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ausreißer, deutsch, deutscher, italien, jugend, karl, meer, muttertochterkonflikt, mutter-tochter-konflikt, probleme & krankheiten, psychischekrankheiten, psychische krankheiten, roadtrip, road trip, roman

Blanca

Mercedes Lauenstein
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.05.2018
ISBN 9783351037017
Genre: Romane

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110 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

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Nachts ist es leise in Teheran

Shida Bazyar
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048919
Genre: Romane

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Eine Nacht, Markowitz

Ayelet Gundar-Goshen
E-Buch Text: 317 Seiten
Erschienen bei Kein und Aber, 28.08.2013
ISBN 9783036992457
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Schlafen werden wir später

Zsuzsa Bánk
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.04.2018
ISBN 9783596198313
Genre: Romane

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464 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 125 Rezensionen

aberglaube, dorf, familie, freundschaft, leben, liebe, mariana leky, okapi, roman, tod, trauer, traum, träume, westerwald, zusammenhalt

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 30.05.2018
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Was man von hier aus sehen kann war wohl der Überraschungshit im Lesejahr 2017. Fast jeder hat es gelesen. Und fast jeder hat danach in höchsten Tönen davon geschwärmt. Ich gestehe, dass mir solche Hypes immer suspekt sind und ich ein Buch dann häufig schon aus Prinzip nicht lese – so auch in diesem Fall. Doch dann ist mir der Roman vor einigen Tagen zufällig in die Hände gefallen und ich habe ihm eine Chance gegeben. Und nach der Lektüre der 320 Seiten muss ich sagen: Ich bereue es nicht, es gelesen zu haben. Ich muss aber auch sagen: Ich bin froh, dass ich den anpreisenden Rezensionen letztes Jahr nicht erlegen bin, denn sie hätten bei mir völlig falsche Erwartungen geweckt, die das Buch nicht halten kann.

Denn obwohl ich das Buch insgesamt mit vier Sternen bewerte, muss ich doch sagen, dass Was man von hier aus sehen kann meiner Meinung nach nicht das ist, was viele in diesem Roman sehen: Es ist kein literarisches Wunder und keine literarische Perle. Es ist nicht außergewöhnlich und einmalig. Es ist kein modernes Märchen, kein Buch, das einem die Augen öffnet, kein Buch, das Wahrheiten verkündet. Aber was ist es denn dann, wird man wissen wollen? Es ist letztendlich ein nettes Buch mit einer charmanten Geschichten und vielen kauzigen Figuren: einer Großmutter, die von Okapis träumt und damit den Tod vorhersagen kann, einem Junge, der Gewichtheber werden will, einem Optiker, der eine heimliche Liebe in sich trägt, von der jeder weiß, einer missmutigen Einsiedlerin, die Erbsen aus der Dose isst, einem Hund namens Alaska, der eigentlichen Schmerz heißt, und vielen weiteren. Es ist ein Buch, das von der Liebe und vom Tod, von der Familie und von Trennungen erzählt, dabei aber nie kitschig wird. Es ist ein Roman, der sich leicht lesen lässt, der einen vergnüglich stimmt und der einen teilweise ein bisschen einlullt. Er fordert nichts, er verlangt nichts, er verstört nichts, sondern ermöglicht es einem, dem Alltag zu entfliehen und sich gedanklich in das kleine Dorf im Westerwald zu begeben, das im Mittelpunkt der Erzählung steht.

Kurzum: Was man von hier aus sehen kann ist ein Wohlfühlbuch par excellence. Das ist nichts Schlimmes, im Gegenteil: Lesen darf entspannen, Lesen darf Spaß machen, Lesen darf nur geben und muss nichts vom Leser nehmen. Aber sich beim Lesen gut zu fühlen, macht ein Buch nicht zu einem großen literarischen Wurf! Deswegen sollte man so fair sein und Was man von hier aus sehen kann als das bewerten, was es ist: die perfekte kurzweilige Unterhaltung, das ideale Urlaubsbuch, der Begleiter für leichte Frühlings- und Sommertage. Ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss, das einem netten Stunden bereiten wird, aber über das letztendlich nicht viel mehr gesagt werden kann als das: Nett war es!

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Tags: aberglaube, dorf, familie, grossmutter, liebe, okapi, tod, träume, westerwald   (9)
 

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abhängigkeit, blauschmuck, buecherseele, burka, ehe, ehre, emigration, frau, frauenunterdrückung, gewalt, katharina winkler, roman, türkei, unterdrückung, vergewaltigung

Blauschmuck

Katharina Winkler
Fester Einband: 196 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.02.2016
ISBN 9783518425107
Genre: Romane

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

angst, roman, schmerzen, schweigen, selbstjustiz, stalker, surreal, vergewaltigung

Peach

Emma Glass , Sabine Kray
Fester Einband
Erschienen bei Edition Nautilus GmbH, 05.03.2018
ISBN 9783960540649
Genre: Romane

Rezension:

Radikal. Abstrus. Surreal. Verfremdet. Direkt. Brutal. Schmerzhaft. Eindringlich. Artifiziell. Lyrisch. Verstörend. Beeindruckend. Nachhallend. Irritierend. Anders. – So lässt sich der Debütroman Peach von Emma Glass vielleicht noch am besten zusammenfassen. Ein Roman, der in seiner Gesamtheit unglaublich schwer zu fassen ist und dabei doch eine einfache Geschichte erzählt. Peach handelt – obwohl das Wort im Text kein einziges Mal explizit verwendet wird – von einer Vergewaltigung: Die gleichnamige Protagonistin des Romans wird Opfer eines sexuellen Überfalls; wie so viele anderen schweigt sie darüber, igelt sich ein, flickt sich selber zusammen – wortwörtlich und im übertragenen Sinne – und versucht, in den Alltag zurückzufinden. Doch die Erinnerungen, der Ekel, die Angst sind zu mächtig, als dass man sie einfach verdrängen kann…

Ich möchte reden, Ihm Sachen sagen. Alles sagen. Mit ihm reden. Erzählen, was passiert ist, gestern Abend auf dem Heimweg. Ich möchte diese Sachen sagen, aber ich finde nicht die richtige Reihenfolge. Für die Wörter. Sätze hetzen ziellos im Hirn. Streuen sinnlos Wörter. Zerstreut. Semantische Wildsaat. (S.44)

Emma Glass Roman wurde Anfang des Jahres veröffentlicht und scheint damit die passende Geschichte zur der seit Herbst 2017 schwelenden #MeToo-Kampagne zu sein. Doch Peach einfach nur als aktuellen literarischen Kommentar zu verstehen, würde zu kurz greifen: Zum einen würde dabei außer Acht gelassen werden, dass die Autorin schon viele Jahre vorher an der Story geschrieben hat; zum anderen würde die reine Kontextualisierung in der derzeitigen gesellschaftlichen Debatte verkennen, dass es sich bei Peach um eine zeitlose Erzählung über sexuelle Gewalt (die schon vor #MeToo da war und es auch nach #MeToo sein wird) handelt und – fast noch wichtiger – um unglaublich gute, eindrucksvolle und radikale Literatur.

Ich denke, dass dies der Anfang vom Ende dieser schrecklichen Zeit sein muss. Ich schlucke. Ich sage mir, Lass uns einfach so tun, als sei das alles nie geschehen. Ich will kein Opfer sein. Eines dieser Opfer. Oh, mir ist diese schlimme Sache passiert, als ich jung war. Er hat einen Teil von mir geraubt (Worte vorgetragen in so einer heiseren, gebrochenen Stimme)… ein Stück meiner Seele. Mir schaudert und ich krümme mich unter dem Klischee. (S. 68)

Denn Glass erzählt anders, als man vor der Lektüre oder beim Lesen der ersten Rezension denken würde: Peach ist eine Geschichte, die stark im Metaphorischen und Surrealen verhaftet ist. Die Protagonistin heißt nicht nur Peach, sie ist auch ein Pfirsich und die Welt, in der sie sich bewegt, ist die unsere – nur eben gepaart mit anthropomorphisierten Elementen. Sie raubt damit dem Lesen jeden sicheren Boden, nie weiß man, was einen auf den nächsten Seiten erwartet, weil man sich noch nicht einmal bewusst ist, was man auf der aktuellen Seite genau liest. Und doch funktioniert das Buch! Peach klingt im Leser nach, spricht etwas in einem an, vermittelt etwas, das man vielleicht nicht unbedingt mit Worten beschreiben, das man aber dennoch nachvollziehen und verstehen kann – auch wenn vieles unverständlich bleibt. Dies ist auch sehr der Sprache zu verdanken, die Emma Glass verwendet und die von Sabine Kray beeindruckend übersetz wurde: Alliterationen und Wortspiele, eine kurze, beinahe stakkatohafte Syntax, ein nahezu lyrisches Anordnen von Wörtern erzeugen einen Sound des Schmerzes, hämmern dem Leser die Geschichte ein, machen das Erzählte, so unfassbar es an einigen Stellen ist, tatsächlich unvergesslich.

Peach ist mutige, einzig- und andersartige Literatur. Etwas, das nicht jedermanns Fall ist und das auch bei der Lektüre nicht immer hundertprozentig bei mir ankam. Aber Peach ist eben auch ein Buch, bei dem die Frage nach Gefallen oder Nicht-Gefallen nicht passend, ja fast schon nebensächlich wird. Es zeigt auf nur knapp 120 Seiten, was Literatur kann: Unsagbares ausdrücken, Unverständliches greifbar machen, Unaushaltbares kanalisieren. Deswegen gibt es von mir, obwohl ich noch nicht einmal wirklich sagen kann, dass mir der Roman gefallen hat, volle 5 Sterne, eine eindeutige Leseempfehlung und den Ratschlag, sich diesem Buch mutig und offen zu stellen.

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Tags: angst, schmerzen, schweigen, stalker, surreal, vergewaltigung   (6)
 

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Die Welt im Rücken

Thomas Melle
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.02.2018
ISBN 9783499272943
Genre: Romane

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67 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

1950er, barcelona, bücher, carlos ruiz zafon, der friedhof der vergessenen bücher, familienchronik, franco-regime, friedhof der vegessenen bücher, roman, spanien, weibliche heldin

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Flexibler Einband: 944 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.02.2018
ISBN 9783596032518
Genre: Romane

Rezension:

„Eine Geschichte hat weder Anfang noch Ende, nur Eingangstüren.“ (S. 874) – So lässt Carlos Ruiz Zafón seine Figur Julián Carax das Wesen von Büchern zusammenfassen; gleichzeitig enthüllt er so die besondere Funktionsweise seiner eigenen Romane. Denn Das Labyrinth der Lichter ist nicht einfach nur der neueste Roman des katalanischen Autors, sondern zugleich der vierte und letzte Band seiner Tetralogie, die mit Der Schatten des Windes begann und in Das Spiel des Engels und Der Gefangene des Himmels ihre Fortsetzungen fand. Jedes der Bücher kann für sich alleine stehen und enthält eine in sich abgeschlossene Geschichte. Doch der Reiz der verschiedenen Bände ergibt sich eben daraus, diese als Eingangstür in Zafóns Universum rund um den Friedhof der vergessenen Bücher und die Familie Sempere zu benutzen.

Dies gilt im besonderen Maße für Das Labyrinth der Lichter. Zwar erzählt Zafón  hier die eigenständige Geschichte um Alicia Gris, eine Geheimagentin, die nach Barcelona abgesandt wurde um das mysteriösen Verschwinden des Kulturministers Marucio Valls aufzudecken. Eben dieser Minister ist Fans der Reihe aber bereits ein Begriff und dient Zafón dazu, Daniel Sempere und seinen besten Freund Fermín (Band 1 und 3) ebenso wie den Schriftsteller David Martin (Band 2) aufs Erzähltableau zu bringen. Ohne zu viel zu verraten, kann gesagt sein, dass Zafón alle Erzählstränge, die er in diesem wie in den vorherigen Romanen ersinnt hat, zusammenführt und konsequent zu Ende erzählt. Das Labyrinth der Lichter beantwortet alle Fragen, deckt alle Geheimnisse auf und setzt einen eindeutigen Schlusspunkt hinter diesen komplexen Romanzyklus.

Daher sei allen Liebhabern von Zafóns Romanen nochmal geraten, diese letzte Reise in Zafóns magisches, düsteres, mysteriöses und teilweise grausames Barcelona noch einmal in vollen Zügen zu genießen. Glücklicherweise macht der Autor es den Lesern besonders leicht: Zafón trumpft zum Schluss noch einmal richtig auf, erzählt eine rasante, spannende, von Überraschungen, Wendungen und kleinen wichtigen Details nur so überquellende Story. Er setzt auf atmosphärische Beschreibung der katalanischen Hauptstadt, auf eine maximale Nähe zu seinen zahlreichen Figuren und auf erzählerische Dichte, die den Leser an den Seiten kleben lässt. Das Labyrinth der Lichter hat auf mich eine Sogwirkung ausgeübt, wie ich sie beim Lesen von Der Schatten des Windes gespürt habe, sodass für mich der vierte Band nicht nur den idealen Abschluss der Reihe bildet, sondern auch der Band ist, der dem ersten als einziger auf absoluter Augenhöhe begegnet!

Wer die Reihe noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt noch nachholen, insbesondere wenn er Geschichte über Bücher und Bücherliebhaber mag. Wer bereits Fan ist und den vierten Band noch nicht gelesen hat, sollte seine Leseplanung über den Haufen werfen und zu diesem Buch greifen. Wer wie ich die Reihe schon mit einem lachenden und einem vor Wehmut weinendem Auge beendet hat, der sollte sich an die Worte von Julián Carax halten: „Vergiss nie, dass es uns gibt, solange sich jemand an uns erinnert.“ (S. 928) – Daniel, Bea, Fermín, David und Julián und ihre unzähligen Abenteuer existieren im Leserherz weiter!

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clique, drogen, erfülltes leben, ethan, figland, freunde, freundschaft, gesellschaftskritisch, gesellschaftsroma, gesellschaftsroman, goodman, jonah, jugend, jules, liebe

Die Interessanten

Meg Wolitzer ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.07.2016
ISBN 9783832163396
Genre: Romane

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bibliothek, bücher, buchliebe, drachenmond, drachenmondverlag, drachenmond verlag, ein buch zum darin versinken, eine liebesgeschichte, empfehlenswert, england, england 19. jh, grandios, herzbuch, liebe, lin rina

Animant Crumbs Staubchronik

Lin Rina
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.11.2017
ISBN 9783959913911
Genre: Fantasy

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2018, ansprüche, eichborn verlag, erziehung, leben, mutter, norwegen, roman, schmerz, trennung, zeitgenössische belletristik

Elternteile

Monica Isakstuen , Ina Kronenberger
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Eichborn , 23.02.2018
ISBN 9783847906438
Genre: Romane

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

lehreri, liebe, pferde, sprache

Die Grammatik der Rennpferde

Angelika Jodl
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.12.2017
ISBN 9783423217088
Genre: Romane

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bdsm, berlin, bondage, drogen, festival, fetisch, freiheit, hippies, liebe, party, rausch, roma, roman, schreibstil, sex

Sonnenkönige

Marianne Jungmaier
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 12.03.2018
ISBN 9783218011020
Genre: Romane

Rezension:

Aidan, Sam, Cherry und Hannah leben im Hier und Jetzt. Sie sind jung, sie sind frei, sie feiern Partys, nehmen Drogen, haben harten Sex. Verantwortungen und Verpflichtungen laufen nebenher, Ziel ist es, die Freiheiten, die ihrer Generation eigen sind – alles sein können, alles machen können, jeden lieben können, überall zuhause sein können –, bis zuletzt auszuschöpfen. Doch vor allem Aidan spürt in seinem Inneren, dass mit der Grenzenlosigkeit auch die Frage einhergeht, wie man sich im Leben generell entscheiden soll, wenn die Möglichkeiten doch unendlich sind. Seine Beziehung zu Hannah bröckelt, spätestens als er Bill begegnet; im Beruf unterbreitet ihm seine Chefin ernsthafte Zukunftspläne. Seine Zuflucht bieten ihm der Keller, in dem er an einem Drachen aus Holz bastelt, und seine Vision, diesen im Sommer bei Favilla, einem Festival in der Wüste Nevadas, in Flammen aufgehen zu lassen…

Marianne Jungmaier fängt in ihrem Roman Sonnenkönige gekonnt und eindringlich das Lebensgefühl der Generation Y ein – auch wenn nicht alle Mitglieder der Generation (mich eingeschlossen) ihr Leben so drastisch gestalten wie die Protagonisten ihres Romans. Denn Aidan und seine Freundinnen sind Getriebene, überfordert von ihrer Welt der grenzenlosen Möglichkeiten, bemüht durch Sex, Drogen und Partys irgendetwas zu spüren – und doch am Ende des letztens Exzesses mit einer Leere und Energielosigkeit zurückzubleiben, die immer größer zu werden scheint. Diese Lebenswelt ist mir fremd, vermutlich auch der Autorin selber und doch schafft sie es, einen intensiv in Aidans Kosmos reinzuziehen, und seine bunte, abgedrehte, ja häufig auch tatsächlich aufregende Welt spüren zu lassen. Die Suche nach dem eigenen Sinn und der eigenen Mission, der Wunsch nach einem Fixpunkt und der gleichzeitige innere Widerstreit, sich keine Grenzen setzen zu wollen und alles im Leben auszuprobieren, wird authentisch geschildert und macht gerade in dieser lebensnahen Darstellung den großen Reiz des Romans aus.

Das Problem von Sonnenkönige ist dabei, dass die Geschichte über die reine Schilderung nicht herausreicht. Der Roman kritisiert nichts, er fragt nichts, ja, er zeigt noch nicht einmal eine Entwicklung auf. Denn nach knapp 220 Seiten sieht das Leben von Aidan und der anderen Figuren eigentlich genauso aus wie vorher. Sonnenkönige ist lediglich der Ausschnitt eines Lebensentwurfs, doch bleibt dieser – auf Figuren- wie auf Metaebene – unkommentiert und unreflektiert. Dem Roman haftet daher leider etwas Belangloses an und entpuppt sich auf inhaltlicher Ebene auf Dauer als zu dünn: Denn auch die aufregende Suche nach Extremerfahrungen wird in ihrer ständigen Wiederholung unspektakulär und langweilig.

Zu Jungmaiers Glück überragt ihre unglaublich kraftvolle, dabei aber auch lyrische Sprache die Mängel der erzählten Geschichte. Die Sätze in Sonnenkönige sind reine Poesie, gleichzeitig aber fest im Leben der Protagonisten verankert, sodass bei aller Schönheit auch immer etwas Raues und Hartes in den einzelnen Passagen mitschwingt. Jungmaier schafft es Melancholie, Angst, Trauer, Wut und Lebenslust zu transportieren, ohne dabei auf schwülstiges, kitschiges oder überzogenes Vokabular zurückgreifen zu müssen. Ihr Schreibstil besitzt etwas ungemein Wahrhaftiges und Ernsthaftes, dabei auch Schlichtes und dennoch sind es Sätze, die im Kopf widerhallen, sich festsetzen und beim Leser etwas auslösen.

Insgesamt ist Sonnenkönige ein gelungener Roman, der Stärke bei der Themenauswahl und der sprachlichen Umsetzung beweist. Für ein perfektes Leseerlebnis fehlt jedoch in der Geschichte selber ein entscheidendes Moment. So bleibt sie auf der beschreibenden Ebene haften und schafft es nicht, dass in ihr angelegte Potential auszuschöpfen und den Leser in einen Strudel von Emotionen, Fragen und Überraschungen mitzureißen. Daher „nur“ solide vier Sterne!

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Tags: berlin, bondage, drogen, festival, fetisch, generation y, hippies, party   (8)
 

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19. jahrhundert, belletristik, botanik, china, kremayr & scheriau, leidenschaft, madagaskar, orchideen, reise, reisen, roman, ruhelos, wahnsinn, wissenschaft, wissenschaftler

Orchis

Verena Stauffer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 12.03.2018
ISBN 9783218011044
Genre: Romane

Rezension:

Dass man es bei Verena Stauffers Debütroman Orchis nicht mit einem 08/15-Roman zu tun bekommt, wird einem sofort klar, wenn man neben der Verlagsangabe – das Buch ist bei Kremayr&Scheriau erschienen, die für mich persönlich ein Garant für ungewöhnliche Romane sind – auch einen Blick auf den Klappentext wirft: Erzählt wird nämlich in Orchis von Anselm, einem leidenschaftlichen Orchideenforscher, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reise nach Madagaskar unternimmt. Anselm findet hier nicht nur den Stern von Madagaskar, eine Orchideensorte, sondern auch den Wahnsinn: Auf der Rückfahrt beginnt er eine Orchidee, die auf seiner Schulter wächst, zu imaginieren, der Wahn geht so weit, dass er in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird. Anselm erholt sich zwar vermeintlich schnell, doch seine Leidenschaft für Orchideen bleibt ungebrochen und erschwert ihm häufig das Leben: Fokussiert auf die Blumen, gelingt ihm das Zwischenmenschliche selten, immer wieder treibt ihn die Suche nach einem besonderen Exemplar zu überstürzten Handlungen – bis ihn eine davon nach China führt…

Der Eindruck, zu einer außergewöhnlichen Lektüre gegriffen zu haben, verstärkt sich auch nach dem Lesen der ersten Seiten: Verena Stauffer schreibt dicht, überbordend, ja beinahe möchte man sagen üppig –  insbesondere wenn sie sich den Beschreibungen von Naturszenen hingibt. Flora und Fauna – sei es im exotischen Madagaskar, im heimischen Deutschland oder im östlichen China – werden eindringlich und ausdrucksstark beschrieben, die Autorin schafft es dadurch eine mythische, schwebende, traumwandlerische Atmosphäre zu erzeugen, die den Leser durchaus einlullen kann. Gleichzeitig fordert sie die Konzentration ihres Publikums heraus, indem sie ihren Roman eine Fülle an Themen ansprechen lässt: wissenschaftlichen Theorien, psychische Erkrankungen sowie ihre Behandlung, gesellschaftliche Umwälzungen, Naturschutz, Eltern-Kind-Beziehungen etc. Dabei findet man in der Geschichte, die wie gesagt im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, beim genaueren Lesen Parallelen zur Gegenwart, die den Roman aktueller erscheinen lassen, als man zunächst meint.

Leider gehört Orchis für mich jedoch insgesamt zu den Büchern, die zwar mit einer außergewöhnlichen Erzählsituation aufwarten, jedoch in ihrer Ausgestaltung nicht ausgereift sind – und zwar in mehrfacher hinsichtlich. Inhaltlich ist das Buch eindeutig überfrachtet: Die angesprochen Themen greifen zwar durchaus ineinander, sie verdichten sich aber nicht zu einem erzählerischen Ganzen. Im Gegenteil: Immer wieder scheint sich die Geschichte – wie ihr zum Wahnsinn neigender Protagonist – zu verlieren, sodass man sich durchaus fragen muss, was einem hier eigentlich erzählt wird. Zwar mag man einwerfen, dass sich Form und Inhalt so auf ideale Weise decken, der „Sinn“ hinter der Erzählung ergibt sich so aber trotzdem nicht. Ist Orchis die Geschichte eines Wahnsinnigen? Eine Geschichte über gesellschaftliche Umwälzungen? Oder über menschliche Leidenschaften? Es ist nicht schlimm, wenn mir ein Buch diesbezüglich keine genauen Antworten gibt, doch in diesem Roman stand ich von vornherein auf so wackeligem Grund, dass ich auch nach 250 Seiten ratlos vor den Seiten sitze. Dieses Unbestimmte hat zudem Auswirkungen auf die Erzählweise: Handlungen wechseln abrupt, Szenen gehen nicht elegant ineinander über, es wird munter in der Zeit voran- und zwischen verschiedenen Orten hin- und hergesprungen, sodass einem immer wieder das Gefühl beschleicht, dass eigentlich wichtige Hintergrundinformationen ausgespart werden. Zuletzt hat mir persönlich auch die von vielen Lesern hochgelobte Sprache nicht durchgehend gefallen: Zu häufig treten Redundanzen auf, immer wieder liest man nahezu identische Beschreibungen; auch wirken Textpassagen widersprüchlich – insbesondere Dialoge –, da schlecht passende Konjunktionen oder Adverbien zur Anknüpfung gewählt werden. Es finden sich neben zugegebenermaßen wirklich tollen Sätzen auch ebenso viele ungelenke Formulierungen.

Zugegebenermaßen hatte ich an Orchis aufgrund seiner Aufmachung, seines Inhaltes (der mich zu Beginn noch stark an Die Vegetarierin von Hang Kang denken ließ) und des generellen Verlagsprogramms von Kremayr&Scheriau enorme Erwartungen, die ein Debüt nicht unbedingt erfüllen kann und erfüllen muss. Definitiv ist Orchis eine besondere und aufgrund ihrer extremen Andersartigkeit auch mutige Geschichte, deren Lektüre ich keinesfalls bereue und zu der ich auch durchaus raten kann, wenn man offen für eher experimentelle Belletristik ist. Da mich der Roman aber schlussendlich nicht erreichen konnte, vergebe ich leider nur 3 von 5 Sternen.

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1940er, amerika, drama, elektrischer stuhl, gesellschaftskritisch, hautfarbe, kurze bücher, louisiana, rassismus, roman, schwarzer, skandal, todesstrafe, usa, weiße

Mercy Seat

Elizabeth H. Winthrop , Hansjörg Schertenleib
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 01.03.2018
ISBN 9783406719042
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein junger Mann, schwarz, wird in Louisiana der 1940er Jahre zum Tode verurteilt. Er soll ein Mädchen vergewaltigt haben, das Opfer aus Scham und Verzweiflung den Freitod gewählt haben. Der Staatsanwalt hat den Tod durch den elektrischen Stuhl festgesetzt, weiße Rassisten haben damit das Urteil bekommen, für das sie mittels unlauterer Mittel gekämpft haben. Das Urteil setzt eine ganze Stadt in Aufruhr – zumal erheblich viele Bürger an der Geschichte und dem Urteil zweifeln: der elektrische Stuhl wird eigens aus einem entfernten Gefängnis geliefert; die Frau des Staatsanwalts kocht die Henkersmahlzeit; der Vater des Verurteilten besorgt einen Grabstein; der Priester sucht in dieser grausamen Welt nach Gerechtigkeit und Gott. Und dann ist da noch Will, der Todeskandidat: Er wartet und seine letzten Stunden laufen…

Elizabeth H. Winthrop legt mit Mercy Seat einen Roman vor, der vom rassistischen Wahn in den Südstaaten erzählt und dabei, obwohl die Geschichte in der Mitte des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, erschütternd aktuell erscheint – denkt man nur an die rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville oder die jüngsten Todesfälle in Folge von Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern. Doch Mercy Seat besticht nicht primär mit seiner nicht zu leugnenden thematischen Relevanz, sondern überzeugt vor allem aufgrund seiner ansprechenden Erzählstruktur: Winthrop wählt einen stringent multiperspektiven Ansatz, um ihre Geschichte zu entfalten. In jedem Kapitel wechselt die erzählende Figur, neben den umittelbar betroffenen Hauptfiguren (Staatsanwalt, Verurteilter, Vater des Verurteilten) kommen auch Neben- und gar bloße Randfiguren zu Wort. Dies erzeugt einerseits eine ungemein hohe Dynamik, die ein leichtes und zügiges Lesen ermöglicht; andererseits wartet die nur knapp 250 Seiten umfassende Geschichte dadurch durch eine beeindruckende Komplexität und einen großen Facettenreichtum, insbesondere in der Figurenzeichnung. Zudem wird das Erzählte durch die Fokussierung auf einen einzigen Tag, einen einzigen Ort und eine Handlung, die nur wenige Stunden umfasst, stark verdichtet und atmosphärisch aufgeladen: Insbesondere die Landschaftsbeschreibungen können hier positiv herausgehoben werden, die Hitze der Sommertage wird bei der Lektüre beinahe körperlich spürbar und drückt - in Kombination mit der Schwere der Thematik - aufs Gemüt.

Nichtsdestotrotz muss ich aber bei allem Lob ein großes Aber anführen: Obwohl mich die Machart und der Inhalt sehr angesprochen haben, hat die Geschichte es nicht geschafft, mich völlig abzuholen. Emotional blieb ich bei der Lektüre weitgehend unbeteiligt, las ich mich durch die sich im fliegenden Wechsel ablösenden Gedanken der verschiedenen Figuren, ohne wirklich Nähe zu dem Erzählten oder den Figuren zu spüren. Dies führe ich auch auf die Entscheidung der Autorin zurück, sich weitgehend auf eine rein objektive Beschreibung zu konzentrieren, die die Lektüre nicht so eindringlich und „wuchtig“ werden ließ, wie sie durch das Thema hätte sein können. Das absolut offene Ende, das ich wie einen willkürlichen Einschnitt in die Geschichte empfunden habe, hat mich zudem unbefriedigt und ratlos zurückgelassen: Hier fehlen mir eindeutig Antworten und eine angedeutete Richtung, wie die Geschichte sich weiterentwickeln könnte; das aus den Seiten vorher erlangte Wissen reicht nicht aus, um diese Leerstellen auch in der Imagination zufriedenstellend zu lösen. Insgesamt ist Mercy Seat so eine Lektüre, die ich erzähltechnisch spannend und aufregend fand, die in mir aber zu wenig nachhallt, um mich langfristig zu beeindrucken. Daher nur 4 Sterne.

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Tags: 1940er, amerika, louisiana, rassismus, todesstrafe   (5)
 

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102 Bibliotheken, 10 Leser, 3 Gruppen, 66 Rezensionen

60er jahre, briefe, enttäuschung, hoffnung, hongkong, leben, liebe, liebesroman, mutter-tochter-beziehung, mutter-tochter-verhältnis, roman, sehnsucht, tod, trauer, vergangenheit

Eine Liebe, in Gedanken

Kristine Bilkau
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 12.03.2018
ISBN 9783630875187
Genre: Romane

Rezension:

Als ich von Kristine Bilkau 2015 ihren Debütroman Die Glücklichen las, passierte etwas, was sehr selten passiert: Ich fand nicht nur eine literarische Perle, sondern auch ein Buch fürs Leben, das heißt ein Buch, in dem ich mich selber widerfand, das mir mehr schenkte als vergnügte Lesestunde. Die Glücklichen – auch das eher selten – zog direkt ins Regal mit den Lieblingsbüchern ein und seitdem wartete ich sehnsüchtig auf ein weiteres Buch von Kristine Bilkau. 2018 ist es nun endlich da, Eine Liebe, in Gedanken heißt es und neben der Vorfreude stellte sich auch direkt etwas Angst ein: Wird es dem zweiten Buch auch gelingen, mein Leseherz zu erobern?

Die beiden Bücher miteinander zu vergleichen, macht Kristine Bilkau dabei eigentlich unmöglich. Handelt es sich bei Die Glücklichen um einen modernen Gesellschaftsroman, erzählt Eine Liebe, in Gedanken eine Liebesgeschichte aus den 1960er Jahren. Die junge, etwas naive und vergnügungssüchtige Antonia verliebt sich in den ruhigen, unsicheren Edgar. Sie verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander, bis Edgar nach Hongkong geht, um dort für seine Firma eine neue Dependance aufzubauen. Antonia soll so schnell wie möglich nachkommen, noch aus der Ferne macht ihr Edgar einen Heiratsantrag – doch der versprochene Flugschein kommt niemals an. Die Liebe endet und doch auch nicht, denn sie zieht sich weiterhin durch Antonias Leben und – wie ihre Tochter 50 Jahre später feststellen muss – über ihren Tod hinaus.

Und dann war meine Mutter es, die am Fenster saß, alt, ein wenig müde, die hinaussah auf die Jüngeren, die zurückblickte auf ihr eigenes Leben, die sich bis zum Schluss von niemandem ihre Liebe hatte abwerten lassen, ihre angeblich so unheilbare, zwecklose, vergeben und verschwendete Liebe. (S. 240f.)

Wie gesagt sind das Debüt und der Folgeroman eigentlich in keiner Weise zu vergleichen. Und doch stellet sich beim Lesen von Eine Liebe, in Gedanken direkt dieses Gefühl wieder ein, das ich auch schon beim Erstling empfunden habe: Es ist dieser Bilkau-Sound, die Fähigkeit der Autorin, eine Geschichte atmosphärisch zu erzählen, ihre Sprache zwischen Klarheit, Nüchternheit und leiser Melancholie. Überhaupt ist Eine Liebe, in Gedanken ein stiller, zarter Roman und das, obwohl die Protagonistin zugleich eine weit strahlende, lachende, nicht zurückhaltende Figur ist und die Thematik – die erste große Liebe, die für immer andauernd – so wuchtig und groß daherkommt. Doch Kristine Bilkau verfällt weder dem Pathos, noch dem Kitsch, sie schreibt eine andere Art von Liebesgeschichte, eine wahrhaftige, schonungslose, dabei aber nicht weniger schöne. Dies liegt auch daran, dass sie nicht nur zwischen der Beziehung von Mann und Frau erzählt, sondern auch von Mutter und Tochter: Auf einer zweiten Erzählebene, in der Gegenwart, nähert sich Antonias Tochter dem Liebesleben ihrer Mutter an, das größere Auswirkungen auf sie hatte, als sie anfangs glaubt. Sie rekonstruiert die Geschichte von Antonia und Edgar, korrigiert dabei die eigene Geschichte zur Mutter – und nimmt auf diese Weise Abschied.

Mit Eine Liebe, in Gedanken konnte mich Kristine Bilkau auch beim zweiten Mal vollends überzeugen. Diese Autorin schreibt nicht konventionell und wie man es sich wünscht, sondern hat den Mut, einen ehrlichen Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen zu werfen. Ich freue mich jetzt schon auf ihren dritten Roman und bin gespannt, welches (vielleicht erneut ganz andere) Thema sie dann zu dem ihrigen machen wird. An Die Glücklichen kommt der Folgeroman jedoch trotz allen Lobes nicht heran, ist er doch als Liebesroman, wenn auch als untypischer, banaler, weniger relevant und wird mir deswegen nicht so lange im Kopf rumspucken wie es das Debüt bis heute zu schaffen vermag. Daher im direkten Vergleich – auch wenn das vielleicht nicht richtig fair ist – „nur“ 4,5 Sterne.

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Tags: 1960er, abschied, briefe, große liebe, mutter-tochter-beziehung, tod   (6)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Belladonna

Daša Drndic , Brigitte Döbert , Blanka Stipetic
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 20.02.2018
ISBN 9783455002751
Genre: Romane

Rezension:  
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

20. jahrhundert, generationen, russland, zweiter weltkrieg

Rotes Licht

Maxim Kantor , Juri Elperin , Sebastian Gutnik , Olga Korneev
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552058538
Genre: Romane

Rezension:

Normalerweise beginne ich meine Rezensionen immer damit, den Inhalt des Buches kurz zusammenzufassen oder einen Überblick über das thematische Spektrum des von mir gelesenen Romans zu geben. Dass ich bei Maxim Kantors 700-Seiten Epos Rotes Licht nicht dazu in der Lage sein werde, wurde mir schon nach der Lektüre der ersten paar Seiten bewusst. Sicherlich kann ich darauf hinweisen, dass Rotes Licht nicht nur der Roman eines russischen Autors, sondern auch ein Roman über die russische Geschichte ist; ich kann anmerken, dass der Fokus stark auf dem 20. Jahrhundert liegt und dem Zweiten Weltkrieg liegt, dass aber ebenso der Beginn des Ukrainekonflikts und die gegenwärtigen innenpolitischen Entwicklungen Russlands zur Sprache kommen; ebenso kann ich sagen, dass ein Mord eine Rolle spielt und das Schicksal verschiedener russischer Familien über mehrere Generationen beleuchtet wird. Doch das alles reicht nicht aus, um den Inhalt von Rotes Licht widerzugeben, spart es doch die vielen philosophischen, literarischen, kunstgeschichtlichen und historischen Anspielungen aus, die den gesamten Text durchziehen und die den Roman doch größtenteils zu dem machen, was er ist.

Das Schicksal erfüllt sich in drei Schritten: Dreimal wird der Schlüssel im Schicksalsschloss gedreht. Großvater – Vater – Sohn; klick – klick – klick – und die Zellentür schließt sich. Drei Akte des Dramas, das jeder sich ansehen kann. Der Großvater hat die Konturen des Schicksals skizziert, der Vater im Hauptakt mitgewirkt, die finalen Dramenszenen aber werden von den Kindern gespielt werden müssen. In der Regel dauert dieses Drama ein ganzes Jahrhundert. (S. 654)

Was dieses „was“ genau ist, kann ich nicht sagen. Auch ob ich mit meinen obigen Einschätzungen richtig liege, weiß ich nicht. Denn über weite Strecken der Lektüre war ich auf den Seiten verloren. Das liegt nicht allein an Maxim Kantors thematisch anspruchsvoller Breite wie tiefe, sondern auch an seinem fragmentarischen und assoziativen Stil. Zwar gibt es so etwas wie Hauptfiguren, zwar weisen die einzelnen Kapitel hin und wieder einen kohärenten Erzählstrang auf; insgesamt erscheint Rotes Licht jedoch als Mosaik von Gedanken, Erzählungen, Schicksalen und historischen wie literarischen Persönlichkeiten. Sie alle haben vermutlich ihre Funktion in diesem Roman, doch wie alles miteinander zusammengehört, konnte ich bis zum Schluss nicht enträtseln.

Darf man denn alle Schicksale in einer einzigen Geschichte vermischen? Man darf, wie man sieht. (S. 575)

Insgesamt habe ich die Lektüre von Rotes Licht als sehr intensiv, gleichzeitig aber auch als sehr flüchtig erlebt. Intensiv war sie nicht nur, weil ich während des Lesens viel recherchier habe, sondern mich quasi, indem ich mich durch den Text gebissen habe, in ihn verbissen habe. So merkwürdig das nach meinen vorherigen Worten klingen mag, lässt einen Rotes Licht ab einem gewissen Moment nicht mehr los: Man fühlt sich herausgefordert, kann sich auch durchaus an den hochintellektuellen und bisweilen unkonventionellen Gedanken erfreuen und findet etwas Lehrreiches in dem Roman. Nichtsdestotrotz blieb über viele Seiten ein Gefühl der Ratlosigkeit und des Unverständnis. Zu oft habe ich mich gefragt, was ich hier eigentlich lese und was man mir mit dem Geschriebenen mitteilen möchte. So ganz angekommen bin ich auf den 700 Seiten nie, Frust und Verlorenheit stellten sich beim Aufschlagen des Buchs immer wieder ein. Und so weiß ich auch nach dem Lesen und nach dem Schreiben dieser Besprechung immer noch nicht, ob ich das Buch nun empfehlen kann und ob ich die Lektüre nicht in gewisser Weise doch bereue. Meine Unschlüssigkeit spiegelt sich daher auch in der Bewertung wieder: 3 Sterne!

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Tags: 20. jahrhundert, generationen, russland, zweiter weltkrieg   (4)
 

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46 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

aufbau verlag, biografie, biographie, erinnerungen, erziehung, familie, familienbiographie, feministische literatur, frankreich, frauen, generationen übergreifend, herkunft, lehrreich, mutter-tochter-beziehung, nadja spiegelman

Was nie geschehen ist

Nadja Spiegelman , Sabine Kray
Fester Einband: 394 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783351037055
Genre: Romane

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350 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 126 Rezensionen

alkoholismus, belgien, dorf, eisblock, familie, freundschaft, jugend, kindheit, lize spit, roman, schockierend, sexuelle gewalt, sommer, und es schmilzt, vergewaltigung

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Kindheitssommer. Die meisten von uns erinnern sich gerne mit einem verklärten Blick an die Sommerferien unserer frühen Jugend zurück. Wir verbinden sie mit Freiheit, Ungezwungenheit, Unbeschwertheit und Lebenslust. Nicht so Eva, der Protagonistin in Lize Spits Debütroman Und es schmilzt: Aufgewachsen in einer Familie, in der die Schwester unter Zwangsneurosen und die Eltern unter Alkoholismus leiden, ist das Leben für sie nie frei von Verantwortung und Belastung – auch in den Sommerferien nicht, die sie primär draußen mit ihren Freunden Pim und Laurens verbringt. Die drei vertreiben sich die freie Zeit auf dem Land mit selbstausgedachten Spielen: Rätseln, Mutproben, Wahrheit oder Pflicht. Bis im Jahr 2001 diese Spiele aus dem Ruder laufen – und zwar in einem solchen Maße, dass Eva sich erst 13 Jahre später diesem Sommer stellen kann und dafür einen Eisblock im Kofferraum braucht…

Lize Spits Erstlingswerk wurde nicht nur vom Feuilleton, sondern auch von der Leserschaft überwiegend positiv aufgenommen. Die Autorin wird für ihre Gnadenlosigkeit und Kompromisslosigkeit gegenüber ihren Figuren gefeiert, Sprache und Struktur werden gelobt und die Lektüre des Romans als besonderes Erlebnis bezeichnet. Auch ich schließe mich den begeisterten Stimmen prinzipiell an: Lize Spit erscheint mir als ungewöhnliche neue literarische Stimme, die es  definitiv zu entdecken lohnt! Mit ihrem nüchternen, schnörkellosen Stil, der nicht nur ihre Figuren, sondern auch ihre Leser zum Beobachten und zur Passivität verdammt, erzeugt sie einen schwermütigen, dabei ungemein atmosphärischen Text, dessen Melancholie man beim Lesen beinahe körperlich zu spüren meint. Dabei beweist die Autorin einen hervorragenden Blick für die kleinen, grausamen Details im Alltag und in zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie jedoch nicht ausschlachtet, sondern in diesem stillen Text immer wieder zart anklingen und unbewusst im Leser nachwirken. Zudem erweist sich der Wechsel zwischen den Erzählzeiten (Vergangenheit – Gegenwart) und die außergewöhnliche Kapitelaufteilung (Lize Spit setzt Dreierblocks zusammen, bestehend aus einem Kapitel in der Gegenwart, einem im Sommer 2001 und einem dritten, zeitlich nicht näher bestimmten Kapitel, das schlaglichtartig Szenen des einstigen Familien- und Dorflebens erzählt) als dienlich für die Dynamik des Textes: Immer intensiver und beinahe sogartig taucht man in Evas Trauma ein, das sich peu à peu über die knapp 500 Seiten entfaltet.

Trotz der starken und beeindrucken erzählerischen Leistung von Lize Spit ist Und es schmilzt für mich doch noch etwas zu sehr von einem „Meisterwerk“, das uneingeschränkte Lobeshymnen verdient, entfernt. Der Handlungsaufbau erscheint mir an vielen Stellen zu bewusst verlangsamt, erst im letzten Drittel wird deutlich, was eigentlich erzählt wird. Vorher besteht die Geschichte vorwiegend aus aneinandergereihten Szenen, die sich in Andeutungen verlieren – auch wenn diese sehr gut erzählt werden. Dazu passt, dass es dem Roman an Momenten der Reflexion und der Einordnung fehlt: Gerade hinsichtlich der schweren Thematik und dem Ende, das diese hervorruft, hätte ich mir mehr psychologische Tiefe und Motivation gewünscht. So bleibt nach der Lektüre nur unheimlich viel Gewalt und Schmerz und Leid – aber was darüber hinaus? Was lerne ich aus diesem Buch? Wie und wem kann es helfen? Wer will gerade so etwas auf diese emotionslose Weise lesen? Zuletzt muss ich sagen, dass gerade Zitate wie "Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt" meine Erwartungen extrem geschürt haben und mich eine Lektüre ähnlich wie Ein wenig Leben erwarten lassen: Davon war Und es schmilzt jedoch meilenweit entfernt! Wo Ein wenig Leben kein Erbarmen zeigt, dem Leser das Leid des Protagonisten aufbürdet und ihn diesen mit einer beinahe schmerzlichen Intensität spüren lässt , kann er sich bei Lize Spitz‘ Roman zu leicht aus der Affäre ziehen!

Insgesamt ist Und es schmilzt ein beachtliches Debüt, das traurig, betroffen und hilflos macht. Auch wenn ich etwas anderes erwartet habe und die Geschichte hier und da einige Schönheitsfehler aufweist, scheint mir Lize Spit eine Autorin, deren weiterer Werdegang es zu verfolgen gilt. Dafür 4 Sterne!

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Tags: 2000er, belgien, dorf, erinnerungen, familie, freundschaft, inszinierter suizid, jugend, sexuelle gewalt, sommerferien   (10)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

elif shafak

Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak , Michaela Grabinger
Flexibler Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 30.08.2017
ISBN 9783036959702
Genre: Romane

Rezension:  
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(89)

134 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 75 Rezensionen

afrika, amerika, debüt, familie, familiengeschichte, freiheit, generationsroman, geschichte, ghana, heimat, hoffnung, liebe, sklaverei, usa, verzweiflung

Heimkehren

Yaa Gyasi , Anette Grube
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 29.11.2017
ISBN 9783832198381
Genre: Romane

Rezension:  
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(209)

364 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 147 Rezensionen

19. jahrhundert, amerika, colson whitehead, flucht, freiheit, gewalt, pulitzer preis, rassismus, roman, sklaven, sklaverei, südstaaten, underground railroad, unterdrückung, usa

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

Rezension:

Wenn die Nigger frei sein sollten, dann lägen sie nicht in Ketten. Wenn der rote Mann sein Land behalten sollte, dann besäße er es immer noch. Wenn es dem weißen Mann nicht bestimmt wäre, diese neue Welt in Besitz zu nehmen, dann würde sie ihm nicht gehören. (S. 97)

Seitdem im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der gegen Ausländer und Andersgläubige hetzt und die Alt-Right-Bewegung sich im Aufschwung befindet ist der Rassismus, der nie verschwunden war, wieder auf die öffentliche Bühne der Vereinigten Staaten getreten – und nicht nur da. Auch in Europa werden rechtsnationale und populistische Parteien stärker und Parolen, die früher lediglich am Stammtisch Platz fanden, salonfähig. Dass in solchen Zeiten Colson Whiteheads Roman Underground Railroad den renommierten Pulitzer-Preis erhält, wird – sicherlich berechtigt – als wichtiges Zeichen gegen Hass und Rassendenken interpretiert.

Und tatsächlich ist Whiteheads Geschichte über das Sklavenmädchen Cora und ihre Flucht aus den Südstaaten in den sicheren Norden eine eindringliche Geschichte, die uns mahnt, nicht zu vergessen, sondern stattdessen die schwarzen Flecken der Menschheitsgeschichte weiterhin aufzuarbeiten, uns ihnen zu stellen und aus ihnen zu lernen. Dass das Buch inhaltlich wichtig und richtig ist, kann nicht angezweifelt werden. Doch beim Jubeln über Whiteheads perfektes Timing und über das schaurige Schaudern hinsichtlich der Aktualität seiner Geschichte, kann leicht übersehen werden, dass Underground Railroad auch aus literarischer Sicht ein gelungener Roman ist, der es versteht, mit seiner Erzählstruktur und seiner Figurenzeichen zu überzeugen.

Denn Whitehead bedient sich in seinem Roman eines cleveren Kniffs: Er setzt den metaphorischen Sprachgebrauch des einst tatsächlich existierenden Netzwerkes „Underground Railroad“ wortwörtlich um und ersinnt in seiner Geschichte eine richtige Eisenbahn, ein im Untergrund liegendes Schienennetz und Stationen, die im ganzen Land verstreut sind. Das erlaubt ihm, den Leser auf einer Fahrt durch Amerika mitzunehmen und durch das Durchqueren verschiedener Bundesstaaten die unterschiedlichsten Menschen, Ansichten, Überzeugungen etc. fassbar zu machen. Whitehead erzeugt so ein Mosaik, ein Panorama der damaligen Zeit; seine einzelnen Kapitel sind wie Schlaglichter, die den Blick freigeben auf das Amerika der Vergangenheit und seine vorherrschenden Einstellungen und Gewohnheiten. Gerade diese Multiperspektivität und die darstellerische Tiefe – die sich auch in der Figurenzeichnung findet, die sich nie allein auf „Schwarz“ gegen „Weiß“, „Gut“ gegen „Böse“ reduzieren lässt – hat für mich das Buch zu einer intensiven und nachhallenden Lektüre gemacht.

Dazu kommt der sehr gefällige und in besonderer Weise passende Erzählstil des Romans. Coras Geschichte ist erschütternd und bewegend, obwohl oder eher gerade weil ihr ein absolut trockener, nüchterner, belangloser Ton anhaftet. In jeder einzelnen Zeile spürt man die Verinnerlichung und Akzeptanz der Vorstellung, schwarzes Leben sei weniger wert oder Sklaverei ein naturgegebenes Recht der "weißen Rasse". Die Erzählung benötigt daher kaum große dramatische oder aufwühlende Szenen: Die Skizzierung eines alltäglichen Sklavenlebens, das an Grausamkeit schon reich genug ist, braucht keine zusätzliche Fiktion. Whiteheads Roman ist wahrhaftig und der Autor schafft es, den Leser dies in seinem Inneren spüren zu lassen: Es ist diese erdrückende, häufig hoffnungslose, nie geschönte, aber zugleich packende und ergreifende Atmosphäre, die Underground Railroad meiner Meinung nach zu einem wirklich großartigen Roman macht.

Wer gerne anspruchsvolle und preisgekrönte Romane mit gesellschaftlicher Relevanz liest, ist mit Underground Railroad bestens bedient. Zwar braucht es hin und wieder starke Nerven und etwas Mut, sich den vielen Grausamkeiten auf knapp 350 Seiten zu stellen, doch dafür ist gute Literatur schließlich (auch) da: Sie lässt uns an unsere Grenzen gehen und ermöglicht uns, andere wie auch uns selber besser zu verstehen. 5 Sterne und volle Leseempfehlung!

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Tags: flucht, freiheit, pulitzer preis, rassismus, sklaverei, südstaaten, usa   (7)
 

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(203)

318 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 120 Rezensionen

drama, familie, frankreich, karriere, kinder, kinderfrau, kindermädchen, kindermord, mor, mord, nanny, paris, prix goncourt, roman, tragödie

Dann schlaf auch du

Leïla Slimani , Amelie Thoma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 21.08.2017
ISBN 9783630875545
Genre: Romane

Rezension:

„Das Baby ist tot.“ Mit diesem schlichten, dabei doch so gewaltigen Satz beginnt Leïla Slimanis 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneter Roman Dann schlaf auch du – und antizipiert somit zugleich das Ende der knapp 200 Seiten umfassende Geschichte. Denn Louise, die scheinbar perfekte Nanny, wird die ihr anvertrauten Schützlinge Mila und Adam töten. Deren Eltern Myriam und Paul werden dies nicht verhindern können, weil sie nicht sehen wollen, was offensichtlich ist: das langsame Zerbrechen der Maske einer „Lebensretterin“, einer guten Fee, einem beinahe fünften Familienmitglied. Es ist eben diese Demaskierung, die Slimani in den Vordergrund ihrer Erzählung stellt und sich dabei nicht allein auf das Kindermädchen fokussiert: Auch die Mutter, zerrieben zwischen dem modernen weiblichen Dilemma von Kind und Karriere, und der Vater, Kindskopf und Geschäftsmann in einem, werden in ihren Rollen hinterfragt. Und natürlich der Makrokosmos dahinter: die französische Gesellschaft, stellvertretend für die europäische, westliche, die sich in Individualismus, Anonymität, Dienstleistungsanspruch, diskriminierenden Strukturen zu verlieren scheint (pessimistisch gesprochen).

Das alles erweckt so aufgezählt den Eindruck eines schwer beladenen Romans. Und tatsächlich steckt eine Menge Inhalt in diesem schmalen Bändchen, die die Autorin jedoch pointiert an den Leser zu bringen weiß. Slimani bedient sich nämlich eines sehr verkappten, analysierenden, ja beinahe sezierenden Stils. Sie verzichtet auf lange Beschreibungen und Kontextualisierungen, stößt den Leser unmittelbar in die lose aneinandergereihten Szenen und lenkt den Blick auf die kleinen Alltagssituationen und die Erschütterungen, die diese unbemerkt auslösen. Damit erzeugt sie einerseits eine beklemmende Stimmung, eine trotz ihrer erzählerischen Reduktion eindringliche Atmosphäre; anderseits schafft sie es damit, das große Ganze anhand des dargestellten Kleinen zu analysieren. Immer wieder dehnt sie die Grenzen der Familiengeschichte aus und verflicht sie mit der problematischen Integrationspolitik, der Kluft zwischen den Reichem im Stadtzentrum und den Armen am geografischen wie sozialen Rand, dem modernen Familienkonzept und deren Herausforderungen etc. Dann schlaf auch du ist daher zweifellos ein ungemein intelligentes und aktuelles Buch, das es schafft, das Leben und die Abgründe der bürgerlichen Mittelschicht einzufangen und zu entfalten, ohne dabei in plumpe Verurteilungen zu verfallen.

Nichtsdestotrotz kann ich in die Begeisterungsrufe vieler anderer Leser nicht einfallen – auch wenn ich Slimanis Schreibtalent problemlos anerkennen kann. Für mich fehlt der Geschichte das gewisse Etwas, das zwar durchaus in der Erzählung angelegt, durch Slimanis Antizipation des Endes jedoch im Keim erstickt wird. Zu wissen, was am Ende stehen wird, nimmt der Erzählung einiges an Schärfe und läuft gerade der facettenreichen Figurenzeichnung zuwider: Jeder von Slimanis Charakteren besitzt nämlich das Potential der Eskalation und das Begehen einer unglaublichen Tat; ein Spiel mit dieser Unberechenbarkeit ist aber durch das erste Kapitel leider überhaupt nicht möglich. Auch die Erzählweise ist – bei allen klugen Gedanken – für mich letztlich sehr konventionell: Hier hatte ich mir nach all den positiven Besprechungen etwas Radikaleres, Innovativeres erwartet, das mich als Leser auch emotional mitreißt, so bleibt Dann schlaf auch du eher ein Roman für den Kopf, weniger für den Bauch/das Herz.

Letztendlich verschwendet niemand seine Zeit, wenn er sich die Lektüre von Dann schlaf auch du vornimmt – für mich gewinnt der Leser gleichzeitig aber auch nicht etwas Enormes dazu. Daher fällt der Roman trotz Auszeichnungen und Lobeshymnen eher in die Kategorie „Kann man lesen, muss man aber nicht“. Wer die Gelegenheit hat, soll sich des Romans ruhig annehmen, alle andere können ihn auf ihrer Must-Read-Liste ruhig weiter hinten anstellen. 4 Sterne.

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Tags: familie, frankreich, kindermädchen, mord   (4)
 
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