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(74)

136 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

dystopie, roman, juli zeh, geschäft mit dem tod, leere herzen

Leere Herzen

Juli Zeh
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.11.2017
ISBN 9783630875231
Genre: Romane

Rezension:

Die Welt im Jahr 2025: Die EU zerbricht immer mehr. In Deutschland ist eine nationalistisch geprägte Partei an der Macht, die demokratische Rechte immer weiter einschränkt. Das bedingungslose Grundeinkommen wurde eingeführt und es gibt eine Bundeszentrale für Leitkultur.

In diesem rauen politischen Klima führen Britta und Babak ihre psychologische Praxis „Die Brücke“, die mit selbstmordgefährdeten Menschen arbeitet. Britta rationalisiert ihre Arbeit als nützlich für die Gesellschaft und sieht sich ganz pragmatisch und gefühllos als einfache Dienstleisterin. Dass einige Aspekte der Brücke dabei höchst unethisch sind, lässt sie kalt. Erst als sie selbst in Gefahr ist, beginnt Britta sich selbst zu hinterfragen.

Juli Zeh entwirft ein schockierendes Szenario, das in der nahen Zukunft spielt und sich teilweise sehr real anfühlt. Sie zeigt, wie wenig demokratische Prinzipien garantiert sein können, die wir eigentlich als selbstverständlich wahrnehmen. Damit wird der Roman hochaktuell. All das packt sie in eine fesselnde Handlung, wobei sie einen dichten Erzählstil verwendet.

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(143)

358 Bibliotheken, 23 Leser, 3 Gruppen, 105 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, johngreen, zwangsneurose

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wie fühlt es sich an, seine Gedanken und Ängste nicht unter Kontrolle zu haben? John Green gelingt mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ein sensibles Portrait eines Teenagers mit Zwangsstörungen. Azas Gedankenspiralen lassen sich sehr gut nachvollziehen.

Das im Klappentext angeteaserte Verschwinden eines Milliardärs stellt allerdings nur die Rahmenhandlung dar und spielt eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt steht Aza, die durch ihre Angststörungen kein normales Leben führen kann. Doch nicht nur ihre eigenen Erfahrungen prägen das Buch, sondern auch die Auswirkungen der psychischen Krankheit auf Azas Umfeld – auf ihre Mutter, ihre beste Freundin und ihr Freund. Da die Angehörigen Betroffener oft in den Hintergrund rücken und deren Schwierigkeiten meist eine untergeordnete Rolle spielen, haben mir die unterschiedlichen Perspektiven auf Azas Problem gut gefallen.

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(122)

192 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 112 Rezensionen

liebe, geheimnisse, das glück an regentagen, regentage, familie

Das Glück an Regentagen

Marissa Stapley , Katharina Naumann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 07.11.2017
ISBN 9783499291708
Genre: Liebesromane

Rezension:

Maes glückliches Leben in New York City kollabiert, als ihr Verlobter sich als Betrüger herausstellt und ohne Vorwarnung verschwindet. Nach mehreren Polizei-Verhören darf sie die Stadt verlassen und flieht mit gebrochenem Herzen in ihren Geburtsort zu ihren Großeltern Lilly und George. Die zogen Mae groß, nachdem ihre Mutter starb. Gleichzeitig kommt auch der frisch geschiedene Gabe, Maes bester Freund aus Kinder- und Jugendtagen, wegen eines Familiennotfalls in seinen Heimatort zurück. Beide haben sich nicht mehr gesehen, seit sie 18 Jahre alt waren.

Die Geschichte ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Eine wirklich enge emotionale Bindung konnte ich jedoch zu keinem der Charaktere aufbauen, weshalb mich das Buch nicht sonderlich tief berührt hat. Ob Mae und Gabe nun zusammenkommen, war mir am Ende ziemlich egal. Schade fand ich, dass Maes Verlobter nur eine minimale Rolle gespielt hat – das dramatische Ereignis, auf so miese Weise verlassen worden zu sein, hat sie für meinen Geschmack viel zu schnell überwunden. Ich hätte es interessant gefunden, wenn sie ihre Trauer und ihre eigenen Schuldgefühle hätte verarbeiten können.

Am ehesten hat mich die Geschichte von Maes Oma Lilly angesprochen. Sie kämpft mit einer Entscheidung aus ihrer Vergangenheit und leidet gleichzeitig unter altersbedingtem Gedächtnisschwund. Ihr verwirrter Zustand und ihre Angst sind sehr gut nachvollziehbar und schaffen Spannung in der Geschichte.

Leider ist Lillys Geschichte nur einer von ziemlich vielen Handlungssträngen. Viele über Jahre und teilweise Jahrzehnte verschleppte Probleme der Protogonisten ließen sich in wenigen Minuten beheben, würden sie einfach ehrlich miteinander sprechen. Alle scheinen nur vor ihren Problemen wegzulaufen, was ich auf Dauer anstrengend und repetitiv fand. Einige aufgeworfenen Konflikte wie Georges langes Ringen damit, ob er Mae die Wahrheit über sich sagen soll, werden dramatisch in die Länge gezogen und am Ende mit wenigen Sätzen geklärt. Als George seiner Enkelin endlich sein Geheimnis verrät, sagt sie einfach, dass sie damit kein Problem habe. Damit ist das Thema abgehakt und ich fühle mich als Leser etwas veralbert. Der Roman hat einige wirklich interessante Momente, schöpft sein Potential aber leider nicht aus.

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(77)

161 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

liebe, roman, bücher, ich treffe dich zwischen den zeilen, familie

Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Stephanie Butland , Maria Hochsieder-Belschner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.10.2017
ISBN 9783426520758
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als introvertierte Einzelgängerin liebt die Protagonistin Loveday Bücher mehr als Menschen. Da ich mich mit ihr sehr identifizieren konnte, fand ich schnell in die Geschichte hinein. Überhaupt ist der Roman für Bücherliebhaber hervorragend geeignet, da Lovedays Liebe zu Büchern ständig präsent ist und auf kreative Weise in die Geschichte einfließt.

 

Loveday hat ihre Eltern früh verloren und wuchs bei einer Pflegemutter auf. Über die traumatischen Ereignisse ihrer Kindheit spricht sie mit niemandem und ist den meisten Menschen gegenüber generell abweisend. Doch dann lernt sie durch einen Buch-bezogenen Zufall Nathan kennen, der ihre Welt auf den Kopf stellt. Gleichzeitig tauchen an ihrem Arbeitsplatz, einem Antiquariat, gespendete Bücherkisten auf, die Bücher aus dem Besitz von Lovedays Eltern enthalten. Die Ereignisse zwingen die junge Frau sich mit ihrer Vergangenheit und Zukunft auseinanderzusetzen.

 

Lovedays Geschichte bietet verschiedene Konfliktpunkte und die Erlebnisse ihrer Kindheit enthüllt die Autorin erst nach und nach. Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Protagonistin sich im Kreis dreht und sich die Geschichte etwas zu schleppend vorwärtsbewegt. Dafür gelingt der Autorin ein fulminantes und wirklich bewegendes Finale. Insgesamt ist „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ eine kurzweilige und angenehme Lektüre, die mir gut gefallen hat.

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(61)

91 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

lotto, jackpot, glück, kiosk, berlin

Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Florian Beckerhoff , Steffi Korda
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.10.2017
ISBN 9783959671347
Genre: Romane

Rezension:

„Herrn Haiduks Laden der Wünsche“ von Florian Beckerhoff ist ein charmanter Roman mit teils skurrilen Charakteren, der gut unterhält und sich flüssig lesen lässt.

 

Die tatsächliche Geschichte ist in eine Rahmenhandlung verpackt: Herr Haiduks ehemaliger Stammkunde Paul kehrt nach langer Abwesenheit in den Laden. Er hatte früher einen Roman veröffentlicht – mit überschaubarem Erfolg – und die Schreiberei danach aufgegeben. Herr Haiduk sieht in ihm jedoch weiterhin den Schriftsteller und erzählt ihm nun die Geschichte über das gefundene Lotto-Los und die Suche nach dem Besitzer.


So ziemlich jeder Charakter hat in diesem Buch seine bizarren bis lustigen Eigenheiten, wodurch sich die Handlung zu einer kleinen Parade skurriler Begegnungen entwickelt. Natürlich behaupten viele Menschen, dass ihnen das Lotto-Ticket gehört, so dass nicht nur angenehme Momente entstehen.


Die Geschichte ist wirklich unterhaltsam, nur halt nicht besonders tiefschürfend. Wir lernen kaum einen Charakter wirklich gut kennen: Der Leser erfährt ein bis zwei auffällige körperliche Merkmale sowie zwei bis drei ungewöhnliche persönliche Eigenschaften, so dass die jeweilige Person leicht wiederzuerkennen ist. So entstehen interessante Charaktere mit individuellen Eigenheiten, von denen ich zum Teil gerne mehr erfahren hätte. Die Geschichte ist sehr kurzweilig geschrieben und hat bei mir eine positive Stimmung ausgelöst. Immerhin sind die Protagonisten nicht an der eigenen Bereicherung interessiert, sondern wollen das Richtige tun (auch wenn jeder eine andere Definition davon hat, was richtig ist). Da das Buch dabei meist an der Oberfläche verharrt, hat mich die Wendung/Auflösung am Ende jedoch nicht so richtig überrascht oder bewegt. Herr Haiduk bietet gute Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

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(79)

110 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

sklaverei, ghana, afrika, usa, amerika

Heimkehren

Yaa Gyasi , Anette Grube
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 29.11.2017
ISBN 9783832198381
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein bemerkenswertes Buch! "Heimkehren" kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern geht tief unter die Haut. Yaa Gyasi erzählt die Geschichte zweier Schwestern aus Ghana und ihrer Nachfahren. Sie lernen sich nie kennen und ihre Leben könnten unterschiedlicher nicht sein: Effia heiratet einen britischen Kolonialherren; ihre Familie wird durch den Sklavenhandel reich. Esi wird als Sklavin nach Amerika verschleppt. Jedes Kapitel erzählt die Geschichte einer Person der nächsten Generation. Die beiden Handlungsstränge spielen sich also auf zwei unterschiedlichen Kontinenten zwischen Schuld, Kriegen, Sklaverei, Befreiung, Diskriminierung und vielem mehr ab.

Yaa Gyasi hat eine beeindruckende Familiengeschichte zu Papier gebracht. Ich liebe ihren Schreibstil: Er ist poetisch und schockierend direkt zugleich. Sie schafft es, dem Leser jeden Charakter näher zu bringen, obwohl jeder nur ein einziges Kapitel lang im Mittelpunkt steht. Die Geschichte entwickelt sich über Jahrhunderte hinweg in einer beeindruckenden Geschwindigkeit, ohne dass die Autorin den Faden verliert. Alles baut aufeinander auf, wodurch ein komplexes Netz dieser ungewöhnlichen Familie entsteht.

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(143)

229 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

harry hole, norwegen, oslo, thriller, krimi

Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Harry Hole ist zurück, obwohl es zunächst nicht danach aussieht: Er hat den aktiven Polizeidienst aufgegeben, unterrichtet jetzt an der Polizeihochschule und liebt seinen Job trotz schlechter Bezahlung. Seit drei Jahren ist er glücklich verheiratet und lebt mit seiner Frau abgeschieden in einem großen Haus. Er ist nüchtern und körperlich – bis auf einige Spuren aus der Vergangenheit – in guter Verfassung. Doch in dieser ländlichen Idylle holt ihn seine Vergangenheit ein. Der einzige Serienmörder, den Hole nie fassen konnte, scheint wieder aktiv zu sein und das noch aggressiver als früher: Der Mörder ist Vampirist und trinkt das Blut seiner Opfer.

 

Jo Nesbø schafft es ohne Mühe, die Geschichte über mehr als 600 Seiten fesselnd zu gestalten. Der Fall ist viel komplexer, als er zunächst erscheint. Nach und nach geraten immer mehr Menschen aus Holes Umfeld in den Verdacht, etwas mit dem Serientäter zu tun zu haben und mitschuldig zu sein. Der Autor führt den Leser geschickt an der Nase herum und hält so die Spannung aufrecht. Das Ende hat mich wirklich überrascht.

 

Ein weiterer Pluspunkt sind die vielschichtigen Charaktere, allen voran natürlich der Protagonist. Harry Hole kämpft nicht nur gegen den Täter, sondern auch dagegen, nicht in alte Gewohnheiten zurück zu verfallen. Als seine Frau wegen einer mysteriösen Krankheit in ein künstliches Koma versetzt wird, scheint er jeden Halt zu verlieren. Daraus entstehen viele emotionale und spannungsgeladene Momente und Wendungen.

 

Im Klappentext wird betont, dass der Täter seine Opfer über Tinder zu finden scheint. Das fand ich eine sehr spannende Idee, allerdings spielt dieser Aspekt letztendlich nur eine sehr kleine Rolle im Roman. Davon hatte ich mir mehr erwartet. Der Rest des Krimis tröstet aber schnell darüber hinweg.

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(44)

54 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

als der teufel aus dem badezimmer kam, teufel, arbeitslosigkeit, sophie divry, frankreich

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Sophie Divry , Patricia Klobusiczky
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550081361
Genre: Romane

Rezension:

Sophie Divry spielt in diesem ungewöhnlichen und kreativen Roman mit Sprache und Typographie und es macht unglaublich viel Spaß, ihren Experimenten zu folgen.

Die Geschichte ist nicht besonders komplex: Die Protagonistin Sophie ist seit mehreren Jahren arbeitslos und pleite. In ihrem Beruf als Journalistin findet sie keine neue Anstellung. Als ihr die monatliche Grundsicherung plötzlich nicht ausgezahlt wird, versucht sie sich auf verschiedenen Wegen über Wasser zu halten. Die bedrückende Realität der sozial Abgehängten zwischen Armut, Scham und Isolation veranschaulicht die Autorin nachvollziehbar, trotzdem wird sie dabei nicht sentimental. Im Gegenteil: Selbst traurige und tragische Momente geht sie mit einer bewundernswerten Leichtigkeit an, wobei sie immer besondere Momente im Alltäglichen findet und diese mit Humor analysiert.

Die Handlung wird immer wieder auf teils absurde Weise unterbrochen. Da schweift die Ich-Erzählungen mit den Gedanken ab und erstellt lange Listen. Der titelgebende Teufel erscheint plötzlich oder Sophie stellt sich vor, was ihre Mutter oder ihr Kumpel Hector zu ihren Erlebnissen sagen würden. In weiten Teilen liest sich der Roman daher wie ein irrer Gedankenstrom. Das ist extrem unterhaltsam. Dank des lustvollen Umgangs der Autorin mit Sprache wird das Buch so zu einem kleinen Kunstwerk.

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(163)

299 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 129 Rezensionen

sklaverei, amerika, flucht, underground railroad, usa

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

Rezension:

Was kann man schon zu einem Buch schreiben, das gerade mit Preisen und Lob überschüttet wird? Dass all die Aufmerksamkeit hundertprozentig gerechtfertigt ist.

Es wurde zwar bereits unzählige Male gesagt, doch angesichts der „Black lives matter“-Bewegung, der Neonazi-Märsche, der Diskriminierungen und der Rassenunruhen in den USA ist dieser Roman gerade brandaktuell. Autor Colson Whitehead erzählt die Geschichte des Mädchens Cora, das Anfang des 19. Jahrhunderts als Sklavin auf einer Plantage im US-Staat Georgia unter schrecklichen Bedingungen leben und arbeiten muss. Ihr Mutter Mabel flüchtete unerwartet, als Cora zehn Jahre alt war. Seitdem ist das Mädchen allein. Als sich ihr nach schweren Misshandlungen die Chance bietet, mit einem anderen Sklaven über die Underground Railroad zu fliehen, nutzt sie diese. Ihre Flucht führt durch mehrere Staaten, doch Cora kommt nirgendwo zur Ruhe. Ihr Besitzer beauftragt Sklavenjäger, um Cora zurückzuholen; sie wird unterwegs verraten und gedemütigt. Zwar hält sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb der Plantage auf, doch die Freiheit ist anders, als sie sich das vorgestellt hat. Selbst Schwarze, die eigentlich freigelassen oder in Freiheit geboren wurden, sind oft der Willkür und der Diskriminierung durch Weiße ausgesetzt.

Coras Odyssee ist erschöpfend, schockierend und mit grausamen Erlebnissen gespickt. Manche Momente sind wirklich schwer zu ertragen – umso wichtiger ist die Lektüre. Whitehead schreibt in einem schnörkellosen, anschaulichen Stil, der ins Herz trifft, aber überflüssige Sentimentalitäten vermeidet. Cora ist eine starke Person und eine faszinierende Protagonistin. Durch ihre Jugend und Unerfahrenheit scheint sie etwas naiv, tritt jedoch trotzdem mutig für sich und ihre Helfer ein. Gleichzeitig erschien sie mir durch ihre Erlebnisse oft etwas abgestumpft und distanziert. Umso herzzerreißender wirken die Momente, in denen sie die Fassung verliert, weil sie beispielsweise vom Tod eines Helfers erfährt.

Die Underground Railroad war eigentlich ein geheimes Netzwerk an Menschen, die Sklaven bei der Flucht aus dem Süden über bestimmte Routen in den freien Norden halfen. Colson Whitehead nimmt die Metapher allerdings wörtlich und lässt die Sklaven über eine Eisenbahnlinie im Untergrund flüchten. Dadurch ist das Buch zwar nicht historisch korrekt, jedoch lassen sich die Fahrten zwischen den einzelnen Staaten schneller erzählen, als wenn die Sklaven zu Fuß flüchten würden. So liegt der Fokus auf den verschiedenen Stationen. Hier erkennt der Leser deutlich, dass „Fortschritt“ und „Freiheit“ immer von der Perspektive abhängen.

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(68)

94 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

adel, graf, wahrsagerin, schloss, belgien

Töte mich

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257069891
Genre: Romane

Rezension:

Was für eine bizarre Geschichte… Eine Wahrsagerin prophezeit Graf Henri Neville ungefragt, dass er bei seinem demnächst stattfindenden Fest einen seiner Gäste töten wird. Seine depressive 17-jährige Tochter Sérieuse hört davon. Sie möchte sterben und sagt ihrem Vater: „Töte mich“. Die Protagonisten gehören einer adligen Familie an, weshalb die absurde Handlung vor einer skurrilen Kulisse spielt. Die Autorin Amélie Nothomb spiegelt die dekadente Lebensweise gekonnt in ihrem Schreibstil wider. Vor allem Henri klingt oft besonders affektiert.

 

Die Charaktere sind mir durch die Bank weg unsympathisch. Henri scheint sich mehr über die Prophezeiung zu grämen statt über den schockierenden Vorschlag seiner Tochter. Seine deutlich jüngere Frau ist umwerfend schön, aber langweilt sich schnell und wirkt dabei sehr herablassend. Die anderen zwei Kinder sind auch keine Sympathieträger. Dazu kommt: Familie Neville nimmt das Sprichwort „Adel verpflichtet“ deutlich zu ernst und lässt selbst die eigenen Kinder hungern, um Geld zu sparen. Dieses Geld wird wiederum dafür aufgewendet, nach außen hin den hohen Lebensstandard aufrechterhalten und die adligen Verpflichtungen erfüllen zu können. Mehr Schein als Sein. Dazu zählt vor allem der monatliche Empfang auf dem Familienschloss, die sogenannte Garden Party. In der aktuellen Generation steht die Familie nun vor dem Ruin – sie ist bankrott und muss ihr Schloss demnächst verkaufen. Eine letzte Garden Party ist geplant, bei der eben dieser ominöse Mord stattfinden soll.

 

Trotz der dekadenten, unsympathischen Charaktere und der abstrusen Handlung fesselt das Buch. Ich habe es in einem Zug durchgelesen (was bei mageren 111 Seiten allerdings nicht schwer war) und das absurde Geschehen hat mich auf schockierende Weise unterhalten.

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(78)

105 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

afrika, kolonialismus, kapitalismus, sandmaler, reise

Der Sandmaler

Henning Mankell , Verena Reichel
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 21.08.2017
ISBN 9783552058545
Genre: Romane

Rezension:

„Der Sandmaler“ ist eine Geschichte darüber, wie die Konfrontation mit den eigenen Privilegien einen Menschen verändern kann – oder eben nicht. Zwar spielt der Roman Anfang der 1970er Jahre, doch die Thematik macht ihn hochaktuell.

 

Am Flughafen treffen die beiden Teenager Elisabeth und Stefan zufällig aufeinander. Sie haben vor einigen Monaten die Schule beendet und sich seitdem nicht wiedergesehen. Beide reisen in den Urlaub in ein nicht namentlich genanntes Land an der afrikanischen Atlantikküste. Sie entscheiden sich, die Zeit zusammen zu verbringen.

 

Zu Anfang wirkte der Roman etwas banal auf mich und mir war nicht klar, was dessen Sinn ist. Die Anreise nimmt für meinen Geschmack etwas zu viel Raum in dem nur 156 Seiten langen Buch ein. Doch nach der Landung offenbart Henning Mankell den Kontrast zwischen Touristen und Einheimischen und schafft damit ein fesselndes, sozialkritisches Werk, das nachdenklich macht. Die weißen Reisenden erleben in ihren sicheren, bequemen Hotels und an den malerischen Stränden eine realitätsferne Version Afrikas. Wer nicht unter die Oberfläche schauen möchte, muss das auch nicht tun.

 

Doch nach und nach offenbaren sich Elisabeth und Stefan die Armut und die Folgen von Kolonialismus und Korruption, die den Alltag der Afrikaner prägen. Elisabeth, die anfangs naiv und unsicher wirkt, beschäftigt sich aus eigenem Antrieb heraus immer mehr mit den Lebensbedingungen vor Ort. Dabei wird sie erwachsen, findet zu sich selbst und fängt an, sich eine eigene Meinung zu bilden. Stefan hingegen, der aus einer deutlich wohlhabenderen, privilegierteren Familie als Elisabeth stammt, ist der Inbegriff eines rassistischen, ignoranten Touristen. Er behandelt farbige Frauen wie Objekte, ist herablassend und kümmert sich nur um seinen eigenen Vorteil. Stefan scheint sich innerhalb des Buches im Gegensatz zu Elisabeth nicht weiterzuentwickeln. Sie hängt ihn emotional und geistig ab.

 

Henning Mankell kann nicht nur Krimis schreiben. Sein erster Afrika-Roman, der bereits 1974 erstmals erschien, nimmt den Leser mit auf eine faszinierende und erschütternde Reise auf den schwarzen Kontinent.

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(65)

100 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

england, krimi, geheimnisse, dorf, geheimnisvoll

Eine von uns

Harriet Cummings , Walter Goidinger
Fester Einband
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.07.2017
ISBN 9783552063358
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie gut kennen wir unsere Nachbarn wirklich? In dem kleinen englischen Dorf Heathcote ist nichts wie es scheint: Hinter der alltäglichen, normalen Fassade verbirgt jeder Bewohner seine eigenen kleinen oder großen Geheimnisse. Als ein Unbekannter, den die Bewohner den Fox nennen, in die Häuser eindringt, ohne jedoch etwas zu stehlen, betrachten sich die Nachbarn plötzlich argwöhnisch. Dann verschwindet ausgerechnet die unscheinbare und nette Anna. Wurde sie vom Fox entführt?

Der Roman spielt im Sommer 1984 und beruht auf einer wahren Geschichte. Die fiktive Version verläuft jedoch komplett anders als die reale und die Autorin gibt ihrer Handlung eine traurige und überraschende Wendung.

"Eine von uns" besteht aus vier Teilen, wobei die Handlung jeweils aus der Sicht einer anderen Person erzählt wird. Diese Erzählweise gefällt mir sehr gut, da der Leser dabei nicht nur die Handlung nachvollziehen kann, sondern gleichzeitig einen Blick hinter die Fassade der Bewohner werfen kann. So entstehen komplizierte und interessante Charaktere. Da ist zum Beispiel die junge Hausfrau Deloris, die den attraktiven und erfolgreichen Harvey geheiratet hat. Nach außen führen sie die perfekte Ehe, doch Deloris ist unglücklich und fühlt sich von ihrem Mann unverstanden und alleingelassen. Jim, der Dorfgeistliche, gibt vielen Bewohnern Halt, wird jedoch von einem Geheimnis aus seiner Vergangenheit belastet.

Neben den vielschichtigen Charakteren beeindruckt mich bei diesem Roman der Schreibstil der Autorin Harriet Cummings am meisten. Sie lässt mühelos starke Bilder vorm inneren Auge entstehen, da sie aktiv, lebendig und anschaulich schreibt. So macht die Lektüre sehr viel Spaß.

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(71)

89 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

drogen, thriller, london, drohnen, brexit

Die Lieferantin

Zoë Beck , Thomas Wörtche
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.07.2017
ISBN 9783518467756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Fronten in Zoë Becks aktuellem London-Thriller „Die Lieferantin“ sind von Anfang an klar definiert:

Auf der einen Seite stehen die alten Drogendealer, die klassische Unterwelt. Sie verkaufen ihre meist gestreckte) Ware vor allem auf der Straße. In ihrem Milieu herrscht Gewalt. Einschüchterung, Schutzgelderpressung und Auftragsmorde gehören zum Alltag.

Auf der anderen Seite steht Ellie Johnson, die online nur anonym als „die Lieferantin“ auftritt. Sie bringt den Drogenhandel ins Zeitalter der Digitalisierung. Wer ihre (hundertprozentig reine) Ware beziehen möchte, lockt sich ins Darknet ein, lädt sich anschließend ihre App herunter und erhält die Drogen per Drohne.

Diese beiden Seiten prallen im Buch auf spannende Weise aufeinander. Gleichzeitig schafft Zoë Beck einen interessanten politischen Hintergrund für ihren Thriller, in den sie die Rivalen einbettet: Wir befinden uns in der nahen Zukunft in einer Welt kurz nach dem Brexit. Wohnungskrise, ein schlechtes Gesundheitssystem und gewalttätige Ausschreitungen prägen Großbritannien. Die Regierung plant eine Verschärfung der Drogengesetze und will unter anderem die Unterstützung und Versorgung von Abhängigen beenden. Über diesen sogenannten Druxit soll das britische Volk demnächst in einem Referendum abstimmen.

Das gruslige an diesem fiktiven Szenario ist, dass ich mir ohne Probleme vorstellen kann, das es in der Realität passieren könnte. Zoë Beck hat das aktuell angespannte politische Klima sehr gut charakterisiert und treibt es auf die Spitze.

Die Lieferantin verbindet ihren Drogenverkauf mit sozialem Aktivismus, denn der Erlös finanziert zum Teil die Anti-Druxit-Kampagne. Es klingt paradox, dass der illegale Verkauf von Drogen die Legalisierung dieser erreichen soll. Diese Widersprüche machen den Thriller zu einem komplexen, gesellschaftskritischen Werk. Hier stehen sich nicht einfach nur Gut und Böse gegenüber, sondern vielschichtige Charaktere, die ihre eigene Agenda verfolgen.

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(80)

114 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

freundschaft, hautfarbe, rassismus, london, großbritannien

Swing Time

Zadie Smith , Tanja Handels
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462049473
Genre: Romane

Rezension:

Am Ende von Zadie Smiths neustem Roman „Swing Time“ weiß der Leser so ziemlich alles über die Protagonistin. Nur nicht ihren Namen.

Die Ich-Erzählerin wächst als Kind einer farbigen Mutter und eines weißen Vaters in einem der ärmeren Londoner Stadtteile auf. Sie interessiert sich leidenschaftlich fürs Tanzen: Sie nimmt nicht nur selbst Unterricht, sondern schaut sich mit großer Leidenschaft Filmmusicals an und liest alles über das Thema. Nach ihrem Irgendwas-mit-Medien-Studium kehrt sie nach London zurück, jobbt zunächst in einem kleinen Fastfood-Restaurant und findet schließlich einen Job bei einer Videoproduktionsfirma. Als die weltberühmte australische Sängerin Aimee in die Stadt kommt, soll die Protagonistin sie betreuen. Dabei überrascht sie die Sängerin so, dass Aimee ihr einen Job anbietet und sie schließlich als persönliche Assistentin einstellt. Die Arbeit erfordert 100-prozentige Hingabe und es bleibt kaum Zeit für ein Privatleben. Eine der Aufgaben der Erzählerin besteht in der Koordination und Kontrolle eines Hilfsprojekts in Gambia. Aimee möchte dort eine Schule für Mädchen eröffnen. Ihre Assistentin reist in den folgenden Jahren immer wieder nach Afrika und trifft dabei auf Menschen, die ihr Leben entscheidend beeinflussen. Die Erzählung springt nicht-chronologisch zwischen Kindheit und Jugend sowie Erwachsenenalter hin und her.

Die Tragik der Protagonistin besteht damit, dass sie sich mit Hingabe einem Thema widmet, egal ob es das Tanzen oder das Hilfsprojekt in Afrika ist. Gleichzeitig steht sie bei allem immer im Schatten starker und dominanter Frauen. In ihrer Kindheit wird sie von ihrer besten Freundin Tracy überflügelt, die im Gegensatz zur Erzählerin ein natürliches Talent für das Tanzen besitzt und später eine professionelle Karriere startet. Die Mutter liebt ihre Tochter zwar, bringt jedoch deutlich mehr Energie auf für ihre eigene Bildung als für die Erziehung der Tochter. Die Mutter leistet dabei beeindruckendes: Die ungelernte Frau vertieft sich in Bücher, studiert ernsthaft und arbeitet sich vom Nichts zur angesehenen Lokalpolitikerin hoch. Ihre Tochter hingegen kann nach der Schule ohne Hindernisse ein Studium beginnen, scheint aber nicht besonders ehrgeizig zu sein. Ihre Jobs erhält sie eher durch Zufall, denn durch persönliche Anstrengungen. Dann ist da Hawa, eine junge Frau aus Gambia, die sich durch die nie endende Hausarbeit für ihre Familie eingesperrt fühlt. Entgegen der familiären Wünsche findet sie aus eigenem Antrieb einen Weg heraus aus ihrer Situation – etwas, das der Erzählerin nie von selbst gelingt. So wundert es nicht, dass sie die persönliche Entscheidung ihrer Freundin kritisch sieht. Mehr als zehn Jahre arbeitet sie für Aimee, die das scheinbar perfekte Leben hat: Sie ist erfolgreich, reich und schön. Doch Aimees Leben gelingt nur so gut, weil eine Herde Angestellter, darunter die Erzählerin, dafür sorgt und ihr eigenes Privatleben dafür aufgibt.

„Swing Time“ hat mich aus vielen Gründen rundum begeistert. Es ist eines dieser Bücher, die ich erst nachklingen lassen und verdauen musste, bevor ich ein neues Buch anfangen konnte.

Großartig fand ich die vielschichtigen, komplizierten weiblichen Charaktere und die Konflikte, aber auch Unterstützung zwischen ihnen. Sie alle haben unterschiedliche Lebensentwürfe, unterschiedliche Probleme und unterschiedliche Wünsche. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, in dem die Protagonistin hin und her irrt.

Zadie Smith spricht in dem Roman viele kontroverse, aktuelle und spannende Themen an wie Rassismus, die Folgen der Kolonialisierung und gut meinende, aber unwissende und naive Initiativen aus westlichen Ländern, die ein Hilfsprojekt in Afrika starten wollen. Hier kommen viele kluge Gedanken zur Sprache. Der einzige Kritikpunkt, den ich habe: Für mein Empfinden hätten diese ruhig noch tiefergehender behandelt werden können.

Sprachlich hat mich das Buch absolut verzaubert. Zadie Smith formuliert meisterhaft und immer passend zu den Charakteren: Mal liest man philosophisch-poetische Passagen, mal krass-realistische Dialoge. In dem Roman arbeitet die Autorin zudem mit sehr vielen Auslassungen. Wie erwähnt, erfährt der Leser nie den Namen der Erzählerin, aber auch nie den Namen des afrikanischen Landes, in dem ein wichtiger Teil der Handlung spielt. Dass es sich um Gambia handeln muss, kann man anhand von Hinweisen wie der Stadt Barra oder dem Nachbarland Senegal ableiten. Auch wichtige Wendungen in der Handlung spricht Zadie Smith nicht explizit an. Stattdessen impliziert sie die Geschehnisse, sodass ich zu Beginn öfter das Gefühl hatte, etwas überlesen zu haben. Ein kurzes Zurückblättern bewies, dass das nicht der Fall war. Diese bewussten Auslassungen lenken die Aufmerksamkeit des Lesers auf besonders wichtige Punkte im Leben der Protagonistin. Zadie Smith ist wahrlich eine Meisterin des Sprachgebrauchs – trotz Auslassungen gelingt es ihr mühelos, alle wichtigen Infos zu vermitteln.

Dies war der erste Roman von Zadie Smith, den ich gelesen habe, aber sicherlich nicht der letzte.

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(45)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 46 Rezensionen

liebe, kurzgeschichten, valeriaparella, erzählungen, liebewirdüberschätzt

Liebe wird überschätzt

Valeria Parrella , Annette Kopetzki
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446256507
Genre: Romane

Rezension:

„Liebe wird überschätzt“ ist eine kurzweilige Sammlung von acht Erzählungen, die sich mit verbotener, später, unerfüllter und alltäglicher Liebe beschäftigen. Obwohl sie die vielen Fassetten der Liebe behandelt, fällt Valeria Parrella nicht in die Kitschfalle. Besonders gut haben mir ihr einfühlsamer, aber nüchterner Schreibstil und die vielseitigen Protagonisten gefallen. Bei jeder Kurzgeschichte stehen interessante Charaktere im Mittelpunkt, von scheinbar unauffälligen älteren Paaren, die sich gegenseitig betrügen, über Eltern mit kranken Kindern bis hin zu einer Äbtissin. Liebe in all ihren Formen durchzieht die Kurzgeschichten: Liebe zwischen Partnern, Liebe zwischen Eltern und Kindern, Liebe zwischen Freunden und Liebe zur Freiheit. Damit widerlegt die Autorin im Grunde ihren eigenen Buchtitel, denn die Liebe ist der zentrale Erzählgegenstand.

Mit nur 140 Seiten fällt das Buch etwas kurz aus, jedoch habe ich jede Seite genossen.

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152 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

irland, geister, mord, krimi, roman

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.09.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

„Der Freund der Toten“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Autorin Jess Kidd vereint eine spannende Geschichte um einen brutalen Mord mit magischen Elementen und einem wunderbar poetischen und schwarzhumorigen Stil.

Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem die Autorin unmissverständlich klarmacht, dass 1950 ein Mord geschehen ist. Doch die Einwohner des irischen Dorfes Mulderrig verweigern sich der Realität und möchten die Vergangenheit am liebsten vergessen – alle haben dabei ihre eigenen Motive. 26 Jahre später kommt Mahony, der Sohn der Ermordeten, zurück an den Schauplatz des Geschehens, um herauszufinden, was mit seiner Mutter passierte. Er wuchs in einem Waisenhaus in Dublin auf und besitzt nur ein Foto von seiner Mutter, aber keine Erinnerung an sie. Das Besondere: Mahony kann als einziger die Geister der Toten sehen. Diese kommunizieren aber nicht so, wie er es sich wünscht, weshalb er auf die Hilfe der Lebenden angewiesen ist. In Mulderrig trifft er zahlreiche schräge Charaktere. Je näher Mahony der Wahrheit kommt, desto dramatischere Dinge geschehen…

Die Geschichte und die vielschichtigen Charaktere haben mich absolut gefesselt. Auch die übernatürlichen Elemente gefielen mir sehr gut, da sie hervorragend zu der düsteren Stimmung des Buches passen. Gleichzeitig finde ich es gut, dass keiner der Charaktere zaubert oder irgendeine andere übernatürliche Gabe hat. So erhält sich die Geschichte trotz der Geister irgendwie ein realistisches Gefühl.

Trockener Humor lockert das Buch immer wieder auf und Jess Kidds Stil mit den poetischen Metaphern und dem ungewöhnlichen Sprachgebrauch ist einfach wunderbar. Die Autorin hat mit „Der Freund der Toten“ ein starkes Debut vorgelegt und ich freue mich schon jetzt auf ihre folgenden Romane.

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231 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 142 Rezensionen

paris, brief, hamburg, realität, briefe

Der Brief

Carolin Hagebölling
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.06.2017
ISBN 9783423261463
Genre: Romane

Rezension:

Die Prämisse des Romans "Der Brief" hat mich begeistert: Die freie Journalistin Marie wird überraschend aus ihrem Alltag gerissen, als sie einen Brief ihrer alten Schulfreundin Christine erhält. Er ist an Marie adressiert, jedoch steht darauf eine Pariser Adresse, obwohl Marie in Hamburg lebt. Der Inhalt ist ähnlich mysteriös: Laut dem Brief ist Marie mit einem Mann namens Victor liiert, obwohl sie in Wahrheit eine glückliche Beziehung mit ihrer Freundin Johanna führt. Zudem schreibt Christine über eine angebliche Krankheit Maries - doch die ist kerngesund. Kurz darauf erhält Christine einen ähnlich verwirrenden Brief mit falschen Behauptungen, der angeblich von Marie geschrieben wurde. Beide verdächtigen sich zunächst gegenseitig, doch dann begibt sich Marie auf Spurensuche, die sie unter anderem nach Paris, Berlin und in ihren Heimatort führt.

Die zentrale Idee gefällt mir sehr gut. Die beiden Frauen erhalten mehrere Briefe, die immer verwirrender werden. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, doch keiner scheint besonders wahrscheinlich. Dadurch fiebert der Leser mit.

Gleichzeitig handelt es sich bei dem Buch um einen Roman und nicht um einen Thriller. Daher entsteht keine atemlose Spannung. Neben den Briefen und den Untersuchungen zu deren Ursprung widmet sich die Autorin zudem intensiv Maries Beziehung zu ihrer Freundin, zu mehreren Freunden und zu ihren Eltern. Dadurch zeichnet sie ein sehr komplexes und interessantes Bild von Marie und ihrem Umfeld. Allerdings fällt dabei immer wieder die Spannung ab, da zwischen den einzelnen Briefen und dem Fortgang dieses Handlungsstrangs teils große Lücken klaffen. Manchmal wirken die Alltags-Themen neben dem faszinierenden Brief-Mysterium etwas belanglos.

Der Roman hat mich gut unterhalten und ich habe ihn relativ schnell an drei Nachmittagen ausgelesen. Leider ist weder emotional noch intellektuell viel hängen geblieben. Ich habe die Lektüre durchaus genossen, aber sie hat mich nicht besonders tief berührt.

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106 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

liebe, skandal, intrigen, kleinstadt, familie

June

Miranda Beverly-Whittemore , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 08.05.2017
ISBN 9783458362739
Genre: Liebesromane

Rezension:

Miranda Beverly-Whittemore spielt in ihrem Roman „June“ meisterhaft mit großen Emotionen: Sie bringt dem Leser Liebe, Eifersucht, Leidenschaft, Depressionen und Trauer nahe. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, die immer wieder clever miteinander verstrickt werden.

Es geht um die junge June, die im Jahr 1955 kurz vor ihrer Trauung steht. June will ihren Verlobten Artie nicht aus Liebe, sondern eher aus Pflichtgefühl heiraten. Die Ehe wurde mehr oder weniger arrangiert und June fügt sich ihrem Schicksal mit Stolz. Doch als ihre Heimatstadt St. Jude als Drehort für den Hollywoodfilm „Erie Canal“ auserwählt wird, trifft June den Filmstar Jack Montgomery. Beide fühlen sich sofort zueinander hingezogen, jedoch ist June verlobt und Jack mit seiner Filmpartnerin liiert.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahr 2015. Im Mittelpunkt steht Cassie. Die junge Künstlerin hat gerade ihre Großmutter June verloren und ist von New York nach St. Jude in Junes altes Haus gezogen. Das ehemals eindrucksvolle Herrenhaus Two Oaks steht kurz vor dem Verfall, doch der trauernden Cassie fehlen Geld und Energie, um sich um die Renovierung zu kümmern. Mitten in ihre depressive Phase platzt Nick, der als Assistent für die berühmte Schauspielerin Tate Montgomery arbeitet. Sie ist die Tochter von Jack. Nick eröffnet Cassie, dass der gerade verstorbene Jack ihr sein gesamtes Vermögen vererbt hat. Tate fordert nun einen Gentest. Cassies ganze Welt steht plötzlich Kopf: Sie wusste nichts über die Verbindung ihrer Familie zu Hollywood und hatte nie angezweifelt, dass sie die Enkelin von June und Artie ist. Hatte ihre so bodenständig wirkende Oma in ihrer Jugend wirklich eine Affäre mit dem Filmstar? Was ist damals tatsächlich passiert?

Die Autorin springt immer wieder zwischen beiden Erzählebenen hin und her, wobei sie die Wahrheit nach und nach enthüllt. Geheime Gefühle, Erpressungen, Bedrohungen und viel mehr kommen ans Tageslicht. Passend zum Filmaspekt ist die Handlung schön dramatisch und mitreißend gestaltet. Die Familiengeschichte entwickelt einen starken Sog und ist äußerst spannend. Immer wieder treten überraschende Wendungen auf. Zudem liest sich das Buch ungemein flüssig. Der bildhafte Stil hat mich gefesselt, weshalb die Lektüre wirklich Spaß gemacht hat.

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(125)

313 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 100 Rezensionen

liebe, freundschaft, ruth hogan, england, verlorene dinge

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Der Klappentext und die Leseprobe versprachen einen skurrilen Roman rund um eine außergewöhnliche Sammlung von Fundstücken. Der Schriftsteller Anthony Peardew verliert ein Medaillon, das ihm Therese, die früh verstorbene Liebe seines Lebens, geschenkt hat. Er fängt an, obsessiv alle verlorenen Gegenstände zu sammeln, die er draußen findet. Das reicht von Haargummis über Schirme bis hin zu einer Keksdose voll menschlicher Asche. Er verstaut jedes Fundstück ordentlich beschriftet in seinem Haus. Als Anthony stirbt, erbt seine Assistentin und Haushälterin Laura sein Haus und seinen Besitz. Damit fällt ihr auch die riesige Sammlung zu. In seinem Testament verfügt Anthony, dass Laura versuchen soll, die Gegenstände ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben.

Für mich klang „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ nach einer charmanten, aber ungewöhnlichen Geschichte. Ich habe humorvolle Versuche, die Besitzer der Fundstücke zu ermitteln, und schräge Begegnungen erwartet – all das gekoppelt mit der Selbstfindung Lauras, die abgesehen von ihrer Arbeit bei Anthony nicht gerade glücklich mit ihrem Leben war.

Letztendlich tritt für mein Empfinden die Sammlung ziemlich schnell in den Hintergrund. Aus einer spannenden Idee wird ein ziemlich konventioneller Liebesroman. Die Geschichte an sich hat Herz, aber auch eine ordentliche Portion Kitsch. Die Autorin Ruth Hogan schreibt sehr anschaulich, locker und mitreißend. Mit dem Namen des Titelhelden ist ihr eine tolle Anspielung gelungen, denn im englischen Sprachgebrauch wird das französische „perdu“ (verloren) „Peardew“ ausgesprochen. Ruth Hogan streut zudem immer wieder skurrile Momente in ihre Geschichte ein, bei denen der schwarze englische Humor durchscheint. Diese habe ich sehr genossen. Sie hat zum Teil interessante Charaktere entwickelt, die humorvoll überspitzt und dadurch sehr unterhaltsam sind. Der Roman hat also durchaus seine Vorzüge. Wäre ich mit anderen Erwartungen herangegangen, hätte ich ihn vielleicht etwas mehr genießen können. Irritiert hat mich zudem, dass alle Charaktere ihre diversen Hunde nur mit ungesunden menschlichen Lebensmitteln gefüttert haben.

Neben der Geschichte über Anthony, Laura und den Gärtner Freddy gibt es einen zweiten Handlungsstrang rund um den Verleger Bomber und seine Haushälterin Eunice. Erst am Ende wird klar, wie beide Geschichten zusammenhängen. Das ist der Autorin gut gelungen und es entsteht ein etwas schmalziger, aber bewegender Moment zwischen Laura und Eunice.

Wer gerne Liebesromane liest, wird an diesem Buch seine Freude haben. Hier stehen drei verschiedene Beziehungen im Mittelpunkt, die alle komplett unterschiedlich verlaufen und ein sehr unterschiedliches Ende haben.

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