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282 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

fantasy, jugendbuch, gefängnis, liebe, reihe

Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Sabaa Tahir , Barbara Imgrund
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783846600382
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Worum geht's?
Elias und Laia haben es geschafft: Laia konnte Elias vor seiner Hinrichtung bewahren und zusammen mit ihm aus Schwarzkliff fliehen. Doch ihren Wettlauf gegen die Zeit haben sie noch längst nicht gewonnen: Wenn sie Laias Bruder Darin retten wollen, dürfen sie sich keine Verschnaufpause erlauben. Sie müssen einen Ausweg aus der Stadt finden und die Wüste bis nach Kauf durchqueren. Die todbringenden Masken stets auf ihren Fersen, müssen Elias und Laia sich schon bald weiteren Gefahren und Risiken stellen. Der waghalsige Rettungsversuch verlangt ihnen alles ab - und bringt die ehemalige Maske und die Rebellentochter dabei immer näher ...

Meine Meinung:
Mit "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" ist sie endlich da: Die lang ersehnte Fortsetzung zur "Elias & Laia"-Reihe von Sabaa Tahir. Nach dem nervenaufreibenden Cliffhanger von "Die Herrschaft der Masken" setzt der zweite Band nun genau dort an, wo der Vorgänger seine Leser im Stich gelassen hat: Elias und Laia fliehen aus Schwarzkliff, die Masken sind ihnen dicht auf den Fersen. Sabaa Tahir hält sich nicht mit Rückblenden auf, stattdessen wirft sie ihre Leser gnadenlos in eine spannende Verfolgungsjagd durch das Imperium.

Dank des raschen Erzähltempos wird man umgehend in einen Lesefluss gesogen, der allerdings mit einigen Stolpersteinen daherkommt: Sabaa Tahir baut äußerst wenige Erinnerungshilfen in die ersten Kapitel ein. Wer "Die Herrschaft der Masken" nicht unmittelbar vorher gelesen oder sich zumindest ausgiebig mit dessen Inhalt beschäftigt hat, wird nur mühsam wieder in die Geschichte hineinfinden. Hat man diese Hürde aber erst überwunden, kommt man wieder in den vollen Genuss von Sabaa Tahirs Fähigkeiten als Kehanni und wird beim Lesen die Zeit vergessen! 

"Eine Fackel im Dunkel der Nacht" steht dem ersten Band in Nichts nach. Die Geschichte bleibt so spannend, dass sie einem den Atem raubt, so emotionsgeladen, dass man sich ihr nicht entziehen kann, und so schonungslos, brutal und authentisch, dass es einem die Sprache verschlägt. Sabaa Tahir weiß, wie sie nicht nur ihre Charaktere, sondern auch ihre Leser an ihre Grenzen treiben kann, und nutzt dies erbarmungslos aus. Man darf sich auf Überraschungen und Wendungen einstellen, die die Geschichte einmalig und besonders machen, doch der Preis dafür ist hoch: Nicht selten lässt die Autorin ihre Figuren mit Blut zahlen. 

In diesem Band arbeitet Sabaa Tahir viele Facetten ihrer Welt und ihrer Charaktere aus, die vorher nur angeschnitten wurden, ohne dabei ihre aufgebauten Stärken zurückzusetzen. Vor allem bleibt sie als Autorin nicht stehen: Elias und Laia mögen in "Die Herrschaft der Masken" bereits eine beachtliche Entwicklung vollzogen haben, darauf ausruhen dürfen sie sich aber nicht. Sabaa Tahir fordert sie aufs Neue heraus, legt ihnen weitere Steine in den Weg, die es zu bezwingen gilt. Atmosphärisch wird es nun auch mystischer, magischer, was wiederum neue Seiten aus den verschiedenen Figuren hervorruft. Tahir bleibt sich und ihrer Geschichte treu und erfindet sie zugleich trotzdem neu - ein Widerspruch, den sie auf begeisternde Weise löst. 

Neben den Kapiteln aus Elias' und Laias Sicht kommt in "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" noch eine weitere Erzählperspektive hinzu: Auch Helena Aquilla, Elias' ehemalige beste Freundin und nun Blutgreif des Imperators, darf in diesem Band ihren Teil der Geschichte selbst erzählen. Da sich die Maskenträgerin für mich schon im ersten Band eindeutig als Lieblingscharakter bewiesen hat, konnte Sabaa Tahir hiermit deutlich bei mir punkten. Durch Helena, die nun als rechte Hand des Imperators agieren muss, erhält man weiterhin Einblicke in die Grausamkeiten des Imperiums. Sie muss außerdem die schlimmsten Herausforderungen meistern und die größte Entwicklung vollziehen. Damit hat sich Helena den Platz als dritte Hauptfigur der Reihe mehr als verdient.

Ursprünglich als Einzelband angekündigt, sind zu "Elias & Laia" mittlerweile insgesamt vier Bände geplant. Im Gegensatz zu "Die Herrschaft der Masken" endet die Handlung von "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" zwar nicht mitten im Geschehen, dennoch bleiben viele Fragen offen, die einen nach mehr Lesestoff lechzen lassen. Wir dürfen gespannt sein, welche Opfer Sabaa Tahir ihren Figuren noch abverlangen wird.

Fazit:
Lange und sehnsüchtig haben wir auf dieses Buch gewartet, aber die Geduld hat sich ausgezahlt: "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" von Sabaa Tahir ist ein würdiger zweiter Band der Reihe um Elias und Laia. Es geht atemberaubend, nervenaufreibend, zeitvergessend weiter! Elias und Laia bekommen mit Helena eine weitere Erzählstimme zur Seite gestellt, die dem Leser einen intensiveren Blick auf den durchdachten Handlungsverlauf ermöglicht und zugleich Helena als Charakter verdient mehr Aufmerksamkeit zugesteht. In diesem Band wird es mystischer, magischer, aber nicht weniger brutal und blutig. Im Gegenteil: Sabaa Tahir bleibt schonungslos und authentisch und verlangt ihren Figuren wie ihren Lesern alles ab. Die Autorin versteht es, ihrer Geschichte treu zu bleiben, ihren Stärken auszubauen und dennoch nicht stehen zu bleiben. Für mich ist "Elias & Laia" definitiv eine der stärksten Reihen, die der Buchmarkt zu bieten hat. Für "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" vergebe ich 5 Lurche.

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110 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

science fiction, bluescreen, zukunft, jugendbuch, dan wells

Bluescreen

Dan Wells , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492280211
Genre: Fantasy

Rezension:


Worum geht's?
Los Angeles im Jahre 2050: Der technische Fortschritt scheint nichts mehr unmöglich zu machen. Immer mehr Arbeiten werden von Robotern erledigt, fehlende Körperteile werden durch widerstandsfähigere Prothesen ersetzt und durch Djinnis, Implantate im eigenen Kopf, ist man nicht nur nonstop online, sondern auch dazu in der Lage, die eigenen Sinne zu überlisten. Für Marisa Carneseca und ihre besten Freundinnen, die sich als Team zusammen im Online-Spiel Overworld an die Spitze der Weltrangliste kämpfen, ist das Leben ohne die modernen Technologien kaum noch vorstellbar. Als jedoch eine Datei in Umlauf gerät, die auf ihre Nutzer wie eine Droge wirkt und die Djinnis beeinflusst, beginnt Marisa an den Vorteilen der Technik zu zweifeln. Denn wenn du 24 Stunden lang im Netz bist, bist du auch 24 Stunden lang für deinen Feind angreifbar … 

Meine Meinung:
Mit „Bluescreen“ gibt es endlich Lesenachschub von „Partials“-Autor Dan Wells! Auch im Auftakt seiner neuen Serie geht es in die Zukunft, auch wenn seine neue Dystopie futuristischer aufgebaut ist. Im Los Angeles des Jahres 2050 muss sich Protagonistin Marisa nicht mit dem Ende der Menschheit auseinandersetzen, sondern mit den Tücken des modernen Fortschritts. Durch so genannte Djinnis – Implantate, die direkt in den Kopf an das eigene Nervensystem angeknüpft werden – ist man permanent im Netz. Nonstop miteinander verbunden. Es werden im kaum noch Geräte genutzt, um miteinander zu kommunizieren, der Alltag wird durch das Steuern verschiedener Roboter durch bloße Gedanken enorm erleichtert und auch das Spielen wird durch virtuelle Realitäten völlig neu definiert. Nur wenige Menschen haben sich keine Djinnis implantieren lassen. Für Marisa und ihre Freundinnen unverständlich, ist ihnen das wahre Leben doch viel zu langweilig und trist geworden.

Der Einstieg in „Bluescreen“ ist mir aufgrund des hochmodernen Settings alles andere als leichtgefallen. Obwohl mir dank meines Studiums und meiner privaten Interessen so mancher technische Fachbegriff wohlbekannt ist, fühlte ich mich durch den abrupten Start mit Marisas Welt überfordert. Zu Beginn bestimmen viele Gaming-Szenen den Roman, wodurch einem als Leser eindeutig vor Augen geführt wird, wie Marisas Leben mit all den technischen Hilfsmitteln funktioniert. So faszinierend das Setting jedoch wirken mag, ebenso anstrengend und mühselig lesen sich die ersten Kapitel. Bis sich ein Lesefluss einstellt, der nicht der Atmosphäre einer Informatik-Vorlesung gleicht, vergehen etwa hundert Seiten. Das Durchhalten wird allerdings belohnt. 

Hat man sich erst einmal an Marisas Lebensstil gewöhnt und die Möglichkeiten, die die Djinnis ihren Trägern ermöglichen, verstanden, gewinnen Neugierde, Faszination und Spannung die Überhand. Dann endlich entpuppt sich der Auftakt als der futuristische Thriller, den man sich von Anfang an erhofft hat. Gut recherchiert und komplex durchdacht, wie man es von Dan Wells kennt, liest sich „Bluescreen“ wie ein wirklichkeitsnaher Blick in unsere Zukunft. Die realistische Darstellung füttert das Bedürfnis, selbst in die Seiten einzutauchen und die virtuellen Realitäten auszuprobieren. Während Marisa wie selbstverständlich mit den modernen Technologien umgeht, genießt man sie als Leser mit einer gehörigen Portion Vorsicht, die auch zwischen Dan Wells‘ Worten allgegenwärtig ist. So sicher das Internet auch sein mag, das Netz ist voller Schlupflöcher … und nach der letzten Seite wird so mancher Leser sicherlich seine Passwörter ändern!

In „Bluescreen“ gibt es keine schwarz-weißen Strukturen, keine eindeutigen Aufteilungen in Gut und Böse. Das merkt man der Technologie, die ihre Vor- und Nachteile mit sich bringt, eindeutig an. Noch deutlicher spürt man es aber an den Charakteren. Weder Protagonistin Marisa noch ihre Freunde sind klassische Helden ohne Fehler und auch die vermeintlichen Antagonisten haben durchaus gute Absichten. Dass Dan Wells mit unterschiedlichen Facetten spielt und seinen Figuren nicht dem typischen Schema entsprechen, macht die Charaktere in „Bluescreen“ interessant, bringt aber auch seine Schattenseiten mit sich: Einen klaren Sympathieträger, mit dem ich emotional mitgefiebert hätte, fand ich zwischen Marisa und ihren Freunden nicht. „Bluescreen“ wurde für mich daher mehr von der spannenden Handlung als von den Charakteren getragen, was sich allerdings nur marginal auf den Lesespaß auswirkte. 

Auch wenn „Bluescreen“ im Jahre 2050 angesiedelt ist, kann man Parallelen zu unserem alltäglichen Leben nicht verleugnen. Auch wenn unsere Technologien noch nicht so ausgereift sind, entwickeln sie sich doch ganz klar in diese Richtung. Dan Wells zeigt deutlich, welche Vorteile seine futuristische Weltvorstellung mit sich bringt, sensibilisiert aber auch für mögliche Gefahren und Risiken. Dadurch liest sich „Bluescreen“ nicht nur wie ein mitreißender Sci-Fi-Thriller, der sich ab der zweiten Hälfte als echter Pageturner beweist, der Roman regt auch zum Nachdenken an. Wir sind bereits beinahe 24 Stunden online, dauernd erreichbar, überall auffindbar. Wie viel wollen wir von uns tatsächlich preisgeben? Welchen Luxus sind uns unsere Daten wert? So schwierig der Einstieg in „Bluescreen“ für mich war, so atemlos habe ich das Buch zugeschlagen. Die Fortsetzung der „Mirador“-Saga wird bereits sehnsüchtig erwartet!

Fazit:
Mit „Bluescreen“, dem Auftakt der „Mirador“-Saga“, gibt es endlich Lesenachschub von Dan Wells. Auch diesmal nimmt der Autor seine Leser mit in die Zukunft. Atmosphärisch wird es allerdings nicht endzeitlich, sondern durch und durch futuristisch: Im Jahre 2050 besitzt beinahe jeder Mensch ein Djinni, ein Implantat im Kopf, durch das man nonstop online sein kann. Da das Djinni direkt mit dem eigenen Nervensystem verbunden wird, bietet es unfassbare Möglichkeiten – und ebenso viele Gefahren. Protagonistin Marisa muss sich den dunkelsten Abgründen des Netzes stellen, das ihr Leben so maßgeblich geprägt und beeinflusst hat. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten beweist sich „Bluescreen“ als packender Sci-Fi-Thriller, der nichts von klassischen Schwarz-Weiß-Strukturen hält. Das macht den Roman so interessant wie faszinierend. Vor allem regt Dan Wells in seinem neuen Buch aber zum Nachdenken an: Welchen Luxus sind uns unsere Daten wert? Wie viel will ich wirklich von mir verraten – und zu welchem Preis? Mit welchen Konsequenzen? Nach diesem Roman habe ich umgehend meine Passwörter geändert … Für „Bluescreen“ vergebe ich schwächelnde 4 Lurche.

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

romantisc, tanze, rachenmond verlag, den sternen so na, musik

Den Sternen so nah

Mareike Allnoch
E-Buch Text: 290 Seiten
Erschienen bei Drachenmond Verlag, 24.05.2016
ISBN 9783959912129
Genre: Liebesromane

Rezension:


Worum geht's?
Er ist der neue Star im Musik-Business und der Schwarm aller Mädchen: Jai McConnor. Bloß die junge Tänzerin Nina kann dem aufgeblasenen Sänger so gar nichts abgewinnen. Sie wird nie vergessen, wie arrogant sich Jai ihr besten Freundin gegenüber verhalten hat, als sie sich bei einem Meet & Greet begegneten. Als Nina durch ihre Tanzlehrerin angeboten bekommt, einen Weltstar auf seiner Amerika-Tour als Background-Tänzerin zu unterstützen, kann sie es kaum fassen. Solch eine Chance bekommt man nur einmal im Leben! Kaum ist sie in Amerika gelandet, stellt sich allerdings heraus, dass sie ausgerechnet für Jai tanzen soll. Nina würde am liebsten gleich wieder umdrehen! Doch je mehr Zeit sie mit Jai verbringt, desto deutlicher wird ihr, dass er in Wahrheit gar kein schlechter Kerl ist …

Meine Meinung:
Mit „Den Sternen so nah“ hat die junge Autorin Mareike Allnoch ein Buch geschrieben, indem der Traum eines (fast) jeden Mädchens ins Erfüllung geht: Die Protagonistin trifft auf einen großen Star, der sich nicht vom Schein der Schönen und Reichen blenden lässt und in ihr das Mädchen findet, das ihm die Stirn bieten kann. Blöd nur, dass Protagonistin Nina in die Kategorie „Fast“ fällt – und den plötzlichen Kontakt mit dem Superstar gar nicht so prickelnd findet. Kurzweilig und fesselnd erzählt Mareike Allnoch die süße Liebesgeschichte zwischen dem bodenständigen Mädchen und dem attraktiven Sänger und nimmt sich genau die Zeit, die es braucht, um sie mit all ihren Höhen und Tiefen beleuchten zu können.

Womit Mareike Allnoch absolut ins Schwarze trifft, ist ihre ehrliche Darstellung des Ruhms. Jai ist erfolgreich, der Schwarm einer gesamten Generation und müsste sein Lebtag nie mehr arbeiten, so reich ist er – und doch bringt sein Leben im Scheinwerferlicht auch seine Schatten mit sich. Jais internationale Bekanntheit hat ihre Tücken und fordert ihre Opfer. Was für Nina normal, manchmal gar ein wenig langweilig ist, davon kann Jai nur träumen! Mareike Allnoch lässt ihre Leser spüren, dass jede Medaille zwei Seiten hat und längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

Dank Nina als Protagonistin gewinnt „Den Sternen so nah“ weitere Pluspunkte. Sie ist eine toughe junge Frau, die sich nichts gefallen lässt und erst recht nicht auf den Mund gefallen ist. Sie brennt für ihre Leidenschaft, das Tanzen, und bringt neben dem nötigen Talent auch genügend Herzblut und Leidenschaft mit. Nina ist schlagfertig, aufgrund ihres jungen Alters und der aufregenden Veränderungen in ihrem Leben aber verständlicherweise nicht frei von Selbstzweifeln. Das macht sie authentisch und sympathisch. Ihre Stärken und Schwächen, die sich im Handlungsverlauf herauskristallisieren, zeichnen sie als ganz normales Mädchen aus, mit dem sich vor allem gleichaltrige Leserinnen prima werden identifizieren können.

Womit der Roman in meinen Augen jede Menge Potenzial verloren hat, ist leider tatsächlich Ninas Herzensangelegenheit. Obwohl ihr das Tanzen die Welt bedeutet und es für die gesamte Geschichte eine große Rolle spielt, finden sich nur wenige und zudem sehr kurze Tanzszenen zwischen den Buchdeckeln. Mareike Allnoch hat den Fokus klar auf Nina und Jai gesetzt, sodass man den ersten Erwartungen zum Trotz klarstellen muss: „Den Sternen so nah“ ist ein Liebes- und kein Tanzroman! Wer hier mit falschen Vorstellungen an das Buch herantritt, wird leider enttäuscht, denn das Tanzen wird für Nina schnell zur Nebensache.

Ebenfalls als schwach empfand ich die Nebencharaktere, zu denen ich bis auf ein, zwei Ausnahmen keinen Draht aufbauen konnte. Sie handeln mehr wie nötige Statisten als ebenbürtige Persönlichkeiten. Dies hat allerdings den Vorteil, dass man sich als Leser voll und ganz in die Beziehung von Nina und Jai fallen lassen kann. Die spritzig-frechen Dialoge, die knisternde Dynamik und das sich zaghaft aufbauende Vertrauen der beiden sind der jungen Autorin großartig gelungen. Mit einer angemessenen Menge Kitsch und Klischee (im durchweg positiven Sinne!) gleich die Liebesgeschichte in „Den Sternen so nah“ einer Gefühlsachterbahn, die man nach dem ersten aufregenden Ritt am liebsten sofort nochmal fahren möchte.

Fazit:
Mit „Den Sternen so nah“ hat Jungautorin Mareike Allnoch einen kurzweiligen Liebesroman mit toller Atmosphäre verfasst. Protagonistin Nina, die schlagfertige und bodenständige Tänzerin, und Jai, der international erfolgreiche Superstar, ergeben ein stimmiges Duo, das das Leserherz zum Mitfiebern animiert. Die Nebencharaktere sind im Vergleich zu Nina und Jai leider schwach gezeichnet und enttäuschten mich ebenso sehr wie die Tatsache, dass das Tanzthema in „Den Sternen so nah“ schnell zur Nebensache wird. Dafür hat die Autorin das Leben im Scheinwerferlicht viel tiefgreifender und ehrlicher umgesetzt als anfangs erwartet. Wer eine frische, dynamische Liebesgeschichte sucht, wird in diesem Jugendbuch definitiv fündig! Für „Den Sternen so nah“ vergebe ich schwächelnde 4 Lurche.

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162 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 60 Rezensionen

jane austen, liebe, football, familie, emma mills

Jane & Miss Tennyson

Emma Mills , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 18.03.2016
ISBN 9783551560254
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Devon würde eigentlich nichts an ihrem Leben ändern. Sie ist zufrieden damit, heimlich in ihren besten Freund verliebt zu sein und die Zukunft zu ignorieren. Aber das Leben macht nicht mit. Erst zieht ihr Cousin Foster, ein unverbesserlicher Sonderling mit einem überraschenden Talent für Football, bei ihnen ein. Dann taucht der unausstehliche, überhebliche und unerträglich attraktive Ezra auf. Devon hätte nie erwartet, dass Foster der Bruder wird, den sie nie haben wollte; oder dass Ezra ihre Lieblingsschriftstellerin Jane Austen liest, selbst wenn er Stolz und Vorurteil zunächst für die Fortsetzung von Verstand und Gefühl gehalten hat. (Quelle: Königskinder)

Meine Meinung:
Im Grunde ist "Jane & Miss Tennyson" eine ganz normale, mitten aus dem Leben gegriffene Highschool-Geschichte. Wir begleiten Devon, die seit Jahren heimlich in ihren besten Freund verliebt ist, durch ihren alltäglichen Trott. Football spielt in dem Städtchen, in dem Devon lebt, eine wichtige Rolle, wie man es eben so kennt. Klar, ab und an gibt es kleine Skandälchen, die für Aufregung sorgen, wie etwa Devons Mitschülerin Marabelle, die – selbst beinahe noch ein Kind – schwanger ist, oder Ezra, der erst kürzlich hergezogene Football-Star, um den sich ebenso viel Missgunst wie Geheimnisse ranken. Und dann ist da zudem Foster, Devons Cousine, der ihr Leben durcheinander bringt, da seine Mutter sich nicht mehr um ihn kümmern kann. Kurzum: "Jane & Miss Tennyson" erzählt vom ganz gewöhnlichen Leben.

Diese Normalität, die die Geschichte und die Charaktere auszeichnet, ist es, die "Jane & Miss Tennyson" aus der Masse der aufgesetzten Teenie-Dramen herausstechen lässt. Dieser Roman ist so erfrischend echt und realitätsnah, dass es sich beim Lesen so anfühlt, als würde man sich mit Devon persönlich treffen und mit ihr ganz ungezwungen über ihr Leben sprechen. Die Natürlichkeit, Devons unverblümt ehrliche Art und Emma Mills' Schreibstil, der einem direkt ins Herz geht, machen aus dem Roman einen emotional mitreißenden Pageturner. Man fühlt in jeder Sekunde mit, lernt die Charaktere kennen und lieben, bis man sie nicht mehr gehen lassen möchte, und verfällt dem Charme des Buches ganz und gar. Diese Geschichte klingt über die letzte gelesene Seite noch lange nach.

Protagonistin Devon ist mit ihren 18 Jahren ein äußerst besonnenes Mädchen. Sie bezeichnet sich mit Jane Austens Worten als "ganz und gar gewöhnlich". Ihr "mangele es an Einzigartigkeit" – und damit hat sie gar nicht mal so Unrecht. Devon ist keine Abschlussballkönigin, Cheerleaderin oder überhaupt sonderlich aktiv oder beliebt an ihrer Schule. Sie ist das nette, unscheinbare Mädchen von Nebenan, das jeder gerne mag. Und doch zeichnet sie ihre Durchschnittlichkeit besonders zu Beginn der Geschichte als perfekte Protagonistin aus: Sie ist authentisch, nahbar und glaubwürdig. Ihre Ecken und Kanten machen es leicht, sich in Devon hineinversetzen zu können. Im Laufe des Romans muss sich Devon, wie wohl jeder von uns, mit einigen Selbstzweifeln auseinandersetzen. Auch sie muss lernen, dass Glück keine feste Definition besitzt, und dass man nicht ganz und gar außergewöhnlich sein muss, um glücklich zu sein.

Devons Geschichte steckt voller bemerkenswerter Entwicklungen. Wer sie aber alle in den Schatten stellt, ist Devons Cousin Foster. Er stammt aus schwierigen Verhältnissen und wirkt anfangs sehr seltsam. Er und Devon haben nicht das beste Verhältnis: Während Foster sich an Devon klammert, da er sonst niemanden kennt, versucht sie bloß ihre Pflichten als nette Cousine zu erfüllen. Je mehr Zeit sie jedoch miteinander verbringen, je stärker Foster auftaut, sich findet und weiterentwickelt, desto enger wird auch ihre Beziehung zueinander. Zu beobachten, wie aus der genervten Devon und dem ulkigen Foster eine Familie wird, rührt das Leserherz und übertrifft an Emotionen sogar Devons sich anbahnende Liebesgeschichte. Die Dynamik zwischen den Charakteren überzeugt ebenso wie die feinen Weisheiten, die jeder Leser sich für sich aus der Geschichte mitnehmen kann.

Jane Austen spielt in Devons Leben eine wichtige Rolle. Sie ist ihre Lieblingsautorin, in deren Werken sie sich immer und immer wieder verlieren kann. Devon liebt es, wie Jane Austen über Gefühle schreibt, und ertappt sich häufig dabei, wie sie sich wünscht, eine Begebenheit aus den Romanen auf ihr eigenes Leben übertragen zu können. Auch wenn die Verweise auf Jane Austen nicht so oft explizit Erwähnung finden, wie ich es zu Beginn des Buches erwartet hätte, zieht sich der Einfluss der Autorin doch unterschwellig durch die gesamte Geschichte. Wahre Austen-Fans werden sicherlich noch mehr Anspielungen finden. Die Bedeutung der Autorin innerhalb der Geschichte tut dem Roman jedenfalls sehr gut. Sie gibt "Jane & Miss Tennyson" einen klassischen, gefühlvollen Touch.

Fazit:
"Jane & Miss Tennyson" von Emma Mills ist eines jener Bücher, das man mit einem lauten "Lest es!" in jedes Bücherregal stellen möchte. Zwischen diesen Buchdeckeln steckt ein herrlich normaler und authentischer Highschool-Roman, der gerade durch seine "ganz und gar gewöhnlichen" Facetten heraussticht und begeistert. "Jane & Miss Tennyson" ist eine bewegende Geschichte über das Erwachsenwerden und die Suche nach sich selbst, über Ehrlichkeit, Toleranz und Mut, über die ganz persönliche Definition von Glück und über die Liebe in all ihren Farben. Emma Mills hat einen charmanten Pageturner geschrieben, der weit über die letzte Seite hinaus nachklingt und den Status Lieblingsbuch absolut verdient hat! Für "Jane & Miss Tennyson" vergebe ich 5 Lurche.

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126 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

tanja heitmann, jugendbuch, fantasy, spreewald, erlkönig

Nebelsilber

Tanja Heitmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 23.11.2015
ISBN 9783570161210
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Als die siebzehnjährige Edie zusammen mit ihrem Vater in ein einsames Häuschen in den Wäldern Wasserruhs zieht, wünscht sie sich von der Abgeschiedenheit vor allem eines: Ruhe. Aber Wasserruh ist ein Ort voller Mythen und Legenden, und Edie verfügt über eine besondere Gabe, die das kleine Städtchen in ihr herauszufordern scheint. Ausgerechnet nach ihrer Ankunft taucht Silas wieder auf, der vor zehn Jahren spurlos verschwunden ist. Er kann sich an nichts erinnern, doch sowohl er als auch Edie spüren, dass sie etwas verbindet - eine Magie, deren Absichten nur schwer zu ergründen sind. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Antworten, Erinnerungen und Wahrheiten und kommen einander dabei immer näher. Wird ihre zarte Verbundenheit den dunklen Geheimnissen Wasserruhs trotzen können?

Meine Meinung:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Wenn das nicht Tanja Heitmann und ihr neues Geschichtlein sind! Mit "Nebelsilber" legt die Autorin einen Einzelband vor, der das in der Jugendbuchwelt erfrischend unverbrauchte Motiv des Erlkönigs neu aufleben lässt. In dem fiktiven, auf sumpfigem Boden gebauten Waldstädtdchen Wasserruh erlebt Protagnonistin Edie ein mystisches Abenteuer, das selbst Vielleser des breit gefächerten Romantasy-Genres als gelungene Abwechslung empfinden werden.

Tanja Heitmann braucht selten eine lange Einfindungszeit, um ihre Leser an ihre Geschichten zu fesseln. Auch in "Nebelsilber" reichen wenige Seiten, um sich von ihrem bildstarken Schreibstil und der magischen Atmosphäre gefangen nehmen zu lassen. Wie der schlaflose Erlkönig stromert man durch die Seiten, stets neugierig und fasziniert, was man in den moderigen Wäldern von Wasserruh noch wird entdecken können.

Edie und Silas sind die Protagonisten und tragenden Helden der Geschichte. Das rastlose Mädchen mit der besonderen Gabe und der rätselhafte Junge ohne Gedächtnis haben eine tolle Ausstrahlung, die einen als Leser unheimlich fesselt. Dass man zu beiden anfangs keinen direkten Draht aufbaut, empfindet man überraschenderweise gar nicht negativ. Im Gegenteil: Durch die Distanz wirken Edie und vor allem Silas noch geheimnisvoller und undurchschaubarer - und das steht ihnen ausgesprochen gut zu Gesicht! Auch als Duo passen sie gut zusammen. Ihr Miteinander ist nicht immer harmonisch und ihre Handlungen lassen sich häufig nicht gut einschätzen, aber genau dieses Undefinierbare passt zu "Nebelsilber" außerordentlich gut.

Mysteriös, undurchschaubar und höchst faszinierend sind nicht nur die Protagonisten in diesem Roman. Auch auf die Handlung passen diese Beschreibungen perfekt. Denn Tanja Heitmanns Neuerzählung des Erlkönigs ist so geschickt verstrickt, dass man nie vorausahnen kann, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Die Autorin hat einige Überraschungen für ihre Leser parat. Es wird düster, unheimlich und gar ein wenig gruselig! Dank der starken Atmosphäre wirkt "Nebelsilber" sehr intensiv und bietet jede Menge Kopfkino-Potenzial. Hier liegt zugleich aber auch die größte Gefahr des Romans: Wer sich nicht von Anfang an für die Handlung begeistern kann, wird es schwer haben, sich im Verlauf noch mit ihr anzufreunden. 

So sehr ihre Worte und die von ihr erschaffene Stimmung von Anfang an begeistern, so schwach sind leider die einzelnen Nebencharaktere. Obwohl sie alle auf ihre eigene Weise eigen- und einzigartig sind, sind sie innerhalb der 400 Seiten starken Geschichte nicht mehr als nette Statisten, die ihre Rollen spielen. Der Fokus liegt klar auf Edie und Silas, wodurch ihre sympathisch eingeführten Freunde unter den Tisch fallen. Besonders enttäuschend verlief allerdings das Liebesdreieck, auf das man - so sehr ich die Beteiligten auch mochte! - getrost hätte verzichten können. 

Fazit:
"Nebelsilber" von Tanja Heitmann ist eine geheimnisvolle und düstere Geschichte, die das Motiv des Erlkönigs neu interpretiert. Auf mitreißende und atmosphärisch starke Weise erzählt die Autorin von Edie, einem Mädchen mit einer besonderen Gabe, und Silas, einem Jungen ohne Gedächtnis, der ausgerechnet durch Edies Umzug nach Wasserruh nach 10 Jahren aus dem Nichts wieder auftaucht. Die Stärken des Romans liegen in seiner Undurchschaubarkeit und Heitmanns eindringlichem Schreibstil. Wer allerdings mit Charakteren hadert, zu denen man nur zaghaft Zugang findet, wird mit den Protagonisten wohl seine Schwierigkeiten haben. Ich persönlich mochte Edie und Silas gerade deshalb so gerne, weil sie mit dem Mainstream brechen! Für "Nebelsilber" vergebe ich 4 Lurche. 

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182 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

mythologie, götter, nordische mythologie, rick riordan, magnus chase

Magnus Chase - Das Schwert des Sommers

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2016
ISBN 9783551556684
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Seit Magnus' Mutter auf grausige Weise ums Leben gekommen ist, schlägt sich der sechzehnjährige Junge mehr schlecht als recht durch die Straßen Bostons. Er hat kein Dach über dem Kopf, kein Geld zum Leben, keine innigen Verwandten – bis ihm wie aus dem Nichts eröffnet wird, dass er der Sohn eines nordischen Gottes ist! Magnus ist dazu auserkoren, ein magisches Schwert zu finden und Ragnarök, die Götterdämmerung, zu verhindern … Gar nicht so leicht, wenn das außer seinen Freunden kaum jemand glauben mag. Denn Unterstützung könnte Magnus' Truppe im Kampf gegen Riesen, Zwerge und andere sagenhafte Monster durchaus gebrauchen! 

Meine Meinung:
"Magnus Chase: Das Schwert des Sommers" ist mein erstes Buch von Rick Riordan, daher kann ich keine Vergleiche zu seinen anderen Romanen ziehen. Eines weiß ich aber ganz gewiss: "Das Schwert des Sommers" wird nicht mein einziges Buch des Bestseller-Autors bleiben! Rick Riordan versteht sein Handwerk und konnte mich schon nach wenigen Seiten als Fan gewinnen. Sein witziger Schreibstil und die skurrile Handlung, die perfekt miteinander harmonieren und mich ständig zum Schmunzeln gebracht haben, faszinieren ebenso wie die feinen Anspielungen auf die "Percy Jackson"-Reihe neugierig machen. Voller Fantasie jagt er seine Leser durch eine unglaubliche Handlung, die nicht nur Magnus' den Atem raubt. Der Vorteil, wenn man bekannte Autoren erst spät für sich entdeckt: Sie haben schon genügend Lesestoff parat, um die Wartezeit bis zum nächsten Band perfekt zu füllen!

Der sechzehnjährige Magnus Chase ist der Held und Titelgeber von Riordans neuer Reihe. Wem der Name bekannt vorkommt, hat beim Lesen von "Percy Jackson" gut aufgepasst! Denn Magnus ist mit Annabeth verwandt, auch wenn ihr Kontakt durch Magnus' Schicksal ins Stocken geraten ist: Seit seine Mutter ums Leben gekommen ist, schlägt sich Magnus als obdachloser Junge tapfer durch die Straßen. Trotz der schwierigen Lebensumstände hat der junge Held seinen Witz und seinen Charme nicht verloren. Mit seinem sympathischen Charakter und seiner direkten Art, die Leser persönlich anzusprechen, wächst Magnus einem nach einem kurzen Stolpern zu Beginn schnell ans Herz. Doch hinter seiner strahlenden Fassade verstecken sich einige Spuren seiner Vergangenheit: eine drückende Mischung aus Unsicherheit und Vorsicht hält Magnus von unüberlegten Handlungen ab, was ihn jedoch keinesfalls vor Ärger rettet! 

Denn um Ärger kommt man in der Welt der nordischen Götter nicht herum. Das fängt schon damit an, dass Magnus gleich zu Beginn der Handlung stirbt (und da das wirklich gleich am Anfang passiert, ist das auch kein Spoiler, keine Angst!) und herausfindet, dass er von einem Gott abstammt. Es beginnt ein spannendes Abenteuer, eine mitreißende Neuerzählung der nordischen Mythologie, die sich für einen Laien wie mich durch viele feine Details ausgesprochen authentisch lesen lässt. Rick Riordan hat sich nicht bloß ein paar Aspekte der germanischen Götter herausgesucht, sondern toll recherchiert und Magnus' Geschichte sehr nah am Original gehalten. "Magnus Chase: Das Schwert des Sommers" ist also nicht nur außerordentlich unterhaltsam, sondern auch lehrreich! Ein zusätzliches Glossar auf den letzten Seiten, das die wichtigsten Namen aufgreift, die bedeutendsten Begriffe erklärt und sogar auftauchende Runen erläutert, rundet das Ganze ab.

Ein Feuerriese mitten in der Heimatstadt, eine nahende Götterdämmerung, gefährliche Killer-Eichhörnchen und die plötzliche Erkenntnis, ein Halbgott zu sein – ja, mit der ersten Seite von "Das Schwert des Sommers" geht es für Magnus wahrlich rasant her. Zum Glück muss er seine Geschichte nicht alleine bestreiten. Rick Riordan hat ihm tolle Charaktere zur Seite gestellt, die ihn auf seiner Reise begleiten und unterstützen. Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch ergeben sie eine turbulente, sich hervorragend ergänzende Truppe. Riordan schafft in seinem Buch tolle Persönlichkeiten mit Stärken und Schwächen, die sich alle nicht zu ernst nehmen und sowie mit ihren humorvollen als auch ihren emotionalen Seiten bei den Lesern punkten können. Durch die Vielzahl der verschiedenen Figuren kommt es durchaus mal vor, dass einer von ihnen nicht die Zeit im Scheinwerferlicht bekommt, die man sich gewünscht hätte. Vor allem die Antagonisten kamen mir persönlich im ersten Band noch viel zu kurz. Seine Hauptcharaktere hat Rick Riordan allerdings so liebevoll gestaltet, dass sie mich stets schnell von den schwächelnden Randfiguren abgelenkt haben.

Fazit:
Nach "Das Schwert des Sommers", dem Auftakt zur "Magnus Chase"-Serie von Rick Riordan, frage ich mich: Warum habe ich diesen Autor nicht schon viel früher für mich entdeckt?! Der Bestseller-Autor der "Percy Jackson" nimmt sich in seiner neuen Buchreihe der nordischen Mythologie an und hat um seinen jungen Helden Magnus eine Geschichte gestrickt, die mit Humor, Spannung und vor allem toller Recherchearbeit überzeugen kann. Magnus' Abenteuer liest sich so schnell aus der Hand, wie der Feuerriese Surt Butter zum Schmelzen bringen kann, und ist dabei nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern auch lehrreich! Magnus und seine Freunde erleben ein spannendes Wettrennen gegen die Zeit, das einem immer wieder einen großen Schmunzler ins Gesicht zaubert, aber ebenso aufregend und bewegend sein kann. Wer sich nach flottem Lesespaß mit einem atmosphärischen Setting sehnt, der greift hier definitiv zum richtigen Buch. Für "Magnus Chase: Das Schwert des Sommers" vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

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käfer, modedesignerin, bestseller-debüt, befreiung, m.g. leonard

Käferkumpel

M.G. Leonard , Britt Somann-Jung , Julia Sarda
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.04.2016
ISBN 9783551520845
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Worum geht's?
Als sein Vater urplötzlich verschwindet, hat der dreizehnjährige Darkus Cuttle nur eines im Sinn: Er muss ihn finden! Von der Polizei bekommt Darkus wenig Hilfe, dafür ereilt ihn Unterstützung von völlig unerwarteter Seite. Als er von auf der Suche nach Spuren fälschlicherweise von seinen seltsamen Nachbarn für einen Dieb gehalten wird, sperren sie ihn bei sich ein. Und ausgerechnet Käfer retten Darkus aus diesem Schlamassel! Zusammen mit Baxter, einem riesigen Nashornkäfer, seinen Schulfreunden Bertolt und Virginia und der Kraft unzähliger Krabbelkäfer stürzt sich Darkus in ein unglaubliches Abenteuer. Denn wer glaubt, dass intelligente Käfer schon skurril genug sind, der hat noch nicht die fiese Modedesignerin Lucretia Cutter getroffen, die kurz nach dem Verschwinden von Darkus‘ Vater für Unruhen sorgt …

Meine Meinung:
Schon seit Barry Cunningham, der Entdecker von „Harry Potter“, das erste Mal von diesem Manuskript schwärmte, das von einem mutigen Jungen und seinem Käfer handelt, war ich neugierig auf dieses Buch. Nun ist „Käferkumpel“, der erste Band einer Trilogie und das Debüt der Autorin M. G. Leonard, endlich auf Deutsch erschienen. Und Barry hatte vollkommen recht: Es ist eine außergewöhnliche Geschichte, die man nicht aus der Hand legen kann. 

„Käferkumpel“ ist originell, einzigartig und voller herrlich skurriler Ideen. Solch eine Geschichte hat man noch nicht gelesen! Lustigerweise sind mir beim Lesen spontan ein paar Parallelen aufgefallen, die „Käferkumpel“ noch unterhaltsamer gemacht haben: Eine von Grund auf böse, modisch interessierte Antagonistin, zwei ulkig-blöde Lakaien und die Absicht, eine ganz bestimmte Art von Lebewesen zu fangen und zu töten … Ganz plötzlich fühlte ich mich an „101 Dalmatiner“ erinnert, musste an Cruella de Vil und ihre Handlanger denken! „Käferkumpel“ liest sich genauso amüsant, mitreißend und lustig, sodass man getrost behaupten kann: Wer diesen Klassiker liebt, wird auch mit diesem Buch seine Freude haben.

Der dreizehnjährige Darkus Cuttle ist der Protagonist des Romans und ein Charakter, den man ohne Umschweife ins Herz schließt. Früh hat der kluge Junge seine Mutter verloren und nun, da sein Vater verschwunden ist, muss er all seinen Mut unter Beweis stellen. Darkus ist ein wahrer Held: Tapfer, standhaft und Gewissenhaft trägt er sein Herz am rechten Fleck. Er würde alles tun für jene, die er liebt – koste es, was es wolle! Und dennoch weiß Darkus auch, dass es nicht feige, sondern weise ist, Angst zu haben. Darkus ist ein starker Protagonist, gerade weil er auch mal Schwächte zeigt, und kann für Jung und Alt ein Vorbild sein.

So gern ich Darkus mag: Der wahre Held, nein, die wahren Helden der Geschichte sind die Käfer! Zugegeben: Auch ich bin persönlich nie allzu gut auf Insekten zu sprechen gewesen. M. G. Leonard hat mich mit „Käferkumpel“ allerdings völlig umgestimmt und Insekten zu den coolsten Haustieren werden lassen. Ihre Krabbelhelden sind faszinierend und unheimlich liebenswürdig. So winzig ihre Körper sein mögen, so riesig sind ihre Präsenz und ihre Kraft. Gut recherchiert, toll ausgearbeitet und großartig inszeniert krabbeln die Käfer durch die Buchdeckel ins Leserherz. Man kann gar nicht anders: Man muss sie einfach mögen! Und so ertappte ich mich sogar dabei, wie ich neidisch an den Seiten klebte, weil mir beim Lesen kein eigener Käferkumpel auf der Schulter saß.

„Käferkumpel“ hat seine Leser, egal ob Jung oder Alt, ab der ersten Seite in seinen Fängen. Es ist eine zeitlose Geschichte, die M. G. Leonard in ihrem Debüt entwickelt hat. Eine jener Sorte, die mit ihrem Ideenreichtum, ihrer Atmosphäre, ihrer Erzählkraft alle in ihren Bann ziehen wird, die gute Geschichte lieben. Mit einer Leichtigkeit, wie man sie von den großen Autoren kennt, schreibt M. G. Leonard ihren Lesern ein buntes Kopfkino vor das innere Auge. „Käferkumpel“ ist der perfekte Stoff für die große Leinwand: Spannend und aufregend, erfinderisch und kreativ, unterhaltsam und doch lehrreich, vor allem aber: außergewöhnlich! Dieser Roman ist ein Pageturner durch und durch und ganz klar eines der stärksten Kinderbücher, die 2016 zu bieten hat. 

Darkus und die Käfer müssen dem Geheimnis um das Verschwinden seines Vaters Bartholomew Cuttle selbstverständlich nicht alleine auf die Schliche kommen. Die Autorin hat ihrem mutigen Protagonisten seinen neugierigen Onkel Max und seine beiden Freunde, den zurückhaltenden Bertolt und die aufgeweckte Virginia, zur Seite gestellt. Sie alle tragen maßgeblich zu der Entwicklung der Geschichte, aber auch zu ihrer Lebendigkeit und ihrem Spaß bei. M. G. Leonard hat ein Händchen für verschrobene, herzensgute Figuren, zu denen man am liebsten durch die Seiten in die Geschichte steigen möchte, um ein Teil ihrer Freundschaft zu sein.

Fazit:
Was für ein Debüt! Mit „Käferkumpel“, dem ersten Band einer Trilogie, hat mich M. G. Leonard völlig von den Socken gehauen! Die Geschichte um den mutigen Darkus, der zusammen mit seinen Freunden und unzähligen Käfern nach seinem verschwundenen Vater sucht, ist ein herrlicher Pageturner. Mitreißend, ulkig, amüsant und irgendwie auch total abgefahren – jeder, der gute Geschichten liebt, wird von „Käferkumpel“ nicht die Finger lassen können! Und dafür muss man nicht einmal ein Käferfan sein: Spätestens nach diesem Buch ist man es nämlich sowieso! Für „Käferkumpel“ vergebe ich 5 Lurche mit Lieblingsbuchstatus!

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liebe, new adult, internet, college, fotos

Caroline & West - Überall bist du

Ruthie Knox , Marion Herbert
Flexibler Einband: 470 Seiten
Erschienen bei INK, 05.03.2015
ISBN 9783863960728
Genre: Liebesromane

Rezension:


Worum geht's?
Caroline Piasecki ist eine fleißige junge Studentin mit großen Zielen: Sie will Anwältin werden. Doch ihre Träume drohen über Nacht zu zerplatzen, als sie herausfindet, dass ihr Ex-Freund intime Fotos von ihr ins Netz gestellt hat, um sich an ihr zu rächen. Caroline traut sich kaum noch aus dem Haus. Die Scham, die Wut, die Verzweiflung treiben sie bis an ihre Grenzen. In ihrer Situation ist West Leavitt sicherlich der letzte Kerl, mit dem sie sich abgeben sollte. Er dealt mit Drogen und hat seine eigenen Geheimnisse zu verstecken. Aber Caroline spürt: West ist kein schlechter Umgang, ganz egal, was die Gerüchte über ihn behaupten. Seine Blicke haben nichts Erniedrigendes, Beschämendes an sich. Bei ihm kann Caroline ganz sie selbst sein. Schon bald entwickeln sich zwischen Caroline und West Gefühle, die viel tiefer greifen als alles andere zuvor… 

Meine Meinung:
Was würdest du tun, wenn du eines Tages intime Fotos von dir im Netz finden würdest? Wenn dein Ex-Freund sich an dir rächen wollen und das gesamte College dich anschauen würde, als hätten sie dich nackt gesehen, weil jeder deine Fotos aus der Rundmail kennt? Wie würdest du dich fühlen, wenn sogar deine gesamte Zukunft zu zerbrechen droht und deine Träume immer unerreichbarer werden? Diesen Fragen muss sich Protagonistin Caroline Piasecki stellen, denn ihr Ex-Freund hat genau dieses Horror-Szenario wahr gemacht.

Ruthie Knox behandelt mit dem „Revenge Porn“ ein sehr spezielles und krasses Thema, das in den USA zwar einen anderen, viel extremeren Stellenwert besitzt, für Opfer aber natürlich über alle Grenzen hinweg unglaublich belastend sein muss. Die Gesetzeslage in den Staaten entspricht nicht der unseren, was es manchmal etwas schwer gemacht hat, die Entwicklung von „Caroline & West – Überall bist du“ vollkommen nachvollziehen zu können. Carolines Gefühlswelt hat die Autorin jedoch auf verständnisvolle, realistische und bewegende Weise dargestellt, die sich sicherlich nicht auf die Gesetze eines Landes beschränken lassen: Die Scham. Die Wut. Die Angst. Die Verzweiflung. Aber auch den Mut, sich gegen all das zu stellen, seine Fehler hinter sich zu lassen und gestärkt weiter zu gehen. Knox‘ expliziter und schonungsloser Schreibstil bringt all das toll auf den Punkt.

Caroline war mir als Protagonistin, die sich kapitelweise mit West die Erzählerrolle teilt, sehr sympathisch. Während es auf den ersten Seiten vor allem noch Mitleid war, das ich ihr gegenüber empfand, entwickelte ich schnell einen gewissen Respekt vor ihrem Charakter und ihrer Entwicklung. Caroline ist eine junge, bodenständige Frau, deren heile Welt auf erschütternde und ekelerregende Weise zerstört wird. Trotz einiger trauriger, schwacher, hilfloser Momente gibt Caroline niemals auf. Sie kämpft um sich und ihre Würde, gewinnt ihren Stolz mehr und mehr zurück und verliert ihr altes, liebenswürdiges Ich dabei nicht aus den Augen.

West, der männliche Protagonist, ist an Carolines positiver Entwicklung nicht ganz unschuldig. Er gibt ihr die Kraft, an ihr wahres Ich zu glauben, während er selbst aus seiner Liebe zu Caroline Kraft schöpft, um sein eigenes Päckchen tragen zu können. West ist im Grunde der typische „New Adult Bad Boy“, der mit tragischen Familienverhältnissen, einem umwerfend attraktiven Äußeren und einem Überschuss an Testosteron zu kämpfen hat. Auch wenn er sich von seinen Genrekollegen nicht sonderlich abhebt, war er alles in allem ein netter Kerl, dem man sein Happy End wünscht.

Auch wenn Ruthie Knox in „Caroline & West – Überall bist du“ vieles richtig gemacht hat, sind mir beim Lesen immer wieder Dinge aufgefallen, die mich gestört haben. Neben den typischen Klischees, die die Autorin stellenweise zu stark ausgereizt hat - Warum muss auch jeder Bad Boy zwangsläufig mit Drogen handeln? Und warum darf sich eine Liebe nicht auch mal ohne einen pulsierenden Schoß auf den ersten Blick entwickeln? -, sind mir vor allem die vielen expliziten erotischen Szenen negativ aufgefallen. Dabei sind es gar nicht die intimen Momente an sich, die mich störten: Ruthie Knox beschreibt diese wirklich prickelnd und gefühlvoll! Es war viel mehr die Häufigkeit. Spätestens nach der dritten Szene fühlte es sich langsam so an, als würde kein Treffen von Caroline und West ohne Sex funktionieren – dabei beweisen sie einige Male, dass sie wirklich ein tolles Pärchen abgeben, das auch gepflegte Konversation betreiben kann. Nach der letzten Seite war ich trotz eines gelungenen Endes sogar ein wenig genervt. Die Geschichte hätte durchaus in der Hälfte der Zeit erzählt werden können. Und wer so viel Erotik will, kann auch gleich zu einem Erotikroman greifen.

Fazit:
„Caroline & West – Überall bist du“ von Ruthie Knox, der erste Band einer „New Adult“-Dilogie, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen und krassen Thema: Carolines Ex-Freund rächt sich an ihr, indem er intime Fotos von ihr veröffentlicht und sie vor dem gesamten College demütigt. Obwohl die explizite Darstellung der Autorin sicherlich anecken wird, hebt sich „Caroline & West“ dadurch etwas von anderen Romanen des Genres ab. Aber auch dieses Buch ist voller typischer Klischees, an denen sich „New Adult“-Fans sicherlich nicht stören lassen. Für mich war „Caroline & West – Überall bist du“ ein mutiger, deutlicher und authentischer Roman, der vieles richtig gemacht hat, sich aber auch viel schneller hätte erzählen lassen. Für „Caroline & West – Überall bist du“ vergebe ich 3 Lurche.

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liebe, frankreich, paris, englisch, jugendbuch

Anna and the French Kiss

Stephanie Perkins
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Usborne Publishing Ltd, 01.01.2014
ISBN 9781409579939
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Anna kann es nicht fassen! Gerade läuft alles so gut: Ihr letztes Schuljahr steht an, sie liebt ihren Job und ihrem Schwarm kommt sie auch endlich näher. Doch dann beschließt ihr Vater kurzerhand, sie für ein ganzes Jahr nach Paris zu schicken! Ein Auslandsaufenthalt in einem Land, dessen Sprache sie nicht einmal spricht, ist für Anna alles andere als eine freudige Überraschung. Erst durch ihren neuen Mitschüler Etienne St. Clair lernt sie Paris wirklich kennen, schätzen und lieben. An den aufregenden Schmetterlingen in Annas Bauch ist allerdings nicht die Stadt der Liebe allein schuld...

Meine Meinung:
Lust auf Schmetterlinge im Bauch? Dann ist „Anna and the French Kiss“ von Stephanie Perkins (auf deutsch „Herzklopfen auf Französisch“) genau das richtige Buch für euch. Die zuckersüße Teenie-Romanze erzählt die Geschichte von Anna, die von ihrem Vater, einem Bestseller-Autor von kitschigen Liebesschnulzen mit tragischem Ausgang, für ein Auslandsjahr nach Paris geschickt wird. Anna ist davon alles andere als begeistert, doch sie ahnt ja auch noch nicht, welches Abenteuer die Stadt der Liebe für sie bereithalten wird...

Hach, was habe ich mich zwischen diesen Buchdeckeln wohl gefühlt! Stephanie Perkins hat es schon auf den ersten Seiten geschafft, dass ich mich in ihr Buch verliebe. Der leichte, fluffige Schreibstil liest sich nicht nur wie ein süßes Zuckerbonbon, er versetzt einen als Leser auch mitten in die Geschichte. „Anna and the French Kiss“ ist ein absolutes Abtauch-Buch, das einen alles um sich herum vergessen und mitschwärmen lässt. Perkins bietet ihren Lesern einen zauberhaften Ausflug nach Paris – Herzklopfen inklusive!

Protagonistin Anna ist an dem hohen Wohlfühl-Faktor nicht ganz unbeteiligt. Die 18-jährige Schülerin und angehende Film-Kritikerin ist auf wahnsinnig sympathische Weise erwachsen, ohne aus ihren Mädchenschuhen herausgewachsen zu sein. Sie balanciert auf dem schmalen und schwierigen Grad zwischen Kindheit und Erwachsensein, trifft vernünftige, aber auch sehr gefühlsbetonte Entscheidungen und ist dabei stets zu authentisch und liebenswert, dass man sich großartig mit ihr identifizieren kann. Anna gehört zu der Sorte junger Frauen, mit denen man sich auf Anhieb gut versteht und die man sehr gerne zu den eigenen Freundinnen zählt. So eine Protagonistin muss man einfach gernhaben!

Ohne das nötige Drama hätte eine Teenie-Romanze ihren Namen nun einmal nicht verdient und so müssen auch Stephanie Perkins Charaktere mit dem einen oder anderen Stein in ihrem Weg umzugehen lernen. Die Autorin legt hier vor allem großen Wert auf die Emotionen ihrer Figuren, die einfach zum Leben eines jeden Jugendlichen dazugehören: das rosarote Verliebtsein, Neid und Eifersucht, die erste große Liebe und jede Menge Herzschmerz. Natürlich ist all das in dem Alter etwas klischeebehaftet und wird schnell überdramatisiert, aber Stephanie Perkins beschäftigt sich auf derart ehrliche Weise mit diesen Themen, dass man sie auch so empfindet: echt und realistisch. Eben genau so, wie man es von sich selbst kennt.

Fazit:
„Anna and the French Kiss“ von Stephanie Perkins ist eine zuckersüße Teenie-Romanze, die auf ehrliche und authentische Weise zum Schwärmen einlädt. Es ist ein Buch zum Wohlfühlen, zum Träumen, zum Abtauchen, sodass man beim Lesen sogar die Zeit vergisst. Ganz egal, in welchem Alter man dieses Buch liest: Stephanie Perkins schreibt mit so echt und mit so viel Emotionen, dass man gar nicht anders kann als sich in Annas Geschichte zu verlieben – Schmetterlinge und Herzklopfen inklusive. Für „Anne and the French Kiss“ vergebe ich rosarote 5 Lurche.

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garten, friedhof, fluch, eva, freundschaft

Evies Garten

K. L. Going , Johanna Ellsworth
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 18.05.2012
ISBN 9783833901355
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Worum geht's?
Vor 10 Monaten ist Evies Mutter an Krebs gestorben. Da es ihr Vater nicht länger an einem Ort aushält, an dem ihn alles an seine verstorbene Frau erinnert, packt er kurzerhand seine sieben Sachen und reist ab. Evie muss zwangsläufig mit auf die verfluchte Apfelplantage ziehen, die ihr Vater als ihr neues Zuhause ausgesucht hat, und ist damit alles andere als glücklich. Sie vermisst ihre Mutter, die Elfen und Einhörner zum Leben erwecken konnte und an die Magie geglaubt hat. Mit ihrer Mutter ist all der Zauber aus der Welt für Evie verschwunden. Aber auf der düsteren Apfelplantage wartet ein magisches Abenteuer auf sie, das ihren Glauben wieder aufleben lässt: Gemeinsam mit Alex, einem Geisterjungen, macht sich Evie auf die Suche nach dem Geheimnis hinter dem kleinen Saatkorn, das der Vorbesitzer der Plantage für sie hinterlassen hat.

Meine Meinung:
„Evies Garten“ ist ein Kinderbuch, aber keines von der zuckersüßen Art. K. L. Going behandelt in ihrer Geschichte ein schwieriges Thema, das Jung und Alt tief berührt: den Verlust eines geliebten Menschen. In Evies Fall ist es ihre Mutter, die vor 10 Monaten an Krebs gestorben ist. Sie hat Evie mit ihrem Vater zurückgelassen, der mit dem Tod seiner geliebten Frau selbst nicht zurechtkommt und versucht, durch die Flucht aus dem bekannten Leben wieder zur Normalität zurückzufinden. Evie muss zwangsläufig mit umziehen, steht ihrem Vater aber nicht sonderlich nahe. Und nun steht sie da, einsam auf einer verfluchten Apfelplantage, umringt von einem Friedhof, ganz allein mit ihrer Trauer. Nur der bleiche Junge, der von sich behauptet, ein Geist zu sein, kann sie ablenken.

Die Geschichte liest sich sehr schnell, was nicht nur an den knapp 200 Seiten und den kurzen Kapiteln liegt. K. L. Going legt ab der ersten Seite ein zügiges Erzähltempo an den Tag. Sie hält sich nicht lange mit ausschweifenden Beschreibungen auf und lässt lieber der Handlung ihren Lauf. Trotzdem sorgt die Autorin in „Evies Garten“ für ein tolles Kopfkino-Erlebnis. Jede einzelne Szene schleicht sich während des Lesens in den Kopf, sodass man die Geschichte auf besonders bildhafte Weise genießen kann.

„Evies Garten“ entwickelt sich recht schnell in eine Richtung, die ich von dem Buch zu Beginn nicht erwartet hätte. Die Magie, an die Evies Mutter geglaubt hat, die aber seit ihrem Tod aus dem Leben ihrer Tochter verschwunden ist, nimmt einen großen Part der Geschichte ein. Auf die rundum sympathischen und gelungenen Charaktere – allen voran natürlich Protagonistin Evie, die mich mit ihrem klugen und vernünftigen Köpfchen begeistert hat – wartet ein magisches Abenteuer, bei dem es mehr Geheimnisse aufzudecken gibt als zunächst erwartet.

Trauerbewältigung und der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen spielen in „Evies Garten“ eine entscheidende Rolle. Die Autorin hat diese Themen in ihrer Geschichte auf eine einfühlsame und magische Art und Weise behandelt, die durchaus zu berühren weiß, ohne dabei eine bedrückende Stimmung aufkommen zu lassen. So gut mir K. L. Goings Umsetzung auch gefallen hat, gänzlich zufrieden bin ich mit ihr nicht. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin stärker auf die Ernsthaftigkeit der Themen eingeht und ihre fantastischen Elemente dabei zurückhält.

K. L. Going hat einen wundervollen Schreibstil, mit dem sie mich sofort für sich gewinnen konnte. Sie schreibt sehr leicht und flüssig, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, ohne sich in zu komplexe Satzstrukturen zu verstricken. Trotzdem schafft sie es, mit ihren Worten eine zauberhafte Atmosphäre entstehen zu lassen, die einen an die Magie der Geschichte glauben lässt. „Evies Garten“ liest sich wie ein bezauberndes Märchen, dessen Moral K. L. Going ihren Lesern direkt ins Herz schreibt.

Das biblische Paradies, die Geschichte von Adam und Eva, die Versuchung durch den Apfel – all diese religiösen Bilder sind ein Teil von „Evies Garten“. Die Geschichte um Evie weist in vielen Punkten Parallelen zu der Schöpfungsgeschichte auf. Trotzdem ist „Evies Garten“ kein Buch, das einem die christliche Religion oder die Liebe zu Gott nahezulegen versucht. Evie lernt, wie wichtig es ist, seinen Glauben nicht zu verlieren, aber dabei wird keine spezielle Religion erwähnt. Es geht vielmehr um den Glauben an sich selbst, den Glauben an sein Herz, den Glauben an die Liebe.

Fazit:
„Evies Garten“ von K. L. Going ist eine zauberhafte und wunderschöne Geschichte über das Leben und den Tod, die mich mit ihrer eigenen Magie in ihren Bann ziehen konnte. Ich habe mich mit jeder Seite mehr in dieses Buch verliebt, vor allem in Goings Schreibstil, der für eine ganz besondere, magische Atmosphäre gesorgt hat. Aber auch die Charaktere und die Handlung haben mich mit ihrer Einzigartigkeit verzaubert. „Evies Garten“ ist ein tolles Buch, das es schafft, ein schwieriges Thema auf einfühlsame Art zu behandeln, ohne dabei eine bedrückende Stimmung aufkommen zu lassen. Für „Evies Garten“ vergebe ich 4 Lurche.

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173 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

kiera cass, liebe, hochzeit, young adult, dystopie

The One

Kiera Cass
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei HARPER COLLINS, 05.05.2015
ISBN 9780062060006
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Die „Selection“ geht in die alles entscheidende Runde: Nur noch vier Mädchen kämpfen im Palast um Prinz Maxons Herz und die Krone Illéas. Doch America ist längst nicht mehr die einzige Favoritin in diesem Wettkampf. Sie muss eine Entscheidung treffen, mit all ihren Konsequenzen: Für wen wird sie sich entscheiden? Aspen oder Maxon?

Meine Meinung:
„The One“ schließt direkt an die Ereignisse aus „The Elite“ an und führt das Liebeschaos weiter. America hat endlich verstanden, für wen ihr Herz wirklich schlägt, mit wem sie den Rest ihres Lebens verbringen will – oder? Das Wirrwarr geht in „The One“ gewohnt weiter und stürzt America in die bekannten Existenzängste. Ist sie bereit, eine Prinzessin, später sogar Königin zu sein? Will sie all das für Maxon auf sich nehmen? Mit Aspen dagegen fühlt sich auf eine Weise verbunden, die niemals enden wird. So viel sei gesagt: America entscheidet sich. Und ich für meinen Teil war mit dieser Entscheidung auch sehr zufrieden!

Der Weg dorthin war allerdings nicht ganz leicht. Aspen ist in dem Liebesdreieck der Einzige, der tatsächlich ausspricht, was er fühlt und was er will. Maxon und America dagegen drucksen von Kapitel zu Kapitel um ihre Liebesgeständnisse herum, sodass man nach einem weiteren „Ich sag’s erst, wenn du’s gesagt hast!“-Dilemma nur noch die Augen verdrehen kann. Für so ein gekünsteltes Drama sind die Charaktere meines Erachtens schon viel zu erwachsen. 

Vor allem die – neben der Liebesgeschichte noch immer zu kurz kommende – Geschichte des Landes Illéa und die anstehenden Veränderungen, in die America, Maxon und Aspen stark involviert sind, lassen die Charaktere reifen. Sie trauen sich mehr, sind bereit, etwas zu opfern. Und tatsächlich bekommt die Rebellion, über die man seit des Bandes spricht, endlich etwas mehr Aufmerksamkeit. Nichtsdestotrotz hätte Kiera Cass hier wesentlich mehr herausholen können. Die Rebellion wirkt neben der „Selection“ sehr blass und wird trotz der ersten wirklich tragischen Opfer von der Autorin viel zu stiefmütterlich behandelt. Immerhin sind diesmal einige Szenen dabei, die man wirklich als spannend bezeichnen kann.

Aber seien wir mal ehrlich: Die „Selection“-Reihe lebt eben von ihrem Drama, von der aufrichtigen und gleichzeitig aufmüpfigen America, die sich partout nicht entscheiden kann und es sich immer wieder selbst vermasselt, wenn ihre Gefühle einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Die ganze Reihe liest sich wie eine kurzweilige Soap-Opera. Dank Kiera Cass angenehmen und leichtem Schreibstil lesen sich die jeweils 300 Seiten der einzelnen Bände in Windeseile von der Hand und machen einfach Spaß. 

Im Grunde ist die Geschichte um America Singer in „The One“ mit dem dritten Band der „Selection“-Serie abgeschlossen, so, wie es von Kiera Cass von Anfang an gedacht war. Der Haupthandlungsstrang wird in diesem Band zu Ende geführt und lässt keine Fragen mehr offen – zumindest, was Americas Herz angeht. Bei der Fortsetzung „The Heir“ handelt es sich eher um ein Spin-Off der Reihe, das weitere 20 Jahre in der Zukunft spielen wird. Für Fans zweifelsohne ein Muss! Wer „The One“ jedoch nur noch aus Neugierde gelesen hat, für wen sich America entscheiden wird, kann nach diesem Band für sich definitiv einen Schlussstrich ziehen.

Fazit:
Drama, Herzschmerz, schwere Verluste: Im letzten Band der „Selection“-Reihe, in welchem America noch als Protagonistin agiert, fährt Kiera Cass noch einmal alle Geschütze auf. Es wird schnulzig, romantisch, höchst dramatisch – und sogar tragisch. Das erste Mal fordert die Dystopie Opfer, um die man auch als Leser trauert. „The One“ ist definitiv spannender und mitreißender als seine beiden Vorgänger, auch wenn die etwas zu übertriebene Liebesgeschichte selbstverständlich noch immer im Fokus der Handlung steht. Meines Erachtens hat Kiera Cass ihre „Selection“-Trilogie alles in allem zu einem würdigen Abschluss geführt. Und wer noch nicht genug von dem Königshaus Illéas hat, darf sich freuen: In „The Heir“ geht es weiter, ganze 20 Jahre nach den Geschehnissen aus „The One“! Für „The One“ vergebe ich gute 3 Lurche.

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dystopie, kiera cass, selection, liebe, rebellen

Selection - The Elite

Kiera Cass
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Harper Collins USA, 23.04.2013
ISBN 9780062262851
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Die vergangenen Ereignisse haben Prinz Maxon dazu gezwungen, den Großteil der Teilnehmerinnen an der „Selection“ zurück zu ihren Familien zu schicken. Nur noch 6 Mädchen sind übrig, von denen nur eine die zukünftige Prinzessin an seiner Seite sein wird. Dass America längst Maxons Favoritin ist, ist kein Geheimnis mehr. Doch America ist sich unsicher: Fühlt sie sich den Aufgaben einer Prinzessin gewachsen? Will sie Maxon oder schlägt ihr Herz noch immer für ihre heimliche Liebe Aspen? Als America eines Tages eine schreckliche Überraschung erwartet, wird alles, voran sie bisher geglaubt hat, in Frage gestellt…

Meine Meinung:
Maxon hat seine Elite auserkoren: Nur noch 6 Mädchen kämpfen um sein Herz und die Krone Illéas. Obwohl er die „Selection“ sofort beenden würde, wenn es nach ihm ginge, geht der Wettkampf weiter. Denn America, seine Favoritin, ist sich ihrer Liebe längst nichts so sicher wie er. Dass Aspen nun auch noch selbst als Wache im Schloss arbeitet und ihr täglich über den Weg läuft, macht es America nicht leichter, eine Entscheidung zu treffen… 

America ist an den vergangenen Ereignissen in „The Selection“ gewachsen. Sie ist für meinen Geschmack noch immer eine viel zu perfekte, viel zu runde Protagonistin, aber in „The Elite“ bekommt ihre makellose Fassade auch ein paar Kratzer. Ihr vorlautes Mundwerk sorgt für ebenso viel Kritik wie ihre impulsiven, oft sehr naiven Handlungen und Entscheidungen. Durch die vielen negativen Stimmen, die sich plötzlich gegen America erheben, gerät Americas Selbstbild ins Wanken und sie muss sich klar werden, wer sie überhaupt ist, wer sie sein will und was sie bereit ist aufzugeben und zu leisten. Trotz aller Szenen, in denen man sie am liebsten an den Schultern rütteln würde, gab es auch einige tolle und bemerkenswerte Momente von America – und das gefällt!

In „The Elite“ gibt es einen besonderen Moment, eine unerwarteten Plot-Twist, der mein Lesevergnügen mit Kiera Cass‘ Dystopie augenblicklich in wahre Begeisterung umschlagen ließ. Endlich zeigt die Autorin auch mal eine sehr düstere Seite Illéas, eine brutale und grausame Facette des Königreichs. Nachdem Maxon stellvertretend für das gesamte Königshaus zuvorkommend und edel dargestellt wurde, zeigen sich nun erstmals auch Schatten in der sonst so heilen Welt. Dieses eine Kapitel hat mich sehr beeindruckt und bewiesen: Kiera Cass kann auch anders.

Nur, weil sie es auch anders kann, heißt es aber nicht, dass sie es auch macht. Auch wenn die Konsequenzen dieses plötzlichen Einschnitts in den sonst so rosaroten Handlungsverlauf noch länger zu spüren sind, gerät die Geschichte schnell wieder in das übliche Liebesdrama. America bekommt unerwartet eine harte Konkurrentin und auch die anderen Teilnehmerinnen greifen zu Mitteln, die Maxon nur zu gerne annimmt. Auch wenn der gute Maxon mir persönlich schon im ersten Band besser gefallen hat als Aspen, kam ich diesmal nicht darum herum, ihm mehrfach einen „Typisch Mann!“-Stempel auf die Stirn drücken zu wollen.

Tja, für wen sich America schlussendlich entscheiden wird, klärt sich im dritten Band „The One“. Das Liebeswirrwarr in „The Elite“ bleibt gewohnt unterhaltsam und führt in typischer Soap-Manier zu jeder Menge übertriebenen Dramen, Tränen und Zickereien, aber auch zu vielen romantisch-schnulzigen Aufseufz-Momenten. „The Elite“ bleibt „The Selection“ eben treu: Viel zu bieten hat die Geschichte tatsächlich nicht, aber einen hohen Unterhaltungswert kann man als Leser nun wirklich nicht verleugnen!

Fazit:
„The Elite“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Selection“-Reihe, die ihre Leser ganz im Stil des ersten Bandes zu unterhalten weiß: Es bleibt oberflächlich, kitschig und klischeehaft, aber höchst amüsant! Das Liebeschaos wird noch komplizierter, noch verworrener, noch dramatischer – und tatsächlich bekommt die rosarote Vorstellung des Prinzessinnenwettkampfs auch ihre ersten Kratzer. Trotz der vielen Steigerungen muss dieser Mittelband allerdings auch mit einigen Längen kämpfen, die sich auch durch Kiera Cass‘ flüssigem Schreibstil nicht ganz leugnen lassen. Für „The Elite“ vergebe ich daher solide 3 Lurche.

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640 Bibliotheken, 12 Leser, 2 Gruppen, 47 Rezensionen

kiera cass, selection, liebe, dystopie, prinzessin

The Selection

Kiera Cass
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins US, 17.07.2012
ISBN 9780062203137
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
America Singer ist eine Fünf. Ihre Familie gehört als Künstlerfamilie einer der ärmeren Kasten des Landes Illeá an, doch mit Mühe und Not können sie sich über Wasser halten. Anders als die Familie von Americas heimlichen Freund Aspen, die tagtäglich Hunger leiden muss. Doch das hält America nicht davon ab, auf eine gemeinsame Zukunft mit Aspen hinzuarbeiten. Ihre Liebe ist stärker als all die Bürden, die ihnen durch das Kastensystem auferlegt werden! Als America die Chance erhält als eine von 35 Mädchen an der „Selection“ teilzunehmen, gerät ihr fester Entschluss ins Wanken. Will sie gegen 34 perfekte Mädchen im Palast um die Gunst des Prinzen kämpfen, um zur zukünftigen Prinzessin des Landes zu werden und ihre Familie aus der Armut zu befreien? Will sie um ein Herz kämpfen, das sie gar nicht begehrt?

Meine Meinung:
Dystopie meets „Der Bachelor“. In „The Selection“ von Kiera Cass, dem Auftakt einer geplanten Pentalogie, passiert genau das. Dies war eigentlich Grund genug für mich, das Buch gar erst nicht lesen zu wollen – ich kann mich nicht als Fan der „Bachelor“-Show outen -, aber schließlich zog es doch bei mir ein. Aus einem Grund, den (fast) alle Mädchen sicher nachvollziehen können werden: Das Cover ist einfach umwerfend.

Kiera Cass feiert mit ihrer Reihe weltweit enorme Erfolge, sodass sie bereits ankündigte, aus ihrer zunächst als Trilogie angedachten Geschichte fünf Bände machen zu wollen. Irgendwann packte mich also doch die Neugier. Ich wollte wissen, was an „The Selection“ so besonders ist, worin der Hype um die Buchreihe begründet ist. Meine Erwartungen waren niedrig, als ich mit dem Lesen begann – doch zu meiner eigenen Überraschung wurde ich tatsächlich positiv überrascht!

America Singer, die Protagonistin des Romans, ist eine klassische Mary Sue, wie sie im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht. Sie ist wunderschön, talentiert, wird von allen umschwärmt. Sie löst all die Aufgaben, die ihr in den Weg gestellt werden, mit Bravur und wird in Windeseile zur Favoritin der „Selection“. Mit Tiefe oder Individualität kann America zwar nicht punkten, dafür aber mit einigen ehrlichen Worten und Taten. Sie spielt den Wettkampf anders als ihre Mitstreiterinnen und so wurde auch ich von Kapitel zu Kapitel neugieriger, wie sie sich im weiteren Verlauf schlagen werden würde.

Den Nebencharakteren fehlt es ebenso an Tiefe und so kann man von den 34 anderen Mädchen der „Selection“ höchstens drei oder vier an ihren typischen Charakteristika wiedererkennen. Auch Americas Love-Interests sind klischeehaft: Aspen, ihre erste große Liebe, die ihr nichts bieten kann außer einem rasenden Herzen, und Prinz Maxon, der ihr Liebe, Sicherheit und Reichtum schenken kann, aber sie Aspen dennoch nicht vergessen lassen kann. Überzeugen können sie ebenfalls nicht, trotzdem haben sie als Figuren einen gewissen Reiz und man möchte gerne erfahren, wie es mit ihnen weitergehen wird.

Ja, alles in allem ist „The Selection“ für mich nicht gerade der Inbegriff einer spannenden und mitreißenden Geschichte, die ich in mein Lieblingsbuchregal stellen möchte. Die Charaktere sind zu flach, die Geschichte zu sehr auf das Liebesdrama fokussiert. Die Rebellion, die das Königshaus in Angst und Schrecken versetzen soll, wird bloß nebenbei thematisiert und findet im Handlungsverlauf tatsächlich kaum Beachtung. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass mich der Auftakt gut unterhalten hat. Sicherlich hätte Kiera Cass noch viel mehr von ihrem Plot und ihren Charakteren fordern können, aber für ein kurzweiliges Lesevergnügen hat es allemal gereicht. Und ich bin tatsächlich neugierig, wie es mit America, Maxon und Aspen weitergehen wird…

Fazit:
„Der Bachelor“ meets Dystopie: Prinz Maxon von Illéa lädt 35 Mädchen aus dem normalen Volk zu sich in den Palast, doch nur eine von ihnen wird seine Frau und die zukünftige Königin des Landes. Kiera Cass hat mit ihrer Serie um die „Selection“-Teilnehmerin America einen wahren Hype ausgelöst! Kein Wunder, denn sie bedient sich zahlreicher märchenhafter Elemente und erzählt eine Geschichte, von denen die meisten Mädchen schon in jüngsten Jahren träumen: das Leben als Prinzessin in einem Schloss, mit unzähligen wunderschönen Kleidern und einem romantischen Prinzen, der alles dafür tun würde, um ihr Herz zu gewinnen. Im Grunde ist die Geschichte genauso kitschig und klischeehaft, wie es klingt, und auch die Charaktere sind flach und oberflächlich. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass mich „The Selection“ gut unterhalten kann! Kiera Cass‘ Serienauftakt hat definitiv einen gewissen Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann. Von mir bekommt „The Selection“ daher gute 3 Lurche. 

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

perfekt ist jetzt, erwachsenwerden, liebe, jugend

Perfekt ist jetzt

Tim Tharp , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.07.2016
ISBN 9783423716895
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Sutter Keely lebt im perfekten Jetzt. Er hat mit der wunderschönen und korpulenten Cassidy die perfekte Freundin, sein mit Whisky verfeinerte 7Up-Becher ist stets gut gefüllt und jeden Tag findet er einen anderen Grund, um das Leben zu feiern. Wer braucht schon gute Schulnoten oder einen College-Abschluss, wenn er so glücklich und zufrieden wie Sutter ist? Doch dann macht seine geliebte Cassidy mit ihm Schluss und Sutter setzt alles daran, sie zurückzugewinnen. Als er nach einer durchzechten Nacht auf dem Rasen vor dem Haus seiner schüchternen Mitschülerin Aimee aufwacht, fasst Sutter kurzerhand den Entschluss, Aimee aus dem Leben in ihren Büchern zu befreien und mit zur Party des Lebens zu nehmen. Eigentlich will er Aimee damit nur einen Gefallen tun. Und eigentlich ist sie auch überhaupt nicht sein Typ. Doch je besser sie sich kennenlernen, desto klarer wird Sutter, dass er sich mehr und mehr in Aimee verliebt. Und wie unterschiedlich sie in Wahrheit sind. Plötzlich wird ihm bewusst, dass er mit Aimee nun die Chance bekommt, endlich alles richtig zu machen. Aber was ist schon richtig – und kann Sutter dann überhaupt noch wirklich glücklich sein?

Meine Meinung:
Der Magellan-Verlag hat mit seinem ersten Programm einen fulminanten Start hingelegt! Nachdem ich bereits „Glücksdrachenzeit“ und „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ gelesen und geliebt habe, war für ganz klar, dass der Verlag seinen Fokus auf jene Bücher legt, die ins Herz gehen und dort auch bleiben. Bücher, die man einfach lesen muss! Auch bei „Perfekt ist jetzt“ war es für mich eine Buchliebe auf den ersten Blick, die nicht enttäuscht werden sollte. Dieser Roman macht nicht nur seinem Titel, sondern dem Image des gesamten Verlags alle Ehre.

„Perfekt ist jetzt“ beginnt schon mit den ersten Seiten – um es mal in Sutter Keelys Worten auszudrücken – spektakulär! Kaum hatte ich das erste Kapitel gelesen, war ich dem Charme des einzigartigen Protagonisten bereits mit Haut und Haar verfallen. Dank des großartigen Humors, der einen unaufhörlich schmunzeln lässt, und Tharps locker-flockigem Schreibstil, der perfekt zu Sutter passt, hatte ich so viel Spaß beim Lesen wie schon lange nicht mehr! Die Geschichte hat mich mit ganzer Seele mitgerissen, wirkte dabei niemals „fiktiv“ oder aufgesetzt. Mit jedem Satz verliebte ich mich mehr in die großartige Geschichte von Sutter, die mein Herz vor lauter Lebenslust und Witz beinahe hat platzen lassen! Dabei steckt hinter „Perfekt ist jetzt“ noch so viel mehr. So viel mehr, dass sich gar nicht beschreiben lässt. Etwas, das einen ganz tief im Inneren berührt und den Roman zu einer unvergesslichen Lektüre macht. Das einen sprachlos macht. Das dafür sorgt, dass man dieses Buch jedem Menschen, den man trifft, einfach wortlos in die Hand drücken will. Denn es ist ganz egal, wie viel man darüber spricht: Kein Wort wird „Perfekt ist jetzt“ wirklich gerecht.

Sutter Keely, der Partykönig, ist ein Protagonist, der ganz sicher dafür sorgt, dass man ihn nicht mehr vergisst. Mit seinen offenherzigen, lebenslustigen und humorvollen Art schließt man ihn sofort ins Herz. Er ist eben genau der Typ Kerl, den jeder mag, mit dem man immer Spaß haben kann, der einen immer wieder zum Lachen bringt. Sutter ist eine Spaßkanone durch und durch! Doch in dem witzigen Draufgänger steckt noch viel mehr. Auch Sutter hat seine Päckchen zu tragen, mit Problemen zu kämpfen, vor denen er nicht immer auf eine Party wird fliehen können. Tatsächlich steckt in ihm sogar ein echter Philosoph, ein Weltenverbesserer, der viel mehr drauf hat, als jeder ihm zutrauen will. Sutter ist für jeden Spaß zu haben, hat aber auch eine ernste und tiefgründige Seite. Er ist ein ganz besonderer, einzigartiger und facettenreicher Protagonist. Ich muss zugeben, dass er nicht nur die Herzen seiner Mitschülerinnen hat höher schlagen lassen.

Sutter nimmt sich im Laufe der Geschichte der schüchternen Aimee an, die sich sonst eher in Science-Fiction-Romanen vor der Realität versteckt. Sutter, der sonst zusammen mit seinem besten Freund Ricky nichts anbrennen und keinen Grund zum Feiern verstreichen lässt, sieht es quasi als seine Pflicht an, Aimee in die Gesellschaft einzuführen. Durch ihn lernt sie ein neues Leben kennen, fernab von fiktiven Welten und Schulbüchern. Doch Sutters „kleines Projekt“ gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Je mehr Zeit er mit Aimee verbringt, je besser er sie kennenlernt, desto stärker wächst sie ihm ans Herz – und desto deutlicher wird für ihn, wie unterschiedlich sie eigentlich sind. Die Gefühle, die sich zwischen den beiden entwickeln, sind so ehrlich, authentisch und echt, dass mein Herz mit jeder Faser für Sutter und Aimee geschlagen hat. Mein Verstand dagegen hat die Beziehung stets mit besorgten Augen betrachtet. Haben die beiden wirklich eine Chance? Auch dieser Aspekt der Geschichte hat mich sprachlos zurückgelassen.

Drogenkonsum spielt in „Perfekt ist jetzt“ eine entscheidende Rolle. Eine Vorbildfunktion nimmt Sutter in dieser Hinsicht definitiv nicht ein. Er hat immer einen mit Whisky „verfeinerten“ Becher 7Up bei sich und sagt auch zu keinem Bier Nein, um jeden Tag seines Lebens gebührend zu feiern. Sutter fährt sogar mit Alkohol im Blut Auto und nimmt seinen stets gut gefüllten Flachmann mit zur Arbeit. Tim Tharp stellt diesen extremen Konsum zwar nicht verherrlichend dar, beschreibt aber ehrlich und authentisch, welche Höhenflüge Sutter durch den Alkohol erlebt. Die Konsequenzen bekommt er zunächst auch kaum zu spüren... Mir hat es wirklich gut gefallen, wie Tim Tharp mit dem Thema in „Perfekt ist jetzt“ umgeht. Er schreibt nicht mit einem erhobenen Zeigefinger. Er braucht keine abschreckenden Extremfälle. Tim Tharp schafft es, die Thematik klar und intensiv zu behandeln, sodass vor allem Jugendliche etwas für sich mitnehmen können, ohne von einem gewollten Lerneffekt genervt zu sein. Nicht verherrlichend, nicht abschreckend, sondern ehrlich realistisch!

Fazit:
Mit „Perfekt ist jetzt“ hat Tim Tharp einen ganz besonderen Roman über das Erwachsenwerden geschrieben. Zusammen mit Sutter, der nie ohne Alkohol das Haus verlässt, Aimee, die sich in Science-Fiction-Romanen wohler fühlt als in der Realität, Sutters bestem Freund Ricky, der sich vom Kiffer zum Kirchengänger entwickelt, und vielen weiteren tiefgründigen Charakteren lässt Tim Tharp seine Leser am eigenen Leib miterleben, wie schwer es ist, endlich erwachsen zu werden. Eindringlich, einfühlsam und zugleich erschreckend realistisch erzählt Tim Tharp von der wohl emotionalsten Phase des Lebens – und trifft damit genau ins Herz. Ich vergebe 5 sprachlose Lurche – unbedingt lesen!

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214 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

liebe, jenny han, liebesbriefe, freundschaft, familie

To All the Boys I've Loved Before

Jenny Han
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster US, 01.03.2014
ISBN 9781481417754
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Lara Jean Song verwahrt all ihre Liebesbriefe in einer Schachtel, die sie von ihrer Mutter bekommen hat. Es sind allerdings keine Liebesbriefe an sie, die sie hütet, sondern welche, die sie selbst verfasst hat. Fünf Stück an der Zahl – einen für jeden Jungen, den Lara Jean in ihrem Leben geliebt hat. Es sind Briefe, in denen sie sich all ihre Gefühle und Gedanken von der Seele geschrieben hat, um mit ihrer Liebe abzuschließen. Keiner der Briefe war jemals dafür gedacht, tatsächlich abgeschickt zu werden. Doch eines Tages ist die Schachtel leer. Die Briefe wurden verschickt – und Lara Jeans bisher nicht existentes Liebesleben gerät in das absolute Chaos…

Meine Meinung:
Stell dir vor, du hättest Liebesbriefe geschrieben, die niemals dafür gedacht waren, abgeschickt zu werden. In denen du mal kitschig, mal romantisch, aber auf jeden Fall stets ehrlich all deine Gefühle niedergeschrieben hast. Und diese Briefe werden plötzlich verschickt. Jeder Typ, in den du jemals verliebt gewesen bist, weiß auf einmal von deinen Gefühlen – ganz egal, wie lange deine Schwärmerei schon zurückliegt. Peinlich? Oh ja! Aber das Schlimmste kommt doch noch erst noch: Deinen letzten Brief hattest du erst vor wenigen Tagen geschrieben. An den Ex-Freund deiner Schwester.

Ich kann das unangenehme „Oops…“, das euch an dieser Stelle wohl in den Sinn gesprungen sein muss, quasi bis zu meinem Schreibtisch hören. Ja, das was Lara Jean in „To All the Boys I've Loved Before“ erleben muss, gehört definitiv zu den größten anzunehmenden Peinlichkeiten eines jeden Teenagers. Was tut man also, um sein Gesicht zu wahren und dem Ex-Freund der Schwester nicht seine wahren Gefühle gestehen zu müssen? Richtig: Man schnappt sich mitten auf dem Korridor der Schule einen Kerl (den man eigentlich gar nicht leiden kann, aber während der schlimmsten Phase der Pubertät mal so süß fand, dass man ihm ebenfalls einen Liebesbrief geschrieben hat) und behauptet, er wäre die große Liebe. Wenn der das ganze Spielchen auch noch mitspielt, ist das Chaos nicht mehr aufzuhalten…

Tja, da wären sie nun: Protagonistin Lara Jean, Josh, der Ex-Freund von ihrer geliebten Schwester Margot, und Peter Kavinsky, ihrer neuer „fester Freund“. Was aus dem ganzen Wirrwarr wird, müsst ihr natürlich selber lesen – und ich kann euch nur empfehlen, es möglichst bald zu tun! „To All the Boys I've Loved Before“ ist ein wirkliches tolles Buch, das es verdient hat, gelesen zu werden. Jenny Han schreibt so locker-flockig und echt, wie es sich für ein authentisches Coming-of-Age-Buch gehört. Die Dialoge sind so natürlich und realistisch wie die Charaktere selbst. Es wird humorvoll und romantisch, zuckersüß und emotional und dabei verliert Jenny Han nie aus den Augen, ihren Lesern auch die wichtigen Dinge des Lebens aufzuzeigen: die Familie, das eigene Glück und den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Perfekt ist „To All the Boys I've Loved Before“ trotz aller Begeisterung nicht. Die Handlung wird an manchen Stellen einen Ticken zu stark überdramatisiert und ist im Großen und Ganzen wirklich vorhersehbar. Man muss kein Hellseher, ja nicht einmal ein Vielleser des Genres sein, um schon nach den ersten Kapiteln zu erkennen, für wen Lara Jeans wahre Gefühle entfachen werden und wie sich die Geschichte bis dahin entwickeln wird. Gestört hat mich das beim Lesen allerdings nicht. Jenny Han setzt in ihren Romanen jeden Charakter und jeden Aspekt der Handlung so sympathisch, authentisch und überzeugend um, dass ich mich voll und ganz in den Roman fallen lassen konnte. Ich habe mitgefühlt und mitgefiebert, mich sogar auch ein kleines bisschen verknallt. Und wenn ich mich zwischen den Seiten so wohlfühlen darf, dann spielen solche Kritikpunkte kaum eine Rolle.

Lara Jeans (Liebes-)Geschichte ist übrigens noch nicht vorbei: In „P.S.: I Still Love You“ erzählt Jenny Han Lara Jeans wildes Gefühlschaos weiter. Nach den letzten Kapiteln von „To All the Boys I've Loved Before“ ist eine Fortsetzung auch bitter nötig! Ob der Plot allerdings wirklich noch genügend Stoff für einen ganzen weiteren Roman hergibt, wage ich momentan noch etwas zu bezweifeln. Mit 1-2 Kapiteln mehr hätte Jenny Han Lara Jeans Geschichte definitiv noch in diesem Buch abschließen können. Mal schauen, was sich die Autorin für ihre Charaktere noch einfallen lässt.

Fazit:
Hach, war das schön: „To All the Boys I’ve Loved Before“ von Jenny Han ist ein wunderschöner Coming-of-Age-Roman, der mit einer witzigen Geschichte, authentischen Charakteren und jeder Menge Gefühl überzeugen kann. Zwischen diesen Buchdeckeln fühlt man sich als Leser einfach wunderbar aufgehoben. Es gibt Szenen zum Lachen, zum Leiden, vor allem aber zum Schwärmen und Verlieben. Jenny Han bietet ihren Lesern Spaß der süßesten Sorte und auch einige kleine Momente, die man für sich selbst aus der Geschichte mitnehmen kann. Für „To All the Boys I’ve Loved Before“ vergebe ich 4 Lurche.

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243 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

krimi, sherlock holmes, jugendbuch, holmes, mord

Holmes und ich – Die Morde von Sherringford

Brittany Cavallaro , Anja Galic
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 19.02.2016
ISBN 9783423761369
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Jamie Watson ist alles andere als zufrieden mit seiner Situation: Er musste sein geliebtes London und seine Familie verlassen, um einen Platz in einem Elite-Internat an der amerikanischen Ostküste anzunehmen. Ausgerechnet sein Talent für Rugby hat ihm sein Stipendium beschert – dabei kann er den Sport nicht einmal sonderlich leiden. Einen Lichtblick an der neuen Schule gibt es für Jamie allerdings: Endlich wird er auf Charlottes Holmes treffen, die Urururenkelin des legendären Sherlock Holmes. Schon immer war Jamie fasziniert von der Verbindung ihrer Familien, und als er Charlotte ihm das erste Mal persönlich gegenüber steht, ist er augenblicklich von ihr hingerissen. Dabei hat die echte Charlotte Holmes nur wenig mit seiner Traum-Charlotte zu tun! Nur wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung kommt es zu einem unangenehmen Zwischenfall an der Schule – und bald darauf wird einer ihrer Mitschüler tot aufgefunden. Charlotte und Jamie stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen, gelten plötzlich sogar als die Hauptverdächtigen! Für Holmes und Watson ist schnell klar: Nun liegt es an ihnen, den Mordfall aufzuklären und ihre Unschuld zu beteuern… 

Meine Meinung:
Sherlock Holmes und John Watson gehören zu den beliebtesten fiktiven Charakteren unserer Zeit und sind spätestens durch die BBC-Serie „Sherlock“ wieder in aller Munde. Brittany Cavallaro bezeichnet sich selbst als einen riesengroßen „Sherlock“-Fan und so hat sie den Hype um die Charaktere und die Geschichte genutzt, um sich an ihrem ersten Jugendbuch zu versuchen. „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, in der die Urururenkel des berühmt-berüchtigten Duos die Hauptrolle spielen.

Der sechzehnjährige James „Jamie“ Watson ist der Erzähler des Romans. Er ist ein sympathischer und umgänglicher junger Kerl, der um jeden Preis Schriftsteller werden will – wie schon sein Urururgroßvater Dr. John Watson vor ihm. Er hat Talent, ist sich aber oft unsicher und nimmt sich lieber zurück. Das merkt man vor allem im Umgang mit Charlotte, die in ihrer Freundschaft den Ton angibt und Jamie immer wieder ins Staunen geraten lässt. Dass Watson allerdings auch anders kann, beweist er in „Holmes und ich“ recht früh: Er trägt das Herz am rechten Fleck und hasst es, wenn sich jemand aufspielt oder seinen Freunden gegenüber falsch verhält. Hat man Jamie Watson erst einmal in Rage gebracht, platzt ihm schnell der Kragen – und dann lässt er auch schon mal die Fäuste sprechen.

Charlotte Holmes ist mit Leib und Seele Urururenkelin des großen Sherlock Holmes. Sie ist ein Genie, eine Künstlerin der Deduktion, gesegnet mit einer unfassbar genauen Beobachtungsgabe. Ihr macht keiner etwas vor – niemals! Doch ihr detektivischer Spürsinn ist nicht das einzige, das sie von ihrem berühmten Vorfahren geerbt hat. Sie ist ebenso distanziert und reserviert, arrogant und eingebildet, überheblich und von sich selbst überzeugt, wie es alle Holmes in ihrer Familie sind. Warum Watson sich so schnell von Charlotte um den Finger wickeln lässt, ist einem als Leser nicht ganz klar: Eine gemeinsame Geschichte verbindet, zweifelsohne, aber Charlotte ist alles andere als nette Gesellschaft. Sie ist kühl, lässt niemanden an sich heran, und ihre Drogensucht ist ein Laster, das sich auch sehr deutlich auf ihren Charakter auswirkt.

Jamie und Charlotte sind ihren literarischen Vorbildern äußerst ähnlich. Man merkt deutlich, dass sich Brittany Cavallaro im Sherlock-Universum auskennt, und das schlägt sich nicht bloß in den vielen Plot-Parallelen nieder. Jamie ist ein ganz typischer „Watson“, der für Holmes tiefste Bewunderung hegt, ebenfalls die Rolle des Erzählers einnimmt und wie auch sein Vorbild als attraktiv beschrieben wird, und auch Charlotte ist ganz eindeutig eine Holmes: Ihre Genialität, ihr musikalisches Talent auf der Violine und ihr äußerst bedenklicher Drogenkonsum gehören zu den eindeutigsten Eigenschaften, die man auch Sherlock Holmes zusprechen kann. Jamie und Charlotte grenzen sich nicht so deutlich von ihren Vorfahren ab, wie man es vielleicht erwartet hätte, und sind deshalb vor allem für alteingesessene Sherlock-Fans interessante Protagonisten.

So interessant Jamie und Charlotte auch sein mögen, ich persönlich hatte so manches Mal meine Schwierigkeiten mit ihnen. Hastige Entwicklungen, nicht nachvollziehbare Entscheidungen und die ohnehin sehr kontroversen Charakterzüge Charlottes haben mich meist eher verwirrt als begeistert zurückgelassen. Eine Bindung zu den Figuren aufzubauen fiel mir schwer, und auch die Handlung als solche, die mir so manches Mal den falschen Fokus setzte, ließ mich nicht rundum zufrieden an den Seiten kleben. „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ entpuppte sich für mich bereits nach wenigen Seiten als solider Lesespaß, der mit tollen Ideen und Adaptionen aufwartet, aber auch einige Facetten mit sich bringt, die einfach nicht meinen Geschmack getroffen haben.

Die Ähnlichkeiten zu dem literarischen Original machen eine Faszination aus, die vor allem der Atmosphäre des Buches gut tun. Nach „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ hat man definitiv Lust, sich die Werke von Sir Conan Arthur Doyle zu schnappen und nach weiteren Verweisen zu suchen, die Brittany Cavallaro in ihrer Adaption versteckt haben könnte. Cavallaros Schreibstil ist jung, frisch und leicht, sodass man trotz der düsteren Thematik schnell durch die Seiten rauschen kann. Die sehr langen Kapitel tun dem Lesefluss allerdings leider einen kleinen Abbruch, denn „noch schnell ein Kapitel lesen“ funktioniert in „Holmes und ich“ nur mit genügend Lesezeit.

Fazit:
"Holmes und ich - Die Morde von Sherringford" von Brittany Cavallaro ist der Auftakt einer Jugendbuchserie, in der Charlotte Holmes, die Urururenkelin des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, und Jamie Watson, der Urururenkel des berühmten Dr. Watson, in unserer Zeit ihren Vorfahren alle Ehre machen müssen. Ein Mordfall, in dem ausgerechnet sie als die Hauptverdächtigen gelten, zwingt das ungleiche Duo zu eigenen Ermittlungen. Brittany Cavallaro ist ein großer Sherlock-Fan und das spürt man ihrem Jugendbuchdebüt deutlich an. Die vielen Parallelen zum Original sind unverkennbar und versprühen eine Faszination, die dafür sorgt, dass man nach der letzten Seite am liebsten zum literarischen Vorbild greifen möchte. Leider hatte ich mit den Charakteren und der Handlung so manches Mal meine Schwierigkeiten, da sie mit einigen Entwicklungen und Entscheidungen schlichtweg nicht meinen Geschmack getroffen haben. Nichtsdestotrotz hat mir Cavallaro mit Charlotte und Jamie solide Lesestunden beschert. Für „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ vergebe ich 3 Lurche.

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182 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

aphasie, wiedaslichtvoneinemerloschenenstern, #lovelybox, schwester, liebe

Wie das Licht von einem erloschenen Stern

Nicole Boyle Rodtnes , Gabriele Haefs
Fester Einband: 243 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 29.04.2016
ISBN 9783407821041
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Vega leidet unter Aphasie. Seit sie während einer Party in den Pool gestürzt und sich dabei den Kopf angeschlagen hat, hat sie die Worte verloren. Sie kann weder lesen noch schreiben, und auch das Sprechen fällt ihr schwer: Ständig fallen ihr die falschen Worte aus dem Mund. Dabei will Vega unbedingt sprechen. Über die Nacht des Unfalls und die Träume, die sie seither nicht zur Ruhe kommen lassen. Vega vermutet, geschubst worden zu sein. Aber warum? Als sie während eines Workshops Theo kennenlernt, fasst Vega endlich wieder Mut. Zusammen mit ihm macht sie sich auf Spurensuche - und findet mehr und mehr zurück ins Leben.

Meine Meinung:
»Wie kurz war denn ihr Rock?«, frage ich. Oder genauer gesagt, ich glaube, das gefragt zu haben, aber das Runzeln auf Idas Stirn sagt mir, dass etwas anderes aus meinem Mund gekommen ist.
»Wie kost war das Fest?«, wiederhole ich, und jetzt höre auch ich, dass es nicht richtig war.
(S. 12+13)

Wie fühlt es sich an, wenn man von heute auf morgen seine Sprache verliert? Wenn aus Buchstaben plötzlich wirre Zeichen werden und den eigenen Namen zu schreiben schwieriger wird als eine mathematische Gleichung zu lösen? In „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ beschäftigt sich Autorin Nicole Boyle Rødtnes mit eben diesen Fragen, denn ihre Protagonistin Vega leidet seit einem schweren Unfall unter der Krankheit Aphasie. Mit hartem Training ist es Betroffenen in manchen Fällen möglich, das Sprechen wieder zu erlernen, doch Vegas Therapeutin ist nach ihrer letzten Einschätzung nicht allzu hoffnungsvoll. An dieser Stelle setzt der Roman an.

Jedes Kapitel wird zunächst mit einer kleinen Erinnerung eingeleitet, in der Vega den Unfall und die Zeit im Krankenhaus Revue passieren lässt. Bruchstückhaft, aber hochemotional schildern diese kleinen Szenen, wie grauenerregend diese Momente für das junge Mädchen gewesen sind. Die Schmerzen, die Verzweiflung, als im Krankenhaus keine ganzen Worte, sondern nur sinnloses Gebrabbel aus ihrem Mund kommt, stellt die Autorin mit ihrem prägnanten Schreibstil so deutlich und ergreifend dar, dass man beim Lesen eine Gänsehaut bekommt. Und je mehr Vega herausfindet, je mehr Erinnerungen zurückkehren, desto kribbeliger wird das Leseerlebnis.

In der Gegenwart geht es dramatisch weiter. Zu Beginn des Buches kann Vega kaum mehr als ihre Grundbedürfnisse ausdrücken. Das vor dem Unfall so lebensfrohe und lustige Mädchen, das mit ihrer besten Freundin herumgealbert und mit ihrem festen Freund die Liebe in vollen Zügen genossen hat, zieht sich mehr und mehr zurück. Während Ida weiterhin versucht, für Vega da zu sein, stellt die Aphasie Johan und sie vor große Probleme. Nicole Boyle Rødtnes beschreibt sehr authentisch und realistisch, wie die Jugendlichen mit der Krankheit umgehen. Sie schafft es nicht nur, Vegas Gedanken und Gefühle realitätsnah darzustellen, sondern auch ihre Bekannten und Verwandten so handeln zu lassen, als würde man keine fiktive Geschichte, sondern eine Autobiografie lesen. Und teilweise stimmt das ja auch: In ihrem Nachwort erklärt Nicole Boyle Rødtnes, dass es ihr aus persönlichen Gründen ein großes Anliegen war, dieses Buch zu schreiben. Ihr Herzblut spürt man in jedem Wort.

Der Roman nimmt eine entscheidende Wendung, als Vega beschließt, an einem Workshop mit anderen von Aphasie betroffenen Jugendlichen teilzunehmen. Dort lernt sie Theo kennen, einen Jungen in ihrem Alter, der sich die Krankheit unter ähnlichen Umständen zugezogen hat. Die beiden Patienten haben sofort einen Draht zueinander, können ungezwungen miteinander auf ihre eigene Weise kommunizieren, und endlich wieder sie selbst – und keine Opfer! – sein. Ihre Beziehung zu Theo wirft Vega allerdings vor ganz neue Probleme, die wie selbstverständlichen ihren Weg in die Handlung finden. In „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ wirkt nichts aufgesetzt, gespielt oder unnatürlich, im Gegenteil: Der Roman besticht mit seiner Realitätsnähe und geht unter die Haut.

Etwas enttäuscht hat mich zunächst, dass die Bedeutung von Vegas Träumen sehr schnell offensichtlich wurde. Immer und immer wieder spielt Vegas Traum, während der Party in den Pool geschubst worden zu sein, eine tragende und äußerst belastende Rolle. Sie hat schwer mit diesem Verdacht zu kämpfen, den sie mit niemandem außer Theo teilen kann, und dies setzt Nicole Boyle Rødtnes auch gelungen um. Aufmerksame Leser werden sehr früh schon eine Theorie entwickeln können, die sich mit jedem Hinweis stärker festigt und schlussendlich eine spektakuläre Enthüllung verhindert. 

Diese Enttäuschung verfliegt mit der letzten Seite des Buches aber sehr schnell. Man schlägt „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ mit einem sehr positiven Gefühl zu und wird sich schnell bewusst: Es ging hier gar nicht um den großen Plot-Twist oder um ein gut gehütetes Geheimnis. Der Fokus liegt ganz klar auf Vega und ihrer Art und Weise, mit der Aphasie umzugehen, mit ihr leben zu lernen und niemals den Mut und die Hoffnung zu verlieren. Die Spurensuche war bloß ein gut in Szene gesetzter Handlungsstrang, der zwischen den Buchdeckeln für das richtige Tempo und den Pageturner-Faktor sorgt. Und das ist Nicole Boyle Rødtnes bestens gelungen!

Fazit:
„Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ von Nicole Boyle Rødtnes ist ein ergreifend ehrliches Buch über ein Thema, mit dem sich wohl die wenigsten schon beschäftigt haben: Aphasie. Die Autorin erzählt von der 17-jährigen Vega, die nach dem Verlust der Sprache hart darum gekämpft, zurück ins Leben zu finden. Wie fühlt es sich an, weder lesen, schreiben noch sprechen zu können? Was bedeutet die Krankheit für einen selbst und für seine Verwandten und Freunde, für seine Liebe? Wohin mit all der Wut, der Angst und der Trauer, wenn man für sie keine Worte mehr findet? Nicole Boyle Rødtnes nimmt sich in dieser Fragen mit viel Gefühl und noch mehr Authentizität an, sodass man sich zwischen den Buchdeckeln auf eine hochemotionale, bewegende und bedrückende Geschichte gefasst machen muss. Für mich ein außergewöhnliches Must-Read, das nicht nur gelesen werden will, sondern auch gelesen werden muss! Für „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ vergebe ich 5 Lurche.

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1.009 Bibliotheken, 20 Leser, 3 Gruppen, 222 Rezensionen

fantasy, hexen, magie, witch hunter, hexenjäger

Witch Hunter

Virginia Boecker , Alexandra Ernst
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.03.2016
ISBN 9783423761352
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Die sechszehnjährige Elizabeth ist eine der besten Hexenjägerinnen des Landes. Ob kleiner Kräuterkundiger oder mächtiger Hexenmeister – im Namen des Königs fängt sie sie alle! Doch dann wird sie mit einem Bündel Kräuter entdeckt und plötzlich findet sich Elizabeth selbst im Gefängnis wieder. Ihr Urteil: Auf einem Scheiterhaufen soll sie brennen, wie alle Ketzer und Verräter. Elizabeth kann es nicht fassen. Inständig hofft sie auf ein Missverständnis, eine Rettung. Ihre Hoffnung ist nicht vergebens. In letzter Sekunde wird Elizabeth gerettet. Von jenen, die sie sonst selbst auf den Scheiterhaufen gebracht hat … 

Meine Meinung:
Getreu dem Autorenleitspruch „Show, don’t tell“ hält sich Debütautorin Virginia Boecker nicht mit Erläuterungen auf, sondern steigt direkt in das Geschehen ein und lässt ihre Leser an der Seite von Protagonistin Elizabeth an einer actiongeladenen Hexenjagd teilhaben. Gruselige Beschwörungen, fliegende Dolche und knackende Knochen sorgen für einen rasanten und packenden Einstieg in die Geschichte. Die Neugierde ist geweckt und das Buch hat seine Leser bereits nach wenigen Seiten fest im Griff. 

So spannend, wie „Witch Hunter“ beginnt, geht es auch weiter. Ein Ereignis jagt das nächste, und während man nach einer aufregenden Wendung kurz mit den Charakteren verschnauft, lässt einen die mitreißende Stimmung bereits erahnen, dass der ruhige Moment nicht von langer Dauer sein wird. Virginia Boecker hat ihre Geschichte gut ausbalanciert und hält von der ersten bis zur letzten Seite ein konstantes Spannungslevel, das es mir sehr schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen. Ihr lockerer und bildstarker Schreibstil passt hervorragend zu ihrer Erzählweise und unterstützt das Pageturner-Feeling zusätzlich.

Elizabeth ist eine starke Figur, die völlig zurecht die Rolle der Protagonistin innehat. Mit gerade einmal 16 Jahren ist sie eine der besten Hexenjägerinnen des Landes. Ihre Ausbildung hat sie schon als kleines Mädchen begonnen, ihre Prüfungen haben sie an ihre Grenzen getrieben, doch all die Herausforderungen haben sich gelohnt: Aus Elizabeth ist eine mutige Frau geworden, die mit ihrer Willensstärke überzeugt, ihrer Loyalität Sympathien weckt und auch mit ihren Schwächen begeistert. Man begleitet eine Protagonistin, die man ins Herz schließt und ebenso bewundert, und es tut so gut zu wissen, dass man sich nach der letzten Seite noch nicht von ihr verabschieden muss! 

Virginia Boecker konnte bei mir viele Pluspunkte damit sammeln, wie sie die einzelnen Elemente ihrer Geschichte gewichtet hat. Die Hexenthematik mitsamt ihren düster-dunklen und magisch-schönen Seiten steht im Fokus des Romans und ist zum großen Teil für die besondere und stimmungsvolle Leseatmosphäre verantwortlich. Virginia Boecker hat sich intensiv mit ihrem Weltenbau beschäftigt, was sich deutlich in den kleinen, aber feinen Details ihrer Beschreibungen abzeichnet. Auch die Art und Weise, die Magie ihrer Welt darzustellen, ist so faszinierend, dass man sich nur zu gerne von der Geschichte gefangen nehmen lässt.

Auch ihre Nebencharaktere sind gut durchdacht und alles andere als platt strukturiert. Virginia Boecker hat jedem von ihnen eine eigene Hintergrundgeschichte gegeben, die sie zu den Figuren haben werden lassen, die sie sind. Ihre Ecken und Kanten sorgen ebenso für Trubel wie ihre Stärken zur Lösung verhelfen. Sie alle tragen ihren Teil zur Geschichte bei, spielen also nicht bloß langweilige Statistenrollen, und werden so manches Fanherz sicherlich um kleine Novellen zu ihren Lieblingscharakteren schreien lassen. Auch die Dynamik zwischen den Charakteren begeistert: Egal, ob es sich um romantische Gefühle zwischen zwei Figuren handelt oder um Hass, Wut und Enttäuschung – sie agieren so ehrlich miteinander, dass es sich in der Geschichte einfach richtig anfühlt.

Fazit:
Mit „Witch Hunter“, dem Auftakt einer Dilogie, hat Debütautorin Virginia Boecker ein spannungsgeladenes Erstlingswerk abgeliefert, das sich lesen lassen kann. Die Geschichte um die junge Hexenjägerin Elizabeth, die von der Jägerin selbst zur Gejagten wird, ist ebenso mitreißend wie aufregend und versteht es, ihre Leser an die Seiten zu fesseln. Die starke Protagonistin und die facettenreichen Nebencharaktere überzeugen auf ganzer Linie, während die rasante Handlung mit faszinierender Magie, einer stimmungsvollen Atmosphäre und einer tollen Erzählweise ebenfalls zu begeistern weiß. „Witch Hunter“ ist ein Pageturner, der seine Leser die Zeit vergessen lässt! Man darf mehr als gespannt sein, welche Ideen Virginia Boecker sich für das Finale der Geschichte noch aufgehoben hat. Für „Witch Hunter“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

schicksal, glück, kobolde, fantasy, liebe

Die Schicksalsseherin

Sarah Neumann
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Eisermann Verlag, 01.12.2015
ISBN 9783946172031
Genre: Fantasy

Rezension:


Worum geht's?
Sie sind es, die die Liebenden zueinander führen, den Sorgenden aus ihren Ängsten verhelfen und ein jedem im Alltag ein Lächeln auf die Lippen zaubern: die Kobolde. Sie sind für das Glück verantwortlich und versorgen alle Anderswelten, die mit der ihren verbunden sind. Doch den Koboldvölkern stehen grausige Zeiten bevor: Als die Regenbögen verkümmern, die Aufrechterhaltung der Glücksproduktion zu einem unmöglichen Unterfangen wird und sogar ihr heiliger Baum erkrankt, bricht Panik aus. Ohne das Glück droht allen Anderswelten der Untergang. Aber wie konnte es so weit kommen? Einzig Seith Maxwell Schwarzstein und Myriel Leora Donnerstein können die Welten nun noch retten. Denn Myriel besitzt die Gabe, das Schicksal vorauszusehen… 

Meine Meinung:
„Die Schicksalsseherin“ von Sarah Neumann entführt ihre Leser in eine uns fremde Welt, die ohne unser Wissen stark mit der Menschenwelt verwoben ist: die Welt der Kobolde, der Glücksbringer und Schicksalsweiser. Man begleitet Myriel Leora Donnerstein während eines Auftrags und erlebt sie sogleich als tüchtige Koboldin, die zwei Verliebte mit einer kleinen Prise Glück zueinander führt. Das Setting und die Atmosphäre sind außergewöhnlich und voller Fantasie lassen einen neugierig und gespannt in die Geschichte einsteigen!

Mit den folgenden Kapiteln macht sich allerdings schnell eine gewisse Ernüchterung breit, denn Neumanns Welt ist ebenso besonders wie speziell. Sobald man mit Myriel in die Koboldwelt zurückgekehrt ist, fühlt man sich von ihren Eigenarten schnell erschlagen. Der Einstieg in die Geschichte fällt nicht leicht, die politischen Besonderheiten der Koboldwelt und sowie die Komplikationen der Glücksproduktion nehmen rasch einen großen Teil der Handlung ein und lassen den Lesefluss vor lauter Fragen ins Stocken geraten. Unter all den Fragezeichen ist das Herzblut der Autorin aber deutlich zu spüren, ihre Liebe zu ihrer Welt steckt an und animiert von Kapitel zu Kapitel zum Weiterlesen.

„Die Schicksalsseherin“ wird von zwei Charakteren erzählt: Myriel Leora Donnerstein, der friedliebenden und sehr feinfühligen Tochter des Kriegsoberhauptes, und Seith Maxwell Schwarzstein, dem mutigen und attraktiven Sohn der politisch hoch angesehenen Schwarzstein-Familie. Die beiden Kobolde verbindet eine tiefe Freundschaft, die nicht sein dürfte, denn ihre Familien sind bis aufs Blut verhasst. Dass ihre Gefühle für einander sogar noch stärker sind und über eine reine Freundschaft hinausgehen, versuchen beide zu verheimlichen und zu ignorieren, wohlwissend, dass eine Zukunft für sie beide niemals möglich wäre. Durch die Erzählperspektive lernt man Myriel und Seith gut kennen und es ist interessant zu beobachten, wie sie die Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrnehmen und bewerten.

Im Laufe der Geschichte werden die Schwierigkeiten der Koboldwelt immer drastischer, die Konsequenzen verhängnisvoller, die Zukunft ungewisser – und der rote Faden leider auch immer blasser. Sarah Neumann ist eine sehr junge Autorin und das spürt man ihrem Roman auch an. Hier trifft die brennende Leidenschaft einer zweifelslos talentierten Schriftstellerin auf ihre nicht zu zügelnde Kreativität. Was herauskommt, ist eine bunte und tolle Geschichte, die an einigen Stellen zu viel des Guten präsentiert. Ein klarer Fokus auf den Hauptteil der Handlung, weniger Nebensächlichkeiten und auch eine von Anfang an deutlicher gezogene Grenze magischer Fähigkeiten hätte der „Schicksalsseherin“ gut getan und den Lesefluss leichter gestaltet. 

Ähnliche Kritik habe ich auch an den Charakteren. Weniger ist eben doch mehr: Plötzlich in Erscheinung tretende, nicht maßgeblich relevante, aber für die Figur wohlbekannte Mächte sorgen bloß für Verwirrungen und lassen die Charaktere gekünstelt wirken. Generell macht es Myriel den Lesern nicht immer leicht: Obwohl sie eine starke Persönlichkeit ist, vergießt sie unheimlich viele Tränen und strapaziert die Nerven der Leser. „Die Schicksalsseherin“ ist in all seinen Facetten ein Roman wie eine Achterbahnfahrt: Es geht auf und ab, mal aufregend und mitreißend, mal nicht stringent genug und ausbaufähig.

Fazit:
Wer Lust auf Fantasy mit frischen, neuen Ideen hat, der greift mit „Die Schicksalsseherin“ von Sarah Neumann zum richtigen Buch. Nach kleinen Einstiegsschwierigkeiten lässt man sich gerne zwischen ihre Worte fallen, um Seite an Seite mit den Kobolden Myriel und Seith um die Rettung des Glücks zu kämpfen. „Die Schicksalsseherin“ glänzt mit einem einzigartigen Setting und tollen Einfällen, schwächelt aber ein wenig in der Umsetzung und bei den Charakteren. Für meinen Geschmack waren die Figuren nicht kantig, die Handlung nicht stringent genug. Obwohl ich in „Die Schicksalsseherin“ noch viel ungeschöpftes Potenzial sehe, bietet das Buch fraglos gute Unterhaltung, vor allem für junge Fantasyfans. Für „Die Schicksalsseherin“ vergebe ich 3 Lurche.

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(277)

483 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 153 Rezensionen

liebe, hamburg, essen, blumen, restaurant

Glück ist, wenn man trotzdem liebt

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.06.2016
ISBN 9783404173648
Genre: Liebesromane

Rezension:


Worum geht’s?
In Isabelles Leben hat alles seine Ordnung und Richtigkeit. Sie liebt ihre Gewohnheiten: ihren strukturierten Wochenplan, ihre Daily Soap und ihre Suppe zum Mittag von Mr. Lee. Doch als der vietnamesische Imbiss schließt, beginnt Isabelles perfekte Struktur zu bröckeln. Der selbstsichere Koch Jens übernimmt das Restaurant und sorgt mit seiner Speisekarte für ebenso viel Wirbel in Isabelles Leben wie seine kleine Schwester Merle. Die erwischt Isabelle nämlich ausgerechnet beim Stehlen im Blumenladen. Die Drei haben wirklich keinen guten Start miteinander, aber das wahre Chaos des Lebens bricht erst noch aus! Schon bald muss Isabelle sich eingestehen, dass sie um Veränderungen nicht herumkommt – und dass nicht alle immer nur schlecht sind … 

Meine Meinung:
Mit „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ erscheint nun schon der dritte Roman der deutschen Autorin Petra Hülsmann, die mit ihrem Debüt „Hummeln im Herzen“ gleich die Bestsellerlisten stürmte. Seitdem hat sie sich mit ihren humorvollen Liebesromanen eine breite und begeisterte Leserschaft erschrieben. Für mich war „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ der erste Roman der Autorin – und nach der letzten Seite kann ich mit einem großen Grinsen im Gesicht sagen: Zum Glück! Denn so habe ich noch zwei weitere Bücher dieser wunderbaren Autorin, die ich ohne Wartezeit verschlingen kann. 

In „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ lernt man die liebenswürdige Floristin Isabelle Wagner kennen. Isa, die zugleich auch die Erzählerin ihrer Geschichte ist, ist eine herzliche junge Frau, an die man sofort sein Herz verliert. Sie ist sympathisch, lustig und mit ihrer verschrobenen Eigenarten so herrlich frisch und einmalig, dass sich das Lesen so anfühlt, als würde man die Geschichte von Angesicht zu Angesicht von ihr erzählt bekommen. Isabelle ist schon bald keine Protagonistin mehr, sondern eine Buchfreundin, mit der man lacht und schluchzt, die man in schlechten Zeiten drücken und bei falschen Entscheidungen schütteln möchte. Mit Isa geht man von der ersten bis zur letzten Seite durch dick und dünn!

Nicht nur Isabelle hat mir in Windeseile das Herz gestohlen: Alle Figuren wurden von Petra Hülsmann mit so viel Liebe zum Detail entworfen, dass sie sich gar nicht wie Buchcharaktere angefühlt haben. Jeder von ihnen ist ein kleines Highlight, das man so schnell nicht mehr vergessen wird: Sei es Isabelles schlimmes Date, dessen Name ich an diese Stelle lieber nicht erwähne, Merle, Jens‘ Teenie-Schwester und herzensgute Krawallbürste, oder Knut, der goldige Taxifahrer mit dem echten hamburgerischen Dialekt. Allen voran steht aber selbstverständlich Jens, der selbstbewusste und ziemlich freche Koch, der sich im Restaurant gegenüber von Isabelles Blumenladen ein Standbein aufzubauen versucht. Entgegen aller Romanklischees ist Jens weder ein Märchenprinz noch ein Bad Boy: Er ist ein charmanter Typ mit sympathischen Ecken und dämlichen Kanten. Eben ein echter Kerl, wie er im Buche steht.

Dass sich der Roman so ehrlich und vertraut liest, ist aber nicht nur den liebevollen Charakteren zu verdanken, die man zwischen diesen Buchdeckeln kennenlernen darf. Petra Hülsmann verfügt über einen Schreibstil, der für das Liebesromangenre quasi maßgeschneidert wurde. Sie schreibt so witzig und charmant, so einfühlsam und mitreißend, dass man mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören möchte. „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ ist ein echter Pageturner und entpuppt sich schnell als Lesespaß mit Kopfkino-Garantie. Eine spritzig-freche Liebeskomödie, deren Stoff eigentlich auf die große Leinwand gehört.

Man muss sich nichts vormachen: Man muss wahrlich kein Genie sein, um zu wissen, wie „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ ausgehen wird. Wenn dafür aber der gesamte Weg bis zum letzten Kapitel voller Überraschungen und Emotionen steckt, stört man sich daran überhaupt nicht. Die Geschichte von Isabelle steckt voller schicksalhafter Wendungen, wie sie nur das wahre Leben für einen bereithalten kann. Es wird furchtbar deprimierend, trist und trüb, sodass einem das Herz schwer wird, aber auch herzerwärmend und aufbauend, mit treffenden Aussagen zu den richtigen Zeitpunkten. Denn wie es der Titel schon verrät, spielt das Glück mit all seinen kleinen Momenten, die das Leben so schön und lebenswert machen, in Isabelles Leben eine entscheidende Rolle. 

Hat man den letzten Satz verschlungen, schlägt man das Buch mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge zu. Einerseits setzt das Buch so viele Schmetterlinge im eigenen Bauch frei, andererseits möchte man die Charaktere am liebsten nie mehr ziehen lassen. „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ begeistert mit Sicherheit auch Leser, die sonst nicht unbedingt zu typischen Liebesromanen greifen. Die Geschichte ist so aufrichtig und offenherzig, so realistisch aus dem Leben gegriffen, dass sie zum Mitfiebern, Schmunzeln und Schwärmen einlädt, ohne sich mit künstlichen Dramen aufzubauschen oder aufgesetzt zu wirken.  

Fazit:
„Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra Hülsmann ist ein waschechtes „Mittendrin“-Buch: Es fühlt sich nicht an wie eine Geschichte, die man liest, sondern wie das echte Leben. Petra Hülsmann schreibst so herrlich einfühlsam und mitreißend, so humorvoll und emotionsstark, dass man gar nicht anders kann, als sich von diesem Pageturner fesseln zu lassen. Protagonistin Isabelle wird schnell von der Erzählerin zu einer Buchfreundin, mit der man schmunzelt und schluchzt, und auch die anderen Charaktere wachsen einem so sehr ans Herz, dass man sie nach der letzten Seite nicht ziehen lassen will. Petra Hülsmann hat mit ihrem dritten Werk ein Buch voller Glücksgefühle geschrieben, das sogar die Schmetterlinge im Bauch vor Glück zum Flattern bringt.  „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ ist nicht bloß ein Liebes-, sondern ein Lieblingsroman! Ich vergebe verliebte 5 Lurche.

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(56)

89 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

mystery, mord, familie, visionen, thriller

Ich sehe was, was niemand sieht

Tim O'Rourke , Frank Böhmert
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.02.2015
ISBN 9783551520746
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Charley hat Visionen. In kurzen, heftigen Blitzen sieht und hört sie Dinge, die sie nicht zuordnen kann: Das angsterfüllte Gesicht eines Mädchens. Schreie. Das Rattern eines Zuges. Charley ist sich sicher, dass ihre Blitze ihr eine schreckliche Wahrheit zeigen, doch niemand glaubt ihr. Niemand – bis auf ihre beste Freundin Natalie, die vor wenigen Tagen durch ein Zugunglück starb. Als kurze Zeit später erneut ein Mädchen auf den Gleisen umkommt, ermittelt der junge Police Officer Tom Henson an dem Fall. Zufällig treffen er und Charley aufeinander. Als Charley Tom von ihren Blitzen erzählt, kann er es zunächst nicht fassen. Doch er glaubt ihr. Zusammen machen sich Charley und Tom auf die Suche nach der Wahrheit. Eine Wahrheit, die grausamer kaum sein könnte… 

Meine Meinung:
Mit „Ich sehe was, was niemand sieht“ feiert Tim O’Rourke sein deutschsprachiges Debüt. Es handelt sich um einen Mystery-Thriller für Jugendliche, der von der Idee her ein wenig an die „Bodyfinder“-Serie von Kimberly Derting erinnert: Ein Mädchen mit einer besonderen, übersinnlichen Gabe ist die einzige, die einen vermeintlichen Serienmörder zur Strecke bringen kann. Unterstützend steht ihr ein gutaussehender, wohlerzogener junger Mann zur Seite, der schon bald mehr für sie sein soll. Morde, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, und eine Liebesgeschichte, die einem zugleich das Herz erwärmt – eine Mischung, wie sie ein guter Jugendthriller für mich haben sollte. 

Dass Tim O’Rourke gut schreiben kann, möchte ich ihm nicht absprechen. Sein Schreibstil ist sehr flüssig, gut lesbar und lässt einen rasch durch die Seiten fliegen, wodurch „Ich sehe was, was niemand sieht“ durchaus ein gewisses Pageturner-Feeling mit sich bringt. Leider war das für mich auch bitter nötig, denn ohne die lockere Sprache und das rasante Erzähltempo hätte ich das Buch wohl immer wieder zur Seite gelegt. Nach einem vielversprechenden Start in die Geschichte, der mich neugierig auf Charley, ihre Gabe und die Wahrheit hinter den schrecklichen Zugunglücken gemacht hat, flaute „Ich sehe was, was niemand sieht“ stetig weiter ab.

Schuld daran waren für mich vor allem die beiden Protagonisten. Charley, die siebzehnjährige Halbwaise mit einer besonderen Gabe, und Tom, der zwanzigjährige Neuling bei der Kripo, teilen sich die Rolle des Erzählers und schildern die Geschehnisse abwechselnd aus ihren eigenen Perspektiven. Auf diese Weise bekommt man Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, die auf mich viel zu naiv und zu willkürlich wirkten. Hätte Tim O’Rourke das Alter seiner beiden Protagonisten nicht explizit erwähnt, hätte ich die beiden viel jünger eingeschätzt. Sie handeln oftmals sehr leichtsinnig, Charley sogar extrem weinerlich und überstürzt, und ihre Beziehung zueinander konnte ich im Kontext des Buches leider überhaupt nicht ernst nehmen. 

Der Plot konnte mich mit voranschreitender Handlung jedoch auch nicht überzeugen. Viel zu schnell hatte ich das Geheimnis hinter den Zugopfern durchschaut. Tim O’Rourke hat die vermeintlich falsche Spur viel zu offensichtlich beschrieben, sodass einem aufmerksamen Leser spätestens nach der Hälfte des Buches klar sein sollte, wer hinter den Grausamkeiten steckt. Die Auflösung am Ende des Romans empfand ich schließlich als unglücklich, nicht ganz passend und teils nicht vollkommen schlüssig. Für meinen Geschmack hat der Autor hier zu sehr auf eine jüngere Leserschaft gebaut, der alles vorgekaut werden muss und die nicht jedes kleine Detail in Frage stellen wird. Von einem Police Officer, der den Arbeitsalltag eines Polizisten sehr klischeehaft, aber wohl treffend beschrieben hat, hätte ich mir ein dichteres und realistischeres Handlungsnetz gewünscht. 

Auf den letzten Seiten findet man eine exklusive Kurzgeschichte, die vor den Ereignissen des Romans spielt und sich mit einem Mordfall auf der Polizeischule beschäftigt. Tom spielt hier ebenfalls eine Rolle, wenn auch nur als Nebencharakter. Allerdings stellt man sich sehr schnell die Frage, woher Tom seinen guten Ruf als Polizist haben soll – besonders schlau stellt er sich in dieser Kurzgeschichte jedenfalls nicht an. Für Fans des Romans ist die knapp 20 Seiten lange Story sicherlich ein nettes Gimmick, zum Verständnis von „Ich sehe was, was niemand sieht“ steuert sie jedoch nichts bei. 

Fazit:
„Ich sehe was, was niemand sieht“ von Tim O’Rourke konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl ich ein großer Fan von Mystery-Thrillern für Jugendliche bin und mir die Idee hinter der Geschichte sehr gut gefallen hat, musste ich schon nach wenigen Seiten einsehen, dass ich mit den Charakteren nicht warm werden würde. Für ihr Alter handeln die beiden Protagonisten Charley und Tom zu weinerlich, willkürlich und unglaubwürdig. Leider schlägt sich auch die Vorhersehbarkeit der Geschichte stark auf die Atmosphäre aus, sodass mich „Ich sehe was, was niemand sieht“ leider nicht mitreißen oder begeistern konnte. Ein Pageturner ist Tim O’Rourkes Roman aber dennoch, denn dank seines Schreibstils bin ich in Windeseile durch die Seiten gerauscht. Schreiben kann er, aber mit dem Rest konnte mich der Autor leider nicht überzeugen. Für „Ich sehe was, was niemand sieht“ vergebe ich leider nur 2 Lurche.

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(61)

157 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

tod, jugendthriller, angst, selbstmord, liebe

Wie der Vater, so der Tod

Tracy Bilen , Andreas Brandhorst
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 16.04.2013
ISBN 9783492702829
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Früher war Saras Vater ein liebevoller Mann, der viel gelächelt hat. Heute ist er ein Monster.
Jahrelang haben Sara und ihre Mutter die brutalen Handgreiflichkeiten ihres Vaters stillschweigend ertragen. Nun findet ihre Mutter endlich die Kraft und den Mut, ihre Sachen zu packen und zu fliehen. Sie will Sara am nächsten Tag von der Schule abholen und mit ihr an einen weit entfernten Ort fahren, wo sie ein neues Leben beginnen können. Ein friedvolles Leben. Doch als Sara am vereinbarten Treffpunkt erscheint, fehlt von ihrer Mutter jede Spur. Aus beruflichen Gründen musste sie kurzfristig verreisen – das behauptet zumindest Saras Vater. Aber Sara befürchtet das Schlimmste...

Meine Meinung:
In ihrem Debütroman behandelt Tracy Bilen viele schwierige und vor allem grausame Themen. Von Selbstmord über physische und psychische Misshandlung - „Wie der Vater, so der Tod“ beschönigt nichts und beginnt unter schockierenden Umständen. Im Vergleich zu dem, was einen als Leser noch alles erwartet, sind die Anfangsszenen allerdings noch milde! Der Einzelband ist ab der ersten Seite schockierend mitreißend und aufregend spannend, sodass man ihn gar nicht aus der Hand legen mag. Dies liegt aber auch an Tracy Bilens tollen Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Die flüssige und leichte Sprache macht „Wie der Vater, so der Tod“ zusammen mit der spannenden Handlung zu einem Pageturner, den man an einem Nachmittag durchschmökern kann, wenn einen die Lust auf jugendlichen Nervenkitzel packt.

Als Jugend-Thriller darf es sich „Wie der Vater, so der Tod“ natürlich nicht erlauben, auf eine Liebesgeschichte zu verzichten. Zwischen Protagonistin Sara und dem attraktiven Alex entwickeln sich rasch starke Gefühle, die sie immer unzertrennlicher werden lassen. Obwohl die Liebesgeschichte ein zügiges Tempo an den Tag legt, hätte sie mir eigentlich gut gefallen können. Sara und Alex, die durch ihr gemeinsames Interesse an Stephen Kings Romanen zueinander finden, erleben ihre Liebe so, wie Teenager es eben tun: intensiv, impulsiv und ein wenig überzogen. Allerdings wäre ich dem Pärchen lieber in einem „Contemporary“-Roman begegnet als in einem Thriller, wie Bilen ihn geschrieben hat. Hier wirkte die eigentlich so schöne Liebesgeschichte mitsamt ihren Auswirkungen auf die Verliebten seltsam, beinahe sogar fehl am Platz. Dass Sara oftmals in Gedanken an Alex' Lippen hängt statt sich um ihre Mutter zu sorgen, hat leider dafür gesorgt, dass die gesamte Beziehung einen unrealistischen Beigeschmack erhielt.

Die sechzehnjährige Sara ist sowohl die Protagonistin als auch die Erzählerin des Romans. Durch ihre Gefühlsduseleien habe ich sie manchmal jünger und naiver eingeschätzt, aber sonst hat mir das Mädchen mit dem schweren Schicksal sehr gut gefallen. Sara ist ein ruhig, zurückhaltend und stets darum bemüht, nicht aufzufallen und nicht den Zorn ihres Vaters zu wecken. Die vergangenen Jahre, besonders der Verlust ihres Bruder, haben sie stark geprägt und zu einer labilen jungen Frau heranwachsen lassen. Das Verschwinden ihrer Mutter ist jedoch ein Knackpunkt, der Sara zum Kämpfen bewegt. Sie vollzieht innerhalb kürzester Zeit eine beeindruckende Entwicklung, die sie mir mit jeder Seite noch sympathischer gemacht hat.

Die Nebencharaktere wirkten bis auf eine Ausmaße blass und farblos, aber für einen Einzelband mit nicht einmal 300 Seiten haben sie mir doch recht gut gefallen. Jeder von ihnen hat eine Bedeutung innerhalb der Geschichte und spielt eine tragende Rolle, die das Geschehen im entscheidenen Moment vorantreiben kann. Besonders Tracy Bilens Darstellung des psychisch kranken Vaters – dem wohl facettenreichsten und komplexesten Charakter des Romans – hat mir gefallen und mich mit ihrer Art vollkommen überzeugt. Wenn eine einzelne Figur mit ihrem Verhalten für eine schaurige Gänsehaut sorgen kann, spricht dies definitiv für sie!

Zartbesaiteten Lesern und jenen, die mit einem „seichten Jugend-Thriller“ in das Genre einsteigen wollen, kann ich von „Wie der Vater, so der Tod“ allerdings nur abraten. Tracy Bilen nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie grausame Szenen beschreibt – und von denen gibt es in diesem Buch einige, die stark auf das Gemüt schlagen! Normalerweise bin ich nicht sonderlich zimperlich, was brutale Schilderungen angeht. Tracy Bilen hat jedoch mit den physischen und psychischen Schlägen, die Sara erleiden muss, eine sehr bedrückende Atmosphäre hervorgerufen, die sich sogar auf meine Stimmung übertragen hat. Dass Sara alles aus ihrer eigenen Perspektive und sehr realitsisch beschreibt, verstärkt die Wirkung zusätzlich. Einige Male habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich das Buch mit zusammengekniffenen Augen gelesen habe: Aus Angst, den schockierenden Tatsachen ins Auge zu sehen!

Fazit:
Mit „Wie der Vater, so der Tod“ ist Tracy Bilen ein grausamer und brutaler Jugend-Thriller gelungen, der unter die Haut geht. Die Autorin hat ihrer Protagonistin Sara mit den schockierenden und komplexen Themen viele schwere, schier unüberwindbare Steine in den Weg gelegt. Doch Sara lässt sich davon nicht unterkriegen: Statt sich noch stärker zurückzuziehen, beginnt sie zu kämpfen. Eine spannende und aufregende Suche nach Saras Mutter beginnt, die mich mit furchtbaren Szenen und ihrer bedrückenden Atmosphäre an die Seiten gefesselt hat. Die Liebesgeschichte – so gut sie mir auch gefallen hat! - wirkte für mich jedoch oftmals fehl am Platz und unrealistisch und hat mich ab und zu an Sara zweifeln lassen. Für „Wie der Vater, so der Tod“ vergebe ich schwache 4 Lurche.

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113 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

malerei, jugendbuch, angst, farbe, kunst

Welche Farbe hat die Angst?

Barbara Rose
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Boje, 13.03.2014
ISBN 9783414824097
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Als die fünfzehnjährige Katta bei einem Malwettbewerb den ersten Platz erzielt und einen Kunstkurs bei dem renommierten Künstler Josef Wild gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sogar Alex, der Mädchenschwarm ihrer Schule, ist dadurch auf sie aufmerksam geworden! Doch der Malkurs verläuft ganz anders, als erwartet: Als Josef Wild in ihren Bildern den Stil seiner verstorbenen Schülerin Miriam wiedererkennt, beginnt Katta mit Nachforschungen. Sie glaubt nicht daran, dass jemand wie Miriam, der mit so viel Leidenschaft und Lebensfreude gemalt hat, tatsächlich Selbstmord begangen haben soll! Gemeinsam mit Alex, der sie auf ihrer Suche nach der Wahrheit unterstützt, entdeckt Katta immer mehr versteckte Nachrichten von Miriam, die ihre Theorie bestätigen. Dabei merkt sie nicht, dass die dem wahren Täter immer näher kommt – und plötzlich schwebt Katta selbst in großer Gefahr.

Meine Meinung:
„Welche Farbe hat die Angst?“ aus der Feder von Barbara Rose ist ein Buch, auf das ich ehrlicherweise erst aufmerksam geworden bin, als es überraschend in mein Regal eingezogen ist. Es kam genau zur rechten Zeit, denn ich hatte mal wieder Lust auf einen Jugendthriller und der Klappentext hat mich auf Anhieb neugierig gemacht. Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hatte mich Barbara Rose auch schon fest in ihrer Hand: Die Geschichte um die junge Künstlerin Katta, deren Stil der verstorbenen Kunstschülerin Miriam erstaunlich ähnlich ist, hat mich mit ihrer Farbgewalt sofort in ihren Bann gezogen. 

Protagonistin der Geschichte ist die fünfzehnjährige Katharina, genannt Katta. Katta hat ein ganz besonderes Talent, eine große Leidenschaft, für die ihr Herz brennt: die Malerei! Wenn sie Pinsel und Stift in die Hände bekommt, dann malt sie nicht einfach nur; Katta füllt ihre Bilder mit Leben! Und mit dieser speziellen Leidenschaft schafft das junge Mädchen es in Windeseile, auch die Leser für die Malerei zu begeistern. Allerdings steckt in Katta noch viel mehr als eine begabte Künstlerin. Sie ist eine mutige und starke Protagonistin, die niemals den Kopf in den Sand steckt. Nichts und niemand kann sie aufhalten! Das beweist Katta mit der Entwicklung, die sie in „Welche Farbe hat die Angst?“ vollzieht, mehr als deutlich. Unscheinbar? Von wegen!

Für Jugendthriller-Fans wie mich, die eigentlich schon um ein paar Jahre aus der Altersempfehlung herausgewachsen sind, ist „Welche Farbe hat die Angst“ leider etwas zu vorhersehbar. Die Auflösung des Geheimnisses, die Wahrheit hinter Miriams Tod ist für aufmerksame Leser schnell ersichtlich. Für jüngere Leser, die das Genre vielleicht auch erst für sich ausprobieren möchten, ist der Roman dagegen ideal. Barbara Rose hat für sie genau die richtige Portion „Thriller“ in das Jugendbuch einfließen lassen, sodass sie voll und ganz auf ihre Kosten kommen werden.

Zwar habe ich den Täter schnell entlarven können, aber an Spaß und Spannung hat die Geschichte für mich trotzdem nichts verloren. „Welche Farbe hat die Angst?“ hat so viele andere tolle Facetten, dass ich darüber getrost hinwegsehen konnte. Neben der süßen Liebesgeschichte, die sich zwischen Katta und Alex entwickelt und durch Schmetterlinge im Bauch und junge Naivität definiert, an die sich nicht nur Leser in Kattas Alter erinnern können werden, bietet die Geschichte spannende Irrungen und Wirrungen unter den Charakteren. 

Mein persönliches Highlight an der Geschichte war jedoch Barbara Roses Umsetzung des Künstlerthemas. Die Autorin hat hervorragende Recherchearbeit geleistet und die einzelnen Aspekte der Malerei, die Katta von Josef Wild erlernt, so realistisch in die Geschichte eingewoben, dass man sich beinahe selbst so fühlte, als würde man an einem Kunstkurs teilnehmen. Besonders gelungen ist Rose aber die Einbindung der Farben. Farben in all ihren Nuancen spielen eine große Rolle in „Welche Farbe hat die Angst?“ – nicht nur aus künstlerischer Sicht. Sie verleihen dem Roman eine malerische Atmosphäre. Sogar die einzelnen Kapitel sind nach Farbtönen benannt, die die Stimmung der jeweiligen Szene zusammenfassen. 

Barbara Rose hat einen sehr angenehmen, leichten und flüssigen Schreibstil, der dafür sorgt, dass sich die Seiten ruckzuck lesen lassen. Dadurch gerät man schnell in einen Lesefluss, der einen stetig zum Weiterlesen animiert. Man möchte nach jedem Kapitel „nur noch schnell ein weiteres“ lesen, aber ehe man sich versieht, ist man schon auf der letzten Seite angekommen! Was an Roses Schreibstil besonders auffällt, sind die lebendigen Dialoge der Charaktere, die mit einer sehr jugendlichen Sprache miteinander kommunizieren. Jüngere Leser werden sich dadurch noch besser mit den Figuren identifizieren können.

Fazit:
„Welche Farbe hat die Angst?“ von Barbara Rose ist ein farbgewaltiger Jugendthriller – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch wenn das Geheimnis hinter der Identität des wahren Mörders für aufmerksame Leser schnell ersichtlich ist, kann der Roman seine Leser mit seiner besonderen Atmosphäre mitreißen. Farben spielen in der Geschichte um die junge Künstlerin Katta, die den Tod der Malerin Miriam aufklären möchte, eine wichtige Rolle und sorgen für eine ganz intensive Stimmung, die man einfach erleben muss. Für „Welche Farbe hat die Angst?“ vergebe ich 4 Lurche. 
(P.S.: Meine Farbe der Angst? Meerestiefenschwarz!)

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(90)

141 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

tod, liebe, dolomiten, krankheit, trauer

Für einen Sommer und immer

Julie Leuze
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei INK, 07.04.2016
ISBN 9783863960810
Genre: Liebesromane

Rezension:


Worum geht's?
Als Annikas Mutter ihr erzählt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird, will Annika nur noch eins: weg, und zwar schnell. Sie nimmt ihren lange überfälligen Urlaub und flüchtet sich in ein abgeschiedenes Dorf in den Südtiroler Dolomiten. Doch im Entspannen war die dreißigjährige Karrierefrau noch nie sonderlich gut, und schon nach einem Tag fällt ihr in ihrem schicken Hotel die Decke auf den Kopf. Um der erdrückenden Leere in ihrem Inneren zu entkommen, beschließt sie, sich beim Gipfelstürmen auszupowern, und nimmt sich kurzentschlossen einen Bergführer. Samuel ist vollkommen anders als alle Männer, die Annika je kennengelernt hat. Seine Liebe zu den Bergen ist mitreißend, ansteckend, und bald bemerkt Annika, dass sie mit jedem Meter, dem sie sich der Bergspitze nähert, auch ihrem eigenen Herzen näher kommt … (Quelle: egmont-ink.de)

Meine Meinung:
Eine 32-jährige Karrierefrau, die nach einer schlimmen Nachricht in die Dolomiten flüchtet, um dort bei gutem Essen und Wein zur Ruhe zu kommen und zurück zu sich selbst zu finden. Ich muss zugeben: In der Masse der tragischen Schicksalsbücher, die den Buchmarkt überschwemmen, wäre diese Geschichte mit ihrem Berg- und Delikatessen-Thema geradezu an mir vorbeigerutscht – stünde da nicht der Name dieser einen Autorin, die mein Leserherz mit jedem ihrer Worte zum Schmelzen bringt. Julie Leuze ist für mich ein Garant für emotionale Wohlfühl-Bücher und deshalb gehörte auch „Für einen Sommer und immer“ ganz klar zu meinen Must-Reads in diesem Jahr.

Nach wenigen Seiten war mir klar: Auch mit ihrem neuesten Werk wird mich Julie Leuze nicht enttäuschen. Schon der erste Satz hat genügt, um mich neugierig auf die Geschichte zu machen, und nur wenige Absätze später war ich Julie Leuzes Schreibstil mit Haut und Haar verfallen. Leuze schreibt mit viel Gefühl und gleichzeitig mit solch einer lockeren Leichtigkeit, sie findet stets das richtige Wort für den richtigen Moment und pflanzt Emotionen wie kleine Samenkörner in die Herzen ihrer Leser, die im Laufe der Geschichte mehr und mehr erblühen. Diese Autorin hat das gewisse Etwas – und das spürt man mit jeder verschlungenen Seite deutlicher.

In „Für einen Sommer und immer“ lernt man die 32-jährige Annika Winter kennen, die souveräne Pressereferentin von Pharmedizin, die unnahbare und unbezwingbare Karrierefrau, die stets bekommt, was sie will, und dafür notfalls auch über Leichen geht. Die stets perfekt gestylte Annika Winter ist eine Zimtzicke der Extraklasse! Das stellt sie auch gleich unter Beweis, denn in dem Berghotel in den Südtiroler Dolomiten, in das sie eingecheckt hat, lässt sie das Personal deutlich spüren, was sie von ihnen hält. Annika ist forsch, selbstbewusst und stark. Doch was auf Außenstehende sehr einschüchternd wirkt, durchschaut man als Leser, der Einblick in Annikas Gedanken und Gefühle hat, sehr schnell: Hinter der harten Facette versteckt Annika einen angeknacksten Kern.

Der Grund für Annikas spontanen und für die Karrierefrau völlig untypischen Urlaub ist alles andere als schön: Ihre Mutter ist sterbenskrank und hat nicht mehr lange zu leben. Bei dieser Nachricht brennen bei Annika die Sicherungen durch. In den Dolomiten sucht sie Ruhe und Frieden, aber Entspannung ist für sie leider ein Fremdwort. Mit viel Feingefühl und Lebendigkeit erzählt Julie Leuze Annikas Geschichte, deren Flucht in die Berge sie innerlich aufwühlen und für immer verändern wird. Das Bergthema drängt dabei gar nicht so stark in den Vordergrund, wie man es vermuten könnte. Im Gegenteil: Man taucht so tief in die Geschichte ein, dass man die Ruhe der Dolomiten, den frischen Wind und den Frieden der Natur am eigenen Leib spürt. „Für einen Sommer und immer“ beschäftigt sich authentisch und ehrlich mit schwierigen und belastenden Themen, übermittelt dabei aber nie ein Gefühl der Ausweglosigkeit. Es ist eine Geschichte über das Sicht-selbst-finden, über das Wachsen und Weitermachen, über das Hinter-sich-lassen und Neues-wagen. Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreibt – und wie nur Julie Leuze sie erzählen kann.

Hinter Annikas strenger Maske steckt viel mehr, als es zunächst den Anschein macht. Seite für Seite erfährt man mehr über ihre komplexe Persönlichkeit und ihre Hintergründe und mit jedem Puzzleteil, das man neu entdeckt, ist man erleichterter darüber, dass Annika all das nicht alleine bewältigen muss. Samuel, ihr persönlicher Bergführer, wird schnell, aber nicht zu überstürzt zu Annikas Vertrautem. Der sympathische Adrenalinjunkie, der die Ruhe der Berge ebenso zu schätzen weiß wie das Abenteuer der Gipfel, bringt eine ordentliche Portion Romantik in das Geschehen. Sein natürlicher Charakter und sein Charme bringen Annikas innere Mauern mehr und mehr zum Bröckeln. Die Chemie zwischen ihnen stimmt und macht sie zu einem wunderschönen Pärchen, das ausgeglichener kaum sein könnte. Auch Samuel hat seine Päckchen zu tragen, was ihm sehr markante Ecken und Kanten verleiht und dem Bergführer ebenfalls einen festen Platz im Leserherzen sichert. 

Fazit:
Mit „Für einen Sommer und immer“ hat Julie Leuze wieder einmal eine Geschichte abgeliefert, die mein Herz zum Schmelzen gebracht hat. Keine Autorin schreibt so einfühlsam und ehrlich, so authentisch und herzergreifend wie sie! Die Geschichte um Annika und Samuel steckt voller tragischer und trauriger Elemente, übermittelt einem aber trotzdem niemals ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Hochemotional und unvergleichlich eindringlich erzählt Julie Leuze in diesem Buch über das Sich-selbst-finden, das Hinter-sich-lassen und Friedenfinden, das Neu-anfangen und glücklich sein. Wunderschön und ergreifend – ein Herzensbuch. Für „Für einen Sommer und immer“ vergebe ich 5 Lurche.

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135 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

freundschaft, tod, trauer, schweigen, familie

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte

Crystal Chan , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 21.07.2014
ISBN 9783734847035
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Worum geht's?
Geburtstage sind für Jewel kein Grund zur Freude. Denn an dem Tag, an dem sie vor nun 13 Jahren auf die Welt gekommen ist, ist ihr Bruder Bird gestorben. Und ihr Großvater hat ihn getötet: Bird, der eigentlich John hieß, ist von der Klippe gesprungen, weil er durch seinen Opa dachte, er könne fliegen. Seitdem hat Jewels Großvater kein Wort mehr gesprochen. Stumm fristet er sein Dasein in seinem Zimmer, in dem er sich völlig verschanzt. Als Jewel eines Tages einen Jungen namens John kennenlernt, der all ihre wirren Gedanken und Gefühle verstehen kann, ändert sich plötzlich alles. Jewels Großvater beginnt, sich seltsam zu verhalten, als wäre John ein böser Geist. Jewel erkennt ihn kaum wieder, aber hat sie ihren Großvater je wirklich gekannt? Noch ahnt Jewel nicht, welche Geheimnisse ihre Begegnung mit John aufdecken wird…

Meine Meinung:
Es gibt Bücher, die man liest und dann wieder vergisst. Dann gibt es Bücher, die man verschlingt und die man gerne wieder aus dem Regal zurückholt. Und dann gibt es Bücher wie „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“, die man nicht liest, sondern erlebt, und die etwas in einem hinterlassen, das einen noch lange durchs Leben begleitet. „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ ist eine unglaubliche Geschichte über das Leben und seinen Wert, über die Bedeutung von Freundschaft und Familie, die Suche nach sich selbst und den unerträglichen Schmerz des Verlusts. 

„Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ steckt voller Magie – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Übersinnliches, wie etwa Geister, spielen durchaus eine entscheidende Rolle für Jewel und ihre Familie. Für wie glaubhaft man die Geister und die mysteriösen Ereignisse hält, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Die Autorin hält sich dabei bewusst zurück! Die Magie, die Crytal Chan durch ihre eindringlichen und poetischen Worte über die Buchdeckel hinaus aufleben lässt, ist allerdings alles andere als bloß Betrachtungssache. 

Jewel ist eine ganz besondere Protagonistin. Stark, mutig und fest entschlossen, später einmal Geologin zu werden, schleicht sich Jewel mit ihren tiefgründigen Gedanken direkt in das Herz eines jeden Lesers. Für ihr junges Alter wirren sich viel zu viele bunte Gedankenfäden in ihrem Kopf, die nicht nur sie selbst beschäftigen, sondern auch über die Seiten hinaus zum Nachdenken bewegen. Jewel ist eine Protagonistin, von der man noch viel lernen kann. Ein sanftes Mädchen mit großem Herzen, das sich die Welt auf ihre Weise erträglich macht.

Neben Jewel gibt es in „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ noch zahlreiche weitere Charaktere, die Crytal Chan nicht zu kurz kommen lässt. Eine ganz große Rolle spielt dabei vor allem John, Jewels neuer bester Freund. Er ist der schlauen Protagonistin mit seinen klugen Gedanken gar nicht mal so unähnlich und wickelt einem mit seiner frechen und eigensinnigen Art schnell um den Finger. Dass John – ausgerechnet ein Junge namens John! – genau dann auftaucht, wenn Jewel einen Freund braucht, lässt jeden seiner Schritte mysteriös erscheinen.

Jewels eigenbrötlerische Familie dagegen betrachtet man zunächst sehr skeptisch. „Typisch Erwachsene“ fehlt ihnen der Zugang zu Jewels ganz eigener Sicht auf die Welt. Im Verlauf der Geschichte lernt man sie jedoch immer wieder neu kennen. Warum ist Jewels Vater so besessen von Duppy-Geistern, ihre Mutter so verschlossen? Und warum kann sich ihr Großvater nach all den Jahren noch immer nicht dazu überwinden, wieder zu sprechen? Jede Person in Chans Buch hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Beweggründe, die aus ihr viel mehr macht als eine fiktive Romanfigur.

Die Freundschaft zwischen Jewel und John ist ebenso einzigartig und besonders wie die beiden jungen Charaktere selbst. So speziell und sonderbar sie sich kennenlernen, so entwickelt sich auch ihre Freundschaft. Auf authentische und berührende Art wachsen die beiden immer enger zusammen und entdecken die Welt auf ihre Weise. Selbst Erwachsene lernen durch Jewel und John, dass man sein Leben und die Dinge, auf die man stößt, ganz anders wahrnehmen kann, dass man wieder mehr in ihnen sehen kann. Im Verlauf der Geschichte wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, die sowohl Jewel und John viel abverlangt als auch das Herz des Lesers anspricht.

Fazit:
In „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ von Crystal Chan steckt so viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Es ist eine Geschichte über Verluste, über den Schmerz und die Schwere, über das, was das plötzlich eingerissene Loch im Herzen mit Menschen machen kann. Es ist eine Geschichte über die Traurigkeit, aber auch über das Leben und die Kraft, weiterzumachen. Unbedingt lesen! Für „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ vergebe ich 5 Lurche. 

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