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musik

HalbEngel

Tobias O. Meißner
Buch: 218 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 15.11.2010
ISBN 9783942396028
Genre: Romane

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Hiobs Spiel - Prognosticon

Tobias O. Meißner
E-Buch Text: 61 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 31.03.2013
ISBN 9783942396806
Genre: Romane

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mammut, fantasy, reihe, umwelt

Die letzten Worte des Wolfs

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 347 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2006
ISBN 9783492266048
Genre: Fantasy

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fantasy

Am Ende der Zeiten

Tobias O. Meißner
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.11.2011
ISBN 9783492702324
Genre: Fantasy

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Der Mann, der nicht geboren wurde

Tobias O. Meißner
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Piper ebooks, 14.05.2012
ISBN 9783492956741
Genre: Sonstiges

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fantasy, kriegerin, kämpfe, suche, schüler

Klingenfieber

Tobias O. Meißner
E-Buch Text: 448 Seiten
Erschienen bei Piper ebooks, 12.11.2013
ISBN 9783492963862
Genre: Fantasy

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fantasy, mammut, abenteuer mammut, rodraeg, reihe

Der Mann, der nicht geboren wurde

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.04.2009
ISBN 9783492266659
Genre: Fantasy

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mammut, fantasy, mystisch, reihe

Brücke der brennenden Blumen

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2007
ISBN 9783492266383
Genre: Fantasy

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fantasy

Die Dämonen - Freiheit oder Finsternis

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.05.2011
ISBN 9783492267960
Genre: Fantasy

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fantasy, akitanien

Sieben Heere

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2015
ISBN 9783492703123
Genre: Fantasy

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fantasy, ellin, magie, liebe, kylian

Ellin

Christine Millman
Buch: 380 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.11.2013
ISBN 9783931989835
Genre: Fantasy

Rezension:

Ellin ist 17 Jahre alt und hat schon Schreckliches durchgemacht. Als sie klein war, wurde ihr Dorf überfallen und sie musste den Tod ihrer Eltern und des kleinen Bruders mit ansehen. Als einzige Überlebende kam sie in die Obhut des grausamen Lord Wolfhard, für den sie fortan als Leibdienerin und Heilerin arbeitete. Nun, zu einer schönen, jungen Frau herangewachsen, entgehen im ihre weiblichen Reize nicht, doch als Ellin sich weigert, ihm zu Willen zu sein, prügelt er sie in seiner Wut fast tot. Der einzige Ausweg für Ellin ist die Flucht über die gefährlichen Klippen des Hammerfelses in eine ungewisse Zukunft.

Die in Hessen geborene Christine Millman ist eigentlich Mediengestalterin, doch die Liebe zu Büchern schlummerte schon lange in ihr. Mit "Ellin" lässt sie die Leser eintauchen in eine Fantasywelt voller neuer Ideen und faszinierender Charaktere. Lord Wolfhard ist ein Bösewicht, wie er nur im Buche stehen kann. Seine Seele ist dunkler als die Nacht und er hat wirklich keinen Funken Nettigkeit im Leib. Ellin dagegen ist die strahlende Unschuld, tapfer, bildschön und mit der einen oder anderen ungewöhnlichen Fähigkeit gesegnet. Schwarz-Weiß-Malerei? Ja, definitiv. Aber das machte mir bei diesem Buch nichts aus, denn die Autorin versteht es, eine Welt zu erschaffen, in die man von der ersten Seite an zu versinken vermag.

Die geschilderten Szenen erzeugten ausdrucksstarke Bilder in meinem Kopf, was unter Umständen bei manchen Szenen nicht so gut für den Magen ist. Die sehr grausamen oder ekelerregenden Schilderungen halten sich zwar in Grenzen, wenn sie aber kommen - dann mit voller Wucht. Die Personenzahl ist überschaubar. Neben Ellin und Lord Wolfhard gibt es da noch eine geheimnisvolle Gruppe Reisender, zu denen das junge Mädchen stößt. Allen voran der Gruppenführer Kylian. Ein Kämpfer mit Narben und Ausstrahlung, anfangs etwas grummelig, aber doch mit einem guten Herzen. Weitere Gruppenmitglieder sind Nuelia, Butan, Jesh und Geldis, die alte Seherin.

"Ellin" ist angenehm zu lesen, wobei sich die Tippfehler gegen Ende des Buches etwas häufen. Da wird dann gerne mal ein Buchstabe am Ende eines Wortes vergessen, aber das hält sich zum Glück in Grenzen und wirkte auf mich nicht störend. Besonders, da ich schon hilflos im Sog des Buches gefangen war. Während der Handlung gibt es immer Traumsequenzen und Visionen, die über Ellins Vergangenheit aufklären. Normalerweise kann ich damit wenig anfangen, aber Christine Millman hat diese Rückblenden für mich perfekt umgesetzt. Darüber hinaus überraschte sie mich mit einer romantischen Liebesgeschichte, die nie in Kitsch abzugleiten droht.

Was noch zu sagen wäre: Das Buch ist spannend bis zum Schluss. Der Spannungsbogen wird kontinuierlich aufgebaut und Atempausen gibt es für den Leser nur wenige. So wurde es mir mit Ellin und ihren Gefährten nie langweilig und die Autorin hat das geschafft, was inzwischen nur noch wenige Fantasyautoren vermögen: Mich zu überraschen. Bitte mehr davon.

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Kopfschlächter

Tristan vom Wahn
Flexibler Einband: 151 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag, 01.10.2013
ISBN 9783845909387
Genre: Romane

Rezension:

"Kopfschlächter" bietet einen Querschnitt durch die sieben Todsünden unserer abgestumpften Konsumgesellschaft im Rahmen eines Schlachthofes:

Superbia (Hochmut): Von Rindern und Kälbern
Avaritia (Geiz): Von Pferden und Hunden
Ira (Zorn): Von Schafen und Lämmern
Luxuria (Wollust): Von Kaninchen und Rammlern
Acedia (Faulheit): Von Hühnern und Truthähnen
Gula (Völlerei): Von Säuen und Ferkeln
Invidia (Neid): Vom Schächten

Erzählt wird die Geschichte von Hartmut, dem Kopfschlächter. Als langjähriger Mitarbeiter des Schlachthofes kennt er sich mit den verschiedenen Methoden, ein Lebewesen vom lebendigen in den verwursteten Zustand zu überführen, bestens aus. Und manchmal macht er auch vor Menschen nicht Halt. Hartmut hat nur wenige Freunde und sein Leben besteht vor allem aus seiner blutigen Arbeit und regelmäßigen Besuchen seiner Stammkneipe und des gegenüberliegenden Bordells.

Das Buch ist eine Mischung aus der derben Sprache eines Charles Bukowski und den Splatterromanen von Carlton Mellick III. Tristan vom Wahn arbeitete während seines Studiums in Wirtschafts- und Sozialpsychologie unter anderem in der Fleischverwertung, weshalb er in diesem Bereich über einen nicht geringen Erfahrungsschatz verfügt. So wird der Leser nicht nur mit widerlichen Splatterszenen konfrontiert, sondern auch mit jeder Menge Fakten über die deutsche (Massen)Fleischindustrie. Blut zeigt das Titelbild und Blut quillt aus den Seiten - könnte man jedenfalls meinen. Kaum eine Seite vergeht, in der nicht gleichermaßen schonungslos wie auch emotionslos über diesen Alltag berichtet wird.

Der Autor hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und das Lesen schmerzt nicht nur wegen der grausamen Szenen. Es ist die Scheinheiligkeit, die uns alle so sorglos in den Tag hinein leben lässt und die uns dazu veranlasst, all' jene, die den Finger auf diese schmerzende, zumeist unsichtbare Wunde drücken, abfällig als Gutmenschen und Moralapostel zu bezeichnen. Doch Hartmut ist alles andere als ein Gutmensch. Er ist ein Mensch, jenseits der Gesellschaft. Schmutziger Sex, Körpersäfte, Fäkalien, abgetrennte Gliedmaßen - das macht sein Leben aus.

Die Menschen engagieren sich für Waisenhäuser in Afrika, verschließen jedoch die Augen vor dem Elend der Obdachlosen, die vor der eigenen Haustür erfrieren. Sie kaufen Bio und glauben, damit könnten sie die Welt retten. Hartmuts Gedanken überraschen oft durch knappe und klare Erkenntnisse. Und nicht selten konnten sie mich zum Grinsen bringen (Als Beispiel sei hier der Zusammenhang von Schwanzlänge und Rassismus genannt - sehr interessant, wie unsere aktuellen Parteien hierbei abschneiden).

Obwohl mir die hier geschilderten Szenen eines Schlachthofes schon öfter in Medien begegneten (meistens in den verschiedenen Undercover-Aufnahmen von Tierschützern) und ich somit wusste, dass dies der grausamen Realität entspricht, war ich meistens eher unbeteiligte Zuschauerin. Ich kann nur vermuten, dass es an der Art des Splatterromans liegt. Wenn Blut und Gedärm manchmal nur so spritzt und die Erzählweise außerdem noch eher emotionslos gehalten ist, hat das diese Wirkung auf mich. Ein paar Tippfehler haben sich eingeschlichen, aber: Egal, ob es sich um Tarantino oder Carlton Mellick III handelt. Und "Kopfschlächter" von Tristan vom Wahn steht den Werken dieser beiden Künstler nur wenig nach.

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Der Ruf des Sturmvogels

Rebecca Maly
E-Buch Text: 481 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 08.07.2013
ISBN 9783641102845
Genre: Romane

Rezension:

Unterschiedlicher könnten zwei Schwestern nicht sein: Die gottesfürchtige Claire liebt es, in Ruhe im Haus zu sticken oder zu lesen, während die jüngere Stella immer wieder von Abenteuerlust gepackt wird und nur ungerne zu Hause herumsitzt. Nachdem ihr Vater die in Buenos Aires lebende Familie erst in den finanziellen Ruin trieb und kurz danach starb, übernimmt ihr im Chile lebender Onkel Longacre die Vormundschaft für die beiden Mädchen und arrangiert für Claire eine Ehe mit dem Schafzüchter Shawn Fergusson. Während Claire voller Angst in die Zukunft blickt, reist Stella mit ihr im November 1859 frohen Mutes in das fremde, oft unwirtliche Land und als sie Shawn zum ersten Mal in die Augen blickt, fühlt sie sich unwiderstehlich von ihm angezogen.

Die Autorin liebt Chile, das ist offensichtlich. Das karge, oft ungastliche Land, windgepeitscht und kalt, beschreibt sie einnehmend und detailliert, ohne jemals zu langweilen mit endlosen Landschaftsbeschreibungen. Geschickt verknüpft sie die Besiedlungsgeschichte dieses faszinierenden Erdteils mit den Erlebnissen von Claire und Stella. Gemeinsam mit den beiden begab ich mich auf Neuland, denn über Chile wusste ich bisher nur wenig. Doch besonders die Charaktere des Buches waren es, die mich faszinierten. Nicht nur Stella und Claire, sondern auch der Rest des Personals hat den für eine authentische Atmosphäre nötigen Feinschliff erhalten. So trifft man hier kaum auf Klischees oder Schwarz-Weiß-Malerei und auch die "Guten" haben viele Fehler, wogegen der eine oder andere Bösewicht immer menschlich bleibt (was nichts daran ändert, dass man ihn dennoch aus tiefstem Herzen verabscheut).

Rebecca Maly versteht sich darauf, die Leser in ferne Welten eintauchen zu lassen. Sie studierte Skandinavistik und Archäologie und hat ein ganz besonderes Faible für Ureinwohner. Nachdem sie in "Im Tal des Windes" über Neuseeland und die Maori geschrieben hat, widmet sie sich in "Der Ruf des Sturmvogels" den Selk'nam, einem chilenischen Volk , das auf der Inselgruppe Tierra del Fuego (Feuerland) lebte und im Zuge der Besiedlung durch die Weißen inzwischen als ausgerottet gilt. Die letzte reinblütige Selk'nam, Angela Loij, starb 1974. Die Sprache des Volkes gilt seit den 80ern als ausgestorben.

Die Umschlaggestaltung ist nicht überraschend, fällt das Buch wohl in die Kategorie "Love & Landscape" - damit geht dieses Juwel zwischen all' den ähnlich aussehenden Neuerscheinungen unverdient etwas unter. Die Erzählperspektive aus der dritten Person erzeugt in mir in manchen Büchern eine gewisse Distanz, aber Rebecca Maly schafft auch hier die Wanderung auf einem schmalen Grat und ganz schnell schlichen sich die Charaktere in mein Herz. So sehr, dass mir die Trennung auf der letzten Seite schwer fiel.

"Der Ruf des Sturmvogels" ist eine Geschichte mit gewissem Ausgang, denn die Ureinwohner ziehen den Kürzeren. Dies war schon immer so und wird immer so sein. Dennoch wird die Lektüre niemals langweilig und natürlich hat vor allem Stella einige Überraschungen für den Leser in petto. Eine niemals kitschig anmutende Liebesgeschichte, ein fremdes Land, das es zu entdecken gilt - kann es etwas besseres geben, als eingekuschelt auf dem Sofa tief einzutauchen in eine abenteuerliche, zu Herzen gehende Geschichte? Die letzte Seite ist zugeklappt und die Antwort lautet: Nein.

Anmerkung: Am 07. März 2014 beginnt eine autorenbegleitete Leserunde zum Buch. Neue Teilnehmer sind herzlich willkommen.

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krimi

Der Marodeur von Oxford

Gary Dexter , Zoë Beck , Thomas Wörtche
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diaphanes , 26.09.2013
ISBN 9783037344248
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Olive Salter, Autorin des Buches "Geschichte einer australischen Scheune", welches unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht wurde, leidet unter vielfältigen Krankheiten. Angefangen mit Asthma und Bleichsucht, Juckflechte, Heufieber, Schlaflosigkeit, Migräne, Neurasthenie, bis hin zu Tachykardie und lokalen physischen Störungen. Als Dr. Henry St. Liver ihr einen Brief schreibt, in dem er seine Verehrung für ihren Erstling ausdrückt und sie einlädt einem Treffen der "Gemeinschaft des Neuen Lebens" beizuwohnen, ahnt sie noch nicht, dass diese Zusammenkunft ihr Leben verändern wird.

Dr. Henry St. Liver ist für Olive anfangs eine große Unbekannte, aber je mehr sie über ihn erfährt, umso mehr erliegt sie der Faszination seiner Berufung. Henry untersucht ganz im Stile Sherlock Holmes Verbrechen. Doch im Gegensatz zu denen des wohl berühmtesten Detektives aller Zeiten, zeichnen sich seine Fälle durch ihre eher pikanten Details aus. Um einen "viktorianischen Porno", so die Bezeichnung auf Rückseite, handelt es sich nicht unbedingt, aber trotzdem spielt Erotik eine zentrale Rolle. Olive fühlt sich weniger zu dem Mann Henry hingezogen, als mehr zu den lüsternen Rätseln, die er mit überraschendem Scharfsinn zu lösen weiß.

Wer dieses Buch - erwähnenswert sei hier beispielsweise Monsieur Guillaumes Monolog über das Defäkieren - nicht mit einem Dauergrinsen im Gesicht liest, dem ist wahrhaftig nicht mehr zu helfen. In diesem Füllhorn schriftstellerischer Qualität ist jede Seite ein Genuss und ein Erlebnis der besonderen Art. Normale Unterhaltungen zwischen Henry und Olive gestalten sich folgendermaßen:

"Das Konsumieren von Exkrementen ist wohl ein recht vernachlässigtes Leitmotiv in der Weltkultur", begann Henry an einem schönen Junimorgen, als wir beim Frühstück saßen.

Henrys Empfehlungen bringen es auf den Punkt und beweisen immer wieder seinen Scharfsinn und die Fähigkeit, Menschen und deren Beziehungen untereinander zu beobachten und einzuschätzen: "Die regelmäßige und harmonische Ausübung des Sexualaktes über einen langen Zeitraum mit einem Mann, für den Sie tiefe, erwiderte Gefühle hegen, hat eine starke anti-aphrodisierende Wirkung."

Gary Dexter liebt Bücher und die Welt der Literatur. Und deshalb schreibt er auch so gerne Bücher über Bücher. Er widmet eine der Kriminalgeschichten Oscar Wilde, den er als wortkargen Genossen vorstellt und dessen Ruf wohl sein größtes Werk sei. Auch Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur, tritt in Erscheinung und immer wieder gibt es Bezüge Sherlock Holmes mit einer hinreißenden Olive Salter als Pendent zu Dr. Watson. Die sexualwissenschaftlichen Beobachtungen basieren unter anderem auf Freud und Iwan Bloch und manchmal wirft Dexter mit Begriffen, die einer Sexualenzyklopädie entsprungen zu sein scheinen, nur so um sich.

"Der Marodeur von Oxford" erschien im Diaphanes-Verlag in der Reihe "Penser Pulp", die der Verlag mit den folgenden Worten beschreibt: "Stellen Sie sich vor, Avantgarde und Pulp, Georges Perec und Jim Thompson, hätten zusammengearbeitet, und Alain Corneau hätte daraus einen Film gemacht, der dann programmatisch »Série noir« heißen mu?sste. So eine Mischung könnte man gar nicht anders nennen als »Penser Pulp«." Das Titelbild mit dem viktorianisch beschuhten Frauenbein passt zum Inhalt (genau genommen sogar zum ersten Fall), aber leider spricht es mich gar nicht an. Den Stil empfinde ich als reizlos und gewöhnlich und ich hätte dem Buch im Handel kaum einen zweiten Blick gegönnt.

Einen weiteren, sehr detaillierten Einblick in das Buch gibt das Nachwort von Herausgeber Thomas Wörtche, der sich in Deutschland schon lange einen Namen als Literaturkritiker und Publizist gemacht hat und auch die Übersetzung von Zoë Beck ist hervorragend.

Zugegeben: Ich hatte Angst vor dieser Rezension, denn wie könnte ich so einem Buch gerecht werden? Noch immer bin ich vollständig erfüllt von der raffinierten Wortgewalt Gary Dexters und trotzdem fühlt es sich so an, als ob mich "Der Marodeur von Oxford" der Fähigkeit, mich angemessen auszudrücken, beraubt hätte. Doch kann das sein? Und welche erotischen Hintergründe könnte dies haben? Ein Rätsel, das wohl nur Henry lösen könnte. Eigentlich müsste ich auf den Autor böse sein. Das Buch lässt sich mit einem Mann vergleichen. Hat man so einen Schatz entdeckt und verliert ihn, ist man für viele Nachfolger erst einmal verdorben. Natürlich, ich kann jederzeit wieder zurückkehren in Olives und Henry St. Livres London des Jahres 1892, aber zukünftige Bücher müssen nun ganz penibel ausgesucht werden, denn solche Perlen gibt es nicht oft und sie sind mir in der Vergangenheit auch schon selten genug begegnet.

Spielte ich Rezensionen-Bullshit-Bingo, so müsste ich Kreuzchen setzen bei den Adjektiven: ebenso scharfsinnig wie scharfzüngig, detailreich, humorvoll, pointiert und satirisch.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

vegan, gesund, kochbuch

vegan genial

Josita Hartanto
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei creative standard, 01.05.2013
ISBN 9783942491211
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Buch ist in vier Bereiche aufgeteilt

1. Suppen & Vorspeisen 
2. Hauptgerichte 
3. Snacks & kleine Sattmacher 
4. Desserts

Zusätzlich gibt es ein Glossar mit Informationen über Ausrüstung und empfehlenswerte Vorräte. Josita Hartanto ist die Chefköchin des veganen Restaurants "Lucky Leek" in Berlin - und ich war dort sogar schon mal essen. Schickes Restaurant, aber für meinen Geschmack etwas zu trendy. Vor dem Umzug in größere Räumlichkeiten war das wohl anders (aber das kann ich nicht beurteilen). Zum trendigen Ambiente passten dann auch die kleinen Portionen. Es war gut, aber keine Geschmacksexplosion. Trotzdem war ich sehr neugierig auf das Kochbuch.

Das erste Blättern ernüchterte mich etwas, denn zwar stimmt der im Klappentext erwähnte Anspruch "Aus einfachen Zutaten raffinierte Gerichte zaubern" - allerdings bestehen die meisten Gerichte mindestens aus gefühlten 20 Zutaten (allerdings ist wirklich jedes kleine Kräuterlein aufgeführt). Ich habe mir deshalb einige Rezepte ausgesucht, für die ich nicht mit dem Pferdeanhänger einkaufen gehen muss. Die erste Wahl fiel auf die "Cowboy Bohnen". Weiße Bohnen mit Gewürzen. Letzten Endes Baked Beans mit Tomatensauce in der Pfanne gebrutzelt. Sehr lecker, aber nichts besonderes. 

Die Sauerkraut-Hot-Dog-Quiche hat mich dann schon mehr überzeugt. Ziemlich geniale und schnelle Idee, indem man einfach ein fertiges Fladenbrot halbiert und als Boden benutzt. Hinein kommt dann die Quiche-Masse (bestehend aus Seidentofu, Sauerkraut, Zwiebeln & Räuchertofu) und ab in den Ofen.

Zu den "Auberginen-Nuggets mit Polentafries": Nie, nie, niemals wieder möchte ich Auberginen anders essen! Dazu gibt es noch ein Rezept für Paprikaketchup (welches ich der Faulheit halber nicht gemacht habe, sondern eine fertige Barbecue-Soße genommen habe).

Insgesamt kann ich dieses Kochbuch nur mit Einschränkungen empfehlen. Die Gerichte sind wie erwähnt meistens mit etwas Aufwand verbunden und leider fehlen bei den Rezepten für mich wichtige Angaben wie: Personenanzahl und Zubereitungszeit. Doch die Ideen sind großartig und besonders toll, wenn man Gäste hat, die man verwöhnen möchte.

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vegan, naturschutz, tierschutz, sachbuch, ernährung

Ab heute vegan

Patrick Bolk
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Ventil Verlag, 01.01.2014
ISBN 9783955750107
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Vegetarisch isst man, vegan lebt man." Alleine an diesem kleinen Zitat kann man sehr schnell erkennen, dass es nicht unbedingt damit getan ist, einfach die Milch zum Kaffee und das Frühstücksei am Sonntag wegzulassen. Doch obwohl das vegane Leben noch immer für die meisten exotisch anmutet, wird die Anzahl derer, die Tierleid nicht mehr ohne zu hinterfragen hinnehmenwollen, immer größer. Für sie gilt es, so einige Klippen zu umschiffen und "Ab heute vegan" liefert hierfür den nötigen Kompass.

Der Ratgeber ist ein Gemeinschafstprojekt der Autoren des inzwischen sehr bekannten Blogs Deutschland is(s)t vegan. Daneben betreiben die meisten Autoren und Autorinnen noch weitere Blogs wie "Berlin is(s)t Bio" (Patrick Bolk), visionvegan (Katja Rösen), ClaudiGoesVegan.de (Claudia Renner), „V“eltenbummler (Linda Sabin) oder B.B.‘s Bakery (Brigitte Bach). All' diese Menschen haben sich also sehr intensiv mit den genannten Hürden befasst und ihre Erfahrungen sehr übersichtlich komprimiert.

In dreizehn Kapiteln bekommt jeder, der sich für dieses Thema interessiert, das nötige Rüstzeug für seine vegane Zukunft. Obwohl die Texte recht kurz gehalten sind, fehlt nichts wichtiges und es wird sogar mit einigen Mythen aufgeräumt. Beispielsweise wird hier nicht vehement bestritten, dass es sich beim Menschen biologisch um einen Allesesser handelt - ein Argument, welches unseren heutigen Fleischkonsum sowieso noch nie legitimierte.

Die verschiedenen Ernährungstypen werden im zweiten Kapitel "Schublade auf, Ernährungstyp rein!" kurz umrissen. Neben den Veganern gibt es schließlich noch Fleischesser (Allesesser), Flexitarier, Vegetarier, Pescetarier, Frutarier, Freeganer und Rohköstler. Darauf folgen die Gründe, warum man denn nun überhaupt vegan leben wollte.

Abgerundet werden die Artikel mit thematisch passend eingestreuten Kurzinterviews. Dafür standen Rede und Antwort: Andreas Grabolle (Autor von "Kein Fleisch macht glücklich"), Sebastian Zösch (Vegetarierbund), Jérôme Eckmeier (Kochbuchautor), Tobias Graf (Alles-vegetarisch.de), Thomas Klein (veggie-hotels.de), Bernhard von Glasenapp (i+m Naturkosmetik), Michael Spitzbarth (Bleed Organic Clothing), Kirstin Knufmann (PureRaw) und Ben Urbanke (Gründer und Geschäftsführer von FIBUR).

Das Buch räumt auf mit den gängigsten Vorurteilen und gibt eine Übersicht zu Nährstoffen und Austauschtipps in der Küche. Doch: Vegetarisch isst man, vegan lebt man. Und so ist es natürlich mit der Ernährung nicht getan. Tierversuche für Kosmetik, Palmölproblematik und was tun mit den Lederschuhen? Weitertragen? Wegwerfen? Wie gestaltet sich der Alltag mit Nicht-Veganern? Es ist eigentlich kaum zu glauben, wieviele Themen hier in diesem doch eher dünnen Büchlein angesprochen werden. Umso erstaunlicher ist es, dass es dieses Autorenteam geschafft hat, alle nötigen Informationen auf so wenige Seiten zu packen. Ein Balanceakt, der perfekt gelungen ist. Einziger Wermutstropfen für mich war nur, dass man den Beiträgen nicht entnehmen kann, wer von den Autoren jeweils dahinter steckt. Aber das ist verschmerzbar. "Ab heute vegan" ist ein Leitfaden, der jedem Neuveganer die ersten Schritte erleichtern wird. Will man sich weiter informieren, erhält man auch dafür Literaturempfehlungen. Zugreifen lohnt sich.

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Das Rock ‘n’ Roll Veganer-Kochbuch

Jérôme Eckmeier
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei compassion media, 15.11.2012
ISBN 9783981462159
Genre: Sachbücher

Rezension:

Petticoats, Hula Hoop, Toast Hawaii & Elvis Presley: Rock 'n' Roll, inzwischen nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch ein Lebensgefühl, das die 50er Jahre prägte. Die Partybuffets waren geprägt Fleisch- und Eiersalaten, Toast Hawaii, Marmor- und Käsekuchen und dem legendären mit Salzstangen gespickten Mett-Igel. Jérôme Eckmeier hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kulinarischen Klassiker dieser Zeit zu veganisieren und entstanden ist dabei dieses Kochbuch. Der gelernte Koch und staatlich geprüfte Lebensmitteltechniker entspricht nur geringfügig dem klischeehaften Bild, das sich die meisten unter blassen, mageren Veganern vorstellen. Dass ihm das Kochen großen Spaß macht, merkt man ihm an. Viele von uns werden ihre Kindheit in dem einen oder anderen Gericht wiederfinden, sein Umgang mit anderen Menschen im Internet zeugt von Respekt und auch in natura wirkt Jérôme Eckmeier einfach wie ein großer Bär, den man knuddeln möchte (ich durfte ihn kurz auf der VeggieWorld 2013 in Wiesbaden kennen lernen.

Das Kochbuch ist aufgeteilt in die folgenden Kapitel: Grundrezepte (z.B.Soßen, Mayonnaise, Hefeschmelz usw.), Kalte Vorspeisen (z.B.Vleischsalat, Bayrischer "Wortscht"salat, Gevlügelsalat, veganer Eiersalat), Warme Vorspeisen (z.B. Gebackener Spargel im Knuspermantel mit Knoblauchdip, Couscous auf gebratenem Chicorée mit Balsamico-Dressing), Hauptgänge (Kohlrouladen, vegane Cevapcici mit Djuvec-Reis, Pflanzensteak-Bagel), Desserts und Kuchen (z.B.Tiramisu, schnelle Avocado-Mousse au Chocolat). Für meinen Geschmack enthält das Kochbuch einen Tick zu viele deftiger Rezepte und Fakegerichte. Fast kein Rezept kommt ohne eine Sojazutat aus. Aber: Das liegt auch nicht in der Intention dieses Kochbuches. Jérôme Eckmeier wollte die deftigen Partybuffets der 50er Jahre "veganisieren" und das ist ihm gelungen. Die Gerichte schmecken lecker, mehr oder weniger authentisch und vom Sojakram abgesehen sollte man das meiste auch problemlos im normalen Supermarkt kaufen können.

Enthalten ist auch die für mich bisher beste Variante von Rührtofu (schön "schlonzig"!) und ich kann mir keinen Grund vorstellen, weshalb man da noch normales Rührei essen sollte. Das frische Fake-Zwiebelmett schmeckte nicht so stark nach echtem Mett (muss ich auch nicht haben). Schmeckt besser, wenn es noch ein Weilchen durchziehen kann. Ich habe Maiswaffeln statt der im Rezept angegebenen Reiswaffeln genommen, da letztere im Ruf stehen, teilweise zu viel Arsen zu enthalten. Auch die Nudeln mit Sojafleisch und "Käse" sind empfehlenswert. Zufällig hatte ich testweise geriebenen Wilmersburger hier, aber im Rezept wird auch eine Alternativversion aus Sojasahne mit Hefeflocken angegeben. Deftig und lecker, aber recht gewöhnlich und mir auch zu "schwer". Als Beilage zu Gemüse kann ich mir das aber sehr gut vorstellen.

Viele gesunde Gerichte lassen sich hier kaum finden, weshalb ich das "Rock 'n' Roll Veganer-Kochbuch" mehr als Ergänzung zu anderen Kochbüchern sehen würde. Uneingeschränkt empfehlenswert ist es besonders für Umsteiger. Menschen, die gerne vegan werden möchten, die aber den Geschmack der ganzen "fleischigen" Gerichte vermissen. Und natürlich erhält man für Buffets so grandiose Anregungen, dass man versucht ist, eine vegane 50er-Jahre-Mottoparty zu organisieren.

Einige Worte noch zum Verlag: Compassion Media legt seine Schwerpunkte ganz klar auf den Veganismus und die Tierrechte bzw. die Tierbefreiung und überzeugt mich seit Jahren durch seinen konsequente Kurs. Die Bücher werden auf Recyclingpapier von Dalum Papir aus Dänemark (einer der weltweit umweltfreundlichsten Papierhersteller) gedruckt und seit 2013 werden für die Herstellung der Produkte sogar nur noch mineralölfreie Druckfarben auf Leinöl-Basis verwendet. Aus diesen Gründen darf bitte man keine katalogtauglichen Hochglanzfotos der Gerichte erwarten. Neben Büchern gibt es auch noch der Shop von Roos of Compassion, in dem vegane Lebensmittel und fair gehandelte Kleidung angeboten wird - natürlich ebenfalls vegan. Ein kleines, bewundernswertes Unternehmen in einer Welt, die von Kapitalismus beherrscht wird. Macht weiter so!

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

kochbuch, köstlichkeiten, vollwertkost, gesunde ernährung, veganes kochbuch

Vegan & vollwertig genießen

Annette Heimroth , Brigitte Bornschein , Barbara Rütting
Fester Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Hädecke Verlag, 31.12.2014
ISBN 9783775005739
Genre: Sachbücher

Rezension:

Vegane Kochbücher gibt es inzwischen immer mehr. Das Thema boomt. Auch Vollwert-Kochbücher sind nicht schwer zu finden. Doch ein veganes Vollwert-Kochbuch? Das ist mit "Vegan & vollwertig genießen" bisher einzigartig auf dem deutschen Buchmarkt. Dabei ist das Thema Gesundheit nicht unwichtig, denn obwohl die meisten mir bekannten Veganer aus ethischen Gründen vegan leben, achtet der überwiegende Teil irgendwann auch darauf, dass sie möglichst wenig Industriemüll zu sich nehmen. Die Devise heißt: So natürlich und unverarbeitet wie möglich. "Essen Sie nichts, wofür Werbung gemacht wird" - ein einprägsames Zitat von Dr. Max Otto Bruker, der sich als Verfechter der Vollwerternährung einen Namen gemacht hat und an dessen Erfahrungen sich auch dieses Buch orientiert. Ganz besonders erwähnenswert ist auch noch das wunderbare Vorwort von Barbara Rütting, die zu mehr Toleranz aufruft.

Kein Zucker, Sirup oder Dicksaft zum süßen. Stattdessen werden Datteln zum Kuchenbacken und für Desserts verwendet (die aber bisher noch nicht lange genug überlebt haben, um in einem Gericht verwendet zu werden - ich bin süchtig nach Datteln!). Ich bin mir sicher, dass mir diese Gerichte fast ausreichend gesüßt erscheinen werden, allerdings mag ich überzuckerte Speisen sowieso nicht gerne. Andere, die Industriezucker in Massen und nicht Maßen gewöhnt sind, werden sich damit aber vermutlich sehr schwer tun.

Es sind eher alltägliche Gerichte ohne Extravaganzen enthalten - nur eben vegan & vollwertig. Sehr gut gefällt mir, dass es darin jede Menge Brotaufstriche gibt (solche Rezepte suche ich immer wieder). Die Menge an Rezepten ist der Bebilderung geschuldet, denn im Gegensatz zu vielen anderen Kochbüchern wird hier nicht jedes Minigericht in Hochglanzfotos präsentiert. Das stört mich manchmal, aber hier definitiv nicht. Die Reichhaltigkeit an Rezepten haut einen fast um.

Alle Rezepte, die ich getestet habe, waren absolut alltagstauglich, kostengünstig und sowohl schnell zubereitet als auch sehr lecker. Sowohl den schlichte Kohlrabisalat mit Cashewschmand (selbstgemacht - wie das geht, steht erfreulicherweise ebenfalls im Buch) als auch den Salat mit Roter Bete und Apfel wird es hier in Zukunft öfter geben. Die Besonderheit bei letzterem ist, dass der Salat noch mit Bärlauchpesto verfeinert wird. Da ich in jedem Frühjahr einen Jahresvorrat an Bärlauchpesto zubereite (hier wächst der in Massen), kam mir das natürlich sehr entgegen.

Sehr erfreut bin ich über die Vielfalt der enthaltenen Brotaufstriche, von denen ich insgesamt drei getestet habe: Cashew-Schmand (im Buch als Sahnig-Veganer Streich-"Käse" bezeichnet) - sehr genial! Schade finde ich jedoch auch hier mal wieder, dass durch die Bezeichnung "Käse" eine bestimmte Ewartungshaltung provoziert wird, die vegane Rezepte so nicht halten können. Allerdings: Mit diesem Cashew-Schmand fehlt mir auch kein echter Streichkäse. Auch den Apfel-Zwiebel-Schmalz kann ich empfehlen, obwohl er mir ein kleines bisschen zu kokoslastig geriet. Hier werde ich wohl mit einem neutraleren Kokosfett experimentieren. Und zuletzt habe ich noch die vegane "Leberwurst" zubereitet, bei der es sich in Wirklichkeit um einen sehr leckeren Grünkernaufstrich handelt, der natürlich nicht mal im entferntesten an Leberwurst erinnert (was positiv zu bewerten ist). Alle Aufstriche waren sehr schnell zubereitet. Ich bin wirklich schwer begeistert.

Und zuletzt noch das vegane Ragú - großartig! Ohne Sojaschnetzel oder Tofu! Das schmeckt super und ist sehr schnell und einfach zubereitet. Bei mir gab es statt der Hartweizenspaghetti einfach Zucchinispaghetti (mit dem Spiralschneider vorbereitet) dazu.

Von den teilweise unpassenden Bezeichnungen (Leberwurst, Käse etc.) abgesehen, hat sich dieses vegane Vollwert-Kochbuch zu einem meiner Lieblinge entwickelt. Wer gesund und vegan kochen möchte, dabei auch ein bisschen auf den Geldbeutel achten muss und außerdem nicht stundenlang Zeit in der Küche verbringen will, ist hier gut aufgehoben.

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vegan, tierrechte, vegetarier, sf, fleischlos

Wie ich verlernte, Tiere zu essen

Marsili Cronberg
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Echo Göttingen, 01.05.2012
ISBN 9783926914545
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Vegetarier nerven. Veganer sind Extremisten. Sie malen Probleme an die Wand, die gar keine sind. Und es werden immer mehr. Millionen sind es schon. Ja spinnen die denn alle?" Diesen Gedankenansätzen geht Marsili Cronberg nach und recherchiert: Ist es wirklich so? Warum regen sich die Vegetarier und Veganer denn überhaupt so auf? Reicht denn der Trend zu Bionutztierhaltung weg von der Massenzucht nicht aus? Und was soll so schlimm an einem schönen Glas kalter Milch sein? Wird da vielleicht ein Tofu-mit-Algen-Gericht heißer gegessen, als es überhaupt gekocht wurde?

Heutzutage hat wohl jeder seine Erfahrungen mit Vegetariern oder - noch schlimmer - Veganern gemacht. Sei es auf der einen Seite als Omnivore oder auf der anderen Seite als Vegetarier, der irgendwie zwischen den Stühlen steht und denkt "Veganer sind ja viel extremer, aber für mein Essen müssen wenigstens keine Tiere sterben."

Für einigen Wirbel sorgte Marsili Cronberg im Jahre 2011 mit dem Artikel "Veganer sind auch nur Menschen" auf Stadtmenschen.de. Dort wollte er diesen Veganer-Mythos entzaubern, denn "was schon immer so war, kann einfach nicht schlecht sein." Auf seinem Blog nachrichten-aus-der-zukunft.net betreibt er außerdem seit einiger Zeit ein interessantes Gedankenexperiment, indem er sich in eine ferne Zukunft hineinversetzt, um sich von dort aus zu überlegen: "Was werden die Menschen der Zukunft über uns denken? Was ist von uns geblieben?" Da blieb im Laufe der Zeit natürlich auch das Thema (Fleisch)Konsum nicht aus. Seine Aufzeichnungen und Ideen fasste er schließlich in "Wie ich verlernte Tiere zu essen" zusammen.

Bereits von der ersten Seite an war ich hingerissen von den Ausführungen des Autors. Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch gelesen, das ich mit so vielen Zetteln gespickt habe. Zettel, die besonders beeindruckende Sätze markieren sollten. Sätze und Gedanken, die ich am liebsten ganz laut in die Welt HINAUSSCHREIEN möchte. Wollte ich alles mit einem Textmarker hervorheben, wäre das gesamte Buch bunt, bunt, bunt. Dabei wusste ich sehr vieles schon aus eigenen Erfahrungen. Auch ich erfahre immer wieder Spott, denn als als Vegetarier - und nun als ganz frischgebackene Veganerin - werde ich laufend damit konfrontiert und noch immer macht mich diese verletzende Geschmacklosigkeit meistens sprachlos. Und doch gibt es immer mehr interessierte Fragen von Fleischessern, die sich wundern, dass ich noch nicht mangelernährt dahinsieche.

"Wie ich verlernte Tiere zu essen" ist kein Manifest oder ein emotional geschriebenes Sachbuch, das moralinsauer den Zeigefinger hebt und auf Fleischesser herabsieht. Ganz im Gegenteil, denn vielmehr weckt dieses Buch ein von mir ungeahntes Verständnis, das auf Beiderseitigkeit beruhen sollte. Deshalb würde ich mir viel mehr Leser dafür wünschen. Nicht nur Vegetarier oder Veganer, sondern auch Fleischesser sollten es lesen, um so die unheimliche Spezies der "Anderen" besser verstehen zu können. Obwohl man meinen könnte, das Thema sei schwermütig oder deprimierend, gelingt es Marsili Cronberg, seine persönlichen Erfahrungen mit dem Leser so locker und leicht, manchmal ironisch und manchmal auch nachdenklich zu teilen, dass die Seiten nur so dahinfliegen.

Die wenigsten Vegetarier oder Veganer wurden als solche geboren. Bei manchen ist es ein längerer Prozess, bei manchen ein kürzerer. Manche werden vom Fleischesser zum Veganer, andere machen dem Umweg über die vegetarische Ernährung und es soll sogar Menschen geben, die am Ende wieder Fleisch essen. Sie alle ruft Marsili Cronberg zu mehr Akzeptanz und Toleranz auf. Schluß mit dem gegensetigen Anfeinden. Schluß mit den Vorurteilen. Lasst euch auf eure Mitmenschen ein. Vielleicht erschließt sich euch dann eine ganz neue Welt - vielleicht gefällt sie euch, vielleicht aber auch nicht. Wenn ihr es nicht versucht, werdet ihr es niemals herausfinden.

Ein nettes Bonbon ist der enthaltene von Linguini illustrierte Comic "Happy without meat", der sich durch das ganze Buch zieht. Für mich war dieses kleine Büchlein ein wahres Geschenk, das mir die Augen geöffnet hat. Lesen!

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vegan

Mediterran gekocht - einfach (und) köstlich

Renate Martienssen
Flexibler Einband
Erschienen bei Monsenstein und Vannerdat, 01.07.2009
ISBN 9783865827074
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was macht eine Deutsche, die in Valencia lebt und deren vegetarisch lebenden Tochter schließlich Veganerin wird? Richtig, sie denkt sich alle möglichen leckeren, mediterranen Rezepte aus und sammelt diese in einem kleinen Kochbuch. Der Focus liegt bei Renate Martienssen vor allem auf dem Schackhaften, Gesunden und Preiswerten. Klar ist, dass sich im Laufe der Jahre jede Menge Rezepte ergeben und so entschied sich die Autorin, diese in einem praktischen Ringbuch zu veröffentlichen.

Das Negative zuerst: Es handelt sich hier nicht um ein durchdesignetes Hochglanzkochbuch, das mit fünf Bildern pro Rezept aufwartet, um Leser und Hobbyköche gleichermaßen einzulullen. Tatsächlich sind die vorhandenen (wenigen) Bilder ungefähr so, wie sie jeder von uns vom Mittagsmenü mit einer normalen Kamera schießen könnte. Ein bisschen vermisst habe ich Angaben zur benötigten Zubereitungszeit. Damit bin ich allerdings auch schon am Ende mit den Punkten, die mir an "Mediterran kochen" nicht so gut gefallen haben.

Das Buch zeichnet sich vor allem durch Bodenständigkeit aus. Nahezu alle verwendeten Zutaten sind problemlos im normalen Handel erhältlich. Die Gerichte sind nicht zu kompliziert und erinnern an ganz normale südländische Hausmannskost. Für meinen Geschmack verwendet Frau Martienssen ein bisschen zu viele Sojaprodukte, aber durch die Vielfalt an Rezepten wird das problemlos wett gemacht. Mein erster Nachkochversuch waren Falafel für das 3. Odenwälder Literaturschock-Treffen am 04.08.2012 und nicht nur bei Vegetariern kamen diese sehr gut an. Zwar fehlte mir ein Teil der angegebenen Gewürze, doch der eigenen Kreativität sind hier wie in jedem Kochbuch keine Grenzen gesetzt.

Wohlklingende (und wohlschmeckende) Rezepte wie "Gnocchi a la Romana" oder "Escalivada" (Auberginen-Paprika-Gemüse) reichen sich die Hand mit Gerichten, die fast jeder kennt. So zum Beispiel eine vegane Paella oder der griechische Salat, Tzatziki oder Sangria. Die Kapitel sind aufgeteilt in 14 Vorspeisen, 10 Suppen, 7 Salate, 6 kleine Gerichte / Pasteten / Empanadas, 27 Hauptgerichte, 3 Beilagen, 12 Süßspeisen, 13 mal Kuchen und Gebäck, 6 Brotaufstriche und 2 Getränke. Außerdem gibt es noch ein Kapitel "Verschiedenes", in dem man Anleitungen für die Herstellung von Seitan oder Räuchertofu findet. Insgesamt sind hier also über 100 Rezepte vertreten. Hut ab.

Sehr praktisch empfinde ich bei Kochbüchern immer wieder die auch hier vorliegende Ringbuchlochung. Was nützt mir ein Kochbuch, das so (teuer) designed wurde, dass ich Angst habe, es zu benutzen? "Mediterran kochen - zu 100% vegan" steht also ganz im Zeichen der Alltagstauglichkeit für die regelmäßige Anwendung (und Abwandlung). Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung nicht nur für Veganer, sondern für alle Menschen, die gerne aufgeschlossen tierfreundliche Gerichte ausprobieren möchten.

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wölfe, montana, fazination, spannung, lebensänderung, lebenstraumverwirklichung

Wolfsküsse

Elli H. Radinger
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2011
ISBN 9783352008207
Genre: Sachbücher

Rezension:

In "Wolfsküsse. Mein Leben unter Wölfen" erzählt Elli Radinger ihre Geschichte: Wie trug es sich zu, dass die Rechtsanwältin nahezu von heute auf morgen ihren Beruf aufgab und ihren Traum lebte? Den Traum von einem Leben, das sich fast nur um Wölfe dreht. Sie wurde zur Wolfsforscherin und hielt ihre Erlebnisse in Büchern fest. Die Wölfe lehrten sie nicht nur Unmengen über die wilden Caniden selbst, sondern auch viel über die Natur der Menschen. Einsichten über Strategie, Kommunikation, Loyalität, aber auch Neugier, Geduld, Liebe. Im Laufe der Zeit wurde ihr klar, dass sich die Menschen gar nicht so sehr von den Wölfen unterscheiden.

Dieses Buch hat mich wie fast keines in diesem Jahr begeistert. Es berührte und beeindruckte mich schon auf den ersten Seiten so stark, dass ich immer wieder - als nahe am Wasser gebaute Person - Tränen in den Augen hatte. Elli Radinger beschreibt traurige und rührende Situationen und es war gleichermaßen Trauer wie auch Freude, die ich mit ihr teilen durfte. Es ist wunderschön zu sehen, wie jemand sein bisheriges Leben hinter sich lässt und den größten Traum verwirklicht. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die ihr kurzes Leben achtlos vergeuden und so ist das Buch nicht nur eines über Begegnungen mit Wölfen, sondern auch eines über die Begegnung mit einer bemerkenswerten Frau.

Die Beschreibungen der Wölfe sind so eindringlich, dass man glaubt, sie ebenfalls zu kennen. Besonders ans Herz gegangen sind mir als Zoo-Verweigerin auch folgende Sätze:

Heute, nach fast zwanzig Jahren Beobachtung von freilebenden Wölfen, bin ich kaum noch in der Lage, einen Zoo zu besuchen. Ich ertrage es einfach nicht mehr, das erloschene Feuer in den Augen eines gefangenen Tieres zu sehen.

Während des Lesens wurde mir erneut klar, welche Unterschiede unsere Gesellschaft doch macht. Einerseits ist es völlig in Ordnung, Tiere für den eigenen Genuss gefangen zu halten, zu töten, zu verstümmeln, zu überzüchten, sie von ihren Müttern zu trennen - schlicht und einfach unserer Willkür auszusetzen. Den Unterschied macht oft nur aus, wie niedlich sie sind. Ähnlich ist es auch mit Jägern und Wolfsgegnern: Für viele (natürlich nicht alle!) von ihnen ist der Wolf der Gegner, den man sich vielleicht höchstens als Trophäe an der Wand vorstellen kann. Solche Entscheidungen treffen alle Menschen im Laufe ihres Lebens. Welches Lebewesen darf weiterleben? Welches für den eigenen Vorteil sterben? Und diese Entscheidung wird nicht nur in jedem Land, jeder Kultur anders getroffen, sondern auch von jedem Menschen.

"Wolfsküsse" ist auf jeder Linie faszinierend. Ich wuchs mit Hunden auf und dennoch war das Lesen für mich sehr erstaunlich. Vor allem, weil diese Wölfe teilweise wirklich völlig entgegen der einschlägigen Meinung leben und agieren. Was? Die haben Spaß? Tiere können keinen Spaß haben. Punkt. Menschliche Gefühle niemals in Tiere interpretieren. Das ist falsch, falsch, falsch. So habe ich es noch in der Schule gelernt. Ein Wolf als Schürzenjäger? Und tyrannische Wölfe. Krieg. Und so viel Liebe. Das alles und noch viel mehr findet man in diesem Buch.

Ganz wichtig war für mich aber auch ein weiterer Punkt, der angesprochen wird: Das Verhalten ist nicht nur den Wölfen zu eigen. Jedes (Wild)tier ist ein Individuum, nur wir Menschen vereinheitlichen und ent"personifizieren" - vermutlich, damit wir besser damit klarkommen, was wir ihnen antun.

Sehr interessant fand ich auch die Beobachtung, dass viele Wolfsfamilien ihre eigene Rabenfamilie haben. Die Beschreibung hatte so etwas mystisches und siehe da: Das Thema hat auch schon in alten Sagen seinen Platz gefunden: Odin (oder auch Wotan) aus der nordischen Mythologie bzw. der Edda wurde nicht nur von den beiden Raben Hugin ("Gedanke") und Munin ("Erinnerung") begleitet, sondern auch von den Wölfen Geri ("Gierig) und Freki ("Gefräßig"). Insgesamt muss ich zugeben, dass ich niemals erwartet hätte, dass die Wölfe in einem autobiografischen Buch so "menschlich" geschildert werden. Das entspricht überhaupt nicht der gängigen Meinung über Tiere.

Was für ein wunderbares Buch über eine bemerkenswerte Frau. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so durchgehend bei einem Buch heulen musste. Jeder, wirklich jeder sollte es lesen, um zu erfahren, dass auch das kleinste Lebewesen ein Rädchen im Getriebe ist. Es ist atemberaubend, der Natur bei ihrer Entfaltung zuzusehen. Doch wer denkt, dass Elli Radinger völlig unreflektiert schreibt, irrt sich. Sie schildert souverän, was sie an der Wolfsforschung stört und sie nimmt keine feindliche Position gegenüber den Wolfsgegnern ein. Vielmehr versucht sie, Verständnis aufzubringen, um Aufklärung betreiben zu können.

Ich bin glücklich, dass ich dieses Buch in einer gemeinsamen Leserunde mit Elli Radinger erleben durfte. Es war eine Bereicherung.

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140 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

selbstmord, mord, thriller, jugendliche, schwester

Dann fressen sie die Raben

Beatrix Gurian
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.03.2012
ISBN 9783401066837
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seitdem die selbstsichere und bildhübsche Lina ihr den Freund ausgespannt hat, redet Ruby nicht mehr mit ihrer Schwester. Erleichtert wird dies durch die Tatsache, dass die beiden Mädchen seit der Scheidung der Eltern getrennt leben: Ruby bei ihrem Vater im Allgäu, Lina bei der Mutter in München. Als Lina einen Selbstmordversuch unternimmt und kurz danach ins Koma fällt, kann Ruby nicht glauben, dass ihre Schwester nicht mehr leben wollte und forscht nach. Dabei begibt sie sich selbst in Gefahr und gerät dabei immer tiefer in einen Strudel aus gefährlichen Wahrheiten.

"Dann fressen sie die Raben" ist ein wahrer Pageturner, oder - wie eine Frau Geissen auf neudeutsch sagen würde: Ein echter "Burner". Hat man einmal mit dem Buch begonnen, kann man sich kaum losreißen. Zielgruppengerecht sind die Kapitel eher kurz und aus wechselnden Perspektiven geschildert, was ungemein die Spannungschraube anzieht. Lange tappte ich mit Ruby im Dunkeln, doch im Gegensatz zu ihren Eltern, den Freunden und sogar der Polizei glaube ich ihr natürlich, dass hier irgendwas nicht stimmen konnte. Alles bleibt mysteriös und was schließlich hinter dem ganzen Familiendrama steckt, dämmerte mir erst recht spät. Nach und nach werden die Puzzlestückchen zusammengebaut und die Lösung ist dann doch ein bisschen anders als erwartet.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er.
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben.
Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!

Der größte Teil des Buches wird in der ersten Person aus Sicht von Ruby geschildert. Zwischendurch erhält der Leser Einblick in die Gedanken eines jungen Mannes, von dem man nicht weiß, was von ihm zu halten ist. Handelt es sich um einen Mörder? Oder um ein Opfer? Verfolgt er Ruby? Als dritte Ebene wirft die Autorin dem Leser häppchenweise Texte einer Webseite "Wahrste-Liebe" vor, die nicht minder mysteriös wirkt. Erst zum Schluß führt die Autorin die drei parallelen Handlungsstränge zusammen. Das Buch ist ein Sammelsurium von klassischen Krimiszenen: Schritte im Keller, nachts alleine unterwegs - und natürlich begibt sich unsere Ruby in diese gefährlichen Situationen wie die obligatorische Blondine aus Horrorfilmen, der man entgegenschreien will "Nein, tue es nicht! Gehe nicht diese Treppe runter! Dort lauter der Killer auf Dich!". Ganz so einfach gestrickt ist "Dann fressen sie die Raben" aber zum Glück nicht und die Autorin kann mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen.

Beatrix Gurian ist das Pseudonym der Kinderbuch- und Krimiautorin Beatrix Mannel. Sie ist eine offensichtlich routinierte Schreiberin, die ich gerne näher im Auge behalten werde. Bisher war mir ihr Name leider völlig unbekannt. Der Schreibstil ist sehr einnehmend und durch die stetig ansteigende Spannung mochte ich das Buch ungerne aus der Hand legen. Das Ende erschien mir dann leider etwas zu abgehackt und unbefriedigend, obwohl ich den Daumen für eine Begründung nicht auf eine bestimmte Stelle legen könnte.

Ein großes Lob an den Arena-Verlag für die Gestaltung des Buches. Schon die Umschlaggestaltung zog mich magisch an. Ein nettes Bonbon ist hierbei auch das gelbe Kunststoffband mit dem Aufruck "Crime Scene - Do not cross" in schwarzer Schrift, welches das Buch umschließt.

Mit wenigen Abstrichen ein klarer Lesetipp von mir. Aber Vorsicht: Nehmen Sie sich Zeit für dieses Buch, denn sie werden es nicht nach 50 Seiten weglegen wollen.

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facebook, zukunft, liebe, freundschaft, jugendbuch

Wir beide, irgendwann

Jay Asher , Carolyn Mackler , Knut Krüger
Fester Einband: 395 Seiten
Erschienen bei cbt, 27.08.2012
ISBN 9783570161517
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emma und Josh sind Nachbarn, sie gehen auf die gleiche Schule, beide sind 16 Jahre alt - und seit gefühlten Ewigkeiten beste Freunde. Im Mai 1996 schenkt Emmas Vater dem Mädchen den ersten Computer und von Josh erhält sie eine der kostenlosen CDs von America Online (AOL), die damals mit Hunderten von Freiminuten ins Internet lockten. Der erste Schritt in die weite Welt des Web ist getan und gespannt klickt Emma ein blaues Logo namens Facebook an - und wird mit ihrer Zukunft konfrontiert.

Facebook sollte erst im Jahre 2004 von Mark Zuckerberg erfunden werden, doch Emma kann sich schon jetzt mit ihrer E-Mail-Adresse einloggen und die Auswirkungen ihrer Handlungen der Gegenwart live verfolgen. Sehr rosig erscheint ihr diese jedoch nicht. Sie wird einen untreuen Mann heiraten, arbeitslos sein und insgesamt erscheint sie sehr unglücklich. Emma will dies nicht akzeptieren und nimmt sich vor, ihr zukünftiges Unglück nicht zu akzeptieren - und ändert Entscheidungen, die sie in der Gegenwart trifft, um ihr späteres Leben positiv zu beeinflussen. Doch ist es nicht so, dass unsere Zukunft niemals so festgemauert ist? Dass jede Minute unseres Lebens von spontanen Entscheidungen geprägt ist. Entscheidungen, die unsere Zukunft mehr oder weniger stark verändern?

Jay Ashers Buch "Tote Mädchen lügen nicht" wurde 2010 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Carolyn Mackler, seine Co-Autorin, steht mit ihrem Buch "Veganerin, siebzehn, Jungfrau, sucht ..." schon länger auf meiner Wunschliste, hatte es bisher aber wie auch Asher noch nicht in meine Regale geschafft. Vermutlich wird sich dies nun nach der Lektüre von "Wir beide, irgendwann" ändern, denn obwohl ich zuerst Zweifel hegte, dass man über Facebook wirklich so viel Interessantes schreiben kann, wurde ich angenehm überrascht. Die beiden Autoren haben das Rad natürlich nicht neu erfunden, aber sie spielen sehr zielgruppengerecht mit der Frage "Was wäre wenn ... ?" und bereiten das Thema auch für ältere Leser spannend genug auf.

Die Geschichte beginnt am Sonntag und endet am darauffolgenden Freitag - Emma hat nur fünf Tage Zeit, ihre Zukunft in den Griff zu bekommen. Besonders faszinierend ist natürlich Emmas Perspektive und die Momente, in denen sie die Gegenwart bewusst verändert und die Auswirkungen ihrer Taten schließlich via dem Zukunfts-Facebook online betrachten kann. Dabei kommt nicht immer das heraus, was sie sich gewünscht hätte und sie muss lernen, dass man die eigene Zukunft zwar beeinflussen, aber doch nicht vollständig steuern kann. Alles hängt von unendlich vielen Faktoren ab und letzten Endes ist doch das einzige, das wirklich zählt die Gegenwart und die Art und Weise, wie man sie lebt und mit ihr umgeht.

Interessant ist, dass das Buch immer abwechselnd aus Emmas und Joshs Perspektive in der ersten Person geschildert wird. So erhält der Leser einen tiefen Einblick in die Empfindungen der beiden Hauptprotagonisten und dank der eher kurzen Kapitel liest sich das Buch in Windeseile. Manchmal hat mich dieser Perspektivwechsel aber auch etwas verwirrt. Sehr amüsant fand ich die Gedanken, die Emma und Josh am Anfang zu Facebook hatten und sich darüber wunderten, was so spektakulär daran sein soll, anderen mitzuteilen, was sie gerade essen oder dass sie gleich shoppen gehen. Wie wahr, wie wahr. Ich wundere mich bis heute über dieses Phänomen.

Obwohl die Geschichte selbst eher harmlos ist, hat mir "Wir beide, irgendwann" einige kurzweilige Lesestunden beschert und ich empfehle es gerne weiter.

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katharsia, hades, tod, retamin, seelen

Katharsia

Jürgen Magister
Fester Einband: 732 Seiten
Erschienen bei salomo, 01.02.2011
ISBN 9783941757226
Genre: Fantasy

Rezension:

Gerade mal 14 Jahre alt und eigentlich auf einer aufregenden Reise durch Marokko wird Sando brutal aus dem Leben gerissen. Die letzten Minuten des jungen Dresdners, der in Begleitung seiner hinreißenden jungen Klavirlehrerin Maria ist, laufen wie im Film ab. Der Reisebus wird von islamischen Gotteskriegern gestürmt und diese erschießen zuerst Sando und schließlich Maria, in die der Junge schon lange heimlich verliebt war.

Was für die meisten Geschichten das Ende bedeutet, ist hier der Anfang, denn nun beginnt Sandos abenteuerliche Reise erst richtig. Seine Seele findet im Tod keine Ruhe und so "erwacht" der Junge schließlich in dem mysteriösen Land Katharsia, in dem sich viele weiterer rastloser Seelen tummeln - auf der Suche nach ihrem eigenen Frieden. Um in Katharsia bestehen zu können, sich überhaupt erst wieder verstofflichen zu können, benötigen die Seelen Retamin, doch dieses ist in Katharsia sehr knapp.

Katharsia ist weder Hölle noch Paradies. Katharsia ist eine Zwischenwelt, parallel zu der unseren und doch keine echte Parallelwelt. Sie bedeutet einen Übergang zwischen Tod und Leben, dem Gestern und Morgen. Wie lange sich eine Seele in Katharsia aufhält ist ungewiss. Ebenso ungewiss ist es, ob die Seele überhaupt genügend Retamin erhält, um sich in einem Körper manifestieren zu können. Manche Seelen sind nur noch der Hauch einer Erinnerung. Unversehens gerät Sando zwischen die Fronten eines Machtspiels aus Intrigen und Verschwörungen und schnell merkt er, dass die Welt der Toten sich nicht sonderlich von der der Lebenden unterscheidet.

Jürgen Magisters "Katharsia" wurde gemeinsam mit "Ravinia" (Thilo Corzilius) und "Die Moldau im Schrank" (Nina Maria Marewski) für den Seraph in der Kategorie des besten Debüts nominiert. Den Preis gewann dann aber schließlich "Die Moldau im Schrank". Vier Jahre arbeitete der Autor insgesamt an seinem Roman und die Umsetzung von historischen Fakten und deren Zusammenhängen zu unseren realen Problemen mit Fundamentalismus in Verknüpfung mit einer phantastischen Welt ist nur als gelungen zu bezeichnen. Da es sich bei "Katharsia" um ein Jugendbuch handelt, kann man nicht unbedingt erwarten, dass jede einzelne historische Entwicklung umfassend beleuchtet wird, aber vermutlich war das auch gar nicht die Absicht des Autors.

Der Einstieg fiel mir anfangs etwas schwer, denn an die Perspektive eines 14-jährigen, der in seine Klavierlehrerin verliebt ist, musste ich mich erst gewöhnen. Doch nach wenigen Seiten übte "Katharsia" eine unerwartete Anziehungskraft auf mich aus und die Seiten folgen nur so dahin. Jürgen Magister überzeugte mich mit kuriosen Figuren, zahlreichen Anspielungen auf unsere eigene Vergangenheit und einer spannenden, komplexen Geschichte.

Das Gewinnerbuch des Seraph, "Die Moldau im Schrank", kenne ich leider nicht und ich kann nicht beurteilen ob dieses oder jenes Buch den Sieg mehr verdient gehabt hätte. Allerdings wünschte ich mir mehr Jugendbücher dieser Art. Bücher, die Jugendliche in ihren Bann ziehen und ihre Gedanken anregen. Bücher, die einem noch etwas beibringen können auf die wunderbarste und spannendste Art und Weise. Nein, es bedarf nicht immer einer Botschaft in Jugendbüchern - umso schöner ist es doch aber, wenn sie dennoch vorhanden ist und auf so ansprechende Weise verpackt wird. Von mir eine klare Leseempfehlung auch für Erwachsene.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, wb, 2012, conan-hommage

Barbarendämmerung

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.04.2012
ISBN 9783492702317
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Barbar spricht nicht. Er ist getrieben von seinen Instinkten und damit dem puren Willen zu Überleben. Er weiß nichts über Liebe oder Freundschaft und versteht noch weniger von Kunst. In einer vermeintlichen Zivilisation gilt er als "Anders". Etwas, das man begaffen und benutzen kann - und etwas, von dem ungeahnte Gefahr ausgeht. Und so ist der Barbar auch eine Hommage an Robert E. Howards "Conan", den man allerdings nicht kennen muss, um die Wirkung von "Barbarendämmerung" am eigenen Leib zu spüren.

Der episodenhafte Aufbau des Buches ist stark von einem Kurzgeschichtencharakter geprägt. Nur wenige Elemente der Kapitel basieren aufeiander, weshalb man diese auch fast voneinander unabhängig lesen kann. Tobias O. Meißners Sprachexperimente sind seinen Fans wohlbekannt und so finden sich hier übelkeiterregende, an Tarantino erinnernde Splattersequenzen neben Szenen voll von poetischer Kraft und Schönheit. Der Autor erschafft mit wenigen Zeilen lebendige Bilder im Kopf des Lesers und bringt diesen so nahe an das Geschehen, dass kaum eine Seite zwischen ihn und den Barbaren passen würde. Das Buch ist ein Sammelsurium an zitatefähigen Sätzen und eigentlich müsste man fast das ganze Buch abschreiben, wenn man alles Bemerkenswerte hervorheben wollte.

Robert E. Howards "Conan" kenne ich nicht - dafür allerdings Schwarzeneggers Interpretation des Conan. Doch zu diesem Thema hülle ich mich lieber in beredtes Schweigen, denn ich weiß, dass vor allem Männer diese Verfilmung lieben. Eine Verfilmung, für die Schwarzenegger 1983 übrigens für die "Goldene Himbeere" als "Schlechtester Darsteller" nominiert wurde. Dies nur am Rande. "Barbarendämmerung" ist ein intelligentes Buch, das den Leser immer wieder die Frage stellen lässt, wer der eigentliche Barbar ist. Was ist so zivilisiert an einer Welt, die Zwangsprostitution - nicht nur von jungen Frauen, sondern auch von Tieren - zulässt? Einer Welt, in der täglich Milliarden von Lebewesen - Menschen wie Tiere, egal ob jung oder alt - Todesqualen erdulden und elend verrecken. Oft nur aus dem Grund, die Lust anderer zu entfachen und zu befriedigen. Die Lust des Fleisches und die Lust nach Fleisch.

ZITAT: Und einmal hatte er unten vor versammeltem Hörsaal ein Schwein schlachten lassen. "In den Städten ist man diesen Anblick schon gar nicht mehr gewohnt", hatte er dabei mit lauter Stimme und ausgebreiteten Armen gerufen, während einigen der empfindlicheren Studenten übel wurde und sogar die Sinne schwanden, "aber so sieht es aus, so riecht es, so schreit es, und so wehrt es sich, was wir wohlschmeckende Wurst nennen!"

Und doch fehlt der moralisierende Zeigefinger. Vielmehr hält Meißner uns allen den Spiegel vor - wie er das immer in seinen Büchern zu tun pflegt. Die Wertung überlässt er anderen.

Der Barbar wirkte auf mich oft wie ein Kind, denn auch Kinder sind manchmal grausam, manchmal aber auch nicht. Und meistens folgen sie ihren Instinkten. In vielen Szenen kann man den Barbaren deshalb sogar eher mit einem Kind als mit einem Tier vergleichen. Kinder spielen oft mit der Grausamkeit, um herauszufinden, wie weit sie gehen können - sie sind unerfahren und müssen Dinge kennenlernen. Tiere sind grausam, wenn es um ihr Überleben geht. Und doch ist der Barbar oft auch wieder ein Tier, das einzig von seinem Instinkt geleitet scheint.

Jeder Leser muss sich darüber im Klaren sein, dass man hier keine sympathische Hauptfigur finden wird und auch eine lineare Handlung wird der eine oder andere vermissen. Der rote Faden ist hier rot. Blutrot. Der Barbar überschreitet immer wieder Grenzen. Doch nicht nur der Barbar, nein auch die sogenannten zivilisierten Bürger lassen oft jeden guten Geschmack missen. Immer wieder stellt man sich die Frage: Wer ist hier der Barbar? Der Gefangene, der das Leben wählt, oder die Henker und Zuschauer, die den Tod wählten? Wer missachtet wen? Der Barbar seinen Schmerz? Den nahenden Tod? Oder missachten andere den Barbaren und nutzen ihn einzig aus dem Grund, sich selbst Befriedigung zu verschaffen?

In "Barbarendämmerung" geht es jedoch nicht nur um das Blutrünstige in uns allen, sondern auch um die Frage, wie frei jeder von uns sein kann. Gibt es die absolute Freiheit? Oder leben wir alle in einer Illusion der Freiheit? Manche Kapitel erinnern gar an die Bücher des Marquis de Sade. Angefangen mit den Grausamkeiten, Sex mit Leichen und sonstigen Perversitäten, derbes Schwanz-Gerede bis hin zum Monolog eines "Nebendarstellers". Diese Gier nach Belustigung und Blut - oder Belustigung durch Blut. Mancher mag etwas Krankhaftes darin erkennen, doch waren die Menschen krank, die Gladiatorenkämpfe besucht haben? Oder die zusahen, wie Löwen in der Arena auf Sklaven geschickt wurden? Hat diese Art der Krankheit etwas mit dem Status der Zivilisation zu tun? Doch eigentlich gelten die damaligen Römer noch heute einer der Grundsteine unserer Zivilisation. Und wer ist hier in der Geschichte wirklich krank? Derjenige, der durch Liebe manipuliert und den "Geliebten" in den sicheren Tod schickt, oder der Geliebte, der sich manipulieren lässt und nicht darüber nachdenkt, dass es ihm gar nichts bringt, wenn er für seine Liebe stirbt?

Trotz allem muss ich leider sagen, dass bei mir dieses Mal der Meißner'sche Wow-Effekt ausblieb. Mir fehlte eine durchgehende Handlung und umso erstaunlicher ist es, dass es mir überhaupt nichts ausmachte, dass der Barbar während des ganzes Buches nicht unbedingt mit seinen rhetorischen Fähigkeiten zu glänzen vermochte. Es ist dieser Kurzgeschichtencharakter, für den ich mich selten erwärmen kann. Der Kopf sagt, dass Tobias O. Meißner hier mal wieder ein hervorragendes Buch abgeliefert hat, aber mein Herz sagt, dass ich andere seiner Bücher viel lieber mag.

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