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strom, des, immels, japan, schicksale, atombombe

Strom des Himmels

Hanna L. Noack
Buch: 360 Seiten
Erschienen bei VAT Verlag, 02.09.2013
ISBN 9783955180058
Genre: Romane

Rezension:

Mehrfach verschenken werde ich diesen interessanten, poetischen, kritischen, sinnlichen, humorvollen und philosophischen Roman! Und, das möchte ich nicht unerwähnt lassen, das Buch schmeichelt dem Auge und die Seiten schmeicheln der Haut. -)

Man hat die letzte Seite des Buches gelesen, schlägt es langsam zu und hat ihn erfahren, den Wechsel der Gezeiten, der die Steine formt und sie sprechen lässt, wenn man ihnen zuhört… Und man sieht ihn, den „Strom des Himmels, im Loch der Tür aus Papier, wie wunderschön doch“.

… Der Beginn eines Sommertages unter einem alles Weltliche umfassenden Himmel. Unter diesem Himmel plante man ursprünglich zu einem früheren Zeitpunkt des Krieges, die Atombombe von Hiroshima über der Stadt Dresden abzuwerfen, wenn sie denn schon fertig gewesen wäre…

HIROSHIMA. 6. AUGUST 1945.

„Mit schweren Lidern trat Yamamoto in die Helligkeit der Veranda. Unter ihm lag die Stadt in flirrendem Dunst nach der Hitze der Nacht. Über ihr dehnte sich der Himmel, wolkenlos und von einem leuchtenden Blau.“ (Tadashi Yamamoto, Pressefotograf)

 „Die im Asphalt gespeicherte Hitze brannte sich durch ihre Strohsandalen. Sie ignorierte es, wie die meisten lästigen Gegebenheiten dieser Tage. Weder das Wetter noch der Krieg sollten ein Mädchen wie sie entmutigen.“ (Etsuko, Schwester von Tadashi)

 HIROSHIMA. 1946.

„Ein Jahr später betrachtete Teresa, eine junge deutsche Krankenschwester, den Himmel über Hiroshima. Grauschwarze, schnell vorbeifliegende Wolkenfetzen gaben flüchtige Einblicke frei, begrenzt und von seltsamer Farbe. Gucklöcher entstanden, die sich sogleich wieder schlossen, um sich an anderer Stelle wieder zu öffnen. Die Ströme des Himmels, dachte Teresa. Zerrissen, wie ihre Gefühle, die mit dem Mann auf dem Hügel untrennbar verwoben waren.“

DEUTSCHLAND. 1978.

„Rückzüge sind es, doch nur ein Ersatz für die Orte, von denen sie träumt. In Wirklichkeit zieht es sie, gleich einem Küstenfahrer, zu entlegenen Gestaden, unter die Spiegel der Meere der Welt, wo sie sich beim Tauchen so leicht wie auf Wolken fühlt.“ (Alice, Tochter von Teresa)

HIROSHIMA.1978.

 „Zwei unter rabenschwarzen Haarschöpfen plötzlich emporschießende Oberkörper, blitzend gebleckte Zähne und vorgeschobene Unterkiefer: Gierig nach Beute sichtende Barrakudas spähen zu ihr herüber. ‚Frau Ambelg ist Psychologin’, stellt Eisgrau-san sie ihnen vor. Typische Aufreißer, noch frei von grauen Strähnen an den Schläfen, knapp unter fünfzig, schätzt Alice. Na super, ein Abendessen im Schneidersitz, mit Raubfischen auf Beutezug! So bekommt Frau also hier etwas zu essen, zwangsrekrutiert zum Begleitservice für solche Typen. (…) Beiläufig führt sie das begonnene Gespräch fort: ‚Was halten Sie eigentlich von der Angelegenheit Yamamoto Tadashi?’ Dabei lässt sie ihre Stimme so gelangweilt klingen, als spräche sie über das Wetter. Erst danach blickt sie auf, bekommt gerade noch einen schnellen Blickaustausch zwischen den Männern mit. Tamiki zupft seine locker sitzende Krawatte zurecht. ‚Sie meinen’, erwidert er misstrauisch, ‚den Chefredakteur der Hiroshima-Post?’ (…)

(...) Später, im Shinkansen, denkt Alice, dass sie ja einfach hätte aufstehen und gehen können. Vielleicht wäre das sogar besser gewesen, als sich immer tiefer in dieses Labyrinth von Spekulationen zu verstricken. Aber möglicherweise wusste Etsuko tatsächlich nicht mehr über Teresa und Tadashi zu berichten, als sie preisgab. (…) Die Zeit drängt. Nur eine letzte Frage will Alice Etsuko noch stellen, ohne zu ahnen, wohin sie damit trifft: ‚Was genau’, fragt sie, ‚was genau ist eigentlich in Nanking passiert?’ (…)“

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