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108 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

irland, liebe, herzmuscheln, neuanfang, elaine winter

Herzmuscheln

Elaine Winter
E-Buch Text: 268 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.09.2017
ISBN 9783732542208
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nachdem Kyla ihren Freund und Chef in flagranti mit ihrer besten Freundin erwischt hat, ist in ihrem Leben nichts mehr wie es war. Sie nutzt ihre Situation jedoch als Chance, und erfüllt sich mit Hilfe eines kleinen Erbes einen langgehegten Lebenstraum, nämlich ein kleines „Guesthouse“ am Meer zu führen. Mit ihrem alten Auto, in das all ihre Habseligkeiten hineinpassen, lässt sie Dublin hinter sich und zieht nach Loonhill in Connemara, wo sie ihr frisch erworbenes Heim renovieren und neu eröffnen möchte. Doch schon bei ihrer Ankunft erlebt sie einige Überraschungen …

Der Einstieg in das Buch gelingt leicht, der anschauliche Schreibstil ist flüssig zu lesen und schon nach wenigen Seiten ist die irische Atmosphäre spürbar. Ein atemberaubender Ausblick auf den Atlantik, das „Guesthouse“ mit Zugang zum Strand und die unterschiedlichsten Gäste sorgen neben abwechslungsreicher Unterhaltung unterschwellig für ein wenig Urlaubsfeeling. Entsprechend der Erwartung an die Lektüre tauchen im Laufe der Zeit größere und kleinere Probleme auf, die zu aller Zufriedenheit gelöst werden, jedoch ohne größeren Tiefgang bleiben. Ebenso verläuft die Liebesgeschichte zwischen Kyla und dem geheimnisvollen Schriftsteller Ryan recht vorhersehbar, wobei die Autorin hier jedoch recht kreativ ist und einige amüsante und ungewöhnliche Begebenheiten einbaut, die mir gut gefallen. Umso enttäuschter war ich, dass sie bei der natürlich unumgänglichen Unterbrechung der Beziehung vor dem Happy End auf das viel verwendete und sehr einfache Schema zurückgreift, bei dem, kurz zusammengefasst, einer dem anderen einfach erklärt, dass das, was geschehen ist, nichts zu bedeuten hat – hier hätte ich nach dem Verlauf der Handlung doch etwas mehr erwartet. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, allen voran natürlich die Protagonisten Kyla und Ryan, aber auch dessen liebenswerte Großmutter Emily. Besonders ans Herz gewachsen ist mir jedoch der schrullige alte Rupert, der bei Kylas Eintreffen bereits in ihrem neuen Heim wohnt und sich beharrlich weigert auszuziehen, und der immer wieder für eine Überraschung gut ist.

Fazit:
Unterm Strich ist „Herzmuscheln“ eine leichte, romantische Frauenlektüre mit erwartetem Ausgang, die mit einigen kreativen Impulsen punkten kann, aber auch auf einige beliebte Klischees und gängige Schemata zurückgreift. Sie bietet einige Stunden entspanntes Lesevergnügen mit Urlaubsfeeling, konnte jedoch keinen dauerhaften Eindruck hinterlassen.

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(80)

108 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 77 Rezensionen

krimi, gesine cordes, bestatter, friedhofsgärtnerin, friedhof

Wildeule

Annette Wieners
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.08.2017
ISBN 9783548612591
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Während einer Bestattung verrutscht der Deckel des Sarges. Bei der Untersuchung, wie dies passieren konnte, wird festgestellt, dass im Sarg anstatt der erwarteten Frauenleiche die Leiche des Bestatters liegt. Die Friedhofsgärtnerin und frühere Kriminalkommissarin Gesine Cordes informiert sofort die Polizei, da sie ein Tötungsdelikt vermutet. Die Ermittlungen beginnen …

Das Buch beginnt fesselnd, beeindruckt von Anfang an mit einer intensiven Atmosphäre, die insbesondere durch den flüssigen Schreibstil und die anschaulichen Schilderungen der bizarren Ereignisse auf dem Friedhof erzeugt wird, und mich vollkommen in die Geschichte hinein zieht. Auch wenn man das Buch ohne Kenntnis der beiden Vorgängerbände lesen kann war ich froh, die Protagonisten Gesine Cordes, die Kommissarin Marina Olbert und den Bestatter Hannes van Deest bereits zu kennen, da die Autorin vorherige Ereignisse nur sehr knapp streift, und die Vorgeschichte der Protagonisten und ihre teilweise etwas komplizierte Beziehung untereinander im Laufe des vorliegenden Falles eine nicht unerhebliche Rolle spielen und ihr Handeln maßgelblich bestimmen. Gleichzeitig ist dies die Basis für das Besondere an diesem Band - die enge Verbindung und die nahtlose Verflechtung zwischen Verbrechen und Privatem, meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt eines guten Kriminalromans.

Die Geschichte verläuft unspektakulär, ist über lange Strecken eher fesselnd als spannend und kommt mit einer überschaubaren Anzahl handelnder Personen aus. Auf der Suche nach Mörder und Motiv stehen weniger atemberaubende Ermittlungen und spektakuläre Wendungen im Vordergrund, als Misstrauen untereinander und Beziehungschaos - wer traut wem, wer ist verdächtig, wer wird gerade instrumentalisiert und wer hält Informationen zurück. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und nehmen schnell Gestalt an. Allen voran steht hier natürlich die Friedhofsgärtnerin, die mit ihrem wachen Verstand häufig die richtigen Schlüsse zieht und aus ihrer aktiven Zeit im Polizeidienst noch über Instinkt und eine gewisse Erfahrung verfügt. Gekonnt in die Handlung integriert und durch den Verlauf der Ereignisse mit bedingt, scheint sie nun endlich auch bereit, sich ihr durch Schuldgefühle bestimmtes Verhaltensmuster anzusehen und Änderungen in ihrem Leben in Erwägung zu ziehen. Doch auch die anderen, teilweise etwas schrägen Figuren haben Unterhaltungswert und wissen zu überzeugen. Letztendlich mündet die Geschichte schlüssig in einem spannenden Finale und ebnet den Weg für einen weiteren Band.

Fazit:
„Wildeule“ ist ein weiterer fesselnder und unterhaltsamer Kriminalroman um Gesine Cordes, der sich insbesondere durch eine intensive Atmosphäre und eine starke Verflechtung zwischen Ermittlungen und Privatem hervorhebt. Meiner Meinung nach sollte man aber die ersten beiden Bände zuerst lesen, um die Beziehungen der Protagonisten untereinander und ihre daraus resultierende Handlungsweise vollständig zu verstehen.

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(91)

117 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 86 Rezensionen

krimi, münchen, mord, gewalt, misshandlungen

Tiefe Schuld

Manuela Obermeier
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783548288635
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In der Aubinger Lohe wird eine Tote gefunden, die Leiche weist Spuren massiver Misshandlung über einen längeren Zeitraum auf. Das Team um Toni Stieglitz von der Mordkommission München nimmt die Ermittlungen auf. Toni, selbst Opfer jahrelanger Misshandlung und immer noch traumatisiert, geht dieser Fall besonders nahe, zumal sie erst vor kurzem den Mut gefunden hatte, ihren Exfreund anzuzeigen. Ist sie in der Lage, unvoreingenommen zu ermitteln?

„Tiefe Schuld" ist der zweite Band der Krimiserie um Toni Stieglitz, den man auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen kann. Dennoch empfiehlt es sich, „Verletzung“ zuerst zu lesen, um die Handlung um Tonis Privatleben vollständig zu verstehen, vor allem, weil dieser Part einen unerwartet großen Teil des Buches einnimmt. Verschiedene Ansätze zum Thema Misshandlung bestimmen die aktuellen Ermittlungen. Gleichzeitig ist Toni den massiven psychischen Folgen ihrer eigenen Misshandlung ausgeliefert, die auch in ihrer neuen Beziehung zu dem Pathologen Doc Mulder allgegenwärtig sind, womit sich privater und beruflicher Handlungsstrang gelungen ergänzen. Die Geschichte selbst ist solide, bis zu ihrem schlüssigen Ende durchgängig fesselnd, allerdings nur mäßig spannend und ohne nennenswerte Höhepunkte oder Überraschungen.

Das Buch ist gut zu lesen - der Schreibstil ist sehr anschaulich, der Thematik entsprechend ernst, an vielen Stellen jedoch von trockenem Humor durchsetzt, was immer wieder zu Situationskomik führt, leicht dramatischen Situationen etwas die Spitze nimmt, damit für gute Unterhaltung sorgt und mich als Leser gleichzeitig nahe ans Geschehen lässt. Die Protagonisten sind - mit Kenntnis des ersten Bandes - authentisch und greifbar, doch ohne dieses Wissen fällt ihre Beschreibung zum Teil recht knapp aus. Dennoch werden einige, für diese Ermittlung nicht relevanten Ereignisse recht ausführlich geschildert, was die Vermutung nahe legt, dass sie in einem Folgeband von Bedeutung werden könnten.

Der Schwerpunkt liegt klar auf der Protagonistin Toni und ihrer Situation nach der Anzeige gegen ihren Exfreund, worauf ich nach dem ersten Band sehr gespannt war, und was mir hier wirklich gut gefällt. Gefühle und Unsicherheiten werden umfassend und sehr einfühlsam geschildert, lassen manch unerwartete Reaktionen nachvollziehbar werden, und zeigen, wie verletzlich die nach außen hin so tough wirkende Ermittlerin tatsächlich ist. Etwas schade finde ich, dass dem gegenüber der recht unspektakuläre Mordfall verblasst und für meine Begriffe zu sehr im Hintergrund agiert. Dennoch haben mich die vielen verschiedenen Ermittlungsansätze unter dem Aspekt der Misshandlung beeindruckt, aber auch die Schwierigkeiten, die die anderen Teammitglieder im Verhalten gegenüber Toni haben, der diese Ermittlungen sehr nahe gehen.

Fazit:
„Tiefe Schuld“ ist ein solider, fesselnder Krimi, in dem sowohl in den Ermittlungen, als auch im privaten Bereich das Thema Misshandlung eine große Rolle spielt, und in dem viele Aspekte zur Sprache kommen, die mir so nicht bewusst waren. Den ersten Band sollte man nach Möglichkeit zuerst lesen, um den umfangreichen Part um Toni vollständig zu verstehen. Auch wenn dieses Buch nicht ganz an den Vorgängerband heranreicht, hat mir „Tiefe Schuld" gut gefallen - ich freue mich auf eine Fortsetzung, denn das Thema um Tonis Ex ist noch lange nicht durch ...

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105 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 82 Rezensionen

wien, carlotta fiore, krimi, oper, österreich

Die unbekannte Schwester

Theresa Prammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783471351390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Krimiserie um die Ermittlerin Lotta Fiore war mir bisher unbekannt, und obwohl ich die ersten beiden Bände dieser Serie noch nicht kenne, konnte ich dem vorliegenden dritten Band gut folgen. Der Einstieg gelingt leicht, der Schreibstil ist anschaulich, flüssig und gut zu lesen, von Anfang an ist Schwung im Geschehen und zieht mich einfach mit. Auch dieser Krimi steht und fällt mit der Ermittlerin, mit Lotta Fiore, einer außergewöhnlich komplexen Persönlichkeit, die ohne Ausbildung bei der Polizei eingestellt und direkt zur Kripo abgeordnet wurde, was bei den Kollegen natürlich für Zündstoff sorgt. Das Tempo ist flott, weniger, weil die Ermittlungen so rasant verlaufen, sondern weil Lotta an allen Fronten zu kämpfen hat - mit dem Neid der Kollegen, mit dem eigentlichen Mordfall und ihrem persönlichen Bezug dazu, ihren gut gehüteten Geheimnissen ihres privaten Umfeldes, sowie ihren eigenen Traumata aus ihrer Kindheit, weswegen sie Hilfe bei einer Therapeutin sucht. Zeit zum Luftholen bleibt ihr nicht. Die Handlung ist unvorhersehbar und ungewöhnlich, insbesondere deshalb, weil alle Komponenten ineinander greifen und so miteinander verzahnt sind, dass es fast schon ein wenig chaotisch wirkt. So ist zum Beispiel eine Panikattacke, die sich in ihrer Freizeit im privaten Umfeld ereignet hat, Thema bei ihrer Therapeutin, gleichzeitig hat sie aber auch einen Bezug zu ihren Geheimnissen, und im weiteren Sinne auch Auswirkung auf den aktuellen Fall. Trotz dieser vielen Verwicklungen wird nach und nach alles stimmig zusammengeführt und das Buch endet schlüssig.

Von Beginn an fasziniert die - wie im Klappentext versprochen - schillernde Persönlichkeit Lotta, die mit ihren ungewöhnlichen Methoden und sicherem Instinkt die Geschichte bestimmt. Ihre Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, ist in der Handlung deutlich sichtbar und spricht ebenfalls für sie. Doch auch die Details in den aktuellen Ermittlungen finde ich nach gelungen - die Autorin Theresa Prammer muss nicht auf besonders blutige und grausame Morde zurückgreifen, vielmehr besticht sie durch einfache, raffinierte Methoden, die sehr geschickt umgesetzt werden, was ich auf jeden Fall bevorzuge. Als einzigen Kritikpunkt sehe ich die Fülle der Probleme, die in dieser Menge etwas konstruiert und unglaubwürdig wirken und die Atmosphäre etwas chaotisch werden lässt. So musste ich am Ende tatsächlich ein Detail im vorderen Teil des Buches nachschlagen, das mir unlogisch vorkam, das jedoch letztendlich bei mir in den vielen Szenen einfach untergegangen war. Dennoch haben mich diese vielfältigen Aspekte gleichzeitig an das Buch gefesselt, und es mich innerhalb von 24 Stunden zu Ende lesen lassen.

Fazit:
„Die unbekannte Schwester" ist ein schwungvoller und erfrischend anderer Kriminalroman um eine außergewöhnliche Ermittlerin. Ich werde auf jeden Fall noch die ersten beiden Bände lesen …

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195 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

krimi, duisburg, polizeiseelsorger, ruhrgebiet, seelsorger

Glaube Liebe Tod

Peter Gallert , Jörg Reiter
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548288918
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dem evangelischen Polizeiseelsorger Martin Bauer gelingt es in letzter Minute, einen Polizisten davon abzuhalten, Selbstmord zu begehen. Doch einige Stunden später wird der Polizist nach einem Sturz von einem Parkhausdeck tot aufgefunden. War es wirklich Selbstmord? Während es für alle anderen klar ist, hat Martin Bauer seine Zweifel - und beginnt, Nachforschungen anzustellen ….

Der Einstieg in „Glaube Liebe Tod“ gelingt leicht und bietet Kopfkino vom Feinsten: Die anschauliche Schilderung einer spektakulären Situation sowie ihres unerwarteten Verlaufes lassen ab der ersten Seite Bilder im Kopf aufsteigen, die durch schlagfertige Dialoge und ein wenig Situationskomik eine Atmosphäre mit einem unterhaltsamen und amüsanten Beigeschmack schaffen, die mich sofort für dieses Buch einnehmen. Doch schon nach wenigen weiteren Seiten zeigt sich eine tiefergehende und ernste Thematik mit zum Teil recht brutalem Vorgehen, die einen interessanten Kontrast zur bisherigen „Leichtigkeit“ bildet, was aber lediglich einen Vorgeschmack auf die kommenden gewalttätigen Machenschaften und organisierte Kriminalität gibt. Das Tempo ist flott, die Handlung ereignisreich, fesselnd und spannend, und ein Höhepunkt jagt den nächsten, wobei zwar einige momentan beliebte Klischees bedient werden, die Geschichte jedoch insgesamt recht abwechslungsreich und wenig vorhersehbar verläuft. Die plastische Erzählweise bietet Raum für eigene Bilder, die durch eine spürbare Atmosphäre, detaillierte Schilderungen und nachvollziehbare Emotionen greifbar werden.

Herausragende Figuren sind natürlich der Seelsorger Martin Bauer, aber auch der Sohn des toten Polizisten, der fünfzehnjährige Tilo, der nicht nur von seinem Umfeld im Stich gelassen wurde und emotional wegzubrechen droht, sondern ungewollt in die aktuellen, kriminellen Machenschaften hineingezogen und tiefer darin verstrickt wird, als ihm lieb ist. Sein Frust, seine Verzweiflung, sein Misstrauen gegenüber anderen, aber auch sein „guter Kern“, seine Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen in Not und sein Unrechtsbewusstsein sind trotz, bzw. gerade in seiner Misere gut dargestellt und durchgängig spürbar. Martin Bauer hingegen ist ein Seelsorger, wie man ihn sich wünscht - sein Beruf ist Berufung, er steht mit beiden Füßen fest im Leben, hat ein intuitives Gespür für heikle Situationen und fast immer eine Lösung parat - zielorientiert, häufig ungewöhnlich, manchmal spektakulär, doch meistens effektiv. Seine Handlungen und sein Gespür werden gestützt durch seinen Glauben, was im Buch durch viele Bibelzitate immer wieder untermauert wird, wobei ihn sein zeitweiliges Hadern mit Gott und sein vereinzeltes Zweifeln an seinem Instinkt ihn menschlich und authentisch machen. Mir persönlich hat diese Figur sehr imponiert, die für einen Kriminalroman eine ganz andere Seite der Polizeiarbeit präsentiert, gleichzeitig aber auch sehr gut die Zerrissenheit seines Berufsstandes bezüglich Pflichtbewusstseins und Loyalität gegenüber seinen Kollegen auf der einen Seite, bzw. seiner Familie auf der anderen Seite darstellt.

Das Buch endet schlüssig und so wie es begonnen hat - mit einem Paukenschlag, ein für meine Begriffe etwas überzogenes Showdown, das sicherlich ein wenig der bisherigen Laufbahn der beiden Schriftsteller als Drehbuchautoren geschuldet ist, aber dem Kopfkino ein letztes Highlight beschert.

Fazit:
„Glaube Liebe Tod“ ist der gelungene Auftakt der neuen Krimireihe um den engagierten Polizeiseelsorger Martin Bauer, der mich durchgehend fesseln konnte, und den ich innerhalb von 24 Stunden zu Ende gelesen habe. Insbesondere die Figur des Seelsorgers und die anschauliche Darstellungsweise haben mir sehr gut gefallen - ich freue mich auf den nächsten Band, der im Mai 2018 erscheinen soll ….

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69 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

familie, geheimnisse, ex-mann, famili, lügen

Kleine Lügen erhalten die Familie

Katia Weber
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783548288901
Genre: Romane

Rezension:

Ihr Mann ist ausgezogen, drei lebhafte Kinder, eine permanent präsente Mutter, die immer das letzte Wort hat, und natürlich Hund Werner, der ständig ausbüxt und immer mal wieder für eine Überraschung gut ist, fordern täglich ihre Aufmerksamkeit - Franziskas Alltag ist vollgepackt und überhaupt nicht langweilig. Doch plötzlich drängen Geheimnisse ans Tageslicht, unglaubliche Dinge, die niemand geahnt oder auch nur für möglich gehalten hätte ...

Der Einstieg in das Buch gestaltet sich für den Leser leicht und munter, die Protagonisten in einer angenehm überschaubaren Anzahl wirken authentisch, sind durch die Bank sympathisch, bleiben jedoch insgesamt etwas oberflächlich. Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen, stellenweise aber etwas spröde - für das Tempo der Handlung und die Fülle der Ereignisse hätte er etwas schwungvoller sein können. Die Handlung ist turbulent, und die anschaulich geschilderten Szenen zaubern gerade zu Beginn des Buches immer mal wieder ein amüsiertes Lächeln auf mein Gesicht. Dies nimmt jedoch mit fortschreitender Geschichte immer mehr ab, da einerseits die Ereignisse um die fast gleichzeitig zutage tretenden Geheimnisse so geballt sind, dass die Handlung unglaubwürdig wird, und darüber hinaus auch (fast) jede Nebenfigur mit einer eigenen Rolle ausgestattet ist, die am Ende alle auf unglaubliche Weise wie Zahnräder ineinander greifen und zu einem komplexen Ganzen werden. Dies wirkt dann leider konstruiert und unrealistisch, sodass der Spaß am Lesen und vor allem die dabei anfangs verspürte Leichtigkeit und Belustigung im Laufe des Geschehens irgendwann weitestgehend auf der Strecke bleiben. Mit am besten gefiel mir die Rolle von Werner, dem Hund, der seinen Part überzeugend spielte und mit seinem Geheimnis nicht wenige Figuren auf Trab brachte.

Fazit:
„Kleine Lügen erhalten die Familie“ ist ein leichter, unterhaltsamer Familienroman, der vielversprechend beginnt, mich aufgrund seiner etwas überfrachteten familiären Verwirrungen letztendlich aber nicht ganz überzeugen konnte - hier wäre meiner Meinung nach weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz bietet er einige Stunden unbeschwerte Unterhaltung mit einigen amüsanten Vorfällen, die mir aus dem eigenen Alltag seltsam vertraut scheinen und mir ein Schmunzeln entlockten :)

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

norderney, liebe, nordsee, kindesentführung, anni deckner

Die Sehnsucht der Inselärztin: Ein Nordseeroman (Ein Nordsee-Roman 3)

Anni Deckner
E-Buch Text
Erschienen bei Forever, 03.04.2017
ISBN 9783958181694
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Ärztin Thordis Südermann kehrt nach einer gescheiterten Ehe und der Entführung ihres Sohnes durch ihren Exmann in die Türkei auf ihre Heimatinsel Norderney zurück und übernimmt die Praxis eines in den Ruhestand gegangenen Kollegen. Als plötzlich ihre Jugendliebe Boie auf der Insel auftaucht und die dortige Zahnarztpraxis übernimmt, brechen ihre verdrängten Gefühle für ihn mit aller Macht wieder an die Oberfläche. Auch die Sehnsucht nach ihrem Sohn lässt sie nicht los - sie plant, ihn wieder zu sich zu nehmen …

Nach einem ersten Kapitel in der Vergangenheit, aus dem die Hintergründe hervorgehen, beginnt die eigentliche Handlung. Einfache und kurze Sätze schildern insgesamt recht knapp das Geschehen und lassen die Seiten nur so verfliegen. Die Protagonisten sind anschaulich und gefällig, doch sogar die Hauptfiguren bleiben insgesamt recht flach und es gelingt mir nicht, trotz aller Dramatik Nähe zu ihnen aufzubauen, um mitfühlen zu können. Die Atmosphäre bleibt etwas im Hintergrund und wird hauptsächlich durch Landschaftsbeschreibungen erzeugt.

Die Geschichte selbst hat viele gute und interessante Ansätze für einen sehr abwechslungsreichen und emotionalen Roman, Potential, das - vorweg genommen - Anni Deckner meiner Meinung nach leider nicht wirklich ausgeschöpft hat. Zwar enden alle Probleme wie erwartet, doch sie werden insgesamt, und dies betrifft insbesondere die Rettungsaktion für Thordis Sohn, sehr kurz, sehr schnell und dadurch - sogar in Anbetracht einer leichten Lektüre - auch sehr oberflächlich abgehandelt und zu einfach aufgelöst, und wurden damit ihrer dahinter stehenden Dramatik nicht gerecht. Mit ein paar Nebenschauplätzen weniger und einer dafür etwas ausführlicheren Darstellung der Hauptthemen hätte der Roman deutlich gewonnen.

Fazit:
Unterhaltsame, aber doch recht oberflächliche Lektüre mit ostfriesischem Flair, die ich schnell gelesen hatte, jedoch bald wieder vergessen haben werde.

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

thriller, flucht, cia, amoklauf, korruption

Sie werden dich finden

James Rayburn
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Tropen, 11.03.2017
ISBN 9783608100808
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach der Ermordung ihres geliebten Ehemanns durch die CIA enthüllt die selbst im Dienst der CIA stehende Kate Swift deren korrupte Machenschaften und taucht zusammen mit ihrer kleinen Tochter unter. Wenige Jahre später wird sie durch einen Zufall enttarnt - doch sie war auf diesen Tag vorbereitet und ihnen gelingt die Flucht. Ihr Ziel ist es, ihren ehemaligen Mentor zu finden, der den Ruf hat, Unmögliches möglich zu machen und erhofft, zusammen mit ihm einen Weg zu finden, ihre Tochter trotz ihres Verrates in den USA aufwachsen zu lassen. Die Jagd beginnt …

Das Buch beginnt actionreich, fesselnd und spannend. Entgegen gängiger CIA-Agententhriller findet dieses Mal die Jagd ausschließlich in den eigenen Reihen statt, zwischen Aktiven, Ehemaligen, Verrätern und unehrenhaft Entlassenen, sowie deren Helfershelfern. Die Handlung hat keinen tieferen Hintergrund, da es lediglich darum geht, ob und wie Kate ihr Ziel erreicht und wie ihre Gegenspieler agieren. Das Geschehen gestaltet sich blutig, brutal und ebenso wie der Schreibstil stellenweise auch recht derb. Kurze Kapitel unterstützen das hohe Tempo. Die Geschichte spielt ausschließlich mit einer Reihe recht oberflächlich und überzogen dargestellter Protagonisten, wobei der Rest der Welt nahezu vollständig ausgeblendet wird, was dazu führt, dass mich die durchgehend rasante, abwechslungsreiche und unvorhersehbare, aber doch sehr realitätsferne Geschichte zwar fesselt, ich das Geschehen aber immer mit einer gewissen Distanz beobachte und nicht wirklich mit Kate mitfiebern kann. Sehr schön dargestellt hingegen ist, wie gezielt Informationen lanciert werden, was vorhersehbare Reaktionen bei der Gegenseite provozieren soll - ein Szenario, das sicherlich auch in der Realität bisweilen praktiziert wird.

Fazit:
Unterm Strich ist „Sie werden dich finden“ ein abwechslungsreicher, temporeicher, jedoch recht einfacher und unrealistischer Actionthriller. Ich war zwar gefesselt und hatte ihn im Nu gelesen - doch einen bleibenden Eindruck hat er nicht hinterlassen.

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(89)

111 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

spreewald, erntehelfer, krimi, gurkenbauern, fließ

Spreewaldtod

Christiane Dieckerhoff
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548287614
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein rumänischer Erntehelfer wird tot in einem Fließ gefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Gibt es einen ausländerfeindlichen Hintergrund? Klaudia Wagner übernimmt den Fall - und muss aufgrund eines personellen Engpasses ausgerechnet mit ihrem verhassten Kollegen Peter Demel zusammenarbeiten. Auch hier liegt Spannung in der Luft …

Das gut 330 starke Buch ist schnell und flüssig zu lesen, und Christiane Dieckerhoffs eingängiger Schreibstil zieht mich in Verbindung mit ihren anschaulichen Schilderungen schnell in das Geschehen hinein. Die Figuren sind anschaulich, die Geschichte realistisch, die Atmosphäre spürbar, doch was mir gerade zu Beginn des Buches missfällt, sind häufige Anspielungen auf Klaudias Zustand sowie ihre Gedanken und Reaktionen, die sich auf ein Ereignis im Frühjahr beziehen - da ich den ersten Band dieser Reihe nicht kenne, kann ich hiermit wenig anfangen und lediglich das ein oder andere im Laufe der Zeit erahnen.

Dennoch stelle ich fest, das mich genau das, was mich zu Anfang gestört hat, mich mit fortschreitender Geschichte immer mehr fesselt. Zwar ist das Verbrechen schlüssig und wird in dieser Geschichte vollständig abgeschlossen, doch es ist insgesamt recht ruhig und unspektakulär und mutiert zur Nebensache, während mich die Persönlichkeiten und das Geschehen rund um die Protagonisten bei der Polizei mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Christiane Dieckerhoff versteht es, Figuren zu zeichnen und sie greifbar darzustellen, sie dabei aber etwas undurchsichtig zu lassen, was sie in gewisser Weise interessant macht. Gekonnt webt sie diese Aspekte in die Aufklärung des Mordes mit ein, klärt vergangene Dinge, stellt zeitgleich jedoch neue Sachverhalte in den Raum, die sicher in einem weiteren Band wieder aufgegriffen werden. Ebenso bleiben einige, für dieses Verbrechen nicht relevante Ereignisse offen, die im Zusammenhang betrachtet Ausgangspunkt für einen weiteren Kriminalfall darstellen könnten.

Fazit:
Unterm Strich hat mir „Spreewaldtod“ gut gefallen und mich so gefesselt, dass ich das Buch in einem Tag zu Ende gelesen habe. Nicht ganz überzeugen konnte mich das Verbrechen, was das Geschehen rund um die Ermittler jedoch weitestgehend wieder wettgemacht hat. Doch ich empfehle, den Vorgängerband „Spreewaldgrab“ zuerst zu lesen.

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(121)

223 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

scarlett cole, tattoos, erotik, liebe, under your skin

Under Your Skin - Halt mich fest

Scarlett Cole , Alexandra Hölscher
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288581
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Nach einer schrecklichen Misshandlung durch ihren Exfreund beginnt Harper Connelly ein neues Leben in Miami Beach. Um endgültig mit diesem Erlebnis abschließen zu können, möchte sie sich ihre Narben auf dem Rücken übertätowierten lassen. Trent Andrews ist ein begnadeter Tätowierer und scheint genau der Richtige für diese Aufgabe zu sein. Doch es kostet sie große Überwindung, diesen Schritt zu wagen …

Der gut 440 Seiten starke Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, und zieht mich gleich zu Beginn in seinen Bann. Einfühlsam führt Scarlett Cole ihre beiden Protagonisten Harper und Trent ein, die mich faszinieren und schon schnell greifbar werden. Beide sind starke Charaktere - Harper, misshandelt, traumatisiert und unsicher, jedoch mutig und fest entschlossen, sich nicht von ihren Ängsten beherrschen zu lassen und Trent, ein begabter Tätowierer und Frauenheld, der aber gleichsam mit einer sensiblen Ader ausgestattet ist. Von ihrem ersten Zusammentreffen an spüren beide, dass zwischen ihnen eine besondere Chemie herrscht, doch ebenso wissen sie, dass der Weg zueinander nicht leicht sein wird - eine berührende Geschichte mit Potential, von der ich mir - vorweg genommen - jedoch etwas mehr Tiefe versprochen hatte.

Die Handlung verläuft recht vorhersehbar, behutsam nähern sich die beiden an. Der Leser erlebt das Geschehen abwechselnd aus Trents und Harpers Sicht, erhält so Einblicke in die jeweiligen Gefühle und Gedanken und ist damit nahe am Geschehen. Wie erwartet ergeben sich bis zum Happy-End viele Höhen und Tiefen, immer wieder stellt sich die Frage nach dem Vertrauen in den anderen, alles eingebettet in Romantik, Erotik und einen - eigentlich - spannenden Hintergrund zur Geschichte. Doch die in der Kurzbeschreibung angekündigten, geheimnisvollen SMS von Harpers Ex lassen lange auf sich warten, und die Handlung längt sich etwas in der Mitte des Buches. Erst auf den letzten 30 Seiten kommt es schließlich zum erwarteten Showdown, der dann zwar dramatisch, aber recht kurz und knapp abgehandelt wird.

Fazit:
"Under your Skin" ist eine berührende Liebesgeschichte mit greifbaren Protagonisten, die sich wunderbar mal zwischendurch wegschmökern lässt.

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

amnesie, überfall, psychothriller, thriller, stalker

Blinde Schatten

Anna Martens
E-Buch Text: 316 Seiten
Erschienen bei Midnight, 02.12.2016
ISBN 9783958190986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Goldschmiedin Johanna Gerke erwacht im Krankenhaus - schwer verletzt und ohne Erinnerung an die letzten Monate. Sie wurde überfallen und brutal zusammengeschlagen - doch von wem? Die Polizei schließt einen simplen Überfall aus. Während ihrer allmählichen körperlichen Genesung beginnt Johanna zu recherchieren und stellt erschüttert fest, dass sie ein völlig falsches Selbstbild hat. Viele Menschen hat sie verletzt und vor den Kopf gestoßen. Doch wer hasst sie so sehr, dass er sie umbringen will? Wann wird er es wieder versuchen?

Die Geschichte beginnt eingängig, ist von Anfang an spannend und kommt ohne massive Gewalt und viel Blutvergießen aus, was ich sehr mag. Auf der Suche nach dem möglichen Täter werden verschiedene Personen präsentiert, viele Möglichkeiten im Laufe der Handlung jedoch einfach nicht weiter verfolgt. Statt dessen stellt Johanna immer wieder unerklärliche Dinge fest, wie durch eine Psychologin vorhergesagt häufen sich ihre Panikattacken, die für mich als Leser nicht immer nachvollziehbar sind und ihre Glaubwürdigkeit wird zunehmend infrage gestellt. Das führt bei mir zu einer zunehmenden Distanz zu Handlung und Protagonistin, die Spannung flacht ab und das Buch fesselt mich nicht mehr. Kleinere Ungereimtheiten, eine nicht immer schlüssige Handlung und viele sehr oberflächlich abgehandelte Personen führten auch dazu, dass ich das Buch immer wieder mal zur Seite gelegt habe. Auch das Ende konnte mich letztendlich nicht überzeugen, obwohl das Tempo wieder etwas anzieht - die Auflösung wirkt konstruiert, und der Täter wird mehr oder weniger nur noch präsentiert.

Fazit:
Nach einem vielversprechenden, spannenden und fesselnden Start wurden meine daraufhin recht hohen Erwartungen an den weiteren Verlauf enttäuscht - Spannung flacht ab, die Handlung wird träge, die Protagonisten bleiben oberflächlich und das zweifellos vorhandene Potential der Geschichte wird leider nicht genutzt. „Blinde Schatten“ ist insgesamt nicht schlecht, konnte mich aber auch nicht ganz überzeugen.

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76 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

paris, frankreich, freundschaft, freundinnen, liebe

Fast perfekte Heldinnen

Adèle Bréau , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548613253
Genre: Romane

Rezension:

Die vier Freundinnen Mathilde, Alice, Lucie und Éva sind seit ihrer Jugend Freundinnen und haben sich auch später nicht aus den Augen verloren. Nun sind sie Ende dreißig, haben Familie, und verbringen nach wie vor jeden Sommer zusammen in der Provence. Zurück in Paris holt sie der Alltag schnell wieder ein - Trennung, Beziehungshölle, Kinderlosigkeit und die Geburt eines dritten Kindes bestimmen neben Beruf und häuslichen Verpflichtungen ihr Leben und erfordern Veränderungen. Was bringt die Zukunft?

Der Einstieg in „Fast perfekte Heldinnen“ gelingt leicht, der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Protagonisten werden bald greifbar. Die Anzahl der handelnden Personen ist angenehm übersichtlich, zusätzlich gibt es zu Beginn des Buches eine Übersicht der „Besetzung“. Über knapp 340 Seiten begleitet man die vier Damen durch die Höhen und Tiefen ihres Alltagswahnsinns, der sich - vielleicht mit Ausnahme der jeweiligen Beziehungsproblematik - im Großen und Ganzen nur wenig von dem einer berufstätigen Frau mit Familie unterscheidet. In angenehmen Abständen wechselt man zwischen den Protagonistinnen hin und her, wobei jedes Kapitel von einer der Damen und ihrer speziellen Herausforderung handelt. Jede Einzelne hat eine Krise zu meistern, alle unterschiedlicher Art, die sie auf ihre eigene Weise annimmt und angeht, und sich dabei der Unterstützung der Freundinnen sicher sein kann. Stärken und Schwächen werden erkennbar, falsche und richtige Entscheidungen werden getroffen - und auch wenn es am Ende nicht für alle ein Happy-End gibt, ist doch eine positive Entwicklung bei jeder Einzelnen zu verzeichnen.

Die Protagonisten sind sympathisch und greifbar, ihre Handlungsweise ist häufig nachvollziehbar, dennoch hat mir etwas Tiefe bei den einzelnen Charakteren gefehlt. Die Handlung plätschert ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin, hat mich aber trotzdem in gewisser Weise gefesselt - ich wollte wissen, wie sich die Dinge entwickeln und habe das Buch in wenigen Stunden zu Ende gelesen. Gut gefallen hat mir der Fokus auf die eigentlichen „Heldinnen den Alltags“ - nicht auf Personen, die sich durch einzelne besondere Verdienste aus der Masse hervorheben, sondern auf diejenigen, die täglich ihren Verpflichtungen nachkommen, den zeitaufwändigen Spagat zwischen Beruf und Familie meistern und sich den Herausforderungen des Lebens stellen.

Fazit:
„Fast perfekte Heldinnen“ ist ein leichter Frauenroman über die Höhen und Tiefen des Alltags zwischen Beruf, Familie und Beziehungsproblemen. Er ist in gewisser Weise fesselnd und bietet einige Stunden nette Unterhaltung, hat unterm Strich jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt nicht schlecht - 3 Sterne

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(320)

600 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 208 Rezensionen

krimi, nele neuhaus, mord, taunus, wald

Im Wald

Nele Neuhaus
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.10.2016
ISBN 9783550080555
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als im Ruppertshainer Wald ein Wohnwagen in Flammen aufgeht und aus den Trümmern eine Leiche geborgen wird, beginnt das K11 in Hofheim um Pia Sander und Oliver von Bodenstein zu ermitteln. Kurz darauf wird in Ruppertshain eine alte Frau in einem Hospiz ermordet - hängen die beiden Fälle zusammen? Für Oliver von Bodenstein hat dieser Fall eine besondere Bedeutung, denn er kennt nicht nur viele Ruppertshainer Einwohner aus seiner Kindheit, sondern erinnert sich auch an ein Verbrechen im Sommer 1972, das nie aufgeklärt wurde. Gibt es einen Zusammenhang?

Mit „Im Wald“ stellt Neue Neuhaus erneut unter Beweis, dass sie ihr Handwerk versteht. Mit ihrem flüssigen Schreibstil und anschaulichen Schilderungen zieht sie mich schnell in die Geschichte hinein. Es beginnt zunächst mit einem einfachen Verbrechen, dass jedoch bald eine weitaus größere Dimension annimmt, als zu erwarten war und weckt dabei Erinnerungen in Bodenstein, die er längst vergessen hatte. In verschiedenen Handlungssträngen, die sich in angenehmen Abständen abwechseln und den Leser mit geschickt gesetzten Cliffhangern an das Buch fesseln, dehnt sich der Fall immer weiter aus. Mit einer schier unüberschaubaren Anzahl von Personen entsteht so eine überaus komplexe, aber bis ins Detail durchdachte und am Ende nachvollziehbare und schlüssige Geschichte. Das Besondere dabei ist Bodensteins persönliche Verstrickung in diesen Fall, da er die Ruppertshainer Einwohner größtenteils kennt, und aus seiner Erinnerung heraus Details beitragen kann, die ihm „normale“ Zeugen verschwiegen hätten.

Doch so sehr ich den Hut vor dieser beeindruckenden Geschichte ziehe, war es mir am Ende doch etwas zu viel. Ein paar Verwirrungen weniger hätten mir besser gefallen, durch viele Details und einige ausführlich beschriebene, nicht wirklich relevante Begebenheiten wird das Geschehen stellenweise langatmig und verliert an Spannung. Trotz der Übersicht der Ruppertshainer Einwohner zu Beginn des Buches habe ich - auch durch ihre vielfältigen Beziehungen untereinander - zwischendurch immer mal wieder den Überblick über die Personen verloren. Darüber hinaus trüben kleinere Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte den aber trotz allem immer noch positiven Gesamteindruck des Buches, das mich unterm Strich einige Stunden gut unterhalten hat.

Fazit:
„Im Wald“ ist ein sehr komplexer Krimi mit einer äußerst raffiniert konstruierten Handlung, was sich erst im Laufe der Lektüre in vollem Umfang zeigt. Die ausführlichen und detaillierten Schilderungen fand ich jedoch stellenweise langatmig, die außergewöhnlich große Anzahl der handelnden Personen und ihre Beziehungen untereinander zum Teil verwirrend - manchmal ist weniger einfach mehr. Trotz dieser Kritikpunkte ist „Im Wald“ solide Krimikost, die ich gerne gelesen habe.

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195 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 119 Rezensionen

thriller, moor, krimi, maya, mooresschwärze

Mooresschwärze

Catherine Shepherd
Buch: 350 Seiten
Erschienen bei Kafel Verlag, 01.11.2016
ISBN 9783944676067
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einer Moorlandschaft bei Köln wird eine Frauenleiche gefunden, auf dem Bauch hat sie ein Tattoo. Auf dem Weg in die Gerichtsmedizin verschwindet sie. Auf der Suche nach der Leiche findet die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz eine weitere Leiche mit Tattoo - ein Serientäter? Zusammen mit Kriminalkommissar Florian Kessler beginnt sie zu ermitteln ...

Mein erstes Buch dieser Autorin beginnt fesselnd und spannend, der Schreibstil ist anschaulich und flüssig zu lesen und weckt zusammen mit der Kurzbeschreibung der Geschichte hohe Erwartungen an den weiteren Verlauf. Das Verbrechen selbst hat einen interessanten Hintergrund, der sich jedoch erst zum Ende hin wirklich offenbart und dann recht kurz abgehandelt wird. Die Geschichte verläuft in zwei Handlungssträngen, zwischen denen in angenehmen Abständen hin und her gewechselt wird, doch die mich als Leser schon früh erahnen lassen, wie sich die Handlung entwickeln und enden wird. Dabei flacht die Spannung zusehends ab, die Ermittlung verläuft sehr einfach und gradlinig, und wird mir zu häufig durch die „Intuition" der Ermittler bestimmt. Auch das schlüssige und nachvollziehbare Gesamtbild kann schließlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Täter am Ende mehr oder weniger nur noch präsentiert wird.

Die Protagonisten Julia Schwarz und Florian Kessler sind interessante Persönlichkeiten, die mir auf Anhieb sympathisch sind und sich als Duo in dieser Ermittlung nicht nur gut ergänzen, sondern auch darauf warten lassen, sich persönlich etwas näher zu kommen. Wie in aktuellen Thrillern momentan sehr beliebt, wird auch Julias Verhalten durch ein früheres traumatisches Ereignis bestimmt, das zwar immer wieder zur Sprache kommt, letztendlich aber nicht wirklich behandelt wird. Ebenso stagniert die persönliche Komponente der Protagonisten, sodass sie bis zum Ende leider doch recht oberflächlich bleiben.

Fazit:
Protagonisten, Hintergrund und ein gelungener Einstieg in die Geschichte versprechen viel Potential, das Catherine Shepherd für meine Begriffe jedoch leider nicht ausschöpft. So hat mich „Mooresschwärze" ein paar Stunden gut unterhalten, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden …

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126 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

krimi, friedhof, gesine cordes, georgien, findelkind

Fuchskind

Annette Wieners
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 17.06.2016
ISBN 9783548612515
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Krimiserie um die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes kannte ich bisher noch nicht - ich bin sehr angetan und konnte auch ohne Kenntnis des ersten Bandes dieser Geschichte problemlos folgen. Annette Wieners' Schreibstil ist gut zu lesen, sie schreibt anschaulich und sehr bildhaft, setzt damit das Kopfkino in Gang und lässt mich gleich in die Handlung eintauchen. Der Kriminalroman hat eine gewisse Grundspannung, einen eher ruhigen Verlauf, ist aber dennoch durchgehend fesselnd und nimmt zum Ende hin Fahrt auf. Er wartet mit einer unerwarteten Handlung und einigen überraschenden Wendungen auf, wobei ich das große Ganze im Rückblick - obwohl alles sehr schlüssig ist - doch ein wenig konstruiert finde. Die Protagonisten sind realistisch und greifbar gezeichnet und mir größtenteils sympathisch. Fast alle sind mit einem tragischen privaten Hintergrund versehen, der immer wieder durchblitzt und ihr Verhalten und ihre Handlungsweise nachhaltig prägt, jedoch ohne dass es melodramatisch wird. Die Kombination aus heutiger Friedhofsgärtnerin und ehemaliger Kriminalermittlerin finde ich in Gesine Cordes gelungen umgesetzt, und zugleich eine plausible Basis, sie in den Ermittlungen ein wenig mitmischen zu lassen. Dadurch fließt auch ein wenig Privates in die Handlung mit ein, das mich fast ebenso fesselt, wie die Klärung des Verbrechens.

Von Beginn an beeindruckt mich die besondere und absolut stimmige Atmosphäre, die zwar meist nur unterschwellig, aber trotzdem durchgehend präsent ist. Sie ist ein wenig düster und melancholisch, was vom nebligen Novemberwetter auf dem Friedhof über die Vergangenheit der Protagonisten bis hin zu den Verbrechen, dem ausgesetzten, kranken Baby und der nackten Frauenleiche, widergespiegelt wird. Gleichzeitig ist sie aber auch häufig liebevoll und fürsorglich, wenn die handelnden Personen bei Problemen und in ihrer Trauer einander beistehen und sich kümmern.

„Fuchskind“ besticht durch eine außergewöhnliche Hauptfigur und eine fesselnde und ungewöhnliche Handlung, insbesondere jedoch durch eine ganz eigene Atmosphäre, die während des ganzen Buches spürbar ist. Mir hat es gut gefallen - ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band.

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(54)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

kochbuch, frühstück, rezepte, kochen, backen

sweet & salty

Andrea Martens , Jo Kirchherr
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei AT Verlag AZ Fachverlage, 15.08.2016
ISBN 9783038009436
Genre: Sachbücher

Rezension:

Seitdem wir dieses Buch haben, hat „Sweet & Salty“ bei uns eine neue Bedeutung. Es ist nicht mehr nur die Bezeichnung zweier gegensätzlicher Geschmacksrichtungen, sondern umfasst nun eine ganze Rubrik ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Rezepte. Auf knapp 140 Seiten präsentieren Andrea Martens und Jo Kirchherr die verschiedensten Gerichte, die sich wegen ihrer Kombination aus einer süßen und salzigen Komponente grundsätzlich zu jeder Mahlzeit eignen.

Beim ersten Durchblättern dieses völlig anders, sehr aufwändig, aber auch sehr liebevoll gestalteten Kochbuches voller appetitanregender Gerichte und Bilder hatte ich trotz allem bei fast jedem Rezept irgendwelche Bedenken und bat meine Familie, die ersten Rezepte auszuwählen. Vorweg genommen - die Resultate waren überraschend lecker, und meine Vorbehalte lösten sich vollkommen in Luft auf. Von Smoothies über Brot und Brotaufstriche, Waffeln, Pancakes und Omelettes bis hin zu Gerichten aus dem Ofen sind hier einige sehr kreative, und zum Teil wirklich „abgefahrene“ Kombinationen zu finden. Einzelne vegane und/oder laktosefreie Rezepte sind enthalten und besonders gekennzeichnet.

Die Zutaten sind fast alle in gut sortieren Lebensmittelläden erhältlich, wobei ich bei manchem erst in Erfahrung bringen musste, worum es sich eigentlich handelt. Nicht ganz praktisch ist, dass einige außergewöhnliche Zutaten nur in kleinen Mengen benötigt werden (z.B. genau 12 Honig-Salz-Mandeln oder 3 EL Lavendelblüten), und der Rest erst einmal übrig ist. Die angegebenen Zeitangaben passen im Großen und Ganzen. Man sollte beachten, dass die Portionen auf Frühstück ausgelegt sind - als Hauptmahlzeit benötigen wir eine größere Menge.

Die Rezepte sind klar beschrieben und einfach umzusetzen. Abgesehen von Waffeleisen, Toaster und Muffinform sind keine besonderen Hilfsmittel erforderlich und auch der (anschließende Reinigungs-) Aufwand hält sich in Grenzen. Meine absolute Geschmacksüberraschung war die Chorizomarmelade, dicht gefolgt von Streuseln mit Karamellbonbons auf Toastmuffins, wobei ich das gebackene Ei im Muffin gewöhnungsbedürftig fand. Trotz anfänglicher Skepsis war mein Mann völlig begeistert von den Waffeltacos mit Merguez und Mangosalsa – obwohl er sonst keine Avocados mag, fand er sie in dieser Zusammenstellung überaus lecker. Inzwischen haben wir einige Rezepte probiert und waren unterm Strich sehr positiv überrascht – diese Geschmacksergebnisse und -erlebnisse hatten wir so wirklich nicht erwartet.


„Sweet & Salty“ ist ein tolles Buch, das uns die Vielfalt ungewöhnlicher, doch wirklich leckerer Essenskompositionen nochmals ins Bewusstsein gerufen hat. Es regt nicht nur zum Nachkochen an, sondern ermuntert uns, beim Kochen selbst noch mutiger und kreativer zu werden. Empfehlenswert!

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(89)

117 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

irland, krimi, kirche, mord, ira

Lügenmauer

Barbara Bierach
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.07.2016
ISBN 9783548613062
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Sligo wird Reverend Dean Charles Fitzpatrick, ein hochrangiges protestantisches Kirchenmitglied, ermordet aufgefunden. Die Hintergründe sind völlig unklar. Inspector Emma Vaughan ermittelt ...

Die Handlung spielt in drei Zeitebenen, verläuft klar und übersichtlich und ermöglicht dem Leser einen guten Einstieg. Mit einer überschaubaren Anzahl Protagonisten und einer anfangs völlig offenen Ermittlung in alle Richtungen erhält der Leser zunächst einen Eindruck des Countys Sligo, der Landschaft, seiner Einwohner und der irischen Mentalität, die stark durch die politische Situation, den kirchlichen Einfluss und die IRA geprägt ist. Obwohl in den verschiedenen Zeitsträngen größtenteils unterschiedliche Protagonisten agieren, sind für den Leser die Zusammenhänge, und damit leider auch Motiv und Täter früh erkennbar, was die insgesamt schlüssige Geschichte recht vorhersehbar macht und ihr die Spannung nimmt. So verläuft die Handlung recht schleppend, jedoch gespickt mit interessanten geschichtlichen und politischen Ereignissen und Hintergründen, die gekonnt in das Geschehen eingebaut sind. Anschauliche Landschaftsbeschreibungen vervollständigen das Bild, wobei ich eine spürbare Atmosphäre vermisse.

Mit Emma Vaughan betritt eine weitere Ermittlerin die Krimibühne, die einerseits sympathisch ist, meiner Meinung nach aber mit einer etwas übertriebenen Problematik ausgestattet wurde, die in dieser Fülle ins Unglaubwürdige abdriftet. Allein ihre Religionszugehörigkeit, ihre Rolle als geschiedene und alleinerziehende Mutter, sowie ihre berufliche Tätigkeit in einer männerbesetzten Domäne im immer noch sehr religiös geprägten Umfeld bieten eine außergewöhnliche, interessante und speziell für diese Krimireihe charakteristische Thematik - zusätzliche Tablettenabhängigkeit, Sorgerechtsproblematik und der immer wieder im Raum stehende, gewalttätige Exmann überfrachten ihre Person. Die weiteren Protagonisten bleiben leider etwas blass und im Hintergrund.

Das Buch hat mich etwas enttäuscht – der Plot bietet viel Potential, das meiner Meinung nach leider nur teilweise genutzt wurde. Doch auch wenn ich eine fesselnde Handlung und Spannung im vorliegenden Verbrechen vermisst habe, bleiben auf jeden Fall ein Eindruck der irischen Mentalität, sowie ein Einblick in die kirchlichen und politischen Einflüsse in Irland positiv haften.

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(142)

222 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 99 Rezensionen

thriller, blind, blindheit, berlin, spannung

Endgültig

Andreas Pflüger
Fester Einband: 459 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2016
ISBN 9783518425213
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jenny Aaron war Spitzenagentin einer international operierenden Eliteeinheit in Berlin, doch seit einem verpatzten Einsatz in Barcelona ist sie blind. Gequält von eigenen Schuldgefühlen, gepaart mit einer Erinnerungslücke zu den dortigen Ereignissen, hat sie sich mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und ihrem überaus hohen Anspruch an Perfektion ein Leben nach Barcelona aufgebaut und arbeitet nun als Fallanalytikerin und Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Körperlich und an der Waffe topfit, versteht sie es auch, das Verborgene zu erfühlen und dem Schall von Lügen zu lauschen. Als in der JVA Tegel eine Psychologin ermordet wird, wird Aaron angefordert - der Tatverdächtige will ausschließlich mit ihr sprechen. Das erste Zusammentreffen mit ihrer früheren Einheit steht an - und mit einem alten Widersacher, der offensichtlich eine Verbindung zu den Ereignissen in Barcelona hat ...

Vorweg genommen: "Endgültig" hat Sogwirkung - Andreas Pflügers brillanter Plot in Verbindung mit seiner präzisen Darstellung und seinem anschaulichen, intensiven, und stellenweise etwas eigenwilligen Schreibstil ziehen mich von Beginn an völlig in die Geschichte hinein. Sie startet mit dem missglückten Einsatz in Barcelona, sodass ich von Anfang an ein Bild von Aaron im Einsatz vor Augen habe und mit einer recht hohen Erwartungshaltung in das aktuelle Geschehen einsteige. Dass diese Vorgeschichte gleichzeitig Basis für die jetzigen Ereignisse ist, zeichnet sich erst im Laufe des Buches ab, als nach und nach immer weitere Informationen hinzukommen, die am Ende ein schlüssiges, sehr komplexes und unerwartetes Gesamtbild ergeben.

Anfangs fesseln mich insbesondere Aarons beeindruckende Art und Weise, mit ihrer Blindheit ihr Leben anzugehen und ihre beruflichen Anforderungen mehr als nur zu meistern. Die Vielfalt und Menge der nicht visuellen Sinneseindrücke, die ich als Sehende normalerweise ignoriere und die Andreas Pflüger stellenweise auf mich einstürzen lässt, schaffen eine unglaublich dichte Atmosphäre, die mich vereinzelt das Buch kurz zur Seite legen und tief durchatmen lässt. Fließend und fast unbemerkt geht das Augenmerk auf den zweiten herausragenden Aspekt dieses Thrillers über - ihre Auseinandersetzung mit einem ebenbürtigen Gegner, der wie sie selbst dem Bushido folgt, dem Weg des Kriegers. Beide Kontrahenten haben dabei nicht das vorrangige Ziel zu überleben, sondern vor ihrem Tod Antworten auf offene, sie persönlich quälende Fragen zu finden. Actionreiche, teilweise jedoch leider sehr realitätsferne Szenen, körperliche und verbale Auseinandersetzungen, sowie immer wieder unerwartete Wendungen, parallel zu den nicht weniger fesselnden, fieberhaften Ermittlungen der Eliteeinheit sorgen für ein rasantes Tempo und ein durchgehend hohes Spannungsniveau.

"Endgültig" ist ein packender Thriller, der sich insbesondere durch seine blinde Top-Ermittlerin, aber auch einer überaus fesselnden, spannenden und unvorhersehbaren Handlung auszeichnet. Empfehlenswert!

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(85)

138 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 68 Rezensionen

münchen, krimi, mord, manuela obermeier, frauenleichen

Verletzung

Manuela Obermeier
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.02.2016
ISBN 9783548287478
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Verletzung“ ist eines der wenigen Bücher, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte, nachdem ich einmal angefangen hatte zu lesen, und das ich innerhalb von 24 Stunden beendete. Ab der ersten Seite zieht mich Manuela Obermeiers anschaulicher und erfrischender Schreibstil in die 440 Seiten starke Geschichte hinein, setzt mein Kopfkino in Gang und lässt mich am Geschehen teilhaben.

Schon nach wenigen Seiten wird dem Leser das Besondere dieser Handlung klar, die gleich zwei Verbrechen in einer sehr interessanten Konstellation beinhaltet, und dieses Buch damit klar aus der Masse der auf dem Markt befindlichen Kriminalromane heraushebt. Die Verbindung dieser beiden Verbrechen ist die Protagonistin Toni, zum einen die toughe Hauptkommissarin auf der Jagd nach einem perfiden Verbrecher, die dabei gerne Vorschriften missachtet und sich über Konventionen hinwegsetzt, zum anderen im Privaten die verletzliche Frau, Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking, die nicht den Mut findet, die an ihr begangenen Verbrechen anzuzeigen. Dadurch rücken direkt zu Beginn zwei sehr unterschiedliche Charakterzüge von Toni in den Fokus, wodurch sie vielschichtig, sympathisch, und auch greifbar wird.

Die Handlung ist fesselnd und spannend, und wirkt ebenso wie die Protagonisten sehr authentisch, was sicherlich mit an der langjährigen Erfahrung der Autorin als Polizeihauptkommissarin liegt. Sie wechselt in unregelmäßigen Abständen zwischen detailliert und anschaulich beschriebener, harter Ermittlungsarbeit während Tonis Arbeitszeit, und Momenten nicht direkt greifbarer Bedrohung durch den Stalker, die hauptsächlich durch Tonis Vorgeschichte, ihre Ahnungen, Erwartungen und die herrschende Atmosphäre erzeugt werden. So sind die beiden sehr unterschiedlichen Handlungsstränge durchgehend präsent und verleihen der Geschichte ein flottes Tempo. Immer wieder eingestreute, lustige verbale Schlagabtausche zwischen den Kollegen sorgen für amüsante Momente und lockern das Geschehen ebenso auf, wie ein wenig Prickeln zwischen Toni und dem neuen Pathologen.

Unerwartete, aber für mein Empfinden auch etwas konstruierte Wendungen steigern zum Ende hin nochmals Tempo und Spannung, obwohl sich der Täter recht früh abzeichnet. Das führt natürlich auch bei Toni durch ihre Doppelbelastung zu erhöhtem Druck, wodurch sie sich zu Reaktionen hinreißen lässt, die zwar einerseits ihre nervliche Belastung sehr gut und anschaulich zum Ausdruck bringt, andererseits aber die Handlung etwas in das Klischee "unkonventioneller Ermittler mit disziplinarischen Konsequenzen" abdriften lässt, was ich etwas schade finde. Das Buch endet schlüssig und mit Antworten auf noch offene Fragen zum abgeschlossenen Fall. Gleichzeitig unternimmt Toni den ersten Schritt gegen ihren Stalker, was mir als Entwicklung der Protagonistin sehr gut gefällt und gleichzeitig Vorfreude auf den nächsten Band dieser Krimiserie weckt.

Knappe fünf Sterne für ein äußerst fesselndes, spannendes und flottes Debüt, das mich einige Stunden sehr gut unterhalten hat.

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(309)

803 Bibliotheken, 13 Leser, 2 Gruppen, 105 Rezensionen

schweden, liebe, simona ahrnstedt, rache, die erbin

Die Erbin

Simona Ahrnstedt ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei LYX, 01.10.2015
ISBN 9783802599453
Genre: Liebesromane

Rezension:

David ist der jüngste und erfolgreichste Risikokapitalgeber Schwedens, ein Selfmademan aus der Arbeiterschicht. Getrieben von dem Wunsch, diejenigen zu vernichten, die ihm und seiner Familie einst unsägliches Leid zufügten, setzt er alles daran, das traditionsreiche, milliardenschwere schwedische Familienunternehmen Investum zu übernehmen. Helfen soll ihm dabei Natalia de la Grip, Tochter des Unternehmers und ihrerseits selbst eine intelligente, angesehene Unternehmensberaterin, die sich ihren Erfolg hart erarbeiten musste und immer noch um die Anerkennung ihres Vaters kämpft. Alles läuft nach Plan, als Natalia Davids Einladung zum Mittagessen annimmt. Doch sie kommt ihm näher, als beabsichtigt ...

Simona Ahrnstedts flüssiger und anschaulicher Schreibstil schafft von Beginn an eine gewisse Atmosphäre und macht den Einstieg in 'Die Erbin' leicht. Die beiden sehr zielstrebigen und charakterstarken Figuren Natalia und David sind sofort greifbar und werden im Laufe der Handlung vielschichtiger. Häufige Perspektivenwechsel machen die Handlung um ihr tägliches Leben in Schwedens Welt der Schönen, Reichen und Erfolgreichen unterhaltsam, bringen aber auch sehr deutlich den unterschiedlichen sozialen Hintergrund und die verschiedenen Standpunkte der beiden ebenbürtigen Protagonisten zum Ausdruck. Dabei herrscht durchgehend eine gewisse Grundspannung, die an die Geschichte fesselt, da ich als Leser einerseits gespannt die Liebesgeschichte verfolge, andererseits aber auch Davids Absichten und Ziel kenne und neugierig darauf warte, wie er weiter vorgehen wird, bzw. unbedingt die Ursache von Davids Hass wissen möchte. Diese Informationen lässt Simona Ahrnstedt geschickt nach und nach in das typische Auf und Ab eines Liebesromans, aber dennoch gut durchdachte Handlung einfließen. Natürlich endet die Geschichte nicht unerwartet, doch ich bin vom Unterhaltungswert der über 600 Seiten lang fesselnden Handlung ohne nennenswerte Längen positiv überrascht. Mir hat das Buch gut gefallen.

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258 Bibliotheken, 0 Leser, 8 Gruppen, 65 Rezensionen

münchen, mord, krimi, schuld, dühnfort

Schuld währt ewig

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2011
ISBN 9783548610696
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Susanne Möbus versucht, mit dem Tod eines Kindes klarzukommen, den sie vor 6 Jahren als sein Babysitter nicht verhindern konnte. Sie fühlt sich schuldig...
Ein Mann wird in der Dämmerung von einem unbeleuchteten Auto überfahren - war es Mord? Einige Tage später wird eine junge Frau in einem See in knietiefem Wasser ertränkt. Kommissar Tino Dühnfort und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Nach vielen Recherchen kommt heraus, dass beide Opfer in ihrer Vergangenheit in einen Unfall mit Todesfolge verwickelt waren, sie selbst jedoch schuldfrei gesprochen wurden. Wer hat nach Jahren Interesse daran, Rache zu nehmen? Gelingt es der Polizei, potentielle Opfer aufzuspüren und zu schützen?

Ab der ersten Seite packt mich die Handlung, die in klaren Sätzen so ausführlich und anschaulich geschildert ist, dass ich meine Umgebung vergesse und das Buch in einem Rutsch zu Ende lese. Mit einer angenehm überschaubaren Anzahl Personen wagt sich Inge Löhnig in Dühnforts viertem Fall an das Thema "schuldlose Schuld", bei der eine verantwortliche Person den Tod eines Menschen nicht verursacht hat, ihn jedoch nicht verhindern konnte. Diese Problematik lässt die Autorin die "Schuldige" Susanne Möbus intensiv erleben. Parallel hierzu erhalte ich durch verschiedene Unfälle, die im Laufe der Ermittlungen in den Fokus rücken, andere Perspektiven zu diesem Thema. Damit schert der Krimi aus dem häufig genutzten Gut/Böse Schema aus und liefert mir neue Denkansätze zum Thema Schuld. Noch während sich der Zusammenhang zwischen den Opfern erschließt, wird klar, aus welchem Umfeld der Täter kommen muss, wobei das Motiv bis zum Ende rätselhaft bleibt, dann aber letzte Teile zu einem schlüssigen Bild liefert.

Inge Löhnig beschreibt ihre Charaktere einfühlsam, tief und authentisch. Dies gilt auch für die Ermittler, deren persönliche Seite im Krimi viel Platz bekommt und gekonnt in die Handlung eingeflochten wird. Hierzu inszeniert die Autorin als Fortsetzung zum dritten Band eine heimliche Beziehung zwischen Tino und seiner Kollegin Gina, die Alois, dem Dritten im Team, aber auf Dauer nicht verborgen bleibt. Das bei ihm daraus resultierende Gefühl der Benachteiligung lässt ihn jedoch sein bisher wenig teamorientiertes Verhalten korrigieren und nach einem überraschenden Ereignis im Team neu Fuß fassen - eine Entwicklung, die mir sehr gut gefällt. Der tiefe Einblick in die Gefühle und das Privatleben der Ermittler bringt sie mir nahe und steigert den Unterhaltungswert des Krimis.
Das einfach und klar gehaltene Cover, das optisch sehr gut in die Reihe um Kommissar Dühnfort passt und in der Buchhandlung auf jeden Fall mein Interesse geweckt hätte, vervollständigt dieses gelungene Buch.

"Schuld währt ewig" ist ein absolut empfehlenswerter Kriminalroman, der mich nicht nur anspricht, weil er ohne großes Blutvergießen und extreme Brutalität auskommt, sondern neben einer außergewöhnlichen Thematik eine ausgewogene Mischung aus spannendem Verbrechen und persönlichen Beziehungen präsentiert.

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76 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 37 Rezensionen

scheidung, portugal, trennung, liebe, neuanfang

Alles wegen Werner

Bettina Haskamp
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Schroeder, Marion von, in Ullstein Buchverlage GmbH, 08.06.2009
ISBN 9783547711523
Genre: Romane

Rezension:

Nach dreißig Jahren Ehe findet Claras Ehemann Werner Gefallen an einer jungen Brasilianerin und reicht die Scheidung ein. Clara ist vor den Kopf gestoßen - selbst wenn die Ehe nicht mehr intakt war - was soll sie ohne Werner? Nach einer Menge Rotwein, Selbstmitleid und Verzweiflung nimmt sie ihren Hund Tom und sucht eigene Wege ...

Das Cover gefällt mir auf Anhieb. Die resolute Oma, die ihren "Alten" entsorgt, passt zwar im Nachhinein gesehen nicht direkt zur Geschichte, sondern zeigt, was im Rückblick gesehen, Clara längst hätte tun sollen. Passender ist die Überschrift auf der Rückseite des Buches "Danke, dass du mich verlassen hast!" als Resümee ihrer Geschichte zu sehen und weckt in mir die Erwartung, dass ihr aus ihrer Misere heraus ein erfolgreicher Neustart gelingt. Zusammen vermitteln mir Cover und Text den Eindruck einer leicht sarkastischen, amüsanten Lektüre.

Den Einstieg in das Buch finde ich etwas mühsam, da mir persönlich zu viel Alkohol und Lethargie im Spiel sind. Doch sobald Clara die Initiative ergreift, kommt die Geschichte, wenn auch anfangs etwas schleppend in Schwung. Der flüssige, lockere, teilweise auch selbstkritische und ironische Schreibstil in Verbindung mit den neu erwachten Lebensgeistern Claras lassen mich die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch lesen - und des öfteren mal schmunzeln.

Die Handlung selbst ist vorhersehbar, hat als Grundlage aber ein realistisches Thema, in dem nach Angaben der Autorin einige eigene Erfahrungen verarbeitet sind. Sie passt wunderbar vor die Kulisse des portugiesischen Hinterlandes, deren Beschreibung mein Interesse an dieser Gegend weckt.
Positiv fällt mir auf, dass die meisten Charaktere um die fünfzig und älter sind - entgegen der Annahme vieler Menschen, ist in diesem Alter das Leben nämlich noch nicht vorbei und trotz eigener Fehler und ersten Alterserscheinungen neue Wege durchaus noch möglich. Witzige Details lockern die insgesamt jedoch recht leichte Lektüre auf, die natürlich in einem Happy-End münden muss.

Insgesamt hat mich die Lektüre amüsiert und gut unterhalten - und mir sind spontan einige Menschen eingefallen, die ebenfalls den Neubeginn wagen sollten ....

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

kinderheim, köln, mord, krimi, erziehung

Nichts als Erlösung

Gisa Klönne
Fester Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.10.2011
ISBN 9783550087776
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beim nächtlichen Joggen stolpert Judith Krieger zufällig über einen Tatort mit einem Toten, dessen Gesicht weggeschossen wurde. Zusammen mit ihrem Kollegen Manni Korzilius nimmt sie die Ermittlungen auf. Das Opfer ist der Sohn und ehemalige Hauptverdächtige in einem 20 Jahre zurückliegenden, nie aufgeklärten Verbrechen, bei dem ein pensioniertes Ehepaar - ehemalige Leiter eines Kinderheims - mit ihrer Tochter spurlos verschwanden. Alles deutet darauf hin, dass das Motiv im früheren Kinderheim zu suchen ist. Gleichzeitig sucht der Täter Kontakt zu Judith - er schickt ihr Fotos...

Das flüchtende Kind im roten Kleid in einem kahlen, grauen Raum weckt mein Interesse und ist als Cover für diesen Fall ebenso passend gewählt wie der Titel, dessen Sinn sich mir im Laufe der Geschichte erschließt und im Rückblick betrachtet das Ziel des Täters klar zum Ausdruck bringt.

Gisa Klönne führt den Leser in verschiedenen Handlungssträngen durch die Geschichte. Zu Beginn jeden Kapitels erhalte ich Einsicht in die Gedanken und Gefühle des Täters, dessen geballter Schmerz ab der ersten Seite deutlich zu spüren ist. Parallel hierzu wird die Geschichte von Eric Sievert geschildert, der nachts im Wald heimlich nach Schätzen aus der Römerzeit sucht. Sie scheint auf den ersten Blick nichts mit dem Verbrechen zu tun zu haben, fügt sich jedoch allmählich wunderbar in das Geschehen ein, während in weiteren Strängen Ermittlungen aus unterschiedlichen Perspektiven stattfinden. Die frühe Kenntnis des Motivs, wobei die Person des Täters lange ein Rätsel bleibt, ergänzt den gelungenen Aufbau und erzeugt bis zum schlüssigen Ende durchgehend Spannung.

Sehr behutsam und gefühlvoll beleuchtet Gisa Klönne in diesem Krimi das Thema Kindesmisshandlung aus unterschiedlichen Sichten. Sie betrachtet dabei nicht nur Fälle im Kinderheim Frohsinn in der Nachkriegszeit bis zur Schließung des Heims, sondern lässt zusätzlich ihre Hauptcharaktere, unter anderem auch die Ermittler, an dunkle Punkte ihrer Kindheit zurückkehren, was die Personen vielschichtig und tief macht. Aus dieser Thematik heraus schaffen es Manni und Judith, mit ihrer heutigen Sicht, einige, bisher unbeachtete Aspekte zu Ereignissen in ihrer Kindheit zu entdecken, die ihre Mütter in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings muss ich dazu anmerken, dass die Kenntnis der vorherigen Bände hilft, diese Entwicklung der Ermittler wirklich zu verstehen, da dort einige dieser Vorkommnisse ausführlich geschildert sind, während sie hier nur gestreift werden.

Was mir noch sehr gut gefällt ist, dass die Autorin nicht nur den eigentlichen Missbrauch anspricht, sondern darüber hinaus die Konsequenzen, die er für das weitere Leben der Betroffenen haben kann und wie in der Folge verschiedene Charaktere unterschiedliche Verhaltensweisen entwickeln, damit umzugehen. All dies schreibt sie sehr klar, ausdrucksvoll und einfühlsam und sie schafft es durchgehend, den Leser die Gefühle der Protagonisten spüren zu lassen, ohne dass sie dabei bewertet oder Schuld zuweist. Dies lässt den Krimi unter die Haut gehen und macht nachdenklich und betroffen.

Obwohl dieses Buch unwahrscheinlich fesselnd und spannend ist und die Handlung rast, empfinde ich diesen Fall mit Judith Krieger und Manni Korzilius ein wenig ruhiger als die vorherigen. Vor allem Judith wirkt nicht mehr so gehetzt und kaputt wie in früheren Fällen, auch wenn sie mit ihrem Nikotinentzug kämpft. Beide raufen sich langsam zu einem Team zusammen, wobei sie zwar ihre typischen Eigenheiten beibehalten, sie aber gegenseitig anfangen zu respektieren und sich persönlich ein wenig annähern.

Wieder einmal hat mich Gisa Klönne überzeugt. Dieser Krimi ist überaus gelungen und sehr empfehlenswert und ich hoffe auf weitere Fälle dieser Ermittler aus Köln!

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 21 Rezensionen

mallorca, liebe, köln, frauen, restaurant

Ticket ins Paradies

Gaby Hauptmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2010
ISBN 9783492258982
Genre: Romane

Rezension:

Clara Flockenheimer, die promovierte Innenarchitektin, will auf Mallorca bleiben. Obwohl sie hier ihrem Beruf bisher nur wenig nachgegangen ist, soll sie das Restaurant Amici miei ihres Freundes Andrés neu einrichten. Sie hat bereits konkrete Vorstellungen, als eine neue, gut aussehende Köchin eingestellt wird, die das Ansehen des Amici miei weiter anheben wird. Clara wittert sofort mehr als kollegiale Zusammenarbeit zwischen ihr und Andrés und ergreift die Flucht ...

Das Cover dieses Buches vermittelt Leichtigkeit, Wärme, Unbeschwertheit und weckt Urlaubsgefühle. Diesen Eindruck bestätigt der Anfang der Geschichte, wobei mir hier persönlich etwas zu dick aufgetragen wird. Gaby Hauptmanns Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, wie ich mir das von einer Urlaubslektüre erwarte und sie schildert die Ereignisse recht anschaulich, so dass ich alles bildlich vor mir sehen kann.

Die Handlung selbst bedient sich einiger Klischees und ist nicht wirklich fesselnd - wobei ich den Nebenschauplatz bei den Weight Watchers amüsant finde. Die Figuren sind oberflächlich gehalten und Claras überstürzte Flucht nach Köln finde ich trotz ihrer schlechten Erfahrungen mit ihrem Exfreund flach und überzogen. Erst nach ihrer Rückkehr ins Paradies, als sie endlich die Initiative ergreift und sich ihrer Lage stellt, gefällt mir die Geschichte besser. Bummel und Sightseeing auf Mallorca lassen trotz vorhersehbarem Ende im letzten Teil des Buches endlich die ersehnten Urlaubsgefühle aufkommen und mich die Lektüre mit einem leicht positiven Nachhall weglegen.

Die Fortsetzung zu "Rückflug zu verschenken" hat mir letztendlich etwas besser gefallen als der erste Band, der für dieses Buch nicht zwingend Voraussetzung ist - die wichtigsten Informationen werden unauffällig in die Geschichte eingeflochten. Über die Notwendigkeit der Fortsetzung kann man diskutieren, ich hätte sie nicht gebraucht.

Zusammenfassend ist "Ticket ins Paradies" eine weitere leichte Urlaubslektüre, die man nicht zwingend lesen muss, die aber ein paar Stunden Abwechslung bietet.

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mallorca, liebe, urlaub, innenarchitektin, frauen

Rückflug zu verschenken

Gaby Hauptmann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2009
ISBN 9783492262958
Genre: Romane

Rezension:

Als Clara Flockenheimer ihren Lebensgefährten mit einer anderen Frau erwischt, nimmt sie ihr gemeinsames Kind, packt ihre Sachen und verlässt ihn. Jedoch hat die promovierte Innenarchitektin, die für ihre gute Arbeit im gehobenen Niveau bekannt war, fünf Jahre lang ihren Beruf nicht ausgeübt und findet keinen adäquaten Job. In einem Kurzurlaub auf Mallorca kommt ihr spontan die Idee, dort Arbeit zu suchen und sie erhält auch gleich darauf ihren ersten Auftrag. Doch sie ahnt nicht, was dieser nach sich zieht ...

Das Cover, das bereits den Eindruck von Strand, Sommerfeeling und Urlaub vermittelt, lädt mich an einem grauen Herbsttag ein, meiner düsteren Umgebung zu entfliehen, was mir in der ersten Hälfte des Buches auch gelingt. Der lockere und flüssige Schreibstil ist schnell gelesen und das Thema - Sonne, Urlaub, Freunde und Faulenzen - trägt das Seine dazu bei, flugs in die Geschichte abzutauchen, selbst wenn sie sich vieler Klischees bedient.
Allerdings ändert sich das ab der zweiten Hälfte. Alles läuft zu perfekt und vor allem ein eingeschobenes Verbrechen samt seinem Ausgang wirken konstruiert, so dass ich bemerke, dass ich die Seiten immer schneller überfliege, um das Buch zu beenden.
Die Protagonisten sind mir sympathisch, werden insgesamt aber flach gehalten. Hin und wieder werden zwar Charakterzüge und Gefühle angesprochen und beschrieben, aber eben nur oberflächlich - vielleicht passend und typisch für einen Kurzurlaub, aber nicht mein Geschmack.

Ein schöner Aspekt der Geschichte ist, dass Clara Freude an ihrer Arbeit hat und alles daran setzt, wieder genau in ihren Beruf zurückzukehren - ein Luxus, den sich zwar nicht jeder erlauben kann, aber ein Punkt, dessen Bedeutung heute leider etwas verloren geht.

Rückflug zu verschenken ist wirklich leichte Kost, eine Geschichte, die insofern ihren Zweck erfüllt, dass sie mich ein wenig an meinen letzten Sommerurlaub am Meer erinnert und die Urlaubsgefühle noch einmal hochkommen lässt, an die ich mich aber bald nicht mehr erinnern werde.

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