alá Felix reibt sich die Augen und holt sich eine Tasse Kaffee, ist schlicht uninteressant und nicht relevant für die Geschehnisse an sich.

Wer mehr über das Leben und die Pflege bzw. Morde der Elfriede Blauensteiner erfahren will, ist mit „Die Schwarze Witwe von Wien“ gut beraten. Allerdings darf man sich keinen spannenden Kriminalroman erwarten. Viel mehr ist das Buch eine ausführliche Reportage über die rüstige Rentnerin, die vor Gericht nicht nur mit ihren Taten aufhorchen ließ, sondern mit ihrem auffälligen gepflegten Äußeren und ihren ständigen Berufungen auf Gott für Aufsehen sorgte.

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54 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Das Mädchen, das von Freiheit träumte

Tilli Schulze , Lorna Collier , Simone Jakob
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 13.07.2018
ISBN 9783746634197
Genre: Historische Romane

Rezension:

In „Das Mädchen, das von Freiheit träumte“ erzählt Tilli Schulze ihre wahre (Überlebens)Geschichte. Dabei betont sie gleich zu Beginn, dass sei keine Heldin ist. Sie hat während des Kriegs und danach nicht mehr oder weniger gelitten als viele andere.

Und doch ist Tillis Perspektive auf den Krieg und die Zeit danach super spannend und macht mich traurig. Ohne hier nun eine Wertung aufstellen zu wollen wer mehr oder weniger gelitten hat, zeigt Tilli, die Schrecken des zweiten Weltkriegs und danach für ein ganz normales deutsches Mädchen. Das Leid, das dieser fanatische, unsinnige Krieg für die Zivilisten brachte.

„Das Mädchen, das von Freiheit träumte“ ist sehr einfach geschrieben. Wir begleiten die 5-jährige Tilli als der zweite Weltkrieg ausbricht, bis hin zur großen Veränderung in ihrem Leben als sie 16 Jahre ist. Durch die einfache Sprache hat man das Gefühl, das kleine Mädchen selbst würde seien Geschichte erzählen.

So blicken wir mit kindlicher Naivität auf die Geschehnisse. Eine Denkweise, die oftmals sehr logisch klingt. Und dennoch sehe ich hier die größte Schwachstelle des Buches. Denn durch diese sehr einfachen Beschreibungen, wirken manche Stellen langatmig und ich musst achtgeben nicht leichtsinnig zu beginnen das Buch lediglich zu überfliegen.

Während des Zweiten Weltkriegs konnte Tilli noch relativ lange ihr mehr oder weniger gewohntes Leben unbehelligt fortführen. Als Tochter auf einem Bauernhof und mit einer unglaublich starken Mutter, hatte sie zumindest genug zu Essen. Etwas, das für viele Menschen nicht selbstverständlich war.

Doch mit den Russen ging auch für Tilli das Leiden in vollem Maß los. Es ist spannend, dass Tillis Erzählungen nicht mit dem Ende des Kriegs aufhören, sondern darüber hinausgehen. Denn viel zu selten wird darüber gesprochen, was der verlorene Krieg für die Bevölkerung bedeutet hat.

Die ständige Angst denunziert zu werden obwohl man gar nichts gemacht hat, war allgegenwärtig. Aus der einstmals so schönen Dorfgemeinschaft wird eine Misstrauensgesellschaft. Am Ende des Tages bleiben vielen nur ihre Gedanken, denn „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, …“. Ein deutsches Volkslied, das auch Tillis Mutter immer wieder vor sich hinsummte. Deshalb trägt das Buch im amerikanischen Original, das bereits 2005 erschienen ist auch den Titel „Tilli’s Story: My Thoughs Are Free“.

„Das Mädchen, das von Freiheit“ träumte erzählt die Geschichte von Tilli Schulze geborene Horn. Der Zweite Weltkrieg und dabei vor allem das Leid der deutschen Bevölkerung nach dem verlorenen Krieg stehen im Vordergrund.

Eine erschreckende Lebensgeschichte, die mir eine weitere Perspektive rund um den Zweiten Weltkrieg aufzeigt und in ihrer schonungslosen Brutalität verdeutlich wie wichtig #WiderDasVergessen ist.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Heimkehr nach Fukushima

Adolf Muschg
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 20.09.2018
ISBN 9783406727023
Genre: Romane

Rezension:

Mit „Heimkehr nach Fukushima“ hat es Adolf Muschg auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 geschafft. Auch wenn ich an dem Buch nicht alles gut heiße, eine Nominierung, die ich unterstütze.

Eine Rückkehr oder Heimkehr nach Fukushima klingt im ersten Moment verrückt und auch im zweiten bleibt es dies. Doch fängt man zu recherchieren an, merkt man sehr schnell, dass Adolf Muschg seinen Roman sehr nahe an der Realität platziert hat.

„Heimkehr nach Fukushima“ ist in einer sehr melodischen, aber auch eher schwierigen Sprache geschrieben. Verzweigte Sätze fordern die Aufmerksamkeit des Lesers. Zusätzlich werden immer wieder Fremdwörter verwendet, die ich teilweise nachschlagen musste. Das lege nicht negativ aus. Ich persönlich mag es gerne auf diese Art und Weise meinen Wortschatz zu erweitern. Es sollte nicht ausarten, dass man vor lauter Nachschlagen nicht mit der Geschichte vorankommt und das tut es in „Heimkehr nach Fukushima“ auch nicht.

Eine weitere Herausforderung waren die absolut ungewohnten japanischen Namen der Menschen und Orte. Ich musste mich konzentrieren nichts durcheinander zu bringen.

Mir gefällt es wahnsinnig gut, wie Alfred Muschg die japanische Kultur beziehungsweise viel mehr die japanischen Denkgewohnheiten und Verhaltensweisen wiedergibt. 

Der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Paul Neuhaus erkennt seine eigene Geschichte in die „Nachkommenschaften“ von Stifter aus dem Jahre 1864 wieder. Der Leser bekommt ganz Absätze aus „Nachkommenschaften“ präsentiert. Diese rissen mich aus dem Leserhythmus, da ich mich plötzlich in einer ganz anderen Zeit und Geschichte befand.

Als leidenschaftlicher Leser von Liebesromanen sind mir Sexszenen natürlich nicht fremd. Und auch in „Heimkehr von Fukushima“ spielen zwischenmenschliche Beziehungen und Sex eine Rolle. Die Sexszenen beschränken sich auf ein Minimum und werden nicht ausführlich beschrieben. Details darf sich der Leser selbst in seiner Gedankenwelt ausmalen.

Und dennoch waren diese wenigen Beschreibungen irritierend und seltsam komisch beschrieben. Ich weiß nicht ob mich die gehobenen, leicht schwülstigen Beschreibungen ansprechen oder ich doch lieber eine direktere Ausdrucksweise bevorzuge. Vermutlich würde es reichen, dem Leser eine Idee zu geben und die beteiligten Protagonisten beim eigentlichen Akt alleine zu lassen. Denn die Szenen sind jeweils auf wenige Sätze reduziert und hätten vermutlich gänzlich ausgespart werden können.

C.H.Beck hat mir eine Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.


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107 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Der Tätowierer von Auschwitz

Heather Morris , Elsbeth Ranke
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2018
ISBN 9783492061377
Genre: Biografien

Rezension:

Ein Roman, der auf vielen Ebenen bereits bekanntes über den Holocaust erzählt. Dennoch verlieren diese Erzählungen durch die Wiederholung nicht ihre Wirkung, sondern gewinnen noch an Schrecken.

Lale Sokolov fügt den Geschehnissen in Auschwitz zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs allerdings eine weitere dramatische Komponente hinzu. Und eben das finde ich so fantastisch. Während es viele Parallel zu anderen dramatischen Schicksalen gibt, fügt Lale Sokolov seine eigene individuelle Geschichte hinzu. Durch diese vielen Darstellungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Menschen davon erfahren und wir die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und die Verbrechen, die unter anderem an Juden verübten wurden nicht in Vergessenheit geraten.

Lale Sokolov hatte die Aufgabe in Auschwitz den Neuankömmlingen ihre Nummer, die von nun an ihren Namen ersetzt, für immer in den Arm zu tätowieren. So wird Lale Teil des grausamen Werks, sichert sich allerdings auch sein Überleben. Dabei handelt Lale nicht rein egoistisch, sondern versucht die Vorteile, wie beispielsweise Zugang zu mehr Essen, auch für andere Häftlinge zu nutzen und teilt mit denen, die es dringender brauchen als er. Wenn davon in einer derartigen Situation überhaupt die Rede sein kann.

Eines Tages verliebt sich Lale beim Tätowieren in ein junges Mädchen. Gita. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe, die den beiden immer wieder Kraft zum Weitermachen bzw. zum Weiterleben geben soll. Eine Liebesgeschichte, die, so unwahrscheinlich es klingen mag, ein Happy End finden wird.

Bereits auf dem Cover wird diese Liebesgeschichte verdeutlicht. Ich fürchte, dass das in meinen Augen etwas verträumte Cover, Leser abschrecken könnte. Das Cover strahlt Hoffnung aus, wirkt allerdings schon etwas  kitschig. Selbst die Ansicht von Birkenau mit dem Eingang und dem Wachturm hat einen verträumten, verharmlosenden Touch.

Bewegt hat mich auch das Schicksal von Cilka, über das ich sehr gerne mehr erfahren würde. Denn am Ende des Buches, erfährt man kurz was mit Lale und den anderen Beteiligten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschehen ist. Aufgrund der Erzählungen rund um Cilka, die mich den Tränen nahe brachten, konnte ich das Urteil nicht wirklich nachvollziehen. Da sich „Der Tätowierer von Auschwitz“ um Lale Sokolov dreht, lernen wie Cilka nur in den wenigen Berühungspunkten mit Lales Geschichte kennen und kenne ihr Leben nicht in dem Ausmaß um ein fundiertes Urteil zu fällen.

Lesen, lesen, lesen. Ich habe mir das Buch mitten in der Nacht um kurz vor 24 Uhr auf meinen Kindle geladen und, neugierig wie ich nun mal bin, direkt die ersten Seiten gelesen. Nach einer halbe Stunde stoppte mich die Müdigkeit dennoch vor dem Weiterlesen. Doch bereits 5 1/2 Stunden später war ich wieder wach, griff sofort zum Buch und laß es in einem Rutsch fertig. Ich konnte nicht aufhören und musste einfach wissen, wie die Geschichte endet.

Heather Morris gibt Lale Sokolovs Geschichte derart fesselnd wieder, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen kann.

Danke Piper für das Rezensionsexemplar.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Dachschaden kann man nicht versichern

Kristina Fisser , Carina Heer
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442177042
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ist es nur gerade eine stressige Zeit in der Arbeit oder schon ein Burnout?  Ist das Feierabendbier noch okay oder vielleicht doch schon Alkoholismus? In einer Welt, in der Perfektionismus viel zu oft angestrebt wird, ist es kein Wunder, wenn man manchmal Orientierungsschwierigkeiten hat.

Und so spannt Kristina Fisser einen sehr breiten Bogen über mögliche Fragestellungen und Problemfelder. Dabei hat mir ihr doch recht pragmatischer Zugang sehr gut gefallen. Denn zusammengefasst, kann ich festhalten, dass ein kleiner Dachschaden ganz normal ist und das Leben und jeden einzelnen Menschen erst so richtig liebenswert macht.

Kristina Fisser ist selbst Psychologin und arbeitet schon seit mehreren Jahren mit Patienten, die unter Depressionen, Borderline oder Angsterkrankungen leiden. Und auch frischgebackene Mütter zählen zu ihren Patientinnen. Denn dieses Erlebnis und die daraus resultierende neue Rolle und Verantwortung einem Lebewesen gegenüber, kann Frau in ganz unterschiedliche Krisen stürzen.

Anschaulich erläutert Kristian Frisser die Theorie mit vielfältigen Beispielen. Dabei liest sich die Theorie in „Dachschaden kann man nicht versichern“ viel fundierter und wissenschaftlicher als in so manch anderen allgemein-populär aufbereiteten Fachbüchern. Da ich keinerlei fachliche Ausbildung in diese Richtung habe und lediglich gerne Bücher rund um die Psyche, das eigene Selbst und ein glückliches, achtsames Leben lese, ist dieses Urteil mit Vorsichtig zu genießen.

Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Autorin nicht davor zurückschreckt Fachbegriffe zu verwenden. Diese werden sehr verständlich erklärt und ermöglichen eine gezielte weitere Recherche.

Am Ende eines jeden der insgesamt 12 Kapiteln gibt es eine kurze Einführung über den Beruf des Psychotherapeuten an sich, die Bewilligung von Therapiestunden, die Abbrechnung mit der Krankenkasse nach deutschem Recht und vieles mehr. Dabei ist der Zusammenhang zwischen dem eigentlichen Kapitel und diesem kurzen Abriss nicht immer gegeben. Ich denke, die Autorin möchte damit die Angst vom Psychologen nehmen und auch den wichtigen Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeuten erläutern. Auch wenn diese Einschübe anfänglich noch ganz interessant waren, ging es mir dann irgendwann doch zu sehr ins Detail und ich habe die deutlich farblich hervorgehobenen Abschnitte übersprungen.

Kleine Sketchnote-artige Zeichnungen rund das Layout des Buches ab und lockern es deutlich auf.

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91 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 66 Rezensionen

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Als die Tage nach Zimt schmeckten

Donia Bijan , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.07.2018
ISBN 9783548290393
Genre: Romane

Rezension:

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist eine mitreißender (fiktiver) Familienroman über vier Generationen. Im Mittelpunkt steht nicht nur Noor selbst, sondern auch die Lebensgeschichte anderer Familinenmitglieder wird erzählt. Dies gibt uns als Leser einen super Einblick, da wir sehen wie eine Situation von unterschiedlichen, beteiligten Menschen beurteilt wird.

Exemplarisch möchte ich die Situation herausgreifen, als Zod seine Kinder nach Amerika zum Studieren schickt. Es ist sehr spannend in dieser Situation Zods und Noors Gedanken zu erfahren und zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen. Auch was in das Verhalten des Gegenübers hineininterpretiert wird, gibt uns als Leser gut Aufschlüsse.

Außerdem wird die Geschichte von Zods Eltern, die von Russland in den Iran ausgewandert sind, erzählt. Dadurch ergeben sich völlig neue Blickwinkel in der Geschichte. Einerseits Einwandern in den Iran, andererseits Jahre später Auswandern zum Studieren. In beiden Fällen gibt es einen Kulturschock und obwohl so viele Jahre zwischen den beiden Ereignissen liegen, ist die Suche nach Anschluss und das Finden von Freunden kein Leichtes.

Als Noor völlig ohne Vorwarnung zur ihren Wurzeln in den Iran reist und dabei ihre 16-jährige Tochter Lily mitnimmt, steht der nächste Kulturschock bevor. Lily spricht kein Wort Farsi und kann mit der persischen Kultur nichts anfangen. Vollkommen westlich bzw. amerikanisch erzogen und aufgewachsen, ist für sie alles fremd. Anfänglich begegnet sie dem Iran, den Menschen und ihren Verwandten mit purer Abneigung. Doch langsam beginnt ihre Fassade zu bröckeln und die Neugierig sowie der jugendliche Leichtsinn siegen.

Noors inneren Konflikt zwischen der Sehnsucht nach der wohl behüteten Kindheit und ihre innere Zerrissenheit waren deutlich zu spüren. Ihre Denkweisen waren gut nachvollziehbar, wenngleich ihre Handlungen für mich nicht immer logisch sind.

Lily hingegen wirkt wie eine verzogene Göre. Völlig blauäugig bringt sie sich und andere in große Gefahr. Erst langsam wird sie zu einer liebenswerten, jungen Person.

Besonders gut haben mir die verträumten Beschreibungen des Café Leilas, vor allem zu seiner Blütezeit, gefallen. Das herrliche Essen habe ich auf der Zunge geschmeckt und die exotischen Düfte schwebten um meine Nase. Diese Beschreibungen sind so voller Leidenschaft und Detailverliebtheit, dass ich sofort wieder in den Iran reisen möchte.

Aber Donia Bijan zeigt nicht nur den weltoffenen Iran und seine liebenswürdigen Menschen, sondern auch die brutalen, gewalttätigen Seiten im Laufe der Geschichte und in der heutigen Zeit. Donia Bijan gelingt hier eine sehr gute ausgewogene Mischung. Die Familie steht im Vordergrund und dennoch lernen wir viel über Kultur, Geschichte und Politik des Landes.

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist ein absolut lesenswertes Buch. Ein Kultuschock jagt den nächsten. Eingepackt in eine spannende Familiengeschichte lernt man viel über den Iran, aber auch über kulturelle Unterschiede und die Schwierigkeiten diese zu überbrücken.

Einfühlsam und direkt zeigt Donia Bijan die verträumte, wunderbare iranische Welt mit ihrer leckeren Küche, die es auch tatsächlich so gibt. Die Autorin verschweigt dabei aber auch die weniger schönen und gewaltsamen Seiten nicht. So schaffte sie einen wunderbaren ausgeglichen, ehrlichen Roman.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Der Stammhalter

Alexander Münninghoff , Andreas Ecke
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 10.12.2018
ISBN 9783406727320
Genre: Biografien

Rezension:

„Der Stammhalter“ ist ein schonungslos ehrliches Buch. Alexander Münninghoff beschönigt nichts, schafft es aber zeitgleich, nicht seine gesamte Familie zu beschuldigen. Es werden viele Lebensgeschichten erzählt und dabei entsteht, beinahe Verständnis warum die Protagonisten so gehandelt haben. Dies ist ein schmaler Grad und leider klingen viel zu viele Biografien wie ein Abrechnung mit der eigenen Familie. Alexander Münninghoff erzählt die Geschichte seiner Familie mit viel Respekt und zeigt die vielen Graustufen zwischen Schwarz und Weiß.

Man spürt förmlich wie Alexanders Vater Frans vom Großvater in die Enge getrieben wird. Fast scheinen seine Entscheidungen die einzige logische Konsequenz zu sein. Man möchte den Großvater anschreien, endlich etwas von seiner Liebe zur Familie zu zeigen, um so vielleicht das ein oder andere Schicksal in eine positivere Richtung zu bewegen. Denn immer nur das Beste für seine Familie zu wollen und echte Liebe und eine warmherzige Beziehung sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge.

Die geschäftlichen Machenschaften des Großvaters und die vielen dafür aufgebauten und genutzten Beziehungen sind sehr komplex. Es ist viel politisches und wirtschaftliches Geplänkel und Lobbying notwendig. Dieser Teil der Geschichte ist sehr schwer zu lesen, da beinahe in jedem Satz neue Namen auftauchen und abseits von der Hauptgeschichte viele, kurze Nebengeschichten erzählt werden

Das Frans als Lette zur SS geht um an der russischen Front zu kämpfen, erscheint aus dem politischen Konflikt der Letten mit der Sowjetunion logisch. „Der Stammhalter“ zeigt hervorragend wie Fanatismus entsteht und wie Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergrund für den Zweiten Weltkrieg begeistert werden konnten. Vor allem bei Jugendlichen bzw. orientierungslosen Menschen ohne stabile, liebevolle Familienbande war dies leicht.

So genoss Frans das Zusammengehörigkeitsgefühl, die klaren Strukturen und die zielgerichtete Vorgehensweise beim Militär. Vor allem da ihm familiär viel zu oft Dinge aufgedrängt wurden für die er kein Verständnis hatte. Mit dem Weitblick eines Erwachsenen wären diese Dinge für Frans vermutlich gut gewesen. Ohne Erklärung und voller jugendlicher Liebe und Leichtsinn hatte er schlicht kein Verständnis dafür.

Die Erzählungen von Frans und seinen Einsätzen bei der Waffen SS sind sehr spannend und zeigen den Schrecken an der vordersten Front. Doch die Geschichte geht noch einen Schritt weiter und zeigt auch das Leben nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Die Schäden und hier vor allem den Unsichtbaren psychischen Schaden, die durch die schrecklichen verübten Taten im Zweiten Weltkrieg zurückgeblieben sind, offenbaren sich auf schmerzhafte Art und Weise.

Besonders gut haben mir die beiden letzten Teile der Geschichte gefallen. Diese sind sehr flüßig geschrieben und lesen sich wie ein spannender Roman oder Krimi.


In „Der Stammhalter – Roman einer Familie“ zeigt Alexander Münninghoff schonungslos ehrlich die Geschichte seiner eigenen Familie. Respektvoll schafft er es auch die Schandtaten nicht zu verschweigen. Beklemmend wie dieses Streben nach dem Besten für  jedes Familienmitglied letzten Endes zu Konflikten und zum Zerfall führt.

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 19 Rezensionen

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Die kleine Sommerküche am Meer

Jenny Colgan , Sonja Hagemann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492313230
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Cover strahlt eine sommerliche Leichte und Wärme aus. Während man im Hintergrund die Walflosse und schottische Klippen sieht, deutet der Vordergrund südlichere Gefilde an. Vor allem bei den Zitronen am Tisch kann ich mir nur schwer vorstellen, dass diese auf einer schottischen Insel wachsen und wandere gedanklich Richtung Italien oder Spanien. Schade, denn wie man in „Die kleine Sommerküche am Meer“ erfahren wird, gäbe es sehr viel, das lokal auf der Insel produziert wird und sich für das Cover eignen würde.

Die Protagonisten Flora mochte ich sehr gerne. Flora ist eine starke, selbstständige Frau. Als einziges Mädchen unter drei Brüdern aufgewachsen, musste sie sich schon früh behaupten. Das merkt man auch heute noch und Flora ist keine die vor anstrengender, körperlicher Arbeit oder Dreck zurück schreckt. Sehr sympathisch.

 Dennoch hat es mich unglaublich genervt, dass die eigentlich so starke und sympathische Frau Flora in Gegenwart ihres Chefs zu einem kleinen schüchtern Püppchen mutiert, das nichts von der Welt rund um sie herum mitbekommt.

Die eigentliche Liebesgeschichte ist recht vorhersehbar. Zwar gibt es immer wieder einige Wirrungen, die das Ende in weite Ferne rücken lassen, im Grunde weiß man jedoch recht schnell wie die Geschichte enden wird.

Der Schreibstil von Jenny Colgan ist rasant und spritzig. Man bekommt schnell ein gutes Gefühl für die Insel Mure und ihre Menschen. Obwohl Mure alles andere als eine Sonnenschein-Insel ist und ein raues Klima herrscht, nimm einen die Insel sehr schnell ein und ich habe mich beim Lesen ein bisschen in Mure verliebt. Wären da noch irgendwo Schafe auf einer der weiten Wiesen gestanden, wäre es völlig um mich geschehen gewesen.

Doch manchmal wird Jenny Colgan zu schnell. Die Dialog gleichen einem wilden Schlagabtausch und man verliert den Überblick wer den nun was sagt. Dass die Personen dabei innerhalb eines Dialogs, sei es aufgrund von geschäftlichem Taktieren oder aufgrund von Flirtereien, ihre Meinung ändern, macht das ganze nicht einfacher. Selbst nach mehrmaligen lesen der Dialoge, wurde ich an 1-2 Stellen nicht wirklich schlau daraus.

Als dann noch der Quotenschwule auftaucht und die Erzählungen rund um ihn zu einem reinen Klischeebashing verkommt, musste ich laut aufstöhnen. Tatsächlich habe ich mich darüber so geärgert, dass ich kurz davor war das Buch durch die Gegend zu schmeißen. Keine Angst, es wurde niemand verletzt.

In einem Chick-Lit-Buch muss nicht immer alles super realistisch sein. Manche Dinge sind jedoch so an den Haaren herbeigezogen, dass es mir sauer aufstößt. So gibt es bei extremen Sturm eine Bootsfahrt nur um von dem einem Ende der Insel an das andere zu gelangen. Dabei wird die Fahrt erst gestartet, als der Sturm bereits wütet und es gibt keine dringende Notwendigkeit für diese Bootstour. Schließlich befinden sich alle beteiligten Personen in dem riesigen Anwesen „The Rock“ wo sie vor Wind und Wetter geschützt sind und die paar Stunden selbst bei Stromausfall bestimmt ausgehalten hätten.

„Die kleine Sommerküche am Meer“ ist ein leichter, unterhaltsamer Sommer Roman. Während ich die Protagonistin Flora sehr gerne möchte, gibt es leider doch die ein oder andere Schwäche im Verlauf der Geschichte. Schade! Dennoch eine gute Wahl, wenn man sich in der Sonne entspannen und nicht zu viel mitdenken möchte.

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen

Andreas Jäger
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 18.06.2018
ISBN 9783845828626
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Besonders die Aufmachung von „Power Women“ hat mir gefallen. Obwohl ich das Buch digital als pdf gelesen habe, haben mich die wunderschönen Zeichnungen in ihren Bann gezogen. In der Printausgabe sind diese Zeichnung, die sich teilweise auch über eine Doppelseite erstrecken, gewiss noch viel aussagekräftiger.

Von jeder Frau gibt es ein gezeichnetes Porträt auf einer ganzen Seite. Es wird versucht in ein-zwei Worten die Frau zu kategorisiere bzw. eine Idee zu geben, was die Dame so besonders macht. Zusätzlich werden in einem kurzen Absatz die wichtigsten Dinge zusammengefasst. Ein klassisches Management-Summary also. Wer es dann genauer wissen will, bekommt noch einen Steckbrief und einen ausführlicheren Abriss auf einer Seite.

Mir gefiel das Konzept da ich so schnell einen Überblick erhielt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichten ein bisschen detailliert ausfallen. Was waren die Herausforderungen und Widerstände gegen die angetreten werden musste? Oder in welchen kulturellen oder zeitlichen Umständen ist die Lebensgeschichte einzuordnen? Manchmal werden diese Punkte aufgegriffen, aber leider nicht immer.

Der größte Pluspunkt des Buches ist das hervorragend gezeigt wird, dass Frauen seit jeher tragende Rollen spielen. Dank der Interdisziplinarität zeigt sich dies ganz unabhängig vom Beruf(Krankenschwester, Extrembergsteigerin, Umweltaktivistin, Architektin,…), dem geografischen Wirkungskreis und den Lebensständen. Frau kann alles schaffen.Ein Buch, das motiviert.

 „Power Women – Geniale Ideen mutiger Frauen“ ist für Jugendliche und junge Mädchen ab 10 Jahren geschrieben.  Am Ende jedes Kapitel gibt es die Kategorie „Was würde xy tun?“ Dabei wird die Person in eine fiktive Situation geworfen und mit einem Problem konfrontiert, das junge Mädchen heute oftmals haben. Diese Probleme sind jedoch sehr willkürlich zugeordnet und umspannen ein breites Spektrum von Prüfungsangst, über Mobbing und Gruppenzwang bis Scheidung der Eltern. Die Antworten sind derart plump und oberflächlich, dass ich bezweifle, dass sie eine Hilfe darstellen. Es wird vergessen, dass die angesprochenen Probleme vielschichtig sind und nicht mit einem kurzen Absatz von 1-2 Sätzen gelöst werden können.

Auch wenn ich das Frage und Antwort Spielchen am Ende eines jedes Kapitels als wenig sinnvoll empfinde, ist „Power Women“ ein wichtiges Buch. Denn es zeigt, dass Frauen in allen Kategorie ebenbürtig mit Männern sind. Ja, wir Frauen sind großartig! Jede von uns!

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

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Höhenrauschsaison

Meredith Winter
Flexibler Einband: 210 Seiten
Erschienen bei Sommerburg Verlag, 16.04.2018
ISBN 9783981872248
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meredith Winter hat ein Vorwort geschrieben, dass so unglaublich schön ist und mich mitten ins Herz getroffen hat, dass ich es unbedingt extra erwähnen muss. Vielleicht sollten wir uns alle ein Beispiel am Mount Everest nehmen, der die Unmengen an Touristen, die ihn jährlich erklimmen nicht benötigt, um zu wissen wie majestätisch er ist.

Dabei ist es außerdem interessant zu wissen, dass die Autorin selbst niemals auf den Mount Everest steigen könnte. Denn aufgrund einer Herzerkrankung darf sie nicht mal über tausend Meter steigen. Und so schreibt sich Meredith einfach ihre eigene Everest Geschichte voller zwielichter Geschäfte und natürlich auch einer mehr oder weniger romantischen Liebesbeziehung. “Höhenrauschsaison“ ist somit also dem Genre Romantic Suspense also „Romantik Thriller“ zu zuordnen.

Clementine ist eine spannende Protagonistin. Sie geht ihren Weg und lässt sich nur schwer einschüchtern. Dabei hat sie Verhaltensweise und Einstellungen, die wir oftmals klischeehafterweise Männern zu schreiben. Dass Meredith Winter diese so unsinnige Einteilung über Bord wirft, hat mir sehr gut gefallen. Dennoch gibt sich Clementine sexuell oftmals zu unterwürfig, was nicht zu ihrem Auftreten und ihrer Denkweise passt. Viel zu schnell lässt sie sich zu Handlungen überreden.

Als absoluter Nicht-Bergsteiger waren Merediths Beschreibungen rund um die Besteigung des Mount Everest sehr realistisch für mich. Da es für mich eine gänzlich fremde Umgebung war, habe ich immer wieder zum Handy gegriffen um die Orte und Lager mit eigenen Augen zu sehen. Dabei war ich oftmals überrascht wie viel Zivilisation es auf dem Weg zum Gipfel des höchsten Bergs der Welt gibt. Meine Vorstellung wurde bis jetzt von viel Schnee und Kälte dominiert.

Leider gibt es einige Dinge, die ich unlogisch fand oder mir vielleicht auch einfach nicht vorstellen kann. Denn es kam mir zu riskant vor, dass Meredith nach der Absolvierung ihres Höhendiploms gleich auf einen derart herausfordernden Berg wie den Everest geht. Ich stelle mir vor, dass man sich da langsam vorarbeitet.

Während die Gruppe immer wieder Etappen aufstieg, um sich langsam zu akklimatisieren und anschließend noch am selben Tag zum Ausgangspunkt zurückkehrte, bliebe Meredith im Camp zurück. Einerseits hat Meredith aus meiner Sicht nicht die nötige Erfahrung oder Kondition, um auf diese Aufstiege zu verzichten. Andererseits war so während der Aufstiege kein Arzt dabei. Aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig und es spricht die Unerfahrenheit und der enorme Respekt von einem derartigen Aufstieg aus mir.

Zu guter Letzt gab es einige Fragen, die offen blieben, für mich aber unbedingt geklärt gehört hätten. Denn so sind unter anderem die Ausgangspunkte für den Auftragsmord und die grundsätzliche Entstehung der bedrohlichen  Situation nicht ganz schlüssig.

So sterben, wie es sich für einen Romantic Suspense gehört, immer wieder Menschen. Doch diese Toten, und teilweise eindeutig aufgrund eines nicht natürlichen Todes Verstorbenen, werden viel zu schnell von der Gruppe akzeptiert. Ruckzuck liegt der Fokus ohne Rücksicht auf Verlust wieder auf der Besteigung des Mount Everest.

Meinen größten Respekt haben die Sherpas. Die Jahr für Jahr auch Touristen hochschleppen, die sich überschätzen und dabei sich und andere in Gefahr bringen. Zusätzlich zu dem Gepäck, dass die Sherpas für die Touristen auf den Berg tragen, stecken sie die Kurse und sorgen für einen möglichst komfortablen Aufstieg.

Ich habe so viel beim Lesen von „Höhenrauschsaison“ dazu gelernt, dass ich sehr spannend fand. Eine Besteigung von einem hohem Berg, geschweige denn den Mount Everest, steht nicht auf meiner Bucket List und dementsprechend wenig, kenne ich mich mit diesem Thema aus. Von der Couch aus mit einem Romantic Suspense dennoch den höchsten Berg der Welt zu erklimmen, war eine schöne Erfahrung.

Einige logische Schwierigkeiten und offene Fragen blieben leider ungeklärt. So gibt es letzten Endes mehr als respektable 3 Sterne für „Höhenrauschsaison“.

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