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Der Bulle vom Ammersee

Ina May
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.07.2018
ISBN 9783839222959
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Setting klingt spannend und ich erhoffte mir Einblicke in die Dreharbeiten. Die sollte ich bekommen und zwar nicht zu knapp. Denn neben dem Erpressungsfall bekommen wir auch den Fall der Serie live mit. Von der Drehbesprechung am Vormittag über die einzelnen Szenen begleiten wir Viktor Lässig alias Hieronymus Hart.

Umständlich fand ich es, dass die Dreharbeiten chronologisch durchgeführt wurden. So musste das Filmteam immer wieder an einen Drehort fahren an dem es bereits ein paar Tage davor war. Ich weiß nicht ob es bei einem tatsächlichen Filmdreh ebenfalls derart abläuft. Vielleicht ist es notwendig damit sich die Schauspieler besser in ihrer Rolle hineinversetzen können. Allerdings erscheint mir dieses Vorgehen kompliziert und kostet viel Zeit, die mit herumfahren vergeudet wird.

Das Thema Essen zieht sich wie ein lästiger Faden durch die Geschichte. Klar das Frühstück ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Nicht nur um gut in den Tag zu starten, sondern auch für die Botschaften des Erpressers. Dennoch hätten die detaillierten Beschreibungen über das Frühstück, sowie das darauf folgende Hungergejammer des Protagonisten während der Dreharbeiten drastisch verkürzt werden können.

Und somit sind wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt angekommen. „Der Bulle vom Ammersee“ hat Potential zieht sich allerdings mit 441 Seiten in die Länge. Um 150 Seiten gekürzt, würde dem Leser vermutlich nichts abgehen und die Geschichte an Fahrt aufnehmen. Die viel zu detaillierten, inhaltlichen Beschreibungen des Fernsehkrimis ziehen die Geschichte unnötig in die Länge und sind mäßig spannend

Zusätzlich wäre die Autorin dann auch gezwungen verwirrende Ausschweifungen und komplizierte Sätze zu kürzen. Denn oftmals wird so schnell hin und her gesprungen, dass es schwer ist der Geschichte zu folgen. Manche Sätze musste ich mehrfach lesen und dennoch war mir die Bedeutung noch immer nicht ganz klar.

Schöne Idee, die jedoch leider unnötig aufgeblasen und in die Länge gezogen wurde. Schade denn nach einer drastischen Kürzung könnte „Der Bulle vom Ammersee“ ein richtiger Pageturner werden.

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Frank Thelen – Die Autobiografie

Frank Thelen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Murmann Publishers, 27.08.2018
ISBN 9783867746113
Genre: Biografien

Rezension:

Als mehrfacher Gründer, immer mit techniklastigen Unternehmen, hat Frank Thelen jede Menge Erfahrung. Dabei zählt auch das Scheitern zu seinen Erfahrungen.

Das Cover ist sehr schön gearbeitet. Passend zu dem Untertitel „Startup-DNA“ verlaufen im Hintergrund sanfte Zahlen die hervorgehoben sind und eine tolle Haptik ergeben. Wenn es anstand des Dezimalsystem die Zahlen des Binärsystems wären, würde mein Technikherz vor Glück strahlen.

Natürlich bleiben in einer Biografie von einem Technik-Geek wie Frank Thelen diverse technische Fachbegriff nicht aus. Diese sind im Text fett hervorgehoben und werden direkt auf der Seite selbst, in kleinen Absätzen am Seitenrand erklärt. Das erspart lästiges hin und her blättern und macht optisch richtig was her. Auch wenn ich diese Erklärungen nicht gebraucht hätte, ist es sicherlich eine gute Hilfestellung für viele Leser.

Die Autobiografie ist sehr stark auf Franks berufliche Laufbahn fokussiert. Es gibt zwar einen kurzen Abriss wo und unter welchen Umständen er aufgewachsen ist und natürlich fehlt auch ein Kapitel zu seiner großen Liebe nicht. All das ist jedoch sehr kurz und knackig gehalten. Diese Schwerpunktsetzung finde ich gut.

Frank Thelen stellt viele seine Start-ups in die er investiert hat vor. Es zeigt sich für den Leser rasch, dass hinter den Investitionen eine groß angelegt Strategie steckt und Thelen nicht wahllos in vielversprechende Unternehmen investiert. Auch wenn er mehrmals betont, dass es keine Werbung sein soll und aus ihm tatsächlich die pure Begeisterung für diese Unternehmen spricht, bleibt eine Werbetouch unumstritten.

Die letzten rund 100 Seiten geben viel mehr einen Einblick in die modernen Techniken, die Frank Thelen nach dem Motto „Baukasten der Zukunft“ in den nächsten Jahren als relevant einstuft. Anschließend wird es politisch und Frank Thelen gibt seine Einschätzung, was sich in Deutschland und der Politik ändern muss, damit Deutschland zukünftig zu den großen Technologie-Nationen gehören wird.

Man muss Frank Thelen zu Gute halten, dass er es schafft, diese Techniken ohne großes Fachvokabular so einfach zu erklären, dass es ein jeder versteht und man schnell die Reichweite der neuen Möglichkeiten erahnen kann. Vor allem die super einfache und plakative Erklärung der Blockchain, gefällt mir sehr gut. Dennoch gerät dadurch die Biografie etwas in den Hintergrund.

Die weiterführenden Links im Buch sind sehr gut umgesetzt. Es wird auf QR-Codes oder gar Codes, für die eine spezielle App installiert werden muss, verzichtet. Derartiges empfinde ich immer als sehr lästig. Technik darf nie zum Selbstzweck werden und das hat Frank bzw. die Herausgeber der Biografie verstanden. Mit Shortlinks, die im Durchschnitt 10-15 Zeichen lang sind, wurde eine sehr einfache, unkomplizierte und gut funktionierende Technik gewählt.

Frank Thelen hat definitiv die Macht der (gedruckten) Bücher verstanden. So wie es zur Strategie jedes seiner Food Unternehmen, in die er investiert hat, gehört ein Kochbuch herauszubringen, veröffentlich er nun selbst ein Autobiografie. Das „Produkt“ oder der Experte Frank Thelen verdeutlich damit seinen Know-How und festigt seine Position als Experte.

Diese Positionierung seiner eigenen Person wird durch die Ausblicke in die Zukunft bekräftig. Dennoch sind es gerade diese Bereiche, die zwar toll und verständlich geschrieben sind, allerdings für mich eher in Buch über Zukunftsstrategie, Transformation und Co passen würden, als in eine Autobiografie.

Alles in allem ein wunderschön aufgemachtes Buch mit vielen interessanten Einblicken, das recht kurzweilig zu lesen ist.

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Das Kafka-Manuskript

Raimund A. Mader
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 04.07.2018
ISBN 9783839222935
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verbrechen, die aufgrund eines Manuskripts, aufgrund von Literatur, verübt werden, klingt toll. Ich möchte glauben, dass die Leidenschaft für das geschriebene Wort die Täter antreibt, befürchte jedoch, dass am Ende Geld die Triebfeder ist.

Raimund A. Mader reist mit uns quer durch Europa – von Regensburg nach Wien, über Riva bis nach Tallinn. Dabei führt uns die Geschichte weit in die Vergangenheit.

Es hat mir gut gefallen, dass man in einen spannenden Roman verpackt einiges über Kafkas Leben erfahren hat. Allerdings war es schwer festzustellen, was denn nun der Realität entspricht und wo der Autor schwarze Flecken mit seiner Fantasie ausgeschmückt hat. Auch nach einer Internetrecherche ist dies für mich nicht immer ganz eindeutig.

Gewiss ist jedoch, dass viele von Kafkas Werken erst nach seinem Tod von seinem Nachlassverwalter Max Brod veröffentlicht wurden. Denn eigentlich hat Kafka verfügt, dass Max Brod nach seinem Tod alle seine Werke vernichten soll. Dieser hat sich jedoch darüber hinweggesetzt. Eine Geschichte, die natürlich jede Menge Raum zu Spekulationen gibt und die Vorlage für einen spannenden Krimi bietet.

„Das Kafka-Manuskript“ ist ein komplexer Kriminalroman mit vielen Irrungen und Wirrungen. Die Verbindungen zwischen den vielen Personen lösen sich auf und irgendwie passen mir die Puzzleteilchen dann doch etwas zu gut exakt. Der Autor ist hier etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Ich hatte das Gefühl, dass uns Raimund A. Mader mit seinem namenlosen Verwirrten, der durch die Stadt irrt an „Die Verwandlung“ von Franz Kafka erinnern möchten. Es gibt viele Andeutungen. Absätze oder ganze Kapitel sind gewollt verwirrend geschrieben. Sie tragen nichts zur Handlung bei und wirken wie wilde Drogenfahrten. Es wirkt alles eine Spur zu aufgesetzt.

Doch am meisten muss ich mich über die Geschlechterverteilung in „Das Kafka-Manuskript“ aufregen. Klar können die armen, unschuldigen Männer, die wie selbstverständlich ihre Frauen betrügen, nichts dafür wenn junge, reizvolle Damen sie umgarnen. Dieser Umgang und die Sichtweise auf die Beziehungen zwischen Mann und Frau ist mir zutiefst zuwider. Männer, die bereits bei einem Blick und einem kleinen Lächeln schon schwach werden. Als wären Männer schwache Wesen ganz ohne Gewissen, Verstand und Gegenwehr.

Das Bild von Regensburg auf dem Cover finde ich sehr ansprechend und es macht Lust die Stadt selbst einmal zu besuchen. Mit dem historischen Stadtkern passt es auch hervorragend zu der Geschichte. Mir gefällt, dass tatsächlich ein Bild einer Stadt verwendet wurde, die im Buch vorkommt. Nicht immer selbstverständlich, dass das Cover zum Inhalt passt.

In „Das Kafka-Manuskript“ hat sich Raimund A. Mader ein Stückchen Literaturgeschichte herausgepickt und rundherum eine spannenden Jagd nach einem verschwunden Manuskript gesponnen.

Für das zu gewollt-verwirrende Konstrukt und eine schrecklich Sichtweise auf die Rolle der Frau und des Mannes muss ich jedoch zwei Sterne abziehen.

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Touchdown! Wie Unternehmen unschlagbar werden. Das Strategiebuch

Oliver Greiner
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Murmann Publishers, 18.07.2018
ISBN 9783867746090
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Marktemeister bezeichnet Oliver Greiner jene Unternehmen, die anders und besser als der Mitbewerb ist. Als jene Unternehmen deren konzeptionelle Stärke und deren Umsetzungsstärke größer ist.

Es geht als nicht nur darum ein Angebot für den Kunden zu haben, das sich vom Mitbewerb abhebt, sondern dieses auch besser umsetzen. Man merkt schnell, dass auch bloß besser als der Mitbewerb zu sein, für eine gewisse Zeit ausreichen kann, auf die Dauer ist das aber keine Strategie um der Meister seines Markts zu werden. Dennoch ist es wichtig nicht nur anders, sondern auch besser zu sein. Denn sobald es dem Mitbewerb gelingt die konzeptionell nach zu machen oder vielleicht sogar zu kopieren, kann man sich als Marktmeister für eine gewisse, begrenzte Zeitspanne mit dem besser sein schützen.

Denn eine Illusionen raubt uns Oliver Greiner gleich ganz zu beginn. Es reicht nicht sich einmal den Platz als Marktmeister gesichert zu haben. Denn wie es auch im American Football ist, folgt auf jeden Touchdown der erneute Kickoff. Und schon geht das Spielchen und die strategische Arbeit wieder von vorne los, bis der nächste Tochdown gelingt.

Mit dem 7K-Prinzip für konzeptionelle Stärke wird dieser Weiterentwicklung sorge getragen. Das 7K-Prinzip dient zur Beschreibung von Geschäftsmodellen und scheint mir vor allem für bereits bestehende Unternehmen praktikabel. Unter anderem wir darin ein „Konzept für die Zukunft“ gefordert. Die 7Ks beinhalten Grundsatzentscheidungen, also das Anders und Besser sein, und keine Zielentscheidungen.

Mit seiner jahrelangen Erfahrung als Strategieberater kennt Greiner die Schwächen von bestehenden Methodiken ganz genau. Schließlich hatte er selbst oft genug damit zu kämpfen. So ist die Balanced Scorecard zwar ein wunderschönes Modell mit KPIs, Zielen und im Idealfall auch Maßnahmen und Budgets. Dennoch wirkt die Balanced Scorecard auf mich oft sperrig und der Weg von der schönen Theorie und den Wunschvorstellungen bis hin zur tatsächlichen Umsetzung ist einer weiter an dem viele Scheitern.

Genau hier sehe ich die Stärke es „Touchdown“-Prinzips von Oliver Greiner. Es ist sehr auf praktikable Umsetzungsschritt und konkreter Handlungsaufforderungen bedacht, ohne dabei jedoch die Strategie aus den Augen zu verlieren. Den ebenjene Strategie stellt schließlich den Fahrplan auf.

Sehr plastisch werden Beispiel aus den unterschiedlichsten Branchen gebracht, um die Theorie zu verdeutlichen. Dabei nimmt Oliver Greiner sowohl große bekannte Unternehmen, die ein jeder von uns kennt und arbeitet mit öffentlich zugänglichen Daten. Er gewährt aber auch immer wieder Einblick in eigene Erlebnisse und berichtet von eigenen Fehlern und den Herausforderungen. Dabei zeigt er auch immer Lösungswege.

Während mir große Teile des Buches wirklich mehr als ausgezeichnet gefallen haben, wird es zum Ende hin etwas abstrakter und austauschbarer. Vor allem Kapitel 8 beinhaltet Aussagen und Ideen, die auf der Hand liegen und die man bereits in zahlreichen Management- oder Strategie-Büchern gelesen hat. Schade und passt eigentlich so gar nicht zum Rest des Buches mit viel Mehrwert und „Andersartigkeit“.

Last but not least sein erwähnt, dass  „Touchdown! Wie Unternehmen unschlagbar werden“ wundbar gestaltet ist. Es gibt ein einheitliches Farbkonzept, dass nicht zu sehr vom Inhalt ablenkt und auch nicht schrill ist. Es macht richtig Spaß damit zu arbeiten. Die wichtigsten Bausteine und Kernaussagen sind farblich herausgehoben und manche eine schnelle Orientierung beim Nachschlagen möglich.

Doch das beste ist das grafische Inhaltsverzeichnis. Hier werden die 4 Kerntools visualisiert und die Kernbotschaft ist für alle die das Buch gelesen haben, schnell wieder abrufbar. Sollte man dennoch die Bedeutung des ein oder andern Baustein nachlesen wollen, ist das mit der Seitenangabe schnell möglich. Wir dieses Visualisierte Inhaltsverzeichnis nicht mag, bekommt man natürlich die klassische Auflistung oben drauf.

Ich habe das Gefühl mit „Touchdown“ endlich ein Buch in die Hand zu bekommen, das nicht nur dabei Hilft Strategie sinnvoll und zielgerichtet zu formulieren, sondern auch die tatsächliche Umsetzung zu meistern. Praxisbezogen, umsetzungsfreundlich und dazu noch kurzweilig geschrieben.

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43 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

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Das Verschwinden des Josef Mengele

Olivier Guez , Nicola Denis
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 10.08.2018
ISBN 9783351037284
Genre: Romane

Rezension:

Oliver Guez begibt sich auf die Spuren des Todesengel Josef Mengele. Diesen Menschen mit einem „Engel“ wenn auch einen Engel des Todes in Verbindung zu setzen, finde ich perfide. Es wirkt wie eine Verniedlichung seiner unsagbaren Verbrechen.

Viel wurde bereits über den Verbleib von Josef Mengele und vor allem sein Leben in Südamerika spekuliert. In den 60igern erhielt Mengele fast schon Kultstatus und die Jagd auf ihn wurde medienwirksam inszeniert.

Mit dem umfangreichen Wissen, dass wir nun haben, hat Oliver Guez die Südamerika-Jahre von Josef Mengele in einen spannenden Roman gepackt. Einzelne Szenen, die im Dunklen liegen und Details, um aus den Fakten einen runden, mitreißenden Roman zu manchen, hat der Autor mit literarischer Freiheit ausgeschmückt.

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Mengeles schreckliche Taten werden in dem Buch lange Zeit gar nicht wirklich angesprochen. Es gibt lediglich Andeutungen und es wird vom Leser ein gewisses Vorwissen erwartet. Dadurch nimmt man allerdings eine viel zu positive, freundschaftliche Beziehung zu Mengele ein. Der Leser ist mit Mengeles Schwierigkeiten sich in das fremde Land zu integrieren und Anschluss zu finden konfrontiert. Und plötzlich, als er beginnt sich einzuleben und wohlzufühlen, beginnt die Jagd.

Ich habe mit Mengele mitgefiebert. Wird ihm die Flucht gelingen? Wir der Polizei und dem Nazi-Jäger entwischen? Eine seltsam verquere und falsche Situation und ein schlicht unangenehmes Gefühl.

Und plötzlich konfrontiert Oliver Guez den Leser mit einigen wenigen Beispielen  – der ganzen Brutalität und Grausamkeit. Angewidert wendet man die Augen ab und kann nur schwer weiterlesen. Hatte dieser Mensch jemals Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen?

Oliver Guez berichtet von Alpträumen die Mengele in seinen letzten Jahren heimgesucht haben. Offen bleibt ob es sich bei diesen Traumsequenzen lediglich um einen Versuch handelt, Josef Mengele, der in seinen späteren Lebensjahren immer unausstehlicher wurde, so etwas wie eine menschliche Komponenten zu verleihen oder ob tatsächlich derartige Alpträume überliefert sind.

Oliver Guez gibt dem Leser in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ einen gut Abriss über die politischen Entwicklungen in Südamerika. Im Detail in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese erfordern Aufmerksamkeit vom Leser vor allem, wenn man viele der Namen noch nicht kennt. Dennoch schafft er es die Geschicht und vor allem auch die politischen Interessen um  Nazi-Flüchtlinge aufzunehmen gut darzustellen.

Zusätzlich zu den vielen Politikern kommen die vielen Nazis, die in Südamerika Unterschlupf gefunden haben und sich regelmäßig treffen. Diese vielen Personen nicht durcheinander zu bringen war eine Herausforderung für mich. Vor allem da ich die Namen der großen Nazi- und SS-Persönlichkeiten nicht derartig verinnerlicht habe.

„Das Verschwinden des Josef Mengele“ bringt den Leser in eine unbequeme Position. Man fiebert mit Josef Mengele mit und drückt ihm fast schon die Daumen, dass ihm die Flucht gelingt und er endlich ein ruhiges Leben führen kann. Dabei fühlen sich derartige Empfindungen schlicht falsch an. Als Oliver Guez dann auch noch einige wenige, dafür umso grausamere Gräueltaten wiedergibt, fühlt man sich als Leser mit der zarten, entstehenden Sympathie für das Monster Mengele ertappt und schuldig.

Viele, viele Namen machen es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Es steckt viel politisches und geschichtliches Wissen in dem Buch. Der Leser erhält einen guten Überblick über Argentinien, Paraguay und Brasilien nach dem Zweiten Weltkrieg.

NetGalley und der Aufbau Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Die Schwarze Witwe von Wien

Monika Buttler
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.08.2018
ISBN 9783839223031
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Schwarze Witwe von Wien: Die Morde der Elfriede Blauensteiner“ erzählt die wahre Geschichte der Elfriede Blauensteiner. Die Österreicherin wird von der Presse mit einer Schwarzen Witwe verglichen, da diese Spinnenart das Männchen nach der Trauung bzw. dem Geschlechtsakt einfach auffrisst.

1931 wird Elfriede in einem Wiener Arbeiterbezirk in ärmlichen Verhältnissen geboren. Es wird versucht Elfriedes Lebens in den Kontext der damaligen Zeit zu setzten. Somit liest man viele Ereignisse rund um die österreichische Geschichte. Diese werden jedoch alle nur kurz erwähnt ohne näher ins Detail zu gehen. Es ist notwendig sich im Vorhinein diesbezüglich Wissen anzueignen oder sich im Zuge des Buches immer wieder zusätzliche Quellen zu widmen. Nur so kann man das Gelesene vollumfänglich verstehen.

Hunger steht an der Tagesordnung. Mit psychischen Tricks (ob bewusst oder unbewusst) halten die Mutter und der Stiefvater die für Elfriede schädliche Beziehung aufrecht. Als es ihr endlich gelingt auszubrechen, schlittert Elfriede Blauensteiner mit ihrem ersten Mann in den nächsten katastrophalen Lebensabschnitt. Bis sie schließlich die Gelegenheit beim Schopf packt und ihren Mann hingebungsvoll pflegt. Zu Tode pflegt.

Selbst ist sich Elfriede keiner Schuld bewusst. Aufopferungsvoll ordnet sie ihr Leben der Pflege unter. Bewunderung und Anerkennung von außen für ihre Opferbereitschaft und ihre uneigennützign Hilfsleistungen sind ihr höchster Lohn. Auf perfide Weise wird deutlich welche Einschränkungen es mit sich bringt, wenn man zu sehr auf Bestätigung von Außen angewiesen ist.

Journalistisch gibt Monika Buttler das Leben der Elfriede Blauensteiner wieder. Mit diesem nüchternen Schreibstil bleiben Emotionen oder gar ein Hineinfühlen in die Protagonistin leider aus.

Aufgebaut ist das Buch um den fiktiven Journalisten Felix Moser, der für eine österreichische Boulevardzeitschrift eine ausführliche Reportage über „Die Schwarze Witwe von Wien“ schreiben soll. Die Sinnhaftigkeit diese Kunstkniffs erschließt sich mir bis zum Schluss nicht.

Felix liest diverse Vernehmungsprotokolle und die von Elfriede selbst verfassten Memoiren während diese bereits im Gefängnis sitzt. Es macht den Anschein, als wäre ein Großteil des Buches eine Zusammenfassung dieser Memoiren. Allerdings habe ich die Memoiren nicht selbst gelesen.

Die psychologischen Urteile aufgrund des Verhaltens von Elfriede werden direkt wiedergegeben und dabei auf die Gefühle oder Auswirkungen einzugehen. Ganz so als würde man in die gerichtlichen Unterlagen hineinschnuppern.

Felix Moser erscheint als Randfigur und reißt den Leser immer wieder aus dem ohnehin recht schwerfälligen Lesefluss, denn ich in dem reportageartigen Schreibstil begründet sehe. Denn eine Information alá Felix reibt sich die Augen und holt sich eine Tasse Kaffee, ist schlicht uninteressant und nicht relevant für die Geschehnisse an sich.

Wer mehr über das Leben und die Pflege bzw. Morde der Elfriede Blauensteiner erfahren will, ist mit „Die Schwarze Witwe von Wien“ gut beraten. Allerdings darf man sich keinen spannenden Kriminalroman erwarten. Viel mehr ist das Buch eine ausführliche Reportage über die rüstige Rentnerin, die vor Gericht nicht nur mit ihren Taten aufhorchen ließ, sondern mit ihrem auffälligen gepflegten Äußeren und ihren ständigen Berufungen auf Gott für Aufsehen sorgte.

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

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Das Mädchen, das von Freiheit träumte

Tilli Schulze , Lorna Collier , Simone Jakob
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 13.07.2018
ISBN 9783746634197
Genre: Historische Romane

Rezension:

In „Das Mädchen, das von Freiheit träumte“ erzählt Tilli Schulze ihre wahre (Überlebens)Geschichte. Dabei betont sie gleich zu Beginn, dass sei keine Heldin ist. Sie hat während des Kriegs und danach nicht mehr oder weniger gelitten als viele andere.

Und doch ist Tillis Perspektive auf den Krieg und die Zeit danach super spannend und macht mich traurig. Ohne hier nun eine Wertung aufstellen zu wollen wer mehr oder weniger gelitten hat, zeigt Tilli, die Schrecken des zweiten Weltkriegs und danach für ein ganz normales deutsches Mädchen. Das Leid, das dieser fanatische, unsinnige Krieg für die Zivilisten brachte.

„Das Mädchen, das von Freiheit träumte“ ist sehr einfach geschrieben. Wir begleiten die 5-jährige Tilli als der zweite Weltkrieg ausbricht, bis hin zur großen Veränderung in ihrem Leben als sie 16 Jahre ist. Durch die einfache Sprache hat man das Gefühl, das kleine Mädchen selbst würde seien Geschichte erzählen.

So blicken wir mit kindlicher Naivität auf die Geschehnisse. Eine Denkweise, die oftmals sehr logisch klingt. Und dennoch sehe ich hier die größte Schwachstelle des Buches. Denn durch diese sehr einfachen Beschreibungen, wirken manche Stellen langatmig und ich musst achtgeben nicht leichtsinnig zu beginnen das Buch lediglich zu überfliegen.

Während des Zweiten Weltkriegs konnte Tilli noch relativ lange ihr mehr oder weniger gewohntes Leben unbehelligt fortführen. Als Tochter auf einem Bauernhof und mit einer unglaublich starken Mutter, hatte sie zumindest genug zu Essen. Etwas, das für viele Menschen nicht selbstverständlich war.

Doch mit den Russen ging auch für Tilli das Leiden in vollem Maß los. Es ist spannend, dass Tillis Erzählungen nicht mit dem Ende des Kriegs aufhören, sondern darüber hinausgehen. Denn viel zu selten wird darüber gesprochen, was der verlorene Krieg für die Bevölkerung bedeutet hat.

Die ständige Angst denunziert zu werden obwohl man gar nichts gemacht hat, war allgegenwärtig. Aus der einstmals so schönen Dorfgemeinschaft wird eine Misstrauensgesellschaft. Am Ende des Tages bleiben vielen nur ihre Gedanken, denn „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, …“. Ein deutsches Volkslied, das auch Tillis Mutter immer wieder vor sich hinsummte. Deshalb trägt das Buch im amerikanischen Original, das bereits 2005 erschienen ist auch den Titel „Tilli’s Story: My Thoughs Are Free“.

„Das Mädchen, das von Freiheit“ träumte erzählt die Geschichte von Tilli Schulze geborene Horn. Der Zweite Weltkrieg und dabei vor allem das Leid der deutschen Bevölkerung nach dem verlorenen Krieg stehen im Vordergrund.

Eine erschreckende Lebensgeschichte, die mir eine weitere Perspektive rund um den Zweiten Weltkrieg aufzeigt und in ihrer schonungslosen Brutalität verdeutlich wie wichtig #WiderDasVergessen ist.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Heimkehr nach Fukushima

Adolf Muschg
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 31.12.2018
ISBN 9783406727023
Genre: Romane

Rezension:

Mit „Heimkehr nach Fukushima“ hat es Adolf Muschg auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 geschafft. Auch wenn ich an dem Buch nicht alles gut heiße, eine Nominierung, die ich unterstütze.

Eine Rückkehr oder Heimkehr nach Fukushima klingt im ersten Moment verrückt und auch im zweiten bleibt es dies. Doch fängt man zu recherchieren an, merkt man sehr schnell, dass Adolf Muschg seinen Roman sehr nahe an der Realität platziert hat.

„Heimkehr nach Fukushima“ ist in einer sehr melodischen, aber auch eher schwierigen Sprache geschrieben. Verzweigte Sätze fordern die Aufmerksamkeit des Lesers. Zusätzlich werden immer wieder Fremdwörter verwendet, die ich teilweise nachschlagen musste. Das lege nicht negativ aus. Ich persönlich mag es gerne auf diese Art und Weise meinen Wortschatz zu erweitern. Es sollte nicht ausarten, dass man vor lauter Nachschlagen nicht mit der Geschichte vorankommt und das tut es in „Heimkehr nach Fukushima“ auch nicht.

Eine weitere Herausforderung waren die absolut ungewohnten japanischen Namen der Menschen und Orte. Ich musste mich konzentrieren nichts durcheinander zu bringen.

Mir gefällt es wahnsinnig gut, wie Alfred Muschg die japanische Kultur beziehungsweise viel mehr die japanischen Denkgewohnheiten und Verhaltensweisen wiedergibt. 

Der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Paul Neuhaus erkennt seine eigene Geschichte in die „Nachkommenschaften“ von Stifter aus dem Jahre 1864 wieder. Der Leser bekommt ganz Absätze aus „Nachkommenschaften“ präsentiert. Diese rissen mich aus dem Leserhythmus, da ich mich plötzlich in einer ganz anderen Zeit und Geschichte befand.

Als leidenschaftlicher Leser von Liebesromanen sind mir Sexszenen natürlich nicht fremd. Und auch in „Heimkehr von Fukushima“ spielen zwischenmenschliche Beziehungen und Sex eine Rolle. Die Sexszenen beschränken sich auf ein Minimum und werden nicht ausführlich beschrieben. Details darf sich der Leser selbst in seiner Gedankenwelt ausmalen.

Und dennoch waren diese wenigen Beschreibungen irritierend und seltsam komisch beschrieben. Ich weiß nicht ob mich die gehobenen, leicht schwülstigen Beschreibungen ansprechen oder ich doch lieber eine direktere Ausdrucksweise bevorzuge. Vermutlich würde es reichen, dem Leser eine Idee zu geben und die beteiligten Protagonisten beim eigentlichen Akt alleine zu lassen. Denn die Szenen sind jeweils auf wenige Sätze reduziert und hätten vermutlich gänzlich ausgespart werden können.

C.H.Beck hat mir eine Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.


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53 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

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Der Tätowierer von Auschwitz

Heather Morris , Elsbeth Ranke
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2018
ISBN 9783492061377
Genre: Biografien

Rezension:

Ein Roman, der auf vielen Ebenen bereits bekanntes über den Holocaust erzählt. Dennoch verlieren diese Erzählungen durch die Wiederholung nicht ihre Wirkung, sondern gewinnen noch an Schrecken.

Lale Sokolov fügt den Geschehnissen in Auschwitz zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs allerdings eine weitere dramatische Komponente hinzu. Und eben das finde ich so fantastisch. Während es viele Parallel zu anderen dramatischen Schicksalen gibt, fügt Lale Sokolov seine eigene individuelle Geschichte hinzu. Durch diese vielen Darstellungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Menschen davon erfahren und wir die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und die Verbrechen, die unter anderem an Juden verübten wurden nicht in Vergessenheit geraten.

Lale Sokolov hatte die Aufgabe in Auschwitz den Neuankömmlingen ihre Nummer, die von nun an ihren Namen ersetzt, für immer in den Arm zu tätowieren. So wird Lale Teil des grausamen Werks, sichert sich allerdings auch sein Überleben. Dabei handelt Lale nicht rein egoistisch, sondern versucht die Vorteile, wie beispielsweise Zugang zu mehr Essen, auch für andere Häftlinge zu nutzen und teilt mit denen, die es dringender brauchen als er. Wenn davon in einer derartigen Situation überhaupt die Rede sein kann.

Eines Tages verliebt sich Lale beim Tätowieren in ein junges Mädchen. Gita. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe, die den beiden immer wieder Kraft zum Weitermachen bzw. zum Weiterleben geben soll. Eine Liebesgeschichte, die, so unwahrscheinlich es klingen mag, ein Happy End finden wird.

Bereits auf dem Cover wird diese Liebesgeschichte verdeutlicht. Ich fürchte, dass das in meinen Augen etwas verträumte Cover, Leser abschrecken könnte. Das Cover strahlt Hoffnung aus, wirkt allerdings schon etwas  kitschig. Selbst die Ansicht von Birkenau mit dem Eingang und dem Wachturm hat einen verträumten, verharmlosenden Touch.

Bewegt hat mich auch das Schicksal von Cilka, über das ich sehr gerne mehr erfahren würde. Denn am Ende des Buches, erfährt man kurz was mit Lale und den anderen Beteiligten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschehen ist. Aufgrund der Erzählungen rund um Cilka, die mich den Tränen nahe brachten, konnte ich das Urteil nicht wirklich nachvollziehen. Da sich „Der Tätowierer von Auschwitz“ um Lale Sokolov dreht, lernen wie Cilka nur in den wenigen Berühungspunkten mit Lales Geschichte kennen und kenne ihr Leben nicht in dem Ausmaß um ein fundiertes Urteil zu fällen.

Lesen, lesen, lesen. Ich habe mir das Buch mitten in der Nacht um kurz vor 24 Uhr auf meinen Kindle geladen und, neugierig wie ich nun mal bin, direkt die ersten Seiten gelesen. Nach einer halbe Stunde stoppte mich die Müdigkeit dennoch vor dem Weiterlesen. Doch bereits 5 1/2 Stunden später war ich wieder wach, griff sofort zum Buch und laß es in einem Rutsch fertig. Ich konnte nicht aufhören und musste einfach wissen, wie die Geschichte endet.

Heather Morris gibt Lale Sokolovs Geschichte derart fesselnd wieder, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen kann.

Danke Piper für das Rezensionsexemplar.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Dachschaden kann man nicht versichern

Kristina Fisser , Carina Heer
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442177042
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ist es nur gerade eine stressige Zeit in der Arbeit oder schon ein Burnout?  Ist das Feierabendbier noch okay oder vielleicht doch schon Alkoholismus? In einer Welt, in der Perfektionismus viel zu oft angestrebt wird, ist es kein Wunder, wenn man manchmal Orientierungsschwierigkeiten hat.

Und so spannt Kristina Fisser einen sehr breiten Bogen über mögliche Fragestellungen und Problemfelder. Dabei hat mir ihr doch recht pragmatischer Zugang sehr gut gefallen. Denn zusammengefasst, kann ich festhalten, dass ein kleiner Dachschaden ganz normal ist und das Leben und jeden einzelnen Menschen erst so richtig liebenswert macht.

Kristina Fisser ist selbst Psychologin und arbeitet schon seit mehreren Jahren mit Patienten, die unter Depressionen, Borderline oder Angsterkrankungen leiden. Und auch frischgebackene Mütter zählen zu ihren Patientinnen. Denn dieses Erlebnis und die daraus resultierende neue Rolle und Verantwortung einem Lebewesen gegenüber, kann Frau in ganz unterschiedliche Krisen stürzen.

Anschaulich erläutert Kristian Frisser die Theorie mit vielfältigen Beispielen. Dabei liest sich die Theorie in „Dachschaden kann man nicht versichern“ viel fundierter und wissenschaftlicher als in so manch anderen allgemein-populär aufbereiteten Fachbüchern. Da ich keinerlei fachliche Ausbildung in diese Richtung habe und lediglich gerne Bücher rund um die Psyche, das eigene Selbst und ein glückliches, achtsames Leben lese, ist dieses Urteil mit Vorsichtig zu genießen.

Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Autorin nicht davor zurückschreckt Fachbegriffe zu verwenden. Diese werden sehr verständlich erklärt und ermöglichen eine gezielte weitere Recherche.

Am Ende eines jeden der insgesamt 12 Kapiteln gibt es eine kurze Einführung über den Beruf des Psychotherapeuten an sich, die Bewilligung von Therapiestunden, die Abbrechnung mit der Krankenkasse nach deutschem Recht und vieles mehr. Dabei ist der Zusammenhang zwischen dem eigentlichen Kapitel und diesem kurzen Abriss nicht immer gegeben. Ich denke, die Autorin möchte damit die Angst vom Psychologen nehmen und auch den wichtigen Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeuten erläutern. Auch wenn diese Einschübe anfänglich noch ganz interessant waren, ging es mir dann irgendwann doch zu sehr ins Detail und ich habe die deutlich farblich hervorgehobenen Abschnitte übersprungen.

Kleine Sketchnote-artige Zeichnungen rund das Layout des Buches ab und lockern es deutlich auf.

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81 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

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Als die Tage nach Zimt schmeckten

Donia Bijan , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.07.2018
ISBN 9783548290393
Genre: Romane

Rezension:

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist eine mitreißender (fiktiver) Familienroman über vier Generationen. Im Mittelpunkt steht nicht nur Noor selbst, sondern auch die Lebensgeschichte anderer Familinenmitglieder wird erzählt. Dies gibt uns als Leser einen super Einblick, da wir sehen wie eine Situation von unterschiedlichen, beteiligten Menschen beurteilt wird.

Exemplarisch möchte ich die Situation herausgreifen, als Zod seine Kinder nach Amerika zum Studieren schickt. Es ist sehr spannend in dieser Situation Zods und Noors Gedanken zu erfahren und zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen. Auch was in das Verhalten des Gegenübers hineininterpretiert wird, gibt uns als Leser gut Aufschlüsse.

Außerdem wird die Geschichte von Zods Eltern, die von Russland in den Iran ausgewandert sind, erzählt. Dadurch ergeben sich völlig neue Blickwinkel in der Geschichte. Einerseits Einwandern in den Iran, andererseits Jahre später Auswandern zum Studieren. In beiden Fällen gibt es einen Kulturschock und obwohl so viele Jahre zwischen den beiden Ereignissen liegen, ist die Suche nach Anschluss und das Finden von Freunden kein Leichtes.

Als Noor völlig ohne Vorwarnung zur ihren Wurzeln in den Iran reist und dabei ihre 16-jährige Tochter Lily mitnimmt, steht der nächste Kulturschock bevor. Lily spricht kein Wort Farsi und kann mit der persischen Kultur nichts anfangen. Vollkommen westlich bzw. amerikanisch erzogen und aufgewachsen, ist für sie alles fremd. Anfänglich begegnet sie dem Iran, den Menschen und ihren Verwandten mit purer Abneigung. Doch langsam beginnt ihre Fassade zu bröckeln und die Neugierig sowie der jugendliche Leichtsinn siegen.

Noors inneren Konflikt zwischen der Sehnsucht nach der wohl behüteten Kindheit und ihre innere Zerrissenheit waren deutlich zu spüren. Ihre Denkweisen waren gut nachvollziehbar, wenngleich ihre Handlungen für mich nicht immer logisch sind.

Lily hingegen wirkt wie eine verzogene Göre. Völlig blauäugig bringt sie sich und andere in große Gefahr. Erst langsam wird sie zu einer liebenswerten, jungen Person.

Besonders gut haben mir die verträumten Beschreibungen des Café Leilas, vor allem zu seiner Blütezeit, gefallen. Das herrliche Essen habe ich auf der Zunge geschmeckt und die exotischen Düfte schwebten um meine Nase. Diese Beschreibungen sind so voller Leidenschaft und Detailverliebtheit, dass ich sofort wieder in den Iran reisen möchte.

Aber Donia Bijan zeigt nicht nur den weltoffenen Iran und seine liebenswürdigen Menschen, sondern auch die brutalen, gewalttätigen Seiten im Laufe der Geschichte und in der heutigen Zeit. Donia Bijan gelingt hier eine sehr gute ausgewogene Mischung. Die Familie steht im Vordergrund und dennoch lernen wir viel über Kultur, Geschichte und Politik des Landes.

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist ein absolut lesenswertes Buch. Ein Kultuschock jagt den nächsten. Eingepackt in eine spannende Familiengeschichte lernt man viel über den Iran, aber auch über kulturelle Unterschiede und die Schwierigkeiten diese zu überbrücken.

Einfühlsam und direkt zeigt Donia Bijan die verträumte, wunderbare iranische Welt mit ihrer leckeren Küche, die es auch tatsächlich so gibt. Die Autorin verschweigt dabei aber auch die weniger schönen und gewaltsamen Seiten nicht. So schaffte sie einen wunderbaren ausgeglichen, ehrlichen Roman.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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Der Stammhalter

Alexander Münninghoff , Andreas Ecke
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 20.07.2018
ISBN 9783406727320
Genre: Biografien

Rezension:

„Der Stammhalter“ ist ein schonungslos ehrliches Buch. Alexander Münninghoff beschönigt nichts, schafft es aber zeitgleich, nicht seine gesamte Familie zu beschuldigen. Es werden viele Lebensgeschichten erzählt und dabei entsteht, beinahe Verständnis warum die Protagonisten so gehandelt haben. Dies ist ein schmaler Grad und leider klingen viel zu viele Biografien wie ein Abrechnung mit der eigenen Familie. Alexander Münninghoff erzählt die Geschichte seiner Familie mit viel Respekt und zeigt die vielen Graustufen zwischen Schwarz und Weiß.

Man spürt förmlich wie Alexanders Vater Frans vom Großvater in die Enge getrieben wird. Fast scheinen seine Entscheidungen die einzige logische Konsequenz zu sein. Man möchte den Großvater anschreien, endlich etwas von seiner Liebe zur Familie zu zeigen, um so vielleicht das ein oder andere Schicksal in eine positivere Richtung zu bewegen. Denn immer nur das Beste für seine Familie zu wollen und echte Liebe und eine warmherzige Beziehung sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge.

Die geschäftlichen Machenschaften des Großvaters und die vielen dafür aufgebauten und genutzten Beziehungen sind sehr komplex. Es ist viel politisches und wirtschaftliches Geplänkel und Lobbying notwendig. Dieser Teil der Geschichte ist sehr schwer zu lesen, da beinahe in jedem Satz neue Namen auftauchen und abseits von der Hauptgeschichte viele, kurze Nebengeschichten erzählt werden

Das Frans als Lette zur SS geht um an der russischen Front zu kämpfen, erscheint aus dem politischen Konflikt der Letten mit der Sowjetunion logisch. „Der Stammhalter“ zeigt hervorragend wie Fanatismus entsteht und wie Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergrund für den Zweiten Weltkrieg begeistert werden konnten. Vor allem bei Jugendlichen bzw. orientierungslosen Menschen ohne stabile, liebevolle Familienbande war dies leicht.

So genoss Frans das Zusammengehörigkeitsgefühl, die klaren Strukturen und die zielgerichtete Vorgehensweise beim Militär. Vor allem da ihm familiär viel zu oft Dinge aufgedrängt wurden für die er kein Verständnis hatte. Mit dem Weitblick eines Erwachsenen wären diese Dinge für Frans vermutlich gut gewesen. Ohne Erklärung und voller jugendlicher Liebe und Leichtsinn hatte er schlicht kein Verständnis dafür.

Die Erzählungen von Frans und seinen Einsätzen bei der Waffen SS sind sehr spannend und zeigen den Schrecken an der vordersten Front. Doch die Geschichte geht noch einen Schritt weiter und zeigt auch das Leben nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Die Schäden und hier vor allem den Unsichtbaren psychischen Schaden, die durch die schrecklichen verübten Taten im Zweiten Weltkrieg zurückgeblieben sind, offenbaren sich auf schmerzhafte Art und Weise.

Besonders gut haben mir die beiden letzten Teile der Geschichte gefallen. Diese sind sehr flüßig geschrieben und lesen sich wie ein spannender Roman oder Krimi.


In „Der Stammhalter – Roman einer Familie“ zeigt Alexander Münninghoff schonungslos ehrlich die Geschichte seiner eigenen Familie. Respektvoll schafft er es auch die Schandtaten nicht zu verschweigen. Beklemmend wie dieses Streben nach dem Besten für  jedes Familienmitglied letzten Endes zu Konflikten und zum Zerfall führt.

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105 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

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Die kleine Sommerküche am Meer

Jenny Colgan , Sonja Hagemann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492313230
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Cover strahlt eine sommerliche Leichte und Wärme aus. Während man im Hintergrund die Walflosse und schottische Klippen sieht, deutet der Vordergrund südlichere Gefilde an. Vor allem bei den Zitronen am Tisch kann ich mir nur schwer vorstellen, dass diese auf einer schottischen Insel wachsen und wandere gedanklich Richtung Italien oder Spanien. Schade, denn wie man in „Die kleine Sommerküche am Meer“ erfahren wird, gäbe es sehr viel, das lokal auf der Insel produziert wird und sich für das Cover eignen würde.

Die Protagonisten Flora mochte ich sehr gerne. Flora ist eine starke, selbstständige Frau. Als einziges Mädchen unter drei Brüdern aufgewachsen, musste sie sich schon früh behaupten. Das merkt man auch heute noch und Flora ist keine die vor anstrengender, körperlicher Arbeit oder Dreck zurück schreckt. Sehr sympathisch.

 Dennoch hat es mich unglaublich genervt, dass die eigentlich so starke und sympathische Frau Flora in Gegenwart ihres Chefs zu einem kleinen schüchtern Püppchen mutiert, das nichts von der Welt rund um sie herum mitbekommt.

Die eigentliche Liebesgeschichte ist recht vorhersehbar. Zwar gibt es immer wieder einige Wirrungen, die das Ende in weite Ferne rücken lassen, im Grunde weiß man jedoch recht schnell wie die Geschichte enden wird.

Der Schreibstil von Jenny Colgan ist rasant und spritzig. Man bekommt schnell ein gutes Gefühl für die Insel Mure und ihre Menschen. Obwohl Mure alles andere als eine Sonnenschein-Insel ist und ein raues Klima herrscht, nimm einen die Insel sehr schnell ein und ich habe mich beim Lesen ein bisschen in Mure verliebt. Wären da noch irgendwo Schafe auf einer der weiten Wiesen gestanden, wäre es völlig um mich geschehen gewesen.

Doch manchmal wird Jenny Colgan zu schnell. Die Dialog gleichen einem wilden Schlagabtausch und man verliert den Überblick wer den nun was sagt. Dass die Personen dabei innerhalb eines Dialogs, sei es aufgrund von geschäftlichem Taktieren oder aufgrund von Flirtereien, ihre Meinung ändern, macht das ganze nicht einfacher. Selbst nach mehrmaligen lesen der Dialoge, wurde ich an 1-2 Stellen nicht wirklich schlau daraus.

Als dann noch der Quotenschwule auftaucht und die Erzählungen rund um ihn zu einem reinen Klischeebashing verkommt, musste ich laut aufstöhnen. Tatsächlich habe ich mich darüber so geärgert, dass ich kurz davor war das Buch durch die Gegend zu schmeißen. Keine Angst, es wurde niemand verletzt.

In einem Chick-Lit-Buch muss nicht immer alles super realistisch sein. Manche Dinge sind jedoch so an den Haaren herbeigezogen, dass es mir sauer aufstößt. So gibt es bei extremen Sturm eine Bootsfahrt nur um von dem einem Ende der Insel an das andere zu gelangen. Dabei wird die Fahrt erst gestartet, als der Sturm bereits wütet und es gibt keine dringende Notwendigkeit für diese Bootstour. Schließlich befinden sich alle beteiligten Personen in dem riesigen Anwesen „The Rock“ wo sie vor Wind und Wetter geschützt sind und die paar Stunden selbst bei Stromausfall bestimmt ausgehalten hätten.

„Die kleine Sommerküche am Meer“ ist ein leichter, unterhaltsamer Sommer Roman. Während ich die Protagonistin Flora sehr gerne möchte, gibt es leider doch die ein oder andere Schwäche im Verlauf der Geschichte. Schade! Dennoch eine gute Wahl, wenn man sich in der Sonne entspannen und nicht zu viel mitdenken möchte.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

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Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen

Andreas Jäger
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 18.06.2018
ISBN 9783845828626
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Besonders die Aufmachung von „Power Women“ hat mir gefallen. Obwohl ich das Buch digital als pdf gelesen habe, haben mich die wunderschönen Zeichnungen in ihren Bann gezogen. In der Printausgabe sind diese Zeichnung, die sich teilweise auch über eine Doppelseite erstrecken, gewiss noch viel aussagekräftiger.

Von jeder Frau gibt es ein gezeichnetes Porträt auf einer ganzen Seite. Es wird versucht in ein-zwei Worten die Frau zu kategorisiere bzw. eine Idee zu geben, was die Dame so besonders macht. Zusätzlich werden in einem kurzen Absatz die wichtigsten Dinge zusammengefasst. Ein klassisches Management-Summary also. Wer es dann genauer wissen will, bekommt noch einen Steckbrief und einen ausführlicheren Abriss auf einer Seite.

Mir gefiel das Konzept da ich so schnell einen Überblick erhielt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichten ein bisschen detailliert ausfallen. Was waren die Herausforderungen und Widerstände gegen die angetreten werden musste? Oder in welchen kulturellen oder zeitlichen Umständen ist die Lebensgeschichte einzuordnen? Manchmal werden diese Punkte aufgegriffen, aber leider nicht immer.

Der größte Pluspunkt des Buches ist das hervorragend gezeigt wird, dass Frauen seit jeher tragende Rollen spielen. Dank der Interdisziplinarität zeigt sich dies ganz unabhängig vom Beruf(Krankenschwester, Extrembergsteigerin, Umweltaktivistin, Architektin,…), dem geografischen Wirkungskreis und den Lebensständen. Frau kann alles schaffen.Ein Buch, das motiviert.

 „Power Women – Geniale Ideen mutiger Frauen“ ist für Jugendliche und junge Mädchen ab 10 Jahren geschrieben.  Am Ende jedes Kapitel gibt es die Kategorie „Was würde xy tun?“ Dabei wird die Person in eine fiktive Situation geworfen und mit einem Problem konfrontiert, das junge Mädchen heute oftmals haben. Diese Probleme sind jedoch sehr willkürlich zugeordnet und umspannen ein breites Spektrum von Prüfungsangst, über Mobbing und Gruppenzwang bis Scheidung der Eltern. Die Antworten sind derart plump und oberflächlich, dass ich bezweifle, dass sie eine Hilfe darstellen. Es wird vergessen, dass die angesprochenen Probleme vielschichtig sind und nicht mit einem kurzen Absatz von 1-2 Sätzen gelöst werden können.

Auch wenn ich das Frage und Antwort Spielchen am Ende eines jedes Kapitels als wenig sinnvoll empfinde, ist „Power Women“ ein wichtiges Buch. Denn es zeigt, dass Frauen in allen Kategorie ebenbürtig mit Männern sind. Ja, wir Frauen sind großartig! Jede von uns!

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

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Höhenrauschsaison

Meredith Winter
Flexibler Einband: 210 Seiten
Erschienen bei Sommerburg Verlag, 16.04.2018
ISBN 9783981872248
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meredith Winter hat ein Vorwort geschrieben, dass so unglaublich schön ist und mich mitten ins Herz getroffen hat, dass ich es unbedingt extra erwähnen muss. Vielleicht sollten wir uns alle ein Beispiel am Mount Everest nehmen, der die Unmengen an Touristen, die ihn jährlich erklimmen nicht benötigt, um zu wissen wie majestätisch er ist.

Dabei ist es außerdem interessant zu wissen, dass die Autorin selbst niemals auf den Mount Everest steigen könnte. Denn aufgrund einer Herzerkrankung darf sie nicht mal über tausend Meter steigen. Und so schreibt sich Meredith einfach ihre eigene Everest Geschichte voller zwielichter Geschäfte und natürlich auch einer mehr oder weniger romantischen Liebesbeziehung. “Höhenrauschsaison“ ist somit also dem Genre Romantic Suspense also „Romantik Thriller“ zu zuordnen.

Clementine ist eine spannende Protagonistin. Sie geht ihren Weg und lässt sich nur schwer einschüchtern. Dabei hat sie Verhaltensweise und Einstellungen, die wir oftmals klischeehafterweise Männern zu schreiben. Dass Meredith Winter diese so unsinnige Einteilung über Bord wirft, hat mir sehr gut gefallen. Dennoch gibt sich Clementine sexuell oftmals zu unterwürfig, was nicht zu ihrem Auftreten und ihrer Denkweise passt. Viel zu schnell lässt sie sich zu Handlungen überreden.

Als absoluter Nicht-Bergsteiger waren Merediths Beschreibungen rund um die Besteigung des Mount Everest sehr realistisch für mich. Da es für mich eine gänzlich fremde Umgebung war, habe ich immer wieder zum Handy gegriffen um die Orte und Lager mit eigenen Augen zu sehen. Dabei war ich oftmals überrascht wie viel Zivilisation es auf dem Weg zum Gipfel des höchsten Bergs der Welt gibt. Meine Vorstellung wurde bis jetzt von viel Schnee und Kälte dominiert.

Leider gibt es einige Dinge, die ich unlogisch fand oder mir vielleicht auch einfach nicht vorstellen kann. Denn es kam mir zu riskant vor, dass Meredith nach der Absolvierung ihres Höhendiploms gleich auf einen derart herausfordernden Berg wie den Everest geht. Ich stelle mir vor, dass man sich da langsam vorarbeitet.

Während die Gruppe immer wieder Etappen aufstieg, um sich langsam zu akklimatisieren und anschließend noch am selben Tag zum Ausgangspunkt zurückkehrte, bliebe Meredith im Camp zurück. Einerseits hat Meredith aus meiner Sicht nicht die nötige Erfahrung oder Kondition, um auf diese Aufstiege zu verzichten. Andererseits war so während der Aufstiege kein Arzt dabei. Aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig und es spricht die Unerfahrenheit und der enorme Respekt von einem derartigen Aufstieg aus mir.

Zu guter Letzt gab es einige Fragen, die offen blieben, für mich aber unbedingt geklärt gehört hätten. Denn so sind unter anderem die Ausgangspunkte für den Auftragsmord und die grundsätzliche Entstehung der bedrohlichen  Situation nicht ganz schlüssig.

So sterben, wie es sich für einen Romantic Suspense gehört, immer wieder Menschen. Doch diese Toten, und teilweise eindeutig aufgrund eines nicht natürlichen Todes Verstorbenen, werden viel zu schnell von der Gruppe akzeptiert. Ruckzuck liegt der Fokus ohne Rücksicht auf Verlust wieder auf der Besteigung des Mount Everest.

Meinen größten Respekt haben die Sherpas. Die Jahr für Jahr auch Touristen hochschleppen, die sich überschätzen und dabei sich und andere in Gefahr bringen. Zusätzlich zu dem Gepäck, dass die Sherpas für die Touristen auf den Berg tragen, stecken sie die Kurse und sorgen für einen möglichst komfortablen Aufstieg.

Ich habe so viel beim Lesen von „Höhenrauschsaison“ dazu gelernt, dass ich sehr spannend fand. Eine Besteigung von einem hohem Berg, geschweige denn den Mount Everest, steht nicht auf meiner Bucket List und dementsprechend wenig, kenne ich mich mit diesem Thema aus. Von der Couch aus mit einem Romantic Suspense dennoch den höchsten Berg der Welt zu erklimmen, war eine schöne Erfahrung.

Einige logische Schwierigkeiten und offene Fragen blieben leider ungeklärt. So gibt es letzten Endes mehr als respektable 3 Sterne für „Höhenrauschsaison“.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Get your shit together

Sarah Knight , Karolin Viseneber , Jutta Schiborr
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548377537
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sarah Knight deckt in „Get your Shit together“ einige der größten Zeiträuber auf. Dabei liegt ein großes Problem darin, dass wir im schätzen der Zeit sehr schlecht sind. So haben viele von unrealistische Zeitvorstellungen in ihrem Kopf verankert, wenn es darum geht wie lange wir zum Duschen, Zähneputzen oder Staubsaugen brauchen. Durch diese viel zu kürzen Zeitspannen ist es dann schließlich auch nicht verwunderlich, wenn wir mit unserem gesamten Tagesplan in Rückstand gerate. So kann bereits eine Tätigkeit wie das Zähne putzen unseren Plan für den Tag komplett durcheinander bringen kann.

Sarah Knight präsentiert ihren Ratgeber für ein erfolgreiches Leben mit einer lockeren, einfachen Sprache. Alleine schon der Titel klingt provozierend aggressiv. Von einer derartigen Tonalität wimmelt es im Buch nur so. Plakativ und direkt nimmt Sarah kein Blatt vor den Mund und versucht dem Leser ohne Umwege den notwendig Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.

Die Autorin zeigt ihren Weg und wohin Sie „Get your shit together“ gebracht hat. Sarah Knight hat ihren sichern Konzernjob als Lektorin hingeschmissen und lebt nun im Halbjahres Rhythmus abwechselnd in New York und in der Dominikanischen Republik. Denn sie hat gelernt nichts darauf zu geben was die Leute über sie denken/sagen, ihre Leben zu leben und glücklich zu sein.

Besonders gut gefällt mir, dass sie dabei immer wieder betont, dass ihr Weg nicht für alle der richtig ist. Sie ruft also nicht dazu auf den Job hinzuschmeißen und es ihr nachzumachen, sondern sich im ersten Schritt darüber klar zu werden, was man eigentlich will. Denn für jemand anderen kann der von Sarah verhasste Konzernjob vielleicht die Erfüllung bedeuten. Ein regelmäßiges Einkommen und das recht geringe Risiko als Angestellte im Vergleich zur Selbstständigkeit mag für einen anderen Persönlichkeitstypus genau das Richtige sein.

Planen, Fokussieren, Umsetzen – das ist das große Geheimnis hinter Sarah Knights Erfolgsrezept. Mag einfach klingen, ist aber manchmal gar nicht so leicht. Auch selbst tappe ich immer wieder in die Falle, dass es so viele Dinge zu tun gibt, die Zeit dahinfließt und am Ende des Tages nichts von dem erledigt ist, was ich eigentlich machen wollte.

Anhand der drei Chipmunks Alvin, Simon und Theodore zeigt Sarah Knight drei Persönlichkeitstypen und ihre Verhaltensmuster. Diese fand ich nicht immer logisch und es ergab sich ein holpriger Vergleich, der gar nicht notwendig gewesen wäre.

So einfach und offensichtlich manche Tipps wirken mögen, ist der Erfolg dieser nicht zu unterschätzen. Sarah Knight zeigt Fallen auf, in die viele von uns regelmäßige Tappen und gibt Tipps um daraus auszubrechen. Die Chipmunks hingegen haben mich irritiert und sind ein stark hinkender Vergleich.

Ich habe „Get your Shit together“ als eBook gelesen. Immer wieder denke ich nun jedoch an einzelne Schritte und Tipps, die ich noch einmal nachlesen möchte. Im eBook ist es oftmals schwer die Stelle zu finden, geschweige denn als Inspiration einfach ein bisschen herumzublättern. Vielleicht hole ich mir das Buch noch als Print, da ich damit einfach besser arbeiten kann.

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59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 18.05.2018
ISBN 9783352009112
Genre: Romane

Rezension:

Anouk liebt ihren Beruf von ganzem Herzen. Man kann ihre Leidenschaft für alte, schöne Sache förmlich spüren. Dabei ist antik für Anouk gar nicht so wichtig. Der Gegenstand muss eine Geschichte haben und eine eigene Magie ausstrahlen. Dann kann es auch gerne mal ein weniger wertvolles Stück vom Flohmarkt sein, das Anouk mit viel Feingespür und den richtigen Kontakten bestimmt entdeckt.

Wie bereits in „Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“ schaffte es Rebecca Raisin auch in „Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms“ eine Sehnsucht nach der Stadt der Liebe im Leser zu entfachen. Selbst wenn man noch nie in seinem Leben dort war.

Ich habe den Eindruck in Paris kann alles passieren. In Paris kann man sich gänzlich neu erfinden und alles erreichen. Allerdings nicht nach diesem abgehobenen, abgedroschenen, amerikanischen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Traum, sondern auf eine viel bodenständigere Art und Weise. Denn viel wichtiger als Millionär zu werden, ist das Glück im Leben zu finden und selbiges zu genießen.

Ach, was würde ich gerne die französische Philosophie rund ums Essen am eigenen Leibe spüren. Diese Ruhe, Zufriedenheit und der Genuss – einfach fantastisch. Das Buch ist ein Aufruf, diese alltäglichen Freuden wieder mehr zu schätzen und das gute Sonntagsgeschirr einfach so hervorzuholen selbst wenn man alleine isst. Ein Aufruf jede Mahlzeit zu zelebrieren und nicht nur die am Sonntag.

Anouk opfert sich für ihre Schwester auf und lässt sich so einiges bieten. Dabei ist sie dann selbst in der Situation gar nicht mehr zu frieden. Das hat mich sehr geärgert. Ohne zu viel verraten zu wollen, halte ich es für ein absolutes No-Go Menschen in meine vier Wände zu lassen, nur weil die Schwester mit sehr schlechten und fadenscheinigen Argumenten aufwartet.

Letzten Endes fehlte mir die Direktheit. Das Rumgeplänkel von Anouk und Tristan war kaum mitanzusehen. Und dann gab es einige teure Wendung, die Anouk und die Geschichte oberflächlich wirken lassen. Kleine Kniffs der Autorin, die das Geschehen voran treiben, aber bei mir ein Aufstöhnen aufgrund der unrealistischen Vorhersehbarkeit auslösen. Denn letzten Endes wird Anouk damit von der selbstbewussten und vor allen Dingen selbstständigen Frau zu einem Häschen, das ohne starken, geldigen Mann nicht überleben kann, degradiert. Sehr schade, für ein ansonsten stimmungsvolles Buch.

Obwohl „Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms“ super stimmungsvoll ist und den Leser sofort nach Paris versetzt, gibt es dennoch einige Schwächen. Das System der Reihe von Rebecca Raisin ist bereits offensichtlich und ich trau mich wetten, dass wir uns bald schon in einem Blumenladen wieder treffen.

Schade, dass von der starken Anouk zu Beginn, am Ende nicht mehr all zuviel über ist. Eine Entwicklung der Figur ist vorhanden nur leider eine, die ich in vielen Punkten nicht gut heiße.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

Wenn das so weitergeht, kauf ich mir 'ne Katze

Linette Carlson
E-Buch Text
Erschienen bei neobooks, 14.05.2018
ISBN 9783742738332
Genre: Humor

Rezension:

Bei dem Titel und dem symapthischen Cover war für mich gleich klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Als Drehbuchautorin und Texterin hat Linette Erfahrung im Umgang mit Worten. „Wenn das so weitergeht, kauf ich mir ’ne Katze“ ist nun in erster Chick-Lit Roman. Dabei bleibt sie mit der „Fashionista“-Thematik zumindest teilweise in dem ihr vertrautem Umfeld.

Liest man die Erzählungen rund um die Dreharbeiten merkt man deutlich, dass sich die Autorin damit auskennt. Denn bis in einer Reality-TV-Show alles so natürlich und zufällig rüberkommt, sind viele, viele Takes notwendig. Diese Einblicke in die Dreharbeiten mit Normalsterblichen, die es nicht gewohnt sind vor der Kamera zu stehen, waren sehr spannend.

Ein Großteil des Buches befasst sich also mit den Dreharbeiten. Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung in der wir Steffi kennen lernen und sie bei ihrem Entscheidung für die TV-Show und dem Bewerbungsprozedere begleiten. Anschließend wird im Hauptteil jeder der 5 Drehtage ganz genau beschrieben.

Es geht dabei viel um die zwischenmenschliche Ebene und die fünf unterschiedlichen Frauen mit ihren Geschichten. Und natürlich um Steffi, die ihr Leben immer wieder mit den anderen vergleicht. Steffi ist unzufrieden mit dem was sie erreicht hat bzw. wo sie heute steht. Dabei zeigt sich schnell, dass die äußerlich schöne Fassade der anderen Mädels auch ganz schöne Risse hat.

Steffis Fashion-Ziel ist „Karrierefrau“. Doch was bedeutet Karriere heute? Muss Karriere immer seine eine Abteilung zu leiten oder besser gleich seine eigene Firma zu gründen. Wieso steht die berufliche Karriere so sehr im Mittelpunkt unseres Lebens. Und vor allem warum versucht uns die Gesellschaft dahin zu drängen, dass jeder eine derart gestaltete Karriere benötigt um glücklich zu sein? Irgendwann werden wir in einer Welt mit lauter Selbstständigen und Abteilungsleitern leben.

Während die 5 Drehtage alle sehr detailliert beschrieben werden, geht es danach Schlag auf Schlag. Es werden Wochen übersprungen und die Tage recht knapp abgehandelt. Dies war natürlich notwendig um der Geschichte ein Ende zu geben, allerdings hat mich diese plötzlich gänzlich andere zeitliche Geschwindigkeit etwas irritiert.

Die Liebe darf natürlich in „Wenn das so weitergeht, kauf ich mir ’ne Katze“ nicht fehlen. Allerdings steht die Show im Vordergrund. Da diese einen so großen Teil der Geschichte einnimmt, hätte ich diese Thematik ganz gerne im Titel aufgegriffen. Als ich mich schon fragte wie der Titel überhaupt zu der Geschichte passen soll, wird er letzten Endes doch noch in der Geschichte aufgegriffen. Dies wirkt jedoch sehr stark konstruiert.

Mit den „Fashionista“-Dreharbeiten wird ein schöner Schwerpunkt gesetzt. Natürlich darf eine Liebesgeschichte rund herum auch nicht fehlen. Wenn gleich Steffi, ihre Entwicklung und die Suche nach dem Sinn in ihrem Leben im Vordergrund stehen.

Alles in allem eine sehr unterhaltsame Sommerlektüre mit lustigen Mädels und tollen Charakteren. Es zeigt sich, dass man dem ersten Eindruck nicht immer glauben schenken sollte. Und sich oft, egal ob in der Liebe oder in der Freundschaft, ein zweiter Blick bezahlt machen kann.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Die Schachspieler von Buenos Aires

Ariel Magnus , Silke Kleemann
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.05.2018
ISBN 9783462050059
Genre: Romane

Rezension:

In den ersten beiden Kapiteln war es für mich sehr schwer in die Geschichte zukommen. Ariel Magnus verwendet eine schwere Sprache. Lange Sätze und viele Zitate fordern die volle Aufmerksamkeit des Lesers.

Ariel Magnus hat mit „Die Schachspieler von Buenos Aires“ eine spannende Mischung aus Fiktion und Realität geschaffen. Tatsächliche Begebenheiten, rund um die Schachweltmeisterschaft 1939 in Argentinien, werden mit Fiktion ausgeschmückt und nicht überlieferte Lücken einfach mit künstlerischer Freiheit ausgefüllt.

Dabei zieht sich als roter Faden das Tagebuch von Heinz Magnus, der Großvater von Ariel Magnus, durch das gesamte Buch.

Oftmals hatte ich das Gefühl nicht alles richtig verstanden zu haben und musste manche Absätze mehrfach lesen. Die Sätze klingen wunderbar und sind vielfältig verschachtelte Meisterwerke. Dennoch erschließt sich mir ihr Sinn nicht immer. Hinzu kommen die vielen Hintergrund Infos, die ich im Hinblick auf Schach nicht habe. Da wird von Zügen gesprochen, die in meinem Kopf mit keinen Synapsen verbunden sind und sich wirkungslos im Kreis drehen. So sagt mir weder eine französische noch eine indische Eröffnung etwas.

Die Vergleiche von Schach mit Boxen  fand ich faszinierend. Es schwebt die Frage im Raum ob Schach denn überhaupt als Sport klassifiziert werden kann. Diesen dann mit einem derartigen brutalen, kraftvollen Sport wie dem Boxen zu verbinden und die vielen Parallelen zu entdecken, ist sehr aufschlussreich und spannend.

Immer wieder schwenkt der Autor zur Politik und ergötzt sich in politischen Zusammenhängen. Bei den Versuchen den Zweiten Weltkrieg mit Schach gleichzusetzen, gibt es viele dezente Hinweise. Um diese alle umfassend verstehen zu könnte, müsste man allerdings den Zweiten Weltkrieg inhaliert haben. Obwohl ich für meine #WiderDasVergessen Aktion bereits viele Bücher rund um den Zweiten Weltkrieg gelesen habe, konnte ich viele Hinweise nicht nachvollziehen. Bis jetzt habe ich auch noch kein Buch aus der Sichtweise eines Landes, das nicht derart aktiv an den Geschehnissen beteiligt war, gelesen. Dies machte für mich den besonderen Reiz an „Die Schachspieler von Buenos Aires“ aus.

Eine Vielzahl an mehr oder weniger bekannten Personen aus der realen Welt und der Literatur sind in dem Roman anzutreffen. Während manche wie beispielsweise die deutsche Schachmeisterin Sonja Graf oder Mirko Czentovic (aus der „Schachnovelle“ von Stefan Zweig) aktiv ins Geschehen eingebunden sind und eine wichtige Rolle übernehmen, schweben andere einfach nur durch die Geschichte. So unverhofft wie diese auftauchen, verschwinden sie auch wieder, ohne einen wirklichen Input gebracht zu haben.

Die Rolle der Frau in „Die Schachspieler von Buenos Aires“ ist sehr herablassend. Die Frauen werden als niedere Wesen beschrieben, vor allem aus Sichtweise der Männer. Diese Ansichtsweise stößt mir sauer auf. Dann rufe ich mir jedoch wieder in Erinnerung, das wir uns im Jahr 1939 befinden und vermutlich die Sichtweise der Männer auf die Frauen wirklich so war. Und leider noch in vielen Situationen heute noch immer nicht so ist, wie sie sein sollte.

Und dann gibt es da Sonja, die deutsche Schachmeisterin, die eigentlich gerne ein Mann sein möchte. Ein im ersten Moment irritierender Charakter in dieser Welt. Eine Frau, die verzweifelt auf der Suche nach ihrem Platz ist. Für mich war nicht wirklich greifbar was Sonjas Beweggründe sind ein Mann sein zu wollen. Vielleicht liegt es darin begründet, dass sie sich als Mensch zweiter Klasse fühlt und in ihrem Schachspiel ebenso ernst genommen werden möchte wie die Männer. Denn sobald es um die Schachspielerinnen geht, werden diese von den Medien und den Zusehern trotzdem wieder auf ihre optischen Reize, ihre Kleidung und ihre Accessoires herabgewürdigt. Die eigentliche Leistung wird in den Hintergrund gedrängt. Ich stelle mir die Frage wie viel von Sonja und ihren Gefühlen, gerne ein Mann zu sein, überliefert ist und was Fiktion.

Der Autor verwendet vielfach Zitate, Textausschnitte aus Büchern und Zeitungen sowie die erwähnten Auszüge aus den Tagebüchern des Großvaters. Vor allem von Fußnoten scheint Ariel Magnus ein echter Liebhaber zu sein. Die Verwendung von Fußnoten wird derart exzessiv betrieben, dass es sogar ein eigenes Kapitel zu der Verwendung der Fußnoten und der Sinnhaftigkeit dieser beziehungsweise dem literarischen Wert von der Aneinanderreihung von Zitaten und Textauszügen gibt.

Oftmals hatte ich das Gefühl, der Autor macht sich einen Spaß mit dem Leser und versucht ihn mit den unterschiedlichen Erzählsträngen, die sich durch diese teilweise sehr ausführlichen Fußnoten ergeben, zu verwirren. Oder ihm auch eine kleine Pause zu geben und so die Geschichte wirken zu lassen. Ariel Magnus verwendet diese Klaviatur der Fußnoten außergewöhnlich gekonnt.



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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

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Annas (fast) perfekte Hochzeit

Marion Stieglitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Feelings , 02.05.2018
ISBN 9783426216521
Genre: Romane

Rezension:

Anna steckt ihr ganzes Herzblut in ihren kleinen Laden. Die viele Arbeit wird mit strahlenden Gesichtern der Kunden belohnt. Mit kreativen Ideen und Workshops in ihrem Laden sorgt Anna dafür, dass es nicht langweilig wird und immer wieder neue Leute den Weg in ihren Laden finden. Zu gerne würde ich an einem der Bastelworkshops mit ihrer besten Freundin Katja teilnehmen.

Obwohl Anna und Bernd nun schon mehrere Jahre das Leben Seite an Seite bestreiten, trägt Anna noch immer eine rosarote Verliebtheitsbrille. Bereits seit sie ein kleines Mädchen war, träumt sie von der großen Prinzessinnenhochzeit. Dabei erfüllt Anna noch mehr weibliche, veraltete Klischees und opfert sich immer wieder zum Wohle des Manns an ihrer Seite auf. Ihre persönliche Entfaltung stellt sie dabei gerne hinten an. Doch langsam realisiert Anna was sie da eigentlich tut und wohin sie dieses Verhalten führt.

Bernd hingegen ist ein aufstrebender Karrieremann. Er arbeitet in der Automobilbranche und ist für den Sound der diversen Dinge in einem Auto zuständig. Für mich als „Ein Auto braucht 4 Reifen und muss mich zuverlässig von A nach B bringen“-Mensch ist es schwer vorzustellen, dass es einen derartigen Beruf wirklich gibt. Wenn ich mir dann jedoch die leidenschaftlichen Auto-Menschen mit ihren getunten Motoren und dem super Klang vorstelle, ist es nur logisch, dass sich auch jemand überlegen muss, wie sich das Zuschlagen der Autotür im Hochpreissegment anhört.

Jedes Kapitel in „Annas (fast) perfekte Hochzeit“ ist ein Tag im Leben von Anna. Die Kapitel werden dabei immer mit einem klugen Zitat eingeleitet. Dies mag im ersten Moment abgedroschen klingen, wurde aber toll umgesetzt. Die Zitate spielen eine zentrale Rolle. Einerseits wird erklärt wo diese Zitate herkommen und andererseits werden sie in jedem Kapitel, mal mehr und mal weniger intensiv, aufgegriffen. Anna wäre nicht Anna, wenn sie diese Zitate am Ende nicht auch noch kreativ für ihr Geschäft nutzt ;)

Der leichte, unterhaltsame Schreibstil und die kurzen, knackigen Kapitel tragen dazu bei, dass man von einer Seite zur nächsten getragen wird und gut voran kommt. Dies ist auch unbedingt notwendig. Denn leider wird der aufmerksame Leser bereits im Prolog mit derartig eindeutigen Andeutungen gespoiltert. Dadurch, dass man nun schon weiß was passiert, bleibt auch die Spannung etwas auf der Strecke. Sehr, sehr Schade! Denn die Geschichte an sich ist sehr unterhaltsame und wäre ohne dem Prolog, der alles verrät, auch sehr spannend.

Annas Entwicklung gefällt mir sehr gut. Dies trägt allerdings auch zu einer Veränderung im Handlungsablauf bei. Während bis zu dieser großen Veränderung (die noch dazu bereits im Prolog explizit angedeutet wird) die Geschichte in einem angenehmen Tempo erzählt wird, geht plötzlich alles Schlag auf Schlag. Marion Stieglitz versucht am Ende noch viel zu viel in die Geschichte zu packen, um uns ein klares Bild zu vermitteln, wie es mit Annas Leben nach dem Buch weitergeht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte mit ihrem ursprünglichen Tempo zu Ende geht. Selbst wenn dies bedeuten würde, dass am Ende einige Aussichten wager blieben.

Am meisten ärgert mich der Spoiler oder die zu expliziten Andeutungen im Prolog. Denn das Buch ist wirklich gut, unterhaltsam und hat alles was ein schöner, kitschiger Chick-Lit-Roman braucht.

Ein leichter Schreibstil und knackige Kapitel bescheren sommerliche Lesefreuden. Von mir gibt es für RomantikerInnen und die, die es noch werden möchten auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

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Alma

Dagmar Fohl
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.04.2018
ISBN 9783839222423
Genre: Romane

Rezension:

Während die Figur des Aaron Stern fiktiv ist, lehnt sich die Handlung an historische Ereignisse an. So hat die Schifffahrt auf der St. Louis im Jahre 1939 tatsächlich stattgefunden. 937 jüdische Passagiere sollten mit dem Schiff von Deutschland nach Kuba reisen und so den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs entgehen. Doch es kam alles anders.

Die dargestellten Szenarien wirken derartig skurril, dass man meinen möchte die Autorin hätte sie sich ausgedachte. Wirft man dann einen jedoch einen Blick auf das Mittelmeer, stellt man erschreckende Parallelen fest. Lediglich mit dem Unterschied, dass die Zustände schlimmer sind als damals auf der St. Louis. Denn die Überfährt an sich glich in “Alma“ mehr einer Kreuzfahrt denn einer Flucht.

Dieses Gefühl mit Aaron Stern mitzuerleben wie er seine Heimat verliert und plötzlich keinen Platz mehr hat wo er hin kann. Auf unserer ganzen großen Erde gibt es keinen Platz wo er erwünscht ist.

Und schließlich die Lagermusik. Eine Institution, die für einige wenige zur Überlebenschance wurde. Dabei zeigt die Lagermusik wie schändlich und grausam Musik missbraucht werden kann. Jeden Tag von fröhlicher Marschmusik auf dem Weg zur und von der „Arbeit“ begleitet zu werden, kommt ein ganz eigenen perfiden Folter gleich.

 „Alma“ geht unter die Haut. Ich habe die 220 Seiten in einem Zug gelesen. Es gibt schlicht keine Stelle, die zum Aufhören geeignet wäre. Im weiter trägt dieser kleine Funke der Hoffnung den Leser immer weiter durch die Geschichte. So schwer viele Seiten auch zu lesen waren, musste ich einfach wissen ob Aaron überlebte und was mit „Alma“ geschehen ist.

Besonders gut hat mir gefallen, dass auch das danach beschrieben wird. Was wurde aus den KZ-Häftlingen nach dem Ende des Kriegs. Wie lebten Sie weiter? Wo fühlten Sie sich sicher oder gar zu Hause?

Die Feinfühligkeit mit der Dagmar Fohl durch die Geschichte führt, ist beeindruckend. Bei so viel Grausamkeit, Schmerz und Leid schafft sie dennoch, dass man immer wieder weiterlesen möchte, auch wenn Tränen in den Augen dies erschweren.

„Alma“ ist eines der besten Bücher rund um die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs. Intensiv, schmerzhaft und nachhaltig zeigt Dagmar Fohl an der fiktiven Figur Aaron Stern ein schreckliches Schicksal. Dabei spannt sie einen breiten Bogen von den ersten leisten Vorwehen und der Wegbereitung zum Nationalsozialismus bis hin zu den schrecklichen Tagen und der Suche des Lebens danach. Denn immer wieder stelle ich mir die Frage, wie kann man als Überlebender weiterleben? Wie kann man diese schreckliche Bilder verarbeiten/vergessen/bewältigen.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Mühlviertler Blut

Eva Reichl
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.04.2018
ISBN 9783839222386
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Mühlviertler Blut“ stellt den gelungen Auftakt zu einer vielversprechenden Reihe mit Chefinspektor Oskar Stern und Gruppeninspektorin Mara Grünbrecht dar. 

Eva Reichl hat die perfekte Mischung aus Einführung der Charaktere für eine Reihe und dennoch den eigentlichen Fall im Vordergrund zu lassen, geschafft. „Mühlviertler Blut“ stellt uns Oskar Stern schon recht gut vor. Wir wissen über einige seiner Eigenheiten Bescheid und haben auch einen groben Einblick in seine Vergangenheit. Dennoch bleibt genug offen, um weitere spannende Regionalkrimis zu schreiben.

Der Chefinspektor ist vor allem in Liebesdingen sehr unbeholfen. Sterns spontane Verliebtheit in die Liebenauer Wirtin und seine großen Hoffnungen ohne Anhaltspunkte oder Andeutungen erinnern mich an erste jugendliche Verliebtheiten. Die Autorin führt dem Leser Oskar Sterns Verzweiflung in Liebesdingen damit nur allzu deutlich vor Augen.

Mara Grünbrecht ist eine sympathische Frau. Sie erkämpft sich ihren Platz, könnte allerdings manchmal etwas mehr Selbstvertrauen gebrauchen. Dennoch eine tolle Person, die sich vor allem auch wieder im Hinblick auf weitere Mühlviertelkrimis toll weiterentwicklen lässt.

Oskar Stern genießt einen guten Ruf als erfolgreich Chefinspektor. Seine junge Kollegin Mara blickt zu ihm auf und möchte möglichst viel von ihm lernen. Der faktenorientierte Stern und die gefühlsbetonte Mara, auch wenn sie das versucht zu verbergen, wären ein noch viele besseres Team, wenn sich Mara ihren Stärken bewusst wäre und manchmal etwas vehementer auftreten würde.

Obwohl Stern über mehre Jahrzehnte an Erfahrung verfügt, verhält er sich zwischenzeitlich einfach tölpelhaft. Als wäre das nicht schon schlimm genug, schwingt in einem kurzen Abschnitt ein unterschwelliger Sexismus mit. Dieser ist nicht nur einfach widerwärtig, sondern auch zu höchst unprofessionell. Spätestens hier hätte Mara Grünbrecht ein Machwort sprechen müssen.

"Mühlviertel Blut" ist ein spannender Kriminalfall. Die verwirrenden Hinweise, die sich letzten Endes alle irgendwie zu einer logischen Geschichte verweben, sind gut gestreut. Dazu stimmt die Dosis aus privaten Hintergrundinfos der Inspektoren, die zu keiner Zeit den eigentlichen Fall aus dem Mittelpunkt rückt.

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

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Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg

Julie Peters
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.05.2018
ISBN 9783746634135
Genre: Liebesromane

Rezension:

Frieke kann man durchaus als erfolgreiche, junge Frau bezeichnen. Sie geht einen Job nach, den sie gerne macht und ist darin richtig gut. Dennoch schreit das Leben mit Anfang dreißig nach Veränderung. Die Gründung einer eigenen Nachrichtenagentur mit ihrem langjährigen Partner Harlad und der Umzug nach Boston sollen genau das bringen. Es läuft also richtig gut für Frieke.

Dennoch spürt sie diese Unrastsamkeit. Dieses seltsame Gefühl, dass einen manchmal überrumpelt, obwohl ja eigentlich alles gut ist. Eigentlich könnte sie ja zufrieden sein und sich auf den neuen Lebensabschnitt freuen. Ist es also nur eine nervöse Vorfreude oder steckt mehr dahinter?

Die richtigen Abzweigungen im Leben zu nehmen, ist eine riesige Herausforderung. Glücklicherweise besteht oftmals die Möglichkeit einfach wieder ein paar Schritt zurückzugehen und eine andere Abzweigung zu versuchen. Doch dieses „Try and Error“ erfordert Mut.

Frieke ist ein Social Media Junkie und stoßt damit, vor allem auf der Insel, nicht nur auf Verständnis. Mir hat gut gefallen, dass Frieke, dass viel zu unterschätzte Social Network Twitter bevorzugt. Julie Peters verteufelt Social Media und die modernen Kommunikationsformen nicht per se. Dennoch zeigt sie alternative Kommunikationsformen auf. Schließlich sollte Facebook, Twitter und Co nicht die ausschließliche und schon gar nicht die lebensbeherrschende Kommunikationsform sein.

In Spiekeroog habe ich mich sofort etwas verguckt und könnte mir einen schönen Urlaub auf der Nordseeinsel vorstellen. Besonders gefreut habe ich mich, dass es auf Spiekeroog tatsächlich eine Buchhandlung gibt. Diese hat den wunderbaren Namen „Inselzauber“. Wie genial ist das denn bitte?

Ein Leben auf der Insel wäre mir jedoch vermutlich zu eng. Wie in einem kleinen Dorf funktioniert Tratsch und Klatsch bestens auf der Insel. Dennoch ist der Zusammenhalt zumindest in „Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg“ größer als man es aus Dorfgemeinschaften in Büchern kennt. Auch wenn gerne hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, halten am Ende alle zusammen.

Julie Peters hat mich vor allem mit ihrer Beschreibung der Landschaft und der Atmosphäre begeistert. Sie hat es perfekt geschafft mich sofort für Spiekeroog zu begeistern, wohingegen die Großstadt wenig attraktiv wirkt. Klar hat beides sein für und wider. Für die Geschichte und für Friekes Gefühle und Entscheidungen war jedoch genau dieser Eindruck notwendig und das hat die Autorin perfekt umgesetzt.

Den Namen der Protagonistin „Frieke“ fand ich seltsam. Er klingt so erzwungen norddeutsch, bodenständig und naturbelassen. Bei meiner Recherche  habe ich keine Anhaltspunkte gefunden, dass dies ein üblicher Name ist.

Die Besitzerin des Inselbuchladen ist eine ganz Liebe ältere Dame mit einer besonderen Gabe. Dennoch fand ich es etwas aus der Luft gegriffen, wie sie bei der ersten Begegnung mit Frieke reagiert. Allerdings sorgt dieser schnelle, überraschende Vorstoß dafür, dass die Geschichte gleich richtig an Fahrt aufnimmt. Obwohl ich dadurch das Gefühl hatte ein paar Tage oder Wochen der Kennenlern-Phase übersprungen zu haben.

„Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg“ ist ein sommerliches Buch zum Dahinträumen. Eine Protagonisten, die ihre Prioritäten neu ordnet und ihre Ziele neu definiert. Dazu gibt es noch eine gehörige Portion Liebe. Die perfekte Lektüre für Stunden im sonnigen Liegestuhl oder zum Abschalten nach stressigen Tagen.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Käthe ermittelt

Silvia Nagels
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.04.2018
ISBN 9783839222263
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beschauliche Regional- und Landkrimis lese ich sehr gerne. Ich mag das Lokalkolorit und das solide Leben. „Käthe ermittelt – Ein Krimi vom Land“ hat mich somit sofort angesprochen. Selbst das Cover rückt bereits das ruhige Land- und Dorfleben in den Vordergrund. Sehr schade finde ich, dass die Henne, obwohl sir das Cover ziert, kein einziges Mal im Buch erwähnt wird. Viel passender wäre Käthes schlafender Kater Hansen gewesen.

Am Buchrücken wird bereits angekündigt, dass es vereinzelt plattdeutsche Dialoge im Buch gibt. Für mich als Österreicherin ein Dialekt, der nicht unbedingt einfach zu verstehen ist. Auch wenn ich keinen dieser Dialoge laut vorlesen könnte, hatte ich bis auf wenige Sätze keine Schwierigkeit zu verstehen um was es geht. Dennoch war ich überrascht, dass es doch so viele plattdeutsche Dialoge gab.

Leider wurden diese Dialog etwas systemlos eingebaut. So reden die Personen hochdeutsch und verfallen plötzlich ins Plattdeutsch. Oder wechseln spontan wieder zurück wenn sie länger Passagen sprechen. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass nur einzelne Personen, zu denen es aufgrund ihres Charakters besonders gut passt, im Dialekt sprechen. Eine Herangehensweise, die mir deutlich besser gefällt.

Abgesehen vom Plattdeutsch fehlt mir das Lokalkolorit. Käthe Hansen und Knut Sörensen sind ein liebenswürdiges Pärchen jedoch habe ich mir ein paar mehr Eigenheiten gewünscht. Es hat mich massiv gestört, dass sich Knut Sörensens bei seinen Besuchen in Käthes Haus eine Pfeife ansteckt. Knut verdeutlicht damit vermutlich wie wohl und heimelig er sich bei Käthe fühlt. Doch Pfeife in geschlossenen Räumen zu schmauchen, vernebelt die ganze Bude und hinterlässt einen widerlichen Geruch. Das fand ich sehr rücksichtslos von ihm.

Und dann die von Klischees triefende Polizei… Ein Polizist unfähiger und dümmer als der andere. Nicht mal logische Schlussfolgerungen können diese ziehen. Alles muss Käthe ihnen vorkauen.

Polizeihauptmeister Geert Feddersen giert nach Anerkennung und möchte sich als großer Ermittler im Rampenlicht sonnen. Die Hände will er sich dafür allerdings nicht schmutzig machen. In seiner Kollegin, Polizeimeisterin Inke Hansen steckte ich zu Beginn noch meine Hoffnungen. Eine junge engagierte Frau, die vielleicht etwas von der Kombinationsgabe ihrer Tante Käthe geerbt hat. Doch schließlich verkommt die sympathische Frau zur klischeehaften Tippse bzw. besteht ihre Aufgabe darin alles mit Block und Stift ausgestattet mitzuschreiben.

Last but not least, wird wie am Klappentext angekündigt die Unterstützung des ganzen Dorfs benötigt. Die beiden unfähigen Dorfpolizisten bekommen nichts auf die Reihe. Die Verstärkung aus Oldenburg ist beinahe noch unfähiger. Also muss Käthe ran und involviert leichtfertig das gesamte Dorf in ihre obskuren Pläne.

„Käthe ermittelt“ mit fehlendem Lokalkolorit, inflationären Plattdeutsch, unfähigen Polizisten und einem Ende, das unrealistisch und gefährlich ist. Zusammenhalt in einer Dorfgemeinschaft schön und gut, aber so bitte nicht. Zwar könnte man sich hier auf die künstlerische Freiheit der Autorin berufen, doch gerade bei einem Landkrimi, darf es für mich nicht zu viel Hollywood sein, sondern muss sich an der Realität orientieren.


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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Das verlorene Kopftuch

Nadine Pungs
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei MALIK, 02.05.2018
ISBN 9783890294940
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe den Iran selbst bereist und finde es schade, dass die ersten 70 % sehr negativ gestimmt und von der einseitigen Sichtweise, die uns auch in den Medien präsentiert wird, dominiert werden. 

Die typischen klischeehaften Themen werden überstrapaziert. Nadine fühlt sich mit dem Kopftuch nicht wohl. Frauen müssen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Zudem sieht sie es ständig als Zeichen der Diskriminierung und sie philosophiert über die unterdrückten Frauen. Dabei verpasst sie die Gelegenheit die vielen Frauen, denen sie begegnet ist darüber zu befragen, was sie wirklich empfinden.

Noch viel schlimmer ist das sehr einseitige Bild das Nadine im Hinblick auf Gewalt, Krieg und den Dash auf den Iran wirft. Ich behaupte nicht, dass sich der Iran immer und in allen (politischen) Fragen richtig verhalten hat. Dennoch denke ich, dass man für eine reflektierte Meinung auch die Rolle diverser anderer Staaten genau betrachten sollte. Welche Möglichkeiten hätten die anderen Staaten gehabt und welche Alternativen gab es für den Iran. Der Iran leidet darunter, dass er selbst alles hat was zum Überleben notwendig ist. Klimatisch liegt das Land hervorragend. Lebensmittel können in vielen Gebieten angebaut werden und gedeihen prächtig. Zusätzlich gibt es Wasser und Erdöl. Viele Ressourcen auf die so mancher gierig starrt.

Am aller meisten stört mich der Schreibstill. Dieser ist derartig negativ, dass man es schon wieder als Kunst bezeichnen kann. 

Was mir im Herzen schmerzt ist das lapidare Abwicken der kulturellen Bedeutung von Ganj Nameh. Hier findet man auf gigantischen Steintafeln in einem Felsen Inschriften von Dareios I und Xerxes I. Inhaltlich preisen die Text die Götter und die beiden Herrscher. Das kann man vielleicht noch als nicht spektakulär abtun. Allerdings sind die Schrifttafeln in drei Sprachen (altpersisch, neuelamisch und neubabylonisch) geschrieben. Dadurch trugen diese Steintafeln einen enormen Beitrag zur Entzifferung der Keilschrift bei.

Ich konnte kaum eine halbe Seite in „Das verlorene Kopftuch“ lesen ohne meinem Unmut lautstark Kund zu tun. Und dann plötzlich bei circa 70%, kurz vor dem Ende ihrer Reise, macht Nadine eine 180 Grad Drehung. Ohne erkennbaren Auslöser steht sie plötzlich dem Land wohlgesonnener gegenüber. Fast scheint es als hätte sie auf ihrer Reise jetzt erstmals die Gelegenheit sich über alles Gedanken zu machen.

Denn nun zieht Nadine Rückschlüsse und wirft einen Blick unter die Oberfläche. Sie macht sich Gedanken über die geschichtlichen Ereignisse. Hinterfragt ob der Westen und die USA immer richtig gehandelt haben und was passiert wäre, wenn andere Entscheidungen getroffen worden wären.

Nadine Pungs endet mit einem schönen Plädoyer für die Freiheit. Sie ruft in Erinnerung, dass für sie selbst, sowie für die meisten Westler die Freiheit selbstverständlich ist. Wir nehmen sie nicht mehr als das kostbar wahr, was sie definitiv ist. Sie spürte, so wie ich, den Wunsch der IranerInnen nach Freiheit. Fernab von den klischeehaften Kopftuchdisskusionen, die so herrlich plakativ und gleichzeitig nutzlos sind.

Besonders wichtig finde ich die Erkenntnis, dass die IranerInnen ihren eigenen Weg zur Freiheit finden müssen. Wir dürfen Ihnen nicht unsere Ansichten aufzwingen, die aufgrund von so vielen kulturellen Unterschieden nicht funktionieren werden.

Was hat mich dieses Buch geärgert und schimpfen lassen? Da Nadines Reiseroute ähnlich wie meine war, hoffte ich die vielen schönen Erlebnisse hier noch einmal in Erinnerungen gerufen zu bekommen.

Und dann waren die ersten 70% des Buches gefüllt mit vielen Klischees und sehr oberflächlichen Einblicken, die sich im Kreis zu drehen drohten. Und plötzlich beginnt Nadine Pungs völlig überraschend zu reflektieren und die Dinge, in das für mich richtige Licht zu rücken. Dabei ist „das richtige Licht“ nicht eines, das alles gut heißt. Sondern eines, das hinterfragt, sich Gedanken macht und vor allem die unendlichen Graustufen zwischen Schwarz und Weiß wahrnimmt und darstellt.

Obwohl ich kurz davor war das Buch abzubrechen, bin ich froh durchgehalten zu haben. Ja, letzten Endes muss ich für diese enorme Wende sogar noch einen zweiten Stern vergeben, wenngleich ich hoffe, dass die Leser sich auf das letzte Drittel des Buches stürzen.

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