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84 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

spreewald, erntehelfer, krimi, gurkenbauern, klaudia wagner

Spreewaldtod

Christiane Dieckerhoff
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548287614
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein rumänischer Erntehelfer wird tot in einem Fließ gefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Gibt es einen ausländerfeindlichen Hintergrund? Klaudia Wagner übernimmt den Fall - und muss aufgrund eines personellen Engpasses ausgerechnet mit ihrem verhassten Kollegen Peter Demel zusammenarbeiten. Auch hier liegt Spannung in der Luft …

Das gut 330 starke Buch ist schnell und flüssig zu lesen, und Christiane Dieckerhoffs eingängiger Schreibstil zieht mich in Verbindung mit ihren anschaulichen Schilderungen schnell in das Geschehen hinein. Die Figuren sind anschaulich, die Geschichte realistisch, die Atmosphäre spürbar, doch was mir gerade zu Beginn des Buches missfällt, sind häufige Anspielungen auf Klaudias Zustand sowie ihre Gedanken und Reaktionen, die sich auf ein Ereignis im Frühjahr beziehen - da ich den ersten Band dieser Reihe nicht kenne, kann ich hiermit wenig anfangen und lediglich das ein oder andere im Laufe der Zeit erahnen.

Dennoch stelle ich fest, das mich genau das, was mich zu Anfang gestört hat, mich mit fortschreitender Geschichte immer mehr fesselt. Zwar ist das Verbrechen schlüssig und wird in dieser Geschichte vollständig abgeschlossen, doch es ist insgesamt recht ruhig und unspektakulär und mutiert zur Nebensache, während mich die Persönlichkeiten und das Geschehen rund um die Protagonisten bei der Polizei mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Christiane Dieckerhoff versteht es, Figuren zu zeichnen und sie greifbar darzustellen, sie dabei aber etwas undurchsichtig zu lassen, was sie in gewisser Weise interessant macht. Gekonnt webt sie diese Aspekte in die Aufklärung des Mordes mit ein, klärt vergangene Dinge, stellt zeitgleich jedoch neue Sachverhalte in den Raum, die sicher in einem weiteren Band wieder aufgegriffen werden. Ebenso bleiben einige, für dieses Verbrechen nicht relevante Ereignisse offen, die im Zusammenhang betrachtet Ausgangspunkt für einen weiteren Kriminalfall darstellen könnten.

Fazit:
Unterm Strich hat mir „Spreewaldtod“ gut gefallen und mich so gefesselt, dass ich das Buch in einem Tag zu Ende gelesen habe. Nicht ganz überzeugen konnte mich das Verbrechen, was das Geschehen rund um die Ermittler jedoch weitestgehend wieder wettgemacht hat. Doch ich empfehle, den Vorgängerband „Spreewaldgrab“ zuerst zu lesen.

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(93)

168 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

scarlett cole, liebe, under your skin, gefühle, halt mich fest

Under Your Skin - Halt mich fest

Scarlett Cole , Alexandra Hölscher
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288581
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Nach einer schrecklichen Misshandlung durch ihren Exfreund beginnt Harper Connelly ein neues Leben in Miami Beach. Um endgültig mit diesem Erlebnis abschließen zu können, möchte sie sich ihre Narben auf dem Rücken übertätowierten lassen. Trent Andrews ist ein begnadeter Tätowierer und scheint genau der Richtige für diese Aufgabe zu sein. Doch es kostet sie große Überwindung, diesen Schritt zu wagen …

Der gut 440 Seiten starke Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, und zieht mich gleich zu Beginn in seinen Bann. Einfühlsam führt Scarlett Cole ihre beiden Protagonisten Harper und Trent ein, die mich faszinieren und schon schnell greifbar werden. Beide sind starke Charaktere - Harper, misshandelt, traumatisiert und unsicher, jedoch mutig und fest entschlossen, sich nicht von ihren Ängsten beherrschen zu lassen und Trent, ein begabter Tätowierer und Frauenheld, der aber gleichsam mit einer sensiblen Ader ausgestattet ist. Von ihrem ersten Zusammentreffen an spüren beide, dass zwischen ihnen eine besondere Chemie herrscht, doch ebenso wissen sie, dass der Weg zueinander nicht leicht sein wird - eine berührende Geschichte mit Potential, von der ich mir - vorweg genommen - jedoch etwas mehr Tiefe versprochen hatte.

Die Handlung verläuft recht vorhersehbar, behutsam nähern sich die beiden an. Der Leser erlebt das Geschehen abwechselnd aus Trents und Harpers Sicht, erhält so Einblicke in die jeweiligen Gefühle und Gedanken und ist damit nahe am Geschehen. Wie erwartet ergeben sich bis zum Happy-End viele Höhen und Tiefen, immer wieder stellt sich die Frage nach dem Vertrauen in den anderen, alles eingebettet in Romantik, Erotik und einen - eigentlich - spannenden Hintergrund zur Geschichte. Doch die in der Kurzbeschreibung angekündigten, geheimnisvollen SMS von Harpers Ex lassen lange auf sich warten, und die Handlung längt sich etwas in der Mitte des Buches. Erst auf den letzten 30 Seiten kommt es schließlich zum erwarteten Showdown, der dann zwar dramatisch, aber recht kurz und knapp abgehandelt wird.

Fazit:
"Under your Skin" ist eine berührende Liebesgeschichte mit greifbaren Protagonisten, die sich wunderbar mal zwischendurch wegschmökern lässt.

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

amnesie, überfall, psychothriller, thriller, stalker

Blinde Schatten

Anna Martens
E-Buch Text
Erschienen bei Midnight, 02.12.2016
ISBN 9783958190986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Goldschmiedin Johanna Gerke erwacht im Krankenhaus - schwer verletzt und ohne Erinnerung an die letzten Monate. Sie wurde überfallen und brutal zusammengeschlagen - doch von wem? Die Polizei schließt einen simplen Überfall aus. Während ihrer allmählichen körperlichen Genesung beginnt Johanna zu recherchieren und stellt erschüttert fest, dass sie ein völlig falsches Selbstbild hat. Viele Menschen hat sie verletzt und vor den Kopf gestoßen. Doch wer hasst sie so sehr, dass er sie umbringen will? Wann wird er es wieder versuchen?

Die Geschichte beginnt eingängig, ist von Anfang an spannend und kommt ohne massive Gewalt und viel Blutvergießen aus, was ich sehr mag. Auf der Suche nach dem möglichen Täter werden verschiedene Personen präsentiert, viele Möglichkeiten im Laufe der Handlung jedoch einfach nicht weiter verfolgt. Statt dessen stellt Johanna immer wieder unerklärliche Dinge fest, wie durch eine Psychologin vorhergesagt häufen sich ihre Panikattacken, die für mich als Leser nicht immer nachvollziehbar sind und ihre Glaubwürdigkeit wird zunehmend infrage gestellt. Das führt bei mir zu einer zunehmenden Distanz zu Handlung und Protagonistin, die Spannung flacht ab und das Buch fesselt mich nicht mehr. Kleinere Ungereimtheiten, eine nicht immer schlüssige Handlung und viele sehr oberflächlich abgehandelte Personen führten auch dazu, dass ich das Buch immer wieder mal zur Seite gelegt habe. Auch das Ende konnte mich letztendlich nicht überzeugen, obwohl das Tempo wieder etwas anzieht - die Auflösung wirkt konstruiert, und der Täter wird mehr oder weniger nur noch präsentiert.

Fazit:
Nach einem vielversprechenden, spannenden und fesselnden Start wurden meine daraufhin recht hohen Erwartungen an den weiteren Verlauf enttäuscht - Spannung flacht ab, die Handlung wird träge, die Protagonisten bleiben oberflächlich und das zweifellos vorhandene Potential der Geschichte wird leider nicht genutzt. „Blinde Schatten“ ist insgesamt nicht schlecht, konnte mich aber auch nicht ganz überzeugen.

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68 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

frankreich, paris, freundschaft, freundinnen, liebe

Fast perfekte Heldinnen

Adèle Bréau , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548613253
Genre: Romane

Rezension:

Die vier Freundinnen Mathilde, Alice, Lucie und Éva sind seit ihrer Jugend Freundinnen und haben sich auch später nicht aus den Augen verloren. Nun sind sie Ende dreißig, haben Familie, und verbringen nach wie vor jeden Sommer zusammen in der Provence. Zurück in Paris holt sie der Alltag schnell wieder ein - Trennung, Beziehungshölle, Kinderlosigkeit und die Geburt eines dritten Kindes bestimmen neben Beruf und häuslichen Verpflichtungen ihr Leben und erfordern Veränderungen. Was bringt die Zukunft?

Der Einstieg in „Fast perfekte Heldinnen“ gelingt leicht, der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Protagonisten werden bald greifbar. Die Anzahl der handelnden Personen ist angenehm übersichtlich, zusätzlich gibt es zu Beginn des Buches eine Übersicht der „Besetzung“. Über knapp 340 Seiten begleitet man die vier Damen durch die Höhen und Tiefen ihres Alltagswahnsinns, der sich - vielleicht mit Ausnahme der jeweiligen Beziehungsproblematik - im Großen und Ganzen nur wenig von dem einer berufstätigen Frau mit Familie unterscheidet. In angenehmen Abständen wechselt man zwischen den Protagonistinnen hin und her, wobei jedes Kapitel von einer der Damen und ihrer speziellen Herausforderung handelt. Jede Einzelne hat eine Krise zu meistern, alle unterschiedlicher Art, die sie auf ihre eigene Weise annimmt und angeht, und sich dabei der Unterstützung der Freundinnen sicher sein kann. Stärken und Schwächen werden erkennbar, falsche und richtige Entscheidungen werden getroffen - und auch wenn es am Ende nicht für alle ein Happy-End gibt, ist doch eine positive Entwicklung bei jeder Einzelnen zu verzeichnen.

Die Protagonisten sind sympathisch und greifbar, ihre Handlungsweise ist häufig nachvollziehbar, dennoch hat mir etwas Tiefe bei den einzelnen Charakteren gefehlt. Die Handlung plätschert ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin, hat mich aber trotzdem in gewisser Weise gefesselt - ich wollte wissen, wie sich die Dinge entwickeln und habe das Buch in wenigen Stunden zu Ende gelesen. Gut gefallen hat mir der Fokus auf die eigentlichen „Heldinnen den Alltags“ - nicht auf Personen, die sich durch einzelne besondere Verdienste aus der Masse hervorheben, sondern auf diejenigen, die täglich ihren Verpflichtungen nachkommen, den zeitaufwändigen Spagat zwischen Beruf und Familie meistern und sich den Herausforderungen des Lebens stellen.

Fazit:
„Fast perfekte Heldinnen“ ist ein leichter Frauenroman über die Höhen und Tiefen des Alltags zwischen Beruf, Familie und Beziehungsproblemen. Er ist in gewisser Weise fesselnd und bietet einige Stunden nette Unterhaltung, hat unterm Strich jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt nicht schlecht - 3 Sterne

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(306)

584 Bibliotheken, 22 Leser, 1 Gruppe, 205 Rezensionen

krimi, nele neuhaus, mord, taunus, wald

Im Wald

Nele Neuhaus
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.10.2016
ISBN 9783550080555
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als im Ruppertshainer Wald ein Wohnwagen in Flammen aufgeht und aus den Trümmern eine Leiche geborgen wird, beginnt das K11 in Hofheim um Pia Sander und Oliver von Bodenstein zu ermitteln. Kurz darauf wird in Ruppertshain eine alte Frau in einem Hospiz ermordet - hängen die beiden Fälle zusammen? Für Oliver von Bodenstein hat dieser Fall eine besondere Bedeutung, denn er kennt nicht nur viele Ruppertshainer Einwohner aus seiner Kindheit, sondern erinnert sich auch an ein Verbrechen im Sommer 1972, das nie aufgeklärt wurde. Gibt es einen Zusammenhang?

Mit „Im Wald“ stellt Neue Neuhaus erneut unter Beweis, dass sie ihr Handwerk versteht. Mit ihrem flüssigen Schreibstil und anschaulichen Schilderungen zieht sie mich schnell in die Geschichte hinein. Es beginnt zunächst mit einem einfachen Verbrechen, dass jedoch bald eine weitaus größere Dimension annimmt, als zu erwarten war und weckt dabei Erinnerungen in Bodenstein, die er längst vergessen hatte. In verschiedenen Handlungssträngen, die sich in angenehmen Abständen abwechseln und den Leser mit geschickt gesetzten Cliffhangern an das Buch fesseln, dehnt sich der Fall immer weiter aus. Mit einer schier unüberschaubaren Anzahl von Personen entsteht so eine überaus komplexe, aber bis ins Detail durchdachte und am Ende nachvollziehbare und schlüssige Geschichte. Das Besondere dabei ist Bodensteins persönliche Verstrickung in diesen Fall, da er die Ruppertshainer Einwohner größtenteils kennt, und aus seiner Erinnerung heraus Details beitragen kann, die ihm „normale“ Zeugen verschwiegen hätten.

Doch so sehr ich den Hut vor dieser beeindruckenden Geschichte ziehe, war es mir am Ende doch etwas zu viel. Ein paar Verwirrungen weniger hätten mir besser gefallen, durch viele Details und einige ausführlich beschriebene, nicht wirklich relevante Begebenheiten wird das Geschehen stellenweise langatmig und verliert an Spannung. Trotz der Übersicht der Ruppertshainer Einwohner zu Beginn des Buches habe ich - auch durch ihre vielfältigen Beziehungen untereinander - zwischendurch immer mal wieder den Überblick über die Personen verloren. Darüber hinaus trüben kleinere Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte den aber trotz allem immer noch positiven Gesamteindruck des Buches, das mich unterm Strich einige Stunden gut unterhalten hat.

Fazit:
„Im Wald“ ist ein sehr komplexer Krimi mit einer äußerst raffiniert konstruierten Handlung, was sich erst im Laufe der Lektüre in vollem Umfang zeigt. Die ausführlichen und detaillierten Schilderungen fand ich jedoch stellenweise langatmig, die außergewöhnlich große Anzahl der handelnden Personen und ihre Beziehungen untereinander zum Teil verwirrend - manchmal ist weniger einfach mehr. Trotz dieser Kritikpunkte ist „Im Wald“ solide Krimikost, die ich gerne gelesen habe.

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(127)

180 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 109 Rezensionen

thriller, moor, maya, krimi, mooresschwärze

Mooresschwärze

Catherine Shepherd
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Kafel Verlag, 01.11.2016
ISBN 9783944676067
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einer Moorlandschaft bei Köln wird eine Frauenleiche gefunden, auf dem Bauch hat sie ein Tattoo. Auf dem Weg in die Gerichtsmedizin verschwindet sie. Auf der Suche nach der Leiche findet die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz eine weitere Leiche mit Tattoo - ein Serientäter? Zusammen mit Kriminalkommissar Florian Kessler beginnt sie zu ermitteln ...

Mein erstes Buch dieser Autorin beginnt fesselnd und spannend, der Schreibstil ist anschaulich und flüssig zu lesen und weckt zusammen mit der Kurzbeschreibung der Geschichte hohe Erwartungen an den weiteren Verlauf. Das Verbrechen selbst hat einen interessanten Hintergrund, der sich jedoch erst zum Ende hin wirklich offenbart und dann recht kurz abgehandelt wird. Die Geschichte verläuft in zwei Handlungssträngen, zwischen denen in angenehmen Abständen hin und her gewechselt wird, doch die mich als Leser schon früh erahnen lassen, wie sich die Handlung entwickeln und enden wird. Dabei flacht die Spannung zusehends ab, die Ermittlung verläuft sehr einfach und gradlinig, und wird mir zu häufig durch die „Intuition" der Ermittler bestimmt. Auch das schlüssige und nachvollziehbare Gesamtbild kann schließlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Täter am Ende mehr oder weniger nur noch präsentiert wird.

Die Protagonisten Julia Schwarz und Florian Kessler sind interessante Persönlichkeiten, die mir auf Anhieb sympathisch sind und sich als Duo in dieser Ermittlung nicht nur gut ergänzen, sondern auch darauf warten lassen, sich persönlich etwas näher zu kommen. Wie in aktuellen Thrillern momentan sehr beliebt, wird auch Julias Verhalten durch ein früheres traumatisches Ereignis bestimmt, das zwar immer wieder zur Sprache kommt, letztendlich aber nicht wirklich behandelt wird. Ebenso stagniert die persönliche Komponente der Protagonisten, sodass sie bis zum Ende leider doch recht oberflächlich bleiben.

Fazit:
Protagonisten, Hintergrund und ein gelungener Einstieg in die Geschichte versprechen viel Potential, das Catherine Shepherd für meine Begriffe jedoch leider nicht ausschöpft. So hat mich „Mooresschwärze" ein paar Stunden gut unterhalten, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden …

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(73)

107 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

friedhof, krimi, georgien, gesine cordes, findelkind

Fuchskind

Annette Wieners
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 17.06.2016
ISBN 9783548612515
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Krimiserie um die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes kannte ich bisher noch nicht - ich bin sehr angetan und konnte auch ohne Kenntnis des ersten Bandes dieser Geschichte problemlos folgen. Annette Wieners' Schreibstil ist gut zu lesen, sie schreibt anschaulich und sehr bildhaft, setzt damit das Kopfkino in Gang und lässt mich gleich in die Handlung eintauchen. Der Kriminalroman hat eine gewisse Grundspannung, einen eher ruhigen Verlauf, ist aber dennoch durchgehend fesselnd und nimmt zum Ende hin Fahrt auf. Er wartet mit einer unerwarteten Handlung und einigen überraschenden Wendungen auf, wobei ich das große Ganze im Rückblick - obwohl alles sehr schlüssig ist - doch ein wenig konstruiert finde. Die Protagonisten sind realistisch und greifbar gezeichnet und mir größtenteils sympathisch. Fast alle sind mit einem tragischen privaten Hintergrund versehen, der immer wieder durchblitzt und ihr Verhalten und ihre Handlungsweise nachhaltig prägt, jedoch ohne dass es melodramatisch wird. Die Kombination aus heutiger Friedhofsgärtnerin und ehemaliger Kriminalermittlerin finde ich in Gesine Cordes gelungen umgesetzt, und zugleich eine plausible Basis, sie in den Ermittlungen ein wenig mitmischen zu lassen. Dadurch fließt auch ein wenig Privates in die Handlung mit ein, das mich fast ebenso fesselt, wie die Klärung des Verbrechens.

Von Beginn an beeindruckt mich die besondere und absolut stimmige Atmosphäre, die zwar meist nur unterschwellig, aber trotzdem durchgehend präsent ist. Sie ist ein wenig düster und melancholisch, was vom nebligen Novemberwetter auf dem Friedhof über die Vergangenheit der Protagonisten bis hin zu den Verbrechen, dem ausgesetzten, kranken Baby und der nackten Frauenleiche, widergespiegelt wird. Gleichzeitig ist sie aber auch häufig liebevoll und fürsorglich, wenn die handelnden Personen bei Problemen und in ihrer Trauer einander beistehen und sich kümmern.

„Fuchskind“ besticht durch eine außergewöhnliche Hauptfigur und eine fesselnde und ungewöhnliche Handlung, insbesondere jedoch durch eine ganz eigene Atmosphäre, die während des ganzen Buches spürbar ist. Mir hat es gut gefallen - ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band.

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(54)

57 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

kochbuch, frühstück, rezepte, kochen, backen

sweet & salty

Andrea Martens , Jo Kirchherr
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei AT Verlag AZ Fachverlage, 15.08.2016
ISBN 9783038009436
Genre: Sachbücher

Rezension:

Seitdem wir dieses Buch haben, hat „Sweet & Salty“ bei uns eine neue Bedeutung. Es ist nicht mehr nur die Bezeichnung zweier gegensätzlicher Geschmacksrichtungen, sondern umfasst nun eine ganze Rubrik ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Rezepte. Auf knapp 140 Seiten präsentieren Andrea Martens und Jo Kirchherr die verschiedensten Gerichte, die sich wegen ihrer Kombination aus einer süßen und salzigen Komponente grundsätzlich zu jeder Mahlzeit eignen.

Beim ersten Durchblättern dieses völlig anders, sehr aufwändig, aber auch sehr liebevoll gestalteten Kochbuches voller appetitanregender Gerichte und Bilder hatte ich trotz allem bei fast jedem Rezept irgendwelche Bedenken und bat meine Familie, die ersten Rezepte auszuwählen. Vorweg genommen - die Resultate waren überraschend lecker, und meine Vorbehalte lösten sich vollkommen in Luft auf. Von Smoothies über Brot und Brotaufstriche, Waffeln, Pancakes und Omelettes bis hin zu Gerichten aus dem Ofen sind hier einige sehr kreative, und zum Teil wirklich „abgefahrene“ Kombinationen zu finden. Einzelne vegane und/oder laktosefreie Rezepte sind enthalten und besonders gekennzeichnet.

Die Zutaten sind fast alle in gut sortieren Lebensmittelläden erhältlich, wobei ich bei manchem erst in Erfahrung bringen musste, worum es sich eigentlich handelt. Nicht ganz praktisch ist, dass einige außergewöhnliche Zutaten nur in kleinen Mengen benötigt werden (z.B. genau 12 Honig-Salz-Mandeln oder 3 EL Lavendelblüten), und der Rest erst einmal übrig ist. Die angegebenen Zeitangaben passen im Großen und Ganzen. Man sollte beachten, dass die Portionen auf Frühstück ausgelegt sind - als Hauptmahlzeit benötigen wir eine größere Menge.

Die Rezepte sind klar beschrieben und einfach umzusetzen. Abgesehen von Waffeleisen, Toaster und Muffinform sind keine besonderen Hilfsmittel erforderlich und auch der (anschließende Reinigungs-) Aufwand hält sich in Grenzen. Meine absolute Geschmacksüberraschung war die Chorizomarmelade, dicht gefolgt von Streuseln mit Karamellbonbons auf Toastmuffins, wobei ich das gebackene Ei im Muffin gewöhnungsbedürftig fand. Trotz anfänglicher Skepsis war mein Mann völlig begeistert von den Waffeltacos mit Merguez und Mangosalsa – obwohl er sonst keine Avocados mag, fand er sie in dieser Zusammenstellung überaus lecker. Inzwischen haben wir einige Rezepte probiert und waren unterm Strich sehr positiv überrascht – diese Geschmacksergebnisse und -erlebnisse hatten wir so wirklich nicht erwartet.


„Sweet & Salty“ ist ein tolles Buch, das uns die Vielfalt ungewöhnlicher, doch wirklich leckerer Essenskompositionen nochmals ins Bewusstsein gerufen hat. Es regt nicht nur zum Nachkochen an, sondern ermuntert uns, beim Kochen selbst noch mutiger und kreativer zu werden. Empfehlenswert!

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110 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

irland, krimi, kirche, mord, ira

Lügenmauer

Barbara Bierach
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.07.2016
ISBN 9783548613062
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Sligo wird Reverend Dean Charles Fitzpatrick, ein hochrangiges protestantisches Kirchenmitglied, ermordet aufgefunden. Die Hintergründe sind völlig unklar. Inspector Emma Vaughan ermittelt ...

Die Handlung spielt in drei Zeitebenen, verläuft klar und übersichtlich und ermöglicht dem Leser einen guten Einstieg. Mit einer überschaubaren Anzahl Protagonisten und einer anfangs völlig offenen Ermittlung in alle Richtungen erhält der Leser zunächst einen Eindruck des Countys Sligo, der Landschaft, seiner Einwohner und der irischen Mentalität, die stark durch die politische Situation, den kirchlichen Einfluss und die IRA geprägt ist. Obwohl in den verschiedenen Zeitsträngen größtenteils unterschiedliche Protagonisten agieren, sind für den Leser die Zusammenhänge, und damit leider auch Motiv und Täter früh erkennbar, was die insgesamt schlüssige Geschichte recht vorhersehbar macht und ihr die Spannung nimmt. So verläuft die Handlung recht schleppend, jedoch gespickt mit interessanten geschichtlichen und politischen Ereignissen und Hintergründen, die gekonnt in das Geschehen eingebaut sind. Anschauliche Landschaftsbeschreibungen vervollständigen das Bild, wobei ich eine spürbare Atmosphäre vermisse.

Mit Emma Vaughan betritt eine weitere Ermittlerin die Krimibühne, die einerseits sympathisch ist, meiner Meinung nach aber mit einer etwas übertriebenen Problematik ausgestattet wurde, die in dieser Fülle ins Unglaubwürdige abdriftet. Allein ihre Religionszugehörigkeit, ihre Rolle als geschiedene und alleinerziehende Mutter, sowie ihre berufliche Tätigkeit in einer männerbesetzten Domäne im immer noch sehr religiös geprägten Umfeld bieten eine außergewöhnliche, interessante und speziell für diese Krimireihe charakteristische Thematik - zusätzliche Tablettenabhängigkeit, Sorgerechtsproblematik und der immer wieder im Raum stehende, gewalttätige Exmann überfrachten ihre Person. Die weiteren Protagonisten bleiben leider etwas blass und im Hintergrund.

Das Buch hat mich etwas enttäuscht – der Plot bietet viel Potential, das meiner Meinung nach leider nur teilweise genutzt wurde. Doch auch wenn ich eine fesselnde Handlung und Spannung im vorliegenden Verbrechen vermisst habe, bleiben auf jeden Fall ein Eindruck der irischen Mentalität, sowie ein Einblick in die kirchlichen und politischen Einflüsse in Irland positiv haften.

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(126)

199 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 99 Rezensionen

thriller, blind, blindheit, berlin, spannung

Endgültig

Andreas Pflüger
Fester Einband: 459 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2016
ISBN 9783518425213
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jenny Aaron war Spitzenagentin einer international operierenden Eliteeinheit in Berlin, doch seit einem verpatzten Einsatz in Barcelona ist sie blind. Gequält von eigenen Schuldgefühlen, gepaart mit einer Erinnerungslücke zu den dortigen Ereignissen, hat sie sich mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und ihrem überaus hohen Anspruch an Perfektion ein Leben nach Barcelona aufgebaut und arbeitet nun als Fallanalytikerin und Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Körperlich und an der Waffe topfit, versteht sie es auch, das Verborgene zu erfühlen und dem Schall von Lügen zu lauschen. Als in der JVA Tegel eine Psychologin ermordet wird, wird Aaron angefordert - der Tatverdächtige will ausschließlich mit ihr sprechen. Das erste Zusammentreffen mit ihrer früheren Einheit steht an - und mit einem alten Widersacher, der offensichtlich eine Verbindung zu den Ereignissen in Barcelona hat ...

Vorweg genommen: "Endgültig" hat Sogwirkung - Andreas Pflügers brillanter Plot in Verbindung mit seiner präzisen Darstellung und seinem anschaulichen, intensiven, und stellenweise etwas eigenwilligen Schreibstil ziehen mich von Beginn an völlig in die Geschichte hinein. Sie startet mit dem missglückten Einsatz in Barcelona, sodass ich von Anfang an ein Bild von Aaron im Einsatz vor Augen habe und mit einer recht hohen Erwartungshaltung in das aktuelle Geschehen einsteige. Dass diese Vorgeschichte gleichzeitig Basis für die jetzigen Ereignisse ist, zeichnet sich erst im Laufe des Buches ab, als nach und nach immer weitere Informationen hinzukommen, die am Ende ein schlüssiges, sehr komplexes und unerwartetes Gesamtbild ergeben.

Anfangs fesseln mich insbesondere Aarons beeindruckende Art und Weise, mit ihrer Blindheit ihr Leben anzugehen und ihre beruflichen Anforderungen mehr als nur zu meistern. Die Vielfalt und Menge der nicht visuellen Sinneseindrücke, die ich als Sehende normalerweise ignoriere und die Andreas Pflüger stellenweise auf mich einstürzen lässt, schaffen eine unglaublich dichte Atmosphäre, die mich vereinzelt das Buch kurz zur Seite legen und tief durchatmen lässt. Fließend und fast unbemerkt geht das Augenmerk auf den zweiten herausragenden Aspekt dieses Thrillers über - ihre Auseinandersetzung mit einem ebenbürtigen Gegner, der wie sie selbst dem Bushido folgt, dem Weg des Kriegers. Beide Kontrahenten haben dabei nicht das vorrangige Ziel zu überleben, sondern vor ihrem Tod Antworten auf offene, sie persönlich quälende Fragen zu finden. Actionreiche, teilweise jedoch leider sehr realitätsferne Szenen, körperliche und verbale Auseinandersetzungen, sowie immer wieder unerwartete Wendungen, parallel zu den nicht weniger fesselnden, fieberhaften Ermittlungen der Eliteeinheit sorgen für ein rasantes Tempo und ein durchgehend hohes Spannungsniveau.

"Endgültig" ist ein packender Thriller, der sich insbesondere durch seine blinde Top-Ermittlerin, aber auch einer überaus fesselnden, spannenden und unvorhersehbaren Handlung auszeichnet. Empfehlenswert!

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(80)

121 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

münchen, krimi, mord, frauenleichen, ermittlungen

Verletzung

Manuela Obermeier
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.02.2016
ISBN 9783548287478
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Verletzung“ ist eines der wenigen Bücher, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte, nachdem ich einmal angefangen hatte zu lesen, und das ich innerhalb von 24 Stunden beendete. Ab der ersten Seite zieht mich Manuela Obermeiers anschaulicher und erfrischender Schreibstil in die 440 Seiten starke Geschichte hinein, setzt mein Kopfkino in Gang und lässt mich am Geschehen teilhaben.

Schon nach wenigen Seiten wird dem Leser das Besondere dieser Handlung klar, die gleich zwei Verbrechen in einer sehr interessanten Konstellation beinhaltet, und dieses Buch damit klar aus der Masse der auf dem Markt befindlichen Kriminalromane heraushebt. Die Verbindung dieser beiden Verbrechen ist die Protagonistin Toni, zum einen die toughe Hauptkommissarin auf der Jagd nach einem perfiden Verbrecher, die dabei gerne Vorschriften missachtet und sich über Konventionen hinwegsetzt, zum anderen im Privaten die verletzliche Frau, Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking, die nicht den Mut findet, die an ihr begangenen Verbrechen anzuzeigen. Dadurch rücken direkt zu Beginn zwei sehr unterschiedliche Charakterzüge von Toni in den Fokus, wodurch sie vielschichtig, sympathisch, und auch greifbar wird.

Die Handlung ist fesselnd und spannend, und wirkt ebenso wie die Protagonisten sehr authentisch, was sicherlich mit an der langjährigen Erfahrung der Autorin als Polizeihauptkommissarin liegt. Sie wechselt in unregelmäßigen Abständen zwischen detailliert und anschaulich beschriebener, harter Ermittlungsarbeit während Tonis Arbeitszeit, und Momenten nicht direkt greifbarer Bedrohung durch den Stalker, die hauptsächlich durch Tonis Vorgeschichte, ihre Ahnungen, Erwartungen und die herrschende Atmosphäre erzeugt werden. So sind die beiden sehr unterschiedlichen Handlungsstränge durchgehend präsent und verleihen der Geschichte ein flottes Tempo. Immer wieder eingestreute, lustige verbale Schlagabtausche zwischen den Kollegen sorgen für amüsante Momente und lockern das Geschehen ebenso auf, wie ein wenig Prickeln zwischen Toni und dem neuen Pathologen.

Unerwartete, aber für mein Empfinden auch etwas konstruierte Wendungen steigern zum Ende hin nochmals Tempo und Spannung, obwohl sich der Täter recht früh abzeichnet. Das führt natürlich auch bei Toni durch ihre Doppelbelastung zu erhöhtem Druck, wodurch sie sich zu Reaktionen hinreißen lässt, die zwar einerseits ihre nervliche Belastung sehr gut und anschaulich zum Ausdruck bringt, andererseits aber die Handlung etwas in das Klischee "unkonventioneller Ermittler mit disziplinarischen Konsequenzen" abdriften lässt, was ich etwas schade finde. Das Buch endet schlüssig und mit Antworten auf noch offene Fragen zum abgeschlossenen Fall. Gleichzeitig unternimmt Toni den ersten Schritt gegen ihren Stalker, was mir als Entwicklung der Protagonistin sehr gut gefällt und gleichzeitig Vorfreude auf den nächsten Band dieser Krimiserie weckt.

Knappe fünf Sterne für ein äußerst fesselndes, spannendes und flottes Debüt, das mich einige Stunden sehr gut unterhalten hat.

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(255)

661 Bibliotheken, 13 Leser, 2 Gruppen, 100 Rezensionen

schweden, liebe, rache, simona ahrnstedt, adel

Die Erbin

Simona Ahrnstedt ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 01.10.2015
ISBN 9783802599453
Genre: Liebesromane

Rezension:

David ist der jüngste und erfolgreichste Risikokapitalgeber Schwedens, ein Selfmademan aus der Arbeiterschicht. Getrieben von dem Wunsch, diejenigen zu vernichten, die ihm und seiner Familie einst unsägliches Leid zufügten, setzt er alles daran, das traditionsreiche, milliardenschwere schwedische Familienunternehmen Investum zu übernehmen. Helfen soll ihm dabei Natalia de la Grip, Tochter des Unternehmers und ihrerseits selbst eine intelligente, angesehene Unternehmensberaterin, die sich ihren Erfolg hart erarbeiten musste und immer noch um die Anerkennung ihres Vaters kämpft. Alles läuft nach Plan, als Natalia Davids Einladung zum Mittagessen annimmt. Doch sie kommt ihm näher, als beabsichtigt ...

Simona Ahrnstedts flüssiger und anschaulicher Schreibstil schafft von Beginn an eine gewisse Atmosphäre und macht den Einstieg in 'Die Erbin' leicht. Die beiden sehr zielstrebigen und charakterstarken Figuren Natalia und David sind sofort greifbar und werden im Laufe der Handlung vielschichtiger. Häufige Perspektivenwechsel machen die Handlung um ihr tägliches Leben in Schwedens Welt der Schönen, Reichen und Erfolgreichen unterhaltsam, bringen aber auch sehr deutlich den unterschiedlichen sozialen Hintergrund und die verschiedenen Standpunkte der beiden ebenbürtigen Protagonisten zum Ausdruck. Dabei herrscht durchgehend eine gewisse Grundspannung, die an die Geschichte fesselt, da ich als Leser einerseits gespannt die Liebesgeschichte verfolge, andererseits aber auch Davids Absichten und Ziel kenne und neugierig darauf warte, wie er weiter vorgehen wird, bzw. unbedingt die Ursache von Davids Hass wissen möchte. Diese Informationen lässt Simona Ahrnstedt geschickt nach und nach in das typische Auf und Ab eines Liebesromans, aber dennoch gut durchdachte Handlung einfließen. Natürlich endet die Geschichte nicht unerwartet, doch ich bin vom Unterhaltungswert der über 600 Seiten lang fesselnden Handlung ohne nennenswerte Längen positiv überrascht. Mir hat das Buch gut gefallen.

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(145)

252 Bibliotheken, 0 Leser, 7 Gruppen, 64 Rezensionen

münchen, mord, krimi, schuld, dühnfort

Schuld währt ewig

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2011
ISBN 9783548610696
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Susanne Möbus versucht, mit dem Tod eines Kindes klarzukommen, den sie vor 6 Jahren als sein Babysitter nicht verhindern konnte. Sie fühlt sich schuldig...
Ein Mann wird in der Dämmerung von einem unbeleuchteten Auto überfahren - war es Mord? Einige Tage später wird eine junge Frau in einem See in knietiefem Wasser ertränkt. Kommissar Tino Dühnfort und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Nach vielen Recherchen kommt heraus, dass beide Opfer in ihrer Vergangenheit in einen Unfall mit Todesfolge verwickelt waren, sie selbst jedoch schuldfrei gesprochen wurden. Wer hat nach Jahren Interesse daran, Rache zu nehmen? Gelingt es der Polizei, potentielle Opfer aufzuspüren und zu schützen?

Ab der ersten Seite packt mich die Handlung, die in klaren Sätzen so ausführlich und anschaulich geschildert ist, dass ich meine Umgebung vergesse und das Buch in einem Rutsch zu Ende lese. Mit einer angenehm überschaubaren Anzahl Personen wagt sich Inge Löhnig in Dühnforts viertem Fall an das Thema "schuldlose Schuld", bei der eine verantwortliche Person den Tod eines Menschen nicht verursacht hat, ihn jedoch nicht verhindern konnte. Diese Problematik lässt die Autorin die "Schuldige" Susanne Möbus intensiv erleben. Parallel hierzu erhalte ich durch verschiedene Unfälle, die im Laufe der Ermittlungen in den Fokus rücken, andere Perspektiven zu diesem Thema. Damit schert der Krimi aus dem häufig genutzten Gut/Böse Schema aus und liefert mir neue Denkansätze zum Thema Schuld. Noch während sich der Zusammenhang zwischen den Opfern erschließt, wird klar, aus welchem Umfeld der Täter kommen muss, wobei das Motiv bis zum Ende rätselhaft bleibt, dann aber letzte Teile zu einem schlüssigen Bild liefert.

Inge Löhnig beschreibt ihre Charaktere einfühlsam, tief und authentisch. Dies gilt auch für die Ermittler, deren persönliche Seite im Krimi viel Platz bekommt und gekonnt in die Handlung eingeflochten wird. Hierzu inszeniert die Autorin als Fortsetzung zum dritten Band eine heimliche Beziehung zwischen Tino und seiner Kollegin Gina, die Alois, dem Dritten im Team, aber auf Dauer nicht verborgen bleibt. Das bei ihm daraus resultierende Gefühl der Benachteiligung lässt ihn jedoch sein bisher wenig teamorientiertes Verhalten korrigieren und nach einem überraschenden Ereignis im Team neu Fuß fassen - eine Entwicklung, die mir sehr gut gefällt. Der tiefe Einblick in die Gefühle und das Privatleben der Ermittler bringt sie mir nahe und steigert den Unterhaltungswert des Krimis.
Das einfach und klar gehaltene Cover, das optisch sehr gut in die Reihe um Kommissar Dühnfort passt und in der Buchhandlung auf jeden Fall mein Interesse geweckt hätte, vervollständigt dieses gelungene Buch.

"Schuld währt ewig" ist ein absolut empfehlenswerter Kriminalroman, der mich nicht nur anspricht, weil er ohne großes Blutvergießen und extreme Brutalität auskommt, sondern neben einer außergewöhnlichen Thematik eine ausgewogene Mischung aus spannendem Verbrechen und persönlichen Beziehungen präsentiert.

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76 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 37 Rezensionen

scheidung, portugal, trennung, liebe, neuanfang

Alles wegen Werner

Bettina Haskamp
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Schroeder, Marion von, in Ullstein Buchverlage GmbH, 08.06.2009
ISBN 9783547711523
Genre: Romane

Rezension:

Nach dreißig Jahren Ehe findet Claras Ehemann Werner Gefallen an einer jungen Brasilianerin und reicht die Scheidung ein. Clara ist vor den Kopf gestoßen - selbst wenn die Ehe nicht mehr intakt war - was soll sie ohne Werner? Nach einer Menge Rotwein, Selbstmitleid und Verzweiflung nimmt sie ihren Hund Tom und sucht eigene Wege ...

Das Cover gefällt mir auf Anhieb. Die resolute Oma, die ihren "Alten" entsorgt, passt zwar im Nachhinein gesehen nicht direkt zur Geschichte, sondern zeigt, was im Rückblick gesehen, Clara längst hätte tun sollen. Passender ist die Überschrift auf der Rückseite des Buches "Danke, dass du mich verlassen hast!" als Resümee ihrer Geschichte zu sehen und weckt in mir die Erwartung, dass ihr aus ihrer Misere heraus ein erfolgreicher Neustart gelingt. Zusammen vermitteln mir Cover und Text den Eindruck einer leicht sarkastischen, amüsanten Lektüre.

Den Einstieg in das Buch finde ich etwas mühsam, da mir persönlich zu viel Alkohol und Lethargie im Spiel sind. Doch sobald Clara die Initiative ergreift, kommt die Geschichte, wenn auch anfangs etwas schleppend in Schwung. Der flüssige, lockere, teilweise auch selbstkritische und ironische Schreibstil in Verbindung mit den neu erwachten Lebensgeistern Claras lassen mich die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch lesen - und des öfteren mal schmunzeln.

Die Handlung selbst ist vorhersehbar, hat als Grundlage aber ein realistisches Thema, in dem nach Angaben der Autorin einige eigene Erfahrungen verarbeitet sind. Sie passt wunderbar vor die Kulisse des portugiesischen Hinterlandes, deren Beschreibung mein Interesse an dieser Gegend weckt.
Positiv fällt mir auf, dass die meisten Charaktere um die fünfzig und älter sind - entgegen der Annahme vieler Menschen, ist in diesem Alter das Leben nämlich noch nicht vorbei und trotz eigener Fehler und ersten Alterserscheinungen neue Wege durchaus noch möglich. Witzige Details lockern die insgesamt jedoch recht leichte Lektüre auf, die natürlich in einem Happy-End münden muss.

Insgesamt hat mich die Lektüre amüsiert und gut unterhalten - und mir sind spontan einige Menschen eingefallen, die ebenfalls den Neubeginn wagen sollten ....

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

kinderheim, köln, mord, krimi, erziehung

Nichts als Erlösung

Gisa Klönne
Fester Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.10.2011
ISBN 9783550087776
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beim nächtlichen Joggen stolpert Judith Krieger zufällig über einen Tatort mit einem Toten, dessen Gesicht weggeschossen wurde. Zusammen mit ihrem Kollegen Manni Korzilius nimmt sie die Ermittlungen auf. Das Opfer ist der Sohn und ehemalige Hauptverdächtige in einem 20 Jahre zurückliegenden, nie aufgeklärten Verbrechen, bei dem ein pensioniertes Ehepaar - ehemalige Leiter eines Kinderheims - mit ihrer Tochter spurlos verschwanden. Alles deutet darauf hin, dass das Motiv im früheren Kinderheim zu suchen ist. Gleichzeitig sucht der Täter Kontakt zu Judith - er schickt ihr Fotos...

Das flüchtende Kind im roten Kleid in einem kahlen, grauen Raum weckt mein Interesse und ist als Cover für diesen Fall ebenso passend gewählt wie der Titel, dessen Sinn sich mir im Laufe der Geschichte erschließt und im Rückblick betrachtet das Ziel des Täters klar zum Ausdruck bringt.

Gisa Klönne führt den Leser in verschiedenen Handlungssträngen durch die Geschichte. Zu Beginn jeden Kapitels erhalte ich Einsicht in die Gedanken und Gefühle des Täters, dessen geballter Schmerz ab der ersten Seite deutlich zu spüren ist. Parallel hierzu wird die Geschichte von Eric Sievert geschildert, der nachts im Wald heimlich nach Schätzen aus der Römerzeit sucht. Sie scheint auf den ersten Blick nichts mit dem Verbrechen zu tun zu haben, fügt sich jedoch allmählich wunderbar in das Geschehen ein, während in weiteren Strängen Ermittlungen aus unterschiedlichen Perspektiven stattfinden. Die frühe Kenntnis des Motivs, wobei die Person des Täters lange ein Rätsel bleibt, ergänzt den gelungenen Aufbau und erzeugt bis zum schlüssigen Ende durchgehend Spannung.

Sehr behutsam und gefühlvoll beleuchtet Gisa Klönne in diesem Krimi das Thema Kindesmisshandlung aus unterschiedlichen Sichten. Sie betrachtet dabei nicht nur Fälle im Kinderheim Frohsinn in der Nachkriegszeit bis zur Schließung des Heims, sondern lässt zusätzlich ihre Hauptcharaktere, unter anderem auch die Ermittler, an dunkle Punkte ihrer Kindheit zurückkehren, was die Personen vielschichtig und tief macht. Aus dieser Thematik heraus schaffen es Manni und Judith, mit ihrer heutigen Sicht, einige, bisher unbeachtete Aspekte zu Ereignissen in ihrer Kindheit zu entdecken, die ihre Mütter in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings muss ich dazu anmerken, dass die Kenntnis der vorherigen Bände hilft, diese Entwicklung der Ermittler wirklich zu verstehen, da dort einige dieser Vorkommnisse ausführlich geschildert sind, während sie hier nur gestreift werden.

Was mir noch sehr gut gefällt ist, dass die Autorin nicht nur den eigentlichen Missbrauch anspricht, sondern darüber hinaus die Konsequenzen, die er für das weitere Leben der Betroffenen haben kann und wie in der Folge verschiedene Charaktere unterschiedliche Verhaltensweisen entwickeln, damit umzugehen. All dies schreibt sie sehr klar, ausdrucksvoll und einfühlsam und sie schafft es durchgehend, den Leser die Gefühle der Protagonisten spüren zu lassen, ohne dass sie dabei bewertet oder Schuld zuweist. Dies lässt den Krimi unter die Haut gehen und macht nachdenklich und betroffen.

Obwohl dieses Buch unwahrscheinlich fesselnd und spannend ist und die Handlung rast, empfinde ich diesen Fall mit Judith Krieger und Manni Korzilius ein wenig ruhiger als die vorherigen. Vor allem Judith wirkt nicht mehr so gehetzt und kaputt wie in früheren Fällen, auch wenn sie mit ihrem Nikotinentzug kämpft. Beide raufen sich langsam zu einem Team zusammen, wobei sie zwar ihre typischen Eigenheiten beibehalten, sie aber gegenseitig anfangen zu respektieren und sich persönlich ein wenig annähern.

Wieder einmal hat mich Gisa Klönne überzeugt. Dieser Krimi ist überaus gelungen und sehr empfehlenswert und ich hoffe auf weitere Fälle dieser Ermittler aus Köln!

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 21 Rezensionen

mallorca, liebe, köln, frauen, restaurant

Ticket ins Paradies

Gaby Hauptmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2010
ISBN 9783492258982
Genre: Romane

Rezension:

Clara Flockenheimer, die promovierte Innenarchitektin, will auf Mallorca bleiben. Obwohl sie hier ihrem Beruf bisher nur wenig nachgegangen ist, soll sie das Restaurant Amici miei ihres Freundes Andrés neu einrichten. Sie hat bereits konkrete Vorstellungen, als eine neue, gut aussehende Köchin eingestellt wird, die das Ansehen des Amici miei weiter anheben wird. Clara wittert sofort mehr als kollegiale Zusammenarbeit zwischen ihr und Andrés und ergreift die Flucht ...

Das Cover dieses Buches vermittelt Leichtigkeit, Wärme, Unbeschwertheit und weckt Urlaubsgefühle. Diesen Eindruck bestätigt der Anfang der Geschichte, wobei mir hier persönlich etwas zu dick aufgetragen wird. Gaby Hauptmanns Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, wie ich mir das von einer Urlaubslektüre erwarte und sie schildert die Ereignisse recht anschaulich, so dass ich alles bildlich vor mir sehen kann.

Die Handlung selbst bedient sich einiger Klischees und ist nicht wirklich fesselnd - wobei ich den Nebenschauplatz bei den Weight Watchers amüsant finde. Die Figuren sind oberflächlich gehalten und Claras überstürzte Flucht nach Köln finde ich trotz ihrer schlechten Erfahrungen mit ihrem Exfreund flach und überzogen. Erst nach ihrer Rückkehr ins Paradies, als sie endlich die Initiative ergreift und sich ihrer Lage stellt, gefällt mir die Geschichte besser. Bummel und Sightseeing auf Mallorca lassen trotz vorhersehbarem Ende im letzten Teil des Buches endlich die ersehnten Urlaubsgefühle aufkommen und mich die Lektüre mit einem leicht positiven Nachhall weglegen.

Die Fortsetzung zu "Rückflug zu verschenken" hat mir letztendlich etwas besser gefallen als der erste Band, der für dieses Buch nicht zwingend Voraussetzung ist - die wichtigsten Informationen werden unauffällig in die Geschichte eingeflochten. Über die Notwendigkeit der Fortsetzung kann man diskutieren, ich hätte sie nicht gebraucht.

Zusammenfassend ist "Ticket ins Paradies" eine weitere leichte Urlaubslektüre, die man nicht zwingend lesen muss, die aber ein paar Stunden Abwechslung bietet.

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126 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 43 Rezensionen

mallorca, liebe, urlaub, innenarchitektin, frauen

Rückflug zu verschenken

Gaby Hauptmann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2009
ISBN 9783492262958
Genre: Romane

Rezension:

Als Clara Flockenheimer ihren Lebensgefährten mit einer anderen Frau erwischt, nimmt sie ihr gemeinsames Kind, packt ihre Sachen und verlässt ihn. Jedoch hat die promovierte Innenarchitektin, die für ihre gute Arbeit im gehobenen Niveau bekannt war, fünf Jahre lang ihren Beruf nicht ausgeübt und findet keinen adäquaten Job. In einem Kurzurlaub auf Mallorca kommt ihr spontan die Idee, dort Arbeit zu suchen und sie erhält auch gleich darauf ihren ersten Auftrag. Doch sie ahnt nicht, was dieser nach sich zieht ...

Das Cover, das bereits den Eindruck von Strand, Sommerfeeling und Urlaub vermittelt, lädt mich an einem grauen Herbsttag ein, meiner düsteren Umgebung zu entfliehen, was mir in der ersten Hälfte des Buches auch gelingt. Der lockere und flüssige Schreibstil ist schnell gelesen und das Thema - Sonne, Urlaub, Freunde und Faulenzen - trägt das Seine dazu bei, flugs in die Geschichte abzutauchen, selbst wenn sie sich vieler Klischees bedient.
Allerdings ändert sich das ab der zweiten Hälfte. Alles läuft zu perfekt und vor allem ein eingeschobenes Verbrechen samt seinem Ausgang wirken konstruiert, so dass ich bemerke, dass ich die Seiten immer schneller überfliege, um das Buch zu beenden.
Die Protagonisten sind mir sympathisch, werden insgesamt aber flach gehalten. Hin und wieder werden zwar Charakterzüge und Gefühle angesprochen und beschrieben, aber eben nur oberflächlich - vielleicht passend und typisch für einen Kurzurlaub, aber nicht mein Geschmack.

Ein schöner Aspekt der Geschichte ist, dass Clara Freude an ihrer Arbeit hat und alles daran setzt, wieder genau in ihren Beruf zurückzukehren - ein Luxus, den sich zwar nicht jeder erlauben kann, aber ein Punkt, dessen Bedeutung heute leider etwas verloren geht.

Rückflug zu verschenken ist wirklich leichte Kost, eine Geschichte, die insofern ihren Zweck erfüllt, dass sie mich ein wenig an meinen letzten Sommerurlaub am Meer erinnert und die Urlaubsgefühle noch einmal hochkommen lässt, an die ich mich aber bald nicht mehr erinnern werde.

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 24 Rezensionen

allgäu, krimi, walcher, mord, hof

Der Ahnhof

Joachim Rangnick
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2010
ISBN 9783548609928
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mathilde, die die Gabe hat, Dinge wahrzunehmen, die andere nicht bemerken, wird von ihrer Base Daniela gebeten, einen alten Bauernhof auszupendeln, in dessen Nähe immer wieder Menschen vermisst werden. Entsetzt durch das Grauen, das sie dort wahrnimmt, bittet sie Kommissar Brunner um Informationen über die Vermissten. Gemeinsam mit dem Journalisten Robert Walcher, ihrem Arbeitgeber, beginnt sie zu recherchieren ....

Den Einstieg in diesen Krimi finde ich etwas mühsam. Auch wenn die Brutalität und Grausamkeiten Korbachs sehr gut dargestellt werden, zieht sich die Geschichte des Hütebubs ein wenig in die Länge. Doch danach liest sich der Krimi leicht und (auch für Nicht-Allgäuer) meist flüssig. Überwiegend kurze Kapitel mit bezeichnenden Titeln unterstützen den Lesefluss.

Die Charaktere sind leider recht flach gehalten, was daran liegen mag, dass Walcher und Mathilde schon mehrmals in anderen Bänden in Erscheinung getreten sind. Da dies aber mein erstes Buch in dieser Reihe ist, hätte ich gerne ein wenig mehr über diese beiden außergewöhnlichen Menschen erfahren. So treten sie mir nur als sympathische, leicht schrullige Individuen gegenüber.

Sowohl Handlung, als auch Motiv sind einfach gehalten. Lediglich am Ende wird kurz versucht, das Motiv durch verschiedene Ansätze zu erklären und damit den Anspruch etwas aufzuwerten. Die Spannung ist mäßig und stellenweise ist die Handlung etwas zäh. Hauptsächlich hat mich an diesem Buch die Atmosphäre gefesselt. Die Beschreibung des Allgäu, die immer wieder in Mundart eingeflochtenen Sätze, Veranstaltungen wie die Kundgebung der Initiative "Lebensraum Allgäu", ja, sogar der Versuch der Selbstjustiz (mit Abstrichen!) erzeugen eine ganz eigene, aber mir sympathische Stimmung. Der mystische Aspekt, der die heutige Handlung einrahmt und während des ganzen Krimis im Hintergrund lauert und von Zeit zu Zeit durch Träume oder Visionen durchkommt, passt hierzu ausgezeichnet und rundet das Ganze auf.
Was mir hingegen nicht zusagt, ist die extreme Brutalität Korbachs, die kollektive Angst vor ihm und gegen Ende seine anscheinende "Übermenschlichkeit". Das finde ich überzogen und weniger wäre hier meiner Ansicht nach mehr und glaubwürdiger. Weiterhin erschließt sich mir nicht der Sinn manches Nebenschauplatzes und mancher Person, weshalb ich davon ausgehe, dass sie lediglich auf der Bildfläche erscheinen, um die Handlung ein wenig umfangreicher zu gestalten und den "Allgäuer Flair" zu veranschaulichen.

Alles in allen jedoch hat mich dieser Krimi, der vor allem durch seine Atmosphäre und seinen mystischen Einschlag besticht, gut unterhalten.

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

drogen, liebe, freundschaft, drogenszene, harry hole

Die Larve

Jo Nesbø , Günther Frauenlob , Achim Buch , Rafael Stachowiak
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 06.10.2011
ISBN 9783899032475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach 3 Jahren in Hongkong kehrt Harry Hole nach Oslo zurück. Oleg, der Sohn seiner großen Liebe Rakel, ist wegen Mordes an einem Junkie namens Gusto angeklagt und sitzt im Gefängnis. Harry glaubt nicht an Olegs Schuld, macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter und taucht in das Drogenmilieu Oslos ein ....

Das Cover gefällt mir sehr gut. Sowohl die Farben, als auch das Motiv sind auf das Wesentliche reduziert, wobei sich mir erst nach gut der Hälfte des Hörbuchs die Bedeutung von Titel und Cover erschließen: "Du jagst ein Phantom, Harry, eine Larve" (CD 4 Tr. 10).
Die Handlung selbst ist sehr komplex und äußerst fesselnd, und ich habe mein Hörbuch innerhalb von 24 Stunden zu Ende gehört. Grundsätzlich sind zwei Haupt-Handlungsstränge erkennbar, die im Hörbuch durch zwei verschiedene Leser vorgetragen werden. Ausgangs- und Endpunkt ist jeweils der Tod Gustos, der in einem Handlungsstrang seinem Vater seine Geschichte bis zu seinem Tod erzählt, im anderen Handlungsstrang ermittelt Harry Hole, bis er ebenfalls bei der Wahrheit über Gustos Tod angekommen ist. Hier wechselt die Perspektive zwischen verschiedenen Personen, was die Spannung erhöht und dem Hörer umfassende Informationen vermittelt. Besonders originell finde ich die Ratte, die sowohl am Anfang, als auch am Ende einen besonderen Akzent setzt.

Die Geschichte lebt zum einen durch Harrys markante Persönlichkeit und seinen bemerkenswerten Fähigkeiten, außergewöhnliche Situationen durch ungewöhnliche Handlungsweisen zu überleben und zum anderen durch seine Vergangenheit in Oslo, durch die ihm viele Freunde und Feinde erhalten geblieben sind. All das ermöglicht eine Handlung, die immer wieder neue Aspekte, hilfreiche Dienste und überraschende Wendungen bereithält, überhaupt nicht vorhersehbar und sehr spannend ist - und alles in hohem Tempo. Unterbrochen wird Harrys - zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes - fieberhafte Ermittlung immer wieder durch Gustos Bericht, der die Ereignisse meist chronologisch aus seiner Sicht erzählt und die Geschichte damit vervollständigt. Die Handlung spielt zwar vor der Kulisse des Drogenmilieus, geht aber wesentlich tiefer. Getrieben durch sein persönliches Interesse gräbt Harry immer weiter, bis ein ganzes Geflecht aus Korruption, Machtkämpfen, Geldgier und Morden zu Tage tritt, das sich auch auf Politik und Polizei erstreckt. Am Ende hält Jo Nesbø eine letzte Überraschung bereit, die verblüfft und ein wenig nachdenklich stimmt, alles (inklusive Titel) ergibt plötzlich einen Sinn und eine tolle Story ist zu Ende.

Das Hörbuch ist gekürzt und da ich das Buch nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, inwieweit die Kürzungen die eigentliche Handlung betreffen, insgesamt scheint mir diese aber vollständig. Grundsätzlich fällt es mir schwer, einem Hörbuch mit einer komplexen Handlung und vielen, verschiedenen Personen, insbesondere mit ungewohnten, nordischen Namen, zu folgen. Deshalb betrachtete ich "Die Larve" als Herausforderung und schrieb mir anfangs eine Liste der Namen mit, um sie bei späterem Auftauchen entsprechend zuordnen zu können. Doch dies wäre gar nicht nötig gewesen. Die beiden Haupt-Handlungsstränge werden von unterschiedlichen Personen gelesen - die aktuelle Ermittlung mit Harry Hole von Achim Buch und Gustos Bericht von Rafael Stachowiak - und sind so problemlos voneinander zu unterscheiden. Teilweise werden verschiedene Personen von Achim Buch unterschiedlich vorgetragen oder mit einem Akzent versehen, was mir gut gefällt und die Zuordnung nochmals erleichtert. Obwohl beide Herren meist ruhig und sehr deutlich sprechen, kommen auch die Gefühle gut bei mir an und ich empfinde ihre Stimmen zur Geschichte passend und angenehm.

Vor einiger Zeit habe ich mich über Tage durch den ersten Band mit Harry Hole regelrecht gequält, er schien kein Ende zu nehmen. Diese zweite Begegnung mit ihm fiel wesentlich positiver aus. "Die Larve" ist ein absolut hörenswerter, spannender und fesselnder Krimi!

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

yoga, new york, freundschaft, frauen, liebe

Sonnengruß für Regentage

Zoe Fishman , Hedda Pänke
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.06.2011
ISBN 9783548610399
Genre: Romane

Rezension:

Vier ehemalige Studentinnen treffen sich nach 10 Jahren bei einem College-Treffen wieder. Die Frauen, die ich einige Wochen auf ihrem Lebensweg begleite, haben sich in ihrem schnelllebigen New Yorker Dasein arrangiert, sind aber momentan nicht wirklich glücklich. Sie beschließen, bei Charlie, die vor kurzem ein eigenes Yoga-Studio eröffnet hat, Vinyasa Yoga zu lernen. Dies ist eine Form des Yoga, in der Körperhaltungen und Atmung in Einklang gebracht werden, um geistiges und körperliches Gleichgewicht zu erlangen.

Bald spüren sie die Auswirkungen des Unterrichts in ihrem Alltag. Wer jetzt allerdings schlagartig die Ankündigungen des meiner Meinung nach unpassenden Klappentextes erwartet, wird enttäuscht. Die Veränderungen passieren allmählich und subtil und sind so durchaus realistisch und den verschiedenen Charakteren entsprechend. Ob es nun die innere Ruhe und der Zustand nach einer Yogastunde ist, eine neue Offenheit, andere Sichtweisen, eine veränderte Selbstwahrnehmung oder die Akzeptanz und Annahme einer schlimmen Diagnose, letztendlich läuft alles auf eine leichtere Bewältigung anfallender Probleme, persönliche Entwicklung und die Übernahme von Selbstverantwortung hinaus. Die Freundschaft, die sich zwischen den vieren entwickelt, unterstützt den Prozess.

Zoe Fishman kommt in ihrem Roman mit wenigen Figuren aus, was ich persönlich sehr angenehm finde. Sie sind in ihren Charakteren sehr unterschiedlich, sympathisch, anschaulich und trotzdem mit ein paar negativen Zügen sehr menschlich gezeichnet. Die Geschichte selbst ist gut strukturiert und ist analog zu einem Atemzyklus im Yoga in vier Abschnitte unterteilt. Sie ist leicht und flüssig zu lesen, wird ruhig und mit wenig Dramatik, aber viel Einfühlungsvermögen erzählt und hat mich in ihrer Subtilität gefangen. Aus Erfahrung weiß ich, dass Yoga nicht mit dem Verlassen der Matte endet, sondern im Alltag gelebt wird, was die Autorin in ihrem Roman ansprechend zum Ausdruck bringt. Sehr schön wird die Entwicklung der vier durch das äußere Frühlingserwachen ergänzt.

Das Cover zeigt eine Frau, die versucht, ihr Gleichgewicht zu finden bzw. zu halten und passt hervorragend zu dieser Geschichte. Die hellen und warmen Farben wecken bei mir den Eindruck von Leichtigkeit, die mit und durch Yoga ebenfalls angestrebt wird. Jedoch finde ich den englischen Originaltitel "Balancing Acts" wesentlich treffender und den Klappentext unpassend. Er vermittelt mir nicht nur einen völlig falschen ersten Eindruck der Handlung, sondern beschreibt darüber hinaus die falsche Jahreszeit.

Zoe Fishman hat in ihrem Roman an alltäglichen Frauen ein schönes Beispiel gezeigt, wie jeder etwas für sich selbst - und damit natürlich auch für sein Umfeld - tun kann, um sein Gleichgewicht zu finden - eine Eigenschaft, die in unserer heutigen, hektischen Zeit eine große und wichtige Rolle spielt. Ich habe ihn gerne gelesen und kann ihn wirklich empfehlen.

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142 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 37 Rezensionen

thriller, boston, usa, familie, spannend

Ohne jede Spur

Lisa Gardner , Michael Windgassen
Flexibler Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.08.2011
ISBN 9783499255571
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist ein Abend wie jeder andere - Sandra Jones bringt ihre Tochter zu Bett, erledigt danach noch einige Aufgaben, begibt sich anschließend selbst zur Ruhe - und ist am nächsten Morgen verschwunden. Sergeant Detective D.D. Warren nimmt die Ermittlungen auf.

Dieses Buch fällt mir direkt wegen seiner auffälligen Farbe und einem klaren Titel ins Auge, der sich als sehr bezeichnend für den ganzen Thriller herausstellt, tappe ich doch lange Zeit ebenso wie die Ermittler im Dunkeln, was das Verschwinden Sandras betrifft.

Insgesamt ist die Geschichte sehr flüssig zu lesen und der angenehme Schreibstil sowie die packende Erzählweise lassen mich schnell in die Handlung abtauchen. Während ich den Einstieg in die Geschichte sehr spannend finde, verliert sie zu Beginn der Ermittlungen etwas an Spannung und Tempo, um dann zur Mitte des Buches mit der Einführung neuer Personen und weiterer Aspekte wieder kräftig zuzulegen. Clever legt Lisa Gardner im Verlauf der Handlung immer wieder falsche Fährten, und selbst als sich ein Motiv abzeichnet, ergibt sich am Ende noch eine überraschende Wendung. Perspektivenwechsel, verschiedene Personen, die in Ich-Form berichten, bruchstückhafte Informationen, die mir immer wieder Teile zum Gesamtbild liefern und geschickt eingesetzte Cliffhanger sorgen dafür, dass ich den Rest des Buches in einem Rutsch verschlinge. Besonders positiv finde ich, dass über 540 Seiten meist Hochspannung erzeugt wird, ohne dass Blut in Strömen fließen oder ein Opfer fürchterlich gequält werden muss.

Die Protagonisten sind komplexe Persönlichkeiten, von denen jede mit einem geheimnisvollen Hintergrund ausgestattet ist, der dem Leser nach und nach zugänglich gemacht wird. Dies gefällt mir grundsätzlich sehr gut, ist hier in dieser Fülle aber hart an der Grenze, konstruiert zu wirken. Lediglich die Ermittler finde ich nach einer vielversprechenden Einführung farblos und schwach, was in der Geschichte im Ganzen jedoch nicht stört.

Insgesamt kann ich diesen Thriller sehr empfehlen, der ganz besonders die Leser ansprechen wird, die Spannung ohne großes Blutvergießen und Brutalität mögen.

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

krimi, allgäu, robert walcher, bodensee, rangnick

Bauernfänger

Joachim Rangnick
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.06.2011
ISBN 9783548610481
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Journalist Robert Walcher ist ein liebenswerter Mensch und hat seine Marotten. Er ist nostalgisch angehaucht und fotografiert gerne alte Häuser am Bodensee. Dabei tritt er in einer verlassenen Villa versehentlich auf die Leiche eines Mannes und nimmt aus Neugierde Unterlagen über "Die Company" mit - einer Wirtschaftsverschwörung? Als er wenige Tage später in seinem Keller ein gehängtes Schwein findet, wittert er eine große Geschichte ....

Die Geschichte ist leicht und sehr anschaulich erzählt und flüssig zu lesen. Ich habe das Allgäu, seine Landschaft und auch die Ereignisse bildhaft vor Augen und tauche problemlos in das Geschehen ein. Viele Perspektivenwechsel, ein angenehmer Schreibstil und meist kurze Kapitel halten die Geschichte lebendig.

Robert Walcher ist mir als kauziger Eigenbrötler mit empfindlichem Magen und seiner etwas umständlichen Art sehr sympathisch und bildet zusammen mit seinem Kater Bärendreck ein originelles Gespann, das die Geschichte immer wieder unterhaltsam auflockert und maßgeblich die Atmosphäre des Krimis mit beeinflusst.

Die Idee der Lotto-Company gefällt mir gut und die Handlung lässt sich vielversprechend an, hält aber leider nicht, was ich mir nach dem Anfang und dem Klappentext erhoffe. Nachdem Walcher erfährt, worum es eigentlich geht, wird die Handlung verwirrend. Auf die Spannung warte ich vergeblich und die Motive für die Morde sind niederer Natur. Im Verlauf der Geschichte tauchen eine Menge Menschen auf, die z.T. nur kurz das Geschehen streifen bzw. eingreifen, wobei sich mir häufig der Sinn ihres Erscheinens bzw. Ablebens nicht erschließt. So scheint zum Beispiel Walchers Nachbar Josef anfangs eine tragende Rolle zu spielen, verschwindet später vollkommen von der Bildfläche und wird gegen Ende immerhin noch mit wenigen Sätzen erwähnt. Die vielen Morde durch einen klischeehaften Täter, oft getarnt als Unfall, erzeugen weder Spannung, noch sind die meisten für die eigentliche Handlung von großer Bedeutung. Sie sind für mich ebenso wenig erforderlich wie der Alkohol, der zu jeder Tageszeit in verschiedenen Geschmacksrichtungen reichlich fließt. Seltsam ist auch, dass die Polizei - irgendwann wird kurz erwähnt, sie sei sowieso überlastet - fast komplett außen vor ist, so dass die handelnden Personen, einschließlich des "Aufräumtrupps der Company", fast nach Herzenslust, unbemerkt und ungeahndet, schalten, walten und morden können, wie es ihnen beliebt.

Der Krimi hat mich ein wenig enttäuscht. Die Spannung fehlt und vieles ist einfach unrealistisch, nicht zu Ende geführt und nicht unbedingt nachvollziehbar. Jedoch wiegt der originelle Charakter Robert Walchers, die Beschreibung der Landschaft und der Atmosphäre des Allgäus und einige "Urgesteine", wie z.B. auch Frau Zehner, vieles auf und so hatte ich trotz der beschriebenen Schwächen ein paar unterhaltsame Stunden.

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142 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

arzt, genf, flugangst, witzig, liebe

Die Nächste, bitte

Mia Morgowski , yellowfarm gmbh , Stefanie Freischem
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2011
ISBN 9783499256370
Genre: Romane

Rezension:

Dr. Paul Rosen will als Anti-Aging-Arzt in Genf hoch hinaus, steckt jedoch momentan in der Hamburger Hausarztpraxis seines Vaters fest und hadert mit seiner täglichen Arbeit.
Nella will nach Genf fliegen und benötigt ein Mittel gegen ihre Flugangst. Das erhält sie in von ihrem Arzt Dr. Rosen.
Doch das Mittel wirkt nicht und Dr. Rosen, der zufällig im selben Flugzeug sitzt, muss Nella retten. Als Gegenleistung soll Nella in Genf seine Ehefrau spielen, die unabdingbare Vorraussetzung für die offene Stelle seiner Träume ist, um die er sich bewirbt. Dies wird umso brisanter, als nach der Landung unerwartet ein weiterer Bewerber für diese Stelle samt Ehefrau auftaucht .....

Obwohl Cover und Titel meine Vorurteile gegenüber Arztromanen kräftig schüren, habe ich sie schließlich außen vor gelassen und mich an dieses Buch herangewagt. Die Geschichte liest sich größtenteils leicht und flüssig. Während dem Leser Pauls Erlebnisse und Gedanken in der Ich-Form erzählt werden, schreibt Nella Tagebuch. Obgleich das Tagebuch optisch ansprechend aufbereitet ist und alles etwas auflockert, bin ich, z.T. bedingt durch den Schreibstil, nach ca. 100 Seiten so genervt, dass ich versucht bin, das Buch abzubrechen. Beispielsweise zieht sich die Suche nach einer Versichertenkarte eine Stunde und 35 Minuten lang über 4 Seiten mit 11 Tagebucheinträgen zu unterschiedlichen Zeiten hin. Mein Lesefluss kommt hier ständig ins Stocken und ich finde die Lektüre nicht lustig, sondern hektisch und gestückelt. Doch glücklicherweise gelingt es Nella im Laufe des Buches immer häufiger, einen Eintrag über mehrere Seiten zu verfassen, was mir wesentlich besser gefällt.

Der oft vorhandene ironische und teilweise sogar sarkastische Unterton gibt dem Ganzen einen amüsanten Touch, genauso wie das Spiel mit den (Ärzte-) Klischees, über die sich die Protagonisten einerseits lustig machen, die sie andererseits aber zu einem späteren Zeitpunkt perfekt erfüllen wollen. Gelungen sind auch die häufigen Perspektivenwechsel zwischen den Protagonisten. Sie knüpfen teilweise nahtlos aneinander an, was die Geschichte lebendig, flüssig und temporeich werden lässt. Andere Szenen lese ich zweimal aus verschiedenen Sichten, wodurch ich ein umfassenderes Bild der Situationen und auch der Figuren erhalte.

Leider konnte ich mich mit keiner der Hauptfiguren richtig anfreunden. Dr. Rosen verkörpert den überheblichen, arroganten, souveränen Arzt, der jede Situation im Griff und für alles eine Erklärung hat. Allerdings ist er ohne Rückgrat und auf dem Weg zu seinem Ziel, der vakanten Stelle in Genf, krampfhaft bemüht, alle Erwartungen zu erfüllen und dazu ist ihm alles Recht. Allein seine Kreativität im Erfinden neuer Erklärungen, die geschickt und spontan in die bestehende Geschichte eingeflochten werden, ist bewundernswert. Dazu ist sein Sinn für Humor recht originell, als er hinter Nellas Rücken in ihr Liebesleben eingreift und damit einige Verwirrung stiftet. Währenddessen stellt die normalerweise selbständige Nella in dieser Geschichte eine schwache Frau mit hysterischen Einschlägen und wiederkehrender, vorübergehender Amnesie dar, die sich ständig lächerlich und von Paul zum Spielball seiner Pläne machen lässt - ziemlich flach.

Das Lügengebäude, das beide in Genf aufbauen, ist letztendlich derart konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass ich es nicht mehr komisch finde - weniger wäre hier mehr. Das gleiche gilt für die Nebengeschichte mit Pauls letztem Verhältnis - zu viel Zufall, zu absurd und damit unglaubwürdig. Allerdings dringt die Situationskomik vereinzelt doch zu mir durch, so dass ich hin und wieder schmunzeln kann. Dennoch bin ich richtig erleichtert, als schließlich Pauls Mutter beherzt eingreift, einige Dinge klärt und das vorprogrammierte Happy-End, wenn auch nur bedingt in der erwarteten Form, eintritt.

Alles in allem in das Buch sehr leichte Kost ohne Tiefgang, schnell gelesen und leider nur stellenweise amüsant.

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 31 Rezensionen

schweden, krimi, sandhamn, stockholm, mord

Tödlicher Mittsommer

Viveca Sten
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 14.05.2010
ISBN 9783462040739
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Ermittlungen in einem Mordfall führen Thomas Andreasson auf die idyllische Schäreninsel Sandhamn, wo er seine Jugendfreundin Nora Linde wieder trifft, die dort die Sommerferien mit ihrer Familie verbringt. Während Thomas fest entschlossen versucht, Licht in den mysteriösen Fall zu bringen und seine privaten Sorgen zu verdrängen, widmet sich Nora ganz ihrer Familie, in der sich Probleme anbahnen...

Obwohl ich den Täter bereits kannte, da ich den zweiten Band dieser Reihe zuerst gelesen habe, hat mich dieses Buch durchgehend gefesselt und ich habe es innerhalb von zwei Tagen zu Ende gelesen. Auch wenn die Spannung nicht sehr hoch ist, kommt es während der doch zähen Ermittlungen immer wieder zu unerwarteten Wendungen, was zu einem durchgehenden Spannungsbogen führt. Obwohl ich während der ganzen Lektüre auf Hinweise auf den Täter geachtet habe, fand ich sie nicht. Möglicherweise bin ich aber zwischenzeitlich - auch bedingt durch den flüssigen, klaren und leichten Schreibstil und die ausführliche Beschreibung der wunderbaren Umgebung - so tief in die Geschichte abgetaucht, dass ich sie überlas. So kommt das Ende aus der Handlung heraus überraschend und ist trotzdem schlüssig.

Viveca Sten gelingt es hier, einen gleichermaßen spannenden wie unterhaltsamen Krimi zu schreiben. Die Freundschaft zwischen den sympathischen Protagonisten Thomas und Nora bildet eine wunderbare Grundlage zwischen der Kriminalhandlung und der Familiengeschichte. Dass Nora in ihren gemeinsamen Gesprächen Thomas immer wieder auf neue Ideen zur Klärung seines Falles bringt, ist eine passende Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen. Beide Hauptfiguren haben mit ihrem unterschiedlichen Familienhintergrund und ihren Absichten, etwas an ihrer Situation zu ändern, gutes Entwicklungspotential für weitere Bände. Die sommerliche Ferienatmosphäre der Schäreninseln, die den Leser bereits auf dem Cover anlacht, ist eine schöne Abwechslung zu der sonst eher düsteren, kalten und grauen Atmosphäre skandinavischer Krimis und vervollständigt dieses gelungene Buch.

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 24 Rezensionen

schweden, mord, thomas andreasson, nora linde, sandhamn

Tod im Schärengarten

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.04.2011
ISBN 9783462043020
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gleichzeitig mit dem Startschuss zu der berühmten Segelregatta vor den schwedischen Schäreninseln wird der erste Vizevorsitzende der Königlich Schwedischen Segler­gesellschaft, Oscar Juliander erschossen, der in diesem Jahr unbedingt den Gesamtsieg der Regatta "Gotland Runt" gewinnen wollte. Thomas Andreasson ermittelt. Währenddessen schaut sich Nora Linde, seine Jugendfreundin, eine geerbte Villa an, mit der sie nicht nur angenehme Erinnerungen verbindet ...

Das Cover spricht mich auf den ersten Blick an, ein klares Bild und ebenso klar und verständlich, flüssig und angenehm empfinde ich den Schreibstil der Autorin. Die Geschichte zieht mich direkt in ihren Bann, mein Lesefluss wird durch kurze Kapitel unterstützt und anfangs lediglich durch die für mich sehr ungewohnten schwedischen Namen gebremst.

Obwohl der Mord sich direkt im ersten Kapitel auf den ersten beiden Seiten ereignet und Thema des Buches ist, dominiert nicht wie erwartet die Spannung um die Lösung des Kriminalfalls. Mich fesselt das Geschehen rund um die Protagonisten, die sehr sympathisch und sehr menschlich dargestellt werden mit all ihren Schwächen, Stärken, familiären Beziehungen und ihrer Vergangenheit. Häufige Perspektivenwechsel zwischen den Charakteren machen die Geschichte lebendig. Nebenbei begeistere ich mich während der Lektüre zusehends für die wunderbare Landschaft der Schären mit ihren falunroten Häusern, deren Beschreibung fast unbemerkt einfließt.

Die Ermittlung durch Thomas und Kollegen plätschert langsam vor sich hin, wobei hier ein realistisches Beispiel für zähe Ermittlungsarbeit in viele, letztendlich auch einige falsche Richtungen vermittelt wird. Währenddessen ist Nora völlig mit ihrer Familie und ihrer Erbschaft beschäftigt und wird erst gegen Ende auf einem Nebenschauplatz Teil der Mordermittlung. Spannung kommt durch zwei weitere Handlungsstränge auf. Bei einem rätsele ich als Leser lange, wie er überhaupt mit dem Mord zusammen hängt, während der andere nicht nur optisch gegen die anderen abgesetzt ist, sondern bei dem ich bis zum Ende lediglich ahne, von welcher Person die Rede ist, bei der offensichtlich psychisch einiges gärt. Die drei Kapitel der "finalen Mörderjagd" wiederum sind im Präsens geschrieben und heben sich dadurch vom restlichen Buch ab.

Viveca Sten fügt am Ende die einzelnen Stränge clever zusammen, so dass sich ein schlüssiges Bild ergibt. Im Zuge der Ermittlungen gewonnene Erkenntnisse, die nicht zum Täter führen, bleiben nicht einfach im Raum stehen, sondern werden geschickt in das Gesamtbild eingefügt bzw. zum Nutzen einzelner Personen weiterverarbeitet. Dennoch ist das Ende um die Protagonisten so gestaltet, dass sich ein weiterer Band problemlos anschließen kann.

Unglücklich finde ich die Schilderung der Ereignisse des vergangenen Sommers. Die Autorin liefert mir nicht nur die Umstände der damaligen Morde, sondern präsentiert mir den Mörder gleich mit - schade, da ich den ersten Teil noch nicht kenne und mir so das Ende vorweg genommen wird.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und mir unterhaltsame Stunden geboten, auch wenn für einen Kriminalroman das Verbrechen etwas in den Hintergrund rückt. Jetzt freue ich mich auf die Lektüre des ersten Bandes und werde bei Ankündigung eines dritten direkt in den Startlöchern stehen :-)

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